Hochschuljahr 2009/2009 an der Universitatea Babeş Bolyai in Cluj

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Hochschuljahr 2009/2009 an der Universitatea Babeş Bolyai in Cluj
Hochschuljahr 2009/2009 an der Universitatea Babeş Bolyai in Cluj Napoca,
Rumänien, Erziehungswissenschaften
Ein Wort vorweg
Wer in Cluj vor hat sein Studienniveau aufrecht zu erhalten ist, was das Angebot und die
universitäre Struktur / Kultur angeht fehl am platz, studiert er nicht Medizin, Europastudien oder
Rumänisch. Wer in Cluj die Erfahrung einer anderen Kultur und die Selbsterfahrung sucht, kann
möglicherweise im Rahmen des Erasmus-Programms nicht an einen besseren Ort gelangen.
Kommunikation ist generell in Rumänien von großer Bedeutung. Meine EILC-Sprachlehrerin hat
das folgendermaßen auf den Punkt gebracht: In den westeuropäischen Ländern ist man es
gewohnt, alles auf Plänen, Schildern und Listen zu finden. In Osteuropa, und also auch Rumänien,
fragt man die Menschen, wann der Bus oder Zug fährt. Das ist eine kulturelle Besonderheit, die
erst einmal verstanden sein muss. Hierbei ist es immer gut, die Landessprache zu benutzen, auch
wenn sie noch nicht gut beherrscht wird. Menschen sind immer entgegenkommender, wenn sie
merken, dass man sich Mühe gibt. Je mehr Vokabeln man kennt, desto mehr Türen öffnen sich
einem.
Viele Infos die hier gegeben werden, werden vielleicht nicht lange gültig sein, weil sich Cluj wie
ganz Rumänien in einem rasanten Umbauprozess befindet. Ich habe in einem Jahr viele Bars und
Läden kommen und gehen sehen, der LEI-Kurs hat zwischen 3,7 und 4,2 LEI pro Euro
geschwankt.
Vorbereitung
Es
hat
mir
viel
geholfen
und
Sicherheit
gegeben,
mich
immer
wieder
mit
meiner
Erasmuskoordinatorin in Bremen abzusprechen. Zu meiner Zeit war die Internetseite der Uni Cluj
(Babeş Bolyai) noch wenig wert, der Informationsstand hat sich aber verbessert.1 In der
Geschichtsfakultät gibt es entgegen den Angaben auf der Internetseite und einiger Professoren
KEINE deutschsprachige Studienlinie! Die Vorbereitungszeit beschränkt sich auf den normalen,
vom Erasmus ohnehin vorgegebenen Rahmen. An Unterlagen wird zunächst nur das benötigt, was
das heimische Erasmusbüro fordert. Es gibt dann eine Infoveranstaltung vom Erasmusbüro in Cluj,
die auf jeden Fall besucht werden sollte und bei der es sich auch auf jeden Fall empfiehlt
mitzuschreiben. Es müssen vor Ort noch einige Papiere beschafft werden, die Infos dazu gibt aber
das International Office in Cluj.
1 http://www.ubbcluj.ro, die Seite des International Office für Erasmus-Studenten ist
http://www.cci.ubbcluj.ro/index.php?pag=incomingstudents, die Kontaktadressen bzw. -Telefonnummern der
Erasmuskoordinatoren für Geschichte, die deutsche Linie in den Erziehungswissenschaften und die Germanistik
sind in Reihenfolge: Herr Cipaianu (Tschipaianu) 0040264/542528 ; Frau Velica [email protected] ; Frau
Gorgoi [email protected] . Es empfiehlt sich, diese Personen nach Auskünften zu fragen. Sind sie nicht
willens weiter zu helfen hilft vielleicht das ErasmusStudentNetwork: [email protected] .
Allgemeine Infos zur Universitatea Babeş Bolyai und Cluj Napoca
Cluj ist eine sehr lebendige und junge Stadt.2 Von 400.000 Einwohnern sind 50.000 Studenten –
zur Mittagszeit sind die Straßen wie Flüsse im Frühling bei Schmelzwasser. Die Someş Mic, der
Fluss an dem die Stadt liegt, ist hingegen recht klein und auch nicht schiffbar. Eingebettet in die
Hügellandschaft Transsylvaniens sind vor allem die Westkarpaten nicht weit, in denen gewandert
werden kann. Cluj gilt neben Iaşi und Bucuresti als wichtigste Universitätstadt Rumäniens,
dennoch muss ich sagen, dass zumindest in meinen Fächern die Uni nicht mit westeuropäischen
Standards zu messen ist.
