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Securenta-Sparer sollen nachzahlen
[21:56, 12.07.07]
Von Ute Göggelmann und Jarka Kubsova (ftd.de),
Im
Fall der insolventen Göttinger Gruppe bahnt sich für die Anleger ein zweiter Schock an.
Der Insolvenzverwalter fordert mehr Geld von den Anlegern.
"Der Insolvenzverwalter der Securenta AG, eines Teils der Göttinger Gruppe, wird nach
meinen Informationen in Kürze damit beginnen, Anleger zur Vertragserfüllung aufzufordern",
sagte der Münchner Anlegeranwalt Peter Mattil. Das bedeute, sie müssten weiter in ihre
Sparverträge einzahlen. Der zuständige Insolvenzverwalter, der Hamburger Steuerberater
Peter Knöpfel, war am Mittwoch nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Die Securenta AG
hat vor der Insolvenz Anfang Juni vorwiegend lang laufende Rentensparpläne verkauft. Das
Deutsche Institut für Anlegerschutz (DIAS) hatte den Betroffenen nach Bekanntwerden der
Zahlungsunfähigkeit empfohlen, die Ratenzahlungen an die Göttinger Gruppe einzustellen
und die Verträge zu kündigen.
Ein üblicher Vorgang
Mit den drohenden Zahlungsaufforderungen müssen die Sparer ihren vermutlich ohnehin
bereits verlorenen Einzahlungen nun weiteres Geld folgen lassen, von dem unklar ist, ob und
wann sie es wiedersehen. "Durch die Einzahlungen fließt Geld in die Kasse des
Insolvenzverwalters, das nur für seine Gebühren verbraucht werden wird", sagte Mattil. Er
verweist dabei auf einen vergleichbaren Fall, bei dem 30.000 Anleger betroffen waren. Die
Hanseatische AG (HAG) meldete im Jahr 1997 Insolvenz an. Seitdem seien rund 35 Mio.
Euro Insolvenzverwaltergebühren angefallen und noch keine Auszahlungen an Anleger
geleistet worden, sagte Mattil.
Nach Ansicht von Rechtsanwalt Joachim Resch ist der Schritt des Insolvenzverwalters jedoch
ein üblicher Vorgang: "Es ist die Aufgabe des Insolvenzverwalters, alle ausstehenden
Forderungen einzuziehen. Das ist durchaus logisch und entspricht der Gesetzeslage." Seinen
Schätzungen zufolge haben von den rund 100.000 betroffenen Anlegern etwa 10 bis 15
Prozent die vertraglich vereinbarte Einlage noch nicht in voller Höhe eingezahlt. Zudem
könne der Insolvenzverwalter auch bereits geleistete Ausschüttungen durch die Göttinger
Gruppe zurückfordern. Die Göttinger Gruppe hatte in den vergangenen Jahren sogenannte
atypische stille Beteiligungen als Altersvorsorge angeboten. Bei dieser Art der Beteiligung
sind Anleger nicht nur am Gewinn beteiligt, sondern haften auch für Risiken des
Unternehmens. Die Göttinger Gruppe soll mehr als 1 Mrd. Euro eingesammelt haben. Den
Investoren brachte ihr Engagement allerdings häufig nur Verluste.
Anleger mit guten Chancen bei Anfechtung
Mattil rät Anlegern, sich in jedem Fall gegen die Zahlungen zu wehren. In der Vergangenheit
seien Investoren in ähnlichen Fällen erfolgreich gewesen und hätten Zahlungen vermeiden
können, so Mattil. "Das wichtigste Gegenargument der Anleger muss sein, dass sie mit der
Securenta arglistig getäuscht worden sind", sagte Resch. Den betroffenen Anlegern empfiehlt
der Rechtsanwalt, nichts zu unternehmen, bis das bald erwartete Schreiben des
Insolvenzverwalters vorliegt. Danach müssen sie ihre Forderungen bis zum 20. September
beim Insolvenzverwalter anmelden. Schon sechs Tage später soll die erste
Gläubigerversammlung stattfinden.