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C 20 924 F
MITTEILUNGEN
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FREIE
WALDORFSCHULE
STADE
Inhalt
Abschied von Jochen Wüstenfeld
Unsere 10-Jahresfeier
Klassenfahrt 8. Klasse (Jungen)
Klassenfahrt 8. Klasse (Mädchen)
Notre voyage à Paris
Bericht vom Praktikum
Zwölft-Klass-Spiel / Andorra
Zwölft-Klass-Spiel / Die Physiker
Ein neuer Konzertflügel
Acht-Klass-Fahrt
Gartenbau-Epoche
Bücherverkauf zum Kilopreis
Klassenfoto der 1. Klasse
Die neue erste Klasse
Lehrervorstellung
KiGa stellt sich vor / Termine
Seite 4
Seite 10
Seite 13
Seite 16
Seite 18
Seite 19
Seite 24
Seite 28
Seite 33
Seite 34
Seite 37
Seite 38
Seite 39
Seite 40
Seite 44
Seite 46
Impressum
Herausgeber:
Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik e.V., Stade
Redaktion:
Öffentlichkeitsarbeitskreis
Mitarbeiter dieser Ausgabe:
A. Psotta, A. Kleier, Nico Martens,
Anna-Johanna Albers, Reinhold
Weiß, Ulrike Claes, Ulrich Schubert,
Lena Kirschbaum, Karl-Hermann
Jellinek. Klaus Heinemann, Sonja
Melzow, Hartmut Lauterbach,
Ludwik Jablonski
Namentlich gezeichnete Artikel geben
nicht in jedem Fall die Meinung der
Redaktion wieder
Anzeigenverwaltung:
Borchert Rödel, Postfach 126,
21636 Horneburg
DTP:
Hannah-Verlag, 21684 Stade
Repro:
Ready for Press, 21682 Stade
Druck:
Großer Bär, 21745 Hemmoor
Erscheinungsweise:
Halbjährlich. Die Finanzierung des
Heftes erfolgt durch Anzeigenerlöse
und Spenden, für die wir uns herzlich
bedanken.
Einzelpreis:
DM 2.– Der Heftpreis ist bei
Vereinsmitgliedern im Vereinsbeitrag
enthalten.
Adressen:
Freie Waldorfschule Stade:
Henning v. Tresckow Weg 2,
21684 Stade
Tel.:
04141 / 51 05 21
Fax:
04141 / 51 05 22
Hort: 04141 / 51 05 23
Waldorf-Kindergarten Stade:
Verein zur Förderung der
Waldorfpädagogik e.V., Stade
Waldorfhaus Stade
Harsefelder Straße 57a, 21680 Stade,
Tel.: 04141 / 63 85 8
Konto: 210 914, Kreissparkasse
Stade, BLZ 241 511 16
Waldorf-Kindergarten Nottensdorf
Verein zur Förderung der
Waldorfpädagogik e.V.
Bremers Garten 18a, 21640
Nottensdorf
Tel.: 04163 / 62 91
Konto: 405 563, Kreissparkasse
Stade, BLZ 241 511 16
3
In Memoriam
Jochen Wüstenfeld
* 11.11.1961 ✟ 24.09.2000
Jochen Wüstenfeld war freier Künstler und
Lehrer an der Waldorfschule Stade. Er ist
nach einer sehr rasch verlaufenden Krebserkrankung binnen zweier Monate verstorben. Er hat gekämpft, sich darauf eingelassen und den Weg gefunden weiterzugehen.
Die Abschiedsfeier fand am 28. September
in Stade statt.
Allen, die an ihn
denken möchten,
sei hiermit gegeben,
was sie durch ihren
persönlichen oder
offiziellen Kontakt
zu Jochen Wüstenfeld möglicherweise nicht wussten.
Die
folgenden
Worte geben die
Ansprache der Abschiedsfeier wieder:
Liebe Familie von Jochen, liebe Freunde
von Jochen Wüstenfeld,
vor Ihnen möchte ich einen Bogen spannen über die künstlerische Arbeit von
Jochen. Nicht alles kann ich erwähnen, so
dass Sie das, was Ihnen noch einfällt, ergänzen mögen.
Ich denke an Jochen in seiner warmherzigen, feinen und manchmal scheuen Art, an
seine Leichtigkeit und den erfrischenden
Umgang mit Menschen.
Vor vierzehn Jahren haben wir uns kennen gelernt und vor vierzehn Jahren begann
unsere Freundschaft. Seit unserem
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Aufenthalt in Japan (1994) arbeiten wir
zusammen.
Die ersten Werke, die ich von Jochen
erinnere, sind Objekt-Bilder mit dem KreuzMotiv. Er malt farbige Kreuze auf erdigem
Grund – es sind spanische Erden in allen
Brauntönen in Verbindung mit Fundstücken
und verschiedenen Materialien. Die Bilder
stellt er an unserer Hochschule aus. Es entflammt eine heftige Diskussion – von den
Dozenten wird er nicht verstanden. Die
Bilder greifen tief in das Leben, zeigen
Himmel und Erde zugleich. Er selbst verliert
seine Leichtigkeit nicht. Auch nicht seinen
Humor, mit dem er so oft viele zum Lachen
bringt.
Die Kreuzbilder entstehen nach den
Kunstseminaren mit Dieter Rudloff über
Romanik und Gegenwart und dem Beginn
einer tiefen Verbindung zu Joseph Beuys,
über dessen Werk Jochen in den letzten
Jahren viele Vorträge gehalten hat.
Tief bewegt von Beuys, Tapies, Cage und
dem Johannes-Evangelium arbeitet Jochen
an großen, sehr sinnlichen Bildern und
Objekten. Er arbeitet mit Farben, Wachs,
Bienenwaben und Gegenständen an kräftigen Werken, die Poesie und Geheimnisse
bergen. Er verarbeitet Autobiografisches
und alle Themen, die ihn gerade beschäftigen.
Wie ein Gegenpol wirken zu jener Zeit –
zwei Jahre nach der Hochzeit ist Marlene
schwanger mit Clara – kleine, sehr feine,
aussagekräftige Tuschzeichnungen.
Außerdem malt Jochen ein 17 m langes
Kirchenbild zur Schöpfungsgeschichte in
Essen. Zur Übergabe des Bildes an die Gemeinde spricht er klar und aus seinem echten und umfassenden Verständnis des
Themas heraus.
Seine Fähigkeit zum sprachlichen Ausdruck ist enorm. Er ist ein Meister des
Gesprächs und er liebt Gespräche. Jochen
nimmt andere Ideen gerne auf und bewegt
sie solange bis er seinen Teil daran gesichert
hat und damit arbeiten kann.
Es folgt der Umzug nach Cuxhaven.
Jochen beginnt mit Rauminstallationen. Er
arbeitet dunkle Räume, nutzt schwarzes
Gummi und eintönige Geräusche.
Seine „Rotunde“ ist ein Raum mit vielfältigen Sinneseindrücken: Licht von unten,
instabile Gitterroste, Gummigeruch und
tiefe Brummtöne. Es gilt, sich sehr zu sammeln und die innere Kraft zum geduldigen
Wahrnehmen aufzubringen, um darin auszuhalten. Er selbst verbringt Stunden in seinen Räumen der besonderen Stille – solange er daran arbeitet und immer wieder auch
danach, während der Ausstellungen.
Wenn Jochen arbeitet, ist er voll dabei.
Er benutzt den ganzen Körper – er muss
sich spüren. Er geht sehr experimentell und
forschend vor, hat aber durchaus seinen
Spaß dabei. Es ist als ob er einer ungewissen Spur folgt: ausprobieren, sehen, erfahren. Stets ist er auf der Suche nach dem
Leben. Wo er ist, macht er und wenn er
macht, dann ist er. „Wenn ich arbeiten
kann“, sagt er, „geht es mir einfach gut.“
Beim künstlerischen Arbeiten kann er einJochen Wüstenfeld und Thomas Werner
Performance – Werkleitzbienale ‘96
Abschied von Jochen Wüstenfeld
tauchen und alles andere vergessen. Er hat
da seine Ruhe und kann seine eigene Vitalität spüren, er begegnet seinem Bewegungsdrang und seiner Verspieltheit.
Mir fällt das Thema des andalusischen
Dämon, wie ihn Garcia Lorca beschreibt,
ein. Es geht um „das mit der Handlung
Schöpferische“, um die Kraft des Erdigen,
die durchlebte und durchlittene Kraft der
Intensität. Diese Kraft „braucht einen radikalen Wechsel aller Formen und vermittelt
dann urneue Empfindungen von frisch
Jochen Wüstenfeld und Thomas Werner
Au revoir ami – Performance 2000
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Erstandenem, z. B. von der Qualität einer
plötzlich ersprießenden Rose“. „Olá, das
hat Dämon“, sagte eine andalusische
Zigeunerin, nachdem sie ein Orgelkonzert
von Bach gehört hatte.
Jochens großes Werk noch in Cuxhaven
ist die Durchführung des internationalen
Künstlersymposions, gemeinsam mit
Marlene, Barbara Held und Ulli Schünke.
Die Kontakte und Gespräche mit den
Künstlern und Besuchern entfachen seine
ganze Kraft und Freude für die Menschen
und das große Thema der Kunst.
Neben der Organisation bearbeitet er den
größten Raum. Wiederum geht Jochen
äußerst kraftvoll und vital ans Werk. Der
Raum hat Stille. Für Jochen ist das Werken
fast entscheidender als das Werk. Er liebt
das Tun. Sein Arbeitsprozess ist Performance.
Dann beginnt Jochen wieder zu zeichnen.
Die mittelformatigen Strichzeichnungen
macht er – ich glaube zu Hunderten – unermüdlich forschend und tätig. Die
Zeichnungen werden verstanden, er stellt
aus, hat Ankäufe – der Durchbruch bleibt
aus.
Die Familie zieht nach England. Jochen
löst die künstlerischen Kontakte. Sein
Werkfluss kommt vorübergehend zur Ruhe.
Er kümmert sich um seine Tochter Clara.
Die Kunst und die Auseinandersetzung mit
ihr fehlen ihm.
Nach einiger Zeit beginnt er die Arbeit an
seinen „Bobbels“ – ich weiß nicht genau,
wie er sie selbst nannte. Es sind kreisrunde
Wandobjekte, wie Kugelanschnitte, die mit
Schaumstoff gefüllt sind. Sie ragen weich in
Abschied von Jochen Wüstenfeld
den Raum, zum Teil in leuchtenden Farben.
Die Ausführung ist perfekt und sehr klar.
Daneben macht er kleine poetische Bilder
mit Ausschnitten aus Kunstdrucken,
Sammelbildern und Sinn-Sätzen. Es sind
lieblich-rührende und doch ernste, feinsinnige Werke, die er an viele verschenkt. Ich
erhielt einen ausgerissenen Frauentorso mit
dem Statement: „Try to find a place where
you would like to live in.“
Jochen, Marlene und Clara ziehen nach
Witten. Dort beginnt unsere künstlerische
Zusammenarbeit auf dem Feld der Performance. Ein Jahr später zieht die Familie
nach Stade. Im Jahre 1998 kommt der Sohn
Äneas zur Welt.
