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KREIS GÖPPINGEN
Mittwoch, 7. Dezember 2011
15
NWZ - 07.12.2011
AU S DE M INH ALT
Frisch Auf verliert
gegen Magdeburg
Seite 14
mit 29:30
Ausstellung im
Museum „Storchen“
zu Reklame Seite 23
Göppinger Bus-U
legt einen guten
Seite 16
Start hin
Apostelhöfe: Pläne liegen vor
Kritik an schlechter Informationspolitik – Wohnbau und CDU widersprechen
Tipp der Woche
Anzeige
Der Kalender
für Jung & Alt
Fünf Architekturbüros haben
Entwürfe für die Apostelhöfe
im Göppinger Zentrum eingereicht. Der Gemeinderat durfte
über Vorgaben und Inhalte
nicht mitreden. Das gefällt einigen Lokalpolitikern gar nicht.
ARND WOLETZ
Nikoläuse im
Einsatz für
„Gute Taten“
Seite 16
Erneute Beratung
über Mauer in
Albershausen Seite 17
Süßener müssen
mehr Hundesteuer
Seite 17
bezahlen
NACH RI CH T EN
Schneeglätte auf B 466
Kurz nach 13 Uhr
musste die B 466 zwischen Weißenstein und Böhmenkirch gestern wegen Schneeglätte gesperrt werde. Ein
Lastzug stand auf der Weißensteiner
Steige quer. Nachdem die Strecke
vom Schnee befreit und gestreut worden war, konnte die Bundesstraße gegen 13.50 Uhr wieder für den Verkehr
freigegeben werden.
Lauterstein.
Märklin-Ausstellung
Göppingen. Über Weihnachten und
den Jahreswechsel präsentiert die
Firma Märklin Schaustücke aus mehreren Jahrzehnten im Atrium des Göppinger Rathauses. Von 9. Dezember
bis 5. Januar werden alte und neue
Highlights der Traditionsfirma präsentiert, teilte die Stadtverwaltung gestern mit. Außerdem werden verschiedene Schauanlagen die Züge in Aktion zeigen. Unter dem Weihnachtsbaum soll eine LGB-Gartenbahn ihre
Kreise ziehen. Offiziell eröffnet wird
die Ausstellung am 13. Dezember um
17 Uhr durch OB Guido Till sowie die
Märklin-Geschäftsführer Stefan Löbich und Wolfrad Bächle. Geöffnet ist
die Ausstellung montags, dienstags
und mittwochs von 8 bis 16.30 Uhr,
donnerstags von 8 bis 18 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr. Samstags, sonntags und an Feiertagen ist das Rathaus
geschlossen.
Tierpark-Streit unlösbar?
Göppingen. Anlieger des Göppinger
Tierparks wollen unbedingt eine Verlegung der Einrichtung erreichen. Der
Tierpark existiert seit 86 Jahren, ihm
fehlt aber die baurechtliche Grundlage. Der Gemeinderat hat jetzt beschlossen, einen Bebauungsplan aufzustellen. Der Tierpark muss strenge
Auflagen erfüllt, soll aber nach dem
Willen der Stadt am jetzigen Standort
erhalten bleiben. Die Anliegerin Ulrike Kinzler-Straub betont: „Wir Anwohner sind überzeugt, dass es sich
bei dem Dauerstreit um einen unlösbaren Konflikt handelt, der nur durch
eine Verlegung gelöst werden kann.“
Mehr Sicherheitspersonal
Göppingen. Der Göppinger Gemein-
devollzugsdienst (GVD) hat jetzt 16
Mitarbeiter, zwölf davon in Voll- und
vier in Teilzeit. Drei Kollegen sind neu
hinzugekommen. „Die objektive Sicherheitslage in Göppingen ist gut“,
verwies Oberbürgermeister Guido Till
in einer Pressemitteilung der Stadt
auf die Kriminalitätsstatistiken der
vergangenen Jahre. Das subjektive Sicherheitsgefühl hingegen hänge weniger von tatsächlichen Verbrechenszahlen ab, als vielmehr von der Wahrnehmung uniformierter Beamter im
Alltag. Um den Sicherheitserwartungen der Bevölkerung, aber auch den
zunehmenden Aufgaben weiterhin
gerecht zu werden, sei die Mitarbeiterzahl beim GVD daher nochmals aufgestockt worden, erklärte Till.
Göppingen. Für die geplanten Apostelhöfe im Herzen der Göppinger Innenstadt liegen nun erste Entwürfe
vor. Fünf Architekturbüros hat die
städtische Wohnbau (WGG) zusammen mit der Nanz-Stiftung ausgewählt und beauftragt, sich Gedanken zu machen.
