Ausgabe September 2014 - Ballettfreunde Dortmund

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Ausgabe September 2014 - Ballettfreunde Dortmund
Informationen der Ballettfreunde Dortmund e.V.
14. Ausgabe September 2014
Schwanensee, 3. Akt
Uraufführung des Balletts „Orpheus“ von Xin Peng Wang im Stadttheater Fürth
Foto: Horst Kolod
Nachhall eines Donnerschlags
Aktuelles
ausManns
dem Ballett
Dortmund
seines Sanatoriumaufenthalts
begegnet. Wegen des
Das Ballett Dortmund bringt Motive
aus Thomas
Bildungsroman „Der Zauberberg“ auf die Ballettbühne
- ein Gespräch mit Xin Peng Wang und Tobias Ehinger
Erneut setzt sich der Dortmunder Ballettchef mit einem
umfangreichen Werk der Weltliteratur auseinander, das in
einem engen Bezug steht zu dem Donnerschlag, der vor
100 Jahren unsere Welt veränderte. Und wie schon beim
„Traum der roten Kammer“ und bei den „Geschichten aus
dem Wienerwald“ drängt sich die Frage auf, wie sich die
Intention des Romanautors vom Choreographen in die
Ausdrucksform des Tanzes überführen lässt. Dabei ist von
vornherein klar, dass es nicht um eine kapitelweise
„Übersetzung“ eines - im Fall des Zauberbergs tausendseitigen Werkes gehen kann. Um aber die
Antworten der Ballettdirektion auf diese Frage richtig
einordnen zu können, sei der Gesprächswiedergabe ein
Blick auf den literarischen Hintergrund vorangestellt, der
auf sechs zentrale Akteure der Romanhandlung fokussiert
ist:
Die zentrale Figur des etwa 1000 Seiten umfassenden
Romans ist Hans Castorp, einziges Kind einer Hamburger
Kaufmannsfamilie. Im Alter von 24 Jahren, nach Abschluss
seines Studiums der Schiffbautechnik und vor dem Antritt
als Volontär bei einer Schiffswerft, reist er in die Schweizer
Alpen, um dort im Sanatorium Berghof seinen Vetter
Joachim Ziemßen zu besuchen. Aus dem nur für drei
Wochen geplanten Besuch wird ein siebenjähriger
freiwilliger Aufenthalt, bei dem Castorp auf weltentrückte
Figuren trifft, die ihn mit Politik, Philosophie, Liebe,
Krankheit und Tod konfrontieren.
Im Sanatorium lernt Castorp den Literaten Lodovico
Settembrini kennen, einen Humanisten und Freimaurer,
der engagiert die intellektuelle Aufgeklärtheit und Lebensbejahung vertritt. Er übernimmt die Rolle als Castorps
Mentor und Erzieher. Er warnt den von der Begegnung mit
Thomas Mann
Xin Peng Wang
Fotos: DPA /TE
Krankheit und Tod faszinierten Castorp davor, sich von
dem morbiden Reiz des Sanatoriums beeinflussen zu
lassen.
Eine weitere wichtige Romanfigur ist die attraktive 28jährige
Russin Clawdia Chauchat, der Castorp während seines
Sanatoriumaufenthalts begegnet. Wegen des ernsthaften
Gesundheitszustands der Russin sieht er in ihr zunächst
nur das Objekt eines flüchtigen Ferienabenteuers..
Settembrini warnt ihn eindringlich davor, den Reizen der
Russin zu erliegen, deren Krankheit sei nicht nur eine
Folge, sondern eine Form der Liederlichkeit.
Die Verliebtheit in Clawdia, die im Roman die erotische
Verführung verkörpert, ist die Ursache für Castorps
hinausgezögertes Verweilen auf dem Zauberberg. Er hielt
sich selbst zunächst für völlig gesund, begann dann aber
an einer Erkältung zu leiden. Eine Röntgenuntersuchung
ergibt als Befund eine „feuchte Stelle“ im Lungenbereich.
Der Verdacht, an Tuberkulose zu leiden, veranlasst Castorp
zu autodidaktischen Studien auf medizinischem und
psychologischem Gebiet.
Wirklich unheilbar krank ist hingegen Settembrini. Er zieht
in Davos in ein Haus, in dem auch sein intellektueller
Widerpart wohnt, der asketische Jesuitenschüler Naphta,
ein brillanter, rhetorisch begabter Intellektueller. Settembrini
versucht Castorp von ihm fernzuhalten, weil Naphta das
Prinzip der Freiheit für anachronistisch hält und die Idee
eines totalitären Gottesstaates verfechte. Zentrale religiöse
und philosophische Werte führt Naphta mit seiner
brillanten, kalten Intelligenz ad absurdum. Castorp ist
fasziniert von den brillanten Disputen, aber auch von der
Art und Weise, wie Naphta seinem Freund und Lehrmeister
Settembrini Paroli bietet.
Sein Vetter Joachim Ziemßen, Anhänger preußischer
Disziplin,
entscheidet sich dafür,
den Berghof zu
verlassen, um sich der realen Welt zu stellen und seiner
militärischen Dienstpflicht nachzukommen. Er muss aber,
wegen Verschlimmerung seines Leidens, kurz darauf
wieder in das Sanatorium zurückkehren, wo er schließlich
gefasst an seinem Leiden stirbt.
In dem mit „Schneetraum“ überschriebenen Kapitel
übersteht Castorp mit letzter Kraft einen Schneesturm
während eines Skiausflugs. In einem Heuschober, in den er
sich geflüchtet hat, verfällt er in einen Traum, der ihn in
eine heitere Landschaft versetzt, in der die Menschen in
voller Harmonie ihr Leben gestalten. In schrecklichem
Gegensatz steht dazu das Traumbild, in dem an einem
flackernden Feuer zwei Hexen ein Kind zerreißen und
fressen. Castorp interpretiert die beiden Traumbilder in der
Weise, dass wahrhaft menschliche Gesinnung in der
Bewältigung des Schrecklichen und Rohen zum Ausdruck
kommt. Damit beginnt in ihm die Phase des Zweifels an
seinen beiden gegensätzlichen Mentoren Settembrini und
Naphta, aber auch an den Gegensatzpaaren Tod und
Leben, Krankheit und Gesundheit, Geist und Natur.
