BSEwigkeit_Email_long_FINAL - Technische Universität

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BSEwigkeit_Email_long_FINAL - Technische Universität
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DIE EWIGKEIT.
EINE KONFERENZ MIT PRAKTISCHEN ÜBUNGEN UND
ANLEITUNG ZUR HALLUZINATION
Ein Projekt der Mobilen Akademie Berlin in Kooperation mit dem Kulturinstitut der Stadt Braunschweig
und dem Haus der Wissenschaft Braunschweig
Freitag, 24. April 2015, 19.00 – 22.00 Uhr, Haus der Wissenschaft, Braunschweig
Die Ewigkeit ist keine feste Größe. Die Jahrhunderte häufen unterschiedliche Vorstellungen und
konkurrierende Modelle von Ewigkeit an: Sie könnte hinter oder jenseits der Zeit liegen, sie könnte die
unendliche Zeit sein oder ein Zustand ohne Anfang und Ende, eine ewige Wiederkehr des Gleichen
und Gewesenen oder das Aufgehobensein jeglicher Zeit in einer totalen Gegenwart. Die Religionen
halten sie weiterhin als existenzielle Lösung im Angebot, aber gerade für den, der ohne religiöse
Ewigkeitsversprechen auskommt und kein Bedürfnis nach Transzendenzerfahrung hat, bleibt die
Ewigkeit ein interessantes Phänomen: Als jener Zustand, in den man mit dem Tod eintreten wird. Und
als ein Denkmodell, das dazu provoziert, sich eine entzeitlichte Zeit, jenseits von jeder Chronologie
vorzustellen. Die Ewigkeit schafft Raum für Spekulationen und Imaginationen abseits der
verordneten Zeitregime, in denen sich Effizienzsteigerung, Zeitmangelmanagement und die
Angst vor der Sterblichkeit verzahnen.
Wie nähert man sich der Ewigkeit am 24. April in Braunschweig?
Braunschweig und die Ewigkeit sind Nachbarn: der Taktschlag, die amtliche Atomuhr-Zeit, auf die wir
alle vertrauen, schlägt in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB). Und es wird nukleare
Zeit verwaltet: im Jahr 2022 soll der Schacht Konrad, das Endlager für schwach- und mittelradioaktive
Stoffe, in Betrieb genommen werden.
Die Konferenz stellt die aufregendsten Ewigkeitsmodelle und Endlosigkeitskonzepte aus
Philosophiegeschichte, Kulturtheorie und den Naturwissenschaften vor. Zudem bieten wir
Trainingseinheiten an, um sich in schicksalsloser Endlichkeit zu üben. Wir garantieren: Der Blick in
die rotierende Trommel der Waschmaschine wird nie mehr derselbe sein.
Ein Parcours in sechs Stationen
Station a: Serielle Wiederholung und ewige Wiederkehr des Immergleichen
Dieser Zustand kann ein Horrorszenario sein: Alles muss immer wieder als Ein und Dasselbe erlebt
werden. Oder als ein Segen der Langeweile: Das Zeiterleben erlischt, alles bleibt beim Alten, ohne
Zweck und ohne Ende. Und das ist gut so. (John Cage, Kai van Eikels, Petra Gehring, Rainer Gruber)
Station b: Das Anhalten der Zeit im Rausch (oder im Schock)
Der köstliche Moment, in dem Vorher und Nachher, Innen und Außen verschwinden, ein Riss im
zeitlichen Kontinuum. Das nüchterne Wissen um die Endlichkeit dieses Moments steigert, wenn
möglich, noch den Genuss. (Ivana Franke, Petra Gehring)
Station c: Aufbewahren und Archivieren im Gedächtnis (Ars Memoria) oder in Behältern
Die Tiefkühl-Container in Arizona: Die Kryoniker glauben, dass die physische Unsterblichkeit des
Menschen durch technisches Enhancement machbar ist (auch ein Braunschweiger
Bestattungsunternehmen bietet den Transport schockgefrorener Körper nach Arizona an). Eine
Container-Deponie bei Braunschweig: Die Fässer im Schacht Konrad werden demnächst nuklearen
Restmüll verwahren, der mehr als 100.000.000 Jahre strahlt. (Martin Donat, Petra Gehring, Stefan
Lorenz Sorgner, Dorothee Wenner / Hannah Hurtzig)
Station d: Apparate der Ewigkeit
Eine künstlich konstruierte Ewigkeit skizzierte bereits Leonardo da Vinci: Seine
Unendlichkeitsmaschine ist ein mechanisches Getriebe, das die Bewegung ins nahezu Unendliche
verlangsamt, aber den Stillstand nie erreicht. (Übertragung des Orgelstücks Organ2/ASLSP von John
Cage mit der Tempovorschrift „As SLow aS Possible“ aus der Burchardikirche in Halberstadt,
Wladimir Velminski))
Station e: Die Buddha-Methode
Der beste Ausgangspunkt für eine Annäherung an die Ewigkeit sind nicht die Vergangenheit oder die