Jochen sucht nach Schönheit, Stimmigkeit und nach Echtheit. Er nutzt alles dafür:
das Leichte und das zutiefst Berührende, das
Einfache, das Tiefe und auch das
Spektakuläre.
In Lübeck macht er die Performance
„The show must go on“. Er sitzt vor einem
Aufzug und isst Papier, ruft: the show must
go on – steigt in den Aufzug und ... fährt
nach oben. Die Zuschauer werden hinausgeleitet an die Kaimauer und ... plötzlich
springt er aus 15 m Höhe in das
Hafenbecken, taucht nach Sekunden wieder
aus dem Wasser auf und hält zwei
Blumensträuße in den Händen.
Jochen sucht. Seine Themen sind das
Wagnis, die Herausforderung und die Stille.
Im Verhältnis zu den Dingen und zu den
Menschen. Jochen ist ein Menschenfreund!
Weil er so vieles liebte und so vieles tun und
probieren wollte, war er dann manchmal ...
einfach schon wieder verschwunden.
Stunden haben wir gemeinsam ohne
Worte auf Wipfeln von Bäumen unsere
Performances gemacht. Jochen liebte das
Bild. In Helsinki sagte er: Wir stehen da
oben über den Blättern – wir sind da. Da,
wo sonst nur die Vögel sind ... und das
Rauschen des Windes ...
Ich frage mich, wie wir Jochens Impulse
aufgreifen und für das Leben weiterhin
fruchtbar machen können? Vielleicht, wenn
wir abends mit einer Frage in den Schlaf
gehen und morgens eine leise Antwort darauf finden? Jochen sagte mir vor vier
Wochen: „Ich werde dir helfen, ich werde
euch allen helfen.“
Zuletzt malt Jochen wieder KreuzMotive. Er hat mir nicht mehr erklärt
warum. Ich schließe mit einem Satz von
John Cage, den Jochen wohl die letzten 15
Jahre mit sich herumtrug:
„I welcome whatever happens next.“
THOMAS WERNER IM OKTOBER 2000
✰
Es soll 2001, so Jochen Wüstenfelds
Wunsch, ein Katalog über seine letzte
Schaffensperiode und die Zusammenarbeit
mit Thomas Werner aufgelegt werden.
Wenn Sie diesen Katalog (ca. DM 15 000)
mitfinanzieren möchten, überweisen Sie
bitte eine Kultur-Spende (gegen Spendenbescheinigung) an:
Landeshauptkasse
Hamburg
Verwendungszweck: 34019 K 321
Wü/We (und Ihre Anschrift)
Konto: 101 600, HLB,
BLZ 200 500 00
7
Abschied von Jochen Wüstenfeld
Das Jahr mit Dir
war viel zu kurz
Im Sommer 1999 wechselte ich an die
Waldorfschule in Stade. Innerhalb des
freundlichen und aufgeschlossenen Kollegiums wurde mir Jochen Wüstenfeld in kürzester Zeit besonders lieb. Nicht nur, dass er
mir beim Tragen des Sofas zum Einzug half
und mir danach das erste Eis in der Stader
Altstadt spendierte, seine verschmitzte Art
brachte uns manch vergnüglichen Augenblick im beruflichen Alltag.
Bald entdeckten wir eine gemeinsame philosophische Ader, wobei mich die Brillanz
seiner Gedankenführung nicht minder beeindruckte als seine verbalen Skulpturen.
Er galt im Kollegium als jemand, der kritisch und ehrlich um stete Belebung anthroposophischer Standpunkte rang und dies auf
originelle und einleuchtende Art auszudrücken verstand. Beuys – als eine ihn inspirierende Quelle – wurde oft zitiert, aber
immer war es Jochen Wüstenfeld, der es so
meinte, der das Gelesene, Erfahrene,
„Durchkunstete“, absolut eigenständig –
und niemals bloß nachgekaut – vortragen
und vertreten konnte. So befeuerte er die
Konferenzen durch sein vitales Bemühen um
Klarheit. Wo Verstimmungen auftraten, bemühte er sich aus echter Betroffenheit um
Verständigung und Versöhnung.
Jochen Wüstenfeld hatte den Mut zu offenen Fragen – der Forscher in ihm machte
auch nicht Halt vor seiner eigenen Rolle als
Lehrer, als Pädagoge. Einmal erörterten wir
die Frage, ob nicht jeder Unterricht ein Stück
Selbstinszenierung sei. Der Weg des Hinterfragens – und selbst der eigenen Eitelkeit –
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war auch sein Weg. Mitunter war er hingerissen über seinen eigenen Unterricht.
„Jochen Wüstenfeld“, er sprach gern in der
dritten Person von sich, „du warst gut!“,
sagte er dann zu uns beiden, mit seinem
besonderen Strahlen in den Augen, das eine
Portion Selbstironie enthielt, aber vor allem
schiere Lebensfreude.
Wahrscheinlich waren die Schüler auch
beeindruckt von der bis in die Knochen
gehenden Leuchtkraft seines Vortrages und
der Schönheit seiner Gedankengebäude.
Seine Botschaften konnten durchaus ihn
selbst als Ersten begeistern; das bisher nur
vage Geahnte, Gefühlte nun – sozusagen ex
publico – ausdrücken zu können, in sein
metaphysisches System zu bringen – dies
muss ihm im Unterricht, im Vortrag oder im
Disput einige Male gelungen sein! Das
Publikum war vielleicht Teil seines (Selbst-)
Erkenntnisprozesses. Und immer charmant
dabei, immer angenehm verbindlich – die
unterschwellige Botschaft lautete: Das
machen wir schon! Er konnte wundervoll
sein, dieser Mensch. Und er hatte Herz für
die Schüler.
Immer litt und fühlte er mit, wies Wege
auf, war Vorbild, war Lehrer. Er unterrichtete mit dem Herzen. Das bisschen Show,
das bisschen Selbstinszenierung waren einfach das Salz in der Suppe. – Und den absurden Moment, den kreativen, existenziellen
Zweifel, der zur Neubesinnung führt – mitten im Unterricht aus dem Fenster zu schauen und sich zu fragen: „Ja, was mache ich
hier eigentlich?“ – den hat er auch erlebt.
Abschied von Jochen Wüstenfeld
Die Begegnung mit ihm hatte Wahrhaftigkeit, war unverfälscht – Floskeln und
Banalitäten kannte er nicht. So erfasste er
sein Gegenüber im wesentlichen Kern, gab
sich mit überflüssigem Ballast erst gar nicht
ab, lächelte das einfach weg, hatte immer
Respekt, verstand und gab zu verstehen.
Wer sich auf ihn einließ, sich ihm anvertraute, hatte nichts zu befürchten – und ging
schließlich mit demselben Lächeln davon.
Jochen, auch den halbstündigen Blues mit
Dir – im Schulkeller, Keyboard und Schlagzeug, Donnerstagabend, nach Unterricht
und Konferenzen – werde ich nicht vergessen. Das Jahr mit Dir war viel zu kurz, und
doch lang genug, um Dich nun schmerzlich
zu vermissen. Warum Du so früh gegangen
bist? Ich habe das noch nicht verstanden!
Teile der Rede von Jochen Wüstenfeld
zum Schuljahresbeginn, Sommer 1999, im
Saal, vor allen Schülern, sind mir – dem
damaligen Neuling – noch im Ohr: Er
sprach über die ehemaligen, gerade abgemeldeten Schüler, über das irritierende Verlustgefühl angesichts leerer Bänke. Er sprach
uns Zuversicht zu, er sprach über Hoffnung,
Kraft und die Zukunft. Und er sagte, er
gehöre ja mehr auf die fröhliche Seite des
Lebens.
ULRICH SCHUBERT
Worte des Dankes
Aus tiefstem Herzen danken wir allen, die einen Schutz-Raum um uns gebildet haben aus
lichtvollen Gedanken
Hoffnung
Mitgefühl
Gebeten
innerer und äußerer Hilfe
So konnte sich Jochen Wüstenfeld auf seinem Weg behütet und getragen fühlen. Bis wenige Tage vor seinem Tod war er innerlich bewegt durch die Gedanken an die Schule und insbesondere an die von ihm betreute Klasse.
„Wenn ich hier nichts mehr für Euch tun kann,
dann tue ich es eben von dort.
Ich habe so viel Kraft, ich werde Euch allen helfen.“
Ich danke allen Lehrern, Eltern und Schülern, die ihre Herzen geöffnet haben für die liebevollen Taten und Gedanken. Besonders möchte ich erwähnen: Ursula Rübke für den täglichen Gebetskreis, Michael Hohenstein, Ina Barzen, Andrea Köttgen, Sabine Roock, Ulrich
Schubert, Wilfried Eggers und der jetzigen 11. Klasse, die uns so zur Seite stehen.
MARLENE WÜSTENFELD
9
Unsere 10-Jahres-Feier
Tag der offenen Tür
A
m 6. Oktober fand im Rahmen unseres
10-Jahres-Festvergnügens erstmals ein
Tag der offenen Tür mit offenem Unterricht
statt. War die Vorbereitung auch äußerst
mühsam, so konnte das Ergebnis sich dennoch sehen lassen. Ein vielfältiges Angebot
ermöglichte einen guten Einblick in unsere
Schule. Da gab es für die Erstklass-Eltern die
Möglichkeit, ihre Kleinen im rhythmischen
Teil wahrzunehmen. – „Am meisten hat
mich diese Ruhe, die Geschlossenheit und
die Begeisterung der Kinder beeindruckt“,
(eine Mutter).
Die dritte Klasse ließ sich beim Pflügen
während der Landbauepoche im Schulgarten zuschauen. – „Die lernen hier, dass es
auch mal regnen muss, damit alles wächst!“
(Frau L. Peters für den Landkreis Stade,
Festansprache) Freihandgeometrie bot die
fünfte, Geographie gab’s in der zwölften und
achten. Die Französischstunde in der dritten
zeigte, wie fröhlich und ruhig Unterricht
auch nach vorangegangenem Streit in der
Pause sein kann und wie inhaltlich der Stoff
anderer Fächer aufgegriffen wird, hier das
Rechnen beim Erlernen der französischen
Zahlen. Die sechste Klasse zeigte Englischunterricht – „wie ruhig und brav die heute
sind..“ (eine Lehrerin) – und die achte eine
ganz normale Übstunde. In der zehnten war
Eurythmie zu sehen (die schon am Oberstufenabend damit überzeugt hatte). Über
Mittag bestand die Möglichkeit, am Gartenbauunterricht mit der siebten teilzunehmen.
Im Schulgebäude halfen etliche Eltern den
Gästen bei der Orientierung – „wo ist die
siebte Klasse?“. Das bot auch Gelegenheit
zum kurzen Gespräch oder zum Nachfragen. Bereits um elf wurden gut fünfzig
Besucher gezählt, im Laufe des Tages etwa
10
achtzig. Teilweise waren es Interessierte, die
nicht zur Schulgemeinschaft gehören, aber
auch etliche Schuleltern, die die Gelegenheit
nutzten, etwas mehr über unseren Unterricht
zu erfahren.
Parallel konnten verschiedene Ausstellungen besucht werden, eine zu unserer Schulgeschichte (übrigens stets von unseren älteren Schülern belagert) und eine zu Klassenfahrt und Sozialpraktikum in Litauen. Es
gab einen Ausstellungsraum mit Schülerarbeiten, einen Büchertisch und einen Film mit
Einblick in verschiedene Waldorfschulen.
