REVIEW - PANASONIC AG-HVX200

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REVIEW - PANASONIC AG-HVX200
REVIEW - PANASONIC AG-HVX200
Die folgende Review ist für alle, die sich für die HVX interessieren. Es ist ein Mix aus feststehenden
Daten und mehr oder weniger objektiven/subjektiven Beobachtungen. Da die Review informativ sein
soll, habe ich versucht möglichst viel Spezifisches über die HVX auf möglichst wenig Platz zu sagen.
Darum habe ich Vieles weggelassen, was ich als selbstverständlich für diese Kameraklasse ansehe
und was sich im üblichen Rahmen bewegt (z.B. Weissabgleich) ... Die Review soll als Basis für
weitere Fragen und Diskussionen im Forum dienen.
1. WAS SOFORT AUFFÄLLT:
Die Kamera ist deutlich grösser und fetter (vor allem in der Breite), als sie auf den
Bilder wirkt. Sie ist ungefähr gleich lang wie die FX1/Z1 aber deutlich breiter und
darum sieht sie salopp ausgedrückt aus wie eine vollgefressene FX1/Z1, oder eine
zu gross geratene Panasonic DVX100. Der Akku steht (je nach Typ) bei der Kamera
nicht nach hinten ab, da er in einer tiefen Aussparung sitzt.
Die Kamera gibt keinen Laut von sich. Weder beim Einschalten, noch beim
Aufnehmen. Klar: durch die P2-Karte benötigt die Kamera keinerlei mechanische /
drehende Teile - es läuft nur der Strom in der Kamera und der gibt nun mal kein
Geräusch von sich. Selbst wenn man doch auf die Kassette aufnimmt muss man sich
über den Zähler oder das Kassettenfachfenster vergewissern, dass das Band wirklich
läuft - so leise läuft die Kamera sozusagen im "mechanischen" Modus. Auf diesen
kann man aber gerne verzichten, denn selbst die Aufnahme im SD-Modus wird
qualitativ besser, wenn man sie auf der P2-Karte macht und nachher innerhalb der
Kamera auf die Kassette überspielt.
Die Kamera ist schwarz und anthrazit und nicht so grau-bläulich, wie sie auf Fotos
wirkt, auf denen der Blitz eingesetzt wurde.
Der Filterdurchmesser von 82mm ist ENORM für den Videobereich - in die
Sonnenblende passt somit praktische die flache Hand eines Erwachsenen und
dementsprechend gross ist auch der Objektivdeckel.
2. SUCHERBILD / LCD-BILD
Wie üblich bei den HD-Kameras dieser Preisklasse, reichen die Viewfinder und LCDSchirme nicht für den perfekten Fokus im HD. Dafür hat die HVX aber den FocusAssistenten, der (später erklärt), während des Filmens zum Einsatz kommt. Das
Sucherbild ist jeweils 4:3, denn die HVX zeigt ein (fast) datenfreies Videobild in 16:9.
Die zahlreichen Daten, die auch ein- und teils- oder ganz ausgeblendet werden
können, werden gut lesbar auf den schwarzen Balken wiedergegeben. Vorteil: man
kann sich voll auf das Bild konzentrieren ohne störende Daten, aber die Daten sind
trotzdem bei Bedarf immer da und zwar gut lesbar, auch bei hellen Bildern, denn sie
sind ja wie erwähnt auf den schwarzen Balken.
3. DAS OPTISCHE ZOOM
Wie aus den technischen Daten ersichtlich, ist das optische Zoom 13-fach. Der
Telebereich ist jedoch nicht so stark, weil die Kamera einen aussergewöhnlich
grossen Weitwinkel hat. Gerade bei Innenaufnahmen ist man froh um den
ungeschlagenen Weitwinkel.
