Sehbehindertenzentrum, Unterschleissheim Objektbericht | GIMA

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Sehbehindertenzentrum, Unterschleissheim Objektbericht | GIMA
Haptisches Erlebnis für sehbehinderte Kinder
Erweiterung des Zentrums für Sehgeschädigtenerziehung in Unterschleißheim bei München, blindengerecht ausgeführt in naturrotem Klinkermauerwerk.
Die ursprünglich ausschließlich für sehbehinderte Kinder geplante
Schule in Unterschleißheim bei München wurde damals konzipiert für
ca. 80 Kinder und Jugendliche, die teilweise im Internat betreut werden,
aber auch in Tagesstätten. Entsprechend den verschiedenen Nebenfunktionen zugeordnete Einzelhäuser gliedern sich an das zentrale Schulgebäude an. Junge Menschen sollten hier in Grund-, Haupt- und Realschule für ein „normales“ Leben innerhalb der Gesellschaft vorbereitet werden. Das Sehbehindertenzentrum entstand bereits 1983 nach den Plänen
des Architekten Alexander Pagenstecher, auf einem Grundstück im
Straßendreieck
Raiffeisenstraße/Edtith-Stein-Straße
in
Unterschleiß-
heim. Heute, nach fast 25 Jahren, prägt das Areal eine sorgfältig gestaltete Parklandschaft, in die sich die zahlreichen Einzelhäuser natürlich
einfügen, - die Schul- und Wohngebäude, gemauert in rotem Klinker,
bzw. die mit grau lasierten Fichtenpanelen bekleideten Freizeitbauten.
Bei den Erweiterungsbauten, um die es nachfolgend geht, und die erforderlich wurden, da das Zentrum jetzt auch für blinde Kinder geöffnet
werden sollte, dominieren dann auch konsequenterweise wieder rote
Klinkerfassaden als gemeinsame Sprache von Alt und Neu und verbinden die Erweiterungsbauten mit dem Bestand.
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Medizinischem Fortschritt ist es zu verdanken, dass die Anzahl blinder Kinder
rückläufig ist. Die bis vor kurzem noch in München bestehende Blindenschule
wurde deshalb aufgelöst und dem Träger des Sehbehindertenzentrums in
Unterschleißheim zusätzlich die Aufnahme blinder Kinder übertragen, um sie
entsprechend zu integrieren. Sehbehinderte helfen Blinden und erleben so
ganz neue positive Erfahrungen. Synergien begleiten das Projekt und geben
ihm einen neuen Sinn.
Eine entsprechende bauliche Erweiterung des Sehbehindertenzentrums war
erforderlich geworden. Zusätzliche, allgemeine Unterrichtsräume, Fachbereiche für Musik, Kunst und Informatik, ergänzende Flächen für die Verwaltung,
sowie der Wunsch nach einer Aula gingen als neues Raumprogramm in die
Planungen ein, mit der wiederum die Architekten Pagenstecher + Moosmang
in Gräfelfing betraut worden waren. Zusätzliche Unterkunftsbereiche waren
nicht erforderlich, da der Trend eher zu den Tagesschülern neigt.
Nutzung peripherer Restbauflächen
Das Planungskonzept für diese Schulerweiterung basiert auf folgenden Überlegungen: Der parkähnliche Charakter des Geländes mit seiner starken
Durchgrünung, geprägt von einer Vielzahl von Einzelbäumen, sollte gewahrt
bleiben. Ohne die Inanspruchnahme von viel Bauland wurden deshalb die
Erweiterungsmaßnahmen als kompakte, höhere Baukörper in peripherer Lage
geplant. Eine Verdichtung an der Raiffeisenstraße war angesichts der zwischenzeitlichen baulichen Entwicklung in der Nachbarschaft städtebaulich
wünschenswert, um so gleichzeitig eine Dominante zu setzen, die deutlicher
als bisher auf die Existenz des Sehbehindertenzentrums hinweist.