Zukunft, sondern die Gegenwart. Die Gegenwart ist ein ungeklärter Ort, ein Nicht-mehr und Nochnicht, eingeklemmt zwischen Vergangenem und Zukünftigem. Könnte man das Jetzt erleben, die
unmittelbare Gegenwart, man könnte in ihr einen Funken Ewigkeit spüren. (Ivana Franke, Rainer
Gruber, Christine Wank)
Station f: Die Gegenübung
Vergegenwärtigung des Endlichen, Einübung in den letzten Moment. Eine dynamische
Meditationsübung, die den Übergang vom lebenden Menschen in die Bildwerdung des Verstorbenen
anschaulich macht. Eine Generalprobe der eigenen Sterblichkeit. (Hannah Hurtzig / Susanne Sachsse,
Edit Kaldor / Ogutu Muraya)
Vorträge, Erzählungen, Beratungen zur Unendlichkeit
Martin Donat: Das Endlager. Erzählung
Atommüll ist die materialisierte menschliche Hybris der Technologie des 20. Jahrhunderts. Was vor 70
Jahren mit dem infernalischen nationalsozialistischen Uranprojekt und den apokalyptischen
Atombombenabwürfen von Hiroshima und Nagasaki begann, mündet konsequent und fast
zwangsläufig in der maßlosen Selbstüberschätzung von sicherer „Endlagerung“ oder gar
menschengemachter „Transmutation“ der Elemente. Der Mensch, der das Sonnenfeuer auf Erden
entfachte, wähnt sich gottgleich und erhaben über die Schöpfung. Weil er gerade einmal die
Dimensionen des Ewigen erstmals physikalisch-technisch zu erfassen vermag, obliegt er einem
grandiosen Irrtum. Denn in der Praxis erweist sich, dass die Werke der Sterblichen schon innerhalb
eines Menschenlebens wieder in die diesseitige Welt dringen…
Ivana Franke: Wir schließen die Augen und sehen einen Vogelschwarm.
Installation, Holzkonstruktion, Styropor, LED Lampen. Frequenzbereich 12 – 33 Hz, Dauer: 6’24’’
Man betritt die Röhre, setzt sich und schließt die Augen. Initiiert durch eine Blitzlicht-Dramaturgie
erscheinen Räume und Bilder in Bewegung, die keinerlei Entsprechung in der Realität haben und die
nicht aus der Erinnerung abgerufen wurden. Wir sehen offenbar die Reaktionen unserer neuronalen
Struktur auf die Lichtstimulation - ein Phänomen, was auch die Wissenschaft nicht exakt klären kann.
Etwas wird sichtbar, das unsichtbar ist. Helle Schatten unseres Gehirns. Die Grenzen zwischen Innen
und Außen scheinen sich aufzulösen, man erlebt einen Riss in der individuellen Wahrnehmung, der
uns in die Halluzination einer Gegenwartserfahrung stürzt. Und die ist subjektiv, unvergleichbar und
kann nicht bewiesen werden.
Petra Gehring: Sieben mal die Ewigkeit. Vorträge (3x20 min.)
Die Philosophin beschreibt sieben Formen von Ewigkeit und die entsprechenden Sozialfiguren: 1. Die
grenzenlose Zukunft, der unbegrenzte Zeitfortlauf (z.B. Platon). Figur: Der unangefochtene
Erwachsene // 2. Das Anhalten der Zeit in einem Moment der intensiven Erfahrung von Gegenwart
(z.B. Nietzsche). Figur: Der Verzauberte // 3. Fixierung des Vergänglichen durch materielle
Bewahrung (z.B. Stein, Marmor, Granit, Gold, Platin). Figur: Der Wächter // 4. Die totale Präsenz von
allem, Allwissen und Allmacht Gottes (z.B. Augustinus). Figur: Der Weise // 5. Kreislauf und ewige
Wiederkehr, Schicksal im tragischen Sinn (z.B. Nietzsche). Figur: der Held // 6. Der Aufschub,
dauerndes Streben (z.B. Hegel). Figur: der Asket, der Gehetzte // 7. Variation des Gleichen, lähmende
Langeweile (z.B. Dracula, de Sade). Figur: der Dandy und der Zyniker.
Rainer Gruber: Urknall. Vorträge (3x20 min.)
Mit der speziellen Relativitätstheorie zersplitterte die eine, universale, auf Ewigkeit ausgerichtete Zeit
in Eigenzeiten; gleichzeitig verschmolzen Raum und Zeit zur Raumzeit. Die aus der allgemeinen
Relativitätstheorie abgeleitete These des Urknalls ermöglichte es der Physik, der Raumzeit einen
Beginn und ein denkmögliches Ende zuzuschreiben. Ewigkeit als Konzept aber ist in wesentlich
tieferen Schichten der Physik eingelagert. Es hat seine Wurzeln in der Faszination der Vorsokratiker
am Beständigen, an dem, was sich selbst gleich bleibt in aller Veränderung. Dies drückt sich in den
Erhaltungssätzen aus, die zur Geschäftsgrundlage der klassischen Physik geworden sind und im
Symmetriekonzept der Elementarteilchentheorie experimentelle Triumphe erzielt haben. Die
allgemeine Relativitätstheorie indes stellt dieses Konzept tiefgründig in Frage.
