Maiwald, Klaus (2003): Sprachbezogene Wahrnehmungsbildung im

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Maiwald, Klaus (2003): Sprachbezogene Wahrnehmungsbildung im
Maiwald, Klaus (2003): Sprachbezogene Wahrnehmungsbildung
im Umgang mit Musikvideoclips
(Umgearbeitete Auszüge aus der Habilitationsschrift)
1. Allgemeines
Dargestellt sind hier Teile eines deutschdidaktischen Seminars mit 22 Teilnehmern,
die auch mit SchülerInnen der Sekundarstufe II ähnlich durchführbar wären. (Eine
schulische Unterrichtssequenz würde vier Doppelstunden plus Hausaufgaben umfassen.) Zugrunde lag ein Auszug aus den European Top 20 auf MTV vom
25.07.2002, insbesondere die Clips Whenever, Wherever von Shakira und A Little
Less Conversation von JXL & Elvis. Der Umgang mit ihnen richtete sich vor allem
auf semiotische Codierungen in der „Bildsprache“, die durch sprachliche und
kommunikative Anschlüsse erfasst wurden. Jenseits der Opposition von Kritik und
Genuss sollte sich der Textumgang in einer „imaginativen Rationalität“ (Lakoff /
Johnson 1980) vollziehen.
Die Rezeption der Clips sowie das Schreiben und die Kommunikation über sie fanden zu großen Teilen im Netz statt. Zum einen wurde die Internetplattform BSCW
genutzt. Der Basic Support for Cooperative Work wurde von der Gesellschaft für
Mathematische Datenverarbeitung (GMD) als nicht-kommerzielles internetbasiertes Kommunikations- und Kooperations-Tool entwickelt. Es gestattet den Angehörigen einer Lerner- bzw. Arbeitsgruppe innerhalb einer passwortgeschützten Domäne den orts- und zeitunabhängigen Zugriff auf Dokumente aller Art. Die registrierten Mitglieder können auf dem BSCW liegende Dokumente lesen, kommentieren und herunterladen, sie können eigene Dokumente hinterlegen und kleine Foren
initiieren. So ist „BSCW die idealtypische Arbeitsplattform für virtuelle Kooperation lokal getrennter Lerngruppen“ (Berghoff / Frederking 2001, 176) (Näheres unter
http://www.bscw.de). Zum anderen wurden die Anschlusstexte und deren Kommentierungen an einer eigenen Webseite versammelt (Zugang unter
http://www.uni-bamberg.de/%7Eba4dd1/), die auch noch weitere Seminaraktivitäten dokumentierte.
2. Die vier Einheiten der Sequenz im Überblick
2.1 Einheit 1
Den Auftakt bildete die Rezeption des etwa 40-minütigen Programmauszugs, der
10 Clips neben Programmtrailern und Werbespots umfasst und so die mediale Eigenwelt von MTV sinnfällig macht. In einer anschließenden freien Aussprache von
ca. 30 Minuten konstituierte die Diskursgemeinschaft bestimmte Wahrnehmungsphänomene und artikulierte erste Beobachtungen. Sie lassen sich in acht Thesen
zusammenfassen (Zitate aus den Äußerungen der Studierenden stehen kursiv):
1. Videoclips weisen eine intensive, für den Rezipienten anstrengende Darstellungsästhetik auf: viele Eindrücke / fast zuviel / schnelle Abfolge von Bildern.
2. Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Werbung und Clips.
3. Heutige Werbung (à la Motorola) unterscheidet sich in ihrer Ästhetik und in ihren Strategien zumeist von älterer (à la Neckermann).
4. Es gibt Videoclips, bei denen - aus verschiedenen anzunehmenden Gründen - die
Interpreten im Mittelpunkt stehen (Selbstportraits).
5. Es gibt verschiedene Strategien, in einem Videoclip Kohärenz bzw. Stimmigkeit
und Zusammenfließen herzustellen.
6. Videoclips lassen sich daraufhin betrachten, ob sie einen (narrativen) Sinnzusammenhang (Handlung) konstruieren bzw. konstruierbar machen.
7. Without Me von Eminem ist aufgrund seiner raffinierten Ästhetik und seiner hohen Anspielungsdichte ein herausragender, tiefsinniger Clip.
