Schreibschrift - Hierschreibenwir

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Schreibschrift - Hierschreibenwir
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Editorial
Es war einmal eine Zeitschrift, die auf HSW in aller Munde war. Das Volk schrie nach mehr, doch es
sein Rufen sollte nicht erhört werden.
Traurig, aber wahr?
Dieses Schmuckstück beweist euch das Gegenteil. Wir haben versprochen wieder zu kommen und
hier sind wir, um euch die neuste Ausgabe der Schreibschrift zu präsentieren.
Ereignisreiche Monate liegen hinter uns. Nicht zuletzt das große HSW-Treffen in Oberursel im Mai
2015 hat unseren Schreiberlingen die Köpfe rauchen lassen. Alles wollte wohl formuliert und
bebildert seinen Weg in die Zeitschrift finden.
Um dem Ideenüberschwung der Redaktion gerecht zu werden, den das Treffen auslöste, haben
wir uns erlaubt, das Heft zweizuteilen und einen extra Bereich nur für Oberursel und seien illustre
Gesellschaft zu reservieren. Wer also nur die reine Schreibschrift genießen möchte, ignoriere den
ersten Teil geflissentlich.
An dieser Stelle nehme ich mir die Zeit allen zu danken, die sich an der Zeitschrift beteiligt haben
und die mitgeholfen haben, all die Artikel zu verfassen. Ein besonderer Dank gilt Liana Caruso,
die kurzfristig für Macbeth eingesprungen ist und das Layout übernommen hat!
Im Namen aller beteiligten HSW-User wünschen wir euch viel Spaß beim Lesen der neuen
Schreibschrift!
Lob ist gern gesehen, Kritik darf wahlweise geäußert oder aufgemampft werden.
Eure Lucyyy
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Inhaltsverzeichnis
Das große HSW Treffen 2015
And the Edward goes to …..……………… 4
Die Nominierten …………………………… 8
Die Gewinner ………………………………. 10
Rezension: Der Joker ………………………. 38
1667 Worte ………………………………….. 40
Gemeinsam statt einsam! ………………… 14
Die Boxen ………………………………….. 16
Springer auf H3! …………………………… 17
Lianas Lieblings-Labels …………………… 19
Die Verlage ………………………………… 24
Die Schreibschrift 2016
Zwei-Satzund Zehn-Wort-Wettbewerb …………… 25
Projekt: Fortsetzungsgeschichte ……….. 27
Wie kommentiere ich richtig? ………….. 30
Das große RPG-Quiz ……………………. 32
Die Kriller-Charts ………………………… 36
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And the Edward goes to…
Von Lucyyy
Kaum eine Information sorgt im Vorhinein des großen HSW-Treffens für mehr Diskussion als das
Einladungsschreiben zu der Edward-Verleihung. Bietet bei den einen mehr der Name Grund zur
Unterhaltung und Diskussionsstoff, ist es bei den anderen eher der kleine Zusatz „Um
Abendgarderobe wird gebeten“.
Während einige darin ihren Traum verwirklicht sehen („Oh mein Gott - Abendgarderobe!!
Wuuuhuuu! Jaa!!“ – Liana Caruso), stellt es für andere eher eine Herausforderung dar („Ihr ruiniert
endgültig meine Pläne, mit leichtem Gepäck anzureisen ^^“ – Timothea. Rubin). Doch mit „Ich
war noch nie bei einer Edward-Verleihung eingeladen!! Ich bedanke mich herzlichst dafür, dass
mein innigster Wunsch in Erfüllung geht!“ bringt liz-lilalaunebär sehr gut auf den Punkt, was wohl
die meisten denken: Die Edward-Verleihung ist eine einmalige Gelegenheit, die man sich nicht
entgehen lassen darf.
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Topgestylt finden sich alle pünktlich um 18 Uhr im Gemeinschaftsraum ein, gewappnet mit dem
Wissen, wer nominiert ist - schließlich hat man im Vorhinein bereits abstimmen dürfen - dass das
Literatur-Quiz wohl Teil des Abends sein wird und dass ein besonderes Abendessen gereicht
werden soll.
Menschen sind Gewohnheitstiere und HSWler bilden dabei keine Ausnahme, daher ist es
nicht verwunderlich, dass sich die üblichen Verdächtigen an den Gruppentischen
zusammenfinden. Dessen sind sich auch die Organisatoren bewusst, denn ohne dass wir es
merken, losen wir uns selbst unseren neuen Gruppen zu: Unter jedem Stuhl kleben zwei Bonbons,
die einem den neuen Tisch zuweisen, auf welchem nämlich eben genau diese zwei Bonbons
kleben. So vollkommen neu gemischt, bietet sich eine sehr gute Möglichkeit, neue Leute
kennenzulernen. Mit den neuen Gefährten kann so in das Literatur-Quiz gestartet werden. Parallel
zu dem Quiz verläuft das Abendessen - das zusätzliche Geld lohnt sich wirklich. (Das vorherige
Essen war auf keine Weise schlecht, aber ein so großartiges Buffet macht wirklich jeden satt und
glücklich.)
Dank des leckeren Essens fallen auch das Raten und Denken leichter, sodass viele Fragen
mühelos gemeistert werden können. Das Quiz ist aufgeteilt in zwei sich abwechselnde
Kategorien, einmal alles zum Thema Literatur und einmal alles rund um HSW. Wenn auch einige
Antworten für große Diskussionsstoff sorgen (so gibt es einige Unsicherheiten, ob man bei den
Private Books die Kategorie „Tagebuch“ wählen kann oder nicht), erfährt man ganz nebenbei
auch viele Fakten über HSW, die man noch nicht wusste. Untermalt wird das Quiz außerdem von
Screenshots der alten rosafarbenen HSW-Seite, die bei den meisten nostalgische Erinnerungen
hervorruft.
Nachdem beim Literatur-Quiz ein Gewinnertisch ermittelt wird, dürfen sich alle Personen
dieses Tisches in noch einer weiteren Runde messen, in der nur geschätzt wird. So gibt es Fragen
dazu, wie viele Bücher pro Jahr in Deutschland erscheinen, oder wie viel Punkte der aktuell
Führende in der Buchpunkteliste hat. Aus dieser letzten Runde geht Sternenmalerin als
Gesamtsiegerin hervor, die kurz zuvor ihrer Tischgruppe noch anvertraut, dass Schätzen absolut
nicht zu ihrem Können zählen würde: „Eigentlich kann ich so etwas wirklich überhaupt nicht, aber
das werdet ihr mir wohl nicht glauben. Ich vermute, es war entweder Glück, Zufall oder Schicksal.
Oder alles zusammen.“
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Im Anschluss gibt es erst einmal eine Pause, bevor der eigentliche Gala-Abend starten kann .
Diese nutzen die meisten, um ihre tollen Outfits auf zahlreichen Fotos festzuhalten.
*
Sobald alle sich wieder auf ihren Plätzen eingefunden haben (diesmal bei freier Sitzwahl),
kann die eigentliche Preisverleihung starten. Als Moderatorin führt Pettygree durch den Abend,
die ihre Aufgabe sehr überzeugend meistert. Unterstützt wird sie von den Laudatoren, meist
bekannte HSWler, wie zum Beispiel diverse Co-Admins und andere aktive User. Als Untermalung
dient ein von Liana.Caruso geschnittenes Video, in dem die Nominierten präsentiert werden und
das mit Buchblättern ein Übergangsbild während der einzelnen Reden schafft. Nach einigen
Diskussionen im Vorfeld ist diese Redezeit aufgestockt worden, so dass nun allen Gewinnern vier
Minuten bleiben, die sie mit Dankesworten füllen können. Auch wenn dies in den wenigsten
Fällen leicht fällt.
Auch die Laudatoren geben sich alle Mühe in ihren Ansprachen alle Nominierte
angemessen zu würdigen. Nehmen wir als Beispiel [email protected], die uns mit ihrem KommentierSong wohl allen in Erinnerung bleibt. So fordert sie im Time-Warp-Style zu mehr Aktivität in
Sachen Kommentieren auf.
„Nur eine Anmerkung hier
Ein kleiner Vorschlag da-a-a
Grammatik und Stil
So konstruktiv wunderba-a-ar
Es ist die beste Funktio-o-o-on
Die es auf HSW gi-i-i-i-ibt
Kommentiert die PBs!
Kommentiert die PBs!“.
Auch wenn es wohl einen Zeitplan gibt, zieht sich der Abend über die vorgegebene
Nachtruhenzeit des Hauses hinaus und nach den negativen Erfahrungen mit der Betreuerin einer
Kindergruppe am ersten Abend, will nun wirklich niemand eine erneute Ermahnung wegen zu
hoher Lautstärke riskieren. So wird pünktlich um zehn aus dem normalen Applaus zu Elwens
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Glitzerregen das frenetische lautlose Klatschen, dargeboten in verschiedenen Formen, wie zum
Beispiel übertriebenem Händelwedeln oder eher im Dumbledore-Style. (Wer sich darunter nichts
vorstellen kann, der erinnere sich an den ersten Harry-Potter-Film und Dumbledores
enthusiastischen Applaus). So können auch nach 22 Uhr ausgezeichnete Preisträger angemessen
gewürdigt werden.
Und gewürdigt wird an diesem Abend viel. Neben den im Vorhinein abgestimmten
Kategorien (die in der beigefügten Tabelle noch einmal nachgelesen werden können), wird
außerdem noch ein Sonderpreis verliehen. So wird Misery Mystery, die es in diesem Jahr bereits
auf acht Jahre Mitgliedschaft bringt, die Auszeichnung als „HSW-Urgestein“ verliehen.
