polarisierender ex-popstar - chilli:freiburg:stadtmagazin

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polarisierender ex-popstar - chilli:freiburg:stadtmagazin
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10.12.2010
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FREIBURG PORTRAIT
POLARISIERENDER EX-POPSTAR
Marc Terenzis Erfolg lässt sich auch an der Zahl seiner Neider erkennen
Foto: © Felix Holm
F
reiburg und der Boulevard –
kaum eine zweite deutsche
Stadt scheint so wenig in der
Klatschpresse präsent zu sein wie die
Breisgau-Metropole. Vor knapp vier
Jahren änderte sich diese Situation
zumindest ein wenig: Marc Terenzi,
bekannt vor allem durch seine Vergangenheit als Boygroup-Sänger und
seine Ehe mit der Sängerin Sarah Connor, startete im Europapark Rust seine Terenzi-Horror-Nights. Plötzlich
hatte Freiburg einen B-Promi. Seither
polarisiert der Künstler: Die einen
verdammen ihn für seine Vergangenheit, die anderen respektieren ihn für
seine preisgekrönten Shows.
12 CHILLI NOVEMBER 2010
Es ist nicht gerade so, dass die eher
biederen Badener sich darüber freuen würden, dass der 32-Jährige ein
wenig Rampenlicht nach Freiburg
bringt – vielmehr reagieren die meisten Leute irritiert, wenn sie mit dem
Popstar konfrontiert werden. Insbesondere die Fernseh-Serie „Sarah &
Marc in Love“, bei der die beiden Protagonisten ihre Hochzeitsplanungen
vor der Kamera zelebrierten, hat den
Popstar in sogenannten „gebildeten“
Kreisen ins Abseits gerückt. „Ich und
Sarah waren sehr offen und ehrlich in
der Sendung, die wir für unsere Fans
gemacht haben“, erklärt Terenzi, „wir
haben den Leuten aber nicht unser
ganzes Leben gezeigt, sondern Ausschnitte aus fünf Monaten Hochzeitsvorbereitung.“ Für ihn ist daher der
Vorwurf, das Paar habe sich damals
verkauft, nur schwer nachvollziehbar.
Andererseits gibt er aber auch nicht
viel auf die Stimmen derer, die ihn dafür kritisieren: „Jemand hat einmal
gesagt: Du kannst Erfolg nicht daran
messen, wie viele Leute dich mögen,
aber daran, wie viele dich nicht mögen.“ Demnach hat der Vielkritisierte
mehr Erfolg als manch anderer, und
für ihn ist das Thema „Neider“ damit
auch erledigt.
Der US-Boy ist eigentlich ein sympathischer Kerl: Wenn er sich unterhält,
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funkeln seine freundlichen braunen
Augen, er ist zuvorkommend, wirkt
zufrieden und selbstbewusst. Dazu
hat er auch guten Grund. Abgesehen
von seiner Ehe, die ohne Schlammschlacht zu Ende ging, ist ihm das
meiste, was er bislang im Leben angepackt hat, gelungen.
Seine Jugend verbringt Terenzi im USBundesstaat Massachusetts. Nach der
Highschool absolviert er dort eine Paramedic-Ausbildung mit Level II, dem
höchsten Abschlussgrad. Als Rettungsassistent arbeitet er anschließend in einem New Yorker Krankenhaus. Menschen und insbesondere
Kinder bei Unfällen sterben zu sehen,
bringt ihn aber schließlich dazu, aus
dem Beruf auszusteigen. „Du musst
ein bestimmter Typ Mensch sein, um
so etwas täglich auszuhalten“, erklärt
der zweifache Vater, „ich habe großen
Respekt vor diesen Leuten, die in dem
Job arbeiten, obwohl sie wissen, dass
sie nicht jeden retten können.“
In Orlando startet der anfang 20-Jährige dann seine zweite Karriere als
Tänzer in den Disney-Studios und
gründet nebenher mit vier Kumpels
die Boy-Band Natural. Lou Pearlman,
der Cousin von Art Garfunkel, entdeckt das
Quintett, nimmt sie unter
Vertrag und schickt sie –
mehr oder weniger testweise – auf
Deutschlandtour. Natural kommen zunächst gut beim Publikum an, zwar
nicht in den USA, dafür aber in anderen Ländern, und so gehen die Fünf
auf Welttournee. „In Japan waren wir
auf Platz eins bis drei zur selben Zeit,
und als wir auf den Philippinen aus
dem Flugzeug gestiegen sind, haben
wir uns wie Präsidenten gefühlt“, berichtet Marc, der bei Natural Gitarre
gespielt hat, „die Erfahrung, in einer
Boy-Band mitzumachen, war großartig. Aber man wird erwachsen und ändert sich, bei mir war das wohl der Moment, als ich Sarah kennengelernt
habe.“
Die Norddeutsche wird schwanger,
Terenzi ist somit für die Boyband mit
dem Teenie-Image nicht mehr tragbar,
und Natural löst sich in der Folge auf.
