(22.05.2009) News von den Old Country Folks

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(22.05.2009) News von den Old Country Folks
(22.05.2009) News von den Old Country Folks - CD "Tombstone 1881"
erscheint in Kürze
Die Band hat ihren vierten Tonträger eingespielt. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Band
sollte es etwas Besonderes sein. Es wurden ausschließlich eigene Stücke aufgenommen. Einige Titel
sind bereits bei "countrymusic.net" und "track4" in den Country-Charts vertreten. Sie können dort
angehört und gevotet werden. Weiterhin sind die Old Country Folks jetzt auch bei "myspace"
vertreten.
Quelle: Countrymusic.net
(22.05.2009) Taylor Swift - 'Es ist doch meist das Gleiche mit der Liebe' Amerikas Country-Wunder Taylor Swift will jetzt Europa erobern
Die Liste der neuen Mädchenwunder reißt nicht ab. Und auch die Geschichte von Taylor Swift
erzählt sich in Superlativen. Ihr selbst betiteltes Debüt verkaufte sich fast vier Millionen Mal, das
aktuelle Album 'Fearless' belegte mehrere Monate Platz eins der amerikanischen Charts. 2008 war
die mittlerweile 19-Jährige als 'Best New Artist' für den Grammy nominiert. Jetzt soll Taylor auch
Deutschland und den Rest von Europa erobern. Zur Verfügung hat sie dafür ihren freundlichen
Country-Pop, sehr lange Beine, blonde Locken und auffällig höfliches Benehmen.
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Quelle: Countrymusic.net
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(20.05.2009) Tribut an den Altmeister
KIRN (red). "A Tribute to Johnny Cash" ist eine Band aus sechs hessischen Musikern, die sich nach
dem Ableben der Country-Ikone der Aufgabe verschrieben haben, Cashs Andenken im
deutschsprachigen Raum würdig zu vertreten. Am Samstag, 6. Juni, treten sie um 21 Uhr auf der
Kyrburg auf. Einlass ist ab 20 Uhr, der Eintritt kostet sechs Euro. Selbstverständlich darf dabei ein
Glas Whisky zur Begrüßung nicht fehlen. "A Tribute to Johnny Cash" wollen die Songs des
Großmeisters, vom frühen Rockabilly bis zu Country und Folk, so authentisch spielen, dass seine
Musik weiterleben kann. Die Band besteht seit Frühjahr 2006 und hat fast das gesamte Werk Cashs
im Repertoire. Quelle main-rheiner de
(22.05.2009) Frühes Dylan-Gedicht basiert auf Lied von Hank Snow
Ein frühes Gedicht von Bob Dylan, das im Juni in New York unter den
Hammer kommt, basiert nach jüngsten Erkenntnissen auf einem Stück des
kanadischen Countrysängers Hank Snow. Nach Medienberichten über das
Dylan-Gedicht «Little Buddy» hätten sich Fans des verstorbenen Sängers
gemeldet, die den Text aus dem gleichnamigen Snow-Song wiedererkannt
hätten, erklärte eine Sprecherin des Auktionshauses Christie's am Mittwoch. Dylan verfasste das
Gedicht mit dem Titel «Little Buddy» 1957 als 16-Jähriger für die Zeitung eines Sommerlagers in
Wisconsin, wo er seine Ferien verbrachte. Er schrieb es noch unter seinem bürgerlichen Namen Bob
Zimmerman. Das Gedicht handelt vom gewaltsamen Tod eines Hundes. Laut der Website des Hank
Snow Country Music Centers schrieb Snow Text und Musik von «Little Buddy». Er nahm den Titel
1947 auf und trat damit regelmäßig in der Grand Ole Opry in Nashville auf. Dylan veränderte den
Text, indem er Wörter austauschte und mit eigenen ergänzte - ganz im Stil einer alten Folk- und
Country-Tradition. Das Auktionshaus Christie's rechnet für die Versteigerung am 23. Juni nach