Castorp bekennt sich dazu, um des Guten und der Liebe
willen, dem Tod keine Herrschaft über seine Gedanken
mehr einzuräumen. Doch schon bald nach den
überstandenen Schneesturmschrecken vergisst er diese
Maxime wieder.
In einer weiteren Episode des Romans kommt der vitale,
dynamische Mynheer Peeperkorn ins Spiel. Er ist der
neue Liebhaber von Clawdia Chauchat. Seine
Persönlichkeit beeindruckt Hans Castorp so, dass seine
beiden intellektuellen Mentoren Naphta und Settembrini in
den Hintergrund treten. Doch das Tropenfieber, an dem der
holländische Kaffeekönig leidet, verschlimmert sich derart,
dass Peeperkorn sich vergiftet, um noch schlimmeren
Leiden zu entgehen. Nach seinem Tod verlässt seine
Geliebte, Madame Chauchat, endgültig das Sanatorium.
Der
Eindruck
wachsender
Langeweile
der
Sanatoriumsbewohner tritt gegen Ende des Romans in den
Vordergrund. Zanksucht, Gereiztheit und Ungeduld macht
sich breit. Der weltanschauliche Streit zwischen Settembrini
und Naphta eskaliert so, dass es zu einem Pistolenduell
zwischen beiden kommt. Dabei weigert sich Settembrini
allerdings, auf Naphta zu schießen. Aus Wut und
Verzweiflung erschießt der sich daraufhin selbst.
Inzwischen verweilt Castorp statt der geplanten drei
Wochen bereits sieben Jahre im Berghof. Der
Donnerschlag des Ausbruchs des Weltkriegs lässt die
Patienten des Berghofs in die verschiedenen Heimatländer
zurückkehren. Auch Castorp kehrt zurück in eine
inzwischen völlig veränderte, entbürgerlichte Welt. Mit
Schuberts Lied vom Lindenbaum auf den Lippen zieht er
als Soldat auf die Schlachtfelder der Westfront. Sein
Schicksal verliert sich im Pulvernebel der Schlachten…
Vor diesem Hintergrund nun die Fragen an Xin Peng Wang
(XPW) und Tobias Ehinger (TE):
Gab es, außer dem hundertsten Jahrestag des
Ausbruchs
des ersten Weltkrieges, noch andere
2
Anstöße, gerade dieses außerordentlich facettenreiche
Werk der Weltliteratur einem neuen Handlungsballett
zugrunde zu legen?
XPW: Ja, es ist mir ein besonderes Anliegen, neue Themen,
neue Komponisten und neue Werke der Literatur für den
Tanz zu entdecken. Als Choreograph geht es mir, wie auch
bei den genannten vorangehenden Handlungsballetten, um
die Auseinandersetzung mit der großartigen Sprache, der
Poesie und den Spannungsfeldern solcher Werke. Welche
Poesie liegt allein im Titel „Zauberberg“ und
welche
Herausforderung, einen solchen Zauberberg darzustellen!
Und welche weitere Herausforderung bedeutet es, die
Gedankenwelt verständlich zu machen, die den jungen
Schiffbauingenieur Castorp veranlasst, ohne Zwang, statt
der geplanten drei Wochen, ganze sieben Jahre auf dem
Berghof zu bleiben, wobei das Geschehen vom anfänglichen
Zeitlupentempo in den ersten Kapiteln immer mehr in ein
Zeitraffertempo in den letzten Kapiteln übergeht. In meinem
Ballett drückt sich, ähnlich wie bei den Patienten des
Lungensanatoriums, der Zeitablauf u.a. durch den auch
akustisch wahrnehmbaren Rhythmus des Atmens und des
Pulsschlags aus.
Xin Peng Wang und Tobias Ehinger vor Frank Fellmanns Bühnenbildentwürfen zum „Zauberberg“
Foto: WM
Im Roman tritt eine große Anzahl sehr unterschiedlicher
Charaktere in einer Fülle von Episoden auf. Nur sechs
sind in der vorstehenden Handlungsbeschreibung
erwähnt. Welche dieser Romanfiguren sind im Ballett
wiederzufinden bzw. treten zusätzlich auf?
TE: Die genannten sechs Charaktere werden auch im
Mittelpunkt des Ballettgeschehens stehen, ergänzt durch die
Figur des schlichten, verklemmten Mädchens Nelly, das sich
zu Ziemßen hingezogen fühlt. Ihr Erscheinungsbild steht in
großem Gegensatz zu dem der Lebedame Clawdia
Chauchat, die im Roman die erotische Verführung
verkörpert. Mit den dann sieben Hauptfiguren wird auch
Thomas Manns Zahlensymbolik Rechnung getragen, in der
die Zahl Sieben eine große Rolle spielt. Sieben Jahre
verbringt Castorp auf dem Berghof, nach sieben Monaten
Aufenthalt findet die Walpurgisnacht statt, beim Suizid
Peeperkorns sind sieben Personen zugegen und im Namen
Settembrini ist diese Zahl auf italienisch enthalten.
Castorp, der als Suchender im Berghof lebt, sieht sich
weiteren völlig gegensätzlichen Menschen gegenüber, wie
seinem Mentor, dem lebensbejahenden Humanisten und
Freigeist Settembrini
und dessen Widerpart, dem
sophistischen, rhetorisch brillianten und fundamentalistischen Intellektuellen, oder seinem soldatischen,
preußischer Disziplin verpflichteten Vetter Joachim Ziemßen
und dem vitalen, dionysischen Mynheer Peeperkorn. Diesen
polarisierten Charakteren tänzerischen Ausdruck zu
verleihen, stellt eine reizvolle Herausforderung dar.
Welche Szenarien bzw. Kapitel des Romans finden sich
im Ballett wieder?
