02-03 DOD Effektpedale

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DOD Phasor 201 MEISTER
Overdrive/Preamp 250
Compressor 280
Bifet Boost 410
Envelope Filter 440
Gonkulator Ringmod
Meatbox Subsynth
DER
VIELFALT
Sage und schreibe 120 verschiedene DOD-Effektpedale gibt es, einschließlich aller Vintage-Originale
ab 1974, diverser Varianten, den Wiederauflagen
seit 2013 unter der Obhut von DigiTech/Harman und brandneuer Bodeneffekte wie
Boneshaker und Gunslinger.
TEXT Thomas Jeschonnek y FOTOS Dieter Stork
Wie andere Hersteller im gleichen Zeitraum, begann auch DOD
praxis
mit einem Phaser; gefolgt von einem Distortion-Pedal und einem
Booster. Später gesellten sich der ungestüme Gonkulator und mit
der mächtigen Meatbox auch ein Pedal speziell für Bassisten
hinzu.
• Phasor 201: Etliche Spötter sagen dem Vintage-Original nach,
es sei schaltungstechnisch eine Kopie des 1973er MXR Phase 45.
Ähnlichkeiten sind nicht zu überhören, aber exakt wie besagter
MXR-Phaser klingt zumindest die aktuelle
Version des Phasor 201 nicht, auch wenn
beide Ein-Knopf-Pedale über eine zweistufige Filterschaltung verfügen. Am Linksanschlag des Reglers bringt der Phasor 201
einen langsam swooshenden, plastischen
und unaufdringlichen Filtereffekt zu Gehör,
der nicht nur mit funkigen Rhythmus-Passagen, sondern auch mit verzerrten Soli gut
harmoniert. Was ebenfalls angenehm auffällt: weder Lautstärke noch Frequenzumfang verändern sich gegenüber dem Bypass-Klang merklich. Ungefähr ab ReglerMittelstellung beleben mit steigender
Geschwindigkeit zusätzliche Tonhöhenverschiebungen das
Klangbild. Immer weiter gedreht bis zum Rechtsanschlag, lassen
sich mit dem DOD Phasor 201 so gut wie alle Geschwindigkeits-
konstruktion
Die meisten Konstruktionsdetails der modernisierten Wiederauflagen sind in der Firmengeschichte genannt. Die gegenüber den
ursprünglichen Pedalen nach China verlagerte Fertigung hat sich
nicht negativ ausgewirkt, die Bodeneffekte sind Road-tauglich,
mit hochwertigen Komponenten bestückt und sorgfältig verarbeitet. Die typischen großen Reglerknöpfe verwendet der Hersteller weiterhin, über ein separates Batteriefach mit Deckel verfügt jedoch keiner der Probanden. Vier rutschfeste Gummifüßchen zum Unterkleben liegen jedem Pedal bei.
DOD hat sich bei den Wiederauflagen für standardisierte Reglerbezeichnungen, wie „Level“ und „Drive“ entschieden, statt wie
früher eher deftige Schlagworte wie „Smear“, „Rump“ oder
„Butt“ aufs Gehäuse zu drucken.
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ABC gitarre & bass
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DIE DOD-FIRMENGESCHICHTE
Die Abkürzung DOD geht auf David Oreste Di Francesco zurück, der das Unternehmen 1973 zusammen mit Geschäftspartner und Musiker John Johnson gründete, der die Firma später an Harman International verkaufte.
In den nun schon über 40 Jahren Firmengeschichte brachte DOD in den 70er- und frühen 80er-Jahren die „Made in USA“-Pedale der
200er, 400er und 600er Serien heraus, die heute gesuchte Vintage-Schätzchen sind. Dazu gehören der (damals noch graue) DOD Overdrive/Preamp 250 aus den 70er-Jahren (mit LM741-Chip), sein gelber Bruder aus den frühen 80ern sowie DOD-Bodeneffekte wie
Buzz Box, Ice Box, Milk Box, Grunge, Death Metal, Vibro Thang, diverse Digital-Delays und etliche andere mehr. Wie bei den meisten
anderen Marken ebenfalls üblich, gab es bei DOD damals weder True Bypass, noch Status-LED, noch Netzgeräteanschluss. Zudem färbte
der elektronisch gepufferte Bypass den Klang recht stark, was die anspruchsvoller werdenden Musiker zunehmend störte.