Anreise
Nach Cluj kommt man leicht mit dem Flugzeug (www.wizzair.de, www.lufthansa.de ) oder mit
dem Bus (www.eurotours.de oder das Büro im Bremer Bahnhof, es geht auch Atlassib:
www.atlassib.ro ). Eine Busfahrt dauert ca. 30 Stunden, hat aber zwei Vorteile. Erstens kann man
so viel Gepäck wie nötig mitnehmen. Zweitens hat man Zeit, und dieser Aspekt war für mich sehr
wichtig, über alles nachzudenken, was passiert: Das Verlassen der Freunde / Familie / meiner
Freundin, das Ankommen in einer völlig fremden und neuen Umgebung und ein Stück weit das
Verlassen des eigenen Lebens, der eigenen Persönlichkeit. Man wird, was man für einen längeren
Zeitraum sein wird und was durchaus nicht schlecht sein muss: Ein Fremder.
Transport und Essen
Die Uni in Cluj ist keine Campusuni das heißt alle Fakultäten sind über die Stadt verstreut. Der
Transport ist mit einer Tram, Bussen (Tickets für 1,50 LEI pro Fahrt3) oder Taxi (1,7 LEI pro km)
recht leicht. Einen Gebrauchtfahrradladen gibt es in der Strada Henri Barbusse ganz am Ende, das
Fahrradfahren ist aber auf den Straßen von Cluj nicht immer ungefährlich (als Fahrradfahrer kann
man nicht fressen – aber gefressen werden!) und es gibt noch zu viele hohe Bordsteine. Über die
Stadt verteilt gibt es mehrere Mensen (in der Jura-Fakultät an der Str. Avram Iancu; im HaşdeuCampus an der Str. Haşdeu; das „Agape“ in der Str. 6 Marţie ist dabei am leckersten4) in denen ein
Essen zwischen 6 und 15 LEI kostet.
Bibliothek
Die große BCU, die Zentralbibliothek hat zwar einen großen Bestand, jedoch oft nur ältere
Literatur, was wegen der kommunistischen Vergangenheit vor allem in den Geisteswissenschaften
ein Problem ist. Die Bibliothek ist eine Präsenzbibliothek, das heißt man hat seinen Platz, bestellt
seine Bücher und kann sie nur dort lesen. Darüber hinaus hat fast jede Fakultät ihre eigene,
2 Wenngleich ihre Geschichte bis vor die römische Besatzung im Jahr 106 zurückgeht.
3 1 LEI ~ 4,2 LEI also ca. 23 Cent.
4 Kleiner Einschub über das Essen: Probiert sărmale, mici, mămăliga, carnaţi, ţuika, slănina mit Weißbrot und
Frühlingszwiebeln (ceapa verde), dazu süßen Weißwein. Wer auf Bio steht: In der Str. Virgil Fulicea gibt es einen
Bioladen mit dem Namen „coşul verde“.
dezentrale Bibliothek in der es speziellere Fachliteratur gibt. Die Kataloge sind aber online und
miteinander Vernetzt, eine Suche ist also in ganz Cluj möglich. Die Uni verfügte in meinen Fächern
Deutsch
und
Geschichte
nur
sehr
begrenzt
über
Online-Zeitschriften,
der
JSTOR-
Geschichtsbereich gehört beispielsweise nicht dazu.
Wohnen
Der Campus auf dem die Erasmus-Studenten untergebracht werden ist der Haşdeu-Campus,
Block A1, Strada Bogdan Petriceicu Haşdeu südwestlich des Stadtzentrums.5 Die Miete beträgt
150 LEI, man schläft in 2-Bett-Zimmern, die auch über ein separates Bad und i.d.R. einen Balkon
verfügen. Gemeinschaftsküchen sind auf jeder der 4 Etagen, außerdem gibt es einen Waschraum.