Hochbetrieb herrschte auch immer in der
Schulküche bei Kaffee und Brötchen, bzw.
Mittagessen, auch hier wieder mit Gelegenheit zum Gespräch oder Schwätzchen.
Der Nachmittag gehörte dem Handwerk,
Tischlern und Besenbinden mit der siebten
und achten und Weben mit der zehnten
Klasse. Es gab auch Gelegenheit, an der
Schauspielprobe des Zwölftklass-Spiels teilzunehmen.
lles in allem war es eine sehr gelungene
Veranstaltung mit großer positiver
Resonanz. Schuleltern bot sich die Möglichkeit, einmal hinter die Kulissen zu schauen und ein „Stückchen mehr“, Waldorfpädagogik zu verstehen. Für viele ergab sich
zum ersten Mal die Gelegenheit, am Unterricht teilzunehmen. Das Vertrauen in diese
Schule und deren Pädagogik ist bekräftigt
und bestätigt worden, der Respekt vor der
Tüchtigkeit unserer LehrerInnen gewachsen.
Den Schülern hat’s offensichtlich Spaß gemacht – „Klasse, was da ‘rüberkommt!“
(eine Besucherin).
Zum Schul-Geburtstag wünsche ich mir
mit vielen anderen häufiger solche EinBlicke
– Jedes Jahr?
VERENA WEIN-WILKE
A
Unsere 10-Jahres-Feier
Kinderfest mit
Drachenlabyrinth
und Stockbrot
A
Die Erstklässler beim Balancieren
auf dem Holzbalken.
Kleine Pause in der Schulküche
Foto unten: Stockbrot schmeckt
richtig lecker.
uch die Schüler haben unser herbstliches
Jubiläum mitgefeiert und genossen. Bei strahlendem Sonnenschein wurde das Spielmobil aufgeklappt. Es kamen viele Spielgeräte zum Vorschein,
die auf dem Schulhof ausprobiert werden konnten.
Im Kellergewölbe durften sich auch erstmals die
Schüler der jetzigen 4. Klasse durch eine Gruselhöhle tasten. Dafür fanden die unteren Klassen viel
Vergnügen an einem Drachenlabyrinth. Mit viel
Glück konnte eine Drachenschuppe gefunden werden. Für spannende und interessante Abwechslung
sorgte der Hoffmannsche Zauberlehrling, der so
gut zaubern konnte, dass er sicherlich seine Prüfung
nun endlich bestanden hat. Selbst Eier ließ er
unsichtbar durch die Luft schweben und an anderer Stelle wieder auftauchen. In Notzeiten wird er
uns statt Bonbons bestimmt auch Brote herbeizaubern können. Wir werden an ihn denken und
bedanken uns ganz herzlich für seine gelungene
Darbietung.
Neben dieser Aktivität war die 7. Klasse eifrig
bemüht, für einen erfrischenden Obstsalat zu sorgen und den Stockbrotteig vorzubereiten. Ein
großes Lob an die emanzipierten unermüdlichen
Jungen dieser Klasse, die zum Schluss für eine saubere Küche sorgten, während die Mädchen sich
nach getaner Arbeit auf dem Hortsofa ausruhten
und plauschten.
Alles in allem war es ein gelungener Morgen.
Etliche Schüler fühlten sich so heimelig, dass sie
weit nach Ende des Festes noch beim Feuer saßen
und kokelten. Vor allem waren hier diejenigen zu
finden, die sonst nach Schulschluss immer ganz
schnell aus der Schule flüchten.
ANNETTE PSOTTA (LEHRERIN)
11
Unsere 10-Jahres-Feier
Festlicher
Vormittag mit
beschwingtem
Ausklang
D
as Haus war geschmückt mit den Werken unserer Schüler aus dem Kunstund Handwerksunterricht, so wie bei einer
interessanten Ausstellung, die uns mit den
vergangenen 10 Jahren konfrontierte.
In gelöster Stimmung fand sich die Festgemeinschaft im Saal zusammen. Deutlich
spürbar war ein Nachklang vom vergangenen Oberstufenabend zu erleben.
Als Gäste waren geladen und auch anwesend:
Herr Hiller, Geschäftsführer des Bundes
der Freien Waldorfschulen
Frau S. Hemke, stellvertretende Bürgermeisterin, Stade
Frau L. Peters vom Landkreis Stade
Herr Aßmann von unserer Patenschule,
der Rudolf-Steiner-Schule Harburg,
und nicht zuletzt die Schüler und Lehrer
der Schule Kazlu Ruda, Litauen.
Frau Psotta, Klassenlehrerin der 3. Klasse
begrüßte und führte in ungezwungener
Weise durch das umfangreiche Programm.
Der Wechsel von Ansprachen und
Schülerdarbietungen ließ keine Langeweile
aufkommen. Bei der Vielzahl der Redner
war es erstaunlich, dass jeder Beitrag knapp
gefasst war; und vom jeweiligen Standpunkt
des Redners ausgehend, von herzlichem
12
Günter Köttgen und David Grottschreiber
begleiteten die Lesung musikalisch.
Zugetansein zu dieser Schule zeugte. Sehr
erfrischend wirkten die Schülerbeiträge, so
dass deutlich wurde, wofür und für wen
diese Schule gegründet wurde. Auch die
Schüler aus Litauen begeisterten mit ihrem
musikalischen Beitrag.
Einen Phönixvogel mit golden leuchtendem Herzstück schenkten die Litauer unserer Schulgemeinschaft. Der Vogel Phönix,
der aus der Asche aufsteigt, könnte für uns
ein Symbol sein.
Den Ausklang der Feier bildete ein reichhaltiger lecker angerichteter Imbiss in den
Speiseräumen. Ina Barzen und ihrer Crew,
wie auch der 7. Klasse sei dafür noch einmal
herzlich gedankt.
Ein besonderes Bonbon bildete der
Abschluss in dem neu hergerichteten Speiseraum. Charlie Rinn-Roock las Gedichte von
Christian Morgenstern, Herr Köttgen und
sein „Compagnon“, David Grottschreiber,
begleiteten diese musikalisch.
Hierbei bildete ein kleiner Zuhörerkreis
eine intimere Atmosphäre. Die Palmströmverse, humorvoll vorgetragen und die musikalischen Darbietungen waren wunderbar
aufeinander abgestimmt. So erlebten wir
einen heiteren und beschwingten Ausklang
dieses Fest-Vormittages.
ANNE KLEIER
Klassenfahrt der 8. Klasse
Die etwas andere
Klassenfahrt ...
en üblichen Rahmen der Klassenfahrt sprengte die jetzige 8. Klasse mit ihrer diesjährigen Klassenfahrt, indem Jungen und Mädchen getrennt auf Fahrt gingen. Die
Mädchen fuhren begleitet von einer Mutter gen Norden, nach Schweden, die Jungen
fuhren Richtung Süden in die Vogesen.
Wo bleibt das gemeinsame Erlebnis, wird sich der geneigte Leser fragen. Nun, das sollte
in gewisser Weise trotzdem vorhanden sein. Beide Fahrten hatten nämlich das gleiche Ziel:
an einem einsamen Ort in der Natur unter einfachsten Bedingungen zu leben,
Grenzerfahrungen und Selbsterfahrungen (unter Berücksichtigung der geschlechtsspezifischen Eigenheiten) mit sich und der Gruppe zu machen.
Am Ort selbst erwartete sie jeweils ein erfahrener Wildnistrainer, d.h. die Mädchen wurden von einem Paar erwartet, damit für die „Rolle der Frau“, wie es im Programm hieß, auch
eine adäquate Ansprechpartnerin vorhanden war.
D
Klassenfahrt der Jungen
Wir waren schon mit gewaltiger Verspätung in Stade abgefahren. Lange Baustellen
auf der Autobahn und eine Umleitung mit
nächtlichem Stau in Luxemburg hatten ihr
Übriges getan, jedenfalls war es gegen drei
morgens, als der Bully mit mir und den acht
Jungen an dem beschriebenen Platz in den
Vogesen ankam. Wir waren an dem eigentlichen Lager schon vorbeigefahren und in
der Einfahrt eines Bauernhofes gelandet, wo
die Straße endgültig endete. Ein Hund bellte
und eine Gestalt kam von der Höhe herunter auf uns zu, es war Peter Bauer, der
Wildnisführer. „So, da seid’s ja endlich, willkommen in la Montagne!“ begrüßte er uns
in seinem breiten Bayerisch.
Wir luden unser Gepäck aus und folgten
ihm die wenigen Meter auf die Anhöhe.
Dort stand ein grün gestrichenes Campingfahrzeug, in einiger Entfernung davon ein
Tipi und dahinter ein Rundzelt. Das war
also das Lager. Viel war es freilich nicht. Im
Tipi brannte ein gemütliches Feuer, auf das
Peter jetzt einen großen Topf Suppe stellte.
„Wenn’s ihr noch Hunger habt, do hob i a
Suppen für euch.“ Groß war die Begeisterung nicht, die Jungen wollten ihr Zelt beziehen, das war auch verständlich nach 12
Stunden Fahrt. Sie bereiteten auf der
Plastikplane, die als Fußboden im Zelt war,
ihr Nachtlager aus Schlafsack und Isomatte.
Das Baumnetz wird im
Lager vorbereitet.
13
Klassenfahrt der 8. Klasse
Wer jetzt denkt, der nächste Satz heißt: …
und schliefen bald ein, der irrt sich. Gegen 4
Uhr musste ich energisch um Ruhe bitten,
soviel hatten sie sich zu erzählen und hatten
doch 12 Stunden Zeit gehabt.
Am nächsten Tag wurde, nach gründlichem Ausschlafen, alles in Augenschein genommen. Der Bauernhof war unbewohnt,
wie wir erfuhren, er gehört einem Schweizer,
der ihn nach und nach restauriert. Neben
dem Bauernhaus plätscherte ein Brunnen,
der sein kaltes, wohlschmeckendes Nass
unaufhörlich in einem großen Trog ergoss.
Der Überlauf diente als Kühlschrank.
Es war die einzige Wasserquelle, dort
konnte man sich waschen, Geschirr spülen
und Kochwasser holen, es war nicht weit
vom Lager, etwa 50 Meter. Apropos
Kochen, wo sollte eigentlich das Essen
gekocht und zubereitet werden? Etwa im
Tipi am Boden kieend?
ach dem Frühstück wurde diese Frage
geklärt: „Wir brauchen eine Küche und
eine Feuerstelle draußen, im Tipi wird nur
bei extrem schlechtem Wetter gekocht“, verkündete Peter Bauer. Dann gab es den ersten
Unterricht im Freien, bei dem die Konstruktion der Küche, eine Art Tunnelbau, auf
ein Flipchart gezeichnet wurde. Der Bautrupp „Küche“ ging Holz holen, ein zweiter
machte sich an die Feuerstelle und hob
zunächst ein Grube aus.