Stefan Lorenz Sorgner: Transhumanismus. Beratung
Die menschliche Unsterblichkeit ist eine Utopie, die im Kontext des Transhumanismus häufig
thematisiert wird. Man sollte die Unsterblichkeit aber weniger als praktisch zu realisierende Eu-Topie
(altgriech.: der gute Ort) verstehen, als eine Ou-Topie (altgriech.: Nicht-Ort), eine nicht realistisch zu
erwartende menschliche Sehnsucht, die jedoch eine rhetorische Funktion erfüllt. Wer von
Unsterblichkeit spricht, bekommt öffentliche Aufmerksamkeit, da die menschliche Sterblichkeit für
jeden von uns eine Herausforderung darstellt. Drei Varianten des Transhumanismus sind
diesbezüglich besonders relevant: 1. Kryonik, Mind-uploading und der siliziumbasierte
Transhumanismus; 2. menschliche Evolution, Genetic Enhancement und der kohlenstoffbasierte
Transhumanismus; 3. eine menschliche Weiterentwicklung hinsichtlich der Gesundheitsspanne.
Wladimir Velminski: Schauer der Ewigkeit. Erzählung
Die Premiere eines unveröffentlichten Hörspiels: Im Klang der elektromagnetischen Wellen begeben
wir uns in das Jahr 8888 (dem Jahr der vier umgedrehten Unendlichkeiten) und werden Zeuge einer
mysteriös schicksalhaften Begegnung eines berühmten Architekten mit dem Herrscher von Russland,
dem Goldenen Kind. Es stellt sich die Frage, ob die Ewigkeit ein Ort der Autorität ist, der sich der
menschliche Blick nur im Akt der Unterwerfung annähern kann und welche Rolle dabei dem ‚ewigen
Organon’ zukommt. Das Hörspiel basiert auf den Zeichnungen jener suprematistischen
Zukunftsarchitekur, die der russische Künstler, Autor, Nomade und Gründer der Künstlergruppe
„Inspektion ‚Medizinische Hermeneutik‘“ Pavel Pepperstein 2009 auf der Biennale in Venedig
ausgestellt hat.
Christine Wank: Presencing. Beratung
Wie lösen wir uns von hinderlichen Strukturen der Vergangenheit oder auch fixen Bildern der Zukunft?
Das Konzept der „Theorie U“ (Otto Scharmer, 2009) setzt genau hier an, um entsprechende
systemische Innovationen und Veränderungen für Menschen und Organisationen erkennen und
umsetzen zu können. Eine Methode ist dabei das sogenannte „Presencing“, ein spezifisches Training
der Gegenwartswahrnehmung. Die Sessions mit Christine Wank sind eine Einladung, sich die eigenen
Zukunftsmöglichkeiten zu vergegenwärtigen und sie ins Hier und Jetzt zu bringen. Dies kann sich
sowohl auf eine konkrete aktuelle Herausforderung in Ihrem Leben oder Ihrer Arbeit beziehen als
auch auf allgemeine Fragen der eigenen Lebensführung.
Dorothee Wenner / Hannah Hurtzig: Ars Memoria. Übung
Es scheint verbürgt, dass man nur durch den eigenen Tod in die Ewigkeit eintritt. Danach erreicht man
vielleicht die andere Seite oder einen Ort, den Hades, den Orkus, das Inferno, Arkadien, das Paradies,
oder man bleibt im Limbus, in der Vorhölle, im Zwischenreich. Mal angenommen, es handelt sich bei
der Ewigkeit um einen Erinnerungsort, eine auratische Stelle im Gedächtnis, ein sonderbares
Gespinst aus Zeit und Raum an dem sich Nähe und Ferne seltsam verbinden. Wie verbringt man an
diesem Ort Ewigkeit? Die Übung bietet eine spezielle Mnemotechnik für die Ewigkeit an. Ihr dient ein
Film zur Vorlage, einer der schönsten Filme, die je zum Thema des Nachlebens gedreht wurden:
„After Life“ des japanischen Regisseurs Hirokazu Koreeda von 1989.
Die Ewigkeit
Training für die Endlichkeit
Denkt man an die Ewigkeit, erinnert man den Tod. Er kann in vielerlei Gestalt auftreten. Der Tod als
Rückkehr ins Unbestimmte, vielleicht in den Kosmos, vielleicht in einen Zustand vor unserer Geburt.
Der Tod als die Auflösung einer temporären stofflichen Einheit und eine befreiende Ablösung der
Seele vom Körper. Er wird beschrieben als Durchgangsstadium hinter dem uns die Beurteilung
unserer gesamten Lebensführung erwartet. Der Tod kann die Ordnung der Welt wieder herstellen,
denn der Einzelne geht im Kollektiv der Toten auf und macht Platz für die Lebenden. Der Tod als
Bewusstseinsübung, als ethische Lehre und Gestaltungschance für das Leben. Oder als unakzeptable
Zumutung, die es abzulehnen gilt. Todesmeditationen sind eine uralte Technik, wo hingegen TVSerien eine zeitgemäße Möglichkeit darstellen, sich mit der Vergänglichkeit zu beschäftigen.
