Ulrike Lubek Grußwort anlässlich der Fachtagung

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Ulrike Lubek Grußwort anlässlich der Fachtagung
Ulrike Lubek
Grußwort anlässlich der Fachtagung
„Wenn die Psyche kündigt“
am 09.10.2009 in Köln
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
den 10. Oktober hat die WHO zum internationalen “Tag der seelischen Gesundheit“ bestimmt.
Diesen Aktionstag gibt es seit 1992 und er verfolgt das Ziel, Bürgerschaft und Politik über
Prävention und Therapie psychischer Erkrankungen zu informieren und auf die Belange
psychisch erkrankter Menschen aufmerksam zu machen.
Gemeinsam haben die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP), der Kölner Verein
für Rehabilitation und der LVR diesen alljährlichen Aktionstag zum Anlass genommen, Sie zu der
heutigen Fachtagung „Wenn die Psyche kündigt“ einzuladen.
Feststeht: Die „Zentrifugalkraft“ der Psyche ist enorm: Wer seine Mitte nicht findet, wird bald
gegen die Wand gedrückt! Und das geschieht leider immer häufiger!
„Wenn die Psyche kündigt“
Das Thema der heutigen Veranstaltung hat leider eine hohe Aktualität. Wie stellen wir uns den
damit verbundenen Herausforderungen? Was können wir also dagegen tun?
Seit Jahren melden die Krankenkassen besorgniserregende Zunahmen bei der Anzahl der durch
psychische Erkrankungen verursachten Krankmeldungen.
Zwangs- und Angsterkrankungen, Depressionen sowie Alkohol- und andere Suchterkrankungen,
zählen unstreitig mittlerweile zu den häufigsten Erkrankungen in unserer Gesellschaft.
Zweifellos: Psychischer Stress am Arbeitsplatz, die Angst vor Arbeitsplatzverlust sowie die
geringer werdende Stabilität vertrauter, Halt und Sicherheit gebender sozialer Bindungen und
Strukturen; all das sind Belastungen, die unsere seelische Balance zunehmend fordern, mit
denen wir lernen müssen umzugehen.
-2Es werden Anforderungen an uns gestellt, die uns fordern, manchmal sogar überfordern, für die
wir – um seelisch gesund zu bleiben – möglichst Schutzmechanismen erlernen und entwickeln
müssen. Mechanismen zur Stabilisierung und Pflege unserer Psyche!
(Man könnte fast sagen: Wir sollten lernen, nicht nur regelmäßig unsere Zähne, sondern auch
unsere Psyche zu putzen!)
Trotz insgesamt zurückgehender Krankenstände ist die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage
aufgrund psychischer Erkrankungen in den letzten 10 Jahren um rund 45 Prozent gestiegen, so
der Fehlzeitenreport des wissenschaftlichen Instituts der AOK aus dem Jahr 2008.
Aber die Fehlzeiten und die daraus entstehenden Konsequenzen sind nur die eine Seite einer
sehr vielschichtigen Problematik. Insbesondere die Teilhabe der betroffenen erkrankten
Menschen am Leben in der Gemeinschaft sowie ihr gesamtes soziales wie gesellschaftliches
Umfeld werden massiv von einer psychischen Erkrankung betroffen.
In unseren psychiatrischen Kliniken ebenso wie in den Diensten und Einrichtungen der
Gemeindepsychiatrie erfahren wir dies tagtäglich unmittelbar.
Die heutige Tagung widmet sich dieser Thematik aus verschiedenen Blickwinkeln. So werden
sich zwei Referate am Vormittag mit den möglichen Ursachen dieses Anstiegs der
krankheitsbedingten Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen befassen. Am Nachmittag
folgen dann Beiträge, die sich der Gesundheitsförderung und Prävention am Arbeitsplatz widmen
und
Ansätze
zur
betrieblichen
Wiedereingliederung
–
Stichwort
„Betriebliches
Eingliederungsmanagement“ - aufzeigen.
Ziel ist es, konkrete Handlungsansätze vorzustellen, mit denen man in der alltäglichen Praxis
dem – nennen wir es mal - „Phänomen: Psychische Erkrankung“ vorbeugend begegnen kann und
die im Betrieb eingesetzt werden können, dies insbesondere um Menschen, die bereits psychisch
erkrankt sind, bei der Bewältigung ihrer alltäglichen und beruflichen Herausforderungen zu
unterstützen.
Meine Damen und Herren,
der LVR freut sich sehr, diese Tagung gemeinsam mit dem „Kölner Verein für Rehabilitation“ und
der DGSP ausrichten zu dürfen. Ich glaube aber auch, dass der LVR vieles zu diesem Thema
beitragen kann:
-3–

Als Träger der LVR-Kliniken und Heilpädagogischen Hilfen bieten wir ein umfangreiches
Spektrum an stationären, teilstationären und ambulanten Behandlungsangeboten für
Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Darüber hinaus fördert und entwickeln wir mithilfe verschiedener Programm wie z.B. der
SPZ-Förderung oder der Förderung der Sozialpsychiatrischen Zentren Migration (SPKoM)
die außerklinische Versorgung im Rheinland.

Die LVR-Akademie für seelische Gesundheit ermöglicht psychiatrischen Fachleuten ihre
Kompetenzen durch Fort- und Weiterbildungsprogramme zu aktualisieren und zu
vertiefen.

Als Träger der überörtlichen Sozialhilfe (an dieser Stelle übermittele ich die Grüße der
Sozialdezernentin, Frau Hoffmann-Badache) arbeitet der Landschaftsverband Rheinland
seit vielen Jahren kontinuierlich daran, für Menschen mit einer psychischen Behinderung
bedarfsgerechte und personenbezogene Hilfen zur (Wieder-) Eingliederung und Teilhabe
bereitzustellen.

Und last but not least ist der Landschaftsverband Träger des LVR-Integrationsamtes
(Leitung: Frau Dr. Seel), welches umfangreiche Unterstützungsangebote für schwer
behinderte Menschen und deren Arbeitgeber anbietet.
Wir alle die wir heute hier sind haben den Anspruch, psychisch erkrankten und behinderten
Menschen die bestmögliche Hilfe und Unterstützung in ihrer schwierigen Lebenssituation zu
geben. Die Mehrdimensionalität und Komplexität der mit einer psychischen Erkrankung
verbundenen Problematik macht es erforderlich, dass sich all die in den verschiedenen
Leistungsbereichen an der Versorgung Beteiligten austauschen und vernetzen.
Dazu soll auch die heutige Tagung einen Beitrag leisten. In diesem Sinne schließe ich mich voll
inhaltlich dem vom Vorbereitungsteam in der Einladung formulierten guten Wünschen an und
freue mich, auf diese hoffentlich anregende und mit kreativen Ideen gespickte Tagung.
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!