Das wohl populärste DOD-Pedal war das Grunge, ein Heavy-Distortion-Effekt. DOD-Entwickler Jason Lamb ließ sich dazu von Bands wie
Nirvana und The Melvins inspirieren. Kurt Cobain erhielt übrigens ein DOD Grunge als Geschenk; er hat es dann angeblich bei einem
Gig ins Publikum geworfen.
Im Jahre 2007 erfuhren die DOD-Pedale Grunge und Death Metal ein Face-Lifting und wurden Teil des DigiTech-Sortiments. Der Markenname DOD hingegen verschwand zunächst von der Bildfläche.
Die Wiedergeburt von DOD verdanken wir dem Harman-Mitarbeiter Tom Cram, der 2010 dazu ein Projekt ins Leben rief. Nun mit leichterem, dennoch stabilem Alugehäuse, heller, blauer Status-LED, True Bypass und stirnseitigem Netzteilanschluss, stellte er Prototypen
der DOD-Pedale 201 und 250 vor. Im September 2013 war es dann soweit: DOD war wieder da, mit modernisierten Serienmodellen von
Phasor 201 und Overdrive/Preamp 250, beide „Made in China“. Ab 2014 folgten dann alle weiteren in diesem Artikel vorgestellten
analogen Wiederauflagen, von denen einige gegenüber den Vintage-Originalen mit neuen schalt- bzw. regelbaren Zusatzfunktionen
ausgestattet sind. Eine Aufstellung aller ca. 120 DOD-Treter, der DOD-Multieffektpedale usw. findet man unter
https://en.wikipedia.org/wiki/DOD_Electronics zy
bereiche einer Vibratone-Rotationslautsprecherbox ansprechend
imitieren, der Phasing-Effekt bleibt dabei stets moderat.
Preis: ca. € 118
• Overdrive/Preamp 250: Als 1974 die erste Version dieses Zerrpedals herauskam, muss sich DOD stark am ein
Jahr zuvor erschienenen MXR Distortion +
orientiert haben; zu offensichtlich sind Ähnlichkeiten in Schaltungs-Layout und Klang.
Aber: DOD war wohl nicht entgangen, dass
sich etliche Gitarristen beim MXR-Treter
über geringe Boost-Reserven beklagt
hatten und reagierte dementsprechend.
Am Linksanschlag des Gain-Reglers
bietet der beim aktuellen Modell
giftig-goldfarbene DOD Overdrive/Preamp 250 einen guten
Clean-Ton, minimal fülliger als das
Bypass-Signal und damit eine ideale Grundlage zum Boosten von Röhren-Amps. Reserven bietet der VolumeRegler dafür zur Genüge. Einsatzgebiet Nr. 2 dieses Bodeneffekts
ist ein ausdruckstarker, bluesiger und dynamisch spielbarer Overdrive-Sound, der in etwa bis zur 11-Uhr-Stellung des Gain-Potis
reicht. Noch weiter gedreht ändert sich das Klangbild drastisch.
Kräftig-heftige Rock-Distortions dringen ins Ohr, mit ebensolchen, teilweise schon schneidenden Höhen. Diese erweisen sich
jedoch als sehr durchsetzungsfreudig und lassen sich bei Bedarf
am Verstärker zügeln. Der Distortion-Bereich harmoniert in erster Linie mit Humbuckern. Klanglich überzeugt der neue
DOD Overdrive Preamp 250 völlig, er ist
zudem wie sein Urahn mit einem OP-Amp
vom „amtlichen“ Typ LM741 bestückt.
Preis: ca. € 118
• Compressor 280: Etliche KompressorPedale fügen dem Klangbild eine Spur
Höhen hinzu. Wer das nicht mag, sollte
mal den DOD Compressor 280 anchecken.
Der arbeitet klanglich neutral und lässt
gitarre & bass ABC
sich außerdem auch als Booster einsetzten, bei weit zurückgedrehtem Comp-Regler. Bis etwa zur Mittelstellung arbeitet dieser
sehr subtil und greift erst bei starken Impulsen ins Geschehen ein.