Aber die verliehenen Preise sollen nicht die einzigen Würdigungen bleiben, denn ohne
Organisatoren gibt es auch keine Preise. Ein kleine Gruppe HSWler hat einige Kleinigkeiten für
das Orga-Team organisiert, die sie ebenfalls im Rahmen der Gala überreichten.
Abgerundet wird die Gala mit dem wohl legendärsten Foto des Treffens. Immer noch
schick in Abendgarderobe finden sich viele auf dem zum Hause gehörenden Klettergerüst ein, um
dort ein gemeinschaftliches Foto zu machen. Es ist beeindruckend zu sehen, welche Kletterkünste
einige trotz der etwas unvorteilhaften Kleidung entwickeln.
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Mit der Edwards-Verleihung geht ein großartiger Abend zu Ende, an dem alle viel Spaß hatten
und der nicht nur die Gewinner um großartige Erinnerungen bereichert. Und nun …
Die Nominierten
Wer nicht in Frankfurt dabei war, den bitte ich nun, sich von seinem Platz zu erheben, um unseren
ehrwürdigen Preisträger auch im Nachhinein noch einen frenetischen lautlosen Applaus zu
schenken.
Profilbild:
Beste Jury:
Elwen Ithildin
Crushes
Swäya
Dystopie
[email protected]
Schleifchen
Vovo
Gedichte
Yuvi
Zauberfunke
Quasselstrippe:
RPG-Suchti
[email protected]
Cupcake
Liana Caruso
DarkKairi
Somoka
Tau
tattoo
Strawberry-Cake
Liana Caruso
Timothea.Rubin
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HSW Urgestein:
Misery Mystery & Wolf
Unersetzliches HSW Mitglied:
[email protected]
Tau
Hilfreichstes Mitglied:
[email protected]
Yuvi
Liana Caruso
Elwen Ithildin
Streitschlichter(in):
Rosenstrauch
Somoka
Elwen Ithildin
[email protected]
Yuvi
Vovo
Swäya
Timothea.Rubin
Misery Mystery
Elwen Ithildin
Yuvi
Strawberry-Cake
Somoka
Leserliebling:
Mei
Moloko
ElwenIthildin
Schlauchen
Liana Caruso
Rani
Tintenfleck
Swäya
Tau
Beste Kommentare:
Somoka
Somoka
Tau
Tintenfleck
Yuvi
Elwen Ithildin
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Gewinnerin: Misery Mystery
Auf HSW seit: 2007
Gewonnene Kategorie: HSW- Urgestein
Misery Mystery ist wohl die einzige aktive Nutzerin mit einer dreistelligen Nummer – das
beweist eindeutig, wie lange sie schon dabei ist. Jedem Nutzer dürfte sie ein Begriff sein.
Ein echtes Urgestein eben und so viel Hartnäckigkeit und Treue verdient auch einen Preis.
Gewinnerin: [email protected]
Auf HSW seit: 2008
Gewonnene Kategorien: Profilbild- Urgestein & Streitschlichterin
Wie verlässlich [email protected] ist, zeigt sich in den Kategorien, in denen sie gewonnen hat. So
hat sie zum Beispiel seit Jahren das gleiche Profilbild, sodass sich niemand umstellen
muss und man sie gleich erkennt, wenn sie zur Stelle ist. Wo wir direkt bei ihrer zweiten
Gewinnerkategorie wären, egal wo und wann heftige Diskussionen oder gar Streit
aufkommt: Es dauert nicht lange bis [email protected] auftaucht und ihn versucht zu schlichten.
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Gewinnerin: Tau
Auf HSW seit: 2011
Gewonnene Kategorie: RPG-Suchti
Tau ist eine leidenschaftliche RPGlerin, gründet selbst RPGs und ist bei den meisten RPGs
auf HSW aktiv. Durch ihre Erfahrung ist sie zu etwas wie die inoffizielle RPG-Auskunft
geworden und kann bei Fragen jeder weiterhelfen, um auch anderen Usern die Welt der
RPGs verständlich zu machen.
Gewinnerin: Schlauchen
Gewonnene Kategorie: Leserliebling
Schlauchens Erfolg begann ganz klein auf HSW, wo sie zu den meistgelesenen Usern
gehört. Mit „Mondscheinküsse halten länger“ durfte sie bereits bei einem großen Verlag
veröffentlichen und auch weitere Projekte stehen in konkreter Planung. Da ist klar, dass
niemand daran zweifelt, dass sie einmal richtig groß herauskommen wird. Wenn sie es
nicht jetzt schon ist.
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Gewinnerin: Liana Caruso
Auf HSW seit: 2011
Gewonnene Kategorie: Quasselstrippe
Wenn Liana Caruso im Kaffeekränzchen auftaucht, dann meistens, um etwas zu erzählen.
Egal was, sei es nur ein Erlebnis im McDonalds oder etwas anderes, sie berichtet und
informiert uns darüber, wie es sich für eine echte Quasselstrippe auch gehört.
Gewinnerin: Elwen Entenmama Ithildin
Auf HSW seit: 2010
Gewonnene Kategorie: beste Kommentare
Kritisieren muss gelernt sein, denn es ist gar nicht so einfach den perfekten Kommentar zu
schreiben. Außer man heißt Elwen und gehört zu den besten Kritikern auf HSW. Kaum
einer schafft es, dass kritische Kommentare so sehr motivieren, wie die von Elwen.
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Gewinnerin: Yuvi
Auf HSW seit: 2008
Gewonnene Kategorien: unersetzliches HSW Mitglied, hilfreichstes Mitglied
Egal welches Forum, egal welches Diskussionsthema, egal welches Problem – man kann
sich sicher sein, dass Yuvi immer zur Stelle ist. Stets bringt sie ihr Wissen und ihre
Erfahrung ein, um so eine Diskussion voran zu treiben. Zudem kann sich jeder, der mal
Hilfe braucht, darauf verlassen, dass Yuvi zur Stelle eilt. Und als aktivstes Mitglied ist es
nicht verwunderlich, dass es die größe Lücke hinterlassen würde, wenn Yuvi HSW den
Rücken kehren würde (was hoffentlich nie der Fall sein wird.)
Schleifchen-Jury
Seit 2011 begeistert der Schleifchen-Wettbewerb die HSW-Gemeinde. Neben den
schreibwütigen HSWlern, die sich über bis heute neun Schreibaufgaben freuen konnten,
war es vor allem auch die Jury, die viel Lob und Anerkennung erhielt. Unter der Führung
von Vovo enstanden eine Vielzahl an kreativen Aufgaben und auch die Auswertung war
stets eine faire Angelegenheit. Man spürte richtig, wie intensiv sich mit den einzelnen
Texten auseinandergesetzt wurde.
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Gemeinsam statt alleine!
Von Timothea.Rubin
Wie vorher bereits angekündigt gab es
Samstags und Sonntags diverse
Workshops, die sich die Organisatoren
überlegt und teils auch selbst
durchgeführt haben. Während ein Teil der
Gruppen die Zeit überdauerte, fielen
manche weg, während andere neu hinzu
kamen.
So gab es beispielsweise eine
Lyrikgruppe, die aber nach dem ersten
Vormittag in die ewigen Jagdgründe der
Schreibgruppen einging. Gewissermaßen
im Selbstzerstörungsmodus von innen,
denn nachdem die ersten die Gruppe
gewechselt hatten, bröckelte auch der
Rest zusammen.
Für diejenigen, die sich nicht unbedingt
der Lyrik widmen wollten, sondern ihren
eigenen Projekten, gab es die Gruppe
„Freies Schreiben“. Tische wurden
zusammengerückt, Steckdosen geentert
und fleißig an der eigenen Geschichte
weitergetippt. Auch wenn es vielleicht den
Anschein hatte, als würde jeder still vor
sich hin arbeiten, so war es doch für viele
eine Erleichterung, eine/n Leidensgenoss/
in neben sich sitzen zu haben.
Auch dem, der schreiben wollte, aber
schlichtweg nicht von der Stelle kam,
konnte geholfen werden. Ebenso
denjenigen, die sich ab der Mitte ihrer
Manuskripte über plötzlich auftauchende
Figuren ärgerten oder
plötzlich einen Toten zu viel im Keller
hatten.
Denn Vovo bot eine Schreibgruppe zum
Thema Plotten beziehungsweise
Schreibblockaden an. Wie sich
herausstellte, gab es keine akuten
Schreibblockaden, weshalb sich ausgiebig
dem Plotten gewidmet werden konnte.
Hierbei wurden verschiedenste PlottingMethoden vorgestellt, wie beispielsweise
Clustering, die Plotkurve oder die
Schneeflocken-Methode. Anschließend
sollte eine dieser Techniken auf das
eigene Projekt angewendet werden,
hierbei entschieden sich die meisten
Teilnehmer für die Plotkurve.
Zur Erklärung: Hierbei werden einzelne
Dinge, die während des Romans passieren
sollen, auf die typische Kurve eingetragen,
die sich in Einführung, Konflikt oder
Problem, Lösungsversuch, überraschende
Wendung, Höhepunkt mit Lösung und
Ende gliedert.
Außerdem gab es noch kreative
Aufgaben, wie zum Beispiel den Text einer
anderen Person fortzusetzen.
Am Samstagnachmittag wurde noch eine
weitere Gruppe eingeführt, die sich LiveKommentieren nannte, bei der Texte
vorgelesen wurden, die anderen
Teilnehmer sich Notizen machten und
dann über den Text diskutierten, ohne
dass sich der Autor währenddessen
rechtfertigen durfte. Die Teilnehmer
konnten an dieser Stelle nichts anderes
tun, als mitzuerleben, wie das eigene Baby
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genauestens analysiert und diskutiert
wurde, ohne es verteidigen können. Jedes
„Ja aber, das …“ wurde resolut
unterbrochen.
