Freue dich, du Gottesstadt!

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Freue dich, du Gottesstadt!
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Freue dich, du
Gottesstadt!
Impulse zur Verkündigung
an den Sonntagen vor dem Besuch
von Papst Benedikt XVI.
in Altötting
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Freue dich, du Gottesstadt!
Impulse zur Verkündigung
an den Sonntagen vor dem Besuch
von Papst Benedikt XVI. in Altötting
Andrea Pichlmeier
Bischöfliches Seelsorgeamt Passau
2006
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Nachstehende Impulse zur Verkündigung dienen der pastoralen Vorbereitung auf den Besuch des Heiligen Vaters, Papst
Benedikt XVI. am 11. September 2006 in Altötting.
Statio (Einführung) und Kyrie, sowie die Fürbitten sind jeweils
ausgeführt. Kurze Auszüge aus einer der Schriften des Theologen Joseph Ratzinger mögen helfen, das Evangelium des betreffenden Sonntags bzw. Festes zu erschließen.
Die beiden Lieder, die am Anfang und am Ende des Gottesdienstes zum Fest Maria Himmelfahrt angegeben sind, werden
auch beim Gottesdienst mit Papst Benedikt XVI. in Altötting gesungen werden. Auch ihre Klänge mögen uns einstimmen auf
dieses frohe Ereignis: Freue dich, du Gottesstadt!
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15. August 2006 · Hochfest der
Aufnahme Mariens in den Himmel
Eingangslied
Freue dich, du Gottesstadt!
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Impulse zur Verkündigung
Einführung
Es beginnt damit, dass der Himmel bei ihr eintritt, in Gestalt
eines Engels. Mit dem Himmel im Herzen macht sie sich auf
den Weg und verkündet das Erbarmen Gottes. Mit der Sehnsucht nach dem Himmel in unseren Herzen haben wir uns auf
den Weg gemacht und uns versammelt, um mit Maria das Lob
unseres Gottes zu singen. Damit hat auch unsere Aufnahme in
den Himmel bereits begonnen: Jeder Jubel und jede Klage, alles, was wir mitgebracht haben in diese Stunde, was wir gelebt und erlitten haben, ist für immer aufgehoben bei IHM. Und
ER selbst ist für immer bei uns. Grüßen wir den Auferstandenen in unserer Mitte:
Herr Jesus, du Sohn des ewigen Vaters: Kyrie eleison.
Du Kind der Jungfrau Maria: Kyrie eleison.
Du Wort, das Fleisch geworden in unsrer Mitte:
Christe eleison.
Du Licht, in unserm Dunkel erschienen: Christe eleison.
Du Heiland der Armen und Kranken: Kyrie eleison.
Du Retter aus Tod und Sünde: Kyrie eleison. (GL 495.3)
Erste Lesung: Offb 11,19a; 12,1-6a.10ab
Zweite Lesung: 1 Kor 15,20-27a
Evangelium: Lk 1,39-56
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Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel
Impulse zur Verkündigung
Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. (Lk 1,48)
„Zunächst ist uns ja wohl heute allen bewußt, daß wir mit dem
Wort ‚Himmel‘, von dem im heutigen Fest die Rede ist, nicht
einen Ort irgendwo über den Sternen meinen, sondern etwas
viel Größeres und freilich viel schwerer zu Sagendes, nämlich
dies, daß Gott Platz hat für den Menschen und daß Gott dem
Menschen Ewigkeit gibt. In unserem eigenen Leben erfahren
wir schon, daß ein Mensch dann, wenn er gestorben ist, im Gedächtnis derer, die ihn gekannt und geliebt haben, noch irgendwie fortbesteht. In ihnen ist ein Stück seiner selbst lebendig geblieben. Aber freilich ist es nur ein Stück von ihm, gleichsam
ein Schatten von ihm, und eines Tages werden auch diese
Menschen sterben und jenes Fortleben, das sie ihm durch ihre Liebe schenken konnten, wird beendet sein. Gott aber vergeht nie und wir alle bestehen davon her, daß er uns liebt, daß
er uns schöpferisch gedacht hat, so daß wir sind. In seiner Liebe gründet unsere Ewigkeit. Wen Gott liebt, der vergeht nicht
mehr. In ihm, in seinem Gedenken und Lieben lebt nicht nur
ein Schatten unserer selbst fort, sondern in ihm, in seiner
schöpferischen Liebe, sind wir selber in unserem Ganzen und
Eigentlichen für immer bewahrt und unsterblich.