XPW und TE: Den sieben Hauptkapiteln des Romans
stehen neun Szenen in zwei Ballettteilen gegenüber:
Die erste Szene
S.K. im ersten Teil beschreibt Castorps Ankunft
im Sanatorium, Szene 2 stellt die aus vielen Charakteren
bestehende Gesellschaft im Sanatorium vor, Szene 3
vermittelt einen Einblick in die Rituale des Berghofs. In der
4. Szene werden die diffusen Sehnsüchte der Sanatoriumsbewohner enthüllt und in der 5. Szene offenbart
Castorp, bei einem von erotischen Begegnungen geprägten Maskenfest, der Russin Clawdia seine Liebe.
Im zweiten Teil gelangt die Handlung in Szene 6 zu einem
dramatischen Höhepunkt: In der für Castorp inzwischen
selbstverständlich gewordenen morbid-irrationalen Welt des
Sanatoriums kommt es zum Duell zwischen den Kontrahenden Settembrini und Naphta. Der Schneetraum mit
seinen grausamen Gegensätzen – im Roman das 6. Hauptkapitel – scheint zunächst eine positive, lebensfreundliche
Wandlung Castorps zu bewirken, aber die morbide
Umgebung des Sanatoriums ist übermächtig.
In der 7. Szene stirbt Castorps Vetter Ziemßen einen
heroischen Tod. Der Tod und die Angst sind auch das
Thema der 8. Szene und der Donnerschlag, der Ausbruch
des ersten Weltkriegs, reißt in der Schlussszene die
Bewohner des Berghofs aus dem inzwischen ihren Alltag
prägenden Stumpfsinn. Das weitere Schicksal Castorps
bleibt im Ungewissen, ganz ähnlich dem des Pao Yü im
Traum der roten Kammer…
XPW: Es ist mir ein Anliegen, herausragende, aber im
Zusammenhang mit Ballettaufführungen
noch nicht in
Erscheinung getretene Komponisten, für das Ballett zu
entdecken. Der am 2.Juni 2000 mit 50 Jahren viel zu früh
gestorbene estnische Komponist Lepo Sumera aus Tallinn erster Kulturminister seines Landes von 1988 bis 1992 - hat
6 große Sinfonien und zahlreiche Werke der Kammermusik
hinterlassen, aus denen sich die Musik des Balletts
Zauberberg zusammenfügt. Sie wird von den Dortmunder
Philharmonikern unter der Leitung von Motonori Kobayashi
zu Gehör gebracht.
Welche Tänzerinnen und Tänzer schlüpfen in die
einzelnen Rollen?
XPW: In die Hauptrollen werden sich folgende Tänzerinnen
und Tänzer teilen:
Hans Castorp: Dmitry Semionov und Alysson da Rocha
Alvez
Madame Chauchat: Monica Fotescu-Uta und Emilie Nguyen
Nelly: Jelena Ana Stupar und Denise Chiaroni
Settembrini: Giuseppe Ragona und Francesco Nigro
Naphta: Arsen Azatyan und Gal Mazor Mazari
Mynheer Peeperkorn: Andrei Morariu und Harold Quintero
Joachim Ziemssen: Stephen King und Dann Wilkinson
Und es wird ein eindrucksvolles Bühnenbild von Frank
Fellmann geben!…
Herzlichen Dank dafür, dass Sie den Vorhang zum Ballett
„Zauberberg“ für die Ballettfreunde schon ein wenig
geöffnet haben!
Wolfgang Maßberg
Was gab den Ausschlag, für die Musik den estnischen
Komponisten Lepo Sumera zu wählen?
PREMIERE „ZAUBERBERG“ am Samstag, 08.11.2014, um 19:30 im Opernhaus
DAS PORTRÄT
Stephen King
Kein Liebhaber schauriger Geschichten
Die Frage, ob er mit seinem berühmten Namensvetter
verwandt sei, muss sich Stephen King oft anhören. Er
beantwortet sie mit großer Geduld. Nein, er hat nichts mit
dem Bestseller-Autor und Verfasser von Horror-Romanen wie
„Shining“ oder „Im Kabinett des Todes“ zu tun. „Ich habe kein
Buch von Stephen King gelesen. Sie sind mir zu schaurig,“
sagt der Tänzer Stephen King, der seit der vergangenen
Spielzeit dem Dortmunder Ballett angehört.
Er wurde im amerikanischen Maryland geboren. Als er drei
Jahre alt war, stellten die Ärzte ein Hüftproblem fest und
empfahlen als Therapie Ballett-Stunden. Der kleine Stephen
wurde also zum Unterricht geschickt, kam später auf die
Highschool und auf die Washington School of Ballet. Denn
sehr bald entdeckten seine Lehrer das Talent des Knaben,
der sich inzwischen zum 1,97 Meter großen Tänzer entwickelt
hat.
Mit 18 Jahren tanzte er u.a. am Theater Kiew, verfolgt heute
die schlimmen Nachrichten aus der Ukraine mit besonderem
Interesse. Eine wichtige Station wurde für ihn das Ballet West
Impressum
Herausgeber: Ballettfreunde Dortmund e.V.
Entwurf u. Gestaltung: Prof. Dr. Wolfgang Maßberg
Redaktion: Sigrid Karhardt
Fotos: Archiv Theater Dortmund u.a..
Geschäftsstelle: Ballettzentrum Westfalen
Florianstr. 2
44139 Dortmund
Tel. 0231-5026488
Druck: Rhein-Ruhr Druck GmbH & Co. KG
in Salt Lake City. An der
Staatsoper Prag tanzte er
den Rasputin in „Des Zaren
letzte
Tochter“
in
der
Choreographie von Youri
Vamos, der mehrere Jahre
Ballettchef in Dortmund war.
Stephen King erinnert sich
gern an die Zusammenarbeit
mit ihm.
Xin Peng Wang fiel Stephen
King bei einer Audition in
New York auf. Er holte ihn in
seine Dortmunder Compagnie, wo er u.a. alternierend mit Dmitry Semionov den Alfred
in „Geschichten aus dem Wiener Wald“ tanzte und einen
interessanten Auftritt in der „Blogspot“-Reihe im Ballettzentrum hatte.