Bald entfaltete sich ein reges Leben auf
dem Platz, die ersten dicken Äste für den
Küchenbau kamen an, wurden entastet und
in Form gebogen, Querverstrebungen wurden angebracht und schließlich mit einer
Plane abgedeckt. Später folgte die Inneneinrichtung: ein Tisch wurde ebenfalls aus
Knüppelholz gebaut und bekam ein Backbrett als Platte. Die Jungen von der
Feuerstelle hatten damit zu tun, den Rost
ganz eben aufzulegen, damit das Öl in den
Pfannen nicht auf eine Seite läuft, auch das
gelang schließlich und man konnte kochen.
Doch es dauerte noch zu lang, der Rost
war zu weit vom Feuer entfernt, das brauchte auch sehr viel Holz, das ja auch immer
gespalten werden musste, also wurde die
Feuerstelle am nächsten Tag verbessert.
Einige hatten gleich mit das Bedürfnis, beim
Essen auf einem Stuhl zu sitzen, also wurden
Stühle gebaut, dabei gab es interessante
Konstruktionen, die Haltbarkeit war jedoch
sehr unterschiedlich, wie sich später zeigte.
So verging sehr viel Zeit mit der Einrichtung
und Instandhaltung des Lagers. Das war sehr
mühsam, wie das ganze Leben unter solchen
Bedingungen überhaupt und die anfängliche
Begeisterung verflog ziemlich schnell.
N
14
Der erste Unterricht im Freien:
Peter erklärt die Küche.
Klassenfahrt der 8. Klasse
Einige Tage regnete es, am ersten Regenabend waren wir mittags in den Wald gegangen, um dort eine Laubhütte zu bauen, in
der zwei Jungen schlafen sollten. Als der
Regen einsetzte, liefen die Helfer schnell ins
Lager zurück und überließen es den beiden
Mutigen, die Hütte fertig zu stellen.
achdem die das Feuer trotz Regen in
Gang gebracht hatten, gab es eine böse
Überraschung: als wir gemütlich im Tipi
beim Abendessen saßen, kamen zwei Jungen, die etwas aus dem Zelt holen wollten,
zurück und verkündeten: „Das ganze Zelt
steht unter Wasser, alle Sachen sind nass!“
Keiner glaubte ihnen, doch als die darauf
beharrten, sahen andere nach. Lautes
Schimpfen und Schreien verkündete, dass
doch etwas dran sein musste. Peter nahm die
Sachen in Augenschein und stellte fest: als
N
wir am Mittag bei Sonnenschein losgegangen waren, wurde der Zelteingang nicht
ordnungsgemäß verschlossen. Im Eifer des
Feuermachens hatte es niemand bemerkt
und das Zelt stand zwar noch nicht unter
Wasser, doch einige Sachen darunter auch
Schlafsäcke waren teilweise nass geworden.
Nun, man konnte alles am Tipifeuer wieder
trocknen.
Peter half mit Decken und Schlafsäcken
aus, doch eins war sicher: Nachdem am
nächsten Tag alles aus dem Zelt herausgeräumt, getrocknet und wieder eingeräumt
war, wurde das Zelt nie wieder offengelassen, wenn wir weggingen. Auch gerangelt
wurde im Zelt nicht mehr, denn die Verspannungen hatten sich dabei gelockert und
es gab auch Feuchtigkeit durch Schlagregen
von der Seite. So wurde, manchmal bittere,
Erfahrung immer wieder zum Lehrmeister,
wenn auf Worte nicht gehört wurde.
er Höhepunkt war die Aktion „Baumklettern“. Ein junger Mann, Patrick mit
Namen, war extra angereist und zeigte, dass
man nicht nur im Fels sondern auch auf
Bäumen richtig fachmännisch mit Seil und
Klettergurt waghalsige Touren unternehmen
kann. Ja, man kann sogar im Baum hoch
oben schlafen, wenn man es wie die Vögel
macht und sich ein entsprechend großes
Baumnest baut, das mit Laub gut ausgepolstert und mit einer Plane darüber einene
kuscheligen Schlafplatz bietet.
Als die zehn Tage zu Ende waren, freute
man sich, bei all der Anstrengung, die man
hinter sich gebracht hatte, wieder auf eine
warme Dusche und ein normales Bett. So
kamen wir mit viel weniger Pausen nach
zehn Stunden Fahrt eher als geplant, wieder
in Stade an.
REINHOLD WEISS
(KLASSENLEHRER)
D
15
Klassenfahrt der 8. Klasse
Klassenfahrt der Mädchen
ie Schwedenreise der Mädchen begann damit, dass sich die Mütter der
Mädchen und dazu gehöre ich auch,
der damals noch 7.Klasse, mit dem Klassenlehrer Herrn Weiß zusammensetzten, um
aufgetretene Probleme innerhalb des sozialen Klassenverhaltens zu besprechen.
Herausgefiltert wurde u.a. eine Ausgrenzungsproblematik, unter der zwei Mädchen
besonders zu leiden hatten. In der Annahme,
dass ein intensives Gruppenerleben
bestimmte Strukturen auflösen könnte,
wurde die Reise geplant. Diese Reise sollte in
zwei Gruppen stattfinden: Die 1. sollte die
Jungs betreffen und in die Vogesen gehen
und die 2. die Mädchen, die Schweden erle-
D
Kalt, aber wir hatten viel Spaß!
16
ben sollten. Wir beschlossen die Trennung,
weil beide Gruppen ihre Probleme losgelöst
vom spezifischen Geschlechterverhalten
angehen sollten. Zudem befinden sich die
Jungen in einem, relativ altersentsprechend,
verzögertem Problem-Bewußtsein und beide
Geschlechter würden sich in der Entwicklung während der Reise behindern.
Weiterhin wurde festgelegt, daß die
Veranstaltung unter Survival-Aspekte gestellt werden sollte, um ein gewisses Konsumverhalten der Kinder anzugreifen und
außerdem unbekannte Qualifikationen des
Einzelnen aufzudecken. Die Kinder wurden
von der gesamten Festlegung gelinde gesagt
überrascht, obwohl alle um die Klassenproblematik wußten, und reagierten z. T.
unmotiviert. Trotzdem ging es kurz nach
den Sommerferien los. Herr Weiß begleitete
die Jungen und ich als Mutter die Mädchen.
Die Mädchen hatten nach einer 13-stündigen Fahrt in einem Klein-Bus die erste
Bewährungsprobe gut hinter sich gebracht.
In gelöster Atmosphäre kamen sie bei sternenklarer Nacht in Mod bei Ed an, um von
ihren beiden Wildnistrainern Gero und
Christa bei Tee und Lagerfeuer begrüßt zu
werden. Nach einer ersten Nacht im Tipi
und einem Frühstück, wurde in einer Talking-Stick-Runde über die gegenseitigen Erwartungen gesprochen. Die Talking-StickRunde wurde zu einer alltäglichen Ein-
Erschöpft nach
der Wanderung
am See: Linus,
Ann-Katrin,
Johanna, Laura,
Hanne, Ulrike
und Gero – unser
Survivaltrainer.
richtung, um Eindrücke mitzuteilen und Probleme zu verdeutlichen. Der anschließende
Sit-Pott (einzelnes Sitzen an einem festen
Platz im Gelände) sollte den Mädchen
Gelegenheit geben, sich für kurze Zeit gänzlich zurückzuziehen, um ungestört in sich zu
gehen und die Natur zu beobachten. Nach
einer halben Stunde trafen alle wieder
zusammen. Darauf folgte meistens ein
Aktionspunkt über mehrere Stunden, der
von Gero gestaltet wurde und die SelbstWahrnehmung der Mädchen schulen sollte.
So steckten sie sich z. B. ein Ziel in zehn
Meter Entfernung, um es anschließend blind
zu erreichen, gingen barfuß durch den Wald,
erfühlten Bäume, führten einzelne oder die
ganze Gruppe durch Gelände, machten eine
Nachtwanderung oder überquerten blind
einen über Wasser liegenden Baumstamm.
eben diesen besonderen Erfahrungen
wurde die Natur als Quelle zum Überleben des Menschen kennengelernt, indem
das Feuer machen ohne Streichholz geübt,
Sitzgelegenheiten erschaffen, Holz geschlagen, Bäume geschält, Reisig gesammelt, im
selbstgebauten Lehmofen Pizza gebacken
N
und nicht zuletzt, alltäglich Essen auf dem
Feuer gekocht wurde. Der nahegelegene See
war nicht nur Waschgelegenheit, sondern
Attraktion und guter Pol, um Frust abzubauen. Jede freie Minute wurde dort bei eisiger Kälte gebadet oder Kanu gefahren. Um
die Rolle der Frau Thema werden zu lassen,
orientierte sich Christa am Kenntnisstand
der Mädchen. Es ging um Vorbilder, um
geliebte und ungeliebte Persönlichkeiten der
nahen Umwelt, sie bastelten Tiermasken aus
Naturmaterialien und tanzten um das Lagerfeuer, bearbeiteten den Zusammenhang zwischen Mond und Gefühlsleben der Frau und
hatten eigene Talking-Stick-Runden zu ihrer
Situation als pubertierende Mädchen. Insgesamt zeigten sich die Mädchen während dieser Reise, trotz aller Umstände als hochmotivierte Gruppe. Sie nahmen ihre Probleme
in die Hand, griffen auf die gesammelten
Eindrücke zurück und nahmen die Hilfeleistungen der Erwachsenen an. Sie präsentierten sich als Persönlichkeiten und konnten ihr
Erleben mit nach Hause tragen und das
soziale Miteinander in der Klasse verändern.
Es hat sich also gelohnt!
ULRICKE CLAES
17
Klassenfahrt der 12. Klasse
Notre voyage à Paris
L
e 29 juin à dix heures nous sommes partis pour Paris en voiture. À dix heures le
soir nous sommes arrivés à l’auberge de
jeunesse dans la rue des sept Arpents à
Paris.
Nous avons pris l’escalier pour
trouver notre chambre dans la troisième étage. Quand nous avons ouvert la
porte, il y a avait un francais dans la
chambre qui habitait là. Il s’appelait
Kévin.
Après, on a pris un verre et on a
découvert que la région était comme
un « ghetto ». Plus tard nous sommes
allés dormir. Le lendemain nous sommes allés à la Tour Eiffel avec le
métro après le petit déjeuner. On est
monté en haute. Là on pouvait voir
tout. C’était bizarre.
À 2 heures nous avons pris le
métro pour chercher un restaurant.
Après le déjeuner (à 3 ou 4 heures)
nous sommes allés voir le musée
Rodin. Les sculptures étaient très
belles, mais nous avions mal au
pied. Alors on est monté à l’Arc de
Triomphe et on a regardé le giratoire ce qui était amusant. À la
fin nous avons bu un café au
lait près de Nôtre-Dame. Enfin
on est rentré à l’auberge de
jeunesse. On se reposait et
après nous sommes allés
dans le jardin et nous
avons essayé de parler
à Kévin en francais.
18
Heureusement il parle l’anglais très bien, pas
de problème … A 1 heures dans la nuit on
est allé se coucher.
Le jour prochain nous étions dans le
Louvre. La Jaconde était comme sur une
carte postale, seulement plus grande. Et les
pieds ont commencé à faire mal.
Alors nous avons pris le métro vers
Montmartre et nous avons mangé dans un
restaurant francais.
Après, les filles sont allées faire lèche –
vitrine et les garçons et Mme Gründahl
sont allés voir des sités. On s’est rencontré
près de Sacre-Cœur. On devait monter
tous les escaliers.