eigenen Angaben mit einem Erlös zwischen 10.000 und 15.000 Dollar (bis zu 11.000 Euro). Quelle
net tribune
(19.05.2009) Tennessee feiert zwei große Musikfestivals
Bielefeld (dpa/tmn) - Country oder Rock'n'Roll? Diese Frage stellt sich Urlaubern im USBundesstaat Tennessee in der Zeit vom 11. bis 14. Juni. Darauf weist das Tourismusamt von
Tennessee in Bielefeld hin. Denn dann gehen mit der «CMA Musik Festival Fan Fair» in Nashville
und dem «Bonnaroo Music and Arts Festival» in Manchester zwei der größten Musikfestivals der
USA gleichzeitig über die Bühne. Das Country-Fest in Nashville gelte als größte Veranstaltung ihrer
Art weltweit. 2008 seien täglich mehr als 50 000 Besucher dabei gewesen. In Manchester stehen den
Angaben zufolge unter anderem Bruce Springsteen, Elvis Costello, Al Green und die Beastie Boys
auf dem Programm. Das Musikspektrum reiche von Rock über Folk und Hip-Hop bis Reggae. Beim
Bonnaroo-Fest werden insgesamt 80 000 Besucher erwartet. CMA Musik Festival:
www.cmafest.com - Music & Arts Festival: www.bonnaroo.com - Tennessee Tourismus:
www.tennessee.de
Texas Lightning - Western Bound
Von Pamela Böhm & Dorothee Junk
Eigentlich hatten sie im vergangenen Herbst eine kreative
Schaffenspause von unbestimmter Dauer angekündigt. Doch dann
konnte das Hamburger Quintett um den Comedy-Star Olli Dittrich und
seinen TV-Partner Jon Flemming Olsen der ihnen angebotenen Aufgabe
nicht widerstehen: Mit ihrem am 17. April in die deutschen Läden
kommenden Album "Western Bound" liefern Texas Lightning in
Kooperation mit dem Babelsberger Filmorchester den Soundtrack zu
dem Zeichentrickfilm "WinneToons – Die Legende vom Schatz im
Silbersee". Die Australierin Jane Comerford schrieb den Titelsong für
den Kinofilm zu der gleichnamigen und frei auf Karl May-Charakteren
basierenden TV-Serie: "Seven Ways to Heaven".
Inspiriert von dem süßen Cartoon, werden auf dem neuen Album neben Live-Aufnahmen auch
einige neue Lieder zu hören sein. Vielleicht ein Ansporn für die erfolgreiche Formation, die 2006 als
erste Countryband im Finale des Eurovision Song Contests antrat, weiterzumachen? Fans würden es
sich wünschen. Schließlich stehen von der bereits 1996 gegründeten Band, die nach diversen
Besetzungswechseln 2005 ihr erstes offizielles Album auf den Markt brachte, erst zwei Alben – und
zwei selbst produzierte Raritäten – in den Plattenläden.
"Seven Ways to Heaven", Titelsong des Films und Opener des Albums, lässt direkt den typischen
Sound erkennen, der einem von bisherigen Hits der Band im Ohr ist: eine Mischung aus Schlager,
Pop und Country. Eine eingängige Melodie, poppig-flotter Rhythmus und dazu eine leichte CountryNote machen den Song voraussehbar und gleichzeitig auch radio- und filmtauglich.
Ähnlich gestrickt sind auch "Summer Kiss", "Hurricane of Love" und "Out There Somewhere", die
sich alle in die Linie der Texas Lightning-Hits einreihen – eingängig, mit Ohrwurmpotential und
gute Laune versprechend. Ein besonderes Schmankerl ist "I Wish You Were Here". Der Titel lässt
schon ahnen, dass man den Song irgendwoher kennt, und auch die Melodie kommt einem sehr
bekannt vor. Aber woher? Spätestens beim instrumentalen Mundharmonika-Zwischenspiel wird das
klar: hier wurde der bekannten Winnetou-Melodie – ein Klassiker – ein Text verpasst. Ein Song zum
Seufzen und Schmunzeln. Selbst Pierre Brice wäre begeistert.
