Farmwild Exkursion England 2014

Transcription

Farmwild Exkursion England 2014
Reisebericht
BUNDESVERBAND ÖSTERREICHISCHER WILDHALTER
1. September 2014
Verband der landwirtschaftlichen
Wildhalter in der
Steiermark
Hamerlinggasse 3
Farmwild in England
Exkursion 2014
Rotwild dominiert in Englands Farmwildhaltung
8011 Graz
Tel. 0316 8050 1424
Bei der Fachexkursion des
diesen Parks findet. Die wich-
Es gibt in England wesentlich
[email protected]
Verbandes der steirischen
tigsten Zahlen der Farmwild-
weniger Betriebe, die aller-
Wildhalter konnten sich 22
halung in Großbritannien:
dings viel größere Gehege
Personen von den Haltungsmethoden, der Marktausrichtung und der Qualität der
Tiere überzeugen.
Rotwild dominiert in Eng-
In dieser
Ausgabe:
land
Organisierte Betriebe 156
Rotwild in Farmwild- 30.000
(FEDFA
haltung
2004)
Damwild in Farmwildhaltung
2.500
(FEDFA
Durchschnittliche
50 ha
Nutzung
Fleisch
haben wie bei uns. Unterschiede gibt es auch in der
Schlachtung und Nutzung
(teils wie in Neuseeland).
Etwa 85% des Farmwildes in
Warnham Park
Rotwild
2
Chawton Park Farm
3
England (bzw. Großbritannien) sind Rotwild. Der Verband von Großbritannien
betreut diese Betriebe. Mit
dabei sind auch etwa 70
Badminton Estate Deer 4
Parj
Horridge Deer Farm
5, 6
Chilton Deer Farm
7
Ash Deer Farm
8
Stonehenge
9
Großbritannien
Informationen
10,
11
Zusammenfassung
12
Parks. Interessant ist, dass
sich Damwild vor allem in
Zucht
Trophäenabschüsse
Oben: Warnham Park - vertraut
und enorme Geweihe
Unten: Horridge Farm - John
Burdges
Farmwild in England Exkursion 2014
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Kapitaler geht es fast
nicht mehr
Seit 1886 betreibt Warnham Park eine systematische Rotwildzucht
Zuchthirsche
20-25
Alt-Tiere
85-90
Jährlinge (weiblich u.
90
männlich)
Hektar im Park
71
Hektar bei Farm
29
(Koppeln, …)
„Wir steigen beim
ersten Betrieb
mitten im Park aus
und um uns sind
40 oder 50 Hirsche;
Hirsche, wohin das Auge reicht
einer kapitaler als
der andere.“
DI Schmeja mit dem Eigentümer Jonathan Lucas
www.warnhampark.com
[email protected]
Der Eigentümer Jonathan Lucas
empfängt uns persönlich im Park
und wir sind umringt von 25
kapitalen Rothirschen und etwa
der gleichen Anzahl von jüngeren Hirschen.
Die Warnham Hirsche sind
gezüchtet auf die Geweihe: auf
Gewicht, Stangenlänge, Auslage, Enden und Symmetrie.
Sie gehen in andere
Parks oder werden
als Trophäenträger
verkauft. Diese
Zuchtrichtung gibt
es seit 125 Jahren.
Als zweites Zuchtziel
nennt Lucas das
Gewicht der Tiere,
Zuwachsleistungen
und Schlachtkörpereigenschaften.
Warnhamtiere gingen als Lebendtiere, als Samen und Embryonen in
die ganze Welt (Österreich, Tschechien, Dänemark, Deutschland, Canada, Australien und Neuseeland…).
Im Park sind 71 ha eingezäunt, wobei es Koppeln gibt und etwa die
Hälfte des Parks einmal im Jahr gemäht wird (Heu, Grassilage). Die
Weideruhe beträgt dann etwa 3 Monate. Pro Hektar werden etwa 2,5
Tiere gehalten (extensiv). Es wird nicht entwurmt.