Das Aussergewöhnlichste ist aber, dass man für das Zoomen die Optik vom
Servomotor (für das Zoom mit der Wippe) entkoppeln kann und somit ganz frei mit
der Hand zoomen kann. Mir ist keine andere Videokamera bekannt, die so etwas
kann und es macht grossen Spass, das Zoom einmal wirklich 1:1 fühlen zu können:
in einer halben Sekunde konnte ich mühelos von 0-fach bis 13-fach Zoomen - das
erinnert doch sehr an die Actionfilme der 70er Jahre... Selbstverständlich kann man
damit auch als Effekt schnell hin- und herpumpen, was von Weitwinkel auf volles
Tele und wieder zurück auf Weitwinkel auch nur 1 Sekunde oder weniger dauert.
Man darf natürlich auch langsam damit zoomen, oder mit Unterstützung des
Servomotors.
4. TON
Der Ton wird mit der HVX unkomprimiert aufgenommen. Sämtliche anderen
Kameras dieser Preisklasse komprimieren den Ton bei der Aufnahme, weshalb die
HVX von daher schon mal sehr gute Voraussetzungen beim Ton hat. Wem das
eingebaute Mikrofon nicht reicht, der kann über die XLR-Anschlüsse externe
Mikrofone anschliessen und auf die übliche Weise einstellen. Wenn mit dem
eingebauten Mikrofon aufgenommen wird, werden unter Einsatz der P2-Karten
selbstverständlich keinerlei Kamerageräusche aufgenommen, denn es läuft kein
Motor, keine Trommel, kein Band.
5. ERGONOMIE
Durch ihre ausgeklügelte Form, kann man die HVX in vielen Positionen
ausbalancieren und mit dem eigenen Körper unterstützen. Egal wie weit man den
rechten Ellbogen in die Brust oder den Bauch stemmt - die HVX liegt immer gut und
kann so problemlos und minutenlang gehalten werden. Der verstellbare Sucher bleibt
auch immer am Auge (oder man klappt den LCD-Screen aus). Auch in der Aufnahme
über den Griff (Froschperspektive etc.) lässt sich die Kamera bequem halten.
6. DIVERSES
Mit der Funktion Rec-Check kann man non-linear kontrollieren, was als letztes
aufgenommen wurde. Dabei werden die letzten Sekunden gezeigt, die
aufgenommen wurden, ohne dass dabei wie bei kassettenbasierten Kameras an eine
bestimmte Stelle gefahren werden muss.
Bei jeder aufgenommenen Szene wird ein Thumbnail erstellt. Damit kann man
jederzeit eine beliebige Szene auf der P2-Karte anschauen, löschen, auf Kassette
aufnehmen, exportieren, etc. . Weil das ebenfalls non-linear geschieht, kann man
jederzeit den Vorgang sofort abbrechen und die Kamera ist aufnahmebereit. Kein
Spulen, keine Angst vor Überspielen ungeschützter Szenen, kein Suchen unter
Stress zwischen Aufnahmen. Dasselbe gilt natürlich auch beim Bearbeiten am PC:
man kann einzelne, ausgesuchte Thumbnails bearbeiten, oder alles zusammen.
Beim Band müsste man für einzelne Szenen über andere hinwegspulen bzw. vor
dem Capturing, das bei der HVX GANZ wegfällt, müsste man erst mal die Kassette
an den Anfang spulen. Es wird dadurch immer DORT Zeit gespart und die Kamera
geschont, wo man sonst Stellen hätte aufsuchen müssen oder die Kassette für
Playback / Aufnahme etc. vorbereiten hätte müssen.
Bei der Intervallfunktion und bei der Einzelbildfunktion (für Trickaufnahmen à la
Wallace &Gromit) zeichnet die Kamera dank P2-Technologie ECHTE
EINZELBILDER auf (= 1 Frame) - im Gegensatz zu den Einzelbild- und
Intervallfunktionen bei Videokameras mit Kassette: dort werden scheinbar einzelne
Frames aufgezeichnet - in Wirklichkeit sind es aber mehrere (bei meiner Sony sind
es ca. 5 Frames). Mit echten Einzelframes, wie bei der HVX oder bei Fotoapparaten,
wirken die Intervall- oder Trickfilme bei den Bewegungen viel flüssiger und das will
man ja auch meist mit den vorüberziehenden Wolken, der aufgehenden Blüte oder
den agierenden Trickfiguren erreichen. Auch die Berechnung ist damit mathematisch
einfach: 25 bzw. 50 Einzelbilder mit der HVX sind 1 Sekunde Video.