An den vereinzelt eingestreuten, symphonischen Instrumentalstücken auf "Western Bound" erkennt
man, dass es sich um einen Soundtrack handelt. Das "Arizona Main Theme" bietet eine Westerntypische, heroische Melodie zu flotten, mexikanischen Rhythmen, inklusive Mundharmonika-Solo.
Ähnlich klingt auch "Buffalo Chase in Arizona". "Dad's Theme" beginnt mit einem Gitarren-Duett,
das dann von einem symphonischen Satz in melancholisch stimmender Harmonik abgelöst wird,
während "Nscho-Tschi's Theme" teilweise an den Herr der Ringe-Soundtrack von Enya und
teilweise an die Musik von latein-amerikanischen Straßenmusikern erinnert. "Bobby’s Theme"
liefert dann noch eine tragische, Musical-hafte Happy End-Melodie. Alles Musik, die eines WesternTrickfilms würdig sind.
Als Auflockerung findet man neben diesen ganzen Soundtrack-Titeln noch das, wofür Texas
Lightning bekannt sind: Country-Fassungen bekannter Songs, hier als Live-Versionen mit Orchester.
Dabei macht das Quintett in Cowboy-Kleidung auch nicht vor anderen Filmsongs Halt: Sie covern
sowohl die Titelmelodie von "The Godfather" von Nino Rota – statt der Mandoline übernimmt die
Gitarre die Melodie, um den Song mehr dem Western-Genre anzupassen – als auch den Titelsong
der Kult-Serie "Ein Colt für alle Fälle". Auch wenn Lee Majors aka Colt Seavers nicht selbst singt,
sorgt die Version von "The Unknown Stuntman" dennoch für absolut gute Laune. Zu den
Coversongs gehören auch zwei echte Country-Titel: "Gentle On My Mind" von Tammy Wynette
passt mit dem Banjo-Picking und der schönen Orchester-Instrumentierung gut zum Soundtrack. Ein
echtes Highlight ist jedoch die Version von "On the Old Kentucky Shore" vom "Father of
Bluegrass", Bill Monroe. Das Arrangement mit zweistimmigem Gesang, teilweise a-cappella, ist ein
wahrer (Country-) Hörgenuss.
Fazit: Ein Mischmasch aus eigenen Songs, original Filmscore und Live-Cover-Versionen. Um das
Album von vorn bis hinten schön durch zu hören, gibt es zu viel Kraut und Rüben. Es sind aber auch
einige Gold-Nuggets darunter zu finden.
VÖ: 17. April
2009
Label: X-cell (Universal)
01 Seven Ways to Heaven (Radio Mix)
02 Gentle on my Mind (Liveat Berlin Adlershof)
03 Summer Kiss
04 Arizona Main Theme (Score)
On The Old Kentucky Shore (Liveat Berlin
05
Adlershof)
06 I Wish You Were Here
07 Dad's Theme (Score)
08 Hurricane of Love
09 The Godfather (Live at Berlin Adlershof)
10 Out There Somewhere
11 Nscho-Tschi's Theme (Score)
The Unknown Stuntman (Live at Berlin
12
Adelrshof)
13 Buffalo Chase in Arizona (Score)
14 Bobby's Theme (Score)
Virginia - Der Gitarrenladen schließt zuletzt
Den Donnerstagabend im New River Trail Cafe wird so leicht kein Einwohner des Dörfchens Fries
verpassen. Schon gegen Nachmittag trudeln die ersten Gäste ein, setzen sich auf abgewetzte Stühle
an wackligen Tischen, bestellen Sandwiches, Hamburger, Buchweizenpfannkuchen und Cola im
Plastikbecher. Auf Essen und Trinken aber kommt es nicht an, sondern nur auf die Musik. Schon
zupft jemand ein paar Töne auf seiner Gitarre, dann sind es zwei, drei Gäste, die den ersten Song
gemeinsam improvisieren.