Jedes Zimmer hat einen Telefon-, TV- und Internetanschluss, wobei aufgrund von Hackerangriffen
aus dem Wohnheim viele Ports gesperrt sind, sodass Linux-Systeme keine Verbindung
bekommen. Gerade für Bremer hält das Wohnheim eine Besonderheit bereit: Steht der Wind
richtig, zieht der Malzgeruch der Ursus-Brauerei um das Gelände der dem der Becks-Brauerei in
nichts nachsteht.
Will man sich selbst eine Wohnung suchen, sucht man am besten in der Zeitung „Piaţa“, die es an
allen Zeitungsständen für 3 LEI zu kaufen gibt. Die Wohnungspreise sind durchaus mit deutschen
Standards vergleichbar. Auf jeden Fall solltet ihr auf einen Vertrag bestehen, viele Vermieter wollen
das umgehen weil sie dadurch Steuern sparen. Während der Suche könnt ihr im „Retro Hostel“
nahe des Zentrums unterkommen. Dort haben auch viele Kommilitonen ihre Eltern und Familie
untergebracht, wenn diese zu Besuch waren. Ein Bett im 6-er-Zimmer kostet 49 LEI pro Nacht, die
Leute an der Rezeption sind Nett und man trifft täglich interessante Menschen (ein Hostel eben).
Einkaufen
Einkaufen kann man in so genannten „Magazin Alimentar“s, kleinere Supermärkte mit begrenztem
Angebot. An der Strada Ploiesti hinter dem Piaţa Mihail Viteazul gibt es einen Markt der jeden Tag
stattfindet und wo es viel frisches Gemüse und Obst, Fleisch, Käse und dergleichen mehr gibt. Für
ausgefallenere und teurere Wünsche gibt es die beiden kapitalistischen Pole, zwischen denen Cluj
liegt: Die Julius-Mall im Osten (Intrelacuri, die 25) und die Pollus-Mall im Westen der Stadt (hinter
Mănăstur, die 24 bis zu ende). In ein Paradies von gebrauchten Handbohrern, Plastikikonen, altem
Porzellan, Geschirr, geklauten Fahrrädern, Schuhen und alter und neuer Kleidung kommt man,
wenn man die Tramlinie 101 Samstags bis zur Endstation rausfährt: Der Flohmarkt ist die ideale
Möglichkeit, die vielen kleinen Anschaffungen zu machen, die man in einer neuen Wohnung
braucht. Beim Ausruhen kann man sich an mehreren Ständen mit Mici (Cevapcici) und Ursus-Bier
stärken. Man kann normalerweise an allen Bankautomaten in Rumänien mit deutschen Karten
abheben, es kostet jedoch eine Bearbeitungsgebühr (für die Sparkasse sind es 5€).
5 http://www.openstreetmap.org/?lat=46.76032&lon=23.58185&zoom=15&layers=B000FTF .
Menschen an der Uni
Die Ankunft wird durch das International Office der Babeş Bolyai Universität sehr gut organisiert.
Es gibt begleitend zum EILC ein Kulturprogramm mit Kneipentouren, Museumsbesichtigungen und
Ausflügen. Auch im laufenden Semester bietet das ESN (Erasmus Student Network) viele
Aktivitäten an, um die Stadt und das Land besser kennen zu lernen. Während des Semesters
werden außerdem kostenlos Sprachkurse (6CP) für verschiedene Lernniveaus zur Verfügung
gestellt, die von hoher Qualität sind und vor allem von sehr netten Dozenten gegeben werden. Ich
würde jedem Studenten den Besuch des Sprachkurses auf jeden Fall empfehlen!
Der Umgang mit Dozenten und vor allem Sekretariaten und dem sonstigen Administrationsapparat
ist nicht immer leicht. In Rumänien laufen manche organisatorischen Dinge anders ab, als man es
vom geordneten und wohlbürokratisierten Deutschland gewohnt ist. Wenn etwas nicht sofort klappt
braucht es in aller Regel Geduld und Hartnäckigkeit. Immer wieder nachfragen auf dem direktest
möglichen Weg. Eher Telefonate führen als Mails schreiben und am besten persönlich erscheinen
und sich vor allem auch beim x-ten Anruf nicht schlecht fühlen: Schon beim ersten wird man oft als
Störenfried gesehen, den es eher loszuwerden als ihm zu helfen gilt. Also – durchhalten.