Sein Hobby, das er auch studiert hat, ist die Jazz-Gitarre
und – er betont es ausdrücklich – die Literatur. „Krieg und
Frieden“ ist ihm lieber als „Shining“...
S.K.
www.ballettfreunde-dortmund.de
Ansprechpartner und
Ticketreservierungen:
Detlef und Ursula Wnuck
Tel. 02304-789220
E-mail:
[email protected]
Bankverbindung f. Beiträge u. Spenden:
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Kto.-Nr. 2762532
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Sie helfen uns, wenn Sie uns ermächtigen,
den Jahresbeitrag jeweils bis zum 31. März
des Jahres im Lastschriftverfahren
einzuziehen.
3
Abschied von Mark Radjapov
Er verzauberte als Prinz in
„Schwanensee“,
tanzte
ein
wundervolles Porträt von „Mozart“
und
brachte das Publikum mit
„abgeschminkt“ zur schrillen Musik
von Nina Hagen zum Staunen und
Lachen. Der Auftritt von Mark
Radjapov mit diesem Solo nach der
Ballett-Gala zum Saisonende rührte
tief an – sogar zu einigen Tränen.
Es war der Abschied des Tänzers,
Betroffenheit im Publikum, das zum großen Teil von dieser
Nachricht überrascht wurde, und bei Xin Peng Wang, der
seinen Solisten auf der Bühne verabschiedete, ihm noch
einmal dankte.
Mark Radjapov, der mit Worten
sonst eher sparsame Künstler,
findet für seine Entscheidung
eine einleuchtende Erklärung,
die viel über das Leben und das
Schicksal
eines
Tänzers
aussagt: „Es ist normal, dass
ein Tänzer mit 37 Jahren
aufhört. Ich bin glücklich, dass
ich 20 Spielzeiten lang tanzen
durfte, davon elf Jahre in
Dortmund in großartigen Produktionen“. Es sei jetzt genug,
meint er – und scheint damit die
vielen Ballettfreunde, die ihn
schätzen und lieben, trösten
Marc tanzt „Mozart“
zu wollen. Bei einem Gespräch im
Ballettzentrum erzählt er von der schönen Zeit mit Xin Peng
Wang und mit Primaballerina Monica Fotescu-Uta, mit der er
ein eingespieltes Team war, das nie viele Proben brauchte.
Und über seine Kollegen sagt er: „Ich liebe alle...“
Über seine Zukunftspläne mag er nicht konkret reden. Wie
die meisten Balletttänzer, die viele Jahre dabei sind, weiss
er, mit wie viel Schmerzen und Selbstbeherrschung Auftritte
verbunden sein können. Das Publikum darf davon nichts
merken. Manche künftige Aufgabe kann er sich für sich
vorstellen. Es müsse nicht nur Technik sein, die dem
Publikum geboten werde, sagt der Tänzer, der zweifellos
über pantomimisches und schauspielerisches Talent und
eine große Ausstrahlung verfügt.
Mark Radjapov wurde 1977 in Tashkent in Usbekistan
geboren, wo er seine Ausbildung erhielt. Nach dem Studium
wurde er als Solotänzer an das Opernhaus Kairo engagiert.
2001 ging er an das Theater Trier, bevor ihn Xin Peng Wang
nach Dortmund holte. Er war in den Hauptrollen von
Choreographien wie „Romeo und Julia“, „h.a.m.l.e.t.“, als
Andrej in „Krieg und Frieden“ und zuletzt als Tod, einem
elegant Polka und Walzer tanzenden Sensemann, in
„Geschichten aus dem Wienerwald“ zu erleben.
Marc in „Krieg und Frieden“
Fotos: Archiv Theater Dortmund
Mark Radjapov wird vorerst in Dortmund wohnen bleiben
und weiterhin am Balletttraining teilnehmen. Und vielleicht
gibt es nach dem Abschied mit „abgeschminkt“, den er so
hinreißend tanzte, doch noch ein gelegentliches
Wiedersehen mit ihm. Die Ballettfreunde würd `s freuen.
Sigrid Karhardt
5 JAHRE BALLETTZENTRUM WESTFALEN
Es hat sich in der Öffentlichkeit weithin herumgesprochen:
Das architektonisch auffällige Gebäude mit der gläsernen
Kuppel, eingerahmt vom Grün des Westfalenparks, ist das
Proben- und Trainingszentrum des Ballett Dortmund. Noch
nicht ganz so bekannt sind jedoch viele weitere, auf den
künstlerischen Tanz bezogene Funktionen unter dem Dach
des Ballettzentrums. Es ist inzwischen Heimstätte der
Internationalen Sommerakademie für Tanz, des NRW
Juniorballetts sowie einer Reihe von Tanz- und
Ballettprojekten, an denen jährlich rund 750 Bürger
unterschiedlicher Altersgruppen aktiv beteiligt sind. Dazu
gehören das Seniorentanztheater, die Open Classes for
Dance und Schoolmotions. Darüber hinaus ist das
Ballettzentrum Fort- und Weiterbildungsstandort des
Berufsverbandes für Deutsche Tanzpädagogen und – nicht
zuletzt – der Sitz des Ballettfreunde Dortmund e.V.
NRW Juniorballett
Pressekonferenz zur
Eröffnung:
v.l. Xin Peng Wang,
Regierungspräsident
Dr. Gerd Bollermann,
Oberbürgermeister
Ullrich Sierau und
Ministerin Ute Schäfer
4
Etwa 50 Sonderveranstaltungen zum Thema Tanz finden
alljährlich im Ballettzentrum statt, die auf ein wachsendes
Publikumsinteresse stoßen.