Schließlich hat sich ein halbes Dutzend Musiker zusammengefunden mit Geige, Banjo, Bass,
Mandoline und Harfe. Wer mitspielen möchte, setzt sich einfach dazu. Es gibt keine Bühne, kein
Mikrofon, keinen Verstärker, nur ein paar Stühle im Halbkreis am Fenster. Eine Gage bekommt
niemand und verlangt auch niemand, denn Musik ist im äußersten Südwesten Virginias, in den
entlegenen Bergen und Tälern der Appalachen, ein selbstverständlicher Teil des Alltags. Und als
einzig wahre Musik gelten hier nach wie vor Bluegrass und Old Time Mountain Music, die
volkstümlichen Quellen und Wegbereiter der amerikanischen Country Music.
Einwanderer und Sklaven prägten die Musik
Schon ein Blick auf die Landkarte zeigt, dass man sich hier in einer Art Niemandsland befindet. Der
südwestliche Zipfel von Virginia schiebt sich weit hinaus in die Gebiete der Bundesstaaten North
Carolina, Tennessee, Kentucky und West Virginia. Erst um 1790 wurde dieses schwer zugängliche
Bergland von europäischen Einwanderern besiedelt, und als Mitte des neunzehnten Jahrhunderts
Zehntausende in den amerikanischen Westen strömten, lebten hier nur wenige Familien.
Dennoch ist es die Gegend, in der Nordamerika seine ureigene Musik kreierte. Für die Menschen
nämlich gab es kaum Abwechslung, Musik war ihre einzige Unterhaltung - mitgebracht von
schwarzen Sklaven aus Afrika, von schottischen, irischen und deutschen Bauern, später von
italienischen, polnischen und russischen Bergarbeitern, eine kuriose Mischung aus Instrumenten und
Stilrichtungen, die unter dem Begriff "Old Time Mountain Music" zusammengefasst wird.
Nur die Main Street und ein paar Geschäfte
Und hier, wo sich alle Straßen irgendwo im Gebirge verlieren, beginnt die Crooked Road. Sie macht
ihrem Namen alle Ehre: Krumm und kurvenreich windet sie sich über vierhundert Kilometer an der
Südgrenze Virginias durch Berge und Wälder bis fast nach Kentucky. Die Straße, so sagen die
Leute, sei so kurvig, dass man in manchen Windungen sein eigenes Rücklicht sehen könne. Dörfer
oder gar Städte gibt es selten, die Bauernhäuser stehen manchmal in kilometerweitem Abstand.
"Fifty miles of elbow room, left hand side and right hand side", heißt es über diesen Landstrich in
einem Country Song.
Fährt man dann doch einmal durch eine Kleinstadt, besteht sie aus kaum mehr als der typischen
Main Street mit einem urtümlichen Friseurladen, einem alteingesessenen Uhrmacher, einer
Eisenwarenhandlung, einem Gitarrengeschäft und einem Diner, der seit mindestens fünfzig Jahren
weder sein Aussehen noch seine Speisekarte verändert hat. Dort meint man auch am Tresen genau
jenen verschrobenen Alten wiederzuerkennen, den der Mountain-Musiker Kelly Harrell 1927 in
seinem Lied "Charlie, He's a Good Old Man" besang.
Fast jeder spielt ein Instrument
"Taking the crooked road" ist ein fester Begriff der Mountain Music. Jetzt ist er auch das MarketingEtikett für die vor zwei Jahren ins Leben gerufene Straße, die die wichtigsten Stationen der frühen
Country Music zusammenschließt. "Dafür mussten wir nichts künstlich schaffen, sämtliche Perlen
waren da, wir haben sie lediglich auf eine Kette gezogen", sagt Joe Wilson, Vorsitzender des
National Council for Traditional Arts, ein Schriftsteller und Musikliebhaber, der im Südwesten
Virginias verwurzelt ist. Angesichts der wenigen Einwohner ist die Anzahl der Musiker hier
erstaunlich hoch. Fast jeder spielt ein Instrument.