Reisebericht
Seite 3
www.chawtonparkfarm.co.uk | [email protected]
Grassilage werden in
Rundballe gepresst und in
diesen Raufen verfüttert es gibt keinen Stall oder
überdachte Fütterung
Zuchthirsche
2
Alt-Tiere
70
Jährlinge (weiblich u.
65
männlich)
Hektar Gehege
Gezielte Fleischerzeugung auf der Chawton Park Farm
Ian Robertson bewirtschaftet mit
seiner Ehefrau den Hof. Seit 30
Jahren sind sie Betriebsführer
und seit 25 Jahren halten sie
Rotwild. Daneben hält er 3.500
Schafe (1.300 Mutterschafe und
die Nachzucht in der Lämmermast).
Am Betrieb sind derzeit etwa 240
Stück Rotwild, wobei er die 70
Zuchttiere auf eine Herde mit 30
und eine mit 40 Tieren getrennt
hat. In jeder Herde ist ein Zuchthirsch dabei.
Sein Produktionsziel sind aus-
schließlich Junghirsche und
Schmaltiere für Fleisch. Er verkauft sie im März mit etwa 20
Monaten und erreicht ein durchschnittliches Schlachtgewicht von
60 bis 70 kg. Sein Preis war im
Frühjahr 5,8 EURO und bei 65
kg Schlachtkörper erzielte er etwa
380 € pro Schlachttier.
Grassilage und etwa 0,5 kg Getreide (Schafmischung oder Gerste) gefüttert.
Gras und Silage
Die Jungtiere werden im September, im November und zu Weihnachten entwurmt (Aufgußmittel
aus Ivomec-Avomec-Familie).
Im Sommer haben die Tiere nur
Gras auf der Weide, die teils
gemäht wird. Sie bekommen
kein Kraftfutter (außer als Lockfutter). Im Winter werden sie mit
Geweihe abgeschnitten
Die Geweihe der Spießer werden
systematisch abgenommen.
3 Entwurmungen bei Jungtieren
Tiere werden lebend verladen
23
Je Hektar: Altiere
5
Schmaltiere, Spießer
8
Ian Robertson: „Die
Rotwildhaltung ist
pro Hektar
wirtschaftlicher als
die Schafhaltung
und Lämmermast.“
Behandlungsstand und Verladeeinrichtung
Wir gehen durch die Treibgänge, den Fang– und
Behandlungsstand und die Verladeeinrichtung.
Unser Resümee: einfach und funktionell. Tiere
werden im oberen Treibgang mit Futter angelockt. Das obere Tor wird geschlossen, die Tiere
laufen herunter. Beim Absetzen der Jungtiere werden
die Alttiere wieder zurück gelassen. Die Jungtiere gehen
zum Entwurmen, Ohrmarken einziehen und Wiegen
durch den Behandlungsstand. Unten rechts: Verladung
Einfache
Treibgänge und
ein einfacher
Behandlungsstand
Farmwild in England Exkursion 2014
Seite 4
Diese Jagdhütte im 160 ha
großen Badminton Park
diente als Jagdhütte (nur
mit Holz gebaut)
Zuchthirsche
30
Alt-Tiere
60
Jährlinge (weiblich u.
60
männlich)
Hektar im Park
160
Hektar Koppeln
20
Hektar gesamt
Ca.
8.000
Hier leben der
Duke (Graf) und
die Duchess
(Gräfin) von
Beaufort
Hier wurde das
Badminton Spiel
eingeführt und hat den
Namen vom Schloss das Badminton
Spielfeld hat die Maße
der Halle.
Wiederaufbau nach TBC-Totalabschuss
Perry Poole fährt mit uns zu den Koppeln, wo wir
sehr gute und ruhige Tiere sehen. Alle Hirsche sind
noch bei den Tieren, sie werden aber in 2 Wochen
getrennt.
Badminton Estate hatte einen TBC-Fall und musste 600 Tiere töten. Jetzt sind sie im Wiederaufbau
und wollen auf 300 Zuchttiere aufstocken.
