wachsende stadt– reloaded

Transcription

wachsende stadt– reloaded
Landesverband Hamburg und
Landesverband Schleswig-Holstein
AUSGABE 1 | 2014
DAS MAGAZIN FÜR DIE WIRTSCHAFT
WACHSENDE STADT – RELOADED
Was zu tun ist.
Dr. Wolfgang Peiner:
Das Leitbild für Hamburg
Seite 9
Dr. Roland Heintze:
Wirtschaftlicher Schwächeanfall
Seiten 12-13
Wachstum durch digitale
Wertschöpfung
Seiten 48-49
Editorial
Wachsen und Gestalten
Prof. Dr. Jörg F. Debatin
Landesvorsitzender
W
achstum ist ein außerordentlich
positiver Vorgang. Oft werden
die Begriffe Wachsen und Gedeihen
sprachlich miteinander verbunden,
ebenso wie Wachstum und Wohlstand.
Das Hamburger Abendblatt hat vor
wenigen Monaten mit einer Umfrage
festgestellt, dass 79 Prozent der Leser
dem Wachsen unserer Hansestadt
skeptisch gegenüber stehen. Die Menschen erleben steigende Mieten und
ständig anwachsende Staus. Ist es bei
diesen Entwicklungen verwunderlich,
dass viele Hamburger meinen, nun sei
es genug mit dem Wachstum?
Das negative Image von Wachstum in
unserer Stadt ist die Antwort auf das
Versagen des Senats bei der Bewältigung der unmittelbaren Herausforderungen. Die Rekordzahlen bei den Baugenehmigungen für Wohnungen sind
noch längst keine Fertigstellungen und
das Busbeschleunigungsprogramm ist
sicherlich keine ausreichende Antwort
auf die Mobilitätsbedürfnisse der Bürger. Gleichzeitig versäumt es der Senat,
überzeugende Gesamtkonzepte zu liefern und die damit verbundenen Chancen aufzuzeigen. Hamburg genügt sich
eben wieder selbst und entwickelt sich
zurück zur „Schlafenden Schönen“. Als
Wirtschaftsrat wollen wir uns diesem
Trend entgegen stemmen. In diesem
Heft gehen wir deshalb der Frage nach,
wo die Wachstumschancen liegen und
wie eine Politik aussehen muss, die auf
Wachsen und Gestalten setzt.
Dabei muss Hamburg im Wettbewerb
der europäischen Metropolen betrachtet werden. Wo wollen junge Menschen
studieren? Wo gründen sich Start-upUnternehmen? Welche Rahmenbedingungen brauchen Gründer und auf
welche Hemmnisse treffen sie in Hamburg? Unsere Landesfachkommission
Wachstum und Innovation erarbeitet
dazu ein Positionspapier, das Ende des
Jahres vorgelegt werden wird.
Wir stehen kurz vor den Wahlen zum
Europäischen Parlament – den ersten
nach der europäischen Staatsschuldenkrise – und entscheiden nun darüber, was für ein Europa wir wollen.
Jürgen Fitschen hat diese Frage anlässlich des Neujahrsempfangs ebenso
gestellt wie Wolfgang Clement bei der
Vortragsveranstaltung am 13. Februar:
Wie viel Wettbewerb wollen wir und
wie viel Zentralisierung und Regulierung ist gut für uns?
Die stärkere Regulierung im Bankenwesen ist bereits jetzt zu spüren. Welche Ausmaße die Regulierung in der
Immobilienbranche angenommen hat,
erläuterte Andreas Mattner anlässlich
eines POLITISCHEN FRÜHSTÜCKS Anfang Februar. Andere europäische Länder begrenzen sich in ihrer nationalen
Gesetzgebung auf europäische Normen. In Deutschland werde hier übertrieben. Dies bestätigte auch Gunther
Bonz am Beispiel des Genehmigungsverfahrens für die neunte Elbvertiefung
bei seinem Vortrag im Hotel Altantic vor
Mitgliedern und Gästen des Wirtschaftsrats.
Neben den zahlreichen inhaltlichen
Akzenten die der Wirtschaftsrat in den
letzten Monaten setzen konnte, wurde auch die Personalstruktur der Landesgeschäftsstelle erneuert. Ich freue
mich, dass Dr. Thomas Fiebig bereits
Mitte Februar seine Tätigkeit als
Landesgeschäftsführer aufgenommen
hat. Sie werden ihn im Rahmen unserer Veranstaltungen sicherlich kennen
und schätzen lernen.
Ihr Prof. Dr. Jörg F. Debatin
Landesvorsitzender Hamburg
Ausgabe März 2014 | Landesverband Hamburg
3
INHALT
Wachsende Stadt
Klartext statt Anmerkungen
zu Gast: Wolfgang Clement
Von Baumassnahmen
und Beeinträchtigungen
zu Gast: Senator Frank Horch
Das Leitbild für Hamburg
von Wolfgang Peiner
Endlosschleifen
und deutsche
Ansprüche
zu Gast: Gunther Bonz
1
2
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4
5
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7
8
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11
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15
16
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19
Editorials
Beiträge / Veranstaltungen
Hamburg:
Prof. Dr. Jörg F. Debatin . . . . . . . . . . . . . . 3
Wirtschaftlicher Schwächeanfall
von Dr. Roland Heintze . . . . . . . . . . 12-13
Schleswig-Holstein:
Dr. Philipp Murmann . . . . . . . . . . . . . . 39
Zur Effizienz der sozialen
Wohnraumförderung
von Dr. Ralph Henger . . . . . . . . . . . . 14-15
Titelthema
WACHSENDE STADT
Der Gang der Stadt . . . . . . . . . . . . . . . . 6
Das Leitbild für Hamburg
von Wolfgang Peiner . . . . . . . . . . . . . . . . 7
Umfrageergebnis
Chancen der Wachsenden Stadt . . . . 8
Vor dem Hintergrund einer
wachsenden Stadt
von Mark-Oliver Teuber und
Dr. Jan Wedemeier . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
Neujahrsempfang:
Ausblick auf einen Staat, der
sich breit macht . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
Schwere Geschütze
Jürgen Fitschen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
Endlosschleifen und deutsche
Ansprüche
Gunther Bonz . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22-23
Von Baumassnahmen und
Beeinträchtigungen
Senator Frank Horch . . . . . . . . . . . 26-27
Unser Feld ist die Welt
Corinna Nienstedt . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
4
Landesverbände Hamburg und Schleswig-Holstein | Ausgabe März 2014
20 21
22 23
24 25
26 27
28 29 30 31
Herausforderungen der
Immobilienbranche
Dr. Andreas Mattner . . . . . . . . . . . 28-29
Klartext statt Anmerkungen
Wolfgang Clement . . . . . . . . . . . . . . 30-31
Rebellen fördern
Dr. Thomas Fiebig . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
Wirtschaftsrat im Dialog:
EEG – marktwirtschaftlich
ausgestalten
Dr. Herlind Gundelach MdB . . . . . . . . 33
Schleswig-Holstein:
Kamingespräche nach der
Bundestagswahl . . . . . . . . . . . . . . . 40-41
Sektion Rendsburg-Eckernförde:
Grenzüberschreitendes Wachstum
durch digitale Wertschöpfung in
Schleswig-Holstein . . . . . . . . . . . . 48-49
Podiumsdiskussion:
Neue Herausforderungen für
den Wettbewerb im digitalen
Informationsmarkt . . . . . . . . . . . . 50-51
Tariftreue-Regelungen
in Deutschland
Bürokratiemonster
und Papiertiger!
Seiten 52-53
Junger Wirtschaftsrat vor Ort
Herausforderungen für den Jungen
Wirtschaftsrat in Schleswig-Holstein
Neue Herausforderungen
für den Wettbewerb im
digitalen Informationsmarkt
Grenzüberschreitendes Wachstum
durch digitale Wertschöpfung
zu Gast: Olaf Birkner
32
33
34 35
36 37
38 39 40 41
42 43 44 45 46 47 48 49 50 51
52
53
54 55
56 57
58 59 60 61
62
Neues aus dem Landesverband Rubriken
Sektion Neumünster:
Totale Ausspähung – Wie
können sich unsere Unternehmen
schützen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
Sektion Neumünster:
Bürokratiemonster und
Papiertiger! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52-53
Vorstellung des
Landesgeschäftsführers . . . . . . . . . . . 35
Ein Erfahrungsbericht
Praktikum in der Landesgeschäftsstelle Hamburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
Die Sektionssprecher über
50 Jahre Wirtschaftsrat . . . . . . . . 54-55
...im Übrigen
Infos aus der Landesgeschäftsstelle
Hamburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
Schleswig-Holstein . . . . . . . . . . . . . . . 56
Wirtschaftsrat vor Ort
Landesfachkommissionen
Sektion Pinneberg besucht
Heizkraftwerk in Wedel:
Ein neues Kraftwerk für die
Wärmeversorgung im Westen
Hamburgs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
Wachstum und Innovation . . . . . . . . 11
Immobilienwirtschaft . . . . . . . . . . . . . 16
Junges Hamburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
20 Jahre
ITK Informationsund Telekommunikationstechnologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
Veranstaltungsvorschau
Hamburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
Schleswig-Holstein . . . . . . . . . . . . . . . 58
Junger Wirtschaftsrat
Hamburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34-35
Schleswig-Holstein . . . . . . . . . . . . 43-45
Nachlese . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
Neue Mitglieder
in den Landesverbänden . . . . . . . . . . 38
Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
Die Kommission
ITK des Landesverbands Hamburg
legt den
6. TrendReport
vor.
Logistik und Infrastruktur . . . . . . . . . 23
Energiewirtschaft . . . . . . . . . . . . . . . . 42
5
Wachsende Stadt
Der Gang der Stadt
Städte bzw. Stadtregionen sind ökonomisch besonders
leistungsfähig. Menschen zieht es dorthin, wo sie Arbeitsplätze finden und Unternehmen siedeln sich da an, wo
»Städte lassen sich
an ihrem Gang erkennen
wie Menschen«
die Arbeitskräfte sind, die sie brauchen. Diese Logik galt
lange Zeit. Je größer die Fabriken wurden, umso mehr
Arbeitsplätze boten sie an. Das Wachstum der Städte ließ
Robert Musil
sich anhand solcher economies of scale erklären.
Heute, da viele Arbeitnehmer für ihren
Job eigentlich nur noch einen leistungsfähigen Internetzugang benötigen,
könnte es doch vernünftig sein, auf dem
Land zu leben, wo die Mieten günstig
sind. Warum zieht es Menschen dennoch in die Städte? Warum wachsen
einige Städte und andere schrumpfen?
Und vor allem: Warum ist Wachstum
ökonomisch und ökologisch sinnvoll?
turienten eines Jahrgangs ablesen. Hier
nimmt Hamburg im Vergleich der 30
größten deutschen Städte einen vorderen Platz ein. Über 50 Prozent der Schulabgänger hat laut HWWI/BerenbergStädteranking 2013 die Hochschulreife
erworben – so viel wie in keiner anderen Stadt. Aussagen über die Qualität
der Schulbildung sind damit jedoch
nicht getroffen – im Gegenteil. Die Bil-
Bevölkerungsstand in Hamburg (in Millionen)
1,90
1,85
1,80
1,75
1,70
1,65
1,60
1,55
1,50
1,45
6
2012
2009
2003
2006
1997
2000
1991
1994
1985
1988
1982
1976
Dass räumliche Nähe und face-to-faceKontakte Kreativität und somit Innovationen mehr fördert als Telefonkonferenzen und Internetchats ist dabei ein
Teil der Erklärung. Wachstumsfelder
entstehen da, wo Menschen Netzwerke
pflegen. Erfolge in universitärer Forschung suchen nach Unternehmen, die
diese Ergebnisse in Markterfolge umsetzen. Forschung und Markt brauchen
wiederum Vermittler für diesen Technologietransfer. Wo solche Cluster vorhanden sind, ziehen sie weitere innovative und kreative Menschen an.
Seit jeher wuchsen und prosperierten Städte, die viel in Bildung und
Wissenschaft investierten. Freilich lässt
sich Bildung nicht am Anteil der Abi-
1979
1973
1967
1970
1961
1964
1958
1,40
Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, 2014
Der Bevölkerungsrückgang ab Mitte
der 60er ist auch
auf einen starken
Suburbanisierungseffekt zurückzuführen.
dungs- und Wissenschaftspolitik muss
vielmehr einen Sinn für internationale Wettbewerbsfähigkeit entwickeln.
Schüler, Studenten, Arbeitnehmer,
Unternehmer und auch Schulen und
Hochschulen müssen sich messen lassen und sich einem Wettbewerb stellen.
Dies gilt auch für Standorte bzw. Städte oder Metropolregionen.
Wenn es stimmt, dass Städte sich an
ihrem Gang erkennen lassen, dann lässt sich der Hamburger Gang sicherlich
am besten vom Hafen aus betrachten.
Eine Stadt besteht eben nicht nur aus
Gebäuden und Straßen, sondern aus
Menschen. Selbstbewusstsein, Stolz
und Weltoffenheit dürften den typischen Gang Hamburgs prägen.
Landesverband Hamburg | Ausgabe März 2014
Dazu will es nicht so recht passen,
dass die Hamburger in einer Umfrage
des Hamburger Abendblatts vom September letzten Jahres zu 79 Prozent der
Auffassung waren, es sei nun genug mit
dem Wachstum. Dahinter steht die
Angst vor einem weiteren Mietpreisanstieg. Der steigenden Nachfrage nach
Wohnraum muss natürlich mit einer
Angebotssteigerung begegnet werden.
Von Stadtteil zu Stadtteil unterscheiden
sich die Sorgen: Die einen befürchten
eine Gentrifizierung aufgrund von
Zuwanderung qualifizierter und gut
verdienender Menschen; die anderen
befürchten eine Ghettoisierug durch
unqualifizierte Zuwanderung.
„Cities don’t make people poor; they
attract poor people“, schreibt Edward
Glaeser in seinem Buch „Triumpf of the
City∑. Überall auf der Welt strömen
Menschen in Städte, weil sie sich dort
Chancen versprechen. Warum sonst?
Laut Glaeser ist die Armutsrate unter
den Zugewanderten in der Regel höher
als unter den Einheimischen, die ja
selbst einst Zugewanderte waren. Für
Hamburg hat der jüngste Sozialbericht
der Stadt gezeigt: Den Hamburger geht
es im bundesweiten Vergleich mit am
besten.
Mehr als die Hälfte der Bundesbürger lebt in Städten. Der Megatrend Urbanisierung ist eine geeignete Antwort
auf die Notwendigkeit zu mehr EnergieEffizienz. Allgemein bedeutet mehr
Dichte einen geringeren Energieverbrauch. Auch in diesem – ökologischen
– Sinne müssen Städte dynamisch sein.
Wachsende Städte verändern ihr
Gesicht. Wachstum bedeutet politische
Gestaltungsmöglichkeiten. Diese Möglichkeiten zu ergreifen, wäre jetzt die
Aufgabe der Politik.
BN
Das Leitbild für Hamburg
Es entspricht meinem Grundverständnis von Politik, dass jede Regierung
– jeder Regierungschef – eine Vorstellung von der Zukunft des Landes
oder der Stadt entwickelt, in die das politische Handeln für das Land/die
Stadt eingeordnet wird.
Dieser Verantwortung hat sich der
CDU-geführte Senat 2002 gestellt und
das Leitbild „Metropole Hamburg –
Wachsende Stadt“ als Perspektive für
die künftige Entwicklung der Stadt entwickelt. Anlass hierfür war
■ die Einsicht, dass Hamburg seit dem
1. Weltkrieg im weltweiten Vergleich der
Metropolen einen relativen Bedeutungsverlust erlitten hat;
■ die Tatsache, dass sich die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen
durch Wiedervereinigung und Globalisierung dramatisch verändert haben;
■ die Erkenntnis, dass Hamburg in
einem weltweiten Wettbewerb der Metropolen um Unternehmen, Touristen,
Zuwanderer und prägende Köpfe steht
und sich diesem Wettbewerb aktiv stellen muss;
■ die Überzeugung, dass Metropolen
sich nicht „von allein“ entwickeln. Exogene Faktoren spielen eine wichtige
Rolle; mitentscheidend sind aber die
Tatkraft der Bürger, die Weitsicht der
Regierungen und die Bereitschaft, die
Zukunft aktiv zu gestalten.
Was war der Inhalt des Leitbildes?
■ „Metropole Hamburg – Wachsende
Stadt“ als Dachbotschaft: Quantitatives
wie qualitatives Wachstum als Ausdruck der Verbesserung der Lebensverhältnisse, Wachstum als Ergebnis der
Anstrengungen der Menschen, es besser zu machen, als bisher.
■ Vier Ziele: Ausbau der Metropolfunktion – regional und international;
überdurchschnittliches Wirtschaftsund Beschäftigungswachstum; Erhöhung der Einwohnerzahl; Sicherung der
Lebensqualität und der Zukunftsfähigkeit. Diese Ziele wurden ausführlich
konkretisiert.
■ Konkrete Vorgaben für und durchdachte Vorschläge von den Fachbehörden, um die Ziele zu erreichen (eine
gute Strategie zu entwickeln reicht
nicht, sie muss auch umgesetzt werden).
■ Ein Monitor, um die Erfüllung der
Ziele zu überwachen.
Dieses Vorgehen war in Deutschland
einzigartig; weder der Bund noch die
Länder und mit Hamburg vergleichbare Metropolen hatten einen derartigen
Ansatz entwickelt. Das Konzept ging
einher mit einer konsequenten Konsolidierung des Haushaltes: Eine kraftvolle wirtschaftliche Entwicklung und
ein gesunder Haushalt sind für mich
zwei Seiten derselben Medaille.
Als Folge der Umsetzung des Leitbildes hat sich die Stadt im 1. Jahrzehnt
dieses Jahrhunderts im Vergleich zu
anderen deutschen und europäischen
Metropolen sehr gut entwickelt. Dies ist
ablesbar zum Beispiel an den Zuwachs-
Nachfolgende Senate haben
sich von der Weiterentwicklung des Leitbildes verabschiedet und auch keine neuen
Konzepte entwickelt.
raten bei dem Beschäftigungsaufbau,
der Bevölkerungsentwicklung, der Zunahme der Touristen und den privaten
Investitionen in der Stadt. Hamburg
wurde als „Boomtown“ wahrgenommen, es herrschte Aufbruchstimmung.
Und: Der Haushalt wurde konsolidiert.
Nach 5 Jahren kontinuierlich sinkender
Neuverschuldung folgte eine (wenn
auch nur kurze) Phase mit einem ausgeglichenen Haushalt.
Nachfolgende Senate haben sich
von der Weiterentwicklung des Leitbildes verabschiedet und auch keine neuen Konzepte entwickelt. Dabei besteht
Handlungsbedarf: Nachbarstädte wie
Rotterdam und Kopenhagen als Kon-
Dr. Wolfgang Peiner
Senator a.D.
kurrenten investieren in ihre Zukunft;
das „Maritime Cluster“ Hamburg ist
gefährdet; der Finanzdienstleistungsplatz und der Medienstandort verlieren
an Bedeutung, die internationalen Verkehrsströme drohen an Hamburg vorbeizulaufen. Auch innerdeutsch weisen
München, Stuttgart, Frankfurt und
selbst Berlin heute eine größere Wachstumsdynamik auf als Hamburg. Die
wissenschaftlichen Einrichtungen bilden in Hamburg kein Gegengewicht. Im
Gegenteil: Im nationalen wie im internationalen Vergleich verlieren sie an
Bedeutung. Positiv ist, dass Hamburg
als Wohnort attraktiv bleibt, die Einwohnerzahl wächst – wie die aller deutschen Großstädte. Aber ist dieses
Wachstum „gewollt“, „geplant“ oder
eher zufällig? Will Hamburg Zuwanderungsstadt sein – und wenn ja, was tut
die Stadt dafür? Dabei reicht es nicht,
nur über die Folgen von Bevölkerungswachstum im Hinblick auf Infrastruktur, Wohnungsbau und öffentliche Einrichtungen nachzudenken. Wichtiger
ist die Frage: Wo sind die Zukunftsfelder, von denen die Menschen in der
Stadt und der Metropolregion in den
kommenden Jahrzehnten leben können
und wollen?
Hamburg hat mit seinem Leitbild
„Metropole Hamburg – Wachsende
Stadt“ bewiesen, dass vorausschauende Politik möglich ist. Daran sollten
künftige Senate anknüpfen.
Dr. Wolfgang Peiner
7
Wachsende Stadt – Umfrageergebnis
30 Sekunden-Umfrage
Chancen der Wachsenden Stadt
Wie geeignet
sind nach Ihrer
Auffassung die
folgenden
Instrumente zur
Bewältigung
des wachsenden
innerstädtischen
Verkehrs?
bewertet mit sehr gut und gut
70 %
60 %
50 %
40 %
30 %
20 %
10 %
0
Car to go
StadtRad
Stadtbahn
Nach der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung des Statistikamts Nord
– Statistiker prognostizieren nicht, sondern rechnen! – wird der Bevölkerungsbestand Ende dieses Jahres in
Hamburg bei 1.810.300 Menschen liegen und Ende des Jahres 2030 bei
1.853.800. In anderthalb Jahrzehnten
wird Hamburg 43.500 Menschen aufnehmen. Das entspricht der Größe
Busbeschleunigung
einer Stadt wie Lehrte oder Bad Kreuznach.
Wie sich die Stadt dann entwickelt,
hängt auch von der Einstellung der
Hamburger zu Wachstum und Zuwanderung ab. Eine Kurzumfrage unter den
Mitgliedern des Wirtschaftsrats hat
ergeben: 89,59 Prozent der Teilnehmer
sehen in dem Wachsen der Stadt eher
Chancen als Probleme. Allerdings sind
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8
City-Maut Stellplatzpflicht
Landesverband Hamburg | Ausgabe März 2014
78,81 Prozent der Auffassung, der Senat
nutze die Chancen nicht ausreichend.
Die Innovationsleistung kreativer
Menschen, die in Hamburg bzw. der
Metropolregion leben, studieren und
arbeiten wollen, bestimmt die Wirtschaftskraft der Zukunft. Landesvorsitzender Debatin sah in seiner Stellungnahme vom 24. Februar den Senat in
der Pflicht, in der Hochschulpolitik
mehr auf Qualität und Exzellenz zu setzen. Die Auflösung der Wissenschaftsstiftung und der Landesexzellenzinitiative waren jedenfalls die falschen
Signale.
Die Herausforderungen des Wachstums sieht der Wirtschaftsrat im
Bereich Wohnungsbau und Verkehr. Die
Wohnungsbauoffensive des Senats ist
der richtige Weg. Allerdings bleiben die
Fertigstellungen noch deutlich hinter
den Genehmigungen zurück.
Bei der innerstädtischen Mobilität
setzen die Mitglieder des Wirtschaftsrats auf neue Formen des Individualverkehrs: Über 60 Prozent stehen Carto-go- und StadtRad-System positiv
gegenüber. Das Busbeschleunigungsprogramm halten hingegen nur 32 Prozent für geeignet.
BN
Vor dem Hintergrund einer
wachsenden Stadt
Die Entwicklung einer Stadt hängt
wesentlich mit den Standortbedingungen, die sie bereitstellt, zusammen.
Eine hohe Lebensqualität, eine gute
Infrastrukturausstattung sowie exzellente Bildungsangebote stellen beispielhafte Indikatoren dar, die eine
Stadt attraktiv machen. Denn ökonomisch erfolgreiche Städte zeichnen sich
insbesondere dadurch aus, dass sie eine
große Anziehungskraft auf Menschen
und Unternehmen ausüben, was wiederum die Attraktivität der Stadt erhöht. Es findet ein sich selbst verstärkender Effekt statt. Eine entscheidende
Rolle in diesem Entwicklungsprozess
kommt der Akkumulation von Wissen
zu. Die Bewältigung des wissensbasierten Strukturwandels stellt aktuell
eine der größten ökonomischen Herausforderungen für Städte dar. Ihre
künftigen Perspektiven sind entscheidend mit einem erfolgreichen Verlauf
dieses Prozesses verknüpft. Daher gilt
es, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Zuwanderung, insbesondere hochqualifizierter Arbeitskräfte
(Humankapital), positiv beeinflussen.
Eine allgemein hohe Nettozuwanderung geht dabei mit einem größeren
Zuwachs an hochqualifizierten Arbeitskräften einher. 1)
Wachsende Städte bieten demnach,
durch die Zunahme des Humankapitals, ideale Voraussetzungen zur Bewältigung des wissensbasierten Wandels.
Städte mit einem relativ hohen Anteil
hochqualifizierter Arbeitskräfte, entwickeln sich dynamischer als andere
Regionen. Die dort ansässigen Unternehmen profitieren überproportional
von hochqualifizierten, kreativen Mitarbeitern. Glaeser und Saiz (2004) zeigen, dass eine direkte Verbindung zwischen einer hohen Produktivität und
der Humankapitalkonzentration in
einer Stadt besteht.2) Die räumliche
Konzentration und Ballung von qualifizierten Arbeitskräften führt dabei zu
einer Clusterung von Kooperationen
und Aktivitäten, was eine Voraussetzung für Innovation und Wachstum ist
und wiederum zu einer höheren Produktivität führt. Darüber hinaus weist
Shapiro (2006) auf den positiven
Zusammenhang zwischen der Akkumulation von Wissen und allgemein
zunehmender Erwerbstätigkeit hin.3)
Somit ist eine positive Nettozuwanderung eine wichtige Determinante der
Zukunftsperspektiven einer Stadt.
Mark-Oliver Teuber
seit 2011 wissenschaftlicher Mitarbeiter
am Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI)
Dr. Jan Wedemeier
seit 2007 Researcher am
Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI)
Ergebnisse und Empirie
Hamburg weist eine der höchsten absoluten Produktivitäten unter den 30
größten deutschen Städten auf. Ferner
liegt der Anteil der Beschäftigten in wissensintensiven Wirtschaftszweigen bei
etwa 35 Prozent. Stuttgart hat mit 48,9
Prozent den deutlich höchsten Anteil an
Beschäftigten in wissensintensiven
Wirtschaftszweigen an der Gesamtbeschäftigung in 2011. Die Automobilstadt
wird gefolgt von München (48,1 Prozent) und Frankfurt (41,6 Prozent). Alle
vier Städte weisen ein dynamisches
Wachstum mit hohem volkswirtschaftlichen Einkommen sowie einer positiven Bevölkerungs- und Erwerbstätigkeitsentwicklung auf. Auf der anderen
Seite haben z.B. Gelsenkirchen (23,6 Prozent) und Duisburg (23,7 Prozent) einen
relativ geringen Anteil wissensintensiver Beschäftigter. Diese Städte weisen
andere, ungünstigere Standortfaktoren
für Unternehmen und Fachkräfte auf
als die führenden Städte. Dies manifestiert sich in einer negativen Bevölkerungs- und unterdurchschnittlichen
Erwerbstätigkeitsentwicklung.4)
Die positive Nettozuwanderung
sowie die kontinuierlich steigende Erwerbstätigkeit, führen in Hamburg u.a.
dazu, dass die Bevölkerung bis 2025 und
damit der Bedarf an Wohnraum weiter
zunehmen wird. So stiegen in den vergangenen Jahren die Immobilienpreise an und liegen heute im oberen Mittelfeld der deutschen Großstädte. 5)
Durch einen hohen Zuzug kann Druck
auf die Wohnbevölkerung durch die
Verknappung von Wohnraum entstehen und hierdurch die Attraktivität
einer wachsenden Stadt zurückgehen.
Von daher sind für eine dynamische
Stadtentwicklung die Standortfaktoren
von Bedeutung: Hierzu gehören neben
der ausreichenden Verfügbarkeit von
Wohnraum und Infrastruktur auch
Standortfaktoren wie die Vereinbarkeit
von Familie und Beruf sowie die kulturelle Offenheit gegenüber Neuem.
Insgesamt besteht für die regionalwirtschaftliche Entwicklung die Gefahr,
und dies zeigen die empirischen Analysen der vergangenen Jahre, dass sich
der Abstand zwischen den dynamischen und ökonomisch erfolgreichen
Städten auf der einen Seite und den
Städten, die Standortdefizite aufweisen und Bevölkerungsverluste verkraften müssen, noch vergrößern wird. Zu
der letztgenannten Gruppe von Städten gehört die Freie und Hansestadt
■
Hamburg jedoch nicht.
Vgl. Justenhoven, P.; Späth, E.; Hasse, F.; Schlitte, F.; Wedemeier, J.; Wilke, C. (2013): München 2025 – eine Metropolregion und ihre Entwicklungsperspektiven,
München, S. 82. 2) Vgl. Glaeser, E.; Saiz, A. (2004): The Rise of the Skilled City, Brookings-Wharton Papers on Urban Affairs 2004, 47-94. 3) Vgl. Shapiro, J. M. (2006):
Smart Cities: Qualitiy of Life, Productivity, and the growth effects of human capital, The Review of Econonomics and Statistics 88(2), 324-335. 4) Vgl. Teuber,
M.-O.; Wedemeier, J. (2013): HWWI/Berenberg Städteranking 2013, Hamburg. 5) Vgl. Otto, A. H. (2013): Haspa Hamburg-Studie, L(i)ebenswertes Hamburg, Wohnen heute und in Zukunft, Hamburg.
1)
9
Aussenhandel
Unser Feld ist die Welt
Für die Handelskammer werden die eigenen Auslandsvertretungen als
Spiegel des außenwirtschaftlichen Leistungsvermögens immer wichtiger. Im „Pfeffersack“, in der Handelskammer, hielt die Trägerin des Nationalen Verdienstordens der Republik Frankreich, Corinna Nienstedt, einen
Vortrag über die Hamburger Wirtschaft.
