Die Gutsdörfer, Gutsanlagen und Parks im Naturpark und seinem

Transcription

Die Gutsdörfer, Gutsanlagen und Parks im Naturpark und seinem
Naturpark
Nossentiner/Schwinzer Heide
Die Gutsdörfer, Gutsanlagen
und Parks im Naturpark
und seinem Umfeld
Aus Kultur und Wissenschaft 5/2007
Mecklenburg 1 7
Vorpommern
aSP
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einleitung
Ober die Entstehung und Entfaltung der Guts­
3.
wirtsehalt in Mecklenburg
Die Zeit der Ostkolonisation bis zum Dreißig­
3.1
jährigen Krieg
3.1.1 Die deutsche Besiedlung des Slawenlandes
3.1.2 Veränderungen in der Wirtschaftsweise, den
Rechts- und Eigentumsverhältnissen
3.1.3 Die Herausbildung von Grundlagen für eine
Gutsherrschaft vom 14. bis zum 16. Jh.
Die Entwicklung vom Dreißigjährigen Krieg
3.2
bis zur Aufhebung der Leibeigenschaft
3.2.1 Der Dreißigjährige Krieg und seine Folgen
3.2.2 Die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges
auf die Entfaltung der Gutsherrschaft
3.2.3 Zu den Ergebnissen des LandesgrundgesetzlichenErbvergleichs von 1755
3.2.4 Zur Lage in den Landesklöstem und im Domanium
3.2.5 Die Vervollkommnung der Gutsbildung bis
zur Aufhebung der Leibeigenschaft
Die volle Entfaltung der Gutswirtschaft in
3.3
Mecklenburg
3.3.1 Mecklenburgische Güter im 19. Jh.
3.3.2 Die Wandlung der Güter zu landwirtschaftl.
Unternehmen in der 1. Hälfte des 20. Jh.
3.3.3 Das Ende der Guts Wirtschaft in Mecklenburg
nach 1945
Das Schicksal der bisherigen Güter in der sowjeti­
3.4
schen Besatzungszone und der DDR
3.4.1 Die Neubauemsiedlungen
3.4.2 Die Landwirtschaftlichen Produktions­
genossenschaften (LPG)
Die mecklenburgische Landwirtschaft seit 1990
3.5
Die Gutsdörfer und ihre Gutsanlagen
4.
Allgemeines
4.1
Der Gutshof
4.2
Das Dorf
4.3
4.4
Das Gutshaus
Landwirtschaftliche Nebenbetriebe
4.5
Der heutige Zustand der Gutsgebäude
4.6
Denkmalpflege
4.7
Die Gärten und Parkanlagen der Güter
5.
Die Entwicklung der Gärten und Gutsparks
5.1
Der heutige Zustand der Gutsparks
5.2
Die Gutsdörfer mit ihren Gutsanlagen und Parks
6.
Alt Gaarz
6.1
Alt Sammit
6.2
Alt Schwerin mit Mönchbusch
6.3
Blücherhof mit Lütgendorf
6.4
Bossow
6.5
Cramon
6.6
1.
2.
2
5
6
9
9
9
10
11
13
13
14
14
15
16
18
18
20
21
22
22
23
24
25
25
25
27
28
31
32
33
35
35
40
42
42
44
47
51
55
57
6.7
6.8
6.9
6.10
6.11
6.12
6.13
6.14
6.15
6.16
6.17
6.18
6.19
6.20
6.21
6.22
6.23
6.24
6.25
6.26
6.27
6.28
6.29
6.30
6.31
6.32
6.33
6.34
6.35
6.36
6.37
6.38
6.39
6.40
6.41
6.42
6.43
6.44
6.45
6.46
6.47
6.48
6.49
6.50
6.51
6.52
6.53
6.54
6.55
7.
8.
9.
10.
Diestelow mit Neuhof
Dobbin mit Zietlitz
Finken werder
Glave
Grabowhöfe
Grambow
Groß Bäbelin
Groß und Klein Rehberg
1Iagenow
Hahnenhorst
Hinrichshof
H of Hagen
Hohen Wangelin
Jürgenshof
Kadow
Karow
Kirch Kogel
Kleesten
Klein Luckow
Klein Wangelin
Klocksin
Kressin
Leisten
L in stow
Louisenfeld
Marxhagen
Medow
Mestlin mit Vimfow
Moltzow
M ühlenhof
Neu Damerow
Neu Gaarz
Neuhof bei Kläden
Neu Poserin
Neu Sammit
Neu Sapshagen
Nossentin
Rum Kogel
Schloß Grubenhagen
Sehlsdorf
Sophienhof
Sparow
Spcndin
Suckwitz
Vollrathsruhe / Hallalit
W oosten
Woserin
Zarchlin
Zidderich mit Steinbeck
Literatur
Abkürzungsverzeichnis und Wort­
erklärungen
Zu den Autoren und Gestaltern des Heftes
Bildnachweis
Die Sponsoren
59
62
66
68
70
72
74
75
77
78
79
80
82
84
85
86
90
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KM
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109
Ul
113
116
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144
146
148
150
154
156
158
160
162
166
172
174
176
Table of Contents
1.
2.
3.
3.1
3.1.1
3.1.2
3.1.3
3.2
3.2.1
3.2.2
3.2.3
3.2.4
3.2.5
3.3
3.3.1
3.3.2
3.3.3
3.4
3.4.1
3.4.2
3.5
4.
4.1
4.2
4.3
4.4
4.5
4.6
4.7
5.
5.1
5.2
6.
6.1
6.2
6.3
6.4
6.5
6.6
6.7
Prcface
Introduction
Origins and development o f Mecklenburg's
estates
The period from the colonization o f the East
up lo the Thirty Years War
The German colonization ofthe Slavic lands
Changes in matters o f economy, law and
property
The emergence o f large feudal estates from
the 14th to the 16th Century
The period from the Thirty Years War to the
abolition o f peonage
The Thirty Years War and its aftermath
Impact o f the Thirty Years War on the
evolvement o f the feudal estate System
The results ofthe hereditary agrcement o f 1755
The condition o f the monasteries and the
ducal domain
From the pcrfection o f the feudal estate
system to the abolition o f peonage
The height o f the feudal estate system in
M ecklenburg
Mecklenburg's estates in the 19th Century
The conversion into agricultural enterprises
in the first half o f the 20th Century
The end o fth e traditional estate system in
Mecklenburg in 1945
The fortunes o f the former estates under
Soviel occupation and during the GDR
The settlements for new farmers
The agricultural co-operatives ("LPGs")
Mecklenburg's agriculture since 1990
The estates and their villages
General
The estate court
The village
The manor house
Appurtenant structures
Today's condition o f the estate buildings
Their preservation
The estate gardens and parks
The development o f estate gardens and parks
Today's condition o f the estate gardens
The estates, their villages and gardens
Alt Gaarz
Alt Sammit
Alt Schwerin mit Mönchbusch
Blücherhof mit Lütgendorf
Bossow
Cramon
Diestelow mit Neuhof
5
6
9
9
9
10
11
13
13
14
14
15
16
18
18
20
21
22
22
23
24
25
25
25
27
28
31
32
33
35
35
40
42
42
44
47
51
55
57
59
6.8
6.9
6.10
6.11
6.12
6.13
6.14
6.15
6.16
6.17
6.18
6.19
6.20
6.21
6.22
6.23
6.24
6.25
6.26
6.27
6.28
6.29
6.30
6.31
6.32
6.33
6.34
6.35
6.36
6.37
6.38
6.39
6.40
6.41
6.42
6.43
6.44
6.45
6.46
6.47
6.48
6.49
6.50
6.51
6.52
6.53
6.54
6.55
7.
8.
9.
10.
DobbinmitZietlitz
Finkenwerder
Gl ave
Grabowhöfe
Grambow
Groß Bäbelin
Groß und Klein Rehberg
Hagenow
Hahnenhorst
Hinrichshof
H of Hagen
Hohen Wangelin
Jürgenshof
Kadow
Karow
Kirch Kogel
Kleesten
Klein Luckow
Klein Wangelin
Klocksin
Kress in
Leisten
L instow
Louisenfeld
Marxhagen
Medow
Mestlin mit Vimfow
Moltzow
Mühlenhof
Neu Damerow
Neu Gaarz
Neuhof bei Kläden
Neu Poserin
Neu Sammit
Neu Sapshagen
Nossentin
Rum Kogel
Schloß Grubenhagen
Sehlsdorf
Sophienhof
Sparow
Spendin
Suckwitz
Vollralhsruhe / Hallalit
W oosten
Woserin
Zarchlin
Ziddcrich mit Steinbeck
Literature
List of abbreviations and explanation of
technical terms
The authors and designers of the brochure
Photo directory
The Sponsors
62
66
68
70
72
74
75
77
78
79
80
82
84
85
86
90
92
94
%
98
100
102
104
107
109
111
113
116
119
120
122
125
127
129
130
132
135
137
139
141
144
146
148
150
154
156
158
160
162
166
172
174
176
3
„Niemandem kann etwas fehlen
wovon er nichts weiß“.
R e n a te de V e e r
(2006)
1. Vorwort
Preface
"Warum beschäftigt sich ein Natur­
park mit seinen Gutsdörfern ?", wer­
den sich die Leser dieses Heftes unse­
rer Schriftenreihe "Aus Kultur und
Wissenschaft" fragen, da sich die
Großschutzgebiete doch mehr mit der
Natur befassen. Doch bei genauer
Betrachtung der langen Geschichte
der Güter wird klar, dass jene die uns
umgebende Kulturlandschaft sehr
stark in ihrer Entwicklung beeinflusst
haben. Das Wirtschaften auf großen
Flächen z.B. ist keine Erfindung der
neuen Zeit. Es wurde schon etwa seit
dem Dreißigjährigen Krieg auf den Gü­
tern in unserem Land praktiziert, wo­
durch die Landwirtschaft gerade in
der 2. Hälfte des 19. Jh. sehr konkur­
renzfähig war. Der Gutsentwicklung
verdanken wir noch heute ansehens­
werte Landschaftsparks, Alleen und
bewusst gestaltete Landschaften. Uns
begegnen in vielen Dörfern mehr oder
weniger intakte Gutsanlagen mit den
Wirtschaftsgebäuden und dem Guts­
haus, Gutskaten, Schnitterkasernen
u.a. und viele Menschen interessiert
ihre Geschichte, und zwar nicht nur
die Geschichte der Gebäude, sondern
auch die der Menschen, die sie errich­
teten oder in ihnen wohnten und ar­
beiteten. Wir möchten mit diesem Heft
etwas zur Aufklärung beitragen.
"Lebensform Gut" nennt R e n a t e d e
V e f r (2006) die ca. 500jährige Traditi­
on der Gutsentwicklung. Bis zum 19.
Jh. vom niederen Adel getragen und
repräsentiert, wurde sie dann immer
mehr auch von bürgerlichen Eigentü­
mern übernommen. Das Gut war das
"kleine Reich" des Lehnsmannes oder
auch Eigentümers, das es auszuge­
stalten und zu vergrößern galt. Der
Gutshof ähnelte einer mittelalterlichen
Stadt: Außen die Wirtschaftsgebäude,
innen der große Hofplatz, auf dem das
Wirtschaftsleben stattfand. An der
Abb. 1
Ruinenreste des Schlosses von Dobbin
Remains o f Dobbin's manor house
Stirnseite stand das Gutshaus, das
größte und prächtigste Gebäude, in
dem der Gutsherr bzw. Pächter wohn­
te. Im 18. und 19. Jh. wurde hinter dem
Gutshaus meist noch ein Park ange­
legt und oft in die umgebende Mauer
des Gutshofes mit eingeschlossen.
Die Gutsanlage unterlag in ihrer Aus­
stattung und Ausgestaltung wirt­
schaftlichen Zwängen, der zeitlichen
Mode sowie den Idealen und den fi­
nanziellen Möglichkeiten des Gutsher­
ren. Heute noch kann man diese Ent­
wicklung an Neu- und Umbauten der
Gutsgebäude entdecken und nach­
vollziehen. Gerade im 19. Jh. gab es ei­
nen enormen wirtschaftlichen Auf­
schwung auf den Gütern und damit
auch eine rege Bautätigkeit. Die Guts­
anlagen von Domänen bzw. Kloster­
gütern wurden weniger aufwendig er­
richtet.
Dieses Heft, das mehr als 60 Dörfer
von 53 eigenständigen Gütern des Na­
turparks und seines Umfeldes in ihrer
Entwicklung ganzheitlich vorstellt,
kann nicht zu stark ins Details gehen,
da das Thema zu vielschichtig ist. Un­
ser Ziel ist es aber, der einheimischen
Landbevölkerung und den Besuchern
der Dörfer Einblicke in die Entwick­
lung dieses Dorftyps zu geben, damit
sie das, was ihnen auf dem Lande be­
gegnet, besser werten können. Meist
sind die Dorfentwicklungen aus Quel­
len der "Obrigkeit" dargestellt, w'eil
über die, welche die tägliche schwere
Arbeit verrichteten, kaum etwas ge­
schrieben wurde. Es gibt nur eine
Schilderung aus dem Leben eines
Hofgängers vom Gut Daschow ( A n o ­
n y m u s 1896), die uns heute vor Augen
fuhrt, wie schwer das Leben auf den
Gütern w'ar.
R e n a t e d e V e e r (2006, Bd. 1, S. 25)
schreibt: "Die Kontinuität der "Le­
bensform Gut", mit dem Gutshaus als
eigenständigem Bautyp, hat in ähnli­
cher Qualität und Vielgestaltigkeit kei­
ne europäischen Parallelen". Diese
Feststellung gibt uns ein Allein­
stellungsmerkmal für den ländlichen
Raum in die Hand, das wir mehr nut­
zen sollten. So wurde 2005 die Idee
geboren, noch zu definierende Räume
im Bereich der Naturparks
"Sternberger Seenland", "Nossentiner
/Schwinzer Heide" sowie "Mecklen­
burgische Schweiz und Kummerower
See" bei der UNESCO als Weltkultur­
erbe zu beantragen. Leider konnte die­
ses Vorhaben bisher nicht weiter ver­
folgt werden, doch durch die Beschäf­
tigung mit dieser Materie im Rahmen
der Erarbeitung des Heftes sind wir
mehr denn je der Auffassung, dass
solch ein Schritt durch unser Bundes­
land unternommen werden sollte. Da­
zu bedarf es aber des politischen Wil­
lens des Landes sowie vieler Helfer
und Spezialisten, um die nötigen Un­
terlagen zu erarbeiten und, was noch
wichtiger erscheint, die Reste der
Gutsanlagen in unserem Bundesland
zu erhalten und sinnvoll zu nutzen.
An diesem Heft waren 26 Autoren und
Gestalter beteiligt, über die am Ende
nachgelesen werden kann. Für die un­
ermüdliche Arbeit über mehr als drei
Jahre soll ihnen an dieser Stelle viel­
mals gedankt werden. Besonders froh
sind wir, dass uns Spezialisten des
Landesamtes für Kultur und Denkmal­
pflege, wie D r . D e t l e f J a n t z e n , B ir g it
H o l z , B e a t r ix D r ä g e r sowie A c h im
B ö t f .f ü r , der bei der Beschaffung von
Archivbildern behilflich war, und D r .
W o l f r a m H e n n ie s wichtige Hinweise
zum Manuskript gaben bzw. auch Tex­
te lieferten. M ic h a e l A l t e n h u r g sah
das Manuskript durch und besorgte
die Übersetzungen ins Englische.
Dieses Heft hätte ohne die großzügi­
gen Spenden einiger Sponsoren (sie­
he Seite 176) und die Förderung durch
das Landesamt für Umwelt, Natur­
schutz und Geologie in Güstrow nicht
gedruckt werden können. Dafür spre­
chen wir unseren großen Dank aus.
Wir wünschen uns, dass dieses mit
großen Mühen erarbeitete "Güterheft"
zu einem Führer durch die Gutsdörfer
unseres Naturparks und seines Umfel­
des wird und zur Entwicklung des
meist stark vernachlässigten ländli­
chen Raumes beiträgt.
Dr. Wolfgang Me wes
5
2. Einleitung
Introduction
C ut
A lt G a a r z
6
X
936
X
X
B lü c h c rh o tm it L ü tg e n d o rf
947
X
B ossow
803
C ra m o n
1 .4 3 2
D ie s te lo w m it N e u h o f
D o b b in m it Z ietlitz
F in k e n w e rd e r
D om äne
K lo s te rg u t
E rb p a c h th o f
X
X
906
X
2 .3 0 3
X
123
X
G lave
1 .2 1 4
X
G rab o w h ö fe
1 .3 9 8
X
G ram b o w
513
X
G r o ß B ä b e lin
805
X
G r o ß u n d K le in R e h b e r g
464
X
H agenow
544
X
H a h n e n h o r s t (zu K a r o w )
H in r ic h s h o f
213
X
H o f H agen
206
X
H o h e n W a n g elin
439
J ü rg e n s h o f
344
K adow
K a ro w
K ir c h K o g e l
X
X
X
200
3 .1 3 2
X
700
X
K le e s te n (z u S p e n d in )
K le in L u c k o w
849
K le in W a n g elin
414
X
X
1 .0 3 0
X
K r e s s in
375
X
L e is te n
694
X
L in s to w
998
L o u is e n fe ld
426
X
M a rx h a g e n
640
X
M edow
528
K lo c k s in
M e s tlin m it V im fo w
1 .000
M o ltz o w
1 .3 1 7
M ü h le n h o f
N e u D a m e ro w
X
X
X
X
393
X
1 .0 7 3
X
X
N e u G a a rz
469
N e u h o f b e i K lä d e n
230
N e u P o s e r in
580
X
N e u S a m m it
817
X
N eu S apshagen
241
X
N o s s e n ti n
434
R um K o g e l
400
S c h lo s s G r u b e n h a g e n
353
S e h lsd o rf
450
S o p h ie n h o f
490
X
S p a ro w
821
X
S p e n d in
323
S u c k w itz
700
X
1.220
X
V o llra th s r u h e /H a lla lit
Tabelle 1:
Typen der Güter und ihre Größe um 1903
Different types of estates and their size
around 1903
R itte r g u t
1 .0 4 6
3 .8 8 9
A lt S a m m it
A lt S c h w e r in m it M ö n c h b u s c h
Es gibt eine Reihe von Veröffentli­
chungen, die sich mit Gütern, aber
besonders mit Gutshäusern beschäfti­
gen. Selten wird darin auf das gesamte
Dorf und dessen Entwicklung einge­
gangen, oder es werden nur einige
"bedeutende" Dörfer herausgegriffen.
Deshalb war es das Ziel dieses Heftes,
sämtliche Dörfer im Naturpark und
dessen Umfeld, in denen sich Güter
entwickelt haben, zu bearbeiten. Die
räumliche Auswahl, die der Über­
sichtskarte zu entnehmen ist, geschah
im Wesentlichen nach der Nähe zum
Naturpark bzw. nach der Zugehörig­
keit zu einer Naturparkgemeinde oder
zu einem Amt. das an den Naturpark
angrenzt. Ein Großteil der erarbeiteten
Unterlagen wurde ebenfalls für das
System von Informations tafeln (InfoDirekt). die in vielen Dörfern zu finden
sind, genutzt.
Gutsdörfer haben eine sehr unter­
schiedliche Entstehungsgeschichte.
So gibt es recht junge Dörfer, die in
der Neugründung von Gutshöfen ih­
ren Ursprung haben (z.B. Sophienhof,
Neu Poserin), die meisten jedoch sind
alte Siedlungen mit deutscher oder
slawischer Bevölkerung aus dem 13.
und 14. Jh. Ursprünglich waren es
Bauerndörfer, die zu Gutsdörfern w ur­
den. Die Geschichte dieser Entwick­
lung wird im Allgemeinen Teil ausführ­
lich beschrieben.
Als G ut oder Landgut wird ein land­
wirtschaftlicher Großgrundbesitz be­
zeichnet. Von uns werden nach dem
Eigentum ritterschaftliche Güter, domaniale Güter und Klostergüter unter­
schieden. Die R ittergüter gingen im
Wesentlichen aus den Freihufen der
Lokatoren hervor, wurden vom niede-
G rö ß e (h a)
X
X
X
X
X
X
W o o s te n
656
X
W o s e r in
966
X
Z a rc h lin
482
X
Z id d e ric h m it S te in b e c k
858
G esam t
4 2 .7 8 5
X
30
8
12
3
ren Adel betrieben und von
ritterschaftlichen Ämtern verwaltet.
Auch wenn sie später von Bürgerli­
chen erworben wurden, blieben sie
Rittergüter. Dom aniale G ü ter gehör­
ten, wie cs der Name sagt, zum
Domanium, zum Eigentum der Herzöge
bzw. Großherzöge. Sie wurden von
den Domanialämlern verwaltet und
verpachtet. Wir nehmen bei diesem
Gutstyp keine weitere Unterteilung
vor. K lostergüter gehörten zu Klös­
tern. Mit der Reformation wurden
nach 1549 die Klöster aufgelöst, das
Eigentum ging in das Domanium über.
Die Ritterschaft erreichte aber, dass
die Klöster Dobbeitin, Malchow und
Ribnitz zu Damenstiften umgewandelt
wurden und ihr Eigentum behielten.
Sie unterstanden dem Landtag. In dem
von uns behandelten Raum spielten
die Klöster Dobbcrtin und Malchow
eine besondere Rolle, sie besaßen
mehrere Güter. Erbpachthöfe waren
anfangs kleine Domänen, die im 19. Jh.
vom Domanium verkauft bzw. in Erb­
pacht gegeben wurden.
Gutsentwicklung bis heute dargestellt.
Beginnend mit der Ersterwähnung des
Dorfes und der Herkunft des Namens
wird versucht, die Eigentums­
verhältnisse über einen langen Zeit­
raum nachzuzeichnen. Aus Platz­
gründen ist die Übersicht vereinfacht
worden und enthält keine genealogi­
sche Gliederung. Teilweise bestehen
auch Kenntnislücken, da es nicht
möglich war, die notwendigen Quellen
zu beschaffen.
2. G utsanlagc und W irtschaftsgebäu­
de - Unter einer Gutsanlage verstehen
wir das gesamte Areal, das mit Gebäu­
den bestanden ist, einschließlich der
Freiflächen und des Parks. Der Guts­
oder Wirtschaftshof ist das Gelände,
auf dem sich in der Regel das Guts­
haus und die zur Bewirtschaftung er­
forderlichen Anlagen, einschließlich
der Wirtschaftsgebäude, befinden.
Diese wesentlichen Teile eines Gutes
änderten sieh über die Jahrhunderte
ständig und sind schwer zu fassen.
Deshalb wurden möglichst Darstellun­
gen und Abbil-
Abb. 2 Eingangstor zum Gutshof Leisten um 1880/90
Entrance gate to estate Leisten around 1880/90
Von uns w'erden insgesamt 53 eigen­
ständige Güter behandelt. Davon wa­
ren 57 % Rittergüter, 23 % Güter der
Klöster Dobbertin und Malchow so­
wie 15 % Domänen und 5 % Erbpachthöfe (vgl. Tabelle 1).
Bei der Behandlung der Gutsdörfer im
speziellen Teil des Heftes wird eine
bestimmte Gliederung eingehalten.
1. Das D orf und das G ut - In diesem
Abschnitt wird die Entwicklung des
Dorfes im Zusammenhang mit der
braucht. Wir bezeichnen das Wohn­
haus des Gutsherren bzw. Pächters,
das auf dem Gutshof in die Anlage in­
tegriert ist, als Gutshaus. Liegt das
Gebäude außerhalb der Gutsanlage,
nennen wir es Herrenhaus. Große
Guts- oder Herrenhäuser, die im Volks­
mund auch Schloss genannt werden,
bezeichnen wir auch so, wohl wis­
send, dass es keine Schlösser sind
bzw. waren, weil sie zum niederen Adel
und nicht zum landesherrlichen Besitz
gehörten, ln diesem Abschnitt wird
die Geschichte der Gebäude bis heute
dargestellt. Archivfotos und neue
Aufnahmen sollen das Geschriebene
veranschaulichen. Die Parks werden
nach Größe, Entstehungszeit und
Gehölzbestand sowie nach Besonder­
heiten und den Gartenarchitekten,
welche die Entwürfe dazu lieferten, be­
schrieben, wenn dazu Informationen
Vorlagen.
4. G ebäude im D orf - Hier werden die
Gebäude im D orf betrachtet, die mit
der Gutsentwicklung im Zusammen­
hang stehen. Das sind insbesondere
Abb. 3 Das Gutshaus A lt Sammit um 1880/90
The manor house of Alt Sammit around 1880/90
düngen aus neuerer Zeit verwendet,
weil diese heute vor Ort teilweise
noch nachvollziehbar sind. Grundla­
gen waren z. T. Brandversicherungs­
unterlagen, alte Karten und Mess­
tischblätter. Um eine einheitliche Dar­
stellung zu erreichen, wurden die La­
gepläne neu gestaltet und vereinheit­
licht.
3. G utshaus und P ark - Der Begriff
Gutshaus wird in der Bevölkerung
und Literatur recht unterschiedlich ge-
die Gutskaten, Schnitterkasernen bzw.
Schnitterkaten, Statthalter- und
Inspektorenhäuser sowie Gebäude
von ehemaligen Nebenbetrieben. Die
Dörfer werden heute aber auch von
Häusern geprägt, die durch Auf­
siedlungen nach 1919 bzw. nach 1945
entstanden. Auch sie werden in unse­
re Betrachtung einbezogen.
