Röm 10 - Katholisches Bibelwerk

Transcription

Röm 10 - Katholisches Bibelwerk
Katholisches Bibelwerk
Lektorenhilfe
1. Fastensonntag C
2. Lesung
1. Sonntag der österlichen Bußzeit
Lesejahr C
2. Lesung: Röm 10,8-13
1. Hinführungstext zum Vortragen vor der Lesung
Die Zweite Lesung aus dem Römerbrief des heiligen Paulus erinnert uns an das urchristliche
Glaubensbekenntnis und setzt damit die alttestamentliche Credo- Tradition fort. In ihrem
Zentrum steht der Glaube an Jesus, unseren Herrn, und darin an Gott, der ihn von den Toten
auferweckt hat.
(Oskar Dangl, Gottes Volk 3/2004, 22)
Kurzer Alternativtext
Die Erste Lesung hat Jahwe, Israels Gott, als den Retter seines Volkes bekannt. Paulus stimmt
im Römerbrief in dieses Glaubensbekenntnis ein: Die Rettungsmacht Gottes kennt keine
Grenzen, nicht einmal diejenige des Todes. Gott hat Jesus von den Toten auferweckt. Mit
Gedanken und Worten, die ebenso wie die erste Lesung aus dem Buch Deuteronomium, aus
der Tora stammen, legt er ebenfalls ein Glaubensbekenntnis dar.
2. Praktische Tipps zum Vorlesen
a. Textumfang
Um die Paulusargumentation zu verstehen, ist es hilfreich, sich den gesamten Abschnitt Röm
10,5-15 und dann die Textauslegung unten durchzulesen.
b. Betonen
Lesung
aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer.
8
9
10
Brüder und Schwestern!
Was sagt die Schrift?
Das Wort ist dir nahe,
es ist in deinem Mund und in deinem Herzen.
Gemeint ist das Wort des Glaubens, das wir verkündigen;
denn wenn du mit deinem Mund bekennst:"
"Jesus ist der Herr"
und in deinem Herzen glaubst:
"Gott hat ihn von den Toten auferweckt",
so wirst du gerettet werden.
Wer mit dem Herzen glaubt und mit dem Mund bekennt,
wird Gerechtigkeit und Heil erlangen.
1
 Kath. Bibelwerk e.V. www.bibelwerk.de
Katholisches Bibelwerk
Lektorenhilfe
11
12
13
1. Fastensonntag C
2. Lesung
Denn die Schrift sagt:
Wer an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen.
Darin gibt es keinen Unterschied zwischen Juden und Griechen.
Alle haben denselben Herrn;
aus seinem Reichtum beschenkt er alle, die ihn anrufen.
Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft,
Wird gerettet werden.
c. Stimmung, Modulation
Es ist ein feierlicher Text, der ebenso vorgetragen werden sollte.
3. Textauslegung aus der Reihe „Gottes Volk“
Die Zweite Lesung bietet einen kurzen, aber wie bei Paulus üblich, äußerst dichten und mit
alttestamentlichen Zitaten und Anspielungen geradezu überhäuften Textausschnitt aus den
Israel-Kapiteln seines Römerbriefs (Röm 9-11). Darin geht es Paulus um die eindringliche
Darlegung der bleibenden Hoffnung auf die Rettung Israels und dessen heilsgeschichtlichen
Vorrang vor allen anderen Völkern. Mit der Ersten Lesung aus dem Deuteronomium
verbindet die Zweite Lesung aus dem Römerbrief vornehmlich und in erster Linie das Thema
Rettung, verbunden mit dem urkirchlichen Glaubensbekenntnis. Die Erste Lesung hat Jahwe,
Israels Gott, als den Retter proklamiert. Es liegt Paulus bestimmt fern, dieses Bekenntnis der
Tora zurück zu nehmen. Ganz im Gegenteil. Dass Jahwe der Retter ist und bleibt, behält bei
Paulus absolute Gültigkeit, und zwar inmitten des Herzstücks des christlichen Bekenntnisses,
das im Herzen geglaubt werden soll: Gott hat ihn, nämlich Jesus, von den Toten auferweckt
(vgl. V.9). Das Gottesbild des heiligen Paulus ist also durch und durch geprägt vom Motiv der
Rettung. Die Rettungsmacht Gottes kennt keine Grenze, nicht einmal diejenige des Todes.
Gottes Rettungskraft ist stärker als der Tod. Sie hat sich erwiesen in der Auferweckung Jesu,
seines Sohnes.