On se repassait et puis on est allé faire
des courses. Nous avons acheté une tarte
francaise. C’était très bon.
A la fin on est rentré à l’auberge de
jeunesse dans notre « ghetto ».
Le soir nous regardions Paris la nuit.
La Tour Eiffel était très belle avec la
lumière. Nous avons vu les ChampsÉlysées et nous avons bu du cidre A
12 heures nous avons pris le métro
pour aller au ghetto. Là, on est allé
dans une taverne. Plus tard on est
rentré à l’auberge de jeunesse.
Le dimanche nous sommes
partir pour l’Allemagne. Ce
voyage à Paris m’a donné plus
d’envie d’apprendre le francais.
NIKA EGGERS
12. KLASSE
Bericht vom Praktikum der 9. Klasse
Impressionen vom Landleben
H
eute war wieder einer der glücklichen
Tage, an denen wir – fröhlich wie stets
um 6 Uhr morgens – einen netten französischen Kanon gesungen haben. Na ja – Herr
Kipping hat den Kanon alleine gesungen,
denn so fröhlich waren wir dann doch wieder nicht.
Danach bin ich mit dem Trecker aufs Feld
gefahren. D. h. Ingo ist gefahren und ich saß
mit etwa 90 Plastikkisten im Anhänger. Ich
könnte wetten, dass Ingo absichtlich kein
Schlagloch verpasst hat. Ich habe Muskelkrämpfe bekommen und wenn die Kisten
nicht gerade auf mich gefallen sind, fielen sie
vom Anhänger und ich durfte im strömenden Regen den halben Weg zurück laufen
und die Kisten holen.
Nach dieser aufregenden Angelegenheit
saß ich im matschigen Feld und erntete Salat
und Zwiebeln. Aber ich arbeite ja gern – von
oben bis unter klatschnass – wenn alle anderen bereits in der trockenen, warmen Küche
sitzen und das bekommen, was ich gerne
hätte: ein Müsli mit frischen Erdbeeren und
Honig.
Nachdem wir den Salat und die Zwiebeln
geerntet hatten und ich wieder auf mein
Frühstück hoffte, schickte Ingo mich direkt
auf das nächste Feld, wo ich eben noch
schnell 300 Kohlrabi ernten sollte..
Ich beeilte mich nicht sonderlich, was zur
Folge hatte, dass ich nach dem Frühstück
beinahe auch noch das Mittagessen verpasste. Nach der Mittagspause, die für mich
heute genau vierzehn Minuten lang war,
rupfte ich Unkraut, wusch den geernteten
Salat und band die Zwiebeln zu Bündchen.
Herrliches Landleben!LENA KIRSCHBAUM (S)
Zum Landwirtschaftspraktikum
D
as hört sich ja richtig gemein an, was
Lena vom Kipping-Hof in Grummersort vor den Toren Oldenburgs berichtet. Dabei hat die Familie Kipping oft Besuch von
Waldorfschulklassen und LandwirtschaftspraktikantInnen und weiß mit den Jugendlichen liebevoll-handfest umzugehen. Eine
Hofbäckerei und -käserei hat dieser Hof
übrigens auch noch zu bieten.
Aber eine Frage bleibt doch: was soll die
ganze Plackerei? Zuhause auf dem Sofa
wäre es doch irgendwie gemütlicher. Aber
das Ganze macht Sinn: Zum ersten Mal verbringen die Jugendlichen in der 9. Klasse
meist nur mit einem/r anderen MitschülerIn
drei ganze Wochen in einer zunächst frem-
den Umgebung – keine Klassenfahrt mit
Jugendherbergs-Sause!
Sattdessen sind die SchülerInnen eingebettet in den Familien- und Arbeitsalltag, schaffen mit körperlicher Kraft etwas Sichtbares.
Abends weiß man, was man getan hat...
Dafür sind die SchülerInnen für drei
Wochen Teil einer individuellen Lebens- und
Arbeitsgemeinschaft. Wenn dann die Armmuskeln kräftiger geworden sind und Rezepte zuhause ausprobiert werden, hat es
sich doch gelohnt, oder?
Der Strom kommt eben genauso wenig
aus der Steckdose wie die Bio-Möhre aus der
Gemüsetüte ...
HARTMUT LAUTERBACH (L)
19
Zwölft-Klass-Spiel „Andorra“
Immer das Theater
mit der 12. Klasse
o ein Klassenspiel will gut überlegt sein
– soll es doch die Schüler mit Seiten
ihrer selbst vertraut machen, die sie bisher kaum haben realisieren können. Dann
aber soll die zu übernehmende Rolle sympathisch genug sein, um mit Freude und frischem Willen gespielt zu werden.
Unlösbarer pädagogischer Konflikt? Eine
Gratwanderung, ja. Kompromisse müssen
sein. Jede Stückauswahl beinhaltet Zugeständnisse bezogen auf den Einzelnen. Nicht
jeder in der Klasse war begeistert über die
Aussicht, Theater spielen zu dürfen. Als der
neue Deutschlehrer zu Beginn des Schuljahres im September 1999 frohgemut das dramatische Unternehmen verkündete, schlug
diesem beherzten Pädagogen die Attitude
entgegen: „Was soll denn das?“ (mundartlich verbrämt, friesisch lispelnd).
Entzückend war es dann zu sehen, dass
derselbe Schüler unmittelbar vor den Aufführungen des Stückes sogar die „Sportschau“, sausen gelassen hätte, um zu proben. Es wurden also Opfer gebracht.
Kurz vor der zweiten Abendaufführung,
der Saal füllte sich stetig, bemerkte ein anderer Schauspieler, der bereits kostümiert und
geschminkt war, trocken mit Blick auf die
Uhr: „Wir würden es jetzt noch ins Kino
schaffen.“
Aber dies waren Einzelfälle! Auf der anderen Seite der Waage, die letztlich den Ausschlag gab, entwickelte sich jedoch eine kre-
S
24
ative Energie, die alle mitriss. Es wurden
Bühnenbilder ent- und ver- und wieder neu
entworfen, probiert, studiert, interpretiert.
Ziel war es, die einzelnen Spieler dahin zu
bringen aus dem Verständnis ihrer jeweiligen Rolle die Gesten, die Mimik und den
Zwölft-Klass-Spiel „Andorra“
Sprechduktus herauszuholen. Für mich als
Amateur auf dem Regiesessel war dies die
größte Herausforderung: die Bühne als solche vergessen zu machen, die Schüler in eine
künstliche Welt hereinzuholen. Bei einigen
Begabten gelang dies schier mühelos – so
brachte Tina mit ganz schlichten Mitteln
eine unglaublich dichte und glaubwürdige
Leistung als „Mutter“, auf die Bühne.
Auch die anderen hatten äußerst überzeugende Momente in ihren Darbietungen.
Gelegentlich zeigte sich, dass noch zu wenig
an der Sprache, an Artikulation und innerer
Auseinandersetzung gearbeitet worden war.
Der Probenplan war anfangs noch ein
Flickenteppich – schließlich sollte der übliche
Unterricht nicht gänzlich ausfallen; erst in
den letzten zwei Wochen dann wurde nach
dem Hauptunterricht geprobt, geprobt,
geprobt.
Größter Dank gilt den Schülern, die sich
durch große Textmengen haben arbeiten
müssen und trotz Lustlosigkeit mancher
Klassenkameraden auch für die Arbeiten
hinter der Kulisse stets ansprechbar und
eigeninitiativ blieben: Jessica, Brendan und
Anna.
Dann gab es noch die große Gruppe der
Mitstreiter, die ihr Soll solide erfüllte. Und –
ja – zu guter Letzt wurden auch diejenigen
Schlussbild mit
Applaus
für eine
durch
und
durch
gelungene
Aufführung.
25
Zwölft-Klass-Spiel
Pater Christian hinter der Bühne.
kribbelig – im Angesicht des Ruhms vor applaudierenden Massen, den notwendigen Begleiterscheinungen all der Plackerei – die vordem
Zurückhaltung dokumentiert hatten. Bei der
ersten Aufführung saß der Text dann doch!
D
ie Elemente: Licht, Kulisse, Maske rückten
erst spontan und eigentlich zu spät in den
Brennpunkt der theatralischen Gestaltung. Hier
war es dem Einfühlungsvermögen und treffenden
Impulsen Herrn Wüstenfelds (Kulisse), Frau
Möllers (Maske, Kostüme und Frisuren) und
Herrn Hohensteins (Licht) zu danken, dass ein
ästhetisches Gesamtkunstwerk zur Aufführung
gelangte. Wie wichtig war plötzlich die Farbe der
Kostüme inmitten des von Jochen Wüstenfeld entworfenen, genialen Schwarz-Weiß-Ambientes der
zusammengezimmerten Kulisse! Die Farbe Rot
eines harmlosen Halstuches – welch erstaunliche
Wirkung auf dieser Bühne!
Niemals hätte der Deutschlehrer sich das in seiner Klause über dem Fischmarkt träumen lassen,
als er über dramaturgischen Spitzfindigkeiten brütete und mit dem Geist des Stückes rang.
Es gibt noch viel zu lernen. Jaha! In Zukunft, so
nahm es sich der Regie-Amateur und beherzte
Deutschlehrer fest vor, müsste ein klares Konzept
mit klarer Aufgabenverteilung am Anfang eines
Klassenspiels stehen. Pläne sind ja dazu da, gefasst zu werden – oder nicht?
Und außerdem: das nächste Spiel stand vor der
Tür! Hatte die Oberstufenkonferenz doch
beschlossen, das Theaterspielen an den Anfang der
12. Klasse zu legen…
ULRICH SCHUBERT
26
Doktor, Judenschauer & Barblin
Anna &
Sarah
Zwölft-Klass-Spiel „Die Physiker“
Auseinandersetzung bei Tisch: Physiker Rübenkopf, Möbius und Einstein (v. l.)
Dürrenmatt posthum
in Rotation versetzt
eues Spiel – neues …, aber das war
gar nicht nötig. Motivierte, spielbegeisterte Individuen, ausgesuchte
neun Klasse-Schauspieler plus amerikanischem Gaststar mit Gastauftritt machten
sich mit Schulbeginn, Ende August, an die
Arbeit, krempelten die Ärmel hoch und
schufen unter begleitenden Randbemerkungen des pädagogischen Personals, vertreten
durch einen entspannten, stets nur loslassenden Deutschlehrer ein Stück aus der literarischen Vorlage, das Dürrenmatt vielleicht
posthum in Rotationen versetzte, allen anderen aber viel Spaß machte. Der Deutschlehrer ramponierte entgeistert sein eigenes
N
28
Sofa (die Szene, in der Möbius ausklinkte,
inspirierte ihn, sein wahres Naturell zu zeigen). Der Geschäftsführer räumte seinen
Salon im Moor aus, inklusive Kerzenlüster,
überließ beste Torf-Impressionen (Öl auf
Leinwand, 5.– DM, Herr Eggers?) der
Requisite. Die Klassenbetreuerin karrte
bestes Meißen Porzellan sowie Eichenholzmöbel an, backte Vollkorn-Apfelkuchen
mit feinstem Nuss-Aroma am laufenden
Meter, um die Stimmung nicht abfallen zu
lassen. Frau Ahrens lieferte Rote Grütze,
Pizza, noch mehr gute Laune. Kerstin
Pomarius, die selbst Proben mit beaufsichtigte, war sowieso immer gut gelaunt.