In der Nähe von Galax gibt es eine zwölf Kilometer lange Nebenstraße, an der kein einziges Dorf
steht, und doch sind seit 1920 aus den verstreuten Farmhäusern einunddreißig Bands
hervorgegangen. Die Menschen bevorzugen auch heute noch das eigene Musizieren vor dem
Konsum der Poptrends. "Musik ist einfach besser, wenn man sie selbst macht - wie hausgebackene
Biscuits im Vergleich zum abgepackten Brot im Laden", sagte einst die Sängerin und Banjospielerin
Dorothy Rorick, die den Frauen ihrer Generation diesen Rat fürs Leben gab: "Wenn du schon kein
Banjo spielen kannst, heirate wenigstens einen Banjo-Spieler."
Kaum jemand kann Noten lesen
Deshalb gibt es jeden Tag irgendwo eine spontane Session oder Jamboree. Die Leute treffen sich
ohne feste Verabredung, haben nie zusammen geübt, aber alle kennen die Standard-Songs und
können improvisieren. Kaum jemand kann Noten lesen, man hört einfach zu und spielt nach.
"Catching the tune" nennt man das hier. Die Texte handeln vom harten Leben auf dem Land und in
den Kohlebergwerken, von Eisenbahnunfällen und Familientragödien. Während der Sommermonate
finden hier und da auch Touristen den Weg zu den Sessions, aber während der restlichen Jahreszeit
sind die Farmer in Latzhosen, die Bergarbeiter in abgetragenen Jeans, die Teenager in schlichten TShirts und die Frauen mit ihren lila gefärbten, hochtoupierten Haaren unter sich.
Kultstatus hat der "Friday Night Jamboree" in Floyd. Im Country Store an der Hauptstraße räumt
man dann Regale und Tische beiseite und schafft Platz für vierhundert Sitzplätze. Noch einmal so
viele Zuhörer zwängen sich zum Konzert stehend in den Raum, und bei gutem Wetter scharen sich
tausend Menschen um die fünf oder sechs Bands, die sich entlang der Straße postieren. Vorher
verbringt manch einer den halben Tag in einem unscheinbaren Lagerhaus, dessen winziges
Reklameschild auf die Existenz der Firma County Sales hinweist, die beste Adresse in Amerika für
traditionelle Country Music auf Schallplatten, Kassetten und CDs.
Erfolgreiche Hinterwäldler
Das Blue Ridge Music Center zwischen Floyd und Galax, vor kurzem erst eröffnet, hat große Pläne
und soll sich zu einem wichtigen Anlaufpunkt an der Crooked Road entwickeln. Derzeit gibt es eine
kleine Ausstellung zur Country Music, die von den frühen Protagonisten und ihren Erfolgstiteln
erzählt: von Byrd Moores's Hot Shots, von Ernest Stoneman and his Dixie Mountaineers oder vom
legendären Dock Boggs, der von 1920 an ein halbes Jahrhundert lang in der Country-Szene aktiv
war. Und weil ein Music Center ohne Musik nicht denkbar ist, gibt es den ganzen Tag über
musikalische Einlagen von Amateurmusikern aus der Umgebung.
In Galax braucht man keine neuen Projekte, hier vibriert die Luft seit Jahrzehnten vor Bluegrass und
Old Time Mountain Music. In einem Friseurladen an der Main Street spielte in den zwanziger Jahren
eine Gruppe, die sich "The Hill Billies", "die Hinterwäldler", nannte und später eine der
einflussreichsten in der Geschichte der Country Music war. Nach ihr wurde das ganze Genre
zeitweise Hillbilly Music genannt. Die Jungs gingen auf Tournee durch ganz Amerika und traten
sogar vor dem Präsidenten im Weißen Haus auf. Heute wird nicht mehr beim Friseur gespielt, aber
wenn man in Barr's Fiddle Shop zufällig Stevie Barr antrifft, den Sohn des Besitzers, dann kann es
passieren, dass er zum Banjo greift, einen Song improvisiert und am Ende so begeistert davon ist,
dass er ins Studio rennt und gleich eine Aufnahme macht.