Die HVX hat zwei ND-Filter, wobei der stärkere (1/64 !!!!) so stark ist, dass damit die
Blende auch bei sehr viel Licht noch ganz offen bleiben kann und damit kann die
Tiefenschärfe bei Bedarf gering gehalten werden.
Die Zebrafunktion ist wie oft üblich, mittels Stufen regelbar.
Der Focus-Assistent hilft beim Fokussieren, welches in HD deutlich schwieriger ist,
als in SD. Er funktioniert jedoch meines Erachtens genügend gut und was wichtig ist:
er kann, im Gegensatz zu anderen Kameras mit dieser Funktion, WÄHREND des
Filmens immer noch zugeschaltet werden und angeschaltet bleiben. Wer das
Fokussieren lieber dem Autofokus überlässt, der wird feststellen, dass die HVX einen
relativ guten Autofokus bietet: schnell, aber nicht überstürzt, präzise auch im HD und
ohne lästiges Pumpen. Sowohl im Autofokus- als auch im Manualfokus-Modus kann
die von der Kamera gemessene Entfernung in Meter und Zentimeter abgelesen
werden. Dies ist vor allem beim manuellen Scharfstellen eine grosse Hilfe.
Beim Ausklappen des LCD-Screens bleibt das Bild im Sucher immer noch
angeschaltet.
Auf einer (normalen) SD-Karte kann man User-Daten speichern um sie jederzeit
wieder abrufen zu können - z.B. Monate später oder an einer anderen Kamera oder
aber wenn man zwischen verschiedenen Usern oder Aufnahmesituationen hin- und
herwechselt und dafür ständig Einstellungen ver- und zurückstellen muss. Die
kleinere Version davon sind die üblichen User-Buttons an der Kamera, womit man
aber im Gegensatz zur mobilen SD-Karte nicht 2 Kameras synchronisieren kann.
7. DAS MENÜ
Beim ersten Mal ist man selbst nach konzentriertem Lesen der Bedienungsanleitung
mit dem Menü glatt überfordert. So komplex ist auch kein Menü einer professionellen
Schulterkamera. Die HVX MUSS aber ein so komplexes Menü haben, denn sie
vereint Bereiche, die selber schon in sich mehr oder weniger komplex sind:
- Grund-Menüeinstellungen auf professionellem Niveau für Aufnahme, Playback, P2
oder Kassette
- Sehr grosse Auswahl an div. Auflösungen in HD oder SD, oft noch mit der Wahl
zwischen progressiv (die Chips der HVX nehmen tatsächlich nativ progressiv auf!)
und interlaced und jeweils noch dazugehörige Frameratenmöglichkeiten
- Einstellungen zum Bildcharakter (unter 8. ein wenig genauer erklärt)
- Einstellungen zum Bildformat (16:9, 4:3, Letterbox, etc.)
- Benutzereinstellungen für Vorlieben
8. EINSTELLUNGEN ZUM BILDCHARAKTER
Hier finden sich die Einstellungen, die das Bild kräftiger, matschiger, farbiger,
schärfer, blaulastiger etc. erscheinen lassen können. Und damit sind auch hier
wieder ganz grosse Stärken der HVX. Alleine wegen dieser Möglichkeiten wird die
HVX beispielsweise für die amerikanische TV-Serie "4400 - Die Rückkehrer" (Pro7)
eingesetzt: neben einer CineAlta-Kamera von Sony als Hauptkamera, wurde eine
kleine HD-Kamera gesucht, die ein ähnliches, "kinohaftes" Bild hinkriegt, damit
beispielsweise Aufnahmen aus dem Innerern eines Autos unter die CineAlta-Bilder
gemischt werden können. Die Sony Z1 hat dabei versagt. Zu viel Artefakte, zu wenig
Einstellmöglichkeiten um das Bild anzugleichen.