Kritik und Motivation zu erhalten war auch
das Ziel der so genannten
Lesepatenschaften. Hierbei wurde über
die eigenen Projekte gesprochen und
jemand gesucht, der einen und das
eigene Projekt quasi adoptieren wollte,
um sich gegenseitig zu unterstützen. Das
hat den Vorteil, dass es immer jemanden
gibt, der einigermaßen einen Plan vom
Projekt hat und dann in kleinen und
großen Notfällen superheldenlike durch
die Internetleitung schlittern kann und
vielleicht auch etwas besser helfen kann
als jemand, der nicht so stark in die
einzelnen Handlungen etc involviert ist.
Ich finde es gut, dass es so viele
verschiedene Möglichkeiten gab, so dass
jeder die Schreibgruppe wählen konnte,
die die aktuellen Bedürfnisse, was das
Schreiben angeht, am besten befriedigt
haben. Dadurch konnte jedem individuell
geholfen werden, sei es dadurch, dass es
einen Anstoß gab, wie es mit dem
eigenen Projekt weitergehen könnte, oder
auch nur eine Formulierung, die so
vielleicht nicht ganz schön war, aber durch
eine passende ersetzt werden konnte, weil
der Nachbar die Erleuchtung zu einer
besseren hatte.
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Die Boxen
Das Orga-Team hat mit den Boxen eine wunderschöne Idee ins Leben gerufen –
Jeder hatte seinen eigenen Karton der von anderen Mitgliedern
nach Lust und Laune beklebt, bemalt beschriftet und natürlich gefüllt werden durfte.
Hier seht ihr ein paar der wirklich sehr schön gewordenen Exemplare.
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„Springer auf H3“
Von AlocadaWho
"Die wichtigste Gabe, die ein großer
Schachspieler haben muss, ist meiner
Meinung nach eine üppige Phantasie. Er muss
in der Lage sein, sich aus der Welt
aufdringlicher Realitäten in einen Bereich
seltsamer Gestalten und Formen
zurückziehen, die er miteinander kombiniert,
um neue, nie da gewesene Situationen zu
schaffen."
Das sagte Reuben Fine, Schachgroßmeister
und Psychologe - wir können seiner
Einschätzung also getrost Vertrauen schenken.
Und so gern unsere literarischen Herzen rufen,
dass er mit diesem Zitat auch genauso gut uns
als Schriftsteller meinen kann, gibt es doch
einen kleinen Einwand: Die Trennung zwischen
der "aufdringlichen Realität" und den
"seltsamen Gestalten" ist nicht immer
eindeutig - wie wäre es sonst dazu
gekommen, dass auf unserem diesjährigen
inoffiziellen Forentreffen in Oberursel bei
Frankfurt Zaubererschach mit zu den liebsten
Beschäftigungen gehörte?
Wer einmal miterlebt hat, wie die Läufer,
Springer und Damen zum Leben erwachen
und ihre vielseitigen Meinungen kundtun,
muss zwangsläufig den Glauben daran
verlieren, dass es sich dabei um ein taktisches
und weitestgehend abstraktes Spiel handelt.
Nicht in der HSW-Gemeinde!
Alles begann mit einer harmlosen Partie auf
dem Hof, ganz bodenständig - an der einen
Grundlinie Rebekka alias little_butterfly, auf
der gegenüberliegenden Seite ich,
AlocadaWho. Wir schoben die kniehohen,
beschwerten Plastikfiguren hin und her und
irgendwie, ja, irgendwie fehlte etwas.
Wo war die schriftstellerische Komponente?
"Ihr müsst die Figuren durch Menschen
ersetzen", sagte man uns im Vorbeigehen, als
sei das absolut selbstverständlich, und "Stellt
euch selbst aufs Feld - das ist dann
wie bei Harry Potter".
Und schon war der kleinste gemeinsame
Nenner gefunden: Geboren war ein neuer
Sport - ein Teamsport sogar, voller Siegeswille,
Kampfeslust und Leidenschaft - vor allem
innerhalb der Teams.
Die Verteilung der Rollen verlief nach dem
Prinzip der urdemokratischen Rechtsregel
"wer zuerst kommt, mahlt zuerst". Im Laufe
der Tage entstand aber nach und nach ein
stabiler Kern, der zumindest, wenn die
Oberursel White Queens (Teamleitung
AlocadaWho) gegen die Black Pampa Girls
(Teamleitung littly_butterfly) aufliefen,
anwesend war.
Bei allen anderen Partien, die um einiges
mehr an den kopflastigen Ursprungsgedanken
des Spiels erinnerten, wurde das Spielfeld
gern so enthusiastisch gestürmt, dass die
grübelnden Parteien augenblicklich den
Überblick verlieren mussten. Jeder, der sich
mit einer Rolle identifizierte, positionierte sich
breitbeinig über jener, stemmte sie sich locker
an die Hüfte oder schleppte sie gleich resolut
vom Platz.
Dies führte zu neuen Ansprüchen an einen
Spieler: Nicht nur, dass man den Gesichtern
einen Namen, einen Nicknamen und am
besten noch ein paar weitere Attribute
zuordnen musste, jetzt kam auch die
Schachfigur dazu, die jeder der Spieler mit
Inbrunst ausfüllte. Jeder wollte eine wichtige
Aufgabe haben, jeder wollte sich bewegen am besten noch jemanden schlagen und
niemand wollte selbst am Rande des Feldes
landen (auch, wenn Reinkarnationen durchaus
möglich waren). Es war die Aufgabe des
Teamleiters, mit den vielen Anforderungen
und Bitten zurecht zu kommen, das Volk oder
die Mannschaft zufrieden zu stellen und
trotzdem die eigenen Entscheidungen
durchzusetzen. Wie im wahren Leben gibt es
dafür verschiedene Strategien, die mehr oder
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minder gut funktionierten - und wie im wahren
Leben macht einen guten Heeresführer noch
lange keinen Sieger aus.
Ich ging zweimal glorreich unter und einigte
mich bei der letzten Schlacht im strömenden
Regen, die wir Eins-gegen-Eins ausfochten,
nach verschenkter Führung auf ein
Unentschieden.
Das Schöne ist allerdings, dass es darum gar
nicht ging. Nicht ums Gewinnen oder
Verlieren, nicht um den ultimativen Triumph,
den König der Gegner in die Enge getrieben
zu haben, nein, vielmehr war es die
Gemeinschaftlichkeit, das gemeinsame
Tüfteln, das Lernen voneinander und der
Spaß, der einen zwangsläufig
zusammenschweißte, was die Magie des
Zauberschachs ausmachte.
Und für alle, die wie ich verzweifelt versucht
haben, sich zu erinnern: Ron spielt den
Springer, Hermine einen Turm und Harry einen
Läufer.
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Lianas Lieblings-Labels
„Also Liana, willst du dich öffnen?“
„Ich? Äh … okay … also … hm. Also, ich heiße Liana …“
„Hallo Liana“, ertönte der sonore Stimmenchor.
„Und ich … äh … weiß eigentlich gar nicht warum ich hier bin.“
Der strenge Blick der Gruppenleiterin ließ mich zusammenzucken und ich schluckte.
„Na gut, ich bin hier, weil ich angeblich süchtig nach Klamotten bin. Stimmt aber gar nicht“, fügte
ich trotzig noch hinzu …
So, oder so ähnlich könnte das wohl ablaufen, wenn meine Mutter ihre Drohung, mich in eine
Selbsthilfegruppe zu stecken wahr machte. Vollkommen übertrieben natürlich. Aber kurz bevor es
nach Frankfurt ging hatte ich so ein ähnliches Gespräch. Mitten in der Nacht, weil ich erst um elf
Uhr heim kam, mit einer Freundin, die bei mir übernachtete.
Ich hielt den weißen Anzug hoch und sie schüttelte den Kopf.
„Nein.“
Den Blauen.
„Nein.“
Den Grauen.
„Nein.“
Den Schwarzen.
„Davon hast du schon zwei eingepackt!“
„Unsinn, der sieht ganz anders aus.“
„Hä? Er ist schwarz!“
„Ja, und der andere hat doppelte Nadelstreifen!“
„Ach, und der Dritte?“
„Der hat nur einfache Nadelstreifen.“
„Und du meinst, du brauchst die alle drei?“
„Ähm … ja? Hallo … vier Tage und so?“
„Ähm hallo, drei Kleider, zwei Blazer, drei Hosen, fünf T-Shirts, vier Tops und zwei Jacken und so?
Dein Koffer ist voll!“
„Gar nicht. Da ist noch locker Platz“, erwiderte ich, während ich den Anblick des fast aus den
Nähten platzenden Koffers geflissentlich ignorierte. Steffie beugte sich vor und mampfte ihre
Chips.
„Jetzt mal ehrlich, denkst du nicht, dass du übertreibst? Es reicht doch, wenn du dich … sagen wir
zweimal umziehst!“, meinte sie kauend.
Bei dem Gedanken schüttelte es mich. Zweimal umziehen? Um Gottes Willen. Ich verstand ja gar
nicht, wie andere Menschen tatsächlich den ganzen Tag in den gleichen Kleidern rum laufen
konnten! Meh.
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„Das verstehst du nicht“, konterte ich.
„Nein, das versteh ich nicht! Ich mein, guck dich doch mal um! Dein Zimmer besteht aus
Klamotten und Büchern! Klamotten und Bücher, überall nur Klamotten und Bücher!“
„Übertreib nicht, da steht auch noch ne Couch.“
„Ja! Und die ist voller Klamotten und Bücher!“
Verdammt.