Seine Liebe ist es, die unsterblich macht und diese Unsterblichkeit gewährende Liebe, sie ist es, die wir ‚Himmel‘ nennen. Der Himmel ist so gar nichts anderes als eben dies, daß
Gott groß genug ist, um auch für uns geringe Wesen Platz zu
haben. Und der Mensch Jesus, der zugleich Gott ist, ist für
uns die unendliche Bürgschaft dafür, daß Mensch-sein und
Gott-sein ewig ineinander bestehen und leben können. Ich
denke, wenn man das begriffen hat, versteht man auch schon
ein wenig, was das seltsame Wort von der ‚leiblichen Aufnahme in die himmlische Herrlichkeit‘ sagt.“
aus: Joseph Ratzinger, Dogma und Verkündigung, Donauwörth 42005, S. 412f.
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Impulse zur Verkündigung
Fürbitten
Lebendiger Gott, du hast unsere Schwester Maria mit Leib und
Seele aufgenommen bei dir. Du kennst unsere menschlichen
Hoffnungen und Nöte. Voll Vertrauen beten wir zu dir:
Für unseren Papst Benedikt, der die Mutter unseres Herrn tief
verehrt. Lass ihn auf offene Ohren und offene Herzen treffen,
wenn er wie Maria deine Großtaten verkündet.
V: Du Gott des Lebens.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
Für deine Kirche, die unterwegs ist durch die Zeit. Gib ihr Gelassenheit in den Umbrüchen, die unsere Welt erschüttern und
mache sie zu einem Zeichen der Hoffnung.
V: Du Gott des Lebens.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
Für alle Frauen, die ein Kind erwarten. Mache sie zu Künderinnen des Lebens und ebne ihnen und ihren Kindern Wege in
die Zukunft.
V: Du Gott des Lebens.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
Für alle, die um einen lieben Menschen trauern. Tröste sie mit
deiner Nähe und öffne ihnen die Augen für die Gemeinschaft
der Heiligen, die leben in dir.
V: Du Gott des Lebens.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
Mit Maria glauben wir, dass sich erfüllt, was wir in Jesu Namen erbitten. Durch ihn loben und preisen wir dich jetzt und
in Ewigkeit. Amen.
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Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel
Schlusslied
Gegrüßet seist du, Königin (vgl. GL 573)
V: Gegrüßet seist du, Königin,
V: Erhabne Frau und Herrscherin,
A: O Maria.
A: O Maria.
A: Freut euch, ihr Cherubim, lobsingt, ihr Seraphim,
grüßet eure Königin: Salve, salve, salve Maria!
V: Du Jungfrau, die sich Gott erwählt,
V: du große Tochter Israels,
A: O Maria.
A: O Maria.
V: Du Wurzel, der das Heil entsprießt,
V: du Tor des Lichtes, sei gegrüßt,
A: O Maria.
A: O Maria.
V: Du hast geborn den Herrn der Welt,
V: der dich erschaffen und erwählt,
A: O Maria.
A: O Maria.
V: Gelobt sei die Dreifaltigkeit,
V: der eine Gott in Ewigkeit,
A: O Maria.
A: O Maria.
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Impulse zur Verkündigung
20. August 2006
20. Sonntag im Jahreskreis (B)
Einführung
Um am Leben zu bleiben, müssen wir essen und trinken. Für
das Neugeborene sind Nahrung und Zuwendung eins, wenn es
an der Brust seiner Mutter liegt und trinkt. So haben wir alle
angefangen. Wie phantasievoll, und wie liebevoll, dass der Auferstandene uns sein Leben zu essen und zu trinken gibt. Seine Liebe ist unsere Nahrung. So also bist du, Jesus, ganz konkret und ganz menschlich, du, der Lebendige in unserer Mitte, den wir grüßen mit dem Ruf der Alten Kirche:
Herr Jesus, du bist vom Himmel gekommen: Kyrie eleison.
Du hast dich hingegeben für alle Menschen: Christe eleison.
Du reichst uns das Brot des ewigen Lebens: Kyrie eleison.