Es folgt ein weiter Einstellbereich, mit leichter bis mittelstarker
Kompression, ideal für Chicken-Pickings und andere cleane Gitarrenarbeit. Und hier entstehen exakt die Sounds, für die der
DOD Compressor 280 immer schon bekannt und beliebt war. Wer
den Saitenanschlag noch mehr unterdrücken und gleichzeitig das
Sustain anheben möchte, dreht den Comp-Regler weiter in Richtung Rechtsanschlag. Auf diese Weise lassen sich auch verzerrte
Einzeltöne – vorzugsweise mit Humbuckern – schier endlos verlängern. Preis: ca. € 118
• Bifet Boost 410: Früher war dieses
Pedal unter anderem als DOD Studio BiFet Preamp FX10 bekannt, heute verfügt
dieser Booster als Novum über einen
schaltbaren Bypass (True/Buffered). Herzstück der Schaltung ist ein TL081-Chip, der
die Rolle des namengebenden Bi-FET (bipolarer Feldeffekt-Transistor) übernimmt.
Dieser Treter ist ein Wolf im Schafspelz,
denn er vermag erheblich mehr, als sein 2Regler-Design anfänglich vermuten lässt:
mit Tone in der Mitte und Volume ungefähr auf 10 Uhr liefert das DOD-Pedal ein
gegenüber dem Bypass unverändertes
Signal. Erhöht man die Lautstärke allmählich, bereichern ganz leichte, Röhren-ähnliche Verzerrungen das
Klangbild und interagieren sehr gut mit dem nun ebenfalls verzerrenden Verstärker. Um bis zu 20 dB kann der Pegel angehoben
werden, das ist reichlich. Der Ton wirkt ungemein musikalisch und
angenehm süßlich. Bei weiter aufgedrehtem Tone wird das
Bifet Boost 410 allmählich zum Treble-Booster: Höhen werden
verstärkt, Bässe abgesenkt. Bei nach links gedrehtem Tone-Poti
verhält es sich dann genau umgekehrt: in 10-Uhr-Stellung erhält
man beispielsweise einen fetten, knurrigen und gleichzeitig mildsüßlichen Ton.
Der elektronisch gepufferte Bypass gibt sich geringfügig brillanter als der True Bypass. Setzt man diesen DOD-Booster am Anfang
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der Signalkette ein, empfiehlt sich der
True Bypass. Am Ende, als Aufholverstärker ist
die elektronisch gepufferte Variante ideal.
Ganz schön vielseitig, das kleine Kästchen!
Preis: ca. € 118
• Envelope Filter 440: Die Wiederauflage
dieses DOD-Auto-Wah wurde ebenfalls um
eine Zusatzfunktion erweitert. Der kleine
Kippschalter deutet bereits mit seinen beiden
Pfeilen darauf hin: statt wie bei allen bisherigen Versionen dieser „Quak-Box“ ausschließlich nach oben, lässt sich die per Anschlag gesteuerte Filtereffektrichtung nun auch nach
unten lenken, das Filter also dynamisch schließen. Einer der
Gründe für seine große Beliebtheit war und ist sein richtig fett
und guttural klingender Filter- bzw. Wah-Effekt, sofern man die
Regler Level und Range passend eingestellt hat. Dünnere, schrillere Filtereffekte hat das DOD 440 ebenfalls im Repertoire. Legt
man den Richtungsschalter nach unten, gilt es beide Regler neu
zu justieren. Die so entstehenden „Uaah-Aau“- und „Iooo-Oi“-Effekte klingen originell und erinnern ans Mu-Tron III.
Preis: ca. € 118
• Gonkulator Ringmod: Eher traditionell eingestellte Musiker werden zum
DOD Gonkulator zumindest anfänglich
wohl eher Distanz wahren, sollten aber
trotzdem weiterlesen. Denn die Wiederauflage enthält als Sahnehäubchen
einen auch separat nutzbaren HeavyDistortion-Effekt à la DOD Grunge.
Doch zunächst zum Ringmodulator, bei
dem die gespielten Noten mit der
Frequenz eines synthetisch im Gerät erzeugten Tons multipliziert werden. Bei
allen früheren Versionen von „The
Gonk“ war dessen Trägerfrequenz fest eingestellt, sie ließ sich jedoch umständlich über ein Trimm-Poti auf der Platine justieren.
Doch beim neuen Gonkulator wurde dieser Regler endlich nach
außen verlegt und bereichert unter der Bezeichnung „Freq“
(bzw. „Null“ bei unserem Vorserien-Testpedal) die Möglichkeiten
des ungestümen „Gonks“. Wie erwartet klingt der Ringmodulator für sich allein in so gut wie allen Einstellungen total disharmonisch, nach Roboter-Stimme oder kaputten Glocken. Es sei
denn, man stellt die Trägerfrequenz, die man immer leicht durchhört, exakt auf den Ton bzw. Akkord ein, den man momentan
spielt.