Mit Landrover fahren wir
durch den Park; alle jungen Bäume sind geschützt
Züchterisch arbeitet Badminton mit englischer und
rumänischer Genetik zur Verbesserung von Zuwachs und Schlachtkörper (oben im Bild links ist
ein rumänischer Rothirsch abgebildet).
Wenn Hirsche nicht mehr für die Zucht verwendet
werden, kommen sie als Abschusshirsche in den
Park (ein guter Hirsch kostet ca. 8.000 €).
Einfacher Sortier– und Fangstand
Wir sehen auch hier einfachste Einrichtungen, um
das Rotwild zu sortieren und zu behandeln. Bei
der Fahrt durch den Park sehen wir einige Rudel
von Rothirschen und Perry erzählt von 100.000
Fasanen, die für die Jagd gezüchtet werden.
Reisebericht
Seite 5
Besitzer John Burdge mit
seinem Rotwild
www.horridgefarm.com
[email protected]
Zuchthirsche
25
Alt-Tiere
75
Jährlinge (weiblich u.
140
männlich)
Hektar
Die Horridge Wildfarm erweist
sich als ein Spitzenbetrieb. Nach
dem Desinfizieren unser Schuhe
geht es auf einen Anhänger mit
Strohballen und hinaus zu den
Tieren. Wir sehen drei verschiedene Koppeln bzw. Herden.
In der ersten Koppel sind zwei
Zuchthirsche mit abgenommenen Geweihen. Dann folgt die
Koppel mit den weiblichen Jungtieren, die zur Schlachtung gehen, wenn sie nicht vorher in die
Zucht verkauft werden können.
Fangstand, Absamungen
Die Fang– und Sortiereinrichtung ist sehr ausgeklügelt und
John Burdge hat diese Anlagen
auch schon exportiert. Jede Tür
und Absperrung hat seine Funktion und jeder Handgriff sitzt.
John Burdge wiegt die Tiere
einmal im Monat und er führt
Absamungen durch. Mit einem
Tierarzt macht er künstliche
Besamungen.
Verkauft werden die Jungtiere
mit etwa 20 Monate und wiegen
76 kg Schlachtgewicht. Sein Preis
pro kg beträgt zwischen 6,7 und
7,0 EURO (pro Stück durchschnittlich 517 €). Die Tiere
werden verladen und zum
Schlachthof gefahren.
600 €
45
Der beste Betrieb,
den wir auf
unserer vielseitigen
Schmaltiere
1.750 € 16 Spießer
Exkursion
2.500 € 2-jährige Hirsche
100 €
pro Samenportion,
besichtigt haben;
die verkauft wird
Top-Tiere, TopManagement.
Dieser kapitale Hirsch
wird ausgeschieden und
John Burdge verkauft ihn
(zum Abschuss)
Gruppe von Schmaltieren, die dunkleren haben rumänische Genetik
Farmwild in England Exkursion 2014
Seite 6
Mit dem Traktor geht es in
die Koppeln
Wir sehen perfekt gepflegte Weiden und Wiesen
Perfekte Weiden,
perfekte Wiesen,
Zäune und die
Fangeinrichtung - hier
Oben: Bänder beim normalen Zaun
Oben: etwa 3 m hohe Blanken im Warteraum
Unten Holz oben ein feines Gitter
Oben: verstellbare Türen zum Selbstschutz
Oben: Enger Durchtrieb - angetrieben wird hinten
Oben: Behandlungsstand mit versenkbarem Boden
passt einfach alles.
In der Küche genossen
wir Tee und Kaffee
mit grandiosem
Ausblick auf die Tiere.
Neuseelandisches Wiegesystem (TRUE TEST WAGE)
zum monatlichen Wiegen
der Jährlinge
Rechts: 200 Portionen Samen können bei einer Absamung gewonnen werden
In dieser Box wird abgesamt
Reisebericht
Seite 7
Vorstandsmitglied Tony
Bennet
Chilton Deer Farm, Cadeleigh, Tiverton
Der Biobetrieb von Tony Bennet
(Chilton Deer Farm) liegt in
einem Tal mit steileren Hängen.