Bei der HVX hat man mehrere tausend Bildcharakter (Weissabgleich nicht
mitgerechnet natürlich) zur Auswahl. Die Parameter dafür sind:
- Detail-Level (= Detail-Enhancement) von -7 bis +7
- V-Detail-Level (Verstärkung nur für die Vertikale) von -7 bis +7
- Detail-Coring (Kontrolle über Bildrauschen - siehe PDF von Panasonic*) von -2 bis
+7
- Chroma-Level (Sättigung) von -7 bis +7
- Chroma-Phase (Farblastigkeit) von -7 bis +7 bzw. von Magenta bis Cyan
- Chroma-Temp (Farblastigkeit) von -7 bis +7 bzw. von Rot bis Blau
- Master-Pedestral (Kontrolle über die Stärke von Schwarz) von -15 bis + 15
- Iris-Level (Helligkeitskorrektur über die Messwerte) von -4 bis +4
- News-Gamma an- oder aussschalten
- Gamma: HD-Norm, SD-Norm, High, B.Press, Cine-Like D, Cine-Like V
- Knee (Helligkeitsverteilungen) Low, Mid, High
- Matrix: Norm, Enriched, Fluo, Cine-Like
- Skin-Tone (bei Aufnahmen mit natürlicher Hautwiedergabe)
- V-Detail-Freq.
Detailliertere Angaben über die Einstellungen im 60-seitigen PDF-"Katalog" (nicht
PDF-"Prospekt"!) auf der Seite von Panasonic.de bei den Downloads auf der Seite
der HVX200:
http://panasonicbroadcast.de/index.cfm?uuid=28F781BB9D374650ADDB1E547848CE13&CatID=428
2&ClassID=10&PID=11790
Einen sehr schönen, bebilderten Einblick in ein paar Bildeinstellungen kriegt man
hier:
http://dv.com/columns/columns_item.jhtml?articleId=193001363
8. DIE BEDIENUNGSANLEITUNG
Leider ist die Bedienungsanleitung mit ca. 140 Seiten (für Deutsch) bei dem
komplexen Menü schon sehr knapp. Abhilfe schafft da nur das HVX-Book von Barry
Green, der das Buch (wie damals das DVX100-Buch) mit Hilfe von Jan Crittenden
geschrieben hat. Es kostet ca. 100 Euro (inkl. Versand), ist auf englisch und enthält
zahlreiche farbige Abbildungen und eine CD.
Barry Green ist der zweite Hauptmoderator auf dvxuser.com und Emmy-Preisträger.
Jan Crittenden, genannt "Panasonic Queen" ist die Frau, die die Kamera in enger
Zusammenarbeit mit dem dvx-Forum
mitentwickelt hat. Sie ist die erste
Ansprechperson für die DVX100 und die HVX200 bei Panasonic und ein echter
Technikguru! ;)
9. DIE VORTEILE VON P2
P2 bedeutet: kein Mucks, kein Band, kein Spulen, kein Warten.
Ohne mechanische Teile für die Aufnahme wird die Kamera im Gegensatz zu
anderen Profikameras geräuschlos und DEUTLICH temperatur-, druck-, staub-,
etc. -unempfindlicher. In einem Test in der Wüste lief die HVX noch immer,
nachdem die Konkurrenten (alles Profikameras) alle schon ausgestiegen waren.
Durch die hohen Temperaturen reichten schon 20 Minuten um auch die letzte
Profikamera aussteigen zu lassen, währenddem die HVX munter weiterfilmte. Die
Druckempfindlichkeit bemerkt man bei Kameras nicht nur bei Stössen etc. sondern
auch wenn man G-Kräften ausgesetzt wird (Achterbahnfahrt, Düsenjet, etc.) dabei
filmt die HVX ebenfalls noch lange unbeeindruckt, während andere Profikameras
Bildaussetzer, Bildstörungen und Unterbrücke haben.