China ist das wichtigste Partnerland
unseres Hafens, ein Drittel des Hafenumschlages wird mit China abgewickelt, darüber hinaus ist es bereits im
Im-und Export unser zweitwichtigstes
Land. „Wenn China niest, bekommen
wir hier in Hamburg eine Grippe“ weiß
sie. Es besteht die Möglichkeit, „dass wir
von China abhängig werden, denn der
Anteil Chinas an unserem Außenhandelsvolumen wächst ständig“, so die
bis Ende 2013 einzige weibliche Geschäftsführerin der Hamburger Handelskammer.
Die Rückgänge des Handels mit
Frankreich und Italien konnten durch
das Umsatzvolumen mit China gut
kompensiert werden. Der Hamburger
Außenhandel ist deshalb stark daran interessiert, dass die Wirtschaftspolitik in
Hamburg und vor allem in Berlin ein
intensives politisch freundschaftliches
Verhältnis pflegt. Aus diesem Grunde
wurde „Hamburg Summit: China meets
Europe“ mit bekannten Fachleuten und
hochklassigen Referenten ins Leben
gerufen.
Allein der Außenhandel Hamburgs
entspricht dem des gesamten Landes
Schweden. Hamburg ist mit einem gesamt Außenhandelsvolumen von 118
Milliarden Euro, davon 70 Milliarden
Einfuhr, ein auf den Import fixiertes
Bundesland. Laut Corinna Nienstedt ist
die Handelskammer daher gegen alle
Maßnahmen, die sich auf Einschränkungen der Importe, gegen Quoten und
Antidumpingzölle auf Importe beziehen. Damit liegt sie überwiegend im
Einklang mit der Hamburger Wirtschaft.
Die europäischen Institutionen in
Brüssel und Straßburg sind tendenziell
eher auf Südeuropa fixiert. Hier muss
wieder mehr der Focus auf Nordeuropa
10
und den Ostseeraum gelegt werden
„nicht zuletzt auch, was die Vergabe von
Fördergeldern angeht“, konstatierte sie.
Auch die positiven Beziehungen zu den
Ländern Russland, Indien und Dubai
blieben nicht unerwähnt. Zu Russland
werden gute geschäftliche Kontakte
gepflegt, man kommuniziert und setzt
sehr auf die Ausbildung der dortigen
Jugend. In Dubai wird auf den Gesund-
Corinna Nienstedt
Diplom Politologin,
Geschäftsführerin und Leiterin des
Geschäftsbereichs International der
Handelskammer Hamburg
heitssektor und auf den bekannten
Patiententourismus gesetzt. Für Indien
sieht sie große Potentiale in den Bereichen der Häfen, der Windkraft und der
Medizintechnik.
Die gebürtige Rotenburgerin
(Wümme) brachte es auf den Punkt:
„Unser Feld ist immer noch die Welt,
aber unser Feld ist auch Europa“.
Wilfried H.H. Remmers
NACHGEHAKT
Die deutschen Exporte sind 2013 erstmals seit dem Rezessionsjahr 2009
leicht um 0,2 Prozent gesunken. Wieweit ist Hamburg daran beteiligt?
Die Konjunkturumfrage unserer Handelskammer spricht da erfreulicherweise eine andere Sprache. Zum Ende
des vierten Quartals 2013 fallen die
Exportaussichten der Hamburger
Wirtschaft im Vergleich zum Vorquartal insgesamt etwas besser aus:
Von den exportierenden Unternehmen kalkulieren knapp 25 Prozent mit
zunehmenden und circa fünf Prozent
mit abnehmenden Auslandsgeschäften im Jahr 2014. Insofern sehe ich für
den Hamburger Export keinen Anlass
zu Pessimismus. Und unserer Erfahrung nach sind die Ergebnisse unserer Konjunkturumfragen stets ziemlich deckungsgleich mit den wirtschaftlichen Entwicklungen, wie sie
dann auch wirklich eintreten.
Welches sind Hamburgs wichtigste
Exportprodukte?
An erster Stelle stehen Luftfahrzeuge
und Teile davon, aber auch Maschinen
und Maschinenteile, Mineralölerzeugnisse, Düngemittel, pharmazeutische
Produkte und Chemikalien sowie
auch elektrotechnische Erzeugnisse.
Landesverband Hamburg | Ausgabe März 2014
Was importieren die Hamburger
Firmen am meisten?
Das ist fast deckungsgleich und bezieht sich ebenfalls auf Luftfahrzeuge
und Teile davon sowie Mineralölerzeugnisse, Erdöl und Erdgas, Maschinen und elektrotechnische Produkte.
Das ist im Übrigen typisch für hochentwickelte Industriestandorte: Die
gleichen Produkte, die man exportiert,
werden auch wiederum importiert.
Wenn sich beides die Waage hält, ist
unter dem Strich nichts übrig?
Ich sprach ja nur von der Art der
Produkte, die sich ähneln. Wir haben
in Hamburg traditionell und auch jetzt
immer noch einen sehr starken Importüberschuss. Das ist in der Geschichte
verwurzelt. In Hamburg sind traditionell Rohstoffe eingeführt worden, die
bei uns am Standort dann weiterverarbeitet worden sind. Das lässt sich
noch an einer Reihe von Hamburger
Industriebetrieben ablesen: zum Beispiel an Kaffeeröstereien wie Darboven oder auch an Beiersdorf. Traditionell war Hamburg ein sehr viel stärkerer Importstandort als Exportstandort,
und das ist auch heute noch so.
Die Fragen stellte
Wilfried H.H. Remmers.
Landesfachkommission
Wachstum und Innovation
Innovation, das Schlüsselelement für Wachstum – auch für Hamburg
Um sich der internationalen Konkurrenz stellen zu können, müssen Organisationen schnell agieren und innovativ sein. Gerade
bei Neuentwicklungen ist Timeto-Market von entscheidender
Bedeutung.
Innovationen schwer planbar
Trotz permanenter Marktbeobachtung
und detaillierter Trendanalyse bleiben
Innovationen schwer planbar. Es
bedarf mehr als eines innovativen
Betriebsklimas und smarter Mitarbeiter, um auf der Suche nach innovativen Lösungen erfolgreich zu sein.
Mit der Clusterstrategie wird das
Ziel verfolgt, auf Gebieten mit hohem
Wachstumspotential neue Impulse zu
setzen. Clusterspezifische Einrichtungen, wie das Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung, das Centrum für
Angewandte Nanotechnologie oder
die Norgenta helfen dabei, die Innovationsfähigkeit von Unternehmern zu
stärken. Auf diesem Wege hat es sich
als sinnvoll erwiesen, sich an Wertschöpfungsketten zu orientieren.
Öffentliche Forschungseinrichtungen übernehmen
wichtige Rolle
Hierbei spielen die Hochschulen und
öffentlichen Forschungseinrichtungen
eine wichtige Rolle: Sie liefern neue
Lösungsansätze und tragen durch
exzellente Grundlagenforschung dazu
bei, dass neueste Erkenntnisse entstehen – eine wichtige Voraussetzung für,
aber noch kein Universalschlüssel zur
Innovation. Erst wenn neue Erkenntnisse auf technische Fragestellungen
von Unternehmen und auf offene
Märkte treffen, kommt man einer
Innovation näher durch Technologietransfer mit klarer Zieldefinition und
Umsetzungsbegleitung. Hier helfen
Dr. Hubert Baltes
Vorsitzender
der Landesfachkommission
die genannten Einrichtungen, Anwendung und Marktnähe von vornherein
zu prüfen – eng orientiert an den
Bedürfnissen der Unternehmen und
ihrer Kunden.
Während nur 5 Prozent aller Kooperationen über universitäre Technologietransferstellen vermittelt werden,
bieten die fachspezifischen Ansätze
eine Reihe von Vorteilen: In strukturierten Clustern ist das Management
aufgrund spezifischer Kenntnisse von
Technologien, Patenten und Produkten
und Märkten in der Lage, nachhaltige
Strategien zu erarbeiten, die zu neuen
Förderanträgen für Drittmittelprojekte oder neuen Auftragsforschungsprojekten mit Unternehmen führen.
Gleichzeitig führt der Ansatz zu einer
Verbesserung der öffentlichen Wahrnehmung des jeweiligen Schwerpunktthemas und dient damit der Profilierung des Standortes.
Schlüsselelement eines jeden Innovationsprozesses ist und bleibt der
smarte Mitarbeiter, dem es aufgrund
seiner Erfahrung, Motivation und
Kreativität gelingt, in einem frühen
Stadium eine künftige Innovation von
einer weiteren Idee zu unterscheiden.
Häufig hilft ihm der Austausch mit
Kollegen und Partnern innerhalb des
Clusters dabei. Das gilt aber nur für die
clusternahen Unternehmen und Einrichtungen, die gut vernetzt und
bereits nahe am Markt sind. Für alle
anderen, insbesondere die KMUs, die
die Masse der Hamburger Unternehmen stellen, sind Ansprechpartner
wichtig, die die Vermarktbarkeit, also
Marktpotential und Marktzugriff prüfen. Solche Aufgaben müssten bei den
einzelnen Clustern oder der Innovati-
Dr. Frank SchröderOeynhausen
Geschäftsführer
CAN GmbH
onskontaktstelle angesiedelt werden,
die den KMUs eine kompetente Unterstützung am Clusterrand gewährt.
Forschungseinrichtungen
ausbauen und ansiedeln
Für die Standortentwicklung sollte es
höchste Priorität sein, verstärkt exzellente Forscher, Entwickler und Firmen
in den Zukunftsfeldern anzuziehen,
um eine kritische Masse und neue
Arbeitsplätze mit hoher Wertschöpfung zu schaffen. Hierzu sollte gezielt
der Ausbau bestehender und die
Ansiedlung neuer Forschungseinrichtungen wie Fraunhofer-Instituten verfolgt werden, die in Hamburg unterrepräsentiert sind. Wichtig ist aber
auch ein eindeutiges politisches Bekenntnis zur Stärkung der Cluster!
Denkbar sind weitere unterstützende
Maßnahmen wie die Einrichtung von
Think-Tanks zu ausgewählten Themen,
eine zentrale Veröffentlichung aller
Diplom- und Doktorarbeiten, die Incentivierung des Technologietransfers
an den Hochschulen, die Auslobung
von Preisen in den Schwerpunktbereichen, die Optimierung der Innovationsfinanzierung, auch in den nichttechnischen Bereichen, durch die Investitions- und Förderbank oder die
Schaffung weiterer Anreize für Neugründungen, z.B. in Form von clusterspezifischen Innovations- und Technologiezentren (Innovation Parks). Nicht
zuletzt sollten die Anstrengungen über
die Grenzen Hamburgs hinaus ausgeweitet werden, um die vielfältigen
Kompetenzen im Norden Europas
sinnvoll nutzen zu können.
Dr. Frank Schröder-Oeynhausen
Dr. Hubert Baltes
11
Länderfinanzausgleich
Wirtschaftlicher
Schwächeanfall
Hamburg ist Nehmerland geworden –
was jetzt zu tun ist
Dr. Roland Heintze
stellv. Vorsitzender sowie haushaltsund europapolitischer Sprecher der
CDU-Bürgerschaftsfraktion und
Spitzenkandidat für die Europawahl
am 25. Mai 2014
Klarer können die Warnsignale nicht sein: Hamburg ist zum ersten Mal
seit 1994 wieder Nehmerland in Finanzausgleich, erhält also Geld von
anderen Bundesländern. Im letzten Jahr flossen so 87 Millionen Euro in
unsere Stadt – hinzu kommen erstmalig auch sog. Bundesergänzungszuweisungen in Höhe von 42 Millionen Euro, die unterdurchschnittlich
finanzkräftigen Ländern gezahlt werden.
Liegt das jeweilige Bundesland
unterhalb der gestrichelten
roten Linie, ist das reale BIP pro
Arbeitnehmer niedriger als im
Jahr 2005, die Produktivität ist
also geringer
Was den Finanzsenator vermutlich
freut, bedeutet für Hamburgs wirtschaftliche Entwicklung nichts Gutes.
Ob ein Land Nehmer oder Geber im
Finanzausgleich ist, hat entgegen häufiger Vermutung nichts mit guter oder
schlechter Haushaltsführung zu tun.
Der entscheidende Grund ist in der
wirtschaftlichen Entwicklung im Vergleich mit anderen Bundesländern zu
suchen. Hamburgs neuer NehmerstaReales BIP pro Erwerbstätiger (Produktivität)
als Index (2005 = 100)
malen Zeiten fast automatisch Wachstum ein. Klarer wird der Blick aber, wenn
man das reale Wirtschaftswachstum
pro Erwerbstätigem (die sog. Produktivität) zu Rate zieht. In Hamburg ist dieser Indikator in den Jahren 2011 und 2012
zweimal negativ gewesen (-1,0 bzw.-0,4
Prozent). Damit ist Hamburg in Deutschland eine unrühmliche Ausnahme. Die
Produktivität ist mittlerweile sogar
niedriger als 2005 (siehe Grafik 1).
Steuerkraft pro Einwohner
(in Prozent des Länderdurchschnitts)
Grafik 1
Daten: Arbeitskreis Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung; Grafik: CDU-Fraktion
tus ist ein Symptom für eine schwächelnde Wirtschaftskraft.
Ein populärer Indikator dafür ist die
inflationsbereinigte Wirtschaftsentwicklung bzw. das reale Bruttoinlandsprodukt. Da das urbane Leben modern ist
und Hamburg immer mehr Menschen
anzieht, die konsumieren und produzieren, stellt sich in unserer Stadt in nor-
12
Landesverband Hamburg | Ausgabe März 2014
Grafik 2
Daten: Bundesfinanzministerium; Grafik: CDU-Fraktion
Sehr aussagekräftig ist in diesem
Kontext auch die Steuerkraft pro Einwohner. Das reiche Hamburg liegt hier
traditionell an der Spitze der Länder. Das
ist auch heute so. Schaut man aber
genauer hin, erkennt man, dass sie vor
der Finanzkrise noch bei 175 Prozent des
deutschen Länderdurchschnitts lag.
Letztes Jahr waren es „nur“ noch 148
Prozent. Das muss nicht heißen, dass
unsere Steuerkraft in Euro gemessen
zurückgeht. Aber im Vergleich mit den
anderen Ländern sind wir auf dem absteigenden Ast (siehe Grafik 2).
Über die zwei genannten eher globalen Indikatoren hinaus gibt es auch
noch handfestere Hinweise. So spricht
ein Blick auf die Unternehmensinsolvenzen Bände. Auf dem Höhepunkt der
Finanzkrise gab es 764 Insolvenzen in
den ersten elf Monaten. Letztes Jahr
waren es schon 925. Diese trotz guter
gesamtdeutscher Konjunktur negative
Entwicklung steht völlig im Widerspruch zu unseren Nachbarländern
oder auch zu einer vergleichbaren Großstadt wie Berlin (siehe Grafik 3).
Wichtige Anzeichen deuten also
auf eine schwächelnde Wirtschaftskraft
hin. Nach den erfolgreichen Jahren
unter dem CDU-Leitbild „Metropole
Hamburg – Wachsende Stadt“, in
denen wir vom Spiegel sogar das Etikett „Boomtown Hamburg“ erhalten
haben, scheint sich unter dem SPDSenat Lethargie auszubreiten. Es werden keine neuen Ideen entwickelt, es
Was ist also zu tun? Hamburg
braucht dringend eine Neuauflage oder
Weiterentwicklung unseres unter Ole
von Beust und Wolfgang Peiner beschlossenen Leitbildes. Dazu braucht es
jedoch Mut und Gestaltungswillen. Unter „gutem Regieren“, das wird immer
deutlicher, hat Olaf Scholz von Anfang
an nur eine gute Verwaltung der Stadt
gemeint. Das ist zwar notwendig, könnte aber letztlich auch von einem Verwaltungsbeamten umgesetzt werden.
Ein Bürgermeister einer nordeuropäischen Metropole wie Hamburg muss
weiter denken. Im Zuge der europäischen Integration sind unsere Wettbewerber nicht Köln oder München,
sondern Metropolen wie Barcelona,
Amsterdam oder Stockholm. Deshalb
muss Hamburg die Standortbedingungen vor allem für hochproduktive Unternehmenssektoren verbessern. Es fehlt
in unserer Stadt an Gründer- und Technologieparks, die Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft ist mangelhaft
und es gibt immer weniger Konzernzentralen, die auch andere Unternehmen anlocken. Hamburgs starke Rolle
Anzahl der Insolvenzen
(Januar bis November)
Grafik 3
Daten: Destatis, jeweils Januar bis November; Grafik: CDU-Fraktion
gibt keine Visionen. Hamburg verwandelt sich wieder in die einst von Helmut
Schmidt etwas spöttisch genannte
„schlafende Schöne“. Das ist natürlich
auch der Grund für die aktuelle Wahrnehmung des Senats. Wer nichts entscheidet und neu entwickelt, macht
keine Fehler und zieht keine Kritik auf
sich. Diese Strategie ist jedoch fatal.
innerhalb Europas wird unzureichend
genutzt. Nur durch produktive Wirtschaft verbessern wir die Steuerkraft
und unsere Wettbewerbsposition in
Deutschland und Europa. Nur dann
können wir es schaffen, die schmachvolle Rolle des Nehmerlandes im
Länderfinanzausgleich wieder zu verlassen.
Dr. Roland Heintze
13
Wohnungsbau
Zur Effizienz der sozialen
Wohnraumförderung
Der soziale Wohnungsbau erlebt derzeit in Hamburg – wie auch in anderen Großstädten – eine Renaissance. Die Politik reagiert damit auf die
Dr. Ralph Henger
Senior Economist
im Kompetenzfeld Immobilienökonomik, Institut der deutschen
Wirtschaft Köln
steigende Mieten und dem Mangel an bezahlbaren Wohnraum.
Grundsätzlich ist es richtig, bei steigender Nachfrage auf den Neubau
von Wohnungen zu setzen. Es ist jedoch falsch, dabei den Neubau von
Sozialwohnungen zu stark zu forcieren, da der geförderte Wohnungsbau
relativ teuer ist und daher nur „wohl dosiert“ zum Einsatz kommen sollte. Besser sind direkte Transfers an einkommensschwache Haushalte.
Olaf Scholz versprach im Bürgerschaftswahlkampf 2011, in Hamburg jedes Jahr
6.000 Wohnungen zu bauen, davon
2.000 Sozialwohnungen. Scholz und seine SPD trafen mit diesem Versprechen
den Nerv der Zeit und gewannen in der
Hansestadt, in der die Mieten und
Immobilienpreise seit Jahren kräftig
anziehen, die absolute Mehrheit. Wie
die Genehmigungszahlen belegen, hat
die Bautätigkeit seitdem auch deutlich
Neubautätigkeit in Hamburg seit 2005
Grafik 1
Quelle: Wohnungsbauprogramm des Senats, Bilanz 2013, Jutta Blankau
zugelegt (siehe Grafik 1). Dieser „Erfolg“
hat jedoch einen hohen Preis, denn der
soziale Wohnungsbau bietet zahlreiche
praktische Probleme. Auf den Punkt
gebracht: Soziale Wohnraumförderung
ist zwar sehr effektiv, aber wenig effizient und damit teuer.
Wohnraumförderung:
Ein kurzer Rückblick
Die Wohnraumförderung liegt seit der
Föderalismusreform im Jahr 2006 in der
14
Landesverband Hamburg | Ausgabe März 2014
Hand der Länder. Seither erhalten die
Bundesländer Kompensationsmittel in
Höhe von jährlich 518,2 Millionen Euro.
Diese Summe will die aktuelle Bundesregierung von CDU/CSU und SPD auch
zukünftig bereitstellen. Dabei ist zu
beachten, dass die heutige Wohnraumförderung nur noch sehr wenig mit
dem sozialen Wohnungsbau der alten
Wohnungsbaugesetze gemein hat. Bis
zum Jahr 2001 wurde versucht, mit
möglichst vielen Neubauten breiten
Bevölkerungsschichten die Versorgung
mit Wohnraum zu erleichtern. Der heutige Fokus der sozialen Wohnraumförderung gemäß § 1 Abs. 2 Wohnraumförderungsgesetz liegt dagegen sehr
viel stärker auf den tatsächlich bedürftigen Haushalten, die auf Unterstützung angewiesen sind. Diese Fokussierung war richtig und hat die Zielgenauigkeit der öffentlichen Wohnraumförderung erheblich verbessert.
Durch die Neuausrichtung ist die
Anzahl der geförderter Miet- und Eigentumswohnungen im Neubau in
Deutschland bis zum Jahr 2010 auf
22.000 Einheiten gesunken (siehe Grafik 2). Auch die Zahl der mietpreisgebundenen Wohnungen liegt heute
„nur“ noch bei rund 1,5 Millionen bzw.
rund 7 Prozent aller Mietwohnungen –
halb so viel wir noch vor 20 Jahren.
Gleichzeitig haben sich aber auch die
Wohnungsmärkte in vielen Großstädten in den letzten Jahren durch stark
gestiegene Mieten und Preise gewandelt. Die Gründe hierfür liegen in der
hohen Nachfrage nach Wohnraum, die
auf Zuwanderung aus dem In- und Aus-
Grafik 2
Anzahl geförderter
Miet- und Eigentumswohnungen im Neubau in Deutschland
(bis 1990 nur Westdeutschland)
Quelle: BMVBS/BBSR, 2011, Fortführung der Kompensationsmittel für die Wohnraumförderung, Berlin/Bonn
land, einem Anstieg der Studentenzahlen und Reurbanisierungstrends zurückzuführen ist. So ist Hamburg in den
letzten 10 Jahren um knapp 100.000
Einwohner gewachsen. Durch die geringe Bautätigkeit entstanden Knappheiten, die insbesondere den Zugang für
einkommensschwache Haushalte zu
bezahlbaren Wohnraum erschweren.
Probleme der sozialen
Wohnraumförderung
Allein in Hamburg müssen nach Berechnungen des IW Köln bis zum Jahr
2030 jährlich 9.000 neue Wohneinheiten errichtet werden, um den weiteren
Wachstum der Stadt zu begegnen und
den dortigen Wohnungsmarkt wieder
zu entspannen. Voraussetzung hierfür
sind jedoch politische, finanzielle und
steuerliche Rahmenbedingungen, die
Investitionen begünstigen. Die Mietpreisbremse wirkt hierbei kontraproduktiv, wird aber trotzdem voraussichtlich noch dieses Jahr von der Bundesregierung umgesetzt.
Die meisten Länder – wie der Hamburger Senat – haben mit aufgestockten Wohnraumförderprogrammen auf
den Wohnungsmangel reagiert. Doch
hat die öffentliche Wohnraumförderung überhaupt eine ökonomische und
soziale Berechtigung? Die Antwort lautet: ja, wenn man sie behutsam einsetzt. Die soziale Wohnungspolitik benötigt mehrere Instrumente, um die
Ziele einer angemessenen Wohnraumversorgung zu erreichen: Die Objektförderung, um das Wohnungsangebot
zielgruppenspezifisch auszuweiten,
und die Subjektförderung, um nachfrageseitig die Wohnkosten teilweise
(Wohngeld) oder vollständig (Kosten der
Unterkunft und Heizung – KdU – im
Rahmen der Grundsicherung) zu übernehmen. Sowohl die Objekt- als auch
die Subjektförderung haben ihre Berechtigung, da sie zwei unterschiedliche Probleme der sozialen Wohnungsversorgung adressieren: Das Zahlungsund das Zugangsproblem. Das Zahlungsproblem resultiert aus der geringen Zahlungsfähigkeit einkommensschwacher Haushalte. Hier setzen das
Wohngeld und die KdU-Leistungen mit
ihren subjektbezogenen Eigenschaften
an. Das Zugangsproblem entsteht, weil
bestimmte Gruppen für Vermieter Risikomerkmale aufweisen, die es ihnen
schwer machen, einen Mietvertrag zu
erhalten. Hier setzt die Objektförderung
an, der Belegungsrechte an bedürftige
Haushalte verteilt. Zusätzliche Kosten
lassen sich hierbei jedoch kaum vermeiden. Die Subjektförderung kann
ihre Einkommenstransfers sehr exakt
an die jeweilige finanzielle Situation
eines Haushalts anpassen – die Objektförderung kann dagegen nur ein Belegungsrecht gewähren oder nicht. Die
Subjektförderung kann ihre gewährten Leistungen regelmäßig überprüfen
und neuberechnen – die Objektförderung kann dies nicht, da ein einmal
zum Zuge gekommener Haushalt unter
dem Kündigungsschutz des Mietrechts
steht.
Diese schwerwiegenden Probleme
sollte auch Hamburg berücksichtigen.
Die angespannte Lage wird sich in den
nächsten Jahren durch die starke Neubautätigkeit sicherlich deutlich entspannen, so dass gezielte soziale Wohnraumfördermaßnahmen an wenigen
Standorten ausreichen. Für weitere Entspannung wird auch die Wohngeldreform sorgen, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit im Jahr 2015 umgesetzt
wird. Bedürftige Haushalte bekommen
dann einen höheren Zuschuss und höhere Mieten anerkannt.
Dr. Ralph Henger
15
Landesfachkommission
Immobilienwirtschaft
Bezirksamtsleiter Grote über Planen, Bauen und Bürgerbeteiligung
Am Ende sind die „Esso-Häuser“ unter
der Last ihrer Symbolkraft zusammen
gebrochen. Wie durch ein Brennglas
konzentriert sich am Spielbudenplatz
alles, was Bauen in Hamburg oft
schwierig, zeitaufwändig und teuer
macht. Hier entscheide sich viel für den
Umgang mit anderen Projekten. Andy
Grote, Bezirksamtsleiter in HamburgMitte, holt in der Sitzung der Landesfachkommission am 27. Februar weit
aus: Die Forderung nach 30 Prozent
öffentlich gefördertem Wohnungsbau
bestand für dieses Grundstück bereits
2009. Seit Anfang 2012 besteht ein
Beschluss der Bezirksversammlung,
der 50 Prozent fordert.
Die Ironie hinter der Geschichte
liegt indes darin, dass sich über die
langwierigen Verhandlungen die Frage nach Abriss oder Sanierung der
„Esso-Häuser“ von selbst erledigt hat
– mitsamt dem, was es auf jeden Fall
zu vermeiden galt: randalierende Protestgruppen.
Bürgerbeteiligung erfolgt in Hamburg zum Großteil außerhalb des formalen Verfahrens. Unternehmen sind
gut beraten, Verwaltung und Politik
bereits in einem frühen Planungsstadium einzubinden. Dennoch sei
Andy Grote
Bezirksamtsleiter in
Hamburg-Mitte
die Planungsdauer nur begrenzt berechenbar.
Mit dem Vertrag für Hamburg, den
Senat und Bezirke 2011 geschlossen
haben, haben sich alle Beteiligten verpflichtet, pro Jahr Baugenehmigungen
für 6.000 Wohneinheiten zu erteilen.
Auf Hamburg-Mitte entfallen 750
Wohnungen – ohne die in der HafenCity. Von der HafenCity aus werde
sich in den nächsten Jahren in östliche
Richtung über Rothenburgsort,
Hamm-Süd bis nach Billstedt ein Band
erstrecken, das die Stadtteile sehr verändern wird. Der andere Schwerpunkt
liegt in südliche Richtung: Wilhelmsburg wird auf absehbare Zeit 10.000
Einwohner mehr bekommen.
Die Stadt wird sich unweigerlich
verändern. Manche vermissen hierfür
den Masterplan: Wo soll in Zukunft
Gewerbe sein, wo Wohnen? Grote will
die Frage nach der Flächenkonkurrenz
nur im jeweiligen Einzelfall beantworten.
Für die Immobilienbranche wäre
ein solcher Masterplan zweifellos hilfreich. Alles, was planbar und berechenbar ist, erleichtert letztendlich die Kalkulation der Mieten. Im Bündnis für
das Wohnen kann die Branche ihre
Anliegen einbringen und wenn alles
gut geht, kommen sie auch in Berlin
an. Denn die größten Unsicherheiten
liegen im Bereich der Baukosten, die
von der Bundesgesetzgebung beeinflusst sind.
Das Protokoll der Sitzung finden
Sie im internen Mitgliederbereich auf
unserer Homepage.
BN
Landesfachkommission „Junges Hamburg“ konstituiert sich
Auf der konstituierenden Sitzung der
neuen Landesfachkommission „Junges
Hamburg“ trafen am 26. Februar die
Kommissionsmitglieder zum ersten
Mal zusammen, um über Ziele und
Inhalte der Kommission zu diskutieren.
Florian Eilken, Technology Product
Leader bei AIRBUS Operations GmbH,
und Michael Semder, Rechtsanwalt in
der Kanzlei „Esche Schümann Commichau“, wurden einstimmig zu Vorsitzenden gewählt und bilden nun die
Doppelspitze der vom Jungen Wirtschaftsrat gegründeten Kommission.
„Der diesjährige Schwerpunkt unserer Landesfachkommission liegt beim
Thema „Gründer- und Unternehmer-
16
tum“, erklärt Eilken. Die Idee der LFK
skizziert er wie folgt: „Die Gründerszene erhält von der Politik in Hamburg
nicht genügend Unterstützung. Wir
wollen das ändern und inhaltlich an
einzelnen Themen arbeiten, um dann
Forderungen an die Politik zu stellen.“
Ziel sei es, die Gründer- und Unternehmerszene in Hamburg voranzubringen.
