Ein Hundewelpe zieht ein

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Ein Hundewelpe zieht ein
Ein Hundewelpe zieht ein
von Manuela Eiban
Sie haben sich also entschlossen, ein Hundekind zu adoptieren; deshalb möchten
wir Ihnen einige Tipps mit auf den Weg geben, um Ihnen und Ihrem neuen
Familienmitglied die Eingewöhnungszeit zu erleichtern.
Die ersten 24 Stunden
Es ist verständlich, dass die Ankunft eines Welpen die ganze Familie in große
Freude und Aufregung versetzt. Jeder will den Hund begrüßen, jeder will „ihn auch
mal halten“ . Man möchte ihn ständig knuddeln, ihm all die tollen Spielsachen und
Körbchen zeigen, die man für ihn besorgt hat und natürlich muss er „seinen“ Garten
kennen lernen, in dem er in Zukunft herumtollen soll. Alle Freunde und Bekannte
sollen den niedlichen neuen Hausgenossen sehen.
Für den Welpen sieht die Sache so aus: Er wurde von fremden Menschen von
seiner vertrauten Umgebung, von Mutter und Geschwistern getrennt. Alles, was ihm
bisher Geborgenheit und Schutz gegeben hatte, ist weg. Die meisten Dinge, die zu
einem Menschenleben gehören, hat er noch nie gesehen. Die vielen fremden
Menschen, die es ja alle „gut meinen“, verwirren ihn, denn er versteht deren
aufgeregtes Verhalten nicht. Hier gibt es Anfangs weder ein sicheres Plätzchen,
noch jemand, an dem er sich orientieren könnte. Erwarten Sie nicht, dass Ihr Welpe
Ihnen von Anfang an vertraut, warum sollte er auch, er kennt Sie ja nicht!
Lassen Sie dem Hund die Zeit und Ruhe, die er braucht, um seine neue Umgebung
zu erkunden. Achten Sie darauf, dass der Kleine von anderen Familienmitgliedern
(vor allen Dingen Kindern) nicht überfordert wird und zeigen Sie ihm, dass sie Ihn
beschützen und er sich auf Sie verlassen kann.
Damit ist natürlich nicht gemeint, dass Sie den Welpen „verhätscheln“ und ihn vor
allen Situationen fernhalten sollen, die ihm Angst machen. Vermitteln Sie dem Hund
Sicherheit und zeigen Sie ihm, dass er Ihnen absolut vertrauen kann. Gehen Sie
Anfangs immer in die Hocke, wenn Sie sich dem Welpen zuwenden oder ihn rufen.
Wird der Hund von „hoch oben“ angesprochen oder gerufen, kann das auf ihn sehr
bedrohlich wirken. Außerdem ist es leichter zu einem Gesicht ein vertrautes
Verhältnis herzustellen als zu einem Paar Beine (Hundeperspektive). Vertrauen ist
der Grundstein für ein harmonisches Zusammenleben und erfolgreiche
Hundeerziehung!
Verzichten Sie in den ersten Stunden auf sämtliche „Erziehungsversuche“, d.h.,
wischen Sie eventuelle Pfützen oder Häufchen kommentarlos weg, räumen Sie
Dinge, die er nicht haben darf (Schuhe, Blumengestecke, Kinderspielzeug usw.)
beiseite und sollte er doch etwas tun, was sie unterbinden wollen, nehmen sie ihn
ohne ihn zu tadeln weg und lenken ihn mit etwas Anderem ab. Einen Welpen dürfen
sie erst dann maßregeln, wenn er Ihnen gegenüber ein Grundvertrauen entwickelt
hat!
Welpen reagieren unterschiedlich auf einen Umgebungswechsel: Der eine traut sich
erstmal kaum sich zu bewegen, der andere ist völlig überdreht und kann gar nicht
genug bekommen von dem „vielen Neuen“ und wieder ein anderer bellt und knurrt
erstmal alles Fremde an. All diese unterschiedlichen Reaktionen haben einen
Ursprung: Unsicherheit.
Zeigen Sie Ihrem „Kleinen“ also mit viel Verständnis seine „neue Welt“ und gehen
Sie einfühlsam auf seine ganz individuellen Bedürfnisse ein.
Wo soll der Welpe schlafen? Darf er nun aufs Sofa oder nicht?
Die Entscheidung, ob der Hund ins Bett oder aufs Sofa darf, liegt ganz allein bei
Ihnen. Hunde lieben es, in der Nähe ihrer Menschen zu sein und mal ehrlich: ist es
nicht schöner, mit einem Hund auf dem Sofa zu schmusen, als sich dafür auf den
Boden setzen zu müssen?
Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass Hunde, die aufs Sofa oder ins Bett dürfen
durch die „erhöhte Liegeposition“ oft Dominanzprobleme entwickeln. Dem Hund darf
nur nicht der Eindruck vermittelt werden, alles wäre „seins“. Selbstverständlich
braucht der Hund seine Rückzugsmöglichkeiten (Hunde-Korb, Decke in einer
ruhigen Ecke, aber nicht völlig abseits vom Geschehen).
Liegt der Welpe auf seinem Platz, darf er dort nicht gestört werden - gerade für
Kinder ist das Hundebett absolute Tabuzone. Liegt der Hund aber auf dem Sofa
oder anderen Plätzen, die der ganzen Familie zugänglich sind, hat er diese zu
räumen, wenn Sie oder z.B. Besucher den Platz für sich beanspruchen. Schläft der
Welpe also auf dem Sofa und Sie wollen sich hinsetzen, wecken Sie ihn ruhig und
schicken ihn runter. Es empfiehlt sich, den Hund von Anfang an nur nach
Aufforderung aufs Sofa oder Bett springen zu lassen, denn wenn Sie z. B. nach
einem Spaziergang im Regen einen Schreikrampf bekommen, wird Ihr Hund nicht
verstehen, warum er plötzlich nicht mehr das tun soll was er doch immer tut.
Sollten Sie sich dazu entscheiden, den Hund aufs Sofa / ins Bett zu lassen, sollte
diese Entscheidung für das ganze Hundeleben gelten, denn wird einem Hund dieses
Privileg wieder entzogen, wird er das nicht verstehen und sich von seiner Gruppe
ausgeschlossen fühlen. Auf keinen Fall sollte der Welpe jedoch komplett aus einem
Raum „verbannt“ werden, in dem sich die Familie oft aufhält (Wohnzimmer,
Schlafzimmer, Küche). Vom Rudel abgeschottet zu sein, entspricht nicht der Natur
des Hundes und kann zu Problemen mit Trennungsängsten führen, die später nur
sehr schwer zu bewältigen und oft der Grund für Hemmungen und Lernschwächen
sind.
Darf der Welpe nicht aufs Sofa, setzen Sie sich oft zu ihm auf den Boden. Vor allem
müde Welpen suchen Nähe und Körperwärme. Verwehren Sie ihm dieses
Grundbedürfnis nicht und lassen Sie ihn öfter mit Körperkontakt zu Ihnen
einschlafen.
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Das „Sauberwerden“
Jeder Hund hält von sich aus gerne seine Umgebung sauber, d.h. eigentlich geht
das Sauberwerden bei einem Hund, der ohne Ängste und Zwänge erzogen wird, von
selbst. Sie müssen Ihren Welpen nur „sanft auf den rechten Weg stupsen“. Wichtig
ist, das Sie Ihren Hund genau beobachten und sozusagen schon vor ihm wissen,
wann er „muss“. Z.B nach dem Fressen, nach dem Schlafen, Spielen usw. (jeder hat
andere Gewohnheiten). Sobald der Hund Anstalten macht, sein Geschäft zu
verrichten, nehmen sie ihn ruhig auf den Arm und tragen ihn nach draußen. Die
Umgebung sollte dem Tier bereits vertraut sein und wenig Ablenkung bieten, damit
es sich auf das „Wesentliche“ konzentrieren kann. Hundewelpen vergessen wie
kleine Kinder oft vor Aufregung, dass die eigentlich auf Klo müssen. Viele
Welpenbesitzer berichten verzweifelt, der Hund würde immer nach langen
Spaziergängen oder Aufenthalten im Freien zu Hause angekommen zuerst auf den
Teppich machen. Diese Phase machen viele Welpen durch und je weniger
Aufhebens man um die Sache macht, desto schneller geht sie vorbei.
Vergessen Sie alles, was Sie je über „ausschimpfen“ oder gar „Schnauze in die
Schweinerei tunken“ gehört haben. Solche Methoden gehören ins Mittelalter und
würden das Tier nur verunsichern. Ist das Geschäft in der Wohnung schon passiert,
beseitigen Sie es kommentarlos, denn Hunde können Ihren Ärger über bereits
Geschehenes nicht verstehen. Bleiben Sie immer gelassen, setzen Sie Ihren
Welpen nicht unter Erwartungsdruck, der eine kapiert es eben schneller und der
andere langsamer - aber am Ende haben es doch noch alle gelernt!