Edit Kaldor / Ogutu Muraya, Übung (30 min.)
Edit Kaldor hat ihr Theaterstück „One Hour“ (2012) für Braunschweig adaptiert. Mit dem Performer
Ogutu Muraya erzählt sie einen Wachtraum, ein Protokoll über die physiologischen Vorgänge des
Sterbens, in dem man sich einer Vorstellung des Endes annähern und unser Verhältnis zur endlichen
Zeit und Sterblichkeit proben kann.
Kai van Eikels, Vorträge (3x20 min.)
Das Begehren von uns europäisch erzogenen Menschen im 21. Jahrhundert zielt keineswegs direkt
auf das Ewige. Wir wünschen in einer Zeit zu leben, in der das Ewige sich nur hier und da bemerkbar
macht, darauf hindeutend, dass es noch mehr gibt als das Hier. Der Roman, das Drama in Theater
und Spielfilm organisieren Zeit in diesem Sinne: Sie verleihen gewissen Augenblicken eine
schicksalhafte Qualität, lassen inmitten der Flüchtigkeit allen Geschehens das Ewige aufblitzen. Das
vielleicht einzige populäre Format, das in Schicksalslosigkeit einübt, ist die Serie. Ob in Literatur,
Comic, TV, Theater oder Performance, kann man mit der Serie die Erfahrung einer Zeit machen, die
tatsächlich nichts tut als weiterzugehen und irgendwann aufhört. Die Lust an Serien speist, unter
geeigneten Umständen, einen Mut zum endlichen, vergänglichen und vergeblichen Leben.
Hannah Hurtzig / Susanne Sachsse, Übung (Video,12 min.)
Das erste Portrait war der Leichnam. Der Blick in das Gesicht eines Toten war das früheste Bild, das
sich der Mensch vom Menschen machte. Ein rätselhaftes Bild, denn die Leiche ist ein Doppelgänger,
sie zeigt den Verstorbenen, es ist sein/ihr Gesicht und gleichzeitig stellt sie dessen Abwesenheit aus,
das Gesicht des Todes. Das Video „Übung über den Tod“ ist Teil der Installation „Das Milieu der
Toten“, die 2013 bei den Wiener Festwochen gezeigt wurde.
Referenten und Gäste
Martin Donat ist Vorsitzender der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V. und
Bürger der Republik Freies Wendland. Schon 1979 war er dabei, als 500 Trecker und 100.000
Menschen nach Hannover zogen, um anlässlich des Atomunfalls in Harrisburg gegen die Pläne für ein
„nukleares Entsorgungszentrum“ in Gorleben zu demonstrieren. Der Anti- Atom-Aktivist wohnt selbst
mit seiner Familie seit 1983 in Lüchow-Dannenberg und ist Abgeordneter im dortigen Kreistag. Von
2007 an war er Mitglied der Programmkommission zur Vorbereitung des Endlagersymposions, ab
2008 unter Umweltminister Sigmar Gabriel, danach bis 2010 Mitglied des Forums Endlager-Dialog
(FED). Hauptberuflich arbeitet der gelernte Gärtner als Arbeitstherapeut in einer
Rehabilitationseinrichtung für psychisch erkrankte Menschen.
Kai van Eikels ist Philosoph, Theater- und Literaturwissenschaftler und derzeit Privatdozent an
der Freien Universität Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind dynamische Kollektivformen wie
„Schwärme“ oder „Smart Mobs“, Virtuosität und postfordistische Arbeitskulturen sowie Politiken der
Partizipation. In Projekten zu Ersetzbarkeit, Serialität und Gleichheit fragt er gegenwärtig nach den
ästhetischen, ethischen und politischen Konsequenzen endlichen Lebens. Zusammen mit Gabriele
Brandstetter leitet er ein Forschungsprojekt zu Synchronisierung und Choreographie, das die
materiellen Bedingungen von Zeit in Tanz und Performance erforscht. Aktuelle Publikation: „Die Kunst
des Kollektiven. Performance zwischen Theater, Politik und Sozio-Ökonomie“ (2013).
In ihren installativen Arbeiten setzt Ivana Franke Kunst und Neurowissenschaften, Mathematik
und Optik, Kinetik und Architektur in einen Dialog. Die Künstlerin betrachtet das menschliche
Gehirn als Medium der Kunst und Bühne zur Selbsterforschung, auf der wir Wahrnehmungen und
Wirklichkeitskonstruktionen ausprobieren können. Ivana Franke vertrat Kroatien auf der 9.
Architekturbiennale in Venedig (2004) und auf der 52. Biennale in Venedig (2007).
Sie hat an zahlreichen Einzel-und Gruppenausstellungen teilgenommen, u.a. MoMA PS 1, New York;
Museum of Contemporary Art, Zagreb; Manifesta 7, Trentino-Alto Adige/Südtirol; Reykjavik Art
Museum; Museum of Modern and Contemporary Art, Rijeka; Peggy Guggenheim Collection, Venedig.