Themen, bei denen die Kommissionsmitglieder Verbesserungsbedarf
sehen, sind unter anderem die Vernetzung der Gründerszene in Hamburg
und die wirtschaftliche Frühförderung
von Schülern. „Schulabsolventen fehlt
es nicht selten an wirtschaftlichen
Grundkenntnissen“, erklärt Kommis-
Landesverband Hamburg | Ausgabe März 2014
sionsmitglied Jessica Lange, die als
Dozentin an der Jungen Akademie
Hamburg jungen Menschen Wirtschaftswissen vermittelt.
Bevor die Kommission jedoch beginnt, konkret an einzelnen Themenfeldern zu arbeiten, will sie zuerst eine
Analyse über den aktuellen Stand des
Gründertums in Hamburg vornehmen.
Hiervon ausgehend können sich die
Kommissionsmitglieder dann der Frage widmen, was in Hamburg konkret
getan werden muss, damit die Unternehmensgründer in der Hansestadt
bleiben und nicht etwa nach Berlin
abwandern.
Fabian Vidacek
Praktikant in der LGS
17
Neujahrsempfang des Landesverbands Hamburg
Ausblick auf einen Staat,
der sich breit macht
Der Ort habe die Anmutung eines Kreuzfahrtschiffs, befand einer der
knapp 400 Gäste beim 25. Neujahrsempfang des Landesverbands am
19. Januar. Tatsächlich ist die Halle der Peter Döhle Schifffahrts-KG von
hanseatischer Eleganz und einladender Großzügigkeit. Die denkmalgeschützte Alte Mälzerei der Elbschlossbrauerei war sicherlich auch ein
Grund für das große Interesse am diesjährigen Neujahrsempfang. Ein
weiterer Grund war Gastredner Jürgen Fitschen.
In einer Zeit, da das Image der Banken
in der öffentlichen Wahrnehmung leidet, zeigt Jürgen Fitschen „Mut, indem
er sich der in Deutschland üblich gewordenen Diskreditierungsmaschinerie
widersetzt“, so Landesvorsitzender Jörg
Debatin in seiner Einführungsrede. „Als
Präsident des Bundesverbands deutscher Banken tut Fitschen das Unerwartete: Anstelle von öffentlichen Reueexerzitien verweist er auf Fakten und
auf die Verhältnismäßigkeit mancher
politischer Kraftmeierei.“
Natürlich darf und muss der Staat
auch Fehlentwicklungen kritisieren –
und am Ende regulieren. Er tut dies derzeit im Fall des Bankwesens aber tatsächlich in einer Weise, „die uns mit
Sorgen erfüllt“, so Debatin. Die jetzige
Regulierungswut führe nicht zu mehr
Effizienz. Die SPD habe im Wahlkampf
den Großbanken den Krieg erklärt.
Dabei wird gerne übersehen, dass
18
die öffentlich-rechtlichen Banken in
Deutschland einen Marktanteil von
46 Prozent (gemessen an der Bilanzsumme) haben: „Wir brauchen starke
Banken, die in der Lage sind, unser
Wachstum zu finanzieren.“
Mit dem neuen Jahr hat auch die
Große Koalition nach langwierigen und
schwerfälligen Verhandlungen um die
Jahreswende ihre Arbeit aufgenommen. Nach der bedauerlichen Selbstzerstörung der FDP hat die CDU als
Wahlgewinnerin sich nach Auffassung
des Landesvorsitzenden den Forderungen des Wahlverlierers zu sehr gebeugt.
Für die jetzige Legislaturperiode sei
daher mehr Staat und weniger Markt
zu erwarten. Dies widerspreche keineswegs den Forderungen nach einem
starken Staat, der insbesondere da, wo
Gewalt im Spiel ist – wie Ende des vergangenen Jahres im Schanzenviertel –
notwendig ist.
Landesverband Hamburg | Ausgabe März 2014
Christoph Döhle,
Dr. Friederike Lohse,
Jürgen Fitschen,
Prof. Dr. Jörg F. Debatin
Im Wirtschaftsleben hat ein starker
Staat klare und zuverlässige Rahmenbedingungen zu schaffen, für eine leistungsfähige Infrastruktur ebenso wie
für einen sozialen Ausgleich zu sorgen.
Die jetzige Koalition habe dem Staat
aber Rollen zugedacht, die ihm nicht
zustehen: Er mischt sich in die Preisbildung ein, wie bei der Mietpreisbremse; er mischt sich in die Lohnbildung ein,
und beschränkt so das hohe Gut der
Tarifautonomie. Die größte Sorge bereite aber die unternehmerische Betätigung des Staates, wie etwa im Fall des
Netzbetriebs in Hamburg. Für den Wirtschaftsrat ist klar: Der Staat ist nicht der
bessere Unternehmer.
„Wir erleben einen Staat der sich
breit macht, der sich vollsaugt mit
Steuereinnahmen – über die kalte Progression ganz automatisch –, der gerne
verteilt, ohne sich darüber Gedanken zu
machen, wer es am Ende bezahlen soll“,
so Debatin. Dort, wo der Staat selbst
unternehmerisch tätig ist, verschaffe er
sich schamlos selbst Wettbewerbsvorteile, wie bei der Deutschen Bahn oder
der Deutschen Post. Dem Wirtschaftsrat kommt als Hüterin des intellektuellen Erbes der Sozialen Marktwirtschaft
daher eine bedeutende Rolle in dieser
Legislaturperiode zu.
Schwere Geschütze
Von einem Schicksalsjahr 2014 zu sprechen scheint manchen angesichts
dieses gewichtigen Gedenkjahres doch zu viel: Vor 100 Jahren begann der
Erste Weltkrieg, vor 75 Jahren der Zweite Weltkrieg und vor 25 Jahren
fiel die Mauer. So gesehen ist jedoch die diesjährige Wahl zum Europäischen Parlament nicht mehr so langweilig, wie sie seit 35 Jahren, seit der
ersten Europawahl im Jahr 1979, vielfach wahrgenommen wird: die Wahl
zur einzigen direkt gewählten supranationalen Institution weltweit.
Die erste Wahl nach der Euro-Krise ist
eben doch eine Schicksals-Wahl. Es geht
auch darum, was für ein Europa wir
wollen. Eine Antwort darauf ist derzeit
nicht erkennbar, so Jürgen Fitschen, der
in seiner Rede beim Neujahrsempfang
des Hamburger Wirtschaftsrats von
einem europapolitischen „MuddlingThrough“ sprach. Der Koalitionsvertrag
zwischen CDU, CSU und SPD sagt zur
Zukunft Europas verblüffend wenig.
Die Ursache dafür, dass Europa in
die jetzige Krisensituation geraten ist,
liegt nicht in der Einführung des Euro
an sich, sondern darin, dass seinerzeit
der zweite Schritt vor dem ersten gemacht wurde: die Währungsunion vor
der politischen Union. Die Folge waren
niedrige Zinsen. Der Versuchung des
billigen Geldes sind so manche Eurostaaten erlegen. Hier liegt die Ursache
der Staatsverschuldung – nicht in der
Bankenrettung.
In der Staatsschuldenkrise sah man
in der Flutung der Märkte mit günstigen Krediten das geeignete Instrument,
die wirtschaftliche Entwicklung in den
verschuldeten Ländern zu beleben.
Doch anstatt die günstigen Kredite an
die Realwirtschaft weiter zu geben,
haben die Institute in manchen Staaten, wie Italien oder Spanien, vor allem
Bonds ihres eigenen Landes gekauft
und somit weitere Staatsverschuldung
ermöglicht. Als Mario Draghi einst das
Instrument billiger EZB-Kredite mit
der „Dicken Bertha“, dem größten in
Deutschland jemals gebauten Geschütz,
verglich, hatte er sicher auch die Gefahr
seiner zerstörerischen Wirkung im Sinn
– was uns wieder ins Jahr 1914 führt.
Damals wie heute sahen die europäischen Länder die deutsche Stärke als
Bedrohung. Deutschland ist derzeit das
Land mit den höchsten Exportüberschüssen, noch vor China! „Was woanders Anerkennung findet, dafür
müssen wir uns kritisieren lassen“,
meint Fitschen, nicht ohne darauf zu
verweisen, dass die Überschüsse des
einen Landes natürlich die Defizite
eines anderen sind: Eine Welt, in der alle
Länder Überschüsse erzielen, kann es
nicht geben. Wie geht man aber mit diesen Ungleichgewichten um? Ist eine
Anhebung der Lohnkosten, die einer
Schwächung der deutschen Wettbewerbsposition gleich käme, die richtige
Therapie? Die Antwort von Jürgen Fitschen darauf ist eindeutig: „Andere Länder können uns nicht zwingen, schlechter zu werden. Sie müssen es schaffen,
aufzuholen.“ Mit Blick auf den Koalitionsvertrag dürfte eine weitere Stärkung
der Wettbewerbsposition aber nicht zu
erwarten sein.
Tjark H. Woydt,
Jürgen Fitschen,
Prof. Dr. Jörg F. Debatin,
Aygül Özkan,
Christoph Döhle
Jürgen Fitschen
Co-Vorsitzender des Vorstands
der Deutsche Bank AG
Eine Stärkung der europäischen
Länder ist also das Gebot der Stunde. In
Amerika etwa ist der Bankensektor für
nur etwa 30 Prozent der Kreditgewährung verantwortlich; hierzulande für
70 Prozent. Banken spielen somit eine
entscheidende Rolle bei der Finanzierung von Staatsverschuldung und bei
der Finanzierung von Wachstum.
Derzeit geht es in den europäischen
Krisenstaaten darum, zwei große
Probleme gleichzeitig zu lösen: Die
Staatsverschuldung zu reduzieren und
Wachstum zu generieren. Beides geht
einher mit dem Bemühen der Banken,
kleiner zu werden. In der Folge erhalten
Unternehmen keine Kredite, können
also ihre Importe, unsere Exporte, nicht
mehr finanzieren.
Angesichts der systemischen Bedeutung der Banken sieht Fitschen das
Gelingen der Bankenunion als schicksalhaft für Europa an. Im Dezember hatte der EU-Ministerrat einem Vorschlag
zugestimmt, der im Euroraum ein
Abwicklungsregime für marode Großbanken einschließlich eines Abwicklungsfonds etablieren will. Bis zum
Ende der Legislaturperiode des Europäischen Parlaments wird nun ein Kompromiss mit den Finanzministern auszuhandeln sein. Für Jürgen Fitschen
ist 2014 eben doch ein Schicksalsjahr:
Sollte die Bankenunion nicht gelingen,
„wird Europa nicht in einem guten Zustand sein.“
Bleibt zu hoffen, dass die Wahlbeteiligung bei der Europa-Wahl nichts
über den Zustand Europas aussagt. Seit
1979 ging sie ständig zurück – auf nur
noch 43 Prozent im Jahr 2009. Die
Schicksalswahl 2014 könnte diesen
Trend umkehren.
BN
19
Landesfachkommission
Informations- und Telekommunikationstechnologie
20 Jahre Landesfachkommission Informations- und Telekommunikationstechnologie (ITK)
1994 wurde die Landesfachkommission
ITK ins Leben gerufen und feiert somit
in diesem Jahr ihr 20jähriges Bestehen.
Sie zählt damit zu den ältesten Kommissionen des Wirtschaftsrats, die sich
regelmäßig mit wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Themen aus dem Geschäftsfeld der Informations- und Telekommunikationstechnologie befasst.
Seit Bestehen der Kommission, die sich
aus Unternehmern, Managern und Medienschaffenden zusammensetzt, werden die Ergebnisse unserer Arbeit in
Studien zusammengefasst und veröffentlicht. Im Dezember des vergangenen Jahres hat die Kommission ihren
neuen TrendReport „Innovationstreiber
IT. Entwicklung der vernetzten Gesellschaft“, den sechsten seit Gründung
dieser Kommission im Jahr 1994, veröffentlicht.
Fünf Jahre liegen nun seit der Veröffentlichung des fünften TrendReports
zurück – in der ITK ein Quantensprung.
Jahr für Jahr verzeichnet die Branche ein
hohes zweistelliges Umsatzwachstum.
Weltweit werden rund 150 Milliarden
E-Mails versandt – pro Tag. In wenigen
Jahren soll, laut Prognose der Marktforscher Radicati Group, die 200 Milliarden-Grenze erreicht werden. Die ITKBranche ist der Enabler oder Ermöglicher und ein entscheidender Faktor für
Wohlstand und Fortschritt. Zugleich
verzahnt sie die Welt immer enger.
Was bedeutet dieser Wandel für die
einzelnen Lebens- und Wirtschaftsbereiche? Wie gehen wir mit ihm um? Vor
welchen Gefahren müssen wir uns
schützen, aber auch: Welche Chancen
bieten uns diese neuen Möglichkeiten
der Informations- und Telekommunikationstechnologie und wie können wir
sie nutzen? Das sind die Fragen, die
unsere Landesfachkommission von jeher – seit ihrer Gründung im Jahr 1994
– beschäftigen und umtreiben. Deswegen treffen wir uns – viele von uns seit
vielen Jahren – regelmäßig einmal im
Monat. Wir informieren uns bei Experten über die jüngsten Innovationen und
Trends, die uns morgen und übermorgen beschäftigen.
20
Die Landesfachkommission im Jahre 2007: Roderich Vollmer-Ruprrecht, Wolfgang Bohne,
Andreas Villavicencio Graf Magherie, Corinna Rindfleisch, Rolf Dau, Ludolf von Löwenstern
(Mitgründer & Vorsitzender), Matthias Richter, Gerd Issleib, Renate Bargsten,
Prof. Dr. Ulrich Karpen, Dr. Claus Liesner (stellv. Vorsitzender), Wilfried -Schwetje (v.l.)
In jeder Ausgabe des Journals geben
wir einen kurzen Bericht über aktuelle
Entwicklungen, die für unsere Mitgliedsfirmen und für Selbstständige
von Bedeutung sind. Die IT-Welt ist in
schnellem Fluss und verändert virtuelle Strukturen und Strategien.
Wir beraten und diskutieren – und
nicht zuletzt scheint uns das eine oder
andere Thema dann so interessant, dass
wir beschließen, eine Studie dazu zu
machen. Fünfmal ist das nun geschehen und im vergangenen Dezember
haben wir die sechste Studie fertiggestellt und veröffentlicht. Sie trägt den
Titel „Innovationstreiber IT. Entwicklung
der vernetzten Gesellschaft“ und gibt
auf knapp 120 Seiten einen fundierten,
gleichzeitig aber gut konsumierbaren
Überblick über aktuelle Trends und Themen, vor dem auch die Nicht-IT-Affinen
Leser keine Angst haben müssen. Dieser TrendReport hat in der Fachwelt
große Aufmerksamkeit und ein lebhaftes Echo hervorgerufen
Er behandelt Themen wie NSA, Big
Brother is watching you, Abwehrstrategien: Cyber-Crime, Medienstandort
Deutschland, Medienstandort Hamburg, Datenschutz, Energieeffizienz –
Smart Homes, Grundlagen für die
Mobilität der Zukunft, Trends im eCommerce, usw. (Eine Hardcopy oder ein
pdf-Exemplar können Sie über die Landesgeschäftsstelle Hamburg unter 040
30381049 oder per E-Mail unter [email protected] beziehen).
Landesverband Hamburg | Ausgabe März 2014
Als Leitthema für die weitere Arbeit
der Landesfachkommission ITK haben
wir „Der digitale Wandel durch Vernetzung / Integration“ gewählt. Als Gastreferent zum Thema „IT und Medien.
Kernpunkte der vier Creativcluster“ in
unserer Kommissionssitzung im März
war Herr Dr. Carsten Brosda, Leiter des
Amts für IT und Medien in der Senatskanzlei. In den weiteren Sitzungen nehmen wir uns folgender Themen an: „Zeit
der Veränderung. Was Kunden morgen
von uns erwarten. Insights aus der
Trendforschung“, „Entwicklung von
Flight Management Systemen und ihre
Risiken“, „Digitaler Wandel im Hafen
Hamburg“, „Internet of Things“, „Jugend
und Digitalisierung“ – um nur einige
Beispiele zu nennen.
Bei Interesse an einer Mitarbeit in
der Landesfachkommission ITK wenden
Sie sich gerne an die Landesgeschäftsstelle – oder kommen einfach als Gast
zu den Kommissionssitzungen.
Ludolf Baron von Löwenstern
Vorsitzender der Landesfachkommission ITK
Technik & Verkehre
Verkehrsmittel der Zukunft
E-Bike: Supervelo
auf der Überholspur!
Foto: StadtRad
Foto: Kalkoff / Dan Zoubek
Die Fahrradindustrie schreibt auch
ohne staatliche Förderprogramme eine
Erfolgsgeschichte. In der viel diskutierten Elektromobilität zieht sie leise, aber
stetig auf der Überholspur an allen
Traffic-Pollution meets Fitness
Der Ausbau der Radwege ist im Plan.
Der aktuelle Fortschrittsbericht der Verkehrsbehörde informiert: In den nächsten vier Jahren werden 100 km neue
Radwege und Radstreifen nutzbar sein.
Die Hansestadt verfügt mit gut 1.700
Kilometern (Erhebung 2008) ohnehin
über eines der größten Radwegnetze in
Deutschland und schafft somit gute Bedingungen für das Wachstum im Fahrradverkehr. Seit 13 Jahren wurde eine
Steigerung von 40 Prozent registriert;
damit liegt der Anteil der Radfahrer am
gesamten Verkehr bei etwa 13 Prozent.
Finanziert werden die Ausbauprojekte
aus unterschiedlichen Töpfen, 2013 und
2014 standen und stehen jeweils zehn
Millionen Euro zur Verfügung, so die
Verkehrsbehörde.
Das Rad ist das Fortbewegungsmittel der Stunde. Die Gründe sind vielseitig: das wachsende Bewusstsein für
Gesundheit, Nachhaltigkeit und Umweltschutz, zunehmende Verkehrs- und
Mobilitätsprobleme sowie CarSharingAngebote oder Leihräder (siehe der
Beitrag Seite 8), das Rad als modisches
Lifestyle-Produkt oder für den Weg zur
Arbeit. Es ist das effizienteste von Muskelkraft angetriebene Fortbewegungsmittel der Welt und wird somit bei der
Neuordnung des städtischen Raums für
Verkehrsplaner zum Hoffnungsträger.
Die überzeugte Fahrradfangemeinde
der niedersächsischen Stadt Münster
wird kaum nach Hamburg überschwappen, aber ein Leitbild für viele Hanseaten mag sie schon sein. Die Fahrradindustrie hat die Zeichen erkannt und
setzt im lukrativen Segment der E-Bikes
auf Wachstum.
Allein der Umsatz von Elektrorädern
stieg von 2010 bis 2013 von 200.000 auf
430.000 Stück. Der Absatz von Rädern
boomt: Die Statistik des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV) weist 2012 einen
Bestand von 71 Millionen inkl. der EBikes aus; 2007 gab es gerade mal 68
Millionen Fahrräder. Neben den E-Bikes
(10 %) und den Mountainbikes mit
ebenfalls 10 Prozent führt das TrekkingRad mit 33 Prozent vor dem City-Rad
(24,5 %) die Modellpallette an. Damit ist
klar: Das E-Bike ist auf dem Vormarsch.
Das liegt u.a. auch an den geringen
Kosten im Vergleich zum Auto, knapp
2.000 Euro sind für ein hochwertiges
Bike zu zahlen bei vergleichsweise
30.000 Euro für ein Auto. Für das Rad ist
dann nur noch eine Versicherung gegen
Verlust/Diebstahl nötig, das war es
dann. Das E-Rad wird den künftigen
Stadtverkehr verändern.
MUSEUM DER ARBEIT:
DAS FAHRRAD
Kult – Technik – Mobilität
200 Jahre technische Entwicklung
vom 9. Mai 2014 bis 1. März 2015
Hürden vorbei. Der rasante Trend zum
E-Bike ist der ständigen Produktverbesserung (Antriebstechnik!) zu verdanken.
Die völlig emissionsfreie und umweltschonende Mobilität wird dem innerstädtischen Verkehr eine neue Wende
geben. Das Rad punktet gerade bei jungen Menschen, die das Auto heute
schon als geringwertiges Statussymbol
einschätzen. Das städtische Radleihsystem von Hamburg StadtRad unterstützt diesen Mainstream und macht
das Fahrrad zum Sieger der Verkehrsmittel.
Die derzeit 123 Leihstationen der
Hamburg StadtRad befinden sich an
vielen S- und U-Bahnhöfen und in größeren Wohngebieten. Rund 180.000
registrierte Kunden nutzten die 1.650
Leihräder des im Juli 2009 eingeführten Dienstes. Im letzten Sommer radelten seine Nutzer auf 12.000 Fahrten.
Diese erfreuliche Tendenz wird ein
wenig getrübt durch den derzeitigen
Zustand der Radwege sowie der Einstellplätze für das eigene Fahrrad an
den Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel. Die Bevölkerung beurteilt
die Radwegesituation wie folgt: 46 Prozent empfinden die Situation als unzureichend, lediglich 8 Prozent sind zufrieden. Doch die Stadt reagiert mit Ausbau
und Verbesserung der Radwege und
Radstreifen, einem Teil der so wichtigen
Infrastruktur.
EJH
21
Abendveranstaltung am 3. Dezember
Endlosschleifen und deutsche Ansprüche
Gunther Bonz steht seit Jahren an vorderster Front, wenn es darum geht,
für große Containerschiffe eine hinreichende Wassertiefe auf der Fahrt
zum Hamburger Hafen sicherzustellen. Nicht zuletzt beruft er sich auf
die Präambel der Hamburger Verfassung, die den Anspruch der Hansestadt als „Welthafenstadt“ hervorhebt.
Dementsprechend muss der Hafen auch
allen Anforderungen gerecht werden,
die der revolutionäre Umbruch vom
traditionellen Stückgutverkehr zur
Containerschifffahrt mit sich bringt. Er
muss – neben leistungsfähigen Umschlagseinrichtungen und einer gut
organisierten Logistik – den hindernisfreien Weg für die immer größeren
Containerschiffe über die 100 km lange
Flussstrecke von Cuxhaven nach Hamburg garantieren. Ein Blick auf die
Schiffsankünfte zeigt, dass die einlaufende Containerflotte mit einem Anteil
von etwa 80 Prozent inzwischen entscheidende Bedeutung für den Hamburger Hafen hat.
Das Fahrwasser der Unterelbe wurde letztmalig im Jahr 1999 vertieft und
der seinerzeit maximalen ContainerSchiffsgröße von 9.000 TEU angepasst.
Reedereien und Werften bemühten sich
jedoch mit Erfolg um den Bau von
Frachtern mit wachsender Ladekapazität. Gerade auf der langen Route aus
Fernost, für die Hamburg der bevorzugte europäische Anlaufhafen ist, ren-
22
tieren sich besonders große Schiffseinheiten.
Bereits mit der nächsten Generation (gebaut ab 2000) – Schiffe für 10.000
bis 14.000 TEU – wuchsen die Anforderungen an die Tiefe des Elb-Fahrwassers
bei Ebbe, d.h. an eine tideunabhängige
Zufahrt. Schon im Jahr 2001 sah der
Hamburger Senat deshalb die Notwendigkeit, die Sohle der Elbe an einigen
„Bergspitzen“ (insgesamt handelt es
sich lediglich um 9,2 km der 100 km langen Strecke !) um einen weiteren Meter
abzutragen und zwei Begegnungsboxen für Großcontainerschiffe (als
örtliche Verbreiterung der Fahrrinne)
einzurichten, um konkurrenzfähig zu
bleiben.
Hamburg bat den Bund, das Verfahren zur erneuten Elbvertiefung in
Gang zu setzen. Nach diesem Anstoß
geriet das Vorhaben leider in eine
Endlosschleife. Zunächst erforderten
die EU-Gesetzgebung und zusätzliche
deutsche Vorschriften eine Unzahl von
Gutachten. Kein Fluss der Welt dürfte
so gründlich untersucht sein. Die bis-
Landesverband Hamburg | Ausgabe März 2014
Gunther Bonz, Staatsrat a.D.
Präsident des Unternehmensverbandes
Hafen Hamburg e.V.
herigen Planungskosten betragen 100
Millionen Euro.
Die Stationen des Projektes (im Laufe
von 13 Jahren) sind:
2001 Projektbeginn, Erstellung der
Antragsunterlagen („Planunterlagen“)
2006 förmlicher Antrag mit allen
Unterlagen auf Beginn des Planungsfeststellungsverfahrens.
2011 positive Stellungnahme der
Europäischen Kommission.
2012 Einvernehmen mit den angrenzenden Bundesländern Niedersachsen
und Schleswig-Holstein.
23.4.2012 Planfeststellungsbeschluss
(„Genehmigung“, Umfang 2.600 Seiten) und Klage der Verbände (BUND
und NABU) gegen die sofortige Vollziehbarkeit.
2013 (Oktober) eine Nachbesserungsunterlage wird beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht, da dieses
im Mai 2013 anlässlich der mündlichen
Verhandlung zur Weservertiefung
Zweifel an der bisherigen rechtlichen
Auslegung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie geäußert hatte.
2014 Für Juli stellt das BVG die
mündliche Verhandlung über die Verbandsklage in Aussicht.
Der Kern der Verzögerung liegt im ausgeuferten Recht zur Verbandsklage. Es
wurde 1998 von der EU dem Grunde
nach eingeführt, erhielt aber in der
Bundesrepublik durch ergänzende Gesetze weitere Ansatzpunkte. Allein im
Zeitraum von 2007 bis 2010 wurden in
Deutschland 191 Verbandsklagen (oft
von BUND oder NABU) eingereicht,
damit praktisch gegen alle wichtigen
Infrastrukturprojekte. Diese Flut ist von
den Verwaltungsgerichten nicht mehr
bedarfs- und zeitgerecht zu bewältigen.
In keinem Land der Welt dauern Genehmigungsverfahren so lange wie in
Deutschland.
Bonz brachte ein drastisches Beispiel für die überzogenen deutschen
Ansprüche im internationalen Vergleich: die 20 km lange FehmarnbeltQuerung wird von Dänemark geplant
und auch von den dortigen Behörden
genehmigt. Lediglich die letzten 300 m
vor der Insel Fehmarn sind in deutscher
Hand. Die Genehmigungsunterlagen
für den dänischen Abschnitt umfassen
800 Seiten. Für das kurze deutsche Teilstück werden dagegen mehrere tausend Seiten benötigt.
Aufgrund seiner Erfahrungen (die
in ähnlicher Weise die Weservertiefung
bis Bremen betreffen) geht Bonz davon
aus, dass der BUND ein anderes Wirtschaftssystem durchsetzen will, in dem
Umweltinteressen einen rigorosen Vorzug vor wirtschaftlichen Gesichtspunkten haben. Landesvorsitzender Debatin
sah in seinem Schlusswort eine wichtige Aufgabe des Wirtschaftsrats darin,
die Umweltverbände in die Diskussion
über ein ausgeglichenes Vorgehen einzubeziehen.
He
Landesfachkommission – Logistik und Infrastruktur
Die Kritik am Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD lässt sich kurz
zusammen fassen: Es wird zu viel Geld
ausgegeben aber zu wenig investiert.
Die vereinbarten 5 Milliarden Euro für
den Verkehr bedeuten 1,25 Milliarden
Euro pro Jahr zusätzlich – wohlgemerkt: für alle Verkehrsträger. Das ist
weit entfernt von dem, was die Bodewig-Kommission einst als notwendig
erachtet hat.
Auch Gero Storjohann, Mitglied
des Bundestags-Verkehrsausschusses,
konnte dies anlässlich der konstituierenden Sitzung der gemeinsamen Landesfachkommission Hamburg und
Schleswig-Holstein nicht schönreden.
Es gibt eine Lücke zwischen dem Bedarf im Infrastrukturbereich und dem,
was überhaupt verbaut werden kann.
Den Investitionsbedarf hat die Koalitions-Arbeitsgruppe, der Storjohann
angehörte, mit 16 Milliarden Euro
beziffert.
Die Investitionsmittel müssen sich
am Bedarf orientieren und nicht an
den Kapazitäten in der Verwaltung.
Dies ist Konsens in der länderübergreifenden Landesfachkommission
Logistik und Infrastruktur. Der Bedarf
wiederum ist abhängig vom volkswirtschaftlichen Nutzen. Was braucht
die Wirtschaft, um Arbeitsplätze zu
erhalten und zu schaffen? Und: Wie
misst man den volkswirtschaftlichen
Nutzen?
v.l. Prof. Dr. Peer Witten
(Vorsitzender der LogistikInitiative Hamburg e.V.)
Gero Storjohann MdB
(Mitglied des Verkehrsausschusses im Deutschen
Bundestag) sowie
Jens Broder Knudsen (Geschf.
Gesellschafter der Sartori &
Berger GmbH & Co. KG)
Da war es gut, dass Gero Storjohann die OECD-Studie aus dem Jahr
2012 zitierte, die die hohe nationale
Bedeutung des Hamburger Hafens
belegt. Jeder Euro, der im Hafen ausgegeben wird, führt zu 0,71 Euro an
zusätzlicher Wertschöpfung in anderen Branchen. Dieser Effekt ist in Bayern und Baden-Württemberg sogar
höher als in der Metropolregion!
Warum gibt es nicht genug baureife Projekte, so dass kurzfristig
verfügbare Investitionsmittel auch
bedarfsgerecht eingesetzt werden
können? Es fehlt hier am politischen
Willen: Personal wird in Bereichen
eingespart, die Geld kosten und einen
Nutzen erst in der nächsten oder übernächsten Legislaturperiode versprechen.