Halsband und Leine, die ersten Spaziergänge
Fangen Sie mit diesen Dingen erst dann an, wenn der Welpe Ihnen absolut vertraut!
Das nötige Grundvertrauen ist dann erreicht, wenn sich der Welpe in neuen
Situationen oder wenn er sich erschreckt zu Ihnen flüchtet und Schutz sucht.
Reagieren Sie hier nicht übertrieben fürsorglich, sondern signalisieren sie ihm durch
eindeutige Gesten und mit gelassener Stimme, dass alles in Ordnung ist und er sich
immer an Sie wenden kann, wenn er unsicher ist. Vergessen Sie nicht, in solchen
Situationen immer in die Hocke zugehen!
Gewöhnen Sie den Kleinen erst mal in der Wohnung an das Halsband. Fühlt er sich
dadurch nicht mehr gestört, legen Sie ihm (in der Wohnung!) die Leine an(Hocke!).
Sträubt er sich und versucht rückwärts zu entkommen, locken Sie ihn ruhig zu sich
und loben Sie ihn, sobald er bei Ihnen ist. Ziehen den Hund niemals mit Gewalt zu
sich! Erst wenn dem Hund die Leine nicht mehr unheimlich erscheint, kann es nach
draußen gehen. Bitte kontrollieren Sie vorher, ob das Halsband so eingestellt ist,
dass der Hund auf keinen Fall rückwärts aus dem Halsband schlüpfen kann unterschätzen Sie nicht die Kraft und Willensstärke, die so ein kleiner Hund in
Angstsituationen aufbringen kann! Gehen Sie draußen genauso vor wie zuvor in der
Wohnung.
Suchen Sie sich zum Üben eine möglichst reizarme Umgebung aus, nicht gerade die
belebte Hundewiese oder einen schmalen Gehsteig. Wenn nötig, tragen Sie ihn oder
fahren Sie mit dem Auto zu einer geeigneten Stelle. Setzen Sie Sich und Ihren
Hund keinesfalls unter Erwartungsdruck, es macht überhaupt nichts, wenn der erste
Spaziergang erst nach einigen Tagen stattfindet.
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Generell braucht ein Welpe in einer gefahrenfreien Umgebung (Wiese, Feld)
überhaupt keine Leine. Sie ist nur nötig, um den Hund vor Gefahren zu schützen (an
der Straße, große Menschenmengen). Voraussetzung hierfür ist wieder das
Grundvertrauen - ein Welpe, der Ihnen vertraut, wird Ihnen immer folgen und denkt
auch nicht daran, wegzulaufen - und ab hier müssen auch Sie lernen, Ihrem
Schützling zu vertrauen!
Sie dürfen auch keine Angst vor anderen Hunden haben, der Welpe merkt das sofort
und dabei ist eine der wichtigsten Grundregeln, dass ein Welpe täglich
(ungezwungenen!) Kontakt mit mehreren Artgenossen allen Alters haben sollte.
Natürlich wird er hier auch auf Hunde treffen, die nicht mit ihm spielen wollen, aber
auch das gehört zum Leben und auch der Umgang mit Enttäuschungen muss
frühzeitig erlernt werden.
Niemals darf der Welpe von Menschen, die er nicht kennt oder von Kindern an der
Leine geführt werden. Er braucht jemanden, auf den er sich in allen Situationen
100% ig verlassen kann. Auch ausgewachsene Hunde sollten immer nur von
Bezugspersonen geführt werden und diese Aufgabe anderen zu überlassen, sollte
die Ausnahme sein.
Fütterung
Welpen sollte man 3 x täglich füttern, da ihr Stoffwechsel schneller funktioniert als
der erwachsener Hunde und sie daher schneller Hunger bekommen. Mit etwa 6
Monaten kann auf 2 Mahlzeiten umgestellt werden.
Nur 1 x täglich zu füttern ist nicht zu empfehlen, da viele Hunde so zu „Schlingern“
werden oder z. B. anfangen draußen jeden Müll zu fressen. Generell sollte einem
Hund nicht den ganzen Tag Futter zur Verfügung stehen; räumen Sie den Futternapf
immer nach dem Fressen wieder weg, auch dann, wenn der Hund nicht
aufgefressen hat.
Bei großwüchsigen Rassen (ab Schäferhund -Größe) ist besonders darauf zu
achten, das der Hund „langsam wächst“ um Gelenkschäden vorzubeugen. D.h., der
Hund sollte unbedingt geeignetes Futter bekommen und sollte im Wachstum nicht
pummelig sein.
Welpe allein zu Haus?