Petra Gehring ist Professorin für Philosophie an der TU Darmstadt und forscht u.a. zur
Geschichte von Tod und Leben, zu techniktheoretischen Problemen, zu Theorie und Kritik der
Biowissenschaften, zu Geschichte und Metaphysik des Lebensbegriffs sowie zum Konzept von
„Wirklichkeit“. Petra Gehring studierte Philosophie, Politik- und Rechtswissenschaft in Gießen,
Marburg und Bochum. Sie ist Autorin zahlreicher Publikationen u.a. „Theorien des Todes zur
Einführung“ (2010), „Traum und Wirklichkeit. Zur Geschichte einer Unterscheidung“ (2008) und „Was
ist Biomacht? Vom zweifelhaften Mehrwert des Lebens“ (2006). Mit der Frage nach dem Ewigen hat
sie sich seit Längerem befasst. Eine Vorlesungsreihe von Petra Gehring über „Theorien der Zeit und
der Zeitlichkeit“ findet sich als Audiofile im Netz: https://openlearnware.tu-darmstadt.de
Rainer Gruber promovierte in Quantenfeldtheorie und war die letzten 20 Jahre seines
Berufslebens am Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik in Garching b. München
tätig. Seit 2001 hält er zahlreiche Kongress- Vorträge und veröffentlicht zu Themen, die sich entlang
der Schnittstellen von Naturwissenschaften, Theater-, Tanz- und Bildwissenschaften bewegen und um
die Verhältnisse von Raum und Zeit kreisen. In seiner jüngsten Publikation beschäftigt er sich mit der
Frage nach unterschiedlichen Wirklichkeitsbegriffen in der Geschichte der westlichen Philosophie und
Physik und setzt diese in den Kontext chinesischer Konzepte von Zeit und Raum.
Edit Kaldor arbeitet seit vielen Jahren arbeitet sie als Dramaturgin und Videokünstlerin. Sie
wurde in Budapest geboren. Als Kind immigrierte sie in die Vereinigten Staaten, wo sie zehn Jahre
lang lebte, bevor sie zurück nach Europa zog. Sie studierte Englische Literatur- und
Theaterwissenschaften an der Columbia University in New York sowie am University College in
London. Heute lebt sie in Amsterdam. Ihre Theateraufführungen wurden an Theatern und auf
Festivals sowohl in Europa als auch in Nord- und Südamerika, Asien und Ägypten gezeigt. In ihren
Arbeiten verbindet Kaldor Dokumentation und Fiktion. Ihr Stück „One Hour“ (2012) führt die Zuschauer
an die physischen und mentalen Prozesse des Sterbens heran und lädt sie ein, probeweise den
eigenen Tod zu erfahren.
Ogutu Muraya ist ein kenianischer Schriftsteller, Theatermacher und Geschichtenerzähler.
Seine Erzählungen basieren auf historischen und persönlichen Erinnerungen. Er ist Creative Director
von The Theatre Company of Kenya und arbeitete mit dem Redaktionsteam des Literatur-Netzwerks
Kwani Trust. Als Dramatiker hat er mehrere Theaterstücke geschrieben, die in Kenia sowie auf
internationalen Festivals in Zimbabwe, New York, Buenos Aires und Europa gezeigt wurden. Im Jahr
2012 übersetzte Ogutu William Shakespeares „Die lustigen Weiber von Windsor“ als „Wanawake wa
wa Heri Windsor“ ins Swahili. Die Adaption wurde im Shakespeare’s Globe Theatre London beim
Globe to Globe Festival uraufgeführt und tourte später durch Indien und Ostafrika. Er studiert in
Amsterdam.
Stefan Lorenz Sorgner ist Direktor und Mitbegründer des Beyond Humanism Network und
Fellow am Institute for Ethics and Emerging Technologies (IEET). Er ist Autor und Herausgeber
mehrerer Bücher, unter anderem „Menschenwürde nach Nietzsche“ (2010). Er ist ein weltweit
gefragter Vortragender (z.B. TEDx; World Humanities Forum) und ein regelmäßiger Ansprechpartner
nationaler sowie internationaler Medien. Seine Hauptarbeitsgebiete und Forschungsinteressen sind
die Philosophie Friedrich Wilhelm Nietzsches, Musikphilosophie, Bioethik und der Meta-, Post- und
Transhumanismus.
Wladimir Velminski, geboren in Duschende/UdSSR, ist Kunst- und Wissenschaftshistoriker.
Studium der Mathematik, Physik, Slawistik und Kulturwissenschaft in Berlin und Moskau. In seiner
Forschung beschäftigt er sich mit den Techniken der Beeinflussung in Russland und der Sowjetunion,
von ihrer Gründung bis zum Zusammenbruch. Als Dilthey-Fellow an der ETH Zürich untersucht er
Theorien und Praktiken, die dem sowjetischen Staatsapparat die Möglichkeit diverser Mechanismen
zur Gedankenkontrolle, sowohl innen- wie auch außenpolitisch, eröffneten. Er veröffentlichte
zahlreiche Publikationen zur Kulturgeschichte Osteuropas, u.a. „Diagnose: Krim. Kunst und
Gewandtheit der Politik“ (2014); „Maschinentheorien/ Theoriemaschinen“ (2012); „Gehirnprothesen.