Vorgeschichte: Die Apostelhöfe
als innerstädtisches Quartier zwischen Marktstraße, Schützenstraße,
Grabenstraße und Geislinger Straße
waren wichtiger Teil eines Gesamtkonzepts, das der Gemeinderat im
Mai auf den Weg brachte. Das Areal
hinter dem Hotel Apostel soll das
Einkaufszentrum Bleichstraße mit
der Marktstraße verknüpfen.
Erste Pläne liegen nun vor und
werden derzeit von der Nanz-Stiftung, der Wohnbau und der Stadtplanung bewertet. Dennoch findet
Wohnbau-Chef Volker Kurz es „zu
früh“, über die Kriterien zu sprechen, mit denen die Architekten das
Areal planen. Es seien jedenfalls Büros mit breiter Streuung ausgewählt
worden – von Göppingen über Stuttgart bis München. Wenn die Prü-
Kritik und
Verständnis
bei den Fraktionen
fung fertig sei, werde die Öffentlichkeit informiert – möglichst noch vor
Weihnachten, hofft Kurz. Er stellt
klar: „Wir machen das nicht ohne
die Stadt.“ Es seien jedenfalls inzwischen so viele Grundstücke vorhanden, dass gebaut werden kann, so
Kurz. Inhaltlich wolle er zu den Plänen aber nichts sagen. Nach Informationen der NWZ sieht nur einer
der fünf Entwürfe den Erhalt des Hotels Apostel vor. Ein zweiter Entwurf
nimmt diese Möglichkeit als Option
auf.
Im Gemeinderat gibt es ganz unterschiedliche Bewertungen des Verfahrens. Die Fraktion der Grünen beharrt auf einer frühen Beteiligung
von Bürgern und Gemeinderat. Im
Falle des Apostel-Areals habe diese
bisher überhaupt nicht stattgefunden. Der Gemeinderat müsse laufend über den Stand der Planungen
unterrichtet werden, fordert Fraktionschef Christoph Weber und
11,99 e
erhältlich bei der NWZ Geschäftsstelle:
NWZ Göppingen, Rosenstraße 24,
73033 Göppingen
NWZ-Aktion
3g zu Gunsten der
Märklin-Berater
soll 14 Millionen
zahlen
Zentraler Bestandteil der geplanten Apostelhöfe sind die Flächen des Hotels „Zu den Aposteln“ (links) und die östlich anrenzenFoto: Archiv/Giacinto Carlucci
den Flächen. Rechts der Bildmitte die MCC-Kinos mit Parkhaus.
stellte eine entsprechende Anfrage
an die Stadt. Die Bürgervertreter
müssten Kriterien und Qualitätsstandards festlegen – und zwar vor
der Einbindung der Architekten,
meint Weber. Die SPD-Fraktion
könne das voll unterstreichen, sagte
Fraktionschef Armin Roos. Er habe
bisher keinerlei Informationen bekommen. „Das ist nicht der richtige
Weg. Wir wünschen uns, dass wir
jetzt bald eingebunden werden.“
Dagegen unterstützt die CDU-Fraktion das Vorgehen der Wohnbau.
Fraktionschef Felix Gerber sagte der
NWZ: „Ich verlasse mich zu 100 Prozent auf den Geschäftsführer Volker
Kurz. Wenn er etwas nicht an die Öffentlichkeit bringen will, dann hat
das seine Berechtigung.“ Gerber
merkt an: „Das Vorhaben ist von
ganz großer Bedeutung für die Innenstadt“, es brauche zunächst
aber Ruhe.
Eva Noller, die Göppinger Stadtplanerin, räumt ein, dass das Verfahren „von der Wohnbau organisiert
und bestimmt“ werde. Die Stadtverwaltung sei aber beteiligt. Wichtig
seien bei den Entwürfen vor allem
die Verlängerung der Pflegstraße
und der Bleichstraße in das Quartier hinein. Das Areal dürfe „keine
Insel werden“. Entscheidend sei außerdem, dass die Apostelhöfe am
Ende auch ihren Namen verdienen,
also eine lockere Quartierbebauung
mit zentralem Platz aufweisen.
Wert lege die Stadt auch auf möglichst leichte Zugänglichkeit und
eine qualitätsvolle Mischung bei
den Wohnungen.