Vortanzen beim
NRW Juniorballett
mit Zoltan Ravacz
Zu nennen sind hier insbesondere die durchschnittlich
viermal jährlich stattfindenden Vernissagen und Ausstellungen regionaler und internationaler Künstler, die
Ballettmatineen, die Ballettvorstellungen – erinnert sei an
das Gastspiel
des Chamber Ballet New York -, die
Werkstattgespräche der Ballettfreunde, die Bewegungs- und
Talentworkshops mit Schülerinnen und Schülern, sowie an
Blogspot, die kreative Plattform für junge Tänzer/innen und
Musiker.
Kammerkonzerte, Vorträge und Charity-Veranstaltungen
runden das Angebot ab, das immer mehr Besucher anzieht im Jahr 2013 waren es mehr als 2500. Noch ganz frisch in
Vernissage Espiranza oben: Andrés Mérida malt eine Tanzszene
unten: Die Fußballstars Weidenfeller und Kehl
Erinnerung ist die Vernissage zur Ausstellung „“Esperanza“
der spanischen Künstler Andrés Mérida und Nicoletta Tomas
im Mai dieses Jahres, die zugleich mit dem guten Zweck
verbunden war, die Stiftung „roter Keil“ zu unterstützen, die
sich für missbrauchte Kinder einsetzt. Engagiert für diese
Stiftung sind auch BVB-Spieler, wie die an diesem Abend im
Ballettzentrum teilnehmenden Roman Weidenfeller und
Sebastian Kehl.
Fazit: Das Ballettzentrum hat sich nicht nur zu einer
Talentschmiede, sondern auch zu einem Zentrum vielfältigen Engagements rund um den Tanz entwickelt.
WM
alle Fotos: Rudolf Kubicko
oben: Blogspot
oben: internationale Sommerakademie
unten: Jugendprojekt „mitten drin“
unten: Gastspiel Chamber-Ballet New York
Juniorballett trifft Seniorentanztheater
Werkstattgespräch im Juli 2014:
Wie vielfältig das Ballettzentrum im Westfalenpark genutzt
wird, zeigte das letzte Werkstattgespräch zum Saisonende.
Trotz hochsommerlicher Temperaturen war auch diese
Veranstaltung der beliebten Reihe, die jeweils am
Sonntagnachmittag stattfindet, wieder gut besucht. Neben dem
tollen Kuchenbuffet gab es Informationen über das Ballett und
seine Aktivitäten.
Ballettmanager Tobias Ehinger stellte das NRW-Juniorballett
vor, auf das man sich ab der neuen Saison freuen kann. Zwölf
junge Tänzerinnen und Tänzer aus aller Welt erhalten zwei
Jahre die Gelegenheit, nach der Ausbildung in Tanzakademien
Berufserfahrung an einem Theater sammeln zu können. Sie
werden vorwiegend im Ballettzentrum arbeiten, ohne das – wie
Ehinger betonte – kaum Platz für solche Projekte sei. Für das
Dortmunder Ballett ist es eine besondere Auszeichnung, dass
diese vom Land unterstützte Einrichtung nach Dortmund
kommt. Das erste Bundesjugendballett wurde 2011 von John
Neumeier gegründet. In Dortmund wird man das NRWJuniorballett in Produktionen von Xin Peng Wangs Compagnie
und bei eigenen Choreographien erleben können. Es wird
außerdem Gastspiele im Umland geben.
Eine Art „Heimat“ ist das Ballett-Zentrum auch für das
Seniorentanztheater, das vor fünf Jahren gegründet wurde.
Barbara Huber, verantwortlich für Organisation und Leitung,
berichtete
beim
Werkstattgespräch
über die Entstehung und Arbeit
dieser Einrichtung,
deren Ziel die
Förderung
von
Kreativität im Alter
ist.
Den
Teilnehmern
macht
sie, trotz harten
Trainings – fast
jeden
Montag
stehen rund acht
Stunden an – vor
allem auch eines:
viel Freude.
Das ging aus dem
Bericht
von
Barbara
Huber
hervor, die schon als langjährige Leiterin der „Schule im
Opernhaus“ Theatererfahrung sammelte. 24 Mitglieder
zwischen 55 und 78 Jahren hat das Seniorentanztheater. In
der vergangenen Saison trat es mit seiner viel beachteten
Aufführung „Macbeth“, die mit Choreograph Marcus Grolle
erarbeitet wurde, im Schauspielhaus auf.
SK.
Ein Hilferuf des Vorstands des Ballettfreunde e.V.: Die Aktualisierung unserer Webseite leidet darunter, dass unserem
Förderverein ein Webmaster fehlt. Die Inanspruchnahme eines einschlägigen kommerziellen Unternehmens können wir uns
leider nicht leisten. Wer kann uns in dieser wichtigen Angelegenheit ehrenamtlich zur Seite stehen?
5
Unter Freunden…
…der Ballettfreunde e.V. Dortmund geht in sein
zehntes Lebensjahr
Mit der Berufung des durch seine Choreografie „Die rote
Laterne“ weltbekannt gewordenen Xin Peng Wang im Jahr
2003 auf die Position des Ballettdirektors am Theater
Dortmund begann der Aufstieg der Westfalenmetropole zu
einer renommierten Heimstatt der internationalen Tanzszene und insbesondere des innovativen Handlungsballetts,
mit dem er die Menschheit bewegende Themen aufgreift.
Die tanzinteressierten Menschen der Region erkannten
schnell, dass der neue Ballettchef, mit seinem
hochtalentierten Manager Tobias Ehinger und einer
kreativen Compagnie, auf dem Weg war, die Kunstform
Tanz am Theater Dortmund in eine glanzvolle neue Ära zu
führen. Sie erkannten aber auch, dass der Zuspruch des
Publikums sich nicht nur im stürmischen Beifall nach den
Ballettaufführungen ausdrücken dufte, sondern dass die
Nachhaltigkeit des Erfolgs der tatkräftigen Unterstützung
durch einen Förderverein bedurfte.