Die Verwaltung müsste also mit
Planungsleistungen in Vorlage treten.
Die Planung von Infrastrukturprojekten bedeutet gleichzeitig ein Prioritätensetzung. Dass Elbvertiefung, Nord-
Ostsee-Kanal und A 20 ganz oben auf
der Prioritätenliste stehen müssen,
versteht sich von selbst. Die gute Nachricht aus dem Koalitionsvertrag ist: Die
Mittel für Neu- und Ausbau der Verkehrswege sollen zum Großteil nach
einem nationalen Prioritätenkonzept
vergeben werden. Bleibt zu klären,
nach wel-chen Kriterien die Prioritäten
gesetzt werden.
Die Landesfachkommission der
Landesverbände Hamburg und Schleswig-Holstein wird in einer Arbeitsgruppe die Punkte zusammenstellen,
die für einen leistungsfähigen Güterverkehr im Norden notwendig sind.
Unter Leitung von Prof. Peer Witten,
Vorsitzender der Logistik-Initiative
Hamburg, und Jens Broder Knudsen,
Geschäftsführender Gesellschafter
Sartori & Berger GmbH & Co.KG, Kiel
hat die gemeinsame Landesfachkommission Logistik und Infrastruktur
Anfang Januar ihre Tätigkeit aufgenommen.
BN
23
PR-Bericht Technologiepark
hit-Technopark
Vorbild für ein Silicon Valley
in Norddeutschland
Der hit-Technopark in Hamburg-Harburg ist eine Erfolgsstory. Auf fast
30.000 Quadratmetern befinden sich 120 technik-affine Unternehmen
mit rund 550 Mitarbeitern. Nun möchte Bürgermeister Olaf Scholz, dass
hit-Technopark-Geschäftsführer Christoph Birkel der Stadt Hamburg hilft,
weitere Gründungs- und Innovationszentren zu planen.
„Vom hit-Technopark können wir in
Hamburg eine Menge lernen.“ Das sagt
kein Berufsanfänger oder Unternehmer-Neuling aus einem Gründerzentrum, das sagt der oberste Fachmann
der Hansestadt: Frank Horch. Der Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, der sich zum Ziel gesetzt hat,
Hamburg zur Innovationshauptstadt
Europas zu machen, hat die Erfolgsgeschichte des hit-Technopark seit den
Anfängen in den 1980er Jahren verfolgt.
Erst kürzlich weihte er zusammen
mit hit-Technopark-Geschäftsführer
Christoph Birkel das jüngste Bürogebäude auf dem Parkgelände ein, einen
Hightech-Neubau und richtungsweisendes Vorbild in Sachen Energie-Effizienz und Ökologie. „Hit goes Green“
heißt die Strategie, die den gesamten
hit-Technopark innerhalb der nächsten
vier Jahren CO2-frei machen wird.
Horch weiß jedoch um die Alleinstellung des hit-Technopark in Hamburg und den damit einher gehenden
Nachholbedarf an Technologie- und
Gründungszentren in Hamburg. Während bundesweit in 350 Zentren Spitzenwissenschaftler nach Innovationen
forschen und Gründer für ihre Start ups
eine erste Adresse finden, gibt es in
Hamburg nur diesen einen privat geführten Technologiepark im Tempowerkring.
Daher freut sich der Wirtschaftssenator auch besonders, dass er die
Unternehmerfamilie Birkel „mit ihrem
umfangreichen Erfahrungsschatz auf
dem Gebiet der Technologieparks“
(Horch) in seine Hamburger Projektgruppe einbinden konnte, die für die
Hansestadt die Möglichkeiten neuer
24
Campus-Architektur
im hit-Technopark
Unternehmer Arne Weber mit Frank Horch
und Christoph Birkel
Gründer- und Innovationszentren ausfindig machen und planen soll. Zum
Thema Technologieparks bringen die
Birkel ein jahrzehntelanges Fachwissen
mit: Von seinem Vater Wolfram übernahm Christoph Birkel vor neun Jahren
in einem reibungslosen Übergang der
Generationen die Geschäftsführung des
hit-Technopark in Hamburg-Harburg,
der sich mit inzwischen 120 technik-affinen Unternehmen und rund 550 Mitarbeitern prächtig entwickelt hat. Und
bei 98 prozentiger Auslastung auch zu
einer betriebswirtschaftlichen Erfolgsstory geworden ist.
Ähnliche Szenarien stellt sich auch
Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf
Scholz für die künftigen Technologieparks vor. Die „Smart City des 21. Jahrhunderts“, wie es Scholz nennt, braucht
Zentren wie diese, aus denen wissenschaftliche Existenzgründungen entstehen, sich Technologie-Unternehmen
entwickeln und weitere Firmen durch
den attraktiven Standort angezogen
werden. „Das System füttert sich selbst“,
erklärt Christoph Birkel, „wenn es einmal angeschoben ist.“
Landesverband Hamburg | Ausgabe März 2014
Harburgs Bürgermeister Thomas Völsch
im Gespräch mit Frank Horch
Mehrere Gründungszentren sind
für Hamburg vorgesehen. In Bergedorf
wurde gerade der Grundstein für den
Energie-Campus gelegt, der sich auf
umweltschonende Energien wie Windkraft spezialisieren soll. In Altona wird
neben dem Forschungszentrum Deutsches Elektronen-Synchroton (Desy) die
Möglichkeit für Gründer aus der Universität und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen geschaffen, zu forschen und eigene Start ups aufzubau-
das Harburger Silicon Valley dann gemeinsam vermarkten.
Wie das funktioniert, lebt Christoph
Birkel mit seinem hit-Technopark in
Hamburg-Harburg vor. Auf dem Gelände des ehemaligen Tempo-Werks, in
dem bis in die 1960er Jahre die berühmten dreirädrigen Tempo-Transporter
gebaut wurden, entstand 1985 in Zusammenarbeit der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) und
der Stadt Hamburg in den alten Werkshallen ein kleiner Gründerpark. Die
meisten Jungunternehmer, die dort
forschten, kreative Produkte entwickelten und wenig Miete bezahlten, waren
TU-Absolventen. Von 1995 an übernahm
die Unternehmerfamilie Birkel das
Gründerzentrum und erweiterte als
private Investorin den hit-Technopark
hit-TechnoparkGeschäftsführer
Christoph Birkel
mit dem Ersten
Bürgermeister
Olaf Scholz
en. Mit dem Innovation Campus for Green Technologies der TU Harburg und der
TuTech Innovation wird in Harburg ein
weiteres Zentrum entstehen, das vom
kommenden Jahr an umgesetzt werden
soll.
Wenn es nach Christoph Birkel geht,
hat der Süden Hamburgs das Potenzial
für weitere Technologieansiedlungen,
für ihn ist Harburg „ein Silicon Valley“.
Nein, zu hoch gegriffen sei die Bezeichnung eindeutig nicht, sagt der Unternehmer, der auch in Berlin im Immobiliengeschäft tätig ist: „Es gibt hier angefangen bei Airbus eine große Anzahl an
Weltklassefirmen. Eine solche Häufung
so vieler Unternehmen im Hochtechnologiebereich findet man weltweit nur
sehr selten.“ Sie müssten nur alle einbezogen werden, an einem runden
Tisch einen Masterplan entwickeln und
zu einem der begehrtesten Hochtechnologie-Standorte mit mehr als 30.000
Quadratmetern Büro-, Forschungs- und
Produktionsfläche. Durch die pavillonartige Gebäudestruktur in einer Parklandschaft entstand eine CampusAtmosphäre, in der sich heute 120 Unternehmen und ihre 550 Mitarbeiter
wohlfühlen und den hit-Technopark zu
einer Hightech-Denkfabrik mit mehreren Weltmarktführern gemacht haben.
Zu den Annehmlichkeiten für seine
Firmen bietet der hit-Technopark neben
der verkehrsgünstigen Lage in Autobahnnähe nicht nur moderne Räume
mit Datenleitungen bis 1 Gigabit synchron, sondern auch eine Postagentur
mit Postannahme und Versand, ein
Konferenzzentrum, ein Hotel mit 26
Zimmern und ein Restaurant. In der
eigenen Reihe INNO-Talk referieren
einmal im Jahr prominente Persönlichkeiten über die wichtigen Themen für
Unternehmer, Entscheidungsträger und
Führungspersonal. Zuletzt berichtete
Bergsteiger Reinhold Messner vom Risikomanagement auf höchstem Niveau.
Außerdem veranstaltet der hit-Technopark seit 1998 sehr erfolgreich ganzjährige Kunstausstellungen. Für dieses
kulturelle Engagement und das vorbildliche, unabhängige Kunstkonzept
erhielt der hit-Technopark 2012 den KulturMerkur der Handelskammer und der
Hamburger KulturStiftung.
Ebenfalls preisverdächtig ist das
stringente Energie-Effizienz-Konzept
des hit-Technopark. Mit „hit goes
green!“ soll der komplette Park künftig
ganz ohne schädliche CO2-Emissionen
auskommen. „Mit dem Neubau unseres aktuellen Bürokomplexes, der gerade von den ersten Mietern bezogen
wird, setzen wir einen Leuchtturm in
puncto Energie-Effizienz“, sagt Christoph Birkel. Sparsam mit den Ressourcen umgehen und den Mietern keine
hohen Nebenkosten aufbürden, ist sein
Credo. Möglich wird das durch die neuesten, intelligenten Steuerungssysteme, aber vor allem durch ein modernes
Blockheizkraftwerk. Es erzeugt Wärme
im Winter und Kühlung im Sommer
und produziert permanent Strom –
eigenen hit-Technopark-Strom. Dadurch
können die Kosten nachhaltig gesenkt
werden. In den kommenden drei bis vier
Jahren werden sämtliche Gebäude mit
Blockheizkraftwerken ausgestattet und
energetisch nachgerüstet.
„So trägt der hit-Technopark in
hohem Maße dazu bei, die Innovationsfähigkeit unserer Stadt zu erhöhen und
zu sichern.“ Das sagt keiner der zufriedenen Mieter im Park und auch nicht
der Vermieter selbst in einer Werbebroschüre. Das sagte Hamburgs Erster
Bürgermeister Olaf Scholz bei der Eröffnung der aktuellen Kunstausstellung im hit-Technopark über „hit goes
green!“. Und der weiß, was für Hamburg das Beste ist.
25
Mittagsveranstaltung am 24. Januar
Von Baumassnahmen und Beeinträchtigungen
„Mit dem Verkehr kannst Du keinen Blumentopf gewinnen“, hatten
Freunde prophezeit, als Frank Horch vor zwei Jahren sein Amt übernahm.
Und bis heute unterliegt der Hamburger Verkehr in der Tat deutlicher
Kritik.
Die Pfeile, die der Senator im Köcher
hatte, zielten deshalb auf Impulse in
der Verkehrspolitik ab 2014. Euphorisch
lautete sein Resümee: „Ganz Deutschland beneidet uns mittlerweile um die
Dynamik, mit der die Verkehrsinfrastruktur in Hamburg weiterentwickelt
wird!“
Horch ging vornehmlich auf zwei
Schwerpunkte ein:
■ Hamburg als Transitknoten für den
Verkehr nach Nord- und Ost
■ die innerstädtischen Verkehrs- und
Instandhaltungsprobleme.
Engpässe außerhalb Hamburgs, wie die
westliche und östliche Umgehung der
Hansestadt, kamen nicht zur Sprache.
Die Hansestadt hat europaweit eine
hohe Bedeutung als Logistikdrehscheibe für Skandinavien, für die Ostseeanrainer und für weite Teile Osteuropas.
Gleichzeitig ist die Wirtschaftskraft
Deutschlands – insbesondere der Imund Export – auf die Leistungsfähigkeit
des Hamburger Hafens und die davon
ausgehende Verkehrsinfrastruktur an-
26
gewiesen. Letzteres muss auch in Berlin klar gesehen werden: Wenn Wasserstraßen, Autobahnen und Brücken
im Norden ihre Aufgabe nicht erfüllen
können, entsteht daraus ein nationales
Problem. Wirtschaftspolitik schließt
Verkehrspolitik unvermeidlich ein.
Ein Großprojekt, das sich über den
Zeitraum von 2014 bis 2022 erstreckt, ist
der vierstreifige Ausbau der A7 vom Elbtunnel bis zur Landesgrenze SchleswigHolstein (und darüber hinaus im Nachbarland zum Bordesholmer Dreieck).
Ein Teilabschnitt soll im PPP-Verfahren
an ein privates Konsortium vergeben
werden. Auf Hamburger Gebiet erhält
die Autobahn gleichzeitig in drei Bereichen gewaltige Lärmschutzdeckel. Sie
bieten, so Horch, „die einzigartige Chance für eine Stadtreparatur“.
Besonders die staugeplagten Pendler fürchten jedoch um chaotische Zustände auf der A7 während der langen
Bauzeit. Ihnen versicherte der Senator
zum wiederholten Male, dass die gewohnte Anzahl der Fahrstreifen durch-
Landesverband Hamburg | Ausgabe März 2014
Senator Frank Horch
Präses der Behörde für Wirtschaft,
Verkehr und Innovation
gehend erhalten bleiben werde. Zur
Minimierung möglicher Beeinträchtigungen werde zudem ein umfassendes
Verkehrsleit- und Informationskonzept
erarbeitet.
Ein weiteres herausragendes Vorhaben ist die Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße, die künftig neben
der vorhandenen Bahntrasse verlaufen
soll. Das Projekt schafft Spielraum
für eine großzügige Entwicklung Wilhelmsburgs. Außerdem ermöglicht die
Bündelung von zwei Verkehrswegen
auf wirtschaftliche Weise die Verbesserung des dringend benötigten Lärmschutzes, für den umfangreiche Anla-
Dr. Klaus-Jürgen Juhnke und
Jan-Christoph Maiwaldt
Frank Horch und Tjark H. Woydt
gen vorgesehen sind. Über den Zeitpunkt, zu dem das Projekt verwirklicht
werden kann, machte Horch keine Angaben. Immerhin: „Seit Juni 2013 haben
wir Planrecht“.
Ein Dauerbrenner südlich der Elbe
ist die Verbindung der A7 mit der A1 im
Zuge der A 26, die sog. Hafenquerspange. Ab 2015 soll endlich das Planfeststellungsverfahren beginnen.
Alles in allem wird der Bund in den
nächsten beiden Jahrzehnten 2 Milliarden Euro in den Aus- und Neubau der
Hamburger Autobahnen stecken.
Einen anderen Arbeitsschwerpunkt
sieht der Senator bei der Sanierung der
innerstädtischen Infrastruktur. Hier hat
er so umfangreiche Altlasten übernommen, dass Erhalt und Sanierung der
Stadtstraßen und -brücken Vorrang er-
halten müssen vor Neubauten (deshalb
wird z.B. eine neue Köhlbrandbrücke
nicht vor 2025 in Angriff genommen).
Im Jahr 2014 stehen 72 Millionen Euro
für Sanierungsarbeiten zur Verfügung,
so viel wie noch nie. In diesem Zusammenhang war es eine interessante Aussage, dass die Reparaturen der Hauptstraßen bis 2023, der Bezirksstraßen
bis 2030 im Wesentlichen abgeschlossen sein sollen. Horch hat hierfür ein
Instandsetzungsmanagement eingesetzt.
Weitere Themen an diesem Morgen
waren: Ausbaumaßnahmen des Eisenbahnknotens Hamburg, Weiterbau der
U4 zu den Elbbrücken (bis 2018), Untersuchungen zu einem langfristigen Ausbau des U-Bahn-Netzes und eine Verteidigung des viel kritisierten Busbeschleunigungsprogramms.
Der Referent und sein Thema fanden schon zu früher Morgenstunde 150
interessierte Zuhörer.
He
27
POLITISCHES FRÜHSTÜCK am 4. Februar
Herausforderungen der
Immobilienbranche
„Der Markt ist der einzig demokratische Richter, den es überhaupt in der
modernen Wirtschaft gibt.“ Mit diesem Zitat von Ludwig Erhard begann
Mattner sein Referat beim POLITISCHEN FRÜHSTÜCK.
Und weiter: „In Zeiten der Regulierungswut gerade in der Immobilienwirtschaft, sieht der Zentrale Immobilienausschuss (ZIA) es als seine Aufgabe, die Wirtschaftspolitik mit zu gestalten. Mit seinen Mitgliedern deckt die
ZIA die gesamte Wertschöpfungskette
der Immobilienwirtschaft ab. Mattner
ging zurück auf die weltweite Finanzund Wirtschaftskrise, die eine ungeahnte Regulierungswelle auslöste. Auch
die Immobilienbranche bedachte man
hinreichend mit Regulierungsvorhaben. Wenngleich sich die Vorschriften
aus Basel III oder Solvency II auf Banken
und Versicherungen beziehen, haben
sie über kapitalsuchende Unternehmen
Auswirkungen auf die Immobilienbranche.
Drei markante Mechanismen, so
Mattner, sind bedeutend:
■ Als Reaktion auf einschneidende
Ereignisse schlägt das Pendel der Regulierung immer zu weit aus.
28
■ Europäische Vorgaben werden häufig überbordend in deutsche Systeme
transferiert.
■ In deutschen Ministerien wird zu
sektoral gedacht. Eine Wechselwirkung
von Regulierungen bleibt unbeachtet.
Das gilt auch für die kumulative Wirkung unterschiedlicher Instrumente.
Der Koalitionsvertrag lässt eine regulative Zukunft vermuten: Kein Finanzmarktakteur, kein Finanzprodukt und
kein Markt darf in Zukunft ohne angemessene Regeln bleiben. Was dabei
jedoch als angemessen betrachtet wird,
bleibt offen. Die ZIA macht sich zur Aufgabe das Zusammenspiel aller Regulierungsvorhaben – nicht nur für die
Finanzbranche – bereits in der Entstehung zu untersuchen, zu begleiten und
durch Lobbyarbeit zu begegnen.
Und wie sieht es in Hamburg aus?
Mit 10.000 Unternehmen der Finanzbranche mit insgesamt 50.000 Be-
Landesverband Hamburg | Ausgabe März 2014
Dr. Andreas Mattner
Vorsitzender des Zentralen
Immobilienausschusses
schäftigten sowie 1.600 Auszubildenden ist die Hansestadt ein bedeutender
Fondsstandort in Deutschland und darf
durch überbordende Regulierung nicht
gefährdet werden.
Die Immobilienbranche gehört mit
12 Prozent der Beschäftigten und einem
Anteil an der Bruttowertschöpfung von
19 Prozent zu den größten Wirtschaftszweigen in Deutschland. Damit ist sie
doppelt so groß wie der Handel, dreimal so groß wie der Gesundheitsmarkt
und fünfmal so groß wie der Fahrzeugbau. Um diese Stellung zu halten, bedarf es stabiler Rahmenbedingungen.
Die von der Großen Koalition vorgesehene Mietpreisbremse mit Beschränkungen der Modernisierungs-
umlage ist für Andreas Mattner ein klarer planwirtschaftlicher Kurs: „Was
wäre in Deutschland los, wenn die
Kosten für einen VW nicht mehr als 10
Prozent über der Schwackeliste liegen
dürften?“ Die Immobilienpreise entstehen auch durch hohe Grunderwerbsteuern, Nutzungsdiktate und letztlich
teure städtebauliche Verträge mit Sonderleistungen.
Die Koalition plant nun eine Befristung des Mieterhöhungsanspruchs bei
Modernisierung bis zur Amortisation
durch eine 10-Prozent-Absenkung bei
gleichzeitiger Mietpreisbremse. Unklar
bleibt, wie man dieses Prozedere praxisgerecht umsetzt. In Hamburg signalisieren Wohnungsgesellschaften, gerade in sozial benachteiligten Stadtteilen,
zunächst geplante Sanierungen auf Eis
zu legen.
Das Ziel von Immobilienwirtschaft
und Politik muss sein, rasch Anreize für
den Bau von bezahlbarem Wohnraum
zu schaffen. Der hamburgische Senat
hat seit dem Regierungswechsel 25.000
Genehmigungen erteilt, aktuell werden
rund 11.000 Wohnungen gebaut. Doch
dieses Tempo könnte sich verlangsamen. Der Rat der Immobilienweisen hat
aktuelle Daten und Fakten zusammengetragen. Ihr Fazit: Der Mietwohnungsmarkt hat an Dynamik gewonnen, die
Mieten stiegen um vier Prozent, seit
2005/2006 sogar um 33 Prozent. Ein
ähnliches Bild zeigt der Markt für Eigentumswohnungen. Für diese Entwicklung ist die deutliche Lücke zwischen
Spatenstich für das
neue Luftfrachtzentrum
Meldung
Abbildung: Gärtner & Christ Architekturdarstellung
Prof. Dr. Jörg F. Debatin
und Dr. Andreas Mattner
Angebot und Nachfrage verantwortlich.
Die Preise sind ein Signal von Knappheit. Schon deswegen wirkt sich im
Mietwohnungsbau eine Miet-Obergrenze kontraproduktiv aus und Immobilieninvestitionen verlieren an Attraktivität. Der Weise für Wohnimmobilien,
Professor Simons, meint ohnehin, dass
sich die Mietwohnungsknappheit verschärfen wird. Eine Mietpreisbremse
macht den Bau von Mietwohnungen
unattraktiv, animiert die Investoren
eher zum Bau von Eigentumswohnungen. Das ist genau das, was die Politik
nicht will.
Trotz dieser negativen politischen
Signale bleibt der Ausblick für die Immobilienbranche positiv. Wichtig sind
stabile Rahmenbedingungen. Das langfristig niedrige Zinsniveau ist treibender Faktor! Die Herausforderung der
Immobilienbranche heißt: Kreativ und
innovativ sein und damit appelliert
Mattner erneut an den Geist von Ludwig Erhard: „Wenn der Markt der einzig demokratische Richter ist, dann wird
er auch planwirtschaftliche Elemente
wie die Mietpreisbremse richten! EJH
Hamburg Airport startet offiziellen Baubeginn moderner
Gebäude und Anlagen am Weg beim Jäger. Die Anlage
behält ihre Gesamtfläche von 60.000 Quadratmetern, doch
ab Sommer 2015 (geplante Fertigstellung) wird das neue
Luftfrachtzentrum unter dem Namen „Hamburg Airport
Cargo Center“ (HACC) der Luftfrachtabfertigung zur Verfügung stehen.
„Es werden rund 45 Millionen Euro aus
eigenen Mitteln für das modernen Gebäude investiert. Das ist gut investiertes Geld für den Standort und die Region. Das neue HACC wird den Luftfrachtstandort Hamburg weiter stärken und
für die Zukunft sichern“, sagt Michael
Eggenschwiler, Vorsitzender der Geschäftsführung am Hamburg Airport.
Die Planungen zur Ausgestaltung
des HACC fanden in enger Abstimmung
mit den ansässigen Luftfrachtunternehmen statt. Der Neubaukomplex ist
für eine Jahreskapazität von maximal
150.000 Tonnen Luftfracht ausgelegt
und besteht aus Abfertigungsräumen
und Büros, die so konzipiert sind, dass
eine Logistikfläche von rund 20.000 m²
Logistikfläche für Abfertigungsunternehmen und Speditionen zur Verfügung steht. Die Flächengestaltung der
Cargo-Halle gewährleistet eine effiziente Prozesskette, so dass die Fracht
schnellstmöglich umgeschlagen werden kann. Durch eine Unterführung der
Straße Weg beim Jäger wird das neue
Luftfrachtzentrum direkt mit dem Vorfeld des Flughafens verbunden sein.
Unter Einbindung von Umweltexperten wurde ein ressourcenschonendes Konzept entwickelt. Dieses erfüllt
für eine Logistik-Immobilie einen überdurchschnittlich hohen Gebäude- und
Umweltstandard. Teil des Konzeptes
sind unter anderem Erdsonden, die zu
einem Drittel den Wärme- und Kühlungsbedarf decken sowie der Einsatz
von hocheffizienten Wärmerückgewinnungsanlagen.
EJH
29
Abendveranstaltung am 13. Februar
Klartext statt Anmerkungen
Selten hat der Berichterstatter in Veranstaltungen des Hamburger Wirtschaftsrats so intensiven Schlussbeifall erlebt wie nach dem Referat von
Wolfgang Clement. Die zahlreichen Zuhörer waren offensichtlich beeindruckt vom Klartext eines Elder Statesmans, der über seine Parteigrenzen hinausgewachsen ist.
Clement verbindet reiche politische Erfahrung – als Abgeordneter, als Ministerpräsident des größten Bundeslandes
und als Wirtschaftsminister im Kabinett Schröder – mit fundiertem Verständnis für die aktuellen Probleme der
Unternehmen. Er war und ist dabei ein
Sohn des krisengeschüttelten Ruhrgebiets mit Kontakt zu dessen Betrieben
Die Wirtschaft der
Bundesrepublik verfügt
über einen soliden Sockel an
Industriebetrieben
und zur sozialen Wirklichkeit. Seine
„Anmerkungen“ zu Gegenwart und
Zukunft nahmen keine Rücksicht auf
Parteiprogramme, Ideologien oder Tendenzen der öffentlichen Meinung.
Trotz skeptischer Aspekte, wie er
sie später vortrug, stellte Clement zu-
30
nächst die positiven Elemente der deutschen Situation heraus:
■ Die Wirtschaft der Bundesrepublik
verfügt über einen soliden Sockel an
Industriebetrieben. Kein anderes europäisches Land besitzt ein ähnliches
Potential.
■ Ein starker Mittelstand sorgt für stabile Verhältnisse in der Volkswirtschaft.
Weltweit sind 2.800 mittelständische
Betriebe führend in ihren (Nischen-)
Branchen. 1.300 davon kommen aus
Deutschland.
■ Die duale Berufsausbildung, um die
uns viele Länder beneiden, bildet eine
solide und tragfähige Brücke in das
Berufsleben. In der Bundesrepublik gibt
es keine Jugendarbeitslosigkeit.
■ Deutschland hat rechtzeitig Arbeitsmarktreformen durchgeführt. An erster
Stelle steht die Agenda 2010 (beschlossen im Jahr 2003). Sie senkte die Forderungen an den Staat und förderte die
Landesverband Hamburg | Ausgabe März 2014
Wolfgang Clement
Bundesminister a.D.,
Ministerpräsident (NRW) a.D.
Eigeninitiative. Die Aufwendungen für
die Arbeitslosigkeit sind seitdem von 90
Milliarden auf 40 Miliarden Euro im
Jahr gesunken, allerdings auch durch
die Verringerung der Zahl der Beschäftigungslosen von 5 Millionen auf 3 Millionen.
■ Einen überaus wichtigen Beitrag
zur Stabilität haben die Tarifpartner geleistet. In keiner vergleichbaren Volkswirtschaft funktioniere die Sozialpartnerschaft so verantwortungsvoll wie in
Deutschland. In Italien und in Frankreich z.B. stünden sich Arbeitgeber und
Arbeitnehmer noch wie zu Zeiten von
Karl Marx gegenüber. Weil es in den
letzten zehn Jahren praktisch keine
(Netto-)Lohnerhöhung gegeben habe
und flexible Elemente (u.a. Teilzeitarbeit) entwickelt wurden, blieb die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft
auch unter verschärften Weltmarktbedingungen erhalten.
Mehraufwendungen würden
stattdessen dringend für
Investitionen in Bildung und
Infrastruktur gebraucht
Clements Kritik setzte am Start der
Großen Koalition ein. Er hält die von
Frau Nahles vorgelegten Pläne zur Rentenreform für „grundverkehrt“. Insbesondere die Rente ab 63 behindere den
notwendigen Mentalitätswandel hinsichtlich des Pensionsalters (d.h. für
Rente ab 67). Die Lebenserwartung nehme ständig zu (statistisch um ¼ Jahr
pro Kalenderjahr), so dass es nicht sinnvoll sei – und im Hinblick auf die demographische Entwicklung auch nicht
bezahlbar –, das Rentenalter zu senken.
Die Mehraufwendungen würden stattdessen dringend für Investitionen in
Bildung und Infrastruktur gebraucht.
Auch der vorgesehene Mindestlohn von
8,50 Euro wurde von Clement missbil-
wichtigste Aufgabe der gegenwärtigen
Regierung, „die Soziale Marktwirtschaft
neu zu beleben“. Er versteht darunter
nicht nur eine Aktivierung des Wettbewerbs, sondern auch Fördermaßnahmen, um das Berufsleben auf Flexibilisierung einzustellen. Die digitale
Revolution verändere das Arbeitsleben.
Mitarbeiter müssten selbständig und
unternehmerisch handeln und sich laufend neuen Herausforderungen stellen.
Nachdrücklich wies Clement auf folgenschwere Defizite im Bildungsbereich hin. Seine „Anmerkungen“ waren
offensichtlich (auch) geprägt durch die
schwierigen Verhältnisse in seiner Heimatregion, dem Ruhrgebiet. Jährlich
blieben 50.000 Kinder ohne Schulabschluss. Die dringend notwendige Abhilfe („Wir brauchen jedes Talent“)
scheitere vor allem an zu geringen Investitionen für Bauten (?) und qualifiziertes Personal. Auch wäre unbeachtet, dass Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren besonders aufnahmefähig seien. Zu
viele von ihnen blieben jedoch in dieser
Phase bildungsfern.
Fast beschwörende Form nahm die
Kritik an, als Clement auf die Energiewende zu sprechen kam, die „aus den
Dr. Julia Dingwort-Nusseck und
Adelheid Sailer-Schuster
Dr. Klaus von Dohnanyi
Erster Bürgermeister a.D.
ligt. Schon jetzt seien höhere flächendeckende Forderungen absehbar ohne
Rücksicht auf die internationale Wettbewerbssituation der einzelnen Branchen. Außerdem stelle staatlich geregelter Lohn einen gravierenden Eingriff
in die Tarifhoheit der Sozialpartner dar.