Beim Editing ist eine nonlineare Lösung natürlich aus vielerlei Hinsicht sinnvoller: die
Bearbeitung erfolgt ja auch nonlinear und wenn Spulen, Capturing und
mechanisches Ansteuern nicht nötig sind, warum dann sich damit abmühen? Ob
direkt auf der Karte oder auf einer Festplatte: Material von der P2 zu Bearbeiten geht
durch die geringe Komprimierung und den "computerfreundlichen Codec" deutlich
schneller und auch mit langsameren Laptops als oft angenommen. Einzig bei der
Software ist die Auswahl noch gering:
Canopus Edius kann als einzige Software das P2-System und damit auch das
DVCPRO-HD Format mit allen Frameraten für PAL VOLLSTÄNDIG unterstützen.
Einige andere Programme wie Final Cut Pro erlauben auch die Bearbeitung von
Material der HVX, aber immer mit Hindernissen, Problemen und Einschränkungen im
Gegensatz zu Canopus. So langsam scheint sich das zu ändern, APP und Avid
könnten für PC-Benutzer in Zukunft auch eine gute Option sein so wie es momentan
aussieht (Stand: Oktober 2006) und für MacUser ein Trost: FCP läuft eigentlich ganz
gut und alle Frameraten können unterstützt werden - wenn auch nicht ohne Tricks...
10. GRÜNDE, DIE DIE HVX FÜR PROFIS "UNBEZAHLBAR" MACHEN:
PRESSE/NEWS:
Mit der HVX spart man durch die genannten Vorteile der non-linearen Aufzeichnung
und Wiedergabe Zeit und editiert kann bei Bedarf DIREKT auf der Karte selber
werden. (FussballWM in HD, Olympische Spiele, etc.)
KINO/HOLLYWOOD:
Als POV-Kamera (Point-OF-View, beispielsweise als Steadycam) ist die HVX für
viele aktuelle Hollywoodproduktionen im Einsatz, weil sie mit den richtigen
Einstellungen einen 35mm-Film-ähnlichen Bildcharakter erlaubt, an den keine andere
Videokamera dieser Grösse herankommt und durch die wegfallende Filmentwicklung
wird dabei noch Zeit und viel Geld gespart. Hollywood hat übrigens keine Probleme
mit den 4GB / 8GB-Kartengrössen, weil die Filmrollen im klassischen HollywoodWorkflow bisher auch ähnliche Aufnahmezeiten haben. Der ehemalige
Rollenwechsler ist nun der Kartenwechsler und die HVX nimmt dazu noch ohne
Unterbruch bei fliegendem Wechsel auf, was die Filmrolle nicht kann...
LOW-BUDGET-FILM:
Die Low-Bud-, oder Indie-Filmer sind dankbar für eine relativ günstige Kinokamera.
Durch HD werden die Bilder grossleinwandfähig und durch das 35mm-ähnliche Bild
wirken die Filme so, wie sich das die Leute in dieser Sparte wünschen. Eine JVCHD100 oder eine Sony-Z1 leidet dabei immer noch am typischen (dafür
kantenschärferen)
Videobild
und
auch
an
einer
fehlenden
nativen
Progressivabtastung, die für eine nachträgliche Übertragung auf 35mm-Material
geeigneter wäre.
HDTV-BROADCAST:
Eben noch 1080i, schon sind 720p als neuer Standard geplant, möglichst mit 50
Vollbildern, weil es am Fernseher nicht flimmern soll, wie beim Kinofilm - also ist die
HVX200 wohl momentan die einzige Kamera unter 80'000 Euro, die diese Kriterien
erfüllt. Das Schweizer-Fernsehen hat die HVX200 für die 50p-Aufnahmen dafür im
Einsatz und arbeitet auch schon seit einiger Zeit mit dem P2-Workflow und
Festplatten als Archivierungsmöglichkeit. Der Kunde, der sich einen HD-ready
Fernseher geleistet hat (der natürlich progressiv darstellt und nicht interlaced), will
darauf nicht umgerechnete interlaced-Bilder sehen, was der Grund für den neuen
Trend ist.