„Jetzt lass mich in Ruhe. Hilf mir lieber und setz dich auf den Koffer.“
„Sag mal, nimmst du nicht noch zwei andere Mädels mit?“
„Ja?“
„Und wie sollen die bitte ihre Koffer da rein bringen? Wenn dein ganzes Auto schon voll ist?“
„Ist doch nur der Koffer!“
„Ehee … Und dein Bademantel und deine Hausschuhe und dein Bettzeug … mal ehrlich, wer
nimmt denn schon sein ganzes Bettzeug mit! Bettwäsche war verlangt!“
„Ich brauche mein Bettzeug nunmal!“
„Und wieso?“
Ich brummte nur vor mich hin.
Am nächsten Morgen gings los. Mein Koffer, meine Anzüge,
meine Schuhe …
„Sechs Paar Schuhe? Spinnst du?“
„Die brauche ich!“
„Wozu denn?“
„Du hast doch gesehen, wie viele Outfits ich dabei hab.
Outfits bestehen auch aus Schuhen.“
Gegen diese stichhaltige Argumentation konnte sie nichts mehr einwenden. Ha!
„Na dann. Viel Spaß“, meinte Steffie nur noch kopfschüttelnd, drückte mich und ging ins Haus.
Und los gings.
Als ich am Nürnberger Hauptbahnhof meine beiden Mitfahrerinnen abholte, wurde mir ganz
bang, als ich sie sah. Ich hatte keine Angst davor, dass ihre Koffer nicht reinpassen würden – die
waren schön klein – ich hatte eher Angst dass sie nicht reinpassen würden. Stockmaß 1,80. Boah,
da konnte man neidisch werden. Aber okay, mein kleines Auto bewies ein großes Herz, wir
pressten uns alle hinein und auf ging es nach Frankfurt. (Und mein Bettzeug erwies sich als
äußerst nützlich. Zumindest für Rebekka, die hinten sitzen musste.)
Wir waren die ersten, die ankamen, neben den Organisatoren. Rebekka und ich bezogen als die
ersten beiden unserer Gruppe das Zimmer und ich lugte heimlich unter dem Vorhang hindurch –
den ich vorher sorgsam zugezogen hatte - um den ankommenden Leuten nachzuspionieren und
zu spekulieren, welches Gesicht sich hinter welchen Nicknamen verbarg. Solange, bis Rebekka das
Bad verließ und ich mich geradezu fluchtartig hineinstürzte um mir endlich die alten Kleider vom
Leib zu reißen. Eine Hose aus Leder, die eigentlich gar kein Leder war, sondern Stoff, der nur
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vorgab Leder zu sein und die Bluse dazu. Ich schlüpfte in meinen schwarzen Anzug – den ohne
Nadelstreifen, der von Steffie so banal verkannt wurde – und wartete auf das Abendessen.
Nach dem Abendessen kam die Vorstellrunde und ich
wurde zunehmend nervöser. Wir machten jede Menge
Spiele. Das und meine Aufregung führten innerhalb
kürzester Zeit schon dazu, dass ich mich in den Kleidern
nicht mehr wohl fühlte, aber auf einmal fielen mir Steffies
Worte wieder ein. Ich wollte nicht, dass sie mich für
verrückt hielten, also hielt ich tapfer bis zum Ende durch
und stellte dann fest, dass ich meinen Schlafanzug
vergessen hatte. Na gut, dann mussten halt Leggins und
Prada-Shirt herhalten. Zumindest meine schicken HasenPuschen hatte ich eingepackt.
Der nächste Tag startete mit einer wundervollen Geburtstagsüberraschung von meinen Eulen, bei
der es mit die Sprache glatt verschlug.
Danach schlüpfte ich in T-Shirt, Hose und Blazer – knallrot – und lief den anderen hinterher, zum
Frühstück. Bis ich bemerkte dass ich meine Hasen noch an den Füßen hatte. Umdrehen. Welche
Schuhe? Die schwarzen? Die anderen schwarzen? Die silbernen? Oder die schwarzen?
Verdammt, wieso zum Teufel habe ich die roten nicht mitgenommen? Scheiß Steffie.
Auf zum Frühstück. Nach dem Frühstück musste ich mich wieder
umziehen – obwohl ich mir hoch und heilig geschworen hatte, es
mindestens eine Stunde durchzuhalten – weil ich echt zu dumm zum
Essen war.
Also hüllte ich mich in eine traumhafte Robe aus Seide, zart
lavendelfarben von Hallhuber. Es war eh viel zu warm. Als sich die
Schreibgruppen zusammen sammelten wurde mir aber irgendwie
klar, dass das vielleicht ein bisschen hochgegriffen war. Also lief ich
eine viertel Stunde so rum und … zog mich um. Was
ganz Einfaches diesmal, ein selbst gemachtes T-Shirt, mit dem ich
schon einige böse Blicke eingefangen hatte. Was drauf stand?
„NY don´t <3 U“
Warum ich das gemacht hatte? Weil die wenigsten Idioten, die so
einen Pullover stolz in der Gegend rumtrugen New York auch nur
aus der Entfernung gesehen hatten. Zumindest in der DorfAnsammlung aus der ich her kam. Es war schon ulkig beizeiten,
wenn man mich völlig empört anblickte, als wollten sie mir sagen:
„Wie kannst du es wagen!? New York soll mich nicht lieben? MICH???“
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In den nächsten zehn Stunden hatte ich einige nette Konversationen, einen Grillabend, ein
Fußballspiel, ein Zauber-Schachturnier (das meine Idee war und trotzdem wurde ich von meiner
Spielerin (ich war ihre Königin) auf gemeinste Art und Weise in der dritten Runde geopfert und
aussortiert! Pah!) und eine Lagerfeuer-Nacht.
Das Blöde war, dass ich weder mein Fußball-Outfit (schwarz-weiß), noch
mein Schach-Outfit (weiß-schwarz) dabei hatte. Wozu genau hatte ich das
Zebra-Outfit (Warz-Schweiß) eingepackt? Doch zumindest konnte ich mit
einer traumhaften Bluse von Desigual aufwarten. (Dummerweise war sie
fast transparent und darum nicht sehr gut geeignet Kälte fernzuhalten,
aber sehr leicht entflammbar, weswegen ich mich in der tiefsten kalten
Nacht nicht zum Feuer hinsetzen konnte. Also zog ich mich um.)
Am Lagerfeuer schaffte ich es, mir eine volle Schubkarre auf meinen
Fuß krachen zu lassen und eben diesen Fuß dann bei einer völlig
bescheuerten Karate-Kit Aktion zusätzlich zu demolieren. Es wurde trotzdem ein schöner Abend,
obwohl irgendwann auf einmal alle anfingen zu singen.
Ich sah mich in der Bredouille. Ich hatte weder meine Gesangs-, noch meine Opern-, oder meine
Chor-Klamotten dabei, ohne die ich einfach nicht singen konnte. Mal abgesehen davon, dass ich
sowieso nicht singen konnte. Mein Gesang brachte Glas zum Platzen und Leute zum Flüchten.
Also hielt ich einfach die Klappe. Und während mir dank Dragomirs Stimme bei den „Misty
Mountains“ die Gänsehäute rauf und runter liefen, überlegte ich, mit welchem Outfit ich ihn wohl
beeindrucken könnte. So ein Mist. Ich hatte mein Beeindruck-Dragomir-Outfit
nicht dabei. Was hatte ich denn überhaupt dabei???
Den nächsten Fehler machte ich bei der Nachtwanderung, vor der ich mich
aus lauter Frust nicht einmal mehr umzog. Ich machte meine Gedanken kund,
dass Dragomir mit seinen Locken, seiner Statur und dem hochgestellten
Kragen seines Hoodies im Dunkeln aussah wie Sherlock. Woraufhin sich
beinahe sämtliche Köpfe, die auf einem weiblichen Hals saßen wie aufs
Stichwort gemeinsam zu ihm umdrehten. Fuck. Hoffentlich lebt der morgen
noch.
Er lebte noch.
Am zweiten Tag gingen die Schreibgruppen wieder
an, und ich zog als Erstes einen Jumpsuit mit beigen Oberteil an, der
ewig lange Beine zauberte. Aber nicht etwa, weil er ewig lange Beine
zauberte – sondern weil er farblich das einzige war, das zu meinen
Hasen-Hausschuhen passte. Denn mein Fuß, der mittlerweile auf
beinahe doppelte Größe angeschwollen war, passte in nichts anderes
mehr rein. Also humpelte ich so stilvoll ich auch nur konnte, in HasenPuschen und Jumpsuit umher, bis sich mein Fuß wieder einigermaßen
beruhigt hatte. Doch dann fiel mit ein, dass ich noch ein wunderschönes
Seite 22
weißes Kleid dabei hatte, zu welchem die beigen Hasen eventuell auch passen würden …
Dann wechselte ich die Farbe, und schlüpfte in einen ganz und gar schwarzen Overall. Und in
diesem hielt ich sogar beinahe den restlichen Tag durch – Dragomir und ich arbeiteten an meine
„Tulpenträne“ weiter, Monika Feth kam und ging und wir aßen zu Abend … vorher hatten wir eine
Stunde Zeit, unsere Abendgarderobe anzulegen. Ich machte Rebekka und Lucy die Frisuren,
weswegen ich keine Zeit mehr fand mich umzuziehen. Obwohl ich in dem Jumpsuit genauso auf
jede Gala hätte gehen, weil ich es grundsätzlich bevorzugte mich schick anzuziehen, schämte ich
mich beinahe zutiefst. Immerhin hatte Alocada mir bereits anvertraut, dass meine Angewohnheit,
mich öfters am Tag umzuziehen wohl doch nicht so unauffällig geblieben war, wie ich gehofft
hatte, und dass es mittlerweile sogar schon Leute gab, die Wetten auf mein Gala-Outfit
abschlossen. Gott sei Dank war nach dem Abendessen noch einmal eine halbe Stunde Zeit und
ich konnte in das heiß begehrteste Outfit des ganzen Wochenendes schlüpfen. Wann immer man
mich gefragt hatte – und das war über die drei Tage sogar erstaunlich oft gewesen – was ich denn
bei den Edwards anziehen würde, antwortete ich „Schwarz und Bodenlang“.