Es sei gefährlich, die Löhne in Deutschland vom Wettbewerb abzuschotten.
Große Koalition bedeute auch
große Verantwortung. Clement hält es
– neben der Energiewende – für die
Fugen geraten“ sei. Zwar wäre Gabriels
Eckpunktepapier im Grunde richtig,
jedoch sei die bisherige Fehlsteuerung
so groß, dass die Politik nicht mehr
wage, wirklich klarzumachen, was die
Stunde geschlagen habe. Das Durcheinander von Ideologie und planerischer Notwendigkeit berge inzwischen
große Gefahren: „Man muss mit dem
Hammer dazwischen gehen“. Da witterungsbedingt durch Erneuerbare
Energien die lebenswichtige Versor-
gungssicherheit nicht gewährleistet
werden kann, müssen konventionelle
Kraftwerke als Reserve bereitstehen.
Deren Dasein als Lückenbüßer sei jedoch nur mit Subventionen aufrecht zu
erhalten. Umgekehrt gibt es Phasen, in
denen ein Überfluss an Erneuerbarer
Energie anfällt. Der überschüssige
Strom, der zuvor mit 17 ct/kWh gefördert wurde, wird dann für durchschnittlich 9 ct/kWh an das Ausland abgegeben. Beide Systeme – Erneuerbare
Energien und konventionelle Stromerzeugung – laufen unwirtschaftlich ne-
Das Durcheinander von
Ideologie und planerischer
Notwendigkeit berge
inzwischen große Gefahren
beneinander her. Die Stromkunden trügen hierfür gewaltige Kosten, die für
Industriebetriebe existenzbedrohend
und für viele private Verbraucher
schmerzlich zu werden drohen (EEGUmlage). Nach Ansicht von Clement
gilt es:
■ das Tempo beim Ausbau der Erneuerbaren Energien herauszunehmen,
■ die Erneuerbaren Energien nicht im
bisherigen Umfang zu fördern und sie
nicht vor dem Markt zu schützen,
■ die Energiewende zu europäisieren
(Netze, Förderung).
Im vorgegebenen Zeitrahmen konnte
das Thema „Europa“ nur noch kurz zur
Sprache kommen. Clement beklagte
den Mangel an Orientierung. Er forderte, die Kompetenzen der EU auf
klar definierte Felder zurückzuführen:
Wirtschaft und Finanzen, Infrastruktur
und Energie, Zuwanderung, Sicherheit
und Außenpolitik. Ansonsten solle
das Prinzip der Subsidiarität oberstes
Gebot sein. Altbürgermeister Klaus v.
Dohnanyi verschärfte in der Diskussion
diese Auffassung noch. Er hielt bereits
eine gemeinsame europäische Wirtschaftspolitik für undurchführbar. Vor
allem aber sei die Sozialstruktur in den
europäischen Staaten nicht zu ändern.
Die EU müsse stattdessen dem Unterschied der Kulturen wesentlich mehr
Raum geben, was eine radikale Subsidiarität bedinge.
He
31
Vortragsveranstaltung am 28. Februar
»Fördern Sie
die Rebellen und
entwaffnen Sie
die Ewiggestrigen«
Rebellen fördern
Von einer Wahlbeteiligung von bis zu 80 Prozent können andere nur
träumen. Die Betriebsratswahlen, die immer im Jahr der Fußballweltmeisterschaft in der Zeit vom 1. März bis 31. Mai stattfinden, haben also
ein hohes Mobilisierungspotenzial. Grund genug, die Macht der Betriebsräte nicht nur zu akzeptieren, sondern sie – konstruktiv – im Unternehmen zu nutzen.
Immerhin vertreten die Betriebsräte die
Interessen von etwa 40 Prozent aller
Arbeitnehmer. In ihrer „Sandwich-Position“, wie Thomas Fiebig, Institut für
Personalmanagement und Mitbestimmung, die Stellung zwischen Geschäftsleitung und Belegschaft nennt, können
sie verschiedene strategische Rollenmuster einnehmen: Von Konfrontation
bis hin zum Co-Management.
In einer Welt dynamischer Unternehmensentwicklungen, in der in immer kürzeren Abständen strategische
Entscheidungen zu treffen sind, bedeutet eine Konfrontationsstrategie vor
allem Ressourcenverschwendung. Wie
es dazu kommt, dass solche Grundmuster eingenommen werden und wie die
Parteien sich aus ihnen lösen können,
war Gegenstand des Vortrags am 28.
Januar vor Mitgliedern des Wirtschaftsrats in der Landesgeschäftsstelle.
32
Fiebig entwickelt darin zehn Gedanken, mit deren Hilfe in einem Unternehmen das Verhältnis der Sozialpartner analysiert, Probleme identifiziert
und Konflikte minimiert werden können. Am Anfang steht – neben der
Akzeptanz und Kenntnis der Rechte der
Betriebsräte – die Schaffung klarer
Zuständigkeiten und Verfahren. Dabei
stellt Fiebig nicht auf formale Prozesse ab, die oft lähmende Wirkung entfalten können. Vielmehr ist ein natürliches dynamisches Zusammenwirken
aller Beteiligten einer von vielen Erfolgsfaktoren.
Zu häufig sind die Sozialpartner in
alten Konflikten und längst überkommenen Rollenmustern verhaftet. Eine
konsequente Fokussierung auf gemeinsame Ziele kann zu neuen Rollen
führen, kann „sozialen Architekten“
statt formalen Autoritätspersonen mit
Landesverband Hamburg | Ausgabe März 2014
Dr. Thomas H. Fiebig
Institut für Personalmanagement
und Mitbestimmung
ihren überkommenen Ritualen das Feld
überlassen. „Fördern Sie die Rebellen
und entwaffnen Sie die Ewiggestrigen“,
rät Fiebig.
Allerdings: Die politischen Rahmenbedingungen und das gültige Betriebsverfassungsrecht sind von dem Geist
des modernen Sozialpartnermanagement noch nicht erfasst. Hier könnte
ein lohnenswertes Engagement der
Unternehmensverbände liegen – ganz
nach dem Motto: „Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorherzusagen; es
kommt darauf an, auf die Zukunft vorbereitet zu sein.“
Die Präsentation von Dr. Thomas H.
Fiebig finden Sie im internen Mitgliederbereich auf unserer Homepage. BN
Wirtschaftsrat im Dialog
€
€€
EEG – marktwirtschaftlich ausgestalten
Die Veranstaltungsreihe „Wirtschaftsrat im Dialog“ bietet unseren Mitgliedern die Möglichkeit, sich in kleinem Kreis an einem zwanglosen
Gespräch mit namhaften Persönlichkeiten aus Politik oder Wirtschaft zu
beteiligen. Am 3. März hatte der Landesverband hierzu Frau Dr. Herlind
Gundelach MdB in das Hotel Atlantic geladen.
Dr. Herlind Gundelach MdB
Senatorin a.D.
Die frischgebackene Bundestagsabgeordnete ist den Hamburgern in guter
Erinnerung als Senatorin für Wissenschaft und Forschung unter Ole v. Beust.
Zuvor war sie bereits vier Jahre (20042008) Staatsrätin in der Behörde für
Stadtentwicklung und Umwelt. Aus
ihrem langen politischen Berufsweg,
der 1981 begonnen und sie in Ministerien in Bonn, Wiesbaden und Berlin
geführt hatte, kam an diesem Abend
vor allem die dabei gesammelte, langjährige Erfahrung mit den Problemen
der Energiepolitik zur Geltung. Konsequenter Weise ist Frau Gundelach jetzt
Mitglied des Bundestagsausschusses
für Wirtschaft und Energie.
Da der unbefriedigende Zustand
der Energiewende inzwischen unstrittig ist, setzte sich Frau Gundelach zunächst mit dem ersten Reformprojekt
der neuen Regierung auseinander,
der Novelle des Erneuerbare-EnergienGesetzes (EEG). Sie sieht in dem in
der Bundesregierung noch nicht abgestimmten Gesetzentwurf einige
Schwachstellen. Vor allem bemängelt
sie, dass die Verpflichtung zur Direktvermarktung der Erneuerbaren Energien zu zögerlich angegangen wird.
Auch sei zu überlegen, ob die Förderung
der Erneuerbaren Energien nicht in einen neuen Rechtsrahmen eingebunden
werden könnte mit dem Ziel, die schon
aufgelaufenen Belastungen durch das
EEG auf Dauer zu mildern. Denn einer
der Pferdefüße der derzeitigen Regelung liege in der langen und vermeintlich unveränderbaren Dauer und Höhe
der Umlagen nach dem EEG. Das Gesetz
stammt aus dem Jahr 2001 und wurde
von dem damaligen Bundesumweltminister Jürgen Trittin gegen den massiven Widerstand der Union und der
von ihr regierten Länder in Bundestag
und Bundesrat durchgesetzt.
Frau Gundelach fürchtet, dass sich
Minister Gabriel angesichts starker
Widerstände sowohl aus den Reihen
der betroffenen Industrien und Verbände, aber auch aus den Reihen der
Koalition selber nur zögerlich an entsprechende Änderungen heranwagt.
Das Thema „Besondere Ausgleichsregelung“ wurde an dem Abend nicht
vertieft, es bestand jedoch Einvernehmen, dass im Interesse der Sicherung
des Industrie- und Wirtschaftsstandortes Deutschland hier auch weiterhin Erleichterungen Platz greifen müssen.
Frau Gundelach vertrat die Auffassung,
dass Brüssel mit Blick auf das gegen
Deutschland angestrengte Verfahren
umso gesprächsbereiter sei, je markt-
wirtschaftlicher das neue EEG ausgestaltet würde.
Ferner sei für das Gelingen der
Energiewende die Einbeziehung des
Wärmemarktes notwendig, in dem
noch große Potentiale zur Energieeffizienz liegen, die weitere Forschungsförderung im Bereich Energieeffizienz
und neue Technologien, hier vor allem
von Speichertechnologien, um den unsteten Energiefluss beherrschbar zu
machen. Die großtechnische Verwertbarkeit der bisherigen Ergebnisse brauche nach Ansicht der Kennerin aber
noch einige Zeit.
Das Gespräch mit Frau Gundelach
beschränkte sich nicht nur auf Energiefragen. Aus ihrer Sicht bedarf auch
die Verkehrspolitik im Norden noch
erheblicher gemeinsamer Anstrengungen. Hier müssten sich die norddeutschen Länder auf prioritäre Maßnahmen verständigen, wenn sie bei der Verteilung der Mittel nicht im Bund hinten
runter fallen wollten. Für die Verwirklichung der gesamten Ahrensburger
Liste sei im Haushalt vermutlich nicht
ausreichend Geld vorhanden.
Aus dem Kreis der Teilnehmer wurden noch weitere Themen angesprochen (z.B. die Arbeitsbedingungen im
Bundestag), die Frau Gundelach ohne
Schnörkel und Umschweife beantwortete. Insgesamt bot der Abend einen
Gewinn an direkter Information aus
kundiger Hand, unabhängig vom Großangebot der Medien.
He
33
Berichte aus dem Jungen Wirtschaftsrat
J U N G E R W I RTS C H A F TS R AT
Jahresauftakt:
Die Verbindung von Ökonomie und Ökologie –
Positive Beispiele aus der Wirtschaft
Am 23. Januar 2014 trafen sich die
Mitglieder des Hamburger Jungen
Wirtschaftsrats und des Ordentlichen Verbandes in den Räumlichkeiten der Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH zu einer nachdenklichen und lebendigen Diskussion
mit Herrn Eberhard Brandes, Geschäftsführer des WWF Deutschland (World Wildlife Fund for
Nature).
Zunächst führte Dr. Gernot-Rüdiger
Engel, Experte für Umweltrecht, in das
Thema des Abends am Beispiel einer
Papierfabrik ein, die sich Mitte der 70er
Jahre entschieden hatte, die Themenfelder Ökologie und Ökonomie zusammen zu führen. Die Umstellung auf
eine energieeffiziente, emissionsarme
und ressourcenschonende Herstellung
von Recyclingpapier führte bereits in
den 80er Jahren zur Zertifizierung mit
dem Verbraucherschutzzeichen „Blauer Engel“. Das Unternehmen hat bewiesen, dass man auch mit ökologischer
Verantwortung erfolgreich, vielleicht
sogar erfolgreicher sein kann.
Auch Eberhard Brandes vertritt die
Meinung, dass Ökologie und Ökonomie
sich nicht widersprechen müssen. Im
Gegenteil, es bedingt sich sogar selbst,
man muss nur richtig rechnen! Die
Natur hat uns gelehrt, dass Input und
Output ohne ökologisches Zusammenspiel nicht möglich sind. Der Elefant
beispielsweise transportiert auf seiner
Wanderung verschiedene Baumsamen
durch die Steppe und wird daher auch
als Architekt der Savanne tituliert.
Der WWF ist eine der größten
Naturschutzorganisationen der Welt
und mit über 5 Millionen Förderern in
über 100 Ländern aktiv. Das globale
Netzwerk des WWF engagiert sich
34
dafür, das Leitbild der biologischen
Vielfalt zu bewahren und somit zu
gewährleisten, dass auch zukünftig der
Mensch und die Natur in Harmonie
leben können.
Bei dem Konzept „living one planet“
spielt der ökologische Fußabdruck eine
große Rolle. Dabei wird die Fläche auf
der Erde, die notwendig ist, um den
Lebensstandard eines Menschen dauerhaft zu ermöglichen, berechnet. Brandes führt das Beispiel eines deutschen
Lebensmittelhändlers an, der gemeinsam mit dem WWF daran arbeitet, diesen Fußabdruck deutlich zu reduzieren,
indem er mit Ressourcen wie Wasser
und Energie schonender umgeht und
in seinem Sortiment den Anteil umweltverträglicher Produkte erhöht.
Beim Thema nachhaltige Fischerei
führte die Zusammenarbeit der beiden
Partner dazu, dass ein Großteil der
Eigenmarkenprodukte des Einzelhändlers mit Wildfisch inzwischen aus bestandserhaltender und umweltschonender Fischerei stammt. Neben der
ressourcenschonenden Produktion sollen auch die Verbraucher motiviert werden, sich für nachhaltige Produkte zu
entscheiden. Dies wird durch klare
Kennzeichnung und verstärkte Wer-
Landesverband Hamburg | Ausgabe März 2014
bung für Nachhaltigkeit erreicht.
Ein weiteres Beispiel ist eine namhafte Brauerei, die erkannt hat, dass die
Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz
und Energiewende zusehends an Bedeutung gewinnen. Mit einem speziellen Regenwald-Projekt wurden 4 Millionen Euro für den Schutz des Regenwaldes im Kongo erzielt und zeitgleich
konnte die Brauerei durch diese Werbekampagne den Umsatz deutlich steigern. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass
man globale Verantwortung übernehmen kann und, wenn man dabei auch
effizient wirtschaftet, durchaus ökonomisch und ökologisch erfolgreich sein
kann.
In der anschließenden Diskussion
wurden neben den genannten positiven auch negative Beispiele angebracht. Durch die Beiträge von Dr.
Gernot-Rüdiger Engel und Eberhard
Brandes ist deutlich geworden, dass es
noch ein weiter Weg ist, bis die Ökologie in Unternehmen einen ähnlich
hohen Stellenwert wie die Ökonomie
einnehmen wird. Allerdings gibt es
immer mehr Unternehmen, die sich
dieser Verantwortung bewusst sind
und sich der Thematik ernsthaft annehmen.
Anja Halfkath
Kamingespräch mit
Dietrich Wersich MdHB
Nachdem das neue Veranstaltungsformat „Kamingespräch“ im Oktober 2013 mit Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider sehr erfolgreich gestartet ist, war der Gesprächspartner im zweiten Kamingespräch Dietrich Wersich MdHB,
Senator a.D. und Vorsitzender der
CDU-Bürgerschaftsfraktion.
Auf besonderes Interesse stieß der politische Karriereweg des heutigen Oppositionsführers. Wie in jedem Beruf gehört auch in der Politik viel Fortune zum
Erfolg. Allerdings funktioniert der Politikbetrieb nach anderen Gesetzmäßigkeiten, als ein Unternehmen.
Die aktuelle politische Lage beschrieb Wersich anhand zahlreicher Beispiele als weitaus weniger positiv, als
Dietrich Wersich MdHB mit Mitgliedern des Jungen Wirtschaftsrates
sie unmittelbar wahrgenommen wird.
Dass Hamburg Nehmerland im Länderfinanzausgleich geworden ist, sei
hier ein deutliches Warnsignal.
Zudem beklagte der Fraktionsvorsitzende das völlige Fehlen eines Gesamtkonzepts. Der Senat habe keine
Vision für die Zukunft der Stadt. Die SPD
sei mit Wahlversprechen angetreten,
die der Senat ein Jahr vor Ende der
Legislaturperiode noch nicht umgesetzt
habe.
Im Wahlkampf geht es der Opposition darum, die Schwächen des Senats
darzulegen und mit eigenen Konzepten
eine bessere Alternative zu präsentieren. Die Mitglieder des Jungen Wirtschaftsrats diskutierten umfassend mit
Dietrich Wersich, wo er das Wählerpo-
tential der Zuwanderer einordnet. Ob
dieses Potential der CDU zugutekommt,
hängt am Ende auch davon ab, wie die
Parteien sich im Wahlkampf präsentieren.
Neben den klassischen Wirtschaftsthemen waren außerdem Fragen der
„Jungen Generation“ von hohem Interesse. Wie fördert die Partei Nachwuchskräfte, damit sie auch in Zukunft
die Chance hat, wieder eine regierungsfähige Mannschaft zu stellen. Am
Ende des Abends hatte der Junge Wirtschaftsrat einen exklusiven und umfassenden Einblick in die Oppositionsarbeit und auch darin, was ein Jahr vor
Ende der Legislaturperiode im Hinblick
auf die Bürgerschaftswahl 2015 zu tun
ist.
Florian Eilken
Dr. Thomas H. Fiebig ist neuer Landesgeschäftsführer
„Bewährtes erhalten und Neues
schaffen“, unter diesem Motto
hat Dr. Thomas H. Fiebig am
17. Februar seinen Dienst in der
Landesgeschäftsstelle angetreten.
Nach seiner Auffassung stehen die Verbände, so auch der Wirtschaftsrat, heute vor größeren Herausforderungen als
je zuvor. Individualisierung und Digitalisierung sind wesentliche Eckpunkte eines kontinuierlichen gesellschaftlichen Wandels in den letzten Jahren.
Die Mitgliedschaft in einem Verband
ist heute nicht mehr so selbstverständlich wie früher. Auch die Mitgliedschaft im Wirtschaftsrat unterliegt einer Aufwand-Nutzen-Rechnung
und steht im Wettbewerb zur Mitgliedschaft in konkurrierenden Verbänden oder in lockeren Netzwerken.
Auch die Diversifizierung der beruflichen Entwicklung, die Pluralität von
Arbeitsstilen und Arbeitsverdichtungen
tragen dazu bei, dass Verbandsarbeit
nicht mehr den Stellenwert unternehmerisch denkender und handelnder
Akteure hat.
Partizipation soll heute eher punktuell, kurzfristig und möglichst verpflichtungsfrei sowie themenbegrenzt
ausgeübt werden. Diese Herausforderungen gilt es zu antizipieren und zu
managen. Ein lebendiger Wirtschaftsrat braucht mehr Frauen, mehr jüngere Mitgliedern, mehr internationale
Geschäftsführungen und mehr Vielfaltbiografien – ohne dabei auf Erfahrung und Tradition zu verzichten.
Das Team der Landesgeschäftsstelle hat dabei als zentrale Aufgabe,
die politische Arbeit des Landesvorstandes und der Landesfachkommissionen in bestmöglicher Weise zu
unterstützen und auf diese Weise den
Wirtschaftsrat attraktiv zu machen,
um im Wettbewerb der Verbände
mehr Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Dr. Thomas Fiebig bringt vielfältige Erfahrung aus dem Bereichen Recht,
Politik und Kommunikation mit. Zu
seinem Profil gehört Unternehmensführung ebenso wie Verbandsarbeit.
Er konnte diese Erfahrungen gewinnen in der Energiewirtschaft, Telekommunikation und Beratung. Berufliche Stationen waren EWE TEL, Hansenet, Vattenfall und PreussenElektra.
Prof. Dr. Jörg F. Debatin
35
Neues aus dem Landesverband
I N FOS AUS DER L AN DESGESC HÄFTSSTELLE HA MBU RG
IM ÜBRIGEN ...
… finden Sie die Ergebnisse der Vorstandswahl vom 25. März auf unserer
Homepage unter der Rubrik Pressemitteilungen.
… wären wir Ihnen sehr dankbar, wenn
Sie der Geschäftsstelle mitteilen würden, wenn Sie an einer Veranstaltung
nicht teilnehmen können, zu der Sie
sich zuvor angemeldet haben. Der Anmeldestand ist für die weitere Planung
Grundlage der Kostenkalkulation. Eine
erhebliche Differenz zwischen Anmeldungen und Teilnehmern erschwert
die Planung und führt zu unnötiger
Kostenbelastung.
… ist Herr Fabian Vidacek noch bis Ende
April als Praktikant in der Landesgeschäftsstelle tätig. Herr Vidacek ist 23
Jahre alt und studiert Politikwissen-
schaften in Trier. Nach seinem Praktikum wird er seine Bachelor-Arbeit fertig stellen.
… ist die erste Ausgabe des Jahres 2014
der richtige Zeitpunkt, die äußere Gestaltung unseres Mitgliederjournals zu
verändern. Wir freuen uns sehr über Ihr
Feedback – selbstverständlich auch zu
den redaktionellen Beiträgen. Schicken
Sie uns einfach eine E-Mail an [email protected] oder rufen Sie
uns an.
Wirtschaftstag begonnen, der im
Herbst 2015 in Lübeck stattfinden wird.
Für Sie ist dieser Wirtschaftstag eine
ideale Gelegenheit, Ihr Unternehmen
zu präsentieren. Für nähere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
... mussten wir wegen des Wirtschaftstags am 3. Juli in Berlin unser DerbyMeeting vom 2. auf den 8. Juli verlegen.
... freuen wir uns, dass wir Ihnen die
Gelegenheit zum Gespräch mit dem
japanischen Botschafter in Deutschland, Herrn Takeshi Nakane, am 7. März
geben konnten und dieses Angebot
auch gerne angenommen wurde.
... haben wir bereits mit den Vorbereitungen zum nächsten Norddeutschen
Brigitte Nolte
E I N E R FA H R U N G S B E R I C H T
Karin Karakaya, 23 Jahre alt und Studentin der Politikwissenschaften in
Mainz, war vom 13. Januar bis 21. Februar als Praktikantin in der Landesgeschäftsstelle tätig. Nach Frau Karakaya
werden in diesem Jahr noch weitere
Studenten beim Hamburger Wirtschaftsrat Verbandsarbeit an der
Schnittstelle von Wirtschaft und Politik kennen lernen. Wir wollten von
Frau Karakaya wissen, welchen Eindruck sie aus Hamburg mitnimmt.
Ein Praktikum beim Wirtschaftsrat –
wie kommt man dazu?
Als Studentin kurz vor dem Bachelor
treibt einen natürlich die Frage, welchen beruflichen Weg man nun genau
einschlagen will. Praktika bieten hier
die hervorragende Möglichkeit Einblicke in die Praxis zu gewähren, um
das theoretische Wissen anzuwenden.
So hat mir der Wirtschaftsrat einen
idealen Einblick in die Verbandsarbeit
gegeben und mir gezeigt, wie vielseitig diese sein kann.
Und wie hat es Ihnen in Hamburg
gefallen?
Mir hat meine Zeit beim Wirtschaftsrat in Hamburg sehr gut gefallen. In
meinem Studium habe ich bereits einige Kurse zur Wirtschaftspolitik belegt
36
Karin Karakaya
Praktikantin
in der Landesgeschäftsstelle
und konnte mich dadurch theoretisch
mit einigen Themengebieten auseinandersetzen. Durch die Einblicke, die
mir der Wirtschaftsrat ermöglicht hat,
fühle ich mich in meinem Interesse
diesbezüglich bestätigt. Weiterhin
habe ich mein Wissen über Verbände
maßgeblich erweitern können, und
das aufgrund der praktischen Erfahrung, mehr kann man kaum erwarten.
Welche Erkenntnisse ziehen Sie aus
Ihrem Praktikum?
Da ich noch nie zuvor in Hamburg war,
bestand für mich hier die besondere
Herausforderung in einer mir fremden
Stadt den Verband angemessen zu
unterstützen. Doch jegliche Sorgen
diesbezüglich waren unbegründet. Der
Landesverband bietet die besten Voraussetzungen für einen Praktikanten
praxisorientiert zu arbeiten und die
alltäglichen Arbeitsprozesse zu begrei-
Landesverband Hamburg | Ausgabe März 2014
fen. Durch die vielfältigen Arbeitsgebiete habe ich in meiner Zeit hier viel
gelernt und auch erkannt, welche Aufgaben und Themen für mich persönlich von Interesse sind und welche
nicht, denn auch das ist sehr wichtig.
Was war Ihr Eindruck von den
Veranstaltungen?
Die exklusiven Veranstaltungen des
Wirtschaftsrates sind besonders in
Hamburg sehr informativ und spannend. Insbesondere die Veranstaltung
mit Wolfgang Clement hat mir sehr
gut gefallen. Der hochinteressante Vortrag zu der aktuellen Lage Deutschlands und Europas und dem umfassenderen Wissen Clements aus Kreisen,
die einem sonst verborgen bleiben,
machen die Veranstaltungen im Wirtschaftsrat speziell. Durch die vielen verschiedenen Menschen, die man auf
allen Veranstaltungen trifft, werden
einem auch die Möglichkeiten bewusst, die einem bevor stehen. Besonders haben mir auch die Veranstaltungen des Jungen Wirtschaftsrates zugesagt. Es ist interessant mit Mitgliedern
zu sprechen, die vor einigen Jahren
selbst noch in der Position waren sich
zu fragen, wohin es sie schlägt. Hier findet ein Austausch statt, den man in der
Universität nicht erfahren kann.
Vorschau Landesverband Hamburg
BITTE VORMERKEN:
6. Mai 2014
Veranstaltung im Rahmen der
Europawoche
26. Mai 2014
Golfturnier des Wirtschaftsrates
im Club Hamburger Walddörfer
V E R A N S TA LT U N G S V O R S C H A U
VERANSTALTUNGEN
15. April 2014
Michael Eggenschwiler
Vorsitzender der Geschäftsführung,
Flughafen Hamburg GmbH
6. Mai 2014
Podiumsdiskussion mit
Dr. Hans-Gert-Pöttering MdEP
Präsident des Europäischen Parlaments a.D.,
Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie
Dr. Roland Heintze MdHB
Kandidat für die Europawahl
10. Juni 2014
Lutz Marmor
NDR-Intendant und ARD-Vorsitzender
POLITISCHES FRÜHSTÜCK
9. April 2014
Ove Saffe, Geschäftsführer
SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG
14. Mai 2014
Dr. Peter Ramsauer MdB
Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft
und Energie Bundesminister a. D.
8. Juli 2014
Derby-Meeting
6. Juni 2014
Bernd Aufderheide
Vorsitzender der Geschäftsführung
Hamburg Messe und Congress GmbH
JOUR FIXE (nur für Mitglieder)
10. April 2014
Serge Lavroff, Französischer Generalkonsul in Hamburg
22. Mai 2014
Dr. Andreas Meusch, Techniker Krankenkasse
12. Juni 2014
Thilo Kleibauer MdHB
„Jeder erwartet vom Staat
Sparsamkeit im allgemeinen
und Freigiebigkeit im
besonderen.“
Sir Anthony Eden
Foto: Andreas Weiss
Nachlese
WR IM DIALOG (nur für Mitglieder)
8. Mai 2014
Katja Suding MdHB
23. Juni 2014
Dr. Eva Gümbel MdHB
JUNGER WIRTSCHAFTSRAT
14. Mai 2014
Kamingespräch mit Michael Westhagemann
CEO Region Nord, Siemens AG
21. Mai 2014 und 16. Juli 2014
Beirat des Jungen Wirtschaftsrates: Hamburger Dialog
Bitte notieren Sie:
Der Wirtschaftstag findet am 3. Juli 2014 in Berlin statt.
Änderungen vorbehalten
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Neues aus den Landesverbänden
WIR BEGRÜSSEN ALS NEUE MITGLIEDER IN DEN
LANDESVERBÄNDEN HAMBURG UND SCHLESWIG-HOLSTEIN
Zorosch Aziz
Dr. Kay Dahlke
Geschäftsführer / Managing Director
Thüga Erneuerbare Energien
GmbH & Co. KG
Philip Dehn (JWR)
J.J. Darboven GmbH & Co. KG
Jasmin Etezadzadeh
Geschäftsführung / Trainer /
Opernsängerin
Akademie der Stimme
Dr. Anke Frieling
Geschäftsführerin
Pyramidiam GmbH
Michael-Gerrit Günther (JWR)
Geschäftsführender Gesellschafter
Günther & Günther GmbH
Immobilienbüro / Hamburg
Dietrich Austermann
Minister a.D. , Pressesprecher der
Volksinitiative „A 20 – sofort!“
Itzehoe
BETH Filter GmbH
Lübeck
Mario Biedermann (JWR)
Abteilungsdirektor Private Banking
Nord, Donner & Reuschel AG
Kiel
Dr. Thies Boysen
Geschäftsführer
Senator Beteiligungen GmbH
Lübeck
Marcus Burmeister
Geschäftsführender Gesellschafter
MEBUC GmbH
Schülp
Birgit von Have
Geschäftsführende Gesellschafterin
Von Have Projekt GmbH
Dr. Thomas Ebel
Geschäftsführender Gesellschafter
FTCAP GmbH
Husum
Anneke Hines
Director M & A / Prokuristin
SOLLORS & CO. (GmbH & Co. KG)
Beratung.Beteiligungen.