Praktiken des Neuen Denkens“ (2012).
Christine Wank ist Trainerin, systemische Organisationsberaterin und Facilitator. Sie berät
Organisationen aus dem öffentlichen, privaten und gemeinnützigen Sektor. Schwerpunkte ihrer Arbeit
liegen in der Gestaltung von Innovations- und Strategieprozessen in Organisationen, ko-kreativen
Dialogprozessen mit Teams und Großgruppen sowie werte- und sinnorientiertem Leadership
Development. Dabei stehen vor allem auch die inneren Ressourcen und Qualitäten von
Aufmerksamkeit, Präsenz und Sinn als zentrale Erfolgsfaktoren für tiefgreifenden Wandel und
Innovation im Fokus ihrer Arbeit. Sie ist Mitglied im Kernteam des Presencing Institutes und entwickelt
dort praktische Ansätze für die schöpferische Potentialentfaltung und Kreativität von Menschen und
Organisationen.
Dorothee Wenner ist Kuratorin, Autorin und Filmemacherin. Sie ist im Auswahl-Komitee der
Berlinale (Internationales Forum des jungen Films) und Ko-Kuratorin für das Internationale Film
Festival in Dubai. Sie schrieb den ersten deutschen Bollywood Roman („Fearless Nadia“; 1999). Seit
2009 ist sie Mitglied der AMAA Jury – der African Movie Academy in Lagos, wo auch ihr letzter
Dokumentarfilm gedreht wurde: „DramaConsult“ ist eine filmische Intervention in die Sphäre
nigerianisch-deutscher Wirtschaftsbeziehungen und zugleich eine cinematographisch motivierte
kapitalistische Abenteuerreise. Weitere Dokumentarfilme von Dorothee Wenner sind: „Hollywood
Killed Me“ (1988), „Unser Ausland“ (2002), „Star Biz“ (2005), „Shanti Plus“ (2006), „Peace
Mission“ (2008); „Family Affairs/Living Archive“ (2013).
Eine Konferenz mit praktischen Übungen und Anleitung zur Halluzination
Freitag, 24. April 2015, 19.00 – 22.00 Uhr
Haus der Wissenschaft, Pockelsstraße 11, 38106 Braunschweig
Durchgehend Einlass, Eintritt frei
www.mobileacademy-berlin.com
www.braunschweig.de/die-ewigkeit
www.hausderwissenschaft.org
Foto: Bruce LaBruce, Terence Koh, Copycat Academy Toronto 2014
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ETERNITY.
A CONFERENCE WITH PRACTICAL EXERCISES AND
TRAINING INSTRUCTIONS FOR HALLUCINATION
A project of the Mobile Academy Berlin, in cooperation with the Kulturinstitut der Stadt Braunschweig
and the Haus der Wissenschaft Braunschweig
Friday, April 24th, 2015, 7 – 10 pm, Haus der Wissenschaft, Braunschweig
Eternity is not a stable constant. The centuries have amassed various ideas and competing models
of eternity: it could lie behind or beyond time, it could be endless time, or a state without beginning and
end, an eternal recurrence of the same and what has been, or the sublating of time per se into a total
present. The religions continue to offer it as an existential solution, but precisely for anyone who can
get along without religious promises of eternity and has no need for experiences of transcendence,
eternity remains an interesting phenomenon: as the state one enters upon death. And as a thought
model that provokes imagining a de-temporalized time, beyond all chronology. Eternity creates
space for speculations and imaginings apart from the prescribed regime of time in which
efficiency enhancement and fear of mortality interlock.
How can one draw nearer to eternity on 24 April in Braunschweig?
Braunschweig and eternity are neighbors: the marking of time, the official atomic-clock which we all
trust, beats in the city's Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB). And nuclear time is also there
administrated: the Konrad pit, a final deposit site for medium and low level radioactive waste, shall
begin operations in 2022.
The conference presents the most exciting models of eternity and concepts of infinity from the history
of philosophy, cultural theory and the natural sciences. In addition, we present techniques to practice a
fateless mortality. We guarantee: the look into the rotating drum of the washing machine will
never be the same.
With: Martin Donat, chairman of Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.; Dr. Kai van
Eikels, culture and theater scholar, Berlin; Ivana Franke, visual artist, Zagreb/Berlin; Prof. Petra
Gehring, philosopher, Darmstadt; Dr. Rainer Gruber, physicist, Munich; Edit Kaldor, film director,
Amsterdam; Ogutu Muraya, author and playwright, Amsterdam; Dr. Stefan Lorenz Sorgner, director
of Beyond Humanism Network, Berlin; Dr. Wladimir Velminski, art and media historian, Zurich;
Christine Wank, facilitator and trainer, Berlin; Dorothee Wenner, film maker and curator, Berlin.