Die Lehre ist, wie bereits erwähnt, mit westeuropäischen Standards nicht unbedingt vergleichbar.
Als Erasmusstudent bedeutet das lediglich eine weniger gute Ausbildung, verschulte Seminare
und Vorlesungen (zwischen denen man den Unterschied gar nicht erkennen kann) und veraltete
Literatur, unter den einheimischen Studenten unterhält man sich dann auch schon mal darüber,
welcher Prof denn „Blumen“ nimmt und welcher nicht. Generell wird man als Erasmus-Student
hofiert, was bedeutet das Profs sehr entgegenkommend im Bezug auf Anwesenheit und
Leistungsbewertung sind. Ich habe alle meine Kurse besucht, auch wenn ich nicht begeistert von
einigen war und bin auch in den Genuss von ein oder zwei Noten gekommen, die ich definitiv –
oder zumindest nach deutschen Standards – nicht verdient habe. Wenn man Glück hat, geben sich
Professoren aber unter Umständen geradezu rührend viel Mühe einem bei allem zu helfen, was
man so vor hat. Kulturelle Tipps, Einladungen zum Essen (zu denen man unbedingt ein kleines
Geschenk oder Blumen mitnehmen sollte) oder Reiseberatung und -Vorschläge
- Sympathie
öffnet in Rumänien mehr und schneller Türen als in Deutschland.
Freizeit und Kulturelles
Cluj ist eine Studentenstadt und verfügt über eine blühende Kneipenlandschaft. Um das „Insomnia“
in der Strada Universitaţii kommt wohl keiner herum, es ist die beste Kneipe/Bar der Stadt und
wirklich sehenswert. Natürlich kommt es immer auf den Geschmack an, aber gefallen haben mir
außerdem das „Zorkys“ (Str. Ion Ratiu), „Le General“ (Str. Eroilor), die Jazzbar „Griff“ (Calea
Moţilor) und die Alternative- und Rockdiscos „Fire“ und „Janis“ (ebenfalls Moţilor und Eroilor). Im
Sommer kann man sich auf den Terrassen der Bars entlang der Fußgängerzone um das „Casa
Matei Corvin“ niederlassen in der zweimal im Monat auch ein kleiner Handwerker- und
Künstlermarkt stattfindet. Die Stadt bietet außerdem ein breites Kulturprogramm.6 Es gibt ein
Kunstmuseum direkt am Piaţa Unirii, unter den Museen sei vor allem das „Muzeul Etnografic“, das
ethnographische Freiluftmuseum hervorgehoben. Ein ungarisches, ein rumänisches und ein
Puppentheater
auch
für
Erwachsene,
mehrere
Kinos
und
das
transsylvanische
Symphonieorchester sorgen in der Stadt für Unterhaltung. Im „Casa de Cultura ale Studenţilor“
(ganz am Beginn der Strada Napoca) gibt es Jazz- oder klassische Konzerte zu Preisen, von
denen man in Deutschland nur träumen kann: Nie habe ich mehr als 2€ bezahlt. Ein alternativeres
Kulturprogramm bietet das „Casa Tranzit“ in der Str. Gheorghe Barbiţiu an.
Ich habe kaum organisierten Sport gemacht, aber die Uni verfügt über einen Sportpark, Hallen und
ein Schwimmbad. Vor allem lohnt es sich aber in den Apusen (beginnen 30 km westlich von Cluj)
oder Karpaten (am besten gleich auf den höchsten Berg Rumäniens, den Moldoveanu mit 2455m),
der Bukowina (der Gămălau ist hier sehr schön) der Maramureş (einfach überall) oder der Moldau
(zu den Klöstern) wandern zu gehen.
Reisen
Ich habe während meines Aufenthaltes in Rumänien alle Anrainerstaaten außer Bulgarien besucht
und kann das Reisen nur empfehlen. Man kommt durch auch wenn man die Sprache nicht
beherrscht, die Kosten sind gering und die Erfahrungen, die man auf einer Reise sammelt sind mit
Gold nicht aufzuwiegen! Trampen funktioniert in Rumänien und Südosteuropa hervorragend. Im
Privatraum ihres eigenen Autos sind Menschen vertrauter im Umgang, erzählen aus ihrem Leben,
über Rumänien und die Rumänen,7 jeder kennt einen Ort den man unbedingt besichtigt haben
muss.8
Das Reisen per Bahn ist günstig aber langsam. Für die Fahrt Cluj-Bukarest habe ich ca. 60 LEI
bezahlt, und das sind ungefähr 250 km. Bei solchen Fahrten lohnt es sich, über Nacht zu reisen,
da man dann weniger Schlafmöglichkeiten organisieren muss und vor allem – mehr Zeit zum
entdecken hat.