Ich hatte ja nie behauptet, dass es ein Kleid war.
Die Gala wurde wunderschön, es gab ein Zauberschach-Duell in Abendkleidern, manche rannten
in bodenlangen Kleidern einfach mal quer durch die Wiese, wir schossen ein Foto auf dem
Klettergerüst … und Jana trug mich dann schließlich wieder hinein, da mein Fuß schon wieder
zickte. Ich hatte ihn selbstverständlich doch in die High Heels gezwängt, dafür war ich schlicht
weg zu stolz. Vovo rettete mich mit einer Zink-Salbe. Und Gwydion hob die Stimmung mit seiner
süßen Idee, alle in sein selbstgebundenes Buch schreiben zu lassen. Wobei sich danach
herausstellte, dass ihm jeder die Idee geklaut hatte. Ich nicht. Ich hatte sie mir gekonnt
abgeguckt. Das war ein Unterschied.
Der letzte Tag endete mit viel Gelächter beim Spiel „Freeze“, wo sich dann alle nach und nach
verabschiedeten. Ich lief mit einer Box voller süßer Nachrichten, einem Buch voller schöner Briefe
und einem Kopf voller toller Erinnerungen heim. Und dort stellte ich fest dass sich zwei Sätze in
wirklich beinahe absolut jeder Nachricht wiederholten:
„Ob man dich mag oder nicht. Du bist einzigartig.“
Und einer der mich ganz und gar stolz machte, denn auch wenn meine vielfältige Kleider-Auswahl
am Tag wohl einige verwirrte, kamen die Leute um eine Erkenntnis nicht herum:
„Du hast echt Stil.“
Seite 23
Einige Verlage haben dem Orga-Team letztes Jahr freundlicherweise
Leserexemplare aus ihrem Bücher-Sortiment geschickt.
Hiermit bedanken wir und herzlichst für die großartige Unterstützung, die
so einigen HSWlern große Freude bereitet hat!
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2-Satz-Wettbewerb und 10-Wort-Wettbewerb
Die Wettbewerbstitel sind im Grunde selbsterklärend. Bei dem einen durfte der Beitrag
aus nur zwei Sätzen bestehen, bei dem anderen aus gerade mal zehn Worten. Wie kreativ
man trotz so geringer Wortzahl sein kann, zeigen euch die besten Beiträge:
Zwei-Satz-Wettbewerb
Ein Jahr ist sie nun tot und noch immer hat die Polizei weder Leiche noch Tatverdächtigen
vorzubringen. Aus Gewohnheit wähle ich ihre Nummer, um ihre Stimme auf der Mailboxansage zu
hören, da klingelt irgendwo im Zugabteil ein Handy.
- AlocadaWho
Das Glück schießt durch die Spritze in mein Blut, durchflutet meinen Körper, pulsiert in all meinen
Adern, übernimmt die Kontrolle, macht mich wahnsinnig, verlässt mich süchtig.
Atemnot, Muskelzucken, Blackout, mein Glück ist mein Unglück zugleich.
- Lottili
Das Leben ist wie Mathematik. Man kann es verstehen, wenn man sich damit auseinandersetzt.
- moonwalker
Wir sind nicht schizophren. Wir hassen nur die Einsamkeit.
- MWV
Wir sitzen hier oben auf der Dachterrasse, nur gedämpft dringen die Geräusche des Verkehrs
nach oben, die Herbstsonne brennt verblüffend heftig auf uns herab und ich sehe deinen
geschickten Fingern zu, wie sie die kleinen Dominosteine auf dem Boden platzieren, in immer
gleichem Abstand und mit ruhigen Händen, höchste Konzentration in deinem Blick, und als du
alle Steine in einer Reihe aufgestellt hast, hebst du den Kopf, siehst mir in die Augen und grinst.
»Werther-Effekt«, sagst du, während du dem ersten Stein einen Schubs gibst und deine DominoKette, ein Glied nach dem anderen, mit einem leisen Klicken in sich zusammenfällt.
- Witness
Seite 25
10-Wort Wettbewerb
"Geld ist Leben. Lasst uns Tiger töten", sagte er lachend.
- xJohannax
Elfen flogen auf den Mond, plötzlich war ich auch eine.
- .Amelie.
Limonadenverkauf eines Grundschülers steigert sich explosionsartig.
Kokainfund in den Proben.
- NelGrimm
Wenn das Licht der Sonne am Horizont erlischt. Wie wir.
- Vika
Zerstückelt von Verzweiflung schreit er sein Herz in die Welt.
- Xan
Ist euch aufgefallen, dass alte Menschen immer blaue Augen haben?
- astronaut
"Ach?", fragte sie nur. "Spiel doch auf meinen Rippen Klavier."
- Bastet
Und sie ließ Bäume wachsen, dort wo einmal Wunden waren.
- Lilly-Summer
Umzug. Neue Schule, neue Freunde. Neue Adresse: an der Nadel.
- Nia November
Sind auf einer Wellenlänge, aber schwammen nie im selben Meer.
- stigmatisiert
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Projekt: Fortsetzungsgeschichte
Von Lucyyy und Tau
Obwohl ihr es uns mit euren tollen Beiträgen nicht gerade leicht gemacht habt, eine
Entscheidung zu fällen, haben wir uns letztendlich für einen Text entschieden, der uns besonders
mit seinen kreativen Ideen und einem ersten Einblick in die Anstalt überzeugt hat. Besonders die
Einbindung der ersten Ansätze wurde gut übernommen. Das rothaarige Mädchen überrascht mit
ihrer Reaktion, Edas Gedankengänge regen zum Nachdenken an und lassen sich schnell
nachvollziehen, und die eingebauten Charaktere könnten tatsächlich lebende Personen sein.
Während der Leser sich langsam an die Welt der Anstalt gewöhnen kann, baut die Autorin auf
charmante Weise Informationen zum Aufenthalt der Protagonistin ein und lässt am Ende Raum für
den nächsten Teil.
Nun wollen wir euch aber nicht weiter auf die Folter spannen, sondern präsentieren euch „Eda“
von Goldschatz.
**
„Wenn du nicht lachen kannst, dann versuch
Schläfe herunterhängen. „Ach vergiss es.“ Ich
es auch gar nicht erst.“ Ich erschrak etwas, als
stand auf, nahm meine Tasche und begab
sie plötzlich mit mir sprach. „Wenn du nicht
mich auf die Suche nach einer kompetenteren
lachen kannst, dann versuch es auch gar nicht
Person.
erst.“ Sie nahm eine von ihren Haarsträhnen
Die Flure schienen hier endlos lang zu sein.
und begann sie zu flechten, wobei sie den
Laut hallten meine Schritte auf dem kühlen
imaginären Punkt an der Wand immer weiter
PVC wieder und ich stellte fest, dass entgegen
anstarrte, als würde demnächst etwas
meiner Vermutung alle Pflanzen hier echt
Spannendes dort passieren. „Wenn du nicht
waren. Zu viele Pflanzen stehlen einem den
lachen kannst, dann vers…“
Sauerstoff. Man kann nicht mehr atmen, man
„Das hast du schon gesagt“, unterbrach ich
bekommt keine Luft. Es ist nicht erlaubt, hier
sie.
frei zu atmen. Am Ende des Flures musste ich
„…uch es auch gar nicht erst“, murmelte sie
eine Entscheidung treffen. Gehe ich nach
schnell. Ich stöhnte und lehnte meinen Kopf
links, oder gehe ich nach rechts?
gegen die kühlen Fliesen. Das war schlimmer,
„Eda?“, hörte ich eine Stimme hinter mir. Ich
als ich dachte. „Ich bin Eda“, sagte ich
drehte mich um. „Bist du Eda Kinsky?“
schließlich, allerdings nur um die Stille nicht
länger ertragen zu müssen. Keine Antwort.
„Wie heißt du?“ Sie hatte den Zopf fertig
geflochten und ließ die Strähne lose an ihrer
Eine Frau stand vor mir, vielleicht gerade
vierzig geworden, mit blonden Haaren und
einem weichen, blauäugigen Blick. Sie
lächelte.
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„Ja“, antwortete ich.
Ihr Lächeln wurde breiter. „Wie schön dich
kennenzulernen, Eda. Ich bin Doktor AnneSophie Palmov, die leitende Stationsärztin.
Warst du schon bei Vivien?“
Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Um ehrlich zu
sein, sind Sie die erste Person, mit der ich
rede...“ Ich zögerte. „...bis auf das rothaarige
Mädchen im Eingang.“
Doktor Palmov nickte. „Das ist Josefine. Du
Ich drehte mich um. „Verreckt doch alle an
eurer eigenen Pisse!“ Ich sah, wie ein
Mädchen aus der Tür rannte und direkt auf
mich zukam. „Aus dem Weg!“, schrie sie mich
an und schlug die Glastür auf, von der ich
beinah erschlagen wurde, wäre ich nicht
rechtzeitig beiseite gesprungen. Entsetzt
starrte ich ihr hinterher. Keine drei Sekunden
später kamen zwei Männer um die Ecke.