Tony hat seine Erfahrungen in
Neuseeland gemacht und vorher
als Manager auf einem Milchbetrieb gearbeitet. Seit 30 Jahren
hat er Farmwild. Neben den 200
Stück Rotwild baut er
Gerste und Weizen an.
kg Schlachtgewicht. Sein Preis pro kg beträgt 6,8 EURO (pro Stück
durchschnittlich 408 €). Er schießt die Tiere am Hof, teils in der Box,
teils auf dem Feld.
Stallhaltung der Kälber
Zuchthirsche
Die Kälber werden im November von den Müttern getrennt und überwintern im Stall. Dort werden sie mit Silage aus der Rundballenraufe
gefüttert.
Alt-Tiere
6
75
130
Jährlinge (weiblich u.
männlich)
Hektar eingezäunt
Kreuzung englischer x
rumänischer Linien
20 ha
Besonderheit
Tony Bennet setzt auf die
Kreuzungen, weil damit
die Gewichtszunahmen
deutlich steigen. Nach
Tony steigen sie um 20%.
Das macht bei etwa 60
verkauften Stück pro Jahr
sehr viel aus. Er hat drei
Herden eingeteilt.
Verkauft werden die
Jungtiere mit etwa 20
Monate und wiegen 60
Britische Wild & Parks
Vereinigung
Bio
Tony Bennet: „Als
Biobetrieb habe ich
bessere
Absatzmöglichkeiten
Kälber werden im Stall auf Stroh gehalten und mit
Grassilage gefüttert
und kann bessere
Preise erzielen.
Wildhaltung ist
besser als Rinder.“
Die Kreuzung von englischen Tieren mit rumänischen Hirschen funktioniert
Oben: Verladeeinrichtung
Links: Behandlungsstand
Farmwild in England Exkursion 2014
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Adam Russel von der AshFarm
[email protected]
Zuchthirsche
6
Alt-Tiere
65
Jährlinge (weiblich u.
60
männlich)
Hektar eingezäunt
100
Hektar Ackerland
100
Adam Russel: „Bio ist
gut für Rotwild und
für den Boden.
Meine Tiere will ich
vom Grundfutter
ernähren. Die Weide
muss auch Kräuter
und Klee haben.“
Adam Russel: Grünlandnutzung optimieren
Adam Russel ist ein Biobetrieb
und er setzt auf neue Ideen und
eigene Versuche beim Grünland.
Rotklee, Spitzwegerich, Wegwarte, Knaulgras und Wicken
In Neuseeland hat Adam die
Rotwildhaltung studieren können und er versucht, einiges
umzusetzen. Er macht verschiedene Einsaaten und setzt auf eine
Mischung von Knaulgras, Klee
und Kräutern. Bisher zeigen sich
sehr gute Erfolge. Im Winter
verfüttert er kein Getreide sondern nur eine Rotkleesilage.
der Weide auf relativ weite Entfernung mit Kopfschuss geschlachtet und die Schlachtkörper innerhalb von drei Stunden
zum Verarbeiter gebracht. Es
werden jeweils fünf Tiere geschossen und aus dem Gehege
gebracht. Adam beklagt den
Aufwand für die Schlachtung
(Veterinär, Verbringung …).
Einfachster Fangstand
Im Schuppen ist der Fangstand,
wobei die Tore auch gleichzeitig
die Fangeinrichtung sind.