Wie aber geschieht nach Paulus Rettung sowohl der Juden als auch der Heiden, die nicht zum
klassischen Gottesvolk des Ersten Bundes gehören? Entscheidend ist für Paulus der Glaube,
und zwar der Glaube an Jesus als den von Gott auferweckten Herrn (vgl. V.9). Und damit es
ja nicht zu einer christlichen Verkürzung der jüdischen Glaubensperspektive des
Völkerapostels Paulus kommt, sei betont, dass sich gerade im Glauben an Jesus als den Herrn
der Glaube an Gott als den Retter konkretisiert und realisiert. Damit liegt Paulus wiederum
ganz auf der Linie der alttestamentlichen Tora, die er christologisch auf Jesus bezieht in seiner
spezifischen Auslegung des Alten Testaments.
Der heute zu lesende Textabschnitt dient im näheren Zusammenhang der Israel-Kapitel der
Begründung eines folgenschweren und höchst missverständlichen Bekenntnissatzes, wonach
Jesus Christus das "Ende des Gesetzes" (vgl. Röm 10,4) sei und jedem, der an ihn glaube,
eben dadurch Gerechtigkeit widerfahre, die nicht aus Werken des Gesetzes gewonnen werden
könne. Paulus verzichtet aber keineswegs auf einen begründenden Rückgriff auf die Tora zur
Unterstützung seiner These. Das christliche Bekenntnis zu Jesus als dem Herrn und Gott, der
2
 Kath. Bibelwerk e.V. www.bibelwerk.de
Katholisches Bibelwerk
Lektorenhilfe
1. Fastensonntag C
2. Lesung
ihn von den Toten auferweckt hat, ist für ihn das "nahe Wort", von dem bereits die Tora des
Mose kündet (vgl. das Zitat aus Dtn 30,14 in V.8). Dieses Mund und Herz nahe gekommene
Wort gilt es zu glauben und auszusprechen. Darin gründet die Möglichkeit der Rettung
sowohl für Juden als auch für Heiden, wie das unsere Perikope abschließende, von Paulus in
seinem universalen Sinne ergänzte Zitat aus Joel 3,5 nochmals untermauert: Jeder, der den
Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.
Mit dem klassischen und für Paulus zentralen Thema Glaube wird wiederum die Welt der
prophetischen Traditionen des Alten Testaments schlaglichtartig wach gerufen. Paulus zitiert
hier (in V.11), wie zuvor schon in Röm 9,33, einen Satz aus Jes 28,16, wiederum in
angleichender Formulierung. Entscheidend aber ist und bleibt der Zusammenhang zwischen
Glaube und Rettung, worauf auch immer sich der Glaube je konkret im jeweiligen Kontext
bezieht. Der Glaube rettet, sonst nichts. Aus den von Paulus hier direkt angesprochenen
prophetischen Kontexten könnte man durchaus eine spezifische inhaltliche Dimension des
Glaubensverständnisses dieser Traditionen übernehmen zum vertiefenden Verständnis der
paulinischen Gedanken: Glaube bedeutet in den prophetischen Traditionen nämlich Verzicht
auf Gewalt und stattdessen Orientierung an der Tora, die Jahwe als den rettenden Gott
bekennt.
Und genau das hat Jesus vorgelebt: Gewaltverzicht bis in den gewaltsamen Tod hinein, im
Glauben an die rettende Macht Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat. Ein solcher
Glaube allein bringt Gerechtigkeit und Rettung. Das ist das christliche Glaubensbekenntnis
nach Paulus und den ihm vorliegenden urkirchlichen Tauf- und Bekenntnisformulierungen.
Das christliche Credo kommt also durchaus mit dem alten historischen Glaubensbekenntnis
Israels überein, indem es Gott als den Retter preist. Die spezifische Konzentration des
christlichen Bekenntnisses auf Jesus als den Herrn wirkt aber keineswegs ausschließend,
exklusiv sozusagen. Vielmehr gilt es allen, ob Juden oder Heiden ohne Unterschied (vgl.
V.12) als Rettungsanker. Denn alle haben denselben Herrn, der aus seinem Reichtum alle
beschenkt, die ihn anrufen.
Gerade die theologische Rede vom Geschenk der Rettung könnte in einer zunehmend
leistungsorientierten Lebenswelt auf Unverständnis und Ablehnung stoßen. Wie steht es um
meine Fähigkeit, ein Geschenk anzunehmen? Kann ich Liebe und Zuwendung ohne
Gegenleistung empfangen? Was hindert mich eventuell daran? Was zwingt mich in die Logik
von Leistung und Gegenleistung, vor allem im zwischenmenschlichen und religiösen
Bereich? Kann mir das Bild vom rettenden Gott, der dafür keinerlei Leistung verlangt,
hilfreich sein zur Entdeckung der Geschenkdimension des Lebens? Befreit es mich zu hören,
dass es nur einen Herrn gibt, nämlich Jesus Christus? Dass niemand und nichts sonst über
mich endgültige Macht gewinnen kann, auch nicht der Tod in seinen vielfältigen Gestalten?
(Oskar Dangl: Gottesvolk 3/2004,13-15)
Dr. Bettina Eltrop
3
 Kath. Bibelwerk e.V. www.bibelwerk.de