Jörn Engler
Theologischer Vorstand
Stiftung Diakoniewerk
Kropp
Joachim Hädel
Dr. Jens Finnern
Geschäftsführender Gesellschafter
MS Management Systems GmbH
Unternehmensberatung
Neumünster
Steffen Kahl
Geschäftsführender Gesellschafter
brandrelation consulting gmbh
& co. kg / Hamburg
Dr. Angelika Kempfert
Staatsrätin
Joachim Klopsch
Geschäftsführer
Havas PR Hamburg GmbH
Gisela-Elsita Rittberger
Barbara Schmitt
Olaf C. Völker
Leiter Vermietung
Deutsche Immobilien Development
GmbH
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Lars Grebien
Leiter Vertrieb
BETH Filter GmbH
Lübeck
Lenka Hansen-Mörck
Inhaberin
Historischer Krug Oeversee
Oeversee
Wolfgang Hauschildt
Finanzvorstand
Stiftung Diakoniewerk
Kropp
Birk Heinrich
Geschäftsführer
HELIOS Klinik Schloss Schönhagen
GmbH
Ostseebad Schönhagen
Landesverband Hamburg | Ausgabe März 2014
HELIOS Klinik
Schloss Schönhagen GmbH
Ostseebad Schönhagen
Tobias Frederik Langer (Dipl.-Ing.)
Geschäftsführer
Logstor Deutschland GmbH
Handewitt
Logstor Deutschland GmbH
Handewitt
Jens Ohde
Geschäftsführer
GAB – Gesellschaft für
Abfallbehandlung GmbH
Kummerfeld
Nis Richard Richardsen
Geschäftsführender Gesellschafter
Holzhäuser & Zimmerei
Richardsen GmbH
Langenhorn
Sven Roßmann
Personalvorstand
Stiftung Diakoniewerk
Kropp
Hendrik Schwarz
Geschäftsführender Gesellschafter
Friesenkrone Feinkost Heinrich
Schwarz & Sohn GmbH & Co. KG
Marne
Dr. Volker Skwarek
Leiter Vor- und Elektronikentwicklung
Hella Fahrzeugkomponenten GmbH
Bremen
Uwe Jörg Stamm
Geschäftsführender Gesellschafter
BETH Filter GmbH
Lübeck
Sylva Viebach
Geschäftsführerin
LIEMAK GmbH
Hannover
Stiftung Diakoniewerk
Kropp
Worlée-Chemie GmbH
Hamburg
Landesverband Schleswig-Holstein
Das neue Tariftreue- und Korruptionsregistergesetz höhlt unseren Rechtsstaat aus
D
Dr. Philipp Murmann MdB
Landesvorsitzender Schleswig-Holstein
er Pulverdampf um die Verhandlungen des Koalitionsvertrages in
Berlin hat sich inzwischen verzogen
und gibt den Blick frei auf ein Vertragswerk, das uns aus unternehmerischer Sicht einige Sorgen bereitet: Auf
der einen Seite werden die in den letzten Jahren im Bundeshaushalt erarbeiteten Spielräume jetzt für zusätzliche
Rentenversprechen eingesetzt, und auf
der anderen Seite bleiben die für uns
im Norden besonders wichtigen Investitionsmittel für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur deutlich unter unseren Erwartungen. Umso wichtiger wird
es sein, die Koalitionspartner im Rahmen unserer Arbeit im Wirtschaftsrat
im Weiteren davon zu überzeugen, daß
funktionstüchtige Verkehrswege nicht
nur für Schleswig-Holstein existentiell
sind, sondern für die gesamtdeutsche
Exportwirtschaft. Vor diesem Hintergrund sollte die Landesregierung die
Planung für die A 20 endlich mit maximalem Einsatz vorantreiben. Investitionen in die Planung lösen erfahrungsgemäß Investitionsmittel in zehnfacher Höhe aus. Der Verein BUND
Schleswig-Holstein und die Grünen
legen mit ihrem fortgesetzten Widerstand gegen einen Ausbau der A 20 die
Axt an den zukünftigen Wohlstand
unserer Region.
Derweil wird das Netz an bürokratischen Regulierungen im Land Schleswig-Holstein enger gezogen – ohne
große Rücksichtnahme auf das Konzert
warnender Stimmen aus der Wirtschaft. So macht sich angesichts eines
jetzt zum Vollzug anstehenden Tariftreue- und Korruptionsregistergesetzes
sowohl bei den Behörden als auch der
bietenden Wirtschaft zunehmend Ratlosigkeit breit. Die im Vollzug auftretenden Fragen haben das Zeug dazu,
den Wettbewerb um öffentliche Aufträge unserer Kommunen zum Erliegen
zu bringen und den Rechtsstaat in der
Wahrnehmung der Akteure nachhaltig
auszuhöhlen. Aber damit offenbar noch
nicht genug: Der Entwurf zu einem
neuen Denkmalschutzgesetz sieht jetzt
vor, zigtausend vermeintliche Denkmäler im Land ohne Widerspruchsrecht
eintragen zu lassen und die Kontrolle
gegen Veränderungen an diesen Gebäuden über ein Verbandsklagerecht zu
bewehren – eine lähmende Mischung
für Unternehmen, die sich am Standort
baulich modernisieren oder erweitern
möchten.
Vor diesem Hintergrund kann man
wohl nur froh sein, daß die Europapolitik endlich auch in Deutschland maßgeblich an Bedeutung gewonnen hat.
Angesichts der enormen Herausforderungen, die auch außenpolitisch mit
dem zukünftigen Schicksal der Ukraine
verknüpft sind, sollten wir im Zuge
der bevorstehenden Wahlen mit dafür sorgen, daß der deutsche Einfluß
in Europa nicht durch ein vermehrtes Auftreten von Splittergruppen geschwächt wird.
Dr. Philipp Murmann
Ausgabe März 2014 | Landesverband Schleswig-Holstein
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Kamingespräche
Kamingespräche nach der Bundestagswahl
Um den neuen Koalitionsvertrag einzuordnen und im Zuge der innerverbandlichen Meinungsbildung die Ziele für die weitere Arbeit im Wirt-
Sektion Neumünster
schaftsrat festzustecken, wurde in einer Reihe sogenannter Kamingespräche ein offener Diskurs mit unseren Bundestagsabgeordneten
geführt: Mit dem neuen Abgeordneten Mark Helfrich MdB in der Sektion Dithmarschen am 23. Januar 2014, mit unserem Landesvorsitzenden
und Abgeordneten Dr. Philipp Murmann MdB in der Sektion Neumünster am 24. Januar 2014 und schließlich mit dem Abgeordneten Dr. Ole
Schröder MdB in der Sektion Pinneberg am 6. Februar 2014.
Sektion Pinneberg
Weichen stellen für den
Sprung über die Elbe!
Wer sich über den Tagungsort informiert, erfährt auf der Internetseite des
Hotels: „Pinneberg liegt verkehrsgünstig am Nordwestrand von Hamburg,
knapp 20 Autominuten entfernt.“ So
die Theorie. Am Tag der Einladung sind
es schon einmal acht Kilometer Stau,
die aus 20 Minuten Anfahrt eine Stunde machen.
20 Gäste haben sich aufgemacht,
um von Dr. Ole Schröder (CDU), Mitglied
des Bundestages und gut informiert
halb des nächsten Tages just in time.
Nicht überraschend deshalb, daß
das Thema Ausbau der A 20 und Sanierung (und Ausbau) der A 7 ganz oben
auf der Sorgenliste der Teilnehmer
der Veranstaltung steht. Sorgen, die
Schröder, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern,
kennt. „Während in Mecklenburg-Vorpommern 300 Kilometer Autobahn
fertig gestellt werden, schaffen wir in
Schleswig-Holstein gerade einmal deren 30. Und die Autobahn endet bei uns
in einem Mauseloch“, so Schröder. Liegt
es an den Kosten? Nach Schröders Meinung nicht vorrangig. „Es sind vor allem
die Planungskapazitäten, die den Eng-
Kaminabend der Sektion Pinneberg mit
dem Abgeordneten und parlamentarischen Staatssekretär Dr. Ole Schröder MdB
(stehend) im Cap Polonio
v.l. Peter Preuß (Preuss Messe Bau),
Sektionssprecher Jens Sander (Sander
Baumschulen), Prof. Dr. Heinz Dressel
im Gespräch mit Paul Wehberg (A. Beig
Druckerei und Verlag) über die Auswirkungen des Mindestlohns im Bereich
der Zeitungszusteller.
über die Vorhaben in den nächsten Jahren, zu erfahren, wie es für die Region
Pinneberg bestellt ist. Gute Erreichbarkeit ist nämlich hier vor allem ein wichtiges Thema: Lebensmittelproduzenten,
Logistiker, Hersteller diverser Erzeugnisse sind darauf angewiesen, zuverlässig
ihre Produkte auszuliefern – oft inner-
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paß bilden“, sagt er. „Im Planungsamt
sind nicht alle Stellen besetzt, und etliche Mitarbeiter sind derzeit mit der
Planung der Stromtrasse beschäftigt.“,
ergänzt Dr. Bertram Zitscher, Landesgeschäftsführer des Wirtschaftsrates
Schleswig-Holstein, und erntet ein zustimmendes Nicken Schröders.
Landesverband Schleswig-Holstein | Ausgabe März 2014
Martin Krumm (li, Krummweb) moderierte das Kamingespräch der Sektion
Neumünster am 24. Januar 2014 mit
unserem Landesvorsitzenden und Abgeordneten Dr. Philipp Murmann MdB, das
im offenen Diskurs interessierte Fragen
zum Koalitionsvertrag geklärt hat
Am Rande der Meinungsbildung zu den
Beschlüssen der Großen Koalition:
Gerd Grümmer (li) und Wolfgang Voß
(Voß & Voß GmbH) beim Kamingespräch
der Sektion Neumünster.
Der Abgeordnete gibt einen kurzen Überblick über Themen wie NordOstseekanal („fünf SPD-Minister und
nichts passiert“), oder den geplanten
kommunalen Finanzausgleich, der Gelder umverteilen möchte von der Fläche
in die Städte und dabei nicht berücksichtigt, die Ursachen für die enorme
und steigende Verschuldung der Städte zu ergründen und zu regeln. Weitere
Themen: Mindestlohn, Familienpolitik,
Mütterrente und Arbeitsmarkt inklusive Migration und Digitale Transformation der Behördendaten: „Das sind wir
im Lande ganz hintenan und sollten
uns Süddeutschland als Vorbild nehmen“, so Schröder. Last not least: Datensicherheit: „Lassen Sie ihren Laptop zu-
hause, wenn sie in bestimmte Länder
fahren“, beschwört Ole Schröder seine
Zuhörer, die Gefahr des Datendiebstahls sei enorm – und bilde auch für
mittelständische Unternehmen eine
existentielle Gefahr. Einig sind sich die
Gäste, daß die Einführung des Mindestlohnes keine so gute Idee war. Die
Industrie treffe die Problematik weniger, auch der Raum Pinneberg sei kaum
betroffen, so schildert es Gastgeber Jens
Sander, Sektionssprecher Pinneberg.
Denn in diesen Bereichen werde sowieso über dem Mindestlohn gezahlt. Härter betroffen seien allerdings die Bereiche kommunale Pflegekräfte und
Touristik. Christoph Prinz zu SchleswigHolstein gibt zu bedenken, daß gerade
in letzterem Bereich Menschen tätig
seien, die mit dem Hintergrund einer
geregelten Rente oder Pension noch
etwas hinzuverdienen möchten. Beispiel: Pensionierte Marineoffiziere führen durch das Schloß Glücksburg. Für
deren aktuelle Arbeitgeber bedeute der
Mindestlohn eine nicht zu bewältigende, finanzielle Belastung. Der kulturelle Bereich sei schon jetzt kaum kostendeckend zu fahren.
Und: „Was nützt uns ein Mindestlohn, wenn wir die Ware nicht vom
Hof bekommen“, fragt Peter Preuß, Geschäftsführer Gesellschafter des weltweit ersten Messeunternehmens und
leitet wieder hinüber zur Infrastrukturdebatte. „Baut die A 7 nicht aus,
denn dann geht hier gar nichts mehr“,
so die Meinung von Hendrik Schwarz,
Inhaber der nahrungsveredelnden Friesenkrone Feinkost Heinrich Schwarz
GmbH & Co. KG (Marne in Dithmarschen) in vierter Generation. Das sei wie
eine Operation am offenen Herzen. Was
gebaut werde, entscheide allein das
Land Schleswig-Holstein, so Schröder, in
erster Linie dessen Verkehrswegeplan.
„Das Land muß die Mittel unbedingt
anmelden“, fordert Schröder auf, aus
den Reihen der Gäste kommt das Signal: Druck erhöhen, Planungsstellen
besetzen und endlich Nägel mit Köpfen
machen. „Wir brauchen den Sprung
über die Elbe“, sagt Referent Schröder,
und das so schnell wie möglich.
KP
Sektion Dithmarschen
Lieber mit dem Wind
halsen als gegen den
Wind wenden!
Unmittelbar nach der energiepolitischen Regierungsklausur in Merseburg
zeigte sich der frisch gewählte Bundestagsabgeordnete Mark Helfrich nicht
nur fest im Thema, sondern auch gut
informiert über die jüngsten Beschlüsse. Daß von diesen im Kern schnell wieder abgerückt werden würde, hält er
für unwahrscheinlich – allerdings bestünde auch Einigkeit, daß Vertrauensschutz weiter Geltung haben müsse.
Die Beschlüsse ließen noch einige
Fragen offen. Das wurde in der dem Vortrag anschließenden Diskussion schnell
deutlich. Zum einen sei die Konstruktion eines schwankenden Deckels zur
Begrenzung der Genehmigungen von
neuen Windenergieanlagen an Land
nur schwer kalkulierbar und daher kein
optimales Verfahren, merkte Oliver
Koch, Eon Hanse, an. Jörg Warncke,
Steinbeis Papier, fragte nach der Maßgabe, wonach für die Eigenstromversorgung aufgebaute Kraftwerke
künftig bei der Netzumlage berücksichtigt und die Kraftwärmekopplung
70 Prozent der EEG-Umlage tragen soll.
Und Hans-Jürgen Stöfen mahnte an,
daß eine Befreiung von der EEG-Umlage zukünftig nicht mehr durch exzessive Leiharbeit erreichbar sein dürfe.
„Klar zur Energiehalse – für eine Energiewende mit mehr Rücken- und weniger
Gegenwind!“ warb Sektionssprecher Knut
Frisch (Leiter Kernkraftwerk Brunsbüttel),
der den frisch gewählten Bundestagsabgeordnete Mark Helfrich MdB am
23. Januar 2014 in Meldorf zu einem offenen Austausch über die energiepolitischen
Herausforderungen begrüßte
Neben diesen Detailaspekten gewann die Diskussion jedoch bald einen
grundsätzlichen Charakter. Hendrik
Schwarz, der mit der Friesenkrone Feinkost Schwarz & Sohn GmbH & Co. KG
seit mehreren Generationen in Marne
Feinkost produziert, berichtet von
schwierigen Stimmungen, wenn seine
über zweihundert Mitarbeiter tagtäglich zu einem marktüblichen Stundenlohn arbeiten müßten und andere im
Dorf ohne jegliche Risiken durch eine
Windmühle im Jahr 200.000 Euro mit
Nichtstun erwirtschaften könnten. Nach
seiner Wahrnehmung würden pro Jahr
24 Milliarden Euro von der Bevölkerung
in Mietshäusern umverteilt auf die
Windmüller, Tendenz: unkalkulierbar
weiter wachsend. Helfrich konnte dem
Hans Jürgen Stöfen (li): „Die Auswüchse
der Umverteilung durch das EEG führt zu
inzwischen sichtbaren Rissen in den
dörflichen Strukturen an der Westküste“,
im Beisein von Peter Albers (Ernst Günter
Albers GmbH)
nicht viel entgegenhalten, außer daß es
noch begrenzte Möglichkeiten gäbe,
den weiteren Zubau mit Windenergieanlagen als Eingriff im Bundesnaturschutzgesetz zu definieren.
Sektionssprecher Knut Frisch dankte dem Referenten für seinen fundierten energiepolitischen Auftritt, empfahl
aber, die Energiepolitik so anzulegen,
daß man den Wind nicht von vorne,
sondern von hinten bekommt, weshalb
es besser wäre, von einer Energiewende
auf eine Energiehalse umzuschwenken.
Helfrich MdB war dagegen vielleicht
auch ein wenig froh, sich künftig dem
Ausschuß Arbeit und Soziales zuwenden zu können, dem er als Mitglied des
Deutschen Bundestages jetzt angehört.
BZ
41
Wirtschaftsrat vor Ort – Sektion Pinneberg besichtigt
Heizkraftwerk in Wedel am 26. November 2013
Ein neues Kraftwerk für die Wärmeversorgung
im Westen Hamburgs
Zwei Aspekte machten diesen Be-
such bei Vattenfall besonders interessant: Zum einen ist Wedel neben
Kiel einer der beiden Standorte, an
dem eine Investition in eine großes
Ersatzkraftwerk aufgrund der Abhängigkeit der Fernwärmeversorgung unerläßlich ist, und zum
Pieter Wasmuth,
Generalbevollmächtigter Vattenfall GmbH (stehend), erläutert die anstehende
Investitionsentscheidung für ein neues Wärmekraftwerk vor dem Hintergrund des
Hamburger Volksentscheids zum Rückkauf der Energienetze
anderen hat die Stadt Hamburg die
Ergebnisse des durch ATTAC und
den B.U.N.D. u.a. herbeigeführten
Volksentscheids zum Rückkauf der
Wer noch Zeit hatte,
nutzte die Gelegenheit eines anschließenden Rundganges auf dem Gelände des alten Heizkraftwerks in Wedel
Energienetze umzusetzen.
Pieter Wasmuth stellte dazu die Planungen von Vattenfall vor, die einen
Rückbau des steinkohlebefeuerten
Heizkraftwerks und den Neubau eines
Gas- und Dampfturbinenheizkraftwerks plus Wärmespeicher und Elektrokessel vorsehen und dafür Investitionsmittel von 500 Millionen Euro veranschlagen. Auf diese Weise könne das
Energiekonzept der Metropolregion
erfolgreich umgesetzt, der CO2-Ausstoß
um fast die Hälfte gesenkt und insge-
samt ein wichtiger Schritt für die Energiewende in Deutschland beigetragen
werden.
In der anschließenden Diskussion
wurden der Fahrplan für eine Umsetzung, der hinderliche Einfluß von Bürgerinitiativen und die Spielräume der
Stadt Hamburg nach dem Volksentscheid besprochen. Sektionssprecher
Jens Sander dankte Vattenfall für die
Einsichten und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Stadt Hamburg sich bald
entscheiden möge, was inzwischen
auch geschehen ist.
BZ
Landesfachkommission
Energiewirtschaft
Die Kommission hat in ihrer ersten
Sitzung nach der Bundestagswahl im
Gespräch mit dem nordfriesischen
Bundestagsabgeordneten Ingbert
Liebing MdB die zukünftigen energiepolitischen Spielräume auf der
Grundlage des Koalitionsvertrags
erörtert. Dabei wurde seitens unserer
Mitglieder deutlich gemacht, daß
auch die gesenkten Offshore-Planzahlen immer noch deutlich über
einer erreichbaren Größenordnung
liegen und daß die Umrüstung der
Biogasanlagen auf flexibel speichernde und einspeisende Anlagen
ohne rechtliche Grundlage keine
Erfolgschancen haben. Auch wurde
zum Bedenken gegeben, daß es weder
42
realistisch noch effizient sei, moderne
Kohle- und Gaskraftwerke zu bauen,
wenn diese als Reservekraftwerke
zukünftig nur noch sporadisch genutzt werden können. Einigkeit
bestand in der Forderung, die EEGUmlage nicht durch den Ausbau
der Windstromerzeugung an windschwachen Standorten weiter in die
Höhe zu treiben. Ingbert Liebing MdB
machte dazu deutlich, daß Länderinteressen in den Koalitionsverhandlungen andere Aspekte eindeutig
dominiert hätten.
Die Kommission hat sich im weiteren Vorgehen darauf verständigt,
die Auswirkungen der Energiewende
auf den Fernwärmemarkt stärker ins
Landesverband Schleswig-Holstein | Ausgabe März 2014
Dr. Stefan Liebing
Kommissionsleiter
Blickfeld zu nehmen und außerdem
das Land zu unterstützen, im Einklang
mit den verfügbaren Bundesprogrammen künftig stärker an technischen Entwicklungen für eine gewinnbringende Energiewende teilhaben zu können.
Junger Wirtschaftsrat besucht die Zöllner Holding GmbH
am 21. Januar 2014 in Kiel
J U N G E R W I RTS C H A F TS R AT
Herausforderungen für den Jungen
Wirtschaftsrat in Schleswig-Holstein
Unter diesem Titel stand die Einladung des Jungen Wirtschaftsrates
Schleswig-Holstein bei unserem Landesvorsitzenden Dr. Philipp
Murmann MdB, der vor 13 Jahren den Sprung aus der Großindustrie
in das Familienunternehmen gewagt und dieses damit in dritter Generation übernommen hat.
In dieser Phase hatte die AVL-Gruppe
als Mitgesellschafter angeboten, das
Geschäftsfeld für Motorenprüfstände
komplett zu übernehmen, so daß in der
Zöllner GmbH die kleine Pflanze der Signaltechnik mit den Segmenten Schiffstyphonen und Gleiswarnsignalanlagen
und etwa 30 Mitarbeitern verblieb. Diesem großartigen Team sei es in erster
Linie zu verdanken, daß man mit zuverlässiger Systemtechnik das Sicherheitsbedürfnis bei Gleisbauarbeiten
weltweit habe erhöhen können und
damit den Markt überhaupt erst
geschaffen habe, auf dem man nun
führend anbieten würde. Auch wenn
die nationalen Märkte für Bahntechnik
im Zugang sehr speziell seien, habe
man neben Erfolgen in den europäischen Märkten inzwischen auch große
Aufträge von südamerikanischen Bergbauunternehmen erhalten und plane
gerade, auch Vertriebsstrukturen in
China aufzubauen.
Trotzdem die Zöllner-Gruppe mittlerweile über 100 Beschäftigte habe
und bereits über eine Erweiterung des
der Zöllner-Gruppe zeige, welche
großen Chancen technisches Wissen
und Mitarbeitermotivation gepaart mit
Unternehmergeist eröffnen können.
Den Mitgliedern des Jungen Wirtschaftsrates schlug Murmann vor, ähnlich der Ausarbeitung des Wirtschaftsrates zum 50sten Jubiläum „Deutschland 2035“ ein Szenario „SchleswigHolstein 2035“ zu entwickeln. In der
Der neue Landesvorstand des Jungen Wirtschaftsrates v.l. Alexander Kropp, Niklas Krähe,
Daniel Wagner, Lars Osterhoff (Vorsitzender), Friederike Driftmann, Benjamin Feindt,
Alexander Renner und Benjamin Bhatti im Akustiklabor der Firma Zöllner Holding GmbH
Stammsitzes in Kiel nachdenke, habe er
die Möglichkeit gefunden, 75 Prozent
seines beruflichen Zeiteinsatzes der
Politik zu stiften. Neben der Verantwortung als Bundestagsabgeordneter
konzentriere er sich bei den Ehrenämtern auf die Förderung von Forschung
und technischer Bildung. Das Beispiel
anschließenden Diskussion faßte der
gerade zuvor frisch gewählte Vorstand
den Plan, gemeinsam den Wirtschaftstag am 3. Juli 2014 in Berlin und am
Folgetag den Deutschen Bundestag zu
besuchen. Der Junge Wirtschaftsrat
dankt der Zöllner Holding für die Gastfreundschaft.
BZ
INNOVATIONSTREIBER IT
Entwicklung der vernetzten Gesellschaft
Die Kommission ITK des Landesverbands Hamburg
legt den 6. TrendReport vor.
Der neue Report kann als Hardcopy über die Geschäftsstelle des
Wirtschaftsrats Hamburg bezogen werden (E-Mail: [email protected])
und steht als pdf auf der Site www.wirtschaftsrat.de zum Download zur
Verfügung.
43
Junger Wirtschaftsrat besucht die RAKO-Gruppe in Witzhave am 27. November 2013
J U N G E R W I RTS C H A F TS R AT
Europäische Facharbeiterfamilien – Wie
schaffen wir eine einladende Infrastruktur?
Ralph Koopmann, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender der gastgebenden Rako-Gruppe, stellte einleitend fest, daß diese inzwischen in
19 Gesellschaften 1.500 Mitarbeiter mit 14 Nationalitäten beschäftige
und neue Mitarbeiter innerhalb von sechs Monaten wunderbar integrieren könne.
das Podium: Dirk Sommer, Dr. Heike Grote-Seiffert, Volker Dornquast MdL,
Moderator Benjamin Bhatti, Imke Goller-Willberg und Tim Wohler
Angefangen mit Haftetiketten habe
sich der Etikettenmarkt in den letzten
Jahrzehnten rasant entwickelt. Ein
Treiber sei das wachsende Bedürfnis
von Markenproduzenten, sich gegen
Fälschungen abzusichern, die allein
in Deutschland inzwischen Umsätze
in einer Höhe von 50-60 Milliarden
Euro erreicht hätten. Darüber hinaus
wünschten die Kunden zunehmend im
Zusammenhang mit der Warenauszeichnung weitere logistikbezogene
Dienstleistungen. Und schließlich zeichne sich die Rako-Gruppe dadurch aus,
daß man das ganze Sortiment einschließlich RFID-Lösungen und Hologrammen anbieten und in engen Kundenbeziehungen ständig weiterentwickeln könne, was durch eine ausgeprägte Fertigungstiefe erreicht wird.
Der personelle Nachwuchs am Stammsitz konnte bislang erfolgreich aus der
Region gewonnen werden.
Daß sich diese Versorgungslage in
den nächsten Jahren besonders für Industrieunternehmen ändern werde, sei
schon jetzt absehbar, sagt Benjamin
Bhatti, der aus dem Vorstand des Jungen Wirtschaftsrates die Moderation
übernommen hatte. Nach jüngsten
44
am Stammsitz Lübeck, berichtete von
erheblichen Aufwendungen, um ausländische Fachkräfte für den Stammsitz
Lübeck zu gewinnen – im Wettbewerb
beispielsweise mit Standorten wie Singapur, wo der Einkommenssteuersatz
bei 15 Prozent liegen würde. Man beschäftige einen Mitarbeiter allein für
die Betreuung der ausländischen Fachkräfte. Außerdem gewähre man vorab eine Anschauungsreise, spendiere
einen Monat mietfreies Wohnen und
bezahle den Umzug. Das könne aber
nichts daran ändern, daß man mit der
Unternehmenssprache Englisch im
Supermarkt und in der deutschen Verwaltung nicht weit komme, im Raum
Lübeck keine internationale Schule finde und einen Kindergeldantrag in der
Bearbeitung auch schon mal 18 Monate dauern könne.
Genau hier, so Dirk Sommer, der in
Deutschland als Berater die Einführung
des Bürgertelefons 115 begleitet hat,
Als großartiger Gastgeber
gab der einstige Gründer und
heutige Aufsichtsratsvorsitzende Ralph Koopmann (2.v.r.)
Einblicke in die Unternehmenskultur seiner global erfolgreich
wachsenden RAKO-Gruppe mit
Stammsitz in Witzhave.
Schätzungen habe die Agentur für
Arbeit in Lübeck für die kommenden
Jahre eine Lücke von 63.000 Arbeitskräften für die Region ausgemacht. Frau
Dr. Grote-Seifert konnte dazu berichten,
daß die Programme der Arbeitsagentur
im letzten Jahr 200 junge Kräfte besonders aus Spanien in den Norden geholt
hätten, wobei neben sprachlichen Barrieren auch Mentalitätsunterschiede
erkennbar geworden seien. Bei ausgebildeten Fachkräften sei eine Integration aber wohl leichter möglich.
Tim Wohler, Personalleiter bei Oldendorff Carriers, die als weltführende
Massengutreederei neben 2.000 Seeleuten weitere 500 Mitarbeiter mit 27
Nationalitäten beschäftige, 250 davon
Landesverband Schleswig-Holstein | Ausgabe März 2014
müsse das Land Schleswig-Holstein
ansetzen. Aufgrund seiner familiären
Bindungen nach Ungarn wisse er, daß
eine nachhaltige Zuwanderung von
Facharbeitern nur funktionieren könne, wenn auch die Familien sich eingeladen fühlen dürfen. Das sei nur denkbar, wenn die Verwaltung ihre Bürokratie beispielsweise bei der Anmeldung von Hunden oder der Beantragung von Anwohnerparkausweisen
auch für fremdsprachige Mitbürger
gangbar mache. In New York würden
behördliche Callcenter Hilfestellungen
in 150 Sprachen anbieten, und in Niedersachsen plane man immerhin auf
Landkreisebene den einheitlichen Ansprechpartnern für Ansiedlungen.