5. N ebenbetriebe und Besonderheiten
-H ier werden Betriebe betrachtet, die
teilweise in die Gutsanlage integriert
7
Abb. 4
Teil des langen Fe/dsteinkatens in Hallalit
Part of the long stone cottage in Hallalit
waren, wie Schmieden, oder ausge­
gliedert waren. Die Vielfalt ist groß. So
sind Mühlen (Wind- und Wassermüh­
len), Ziegeleien, Kalkbrennereien,
Molkereien, Brennereien und Zucker­
fabriken, Teeröfen und Glashütten,
Krüge u. a. zu bestimmten Zeiten Teile
von Gütern gewesen. Oft wurden sie
ausgegliedert und verpachtet oder
auch von mehreren Gütern gemeinsam
betrieben. Bei dem betreffenden Guts­
dorf wird darauf eingegangen, wenn
es uns wichtig erschien. Unter Beson­
derheiten werden interessante Einzel­
heiten zu den Gütern mitgeteilt, die
ansonsten in keinem der Abschnitte
erscheinen würden, z.B. die Siedler­
schule 1931 in Diestelow.
Die Behandlung eines Gutsdorfes
schließt mit einer englischen Zusam­
menfassung ab.
Erklärungen von Abkürzungen und
gebrauchten Fachbegriffen sind am
Ende des Heftes zu finden. Auch wur­
den viele Ortschroniken genutzt, Dorf­
bewohner befragt und Archivalien
ausgewertet. Alle Quellen sind im
Literaturverzeichnis aufgefuhrt. Eine
gewisse Aktualität unserer Darstellun­
gen wird dadurch gewährleistet, dass
der Fotozirkel der Volkshochschule
des Kreises Parchim unter der Leitung
von Monika Lawrenz einen Teil der in
diesem Heft behandelten Gutsan­
lagen, auch in einigen Details, 2006/07
fotografierte, bzw. die Autoren neuere
Fotos lieferten.
8
Abb. 5 Ehemalige Schnitterkaserne in A lt Sammit
Former seasonal workers' lodging
Abb. 6 Bück in den Gutspark Karow
View of Karow garden
Abb. 7 Zieglerfamilie vor ihrem Wohnhaus
bei Karow (1911)
Brickmaker famiiy in front of their
house near Karow (1911)
This brochure presents more than 60
villages with 53 self-contained estates
situaled with in or at the fringes of
Nature Park Nossentiner/Schwinzer
Heide. 19 authors co-operated in
putting it together. Printing was made
possible through the financial support
o f several Sponsors. According to
ownership we distinguish between
estates owned by the gentry, by the
duke, by monasteries or leasehold
estates. More than half were gentry
type estates. The description of each
village makes mention of its history,
the buildings o f the estate, the manor
house and its garden, buildings in the
village with some relation to the estate
and appurtenant structures.
3. Über die Entstehung und Entfaltung der
Gutswirtschaft in Mecklenburg
Origins and development of Mecklenburg's estates
3.1 Die Zeit der Ostkolonisation bis zum
Dreißigjährigen Krieg
The period from the colonization of the East up to the Thirty Years War
3.1.1 Die deutsche Besied­
lung des Slawenlandes
The German colonization of the
Slavic lands
Die Eroberung des
Slawenlandes
Vom 7. Jh. u. Z. an bezogen slawische
Stämme von Osten her auch das
durch die Völkerwanderung weitge­
hend menschenleer gewordene Gebiet
des heutigen Mecklenburg. Länger als
ein halbes Jahrtausend beeinflusste
ihr Wirken dieses Land. Da sie keine
schriftlichen Aufzeichnungen hinter­
ließen, ist man auf spärliche Berichte
Außenstehender und auf Bodenfunde
angewiesen, um etwas über ihre Le­
bensweise zu erfahren.
Als Bodenbearbeitungsgeräte stan­
den ihnen vorwiegend hölzerne Ha­
kenpflüge und Eggen zur Verfügung.
Mit ihnen konnte der Boden nur auf­
geritzt werden, um damals tibi iche
Getreidesorten anzubauen. Außerdem
lieferten ihnen Jagdbeute, Fische und
Waldbienenhonig Grundlagen für ihre
Ernährung. Der Feldbau ohne Dün­
gung erschöpfte den Boden bald, und
neue Areale mussten erschlossen wer­
den. Da große Teile des Landes von
Wäldern bedeckt waren, gewann man
solche Flächen häufig durch Rodung,
wobei meistens ein Stück Gehölz ab­
gebrannt wurde. Die meisten Slawen
bewohnten kleine Dörfer in Familien­
verbänden. Mehrere davon bildeten
Burgbezirke.
Bis zum 12. Jh. u. Z. hatten sich aus
mehreren Stämmen bestehende
Stammesverbände herausgebildet, die
gegenüber den Nachbarn, z. B. den
Wikingern und Dänen im Norden, an­
deren slawischen Bevölkerungs­
gruppen im Osten und den Deutschen
im Westen Schutzfunktionen übernah­
men.
Im heutigen Westmecklenburg mit
dem größten Teil des Naturparkgebieles hatte sich der Stammes­
verband der Obotriten zu einem relativ
geschlossenen Gebilde entwickelt,
während der Ostteil des Gebietes von
Stämmen der Wilzen bzw. Lutizen be­
wohnt wurde.
1160 eroberte H e in r ic h d e r L ö w e , 11erzog von Sachsen und Baiern, das Ter­
ritorium der Obotriten. Es umfasste ei­
nen wesentlichen Teil des heutigen
Mecklenburg. Im Westen des Landes
gründete H e in r ic h Grafschaften, Bis­
tümer und die spätere Landes­
hauptstadt Schwerin als Grafen- und
Bischofssitz. Nachdem sich P r i b i s l a w ,
Sohn des Obotritenfürsten N i c l o t ,
zum Christentum bekannt hatte, berief
d e r L ö w e ihn 1167 zum Herren über
das eroberte Restgebiet. Unter
P r ib is l a w s Nachfolgern setzte im
westlichen Mecklenburg zwischen
1180 und 1200, in dem von uns behan­
delten Raum in der ersten Hälfte des
13. Jh., die religiöse, politische, juristi­
sche und wirtschaftliche "Wende" zur
deutschrechtlich bestimmten Lebens­
weise ein. Das geschah besonders
durch die Zuwanderung von Siedlern
und Geistlichen aus den Gebieten
westlich der Elbe.
Die Nachkommen P r ib is l a w s teilten
das Slawenland unter sich auf. Die Ge­
folgschaft des jeweiligen Landesher­
ren bestand sowohl aus deutschen als
auch aus slawischen Rittern und
Knappen. Sie übernahmen den militä­
rischen Schutz des Landesherren und
die politische Administration des Ge­
bietes als Sachverwalter, Vögte usw.
Die Einführung des christlichen Glau­
bens bei der slawischen Bevölkerung
und seine Festigung bei den zuge­
wanderten Deutschen wurde von der
Geistlichkeit übernommen. Sie be­
stand aus dem Bischof, dem höheren
Klerus, den örtlichen Predigern und
den Klosterinsassen. Die vielen Orts­
namen, manche Flurnamen und auch
etliche Familiennamen slawischen Ur­
sprungs lassen vermuten, dass die
Verschmelzung von mehrheitlich sla­
wischen und deutschen Bevölke­
rungsteilen zu einem "Neustamm" der
Mecklenburger überwiegend friedlich
vor sich ging.
Die Lokatoren
Die Besiedlung des Landes erfolgte
vorwiegend aus dem Nordwesten des
heutigen Deutschlands durch nicht
erbende Bauernsöhne und besitzlose
Dorfbewohner. Dieser Prozess musste
gut organisiert werden. Damit beauf­
tragte der Landesfürst Lokatoren, die
derartige Aufgaben für ein umrissenes
Gebiet, ein Dorf oder mehrere Orte zu
übernehmen hatten. Das waren adlige,
bürgerliche oder bäuerliche "Unter­
nehmer", die sowohl die Anwerbung
als auch die Neuansiedlung Vornah­
men. Zur Entschädigung erhielten die
Lokatoren mindestens eine Hufe, häu­
fig auch mehrere. Die den Lokatoren
zugestandenen Hufen waren frei von
Abgaben. Das dazu gehörige Acker­
land musste von den übrigen Bauern
mit bearbeitet werden. Dafür wurden
die Lokatoren nun (Frei-) Schulzen
(Gemeindevorsteher). In einigen Dör­
fern erhielt sich die Überlieferung der
9
Frei- oder Schulzenhufen bis in die
Neuzeit. Die Schulzen übernahmen die
Verwaltung des Dorfes, besonders die
Organisierung der Feldarbeiten. Ge­
hörten sie dem niederen Adel an, zähl­
te der eventuell erforderliche,
manchmal auch zeitaufwendige
Kriegsdienst beim Landesherren zu ih­
ren Hauptaufgaben.
Natürlich strebten die Lokatoren
danach, das einträgliche Amt für sich
und ihre Familie zu erhalten. Im Laufe
der Entwicklung wurden viele von ih­
nen bzw. ihre Nachkommen zu Ange­
hörigen einer privilegierten Adels­
schicht, die ihre Hauptaufgaben im
Kriegs- und Verwaltungsdienst sah.
Ihre materielle Absicherung erfolgte
aus den Einkünften der "Frei-, Hofbzw. Ritterhufen", welche die Bauern
bearbeiteten. Die Einkünfte waren
damals lediglich durch Vergrößerung
des Grundbesitzes zu steigern. Das
konnte durch Rodung von neuem
Land oder durch die Übernahme von
verlassenen Hufen geschehen.
3.1.2 Veränderungen in der
Wirtschaftsweise, den Rechts­
und Eigentumsverhältnissen
Changes in matters of economy, law
and property
Die Landbewirtschaftung
In der Kolonisierungsperiode des
heutigen mecklenburgischen Gebietes
erfolgte der Ausbau der Landwirt­
schaft durch die herbeigerufenen
Siedler und die Insassen der neu ge­
gründeten Klöster vorwiegend wäh­
rend des 13. Jh. Die siedlungswilligen
Einwanderer, die in der alten Heimat
nur geringe Entfaltungsmöglichkeiten
für sich und ihre Familien sahen,
brachten die entwickelte Dreifelder­
wirtschaft ihres Herkunftsgebietes ins
Obotritenland mit. Weil die Siedler au­
ßerdem den mit Eisen beschlagenen
Pflug mitbrachten, war ihnen die Bear­
beitung von schwereren Böden mög­
lich. Ortsnamen, die auf-hagcn,
-walde u. a. enden, deuten auf deut­
sche Ansiedlungen hin. die durch
Waldrodung gewonnen wurden, z.B.
Gruben h agen, Langenhagen,
10
Marxhagen. Neu Sapshagen, während
Endungen auf-in, -itz, -ow überwie­
gend slawische Ortsnamen kennzeich­
nen.
Die Bauern und ihre Abgaben
Die Hufen übertrug der jeweilige Lan­
desherr, der anfangs gleichzeitig
Grundherr war, den Bauern als Lehen.
Vollständige Eigentümer ihrer Hufe
waren sie also nie, sie erhielten diese
von ihren Lehnsherren geliehen, nicht
verliehen. Während man zunächst bei
den Abgaben zwischen Slawen- und
deutschen Hufen unterschied, wurde
die slawische Bevölkerung allmählich
in diesen Prozess integriert. Man
schätzt, dass etwa ein Viertel bis zur
Hälfte der Bevölkerung neue Siedler
waren und der Rest aus Slawen be­
stand. Die Hüfner hatten als Ab­
geltung für das geliehene Land be­
stimmte Pflichten in Form von Diens­
ten und Abgaben zu erfüllen. Darunter
war die Bede die wichtigste. Es war
eine ursprünglich an den Landesher­
ren zu leistende Lieferung an Geld und
Korn. Sie wurde zuerst bei Bedarf,
dann regelmäßig erhoben und damit
zum Vorläufer der späteren Grundsteu­
er. Als Gegenleistung gewährte der
Landesherr rechtlichen und militäri­
schen Schutz sowie die Befreiung
vom Kriegsdienst. Daneben hatten die
Bauern bei Bedarf zumutbare Dienste,
z.B. Burg- und Brückendienste, zu
leisten. Auch an die kirchlichen Insti­
tutionen mussten Lieferungen und
Gebühren, vornehmlich in Form des
"Zehnten", entrichtet werden.
die vorwiegend dem Zisterzienseror­
den angehörenden Mönche und Non­
nen eigene Niederlassungen (Gran­
gien) mit Hilfe von Laienbrüdern. So
bildeten die Klöster geistliche und
(land-)wirtschaftliche Zentren in
Mecklenburg. Im Bereich des Natur­
parks verfugten v. a. die Klöster
Sonnenkamp/Neukloster, Dobbertin,
Malchow und das in Vorpommern ge­
legene Neuenkamp im heutigen
Franzburg über zeitweilige Besitztü­
mer. Bis zur Reformation strebten sie
durch Kauf und Verkauf von Einzel­
hufen und ganzen Dörfern nach Ab­
rundung ihrer Ländereien. Noch bis
zum Jahre 1921 war das an den Äm­
tern erkennbar. Sie verwalteten den in
evangelische Damenstifte umgewan­
delten Besitz der drei Landesklöster
Dobbertin, Malchow und Ribnitz in
ziemlich geschlossenen Komplexen.
Die Klöster
Während die Vertreter der Geistlich­
keit festgelegte Abgaben erhielten,
mussten die Insassen der Klöster ih­
ren Lebensunterhalt vorwiegend aus
Siedlungen erwirtschaften, die ihnen
die Landesherren bei der Kloster­
gründung überließen. Oft nennen die
Urkunden eine pauschale Hufenzahl,
woraus man schließen kann, dass die
Klöster auch die Aufgaben von
Lokatoren zu erfüllen hatten. Teils er­
hielten die Klosterinsassen die Abga­
ben der Bauern, teils bewirtschafteten
Since the 7th Century our region was
colonized by Slavs. In 1160 Henry the
Lion conquered the territory o f the
Slavic Obotrites. Subsequently
German settlers followed, coming
mostly from what today is
Northwestern Germany. The
colonization process was organized
by locatores. The countrymen farmed
their lands, as they had done where
they came from, in three-field crop
rotation
3.1.3 Die Herausbildung von
Grundlagen für eine Gutsherr­
schaft vom 14. bis zum 16. Jh.
The emergence of large feudal
estates from the 14th to the 16th
Century
Die Ritter und ihre Freihufen
Die Lokatoren erhielten für ihre Tätig­
keit eine ganze Reihe von Vergünsti­
gungen. Dazu gehörten die bereits er­
wähnte Übertragung von Freihufen
und die Verpflichtung der übrigen
Bauern, diese mit zu bearbeiten. Einige
Lokatoren waren bereits vor der A n­
siedlung Vasallen des Landesherrn, ei­
nige stiegen im Verlauf dieses Prozes­
ses in die Schicht des niederen Adels
auf. Sie wurden Knappen, später Rit­
ter. Grund und Boden sowie andere
Rechte konnten verpfändet oder ein­
gelöst werden. Daraus ist wohl zu er­
klären, dass in einigen Dörfern mehre­
re Adlige Hufen besaßen. In Nossentin z.B. hatten um 1400 nicht weniger
als 10 Ritter Landbesitz.
In der 2. Hälfte des 14. Jh. wütete
mehrmals die Pest in Deutschland und
bewirkte in den Städten und Dörfern
einen großen Bevölkerungsverlust.
Der führte dazu, dass einige Hufen, in
geringem Maße sogar ganze Dörfer,
"wüst fielen", d. h. ohne Bewohner
waren. Auch niedrige Preise für land­
wirtschaftliche Erzeugnisse waren we­
nig motivierend, bäuerliche Anwesen
zu übernehmen. Man vermutet, dass
die Sesshaftigkeit in dieser Zeit nur
gering ausgeprägt war. Das wird von
gleichen oder ähnlichen Ortsnamen in
verschiedenen Landesteilen, die wei­
ter ziehende Siedler den Neu­
gründungen gaben, abgeleitet. Die ad­
ligen Inhaber von Freihufen nutzten
die Möglichkeit zur Abrundung ihrer
Felder, indem sie ihren Ländereien frei
gewordene Hufen zuschlugen. Die
verbliebenen Bauern mussten diese
Stücke wiederum mitbearbeiten und
erhöhten so die Einkünfte der Ritter.
Allerdings wurden die Abgaben we­
gen der geringeren Anzahl der Bauern
ebenfalls niedriger.
Die Aufteilung des Landes in viele
kleine "Herrschaften" und das Fehlen
einer starken fürstlichen Zentralmacht
begünstigte Streitigkeiten und Quere­
len mit den Nachbargebieten wie auch
I ländel innerhalb der Ritterschaft.
"Der Preisverfall für agrarische Pro­
dukte und der Bevölkerungsverlust
steigerten schließlich die Raublust der
Ritterschaft, was die Lage der Bauern
noch mehr zu belasten schien und sie
zur Abwanderung drängte" ( R u c h h ö f t
2001).
Manche Ritter versuchten besonders
in der zweiten Hälfte des 15. Jh. ihre
Einkünfte durch bewaffnete Überfälle
aufzubessern. Derartige Raubzüge
wurden auch als "Fehden" bezeich­
net. Landwehren und Wachtürme, die
teilweise noch erhalten sind, sollten
besonders die Stadtbürger vor überra­
schenden Überfällen bewahren, bei
denen die Raubritter häufig das Vieh
wegtrieben. Die Dorfbewohner waren
solchen Überfällen eher wehrlos aus­
gesetzt, wenn ihre Grundherren sie
nicht zu schützen vermochten. Diese
hatten ihre Anwesen durch "feste
Häuser" gegen Angriffe gesichert.
Waren sie mächtig genug, konnten
sogar ganze Burganlagen, in denen
sich auch Wirtschaftsgebäude befan­
den, ihr Eigentum abschirmen.
Den jeweiligen Landesherren reichten
die bäuerlichen und städtischen Ab­
gaben nicht aus. Sie waren auf zusätz­
liche Einkünfte angewiesen, die sie
von vermögenden Adligen, jedoch
nicht ohne Gegenleistung, bekamen.
Eine mögliche Gegenleistung bestand
in der Übergabe der Verfügungs­
gewalt über ganze Dörfer, womit nicht
mehr die Landesherren die Grundher­
ren waren, sondern die Ritter. Sie
konnten dann über die Belehnung in
ihren Dörfern entscheiden. Natürlich
fielen ihnen auch einige Rechte, die
Bede und die zu leistenden Pflichten
zu. Im Zuge dieser Entwicklung verlo­
ren viele Bauern das erbliche
Eigentumsrecht an ihren Hufen. Sie
wurden zu Zeitpächtem ihres Grund­
herren und konnten jederzeit, durch
das Recht gedeckt, von ihren Hufen
entfernt werden.
Die Ritter als Richter
Mit der Übertragung der Grundherr­
schaft auf die Ritter verband sich als
eines dieser Rechte die niedere Ge­
richtsbarkeit. Das war die Rechtspre­
chung bei Eigentums- und anderen
Delikten, die nicht Todes- oder harte
Leibesstrafen zur Folge hatten. So
durften die Ritter auch in solchen Ver­
fahren, die sich gegen sie selber
wandten, "Recht sprechen". Neben
Haft- und Prügelstrafen sprachen die
"Gerichtsherren" gerne Geldstrafen
aus, die den Grundherren, also ihnen,
zu entrichten waren. Dieses System
wurde häufig zur Abrundung des Ei­
genbesitzes in der Dorfgemeinschaft
und zur Erweiterung der bäuerlichen
Pflichten zugunsten der Ritter miss­
braucht. Wenn es den Rittern gelang,
den Landesherren auch noch die
höchste Gerichtsgewalt abzukaufen,
hatten ihre Untertanen kaum noch die
Möglichkeit, Ungerechtigkeiten durch
Dritte ahnden zu lassen. Eine Flucht
war auf Grund des Abforderungs­
rechtes zur Auslieferung solcher Bau­
ern aussichtslos. "Die Übertragung
der vollen Gerichtsgewalt auf den
Grundherren überantwortete diesem ...
die völlige Herrschaft über die
hintersässigen (untertänigen, d. A.)
Bauern, die sich nun erst in Gutsuntertanen um wandelten ..." ( M a g e r
1955).
Das Bauernlegen
Im schlimmsten Fall wurden die Bau­
ern durch die Ritter "gelegt". Das
Bauernlegen konnte auf zwei Wegen
geschehen: Beim Umlegen blieben die
Bauern Hufner, allerdings in einem an­
deren Dorf oder auf einer vom Dorf
entfernten bzw. auf schlechterem Bo­
den liegenden Hufe. Das Niederlegen
bedeutete die Einbeziehung der bäuer­
lichen Hufe in das Herrenland und die
Degradierung der Bauern zu land- und
mittellosen Untertanen. Die An­
eignung des von den Landesherren
geliehenen bäuerlichen Landes durch
das Legen der Bauern war in den fol­
genden Jahrhunderten wesentliche
Grundlage für die Entstehung der
Gutswirtschaften.
11
Die Stände
Inzwischen hatte sich die Ritterschaft
des Landes mit der "Landschaft" zusammengeschlossen. Das waren die
Vertreter der Städte und der Geistlich­
keit, die zusammen mit den Rittern die
"Landstände" bildeten. Sie besaßen
das Recht auf Beschlussfassung über
Angelegenheiten des ganzen Landes,
auch wenn es in Einzelherrschaften
aufgeteilt war. Die Beschlüsse wurden
auf Landtagen gefasst, die abwech­
selnd in Malchin und Sternberg abgehalten wurden. Die Stände bildeten
eine starke politische Gegenmacht zu
den Landesherren. Deren Wünsche
und Forderungen wurden häufig nur
nach Abtretung weiterer Rechte an die
Stände erfüllt.
Eine andere Möglichkeit zur Erhöhung
von fürstlichen Einkünften bildete die
langfristige Verpfändung von
Verwaltungseinheiten, wie Ämter und
Vogteien, an einzelne Adlige. Diese
versuchten die Pacht, die sie an den
Landesherren zu zahlen hatten, von
den Amtsuntertanen wieder einzutrei­
ben. Meist waren davon die Bauern
betroffen.
Mit der um die Mitte des 16. Jh. auch
in Mecklenburg erfolgreichen Refor­
mation entfiel die traditionelle
Eigenständigkeit des geistlichen Stan­
des. Ein großer Teil dessen Besitzes
fiel den Landesherren zu, die mit der
Reformation gleichzeitig zu Kirchen­
oberhäuptern ihres Territoriums ge­
worden waren.
Die Dienste der Bauern
Im 15. und 16. Jh. stiegen die Preise
für Getreide und Wolle. Durch die be­
ginnende Industrialisierung wuchs die
Stadtbevölkerung in West- und Süd­
europa, und der steigende Brotkorn­
bedarfwurde auch durch mecklen­
burgische Importe gedeckt. Die auf­
blühende Textilindustrie in den Han­
sestädten, in England und den Nieder­
landen bedingte einen steigenden Be­
darf an Wolle. Gleichzeitig verlor das
Geld durch Edelmetallfunde in Ameri­
ka an Wert. So war es für die Grund­
herren attraktiver, anstelle geldlicher
Abgaben der Bauern die eigene Pro­
12
duktion zu vermehren, indem man die
bäuerlichen Dienste erhöhte. Weil die
Höhe und der Umfang der Dienstleis­
tungen selten vertraglich vereinbart
worden waren, konnten die Grundher­
ren sie häufig einseitig festlegen. Als
Grundherren waren sie berechtigt,
eventuellen Widerstand gegen ihre
Entscheidungen zu brechen.
Die Ritterschaft am Ende des
16. Jh.
Die mecklenburgische Ritterschaft
konnte ihre Machtbefugnisse im Lau­
fe der 400 Jahre seit der Kolonisation
erheblich ausdehnen. Die Ritter hatten
den Landesherren einen Großteil
staatlicher Macht für ihre Territorien
abgetrotzt und die Bauern weitgehend
von freier Mitbürgerschaft in die Leib­
eigenschaft gezwungen. Wirtschaftli­
cher Erfolg w:ar damit aber nicht immer
gesichert. Die Inhaber großer Lände­
reien hatten bessere Chancen zur
Überwindung von Engpässen. Von
den anfangs des 17. Jh. ermittelten 336
ritterlichen Wirtschaften in
Mecklenburg überstiegen lediglich 28
den Besitzwert von 40.000 Gulden. Ein
Rückgang der Kompreise um das Jahr
1600 traf besonders die kleineren
Ritterhufen, die sich auf den Getreide­
handel festgelegt hatten. Kredit­
beziehungen und Bürgschaften konn­
ten zur Verschuldung, zu Verpfändun­
gen und zum Verlust des Besitzes füh­
ren. Auch eine vermeintlich standes­
gemäße, aber aufwändige und damit
kostspielige Lebensweise dürfte in
manchen Familien zum Ruin beigetra­
gen haben ( G ö s e 2003).
The locatores who had organized the
colonization process, most o f them
knights, were rewarded by the duke.
Their lands were free o f duties. The
countrymen had to farm the lands of
the locatores, as well. Over time,
helped by the weakness of the duke's
central powers, the knights became
ever stronger. They gained
jurisdiction overthe countrymen who
rnore and more receded into serfdom.
This created the conditions for the
development of large feudal estates.
Peasant property was either arbitrarily
appropriated or swapped by force in
order to round up the lands of the
gentry estate.
3.2 Die Entwicklung vom Dreißigjährigen Krieg bis
zur Aufhebung der Leibeigenschaft
The period from the Thirty Years War to the abolition of peonage
3.2.1 Der Dreißigjährige Krieg
und seine Folgen
The Thirty Years War and its aftermath
Die Ereignisse in Mecklenburg
Während sich die ersten Schlachten
des Dreißigjährigen Krieges außerhalb
Mecklenburgs abspielten, griff das
Geschehen seit 1627 auch auf dieses
Land über. Kaiserliche Truppen unter
W a l l e n s t e d t verfolgten die Armee
des Dänenkönigs C h r i s t i a n . Während
der vier Jahre, in denen W a l l e n s t e in
Herzog von Mecklenburg war, begann
er eine Reihe von Reformen zum Wöh­
le des Landes, die aber nach seiner
Absetzung größtenteils rückgängig
gemacht wurden. 1631 vertrieb G u s t a v
A d o l f v o n S c h w e d e n die Kaiserlichen
aus Norddeutschland. Zwar wurde
auch er geschlagen, aber bis 1636 hat­
te er seine Streitmacht verstärkt und
rückte mit ihr von Pommern aus vor.