Erste Lesung: Spr 9,1-6
Zweite Lesung: Eph 5,15-20
Evangelium: Joh 6,51-58
Impulse zur Verkündigung
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige
Leben. (Joh 6,54)
„Wir haben ja gerade die dramatischen, an Deutlichkeit nicht
zu überbietenden Worte Jesu aus dem Johannesevangelium
gehört: ‚Wer mein Fleisch nicht ißt und mein Blut nicht trinkt,
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20. Sonntag im Jahreskreis (B)
kann das Leben nicht haben… Mein Fleisch ist wahre Speise…‘ (Joh 6,53.55) Als das Murren der Juden anhob, hätte der
Widerspruch leicht gestillt werden können durch die Versicherung: Freunde, regt euch nicht auf; dies war nur eine bildliche
Rede; die Speise bedeutet nur das Fleisch, ist es aber nicht! –
Nichts davon im Evangelium. Jesus verzichtet auf solche Besänftigung, er sagt nur mit neuer Nachdringlichkeit, daß dies
Brot leibhaftig gegessen werden muß. Es sagt, daß der Glaube an den menschgewordenen Gott einen leibhaftigen Gott
glaubt und daß dieser Glaube zum wahren, erfüllten Glauben,
zum Einswerden erst wird, wenn er selbst leibhaftig ist, wenn
er sakramentales Geschehen ist, in dem der leibhaftige Herr
unsere leibhaftige Existenz ergreift. […]
Augustinus hat dies in seiner Kommunionfrömmigkeit tief verstanden. In der Zeit vor seiner Bekehrung, in seinem Ringen
um die Leiblichkeit des Christlichen, die ihm vom platonischen
Idealismus her ganz unzugänglich war, hatte er eine Art Vision,
in der er eine Stimme hörte, die zu ihm sagte: ‚Ich bin das Brot
der Starken, iß mich! Doch nicht du wirst mich in dich verwandeln, sondern ich werde dich in mich verwandeln.‘ Beim
gewöhnlichen Essen ist es so, daß der Mensch der Stärkere ist.
Er nimmt die Dinge auf und sie werden in ihn assimiliert, so
daß sie Teil seiner eigenen Substanz werden. Sie werden in ihn
umgewandelt und bauen seine leibliche Existenz auf. Aber im
Zueinander mit Christus ist es umgekehrt; er ist die Mitte, er
ist der Eigentliche. Wenn wir wahrhaft kommunizieren, heißt
dies, daß wir aus uns herausgenommen werden, daß wir in ihn
hineinassimiliert werden, daß wir eins werden mit ihm und
durch ihn mit der Gemeinschaft der Brüder.“
aus: Joseph Ratzinger, Gott ist uns nah. Eucharistie: Mitte des Lebens, Augsburg 22005, S. 78f.
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Fürbitten
Herr Jesus Christus, du reichst uns das Brot und du reichst uns
den Wein. Du weißt, was wir zum Leben brauchen. Darum
bringen wir unsere Bitten vor dich:
Für deinen Diener, unseren Papst Benedikt, der uns besuchen
wird, um uns im Glauben zu stärken.
V: Christus, höre uns.
A: Christus, erhöre uns.
Für die Kinder und die Erwachsenen, die in diesem Jahr zum
ersten Mal das Brot vom Himmel empfangen haben.
V: Christus, höre uns.
A: Christus, erhöre uns.
Für alle, die keine Arbeit haben, um ihr tägliches Brot zu verdienen.
V: Christus, höre uns.
A: Christus, erhöre uns.
Für die Einsamen und für alle, die hungern nach einem liebevollen Blick.
V: Christus, höre uns.
A: Christus, erhöre uns.
Dein ganzes Leben, Jesus, ist Gabe und Hingabe, Brot für die
Menschen. Durch dich loben und preisen wir den Vater im Heiligen Geist. Amen.
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27. August 2006
21. Sonntag im Jahreskreis (B)
Einführung
Nicht erst heute, auch schon zu biblischen Zeiten haben sich
die Jünger und Jüngerinnen Jesu schwergetan mit dem Glauben. Wenn es nicht so wäre, dann hätte der Verfasser des Johannesevangeliums nicht darüber schreiben müssen. Wir sind
also in guter Gesellschaft. Und das Wort, das unsere Brüder
und Schwestern zu biblischer Zeit getröstet hat, das darf auch
uns heute trösten. Es ist ja SEIN Wort, es ist ER selbst. Grüßen
wir ihn in unserer Mitte:
Herr Jesus, du rufst uns, dir zu folgen: Kyrie eleison.
Du richtest uns auf, wenn wir zweifeln: Christe eleison.
Du hast Worte ewigen Lebens: Kyrie eleison.