An obstacle course in six stations
Station a: Serial repetition and eternal recurrence of the same
This state can be a horror scenario: everything must be lived through exactly the same, over and over
again. Or it is a blessing of tedium: experiencing time expires, everything stays the same, without
purpose and without end. And that's a good thing. (John Cage, Kai van Eikels, Petra Gehring, Rainer
Gruber)
Station b: Halting time in rapture (or in shock)
The precious moment, in which before and after, inside and outside vanish, a crack in the temporal
continuum. The sobering knowledge that this moment is finite enhances - if that's possible - the
enjoyment even more. (Ivana Franke, Petra Gehring)
Station c: Storing and archiving in memory (ars memoria) or in containers
The deepfreeze container in Arizona: the cryonics believe that physical immortality for humans is
achievable on the basis of technological enhancement (a Braunschweig undertaker offers to transport
the flash-frozen body to Arizona). A container depot near Braunschweig: the barrels in the Konrad pit
will soon store nuclear waste that is radioactive for more than 100,000,000 years. (Martin Donat, Petra
Gehring, Stefan Lorenz Sorgner, Dorothee Wenner / Hannah Hurtzig)
Station d: Instruments of eternity
An artificially constructed eternity was already sketched by Leonardo da Vinci: his infinity machine is a
gear mechanism that slows movement almost down to a halt, but never reaches a standstill.
(Broadcast of Organ2/ASLSP by John Cage with the tempo marking "As SLow aS Possible" from the
Burchardi Church in Halberstadt, Wladimir Velminski)
Station e: The Buddha method
The best starting point for approaching eternity is neither the past nor the future but the present. The
present is an open place, a no-longer and a not-yet, jammed in between the past and the future. If one
could experience the Now, the immediate present, one could feel a spark of eternity. (Ivana Franke,
Rainer Gruber, Christine Wank)
Station f: Antagonist training
Reflecting the finite, training the last moment. A dynamic meditation exercise that graphically
illustrates the transition from living person into a visual representation of the deceased. A general
rehearsal for one's own mortality. (Hannah Hurtzig / Susanne Sachsse, Edit Kaldor / Ogutu Muraya)
Talks, narratives, consultations on infinity
Martin Donat: The final disposal site. Narrative
Atomic waste is the materialised human hubris of 20th-century technology. What began 70 years ago
with the infernal Nazi uranium project and the apocalyptic dropping of atom bombs on Hiroshima and
Nagasaki, results in - logically and almost inevitably - the boundless self-overestimation of a safe "final
disposal site" or even the human-made "transmutation" of the elements. Man, who has ignited the
sun's fire on earth, considers himself godlike and superior to creation. Because he was once capable
of capturing the dimension of the eternal through the technologies of physics, man has fallen for a
grandiose delusion: in practice it has become clear that the works of the mortal once again penetrate
into this temporal world and do so within a human life…
Ivana Franke: We close our eyes and see a swarm of birds. Installation, wood construction,
polystyrene, LED lamps, frequency range 12 – 33 Hz, length: 6’24’’
You enter the tubes, sit down and close your eyes. Initiated through a flashlight-dramaturgy, spaces
and images appear to move in ways which have no correspondence whatsoever to reality and which
we have not retrieved from memory. We are obviously seeing the reactions of our neuronal structure
to light stimulation - a phenomenon that science is also unable to explain. Something becomes visible
that is invisible. Bright shadows of our brain. The boundaries between inside and outside appear to
dissolve, one experiences a rupturing of individual perception that plunges us into the hallucination of
an experience of the present. And this experience is subjective, incomparable and cannot be proven.
Petra Gehring: Seven times eternity. Talks (3x20 min.)
The philosopher describes seven forms of eternity and the corresponding social figures: 1. The
unbounded future, the unlimited continuity of time (e.g. Plato). Figure: the unchallenged adult // 2. The
halting of time in a moment of intensive experience of the present (e.g. Nietzsche). Figure: the
enchanted // 3. Fixating the transient through material preservation (e.g. stone, marble, granite, gold,
platinum). Figure: the guard // 4. The total presence of all, the omniscience and omnipotence of God
(e.g. Augustine). Figure: the sage // 5. Cycle and eternal recurrence, fate in the tragic sense (e.g.
Nietzsche). Figure: the hero // 6. The deferral, perpetual dying (e.g. Hegel). Figure: the ascetic, the
hurried // 7. Variation of the same, paralysing tedium (e.g. Dracula, de Sade). Figure: the dandy and
the cynic.
Rainer Gruber: Big bang. Talks (3x20 min.)
With the special relativity theory, the single, universal time geared to eternity splintered into inherent
times; simultaneously, space and time coalesce into space-time. The thesis of the big bang derived
from the general relativity theory enabled physics to ascribe a beginning and a conceivable end to
space-time. But eternity as a concept is essentially embedded in deeper layers of physics. It has its
roots in the fascination of the Pre-Socratics with the permanent, the existing - with what remains the
same throughout all change - and is expressed in the laws of conservation which became the basis of
classical physics and have achieved experimental triumphs in the symmetry concept of elementary
particles. Meanwhile, the general relativity theory profoundly questions this concept.