So kam es am 14. Dezember 2004 zur Gründungsversammlung des Ballettfreunde Dortmund e.V., in der als
vornehmste Aufgabe des Vereins „die Förderung und
Unterstützung des Balletts des Theaters Dortmund in
materieller und immaterieller Hinsicht“ satzungsmäßig
festgeschrieben wurde. Der Verein gab sich die Aufgabe,
das Theater Dortmund beim weiteren Auf- und Ausbau einer
künstlerisch auf internationalem Niveau konkurrenzfähigen
Ballettcompagnie zu unterstützen sowie die Kommunikation
zwischen Ballettschaffenden und Ballettinteressierten und
die Verbundenheit der Einwohner unserer Region mit dem
Ballett des Theater Dortmund, nachhaltig zu fördern.
In den knapp zehn
Entwicklung der
Jahren seines BesteMitgliederzahl
hens ist die Zahl 500
derer, die sich diese
Zielsetzung
zueigen
gemacht haben, in der
0
Mitgliederliste unseres
Fördervereins auf über
2005 2007 2009 2011 2013
440 angestiegen. Dieser Erfolg ist natürlich
in erster Linie der großartigen künstlerischen Entwicklung
unseres Balletts zu verdanken, die die Menschen unserer
Region motiviert, sich als engagierte Freunde dieser
Compagnie zu bekennen und dazu beizutragen, dass deren
Erfolgsgeschichte fortgeschrieben werden kann.
Seit seiner Gründung konnte der Ballettfreunde Dortmund
e.V. aus dem Beitrags- und Spendenaufkommen, sowie
aus sonstigen Einnahmen, dem Ballett Zuwendungen in
Höhe von € 260.370,74 zukommen lassen. Aufgrund der
ausschließlich ehrenamtlichen Tätigkeit des Vereinsvorstandes
steht diesem Betrag nur ein außerordentlich
geringer Sachmittel- und Gebührenaufwand in Höhe von
€ 13.680.70 gegenüber, das sind gerade einmal 4,98% (!)
der Gesamteinnahmen.
Der Grafik ist zu entnehmen,
dass proportional zur
wachsenden Mitgliederzahl das Beitragsvolumen erfreulich
gewachsen ist. Seine Summe belief sich bis Ende 2013 auf
€ 84.230,00. Es wird jedoch auch deutlich, wie stark das
Spendenaufkommen die Mittelzuwendungen für das Ballett
beeinflusst und wie sehr wir deshalb nach wie vor an die
Spendenbereitschaft, vor allem auch von Unternehmen,
appellieren müssen.
Die in der Satzung verankerte intensive Kommunikation der
Ballettfreunde untereinander und mit der Ballettcompagnie
6
bekam im August 2008 ein Gesicht mit dem Erscheinen
der
ersten Ausgabe unserer Vereinsbroschüre „pro
Dortmund Ballett“. Zwischen ihren Erscheinungsterminen
im Frühjahr und im Herbst jeden Jahres erhalten die
Ballettfreunde zusätzlich - über per E-Mail versandte Mitgliederbriefe - aktuelle Informationen zum Ballettgeschehen
in Dortmund.
70.000,00 €
Beiträge
60.000,00 €
Stand bis
Ende
Juli 2014
50.000,00 €
Spenden
40.000,00 €
30.000,00 €
Spenden u.
Sonstige
Einnahmen
20.000,00 €
10.000,00 €
0,00 €
1
2
3
4
5
6
7
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9 10
Mittelzuwendung Ballett
2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Außerordentlich erfreulich ist die wachsende Beliebtheit der
Werkstattgespräche,
die kurz nach der Eröffnung des
Ballettzentrums am 17. Januar 2010 ins Leben gerufen
wurden. Seither ist die drei- bis viermal jährlich stattfindende,
zwanglose sonntägliche Kaffeerunde mit der Ballettdirektion,
mit Akteuren der Compagnie und des Theaters Dortmund, in
der schönen „zweiten Heimat“
des Balletts am
Westfalenpark nicht mehr wegzudenken.
Werkstattgespräche
bleiben in
Erinnerung…
…mit Xin Peng Wang und
Monica Fotescu-Uta 2014,
…mit Ute Werner 2013
…und mit neuen Mitgliedern
der Compagnie…
Fotos: Rudolf Kubicko
Die erstmals im Herbst 2013 in Kooperation mit Viator Reisen
ins Leben gerufene Initiative „Ballettfreunde unterwegs“ war
ein weiterer Schritt zur Stärkung der Kommunikation und des
freundschaftlichen Kontaktes mit der Dortmunder Compagnie.
Darüber berichtet der Beitrag der folgenden Seite.
Reiseziele sollen, neben Gastspielorten unseres Balletts, auch
Compagnien sein, mit denen es besondere Kontakte pflegt.
Für das Jahr 2015 ist eine Reise zum Ballett der Opéra
National de Paris angedacht.
WM
Stadtdirektor Jörg Stüdemann:
Grußwort zum 10-jährigen Bestehen
Liebe Mitglieder des Ballettfreunde Dortmund e.V., verehrter
Vorstand, es hätte nicht anders ausfallen können, als dass
ein Spitzenensemble wie unser Ballett auch einen SpitzenFörderverein erhalten hat.
Mit großem Dank und großer Bewunderung gratuliert die
Stadt Dortmund Ihnen zum 10-jährigen Jubiläum!
Sie können sich rühmen, in Deutschland einer der mitgliederstärksten Fördervereine für ein Ballettensemble zu sein,
mehr noch, Sie sind zugleich einer der aktivsten Unterstützerkreise. Es verdient hervorgehoben zu werden, wie nah
Sie unserem Ballett stehen, den persönlichen Umgang, die
persönliche Freundschaft zu Ensemblemitgliedern pflegen,
wie Sie außerdem in vielfacher Hinsicht logistische Hilfe bei
besonderen Projekten des Balletts leisten.