Unterkunft findet man in Hostels, oft in Klöstern oder über Couchsurfing, das ich wärmstens
empfehlen kann: www.couchsurfing.com !!!
Anerkennung der Studienleistungen
Die Anerkennung meiner Studienleistungen ist etwas zwiespältig verlaufen und sicher kein
Musterbeispiel. Von den im Voraus 62,5 CP, die ich bekommen sollte, standen letztlich nur 48,5 auf
meinem Transcript of Records. Versehen der Sekretariate, Probleme bei der Kommunikation mit
6 ...das man in seiner vollen Länge wöchentlich in „Zile şi Nopţi“ findet: http://www.zilesinopti.ro/index.php?oras=8 .
7 Die Rumänen haben hierbei bei sich selbst einen äußerst schlechten Ruf. Obwohl hilfsbereit, misstrauen sie sich
stark – das ist Unsinn!
8 Es hat sich bei mir als wertvoll herausgestellt, eine Art „Kulturtagebuch“ zu führen, in das ich alle guten oder gut
gemeinten Tips und alle Besonderheiten und Erlebnisse notiert habe. Bei der Fülle an Informationen, die auf einen
einrasseln ist es gut, die Dinge aufzuschreiben, erst einmal auf sich beruhen zu lassen und sich später damit zu
beschäftigen.
Professoren und dergleichen mehr führten zu diesem Ergebnis. Viele meiner CP's, aber das war
mir von vornherein klar, passten nicht zu meinem Studienverlaufsplan in Bremen und wurden von
daher lediglich für die Punkteerfüllung bei Erasmus geleistet. Alles, was nicht mehr in meinen
normalen Plan passte, konnte ich allerdings als General Studies anrechnen lassen, sodass ich mit
denen inzwischen die Wände streichen kann.
Buchtipps
Als Vorbereitung auf meine Zeit in Rumänien habe ich auf Empfehlung eines Professors das Buch
„Eine transsylvanische Reise“ von Dieter Schlesak, einem rumänisch-deutschen Autor aus der
deutschen Minderheit in Rumänien, gelesen. Es ist teils biografisch, aber es enthält viele
Informationen und vor allem persönliche Eindrücke, die jedem früher oder später auffallen, von
Schlesak jedoch äußerst treffend ausgedrückt werden. Ein weiteres Buch, dass ich empfehlen
kann ist „Rumänien. Mehr als Dracula und Walachei“ von Hilke Gerdes, erschienen in der
Schriftreihe der Bundeszentrale für politische Bildung. Gerdes beschreibt viele Aspekte, die ich
selbst innerhalb eines Jahres entdeckt habe, sehr treffend und in kürze. Sie geht dabei zunächst
chronologisch vor und erzählt von der Geschichte und, bei Rumänien bemerkenswert, dem
Geschichtsbild bzw. der Geschichtsfälschung. Anschließend folgen Kapitel über Mentalität, das
schwere kommunistische Erbe, Korruption, den EU-Beitritt, die große Minderheitenfrage, kleineren
und größeren Alltagsproblemen und Kultur.
Ich bin selber noch dabei, mich durch die allergrundlegendsten Standardbücher der rumänischen
Literatur durchzulesen, dabei kann ich Mircea Eliades „Jugend ohne Jugend“, das auch von
Coppola verfilmt wurde, absolut empfehlen. Emil Ciorans meiner Meinung nach wenig
philosophisches als viel mehr deprimierendes Hauptwerk „Vom Nachteil, geboren worden zu sein“
habe ich nach drei Kapiteln abgebrochen. Von mir noch nicht gelesen aber vielfach gerühmt sind
Eugène Ionescu (Die Nashörner) und der Satiriker Caragiale (Ein verlorener Brief).