Fräulein Doktor von
Zahnd, alias Nika,
lebt gefährlich.
Physiker Möbius
möchte sich von ihr
„befreien“.
Kam das Tragische zu kurz?
Diverse Einfälle würzten das Stück, münzten
es allmählich um zugunsten des komödiantischen Anteils – ein ästhetischer Balanceakt.
Kritiker waren hinterher nicht mit allem einverstanden. Doch darin war man sich schon
vor den Sommerferien einig geworden: heiter
sollte es sein, aber einen ernsthaften Hintergrund wahren. Nun denn, Einstein musste in
eine Frau umgewandelt werden – das
Personal verlangte gewisse Eingriffe – dramaturgischer Art natürlich! Die Kinder von
Frau Rose erschienen gar nicht auf der
Bühne. Sechs? Sechs! Nein: drei.
Aus Tobler wurde Milka. Aus Joseph
Eisler wurde Loretta Rübenkopf. Der Rübenkopf-Effekt? Eben der. Schauen Sie mal
in Ihren Brockhaus! Aus Bordeaux wurde
Dornensteiner Edelherbst. Möbius wurde
nachträglich Waldorfschüler, mit Abitur!
Lena spielte die Vielfältige, mit Oskar (Rose)
für die schönsten Nebenrollen: von der
matriarchalen Marta Boll, über die sensible
Frau Rose hin zum kaugummikauenden
Halbaffen und Pfleger.
Patrick spielte überzeugend mit bemessenen, minimalistischen Gesten den Inspektor.
Fred verwandelte sich vom sachlichen Polizisten zum schnippsenden Gangster-Pfleger.
Moritz mutierte vom Missionar zum ChefPfleger nach Chicagoer Vorbild. Patient
Beutler? (Schnips) Patient Ernesti? (Schnips)
Patient Möbius? (Schnips) Meghan gab ihren
Gastauftritt. „Ja, Herr Inspektor!“ (Zweimal!) Nika musste bisher verborgene Seiten
29
Zwölft-Klass-Spiel „Die Physiker“
Lena, die
Vielfältige,
als Marta
Boll
Keiner
traut
keinem:
Drei
Physiker
die sich
ins Irrenhaus
zurückgezogen
haben.
30
kultivieren: sprechen so schneidend wie ein
Laser-Strahl sollte sie, Fräulein Doktor von
Zahnd entstand kühler und kälter von
Probe zu Probe. Das Hochschlenzen an den
richtigen Stellen. Lasse holte alles aus sich
heraus: den staksigen Liebhaber, den verschrobenen Forscher, den durchgeknallten
Familienvater, den konspirativen Häftling.
Mareike („Herr Schubert, Sie müssen für
mehr Disziplin sorgen!“) lispelte sich glaubwürdig als beschränkte Einstein-Kopie
durch den Anfang ihres Bühnenauftritts,
um dann lady-like die Knarre aus der
Schüssel zu fischen. Herrliche Szene.
Herrliches Möbel – diese Waschschüsselkommode. Das gute Stück fand sich
sogar in der schuleigenen Rumpelkammer!
Muss harte Zeiten hinter sich haben. Die
zweite Lieblingsszene des Regisseurs. Erst
Einstein, dann Loretta – facettenreich gespielt.
Michaela
als
Newton
(„Richaaaard...“), dann als knallharter
Agent. Spannungsgeladen umgesetzt und
mit größter Geistesgegenwart gespielt.
Katharina als Schwester Monika, trocken
zu Frau Doktor, leidenschaftlich Möbius
gegenüber. Ein schwieriger Part, charmant
verwandelt. „Ich gebe zu, meine Schwesterntracht ist grässlich.“ Und es floss das
Haar, das blonde.
Das Resultat dieser Aufführung war wieder nur zum geringen Teil ein Planungserfolg, ist auch organisch gewachsen aus der
Freude der Schüler am Spiel. Das Gruppenerlebnis stand im Mittelpunkt, wenn
auch – wie vermutlich immer – einzelne
mehr als andere die Dinge vorantrieben.
Aber die Kluft zwischen Lust und Frust war
klein, das Team verlässlich. Und das mit
sehenswertem Erfolg. Oder – in den
Worten des Inspektors: „Ich hatte das
Vergnügen.“
ULRICH SCHUBERT
Fred und Lena als Pfleger nach
Chicagoer Vorbild
Mareike als Einstein zückt ladylike
die Knarre.
„Die Physiker“ von Dürrenmatt wurden auf Stader Verhältnisse „getrimmt“. Mit viel
Freude am Spiel war das Resultat ein voller Erfolg.
31
Klavierabend mit Javier Sanz del Rio
Neuer Konzertflügel
wunderbar eingeweiht
anchmal treffen günstige Umstände zusammen: Kurz vor den
Sommerferien bot der in Bremen
lebende spanische Pianist Javier Sanz del Rio
(vermittelt durch einen Vater unserer Schule,
der mit der Familie del Rio befreundet ist)
der Schule einen Klavierabend an: gratis und
am liebsten Anfang Oktober als Auftakt zu
einer Konzertreise. Einzige Voraussetzung
für das Konzert: ein Konzertflügel. Ein solcher war jedoch nicht vorhanden, und an
eben diesem Mangel war schon einmal ein
ähnliches Konzertangebot gescheitert.
Da erreichte die Schule fast zur gleichen
Zeit und wiederum über persönliche Beziehungen das Angebot, einen Konzertflügel
zu erwerben: einen „Fiedler“-Flügel, schon
einige Jahre alt, jedoch in bestem Zustand
und zu einem äußerst günstigen Preis.
Über den Sinn und die Notwendigkeit,
für musikalische Veranstaltungen aller Art
in der Schule einen Flügel zur Verfügung zu
haben, herrschte ohnehin seit langem
Einigkeit. Im Wege stand bisher die finanzielle Hürde eines konventionellen NeuKaufes. Das unverhoffte Flügel-Angebot
nun lag im Bereich des Möglichen, und zu
Beginn der Sommerferien war mit Phantsie
und der Überbrückungshilfe einiger Eltern
die Finanzierung gesichert.
Am 6. Oktober erlebten im Rahmen des
10-jährigen Schuljubiläums mehr als 100
M
Besucher die Einweihung des neuen Flügels.
Javier Sanz del Rio spielte als Geschenk für
die Schule sein Programm „Das Klavier als
Orchester“.
Die Kompositionen des Abends existieren
sowohl in der Fassung für Orchester als
auch in derjenigen (komprimierten) für
Klavier. Und so fühlte man sich angesichts
der klanglichen Vielfalt und Fülle mitten in
ein Sinfonieorchester hineinversetzt. Stellenweise bot der Festsaal der Schule fast nicht
genügend Raum für das Volumen des
Klangkörpers, der sich da kraftvoll und farbig unter den Händen des Pianisten entfaltete, untermalt von seinem beredten Mienenspiel. Die Klangpalette reichte von perlend
feinen Klangkaskaden der Eichhörnchen im
„Karneval der Tiere“ von Camille SaintSaens über gelegentlich fast brutal hämmernde Rhythmen in Igor Strawinskys
„Petruschka“ bis hin zum Swing der
„Rhapsody in blue“ von George Gershwin.
In den Spanischen Tänzen von Manuel de
Falla war Javier Sanz del Rio dann gänzlich
in seinem musikalischen Element. Für den
stürmischen Beifall bedankte er sich
schließlich mit nicht weniger als vier
Zugaben. Es war ein aufregender Abend auf
allerhöchstem pianistischen Niveau, der
allen, die ihn erlebten, sicherlich noch lange
in Erinnerung bleiben wird.
KARL-HERMANN JELLINEK
33
Acht-Klass-Fahrt
Zeitweise ging’s stürmisch zur Sache!
Im Mai 2000 ließ sich die 8. Klasse auf der
„Bruns-Fioh“ anheuern und stach unter der
Admiralität von Mme Ernst-Bonnesœur und
Herrn Hohenstein in die aufgewühlte ostfriesische See. Man segelte, dümpelte oder
lag vor der holländischen Küste, gelegentlicher Landgang inklusive. Hier die Berichte
der Crew im einzelnen:
➠Das Schiff
„Wir hatten eine 24m lange Tjalk, einen
alten Lastensegler, der etwas aufgemöbelt
und seetüchtig gemacht worden war. Es
hatte einen Gaffel getakelten Mast, einen
Klüver und eine Fock – zumindest sind wir
nie mehr gefahren. Als Hilfsmotor besaß die
Tjalk einen alten Glühkopfmotor, anno
1917, mit 30 PS. Das Schiff hatte – wie viele
andere Schiffe – keine Kapitänskajüte.
Natürlich konnte man die Pinne nicht alleine halten. Selbst mit einer Talje war es
schwer genug, wie konnte es anders sein?
Das Schiff war nur aus Stahl und sehr langsam – im Gegensatz zu einem modernen
Schiff, das ich besser gefunden hätte, da wir
ja kein Seniorenverein sind.“
➠Der Skipper
„Unser Skipper – Cees Dekker – war ein
etwas eigensinniger Seebär. Cees ärgerte uns
oft mit seinem eher rauen Seemannshumor.
34
Die Segel
gehisst!
Frau Ernst-Bonnesœur war ganz begeistert
von ihm, was uns Schüler manchmal amüsierte.
Am letzten Tag konnten zwei von uns
noch kurz einen Blick in seine Kajüte werfen.
Wir waren echt überrascht! Sein Raum war
ziemlich groß und sehr gut ausgestattet.
Neben Sofa und Radio stand sogar ein
Fernseher!
Kurz vor der Abfahrt gab Cees jedem von
uns noch eine Karte von unserem Schiff mit
ein paar holländischen Sätzen über uns. Der
Abschied von Cees und Bart war für manche
von uns sehr schwer.“
➠Der Maat
„Bart war 21 Jahre alt und Kunststudent. Er
hätte Ähnlichkeit mit Brad Pitt haben können, wenn er sich mehr gepflegt hätte. Er hat
mit uns die Segel gesetzt und den Anker
gelichtet. Er war Holländer und er sprach
gebrochenes Deutsch.“
➠Das Essen
„Man muss schon sagen: Das Essen war
sehr einseitig! Oft war es so, dass ein Mittagsgericht zubereitet wurde und die Reste
am nächsten Tag nochmal aufgetischt wurden, z. B. Nudeln oder natürlich Kartoffeln.
Nach der Fahrt gab es noch Unmengen von
H-Milch (ungenießbar) und Müsli.“
Acht-Klass-Fahrt
➠Die Gemeinschaft
„Da wir eine sehr kleine Klasse sind, haben
sich keine Gruppen gebildet – im Gegenteil:
Die ganze Klasse hielt zusammen. Nach ein
paar Tagen gab es dann unter einzelnen
Streit, es war sehr schwer sich auf so engem
Raum immer zu verstehen. Abends saßen
wir dennoch alle zusammen – am Tisch mit
Kerzenlicht – und spielten Frage-AntwortSpiel. Unsere Betreuer verhielten sich sehr
hektisch, es muss eine sehr gefährliche Aufgabe für sie gewesen sein, alle Schüler auf
dem Schiff zu behalten, um sie wieder heile
nach Hause zu bringen.“
➠Das Segeln
„Morgens wurden die Segel gesetzt, erst das
Fock und dann das Großsegel. Beim
Hochziehen des Focks mussten immer zwei
bis drei an einem Seil ziehen und zwei andere mussten je ein Seil langsam nachgeben.