Diese bürgerschaftliche intensive Begleitung - von Empathie
für die Handelnden und von der Begeisterung für den Tanz
getragen - überragt sogar noch die jährlich von Ihnen
geleisteten finanziellen Förderungen bei weitem. Ein künstlerisches Ensemble kann sich mehr als glücklich schätzen,
wenn es durch seine Tanzkunst einen solchen Widerhall in
der Stadtgesellschaft findet. Sie haben den Aufbau des vor
fünf Jahren geschaffenen Ballettzentrums befördert, Sie
haben manches Handlungsballett massiv unterstützt und es
vermocht, unser Ballett auf Tourneen zu begleiten. Überdies
verfügen Verein und Ensemble mit der Broschüre „pro
Dortmund Ballett" über ein eigenes Kommunikationsmedium, das zweimal in der Spielzeit erscheint. Jetzt fehlt
nur noch, dass Sie als Elevinnen und Eleven in die
Tanzkunst selbst einsteigen - wir werden sehen.
Es gratuliert herzlich und mit besten Grüßen Ihr
Jörg Stüdemann
Auf den Spuren Glucks und Frankens Schätzen
„Ballettfreunde unterwegs“ zu den Internationalen
Gluck-Festspielen und Xin Peng Wangs Uraufführung
„Orpheus“
„Von so schönen Furien möchte ich auch gern verfolgt
werden,“ formulierte es Christian Baier nach der umjubelten
Uraufführung „Orpheus“, als die Dortmunder Tänzerinnen
und Tänzer zur Premierenfeier auf dem Theatervorplatz in
Fürth erschienen. Der stimmungsvolle Abend war Höhepunkt
einer Reise des Ballettfreunde e.V., an der 16 Mitglieder
teilnahmen.
Die Idee zu dieser Reise zu den Internationalen GluckFestspielen, zu den Kunstschätzen des Frankenlandes und
seinen angenehmen Freizeitangeboten war entstanden, als
Xin Peng Wang eingeladen wurde, einen Beitrag zu diesem
vom Staatstheater Nürnberg getragenen Festival zu leisten.
Die künstlerische Leitung hat im Jahr des 300. Geburtstages
von Christoph Willibald Gluck, in dem der Komponist als
Reformer der Oper im Mittelpunkt stehen soll, der
Chefdramaturg des Dortmunder Balletts, Dr. Christian Baier.
Schon im Vorjahr hieß es „Ballettfreunde unterwegs“, als Xin
Peng Wang in Hongkong „Der Traum der roten Kammer“
herausbrachte und zur Premiere eine Dortmunder Delegation
begrüßen konnte.
In Fürth nahmen sich der Dortmunder Ballettchef und Tobias
Ehinger einen Tag vor der Premiere „Orpheus“ am 18. Juli
Zeit, die angereisten Dortmunder Ballettfreunde hinter die
Kulissen des wunderschönen Neobarock-Theaters zu führen,
das um die vorletzte Jahrhundertwende gebaut wurde. Wang
verbindet in seiner Choreographie den europäischen und
den asiatischen Mythos um den Sänger Orpheus, der ins
Reich der Toten aufbricht, um seine ermordete Geliebte
Eurydike wiederzufinden. Von Tang Xianzu (1550-1616)
stammt die Version „Der Päonienpavillon“, die als eine
Vorläuferin der Peking-Oper heute zu den kulturellen
Nationalheiligtümern Chinas zählt. In gut einer Stunde lässt
Xin Peng Wang zwölf Tänzerinnen und Tänzer diese
Geschichten um die unerschütterliche Liebe des Orpheus
erzählen, der sich auch durch Dämonen und Furien nicht
abhalten lässt, die Geliebte zu suchen. Die Kunst ihres
Tanzes von klassischer Klarheit führte in eine jenseitige
Welt, in der Orpheus (Dmitry Semionov) und Eurydike
(Monica Fotescu-Uta) schließlich zueinander finden.
Beeindruckend auch die Kostüme und symbolträchtige
Maske der Tänzer und die Lichtregie. Musik von Igor
Strawinsky, gespielt von der Prague Philharmonia, und aus
Ballettfreunde auf der Bühne des Stadttheaters Fürth
Foto WM
der chinesischen Ming-Zeit (vom Band) waren eine weitere
interessante Verbindung europäischer und asiatischer Kultur.
In der übernächsten Spielzeit kann man Xin Peng Wangs
„Orpheus“ im Dortmunder Opernhaus sehen.
Das älteste bespielte Barocktheater Süddeutschlands und
eine wenig bekannte Opernfassung „Iphigenie auf Tauris“
erlebten die Teilnehmer der Ballettreise im 1719 eröffneten
Markgrafentheater Erlangen. Der italienische Komponist
Tommaso Traetta (1727-1779) schrieb die Musik, die von der
„Lautten Compagney Berlin“ und dem musikalischen Leiter
Wolfgang Katschner wiederentdeckt wurde – eine glückliche
Idee bei so viel barockem Wohlklang. Dazu eine moderne
Inszenierung von Rudolf Frey, bei der zum Schluss viel
Theaterblut floss.
Bei der fünftägigen Reise fanden die „Ballettfreunde unterwegs“ auch Zeit, die kulturellen und kulinarischen Schätze
Frankens und der Fränkischen Schweiz zu erkunden. In dem
Romanisten Hans Georg Bauner hatten sie einen kundigen
Führer, der gotische und barocke Kunstwerke, wie sie in den
Kirchen Nürnbergs zu finden sind, erläuterte und humorvoll
fränkische Sprach- und andere Eigenheiten vorstellte.
Ein Lob gebührt dem Reiseveranstalter Viator Reisen auch
für die Wahl des Hotels, das an einem der schönsten und
berühmtesten Plätze Europas liegt: dem Hauptmarkt, auf
dem der Nürnberger Christkindl-Markt stattfindet. Der Platz
und die Umgebung laden auch im Sommer zu einer
lohnenswerten Reise ein. Vor dem Hotel steht der „Schöne
Brunnen“, ein gotisches Kunstwerk aus dem 14. Jahrhundert.
Wer einen am filigranen Gitterwerk befestigten Ring berührt,
darf sich etwas wünschen. Da konnte man auf die Idee
kommen, sich noch viele Fortsetzungen von „Ballettfreunde
unterwegs“ zu wünschen.