Die Grünen im Gemeinderat fordern in einer Pressemitteilung, die
WGG und das Stadtplanungsamt
sowie der städtische Grundstücksverkehr müssten „ihre Planungen
nicht nur transparenter gestalten,
sondern auch auf einander abstimmen“. Das gelte auch für die Entwicklung im Quartier der westlichen Altstadt sowie in der nördlichen Innenstadt südlich des Freihof-Gymnasiums. Auch für diese
Areale fordern die Grünen in dem
Brief an die Verwaltung mehr Informationen ein. In seinem Antwortschreiben kündigte OB Guido Till
an, über das weitere Vorgehen der
Innenstadtentwicklung im Rahmen
einer der nächsten Sitzungen des
Gemeinderats zu informieren.
Kommentar
Die Apostelhöfe und die Göppinger Innenstadt
Der Göppinger Gemeinderat fasste am 26. Mai
den Beschluss, ein Einkaufszentrum in der Bleichstraße
zuzulassen. Wichtiger Bestandteil des Konzepts: Außer der Mall in der Bleichstraße soll in verschiedenen
Bauabschnitten das zentrale Quartier vom Hotel
Apostel über das MCC-Kino
bis hinter zur Geislinger
Straße entwickelt werden.
Das Gebiet umfasst nach
derzeitigem Stand knapp
7000 Quadratmeter.
Die Flächen befinden sich
zu einem erheblichen Teil
VfB-Stürmer zum Nikolaustag
Für den VfB-Fanclub in Heiningen war gestern schon Weihnachten: Zum Nikolaustag besuchte VfB-Stürmer Shinji Okazaki die „Staren“ im Heininger
Hof. Der freundliche Japaner
eroberte die Herzen.
JÜRGEN SCHÄFER
Heiningen.
Am
Nikolaustag
schwärmen die VfB-Spieler zu den
Fanclubs aus – und die Heininger
hatten Glück. Dass sie überhaupt
in die Lostrommel kamen, hatten
sie ihrem 15-jährigen Bestehen zu
verdanken. Und möglicherweise
dem Umstand, dass ihr damals
jüngstes Vereinsmitglied 18 geworden ist. Das hat der Vorsitzende Stefan Rotsch jedenfalls auch in die
Waagschale geworfen. Der Erfolg:
Der VfB schickte Shinji Okazaki
nach Heiningen. „Ein Super-Spieler“, strahlt Rotsch, „er hat für den
VfB wichtige Tore gemacht.“
Riesige Vorfreude erwartete den
25-jährigen Japaner. „Das ist die
Krönung unseres 15-jährigen Jubiläums“, erklärt der langjährige Vorsitzende Uli Maleika. Vorstand
Rotsch war mit Ehefrau Carmen,
ebenfalls VfB-Fan, aus Illertissen
angereist, und aus Geislingen stieß
Sohn Dominique dazu, der eigens
früher Feierabend gemacht hat.
Was sein Capo – kein VfB-Fan –
nicht verstehen konnte.
Timo, der mit Julian in der Kälte
wartet, hat Okazaki an einem be-
Gute
Taten
im Besitz der Nanz-Stiftung
(zirka 3100 Quadratmeter).
Weitere Grundstücke, vor
allem im zentralen Teil des
Quartiers, sind in städtischem Besitz. An der Geislinger Straße ist die städtischen Wohnbau mit Flächen vertreten, außerdem
mehrere Privateigentümer.
Geld für mehr
Krippenplätze
Kreis Göppingen. Die Kommunen
im Landkreis bekommen in den
kommenden Jahren mehr Geld für
den Ausbau der Kleinkindbetreuung. Bis 2013 muss jedes dritte Kind
einen Krippenplatz haben. Fachleute befürchten jedoch, dass das
Geld für mehr Qualität in der Betreuung nicht ausreicht.
Seite 20
Göppingen. Der Streit zwischen
den einstigen Geschäftspartnern
bei der missglückten Restrukturierung von Märklin ist vorerst entschieden: Die Unternehmensberatung Alix Partners, die den Investor
Kingsbridge vor seinem Einstieg bei
Märklin im Jahr 2006 beraten hatte,
soll gut 14 Millionen Euro Schadenersatz zahlen. Dies ist laut „Handelsblatt“ das Urteil des Schiedsgerichts, vor dem sich die beiden Parteien seit rund zwei Jahren streiten.
In der Urteilsbegründung ist danach als Grund für die Entscheidung die mangelhafte Buchprüfung
durch Alix vor dem Einstieg des Investors genannt. Entzweit hatte die
einstigen Geschäftspartner Kingsbridge und Alix Partners die Frage,
wer schuld an der Pleite des Modellbahnbauers im Februar 2009 war.
Kingsbridge Capital hatte von den
Unternehmensberatern wie berichtet 30 Millionen Euro Schadensersatz gefordert, so viel hatte der britische Finanzinvestor nach eigenen
Angaben bei seinem missglückten
Märklin-Engagement verloren. Der
Vorwurf: Falschberatung.