Nachdem seine Truppen bis Sachsen
gelangten und von dort zurückge­
drängt wurden, spielten sieh die Aus­
einandersetzungen au f
mecklenburgischem Boden ab. 1638
wurde "Mecklenburg von den Kaiser­
lichen und Schweden überschwemmt,
und von beiden feindselig behandelt,
und in diesem und in dem folgenden
Jahre durch Schwert, Hunger und an­
steckende Krankheiten entvölkert. ...
Seit Herzogs H e in r ic h d e s L ö w e n Ver­
wüstungen war Mecklenburg nie so
verödet worden, als in diesen beiden
Kriegsjahren 1637 und 1638.... Weder
Winter- noch Sommersaat konnte be­
stellt werden. Die Pferde wurden weggenommen, die Ochsen verzehrt. Die
Viehseuche brach aus. Das Wenige,
was bestellt war, ward zertreten und
verdorben. Wer konnte, flüchtete sich.
Die, welche zurückblieben, fraß das
Schwert oder der Hunger. Dazu kam
eine pestartige Epidemie. Allenthalben
bleiche, verhungerte Menschenge­
stalten, verödete menschenleere
Wohnplätze, rauchende Brandstätten.
Wohin sich das Auge nur wandte,
sähe es Elend und Tod" ( H a n e 1 804).
Noch heute berichten Sagen und Er­
zählungen von den Geschehnissen,
die fast immer mit den Schweden in
Verbindung stehen und wofür der Be­
griff "Schwedentrunk", das Abfällen
eines Betroffenen mit Jauche bis zu ei­
nem Geständnis oder dem Tod, nur ein
Beispiel darstellt.
Die Nachkriegszeit
Die Landwirtschaft war stellenweise
äußerst verkümmert, so dass die Feld­
bebauung oft erst nach Jahrzehnten
das Niveau der Vorkriegszeit wieder
erreichte. Dem musste auch der
grundbesitzende Adel Rechnung tra­
gen, der allerdings primär eigene wirt­
schaftliche Interessen zulasten der
Bauern verfolgte. Eine Gelegenheit
dazu bot die schon vor dem Krieg be­
gonnene Abrundung der adligen Fel­
der durch Zusammenlegung. Die we­
nigen Arbeitskräfte band man durch
noch härtere Maßnahmen an die
Scholle, indem mancher mit Polizeige­
walt in sein ehemaliges Dorf gebracht
wurde. Jedoch boten die vielen brach
liegenden Stellen auch Anreiz für
landlose Bewohner der nicht so stark
vom Krieg betroffenen Gebiete, sich
hier eine Existenz als Bauer aufzubau­
en. Daher kam es zu einer zweiten
Siedlungswelle, die aber im Vergleich
zur Kolonisierungsperiode geringfügi­
ger war.
Der Ausbau ritterschaftlicher
Höfe
Bereits vor dem Krieg war damit be­
gonnen worden, die unbesetzten Hu­
fen zu Meier- bzw. Bauhöfen zusam­
menzufassen oder die Frei- bzw. Hof­
hufen zu derartigen I löfen zu erwei­
tern. Ein Meier, von lat. Maior, war der
Verwalter. Meier- oder Bauhöfe wur­
den vollkommen aus dem Flurzwang
der Drei- bzw. inzwischen praktizierten
Mehrfelderwirtschaft herausgelöst.
A uf diesen Feldern hatten die noch
vorhandenen Bauern weiterhin Hof­
dienste zu leisten. Solche Dienste
wurden immer mehr erhöht, so dass
die Bauern zur Erfüllung der Anforde­
rungen mehr Personal, Zugtiere,
Bodenbearbeitungsgeräte und Trans­
portmittel Vorhalten mussten, als zur
Führung ihrer Eigenwirtschaft erfor­
derlich war.
Die Ritter bzw. Meier ließen nahezu
alle Feldarbeiten auf diese Weise ver­
richten. Es begann mit dem Pflügen
oder auch Haken. Dazu brauchten die
Bauern in der Regel Zugochsen und
einen Knecht, natürlich auch den
Pflug oder Haken und die Egge. Die
Einsaat erfolgte in Form der Hand­
dienste. Zur Mahd hatte jeder Bauer
ebenfalls Kräfte zu stellen, nämlich ei­
nen Mäher und einen (Garben-) Bin­
der. Das war meistens eine Magd. Das
Einbringen der Ernte und die Herbst­
bestellung erforderten wiederum
Hand- und Spanndienste. Genau ge­
nommen benötigten die
ritterschafllichen Hofbesitzer nur eine
Scheune zur Unterbringung des Ge­
treides und die Tenne zum winterli­
chen Dreschen, was die Bauern dann
ebenfalls ausführen mussten. Auch
die Domanial- und Klosterämter rich­
teten derartige Höfe ein, die verpach­
tet wurden.
Zu dieser Zeit wurde das Korn bereits
bis Skandinavien und Westeuropa ex­
portiert. Die dazu erforderlichen
Mindestmengen konnten nur auf grö­
ßeren Flächen produziert werden. An­
dere Feldfrüchte und tierische Erzeug­
nisse waren wegen der geringen
Haltbarkeitsdauer nicht weit trans­
portierbar und dienten deswegen vor­
wiegend der Eigenversorgung.
13
Die Einführung einer
Gesindeordnung
Die Untertänigkeit der bäuerlichen Be­
völkerung wurde durch den Erlass ei­
ner Gesindeordnung im Jahre 1645
festgelegt. Sie fixierte die Erbuntertä­
nigkeit und Leibeigenschaft in
Mecklenburg. Die neun Jahre später
in Kraft getretene "renovirte Gesinde-,
Tagelöhner-, Bauern-, Schäf(f)er-, Taxund Victual-Ordnung" verankerte die
Leibeigenschaft gesetzlich. Damit wa­
ren die Untertanen "ihrer Herrschaft
dieser unserer Lande und Fürstenthümer kündbarem Gebrauche nach,
mit Knecht- und Leibeigenschaft
sammt ihrem Weib und Kindern ver­
wandt, und daher ihrer Person nicht
mächtig...." (Mit heutigen Worten ge­
hörten die Untertanen einschließlich
ihrer Familien nach landesüblicher Sit­
te ihrer Herrschaft, weil sie keine freie
Verfügungsgewalt über ihre Person
besaßen). Von dieser Position aus
konnte der grundbesitzende Adel eine
Reihe von Neuerungen in Angriff neh­
men, die der Steigerung von Einnah­
men aus seinen Höfen dienten. Diese
wurden allmählich zu Gutshöfen, die
Grundherren wurden zu Gutsherren.
3.2.2 Die Auswirkungen des
Dreißigjährigen Krieges auf die
Entfaltung der Gutsherrschaft
Impact of the Thirty Years War on
the evolvement of the feudal estate
system
Die Unterdrückung der Bau­
ern und die Leibeigenschaft
Die Leibeigenschaft hatte zwei Seiten:
Die Betroffenen waren mit ihrem Leib
den Grundherren eigen, so dass diese
nach Belieben bzw. Bedarf über sie
und ihre Arbeitskraft verfügen konn­
ten. Die Grundherren hatten aber auch
eine Fürsorgepflicht, indem sie ihren
leibeigenen Untertanen zumindest
grundlegende Existenzmöglichkeiten
gewährleisten mussten. Dazu gehör­
ten das Recht auf Wohnung, die Si­
cherung der Einkommensmöglichkeit
durch Arbeit sowie der Unterhalt bei
Erwerbsunfähigkeit. Die Absicherung
dieser Rechte erfolgte in der Regel auf
14
bescheidenstem Niveau und stand in
keinem Verhältnis zu den Möglichkei­
ten der Grundherren, Untertänigkeit
konkret einzufordem. Hierzu gehörte,
neben dem schon beschriebenen Bau­
ernlegen, die Verpflichtung zu mehr
oder weniger einträglichen Tätigkei­
ten, die Zuweisung von Wohnraum,
der Heiratskonsens, die Verweigerung
der Freizügigkeit u. a. Solche Maßnah­
men fielen um so strenger aus, je we­
niger Arbeitskräfte vorhanden waren.
Die Dienste der noch existierenden
Bauern waren nach dem Dreißigjähri­
gen Krieg ungemessen. Das machte
ihre soziale Stellung wenig attraktiv.
Da die Bauern mit diesen Belastungen
häufig überfordert waren, sahen sie
oft nur in der Flucht einen Ausweg.
Die musste freilich in einen Staat ge­
hen, von dem keine Auslieferung üb­
lich war. Das war z. B. Preußen.
Die Koppelwirtschaft
Als in den dreißiger und vierziger Jah­
ren des 18. Jh. die Preise für Brotkorn
anzogen, war das für die adligen
Grundherren ein Anlass, effektivere
und einträglichere Wirtschaftsweisen
einzuführen. So vollzog sich allmäh­
lich ein Wandel in der Agrarwirtschaft.
Die teils noch übliche Drei- bis Fünf­
tel derwirtschaft wurde abgelöst durch
die in Holstein bereits praktizierte
Koppelwirtschaft. Sie wurde in
Mecklenburg zu einer siebenschlägigen Wirtschaft modifiziert.
Dabei bestellte man im Allgemeinen
drei Schläge mit Gerste, zwei mit Rog­
gen und einen mit Hafer, während der
siebte Schlag gebracht (= in Brache
gelegt) und beweidet wurde. Die All­
mende, den Allgemeinbesitz der Dorf­
genossen, hatten die Grundherren
inzwischen zu ihrem Besitz geschla­
gen. Zur Durchsetzung der Schlag­
wirtschaft, die den Anforderungen
ständig angepasst wurde, brauchten
die Grundherren zusammenhängende
Flächen. Wegen des günstigeren Ver­
hältnisses zwischen der Ackerbau­
fläche einerseits und der Weide und
Brache andererseits sank der Bedarf
an "Pflugdiensten". Das trieb die
Legung der noch verbliebenen Bauern
weiter voran. "Als aber die Guts­
besitzer erst hinter das Geheimnis ka­
men, daß man ein Gut auch sehr
füglich ohne bäuerliche Frondienste
.... bewirtschaften k önne,... fielen alle
Rücksichten gegen die Bauern völlig
hinweg" ( B o l l 1856).
3.2.3 Zu den Ergebnissen des
Landesgrundgesetzlichen
Erbvergleichs von 1755
The results of the hereditary
agreement of 1755
Die Gliederung des Landes
Nach mehrjährigen Anläufen und Ver­
handlungen von Reform versuchen im
Domanium bis hin zu allerdings erfolg­
losen kriegerischen Unternehmungen
des Herzogs C a r l L h o p o l d gegen die
Stadt Rostock und die Ritterschaft
kam es 1755 zwischen den Landesher­
ren und den Landständen zum so ge­
nannten Landesgrundgesetzlichen
Erbvergleich, der, ausgehend von fi­
nanziellen Regelungen, die politische
Entwicklung Mecklenburgs bis 1918
bestimmte. Zwar wurde die Einheit des
Landes auch bei dynastischen Teilun­
gen festgeschrieben, aber ebenso die
Vorherrschaft der Stände bei der Be­
willigung herzoglicher Steuern. Sie
wurden häufig nur gegen die Übertra­
gung herzoglicher Rechte besonders
an die Ritterschaft gew ährt. Die Drei­
teilung des Landes in (herzogliches)
Domanium, (den Besitz der) Ritter­
schaft und (das Gebiet der) Städte
wurde politisch und damit
verwaltungsmäßig verankert. Jeweils
nahezu 45 % machten den Besitz des
Domaniums und der Ritterschaft aus,
während sich die 42 Städte auf etwa
10 % des Landes erstreckten. Da die
Landesherren, von denen es seit 1701
die Herzöge von MecklenburgSchwerin und dem zweigeteilten
Mecklenburg-Strelitz gab, die
Regierungskosten zu tragen hatten,
standen ihnen dafür die gesamten Ein­
nahmen aus dem domanialen Gebiet
und bestimmte Einkünfte der Städte
zu. Für die steuerlichen Abgaben, der
ordentlichen Kontribution, wurde ein
so genannter Hufenmodus festgelegt.
Dieser war nach Größe und Boden­
güte verschieden. In den nächsten
zwanzig Jahren sollten die Vermes­
sung und Bonitierung des Ritter­
landes erfolgen.
Die Einkünfte der Herzöge
Bis 1808 war vom Besitz der Ritter­
schaft lediglich der Teil zur Hälfte zu
versteuern, der in und nach dem Drei­
ßigjährigen Krieg erworben worden
war. Es wurde damit begründet, dass
die Ritter ja für ihre seit der Kolonisie­
rung erworbenen Ritterhufen Steuer­
freiheit genossen. Die vor dem Drei­
ßigjährigen Krieg gelegten Bauern­
hufen wurden damit einbezogen, weil
eine Aufrechnung nicht mehr möglich
war. Man setzte ttir jede Erwerbsart
gleiche Teile an, so dass lediglich für
die niedergelcgten Bauernhufen Steu­
ern zu zahlen waren.
Die Regelung für das Domanium über­
ließ man den Herzögen. Das galt
allerdings nur für die bis 1748 beste­
henden Besitzungen. Was die Landes­
herren später hinzu erwarben, wurde
wie ritterschaftliches Land gerechnet.
Dafür hatten sie Steuern an den
"Landkasten", die ritterschaftliche
Kasse, zu entrichten. Der Landkasten
überwies die der Regierung zustehen­
den Beträge an die herzogliche "Rentkammer". Bei besonderen Situationen
konnte der Landtag eine außerordent­
liche Kontribution (Abgabe) beschlie­
ßen, wie es u. a. während und nach
der "Franzosenzeit" geschah.
Regelungen zum Bauernlegen
Im 19. Artikel regelten 32 Paragraphen
die "Fragen der leibeigenen
Unterthanen" und legten fest, dass
"die Verlegung und Niederlegung ei­
nem jeden G utsherren... frei und
unbenommen sei". Allerdings bedurf­
te die Legung ganzer Dörfer der Zu­
stimmung der Landesherren. Später
wurde durchgesetzt, dass mindestens
drei Bauernhufen zu erhalten seien.
Das ist in einigen Gutsdörfern heute
noch erkennbar.
Der Landesgrundgesetzliche Lrbvergleich erwies sich als ein Instru­
ment der Verselbstständigung
insbesondere der Ritterschaft, die
gleichsam einen Staat im Staate bilde­
te. Während die großherzoglichen Re­
gierungen in Schwerin und Neustrelitz
das Domanium verwalteten, besorgte
der "Engere Ausschuss" in Rostock
die Angelegenheiten der Stände zwi­
schen den Landtagen.
Natürlich enthalten die 530 Paragra­
phen dieses Gesetzeswerkes weit
mehr als die hier dargestellten Rege­
lungen. Aber "auch alle anderen Be­
stimmungen sind nichts anderes als
Zugeständnisse ... und tragen somit
von vornherein den Stempel subjekti­
ver Färbung zu Nutz und Frommen der
Stände..." ( V it k n s f . 1920).
bensende mit Wohnung, Dienstperso­
nal und weiteren Vergünstigungen
wohl versorgt waren. Zwei dieser drei
bis 1945 existierenden Landesklöster
befinden sich im Bereich des Natur­
parks, nämlich Dobbertin und
Malchow. Der besonders bei
Dobbertin sehr umfangreiche Grund­
besitz wurde analog den herzoglichen
Domanialämtern von Klosterämtern
mit einem Klosterhauptmann an der
Spitze verwaltet. Noch 1920 befanden
sich zwölf "Klostergüter" mit einer
Fläche von mehr als 7.000 ha im Be­
reich des Naturparks. Sie unterstan­
den dem Engem Ausschuss und un-
3.2.4 Zur Lage in den Landes­
klöstern und im Domanium
The condition of the monasteries
and the ducal domain
Die Auflösung der Klöster
nach der Reformation
Nachdem die Stände 1549 die Einfüh­
rung der Reformation in Mecklenburg
beschlossen hatten, erlosch die Ver­
tretung der Geistlichkeit, die Gruppe
der Prälaten, im Landtag. Die Lutheri­
sche Lehre wurde Staatsreligion.
Geistliche Oberhäupter der Kirche wa­
ren nun die Landesherren. Weit wich­
tiger als die religiöse erwies sich je ­
doch die ökonomische Komponente.
Der umfangreiche Immobilienbesitz
der kirchlichen Institutionen fiel dem
Staat zu und wertete vor allem die
Qualität des Domaniums auf. Beson­
ders die Klöster waren teils zu um­
fangreichen, eigenständigen, feudalen
und vermögenden Unternehmen ge­
worden. Ihre Erwerbung zum Nullwert
ließ die geistliche Reformation für die
Landesherren und Stände lukrativ er­
scheinen. So wurde der größte Teil des
Kirchenbesitzes säkularisiert (enteig­
net) und damit landesherrlicher Besitz.
Die nunmehr zwei Landstände setzten
es aber durch, dass drei der Nonnen­
klöster als adlige Damenstifte erhalten
blieben. Hier brachten die Stände ihre
ledigen Töchter unter, die damit gegen
ein oft schon bei der Geburt entrichte­
tes Linschreibegeld bis zu ihrem Le­
Abb. 8 Klosteranlage Dobbertin
The Dobbertin cloister complex
terlagen den Landtagsbeschlüssen.
Ihre Erfüllung kontrollierte ein
Klosterkomitee. Die Domanialämter
unterstanden dagegen den herzogli­
chen Regierungen. Die Strukturen wa­
ren aber ähnlich. Darum kann man
über die Entwicklung der Gutsw'irtschaft in den Domanial- und Kloster­
ämtern nahezu gemeinsame Aussagen
treffen. Ähnlich handhabten es die
Städte in ihren Kämmereidörfern, von
denen es in unserem Raum keine gibt.
15
Die Verwaltung der Dörfer des
Domaniums und der Klöster
Zur Verwaltung des Domaniums, "dem
in herzoglicher Hand vereinigten Rest
eines ursprünglich das ganze Land
umfassenden Besitzes" ( K a r g e et al.
1993), bestanden zeitweise bis zu 48
Domanialämter. Sie waren oft aus
bereits in der Slawenzeit bestehenden
"Terrae" bzw. alten Vogteien hervorge­
gangen. Hier wie in den Klosterämtem
gab es außer dem (groß-) herzoglichen
keinen Adelsbesitz. Erst die an ande­
rer Stelle dargestellten Bevölkerungs­
veränderungen erforderten Maßnah­
men zur Sicherung der landwirtschaft­
lichen Produktion in der Gemengelage
der Dreifelderwirtschaft. Beim Frei­
werden von Hufen, die nicht wieder
besetzt werden konnten, wurden wie
in den ritterschafitlichen Dörfern
besonders seit dem Dreißigjährigen
Krieg Bauhöfe, Meierhöfe bzw.
Verwaltereien eingerichtet. Handelte
es sich um einzelne Stellen, musste die
Dorfschaft unter Verantwortung des
Schulzen den Acker mit bearbeiten.
War die Hofstelle noch bewohnbar,
wurden dort landlose Dorfbewohner
eingewiesen. Nahm der "Leerstand"
einen größeren Umfang ein, befahl der
Amtshauptmann die Bauern der umlie­
genden Dörfer zu Dienstleistungen.
Dann beauftragte er einen seiner Be­
amten mit der Organisierung der not­
wendigen Arbeiten und Beaufsichti­
gung der Dienstleute. Während das
DorfTechentin im Domanialamt Gold­
berg bereits vor dem Dreißigjährigen
Krieg einen "bawhoff' aufwies, blieb
es bis etwa 1950 ein reines Bauern­
dorf. Es war also der "B auhof wieder
besetzt worden. Das Nachbardorf
Zidderich, in dem die Techentiner
Dienste zu leisten hatten, hatte schon
1669 einen Pachthof, aber auch 1757
noch sechs Bauern. Sie wurden in je ­
nem Jahr gelegt, und zwar derart, dass
sie auf Hufen in vier Nachbardörfern
gesetzt wurden. Damit war Zidderich
vollkommen zu einem "bauemlosen"
Dorf geworden. An anderer Stelle der
Feldmark wurde der "M eier-H of neu
errichtet. Während zunächst der
Küchenmeister des Amtes Goldberg
16
diesen verwaltete, wurde er nach dem
Bau eines Verwalterhauses um 1775
verpachtet.
Ähnlich verlief die Entwicklung
überall im Domanium und den Kloster­
ämtem. Man war bestrebt, so viele
Bauernhufen wie möglich zu erhalten
und weitgehend "reine" Bauern- bzw.
Gutsdörfer zu bilden, wobei das Verle­
gen der Bauern dazu günstige Mög­
lichkeiten bot. Noch " 1833 wurden die
12 Mestliner Bauern in die Ausbauten
umgesiedelt und der Ruester Feldmark
zugeteilt.... Mestlin war fortan ein rei­
nes Gutsdorf, während Ruest zum gro­
ßen Bauerndorf aufgewertet wurde.
Ruest hatte fortan 26 Bauernstellen: 8
bisherige, 12 aus Mestlin, 4 aus Groß
Breesen." ( P e t e r s etal. 2001). Die lan­
desherrlichen und klösterlichen Guts­
dörfer wurden als Meierhöfe auf 12, 18
oder 24 Jahre verpachtet. Später bezeichnete man sie als Domanialgtiter
oder Domänen.
Als die Einführung der Schlag­
wirtschaft gegen Ende des 18. Jh. ei­
nen geringeren Bedarf an Arbeitskräf­
ten zur Folge hatte, erübrigten sich die
bäuerlichen Hofdienste. Sie wurden in
Dienstgelder umgewandelt. Die erfor­
derlichen Arbeiten vernichteten die
Einlieger, die sich wie in der Ritter­
schaft auch im Domanium aus geleg­
ten Bauern, nicht erbenden Bauern­
söhnen usw. rekrutierten.
Rein äußerlich unterschieden sich die
Klostergüter und Domänen wenig von
den ritterschaftlichen Gütern, doch
wurde hier manches im Interesse der
Erhaltung eines lebensfähigen
Bauernstandes "humaner" geregelt,
und die Eigentümer (Klöster und Lan­
desherren) hatten den Pächtern ge­
genüber eine Reihe von Verpflichtun­
gen, z. B. bezüglich der Bautätigkeit.
During the Thirty Years War
Mecklenburg was badly devastated in
1637/38. There were high casualties
and agriculture lay fallow due to
lacking husbandry. The gentry was
able to round up their properties and
had the remaining peasants work on
their fields. Peonage was legally
introduced in Mecklenburg in 1645
and lasted until 1820. By contractual
agreement between the gentry, the
cities and the dukes during the
second half of the 18Lh Century
Mecklenburg was divided into three
types o f ownership: ducal domain
(appr. 45%), gentry estates (approx.
45%) and property o f the cities ( 10%)
Three monasteries, following the
Lutheran reformation, had come into
the shared property of the gentry.
3.2.5 Die Vervollkommnung
der Gutsbildung bis zur Auf­
hebung der Leibeigenschaft
From the perfection of the feudal
estate system to the abolition of
peonage
Änderungen in den
Eigentumsverhältnissen
Bei der Inkraftsetzung des Landes­
grundgesetzlichen Erbvergleichs 1755
gab es unter den rund 600 Inhabern
der etwa 1000 ritterschaftlichen Güter
in Mecklenburg bereits einige nicht­
adlige Besitzer. Das nahezu unbe­
schränkte Eigentumsrecht erlaubte
auch den Handel mit Gütern ein­
schließlich der leibeigenen Guts­
bediensteten. Damit konnten vermö­
gende Angehörige des aufstrebenden
Bürgertums in den Besitz von Ritter­
gütern gelangen. Als Folge des
Siebenjährigen Krieges, der sich gra­
vierend auf Teile Mecklenburgs aus­
wirkte, sowie wegen Viehseuchen und
Missernten zwischen 1765 und 1774
ging etwa ein Achtel der Rittergüter in
Konkurs und wechselte damit den In­
haber. Weniger üblich waren Verpach­
tungen im Bereich der Ritterschaft. Da
mit dem Rittergut die Landtags­
fähigkeit des Besitzers verbunden war,
gelangten nun auch Nichtadlige in
dieses Gremium.
Die Umstellung in der
Feldwirtschaft
In jener Zeit gab es weitere Umstellun­
gen in der Wirtschaftsweise, die vom
gewandelten Bedarf ausgingen, der
sich wiederum aus der gestiegenen
Bevölkerungszahl in den Städten und
aus verbesserten Exportmöglichkeiten
ergab. Bei Getreidekulturen wechselte
der Anbau mehr zu Weizen, dazu ka­
men Hackfrüchte wie Kartoffeln und
Futterrüben, weitere Futterpflanzen, z.
B. Klee, und Kulturen, die der indus­
triellen Verarbeitung dienten, wie
Flachs, H anf oder Tabak. Damit muss­
te die Bodenbearbeitung im Hinblick
auf eine verbesserte Fruchtfolge wei­
ter vervollkommnet werden. Man
düngte bereits mit Teichmodder und
Kalkmergel und bemühte sich um die
Vergrößerung des Naturdunganteils.
Pflug, Haken und Egge bildeten
weiterhin die vorherrschenden
Bodenbearbeitungsgeräte.
Abb. 9 Schäfer m it Herde
Shepherd with flock
Tierhaltung in Holländereien
und Schäfereien
Da auch Fleisch, Felle sowie Milch­
produkte mehr gefragt waren, machte
sich eine Steigerung der Tierhaltung
bezahlt. Die Grundherren ließen die er­
fordert ichen Stallungen bauen, Weide­
flächen einrichten und Futterpflanzen
produzieren. Sie übertrugen die Vieh­
haltung Subunternehmern. Die kamen
ursprünglich aus Holland, wo es lang­
jährige Erfahrungen a u f diesem Gebiet
gab. Sie übernahmen die gesamte
Milchwirtschaft eines Gutes als Hol­
länderei in eigene Verantwortung und
zahlten den Grundherren Pacht.