Verkauft werden die Jungtiere
mit etwa 20 Monate und wiegen
56 kg Schlachtgewicht. Sein Preis
pro kg beträgt zwischen 6,4 und
6,8 EURO. Die Tiere werden in
Russel: auch einfache
Fangeinrichtungen können
funkionieren
Etwas scheuer als auf den anderen Betrieben zeigt sich die Rotwildherde von
Adam Russel in Blandford Forum
Reisebericht
Seite 9
Stonehenge
Stonehenge, der Steinkreis, wie er sich heute
präsentiert
Der Historiker
Polydor Vergil (1470
Stonehenge ist ein in der Jungsteinzeit errichtetes und mindestens bis in die Bronzezeit genutztes Bauwerk in der Nähe von
Amesbury in Wiltshire, England,
etwa 13 Kilometer nördlich von
Salisbury. Es besteht aus einer
Grabenanlage, die von einer aus
mehreren konzentrischen Steinkreisen gebildeten Megalithstruktur umgeben ist. Die beiden
auffälligsten Steinkreise sind der
äußere Kreis aus von Decksteinen überbrückten Pfeilersteinen,
sowie die innere hufeisenförmige
Struktur aus ursprünglich fünf
Trilithen (je zwei Tragsteine, die
von einem Deckstein überbrückt
werden). Dazwischen befinden
sich weitere Strukturen aus kleineren Steinen sowie Löchern im
Boden. Weitere Megalithe sowie
zwei Hügelgräber finden sich in
unmittelbarer Nähe.
dass im frühen dritten Jahrtausend v. Chr. eine hölzerne Struktur im Inneren der Einfassung
existiert haben muss.
Die Entstehung der Anlage lässt
sich grob in drei Phasen unterteilen.
Die gesamte Anlage ist jedoch
vermutlich deutlich älter als
bisher angenommen. Demnach
stand die Megalithstruktur bereits um 3000 v. Chr.[1] Die
weiteren Ausführungen im Artikel beziehen sich auf die bisher
angenommene Datierung.
Die Frühphase der Anlage, mit
einem kreisrunden Erdwall und
einem Graben, wird auf etwa
3100 v. Chr. datiert.
Pfostenlöcher weisen darauf hin,
Die auffällige Megalithstruktur
wurde etwa zwischen 2500 v.
Chr. und 2000 v. Chr. errichtet.
–1555) erklärt
Stonehenge ebenfalls
als Denkmal, das der
Zauberer Merlin zur
Zeit der Eroberung
Englands durch die
Angelsachsen mit
Hilfe seiner
magischen Kräfte
errichtet habe.
So haben die Häuser vor
3.000 - 5.000 Jahren ausgesehen
Farmwild in England Exkursion 2014
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Großbritannien im Überblick
Großbritannien = Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland
Der größte Inselstaat Europas ist eine Union aus England und den ehemaligen unabhängigen Einzelstaaten (Königreichen) Wales, Schottland und Nordirland. Das Staatsoberhaupt ist die britische Monarchin
(aktuell Königin Elisabeth II). Mit etwa 64 Millionen Einwohnern ist Großbritannien (GB) das drittbevölkerungsreichste Land der Europäischen Union. GB ist Gründungsmitglied der NATO und der Vereinten
Nationen.
Geschichtliches zu Großbritannien
Name
United Kingdom
of Great Britain
and Northern
Ireland (UK = GB)
Haupt-
London
Staatsform
ParlamentarischKonstitutionelle
Monarchie
Regierungssyste
Parlamentarische
Demokratie
Staatsoberhaupt
Königin Elisabeth
II
Regierungschef
Premierminister
David Cameron
(Tories)
Fläche
244.820 km²
Einwohner 63.705.000 (2012)
Währung
Englisches Pfund
In der Antike waren weite Teile
der Insel Großbritannien, abgesehen vom Gebiet des heutigen
Schottlands, für rund 350 Jahre
von den Römern besetzt. Als
diese sich zurückzogen, bildeten
sich mehrere kleine Königreiche,
die von den eingewanderten
Angeln und Sachsen, Jüten und
später auch von den Normannen
beherrscht wurden. Die keltische
Urbevölkerung wurde in die
westlichen Randgebiete verdrängt. Im 10. Jahrhundert entstanden die voneinander unabhängigen Königreiche Schottland
und England. 1066 eroberten
französisierte Normannen aus
der Normandie die Insel und
prägten sie für die folgenden
Jahrhunderte. Wales, das seit
1284 unter der Kontrolle Englands war, wurde mit der Act of
Union 1536 Teil des Englischen
Königreichs. Mit der Act of Union 1707 wurden die Königreiche
Schottland und England zum
Königreich Großbritannien vereinigt; beide Staaten hatten seit
1603 durch Personalunion denselben Monarchen. Die Act of
Union 1800 vereinigte das Königreich Großbritannien mit
dem Königreich Irland, das von
1169 bis 1603 mehr und mehr
unter englische Kontrolle geraten
war. Durch diese Verschmelzung
entstand das Vereinigte Königreich von Großbritannien und
Irland. 1922 bildeten 26 irische
Grafschaften den Irischen Freistaat (ab 1937 Éire, ab 1949
Republik Irland). Die restlichen
6 Grafschaften in der Provinz
Ulster verblieben beim Vereinigten Königreich. Der heutige
Staatsname „Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland“ wird seit 1927 verwendet.