In der Zeit mit der Sängerin arbeitet
der vieltätowierte Musiker an seinem
ersten Solo-Album „Awesome“, das
2005 immerhin auf Platz acht der Albumcharts vordringt. Sein zweites Album „Black Roses“ von 2008 hat weniger Erfolg und landet nur auf Platz
31, zu dem Zeitpunkt hat sich Terenzi
aber bereits seiner dritten Karriere zugewandt: Auf einer Party lernen er
und Connor Michael Mack kennen,
Sohn des Europapark-Chefs Roland
Mack. Michael Mack lädt die beiden
zu sich ein, und bei einem nächtlichen
Gespräch an der Bar berichtet der Sänger dem Manager von Horror-Shows
aus den Disney-Studios und was man
daran besser machen könnte. Mack erkennt schnell das Entertainer-Talent
von Terenzi, und so werden die Horror-Nights geboren.
Seit nunmehr vier Jahren schockt der
inzwischen geschiedene Ex-Sänger
jährlich 35.000 Leute mit seinem Konzept: Die Gäste werden dabei durch
Räume geführt, in denen verschiedene an Szenen aus bekannten Horrorfilmen erinnernde Sets auf sie warten.
Im Gegensatz zu einer herkömmlichen
Geisterbahn sind die Zuschauer und
die Kulisse hier aber nicht strikt voneinander getrennt: Wer zu lauter
Rockmusik durch die dunklen und verwinkelten
Gänge
könnte
läuft, ist ständig Teil
sein der schrecklichen
und vor allem blutigen und brutalen Splattergeschichten, die sich hier abspielen. 150 größtenteils martialisch geschminkte
Schauspieler tummeln sich auf dem
gesamten Gelände, das jedes Jahr nur
zur Halloween-Zeit von Anfang Oktober bis Mitte November zugänglich ist
und erst bei Dunkelheit geöffnet wird.
2010 wurde erstmals auch ein 4200
Quadratmeter großes Maislabyrinth
integriert, das sogenannte „Field of
Screams“.
Sämtliche Ideen für die Terenzi-Horror-Nights kommen dabei von ihrem
Namensgeber, weswegen der sich
auch lieber als „Creator“ bezeichnet
und nicht mehr länger als Pop- oder
Rockstar – ein Teil der HintergrundMusik in den Shows entstammt nichtsdestotrotz ebenso seiner Feder. Für
das Event, in das der Park laut Terenzi
jährlich knapp 600.000 Euro investiert, ist der Gruselfilmfan bei den
diesjährigen Screamie-Awards in Lon-
„Ich
ein F-Promi
“
Fotos: © Europa-Park
FREIBURG PORTRAIT
Einst Boygroup, heute Horrormanager: Marc Terenzi zieht mit seinen Shows im Europapark jedes
Jahr 35.000 Gruselbesucher an.
don mit dem Award für die „Best International Attraction“ ausgezeichnet
worden. Die Horrornights sind dabei
vor vergleichbaren Shows aus den
Universal-Studios in Florida oder dem
Disneyland in Paris gelandet – Terenzi
bringt den Breisgau auf die Weltkarte
der Unterhaltung.
Das wiederum wollen seine Kritiker so
wahrscheinlich gar nicht sehen. Sie
reiben sich weiterhin an seiner Popstar-Vergangenheit, machen sich über
seine gescheiterte Ehe, die Entfernung seiner Liebestattoos und seine
Beziehungen zu It-Girls wie dem Modell Gina-Lisa Lohfink lustig und beschimpfen den Ami als C-Promi. „Ich
könnte ein F-Promi sein, das ist mir
egal, solange das Event erfolgreich
ist“, rückt der Ex-Popstar lieber seine
Arbeit in den Fokus, „die Leute kommen und hassen mich, werden hier
schockiert und am Ende ziehen sie vor
mir den Hut.“
Felix Holm
NOVEMBER 2010 CHILLI 13