Als die Textilindustrie durch
Mechanisierung vervollkommnet wur­
de, stieg der Bedarf an Wolle. Parallel
dazu stiegen die Preise. Die Haltung
größerer Schafherden wurde rentabel.
Schäfer wurden wie Holländer Subun­
ternehmer und richteten Schäfereien
ein, für die wiederum die Grundherren
die nötigen Flächen, Futtermittel und
Unterkünfte bereitstellten. Hierbei
ging es auch um die Gewinnung von
Naturdung als Nebenprodukt.
Die Nutzung des Waldes
Wegen des Menschenmangels auf
dem Fände veränderte sich das
Siedlungsbild im Verlaufe des 17. und
18. Jh. Viele Flächen, die nicht bestellt
werden konnten, w urden naturbewal­
det, oder man nutzte sie lediglich als
Viehweide. Um die seit dem Dreißig­
jährigen Krieg mit Wald bedeckten
Wüstungen dem Ackerbau wieder zu-
Teerschwelerei und Glasherstellung
hin (Wooster Teerofen bei Sandhof,
Glashütte bei Alt Schwerin, Nossen­
tiner Hütte). Auch sonst boten Wal­
dungen ihren Eigentümern von jeher
die Möglichkeit der profitablen N ut­
zung. Die Zeit der Eichen- und Bu­
chenmast für in den Wald getriebene
Schweine war allerdings inzw ischen
überholt, ebenso meist die Fieferung
gut gewachsener Bäume als Schiff­
bauholz an die Küste. Schon seit der
Kolonisierung musste der Wald das
Brennmaterial für Ziegeleien und Kalk­
öfen liefern. Im 18. Jh. setzte sich die
Erkenntnis durch, dass nur eine plan­
mäßige Forstwirtschaft die nachhalti­
ge Gewinnung von Nutzholz ermög­
licht. Darauf wurde besonders in den
umfangreichen Klosterforsten und
den domanialen Waldgebieten Wert
gelegt. Die meist kleineren und in
Einzelbesitz befindlichen Waldflächen
der ritterschaftlichen Gebiete ließen
eine großräumige effektive Bewirt­
schaftung weniger zu. Hier wurde
öfter Raubbau zugunsten einer kurz-
Abb. 10 Teerofen in der Nossentiner Heide (um 1920)
Tar kiln in Nossentiner Heide (around 1920)
gänglich zu machen, mussten sie ab­
geholzt werden. Das Holz wurde in
Meilern zu Holzkohle und in Teeröfen
zu Holzkohle und Teerprodukten ver­
arbeitet. Wo geeigneter Quarzsand
vorhanden war, schlossen Glasmeister
Verträge mit den Grundbesitzern ab.
Dadurch wurde die Errichtung von
Glashütten und nach deren Auflassung
die Gewinnung von zusätzlichem
Ackerland möglich. Noch heute weisen
Flur- und Ortsnamen auf die frühere
fristigen Gewinnorientierung betrie­
ben.
Die Aufhebung der
Leibeigenschaft
Dem Geist der Französischen Revolu­
tion mit seinen Idealen von Freiheit,
Gleichheit und Brüderlichkeit wider­
sprach das System der Leibeigen­
schaft vollkommen. Den leibeigenen
Teilnehmern an den Befreiungskriegen
von 1813 bis 1815 war von den Herzö­
17
gen die Freiheit zugesichert worden.
Als nahezu einziger Grundherr hob
G k o r g F e r d in a n d v o n M a l t z a h n auf
Penzlin am Jahrestag der Leipziger
Völkerschlacht 1816 die Leibeigen­
schaft in seiner Begüterung auf. Damit
wurde eine Diskussion in Gang ge­
bracht, die 1820 mit einer Patent­
verordnung zur Aufhebung der Leib­
eigenschaft in Mecklenburg-Schwerin
ihren Höhepunkt erfuhr. Zwar wurde
die Gutsuntertänigkeit mit sofortiger
Wirkung aufgehoben, aber andere Re­
gelungen über Freizügigkeit, Arbeits-,
Wohn- und Heimatrecht sollten erst
schrittweise in den nächsten vier Jah­
ren in Kraft treten. Damit erhielten die
Gutsarbeiter wohl mehr Rechte, je ­
doch das miteinander gekoppelte
Wohn- und Arbeitsverhältnis, von
dem wiederum das Heimatrecht und
damit die Fürsorge im Krankheits- und
Altersfall abhingen, boten auch den
Gutsherren neue Möglichkeiten,
Druck auf Gutsarbeiter auszuüben.
Jetzt waren die Gutsbediensteten freie
Lohnarbeiter, die im Allgemeinen als
Tagelöhner bezeichnet werden. Unter­
schiede gegenüber Industriearbeitern
und Handwerksgesellen bestanden z.
B. in der saisonbedingten Arbeit, in
der Löhnung nicht nur durch Geld,
sondern auch durch Naturalleistun­
gen, dem so genannten Deputat. In
den Gutsdörfern gab es für die Tage­
löhner Wohnungen in Katen, über die
allein der Gutsherr verfügte, weil sie
ihm gehörten. Insofern brachte die
Aufhebung der Leibeigenschaft für
die Ritterschaft kaum Nachteile.
Sincc the second half o f the 18th
Century more and more gentry estates
were acquired by commoners.
Agriculture and animal husbandry
(cattle, sheep) were improved. The
forests were utilized to provide tar
and energy for the manufacturing of
glass. The Clearing of forests
providcd new lands for agriculture.
Poor soil was afforested. Peonage
was legally abolished in 1820, but
strong economic dependence
persisted.
18
3.3 Die volle Entfaltung der
Gutswirtschaft in Mecklenburg
The height of the feudal estate system in
Mecklenburg
3.3.1 Mecklenburgische
Güter im 19. Jahrhundert
Mecklenburg's estates in the 19th
Century
Der Aufschwung
"Das 19. Jahrhundert... war eine Epo­
che, die die Landwirtschaft auch in
Mecklenburg und in Vorpommern zu
hoher Blüte führte und betriebs­
technisch weit stärker forderte, als es
die vorausgehenden fünf bis sechs
Jahrhunderte ... vermocht haben. Sie
begann freilich mit e in er... höchst
krisenhaften Periode, die sich über
das erste Viertel des 19. Jahrhunderts
erstreckte" ( M a g e r 1955). Maßgebli­
che Ursache war die Entfaltung der In­
dustrie besonders in Westeuropa. Die
dazu notwendigen Arbeitskräfte ka­
men von den Dörfern in die wachsen­
den Städte. Damit erhöhte sich der
Nahrungsbedarf, den auch die
mecklenburgische Landwirtschaft
deckte. Von den höheren Einnahmen
konnten in der zweiten Hälfte des 19.
Jh. die von der Industrie geschaffe­
nen, damals modernen Landmaschi­
nen bezogen werden. Mit ihrer Ver­
wendung waren die Erträge zu stei­
gern. Die schwere Feldarbeit wurde
zwar erleichtert, führte aber auch zu ei­
nem geringeren Bedarf an Arbeitskräf­
ten. Damit wuchs die soziale Unsi­
cherheit der Landarbeiter, die deshalb
in größerer Zahl das Land verließen.
Zwischen 1851 und 1861 wunderten z.
B. 109 Einwohner aus Hallalit und
Steinhagen nach Nordamerika aus
( B a k t c k h 1992). Von dem kleinen Dorf
Zidderich trennten sich zwischen 1866
und 1875 78 Personen.
Die Konjunktur kam besonders größe­
ren Betrieben zugute, wenn sich die
Gutswirtschaft den neuen Forderun­
gen stellte. Während in der bisherigen
Schlagwirtschaft der Getreideanbau
vorherrschte und die Brache sowie
das darauf erfolgende Weiden des
Viehs eine wichtige Rolle spielten,
musste z. B. der Anbau von Futter­
pflanzen zur Erhöhung der Tier­
bestände verstärkt werden, damit ne­
ben dem Brotkom auch tierische Pro­
dukte ausgeführt werden konnten.
Über den Tiermagen veredelte Nah­
rungsmittel erzielten höhere Preise als
pflanzliche Handelsgüter. Neben dem
Einsatz von neuartigen
Bodenbearbeitungsmaschinen wur­
den in den Jahren bis etwa 1870 weite­
re Neuerungen besonders auf den Gü­
tern eingefuhrt. Die Agrarwissen­
schaft lieferte Grundlagen für die Er­
kenntnis, dass dem Boden die durch
den Pflanzenanbau entzogenen Stoffe
durch künstliche Düngemittel wieder
zugetührt werden müssten. So traten
neben den Stall- bzw. Weidedung und
die aus der heimischen Natur entnom­
menen Dünger importierte Düngemit­
tel, z. B. der Vogeldung Guano und
Salpeter aus Südamerika. Aus heimi­
schen Salzbergwerken stammte das
Abfallprodukt Kali. Man begann den
Wasserhaushalt der Felder durch die
Verlegung von Drainageröhren zu re­
gulieren. Deren Herstellung sicherte
auch das Entstehen und die Arbeitsfä­
higkeit zahlreicher Ziegeleien, natür­
lich neben der Herstellung von Ziegel­
steinen verschiedener Art für den
Ausbau von Gutsanlagen. Im Bereich
des Naturparks existierten etliche die­
ser Ziegeleien, über die im Speziellen
Teil berichtet wird.
Die Industrialisierung auf
dem Lande
Etwa um 1870 begann eine weitere
Phase der entwickelten Guts­
wirtschaft. "Statt strohgedeckter
Fachwerkbauten sah man jetzt mit
Back- oder Kalksandstein massiv
aufgemauerte Gebäude, die mit Dach­
steinen, Schiefer oder Dachpappe ge­
deckt waren. Anstatt die anfallenden
landwirtschaftlichen Arbeiten mit vor­
wiegend hölzernen Geräten zu verrich­
ten, wurden nun ... eiserne Geräte ver­
wendet" ( H e n n ie s 1997). Neben den
teten um die Wende vom 19. zum 20.
Jh. im Gebiet des Naturparks ( B a e t c k e
1992).
Die seil der Milte des 19. Jh. erbauten
Kunststraßen bzw. Chausseen, die
Eisenbahnlinien sowie kanalisierte
Flüsse boten auch für Agrarerzeug­
Abb. 11 Dreschkästen auf dem Gutshof Sophienhof (1939)
Thresher on the estate Sophienhof (1939)
Bodenbearbeitungsgeräten wurden
Säh- und Mähmaschinen genutzt. Die
zunächst göpel-, später dampf­
maschinengetriebenen "Dreschkäs­
ten" lösten den Dreschflegel ab. Die
verstärkte künstliche Düngung trug
ebenso zur Ertragssteigerung bei wie
der Übergang zu einem geregelten
Fruchtwechsel. Hierzu zwang auch
eine erneute Absatzkrise für Getreide.
Dadurch gewannen die Hackfrüchte
eine größere Bedeutung. Ein Teil von
ihnen lieferte die Grundstoffe für in­
dustrielle Verarbeitungsmethoden.
1880 wurde die erste Zuckerfabrik in
Mecklenburg errichtet, ln den nächs­
ten 20 Jahren entstanden 11 weitere
( B u c h s t e in e r 2000). In unserem Raum
existierten die Zuckerfabriken Lübz
und Dahmen. Zur Verwertung der Kar­
toffeln ließen einige Besitzer auf ihren
Gütern Kartoffelflocken- und Stärke­
fabriken sowie Spiritusbrennereien
bauen, z. B. in Cramon, Alt Schwerin
und Alt Gaarz. In zentral gelegenen
Orten entstanden zunehmend Molke­
reien auf genossenschaftlicher Grund­
lage, so auch in Jabel und
Voll rathsruhe. Natürlich verarbeiteten
Mühlen weiterhin das Getreide. Sie
wurden durch Wasser, Wind oder nun
auch schon durch "Rohöl-Motoren"
angetrieben. Mindestens sieben die­
ser verschiedenartigen Mühlen arbei-
seher Arbeiter nach Deutschland zu
verzeichnen. Verstärkt wurde sie
durch die steigende Landflucht. Die
Industrie zog die Arbeitskräfte in die
Städte und löste eine große Binnen­
wanderung aus. So kam es zur "Leute­
not" in der Landwirtschaft.
Abb. 12 Pflügen m it einem Lokomobii
Mobile steam plough at work
nisse günstige Transportmöglich­
keiten. Im Gegenverkehr gelangten
dann die Bedarfsgüter zu den
Landwirtschaftsbetrieben. Die "Ab­
fallprodukte" der Nahrungsgüter­
industrie wie Rübenblätter, Treber
usw. wurden als Viehfutler genutzt,
wodurch die tierische Produktion ei­
nen Aufschwung erlebte. Mit Hilfe der
Züchtung erzielte man "Wunschtiere",
die sich durch höhere Milchleistung,
bessere Fleischqualität u. ä. auszeich­
neten.
Ausländische Wanderarbeiter
auf den Gütern
Die Güter kamen zur Erntezeit mit ihren
eigenen Kräften nicht aus und warben
ausländische Arbeiter an. Ursprüng­
lich halfen diese besonders bei der
Getreideernte und wurden deshalb
"Schnitter" genannt. Durch die
Mechanisierung dieser Arbeiten
(Mähbinder, Dreschmaschine) wurden
zwar Arbeitskräfte eingespart, doch
zunehmend bei der Pflege und Ernte
der Hackfrüchte (Kartoffeln, Rüben)
benötigt. Die Mechanisierung der
landwirtschaftlichen Produktion hatte
zunächst den Hackfruchtanbau aus­
geschlossen. Hier herrschte weiterhin
Handarbeit vor. Deshalb war seit den
90er Jahren des 19. Jh. eine zunehmen­
de Masseneinwanderung ausländi-
1910 hielten sich in MecklenburgSchwerin 12.974 ausländische Arbeiter
auf. 1925 erhöhte sich der ausländi­
sche Bevölkerungsanteil auf25.489,
womit das Land mit seinem Ausländeranteil an der Spitze Deutsch­
lands la g (H E N M E S 1995).
Man muss von einer wöchentlichen
Arbeitszeit von 60 Stunden bei diesen
Saisonkräften ausgehen. Da sie sieh
mit primitiven Wohnverhältnissen zu­
frieden gaben, kamen sie dem Guts­
besitzertrotz gleichen Lohns billiger
als deutsche Landarbeiter. Einige
Gutsbesitzer ließen allerdings moder­
ne Massenunterkünfte errichten, in
denen bis zu 100 Saisonarbeiter unter­
gebracht w'erden konnten. Noch heute
finden wir diese so genannten
"Schnitlerkasernen" in unseren Gutsdörfem. Von 53 eigenständigen Gütern
besaßen mindestens 23 (43 %) eine
Schnitterkaserne, von denen acht
nicht mehr existieren. Die Masse der
Ausländer stammte aus Polen. Vor
dem Ersten Weltkrieg kamen die aus­
ländischen Wanderarbeiter vorrangig
aus Russisch-Polen und der
Österreichisch-Ungarischen Ukraine
(Ruthenien). Hinzu kamen Polen aus
Prcußisch-Polen als inländische Wan­
derarbeiter. In den beiden Weltkriegen
waren zudem Kriegsgefangene in der
mecklenburgischen Landwirtschaft
19
S c h n i t t e r - Ra n«rn«
3.3.2 Die Wandlung der Güter
zu landwirtschaftlichen
Unternehmen in der ersten
Hälfte des 20. Jh.
The conversion into agricultural
enterprises in the first half of the
Abb. 13
Die Schnitter­
kaserne A lt
Schwerin (7970)
Seasonal workers'
lodging in Alt
Schwerin (1910)
Abb. 14
B/ick in den
Schlafraum von
Schnittern
(Museum A lt
Schwerin)
View into dormitory
of seasonal
workers' lodging
(museum Alt
Schwerin)
eingesetzt. Zwischen dem 15. Dezem­
ber und dem 15. Februar mussten die
Ausländer Deutschland wieder verlas­
sen (Karenzzwang), um deren Sess­
haftigkeit zu verhindern. Während des
Ersten Weltkrieges und in den ersten
Jahren der Weimarer Republik war die­
ser Karenzzwang wegen der Inflation
ausgesetzt worden, so dass sich die
Tendenz der Sesshaftigkeit verstärkte.
In den 20er und 30er Jahren des 20. Jh.
beantragten und erhielten viele dieser
polnischen Landarbeiter und ihre in
Deutschland geborenen Kinder die
deutsche Staatsbürgerschaft. Noch
heute finden sich polnische Familien­
namen in vielen mecklenburgischen
Dörfern. In der Weltwirtschaftskrise
sank die Zahl der in Mecklenburg be­
schäftigten ausländischen Landarbei­
ter stark ab. 1933 wurden nur noch
13.539 gezählt. Erst nach 1937 stiegen
diese Zahlen w ieder erheblich an, um
durch den Zwangsarbeiter- und Kriegs­
gefangeneneinsatz während des Zwei­
ten Weltkrieges unter zum Teil un­
20
menschlichen Bedingungen Massen­
ausmaße anzunehmen ( H e n n ie s 1995).
During the 19th Century, particularly
in its second half, agriculture in
Mecklenburg experienced a
substantial boom. Industrialization
was the main driver and agriculture
itself was industrialized. New machines
and appliances came to market,
mineral fertilizer was introduced, new
varieties of crop were developed etc.
The logistics of goods was substantially
improved by the construction of
roads and railways. Industrialization
also meant the the loss of many jobs
and emigration to America swell to
great numbers in the second half of
the 19th Century. Yet at the end o f the
19th Century many seasonal workers
were again needed for the harvesting
o f root crop (like potato and sugar
beet) which required manual labour.
These came main ly from abroad to
Germany and were accommodated in
special lodgings for seasonal workers.
20th Century
Die Mechanisierung der Güter
Gegen Ende des 19. Jh. gehörte
Deutschland zu den entwickeltesten
Industriestaaten in Europa. Auch die
Landwirtschaft folgte diesem Kurs.
Wollte man im Konkurrenzkampfbestehen und den Binnenmarkt nicht ge­
gen ausländische Anbieter verlieren,
war es notwendig, die Landwirt­
schaftsprodukte so kostengünstig wie
möglich zu erzeugen. Das konnte
durch Verbilligung der Material- und
Lohnkosten bewirkt werden. Dazu
musste wiederum in Maschinen, Dün­
ge- und Schädlingsbekämpfungsmittel
sowie in die Tier- und Pflanzen­
züchtung investiert werden. Durch
weitere Modernisierungsmaßnahmen
wurden die Güter zu kapitalistisch ge­
führten, marktwirtschaftlich orientier­
ten "landwirtschaftlichen Unterneh­
men" ( B u c h s t e in e r 2000). Bis zum Ers­
ten Weltkrieg war die Mechanisierung
in den mecklenburgischen Gütern
recht fortgeschritten. 1895 befand sich
Mecklenburg "bei der Verwendung
von Landmaschinen, bezogen auf alle
Agrarbetriebe, im hinteren Teil
Deutschlands, bei solchen über 100
ha in Mecklenburg-Schwerin ... an
zweiter Stelle" ( S t u t z 1998).
Der Erwerb von Rittergütern
durch das Bürgertum
Der schon nach 1750 einsetzende Er­
werb von Rittergütern durch Angehö­
rige des Bürgertums setzte sich fort.
48 der 53 bearbeiteten Güter wurden
zum Vergleich herangezogen. Im Ge­
biet des Naturparks waren 1853 von
48 untersuchten Gütern noch 40 % im
Eigentum bzw. in Pacht von Adligen,
1903 waren es 33 % und 1928 nur
noch 30 %. Umgekehrt stieg der Anteil
bürgerlicher Besitzer und Pächter seit
1853 von 60 % auf 70 % im Unter­
suchungsjahr 1928. Zwar sind die
Zahlen nicht ganz genau, weil z. B.
Mehrfachbesitz nicht berücksichtigt
wurde, sie zeigen aber deutlich die
Entwicklungsrichtung und die Tatsa­
che, dass der Adel bereits 1853
zahlenmäßig ins Hintertreffen geraten
war. Natürlich spielten auch Größe
und Wirtschaftskraft der einzelnen
Güter beim politisch-gesellschaftli­
chen Einfluss des jeweiligen Guts­
besitzers eine Rolle. Die vorliegenden
Zahlen aus dem Bereich des Natur­
parks für 1903 und 1928 zeigen, dass
in den 25 Jahren der Anteil kleinerer
Güter bis 500 ha von 40 % auf 46 %
wuchs. Betriebe zwischen 500 und
1000 ha machten 1903 knapp die Hälf­
te des Bestandes aus, 1928 nur noch
40 %. Die Anzahl großer Güter mit
über 1000 ha Land sank von zw ölf auf
sieben (M ecklenburger Staats­
kalender, verschiedene Jahrgänge).
Diesen Zahlen entsprechen auch die
Abb. 15 Winke/bau in Neuhof
Angular building at Neuhof
Güter des heutigen Müritzkreises, wie
sie B a h i c k e (1992) mitgeteilt hat.
Hierbei wurde nicht berücksichtigt,
dass eine Reihe von Landwirtschafts­
betrieben in einer Hand war.
Die Aufsiedlung von Gütern
Während der vergangenen 200 Jahre
hatte es immer wieder Zeiten des Aufschwungs und des Niedergangs für
die Güter gegeben. Teils waren sie ob­
jektiv durch Absatzkrisen bedingt,
teils subjektiv durch ungeeignete
Wirtschaftsweise von einzelnen Guts­
herren. Meistens rettete ein Verkauf
das Weiterbestehen des Betriebes.
Nach 1918, als durch verschiedene
Wirtschaftskrisen, aber auch wegen
Erbauseinandersetzungen, viele Güter
in den Pleitenstrudel gerissen wurden,
führte man die Aufsiedlung ein. die
zwar die Existenz der betroffenen Gü­
ter beendete bzw. ihre Flächen stark
verringerte, nicht aber die landwirt­
schaftliche Produktion. A uf der
Grundlage des Reichssiedlungsge­
setzes von 1919 erhielten Siedlungsgesellschaften das Vorkaufsrecht für
marode Güter. Sie ließen die Betriebe
in Parzellen von meist bis zu 20 ha auf­
teilen und verkauften diese an
siedlungswillige Personen. Die Siedler
kamen teils aus den Industriegebieten
Westdeutschlands, teils aus den an
Polen abgetretenen Gebieten, aber
auch ehemalige Tagelöhner und nicht
erbende Bauernsöhne konnten Sied­
lungen erwerben. Sie erhielten Kredi-
Ställen ergänzt, wie es in Klocksin,
Medow und Suckwitz der Fall war. Von
1924 bis 1937 waren mindestens neun
(17 %) der untersuchten Güter von ei­
ner Aufsiedlung betroffen. Das waren
10 bis 11 % der Gesamtfläche. Durch
diesen Prozess wurden etwa 280 neue
Siedlungen geschaffen.
3.3.3 Das Ende der Guts­
wirtschaft in Mecklenburg
nach 1945
The end of the traditional estate
system in Mecklenburg in 1945
Das Ende des Zweiten Weltkrieges
bedeutete auch das Ende der Guts­
herrschaft in Mecklenburg und den
durch die Besatzungsmacht hinzuge­
fügten Teilen von Vorpommern. Seit
den ersten Maitagen 1945 befand sich
das Gebiet des Naturparks in sowjeti­
scher Hand. Die durch den damaligen
Abb. 16 Einfirsthaus bei Suckwitz ( 1930er Jahre)
Singular ridge house at Suckwitz (1930s)
te, um sich einen kleinen
Landwirtschaftsbetrieb aufbauen zu
können. Teilweise blieben "Resthöfe"
erhalten, die mit Hilfe der aus den
aufgesiedelten Teilen gewonnenen Er­
löse saniert werden konnten. Noch
heute erkennt man die damals errichte­
ten einheitlichen Typen der Wohnund Wirtschaftsgebäude in manchen
Dörfern, z. B. Diestelow, Neuhof,
Kressin, Sophienhof Grabowhöfe,
Nossentin u. a. Teilweise wurde aber
auch der vorhandene Gebäude­
bestand in den Dörfern genutzt und
durch den Bau von Scheunen und
Vorsitzenden der KPD, Wilhelm Pieck,
in der sowjetischen Besatzungszone
verkündete Bodenreform traf im Sep­
tember 1945 alle Landwirtschafts­
betriebe ab 100 ha und auch kleinere
Betriebe von "Kriegs- und Nazi­
verbrechern". Sie wurden entschä­
digungslos enteignet und ihr Besitz in
den meisten Fällen in Flächen von bis
zu zehn ha an die bisherigen Landar­
beiter, Flüchtlinge und Vertriebenen
durch Auslosung verteilt. Ebenso
wurden die noch vorhandenen Gebäu­
de, Maschinen und Tierbestände auf­
geteilt. Wenige Betriebe bestimmte
21
man als Landesgüter für die Züchtung
von Pflanzen und Tieren (z. B. Karow).
Die vereinzelt noch nicht geflüchteten
Gutsbesitzer- und Pächterfamilien
durften sich in einem bestimmten Um­
kreis um ihren bisherigen Besitz nicht
ansiedeln. Hunderte von Familien er­
hielten durch die Bodenreform unter
schwierigsten Bedingungen die Mög­
lichkeit des Überlebens in der Nach­
kriegszeit. Dass die unmittelbaren
Nachkriegsprobleme auf dem Wege ei­
ner derartigen "Bodenreform" zu lö­
sen versucht wurden, lag vorwiegend
in der kommunistischen Klassen­
kampfideologie begründet. Die "Ent­
machtung der Junker und Großgrund­
besitzer" traf Schuldige und Unschul­
dige gleichermaßen.