Alix will nun beim Oberlandesgericht München eine Aufhebung des
Schiedsspruches erreichen. „Wir akzeptieren den Verlauf des Verfahrens und den Schiedsspruch nicht“,
hieß es gestern in einer Stellungnahme von Alix. Und: „Der Schiedsspruch basiert auf einer Reihe von
offensichtlichen und schweren juristischen und faktischen Mängeln.“
Die Beratungsfirma, die für ihr Märklin-Engagement fast acht Millionen Euro erhalten haben soll, zeigte
sich vollkommen überzeugt von der
Qualität ihrer Arbeit: „Wir werden
weiterhin unsere Position mit aller
Vehemenz verteidigen.“
Kingsbridge hatte Märklin – bis
dahin im Familienbesitz – 2006 vor
der drohenden Insolvenz bewahrt.
Gemeinsam mit Alix verkündete
der Investor bereits 2007 eine gelungene Sanierung. Erst später wurde
klar, wie es tatsächlich um Märklin
stand. Bis 2008 war ein Konzernverlust von 13,6 Millionen aufgelaufen,
dann 16,6 Millionen und schließlich 21 Millionen Euro.
joa
KO MMEN TA R · APO STELHÖ FE
Glatter Fehlstart
E
Im Kreis neuer Freunde: VfB-Stürmer Shinji Okazaki (2.v.l.) besuchte gestern den
Foto: Jürgen Schäfer
Fanclub Heininger Staren.
sonderen Tag gesehen: an seinem
elften Geburtstag. Da schoss der Japaner das erste Tor gegen Hannover. „Schon aufgeregt“ ist auch Felix (15), weil er noch nie einen Spieler live gesehen hat. Für Chris (7)
ist es hingegen ein Wiedersehen:
Er hat Okazaki mal nach einem
Spiel kennengelernt, zum FotoShooting,
Und dann ist es soweit: freundlich, lächelnd, zurückhaltend, immer wieder Verbeugungen andeutend, begrüßt der athletische Fußballprofi die Gastgeber. Er dankt ihnen für die Unterstützung im Stadion und verspricht, sein Bestes
für den VfB zu geben. Schnell
macht er mit dem Nikolaus Bekanntschaft, den man in Japan nur
als Weihnachtsmann kennt – als
Santa Claus. Der Heininger Nikolaus ist natürlich VfB-Fan und legt
Okazaki ans Herz, das Siegtor gegen Bayern zu schießen.
Fan-Gesänge klingen dezent an,
alle versammeln sich zum Foto vor
der wandgroßen Fahne, und schon
rollen die Autogrammwünsche an.
Wieder und wieder wirft Okazaki
seine japanischen Schriftzeichen
auf Fotos und alle möglichen Textilien, trägt sich ins Gästebuch des
Heininger Hofs ein und verspricht,
wiederzukommen – aber nur,
wenn er viele Tore geschossen hat.
s sollte zum Einmaleins der
Stadtplanung gehören: Man
muss die Bürger frühzeitig
über Großprojekte informieren.
Transparentes Vorgehen schafft
die nötige Akzeptanz.
Diese Vorsätze werden neuerdings landauf landab anerkannt.
Sie sollten auch in Göppingen
gelten. Manchmal ist aber immer
noch das Gegenteil der Fall. Ein
gutes halbes Jahr, nachdem die
Wohnbau die gute Idee vorgestellt
hatte, mit den Apostelhöfen die
Verbindung der Einkaufsquartiere in der Marktstraße und der
Bleichstraße herzustellen, ist es
still geworden. Doch hinter den
Kulissen hat die Wohnbau bereits
von fünf Architekturbüros Ideen
angefordert. Nicht einmal der Gemeinderat wurde vorher darüber
informiert – geschweige denn die
Öffentlichkeit. Inhalte, Vorgaben
und Flächen blieben im Dunkeln.
Das ist ein glatter Fehlstart. Die
gewählten Bürgervertreter müssen wissen, was in der Stadt läuft.
Die Apostelhöfe sind – auch wenn
private Grundstücksbesitzer beteiligt sind – ein zentrales Zukunftsprojekt für die Stadt und der in ihr
lebenden Menschen, samt ihrer
politischen Vertreter. Der Gemeinderat muss zunächst die wichtigsten Kriterien für die Bebauung
festlegen. Die Kritik von Grünen
und SPD trifft also ins Schwarze.
Die Menschen haben genug
von städtebaulichen Sünden, die
Investoren in aller Stille planen.
Es ist unbequem, wenn Bürgervertreter von Anfang an mitreden. In
diesem zentralen Gebiet führt
aber kein Weg daran vorbei.