8. Darin unterscheidet er sich von einfacher gestrickten, latent sinnlosen Clips wie
Hot in Herre von Nelly oder Whenever, Wherever, bei denen nichts dahinter
steckt.
Der Gesprächsanteil des Dozenten war gering und darauf beschränkt, Impulse zu
geben, nachzufragen, Zwischenstände zusammenzufassen. Es gab keine lenkenden
Leitfragen und Antwortsanktionierungen. Die Teilnehmer waren gleichberechtigt,
die Teilnahme breit gestreut. Obwohl das Gespräch keinem vorgeplanten Verlauf
folgte und keine Ergebnisse festschrieb, war es weder zäh noch zufällig. Es erbrachte eine Reihe von Themen und Erkenntnissen.
2.2 Einheit 2
Der nächste Schritt war der sprachliche Anschluss an die Clips Whenever, Wherever und A Little Less Conversation [vgl. die entsprechenden Videoboxen]. Diese
Clips sind wenig avantgardistisch, weisen aber doch eine reichhaltig codierte Bildsprache auf. Sie repräsentieren den Mainstream, gleichzeitig die Grundtypen Performance und Konzept. Nach einer individuell steuerbaren Zweitrezeption bzw.
parallel dazu wurden verschiedene Aufgaben bearbeitet:
Shakira
1. Vervollständigen Sie beide Sätze (mit einem Wort / Ausdruck):
a ) Die Sängerin ist gekleidet wie ...
b) Die Szenerie des Clips wirkt auf mich ...
2. Begründen Sie aus der Sicht des Clip-Produzenten,
a) warum Sie die Sängerin nicht durch von Menschen belebte Szenerien laufen lassen, sondern durch die gezeigten ODER
b) Ihre Wahl der erscheinenden Tiere.
3. Wählen Sie eine Aufgabe:
a) Schreiben Sie diesen Clip aus der Perspektive der Hauptfigur als (schönen) Traum oder
als Alptraum. (Sie müssen nicht alle Elemente des Clips verarbeiten, übernehmen Sie aber
den Anfang, das Ende und den Ablauf.)
b) Wählen Sie aus den 15 Oppositionen im folgenden semantischen Differenzial die fünf
„bezeichnendsten“ (sprich: Wo einer der Pole ein ++ trägt) aus und verbinden Sie diese in
einer Kurzcharakteristik. (Die Frauenfigur, die wir in diesem Clip sehen ...) Sie können eine zusätzliche Opposition selbst definieren.
Das semantische Differenzial zu Aufgabe 3 b gab binäre Begriffsoppositionen und
fünf Ausprägungsstufen vor:
++
körperlich stark
willensstark
unerotisch
schön
anständig
abhängig
[...]1
1
+
0
+
++
körperlich schwach
willensschwach
attraktiv, sexy
nicht schön
unanständig
emanzipiert
[...]
Die weiteren Oppositionen in dem Differenzial lauteten: reich / wohlhabend vs. arm; intelligent
vs. unintelligent; zickig vs. lieb / brav; selbstbewusst vs. unsicher; exotisch vs. normal; treu vs.
untreu; fleißig vs. faul; traurig vs. froh; liebevoll vs. gefühlskalt.
Zu A Little Less Conversation wurde angeboten:
Elvis
1. Bezeichnen Sie zwei Tanzpaare / Tänzer (nach ihrer Kleidung, ihrem Tanzstil)!
2. Nehmen Sie als Clip-Produzent Stellung zum Vorschlag eines Co-Produzenten,
a) statt der Tanzenden Sportler oder Musizierende zu nehmen ODER
b) die „Zellen“ statt in Rot in einer anderen Farbe zu halten.
3. Wählen Sie einen Auftrag:
a) Schreiben Sie einen assoziativen, essayistischen Text, in dem Sie den Clip mit der am
BSCW hinterlegten Bilddatei [vgl. Bildbox Fruchtblase] in Verbindung bringen.
b) Schreiben Sie ein fiktives Tagebuch eines der Tanzenden, in dem sie erörtern, ob sie sich
(im Clip) in der Hölle oder im Himmel befinden.