Stefan Lorenz Sorgner: Transhumanism. Consultancy
Human immortality is a utopia frequently discussed in the context of transhumanism. Immortality
should be seen less as a eu-topia (Ancient Greek: the good place) to be practically realised but rather
as an ouk-topia (Ancient Greek: non-place), a human longing whose fulfilment is not realistically
expected but plays a rhetorical function. Whoever speaks of immortality is assured of public attention,
because human mortality represents a challenge for all of us. Three variants of transhumanism are
particularly relevant here: 1. cryonics, mind uploading and the silicon-based transhumanism; 2. human
evolution, genetic enhancement and the carbon-based transhumanism; 3. human advancement with
respect to the span of health.
Wladimir Velminski: Shudder of eternity. Narrative
The premiere of an unpublished radio play: enshrouded in the sound of electromagnetic waves we
head into the year 8888 (the year of the four reversed infinities) and are witness to a mysterious fateful
encounter between a famous architect and the ruler of Russia, the Golden Child. The question is if
eternity is a place of authority that humans can only glimpse in the act of subjugation and what role is
assigned to the 'eternal organon'. The radio play is based on the drawings of Suprematism-inspired
futuristic architecture, which the Russian artist, author, nomad and founder of the group "Medical
Hermeneutics Inspection", Pavel Pepperstein exhibited at the Venice Biennale in 2009.
Christine Wank: Presencing. Consultancy
How can we let go of the debilitating structures of the past or - as well - the fixed images of the future?
The concept of the "Theory U" (Otto Scharmer, 2009) begins right here - aiming to recognise and
implement systematic innovations and changes for humans and organisations. One method is that of
so-called "Presencing", a specific training for perceiving the present. The sessions with Christine
Wank are an invitation to reflect on one's own future possibilities and bring these into the here and
now. This can relate to a current concrete challenge in your life or your work as well as general
questions concerning one's conduct of life.
Dorothee Wenner / Hannah Hurtzig: Ars Memoria. Training exercise
It seems to be certain that one can only enter eternity through one's own death. Then one reaches
perhaps the other side or a place, Hades, the underworld, the inferno, Arcadia, paradise, or one
remains in limbo, in an interim zone. If we assume that eternity is a place of remembrance, an auratic
place in the memory, a curious web out of time and space where closeness and distance enter a
strange connection: how can one spend eternity at this place? The exercise offers a special mnemonic
technique for eternity. The exercise draws on a film, one of the most beautiful films ever made on the
theme of the afterlife: After Life (A Wonderful Life) by the Japanese director Hirokazu Koreeda from
1989.
Training for Finiteness & Mortality
Think of eternity, one remembers death. It can appear in a diverse array of guises. Death as the return
into the indeterminate, perhaps the cosmos, perhaps into a state before our birth. Death as the
dissolution of a temporarily material entity and a liberating detachment of the soul from the body. It is
described as a transitional phase after which the judgment on how we have conducted our lives awaits.
Death can restore the order of the world, for the individual merges into the collective of the dead and
makes room for the living. Death as a consciousness exercise, as an ethical teaching and a chance
for configuring life. Or as an unacceptable impertinence that simply has to be rejected. Meditations on
death are an ancient technique, while TV series a suitable possibility for dealing with the transient.
Edit Kaldor / Ogutu Muraya, exercise (30 min.)
Edit Kaldor has adapted her play "One Hour" (2012) for Braunschweig. Together with the performer
Ogutu Muraya she tells of a waking dream, a report on the physiological processes at work during
dying, where one can draw nearer to a notion of the end and test out our relationship to finite time and
mortality.
Kai van Eikels, talks (3x20 min.)
The desire of we European-educated humans in the 21st century is by no means directly aimed at the
eternal. We wish to live in a time in which the eternal only makes itself noticeable here and there,
portending that there is something else and more than the here. The novel, the drama in theatre and
the film organise time in this sense: they lend certain moments a fateful quality, allow the eternal to
flash up amidst the fleetingness of all that goes on. Perhaps the only popular format that practices
fatelessness is the series. Whether in literature, comics, TV, theatre or performance, with the series I
can experience a time that actually does nothing else but continue on and then cease. Given suitable
circumstances, the passion for a series energizes a spirit to embrace finite, transient and futile life.
Hannah Hurtzig / Susanne Sachsse, exercise (video, 12 min.)
The first portrait was the corpse. Looking into the face of someone dead was the earliest image man
made of man. A mysterious image, for the corpse is a doppelganger, it shows the deceased, it is
his/her face and at the same time it demonstrates his/her absence, the face of death. The video
"Übung über den Tod" is part of the installation "The Milieu of the Dead" shown at the Vienna Festival
in 2013.
A conference with practical exercises and training instructions for hallucination
Friday, April 24th, 2015, 7 – 10 pm
Haus der Wissenschaft, Pockelsstraße 11, 38106 Braunschweig
Ongoing admission, free entrance
www.mobileacademy-berlin.com
www.braunschweig.de/die-ewigkeit
www.hausderwissenschaft.org
Photo: Bruce LaBruce, Terence Koh, Copycat Academy Toronto 2014