Beim Setzen des Großsegels mussten zwei an
einem Rad drehen. Eine(r) musste an einem
Seil gegen den Wind anhalten. Dann wurde
der Anker von dreien hoch gekurbelt. Bei
einer Wende wurde es an Deck lebendig,
denn das Fock musste umgesetzt werden.“
einfach keine Lust mehr. Den ganzen Tag
war mir schon übel gewesen, trotzdem hatte
ich die ganze Zeit am Herd stehen müssen,
um bei Windstärke 8 die Töpfe fest zu halten. Aber nun waren wir auf einer Sandbank
aufgelaufen, wo wir bleiben wollten, bis die
Flut kam. Ich schaute auf und sah bis in die
Ferne: nur Natur! Über dem Watt ging langsam die Sonne unter. Muscheln, Steine und
Tang lagen überall herum. Außer mir war
niemand zu sehen und ich schaute still und
friedlich den Möwen zu, bis mich eine
quäkende Stimme zum Abendessen rief und
ich notgedrungen nach unten musste.“
Die „Bruns-Fioh“,
ein alter
Lastensegler, ist
24 Meter lang
➠Das Wetter
„Oft stürmte es! Das Schiff lag dann schief
und das Deck war nass. Einige Schüler
(eigentlich nur Mädchen) mussten sich auch
übergeben und hatten immer eine Tüte
dabei.“
➠Die Abendstimmung
„Aus Küche und Gemeinschaftsraum hörte
man Tellerklappern und ein paar Stimmen,
die sich darum zankten, wer den Tisch
decken solle. Eigentlich hätte ich jetzt unten
sein und ihnen helfen sollen, aber ich hatte
35
Acht-Klass-Fahrt
Sicherheit geht
vor! Bei rauher See ist es
besser, eine
Schwimmweste anzulegen.
➠Schiermonnikoog
„Am Dienstag, den 20. 6. waren wir auf der
Insel Schiermonnikoog. Wir haben uns
Fahrräder gemietet und sind durch die
Dünen gefahren. Wir haben gegen 13 Uhr
bei einem Strandcafé Pause gemacht, wo wir
an dem 400 m langen Sandstrand in der
prallen Sonne baden konnten. Dann sind
wir wieder ins Dorf Schiermonnikoog gefahren, wo wir noch zwei Stunden Freizeit hatten. Am Abend sind wir dann in eine Kneipe
gegangen, um Fußball zu gucken. Es war
überhaupt nichts los in der Kneipe, so dass
wir bei allen Toren jubeln konnten. Als
Portugal gegen Deutschland 3:0 gewonnen
hatte, konnten wir aber doch nur noch feiern. Als England aber gegen Rumänien 2:3
verloren hatte, waren wir alle einigermaßen
überrascht. Danach sind wir wieder zum
Schiff gegangen und sind nachts wieder aus
dem Hafen gefahren.“
➠Die Jugendherberge
„Gerade in der Jugendherberge angekommen packten wir die Koffer aus. Die Mädchen begaben sich erstmal in die Duschen,
was die Jungen nicht für nötig hielten. Nach
einer langen Nacht wurden wir von Kindern
36
geweckt, die ihren Ball gegen unsere Tür traten und herumschrieen.
Dort konnten wir Billard spielen und
lange, lange duschen. Nachts gab es einige
Wanderungen von Zimmer zu Zimmer.
Man konnte sogar rauchen, trotz der
Rauchmelder. Sehr praktisch war auch, dass
wir uns in unseren Zimmern einschließen
konnten!“
➠Amsterdam
„Am letzten Tag unserer Klassenfahrt waren
wir in Amsterdam. Zuerst waren wir im
Van-Gogh-Museum. Dort sahen wir Originalgemälde des berühmten Malers. Danach
haben wir einen Spaziergang in die Stadt
gestartet. An fast jeder zweiten Ecke war ein
Käseladen oder ein holländischer FußballFanshop, weil zu der Zeit die Europameisterschaft stattfand. Unsere Lehrer hatten
anfangs Bedenken, dass wir von Hooligans
angegriffen werden könnten. Aber es war
alles sehr friedlich. Ab und zu sah man eine
Gruppe von Fußballfans vorüberziehen –
und ein alter Mann hat um einen Gulden für
etwas zu essen gebettelt, aber das war auch
alles.“ LASSE, HANNAH, KATHARINA, MALTE,
ANNA-JOHANNA, ROBIN, MIRCO, LAURA,
NICO, KATRIN UND HENRY
Gartenbauepoche
Eine Hütte für
den Gartenbau
U
nsere Klasse hat aus dem Unterstand
auf dem Gartenbaugelände einen Geräteschuppen gebaut. Der Unterstand wurde
letztes Jahr (1999) als Jahresarbeit von zwei
Zwölftklässlern gebaut. Unsere Aufgabe
war es, dem Unterstand eine Vorwand mit
Tür zu bauen. Als erstes haben wir alles vermessen und uns darauf geeinigt, dass die Tür
1,5m breit sein soll. Um dieses Maß zu
behalten, haben wir es oben am Querbalken
angezeichnet. Unten haben wir ein Punktfundament gegossen, das 50 cm Durchmesser hatte und 80 cm tief war. In das Fundament haben wir einen Metallschuh gestellt,
in dem der zweite Türpfosten stehen sollte.
Wir haben den Türposten oben mit zwei
Winkeln befestigt.
Eine Sitzgelegenheit
wurde gebaut.
In der Woche danach haben wir halbierte
Fichtenstangen auf 2,5m Länge zugesägt
und sie als Wand an dem einen Eckpfosten
und Türpfosten befestigt. Die letzten vier
Fichtenstangen haben wir auf volle Länge
(4m) zugesägt und befestigt. Als Letztes
haben wir noch eine Tür gebaut, die wir
unter einigen Problemen doch noch dazu
brachten, auf und zu zu gehen. Als Tür hatten wir ein Z aus halben Fichtenstangen
gebaut, auf dem auch noch halbe Fichtenstangen befestigt wurde. Wir haben vier (!)
Scharniere gebraucht, damit die Tür sicher
hing. Als wir die Tür eingehängt hatten,
waren alle froh. In den letzten zwei Tagen
bauten wir noch eine Sitzgelegenheit vor der
Hütte.
NICO MARTENS
Trotz vieler Pausen: Ziel erreicht
I
n den vier Wochen, in denen wir zur Verschönerung unseres
Schulgartens geschuftet hatten, konnten wir trotz vieler Pausen
unser Ziel erreichen. Jeden Tag schrieben wir in unserem
Epochenheft das miese oder auch das schöne Wetter ein. Um die
Geräte, die wir für den Gartenbanunterricht benötigen, an einer
trockenen und sicheren Stelle unterzubringen, bauten wir an dem
angefangenen Schuppen in verschiedenen Arbeitsgruppen weiter.
Einige Schüler harkten das gemähte Gras in Haufen, das dann
zwischen den Sträuchern verteilt wurde. Andere gruben ein Stück
des Geländes um. Reihe für Reihe haben wir den Schweinemist hinzugegeben und nach der anstrengenden Arbeit säten wir darauf
Phaselia aus.
ANNA-JOHANNA ALBERS
Das gemähte Gras
wurde zwischen den
Sträuchern verteilt.
37
Stadtteil-Fest Ottenbeck 2000
Bücherverkauf
zum Kilopreis
m Sonntag, den 3. September 2000,
feierte der Stadtteil Ottenbeck zum
zweiten Mal ein Stadtteilfest. 1999
besuchten schon ca. 8000 Menschen die ehemalige „Von Goeben Kaserne“. Davon spazierte bestimmt die Hälfte der Leute auch an
unserer Schule vorbei.
Also dachte ich mir: „Heraus mit unseren
Büchern! Wenn in diesem Jahr wieder soviele Menschen das schöne Ottenbeck besuchen würden, davon ca. 4000 bei uns (FWS)
vorbeischlendern, jeder 4. ein Buch kauft, so
würden das viel mehr sein, als sonst zu unserem alljährlichen Martinsmarkt in den
Bücherkisten kramen.“
Von der Idee waren auch Frau Haack
und Frau Lehmann-Kahler begeistert. Frau
Lehmann-Kahler hatte auch gleich dazu die
Superidee „Bücherverkauf zum Kilopreis“.
Am sehr bewölkten und windigen Sonntagmorgen bauten Frau Haack, mein Mann
und ich zunächst 16 Schultische und einen
Tapeziertisch, entlang unserer Schule, am
Heidbecker Damm, auf. Anschließend trugen wir 58 Bücherkartons aus dem Keller
heraus, und beluden die Tische damit. Ab 11
Uhr füllte sich Ottenbeck nach und nach mit
Besuchern, und das interessierte Lesepublikum darunter war begeistert. Die Leute
begannen sofort in den Bücherkartons zu
stöbern. Großes Begehren herrschte nach
Kochbüchern und TKKG Bänden (hiervon
sind wir nun restlos ausverkauft). Nachfragen kamen auch zu Technikbüchern, Science
Fiktion, Maritimem, englischsprachiger
A
38
Literatur, Computerbüchern und den
„Ersten 100 Rowolt Taschenbüchern“. Wir
konnten, bei unserem phantastischen Angebot, fast alle Wünsche erfüllen. Die alte Krämerladenwaage der Familie Haack war
ständig im Einsatz. Die Bücherfreunde
waren von unserem Kilopreisverkauf für
Bücher erstaunt, erheitert und positiv überrascht. Ruckzuck waren einige Kartons leer,
und so holten wir Nachschub aus dem
Bücherkeller.
Unsere Stimmung war ausgezeichnet, vor
allem, nachdem der super Würstchenstand
von Herrn Psotta zu unserer Linken, und der
mit Kuchen bestückte Infostand zu unserer
Rechten aufgebaut wurde.
An unserer langen Bücherreihe war
immer etwas los. Auch als das Stadtteilfest
gegen 18 Uhr zu Ende ging, kamen Besucher
auf dem Nachhauseweg an unseren Tischen
vorbei, und fast jeder fand mindestens noch
ein Buch, für den heimischen Bücherschrank
in unseren Kartons. Beim Abbau halfen viele
fleißige Hände, Bücher und Tische wieder zu
verstauen.
Es war ein wundervoller Tag. Das Wetter
war auf unserer Seite, kein Tropfen Regen
benetzte die Bücher, die Menschen waren
glücklich mit unserem reichhaltigen Angebot. Und wir? Wir waren absolut zufrieden
und dankbar. Dankbar waren und sind wir
Ihnen und Euch für die traumhaften, spannenden und hochinteressanten Bücherspenden. Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen. Danke.
SONJA MELZOW
Stehend v. links: Paavo Köchle, Theo Pomarius, Hanna Mahlzahn, Marvin Günther, Elisabeth Weber, Maren Kleinmans, Antje Marschewski, Geeske v.