Der Distortion-Bereich dürfte die Traditionalisten wieder anlocken, auch die parallele Kombination mit dem Ringmodulator. Bei
Gain am Linksanschlag generiert die Schaltung einen richtig dreckigen und eigenwilligen Overdrive-Effekt; damit allein lässt sich
schon gut arbeiten. Beim Weiterdrehen folgt dann ein knalliger,
fein abgestimmter Distortion-Effekt, der auch knochenhart und
sehr heftig zur Sache gehen kann, in den Höhen jedoch nie
schneidend wird. Kombiniert man geschickt beide Effekte, lässt
sich beispielsweise ein (leicht) defekter Verstärker simulieren.
Klingt abenteuerlich, kaputt und einzigartig; dieser Klangexperimentierkasten macht echt Laune und ist erheblich vielseitiger als
frühere Versionen. Ringmodulator und Verzerrer verfügen übrigens über eigene Level-Potis, außerdem gibt’s einen Gesamtlautstärkeregler. Preis: ca. € 223
• Meatbox Subsynth: Ein höchst ungewöhnliches, blutrotes
Pedal, auf dem bereits eine virtuelle Fliege sitzt. Früher
lagen der Meatbox übrigens Fliegen-Abziehbilder bei. Gedacht ist dieser Subsynth für
Bassisten, welche die Erde oder zumindest den Saal beben lassen wollen. Für
7-, 8-saitige oder sehr tief gestimmte E-Gitarren eignet sich die Meatbox ebenfalls,
auch wurden schon Drum-Computer mit
dem Subsynth-Original aus den 90er Jahren
aufgepeppt. Voraussetzung: man sollte ausschließlich einen Bass-Verstärker und reichlich
dimensionierte Bassboxen mit 15“- oder 18“Lautspechern verwenden. Kleineren Speakern
droht ohne Übertreibung die Zerstörung, davor
warnt der Hersteller auch ausdrücklich in seiner Bedienungsanleitung, die allerdings leider nur online verfügbar ist.
Die DOD-Meatbox stellt eine eigenständige Mixtur aus monofonem, analogem Down-Octaver und Sub-Bass-Generator dar. So
entsteht mal ein mächtiger, summender Synthesizer-Ton, mal
spürt man mehr, als man hört. Alles vibriert dann, die Lautsprechermembranen flattern bedrohlich. „Octave“ mischt Original und
tiefergelegte Signale, „Output“ regelt die Gesamtlautstärke,
„Sub“ den Anteil des subharmonischen Effekts und vor „Low“
muss man sich zum Schutze seiner Lautsprecher am meisten in
Acht nehmen. Denn dieser Bass-Regler ist im Verbund mit „Sub“
übermächtig; was der an Tiefbassschub raushauen kann, ist schon
grenzwertig. Das Tracking der Oktaver-Schaltung funktioniert
einwandfrei, sofern man kräftig und sauber spielt.
Die Meatbox lässt sich jedoch auch subtiler einstellen, ja sogar als
Bass-Cut. Ein wenig zusätzlicher Tiefbass steht beispielsweise
einem knorrig-dürren Steg-Tonabnehmer gut.
Das Ausgangssignal der Meatbox lässt sich auch auf zwei Verstärker verteilen: die Stereo-Klinkenbuchse führt an der Spitze das
„Octave + Sub“-Signal und am Ring das originale Dry-Signal.
Preis: ca. € 223
ÜBERSICHT
Fabrikat: DOD
Modelle: Phasor 201, Overdrive/Preamp 250, Compressor 280,
Bifet Boost 410, Envelope Filter 440, Gonkulator Ringmod, Meatbox Subsynth
Gerätetyp: Effektpedale für E-Gitarre, Bass und Keyboards
Herkunftsland: China
Arbeitsweise: analog
Bypass: True Bypass
Vertrieb: W-Music Distribution, 08258 Markneukirchen, shop.warwick.de
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resümee
DOD hat beim geglückten Revival die
zu Recht beliebten Pedale um sinnvolle, aktuelle Features bereichert, einige sogar um Zusatzfunktionen, welche diese legendären Bodeneffekte
weiter aufwerten. Die Preise gehen absolut in Ordnung, wobei die beiden
Exoten Gonkulator und Meatbox nicht
gerade Schnäppchen, sondern eher
Boutique-Pedale darstellen. Bleibt zu
hoffen, dass die wiederauferstandene
Marke DOD weitere Klassiker auflegen
wird. zy
ABC gitarre & bass

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