Eine Ergebnisdarstellung muss sich hier auf Repräsentatives beschränken. Die Beobachtungen zu Whenever, Wherever konzentrierten sich auf die Konstruktion(en)
von Weiblichkeit. Gekleidet wie eine Meerjungfrau, Indianerin, Ureinwohnerin,
umgeben von sehr elementaren Landschaften und inmitten von Freiheit und Wildheit anzeigenden Tieren [vgl. Bildbox Wildpferde], steht die Hauptfigur für ein (re)naturalisiertes, archaisches Weiblichkeitskonzept. Die Beobachter lassen diese
Frau, in Einklang mit der Natur, ganz überwiegend paradiesische, ja edenische
Träume erleben, in denen vielfältige Sinnesreize eine geradezu euphorische Selbsterfahrung auslösen. Gleichzeitig suggeriert der Clip das moderne Bild einer selbstbewussten, willensstarken, sich ungezügelt auslebenden, emanzipierten / unabhängigen Frau. Diese realitätsferne Paradoxie zeigt sich einmal als Nebeneinanderstellung von amazonenhaftem Auftreten und meerjungfräulicher Kleidung.
Bei A Little Less Conversation ging es zunächst darum, das breite kulturelle und
soziale Spektrum der Zelleninsassen zu erfassen, vom GoGo-Girl bis zur Gospelsängerin [vgl. die entsprechenden Bildboxen]. Tanz wird in den Produktionsbegründungen als universelles Ausdrucksmedium für Menschen aus allen Schichten und aller Altersklassen gewürdigt, die Farbe Rot aufgrund ihrer vorwiegend
positiven Konnotationen (Wärme, Lebendigkeit, Erotik): Noch nie was von einer
heißen Sohle gehört??? Oder Feuer unterm Hintern? Also, und welche Farbe hat
Hitze, Feuer??? Richtig: Rot. Die Kulisse wird also ROT!!! In den Texten zum
Fruchtblasenbild und den Himmel- / Hölle-Tagbüchern scheint gleichwohl die untergründige Bedrohlichkeit des Clipszenarios auf. Es gemahnt an die Erntefelder
aus dem Film Matrix und an einen anderen Ko-Text: Hängend in der Brutzelle,
Huxley lässt grüßen. Überwogen wird dieser auf Menschenzucht, Eingeschlossensein, Skinnerbox liegende Akzent jedoch vom Positiven: Im Tanzen vollzieht und
transzendiert sich die Existenz: Mein Körper bewegt sich wie von selbst zum
Rhythmus der Musik und die vorherigen Ängste sind vergessen und unwichtig ... Es
ist, als könnte man alle Sorgen ‚wegtanzen’, und man wünscht sich, dass dieser
Trancezustand nie mehr endet ...
Durch diese sprachlichen Anschlüsse zeigte sich also, wie Bedeutungen in den
Clips semiotisch codiert werden, z.B. über Kleidung, Farbgebung, Bewegung.
Nicht nur wurden in den Clips Zeichen(haftigkeiten) sichtbar; bemerkenswert waren auch die schreibdidaktischen Gewinne, die aus der Erprobung von „lebensnahen“ und / oder zur Kreativität einladenden Sprachregistern und Textsorten resultierten. Gleichzeitig haben die Schreiber insgesamt einen Beobachtungsraum abgesteckt, der wiederum zur Anschlusskommunikation einlud.
2.3 Einheit 3
Der erste Schritt dieser Anschlusskommunikation erfolgte in Form von Kommentierungen der am BSCW hinterlegten Texte. In deren Lektüre wurden Deutungstendenzen sichtbar, die begrifflich auf den Punkt oder aber in ihrer Gültigkeit beurteilt wurden. Zu den vier Produktionsentscheidungen - über Szenerien und Tiere
bei Shakira, über Tanzende und die Farbe Rot bei Elvis - war zweimal der verblüffendste / überzeugendste / abwegigste / aufschlussreichste Text zu kommentieren.
Überdies sollte man sich einem der Traumtexte zu Shakira begründend anschließen;
man sollte die Frage benennen, die die essayistischen Texte zur Fruchtblase in ihrer
Gesamtheit umkreisen und aus den Tagebüchern der Tanzenden die gegensätzlichsten auswählen. Somit wurden die individuellen sprachlichen Anschlüsse Gegenstand einer Kommunikation der Diskursgemeinschaft.