Erste Lesung: Jos 24,1-2a.15-17.18b
Zweite Lesung: Eph 5,21-32
Evangelium: Joh 6,60-69
Impulse zur Verkündigung
Du hast Worte des ewigen Lebens. (Joh 6,68)
„Augustinus [am morgigen 28. August begeht die Kirche seinen Gedenktag,
d. Hg.] ist durch Bekehrung Christ geworden: […] Er erzählt uns,
daß er eines Tages sich von seinem Freund Alipius losreißt, um
allein im Garten zu sein mit seiner Not, mit seiner Angefochtenheit und seiner inneren Zerrissenheit. In diesem Augenblick
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äußerster Erregung glaubt er eine Kinderstimme zu hören, die
mehrmals hintereinander ruft: ‚Tolle, lege – Nimm und lies!‘
[…]
Augustinus hat in jener Stunde das Wort Gottes entdeckt.
Wenn wir nun über uns, für die das alles ja genau so gilt, nachdenken, werden wir zugestehen müssen, wie beschämend wenig wir es entdeckt haben. Wieviel wir für Lektüre zweiten und
dritten Ranges, von Illustrierten und weiß Gott welchen anderen Dingen Zeit und Geduld aufwenden, und wie wenig wir uns
um das Wort Gottes bekümmern. Wenn wir nie davon gehört
hätten und durch einen Zufall erfahren würden, daß es irgendwo ein Buch gibt, in dem Gottes eigenes Wort zu uns kommt,
was würden wir wohl unternehmen, um dieses Buches habhaft zu werden? Es ist in unserer Mitte, aber es kümmert uns
nicht.
[…] Für Augustinus ist die Entdeckung des Gotteswortes, die
die Entscheidung seines Lebens wurde, zugleich die Entscheidung für das Unsichtbare gewesen. Bis dahin hatte ihn das
Sichtbare mit all seinen Kräften und Mächten so völlig in Händen gehabt, daß er den Sprung auf das Unsichtbare hin nicht
wagte. In jenem Augenblick hat er erkannt, daß das Unsichtbare das eigentlich Tragende und Wirkliche ist.
[…] Und wenn wir uns manchmal einbilden, wir seien gescheiter und weiser geworden, weil wir nur noch das Sichtbare ernst nehmen, werden wir doch erkennen müssen, daß es
in Wahrheit ein Nachlassen der Sehkraft unseres Herzens ist,
daß wir nicht mehr hindurchschauen können auf das Unsichtbare und Ewige, ohne das alles Sichtbare nicht bestehen
und sein könnte. So sollte wiederum auch uns diese Stunde eine Aufforderung sein, dem Unsichtbaren zu trauen, in ihm das
eigentlich Wirkliche und Tragende zu erkennen.“
aus: Joseph Ratzinger, Dogma und Verkündigung, Donauwörth 42005, S. 418f.
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21. Sonntag im Jahreskreis (B)
Fürbitten
Starker Gott, dein Wort steht fest. Du stehst zu uns. Darum
kommen wir zu dir mit unseren Bitten.
Für Papst Benedikt, der in der Nachfolge des heiligen Petrus
das Wort des Lebens verkündet.
V: Du Gott des Lichtes.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
Für die Verantwortlichen in Staat und Politik, deren Wort
Gewicht und Folgen hat.
V: Du Gott des Lichtes.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
Für die jungen Menschen, die ihrer Berufung auf der Spur sind
und nach Orientierung suchen.
V: Du Gott des Lichtes.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
Für die Kranken und für alle, die in Lebenskrisen Halt brauchen.
V: Du Gott des Lichtes.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
Dein Wort ist Licht und Wahrheit. Es gilt und es wirkt. Dafür
danken wir dir und loben dich durch Jesus Christus, unseren
Herrn. Amen.
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Impulse zur Verkündigung
3. September 2006
22. Sonntag im Jahreskreis (B)
Einführung
Es gibt keine Innerlichkeiten, die sich nicht irgendwann und
irgendwie auswirken. Es gibt auch keinen Glauben, der bloß
„tief drinnen“ sitzt und niemanden etwas angeht. Wenn es so
wäre, dann hätten wir uns nicht zu versammeln brauchen.
Wenn es so wäre, dann bräuchte es keine Gebote. Aber Vorsicht: Gott will keine religiösen Einserschüler, sondern die Gebote – in der Heiligen Schrift Jesu heißen sie „Weisung“ und
„Lebenswort“ – sind uns gegeben, dass wir miteinander und
füreinander zum Leben kommen. Für uns ist Jesus selbst zur
„Weisung“ und zum „Lebenswort“ geworden. Zu ihm rufen wir:
Herr Jesus, du wohnst im Herzen des Vaters: Kyrie eleison.