DIE FRAMERATEN:
Bei allen Arten von Filmen kann man sich die Effekte und Vorteile der frei wählbaren
Frameraten (50 verschiedene) zu Nutze machen: Zeitraffer, Zeitlupe, weiche
Aufnahme, flimmernde Aufnahme etc. . Beim Sport hilft die ECHTE Zeitlupe, die
sonst nur teure Highspeedkameras könnten. Beim Kampfsportfilm ist es
möglicherweise ein Zeitraffer für Kampfszenen... Beim Musikvideo für einen
romantischen Song sind es die weichen Bewegungen beim Verlangsamen von
absichtlich zu schnell gefilmtem Material mit vielen progressiven Einzelbildern und
schliesslich beim Kinofilm auf 35mm-Material ist es die Synchronisation und native
progressive Aufnahme, die eine 1:1 Übertragung Videomaterial auf Filmmaterial
erlaubt.
NATURDOKUMENTATION:
Endloses Filmen mit der Pre-Record-Funktion bedeutet: ein Krokodil-Ei aus der
Distanz so lange wie man will ohne Unterbruch filmen. Die Kamera dabei alleine
lassen, damit die Tiere nicht gestört werden. Alle 5 Min. per Feldstecher kontrollieren
ob was geschlüpft ist und wenn das Junge da ist einfach zur Kamera gehen und
REC drücken, dann wird bestimmt, wieviel Material vorher und nachher auf der Karte
bleiben sollen. Die Endlosaufnahme nimmt auf bis die Karte voll ist und beginnt
danach wieder bei der ersten Minute und lässt den Rest aber drauf. Das würde auch
bei einem bevorstehenden Vulkanausbruch, bei auftauchenden Walen etc. helfen.
Man braucht dafür kein Material, wie bei der Kassette, die dabei Lebenszeit verliert
und zurückspulen etc. entfällt nach unbrauchbaren Aufnahmen.
11. MISSVERSTÄNDNISSE, RICHTIGSTELLUNGEN, FACTS
- die HVX kann NICHT HDV aufzeichnen. Sie zeichnet DVCPRO-HD, DVCPRO50
und DVCPRO25 auf.
- HD kann mit der HVX nicht direkt auf die Kassette aufgenommen werden
- die HVX200 ist keine Consumercam - sie wurde für Profis und Semiprofis zum Geld
verdienen entwickelt und kostet darum auch etwas...
- es gibt nicht "nur" ein Dutzend Frameraten, wie dies Panasonic angibt, sondern
ALLE Frameraten von 1 Frame bis 50 Frames (PAL) sind auswählbar. Panasonic
hat lediglich nur das Dutzend getestet und bürgt darum nicht für die restlichen.
Ausgewählt werden die restlichen Frameraten (z.B. 49 fps) mittels der SD-Karte,
die dann in den SD-Slot der Kamera eingeschoben wird. Genaue Anleitung auf
dvxuser.com
- mit einer 8GB-P2-Karte können bei Bedarf viel mehr als nur 8 Minuten
aufgenommen werden: 8 Minuten nimmt sie nur im allerbesten Modus mit vollen
100 Mbps im und 50 progressiven Bilder auf.
- HDV-Kameras nehmen mit 25Mbps auf - mit 25Mbps haben auf der 8GB-P2-Karte
32 Minuten Platz... darum sollte man DVCPRO-HD nicht 1:1 mit HDV vergleichen
- die P2-Karte ist für ihre Leistung nicht zu teuer: sie ist 4-mal schneller als SDKarten...
- die P2-Karte muss (im Minimum) als einmalige Investition zum Kamerapreis
dazugerechnet werden - man kann sie nicht mit dem Preis für Kassetten etc.
vergleichen. Die Karte ist aber entbehrlich bei ausschliesslichen Aufnahmen direkt
auf Harddisk, Firestore oder Kassette.
- die Archivierung ist mit dem P2-System je nach Medium günstiger als mit MiniDVKassette.
- das P2-System ist für Profis. Vollzeitprofis holen die Kosten für die P2-Karten schon
nach Stunden oder wenigen Tagen wieder herein.