Am 21. November 1806 verhängte Napoleon eine Kontinentalsperre über die britischen Inseln.
Sie blieb bis 1814 in Kraft. Sie
sollte Großbritannien mit Mitteln des Wirtschaftskrieges in die
Knie zwingen und die französische Wirtschaft gegen europäische und transatlantische Konkurrenz schützen. Großbritannien erschloss sich neue Absatzmärkte, insbesondere in Nordamerika.
Das Vereinigte Königreich, die
dominierende Industrie- und
Seefahrtsnation im 19. Jahrhundert, spielte eine bedeutende
Rolle in der Entwicklung der
parlamentarischen Monarchie, in
Literatur und Wissenschaft.
Großbritannien trat über viele
Jahrhunderte für ein Mächtegleichgewicht auf dem europäi-
schen Kontinent ein (Pax Britannica) und schloss dafür wechselnde Bündnisse. Auf seinem Höhepunkt umfasste das Britische
Weltreich zwei Fünftel der Landfläche der Erde, die in vielen
Kriegen erobert worden waren.
Durch die beiden Weltkriege
verlor das Land seine Weltmachtstellung, obwohl es beide Male
auf der Siegerseite stand. In der
zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Reich bis auf
einige kleine Reste aufgelöst
(Dekolonisation: Britisch-Indien
wurde im August 1947 unabhängig (siehe hier; die Staaten Indien
und Pakistan entstanden); in
Afrika wurden z. B. am 26. Juni
1961 Britisch-Somaliland und
am 1. Oktober 1961 Nigeria
unabhängig). Das Vereinigte
Königreich sah sich gezwungen,
sich mehr Kontinentaleuropa
zuzuwenden; es hält sich aber bis
heute bei der Integration zurück.
Das Land ist zwar Mitglied der
Europäischen Union, hat aber
den Euro wegen innenpolitischer
Widerstände und Einfluss von
Quantum Funds auf dem Devisenmarkt nicht eingeführt. Im
Zuge einer Verfassungsreform (z.
B. Scotland Act 1998) erhielten
Schottland, Wales und Nordirland 1999 eigene Parlamente.
Reisebericht
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Die britische Küche
Die britische Küche (insbesondere die englische) stand
lange in dem Ruf, fade, eintönig, schwer verdaulich und
wenig gewürzt zu sein sowie ungewohnte Geschmacksrichtungen zu kombinieren. Kartoffeln spielen eine entscheidende Rolle und werden auf vielfältige Weise zubereitet,
meist aber in Form von Brei. Weit verbreitet sind Pasteten
mit Fleischfüllung. Das bekannte britische Frühstück ist
eine umfangreiche warme Mahlzeit.
Unter den kalten Gerichten spielen diagonal durchgeschnittene Sandwiches eine herausragende Rolle. Inbegriff
des britischen Fast-Food ist Fish and Chips. Als Nachspeise
werden Kuchen bevorzugt. Immigranten aus Indien und
Afrika haben dazu beigetragen, dass die lange Zeit als konservativ geltende englische Küche sich in den letzten Jahrzehnten der Welt geöffnet hat. Tatsächlich ist die typisch
englische Küche im Alltag auf breitem Rückzug, zugunsten
einer breiteren, (post-kolonial) britischen Identität.