„Bleib stehen Tascha!“, rief der eine von
ihnen. Ich sah, wie sie das Mädchen
wirst sie da oft sitzen sehen“
verfolgten, ehe sie aus meinem Blickfeld
Sie zog einen Pieper aus ihrer Tasche und
suchte ich nach meiner Fassung, bis ich sie mit
schaute darauf. „Ich hab nicht viel Zeit“, sagte
sie, „Komm, ich bringe dich zu Vivien. Sie ist
die Leiterin deines Wohntraktes.“
Wir gingen den Flur hinunter. Rechts entlang.
„Lass dich von dem ersten Eindruck nicht
täuschen. Sie ist viel weniger Drache, als sie
zunächst scheint.“
Doktor Palmov hielt vor einer Glastür, die den
Weg zu einem weiteren Gang versperrte.
„Geh den Flur runter bis zum Zimmer 003.
Dort klopfst du und sagst, dass du
verschwanden. Für einen kurzen Moment
dem Gedanken wiederfand, mich an so etwas
in Zukunft wohl gewöhnen zu müssen. Was
dieses Mädchen wohl dazu veranlasst hatte,
einen derartigen Aufstand zu machen?
Mit schnellen Schritten ging ich den Gang
runter, bis ich vor Zimmer 003 stand. Ich
klopfte an die Tür und wurde kurz darauf mit
einem barschen „Herein!“, eingelassen. Eine
etwas dickliche, mittelalte Frau begrüßte
mich, indem sie mit einem abgekauten
Bleistift auf einen Holzstuhl zeigte, der vor
ihrem Schreibtisch stand.
angekommen bist“ Ihr Pieper ertönte. „Die
„Setz dich“, sagte sie, ohne von ihren
Mädchen deines Traktes nennen sie ‚Tante Vi‘.
Papieren aufzublicken. Ich kam ihrer
Aber lass dir das vor ihr nicht anmerken. Sie
kann den Namen nicht ausstehen.“
Ein letztes Lächeln, ein warmer Händedruck,
dann verließ Doktor Palmov mich.
Gedankenverloren schaute ich ihr hinterher,
bis sie um die Ecke verschwunden war.
Theoretisch könnte ich einfach abhauen. Wie
selbstverständlich meine Sachen nehmen und
rausspazieren. Ich könnte…, mein
Gedankengang wurde von einem lauten
Aufforderung nach und ließ mich auf das harte
Holz sinken. Für einige Sekunden sagte keiner
von uns etwas. Die Frau kreuzte emsig und
routiniert Felder auf ihrem Papier ab,
stempelte und heftete es anschließend in
einen Aktenordner. Dann schaute sie auf und
ein Paar warme, dunkelbraune Augen trafen
mich.
„Eda Kinsky?“, fragte sie und kramte ein Blatt
Papier hervor. Ich nickte. Sie fuhr mit dem
Husten unterbrochen. „Verdammtes
Finger über die Seite, nahm einen Stift und
Hurenpack!“, rief jemand hinter der Glastür.
schrieb irgendwas drauf.
Seite 28
„Ich bin Vivien, die Leiterin des Wohntraktes
Genau. Dann sehen wir weiter.
4. Wir sind ein reiner Mädchentrakt.“ Sie
reichte mir eine Broschüre. „Das sind unsere
Hausregeln. Wenn du sie einhältst, werden wir
beide keine großen Schwierigkeiten
miteinander haben."
Ich nahm das Heftchen entgegen und ließ es
auf meinen Schoß sinken, ohne einmal
hineinzugucken.
„Deine Aufenthaltszeit beträgt sechs Monate,
ist das richtig?“ Ich nickte wieder. Eine
Bewegung, die ich wohl bis zum Ende meiner
Behandlung perfektionieren musste.
„Du teilst dir ein Zimmer mit Krisha. Sie ist vor
einer Woche hier aufgenommen worden und
wird vermutlich genauso lange wie du hier
bleiben.“ Sie schaute mich an. „Das hängt
natürlich ganz von euren Fortschritten ab.“
Jetzt schluckte ich. Ja, egal wie lange ich hier
blieb, man ließ mich erst wieder gehen, wenn
man meine Zurechnungsfähigkeit bestätigen
konnte.
„Ich gebe dir deinen Zimmerschlüssel und
einen Zettel für Doktor Palmov, sie …“
Ich unterbrach. „Wird Doktor Palmov mich die
nächsten Monate therapieren?“
Die Augenbrauen der Frau zogen sich kaum
merklich zusammen. „Nein“, sagte sie
langsam. „Dein Therapeut wird vermutlich
Doktor Alexander Kulikov sein. Genaueres
erfährst du aber morgen. Ich bringe dich erst
einmal zu deinem Zimmer. Dann sehen wir
weiter.“
Seite 29
Wie kommentiere ich richtig?
Eine vollkommen ernst gemeinte und unglaublich hilfreiche Anleitung von Lucyyy und mud.girl
Formalia
• Halte den Kommentar möglichst kurz, damit der Schreiber mit dem Lesen nicht zu viel
seiner eigentlichen Schreibzeit vergeuden muss. Mehr als fünf Zeilen inklusive Begrüßung und
Verabschiedung sind oft schon zu viel.
• Bei der Aufarbeitung von Massenschulden: Fasse deinen Kommentar möglichst neutral,
damit er unter recht viele Texte passt. Das spart Arbeit und somit Lebenszeit.
• Denk daran: Satzzeichen sind Rudeltiere. Erst dann verstehen alle, was du meinst!!!!
Flammenvergabe
• Begründe nicht deine Flammengebung. Diese sollte allein für sich selbst sprechen.
• Bei Vergabe von nur einer Flamme denk immer daran: Wenn der Autor nicht schreiben
kann, kannst du ihm auch nicht helfen.
• Gib nie mehr Flammen, als du selber bekommen hast. Der Autor könnte sonst zu
Übermut und übermäßigem Selbstvertrauen neigen.
Inhalt des Kommentars
• Mach in deinem Kommentar ruhig dieselben Fehler, die du im PB kritisierst. Das zeugt
von deiner Verbundenheit mit dem Autor, somit auch von Textverständnis und deiner Fähigkeit,
sich dem Niveau anderer anzupassen.
• Bei logischem Wirrwarr im Text geh lieber nicht näher darauf ein, Unverständnis ist
peinlich und schädigt das Image. Bei einem echten Buch sitzt ja schließlich auch nicht der Autor
neben dir und erklärt alles.
• Man sollte auch keine Textzitate markieren, damit der Autor nicht direkt merkt, dass das
PB wirklich gelesen wurde. Es könnte zu Verwirrungen führen.
• Bei Interpretationen ist Kreativität gefragt:
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Das, was als selbstverständlich erscheint, gehört mit absoluter Sicherheit hinterfragt. Erste
Eindrücke und Gedanken sind grundlegend falsch, offensichtliche Informationen führen gern in
die Irre.
• Bei Gedichten ist es völlig überflüssig, Reimschemata und Versmaß zu bekritteln. Wir
sind hier ja nicht im Deutschunterricht, sondern auf einer Hobbyplattform.
Tipps von Profis für Profis
• Trage Diskussionen zu Bewertungen nicht an Ort und Stelle aus, sondern gehe damit
lieber in ein Forum (Wutecke, Kaffeekränzchen). Dort kriegst du hilfreiche Hilfe von Usern, die sich
um dich kümmern und Stellung beziehen. Wir sind ja schließlich hier, um uns gegenseitig zu
unterstützen.
• Zu guter Letzt gib ausführliche Angaben, wo und wie du gerne deinen
Revanchekommentar hättest. Du kannst den Anderen ja nicht hilflos vorm Bildschirm hocken
lassen. Außerdem wirkt der gesamte Kommentar dadurch gleich viel länger und genauer.
(Zusätzlicher Style-Tipp: Links mit Erklärungstext drumherum sehen generell weniger nackt aus.)
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Welcher RPG-Charakter kennt die anderen RPGs am besten?
– Das Quiz
von Tau
Ein großer Saal, der an Shows wie Wetten, dass..?, Wer wird Millionär? oder Schlag den Raab
erinnert. In der Mitte befinden sich vier orange-grüne Sofas, auf denen jeweils zwei Menschen
Platz genommen haben. Dann ertönt eine Melodie, die der der Edwards-Verleihung gefährlich
ähnlich scheint, und die beiden Moderatoren der Show betreten die Bildfläche.
Moderator: Willkommen, meine Damen und Herren! Willkommen zur allerersten Ausgabe
von Welcher RPG-Charakter kennt die anderen RPGs am besten? Das Quiz!
Moderatorin: Wir freuen uns, Ihnen heute acht Charaktere aus vier wirklich interessanten
RPGs präsentieren zu dürfen.
Moderator: Aber bevor wir zu diesen kommen, möchten wir Ihnen noch kurz erklären, was
RPGs sind, falls es unter Ihnen noch Zuschauer gibt, denen dies nicht bewusst ist.
Moderatorin: Nun, RPG steht für Role Play Game. Jeder Mitspieler erstellt sich einen oder
mehrere Charaktere, mit denen er in der Ich-Form schreibt. Dies geschieht in einer Art Dialog mit
den anderen Spielern, indemAmelie verdreht die Augen: Mal im Ernst, schaut einfach in ein RPG rein, und ihr seht, wie
das funktioniert. Habe schon schwerere Spielregeln erlebt. Können wir jetzt bitte anfangen?
Moderatorin sichtlich aus dem Konzept gebracht: Nun gut … hiermit stelle ich Ihnen
Amelie und Joshua aus dem Hsw-Internat-RPG vor. Dieses handelt von einem Internat an der
Küste Deutschlands, in dem junge Autoren leben und zur Schule gehen undJoshua enthusiastisch: Aber das ist nur der uninteressante Teil. Viel spannender sind die
Partys, die Affären, die Trinkspiele nachts um drei…
Amelie: Also echt, das musstest du jetzt eigentlich nicht sofort erwähnen… wirft ihm einen
warnenden Blick zu Und bitte was soll eigentlich der Kimono, den du da trägst? Haben die engen
Frauenhosen und das Netzoberteil letzte Woche nicht gereicht?