SK 7
Ihr Ballettkalender bis 1. März 2015
Exklusiv für Mitglieder Ballettfreunde e.V.
WERKSTATTGESPRÄCH *)
Sept.
2014
So. 07.
Sa. 20
15:00
19:00
Sa. 27. 19:30
So. 28
18:00
Im Dialog mit der Ballettleitung:
Vorstellung der neuen Compagniemitglieder und Einführung in „Zauberberg“
ZAUBERWELT Zauberberg! Teil 1:
Lesungen, Vorträge, Live-Musik aus der Zeit
und Einblicke in die Probenarbeit zu
Xin Peng Wangs Ballett nach dem Roman von
Thomas Mann **)
INTERNATIONALE
BALLETTGALA XX
mit Solistinnen und Solisten aus aller Welt
INTERNATIONALE
BALLETTGALA XX
mit Solistinnen und Solisten aus aller Welt
ZAUBERWELT Zauberberg! Teil 2:
Lesungen, Vorträge, Live-Musik aus der Zeit
und Einblicke in die Probenarbeit zu
Okt.
Xin Peng Wangs Ballett nach dem Roman von
2014 Sa. 11. 19:00 Thomas Mann **)
Matinee
Nov.
2014 So. 02.
ZAUBERBERG
nach Motiven aus dem Roman von Thomas
11:15 Mann, Musik von Lepo Sumera ***)
Premiere
Dez.
2014 Sa. 14
15:00
und
19:00
Do.18. 19:30
Sa. 20. 19:30
Fr. 26.
18:00
Sa. 22.
ZAUBERBERG
So.28.
18:00
Jan.
2015 Sa. 03. 19:30
Fr. 28.
So.04.
18:00
Mi. 07. 19:30
So.18.
Feb.
15
15:00
Und
19:00
So.01.
18:00
nach Motiven aus dem Roman von Thomas
Sa. 06. 19:30 Mann, Musik von Lepo Sumera
Fr. 06.
19:30
Fr. 12.
nach Motiven aus dem Roman von
Thomas Mann, Musik von Lepo Sumera
SCHWANENSEE
(Neufassung 2012)
Musik Peter I. Tschailowsky
nach Motiven aus dem Roman von
Thomas Mann, Musik von Lepo Sumera
nach Motiven aus dem Roman von
Thomas Mann, Musik von Lepo Sumera
Matinee
DREI STREIFEN: TANZ
So.08.
11:15
Choreographien von Benjamin
Millepied, Demis Volpi und Jiři
Bubeniček ***)
Premiere
DREI STREIFEN: TANZ
Sa. 14. 19:30
Choreographien von B.Millepied,
Demis Volpi und Jiři Bubeniček
SCHWANENSEE
Fr. 20.
19:30
ZAUBERBERG
nach Motiven aus dem Roman von Thomas
19:30 Mann, Musik von Lepo Sumera
nach Motiven aus dem Roman von
Thomas Mann, Musik von Lepo Sumera
ZAUBERBERG
Wiederaufnahme
SCHWANENSEE
Dez.
(Neufassung 2012)
2014 Do. 04. 19:30 Musik Peter I. Tschailowsky
ZAUBERBERG
(Neufassung 2012)
Musik Peter I. Tschailowsky
ZAUBERBERG
WERKSTATTGESPRÄCH *)
So. 30.
SCHWANENSEE
ZAUBERBERG
Exklusiv für Mitglieder Ballettfreunde e.V.
Dialog mit der Ballettleitung:
15:00 Das aktuelle Programm wird zeitnah mitgeteilt
nach Motiven aus dem Roman von
Thomas Mann, Musik von Lepo Sumera
ZAUBERBERG
ZAUBERBERG
nach Motiven aus dem Roman von Thomas
19:30 Mann, Musik von Lepo Sumera
(Neufassung 2012)
Musik Peter I. Tschailowsky
Frühjahrstermine z. Veranstaltungsreihe im HCC folgen im Januar
nach Motiven aus dem Roman von Thomas
19:30 Mann, Musik von Lepo Sumera
ZAUBERWELT Zauberberg! Teil 3:
Lesungen, Vorträge, Live-Musik aus der Zeit
und Einblicke in die Probenarbeit zu
Xin Peng Wangs Ballett nach dem Roman von
19:00 Thomas Mann **)
nach Motiven aus dem Roman von Thomas
19:30 Mann, Musik von Lepo Sumera
(Neufassung 2012)
Musik Peter I. Tschailowsky
SCHWANENSEE
ZAUBERBERG
ZAUBERBERG
(Neufassung 2012)
Musik Peter I. Tschailowsky
SCHWANENSEE
ZAUBERBERG
Sa. 15.
(Neufassung 2012)
Musik Peter I. Tschailowsky
SCHWANENSEE
nach Motiven aus dem Roman von Thomas
Sa. 08. 19:30 Mann, Musik von Lepo Sumera
Fr. 14.
SCHWANENSEE
(Neufassung 2012)
Musik Peter I. Tschailowsky
DREI STREIFEN: TANZ
Mrz.15 So.01.
18:00
Choreographien von B. Millepied,
Demis Volpi und Jiři Bubeniček
*) Veranstaltung des Ballettfreunde e.V. im Ballettzentrum Westfalen, Florianstr. 2
**) Veranstaltung im Harenberg City Center (HCC) im Rahmen der Kooperation Ballet Dortmund, HCC und Ballettfreunde e.V.
***) Veranstaltung im Ballettzentrum Westfalen, Florianstr. 2
Einführungen zu allen Ballettaufführungen lm Opernhaus finden 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Foyer statt.
Terminänderungen sind vorbehalten. Bitte beachten Sie auch die monatlichen Theaterspielpläne und unser Internetportal.
Als Mitglied können Sie schon jetzt für die gesamte Spielzeit Ihre Karten für Ballettvorstellungen, mit einem Nachlass von 10%, beim Service
Mitglieder vorbestellen: Tel. 02304-789220; E-Mail: [email protected]
Wir danken allen Sponsoren und Spendern, die das Ballett Dortmund unterstützen:
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