Beginnen Sie mit dem Üben erst, wenn sich der Welpe eingewöhnt hat und er sich
zu Hause sicher fühlt. Bedenken Sie, dass schon der Gang in den Waschkeller oder
zur Mülltonne für Ihren Hund eine Trennung bedeutet. Geben Sie dem Kleinen
etwas, womit er sich länger beschäftigen kann (Kauknochen, Spielzeug) und gehen
Sie, ohne auf den Hund zu achten Ihren normalen Tätigkeiten im Haushalt nach.
Hat sich der Hund an Ihr (für ihn sinnloses) Verhalten gewöhnt und bleibt ruhig auf
seinem Platz liegen, machen Sie kurz die Türe hinter sich zu, kommen aber gleich
wieder zurück. Tragen Sie auch mal kurz Jacke und Schuhe in der Wohnung, um
den Hund nicht an das Ritual anziehen= weggehen gewöhnt. Wenn der Welpe Ihnen
nicht mehr ständig hinterherläuft, können Sie beginnen die Wohnung kurz zu
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verlassen. Bleiben Sie aber in der Nähe um sein Verhalten beobachten zu können.
Sollte er winseln, bellen oder an der Tür kratzen, ist er noch nicht so weit und Sie
müssen weiter in der Wohnung üben. Verhält er sich ruhig, kommen Sie nach
einigen Minuten wieder und loben Sie ihn. Ist diese Übung gefestigt, können Sie
beginnen die Zeitabstände Ihres Wegbleibens zu verlängern. Veranstalten Sie
niemals ein „ich geh jetzt“- Ritual (sei schön brav, ich komm gleich wieder usw.) und
loben Sie beim Zurückkommen nicht zu überschwänglich sondern vermitteln Sie
dem Hund, dass alles k. ist und kein Grund zu besonderer Aufregung besteht.
Mit den Übungen kann man beginnen, wenn der Welpe zu seiner Umgebung und zu
Ihnen Vertrauen gefasst hat, allerdings sollte man einen Hund unter 5 Monaten
generell überhaupt nicht ganz alleine lassen!
Allgemeines
Seien Sie im Umgang mit dem Hund immer unverkrampft und absolut ehrlich.
Bedenken Sie, jeder Hund hat seine individuelle Persönlichkeit; sie lernen
unterschiedlich schnell, zeigen Bedürfnisse auf unterschiedliche Art Art und Weise
und haben auch das Recht als eigenständige Persönlichkeiten respektiert zu
werden. Beobachten Sie den Welpen genauso gründlich wie er Sie beobachtet und
erziehen Sie ihn mit viel Verständnis und Freude.
Nicht nur der Hund muss jetzt die Menschensprache lernen, vor allem müssen Sie
die Hundesprache beherrschen und lernen Ihren Hund zu lesen und zu verstehen.
Lassen Sie sich niemals von anderen Hundebesitzern beeinflussen; stehen Sie „gut
gemeinten Ratschlägen“ - auch denen von Hundeschulen und -Trainern - immer
kritisch gegenüber, denn was bei anderen Hunden funktioniert hat, kann bei Ihrem
vielleicht das Gegenteil bewirken. Sie kennen Ihren Hund am besten und deshalb
sollten Sie sich in Sachen Erziehung ruhig auf Ihre Beobachtungen und Gefühle
verlassen.
Selbstverständlich müssen Sie Ihrem Welpen von Anfang an seine Grenzen
aufzeigen. Gehen Sie mit Zurechtweisungen aber genauso einfühlsam um, wie Sie
es bei einem menschlichen Kleinkind täten, denn der Welpe muss schließlich erst
lernen, was er darf und was nicht. Erziehungsmethoden, die Gewalt, Zwang oder
Einschüchterung beinhalten, sind grundsätzlich abzulehnen, da eine gute Mensch Hund - Beziehung ausschließlich durch Motivation und gegenseitiges Vertrauen
entstehen kann.
Kinder dürfen natürlich in die Hundeerziehung einbezogen werden, aber das
Kommando haben Sie! D.h. Sie bestimmen, wann mit dem Hund gespielt werden
darf, Hunde und Kinder sollten prinzipiell niemals unbeaufsichtigt miteinander
spielen. (Übrigens: Ihr Hund wird Ihre Führungsqualitäten auch darüber beurteilen,
wie Sie sich Ihren Kindern gegenüber durchsetzen können!)
Kinder dürfen den Hund niemals maßregeln; er muss deren Anweisungen nicht
befolgen. Anweisungen zu geben und für Ordnung zu sorgen ist allein Ihre Aufgabe.
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