Poten, André Lindemann, Felix Bade, Katharina Hagemann, Klassenleherin Marita Ernst-Bonnesœur
Sitzend v. links: Sofie Kirschbaum, Anna-Liesa Gaß, Felix Ehlers, Tilmann Peiper, Christin Höchtl, Laura Heinemann, Lea Frank, Mia-Sophie Awe
Die 1. Klasse der Freien Waldorfschule Stade
Jahrgang 2000/2001
Die neue erste Klasse
Die Einschulung aus
der Sicht eines Vaters
ach den Sommerferien und noch
mal einer Woche Wartezeit kam der
ersehnte 1. Schultag für meine
Tochter Laura. Schon einen Abend vorher
legte sich Laura ihr bestes Kleid und den
Schulranzen erwartungsvoll zurecht, auch
ihre Schuhe wurden von ihr an diesem
Abend noch mal geputzt. Laura wachte früh
auf. Wir frühstückten dann gemeinsam, und
sie konnte es kaum erwarten: Endlich ging es
los!
In der Schule angekommen, hatten wir
Glück und konnten recht weit vorne sitzen
(Anmerkung: Es wäre schön, wenn im nächsten Jahr alle Einschulungskinder und Eltern
weiter vorne sitzen könnten. Reservierung?)
Langsam füllte sich der Saal, es herrschte
eine erwartungsvolle Atmosphäre, genau so
wie dies in der gefühlvoll erzählten Geschichte von Frau Psotta vorkam. Durch
diese Geschichte schweifte ich selbst ab, in
die Vergangenheit zu meinem ersten Schultag. Wobei ich selbst erstaunt war, wie
wenig ich mich an Einzelheiten erinnern
konnte. Dies wird bei Laura sicherlich nicht
der Fall sein, da hier, auch durch das Theaterspiel „Die sieben Raben“ der neuen 2.
Klasse, eine positive Aura geschaffen wurde,
dass man dies nicht so schnell vergisst.
Nun kam der Aufruf jedes einzelnen
Erstklässlerkindes. Laura wartete gespannt
auf das Aufrufen ihres Namen von Frau
Roock. Sie zog ihren Schulranzen auf, nahm
N
40
ihre Sonnenblume (welche wir am Morgen
aus dem eigenen Garten ausgewählt hatten)
und ging sicher zur Bühne. Dort begrüßte sie
ihre Klassenlehrerin Frau Ernst-Bonnesœur
etwas schüchtern und setzte sich zu den
anderen Schulkindern.
In diesem Moment dachte ich daran, dass
man Laura zwar auf ihrem Lebensweg
begleitet, aber sie gleichzeitig jetzt auch ein
Stück weiter „loslässt“.
Nachdem Frau Ernst-Bonnesœur ein
Märchen begonnen hatte, von dem der zweite Teil im Klassenraum erzählt werden sollte, zogen die Kinder Hand in Hand in einer
Kette durch den Mittelgang des Saales in
ihren Klassenraum. Dies wurde durch das
sehr schöne Lied: „Auf der Erde steh ich
gern, fest mit beiden Beinen …“ stimmungsvoll untermalt. Auch jetzt erklingt dieses
Lied noch häufig bei uns Zuhause. Dieser
„Auszug der Kinder“ bewegte sicherlich
nicht nur mich tief im Herzen.
Für uns Eltern der 1. Klasse folgte ein
angenehmes Zusammensein bei Kaffee, Tee
und vielen Leckereien. Ein Dank und großes
Lob an die Eltern der zweiten Klasse. Der
erste Schultag der Erstklässler endete am
Eingang der Freien Waldorfschule Stade mit
dem Überreichen der Schultüte.
Vielen Dank für die so gelungene und
sicherlich bei allen Beteiligten in langer
Erinnerung bleibende Einschulungsfeier.
KLAUS HEINEMANN (ELTERN)
Neu an unserer Schule
Nun habe ich wieder einen Deich in der Nähe
Seit den Sommerferien bin ich nun als Biologie- und Chemielehrer für die Oberstufe
sowie als Gartenbaulehrer an unserer Schule
tätig. In dieser Zeit konnte ich schon einen
guten Einblick in das Schulleben bekommen, die Schulgemeinschaft kennenlernen
und Wandlungsprozesse
miterleben.
Ein recht langer Weg war
es jedoch bis dorthin: Geboren in Wilhelmshaven,
studierte ich in den achtziger Jahren Biologie
an der Universität Oldenburg. In diesen Jahren lernte ich meine heutige Frau kennen und
über ihre Kinder die Oldenburger Waldorfschule. Nach dem Studium arbeitete ich eine
Zeitlang in einem Garten-/Landschaftsbaubetrieb und anschließend in verschiedenen
(Landschafts-) Planungsbüros. Ende der neun-
ziger Jahre wurde es für mich immer schwieriger, mein Engagement für Natur und Umwelt
mit der beruflichen Landschafts(ver)planung
zu verbinden. Eine langfristige Perspektive
konnte es für mich in dieser Sparte nicht mehr
geben. Spirituelle Weltsicht und beruflichen
Alltag, Innen und Außen zusammenzubringen, das war die Aufgabe. Nach einer deutlichen Entscheidung Ende 1997 begann ich
daher im folgenden Jahr am Lehrerseminar
Kassel mit der Ausbildung zum Mittel- und
Oberstufenlehrer. Nun habe ich in Stade (zum
Glück!) wieder einen Deich in der Nähe. Das
Zusammenspiel von Marsch, Moor und
Geest in dieser norddeutschen Landschaft ist
mir lieb und vertraut. Fest auf dem Boden stehend, die Visionen ins Auge fassend, freue ich
mich auf die Herausforderungen der Gegenwart. Auf eine erfüllende Zusammenarbeit!
HARTMUT LAUTERBACH
Stolz auf meine drei Heimaten
Seit ein paar Wochen unterrichte ich Englisch in den Klassen 7 bis 11 an der Freien
Waldorfschule Stade – ein Neubeginn, der
mir deutlich macht, dass es nicht notwendig
ist, weit fortzugehen, um Herausforderungen zu begegnen!
Mit jetzt 42 Jahren kann ich stolz drei
Heimaten „vorweisen“: Cuxhaven, Tübingen und Chiang Mai.
In Hamburg geboren, wuchs ich in Cuxhaven auf. Neugierig auf damals noch pauschal „alles, was unbekannt ist“, wurde ich
44
besonders durch Austauschreisen nach
Großbritannien und durch meinen einjährigen Aufenthalt in den USA. Nach dem
Abitur schloss sich ein Studium der Amerikanistik, Anglistik und Germanistik an, und
zwar in einem Landstrich, der wiederum viel
Neues bot: in Tübingen. Hier verlebte ich
anregende Studienjahre.
Richtig arbeitsreich wurde es im 25.
Lebensjahr: Ich begann, halbtags vietnamesische Boatpeople in Deutsch zu unterrichten und arbeitete gleichzeitig als Tutorin.
Neu an unserer Schule
Später als Lehrerin am Akademischen
Austauscham der Uni Tübingen mit ausländischen Studierenden, Schwerpunkt
Betreuung der US-amerikanischen Studentinnen und Studenten.
In dieser turbulenten
Zeit wuchs in mir der
Wunsch, wieder selbst einmal die Fremde zu sein, die
Aussicht allein gestellt und
unbeschwert vom Alltagsroutine, einen Schritt aus
sich selbst heraus auf andere zugeht.
Das konnte ich 1991 realisieren, als ich
mich auf ein Stellenangebot der SilpakonUniversität in Thailand bewarb, die Stelle
erhielt und mich sechs Wochen später in der
Provinz(haupt)stadt Nakon Pathom wieder-
fand. Dort verlebte ich zwei überaus spannende, fordernde und glückliche Jahre in
rein asiatischem Umfeld. 1996 vertiefte ich
diese Erfahrungen in Chiang Mai, Nordthailand, wo ich über Vermittlung durch den
Deutschen Akademischen Austauschdienst
weitere Jahr mit Studierenden arbeitete.
Mein hoffentlich nicht allzu pathetisch
klingendes Fazit: besonders übers Fremdsprachenlernen – und da steht Englisch an
erster Stelle – bekommen junge Menschen
die Chance, über ihren eigenen Tellerrand
hinauszublicken, sich selbst in neuen
Lebenskontexten zu verstehen, offener zu
werden für das Gegenüber und so das Leben
anderer zu bereichern. Und diese
Verständigungsversuche brauchen wir dringend
ULRIKE RAULFS
Musik gemeinsam erleben
Vor 10 Jahren packte mich in Deutschland
die Abenteuerlust das Land Australien zu
entdecken, zumal ich dort die Möglichkeit
sah meine musikalischen
und pädagogischen Fähigkeiten weiterzuentwickeln
und dies insbesondere
durch den Austausch mit
den verschiedenen kulturellen Strömungen.
Nach meinem Musikstudium spielte ich als Trompeter in
Orchestern, sowie als Solist und arbeitete als
Pädagoge in Hessen. Dabei erweiterte ich
mein Tätigkeitsfeld durch Orchester- und
Chorleitung. Die Arbeit mit Kindern und
Jugendlichen ermöglichte es mir die Musik
und ihren Einfluß auf Körper und Geist
ganzheitlich zu analysieren.
Diese Erkenntnisse, und das aus ihr abgeleitete Verständnis der Musik und die Art
und Weise ihrer Vermittlung im Lehrbetrieb,
fand ich in den Ideen der Rudolf-SteinerSchulen wieder.
Als Musiklehrer in Stade habe ich jetzt
die Möglichkeit Musik gemeinsam mit meinen Schülern intensiv und frei zu erleben.
LUDWIK JABLONSKI
45
KiGa und Termine
Die Mitarbeiter des Waldorfkindergarten
Stade stellen sich vor
Margarete Schmige, 25 Jahre,
Gruppenleiterin Waldorfkindergärtnerin,
im KiGa seit Februar 2000.
Nina Schürmann, 22 Jahre, Erzieherin,
im KiGa seit September 1999,
arbeitet bei Frau Schmige.
Stefanie Loos, 24 Jahre, Erzieherin
Im KiGa seit März 1999,
1 Kind, Torben, 2 Jahre alt,
arbeitet mit Frau Köttgen.
Andrea Köttgen, 41 Jahre
Gruppenleiterin Waldorfkindergärtnerin,
Im KiGa seit August 1994,
3 Kinder,
Janis Moritz – 17 Jahre alt,
Malte Lukas – 14 Jahre alt,
Amanda Elisa – 10 Jahre alt.
Veranstaltungen
Die Reihe öffentlicher Konzerte und
Lesungen im Festsaal der Waldorfschule
wird im ersten Halbjahr 2001 mit den folgenden Veranstaltungen fortgesetzt:
➠ Freitag, 4. Mai 2001, 20 Uhr
Jazzabend mit dem Duo Günter
Köttgen (Kontrabass) und Frederic Feindt
(Piano), sowie einem Überraschungsgast
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➠ Mittwoch, 13. Juni 2001, 20 Uhr
„Von Jandl bis Gernhardt“
Ein a-cappella-Abend mit dem
Vokalensemble Voxtrott (Arrangements:
Harald Winter)
Der Erlös aus den Eintrittsgeldern zu diesen Veranstaltungen kommt in voller Höhe
der Finanzierung des Flügels zugute, da alle
Mitwirkenden zu diesem Zweck auf ein
Honorar verzichtet haben.