Auch hier sollen die Ergebnisse nur punktuell vorgestellt werden: Eine Kontroverse
zog beispielsweise die Begründung für menschenleere Landschaften (Shakira) auf
sich, welche mit der Opposition visueller Traumwelt und akustischer Wirklichkeit
operierte. Diese Unterscheidung wurde zweimal mitvollzogen, einmal abgewiesen.
Eine der Begründungen für die Tiere [vgl. Bildbox Anschlusstext] erfuhr Zustimmung von fünf KommentatorInnen, v.a. weil sie den Liedtext2 in die Argumentation einbezieht, den Symbolwert der Tiere plausibel macht, genau beschreibt und gut
2
Liedtexte sind beziehbar unter http://www.chartlyrics.de.
begründet und in ihrer Ausführlichkeit eine Art Summe der anderen Begründungen
darstellt [vgl. Bildbox Kommentierungen]. Mehrfachen Widerspruch erfährt der
(einzige) Text, der die Clip-Figur einen Alptraum träumen lässt: Zwar originell geschrieben, ist er problematisch, weil eher ein Alptraum beschrieben wird, Shakira
im Video aber recht glücklich wirkt. Favorisiert werden hier vor allem drei Texte,
weil sie ein Hineinversetzen ermöglichen, treffende Bilder und Beschreibungen
enthielten, zum (Weiter-)Träumen anregten, weil sie poetisch daherkommen, den
Clip durch ein Gedicht interpretieren.
Begründungen für die fiktive Produktion des Elvis-Clips werden z.B. positiv kommentiert, wenn und weil sie die Idee einer im Tanz verbundenen Menschheit ausdrücken, also dass Musik die Gesellschaft verbindet. Geschätzt wird auch, wenn
Texte der angenommenen Kommunikationssituation Rechnung tragen. Als witzig /
gewitzt wird ein Text gesehen, der den Co-Produzenten am Ende entlässt; ein leidenschaftliches Plädoyer für die Farbe Rot erhält Zustimmung, weil es authentisch
wirke: Der Text bietet eine Situation an, in welcher die Aussagen getroffen werden
könnten, und lässt deutlich Eigenschaften der Diskussionsparteien erkennen. Die
Zuspitzung der essayistischen Texte mündete in Fragestellungen, die v.a. den Kontrast von Freiheit vs. Eingesperrtsein / Enge, das Motiv der Menschenzucht und die
Befindlichkeiten der Menschen in den Zellen betreffen: Sind sie glücklich, gleichgültig, ohnmächtig, selbst verantwortlich, unfrei oder geborgen zu nennen? Mit
solchen Fragen gelangte die Beobachtung auf die begriffliche Ebene, blieb aber
dennoch offen. Kontrastiert wurde bei den Tagebüchern v.a. eines, welches heftig
den Scheißjob der Mitwirkung an der Produktion beklagt, mit zwei anderen, in der
sich die Rock ´n´ Roll-Tänzer im Himmel / auf Wolke sieben bzw. in einem sorglosen Paradies wähnen.
Fazit: Durch die Kommentierungsaufträge wurden aufmerksame Lektüren angestoßen, individuelle Erkenntnisse gefördert, konsensuelle Beobachtungen der Diskursgemeinschaft gestiftet.
2.4 Einheit 4
Die Kommentierungen wurden den Texten beigestellt und von den Studierenden
wiederum gelesen. Dies bereitete den Boden für ein abschließendes Plenumsgespräch, in dem Deutungsergebnisse und -tendenzen zusammengefasst und weiter
diskutiert werden konnten. Das gut 45-minütige Gespräch drehte sich, stets ausgehend von Texten und Kommentierungen der Studierenden, vor allem um das (ideologische, widersprüchliche) Frauenbild in Whenever, Wherever und, unter Rekurs
auf den Ko-Text Matrix, um die in A Little Less Conversation implizierte Lebensphilosophie.