Die Schulerweiterungsflächen sollten aber auch in einem sinnvollen Kontext
zum Bestand stehen. Der gewählte Bauort ermöglichte die direkte Anbindung
an die bestehende Pausenhalle, Herzstück und Hauptverteiler der alten Schule. Gleichzeitig sollten im Sinne einer behindertengerechten Schulorganisation
alle Unterrichtsräume im Erd- und 1. Obergeschoss untergebracht werden
und die Bereiche für Lehrer, Schul- und Heimverwaltung in die oberen Geschosse verlegt werden. Umbauten im Bestand wurden deshalb im Zusammenhang mit der Umwidmung von Raumnutzungen erforderlich. In einem
eigenen, neuen Gebäude an der südlichen Grundstücksgrenze sind deshalb
all´ diejenigen Teile des Raumprogramms zusammengefaßt worden, die in
weniger intensivem Kontakt zum Zentrum der Schule stehen.
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Urbaner Kontrapunkt zum Rathaus
Aufgrund der begrenzten baulich nutzbaren Restflächen entwickeln sich die
beiden Neubauten an der nördlichen und südlichen Grundstücksgrenze an
der Raiffeisenstraße über mehrere Geschosse in die Höhe. Dieser herausgehobene Standort war geradezu dazu prädestiniert, die überreginale Bedeutung des Sehbehindertenzentrums durch ein besonderes Signal zu betonen
und gleichzeitig zu dem gegenüber liegenden neuen Rathaus einen urbanen
Kontrapunkt zu setzen. Die beiden als Rotunde ausgeformten Baukörper übernehmen weitgehend das vorgegebene zusätzliche Raumprogramm. Dem
Südturm ist darüber hinaus die neu positionierte Eingangssituation zugeschrieben, weithin erkennbar durch ein sich ebenfalls in die Höhe entwickelndes Segel, das als Gegenpol zu dem sechsgeschossigen Nordturm empfunden wird.
Der Nordturm erhält sein sich nach oben verjüngende Spiralform nicht zuletzt
durch die hier geltende Abstandsflächenregelung. Seine breite Basis ist durch
eine großzügige Pausenhalle mit dem Gebäudebestand verbunden. Schneckenförmig aufsteigend, winden sich darüber die Verwaltungsbüros bis in das
sechste Obergeschoss, dem höchsten Punkt des Nordturms, ausreichend
weit von der Grundstücksgrenze entfernt und damit den Bauvorschriften gerecht werdend. Durch das in seinem Umfang nach oben immer kleiner werdende Gebäude wurde gleichzeitig der vorgeschriebene zweite Rettungsweg,
realisiert und zwar über das Dach der Schnecke.
Klinkerwände geben Orientierung
Das Material der Fassade der Erweiterungsbauten unterstreicht neben der
markanten kreisförmigen Ausformung der Türme und ihrer Höhenentwicklung
signifikant den herausgehobenen Anspruch des Sehbehindertenzentrums.
Das naturrote Klinkermauerwerk signalisiert, in Fortführung der Altbauten aus
den 80er Jahren, eindeutig den Alleinstellungsanspruch des Ensembles innerhalb der zwischenzeitlich geschlossenen Umgebungsbebauung. Jetzt, wie
auch damals, wurde auf den in Bayern traditionellen Putzbau verzichtet. Die
geringe Blendwirkung der ungeschlämmten Ziegelfassaden wird von den
Sehbehinderten als angenehm empfunden.
Die vor eine wärmegedämmte Stahlbetonkonstruktion mit Hinterlüftung gestellte Vorsatzschale wurde aus dem geschälten GIMA-Klinker »Catania« im
NF-Format aufgemauert. 14 unterschiedliche Typen Formsteine,- verschiede
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ne Vollklinker, Sparverblender und Akkustikziegel -, gehörten darüberhinaus
zum Lieferumfang, um letztendlich in der Perfektion dieses anspruchsvollen
Verblendmauerwerks aufzugehen. Die präzise Entwicklung der Fugen wurde
so zu einer Wegbeschreibung für die Schüler, die sich an den Setzfugen des
Materials orientieren. Die Klinkerfassaden sind die gemeinsame Sprache von
Alt und Neu; in ihrer gerundeten Ausformung bedeuten sie zugleich ein wichtiges haptisches Erlebnis für die sehbehinderten und blinden Kinder.