Du offenbarst uns die göttliche Liebe: Christe eleison.
Du führst uns den Weg zum Leben: Kyrie eleison.
Erste Lesung: Dtn 4,1-2.6-8
Zweite Lesung: Jak 1,17-18.21b-22.27
Evangelium: Mk 7,1-8.14-15.21-23
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22. Sonntag im Jahreskreis (B)
Impulse zur Verkündigung
Ihr gebt Gottes Gebot preis und haltet euch an die Überlieferung der Menschen. (Mk 7,8)
„Wer und was Gott ist, wird auch sichtbar durch das hindurch,
was er für uns ist, was er von uns verlangt und was er uns gibt.
Es wird sichtbar im Spiegel der ‚Heilsgeschichte‘. Ihre Stufen
bleiben auf die eine und andere Weise auch Stufen jeder Führung zu Gott. Das Alte Testament ist nicht einfach ausgelöscht,
bloße Vergangenheit, die man lediglich aus antiquarischem
Interesse konserviert. Es bleibt Gegenwart, freilich eingefügt in
das größere Ganze, das sich durch Jesus Christus ergeben hat.
Der paulinische Kampf um die Freiheit vom Gesetz hat hier in
manchen Teilen der christlichen Überlieferung, gegen seine ursprüngliche Bedeutung, den Blick für die Einheit der Testamente zu sehr verstellt. […]
Schon rein historisch ist zu sagen, daß das Evangelium das Gesetz in sich aufnimmt. Es hält fest, daß der Mensch von Gott
gerufen und gefordert ist, daß er einen Auftrag und eine Verantwortung hat. Das wird nicht beseitigt, sondern eher verschärft. Die Bergpredigt ist nicht bloß ein Spiegel der menschlichen Unzulänglichkeit, sie will Weisung sein für den Menschen. Umgekehrt hat das Gesetz Evangeliumszüge; es ist für
den alttestamentlichen Menschen nicht einfach die vernichtende Forderung, sondern der Weg, für den er Gott dankt; das Licht,
das seinem Fuß gegeben ist und das ihm hilft, Heil zu finden.“
aus: Joseph Ratzinger, Dogma und Verkündigung, Donauwörth 42005, S.111f.
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Impulse zur Verkündigung
Fürbitten
Guter Gott, du hast uns deine Weisung gegeben, damit wir das
Leben finden. In den Nöten unserer Zeit beten wir zu dir.
Für Papst Benedikt, dem du die Leitung deiner Kirche anvertraut hast.
V: Gott unser Vater.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
Für Bischof Wilhelm, der unserem Bistum vorsteht.
V: Gott unser Vater.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
Für die verfolgten Christen und für alle, die um der Wahrheit
willen leiden müssen.
V: Gott unser Vater.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
Für die Väter und Mütter, die ihren Kindern Vertrauen ins
Leben schenken wollen.
V: Gott unser Vater.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
Für die Lehrer und Erzieher, die sich bemühen, jungen Menschen tragende Werte zu vermitteln.
V: Gott unser Vater.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
Von dir kommt jede gute Gabe und jedes vollkommene
Geschenk. Dein Wort hat die Macht, uns zu retten. Unser
Vertrauen sei Lob und Dank vor dir in Ewigkeit. Amen.
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10. September 2006
23. Sonntag im Jahreskreis (B)
Einführung
Es ist soweit. Papst Benedikt XVI. ist in seiner bayerischen Heimat angekommen. Tausende Gläubige versammeln sich am
heutigen Sonntag in München, um mit ihm die Eucharistie zu
feiern. „Aber Christus ist […] an allen Orten nur ein Einziger und
deswegen kann man ihn nicht […] ohne die Anderen empfangen“, hat der Theologe Joseph Ratzinger einmal geschrieben.
Deswegen sind auch wir hineingenommen in das große Fest des
Glaubens, wenn wir uns hier, an unserem Ort, versammeln, um
unseren Gott zu loben und zu preisen. Er selbst ist es, der uns
die Ohren öffnet und die Zunge löst, damit wir rufen:
Herr Jesus, du Sohn des lebendigen Gottes: Kyrie eleison.
Du bist in unsrer Mitte: Kyrie eleison.
Herr Christus, du erbarmst dich aller Menschen:
Christe eleison.
Du machst, dass die Tauben hören und die Stummen
sprechen: Christe eleison.
Herr Jesus, bei dir bricht auf das Leben: Kyrie eleison.