Beliebtestes nichtalkoholisches Getränk der Briten ist der
Tee; die britische Teekultur ist weltweit bekannt und gehört zur typisch britischen Lebensart. Kaffee spielt dagegen
eine völlig untergeordnete Rolle. Bei den leichten alkoholischen Getränken dominiert das Bier (hauptsächlich Ale
und Stout), bei den hochprozentigen Gin und Whisky.
Wildfleisch = Venison in Großbritannien auf dem
Vormarsch
Tony
Bennet
Vorstandsmitglied des britischen Wildhalterverbandes
(British Deer Producer
Association) sagte uns, dass
Wildfleisch in Großbritannien geradezu boomt. Im Jahr
2013 gab es einen Verkaufsanstieg von 46% gegenüber
dem Vorjahr.
Die Handelsketten haben auf
diese starke Nachfrage reagiert und so hat Waitrose
Wildfleisch in der Saison von
September bis März im Verkaufsprogramm. Waitrose
setzt dabei auf heimisches,
britisches Wildfleisch aus der
Farmwildhaltung.
Für viele Betriebe ist das Rotwild ein wichtiger und interessanter Betriebszweig.
Gute Verkaufspreise
Ian
Robertson
Einige der Betriebe, die wir
besuchten, verkaufen Wildfleisch in Hälften. Dabei werden Verkaufspreise von 5,80
bis 6,80 EURO pro kg
Schlachtkörper erzielt. Der
Biopreis liegt bei etwa 6,60
bis 7,00 EURO.
Schlacht Preis je
Preis pro
gewicht
kg in €
Stück
65 kg
6,50
422,5 €
Die Schlachtkörper wiegen
bei etwa 18 bis 20 Monaten
alten männlichen und weiblichen Tieren ca. 60 - 80 kg. Es
wird wenig Getreide gefüttert.
„Pro Hektar ist das Rotwild
für die Fleischerzeugung der
Lämmerproduktion überlegen.“ Er verkauft einmal im
März die etwa 20 –22 Monate
alten männlichen und weiblichen Tiere und Hirsche an
Waitrose. Die etwa 60 Tiere
werden am Hof verladen und
werden 4 Stunden zum
Schlachthof transportiert.
Eier, Speck und Kartoffel zum
Frühstück
Die Nachfrage
nach Wildfleisch
steigt.
Wildhaltung ist
pro Hektar
gerechnet besser als
die Schafhaltung
(Ian Robertson).
Das englische Bier konnte
uns nicht voll überzeugen
Fachliche Zusammenfassung
England lehnt sich in der Farmwildhaltung an Neuseeland an. Kreuzungsmethoden, Künstliche Besamung und Embryotransfer sollen die Schlachtkörperqualität verbessern. Die Tiere werden teils in Stallungen gehalten,
die Fangstände sind meist einfach und funktionell. Schlachtiere werden
teils lebend zum Schlachthof transportiert und dort geschlachtet. Das
Abnehmen der Geweihe ist bei Spießern die gängige Praxis (auch auf Biobetrieben) und auch bei älteren Hirschen werden sie abgenommen. Die
Gehege sind deutlich größer und sehr oft ist die Farmwildhaltung mit
Trophäenjagd verbunden (siehe Warnham oder Badminton).
Unser Bus und das Red Lion Hotel in Salisbury
Fleischerei Pritchets in Salisbury verkauft Wildfleisch im Winter
Die gotische Kathedrale von Salisbury aus dem 13. Jahrhundert
Südwestengland / Dorset, Devon ...
Freilandschweine in Großbritannien
Die Kathedrale von Exeter (englische Hochgotik)
Enge Straßen mit Hecken bis zum Asphalt
Der Badeort Weymouth an der Ärmelkanalküste