ARND WOLETZ
KREIS GÖPPINGEN
AU S DE M INH ALT
Frisch Auf verliert
gegen Magdeburg
Seite 14
mit 29:30
Ausstellung im
Museum „Storchen“
zu Reklame Seite 23
Göppinger Bus-U
legt einen guten
Seite 16
Start hin
Mittwoch, 7. Dezember 2011
Apostelhöfe: Pläne liegen vor
Kritik an schlechter Informationspolitik – Wohnbau und CDU widersprechen
Tipp der Woche
15
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Der Kalender
für Jung & Alt
Fünf Architekturbüros haben
Entwürfe für die Apostelhöfe
im Göppinger Zentrum eingereicht. Der Gemeinderat durfte
über Vorgaben und Inhalte
nicht mitreden. Das gefällt einigen Lokalpolitikern gar nicht.
ARND WOLETZ
Nikoläuse im
Einsatz für
„Gute Taten“
Seite 16
Erneute Beratung
über Mauer in
Albershausen Seite 17
Süßener müssen
mehr Hundesteuer
Seite 17
bezahlen
NACH RI CH T EN
Schneeglätte auf B 466
Kurz nach 13 Uhr
musste die B 466 zwischen Weißenstein und Böhmenkirch gestern wegen Schneeglätte gesperrt werde. Ein
Lastzug stand auf der Weißensteiner
Steige quer. Nachdem die Strecke
vom Schnee befreit und gestreut worden war, konnte die Bundesstraße gegen 13.50 Uhr wieder für den Verkehr
freigegeben werden.
Lauterstein.
Märklin-Ausstellung
Göppingen. Über Weihnachten und
den Jahreswechsel präsentiert die
Firma Märklin Schaustücke aus mehreren Jahrzehnten im Atrium des Göppinger Rathauses. Von 9. Dezember
bis 5. Januar werden alte und neue
Highlights der Traditionsfirma präsentiert, teilte die Stadtverwaltung gestern mit. Außerdem werden verschiedene Schauanlagen die Züge in Aktion zeigen. Unter dem Weihnachtsbaum soll eine LGB-Gartenbahn ihre
Kreise ziehen. Offiziell eröffnet wird
die Ausstellung am 13. Dezember um
17 Uhr durch OB Guido Till sowie die
Märklin-Geschäftsführer Stefan Löbich und Wolfrad Bächle. Geöffnet ist
die Ausstellung montags, dienstags
und mittwochs von 8 bis 16.30 Uhr,
donnerstags von 8 bis 18 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr. Samstags, sonntags und an Feiertagen ist das Rathaus
geschlossen.
Tierpark-Streit unlösbar?
Göppingen. Anlieger des Göppinger
Tierparks wollen unbedingt eine Verlegung der Einrichtung erreichen. Der
Tierpark existiert seit 86 Jahren, ihm
fehlt aber die baurechtliche Grundlage. Der Gemeinderat hat jetzt beschlossen, einen Bebauungsplan aufzustellen. Der Tierpark muss strenge
Auflagen erfüllt, soll aber nach dem
Willen der Stadt am jetzigen Standort
erhalten bleiben. Die Anliegerin Ulrike Kinzler-Straub betont: „Wir Anwohner sind überzeugt, dass es sich
bei dem Dauerstreit um einen unlösbaren Konflikt handelt, der nur durch
eine Verlegung gelöst werden kann.“
Mehr Sicherheitspersonal
Göppingen. Der Göppinger Gemein-
devollzugsdienst (GVD) hat jetzt 16
Mitarbeiter, zwölf davon in Voll- und
vier in Teilzeit. Drei Kollegen sind neu
hinzugekommen. „Die objektive Sicherheitslage in Göppingen ist gut“,
verwies Oberbürgermeister Guido Till
in einer Pressemitteilung der Stadt
auf die Kriminalitätsstatistiken der
vergangenen Jahre. Das subjektive Sicherheitsgefühl hingegen hänge weniger von tatsächlichen Verbrechenszahlen ab, als vielmehr von der Wahrnehmung uniformierter Beamter im
Alltag. Um den Sicherheitserwartungen der Bevölkerung, aber auch den
zunehmenden Aufgaben weiterhin
gerecht zu werden, sei die Mitarbeiterzahl beim GVD daher nochmals aufgestockt worden, erklärte Till.
Göppingen. Für die geplanten Apostelhöfe im Herzen der Göppinger Innenstadt liegen nun erste Entwürfe
vor. Fünf Architekturbüros hat die
städtische Wohnbau (WGG) zusammen mit der Nanz-Stiftung ausgewählt und beauftragt, sich Gedanken zu machen.