During the 20th Century most estates
evolved into modern Capital ist
agricultural enterprises. By 1928 only
30% o f the gentry estates were still
owned by noble families. After 1918
many estates as a consequence o f
several economic crises feil into
bankruptcy and were acquired by
"settlement" Companies. These, in
turn, partitioned the large estates into
lots o f appr. 20 hectares and resold
these to interested new settlers. The
end o f World War II for Mecklenburg
meant the end o f most gentry estates
as their owners were expropriated
without compensation in the course
o f the land refonn of September 1945.
Land, stables and cattle were
distributes among new settlers.
22
3.4. Das Schicksal der bisherigen
Güter in der sowjetischen
Besatzungszone und der DDR
The fortunes of the former estates under Soviet
occupation and during the GDR
3.4.1 Die Neubauernsiedlungen
The settlements for new farmers
Der schwere Anfang
Während auf den von der Bodenre­
form betroffenen Gütern 1945 und
1946 teilweise noch wie bisher gear­
beitet wurde, in einigen Orten unter
dem Kommando von dort stationier­
ten Trupps der Besatzungsmacht, be­
gann mit dem Herbst 1946 die Arbeit
neu so genannte Maschinenhöfe ein,
von denen eine Ausleihe erfolgen
konnte. Später entwickelten sich diese
Maschinenhöfe zu staatlich eingerich­
teten Maschinen-Ausleih-Stationen
(MAS), die zu ihrem Bestand neue
Land- und Zugmaschinen aus sowjeti­
scher und DDR-Produktion erhielten.
Da die bisherigen ländlichen Genos­
senschaften, von denen die
Raiffeisen-Genossenschaft die bedeu-
Abb. 17 Aufteilung der Gutsflächen während der Bodenreform
Partitioning of estate lands during land reform
auf den Parzellen. Man musste
zunächst mit dem auskommen, was
nach den Kriegswirren an Vieh und
Maschinen übrig geblieben war. Ein
Neusiedler hatte z. B. eine Kuh gelost,
ein anderer ein Pferd, aber keine Kuh.
Einer bekam eine Drillmaschine, der
andere einen Mähbinder, aber beiden
fehlte die Anspannung. So war eine
gemeinschaftliche Arbeit zunächst un­
umgänglich. Bald wurde die Vereini­
gung der gegenseitigen Bauernhilfe
(VdgB) gegründet. Sie richtete aus
den übrig gebliebenen Landmaschi-
tendste wrar, zerschlagen werden wa­
ren, bildete die VdgB landwirtschaftli­
che Dorfgenossenschaften zur Versor­
gung mit Gebrauchsgütern in den
Dörfern. Jeder Bauer hatte ein Abliefe­
rungssoll an tierischen und pflanzli­
chen Produkten zu erfüllen. Hierbei
wurde zugunsten der Neusiedler noch
sehr stark zwischen größeren und klei­
neren Betrieben differenziert.
Das Neubauernbauprogramm
1948 erließ die sowjetische Militär­
administration den Befehl 209, der den
deutschen Verwaltungsstellen zur
Auflage machte, das so genannte
Neubauernbauprogramm zu beginnen.
Viele der Siedler hatten notdürftige
Unterkünfte in den Gutshäusern und
in anderen Gebäuden gefunden. Für
sie sollten durch ihre aktive Mithilfe
kombinierte Wohn- und Stallgebäude
geschaffen werden, die teils auch heu­
te noch einige Dorfbilder prägen (z. B.
Steinhagen, Leisten, Hof Hagen). Aus
Mangel an neuem Baumaterial fiel ein
Teil der Bausubstanz der Güter dem
Abriss zugunsten der Errichtung von
"Siedlerhäusem" zum Opfer. Die of­
fensichtlichen Baulücken in vielen
Neusiedlerdörfern lassen erkennen,
dass dieses Bauprogramm wegen
werden. Auch in den Altbauerndörfem steigerte sich die Fluchtbewegung
in Richtung Bundesrepublik, beson­
ders bei den so genannten Großbau­
ern mit Betrieben, die sie nicht allein
mit Familienangehörigen bearbeiten
konnten. Gegen sie wurde der "Klas­
senkampf" besonders in Form eines
sehr hohen Ablieferungssolls mit har­
ter Bestrafung bei Nichterfüllung und
sehr begrenzter Zuteilung von Han­
delswaren und Maschinenleistlingen
geführt. Deren Hufen wurden zu­
nächst zu "Örtlichen Landwirtschafts­
betrieben" (ÖLB) zusammengefasst.
Das alles führte zu einem Niedergang
der Landwirtschaft und gefährdete die
Volksernährung, denn an Importe war
kaum zu denken. Das war Ursache
und Beginn einer rentableren Groß­
raumwirtschaft in der jungen DDR.
Abb. 18 Neubauernhaus in Klein Wange/in
New settler's farm house in Klein l/l
Materialmangels und Aufgabe etlicher
Siedlungen durchaus nicht planmäßig
verwirklicht wurde.
3.4.2 Die Landwirtschaft­
lichen Produktionsgenos­
senschaften (LPG)
The agricultural co-operatives (LPGs)
Bauern fliehen in den Westen
Zw'ar gelang es, in relativ kurzer Zeit
auf den ehemaligen Gütern eine
wieder produzierende Landwirtschaft
aufzubauen, aber unter kaum nachzu­
vollziehenden Schwierigkeiten. Man­
cher Neubauer gab auf. Dessen Land
musste von den Übrigen mitbearbeitet
Ab 1952 bildeten sich erste Landwirtschaftliche Produktionsgenossen­
schaften, nicht nur in ehemaligen
Guts-, sondern auch in Altbauemdörfern. Innerhalb der folgenden zehn
Jahre gelang es, alle Bauern der DDR
zu Genossenschaftsbauern zu ma­
chen. Die Beweggründe und Werbe­
methoden waren sehr unterschiedlich
und die Bauern waren nicht immer frei
in ihren Entscheidungen. Wenn auch
manches rein äußerlich der alten Guts­
wirtschaft ähnelte, gab cs doch gewis­
se Unterschiede: Auch solche LPGen,
die miserabel wirtschafteten und nur
Schulden hatten, wurden vom Staat
gestützt, später auch mit gut gehen­
den Betrieben verschmolzen.
Die LPG-Mitglieder, die Boden und
Gebäude eingebracht hatten, blieben
zumindest nominell deren Eigentümer.
Es gab keinen einzelnen LPG-Inhaber.
Die Leitung setzte sich aus einem ge­
wählten Vorstand zusammen, an des­
sen Spitze der Vorsitzende stand, der
für die wirtschaftliche Führung des
Betriebes verantwortlich und den Mit­
gliedern rechenschaftspflichtig war.
So genannte Brigadiere unterstützten
seine Leitungstägigkeit in speziellen
Bereichen, z. B. Viehzucht, Feldbau,
Technik. Nach 1970 begann man,
zunächst im Feldbau, größere Einhei­
ten zu schaffen. Damit in Verbindung
stand der Übergang zur "industrie­
mäßigen Produktion in der Landwirt­
schaft". Darunter wurde der Übergang
zur Spezialisierung, zunächst in Form
der Trennung von Pflanzenbau und
Tierzucht, verstanden. Es entstanden
Betriebe mit über 4.000 ha landwirt­
schaftlicher Nutzfläche. Um sie ratio­
nell bearbeiten und Transportwege
möglichst kurz halten zu können, wur­
den wiederum örtliche Brigaden gebil­
det. Die Spezialisierung wurde weiter
vorangetrieben durch Bildung zwi­
schenbetrieblicher Einrichtungen
(ZBE) wie Baubetriebe, Trockenwerke,
Agrochemische Zentren, Meliorati­
onsgenossenschaften, Kreisbetriebe
für Landtechnik u. ä.
Die Mehrzahl der LPG-Mitglieder hat­
te sich einen für DDR-Verhällnisse
auskömmlichen Lebensstandard erar­
beitet, zumal viele LPGen erhebliche
Mittel für die soziale und kulturelle
Betreuung ihrer Mitglieder aufw ende­
ten. Mit Hilfe ihrer "individuellen
Hauswirtschaft" konnten sich Genos­
senschaftsbauern nicht wenige finan­
zielle Zuschüsse erarbeiten.
23
3.5. Die mecklenburgische Landwirtschaft seit 1990
Mecklenburg's agriculture since 1990
Durch den Beitritt der DDR zur
Bundesrepublik Deutschland kam es
auch für die Landwirtschaft zu massi­
ven Einschnitten. Zunächst mussten
die LPGen aufgelöst werden. Manche
Mitglieder nahmen ihr ehemaliges Ei­
gentum erneut in Bewirtschaftung,
wurden also wieder Einzelbauern.
Meistens spezialisierten sie sich auf
bestimmte Zweige der Tier- oder
Pflanzenproduktion und es wurde
durch Zupachtung von Land ver­
sucht. die Rentabilität zu sichern. Es
gab auch Betriebe, die auf Beschluss
Abb. 19 Pflügen m it moderner Landtechnik
Ploughing with modern equipment
Abb. 21
Rinder einer Mutterkuhherde
Herd of mother cows
24
der Mitglieder auf genossenschaftli­
cher Basis erhalten bleiben sollten.
Nun wurden sie auf der Grundlage der
bundesrepublikanischen Rechtsord­
nung und unter rein marktwirtschaft­
lichen Rahmenbedingungen als Agrar­
genossenschaften weiter betrieben.
Kapitalkräftige Landwirte aus den al­
ten Bundesländern versuchten, sich
hier durch Landkauf oder -pachtung
bzw. den Erwerb von ehemaligen LPGBetrieben eine neue Existenz aufzu­
bauen, im Ergebnis mit recht unter­
schiedlichem Erfolg. Da politisch im
erforderte. Inzwischen erweist sich die
mecklenburgische Landwirtschaft als
durchaus existenz- und konkurrenzfä­
hig.
Agriculture after WW II did not have
an easy start. After 1948 houses for
Abb. 20 Einsatz eines modernen Häckslers
State of the art chaffing
Einigungsvertrag eine Grundsatzent­
scheidung gegen die Rücküber­
tragung von durch die Bodenreform
enteignetem Besitz gefallen war, er­
warben einige Alteigentümer bzw. de­
ren Nachkommen käuflich etwas von
dem Besitz ihrer Vorfahren und bauten
ebenfalls Landwirtschaftsbetriebe auf.
Glück hatte, wer ein ehemals Volksei­
genes Gut (VEG) erwerben konnte, wie
es z. B. in Karow der Fall war.
Alle jetzigen Landwirte mussten
allerdings ihre Betriebe auf den mo­
dernsten Stand bringen, was erhebli­
che Investitionen in Wirtschaftsge­
bäude, Maschinen und Tierbestände
new settlers were built in the villages.
Beginning in 1952 the first agricultural
co-operatives were formed (so-called
LPGs). By 1961 almost all farmers
worked on a co-operative basis, a
result achieved not without coercion.
Later, large specialized entities for
agriculture and animal husbandry
developed. ln the German unification
treaty of 1990 a decision in principle
was niade against restituting property
expropriated after 1945. The LPGs
w ere disbanded. New?privately-owned
entities developed, some on a cooperative basis, others in an
individual independent format.
4. Die Gutsdörfer und ihre Gutsanlagen
The estates and their villages
4.1 Allgemeines
General
Gutshierarchie
Die Stellung der auf einem Gut tätigen
Personen und damit auch ihre Wohn­
verhältnisse waren sehr unterschied­
lich. Im Folgenden wird die Hierarchie
au f einem Gut in der ersten Hälfte des
20. Jh. im Überblick dargestellt.
1. Gutsherr, Gutspächter
2. Inspektor, Administrator (Verwalter
mehrerer Güter), Verwalter
3. Statthalter (hier: Ackervogt, Beaufsichtigcr der Feldarbeiten), Buch­
halter, Handwerker, Futtermeister,
Schäfermeister, Sehweinemeister,
Oberschweizer (hier: Verantwortli­
cher tur die Vieh-, insbesondere
die Milchwirtschaft, oft Subunternehmer), Gärtner, Kutscher, Mam­
sell (hier: Wirtschafterin in Guts­
haushaltungen)
4. Pferdeknecht (hier: Gespannführer), Küchenpersonal
5. Tagelöhner, Schweizer (hier: Melker)
6. Knechte und Mägde
7. Hofgänger (hier: männliche oder
weibliche, von einem Tagelöhner
für die Hofarbeit gemietete und
von ihm versorgte Arbeitskraft),
Schnitter
4.2 Der Gutshof
The estate court
Die Gutsanlage
Die Normalform einer Gutsanlage lässt
sich etwa so beschreiben: Der Besu­
cher gelangt auf einer befestigten Al­
lee, vielleicht sogar durch ein Torhaus
oder ein aufwendig gestaltetes Tor,
auf den rechteckigen Gutshof. Man
fährt an den links und rechts des Ho­
fes stehenden Wirtschaftsgebäuden
vorbei und trifft an der Stirnseite auf
das ansehnliche Gutshaus. Hinter die­
sem befindet sich häufig ein Park. Die­
sen Komplex grenzt ein verschieden­
artig gestalteter Zaun, eine Mauer
bzw. eine Hecke vom übrigen Gutsgclände ab. Die Wohnhäuser der
Landarbeiter, die Katen, liegen abseits
des Gutshofes, beiderseits eines We­
ges, der möglichst nicht die Hauplzufahrt bildet.
Eine solche Anlage wurde in erster Li­
nie aus ökonomischen Erfordernissen
so gestaltet, erfüllte aber darüber hin­
aus noch weitere Zwecke. Dem Besu-
viclfach durchbrochen sein. Nur sel­
ten gelangt man noch durch Tor­
häuser auf das Gutsgelände. Wegen
wirtschaftlich bedingter Erweiterun­
gen, Umnutzungen, Abrisse und Leer­
stände ging der ursprünglich klare
"Gutshoftyp" mancher Anlagen in der
zweiten Hälfte des 20. Jh. verloren. Die
allgemein üblichen Bauten für die Un­
terbringung der Tiere und Vorräte wa­
ren Ställe und Scheunen. Wohl jedes
Abb. 22 Der Gutshof Grambow um 1880/90
The estate Grambow around 1880/i
eher wurden Umfang und Wert des
Besitzes eindrucksvoll präsentieit. Die
Großartigkeit des Gutshauses und
meistens auch der Wirtschaftsgebäu­
de kontrastierten teilweise extrem zu
den Wohnungen der Landarbeiter und
akzentuierten den sozialen Abstand.
Das Gutshaus versinnbildlichte "Herr­
schaft".
Die Wirtschaftsgebäude
Art, Größe und Bauweise der Wirt­
schaftsgebäude waren am jeweiligen
Bedarf des Betriebes orientiert. Die
prinzipielle Anordnung an den beiden
Längsseiten des Gutshofes konnte
Gut besaß Pferde-, Kuh- und Schwei­
neställe. Bei größeren Herden benö­
tigte man Stallungen für die Aufzucht
der Jungtiere u. ä. 1928 hatten
mindestens 12 der von uns untersuch­
ten Güter Herden von mehr als 400
Schafen. Für sie waren natürlich ent­
sprechende Stallungen erforderlich.
Geflügelställe, manchmal sogar Tau­
benhäuser, ergänzten die Reihe von
Gutsstallanlagen. Die Lagerung von
Heu und Stroh erfolgte sehr häufig
auf den Böden der Ställe, wo man es
brauchte. Größere Güter verfügten
über Marställe und sogar Reithallen,
in denen Kutsch- und Reitpferde für
25
Abb. 23 Der Marstall von Biücherhof (2006)
The stables of Biücherhof (2006)
Abb. 25 Scheune und Schafstall A lt
Schwerin
Barn and sheep pen Alt Schwerin
Abb. 26 Wirtschaftsgebäude Gutshof
Dobbin
Estate cottage of estate Dobbin
Abb. 24 Wirtschaftsgebäude aus Feldsteinen (Biücherhof)
Estate cottage of stone (Blücherhof)
den Gutsherrn und seinen Verwalter
separat vom Pferdestall für die Ar­
beitspferde untergebracht wurden.
A uf einigen Gütern betrieb man auch
Pferdezucht. Feldscheunen, Wagen­
remisen, Maschinenschuppen, Schup­
pen für Brennmaterialien, Backöfen,
Eiskeller vervollständigten je nach
Notwendigkeit den Gebäudebestand.
Einige Nebenbetriebe befanden sich
manchmal ebenfalls im Ensemble des
Wirtschaftshofes, z.B. die Schmiede.
Als Baumaterialien dienten möglichst
einheimische, leicht zu beschaffende
Rohstoffe. So findet man heute noch
Bauten aus Feld- und Ziegelsteinen,
während frühere Fachwerkbauten im
19. Jh. allmählich durch massive Häu­
ser abgelöst wurden, die statt mit
Stroh oder Rohr mit Papp- oder Zie­
geldach gedeckt waren.
Bew undernswert ist der Gestaltungs­
wille der Bauleute bei vielen Guts­
gebäuden. So legte man die Backstei­
ne der Außenwände in unterschiedli­
chen Verbänden, manchmal in
gemischtfarbigen Backsteinen. Fens­
ter und Türen erhielten teilweise
Stichbögen. Verschiedene Gesimse
und Bänder bilden weitere Zierformen,
die ohne Formsteine hergestellt w er­
den konnten. Derartige Schmuck­
elemente treten an den Gutsgebäuden
des 19. und 20. Jh. auf.
Wohnen auf dem Gutshof
Abb.27 Gutsspeicher in Leisten (2007)
Estate storage house Leisten
(2007)
26
A uf modernen Gutsanlagen, w'ie sie
seil der Milte des 19. Jh. eingerichtet
wurden, gab es verschiedene Typen
von Wohnhäusern, die nach den Be­
dürfnissen und der Wichtigkeit der je ­
weiligen Bewohner für den Guts­
betrieb ausgestattet waren. Das
Inspektorenhaus befand sich oft im
Gutshofbereich. Es war etwas größer,
weil die Frau des Verwalters häufig für
die Verpflegung des unverheirateten
Personals zuständig war. Der Kut­
scher w?ar für die herrschaftlichen
Pferde verantwortlich und musste
ständig für Fahrten, später auch mit
dem Auto, zur Verfügung stehen. Des­
wegen lag seine Wohnung nicht sel­
ten auch auf dem Gutshof. Falls ein
Marstall vorhanden war, w'ohnte er in
der Nähe oder auch darin.
Gutshandwerker
Mit der Mechanisierung, etwa von der
Mitte des 19. Jh. an, wurden Räum­
lichkeiten zur Unterbringung der
saisonw'eise verwendeten Geräte be­
nötigt. Maschinen- und Traktoren­
schuppen ergänzten die teilweise
schon eher vorhandenen Wagenremi­
sen. Ebenso brauchte man Werkstät­
ten zur Pflege und Reparatur der Ma­
schinen. Die ältesten Einrichtungen
dieser Art waren die Schmieden, die
schon lange den Hufbeschlag und
Metallarbeiten an Ackerwagen, Pflü­
gen usw. ausgeführt hatten. Von 53
untersuchten Gutsanlagen besaßen
mindestens 11 im Jahre 1903 eine
gutseigene Schmiede. Rechnet man
die Domanial- und Klostergüter ab,
die in der Regel keine oder Gerneinschaftsschmieden für mehrere Orte
besaßen, bleiben 10 Schmieden in 30
Gütern, also ca. 33 %. Andere Hand­
werksbetriebe waren auf Grund feh­
lender Angaben nicht zu erfassen.
Abb. 28 Stallgebäude in Hallalit, zum Katen gehörend
Stable building in Hallalit, adjoining the cottage
doch besaßen etliche Güter zumindest
Stellmachereien, in denen ein großer
Teil der anfallenden Holzarbeiten erle­
digt wurde. Einige Gutsherren ließen
Werkstätten einrichten und verpach­
teten sie an einen Meister, der für alles
Weitere, z. B. die Einstellung von
Lehrlingen oder Gesellen, selber sor­
gen musste. Die vorrangige Erfüllung
von Aufträgen der Gutsherrschaft war
eine grundsätzliche Bedingung. Leider
gibt es nur wenige Zeugnisse zur
handwerklichen Geschicklichkeit und
zum Erfindungsgeist der Gutsleute.
4.3 Das Dorf
The village
Die Katen
Die meisten Beschäftigten wohnten im
"Dorf", das vom " H o f unterschieden
wurde. Sie wohnten in den Katen. Für
den Duden gibt es nur die Kate, die in
Norddeutschland als Bezeichnung oft
abwertend für kleines, ärmliches Bau­
ernhaus verwendet wird ( D ljohn 1996).
Im Niederdeutschen ist es "dei Katen",
was sowohl als die Kate wie auch der
Katen ausgelegt werden kann. Wenn
wir im Folgenden von dem Katen
sprechen, meinen wir damit ein Wohn­
haus der Tagelöhner. Damit ist noch
nichts über die Qualität eines solchen
Hauses ausgesagt. Die hing nämlich
von mehreren Faktoren ab, u. a. von
der Bauzeit und dem verwendeten
Baumaterial sowie vom Vermögen und
nicht zuletzt vom sozialen Gewissen
des Bauherrn. Der Wirtschaftlichkeit
halber enthielt so ein Katen mehrere
Abb. 29 Giebelseite des Feidsteinkatens Hallalit
Gable wall of stone cottage Hallalit
Wohnungen. Für die unter dem Punkt
Gutshierarchie dargestellle dritte Stufe
der Hierarchie, also für den Statthalter,
die Handwerker usw., fielen die Woh­
nungen größer aus als für die norma­
len Tagelöhner. Einige hatten dafür die
Auflage, weitere Kräfte unterzubrin­
gen. Der Oberschweizer beherbergte
und verpflegte z. B. die unverheirate­
ten Melker. Der normale Katen lag im
Allgemeinen traufseitig zur Straße und
enthielt mehrere Wohnungen, er war
"zwei- oder mehrhischig". Eine Woh­
nung betrat man in der Regel von der
Straßen- oder Hofseite durch die mit
Rotsteinen ausgclegte Küche. Ein
Herd mit Schwibbogen, ein Geschirr­
schrank sowie Tisch und Stühle bilde­
ten die Einrichtung. Unter Umständen
war ein Verschlag als Speisekammer
vorhanden. Von der Küche gelangte
man in die Wohnstube, die in moder­
neren Katen einen Bretterfußboden,
sonst ebenfalls Rotsteine aufwies.
Wände und Decken waren mit Lehm
verputzt. Je nach Vermögen und Ge­
schmack der Bewohner bildeten Tisch
und Stühle, manchmal auch ein Sofa,
vielleicht ein Nähtisch und ein Vertiko
das wesentliche Mobiliar. Eine größe­
re Schlafstube für die Eltern, in denen
auch einige Kinder schliefen, und eine
Kammer für weitere Kinder oder den
Hofgänger (Hofjunge, der zur Unter­
miete wohnte) vervollständigten die
Wohnung. Meistens war im Fußbo­
den der Schlafstube oder der Kammer
eine Klappe, die in einen halbhohen,
kleinen Keller führte. Er diente der
frostsicheren Lagerung der Kartoffeln
und anderer Speisevorräte.
Abb. 30 Feldsteinkaten in A lt Schwerin
Stone cottage in Alt Schwerin
Abb. 31 Schmiede in Marxhagen (1957)
Smithy in Marxhagen (1957)
Abb. 32 Feldsteinkaten in Kirch
Grubenhagen
Stone cottage in Kirch
Grubenhagen
27
Das Umfeld
A uf der Hofseite stand ein Gebäude,
das in der Länge nahezu dem Katen
entsprach, nicht aber in Höhe und
Breite. Darin hattejede Familie einen
Schweine- und Geflügelstall sowie
Lagermöglichkeiten für Einstreu, Fut­
termittel und Brennmaterial. Dazu ge­
hörte ein Stück Garten hinter diesem
Stallgebäude. Die Kühe der Tagelöh­
ner standen mit im Gutsstall. Dorthin
oder auf die Weide mussten die Frau­
en zum Melken gehen. Im Museums­
dorf Alt Schwerin ist eine eingerichte­
te Tagelöhnerwohnung zu besichti­
gen.
Der Wasserversorgung dienten ge­
meinschaftlich benutzte Brunnen oder
Pumpen. In manchen Gutsdörfern gab
es bis nach dem Zweiten Weltkrieg
keine Versorgung mit elektrischem
Strom.
4.4 Das Gutshaus
The manor house
Wohn- und W irtschaftshöfe
der niederadligen Ritter in
der Frühzeit
In der Besiedlungsperiode und der
Folgezeit lag der ritterliche nieder­
adlige Wohnsitz außerhalb des Dor­
fes, der Wirtschaftshof verblieb in der
Dorflage zwischen den Bauernhöfen.
Zwischen beiden bestand keine Ver­
bindung. Der Wohnsitz befand sich
auf einer Insel umgeben von Wasser
und Sumpfgelände und war über eine
Brücke zugänglich. An Stellen, die kei­
nen natürlichen Schutz boten, wurden
künstlich Gräben und Wallanlagen
zum Schutz der Burg angelegt. Von
diesen befestigten Wohnhöfen haben
sich oftmals bis heute Teile der stei-
Dabei wurde das neue Wohnhaus
zumeist auf der Stelle des mittelalterli­
chen Wohnhofes errichtet und mittel­
alterliche Mauerteile in den Neubau
integriert. Bei einigen Anlagen blieb
der Wohnbereich vom Wirtschaftsteil
durch die mittelalterliche Wall-Graben­
anlage getrennt. Bei den Wohnhäu­
sern handelte es sich in der Regel um
zweigeschossige Häuser, die entweder
massiv aus Feld- und Backsteinen er­
richtet und verputzt sein konnten oder
ein steinernes Erdgeschoss und ein
Fachwerkobergeschoss hatten. Cha­
rakteristisch war ein vorgelagerter
Treppenturm. Die niederadligen Fami­
lien waren sesshaft geworden, die Ge­
bäude hatten eine wehrhafte und re-
Die Katen heute
Die Struktur der Gutskaten lässt auch
heute, nachdem über ein halbes Jahr­
hundert keine mehr gebaut wurden,
immernoch die ehemaligen Gutsdörfer
erkennen. Mit der Bodenreform von
1945 gingen die von den Siedlern be­
wohnten Teile an diese über. Als sich
nach 1990 vielfältige Möglichkeiten
der baulichen Gestaltung ergaben,
wurden sie von den Wohnungs­
inhabern unterschiedlich genutzt, so
dass die Einheitlichkeit des Äußeren
verloren ging. Obw'ohl die Gebäude
durch die verwendeten Bau­
materialien, die vom Lehmfachwerk
über Feldstein und Backstein bis zu
verputzten Außenwänden reichen,
eine große Vielfalt aufweisen, sind sic
trotzdem noch heute als ehemalige
Katen erkennbar.