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Projektdaten
Projektname:
Erweiterung des Sehbehindertenzentrums Unterschleißheim
Bauherr:
Verein für Sehgeschädigtenerziehung e.V., Unterschleißheim
Architekten:
Pagenstecher + Moosmang, Bahnhofstraße 17, 82166 Gräfelfing
Fachingenieure:
- Tragwerksplanung
Kling Consult, 86381 Krumbach
- Elektro
IPM Haustechnik, 80804 München
- Heizung, Lüftung,
Sanitär
- Schallschutz/Akustik
IB Bauer, 85716 Unterschleissheim
Müller BBM, 82152 Planegg
Ausführung:
- Rohbau
Lindermayr, 86316 Friedberg
- Verblendmauerwerk
Krotzer & Eisele, 94469 Deggendorf
- Akustikwände
Krotzer & Eisele, 94469 Deggendorf
Dachdeckung
Pichler, 94209 Regen
- Innenausbau (Schreiner) Reger, 95486 Weidenberg
-Trockenbau
Münchner Trockenbau, 82178 Puchheim
Fliesen
Fliesen Pfalz, 09244 Lichtenau-Ottendorf
Brutto-Rauminhalt:
Neubauten : 16.196 m³
Bauzeit:
02/2004 bis 09/2006
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Sehbehindertenzentrum Unterschleißheim, Erweiterung
Die Erweiterungsbauten aus der Vogelperspektive: links im Bild der sich spiralförmig in die
Höhe windende 6-geschossige Nordturm und als Gegenpol dazu, rechts, der gleichermassen rund ausgeformte Südturm als Abschluss des ebenfalls erweiterten niedrigeren Schultrakts.
Architekten: Pagenstecher + Moosmang, Gräfelfing bei München
Foto: GIMA-Ziegel (St. Müller-Naumann, München)
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Sehbehindertenzentrum Unterschleißheim, Erweiterung
Die Erweiterungsbauten aus der Vogelperspektive: links im Bild der sich spiralförmig in
die Höhe windende 6-geschossige Nordturm und als Gegenpol dazu, rechts, der gleichermassen rund ausgeformte Südturm als Abschluss des ebenfalls erweiterten niedrigeren Schultrakts.
Architekten: Pagenstecher + Moosmang, Gräfelfing bei München
Foto: GIMA-Ziegel (St. Müller-Naumann, München)
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Sehbehindertenzentrum Unterschleißheim, Erweiterung
Der Bestandsschutz des Grundstücks erforderte eine gedrängte periphere
Bebauung. Aufgrund dieser begrenzten Restfläche entwickelten die Architekten das erforderliche Raumprogramm in Form der beiden Türme in die Höhe.
Architekten: Pagenstecher + Moosmang, Gräfelfing bei München
Foto: GIMA-Ziegel (St. Müller-Naumann, München)
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Sehbehindertenzentrum Unterschleißheim, Erweiterung
Ein steil aufsteigendes Segel charkterisiert den Südturm und signalisiert dem
Besucher zugleich den neuen Eingang zu der Anlage.
Architekten: Pagenstecher + Moosmang, Gräfelfing bei München
Foto: GIMA-Ziegel (St. Müller-Naumann, München)
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Sehbehindertenzentrum Unterschleißheim, Erweiterung
Das Segel des Südturms markiert weithin sichtbar den neuen Eingangsbereich und wird zugleich als Gegenpol zu dem 6-geschossigen Nordturm empfunden.
Architekten: Pagenstecher + Moosmang, Gräfelfing bei München
Foto: GIMA-Ziegel (Pagenstecher + Moosmang, Gräfelfing bei München)
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Sehbehindertenzentrum Unterschleißheim, Erweiterung
Aufblick zum Nordturm aus der glasüberdeckten Pausenhalle heraus.
Architekten: Pagenstecher + Moosmang, Gräfelfing bei München
Foto: GIMA-Ziegel (St. Müller-Naumann, München )
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Sehbehindertenzentrum Unterschleißheim, Erweiterung
Im Südturm ist neben zusätzlichen Unterrichtsräumen eine zweigeschossige, 250 Personen fassende Halle entstanden mit zugeschaltetem Bühnenbereich für übergeordnete
Schulveranstaltungen.
Architekten: Pagenstecher + Moosmang, Gräfelfing bei München
Foto: GIMA-Ziegel (Pagenstecher + Moosmang, Gräfelfing bei München)
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