Joshua: Ich denke, wir sind hier, um für unser RPG Werbung zu machen und uns als schlau
darzustellen? Ich finde, der Kimono unterstreicht meine Intelligenz und den Charme, den ich
versprühe, auch wenn mir ein Peach-Kostüm lieber gewesen wäre.
Margo leise murmelnd: Der wäre auch ein Fall fürs Heim…
Casey seufzend: Ja, ich bin mir sicher, dem würdest du austreiben, Kimonos zu tragen.
Seite 32
Margo zurück giftend: Als ob du in deinen hohen Plateauschuhen und den Hot-Pants mehr
Eindruck machen würdest. Und so flach ist deine Mitte nun auch wieder nicht, dass dir bauchfreie
Oberteile stehen würden. Das hier ist doch kein Wettbewerb, wer die größte Schlampe ist.
Casey schmunzelnd: Du bist ja nur neidisch, weil ich so etwas in meinem Alter tragen kann.
Mit Mitte vierzig würde ich mir das auch nochmal überlegen. Die ganzen Falten, die man da
sehen könnte…
Moderator geht hastig dazwischen, ehe Margos Blicke tatsächlich töten: Moment,
vielleicht möchten die anderen erst einmal wissen, wer die Damen sind. Wir haben es hier mit
zwei Erzieherinnen aus dem RPG Tikcuf zu tun. Dabei handelt es sich um ein Heim für kriminelle,
schwer erziehbare Jugendliche mit teilweise psychischen Problemen.
Margo: Die ihnen bei uns auch in jedem Fall ausgetrieben werden. Wer ist eigentlich der
schöne Mann mir gegenüber? klimpert demonstrativ mit den Augen
Blaic: Blaic Strange aus dem Superhelden-RPG, genau wie meine Freundin Sara hier neben
mir. sieht sie verliebt an Wir besuchen die Hero-Academy in Boston, wo wir lernen, unsere
Fähigkeiten zu beherrschen. Meine wunderschöne Sitznachbarin ist zum Beispiel in der Lage, sich
unsichtbar zu machen.
Sara errötet, wobei ihre Konturen vor Nervosität tatsächlich etwas verschwimmen: Hhallo…
Margo seufzt: So eine Verschwendung an Schönheit …
Casey: Der Junge ist nicht älter als zwanzig, Margo! Reiß dich mal zusammen, wir sind hier
in der Öffentlichkeit. Bin ich froh, dass ich schon verheiratet bin.
Margo: Und eine Affäre mit einem anderen Erzieher hast?
Scarlett: Die erinnern mich ja fast an dich, Rea. Gestatten, mein Name ist Professor Scarlett
Banchory aus dem Hogwarts-RPG, Lehrerin für Zaubertränke.
Rea: Und ich bin leider ihr Neffe und Schüler im letzten Jahr. Ich nehme an, jeder kennt
Hogwarts, wenn nicht … braucht ihr auch nicht hinzukommen.
Joshua: Genau, dann kommt lieber zu uns, Schreibwettbewerbe und
Geschlechtertauschpartys sind sowieso viel cooler!
Scarlett: Und Winterbälle in der Großen Halle sehr viel erwachsener und … nein, das
andere Wort hasse ich…
Sara: Romantischer? greift nach Blaics Hand Ich würde mit dir gerne auch einmal auf einen Ball
gehen…
Blaic küsst sie sanft: Wann immer du willst.
Seite 33
Amelie hustet laut: Ich weiß zwar nicht, wie man auf sowas wie Romantik stehen kann, aber
wollen wir nicht langsam mal zum Quiz kommen? Mir ist langweilig.
Joshua: Wäre eins deiner Spiele dann nicht spannender? Das, wo man aus drei
Behauptungen die Lüge erkennen musste, fand ich gut.
Casey gelangweilt: Was ist daran denn interessant?
Joshua grinst breit: Naja, wer verliert, muss Marihuana besorgen.
Margo: Ich sag ja, noch ein Fall fürs Heim. Der würde sich sicher gut mit Robin verstehen.
Scarlett: Ich dachte, ihr wärt ein Schreibinternat? Wäre ich Lehrerin an eurer Schule…
Rea: … lägen überall in deinem Büro Tiereingeweiden und alle hätten Angst vor dir.
Scarlett: Sehr richtig.
Margo schnaubt: Als hätte hier irgendwer eine Ahnung, was es wirklich heißt, dass die
Schüler Angst vor einem haben. Vor mir laufen sie in Scharen weg.
Scarlett: Gewiss nur in deinen Träumen.
Sara ganz leise zu Blaic: Sag mal, was machen die eigentlich hier? Die vom Hogwarts-RPG,
meine ich… ich dachte, das wäre schon lange inaktiv…
Margo: Die Kleine hat recht, eigentlich haben du und dein Bengel hier gar nichts verloren,
also schert euch zum Teufel!
Rea springt auf: So redest du nicht mit meiner Tante! richtet drohend den Zauberstab auf
Margo
Margo: Was ist das, ein Feenstab? lacht schallend Mit Kinderspielzeug kommst du bei mir
nicht weit! Ich kann dich so lange in eine Ausnüchterungszelle stecken, bis du verhungerst, und es
würde sicher niemanden intere- ein Versteinerungsfluch trifft sie und sie bleibt reglos stehen
Moderator: Stopp! Sofort aufhören! Wir sind hier in einer Quizshow und nicht im
Kindergar- Ein weiterer Versteinerungsfluch lässt auch die Moderation verstummen
Das Licht geht aus.
Anzeige auf dem Fernsehbildschirm: Liebe Zuschauer und Zuschauerinnen, leider musste die
Show wegen einiger ungeahnter Meinungsdifferenzen abgebrochen werden. Zur Enttäuschung
von Casey geht es Margo mittlerweile wieder gut, und auch der Moderator wird sich wieder
erholen. Sara und Blaic flohen unsichtbar aus dem Saal, während Rea und Scarlett zurück nach
Hogwarts apparierten. Zurück blieben Joshua und Casey, die heftig miteinander flirteten, und eine
genervte Amelie, die niemanden fand, um ein Trinkspiel mit ihr zu beginnen.
Seite 34
Die Kriller-Charts –
Die Auswertung einer fast vergessenen Funktion
Von Lucyyy und Timothea.Rubin
Etwas versteckt auf HSW gibt es in der
nannten bisher über 200 verschiedene
Kategorie „Aktuelles“ auch einen Punkt
Buchtitel. Von amerikanischen Urgesteinen
über deutsche Bestseller hin zu Thrillern
namens Kriller-Charts. In letzter Zeit kaum
noch wahrgenommen verstecken sich dahinter
doch zahlreiche Listen voller Buchtitel. Kriller
ist die Zusammenführung der Worte Krimi und
im Mangaformat war auch jede Form
eines Krillers dabei.
Thriller und darum geht es auch. Jeder auf
Besonders Monika Feth gehört mit ihren
HSW wurde gebeten, seine persönlichen
Psychothrillern zu den beliebtesten
Autorinnen auf HSW, da werden einige
Lieblingsbücher dieses Genres mit allen zu
teilen. Den Startschuss gab am 19. Dezember
2010 AnnikaJolie. Aber auch wenn das schon
etwas her ist, bleiben die Charts natürlich
weiterhin aktuell. Wer mag, kann auch gerne
sich auf dem inoffiziellen Treffen sehr
gefreut haben. Neben auffällig häufig
genannten Autoren fiel auch immer
noch seine persönlichen Charts ergänzen.
wieder der Begriff „Arena-Thriller“, wo
meist auf eine konkrete Titelangabe
Wir, Timothea.Rubin und Lucyyy, haben
uns die Mühe gemacht all eure Beiträge
verzichtet und stattdessen die ganze Reihe
gewürdigt wurde.
einmal auszuwerten, um zu schauen, wer
denn besonders beliebt ist. Wenn ihr also
Wir haben das Ganze in verschiedene
auf der Suche nach neuem Lesestoff aus
dem Genre der Krimis und Thriller seid,
lohnt es sich allemal, die Beiträge zu
durchstöbern!
Für viele scheinen Krimis und Thriller zum
Lieblingslesestoff zu gehören, 63 User
Kategorien aufgesplittert. Zum einen in
genannte Buchtitel, zum anderen in
genannte Autoren, diese Punkte haben wir
dann wiederum in Deutsch und
international aufgeteilt. Für die Bücher
wurde dabei die Häufigkeit des genannten
Titels zusammengezählt, bei den Autoren
mit wie vielen Werken sie vertreten war
Seite 35
Top 5 Buchtitel Deutsch:
1. Der Erdbeerpflücker - Monika Feth
2. Der Scherbensammler - Monika Feth
3. Das Tal - Krystyna Kuhn
4. Erebos – Ursula Potznanski
5. Der Mädchenmaler – Monika Feth
Top 5 Buchtitel International
1. Tote Mädchen lügen nicht – Jay Asher
2. Wer ist Jennifer Jones? – Anne Cassidy
3. Der Joker – Markus Zusak
4. Wish u were dead – Morton Rhue
5. Die Blutlinie - Cody McFadyen
Top 5 Autoren Deutsch:
1. Monika Feth
2. Isabel Abedi
3. Ursula Poznanski
4. Sebastian Fitzek
5. Krystyna Kuhn
Seite 36
Top 5 International:
1. Cody Mcfadyen
2. Simon Beckett
3. Morton Rhue
4. Dan Brown
5. Rachel Ward
Zwar nicht in den Charts vertreten, aber dennoch mehr als einmal genannt wurden:
‚Der Märchenerzähler‘
‚Wer schön sein will, muss sterben‘
‚Lilienblut‘
‚Tote Mädchen schreiben keine Briefe‘
‚Fear Street‘ und
‚Die Wahrheit über Alice‘.