Dich preist die ganze Schöpfung: Kyrie eleison.
Erste Lesung: Jes 35,4-7a
Zweite Lesung: Jak 2,1-5
Evangelium: Mk 7,31-37
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Impulse zur Verkündigung
Impulse zur Verkündigung
… vereint mit unserem Papst Benedikt… (aus dem Zweiten Hochgebet)
„Christus ist der Geber und die Gabe zugleich: Durch Ihn und
mit Ihm und in Ihm feiern wir die Eucharistie. […] Christus ist
das Haupt der Kirche, die er sich immerfort durch sein Blut erwirbt. Gleichzeitig sagen wir in jeder Eucharistiefeier, uralter
Überlieferung folgend: Wir feiern sie zusammen mit unserem
Papst... Christus gibt sich in der Eucharistie und er ist an jedem Orte ganz, daher ist überall, wo Eucharistie gefeiert wird,
das ganze Geheimnis der Kirche anwesend. Aber Christus ist
auch an allen Orten nur ein Einziger und deswegen kann man
ihn nicht gegen die Anderen, nicht ohne die Anderen empfangen. Gerade weil in der Eucharistie sich der ganze, der ungeteilte und unteilbare Christus gibt, gerade darum kann Eucharistie nur recht sein, wenn sie mit der ganzen Kirche gefeiert
wird. Ihn haben wir nur, wenn wir ihn mit den Anderen haben.
Weil es in der Eucharistie nur um Christus geht, eben darum
ist sie Sakrament der Kirche. Und aus dem gleichen Grund
kann sie nur in der Einheit mit der ganzen Kirche und mit ihrer Vollmacht begangen werden. Deswegen gehört der Papst
ins eucharistische Gebet, in die eucharistische Feier hinein. Die
Gemeinschaft mit ihm ist die Gemeinschaft mit dem Ganzen,
ohne die es die Gemeinschaft mit Christus nicht gibt. Zum
christlichen Gebet und zum christlichen Glaubensakt gehört
das Hineinglauben ins Ganze, das Übersteigen der Grenzen des
Eigenen. Liturgie ist nicht die Veranstaltung eines Klubs, eines
Kreises von Freunden; wir empfangen sie vom Ganzen und wir
haben sie vom Ganzen her aufs Ganze hin zu feiern. […] Darum geht es, wenn wir über die Zone des Eigenen hinaus uns
mit dem Papst verbinden und so in die Kirche aller Völker hineintreten.“
aus: Joseph Ratzinger, Gott ist uns nah. Eucharistie: Mitte des Lebens, Augsburg 22005, S. 127f.
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23. Sonntag im Jahreskreis (B)
Fürbitten
Jesus, die Gemeinschaft mit dir öffnet uns für die Gemeinschaft
mit allen Menschen. Wir beten:
Für unseren Papst Benedikt und für alle, die sich mit ihm in
dieser Stunde zur Feier der Eucharistie versammelt haben. Mache sie zu einem Zeichen deiner Gegenwart für die ganze Welt.
V: Du Brot des Lebens.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
Für die Kirche von Passau und alle ihre Gemeinden, die sich
auf den Besuch des Heiligen Vaters freuen. Beflügle sie in ihrem Vertrauen auf deinen Geist.
V: Du Brot des Lebens.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
Für die Priester und Ordensleute und für alle, die sich auf einen solchen Lebensweg vorbereiten: Stärke sie in ihrer Nachfolge und in der Liebe zu dir und den Menschen.
V: Du Brot des Lebens.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
Für alle Christen, mit denen wir noch nicht gemeinsam das
Brot brechen können. Lehre uns, unter der umsichtigen Führung unseres Papstes Benedikt, das Trennende zu überwinden
und durch dich zur Einheit miteinander zu gelangen.
V: Du Brot des Lebens.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
Für die geschiedenen Ehepaare und für alle Menschen, die
schmerzhafte Trennungen erfahren haben. Heile ihre Wunden.
V: Du Brot des Lebens.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
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Impulse zur Verkündigung
Für unsere Verstorbenen, die bei dir sind und die wir dennoch
vermissen. Eine uns an dem einen Tisch, an dem du uns wie
ihnen das Brot des ewigen Lebens reichst.
V: Du Brot des Lebens.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
Du wirst alles gut machen. Du bist der Anfang der neuen
Schöpfung. Durch dich danken wir Gott dem Vater und singen
ihm unser Lob im Heiligen Geist, in dieser Stunde und in Ewigkeit. Amen.
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