Vorgeschichte: Die Apostelhöfe
als innerstädtisches Quartier zwischen Marktstraße, Schützenstraße,
Grabenstraße und Geislinger Straße
waren wichtiger Teil eines Gesamtkonzepts, das der Gemeinderat im
Mai auf den Weg brachte. Das Areal
hinter dem Hotel Apostel soll das
Einkaufszentrum Bleichstraße mit
der Marktstraße verknüpfen.
Erste Pläne liegen nun vor und
werden derzeit von der Nanz-Stiftung, der Wohnbau und der Stadtplanung bewertet. Dennoch findet
Wohnbau-Chef Volker Kurz es „zu
früh“, über die Kriterien zu sprechen, mit denen die Architekten das
Areal planen. Es seien jedenfalls Büros mit breiter Streuung ausgewählt
worden – von Göppingen über Stuttgart bis München. Wenn die Prü-
Kritik und
Verständnis
bei den Fraktionen
fung fertig sei, werde die Öffentlichkeit informiert – möglichst noch vor
Weihnachten, hofft Kurz. Er stellt
klar: „Wir machen das nicht ohne
die Stadt.“ Es seien jedenfalls inzwischen so viele Grundstücke vorhanden, dass gebaut werden kann, so
Kurz. Inhaltlich wolle er zu den Plänen aber nichts sagen. Nach Informationen der NWZ sieht nur einer
der fünf Entwürfe den Erhalt des Hotels Apostel vor. Ein zweiter Entwurf
nimmt diese Möglichkeit als Option
auf.
Im Gemeinderat gibt es ganz unterschiedliche Bewertungen des Verfahrens. Die Fraktion der Grünen beharrt auf einer frühen Beteiligung
von Bürgern und Gemeinderat. Im
Falle des Apostel-Areals habe diese
bisher überhaupt nicht stattgefunden. Der Gemeinderat müsse laufend über den Stand der Planungen
unterrichtet werden, fordert Fraktionschef Christoph Weber und
11,99 e
erhältlich bei der NWZ Geschäftsstelle:
NWZ Göppingen, Rosenstraße 24,
73033 Göppingen
NWZ-Aktion
3g zu Gunsten der
Gute
Taten
Märklin-Berater
soll 14 Millionen
zahlen
Zentraler Bestandteil der geplanten Apostelhöfe sind die Flächen des Hotels „Zu den Aposteln“ (links) und die östlich anrenzenFoto: Archiv/Giacinto Carlucci
den Flächen. Rechts der Bildmitte die MCC-Kinos mit Parkhaus.
stellte eine entsprechende Anfrage
an die Stadt. Die Bürgervertreter
müssten Kriterien und Qualitätsstandards festlegen – und zwar vor
der Einbindung der Architekten,
meint Weber. Die SPD-Fraktion
könne das voll unterstreichen, sagte
Fraktionschef Armin Roos. Er habe
bisher keinerlei Informationen bekommen. „Das ist nicht der richtige
Weg. Wir wünschen uns, dass wir
jetzt bald eingebunden werden.“
Dagegen unterstützt die CDU-Fraktion das Vorgehen der Wohnbau.
Fraktionschef Felix Gerber sagte der
NWZ: „Ich verlasse mich zu 100 Prozent auf den Geschäftsführer Volker
Kurz. Wenn er etwas nicht an die Öffentlichkeit bringen will, dann hat
das seine Berechtigung.“ Gerber
merkt an: „Das Vorhaben ist von
ganz großer Bedeutung für die Innenstadt“, es brauche zunächst
aber Ruhe.
Eva Noller, die Göppinger Stadtplanerin, räumt ein, dass das Verfahren „von der Wohnbau organisiert
und bestimmt“ werde. Die Stadtverwaltung sei aber beteiligt. Wichtig
seien bei den Entwürfen vor allem
die Verlängerung der Pflegstraße
und der Bleichstraße in das Quartier hinein. Das Areal dürfe „keine
Insel werden“. Entscheidend sei außerdem, dass die Apostelhöfe am
Ende auch ihren Namen verdienen,
also eine lockere Quartierbebauung
mit zentralem Platz aufweisen.
Wert lege die Stadt auch auf möglichst leichte Zugänglichkeit und
eine qualitätsvolle Mischung bei
den Wohnungen.
Die Grünen im Gemeinderat fordern in einer Pressemitteilung, die
WGG und das Stadtplanungsamt
sowie der städtische Grundstücksverkehr müssten „ihre Planungen
nicht nur transparenter gestalten,
sondern auch auf einander abstimmen“. Das gelte auch für die Entwicklung im Quartier der westlichen Altstadt sowie in der nördlichen Innenstadt südlich des Freihof-Gymnasiums. Auch für diese
Areale fordern die Grünen in dem
Brief an die Verwaltung mehr Informationen ein. In seinem Antwortschreiben kündigte OB Guido Till
an, über das weitere Vorgehen der
Innenstadtentwicklung im Rahmen
einer der nächsten Sitzungen des
Gemeinderats zu informieren.
