Dental Barometer 03_2007, Implantologie, Implantiern bei Bauer

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Dental Barometer 03_2007, Implantologie, Implantiern bei Bauer
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Z AHNMEDIZIN | IMPL ANTOLOGIE
Implantieren bei
Bauer Ewald
Eigentlich doch eine Selbstverständlichkeit: Loch in Knochen bohren, Gewinde schneiden, Implantat reinschrauben, fertig!
Autor: Redaktion
schräg an, wenn Sie häufiger einen halben
frischen Schweinskopf ordern. Und dann
stellt sich auch noch die Frage nach den
Implantaten selbst, den Materialien für
die Augmentation, für die Membranen,
deren Befestigung und so weiter. Dr. Dr.
Thomas Olivier, Gründer und Leiter des
FIR, des Fortbildungsinstitutes RheinRuhr für Implantologie, gab wieder einmal interessierten Kolleginnen und Kollegen, Einsteigern und Fortgeschrittenen
und sogar Studenten der Zahnheilkunde
die Gelegenheit, sich „satt“ zu implantieren. Im Rahmen seiner Fortbildungsserie
durfte ich an einem OP-Präparierkurs
teilnehmen.
Rinderkiefer mit Knochendefekt
Zur Vorbereitung für das Implantieren mussten zunächst etliche Zähne gezogen werden,
eine schweißtreibende Angelegenheit.
„Learning by doing“ heißt es bei den
Amerikanern und wenn es ums Implantieren geht, dann ist das „doing“ ein absolutes Muss. Ich brauche Ihnen ja nicht zu
sagen, wie wichtig Übung, Routine und
die dadurch gewonnene Sicherheit bei der
Anwendung sind. Die Regenbogenpresse
schreibt bekanntlich, für diverse Operationen solle man sich stets einen erfahrenen
Operateur suchen, der mindestens 500
Eingriffe dieser Art durchgeführt hätte.
Aber wie soll man denn (als unerfahrener)
Operateur an diese Fälle rankommen?
Und was ist überhaupt mit den ersten
500?
zum Beispiel die vestibuläre Knochenwand „fehlt“ und selbige augmentieren.
Ideal für solche Phantomübungen sind
Schweine- und Rinderkiefer, aber woher
nehmen, wenn nicht stehlen? Der Metzger
Ihres Vertrauens schaut Sie sicher schon
Sowohl beim Rinderkiefer mit ausreichendem Knochenangebot, als auch bei
Präparaten, die lokale Knochendefekte
aufwiesen, konnte ich als „normaler“
Zahnarzt bohren, drehen und schrauben. Die Firma Friadent, Hersteller des
Implantatsystems mit dem ich auch bereits vertraut war, stellte den über zwanzig Teilnehmerinnen und Teilnehmern
ausreichend Motoren, Präparationssets
und „Dummy“ Implantate zum Üben
zur Verfügung. Dabei unterstützte sie mit
fachkundigen Mitarbeitern, die Ärzte des
Fortbildungsinstituts Dr. Dr. Olivier, Dr.
Wienhöfer und Dr. Spiess, die sich rührend um ihre „Schüler“ kümmerten und
nicht müde wurden, auch zum x-ten Mal
eine Vestibulumplastik bei schmaler attached Gingiva (Ja, auch das gibt es beim
Schwein!) und die Palacci-Technik, zusammen mit den Kursteilnehmern, zu
üben.
Das Schwein kann sich ja nicht
mehr wehren
Ein probates Mittel, ein „Gefühl“ für
den Knochen beim Implantieren zu bekommen, ist die OP am Dummy, sprich
Tierpräparat. Da kann man dann so
richtig loslegen, sehen, wie es ist, wenn
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Gruppenbild mit Damen: Alle TeilnehmerInnen waren mit dem Kurs höchst zufrieden.
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Speis und Trank
Ist schon ganz schön anstrengend, so einen Zahn zu ziehen!
Und was hat das Ganze mit Bauer Ewald
zu tun? Nun, der Präparierkurs, der technische Teil der Fortbildung (Samstag gab
es dann die Theorie dazu), fand in einem
Übungsraum des Prickingshofs in Haltern
statt. Zum Prickingshof und Bauer Ewald
brauche ich Ihnen nichts zu sagen, Touristen kommen bundes-, ja weltweit, um den
ersten EG-Musterhof zu besichtigen, sich
an Speis und Trank zu laben, live zu sehen, wie das im Kuh- und Schweinestall so
abgeht und mit prall gefüllten Einkaufstaschen abends wieder nach Hause zu fahren. Olivier hatte ja nicht nur daran gedacht, seine Präparate vor Ort, frisch und
sauber für die Kursteilnehmer aufbereiten
zu lassen, nein, auch die Gastronomie
für den kollegialen Plausch nach getaner
Arbeit war ihm wichtig. Wir saßen noch
viele Stunden zusammen und ich konnte
mit Zufriedenheit feststellen, dass nicht
nur ich bezüglich Implantierens wertvolle Erkenntnisse gewonnen hatte, sondern, dass auch die anderen Kolleginnen
und Kollegen durch diese praktischen
Übungen sehr viel sicherer im Umgang
mit Implantaten & Co geworden waren.
Schlüssiges Konzept
Der crestale Knochen muss etwas nivelliert werden, um der Implantatschulter
eine passende Auflage zu geben.
Das Konzept, die Idee, welche hinter dieser Art der Fortbildung steht, stimmt.
Olivier, übrigens mein MKG Chirurg,
mit dem ich zusammen bereits viele Fälle
von nicht eben ganz einfachen Implantatversorgungen gelöst habe, möchte die
Zahnärzte dazu bringen, die „einfachen“
Fälle sicher, und durch seine Fortbildung
gut vorbereitet, selbst zu implantieren.
Es bleiben für ihn dann noch genügend
„komplizierte“ Fälle übrig. Der Kurs war
ausgebucht, so wie die meisten seiner Kurse. Aber es geht bereits weiter. Einige wenige Plätze stehen noch zur Verfügung.
Weitere Informationen
Vorsichtiges maschinelles Einschrauben des Implantates am Rinderkiefer
Die Kieferhöhle aufblasen
Wann bekommt man schon einmal die
Gelegenheit, die auf diversen Kongressen
stets mit Ehrfurcht betrachteten Knochenblockentnahmen mit einer Mikro
Saw oder sogar der Piezo-Technik selbst
durchzuführen?
Es ist erstaunlich, mit wie wenig Traumatisierung des Knochens so etwas zum Beispiel mit dem Piezoschallgerät geht. Ein
absolutes Highlight war ein, sicher so zum
ersten Mal geübter Sinuslift mit einem
Ballonkatheter, bei einem minimalinvasiven Zugang durch die Maulhöhle des
Schweinekiefers.
FIR - Dr. Dr. Thomas Olivier
Telefon: (0 23 61) 9 31 82 14
Dentsply FRIADENT GmbH
Postfach 71 01 11
68221 Mannheim
Telefon: (06 21) 4 30 20 22
Telefax: (06 21) 4 30 20 23
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