In einer schriftlichen Evaluation äußerten die Studierenden, was die Gespräche und
das Schreiben der Texte und Kommentare Neues über die Clips für sie ergeben habe, und sie taxierten - in Anlehnung an den Medienkompetenzbegriff von Barth
(1999) - die Gewinnanteile von Kritik-, Nutzungs-, ästhetischer und Gestaltungskompetenz. Geäußert wurden eine gesteigerte Wahrnehmung darstellungsästhetischer und semantischer Qualitäten und eine hohe Funktionalität der praktizierten
Textumgangsformen. Die Lerngewinne gründen jedoch nicht nur in Analyse,
Nachdenken, Bewusstsein. Die ästhetische Kompetenz, also (im Sinne Barths) die
Neigung und die Fähigkeit zu feinnervigem, genussvollem Gewahrwerden eines
Objektes, veranschlagen die Studierenden mit einem überproportionalen Anteil von
30 Prozent. Es lässt sich schließen, dass dieser Umgang mit Videoclips die Oppositionen rational vs. affektiv, kritisch vs. genussvoll in einer imaginativen Rationalität (im Sinne von Lakoff / Johnson 1980) hinter sich gelassen hat.
Im Folgenden die (mögliche) Sequenz im Gesamtüberblick:
Thema
1
2
3
4
Einzelaktivitäten
• Rezeption von ca. 40 Minuten MTV (aus den European Top
20 vom 25.07.2002)
• Freie Aussprache zur Artikulation von Wahrnehmungen und
Fokussierung von Beobachtungsfeldern
• Individuelle Wiederholungsrezeption(en) der Clips A Little
Less Conversation und Whenever, Wherever
• Schreiben verschiedener Anschlusstexte nach Beobachtungsaufträgen
• Hinterlegung der Texte am BSCW
Extern:
Gruppierung der Korrelate am BSCW nach Clips bzw. Themenstellungen
Aushandlung der Korre- Lektüre und Kommentierungen der Anschlusstexte
late per Kommentierung
Extern:
• Sammeln und Anfügen der Kommentierungen
• Lektüre durch die Studierenden
Kommunikation über
• Schlussgespräch über ausgewählte Beobachtungen (Korrelate /
ausgewählte BeobachKommentare) und die Clips insgesamt
tungen / Evaluation
• Evaluation des Textumganges und der Kompetenzgewinne
Extern:
• Fertigstellung der Webseite
Wahrnehmung eines
MTV-Auszugs, Abstecken des Beobachtungsfeldes
Beobachtung zweier
Clips durch Anschluss
sprachlicher Korrelate
3. Fazit
Im Auftaktgespräch hatten TeilnehmerInnen geäußert: Also wenn Shakira da rumhüpft und sich lasziv zeigt, dann finde ich hat das keinen Sinn für mich. Also, da
steckt nichts dahinter. Bzw., die hüpft da rum und stellt sich dar, und es sei unwesentlich, ob da Pferde vorbeirennen oder nicht. Es war nicht herauszufinden, ob
und inwiefern diese drei Beobachter ihre Urteile revidiert haben. Die Ergebnisse
der Diskursgemeinschaft belegen jedoch, dass sich zwischen Anfang und Ende ihrer Aktivitäten erhebliche Wahrnehmungsvertiefungen und Beobachtungsschärfungen vollzogen haben: Es steckt eben, dies der Tenor, eine ganze Menge dahinter.
Sprachliche Beobachtung über Gespräch, imaginative Anschlüsse, Kommentierungen dieser Texte und diskursive (Meta-)Kommunikation, machten semiotischästhetische Werte verfügbar - für kritische Reflexion wie für genussvolle Hingabe.
In der Prägung von Begriffen, im Verfassen imaginativer Anschlüsse und deren
diskursiver Aushandlung liegt nicht nur einen Beitrag zu visueller Alphabetisierung, sondern auch ein erheblicher sprach- bzw. schreibdidaktischer Zugewinn für
die Lerner.
Erwähnte Literatur und Netzquellen (letzter Zugriff 12.12.2003)
Barth, Susanne (1999): Medien im Deutschunterricht. In: Praxis Deutsch 26, H.
153, S. 11-19.
Berghoff, Matthias / Frederking, Volker (2001): Umgang mit dem Fremden in
Sprache und Literatur. Internet-Kooperationsseminar und Unterrichts-Modell für
die Sekundarstufe. In: Wermke, Jutta (Hg.): Hören und Sehen: Beiträge zu Medien- und Ästhetischer Erziehung. München: kopäd, S. 169-189.
Lakoff, George / Johnson, Mark (1980): Metaphors We Live By. Chicago /
London: The University of Chicago Press.
http://www.bscw.de
http://www.chartlyrics.de
http://www.uni-bamberg.de/%7Eba4dd1/