Seite 37
Rezension - „Der Joker“ von Markus Zusak
Markus Zusak´s „Der Joker“ war mein Geschenk am Samstag, den 23. Mai 2015 - auf dem großen
HSW Treffen, beim Vollzug eines wunderschönen Brauchs. Dem Buchwichteln.
Ich weiß leider nach wie vor nicht, wer mein Wichtel war, doch ich kann davon ausgehen, dass
derjenige das hier liest. Von daher seien drei Worte an dich gerichtet, lieber Wichtel: Hab
herzlichen Dank!
Ich muss zugeben, gefreut habe ich mich zunächst nicht. Warum?
Weil ich den Titel automatisch mit einem Mann im schwarzen Ganzkörperkondom und Helm mit
Fledermausohren in Verbindung gebracht habe. Nicht dass ich Männer in solchen Aufzügen nicht
mag. Wenn sie sexy sind. Und nicht schwul. Aber naja.
Kurzum: Ich dachte, es sei ein Krimi.
Und ich mag keine Krimis. Ich lese sie nicht.
Aber nun, schlussendlich, da ich die letzte Seite des Wälzers niedergelegt habe, kann ich sagen:
Wichtel, du hast ganze Arbeit geleistet. Denn du hast mich dazu gebracht, drei Wörter zu denken,
die ich in meinem Leben vielleicht drei Mal gedacht habe.
Bei „Avatar“.
Bei „Manche mögens heiß“.
Und als ich zum ersten Mal um fünf Uhr morgens am Strand saß und der aufgehenden
Morgensonne über dem Meer müde zugelächelt habe. Drei Worte.
Ich. Bin. Begeistert.
Tatsächlich.
Ed Kennedy spielt in Zusak´s Joker, die Hauptfigur, aus seiner Sicht ist alles erzählt.
Ich-Perspektive. Für mich normalerweise kein Magnet, in diesem Buch jedoch überaus passend
gewählt.
Der erste Satz:
„Der Bankräuber ist ein totaler Versager.“
Grob überrissen geht es um Ed, der einem ziemlich idiotischen Bankräuber das Handwerk legt,
woraufhin er am nächsten Tag das Karo-Ass im Briefkasten hat, auf dem drei Adressen stehen.
Diese Adressen führen Ed zu Menschen, die Hilfe brauchen und Ed erkennt, dass es seine
Aufgabe ist, ihre Leben zu verbessern. Seine Aufgaben sind vielseitig, mit jeder neuen Karte
kommen neue Schicksale, die er zum Besseren wenden muss.
Und während er seine Aufgaben löst und Menschen hilft, findet er langsam aber sicher auch den
Weg zu sich selbst.
In gewisser Weise ist dieses Buch ein Krimi. Zumindest am Anfang, wenn man sich fragt, wer diese
ominöse Kartenspieler ist, und was es damit auf sich hat. Irgendwann gerät das aber in den
Hintergrund und man verfolgt mit Spannung, wie Ed das nächste Geheimnis löst. Er hilft einem
Mädchen, über die Ziellinie zu kommen. Er bringt einer alten Dame ihren verstorbenen Ehemann
Seite 38
zurück. Er lässt sich verprügeln damit zwei Brüder zueinander finden. Gekrönt ist diese
ungewöhnliche Handlung von einem amüsanten, fließenden Schreibstil, den man in einem Ruck
durchlesen kann ohne gestört zu werden. Kein Wort zu viel. Und was meiner Meinung nach sogar
noch wichtiger ist und mir in letzter Zeit bei einigen Büchern vermisse: Kein Wort zu wenig.
Der Autor hat die perfekte Balance gefunden zwischen dem geschriebenen Wort und der Fantasie
des Lesers. Kein Wort stört, kein Wort fehlt.
Die Charaktere sind glaubwürdig, etwas, was für mich fast zu den wichtigsten Kriterien für die
Bewertung einer Geschichte zählt. Ed ist nachdenklich und ringt mit sich selbst, sein bester
Kumpel Marv ist ein Angeber und ein stilles Wasser. Ritchie ein mutloser Versager, Audrey eine
verletzte Persönlichkeit. Überraschungen, das knallharte Leben und absolut keine Klischees. Jeder
entwickelt sich auf seine Weise. Die Umgebung passt. Sie ist mit wenigen Worten beschrieben
und du hast sofort ein Bild im Kopf.
Wenn ich ein Genre festlegen müsste für diese Geschichte, täte ich mich in der Tat sehr schwer.
Aber ich kann sagen, dass es jeder einmal gelesen haben sollte. Es ist ein Buch über den Sinn des
Lebens, über die Existenz, die Aufgaben, die wir im Leben haben, die Verantwortung, die uns
zufällt. Es ist ein Buch über Glück, über Leid, über die Wahrheit und über die Lügen, die wir uns
selbst auftischen. Vor langer Zeit habe ich beschlossen, dass es mein Lebenssinn sein soll, andere
Menschen glücklich zu machen. Und genau darum geht es in diesem Buch. Ich kann es nur jedem
empfehlen.
Viel Spaß und ich hoffe, euch gefällt die Geschichte genauso gut wie mir.
Liana Caruso
PS: Ach und bitte. Wichtel. Melde dich!
Seite 39
1667 Worte oder der Monat der schlaflosen Nächte
Von Crazy.Fee und Lucyyy
NaNoWriMo, Camp NaNo, PeNoWriMo
Lauter mysteriöse Abkürzungen, die
mittlerweile zum alltäglichen Sprachgebrauch
eines HSW-Users gehören und für
Neuankömmling meist einige Fragen
aufwerfen. Doch wenn man einmal das System
durchschaut hat, findet man sich meistens sehr
gut zurecht.
Fangen wir mit der Grundlage allem an, dem
NaNoWriMo, ausgeschrieben National Novel
Writing Month. Jedes Jahr im November
stürzen sich wagemutige Schreiber in den
Wahnsinn, ein Projekt mit 50 000 Wörtern in
einem Monat zu schreiben.
50 000 Wörter gesamt – das sind ungefähr
1667 Wörter an einem Tag. Klingt erst einmal
unmöglich, jedenfalls für Langsamschreiber,
wie wir es sind. Bei NaNoWriMo geht es aber
nicht darum, einen perfekt ausgearbeiteten
Roman zu schreiben, sondern darum, den
inneren Kritiker abzuschalten, einfach zu
schreiben, ohne über seine Worte
nachzudenken. Irgendwann hat man dann
einen Punkt erreicht, an dem sich die Figuren
selbstständig machen, an dem plötzlich Dinge
geschehen, die man nicht erwartet hat. So
kann es zum Beispiel passieren, dass plötzlich
lilafarbene Drachen in einer eigentlich realen
Welt auftauchen oder deine Hauptperson sich
plötzlich in den gutaussehenden Bösewicht
verliebt, obwohl Liebe in einen Actionroman
überhaupt nicht reinpasst – oder doch?
NaNoWriMo ist ein Wahnsinn, auf den man
sich bedingungslos einlassen muss – man gibt
sein Sozialleben am 1. November ab und
tauscht es gegen verrückte Protagonisten und
schlaflose Nächten. Erst wenn Ende
November der letzte Satz geschrieben wird,
fällt die Anspannung von einem ab. Aber es
lohnt sich. Denn das Gefühl, in einem Monat
ein ganzes Buch geschrieben zu haben, wofür
andere Menschen Jahre brauchen, ist
unbezahlbar.
Camp NaNo ist im Grunde gleich aufgebaut,
auch hier ist es wieder das Ziel, innerhalb
eines Monats (diesmal April und Juli) eine
bestimmte Wortzahl zu erreichen. Allerdings
ist diese im Gegensatz zum normalen NaNo
nicht auf 50 000 Wörter festgelegt und kann
frei gewählt werden. Für manche können 20
000 schon eine unglaubliche Hürde darstellen,
für andere fängt es erst bei 70 000 an, zur
Herausforderung zu werden. Um dem Namen
Camp auch gerecht zu werden, ist man
außerdem Mitglied in einer sogenannten
Cabin. Bestehend aus 12 Leuten aus aller
Welt, wird man während des Monats nicht
alleine gelassen. Im Gegensatz zum normalen
NaNo dürfen auch alte Projekte
weitergeschrieben oder auch überarbeitet
werden.
Neben diesen beiden „offiziellen“ Challenges
gibt es auf HSW noch den „PeNoWriMo“,
kurz für Personal Novel Writing Month. Hier
werden auf HSW ganz individuell die Wortzahl
und das Projekt festgelegt. Das Ganze findet
jeden Monat statt und ist für diejenigen
perfekt, die nicht bis November warten wollen
oder denen die Monate des Camps zeitlich
eher weniger passen.
Auch hier geht es natürlich darum, nicht
alleine schreiben zu müssen. Gemeinsam lässt
es sich viel schneller schreiben und so helfen
Schreibzeiten oder gegenseitige Motivation
dabei, dass man seine eigenen Ziele sogar
noch übertrifft.Alle genannten Möglichkeiten
helfen dabei, auch mal mehr zu schreiben, als
man glaubt in der Lage zu sein. Einfach mal
schreiben, lässt Schreibblockaden
verschwinden und die kuriosesten Dinge
entstehen.
Wer es also noch nicht gewagt hat: Es lohnt
sich!
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