28
Abb.33 Ruine des Bergfrieds in Schloß Grubenhagen (2006)
Donjon ruin at Schloß Grubenhagen (2006)
nernen Wohntürme erhalten. Dieses
ist beispielhaft an der Burgruine in
Schloß Grubenhagen zu sehen.
Die ritterschaftlichen Wirtsehaftsbauten auf den Hofhufen in der Dorf­
lage wurden auf den Karten als
"howehof" bezeichnet. Ihre Äcker
hatten die Ritter im Gemenge mit den
bäuerlichen Ländereien. Die Bewirt­
schaftung erfolgte durch die Bauern.
Im 16. Jahrhundert trat eine neue Ent­
wicklung ein. Der ritterschaftliche
Wirtschaftshof wurde aus dem Dorf
aus- und dem Wohnsitz angegliedert.
präsenlative Erscheinung. A uf zeitge­
nössischen Karten und Zeichnungen
ist das rote Ziegeldach des Wohnhau­
ses gegenüber den mit Stroh gedeck­
ten Dächern der Wirtschaftsgebäude
hervorgehoben. Im Inneren hatten die
Häuser in der Regel eine große Diele,
die der einzige beheizbare Raum war
und rechts und links angrenzende
Räume.
Die Entwicklung nach dem
Dreißigjährigen Krieg
Nach den massiven Zerstörungen und
Verwüstungen des Dreißigjährigen
Krieges, der nachfolgenden
Besitzstandsmehrung der Adligen
durch das Einnehmen wüster Stellen
und das so genannte "Bauenliegen"
entwickelte sich ein großer baulicher
Handlungsbedarf. Die adligen und rei­
chen bürgerlichen Gutsbesitzer ließen
sich in den folgenden Jahren auf ihren
Hauptgütern repräsentative Guts­
häuser errichten. Die Gutshäuser auf
den domanialcn Gutsanlagen waren in
der Regel kleiner und schlichter und
typisierter in der Architektursprache.
Viele der nach dem Dreißigjährigen
Krieg nun stark vergrößerten Gutsan­
lagen wurden im Stil des Barock
wieder aufgebaut oder umgebaut.
Während die Gutshäuser anfänglich
Abb. 34 Das Karower Schloss um 1880/90
Karow manor house around 1880/90
architektonisch schlichter waren und
nur wenige Ausstattungselemente
hatten, entstanden seit dem 2. Drittel
des 18. Jahrhunderts mit dem zuneh­
menden Wohlstand der Gutsbesitzer
repräsentative Gutsanlagen. Dabei
wurde der gesamte Gutshof regelmä­
ßig nach städtebaulichen und gestal­
terischen Prinzipien angelegt, ln ach­
sialsymmetrischer Anordnung befand
sich in der Mitte das Gutshaus,
dahinter eine Parkanlage, vorgelagert
w'aren die Stall- und Scheunen­
gebäude, gegenüber vom Gutshaus
stand mancherorts ein Torhaus.
Das barocke Gutshaus ist ein einoder zweigeschossiges Gebäude auf
rechteckigem Grundriss mit einem
Mansard- oder Walmdach, die Fassa­
de ist symmetrisch gegliedert mit
schlichten strengen Putzgliederungs­
elementen und einer Mittenbetonung.
Die Häuser können backsteinsichtig
sein, sind aber meistens Putzbauten.
Einige aufwendigere Gutshäuser er­
hielten Seitenflügel oder Pavillons.
Reichtum und Pracht zeigten sich
insbesondere in der Ausstattung des
Gebäude inneren. Von der Eingangs­
halle führte eine repräsentative Trep­
pe ins Obergeschoss, rechts und links
des Vestibüls lagen die Zimmer in ei­
ner Flucht. Von den zum Wirtschafts­
hofgelegenen Räumlichkeiten durch
einen Mittelflur getrennt, befanden
sich an der Gartenseite die repräsenta-
Gutshäuser nach 1780
ln der Zeit des Klassizismus zwischen
1780 und 1840 veränderte sich
insbesondere die Dachform. Die sym­
metrische Fassadengliederung des
Barock wurde beibehalten. Die Walm­
dächer der zweigeschossigen Gutshäuser wurden flacher, Krüppel­
walmdächer lösten die
Mansarddächer ab. Die Fensterform
veränderte sich. Die Öffnungen wur­
den schmaler und der Kämpfer des
Fensters nach oben verschoben. Die
architektonisch aufwendigeren Guts­
häuser hatten Gestaltungselemente
wie vor gelagerte oder eingestellte
Säulen, Giebel oder zarte Gliederungs­
elemente wie Lisenen oder leicht
eingetieftc Putzfelder mit Schatten­
fugen. Beispiele aus dieser Zeit sind
die Gutshäuser in Kirch Kogel,
Grabowhöfe, Schloß Grubenhagen
Abb. 35 Das Gutshaus Marxhagen um 1880/90
Marxhagen manor house around 1880/90
tiven Säle und Räume. Die Ausstat­
tung mit Stuck- und Holzarbeiten,
Wandbespannungen und Öfen sowie
kostbarem Mobiliar und Gemälden war
sehr anspruchsvoll. In der hier behan­
delten Region sind die ältesten erhal­
tenen Gutshäuser das zu Beginn des
20. Jahrhunderts umgebaute barocke
Gutshaus in Alt Schwerin, das Guts­
haus in Linstow sowie die stark verän­
derten Gebäude in Glave und
Grambow.
und Karow (alter Teil) (vgl. Abb 34).
Ungefähr um 1840 änderte sich die ar­
chitektonische Formensprache. Es
entstanden historistisch geprägte
Gutshäuser. Besonders beliebt war der
aus England kommende Burgenstil,
der so genannte Tudorstil, der Ele­
mente der englischen Gotik aus der
Mitte des 16. Jahrhunderts übernahm
und schöpferisch umwandelte. Bei­
spiele hierfür sind Moltzow' und
Marxhagen (vgl. Abb. 35).
Teilweise veränderte man die baro­
cken oder klassizistischen Gutshäuser
29
G ut
E rb a u u n g sz e it
B au h err
A h G a a rz
1863
F. L . C . A . G r e f tr a th
A h S a m m it
1874
K v. M e y e n n e
A h S c h w e rin m it M ö n c h b u s c h
1733 / 1806
C . F. v. W a n g e lin / ?
B lü c h e rh o f m it L ü tg e n d o rf
1792
H . v. A rn im
B ossow
um 1 7 8 0
K l o s te r D o b b e r tin
C ram o n
1 9 . Jh .
K l o s te r M a lc h o w
um 1 978
D ie s te lo w mit N e u h o f
um 1 8 5 0
C . M . v. B e h r
1885
D o b b in m it Z ietlitz
1730 / 1862
F in k e n w e rd e r
?
7
G la v c
vor 1700 /1 9 0 0
? / T. v. B ö h l
1830, 1900 /
G ra b o w h ö fe
um 1 7 9 0
F r ie d r ic h v. H a h n
E 1 9 . Jh .
1866
U m bau
h e u tig e N u tz u n g
A b riss o. ä.
W o h n u n g , to u ris tis c h
n ach 1905
to u ris tis c h
S e n io re n p f le g e h e im /
nach 1904
/ nach 1972
p r iv a t
S o z ia le in ric h tu n g
C . v. B a ro ld /
/to u r is tis c h
C . v. B r o c k e n
um 1951 /
um 1 9 5 0
p r iv a t /
/ nach 1945
z. T. W o h n u n g , le e r
s te h e n d
G ra m b o w
um 17 0 0
E. v. W eltzin
G r o ß B ä b e lin
7
?
G r o ß und K le in R e h b e r g
?
K l o s te r M a lc h o w '
nach 1976
H agenow
7
K l o s te r M a lc h o w '
1 9 8 0 e r J a h re
H ah n en h o rst
vor 1789
?
H in ric h s h o f
1780
H e r z o g S c h w e r in
H o f H agen
M 19. Jh .
G r o ß h e r z o g S c h w e r in
p r iv a t
H o h e n W a n g elin
um 1 9 0 0
K l o s te r M a lc h o w
W ohnung
J ü rg e n s h o f
A 19. Jh .
?
P e n s io n
K adow
7
7
K aro w
1801 / 1 906
v. R e d e n / J. S c h lu tiu s
H o te l u. R e s ta u r a n t
K ir c h K o g e l
1840
C . W . H . v. M e d in g
G e m e in d e
K le e s te n
1814
K l o s te r D o b b e r tin
F ö r s te r e i
K le in L u c k o w
1 7 5 6 / um 1 9 0 0
v. M a ltz a n / O . v. M ü lle r
K le in W angelin
um 17 7 5
H e r z o g S c h w e r in
K lo c k s in
um 1 8 3 0
v. F ris c h
G e rn e in d e
K r e s s in
M 1 9 . Jh .
?
p r iv a t
L e iste n
M 1 9 . Jh .
J. W . B e u s t
W ohnung
L in sto w
1. H . 1 8 . Jh .
7
P e n s io n , R e s ta u r a n t
L o u isen fe ld
1870
M . v. H a h n
W ohnung
M a rx h a g e n
1853
F. E . v. O l d e n b u r g
p riv a t
W ohnung
le e r s te h e n d
W ohnung
um 1 8 0 0
p r iv a t
nach 1950
1974 / 1978
1 8 7 0 /7 1
um 1 9 5 0
M edow
A . 1 8 . Jh .
H e r z o g S c h w e r in
A . 2 0 . Jh .
le e r s te h e n d
M e stlin m it V im fo w
? / 1859
K l o s te r D o b b e r tin
1876 /
le e r s te h e n d / W o h n u n g
M o ltz o w
1852
W . v. M a ltz a n
p riv a t
M ü h le n h o f
1866
K l o s te r D o b b e r tin
le e r s te h e n d
N e u D a m e ro w
um 1795
G r a f v. M ü n s te r
N e u G a a rz
A . 1 9 . Jh .
G. F. S c h r ö d e r ?
N e u h o f b e i K lä d e n
A . 1 9 . Jh .
K l o s te r D o b b e r tin
N e u P o s e rin
1852
R osen o w
N e u S a m m it
1887
O . v. B iilo w
N e u S apshagen
1940
J . S c h m id t
N o s s e n lin
vor 1799
v. R a v e n ?
Rum K ogel
7
K l o s te r D o b b e r tin
S c h lo s s G r u b e n h a g e n
1840
A . C . v. M a ltz a n
p riv a t
S e h lsd o rf
1867
K l o s te r D o b b e r tin
p r iv a t
S o p h ie n h o f
1938
G. v. d e r W e n s e
S p a ro w
1795
S p e n d in
1754
K l o s te r D o b b e r tin
S u c k w ilz
1749
J . H . v. G r a b o w
Vo U rathsruhe/'H a 11alit
um 1 8 0 0
C . J. v. M a ltz a n
H e r z o g S c h w e r in
W o o s te n
1740
H . v. G r a b o w
W o s e rin
1835
G r o ß h e r z o g S c h w e r in
Z a rch lin
1879
G r o ß h e r z o g S c h w e r in
Z id d e ric h m it S te in b e c k
1 8 7 1 /1 9 2 8
30
G r o ß h . S c h w e r in /
B öhnke
W ohnung
1869 - 1880
le e r s te h e n d
nach 1945
V e re in
W ohnung
le e r s te h e n d
W ohnung
1897 - 1904
W ohnung
W ohnung
um 1 9 3 8
nach 1850, neu
1997
z. T. W o h n u n g
z. T. 1 9 4 5
H o te l, R e s ta u r a n t
1997
1 9 6 3 /6 4
1985
1903 ; 1920
le e r s te h e n d
1 8 5 6 ; 1878
p r iv a t
1939
p riv a t
/ p r iv a t
1947 /
nur am Außenbau und behielt die
Grundrissstruktur im Inneren bei. ln
der Regel wurden die Gutshäuser aber
den neuen, an der bürgerlichen
Wohnkultur orientierten Bedürfnissen
angepasst. Die Räume wurden kleiner
und waren weniger auf Repräsentati­
on ausgelegt. Sie dienten den privaten
Wohnbedürfnissen. Treppenhäuser
und Flure hatten die Funktion einer
rein praktischen Erschließung. Die
Elemente der Innenausstattung waren
seriell gefertigt und weniger aufwen­
dig und anspruchsvoll als in den ba­
rocken und klassizistischen Häusern.
Ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts
entstanden an der Backsteingotik ori­
entierte neogotische Gutshäuser wie
in Alt Sammit, aber auch neoklassizis­
tische und neobarock geprägte Bau­
ten wie beispielsweise das 1906 erbau­
te so genannte neue Karower Schloss.
Prägende Umbauten erfolgten an den
Gutshäusern in Vollrathsruhe und
Blücherhof.
Bei der zusammenfassenden Auswer­
tung zu den Gutshäusem werden 61
Gebäude betrachtet, da teilweise zwei
nebeneinander bestanden bzw. beste­
hen, die aus unterschiedlichen Zeiten
stammten bzw. stammen (z. B. Karow,
Klein Luckow, Glave) oder auch Guts-,
Pächter- oder Inspektorenhäuser auf
Vorwerken waren (z. B. Zidderich Steinbeck, Alt Schwerin - Mönch­
busch, Dobbin - Zietlitz, Karow Hahnenhorst, Mestlin - Vimfow).
Von den 61 Gutshäusern wurden 1939
ein Gutshaus, in der Zeit von 1947 bis
1985 fünfzehn beseitigt (26 %).
Von 54 Gutshäusern kann die Bauzeit
genau bestimmt bzw. etwa datiert wer­
den, bei sieben ist sie unbekannt. Aus
der 1. Hälfte des 18. Jh. stammen sie­
ben (13 %), aus der 2. Hälfte elf (20
%), aus der 1. Hälfte des 19. Jh. zw ölf
(22 %), aus der 2. Hälfte siebzehn (32
%) und aus der 1. Hälfte des 20. Jh.
sieben (13 %).
Tabelle 2:
Erbauungszeit und heutige Nutzung der
Gutshäuser
Time of construction and current utilization
of manor houses
4.5 Landwirtschaftliche
Nebenbetriebe
Appurtenant structures
Ziegeleien, Kalkbrennereien,
Teeröfen und Glashütten
Eine Reihe von Gütern betrieb "Indus­
trieanlagen" zur Abdeckung des Ei­
genbedarfs und zum Verkauf der Er­
zeugnisse. Hierzu gehören Guts­
ziegeleien. Weil sie teils bloß über we­
nige Jahre, je nach Bedarf und Vor­
kommen von Rohstoffen, produzier­
ten, kann man nur Angaben für einen
bestimmten Zeitraum machen. 1903 ar­
beiteten mindestens sieben zu einem
Gut gehörige Ziegeleien und drei
Kalkbrennereien im Bereich des Natur­
parks. Ein Teerofen wurde im angege­
benen Jahr noch betrieben. 50 Jahre
vorher waren es sechs. Von den zahl­
reichen Glashütten, die besonders im
18. und zu Beginn des 19. Jh. betrie­
ben worden waren, existierte 1901
noch eine (Glashütte bei Alt
Schwerin).
Abb. 36 Schauteerofen bei Sparow (2006)
Mock tar kiln near Sparow (2006)
Verarbeitung von Erzeugnissen
Einige Erzeugnisse des Gutes wurden
in Nebenbetrieben verarbeitet. Die äl­
testen dieser Art waren die Mühlen.
Elf davon waren 1903 in Betrieb, und
zwar, den örtlichen Gegebenheiten
entsprechend, vorwiegend Windmüh­
len. In der zweiten Hälfte des 19. Jh.
wurde die Eigen Verarbeitung der Mas­
senware Kartoffel interessant, und so
entstand eine Reihe von Branntwein­
brennereien. Während 1853 noch kei­
ne registriert wurde, waren es 1903
mindestens drei. Die wachsende Ein­
wohnerzahl der Städte erforderte die
Lieferung haltbarer Milcherzeugnisse.
Butter, Käse und pasteurisierte Voll­
milch wurden deswegen in den drei
Gutsmolkereien hergestellt. Solche Be­
triebe erforderten erhebliche Investiti­
onen, die das Leistungsvermögen ein­
zelner Güter überforderten. So wurden
viele Molkereien auf genossenschaft­
licher Basis an zentralen Orten einge­
richtet. Ähnlich war es mit Zucker­
fabriken, die im Bereich der
Abb. 37 Reste der Brennerei Linstow (2007)
Remains of Linstow distillery (2007)
Zuckerrübenanbaugebiete häufig mit
Kapitalbeteiligung der Güter entstan­
den (Dahmen, Lübz).
Verkehrserschließung
Für die industrielle Entwicklung war
die verkehrsmäßige Erschließung des
Landes wichtig, die von der Mitte des
19. Jh. an vorangetrieben wurde. Die
Schaffung von "Kunststraßen" bzw.
Chausseen war von erheblicher Be­
deutung für den Transport der land­
wirtschaftlichen Erzeugnisse (z. B.
Straße Krakow - Karowr 1846, Crivitz Goldberg 1870, Goldberg - Karow
1896). Viel leichter als auf den berüch­
tigten Landstraßen früherer Zeiten lie­
ßen sich die Produkte zur nächsten
Bahnstation und zur nächsten Stadt
bringen, denn die "Mecklenburgische
Südbahn"(1886)band die im Süden
des Naturparks gelegenen Orte an den
31
4.6 Der heutige Zustand der
Gutsgebäude
Karow (M ockibg.)
Today's condition ofthe estate buildings
Die Entwicklung nach der
Bodenreform
Abb. 38 Bahnhof Karow um 1900
(Postkarte)
Karow railway Station around
1900 (postcard)
Knotenpunkt Karow, von wo aus
wiederum eine Anbindung an die Hä­
fen Wismar und Rostock sowie bis
Berlin möglich war. Berlin konnte auch
über die im Osten des Naturparks ver­
laufende Strecke Rostock-Laage-Waren-Neustrelitz erreicht werden. Dabei
ging es nicht nur um den Abtransport
der auf dem Lande erzeugten Produk­
te, sondern ebenso um die An­
lieferung von Industrieerzeugnissen.
Darunter spielten Düngemittel, Bau­
stoffe und landwirtschaftliche Ma­
schinen eine wichtige Rolle. Einige
Güter besaßen Feld- und Rüben­
bahnen.
Bis zum Zweiten Weltkrieg wirkten
sich die beschriebenen Trends auf die
mecklenburgische Landwirtschaft
insgesamt sehr vorteilhaft aus.
Allerdings merkten die Guts­
tagelöhner wenig davon. Auch bei ei­
ner Reihe von Gütern kam es durch
die krisenhafte Entwicklung in den
zwanziger und dreißiger Jahren des 20.
Jh. zu erheblichen Schwierigkeiten. Im
September 1945 beendete die Boden­
reform die Existenz der Güter in der da­
maligen sowjetischen Besatzungszo­
ne, von denen nur wenige ausgenom­
men waren.
Eine ganze Reihe von Gutsgebäuden
hat die Zeit seit 1945 mehr oder weni­
ger verändert überstanden. Das trifft
besonders auf die Bauten zu, die wäh­
rend des genannten Zeitraumes auf
irgendeine Art genutzt wurden.
In der ersten Zeit nach dem Zweiten
Weltkrieg entfachte die besonders in
der sowjetischen Besatzungszone be­
triebene Propaganda den Hass breiter
Teile des Volkes gegen die ehemaligen
Gutsherren. Besonders dem
"Junkertum" wurde vorgeworfen, ein
Hort der Reaktion und Menschen­
verachtung gewesen zu sein. Zum
Abb. 39 Das leer stehende Schloss Vollrathsruhe, Parkseite (2007)
Vacant manor house Vollrathsruhe, view from garden
(2007)
32
Ausdruck sei das gekommen, indem
diese Schicht seit Jahrhunderten die
Kader ttir die jeweiligen Streitkräfte
stellte. Damit sei sie naturgemäß an
der Schürung und Führung von Krie­
gen interessiert und beteiligt gewe­
sen. Auch in der Verwaltung hatte der
Adel zumindest bis 1918, aber auch
danach, wichtige Positionen besetzt.
Ein Teil der Junker hatte sich auch of­
fen auf die Seite der Nazibewegung
gestellt. Das mussten die Angehöri­
gen dieser Gesellschaftsgruppe aus­
baden. Insofern wurde die Enteignung
der Gutsbesitzer als "Wiedergutma­
chung Jahrhunderte langen Un­
rechts", nämlich des Bauernlegens,
und als Beitrag zur Friedenssicherung
propagiert.
Mit dieser Enteignung sollten auch
die äußerlichen Wahrzeichen der
Junkermacht beseitigt werden, und
das waren in erster Linie die teilweise
schlossartigen Gutshäuser. Einige
wurden tatsächlich abgerissen, um
daraus Baumaterial für die Neubauern­
häuser zu gewinnen. Das geschah
auch mit einer Reihe von Wirtschafts­
gebäuden. Viele Gutsgebäude entgin­
gen dem Abriss, weil sie in der damali­
gen Notlage gebraucht wurden.
Abb. 40 Schafstall Kirch Kogel, der z. T. a/s Wohnung ausgebaut
wurde (2007)
Sheep shelter Kirch Kogel, partly converted for residential
use (2007)
Nutzung und Verfall der
Gutsgebäude
4.7. Denkmalpflege
Nachdem gerade viele Gutshäuser
zunächst der Unterbringung der vie­
len Flüchtlinge und Vertriebenen dien­
ten, fand man mit dem allmählichen
Freiziehen andere Verwendungs­
möglichkeiten. Schulen, Kultur- und
Versammlungsräume, "Konsum"-Läden, später auch Altersheime, fanden
hier Unterkunft. Da derartige Nut­
zungen mit dem ursprünglichen
Zweck dieser Bauten absolut nichts
zu tun hatten, führten etliche ohne
Rücksicht auf den Bauzustand vorge­
nommene Umbauten zum Zerfall der
ursprünglichen Strukturen. Als Folge
der Wende von 1990 erlitt manches
Gutshaus, bedingt durch die Aufgabe
der bisherigen Nutzung, ebenfalls eine
Wende. Selten konnte sofort eine
neue Gebrauchsmöglichkeit gefunden
werden. Durch jahrelangen Leerstand
wurde manches Gutshaus im letzten
Jahrzehnt zur Ruine. Es gab aber auch
engagierte, risikobereite Persönlich­
keiten, die sich die Bewahrung er­
haltungswürdiger Bausubstanz als
Ziel stellten. So konnten einige wert­
volle Gutshäuser gerettet und wiederhergestellt werden (vgl. Denkmalpfle­
ge).
Es gibt nur wenige Wirtschaftsgebäu­
de, die in ihrer ursprünglichen Form
vorhanden sind. Diese Bauten wurden
im Rahmen der Bodenreform ebenfalls
verlost, manchmal an mehrere Neu­
siedler. Sie bauten oft eine Wohnung
hinein und nutzten die Objekte voll­
kommen anders, als es beim Bau vor­
gesehen war. Umbauten, die das Inne­
re und Äußere veränderten, waren die
Folge. Nach der Bildung der LPGen er­
folgten je nach B edarf weitere
Überformungen. Mit dem Ende der
LPG-Wirtschaft wurden viele Gebäude
nicht mehr gebraucht und verfielen
zum Teil. So finden sich in vielen Dör­
fern etliche Ruinen, deren Wiederauf­
bau ausgeschlossen erscheint.
Zur Geschichte der Einzelgtiter und ih­
rer Bauten werden im speziellen Teil
weitere Ausführungen gemacht.
Their preservation
Erfassung von Denkmalen
Die Grundlage von Denkmalschutz
und Denkmalpflege ist die Erfassung,
Bewertung und Erforschung des er­
haltenen historischen Gebäude­
bestandes und der dazu gehörigen
Parks sowie der gestalteten Freiflä­
chen der Gutsanlagen. In dem be­
trachteten Raum zeigt sich an den
Gutsanlagen die gleiche Entwicklung
wie auch andernorts in Mecklenburg
Vorpommern.
Eine erste flächendeckende kurze Er­
fassung und Bewertung des histori­
schen Bestandes erfolgte zu Beginn
der 1990er Jahre, aus dem dann die
Denkmallisten der Landkreise hervor­
gingen. In unserem Raum wurden 24
Gutshäuser und 13 Parks als Denkma­
le erfasst. Davon standen bereits eini­
ge auf der Denkmalliste der DDR (z. B.
Karow). Von den denkmalgeschützten
Gemeindebesitz und es war ein großes
Bestreben der Gemeinden, die Gebäu­
de möglichst schnell zu veräußern.
Demzufolge wechselten, besondere in
den ersten Jahren nach 1990, viele
Häuser einmal oder mehrmals den Be­
sitzer. Die Nutzung der Häuser änderte
sich oder die Gebäude wurden leer ge­
zogen und verfallen seitdem nicht sel­
ten.
A uf die Denkmalbehörden kam ein
Sanierungsboom zu, da die meisten
Gutshäuser stark sanierungsbedürftig
waren und alle Veränderungen an ei­
nem Baudenkmal und seiner Umge­
bung genehmigungspflichtig sind.