Eine hanseatische Erfolgsgeschichte
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Weinkompetenz mit
traditionellem Service
Imke Goller-Willberg, geschäftsführende Gesellschafter von der human
lead GmbH, die weltweit Führungskräfte und Spezialisten für industrielle
Auftraggeber sucht und zu Projektteams zusammenstellt, berichtet von
großem Interesse gut ausgebildeter,
ausländischer Fachkräfte, die aufgrund
der guten Bezahlung gerne in Deutschland arbeiten möchten. So seien die
Sprachkurse der Goethe-Institute für
Ingenieure in Spanien ständig überfüllt
und osteuropäische Arbeitgeber häufig bereit, ihre Fachkräfte für Projekte
in Deutschland freizustellen. Allerdings
möchten diese am liebsten ohne Fehlzeiten projektorientiert arbeiten und
anschließend wieder zurück zu ihren
Familien fahren. Im Markt gäbe es ausreichend private Dienstleister, die ein
„relocation-management“ anbieten,
für einen nachhaltigen Zuzug dieser
Kräfte müssen man allerdings auch
deren Familien gewinnen. Durch eine
gezielte Vermehrung der sprachlichen
und kulturellen Anknüpfungspunkte
für die Familien ausländischer Fachkräfte könnten solche Übersiedlungsentscheidungen im Falle wiederkehrender oder andauernder Beschäftigungsverhältnisse durchaus wirksam
erleichtert werden.
Volker Dornquast MdL, der als Abgeordneter des Landtags sowohl dem
Wirtschafts- und stellvertretend auch
dem Sozialausschuß angehört, dankte
für die Impulse, die er mit nach Kiel nehme. Nach seiner Wahrnehmung liege
der Schlüssel zuvorderst in den sprachlichen Barrieren, deren Überwindung
von beiden Seiten angegangen werden
müsse. Bhatti dankte für diese Bereitschaft und schlug vor, die Willkommenskultur zusammen mit der Wirtschaft im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft zu entwickeln.
Der herzliche Dank aller Teilnehmer
ging jedoch an den großartigen Gastgeber, der zu guter Letzt einige Verse
aus seinem noch unveröffentlichten
Gedichtband preisgab, die der Veranstaltung in einer fröhlich-familiär gelebten Unternehmenskultur einen
grandiosen Ausklang gaben.
BZ
Seit 320 Jahren widmet sich das
Handelshaus Ludwig von Kapff
dem Geschäft mit hochwertigen
Weinen. Das älteste der berühmten
Bremer Weinhäuser, 1692 von Senator Johann Nonnen gegründet, ist
seitdem kompetent in Sachen edler
Tropfen.
Der in Bremens kühlen Weinkellern gelagerte Bordeaux brachte den Unternehmer Nonnen auf eine neue Geschäftsidee, denn die eingelagerten Weine wurden von Monat zu Monat besser
und ließen sich fabelhaft verkaufen. Das
Geschäft war äußerst erfolgreich (heute
nennt man das „Kernkompetenz“).
Seitdem lagern im Bremer Weinkontor kostbare Weine aus aller Welt unter
optimalen Bedingungen. Ein Kellermeister verwaltet die edlen und raren Tropfen bis zu ihrer Trinkreife. Und das Schöne: In den Ludwig von Kapff Weinläden
in Hamburg, Bremen und Umgebung
kann man eine Vielzahl von ihnen täglich verkosten! Die über 300 Jahre gepflegten freundschaftlichen Beziehungen zu berühmten und aufstrebenden
Weinerzeugern rund um den Globus
versprechen erstklassige Gewächse, die
nur von einem Direktimporteur zu akzeptablen Preisen angeboten werden
können.
Hinter jedem guten Wein steckt eine
noch bessere Geschichte. Es sind nicht
nur weltberühmte Winzerpersönlichkeiten, sondern auch der junge, aufstrebende und eigenwillige Winzernachwuchs sowie feinsinnige Künstler, die
sich der Erzeugung authentischer Weine widmen. Von Jahr zu Jahr finden sich
interessante Geschichten von einzigartigen Weinen in den Katalogen wieder.
Die Angebote des Hauses werden in
regelmäßigen Abständen per Post und
Email verschickt. In persönlichen WeinEmpfehlungen wird auf exklusive Sonderaktionen, Neuheiten und Trends aufmerksam gemacht. In einem übersichtlich gestalteten Onlineshop besteht die
Möglichkeit, in einem Sortiment von
1.500 Weinen und einer Auswahl von
edlen Spirituosen herumzustöbern. Unter dem Motto: „Wir empfehlen Wein seit
1692“ kann der Kunde auf www. ludwigvon-kapff.de erlesene Weine entdecken,
mit denen jeder Einzelne des Teams eine
kostbare Erinnerung verbindet.
Die Ludwig von Kapff Weinläger in
Hamburg, Bremen und Umgebung bieten regelmäßige Themenabende an, auf
denen individuelle Wein- und Spirituosenproben höchsten Weingenuss versprechen. Die erfahrenen Mitarbeiter
stehen für eine persönliche Beratung vor
Ort jederzeit gern zur Verfügung.
Bis zum 30.4.2014 haben Sie als Leser
des Magazin Wirtschaftsrat exklusiv
die Möglichkeit, Ihre Lieblings-Weine mit 10 Prozent Rabatt einzukaufen! Dazu einfach den Gutschein
code LVK-WRM per Telefon unter
0421-3994317 oder direkt im Ludwig
von Kapff Onlineshop angeben.
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PR-Bericht Unternehmensgeschichte
Aus Geesthacht in die Welt
Dass in kleinen Garagen große Firmen geboren werden
können – klar, das ist nichts Neues mehr: Eine gute Idee, etwas
kaufmännisches Geschick – und schon entstehen neue
Arbeitsplätze, wo bis dahin nur „business as usual“ war.
Immer auf der Suche nach neuen
Herausforderungen
Spätestens hier würde der Lebenslauf
der Meisten im Wesentlichen aus einem
amtlichen „usw.“ bestehen. Nicht so bei
Gerd Brammer: Es ist immer noch
genug Energie da, Neues anzupacken.
Also zurück in die Werkstatt, ins Leben:
46
2014 wird das
Unternehmen seine
Hallenfläche auf einen
Schlag verdoppeln.
Brammer heuert bei einem Schiffsinstallateur an, legt 1966 die Meisterprüfung als Kfz-Elektriker ab, später
auch noch als Kfz-Mechaniker, und
eröffnet gemeinsam mit seiner Frau,
Elsbeth Brammer, und einem Kollegen
die erste eigene Werkstatt. Endlich auf
eigenen Beinen stehen! Man repariert
Fahrzeuge, Motoryachten, Schlepper
und Binnenschiffe.
Aber – es läuft nicht rund: der Betrieb ist zu klein, zu unscheinbar und
hinter einer Tankstelle schwer zu finden,
mit dem Compagnon läuft es auch
nicht optimal. Man trennt sich, die
Brammers ziehen um. In ein frisch ausgewiesenes Industriegebiet. Moorfleeter Straße.
Und hier nimmt die Geschichte erst
Recht Fahrt auf – mit Blaulicht, gewissermaßen. Denn zu den Kunden Brammers, der sich auf dem neuen Betriebshof mittlerweile auf die Autoreparatur,
den Fahrzeughandel und den Ausbau
von Transportern verlegt hat, gehört
bald auch die Polizei, deren Streifenwagen der Ex-Steuerbeamte unter anderem mit Fahrtenschreibern ausstattete
– der versierte Bastler hatte einen Weg
gefunden, auch den Martinshorn-Einsatz aufzuzeichnen.
„Kann man da nichts machen,
Herr Brammer?“
Irgendwann fällt Gerd Brammer auf,
dass immer wieder Polizeifahrzeuge
mit demolierten Fenstern in seine Garage rollen: Hamburgs Chaoten haben
herausgefunden, dass man die Einsatzwagen mit einem einfachen Steinschlag
Landesverband Schleswig-Holstein | Ausgabe März 2014
auf die Windschutzscheibe außer Gefecht setzen kann. Und Schutzgitter vor
den Scheiben mögen die Beamten nicht
– hinter schwedische Gardinen gehören
doch eigentlich die anderen. Kann man
da nicht was machen, Herr Brammer?
Tja … Der Mann denkt nach und trennt
kurzerhand einen Teil der Werkstatt ab
– Platz und Manpower ist inzwischen
genug da, denn nach dem Tod eines
Nachbarn hat er dessen Firma, eine
Schmiede, übernommen und beschäftigt auch die Mitarbeiter weiter. In
der frisch gegründeten „Glasabteilung“
macht Brammer sich Gedanken, wie
man Polizeibeamte wieder sicherer
machen kann. Und findet eine Lösung
– die allerdings wenig mit Glas zu tun
hat: Warum nicht Kunststoff nehmen?
Scheiben aus Polycarbonat, von Brammer und seinen Mitarbeitern in immerhin sechsjähriger Test- und Erprobungsphase entwickelt, halten Steinschlägen
viel besser stand.
Die Polizei zeigt Interesse. Die ersten
Sicherheitsscheiben werden noch vor
die Windschutzscheibe montiert, bald
darauf stehen aber auch Einbauscheiben im Katalog, für deren Pflege auf
dem Firmengelände sogar eine spezielle Waschanlage eingerichtet wird. Die
Produkte sind schon so gut wie narrensicher – allerdings noch nicht ganz.
Denn auch die neuen Kunststoff-Scheiben, die die Polizeibeamten auf den
üblichen Maikrawallen tatsächlich vor
Steinen schützen, hatten eine Achillesverse, die Hamburgs Chaoten schnell
herausbekommen: Ein StahlwolleSchwämmchen reicht, und die schönen
Fotos: KRD Sicherheitstechnik GmbH
Den Gründungsmythos von Weltfirmen
wie Apple oder HP kennt inzwischen
Jeder. Geht sowas auch in Deutschland?
Sagen wir: Moorfleeter Straße, Hamburg Billstedt? Eher kein Silicon Valley,
stattdessen graue Zweckbauten, über
sieben Kilometer entfernt von der Binnen-Alster, wo Hamburg richtig schick
ist, zubetonierte Grundstücke hinter
mannshohen Stahlzäunen, das wenige
Grün mehr Unkraut als Gras, hier und
da etwas verloren wirkende Bäume,
unter denen Lastwagenfahrer ihre Mittagspause verbringen.
Dabei nahm genau hier eine Geschichte ihren Anfang, die in vielerlei
Hinsicht typisch ist für die Art und Weise, wie eben auch in Deutschland aus
starken Ideen gute Geschäfte werden
können, von denen am Ende Viele profitieren – wenn ein entschlossener Unternehmer im richtigen Moment über
den Tellerrand schaut. Hauptdarsteller
dieser Story: Gerd Brammer, am 26. Juni
1937 in Hamburg geboren; Volksschule
bis zur neunten Klasse, anschließend
Lehre als KFZ-Elektriker, Gesellenzeit –
soweit nichts Besonderes. Aber: Irgendwann engte Brammer die Werkstatt ein.
Zeit, was Neues zu wagen: Also nahm
Brammer Block und Bücher aus dem
Spind, wenn er abends seine Schraubenschlüssel zur Seite legte – und holte seine mittlere Reife nach. 1958 zog er
seinen Overall das letzte Mal an: Eine
Stelle als Beamtenanwärter winkte.
Assistentenprüfung, Steuerinspektor,
Beamter auf Lebenszeit, Hochzeit, so
ging es weiter.
Die Unternehmenszentrale in Geesthacht
Elsbeth Brammer und Gerd Brammer,
Ex-Steuerinspektor, Kfz-Meister – und
Unternehmer
Die erste Werkstatt in der Horner
Landstraße in Hamburg
Scheiben sind blindgerieben. Also doch
zurück zu Glas? Nichts da, Brammer
bleibt auf Kurs. 1987 gründet er eine
neue Firma, die sich mit dem Problem
befassen sollt: Die KRD Sicherheitstechnik GmbH. Ziel: Wege finden, transparente Kunststoffscheiben unempfindlicher zu machen.
Kunststoff wird so hart wie Glas
Die neue Idee: Kann man Glas vielleicht
so dünn machen, dass es wie eine Art
Schutzfilm auf der empfindlichen, aber
sicheren Kunststoffscheibe liegt?
Man kann! Mit Hilfe von sogenannten Polysiloxan-Lacken, die eines Tages
in der Glasabteilung auf dem Tisch stehen. Polysiloxane sind chemische Verbindungen des Elements Silizium, das
auch den Hauptbestandteil von Glas
ausmacht. Wenn diese Lacke aushärten,
entsteht tatsächlich ein hauchdünner
und damit flexibler Glasfilm, dem
weder Stahlschwämmchen noch Flug-
sand noch Scheibenwischer etwas ausmachen können – sofern man es schafft,
den Lack gleichmäßig aufzutragen und
die Kunststoff-Scheiben so schonend zu
verformen, dass keine Schlieren entstehen. Kein leichter Job, trotzdem haben
Brammer und seine Kollegen beides
bald heraus. Eine der Mitarbeiterinnen
seiner Glasabteilung dürfte Gerd Brammer übrigens besonders nahegestanden haben: Seine Tochter Korinna hatte
sich noch als Schülerin die nötigen
Kenntnisse in der Lackherstellung angeeignet und rührt in einem eigens eingerichteten Labor in der Hamburger
Werner-Siemens-Straße ihre Muster
zusammen.
Gerd Brammers Lack-Idee war der
Urknall, der seiner Firma bis heute
Schub verleiht – und was für einen:
Schon 1989 wurden die Räume zu klein.
Also ging es in ein eigenes Gebäude
in der Werner-Siemens-Straße. 1994:
Schon wieder zu eng. Also auf ein neues, noch größeres Grundstück in Geesthacht. Denn mit seinen Scheiben rennt
Gerd Brammer offene Türen ein: Kunststoffe sind leichter als Glas, nicht so
spröde und in allerlei ansprechende
Formen zu bringen – und mit den abriebfesten Beschichtungen fällt für
viele Anwender in Spe endlich eine der
letzten Einsatzhürden. Maschinenbauer bekommen Wind von Brammers neuer Profession und wollen robustere,
beschichtete Schutzscheiben vor ihre
Anlagen setzen, medizinische Geräte,
Drehtüren und sogar Baumaschinen
bekommen Fenster aus abriebfestem
Polycarbonat made by KRD Sicherheitstechnik.
Innerhalb weniger Jahre produziert
KRD – dank klug ausgewählter neuer
Mitarbeiter, die bald in einem eigenen
Labor vor ihren Messgeräten sitzen –
eigene Siloxan-Lacke, anstatt sie von
anderen Anbietern zuzukaufen, dank
eigener Erfahrungen sogar immer besser auf den neuen Job angepasst; den
Lackierern in der Halle nebenan gelingen höchst anspruchsvolle Beschichtungen, deren optische Güte selbst der
von Brillengläsern kaum nachsteht. Und
die Verwaltung freut sich über immer
neue Prestigeprojekte, die auch in der
Presse Wirbel machen und weitere Kunden anziehen: 1999 bekommt eine
Luxusyacht Fenster aus beschichtetem
Polycarbonat, bald fahren auch ICEs mit
Scheiben aus dem inzwischen auf den
Namen „KASIGLAS®“ getauften Material. Große Kunststoff- und Autohersteller lassen Scheiben in Geesthacht
herstellen, schussfeste Helmvisiere entstehen, das Brüsseler Atomium erhält
Fenster aus KASIGLAS®, und 2004 geht
gar das Dach des Athener Olympiastadions durch die Geesthachter Werkshallen – immerhin 25.000 Quadratmeter KASIGLAS®!
Auch im Lack-Labor stehen immer
neue Ideen auf der Tafel. Längst gibt
sich Korinna Brammer, die nach dem
Tode ihrer Mutter 1993 fest in die Firma
eingestiegen war und die Firma seit
2006 alleine weiter führt, nicht mehr
nur mit abriebfesten Lacken zufrieden:
Inzwischen gibt es bei KRD auch AntiGraffiti-Lacke und selbstreinigende
Beschichtungen, die zum Beispiel auf
japanischen Kunststoff-Lärmschutzwänden ihren Dienst tun; andere Speziallacke schützen sogar Flugzeug-Teile
vor Abrieb.
Die Firma wächst und wächst
und wächst ...
Heute hat die KRD Sicherheitstechnik
126 Mitarbeiter. Und schon wieder ist
das Gelände zu eng geworden – selbst
nach Einweihung einer 2.000 Quadratmeter großen Erweiterungshalle neben
der bisherigen, 3.000 Quadratmeter
messenden Produktionsfläche: Jahr für
Jahr gehen inzwischen mehr als 500
Tonnen KASIGLAS® durch die Lackieranlagen der Geesthachter, Tendenz steigend, und zwar massiv; 2014 soll die
bisherige Produktionsfläche auf einen
Schlag nahezu verdoppelt werden. Und
das alles nur, weil ein neugieriger KfzElektrikermeister sich fragte, wie man
Polizeifahrzeuge vor Schlägen schützen
kann, anstatt sie alle paar Monate für
gutes Geld einfach mit neuen Scheiben
auszustatten.
Die Garage als Keimzelle eines spannenden, weltweit aktiven Unternehmens: Das geht also auch in Deutschland. Gut: So groß wie Apple oder HP ist
die KRD Sicherheitstechnik noch nicht.
Aber Gerd Brammers Idee hat ja auch
noch ein paar Jahre Zeit, weiter zu
■
wachsen.
47
Abbildungen: Olaf Birkner
Konferenz der Sektion Rendsburg-Eckernförde am 18. Februar 2014 bei der Waldemar Behn GmbH
Grenzüberschreitendes Wachstum durch digitale
Wertschöpfung in Schleswig-Holstein
Wachstum durch digitale Wertschöpfung: Das klingt gut und ermuntert
viele Unternehmen, auf die Karte E-Commerce, also Internethandel,
zu setzen. Zu Recht? Dieser Frage ging die Sektion Rendsburg-Eckernförde des Wirtschaftsrates nach. Der bundesweit organisierte unternehmerische Berufsverband traf sich beim Spirituosenhersteller Behn in
Eckernförde.
Die Gastgeber, Waldemar und Rüdiger
Behn, geschäftsführende Gesellschafter des 320 Mitarbeiter starken Eckernförder Unternehmens, das Getränke
produziert und vertreibt, konnten für
ihren Bereich sprechen: Die digitale
Welt habe das Spirituosengeschäft
umfassend verändert – und das in allen
Bereichen wie Produktion, Vertrieb und
Marketing. Es gebe mehr Sortimentsvielfalt, mehr Preistransparenz und der
Versandhandel nehme dramatisch zu.
„Der Konsument besitzt Fachkenntnisse wie nie“, so Rüdiger Behn, allerdings sei er gleichzeitig auch verwirrt
wie nie. Zu viele Informationen stürm-
ten auf ihn ein, zu viele Foren würden
die Informationen eher ausfransen als
Klarheit bieten. Und doch: Der Internethandel sei nicht mehr wegzudenken
und biete Chancen, weltweit präsent
zu sein – wenn der Anbieter auf eine
qualitätsvolle Plattform zurückgreifen
könne.
Diesem Thema widmete sich auch
Netz-Forscher Olaf Birkner in seinem
Olaf Birkner skizzierte die evolutionären
Veränderungen anhand der Eigenschaften
und Fähigkeiten hochentwickelter
Netzwerke
v.l. Landesgeschäftsführer Dr. Bertram Zitscher, die gastgebenden Gebrüder Rüdiger
& Waldemar Behn sowie Sektionssprecher Dr. Christopher Leptien
48
Landesverband Schleswig-Holstein | Ausgabe März 2014
Referat, in dem er eine Internetplattform hoher Qualität mit dem Gehirn
des Menschen verglich. Das System
Gehirn, das für Lernen, Intuition, Intelligenz, Empathie und Emotionen stehe,
sei das Optimum, das ein Computer
erreichen könne. Davon sei man noch
weit entfernt, aber aus einer einseitigen Verteilung der Informationen sei
längst eine enge Vernetzung unter Nutzern geworden.
Und das bedeute eine große Herausforderung, wie Alexander Goukassian, Verleger aus Kiel, anschließend
darstellte. Mit 21 Jahren startete er
1994 mit seinem Verlag ausschließlich
mit Printmedien, inzwischen liegt der
Schwerpunkt im Online-Bereich. „Die
Entwicklungsgeschwindigkeiten legen
immer mehr zu.“, ist seine Erfahrung,
doch der damit einhergehende Qualitätsdruck sei gut für die Guten. Mit
den Umsatz oft besser als viele virtuelle Freunde im Social Network des Internetzes.
Wie das Internet Wertschöpfung
nach Schleswig-Holstein holen kann,
machte anschließend Sören Schulze
als Gründer und Geschäftsführer der
Margrit Behn und Schwägerin Dagmar
Kreis sorgten sich persönlich um das Wohl
der Gäste und präsentierten die besten
Kostproben des traditionsreichen Markenentwicklers, darunter Andalö (Feiner
Liqueur mit Sanddorn)
Sören Schulze erklärte das Geschäftsmodell
der Cliplister GmbH, die als technischer
Dienstleister zwischen Markenanbietern
und E-Commerce-Plattformen Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein geschaffen haben.
Alexander Goukassian berichtete von den
notwendigen Umbrüchen, die falkemedia
e.K. trotz Halbierung des Branchenumsatzes im letzten Jahrzehnt im Gegensatz
zu großen Wettbewerbern durch
leidenschaftlich erarbeitete Qualitätsstandards erfolgreich bewältigt habe.
dem unternehmensinternen Slogan
„Sei kein Filmrollenhersteller!“, einem
Seitenhieb auf die Firma Agfa, die den
Anschluß an das digitale Zeitalter verpaßt hatte, appelliert er an sein Team,
am Ball zu bleiben und auf Qualität zu
setzen.
Und zur Qualität gehörten manchmal auch konservative Werte, wie Waldemar Behn feststellte: Fairness und
Zuverlässigkeit zum Beispiel förderten
Cliplister GmbH deutlich, einem Unternehmen aus Kiel, das inzwischen als
Marktführer die Produktfilme aller großen Marken mit den großen E-Commerce-Plattformen verlinkt. Der Blick
in die Zukunft durfte zum Abschluß
der Konferenz natürlich nicht fehlen:
Carsten Stech (Splendid Internet GmbH)
und Alexander Schulz (Opox) präsentieren
die „erste kommerzielle Politikplattform“,
die als neue Gründung noch in der
Entwicklungsphase steckt.
Willy Kellermann (wwk networks) am Rande der Konferenz im Gespräch mit unserem
neuen Pressebeauftragten Kai Pörksen
Carsten Stech und Alexander Schulz
präsentierten die erste kommerzielle
Politikplattform OPOX, die als soziales
Netzwerk zukünftig eine neue Qualität
für politische Informationen erzeugen
und vermitteln möchte – was in der Tat
ganz im Sinne des Netzforschers ein
Schritt näher an das System Gehirn sein
könnte und jedenfalls beim feuchtfröhlichen Ausprobieren der vorzüglichen Markenprodukte noch für reichlich Gesprächsstoff sorgte.
KP
Der Dialog zwischen der „old economy“ und der „new economy“ wollte auf beiden Seiten die Horizonte erweitern.
49
Podiumsdiskussion des Landesverbandes am 20. Februar 2014
Neue Herausforderungen für den Wettbewerb
im digitalen Informationsmarkt
Gibt es bald eine schleswig-holsteinweite öffentlich-rechtliche Zeitung?
Für Stephan Richter, Sprecher der Chefredakteure der Medienholding
Nord (sh:z), könnte dies eine durchaus diskutable Variante sein, sofern
der Konsument langfristig auf Qualität Anspruch erhebe.
Wie wird sich die Nutzung der traditionellen Medien wie Hörfunk, Fernsehen und Zeitung angesichts der stetig
steigenden Nutzung des Online-Bereiches entwickeln? Die Eingangsfrage des
Moderators Reinhardt Hassenstein an
seine beiden Gäste beantworten diese
unterschiedlich.
Volker Thormählen, seit 30 Jahren
im Fernsehen und im Radio zu Hause,
blickt gelassen auf die künftige Entwicklung. „Die Chancen scheinen mir
größer als die Risiken“, stellt er fest.
Vor jeder neuen Entwicklung wie CD,
Internetradio oder spotify sei ihm prophezeit worden, das Ende des Hörfunks
sei gekommen. Immer wieder seien die
Hürden genommen worden, der NDR
könne sich auf eine feste Plattform von
Hörern verlassen. „Mir wird nicht bange“, so Thormählen, 80 Prozent der
Menschen in Schleswig-Holstein hörten
Radio und nutzten zusammen mit dem
Fernsehen täglich 242 Minuten im
Durchschnitt lineares Fernsehen und
Hörfunk – viel mehr als noch vor zehn
50
Jahren. Hinzu komme die Nutzung von
Computern von ursprünglich 17 Minuten täglich im Jahr 2000 zu heute 108
Minuten am Tage.
Bange ist auch Stephan Richter
nicht. Doch die grundsätzlich positive
Einschätzung von Thormählen teilt er
nicht: „Im Gegensatz zum öffentlichrechtlichen Hörfunk und Fernsehen
müssen wir uns als Zeitung komplett
selbst finanzieren“, merkt er an.
Das Problem sei immer noch, daß
mit dem Auftritt im Internet kein oder
kaum Geld verdient werde. Gerade einmal zwei Prozent der Umsatzrendite
fielen in der Medienholding auf den
Onlinebereich. Qualität im Internet zu
erreichen, sei schwer. „In der Praxis zählt
der Klick“, so Richter. Aber die 20.000
Digitalabos seien nur mit Qualität zu
füllen, weil eine starke Printmarke im
Hintergrund stehe.
Und so stelle sich die Frage, ob die
Bevölkerung nicht eine Grundversor-
Reinhardt Hassenstein (Mitte) moderierte verschiedene Blickwinkel auf die marktliche
Zukunft des Qualitätsjournalismus von Volker Thormählen (Direktor NDR Landesfunkhaus SH, li) und von Stephan Richter (Sprecher der Chefredakteure des schleswigholsteinischen Zeitungsverlags sh:z)
Landesverband Schleswig-Holstein | Ausgabe März 2014
gung an Meinungen brauche, die nicht
über Werbung finanziert werden müßten. „Da müßte eine gesamtgesellschaftliche Debatte geführt werden“,
ist sich Richter sicher.
Doch der Online-Bereich sei da und
nicht mehr wegzudenken. Vollkommen
frei werde agiert – mit vielen Risiken,
gibt Moderator Reinhardt Hassenstein
zu bedenken. Gibt es Eingriffsmöglichkeiten über eine ordnungspolitische
Macht, die Regelungen zum Schutz der
Einzelnen aufstellen könnte?
Thormählen: „Wie können wir mitspielen in einem Club, in dem wir nicht
einmal Mitglied sind? Die Global Player sitzen in den USA und zahlen noch
nicht einmal hier Steuern für die Umsatzerlöse, die hier realisiert werden.“
Auch Stephan Richter sieht Europa
gefragt, dem Wildwuchs im Netz und
der Abhängigkeit von nur einer Handvoll Anbieter wie beispielsweise Google,
Facebook und Amazon Einhalt zu gebieten. „Langsam merken die Menschen,
daß sie von diesen Anbietern immer
mehr abhängig werden.“, so Richter,
der auch auf den aktuellen Kauf von
What'sApp durch Facebook aufmerksam macht.
„Die Kostenlos-Kultur benebelt“,
ergänzt Thormählen. Qualität gäbe es
im Markt nicht umsonst. Der Konsument habe ein Recht darauf, daß die
Nachricht – auch wenn sie ein flüchtiges Gut sei – stimme und fundiert
recherchiert sei. Aber der Konsument
werde auch entscheiden, was ihm das
wert sei. Dann lasse sich auch mit der
Nachricht in Zukunft Geld verdienen.
Mit einem Grundoptimismus neuen
Herausforderungen begegnen, dieses
Motto findet trotz unterschiedlicher
Voraussetzungen schließlich auf beiden
Seiten des Podiums Zustimmung.
Anregungen aus dem Publikum
kommen vom Internetfachmann Steinbrinck: „Wir schaffen es immer nur,
durch das Internet geschaffene Probleme von Fall zu Fall anzugehen. Doch
dabei ist das Problem viel globaler.
Unsere Gesellschaft muß sich damit
auseinandersetzen und ihre Bequemlichkeit ablegen.“ Und Klaus Buß, Innenminister des Landes a.D.: „Eine aufgeklärte Gesellschaft kann auf Dauer
nicht hinnehmen, daß das Internet
weiterhin ein fast rechtsfreier Raum
bleibt.“ Beides spricht für eine vertiefte, gesellschaftspolitische Debatte zu
den laufenden Veränderungen im
Informationsmarkt.
KP
Mittagsveranstaltung der Sektion Neumünster am 04. Dezember 2013
Totale Ausspähung – Wie können sich unsere
Unternehmen schützen?
Gut 20 Mitglieder und Gäste
nutzten die Gelegenheit, sich vom
Landesdatenschützer Dr. Thilo
Weichert über die behördlichen
Empfehlungen zum Unterneh-
mensdatenschutz zu informieren.
Weichert erläuterte zunächst das Spektrum der Themen und die bekannten
Angriffsarten sowie die jeweils zuständigen staatlichen Stellen bevor er auf
die aktuellen Pläne der großen Koalition und die technischen Sicherungsmaßnahmen einging, die entweder verpflichtend oder empfehlenswert sind.
Hierzu verwies er auf das Landesdatenschutzgesetz, aus dem sich sechs
Schutzziele ableiten ließen, nämlich
Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit, Intervenierbarkeit, Unverknüpfbarkeit und schließlich Transparenz.