Kommentar
Die Apostelhöfe und die Göppinger Innenstadt
Der Göppinger Gemeinderat fasste am 26. Mai
den Beschluss, ein Einkaufszentrum in der Bleichstraße
zuzulassen. Wichtiger Bestandteil des Konzepts: Außer der Mall in der Bleichstraße soll in verschiedenen
Bauabschnitten das zentrale Quartier vom Hotel
Apostel über das MCC-Kino
bis hinter zur Geislinger
Straße entwickelt werden.
Das Gebiet umfasst nach
derzeitigem Stand knapp
7000 Quadratmeter.
Die Flächen befinden sich
zu einem erheblichen Teil
VfB-Stürmer zum Nikolaustag
Für den VfB-Fanclub in Heiningen war gestern schon Weihnachten: Zum Nikolaustag besuchte VfB-Stürmer Shinji Okazaki die „Staren“ im Heininger
Hof. Der freundliche Japaner
eroberte die Herzen.
im Besitz der Nanz-Stiftung
(zirka 3100 Quadratmeter).
Weitere Grundstücke, vor
allem im zentralen Teil des
Quartiers, sind in städtischem Besitz. An der Geislinger Straße ist die städtischen Wohnbau mit Flächen vertreten, außerdem
mehrere Privateigentümer.
Geld für mehr
Krippenplätze
Kreis Göppingen. Die Kommunen
im Landkreis bekommen in den
kommenden Jahren mehr Geld für
den Ausbau der Kleinkindbetreuung. Bis 2013 muss jedes dritte Kind
einen Krippenplatz haben. Fachleute befürchten jedoch, dass das
Geld für mehr Qualität in der Betreuung nicht ausreicht.
Seite 20
Göppingen. Der Streit zwischen
den einstigen Geschäftspartnern
bei der missglückten Restrukturierung von Märklin ist vorerst entschieden: Die Unternehmensberatung Alix Partners, die den Investor
Kingsbridge vor seinem Einstieg bei
Märklin im Jahr 2006 beraten hatte,
soll gut 14 Millionen Euro Schadenersatz zahlen. Dies ist laut „Handelsblatt“ das Urteil des Schiedsgerichts, vor dem sich die beiden Parteien seit rund zwei Jahren streiten.
In der Urteilsbegründung ist danach als Grund für die Entscheidung die mangelhafte Buchprüfung
durch Alix vor dem Einstieg des Investors genannt. Entzweit hatte die
einstigen Geschäftspartner Kingsbridge und Alix Partners die Frage,
wer schuld an der Pleite des Modellbahnbauers im Februar 2009 war.
Kingsbridge Capital hatte von den
Unternehmensberatern wie berichtet 30 Millionen Euro Schadensersatz gefordert, so viel hatte der britische Finanzinvestor nach eigenen
Angaben bei seinem missglückten
Märklin-Engagement verloren. Der
Vorwurf: Falschberatung.
Alix will nun beim Oberlandesgericht München eine Aufhebung des
Schiedsspruches erreichen. „Wir akzeptieren den Verlauf des Verfahrens und den Schiedsspruch nicht“,
hieß es gestern in einer Stellungnahme von Alix. Und: „Der Schiedsspruch basiert auf einer Reihe von
offensichtlichen und schweren juristischen und faktischen Mängeln.“
Die Beratungsfirma, die für ihr Märklin-Engagement fast acht Millionen Euro erhalten haben soll, zeigte
sich vollkommen überzeugt von der
Qualität ihrer Arbeit: „Wir werden
weiterhin unsere Position mit aller
Vehemenz verteidigen.“
Kingsbridge hatte Märklin – bis
dahin im Familienbesitz – 2006 vor
der drohenden Insolvenz bewahrt.
Gemeinsam mit Alix verkündete
der Investor bereits 2007 eine gelungene Sanierung. Erst später wurde
klar, wie es tatsächlich um Märklin
stand. Bis 2008 war ein Konzernverlust von 13,6 Millionen aufgelaufen,
dann 16,6 Millionen und schließlich 21 Millionen Euro.
joa
NWZ - 07.12.2011
JÜRGEN SCHÄFER
Heiningen.