Das Spektrum dessen, was geworden
ist bzw. in welchem Zustand die Ge­
bäude derzeit sind, kann man in die­
sem Heft nachlesen. Grundlegende
Sanierungsmaßnahmen in enger Ab­
stimmung mit den Denkmalbehörden
Abb. 41
Das sanierte
Gutshaus in G/ave
(2006)
The renovated
manor house of
Glave (2006)
Gutshäusern werden 17 genutzt, sie­
ben stehen noch leer bzw. werden nur
zu einem geringen Teil genutzt. Mit er­
fasst wurden auch die dazu gehörigen
Wirtschaftsgebäude der ehemals land­
wirtschaftlichen Gutsbetriebe, da sie
wichtige Dokumente der Wirtschafts­
verhältnisse auf den Gütern waren.
Sanierung von Gutshäusern
Nach der politischen Wende 1990 ent­
stand ein großes öffentliches Interes­
se an dem Erwerb eines Gutshauses.
Viele der Gutshäuser waren in
erfolgten unter anderem in Alt Sammit,
Alt Schwerin, Moltzow, Blüchcrhof,
Kirch Kogel und Linstow. Es gibt Bei­
spiele von überwiegend am Bestand
orientierten Sanierungen (z B. Karow,
Linstow', Glave, Moltzow), aber leider
auch totale Verluste (vgl. Tabelle 2).
Auch das Gutshaus in Sparowr wäre
aus Sicht des Denkmalschutzes
sanierungsfähig gewesen, wurde aber
1997 abgerissen und durch eine Kopie
ersetzt. Die gesamte Gutsanlage ent­
stand neu. Einen Denkmalwert hat die
Anlage nicht mehr, da sie kein origina­
33
les Gebäude mehr besitzt. Denkmale
sind nicht reproduzierbar.
Die kunsthistorisch und historisch be­
deutendsten Gutshäuser in der Regi­
on sind jedoch saniert und werden ge­
nutzt. Es bleibt zu hoffen, dass auch
an den noch nicht sanierten Guts­
gebäuden Bau unterhaltende Maßnahmen durchgeflihrt werden, die sie
für die nähere Zukunft retten. So hofft
weit gesehen wertvoller geschlosse­
ner Baubestand einer ehemaligen
Gutsanlage findet sich in Biücherhof.
Hier ist es gelungen, auch für die
Wirtschaftsgebäude eine adäquate
Nutzung zu finden. Dieses war für die
denkmalpflegerische Arbeit und den
Erhalt der wertvollen Anlage ein selte­
ner Fall, denn zu oft stehen die
ehemals landwirtschaftlich genutzten
Abb. 42 Gutshaus Sparow vor dem Abriss (1997)
Manor house Sparow before demolition (1997)
man beispielsweise in Vollrathsruhe
auf eine baldige Sanierung des Guts­
hauses. Die Denkmalbehörden sind
bemüht, denkmalfreundliehe Eigentü­
mer und denkmalverträgliche Nut­
zungen für die noch verbliebenen
Gutsgebäude zu finden.
Wirtschaftsbauten und
Wohnhäuser
Leider sind nur noch w'enige ge­
schlossen überlieferte Gutsanlagen
mit ihrem Baubestand an Wirtschafitsbauten und Wohnhäusern der Landar­
beiter erhalten, die unsere Kulturland­
schaft in den letzten Jahrhunderten so
sehr geprägt haben. Ein auch landes-
Abb. 43 Die Replik des Gutshauses (2003)
The replica of the manor house (2003)
Wirtschaftsgebäude ohne Nutzung.
Bauunterhaltende Maßnahmen wer­
den nicht durchgeführt. Forderungen
der Denkmalbehörden, diese Gebäude
zu sichern, lassen sich schlecht
durchsetzen, da oft ein Erhaltungs­
wille fehlt, kein Geld vorhanden ist
und es auch an Ideen, diese Gebäude
zu nutzen, mangelt. Behördlicherseits
ist der Erhalt schwierig durchzusetzen.
Inzwischen sind leider schon viele
dieser ehemaligen Stall- und
Scheunenbauten abgerissen worden
oder stehen stark baugeschädigt in
den Dörfern. Sie werden zu einem Är­
gernis und manchmal zu einer öffentli­
chen Gefahr. Ein sehr authentisch er-
Abb.44
Gebäude auf dem
Gutshof
Biücherhof (2007)
Estate buildings at
Biücherhof (2007)
34
haltenes Guts- und Kirchdorf findet
sich in Kirch Kogel. Die Gebäude wer­
den genutzt und sind in einem guten
baulichen Zustand. Auch der in
Sparow als Denkmal übrig geblieben
lange Katen in Feldsteinbauweise, in
dem die Tagelöhner des Gutes wohn­
ten und der auch heute als Wohnhaus
genutzt wird, ist ein sehr schönes Bei­
spiel für Denkmalpflege.
In this section the characteristic
elements of a gentry estate are being
described in detail: the main buildings
and their respective function. The
manor house was the residence of the
lord or the tenant. Its architecture
evolved throughout the centuries and
acquired representational
significance, particularly in the 18th
and the 19th Century. The peons lived
at a distance from the estate in their
cottages in the "village". Follow'ing
the land reform, many former estate
buildings, in particular the manor
houses, were utilized for very different
purposes. Many refugees, for
example, after the war found their first
accommodation in these large
buildings. By today, many of the
manor houses (approx. 25%) have
been knocked down, but a number of
them have been renovated in line wdth
preservation criteria. Even so,
additional losses must be expected as
economical uses are often missing.
5. Die Gärten und Parkanlagen der Güter
The estate gardens and parks
5.1 Die Entwicklung der Gärten und Gutsparks
The development of estate gardens and parks
Gartenarchitektur in den
Klöstern und Städten
Die Entwicklung der Gartenarchitektur
ist eng mit der Landesgeschichte ver­
bunden. Im Zuge der Landnahme und
Christianisierung im 12. und 13. Jh.
wurden die ersten Klöster in unserem
Raum gegründet. Im damaligen frühen
Mittelalter sind vor allem aus diesen
Anlagen bescheidene Formen regel­
mäßiger Gartengestaltung bekannt. Es
waren besonders die Benediktiner, die
den Gartenbau vorantrieben, da ihnen
die Ordensregeln geistige und körper­
liche Arbeit vorsehrieben.
Hier tauchten vier Gartentypen auf:
1. der von Arkaden umgebene
Kreuzgang
2. der untergliederte Heilkräuter­
garten mit medizinisch-naturwis­
senschaftlicher und kultisch-ma­
gischer Bedeutung
3. der Gemüsegarten zur Ernährung
der Mönche
4. ein Baumgarten, der zugleich
Friedhof und Obstgarten war
Leider lassen sich die Gartenanlagen
der beiden im bzw. am Naturpark lie­
genden Klosteranlagen nicht bis in
diese Zeit zurückverfolgen.
Bürger- und Bauerngärten in den ent­
stehenden Ackerbürger-Städten (z.B.
Goldberg und Krakow) und in den
Dörfern waren weitestgehend auf den
Anbau von Nutzpflanzen ausgerichtet
( K ie iin h 1989). Bis weit ins späte Miltelalter hinein war die Anlage von rei­
nen Lustgärten auf die mecklenbur­
gischen Fürstenhäuser beschränkt.
Davon gab es in dem von uns behan­
delten Raum keine.
Gartenanlagen des Adels bis
1750
Im Hochmittelalter wurde der Baumgarten der eigentliche Lust- und
Wohngarten der höfisch-ritterlichen
Entrance to Nossentin garden
Gesellschaft. Er war eng mit dem Le­
ben und Denken am l lofe verbunden
und wurde zu geruhsamer Erholung
und gemeinsamen Spielen genutzt. Zu
seinen Bestandteilen gehörten Bäume,
größere begehbare Grasflächen, Blu­
men, wie Rosen, Lilien und Veilchen,
und zumeist ein Bach oder Brunnen
sowie aus Erde aufgeschüttete Rasen­
bänke, Lauben und Rankgerüste. Er
war häufig von einer hohen Mauer
umschlossen und spielte in
Mecklenburg auch nur in den
Schlossanlagen des Großherzogs eine
Rolle ( A d a m ia k 1977).
Die Landsitze des Adels und der Rit­
terschaft begnügten sich in der Re­
naissance mit kleinsten Gartenan­
lagen. A uf Karten des 17. und 18. Jh.
sind oft kleine geometrisch gestaltete
Gärten erkennbar, ln keiner der im vor­
liegenden Heft behandelten Gutsan­
lagen gibt es Parkanlagen, die sich bis
ins beginnende 17. Jh. hinein zurück­
verfolgen lassen.
Der spät einsetzende Barock brachte
auch Veränderungen in unserem
Raum. In den fürstlichen Residenzen
Schwerin, Neustrelitz und
Ludwigslust entstanden unter franzö­
sischem Einfluss große Parkanlagen,
die in ihrem Kern noch heute erhalten
sind. H e r z o g F r i e d r i c h " d e r F r o m m e "
(1717-1785) hatte auf weiten Reisen
durch Westeuropa und Süddeutsch­
land seinen Kunstsinn gebildet und
viele Gärten aufmerksam studiert. Die
schönen Alleen, Fontänen, Kaskaden
und Teiche dieser Anlagen fanden
später in der Gestaltung der Parks in
Schwerin und Ludwigslust ihren Nie­
derschlag. Man engagierte französi­
sche und süddeutsche Gartenarchi­
tekten, um die vorhandenen fürstli­
chen Lustgärten im Geschmack der
Zeit umzugestalten und zu erweitern.
Es vollzog sich ein qualitativer Sprung
in der Gartenkunst. Zu den Gartenanlagen in dem von uns betrachteten
Raum von vor 1750 gibt es kaum
Gartenpläne, Beschreibungen oder
Gemälde, die uns einen Überblick über
35
Kirche durch eine Allee zu beobach­
ten, die zugleich die Hauptachse des
Parks bildet, was in unserem Raum in
Nossentin auch heute noch nachvoll­
ziehbar ist. Im Unterschied zu den
meisten süddeutschen Barockparks
fehlen heute in den
mecklenburgischen plätschernde
Brunnen, unruhige Kaskaden, Bäche
und Teiche. Es waren in den großen
fürstlichen Parkanlagen zwar einige
Elemente der französischen Garten­
kunst vorhanden, doch fehlte es den
Fürsten wie auch der Ritterschaft an
Mitteln, die oftmals schon aufwendi­
gen Schlösser und Gutshäuser noch
mit einer Miniaturausgabe des
Versailler Parks zu umgeben.
Die Entstehung von
Landschaftsparks
Abb. 46 Gelbkiefer (Pinus ponderosa)
Yellow pine (Pinus ponderosa)
die damaligen Zustände vermitteln
könnten.
Erste Parks der Rittergüter
Durch den Landesgrundgesetzlichen
Erbvergleich von 1755 wurden die
Rittergutsbesitzer zu weitgehenden
Souveränen ihrer oftmals mehr als
1.000 Hektar großen Landgüter. Mit
dem Einsetzen der Direktorial­
kommission wurden alle
ritterschaftlichen Güter vermessen
und bonitiert. Die entstandenen Kar­
ten enthalten oft die ersten Lagepläne
von Parkanlagen in unserem Raum.
Barocke Gutsparkanlagen in unserem
Raum gab es nachweislich in Linstow
und Nossentin. Die meisten dieser
Anlagen wurden jedoch wegen des
hohen Pflegeaufwandcs, des sich
wandelnden Zeitgeschmacks und aus
wirtschaftlichen Gründen wieder auf­
gegeben oder nach den Maßstäben
neuerer Gartenkunst umgestaltet.
Nicht selten ist in Mecklenburg die
Verbindung zwischen Gutshaus und
36
Bedingt durch gute Ernten und stei­
gende Preise für Getreide gab es in
dem ansonsten armen Mecklenburg
auch Phasen des wirtschaftlichen
Aufschwungs, die den Neu- und Um­
bau von Residenzen und Gutsanlagen
ermöglichten. Der von England über
Frankreich 1770 nach Deutschland
eindringende natürliche Gartenstil ge­
langte auch schnell nach
Norddeutschland. Die Idee von der
"Gartentahigkeit" der Natur fand in
dem von sanften Hügeln und unzähli­
gen Seen geprägten Mecklenburg
Aufnahme in die Bau- und
Gestaltungspläne der Fürsten und
Gutsbesitzer sowie in die Orts­
gestaltung der großen Städte. Das
Umfeld der Residenzen und der Her­
rensitze oder auch die oftmals im 18.
Jh. geschleiften Befestigungsanlagen
der wohlhabenden Städte boten sich
förmlich an, in Landschaftsparks auf­
zugehen.
Die naturalistische Verschönerung
oder ökonomische Aufschmückung
der Schloss- und Gutsbezirke führte
zur Anlage malerischer Wandel parks.
Sie waren häufig das Werk der Guts­
besitzer selbst oder wurden von ei­
gens dazu engagierten Gartenarchitek­
ten, Gärtnern und Baumeistern ge­
schaffen, welche uns heute meist
nicht mehr bekannt sind. Bei der Ge­
staltung der neuen Landschaftspark­
anlagen blieben häufig Teile der fran­
zösischen Parkanlagen erhallen und
wurden in die Neugestaltung inte­
griert. Mitte des 19. Jh. erlebten, je
nach wirtschaftlichem Erfolg bzw. Nei­
gung ihrer Eigentümer, viele Guts­
parks Um- bzwr. Neugestaltungen (Alt
Schwerin, Diestelow, Grambow), nicht
selten aber auch Niedergänge (Alt
Sammit).
Mit der zunehmenden Industrialisie­
rung und der damit verbundenen An­
sammlung von Kapital auf dem Lande
sowie mit dem Übergang mancher
Gutsbetriebe aus der Hand des Adels
in bürgerlichen Besitz entstanden
zahlreiche Parkanlagen (Neu Sammit,
Karow). Ihre Gestaltung setzte jedoch
die Tradition der Gartenkunst ebenso
wenig fort, wie es die in dieser Zeit er­
richteten Gutshäuser mit der Baukunst
vergangener Jahrhunderte vermoch­
ten. Nicht zuletzt das verbreitete Inter­
esse an dendrologischen Besonder­
heiten ließ in vielen Fällen die Sicht
auf eine künstlerische Qualität der
Gesamtanlage in den Hintergrund tre­
ten (Park Glave). Aber auch in den
Jahrzehnten danach wurden noch be­
merkenswerte Parks im Umfeld größe­
rer Güter angelegt, welche häufig
durch die Gutsbesitzer selbst geplant
und gestaltet wurden.
Um 1900 bestand zunächst noch der
gemischte Stil des späten 19. Jh. wei­
ter, der von P k i e r J o s e p h L e n n e und
G u s t a v M e y e r entscheidend geprägt
und in Meyers "Lehrbuch der schö­
nen Gartenkunst" propagiert w urde.
Dieser Stil zeichnete sieh durch die
Verw endung geometrischer Formen in
kleinen hausnahen Gartenbereichen
und die Bevorzugung einer land­
schaftlichen Gestaltung in größeren
hausferneren Parkanlagen aus (z.B.
Dobbin bei Krakow' am See). Rosen­
gärten, wie in Diestelow' heute noch
erkennbar, sind auch seit dieser Zeit
stärker in Mode gekommen. In den
Klostergütern fehlte in aller Regel ein
aufwendig gestalteter Park, da sie nur
als Pachtgüter bewirtschaftet wurden,
was einen für die Zukunft angelegten
Park meist verhinderte.
Tabelle 3:
Übersicht zu den Parkanlagen der Naturparkregion
Survey of gardens in the Nature Park region
Art des Parks
um 1900
Nutzung/Zustand
heute
Parkgröße
um 1900
Parkgröße
he ute
Alt G aarz
1,3
1,4
Landschaftspark
Alt Sammit
2,3
0,8
Landschaftspark
N ordteil gepliegt,
Südteil verwildert
Alt Schwerin mit
M önchbusch
1,8
1,7
Landschaltspark
gepflegt
Künstliche Einbauten: "Burgwall"
Bäume: Esskastanie, Blutbuche, Sommerlinde
Biücherhof mit
Lütgendorf
3,6
6,8
Landschaftspark
7,T. ungepflegt
Eiskeller, Teiche, B rücken, D endrologischer Park
B ossow
0.9
0,1
G arten
G arten / genutzt
Hausbäume
Name des Gutes
N ordteil verwildert
Park um Gutshaus
gepflegt
Besonderheiten, besondere Bäume
R ondell Bauliche Reste von Requisiten,
Bäume: Silber-A horn
C ramon
0,6
0,3
K leiner G utspark
Verschwunden,
R estbestand an
Bäumen
Diestelow mit N eu h o f
11,9
7,7
Landschaftspark
gepflegt
Dobbin mit Ziellilz
5,4
4 ,6
Landschaftspark
G arten
Finkenw erder
2,2
0,6
kleiner G utspark
gepflegt, Teil
ungenutzt
Bäume: Schneeball-A horn
Glave
3,8
5,7
Landschaftspark
ungepflegt
Quellen, Ruine
Bäume: Gelbkiefer, Tulpenbaum, K aukasische Flügelnuss
G rabow höfe
8,0
2,5
Landschallspark
ungepflegt,
Fremdnutzung
Sportplatz, K askadenteiche, Brücke
Bäume: Esskastanie, Walnuss, Krim-Linde
G ram bow
5,9
2,8
Landschallspark
gepflegt, z.T.
Fremdnutzung
G roß Bäbelin
2,0
1,3
Teil verwildert
z.T. gepflegt
ungepflegt /
Fremdnutzung
Dobbin: teihv.
gepflegt Zietlitz:
G artenrest
G roß und Klein Rehberg
2,0
0,0
G arten
Hagenow
1,2
0,6
Landschaftspark
H ahnenhorst
1,1
0,01
Garten
gepflegt
Hinrichshof
2,6
0,2
G arten
gepflegt
H o f Hagen
0,6
0,3
G arten
gepflegte Reste
H ohen Wangelin
0,6
0,1
Garten
Fremdnutzung
verwildert, ohne
Nutzung
.lürgenshof
1,0
0,8
Kleiner G utspark
gepflegt
K adow
0,2
0,0
Garten
verschw unden
K arow
7,1
6,1
Landschaftspark
gepflegt
Kirch K ogel
1,0
0.8
G arten
Garten, z.T. gepflegt
0,7
Garten
gepflegt
ungepflegt
Kleesten
0,7
Klein Luckow
4,6
4,5
Landschallspark
Klein Wangelin
1,4
1,0
Garten
gepflegt
Klocksin
10,1
4 ,0
Landschaftspark
thv. gepflegt, Rest
Wald
Kressin
1,8
0,9
Landschaftspark
gepflegt
Leisten
0,4
0,2
Landschaftspark
ungepflegt
Burgwall, Brücken, Requisiten, Bäume: Gelbkiefer, Blulund Hängebuchen, Eiben, Feldahom
Reste einer formalen Parkanlage, Freibad, Stein, Teich
Bäume: Winterlinden, W eißtanne, Blutbuche,
Schwarzkiefer, Sumpfzypresse
Bäume: Blutbuchen, Hängebuche, Esskastanie,
Hainbuche, Schwarzkiefer, Platane, Stieleichen,
Gleditschie
Landschaftspark, Bäume: Feld-A horn
R ondell Umfahrung
Bäume: Robinie, Hainbuchen, Somm erlinden
Teich
Bäume: Stieleichen, Douglasie
Teich. Zufahrt Schloss
Bäume: N ordm annstanne, Spitzahorn, Ahomblältrigc
Platane, Sumpfzypresse
Teich, Brücken, Begrenzungsmauer
Bäume: Stieleichen, ahomblättrige Platane Winterlinden,
Robinien, Schwarzkiefer, Esskastanie, Bltilbuche,
N ordm annstanne, W eißtanne
H undegrab, Kapelle, Soldatenfriedhof Gärtnerei
Bäume: Feldahom , Rotbuchen, Winterlinden
Zufahrt , Bäume: Winterlinden, Gingko, Pyram idenpappel
Rosskastanien
Bäume: Hainbuche, Eibe
37
Tabelle 3:
Fortsetzung
Fortsetzung
Name des Gutes
Parkgröße
um 1900
Parkgröße
heute
Art des Parks
um 1900
N utzung/Zus ta nd
heute
Besonderheiten
besondere Bäume
N ebel, Brücke,
Hügelgrab, Teiche ,
Bäume:
Weymouthskiefer,
Flatterulme,
Winterlinden, Süßkirsche
Linstow
1,4
1,6
Landschaftspark
gepflegt/ungepflegt
Louisenfcld
0,3
0,4
Garten
gepflegt
Marxhagen
1,4
2,5
Landschaftspark
verwildert
Eiskeller, Bäume:
Feldahom, K nöterich als
Kletterpflanze
M edow
1,7
0,5
G arten
z.T. gepflegt
O bstbäum e
Mestlin mit Viml'ow
1,0
1,0
Mestlin: G arten
Vimfbw: kleiner
G utspark
Mestlin: verwildert,
Frem d nutzung
Vimfbw: ungepflegt
Teich
Mottznw
7,7
3,2
Landschaftspark
gepflegt
Friedhof Gutsgarten,
Bäume: Blutbuche,
Winterlinden,
Rosskastanie,
Sumpfeiche,
W eideneiche, Roteichc,
Griechische Tanne,
W eißtanne, ZuckerAhorn, Tulpenbaum,
K anadische
Hemlockstanne
M ühlenhof
0,4
0,2
Kleiner G utspark
ungepflegt,
Freindnutzung
Rotbuchen
N eu D amerow
0,4
0,2
Kleiner G utspark
G arten, gepflegt
Ahomblättrige Platane
N eu Gaarz
2,7
1,5
Kleiner G utspark
gepflegt (ungepflegt
durch Aufgabe)
Rotbuchen, Som m erund Winterlinden,
O bstgarten
N euhof bei Kläden
0,8
0,5
G arten
gepflegt
N eu Poserin
5,0
4,2
Landschaftspark
gepflegt
Brücke, Pilz, Tor,
Park verein,
Bäume :Flatterulme,
Blutbuche
N eu Sammit
1,6
N eu Sapshagen
1,4
N ossenlin
2,4
Landschaftspark
gepflegt
TBC-Hallen, Bäume:
Küslenlanne ,
Blutbuche, Europäische
und Japanische Lärche,
M aulbeerbaum,
Weymouthskiefer,
K anadische Fichte
1,0
G arten
gepflegt
O bstgarten
2,1
2,0
Landschaltspark
z.T. gepflegt
Teile der Barockanlage,
Bäume: Hainbuche,
Winterlinden
Rum Kogel
0,8
1,1
Garten
z.T. gepflegt
Schloß Grubenhagen
3,6
2,6
Landschaftspark
gepflegt
Sehlsdorf
0,7
0,7
Garten
gepflegt
Bäume: Blutbuche
alte Burganlage in
Landschaftspark
integriert
Sophienhof
2,8
2,7
Landschaflspark
verwildert, Wald
Bäume: Winterlinde,
Hainbuche
Sparow
0,6
0,4
Landschaftspark
gepflegt
Bäume: Blutbuche,
Winterlinden
Spendin
0,6
0,2
Kleiner G ulspark
ungepflegt
38
Tabelle 3:
Fortsetzung
Fortsetzung
Name des Gutes
Suekw itz
Parkgröße
um 1900
Parkgröße
heute
0,4
0,2
Art des Parks
um 1900
G arten
Nutzung/Zustand
heute
Besonderheiten
besondere Bäume
Reste ungepflegt
Vollraths ruhe
15,4
14,7
Landschaitspark
z.T. gepflegt
Kapelle, Hügelgrab,
Teich, W aldpark,
barocke Teile wie
Lindenallee
W oosten
2,0
0,1
Kleiner G utspark
ungepflegt
Frühdeutscher
Burghügel, Bäume:
Rosskastanie
W oserin
1,2
0,3
Kleiner G utspark
/.T. gepflegt
Teich, Bäume:
Blutbuche, Som m er­
und Winterlinden
Zarchlin
1,1
1,4
Landschaitspark
z.T. gepflegt
Zidderich mit Steinbeck
0,9
0,3
Kleiner G utspark
z.T. gepflegt
Von den im Text beschriebenen 57
Parkanlagen wurden 26 im Stile des
englischen Landschaftsparks ab Mitte
des 19. Jh. angelegt. Die größte Anla­
ge ist der Park von Vollrathsruhe, wel­
cher mit einem Waldpark-Teil auch
heute noch eine Fläche von fast 15
Hektar einnimmt. Sehenswerte Anla­
gen befinden sich in Blücherhof,
Moltzow, Karow, Alt Schwerin, Dieste­
low und Grambow. Die durchschnittli­
che Größe der als Landschaftspark an­
gelegten Parkanlagen beträgt 4,25 ha.
Die Landschaftsparkanlagen haben in
ihrer Flächenausdehnung im Vergleich
zum Zustand zur Jahrhundertwende
19.Jh./20 Jh . um 23% abgenommen.
Die größten Flächeneinbußen sind bei
den kleinen Gutsparkanlagen zu ver­
zeichnen, welche in ihrer heutigen Flä­
chenausdehnung nur noch 42 % des
Zustandes um 1900 einnehmen. Gute
Beispiele dieses Parktyps sind in Neu
Gaarz und Jürgenshof zu sehen. Die
durchschnittliche Größe der kleinen
Gutsparkanlagen betrug um 1900 nur
1,18 Hektar. 19 der im Text beschriebe­
nen Gutsanlagen hatten keinen Park
im engeren Sinne. Hier konnten nur
Gärten festgestellt werden. Dies sind
meist Anlagen um Pächterhäuser, wel­
che häufig der Versorgung der Päch­
terfamilien mit Obst und Gemüse und
nicht dem Zwecke der Repräsentation
dienten. Auch von diesen Anlagen
sind heute nur noch 42% der Flächen­
größe um 1900 vorhanden. Eine Vor­
stellung vom Aussehen und der ge­
nutzten Flächengröße bekommt man
in Medow bei Goldberg und in Sapshagen.