Gitarren, Geigen, Banjos
Jeden Freitagabend ist der renovierte Kinosaal des Rex Theater Schauplatz einer der letzten Live
Music Shows im amerikanischen Radio. In der "Blue Ridge Back Roads Show" spielen die Bands,
wie sollte es anders sein, ohne Gage, der Eintritt ist frei. Höhepunkt des Musikjahres in Galax aber
ist die Old Fiddlers Convention, ein Wettbewerb für Musiker, der seit 1935 ausgetragen wird.
Fünfzigtausend Menschen finden sich dazu ein, obwohl keine prominenten Künstler auftreten und
kaum Werbung gemacht wird. Zweitausend Nachwuchs- und Amateurmusiker bewerben sich um die
Auszeichnungen für Bands, für Banjo-, Mandolinen-, Bass-, Geigen- und Gitarrensolisten.
Musiker brauchen Instrumente, und deshalb gibt es in diesem Teil der Appalachen an jeder zweiten
Straßenkreuzung oder auch irgendwo mitten im Wald einen Instrumentenbauer, der in Handarbeit
Gitarren, Geigen oder Banjos herstellt. In dem abgeschiedenen Bergnest Mouth of Wilson an der
Crooked Road hat Wayne Henderson seine Werkstatt, der wohl beste Gitarrenbauer Amerikas, auf
dessen Warteliste viele berühmte Popmusiker stehen. Sie genießen bei ihm keinen Vorrang vor den
namenlosen Einheimischen, und sie bekommen ihr Instrument, wie anderswo oft üblich, auch nicht
umsonst: "Wenn die Stars sich keine gute Gitarre kaufen können, wer denn sonst?" ist Hendersons
Credo. Dass sich auch die weniger Betuchten unbedingt ein Instrument leisten wollen, sieht man in
Appalachia, einer sterbenden, fast schon gestorbenen Bergbaustadt im Kohlerevier an der Grenze zu
Kentucky. Dort ist mehr als die Hälfte aller Geschäfte mit Brettern vernagelt, der Rest sieht trostlos
aus; nur der Gitarrenladen ist adrett dekoriert und hält inmitten der allgemeinen Tristesse die
Stellung.
Museum der Country Music in Bristol
Das Städtchen Bristol hingegen befindet sich im Aufschwung. Es wurde vom amerikanischen
Kongress offiziell zum "Birthplace of Country Music" erklärt, und mit diesem Etikett soll in Zukunft
der Tourismus zum Blühen gebracht werden. Ein riesiges Wandgemälde in der Innenstadt zeugt vom
neuen Selbstbewusstsein. Und in den nächsten Jahren entsteht ein interaktives Museum zur
Geschichte und Gegenwart der Country Music, das zum Anlaufpunkt für alle Fans werden soll.
Bristol ist ohne Zweifel ein Meilenstein in der Popularisierung einer Musik, die lange Zeit
ausschließlich lokale Bedeutung besaß. 1927 fand hier ein Ereignis statt, das manche als "Big Bang"
der Country Music bezeichnen. Ein Talentsucher der Victor Talking Machine Company, einer der
ersten Schallplattenfirmen Amerikas, hatte von der Musikbegeisterung im Südwesten Virginias
gehört, machte sich mit einem mobilen Studio auf den beschwerlichen Weg in die Berge und suchte
per Zeitungsannonce Musiker für Plattenaufnahmen. Fünfzig Dollar bot er pro Schallplatte. Die
Branche brauchte damals jenseits der Klassik dringend neue Musik für die Grammophone, die sich
in den Vereinigten Staaten bestens verkauften, um auch unter der einfachen Bevölkerung neue
Käuferschichten zu erschließen. Das Experiment des Victor Labels in den Appalachen war
erfolgreich: Während der legendären "Bristol Sessions" wurden sechsundsiebzig Aufnahmen von
neunzehn Bands gemacht. Die meisten Musiker brachten es nur zu zwei oder drei Platten, doch in
Bristol begannen auch die glanzvollen Karrieren von Jimmie Rodgers und der Carter Family.