Am Ende folgten dann eine Reihe
von konkreten Beispielen, wie man
durch anonymisierte Suchmaschinen,
Anonymisierungsdienste, Verschlüsselungen und sichere Infrastrukturen die
Landesdatenschützer Dr. Thilo Weichert informierte Mitglieder und Gäste der Sektion
Neumünster über die Möglichkeiten, die Risiken der Ausspähung durch technische
Vorkehrungen in Grenzen zu halten.
Risiken mißbräuchlicher Zugriffe verringern kann.
In der anschließenden Diskussion
wurde allerdings deutlich, daß die Sorgen über die zunehmend vollständige
Kontrolle des digitalen Verkehrs selbst
bei konsequenter Anwendung der Empfehlungen nicht ausgeräumt werden
können. Inger-Kristina Wegner, Fachanwältin für IT- und Medienrecht
machte an einer Reihe von Beispielen
deutlich, daß sich bislang weder das
Recht noch die Gesellschaft auf die fun-
damentalen Veränderungen eingestellt
habe. Auch wenn Totalität und Vielschichtigkeit der Veränderungen einen
zielführenden Diskurs erschweren,
machte die Diskussion doch deutlich,
daß dieser erst am Anfang steht.
Für den Wirtschaftsrat muß der
Komplex Sicherheit deshalb neben den
Chancen weiter auf der Agenda bleiben, denn am Ende hängen auch die
Chancen davon ab, daß die Sicherheitsprobleme in den Griff zu bekommen
sind.
BZ
51
Mittagsveranstaltung der Sektion Neumünster am 25. Februar 2014
Tariftreue-Regelungen
in Deutschland
Bundesländer
mit gültigen
Tariftreue-Regelungen und
ohne Tariftreue-Regelungen
Quelle: WSI Tarifarchiv 2013, Hans-Böckler-Stiftung 2013,
Stand: Novmber 2013
Bürokratiemonster und Papiertiger
Eine bedrohliche Mischung für unseren Rechtsstaat
Wer bislang gemeint hat, unsere Landesregierung hätte zu dem neuen
Tariftreue- und Korruptionsregistergesetz eigene Gedanken gemacht, der
wurde eines Besseren belehrt. Der Entwurf zu dem inzwischen im Landtag mit Regierungsmehrheit verabschiedeten Gesetz war zu 99 Prozent
aus Nordrhein-Westphalen abgekupfert worden. Gegen dieses Vorgehen
wäre an sich ja gar nichts einzuwenden, wenn die Erfahrungen mit dem
Gesetz dort positiv wären. Davon kann allerdings keine Rede sein.
Neben einer wohlbegründeten Gesetzesinitiative der dortigen FDP für die
Abschaffung des Gesetzes habe man
bereits im Juni 2013 eine 63-seitige Ausführungsverordnung erlassen, die die
Probleme im Gesetzesvollzug jedoch
nicht lösen konnte, weshalb das Gesetz
in der Praxis weitgehend außer Vollzug
geblieben sei. Aus diesem Grund falle
es jetzt der Verwaltung in SchleswigHolstein schwer, eine entsprechende
Verordnung bald auf den Weg zu bringen. Diese Auffassung vertritt jedenfalls Volker Romeike, der als Geschäfts-
Volker Romeike (ABST)
informierte in der Sektion
Neumünster über das
neue Tariftreue- und Korruptionsregistergesetz
52
Landesverband Schleswig-Holstein | Ausgabe März 2014
führer der Auftragsberatungsstelle
Schleswig-Holstein e.V. auf Einladung
der Sektion Neumünster über das neue
Tariftreue- und Korruptionsregistergesetz in Schleswig-Holstein informierte.
Für Unverständnis der gut zwanzig
Teilnehmer sorgte ebenso die Übersicht
über die in Deutschland bislang durch
Tariftreueregelungen angesetzten Mindestlöhne, bei der Schleswig-Holstein
mit 9,18 Euro einsam an der Spitze liegt.
Offenbar wollte man es noch besser
meinen als die politischen Vorbilder in
Nordrhein-Westphalen, die mit 8,62
Euro schon die in den übrigen Ländern
üblichen 8,50 Euro überboten hatten.
Georg Schareck, Geschäftsführer
des Baugewerbeverbandes SH, erklärte
dazu zwar, daß es sich hierbei lediglich
um Kalkulationsgrößen handeln könne. Das ändere allerdings nichts an der
Misere des ganzen Gesetzes, daß jeder
Vollzug eine ganze Reihe kaum zumutbarer Rechtsunsicherheiten in sich trage. Obgleich Schareck für die Beratung
seiner Verbandsmitglieder Wege finden
möchte, trotz aller Unklarheiten erfolgreich an Ausschreibungen teilzuneh-
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Yvonne Catterfeld
wird Taufpatin der
men, war man sich ansonsten im Raum
doch recht einig, daß dieses Gesetz
nicht verbessert oder korrigiert werden
könne, sondern als Ganzes schnellstmöglich wieder außer Kraft gesetzt
werden müsse, um größeren Schaden
von der Wirtschaft und den Kommunen
abzuwenden.
Für eine beschleunigte politische
Willensbildung wurde vorgeschlagen,
die Folgen für betroffene Anbieter im
Land möglichst frühzeitig transparent
zu machen. Thorsten Senner, Fassadenbauer aus Kiel, berichtete, daß er in letzter Zeit bereits zweimal an einer Ausschreibung als einziges Unternehmen
teilgenommen habe, was zur Aufhebung der Ausschreibung geführt habe
und am Ende eine freihändige Vergabe
erlaube.
Nicht nur diese Wirkung dürfte
einer erfolgreichen Korruptionsbekämpfung entgegenwirken, sondern
auch das neue Korruptionsregistergesetz. Zukünftig soll schon ein Verdacht
Dritter ausreichen, um eine Firma auf
die schwarze Liste zu setzen, wobei die
Betroffenen ihrerseits auch nach drei
Jahren, wenn diese Eintragung tilgungsreif werden würde, keine rechtliche Handhabe gegen die Eintragung
geltend machen könnten. Im Normalfall erfahre das betroffene Unternehmen noch nicht einmal, warum es bei
Ausschreibungen chancenlos bleibe.
Rechtsanwalt Christian Wiegert
erinnerte daran, daß vor einigen Jahren
hunderte Firmen im Zusammenhang
mit Einladungen zu Regattabegleitfahrten anläßlich der Kieler Woche unter
Korruptionsverdacht geraten seien. Ein
Gesetz, daß nur auf der Grundlage von
Verdächtigungen zu erheblichen wirtschaftlichen Folgen für Unternehmen
führt, ohne daß ein schuldhaftes Verhalten nachgewiesen worden sei, lade
zu Denunziantentum und unlauterem
Wettbewerb ein.
Fazit: Die Abgeordneten, die für dieses Gesetz ihre Hand gehoben haben,
opfern die Glaubwürdigkeit unseres
Rechtsstaats, um sachfremden politischen Überzeugungen Wirkung zu
geben. Die Folgen für den öffentlichen
Beschaffungsmarkt dürften jedenfalls
auch ohne einen Gesetzesvollzug nicht
allzu lange unsichtbar bleiben.
BZ
A-ROSA FLORA
Taufe am Donnerstag, den 03. April 2014 in Mainz
Mainzelmännchen geleiten die Taufpatin zur Schiffstaufe
Yvonne Catterfeld, Sängerin, Schauspielerin und Markenbotschafterin der AROSA Flussschiff GmbH wird am 03. April
die A-ROSA FLORA, das elfte Schiff der
Rostocker Reederei taufen. Der Countdown läuft, rund 450 Gäste werden zu
der feierlichen Taufe in Mainz erwartet.
Jörg Eichler, Geschäftsführer der
A-ROSA Flussschiff GmbH: „Yvonne ist die
perfekte Besetzung für unsere Schiffstaufe: Sie verkörpert Authentizität und
Vielseitigkeit, ganz wie unser Produkt
und ist gleichzeitig so einzigartig und
sympathisch wie unsere Marke.“ Die
Wahlberlinerin und werdende Mutter ist
nicht nur ideale Taufpatin, sie liebt auch
das Wasser: „Der beste Weg zur Ruhe zu
kommen, ist für mich Bewegung. Das
Leben an Bord ist wie der Fluss selbst:
entspannt, manchmal schnell, dynamisch und abwechslungsreich. All dies
entdecke ich mit A-ROSA und mit „meinem“ Schiff, der A-ROSA FLORA. Es ist eine
besondere Ehre, dieses Schiff taufen zu
dürfen.“
Im Rahmen der Tauffeierlichkeiten am
03. April werden als weitere Highlights
die Mainzelmännchen erwartet. Für das
Wohl und Glück des Schiffes und seiner
Besatzung, wird im offiziellen Taufakt
der Name A-ROSA FLORA durch Yvonne
Catterfeld verliehen. Um 17.30 Uhr heißt
es „Leinen los!” zur Tauffahrt mit GalaDinner entlang der Mainzer Kulisse.
Die A-ROSA FLORA ist das Schwesterschiff der A-ROSA SILVA. Sie verfügt zusätzlich zu den regulären Außenabinen
über elf Suiten und zwei Familienkabinen. Durch die spezielle Bauart mit 2,5
Decks ist das Schiff optimal an die Bedingungen des Rhein-Main-Donaukanal
angepasst und kann sowohl auf dem
Rhein als auch auf der Donau eingesetzt
werden. Die Länge von 135 Metern und
Breite von 11,4 Metern, bietet maximal
183 Gästen an Bord Platz. Sie werden von
etwa 50 Crewmitgliedern umsorgt.
Weitere Informationen über das Reisebüro, Telefon 0381 202 6001 oder über
www.a-rosa.de.
Die A-ROSA Flussschiff GmbH mit Sitz in Rostock ist mit ihren modernen Kreuzfahrtschiffen auf die Donau, Rhein/Main/Mosel sowie Rhône/Saône spezialisiert und bietet vielfältige Reisen zu Kultur, Genuss und Golf. Mit einem abwechslungs-reichen Freizeitprogramm auch für Familien und luxuriöser Ausstattung
an Bord, bieten die elf modernen Premium-Schiffe Kreuzfahrten auf den schönsten Flüssen Europas. Neu: Der Rundum-Sorglos-Tarif “Premium alles inklusive”
für eine schöne Zeit an Bord und Land. Hier trifft maximaler Genuss auf maximalen Komfort. Mit Gourmet-Buffets, Spezialitätenabenden, hochwertigen
Getränken und vielen weiteren Inklusivleistungen ist ein traumhafter Urlaub
garantiert.
53
Foto: Deutscher Bundestag / slomifoto
Die Sektionssprecher zu 50 Jahre Wirtschaftsrat
„Ich will das Risiko des Lebens selbst tragen, will für mein Schicksal
verantwortlich sein. Sorge du, Staat, dafür, daß ich dazu in der Lage bin“
Ludwig Erhard
50 Jahre Wirtschaftsrat der CDU e.V.
Auf den Tag genau zum fünfzigsten
Jubiläum unseres unternehmerischen
Berufsverbandes, am 13. Dezember 2013,
hat uns das Nachrichtenmagazin der
Spiegel mit einer kleinen, lieblichen
Grußadresse bedacht, die uns wohl an
fünf erfolgreiche Jahrzehnte medialer
und politischer Auseinandersetzungen
für die Soziale Marktwirtschaft erinnern sollte.
Wir wollen jedoch lieber mit unseren
Worten deutlich machen, daß wir im
Wirtschaftsrat nicht Partikularinteressen, sondern dem Gemeinwohl verpflichtet sind und auf einem stabilen
Wertefundament – den Grundprinzipien Markt, Wettbewerb, Privateigentum, Vertragsfreiheit und sozialer Verantwortung – stehen.
Dazu haben wir stellvertretend für
viele weitere die Stimmen unserer 13
Sektionssprecher in Schleswig-Holstein
zum Jubiläumstag eingefangen:
Reimer Tewes
Reimer Tewes, seit 18 Jahren Sprecher
der Sektion Kiel: „Ich erlebe den Wirtschaftsrat als anerkannten Gesprächspartner für die Politik. Wir konnten
in Kiel einige Projekte aktiv begleiten
und andere kritisch prüfen, die nicht
dem Gemeinwohl zu Gute gekommen
wären. Wer das als Entscheider nicht
beherzigt hat, war am Ende nicht gut
beraten.“
Dr. Manfred Steckmeister
Rodolph Freiherr von Schröder
Rudolph Freiherr von Schröder, seit 17
Jahren Sprecher der Sektion Herzogtum
54
Lauenburg, blickt zum Jubiläum nach
vorne: „Gerade in Zeiten einer großen
Koalition brauchen Politik und Gesellschaft mehr denn je einen ordnungspolitischen Kompaß. Wir sind über Parteigrenzen hinweg als kompetenter
Ratgeber gesucht und geschätzt und
verschaffen damit den unternehmerischen Leistungsträgern in unserer
Gesellschaft wirkungsvoll Gehör. Nur
Freiheit ist als Grundwert eine Garant
für die anderen Grundwerte von Gerechtigkeit und Solidarität.“
Landesverband Schleswig-Holstein | Ausgabe März 2014
Dr. Manfred Steckmeister, seit zwölf
Jahren Sprecher der Sektion Stormarn:
„Das Leitbild für den Wirtschaftsrat ist
die soziale Marktwirtschaft. Selbstverantwortung, mehr Handlungsfreiheit,
weniger staatliche Reglementierung, so
viel Markt wie möglich und nur so viel
Staat wie nötig. Das schafft mehr Wohlstand für alle. “
Rickmer Johannes Topf
Rickmer Johannes Topf, seit elf Jahren
Sprecher der Sektion Nordfriesland:
„Wir müssen dringend wieder lernen,
weniger Bürokratie zu wagen. Der
Wohlstand darf nicht dazu führen, daß
wir unsere unternehmerischen Freiheiten durch politische Utopien von
Einzelfallgerechtigkeit erdrosseln.“
Dr. Christopher Leptien
Dr. Christopher Leptien, seit sechs Jahren Sprecher der Sektion RendsburgEckernförde: „Den Wirtschaftsrat erlebe ich als stetige Quelle freien, wirtschaftlichen Gedankengutes weit über
Parteigrenzen hinaus!“
Christian Sowada
Dr. Wilhelm Wessel
Dr. Wilhelm Wessel, seit zehn Jahren
Sprecher der Sektion Lübeck: „Der Wirtschaftsrat ist und bleibt heute umso
mehr die wirtschaftspolitische Opposition zur CDU/CSU. Ohne den Wirtschaftsrat als entscheidende, allumfassende wirtschaftliche Kompetenz im
Bund würde Deutschland heute nicht
weltweit als Stabilitätsanker und Innovationstreiber angesehen!“
Christian Sowada, seit fünf Jahren Sprecher der Sektion Segeberg: „Als Sprecher
der Sektion Segeberg sehe ich einen wesentlichen Beitrag des Wirtschaftsrats
darin, an der Nahtstelle zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein zum Nutzen von Bevölkerung und Wirtschaft an
der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
der Metropolregion aktiv mitzuwirken,
um damit die Grundlagen für eine
sich selbsttragende, langfristig stabile
Wachstumsdynamik zu schaffen!“
Jens Sander
Jens Sander, seit bald einem Jahr Sprecher der Sektion Pinneberg: „Da unsere
Gesellschaft immer weiter sozialdemokratisiert, ist es wichtig, daß die Stimme der Wirtschaft mit all ihren Arbeitsplätzen nicht an Kraft verliert. Hier leistet der Wirtschaftsrat einen Löwenjob!“
Karsten Kahlcke
Karsten Kahlcke, seit einigen Monaten Sprecher der Sektion Plön/Ostholstein: „Ein starker Mittelstand sichert
Deutschland seit Jahrzehnten Wachstum, Wohlstand, Arbeitsplätze. Bürokratie und Substanzsteuern sind mittelstandsfeindlich. Die Zukunft Deutschlands erfordert mehr Investitionen
in Bildung und Infrastruktur sichern.“
Torsten Koch
Holger Bajorat
Holger Bajorat, seit sieben Jahren Sprecher der Sektion Neumünster: „Deutschlands Zukunft wird zukünftig noch
mehr davon abhängen, ob wir unsere
Fähigkeiten für Forschung und Entwicklung fördern und unsere Verkehrsinfrastruktur erhalten und ausbauen.
Der Wirtschaftsrat wird stets seine
Stimme für Fortschritt und Erneuerung
erheben!“
Knut Frisch
Knut Frisch, seit gut einem Jahr Sprecher
der Sektion Dithmarschen: „Nur wer den
Kurs kennt, kann das Ziel erreichen. Unsere Mitglieder bringen ihre Kompetenzen und Erfahrungen ein, um gemeinsam mit den politischen Entscheidern
einen zielführenden Kurs zu finden und
die Segel entsprechend zu setzen.“
Torsten Koch, seit einigen Monaten
Sprecher der Sektion Schleswig-Flensburg: „Als frisch gewählter Vertreter des
Wirtschaftsrates möchte ich das Vertrauen zwischen Politik, Verwaltung
und Wirtschaft zum Wohle aller Bürger
stärken. Unsere Mitglieder stiften Sachverstand und unternehmerische Erfahrung für regionale, landes- und bundesweite, politische Entscheidungen
für eine lebenswerte und generationsgerechte Zukunft.“
55
Neues aus dem Landesverband
... IM ÜBRIGEN
■ Der Junge Wirtschaftsrat Schleswig-Holstein hat Lars Osterhoff (Joh.
Berenberg, Gossler & Co. KG, Hamburg)
auf seiner Mitgliederversammlung am
21. Januar 2014 in Kiel einstimmig zu
seinem neuen Vorsitzenden gewählt. Er
löst damit Alexander Kropp (ALEXREISEN e.K., Kiel) ab, der dieses Ehrenamt
vier Jahre lang ausfüllte und weiterhin
Mitglied im Vorstand bleibt. Neu in den
Vorstand gewählt wurden Friederike
Driftmann (Peter Kölln KGaA, Elmshorn), Niklas Krähe (ECE Projektentwicklungs G.m.b.H. & Co. KG, Hamburg)
und Daniel Wagner (Heikendorf). Fortgesetzt im Vorstand bleiben: Benjamin
Bhatti (Bhatti Steuerberatungsgesellschaft mbH, Kiel), Benjamin Feindt (tyskrevision, Flensburg) sowie Alexander
Renner (IBAK Helmut Hunger GmbH &
Co. KG, Kiel). Wir danken Alexander
Kropp für seine fruchtbare Amtszeit!
■ Der parteiübergreifend organisierte Verein Politiknachwuchs für Schleswig-Holstein e.V. hat seinen vierten
Absolventenjahrgang im Beisein des
Ministerpräsidenten Torsten Albig abschließend ausgezeichnet und die Vorbereitungen für den fünften Zyklus
getroffen, der am 28. März 2014 durch
die Auftaktveranstaltung mit dem
CDU-Landesvorsitzenden und Europa-
Alexander Kropp (li) übergibt den Stab
des Vorsitzenden im Jungen Wirtschaftsrat
Schleswig-Holstein an seinen Nachfolger
Lars Osterhoff (re.) im Beisein unseres Landesvorsitzenden Dr. Philipp Murmann MdB
im Akustiklabor der gastgebenden Zöllner
Holding GmbH.
Die Abschlußveranstaltung des
4. Seminars für den
politischen Nachwuchs
am 1. Oktober 2013
zeigt die gut gelaunte
Runde des Abends mit
Ministerpräsident
Torsten Albig
abgeordneten Reimer Böge eröffnet
wird. Aussagekräftige Bewerbungen
von politisch interessierten Kandidaten,
die möglichst eine abgeschlossene Ausbildung und erste Berufserfahrungen
haben und dabei nicht älter als 35
Jahre sein sollten, sind an den Verein
www.politiknachwuchs.de zu richten.
■ Die „4. nordeuropäische E-MobilRallye“ hat sich inzwischen zu einem
dänisch-deutschen Freundschaftsprojekt entwickelt: Die Rallye startet in
Flensburg am 13. Juni und endet am 15.
Juni 2014 wieder in Flensburg. An einer
Teilnahme interessierte Mitglieder, die
unseren Wirtschaftsrat in diesem
besonderen sportlichen Wettbewerb
vertreten möchten, sollten Kontakt mit
unserer Geschäftsstelle aufnehmen.
■ Der Landesverband sucht für Aushilfstätigkeiten einen Praktikanten oder
bietet eine geringfügige Beschäftigung
an. Empfehlungen aus der Mitgliedschaft sind herzlich willkommen! BZ
IMPRESSUM
Herausgeber, V.I.S.d.P.:
Wirtschaftsrat der CDU e.V.
Landesverband Hamburg
Brigitte Nolte (BN)
Referentin für Wirtschaftspolitik
Colonnaden 25/II. Stock
20354 Hamburg
Tel.: 040-30 38 10 49
Fax: 040-30 38 10 59
E-Mail: [email protected]
Landesverband Schleswig-Holstein
Dr. Bertram Zitscher (BZ)
Landesgeschäftsführer
Kleiner Kuhberg 2-6, 24103 Kiel
Tel.: 0431-67 20 75
Fax: 0431-67 20 76
E-Mail: [email protected]
www.wirtschaftsrat.de
56
Redaktion:
Ehrhard J. Heine (EJH)
Dr. Manfred Hermann (He)
Simone Niekammer (Ni)
Kai Pörksen (KP)
Bildnachweis:
nicht gesondert gekennzeichnete
Bilder WR-Archiv, Aufmacherfotos:
©ccvision.de (S. 1, 4/5, 6, 7, 22, 26,
28, 30, 32, 33, 34, 50)
Fotolia.com: © Serg Nvns (Titel)
Das nächste Heft erscheint
im Juni 2014
mit dem Schwerpunktthema
„Hamburg: Metropole in Europa“
Landesverband Schleswig-Holstein | Ausgabe März 2014
Erscheinungsweise: 4 x pro Jahr
Auflage: 5.000 Exemplare
Satz/Layout: (Wolfgang Schlett, KGV)
Herstellung und Anzeigen:
copy-druck Gesellschaft für Digital- und
Offsetdruck mbH
Neumann-Reichardt-Straße 27-33 (Haus 21)
22041 Hamburg
Telefon: +49 (0) 40 - 689 45 45
Telefax: +49 (0) 40 - 689 45 444
E-Mail: [email protected]
www.copy-druck.de
Der Bezugspreis ist im Mitgliederbeitrag
enthalten. Namentlich gekennzeichnete
Artikel geben nicht die Meinung des
Herausgebers wieder. Für unverlangt
eingesandte Manuskripte wird keine
Haftung übernommen.
Vorschau Landesverband Schleswig-Holstein / Impressum
V E R A N S TA LT U N G S V O R S C H A U
25. März 2014 · Neumünster
Dipl.-Ing. Torsten Conradt, Direktor
Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr
des Landes Schleswig-Holstein
„Planung der Baumaßnahmen und des
Baustellenmanagements für die A7“
26. März 2014 · Lübeck
Thomas Rother MdL,
Aufsichtsratsvorsitzender;
Dr. Sebastian Jürgens, Geschäftsführer
der Lübecker Hafen-Gesellschaft mbH
„Perspektiven der Lübecker
Hafengesellschaft“
Hans-Walter Thee, Vorsitzender der AG
Oberstudiendirektoren im Philologen
Verband Schleswig-Holstein e.V.
„Schulpolitische Veränderungen in
Schleswig-Holstein“
Podiumsdiskussion
Prof. Dr. Peter Dominiak, Präsident der
Universität Lübeck;
Prof. Dr. Frank Kempken, Vizepräsident,
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel;
Prof. Dr. Werner Reinhard, Präsident der
Universität Flensburg;
Uli Wachholz, Präsident UV Nord e.V.
„Welche Differenzierung braucht
unser Bildungssystem am Universitäts- und Unternehmensstandort
Schleswig-Holstein?“
Moderation: Norbert Basler,
Aufsichtsratsvorsitzender BASLER AG
04. April 2014 · Pinneberg
Konferenz
Dietrich Austermann, Pressesprecher
der Volksinitiative „A 20 – sofort!“
„Meilenstein für die Planung und
zügige Verwirklichung der Bundesauto12. Mai 2014 · Pinneberg
bahn A 20 – Was muß geschehen?“
Burkhart Balz MdEP, Mitglied im AusProf. Torsten Böger, Geschäftsführer
schuß für Wirtschaft und Währung
Verkehrsinfrastrukturfinanzierungs(ECON) des Europäischen Parlaments
gesellschaft (VIFG)
„Europäische Finanzmarktregulierung
„Finanzierungs- und Ausschreibungsund deutsche Regionalbanken – Wer
modelle für den deutschen Autobahnhaftet zukünftig für systemrelevante
bau – Welche Funktion kann die VIFG
Bankenrisiken?“
zukünftig übernehmen?“
Moderation: Hans-Werner Blöcker, Lan- 13. Mai 2014 · Kiel
desvorstandsmitglied Wirtschaftsrat SH
Enno Petras, Werkleiter Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel ABK
08. April 2014 · Oeversee
„Abfallwirtschaftsbetrieb als Teil der
Podiumsdiskussion
Daseinsvorsorge“
Simon Faber, Oberbürgermeister
der Stadt Flensburg;
15. Mai 2014 · Tremsbüttel
Dr. Heiner Garg MdL, Minister a.D.,
Jannis Andrae, Landessprecher SH,
Parl. Geschäftsführer der FDP-LandtagsAlternative für Deutschland (AfD);
fraktion Schleswig-Holstein;
Norbert Brackmann MdB, Mitglied im
Prof. Dr. Roland Trill, Institutsleiter
Haushaltsausschuß des Deutschen
eHealth und Management im GesundBundestages (CDU/CSU)
heitswesen, Fachhochschule Flensburg;
„Aktuelles zur Europawahl“
Karl-Heinz Vorwig, Kaufmännischer
Moderation: Rolf Rüdiger Reichardt,
Vorstand in der DIAKO Flensburg,
Mitglied Sektionsvorstand Stormarn
Moderation: Holger Pohl, Stadtredakteur
21. Mai 2014 · Bliestorf
Flensburger Tageblatt (sh:z)
RA Dr. Tilman Giesen, Geschäftsführer
„Krankenhausinfrastruktur der Zukunft
Arbeitsgem. des Grundbesitzes e.V. SH
– Chancen für das Gesundheitsland
„Risiken im Entwurf zu einem
Schleswig-Holstein“
neuen Denkmalschutzgesetz – Wer
05. Mai 2014 · Norderstedt
ist betroffen?“
Theo Weirich, Mitglied der Geschäftsführung der Stadtwerke Norderstedt
26. Mai 2014 · Husum
„Intelligente Stromzähler auf der Basis
Mitgliederversammlung der Sektion
eines Glasfasernetzes – Erfahrungen
Nordfriesland
aus Norderstedt und Perspektiven für
26. Mai 2014 · Husum
die Energiewende“
Konferenz
06. Mai 2014 · Neumünster
u.a. mit Dr. Philipp Murmann MdB,
Impulsreferate:
stellv. Mitglied im Ausschuß Bildung,
Grete Rhenius, Vorsitzende InteressenForschung und Technikfolgenabschätvertretung Lehrkräfte SH e.V. (IVL)
zung im Deutschen Bundestag (CDU)
„Zukünftige Schwerpunkte des Landes
bei der Energieforschung“
17. Juni 2014 · Kalübbe
Dr. Birgit Malecha-Nissen MdB,
Mitglied im Verkehrsausschuß des
Deutschen Bundestages (SPD)
„Verkehrspolitische Perspektiven für
Schleswig-Holstein“
18. Juni 2014 · Lübeck
Mitgliederversammlung der Sektion
Lübeck
18. Juni 2014 · Lübeck
Dr. Konstantin von Notz MdB,
stellvertretender Vorsitzender, Bündnis
90/Die Grünen-Bundestagsfraktion
„Grüner haushalten, nachhaltiger
wirtschaften: Der Green New Deal als
Antwort auf den Wandel von Umwelt,
Wirtschaft und Wissensgesellschaft“
19. Juni 2014 · Kiel
Stefan Ermisch, Finanzvorstand der
HSH Nordbank AG
„Perspektiven für die HSH Nordbank“
21. Juni 2014 · Kiel
Regattabegleitfahrt zur Eröffnung
der Kieler Woche
Ehrengast: David McAllister, CDU-Spitzenkandidat zur Europawahl (angefr.)
30. Juni 2014 · Rendsburg
Mitgliederversammlung der Sektion
Rendsburg-Eckernförde
30. Juni 2014 · Rendsburg
Minister Andreas Breitner, Innenministerium des Landes SH;
Landrat Reinhard Sager,
Kreis Ostholstein
„Zielsetzung für den kommunalen
Finanzausgleich: Leistungsanreize für
den gemeinsamen Erfolg oder Umverteilung vom Land auf die Städte“
Moderation: Kai Petersen, Geschäftsf.
Gesellschafter Petersen + Co. GmbH
02. Juli 2014 · Berlin
Parlamentarischer Abend
Zusammenkunft der Delegierten des
Wirtschaftsrates und der Bundestagsabgeordneten der CDU aus Bremen,
Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern,
Niedersachsen, Schleswig-Holstein
03. Juli 2014 · Berlin
Wirtschafttag
04. Juli 2014 · Berlin
Junger Wirtschaftsrat SH
Besuch des Deutschen Bundestages
Änderungen vorbehalten
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Landesverband Hamburg und Schleswig-Holstein | Ausgabe März 2014