- Semiprofis können die P2-Karten auch für relativ wenig Geld tageweise mieten (z.B.
immer DANN, wenn Aufträge da sind).
- im März 2007 kommen vermutlich in Europa die 16GB-P2-Karten auf den Markt.
Damit ist schon eine halbe Stunde HD-Material oder 16 Minuten im 50p Modus bei
100Mbps möglich. Die Preise der 8GB- und der 4GB-Karten werden dann ungefähr
halbiert werden. Voraussehbar ist damit auch, dass den P2-Karten von der
Kapazität her nach oben weniger Grenzen als den Kassetten gesetzt sind:
- die Kassette ist mit 25Mbps jetzt schon bei 90 Minuten an ihrer Grenze, wo die P2Karte erst langsam richtig in Fahrt kommt (eine 128GB-P2-Karte ist von Panasonic
schon seit Jahren geplant, wann sie kommen wird ist noch nicht bekannt - erst mal
kommen die 32GB und die 64GB-Karte).
- die Kamera kostet mit einer Karte zusammen ca. 7000 Euro. Sie wird aber von
Besitzern/Profis für 400 Euro PRO TAG vermietet.... Wer eine kauft kann folglich
alleine durch ihren Besitz Geld verdienen, denn immer wieder sind Kunden/Firmen
wegen der vielen genannten Kriterien, die die HVX einzigartig und konkurrenzlos
machen, auf sie angewiesen.
- als Profikamera ist die HVX relativ günstig, als Consumerkamera jedoch eher
uninteressant (vor allem wegen dem P2-Workflow)
- die HVX war die häufigste der offiziell eingesetzten HD-Kameras an der
FussballWM 2006. Von welchen grossen Namen sie in Hollywood eingesetzt wird /
wurde, kann auf dvxuser.com in einem sticky-thread nachgelesen werden. Die
erste Aufnahme für's Kino war wohl die einzelne Szene für den Film Munich von
Steven Spielberg in den Tagen, als die Kamera in den USA gerade mit der ersten
Schiffladung frisch auf den Markt kam.
- wer eine HVX200 besitzt und ergo bedienen kann, kann alleine dadurch temporäre
Jobs finden, denn Leute, die die HVX bedienen können oder/und mit dem P2System umgehen können sind jetzt schon in den USA sehr gefragt und in Europa
immer häufiger, denn die Kamera ist hier noch zeitlich im Rückstand und dennoch
sehr "im Kommen".
Ob durch Vermietung der Kamera, durch Übernehmen von HD-Aufträgen, durch
Unterstützen bei HVX-Aufnahmen oder durch den Verkauf von hochwertigem HDMaterial: im professionellen Einsatz, gleich ob nebenbei oder vollzeitlich, ist der Preis
der Kamera, der viele Semiprofis noch immer beeindruckt, schnell relativ. Und zwar
relativ GÜNSTIG. Mit weniger als 10'000 Euro kann man mit der HVX ein
Kameraleben starten, welches schon mit wenigen Aufträgen zu ganz normalen
europäischen Gagen Gewinn abwerfen kann.
MEIN PERSÖNLICHES FAZIT
Es ist äusserst angenehm mit der HVX200 arbeiten zu dürfen. Sie ist DIE Kamera für
Leute, die ihre Vielfältigkeit nutzen können. Die HVX ist ihr Geld mehr als Wert, wenn
sie in den richtigen Händen ist. Es macht Spass, nach jahrelangem Arbeiten mit
Videokameras einmal mit einer Kamera zu arbeiten, die so viele exklusive Features
bietet, die man in so vielen Situationen dankbar anwenden kann. Einmal P2 und man
möchte nicht mehr auf Band. Einmal all die Bildeinstellungen und ihr Fehlen bei
anderen Kameras kommt einem (künstlerisch) einschränkend vor. Die HVX200 ist
DER Wolf im Schafspelz: die Kinokamera für die Hosentasche, die Reporterkamera,
die von der FussballWM über die Winterspiele alles gesehen hat. Und dafür ist sie
sehr preiswert! -CICI 13.10.06