Abwechslung zur Farmarbeit
A.P. Carter, seine Frau Sara und deren Schwester Maybelle waren die ersten Stars der Country
Music, von denen sich Komponisten und Texter bis heute inspirieren lassen. Die Carter Family fuhr
im geborgten Auto zu den Sessions nach Bristol, hatte unterwegs vier platte Reifen und kehrte nach
der Aufnahme sofort auf ihre Farm zurück. Später nahm sie Hunderte von Platten auf, doch reich
wurde sie davon nicht. Trotz des Ruhms ist die Familie bodenständig geblieben, hat Kinder
aufgezogen, Felder beackert, einen Laden geführt. Zu sehr war vor allem A.P. Carter mit seiner
Bergheimat verwurzelt. "Taking the Crooked Road home" ist nicht nur ein Country Song, sondern in
den Appalachen damals wie heute eine Lebenseinstellung.
Nach dem Tod des alten Carter hielt Tochter Janette die Erinnerung an die Musik der ursprünglichen
Carter Family durch regelmäßige Konzertveranstaltungen im familieneigenen Country Store am
Leben. Als der Laden zu klein für das ständig wachsende Publikum wurde, errichtete man nebenan
eine Art Scheune, den Carter Family Fold, in der bis zu neunhundert Menschen Platz haben. Seit
1976 finden hier jahrein, jahraus jeden Samstagabend Auftritte von Country Bands statt. Johnny
Cash, verheiratet mit A.P. Carters Nichte June, ließ sich mehrfach hier sehen, er gab sogar seine
letzten beiden Konzerte auf der Bühne des Family Fold.
Wallfahrtsort für Fans von Old Time Mountain Music
Inzwischen hat sich der grob gezimmerte Schuppen im abgelegenen Dörfchen Hiltons zum
Wallfahrtsort für Fans von Bluegrass und Old Time Mountain Music gemausert. Mindestens
fünfhundert Menschen finden sich hier jeden Samstag ein, obwohl es im Umkreis von fünfzig
Kilometern keine einzige Unterkunft gibt. Sobald die Musik beginnt, springen die Zuhörer von ihren
Sitzen auf und rennen, hinken oder stolpern auf den Tanzboden vor der Bühne: Ehepaare, alt und
jung, kleine Kinder, Enkel mit Großmutter, Vater mit Tochter, Teenager in T-Shirt und
Baseballmütze, Frauen mit Hut und Cowboystiefeln, Bauern in abgetragener Latzhose, von weit her
gereiste Städter im eleganten Polohemd.
Der Eintritt kostet nur ein paar lächerliche Dollar, die Bibel liegt auf einem Tisch vor der Tanzfläche,
und direkt neben der Bühne befindet sich die Küche, in der die heutige Carter Family in einem
Chaos aus CDs, Ketchupflaschen, Papierhandtüchern, Plastikbechern, Hot Dogs und
selbstgebackenem Kuchen das ganze Ereignis organisiert. "I do the booking and the cooking", sagt
Rita Forrester, die Enkelin von A.P. Carter. Es ist nicht anders als damals in den Jahren des großen
musikalischen Erfolgs und so wie überall im Südwesten Virginias: Musik ist und bleibt eine
bodenständige Familienangelegenheit.
Von Volker Mehnert. Quelle Text: F.A.Z., 06.12.2007, Nr. 284 / Seite R3