Am
Nikolaustag
schwärmen die VfB-Spieler zu den
Fanclubs aus – und die Heininger
hatten Glück. Dass sie überhaupt
in die Lostrommel kamen, hatten
sie ihrem 15-jährigen Bestehen zu
verdanken. Und möglicherweise
dem Umstand, dass ihr damals
jüngstes Vereinsmitglied 18 geworden ist. Das hat der Vorsitzende Stefan Rotsch jedenfalls auch in die
Waagschale geworfen. Der Erfolg:
Der VfB schickte Shinji Okazaki
nach Heiningen. „Ein Super-Spieler“, strahlt Rotsch, „er hat für den
VfB wichtige Tore gemacht.“
Riesige Vorfreude erwartete den
25-jährigen Japaner. „Das ist die
Krönung unseres 15-jährigen Jubiläums“, erklärt der langjährige Vorsitzende Uli Maleika. Vorstand
Rotsch war mit Ehefrau Carmen,
ebenfalls VfB-Fan, aus Illertissen
angereist, und aus Geislingen stieß
Sohn Dominique dazu, der eigens
früher Feierabend gemacht hat.
Was sein Capo – kein VfB-Fan –
nicht verstehen konnte.
Timo, der mit Julian in der Kälte
wartet, hat Okazaki an einem be-
KO MMEN TA R · APO STELHÖ FE
Glatter Fehlstart
E
Im Kreis neuer Freunde: VfB-Stürmer Shinji Okazaki (2.v.l.) besuchte gestern den
Foto: Jürgen Schäfer
Fanclub Heininger Staren.
sonderen Tag gesehen: an seinem
elften Geburtstag. Da schoss der Japaner das erste Tor gegen Hannover. „Schon aufgeregt“ ist auch Felix (15), weil er noch nie einen Spieler live gesehen hat. Für Chris (7)
ist es hingegen ein Wiedersehen:
Er hat Okazaki mal nach einem
Spiel kennengelernt, zum FotoShooting,
Und dann ist es soweit: freundlich, lächelnd, zurückhaltend, immer wieder Verbeugungen andeutend, begrüßt der athletische Fußballprofi die Gastgeber. Er dankt ihnen für die Unterstützung im Stadion und verspricht, sein Bestes
für den VfB zu geben. Schnell
macht er mit dem Nikolaus Bekanntschaft, den man in Japan nur
als Weihnachtsmann kennt – als
Santa Claus. Der Heininger Nikolaus ist natürlich VfB-Fan und legt
Okazaki ans Herz, das Siegtor gegen Bayern zu schießen.
Fan-Gesänge klingen dezent an,
alle versammeln sich zum Foto vor
der wandgroßen Fahne, und schon
rollen die Autogrammwünsche an.
Wieder und wieder wirft Okazaki
seine japanischen Schriftzeichen
auf Fotos und alle möglichen Textilien, trägt sich ins Gästebuch des
Heininger Hofs ein und verspricht,
wiederzukommen – aber nur,
wenn er viele Tore geschossen hat.
s sollte zum Einmaleins der
Stadtplanung gehören: Man
muss die Bürger frühzeitig
über Großprojekte informieren.
Transparentes Vorgehen schafft
die nötige Akzeptanz.
Diese Vorsätze werden neuerdings landauf landab anerkannt.
Sie sollten auch in Göppingen
gelten. Manchmal ist aber immer
noch das Gegenteil der Fall. Ein
gutes halbes Jahr, nachdem die
Wohnbau die gute Idee vorgestellt
hatte, mit den Apostelhöfen die
Verbindung der Einkaufsquartiere in der Marktstraße und der
Bleichstraße herzustellen, ist es
still geworden. Doch hinter den
Kulissen hat die Wohnbau bereits
von fünf Architekturbüros Ideen
angefordert. Nicht einmal der Gemeinderat wurde vorher darüber
informiert – geschweige denn die
Öffentlichkeit. Inhalte, Vorgaben
und Flächen blieben im Dunkeln.
Das ist ein glatter Fehlstart. Die
gewählten Bürgervertreter müssen wissen, was in der Stadt läuft.
Die Apostelhöfe sind – auch wenn
private Grundstücksbesitzer beteiligt sind – ein zentrales Zukunftsprojekt für die Stadt und der in ihr
lebenden Menschen, samt ihrer
politischen Vertreter. Der Gemeinderat muss zunächst die wichtigsten Kriterien für die Bebauung
festlegen. Die Kritik von Grünen
und SPD trifft also ins Schwarze.
Die Menschen haben genug
von städtebaulichen Sünden, die
Investoren in aller Stille planen.
Es ist unbequem, wenn Bürgervertreter von Anfang an mitreden. In
diesem zentralen Gebiet führt
aber kein Weg daran vorbei.
ARND WOLETZ