Ein Teil der Parkanlagen, insbeson­
dere die Landschaftsparkanlagen, ver­
fügen über einen interessanten Baum­
bestand. Sehenswert in dieser Hin­
sicht sind der dendrologischc Park in
Blücherhof, die Parkanlagen in Neu
Sammit, Moltzow, Linstow, Klein
Luckow, Glave, Diestelow und
Grambow.
Bäume: Bcrgahom ,
Rosskastanie, Stieleichen
Abb. 47
Platanen (P/atanus hybrida) im Gutspark
Karow
Sycamore (Platanus hybrida) in the garden
of estate Karow
39
5.2 Der heutige Zustand der
Gutsparks
Today's condition of the estate gardens
Parks in der DDR
Im Zuge der Bodenreform wurden
Parkanlagen z. T. aufgesiedelt, Bäume
aus Mangel an Brennholz gefallt,
Blumenrabatten zu Gemüsegärten um­
genutzt. Die Gartenseiten zeigten z. T.
ein buntes Sammelsurium von Schup­
pen, Hühner- und Kaninchenställen.
Viele Parkanlagen, die diesem Schick­
sal entgingen, verloren ihr Gesicht
durch mangelnde Pflege und Wildwuchs.
Seit den 1950er Jahren kam die Kultur-
den aufgrund fehlender finanzieller,
materieller und personeller Kapazitä­
ten häufig kaum noch gepflegt und
verwilderten.
Nach Gründung des Instituts für
Denkmalpflege in den 1960er Jahren
und besonders seit der Verabschie­
dung eines neuen Denkmalpflegcgesetzes der DDR fanden in histori­
schen Garten- und Parkanlagen
Wiederherstellungen und meist auch
Rekonstruktionen statt, jedoch nur in
ausgewählten repräsentativen Anla­
Abb.48 Der gut gepflegte Schlosspark Karow
The well kept garden of estate Karow
parkbewegung in der DDR auf, welche
die kulturelle Nutzung der Parkan­
lagen durch die Bevölkerung propa­
gierte. Beliebte Einbauten in beste­
hende Parkanlagen waren Freilicht­
bühnen, Sportanlagen und Schwimm­
bäder (z.B. Grabowhöfe, Grambow).
Diese Neugestaltungen nahmen im
Allgemeinen wenig Rücksicht auf
denkmalpflegerische Zielsetzungen.
Angestrebt waren die Förderung von
Erholung, Bildung und Kultur, die
Steigerung der Attraktivität für die Be­
völkerung und die Schaffung von
Möglichkeiten ttir Großveranstaltun­
gen. Ziel war die gesellschaftliche
Nutzung. Abgelegene Parkteile wur­
40
gen. Das oftmals private Engagement
von Leuten oder Gruppen hat aber
auch in kleineren Parkanlagen im länd­
lichen Raum zu einer Fortsetzung der
Parkpflege geführt (Neu Poscrin,
Blücherhof).
Parks nach 1990
Durch ungeklärte Eigentums­
verhältnisse oder die Schließung von
sozialen bzw. kommunalen Einrichtun­
gen aufgrund gestiegener technischer
Anforderungen kam es nach der poli­
tischen Wende oftmals zum Leerstand
der Gebäude. Hierdurch ergaben sich
in den dazu gehörenden Parkanlagen,
die ohnehin sanierungsbedürftig wa­
ren, Stillstand in der Parkpflege, be­
schleunigter Verfall und Verwilderung.
Waren die Eigentumsverhältnisse ge­
klärt, setzten seit Beginn der 1990er
Jahre jedoch auch verstärkt Wieder­
herstellungen in den Park- und
Gartenanlagen ein (Alt Gaarz,
Klocksin, Grambow). Einige unserer
Parkanlagen sind heute gut und zeit­
gemäß gepflegt und werden auch ge­
nutzt. Im speziellen Teil des Heftes
wird auf die Parks der Güter genauer
eingegangen.
Abb. 49 Starke Hainbuche (Carpinus
betu/us) im Park Nossentin
Strong hornbeam (carpinus
betulus) in Nossentin garden
Many estates had or still have gardens.
These in part developed from gardens
or installations from the 18th Century.
But most of them are o f English garden
type and originated in the 19th Century.
They were further developed in the
20th Century with geometrical
structures closer to the manor and
efforts for integration into the
landscape at the distance. Today's
condition o f these gardens more often
than not is bad. Many o f them are no
longer in existence.
Abb. 50
im Gutspark A lt Schwerin
The estate garden of Alt Schwerin
Abb. 51
Weg zur Kapelle im Park Klocksin
Lane to chapel in Klocksin garden
Abb. 52
Park Vollrathsruhe, im Hintergrund das
Schloss
Vollrathsruhe garden with manor house in
the back
41
6. Die Gutsdörfer mit ihren Gutsanlagen
und Parks
The estates, their villages and gardens
6.1 Alt Gaarz
Landkreis Müritz
Amt Seenlandschaft Waren
G. Masurowski, D. Mombour
Das Dorf und das Gut
Alt Gaarz liegt im Bereich der
Klocksiner Seenkette an der Südwestseite des Hofsees und an der Nordsei­
te des Bergsees. Der Name Gaarz
(auch Garditze, Gartze) kommt aus dem
Slawischen und bedeutet soviel w'ie
„kleine Burg“. Das Gründungsdatum
des Ortes ist nicht bekannt. Im 13. Jh.
und zu Beginn des 14. Jh. gehörte
Gaarz zu der großen Feldmark
Nossentin. 1319 gelangte der Ort in
den Besitz der L i n s t o w s . Der ehemali­
ge Rittersitz Gaarz (heute Alt Gaarz)
war geschichtlich lange Zeit mit den
v o n L in s t o w s auf Linstow' verbunden,
die bis etwa 1730 hier nachzuweisen
sind. 1567 brannte das ganze D orf ab
und wurde wieder aufgebaut. Seit
etwa dieser Zeit gab es in Gaarz keine
Bauern mehr. Gaarz war zu einem
Allodialgut geworden.
Weitere Besitzer von Gaarz waren:
1731 - 1749 A. W. V. W iNTERFELD
1751-1779 F. W. H. v . L o w t z o w
1780-1781 Versteigerung der Güter
Alt- und Neuen Gaarz
1796-1827 G. F. S c h r ö d e r
1828-1840 J. H. C . S c h m id t
1842-1851 C. C. G S t e in
1851- 1854 F. S t e in
1855-1861 E. S t a h l
1862 - 1945 Familie G r e f e r a t h
1903 hatte das Gut eine Fläche von
1046 ha. 1920 umfasste der Viehbe­
stand 60 Pferde, 110 Rinder, 280 Scha­
fe und 304 Schweine. Angebaut wur­
den vorwiegend Getreide, Kartoffeln
und Rüben. Neben der Landwirtschaft
wurde Waldbau betrieben.
Das Gut Alt Gaarz wairde 1945/46 auf­
gesiedelt. 52 Bodenbewerber erhielten
42
Abb. 1 Eingang zum Gutshof m it gemauerten Pfeilern (2006)
Entry gate to estate with brick columns (2006)
Land zwischen 8 und 12 ha. 1957 gab
es nur noch 36 Neubauern. Nach der
Bildung von VEG und LPG entstanden
1974 das VEG Pflanzenproduktion und
die Industrielle Rindermast Hohen
Wangel in, die bis zur Wende in engem
Zusammenwirken großräumig und
überörtlich wirtschafteten. Ein neu­
zeitlicher Nachfolgebetrieb der
Schweinemast bewirtschaftet bei Alt
Gaarz heute noch eine Reihe inzwi­
schen veränderter Stallanlagen.
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Das Gut lag auf einer breiten Halbin­
sel, die in den Hofsee ragt. Der recht­
eckige Grundriss zeigt an seiner Oslseite das Gutshaus und diesem vorge­
lagert beidseitig die Wirtschaftsge­
bäude. Von ihnen ist nur noch ein gro­
ßer Rinderstall auf der linken Seite
vorhanden. Die weiteren Gebäude des
ehemaligen großen Gutes, wie weitere
Ställe, eine Brennerei und Schmiede
existieren nicht mehr. Die Gutsanlage
war von einer Mauer umgeben, von
Abb. 3
Wirtschaftsgbäude
(2004)
Estate building
(2004)
Abb.2 Die Lage des Gutes 1884 (MTB)
Ordinance map of 1884
der noch Reste zu entdecken sind. Vor
allem der Eingangsbereich ist noch
heute durch markante Backsteinpfeiler
gekennzeichnet.
Gutshaus und Park
Das G utshaus liegt an der Spitze der
Halbinsel mit Zugang zum Sec. Das
heute vorhandene Gebäude stammt in
seinem ursprünglichen Zustand aus
dem Jahre 1863. Nach d e V e e r (2006)
gab es einen Vorgängerbau, der 1863
stark verändert wurde. Das uns ge­
genübertretende Gebäude ist ein gro-
ßer, eingeschossiger Backsteinbau auf
einem hohen Kellergeschoss aus be­
hauenen Feldsteinen. An der Vorder­
front ist ein Milteirisalit mit großer
Treppe und Eingangsbereich vorhan­
den. An der Ostseite der Vorderfront
Abb. 4 Gutshaus in schlechtem Zustand (1989)
The manor house in bad condition (1989)
Abb. 5 Restauriertes Gutshaus, Vorderansicht (2004)
Renovated manor house, front view (2004)
und erstreckte sich von drei Seiten um
das Gutshaus. Heute sind noch zwei
separate Teile erkennbar, zum einen
südlich und östlich des Gutshauses
und zum anderen nördlich auf einer
Fläche von 2,5 ha. Hier sind sehens­
weite Altbäume, u.a. Blutbuchen,
Rosskastanien und zwei Silber-Ahorn,
zu finden.
Abb. 6 Seitenansicht des Gutshauses (2004)
Side view of manor house (2004)
befindet sich ein Turm mit vier Etagen,
Spitzdach und Ziertürmchen. Nach d e
V e e r (2006) ist es ein Versuch, dem
Ortsnamen (Burg) alle Ehre zu machen
und das Gutshaus in ein romantisches
Schloss zu verwandeln. Auch die Tor­
pfeiler zum H of assoziieren in ihrer Ge­
staltung das Bild „Burg“ (vgl.Abb.l).
Nach 1945 war das Gutshaus Woh­
nung für viele Flüchtlinge, Gemeinde­
verwaltung und soziale Einrichtung.
Danach stand es lange Zeit leer und
der Verfall setzte ein (vgl. Abb. 4). Mit­
te der 1990er Jahre wurde das Gebäu­
de von einem ortsansässigen Indu­
strieunternehmen umfassend rekon­
struiert und als Verwaltungsgebäude
genutzt. Nach längerem Leerstand hat
es wieder einen neuen Besitzer gefun­
den, der das Haus zu Wohnzwecken
mit Ferienwohnungen nutzt.
Der Landschafts-P a rk wurde um 1870
durch die Familie G r e f f r a t h angelegt
Gebäude im Dorf
Das D orf war früher vom Gutshof ge­
trennt. Durch Alt Gaarz führte die alte
Landstraße von Güstrow nach Waren.
An dieser Straße standen die Land­
arbeiterkaten, die in stark veränderter
Form noch heute zu entdecken sind.
Daneben gab es einen Krug mit Post­
stelle. Laut Staatskalender von 1842
halte die Güstrow - Ncustrelitzer
Fahrpost Haltestellen in Alt Gaarz und
Neu Gaarz. Dieser Krug wurde um
1990 abgerissen und die Stelle später
durch ein Eigenheim überbaut.
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Zum Gut gehörten eine Schmiede,
Windmühle, Ziegelei und Brennerei
(Meckl. Staatskalender 1903). Außer­
dem sind aus dem Bereich Alt Gaarz
zwei Teeröfen bekannt.
Von den letzten Besitzern des Gutes,
den G r h f f r a t h s , ist ein E rbbegräbnis
am Bergsee vorhanden.
Abb. 7 Grabstätte der Familie Greffrath
(2004)
Grave of Greffrath family (2004)
Alt Gaarz is an old settlement from the
13,h Century. It had developed from a
knighf s stronghold to a peasant
village. During the 18th Century it
turned into an estate village with
frequently changing owners. ln the
beginning o f the 20,h Century the
estate comprised some 1046 hectares.
After 1945 it was expropriated and the
arable fields were partitioned among
52 new settlers. Later an agricultural
co-operative (“LPG”) developed
which was integrated into the bigscale beef breeding Operation of
Hohen-Wangelin in 1974 which
subsists in a scaled-down Version.
The manor house dates from 1863. It
is privately owned and is being used
for residential purposes including the
renting out of apartments during the
holiday season.
43
6.2 Alt Sammit
Landkreis Güstrow
Amt Krakow am See
H. Schulz
Abb. 1 Die Gutsanlage 1880/90
The estate complex in 1880/90
Das Dorf und das Gut
Alt Sammit wurde 1274 erstmals in ei­
ner Urkunde erwähnt. Viele Bodenfun­
de belegen die weiter zurückreichende
Besiedelung. Im Zuge der Christiani­
sierung kam die Familie W e l t z ik n aus
dem Westfalischen hierher und er­
langte Landbesitz an dem ehemaligen
slawischen Dorf Sammit. Im Mittelalter
war Sammit ein Bauerndorf. 1441 gab
es 19 Bauern, vier Kossäten und ins­
gesamt 100 Einwohner, 1584 waren es
10 Bauern, 13 Kossäten und 125 Ein­
wohner. Im Dreißigjährigen Krieg wur­
den das Dorf und die Kirche total zer­
stört und Sammit aufgegeben. 1649
wurde der Ort als wüst und verlassen
bezeichnet. Etwa 1650 kehrte D a n i e l
v o n W l l t z ie n nach Sammit zurück
und begann mit dem Wiederaufbau der
Kirche, des Gutes und des Dorfes, das
um die Kirche herum lag. 1751 gab es
vier Bauern im Dorf, 1855 nur noch ei­
nen. Die Bauern waren zu Gunsten des
Gutes gelegt worden. Die Landwirt­
schaft war auf dem kargen Boden
schwierig. Deshalb suchte man andere
Geldquellen. 1689 ließ A l e x a n d e r v .
W l l t z ie n den Gasthof „Grüner Jäger“
an einer damals wichtigen Wege­
kreuzung im Süden der Gemarkung
bauen. 1725 errichtete man das Vor­
werk Neu Sammit und begann später
mit der Aufforstung des sandigen Akkers (vgl. Neu Sammit). Die Lehnsherr­
schaft derer v o n W e l t z ie n endete
44
1793. Ihnen folgten viele weitere Ei­
gentümer, wrie die Übersicht ausweist:
1793 H. F. v o n P l e s s e n
1799 H . F l ü g g e
1800 J. Ch. A. K o e n e m a n n
1826 H . S e e l ig e r
1833 L . F. L ü b b e
1835 G. H. F. W e r t h ei m e r
1839 G. K. R ie d e l
1852 E. D ie d e r ic h s
1874 K . v . M e y e n n e
1891 M . T r a u n
1902 N e u m a n n
1905 O . H e c h t
1939 Tochter O. Hechts bis 1945
Unter W e r t h e i m e r w urden Alt und
Neu Sammit getrennt und als selbstAbb.2 Luftbild der Gutsanlage 1935
Aerial view of estate 1935
ständige Güter geführt. Zum Territori­
um Sammits gehörten im Jahre 1894
1753 ha Land, davon 844 ha Acker­
land, 638 ha Wald und 225 ha so ge­
nanntes Unland und Wasserflächen (9
Seen). 1903 hatte das Gut Alt Sammit
eine Größe von 936 ha. Neu Sammit
besaß 817 ha(M eckl. Staatskalender).
1945 wurde der Besitz enteignet und
81 Familien Boden von je ca. 10 ha zu­
geteilt. 15 neue Häuser wurden im
Rahmen des Neubauem-Bauprogramms errichtet. 1953 gründeten die
ersten Bauern All Sammits eine LPG,
1958 waren alle Bauern Mitglieder.
Nach 1990 entstand eine Agrargesell­
schaft. Die Tradition der Pferde­
haltung und Pferdezucht, die schon
die v o n W e l t z if .n 's begannen, wurden
auch nach 1990 fortgesetzt. In Alt
Sammit existieren eine Außenstelle
des Gestüts Ganschow, eine Reitschu­
le und eine Pferdeklinik.
Gutsanlage und
Wirtschaftsgebäude
Ein Luftbild aus dem Jahr 1935 zeigt
die vollständige Anlage (vgl. Abb. 2).
Von der Kirche aus gelangte man auf
den Gutshof, an dessen Stirnseite das
Gutshaus stand. Rechts befanden
sich zwei Scheunen, ein Gebäude für
Bedienstete und das Inspektoren­
haus. Die Scheunen existieren nicht
mehr. Auf der linken Seite war ein Pfer­
destall platziert, der aber abbrannte.
Abb. 3 Das so genannte Schweizerhaus m it Speicher (2004)
The so-called Swiss House with attic (2004)
An seinem Platz wurde in den 1960er
Jahren von der LPG ein Speicher ge­
baut. In einer zweiten Reihe zur Straße
nach Krakow befanden sicli Scheunen
und Ställe, die noch erhalten sind und
landwirtschaftlich genutzt werden.
Das Quergebäude zum Kuhstall,
Schweizerhaus und Speicher, wurde
1940 neu oder umgebaut, denn in ei­
nem Giebel ist die Jahreszahl (OH Otto Hecht - 1940) zu lesen. Seitlich
links des Gutshauses befindet sich ein
Speicher, der noch in gutem Zustand
ist. Von hier aus kann man über eine
Allee zur Straße nach Krakow gelan­
gen. Der H of ist in wesentlichen Tei­
len noch erhalten. Er wurde zu LPGZeiten und wird auch weiterhin land­
wirtschaftlich bzw. zu Wohnzwecken
genutzt.
Abb. 4 Speicher (2007)
Storehouse (2007)
des Gutes war (1905 - 1939). Der Turm
auf dem Gutshaus ist vor 1935 ent­
fernt worden, das Luftbild weist ihn
nicht mehr auf.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren
Flüchtlinge und Vertriebene in dem
Gutshaus untergebracht. 1969 über­
nahm das Volkseigene Gestüt
Gutshaus und Park
Das G utshaus ließ K a r l v o n
errichten, der das Gut 1874
übernahm. Es ist ein zweigeschossiger
Backsteinbau mit dreizehn Achsen
und einem Walmdach. Es steht über
einem Souterrain und einem Sockel
aus Granitquadern. Ursprünglich be­
fand sich über dem Eingang in der
Hausmitte ein m ächtiger Turm. Das ur­
sprüngliche Gebäude hatte eine Bezie­
hung zur Neorenaissance (vgl. Abb. 5).
Später bekam das Gutshaus das heuti­
ge Aussehen mit neugotischen Ak­
zenten, indem die Mittel- und Seiten­
risalite an der 1lolseite Dreiecksgiebel
erhielten. Der dem Mittelrisalit vorge­
stellte offene Vorbau übernimmt die
Betonung des Eingangs. Dort hinauf
führt eine mächtige Freitreppe (dk
V e e r 2 0 0 6 ) . Die Umbauten sind wahr­
scheinlich in der Zeit vorgenommen
worden, in der O t t o H e c h t Eigentümer
M e y ln n k
Abb. 5 Das Gutshaus um 1880/90
The manor house around 1880/90
Abb. 6 Das Gutshaus 2007
The manor house in 2007
45
Ganschow das Gebäude und betrieb
hier bis 1991 ein Schulungs- und Er­
holungsheim. Das Gutshaus wurde
1993 privatisiert. Seit dem wird es in
kleinen Schritten restauriert,
ln der Preußischen Landvermessung
von 1882 ist der P a rk als rechteckige,
regelmäßig gestaltete Fläche auf der
gesamten Strecke zwischen Dorfstra­
ße und See östlich der Wirtschaftsge­
bäude, die den Gutshof säumen, dar­
gestellt. Erhalten sind der Parkbereich
am Gutshaus und ein im Vergleich zur
Darstellung von 1882 kleiner Teil an
der Dorfstraße (0,7 ha), der auch heute
noch als Park und als Kinderspielplatz
genutzt wird. Auch die wiederherge­
stellte Allee als prächtige Zufahrt in
der Achse des Gutshauses mit der
Grünanlage inmitten der großräumigen
Zufahrt sind parkartige Elemente, die
in der Karte von 1882 dargestcllt sind.
Gebäude im Dorf
Im D orf gibt es vier Gutsarbeiterhäuscr aus verschiedenen Bauzeiten.
An zweien ist die Jahreszahl 1914 und
1920 zu lesen. Die Katen dienten wohl
mindestens 15 Familien als Wohnung.
Abb. 7 Ehemalige Gutskaten (2007)
Former estate cottages (2007)
46
Abb. 8
Die ehemalige
Schnitterkaserne
aus dem Jahr
1913 (2007)
The former lodging
for seasonal
workers from 1913
(2007)
Sie sind in umgebauter und stark ver­
änderter Form erhalten geblieben. Da­
neben gibt es eine zweistöckige
Schnitterkaserne aus hellen Klinkern
aus dem Jahr 1913 in gutem Zustand.
Sie wird zu Wohnzwecken genutzt.
Die meisten dieser Gebäude entstan­
den in der Zeit, in der O t t o FIe c h t das
Gut besaß. Geprägt wird das D orf be­
sonders durch die stark veränderten
Neubauernhäuser.
rationen hinweg erfolgreiche Pferde­
züchter. Sie verkauften nicht nur Reit­
pferde, sondern auch ausgebildete
Gespanne. Diese Tradition hat sich
bekanntlich bis in die heutige Zeit
fortgesetzt.
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Im Mecklenburgischen Staatskalender
von 1853 werden eine Schmiede und
eine Ziegelei aufgefuhrt. Später gab es
eine kleine Stärkefabrik. Natürliche
Kalkvorkommen am Kemlower See
und am Langsee wurden abgebaut
und in zwei Kalköfen verarbeitet (vgl.
MTB von 1883). Teeröfen produzier­
ten lange Zeit das begehrte Pech. Die
Wassermühle am Mühlenbach (dort,
wo heute der Bahnhof ist) gehörte
lange Zeit den v o n W e l t z ie n ' s (1348 1463; 1674- 1688). 1886 wurde auf dem
Flohen Berg eine Windmühle gebaut.
Die v o n W e l t z i e n ' s waren über Gene­
Abb. 9 Die Lage des Gutes 1882 (MTB)
Ordinance map of 1882
Alt Sammit, owned by the von
Weltziens until 1793, is an old village.
It was completely destroyed during
the Thirty Years War. Originally a
peasant settlement, it gradually
developed into an estate of
considerable size (approx. 1750
hectares). The appurtenant structure
Neu Sammit was constructed in 1725,
becoming an economically
independent entity in 1835. The less
fertile grounds in this area were
largely afforested. The mansion
house was built by K.v. Meyenne in
the 70s of the 19th Century. O. Hecht
made architectural changes in the
early 1920s. The mansion is a castlelike, two story brick building,
acquired in 1993 by a private investor,
who is in the process of restoring it
step by step.
6.3 Alt Schwerin mit Mönchbusch
Landkreis Müritz
Amt Malchow
W. Mewes
Das Dorf und das Gut
Das Museumsdorf Alt Schwerin liegt
zwischen dem Plauer und Drewitzer
See und hat zu beiden Gewässern ei­
nen direkten Zugang. Hs wurde 1289
in einer Urkunde als „Zwerin“ das ers­
te Mal erwähnt. Den Namen Schwerin
findet man in Mecklenburg-Vor­
pommern öfter. Er geht auf das alt­
polnische zver (wildes Tier) oder
zverin (Wildgehege) zurück.
1330 war Alt Schwerin im Besitz der
Familie G a m m , die bis Anfang des 1 7 .
Jh. Besitzer blieben. Dann kam es zum
Niedergang ihres Eigentums und die
Familie v . W a n g e l in erwarb nach und
nach das D o rf bis es 1720 ganz in ih­
rer Hand war. Das blieb bis 1786 so.
Dann folgten Jahre mit einem häufigen
Besitzwechsel ( S c h l ie 1993):
1787 E. F. A. v. F l o t o w
1791 T. v. L f.v e t z o w
1798 G r a f v . L ü t t ic h a u
1802 K. H. V. SlF.RSTORFF
1804 E. W. v. R a v e n
1840 L. F. S c h u l t z e
1841 E. M ie r e n d o r f
1846 F. G r e it r a t h
1869 J. K l o c k m a n n
1899 J . S c h l u t iu s
Alt Schwerin war ursprünglich ein
Bauerndorf. 1567 gab es hier 13 Bau­
ern. Nach dem Dreißigjährigen Krieg
ging die Zahl stark zurück, der Rest
wurde gelegt. 1848 wurden die letzten
drei Bauern nach Ortkrug umgesiedelt,
All Schwerin war ab dann ein reines
Gutsdorf. Mit dem Bau der Chaussee
Karow - Malchow 1847 und der
Mecklenburgischen Südbahn 1884 ge­
wann der Ort an Bedeutung. Mit der
Übernahme des Gutes 1899 durch J o ­
h a n n e s S c h l u t iu s gab es einen neuen
Entwicklungsschub. Es entstand eine
Reihe neuer Gebäude. S c h l u t iu s be­
saß nicht nur das Gut Alt Schwerin mit
Glashütte, Mönchbusch, Ortkrug und
Wendorf (3.889 ha), sondern auch
Jürgenshof (344 ha), Werder (202 ha),
Abb. 1 Zufahrt m it Allee zum Gutshof (2007)
Access road with avenue to the estate court (2007)
Leisten (691 ha) und Karow mit
Hahnenhorst und Hütte (3.132 ha).
Insgesamt umfasste die Begüterung
1905 eine Fläche von 8.258 ha, wovon
ein Großteil Wald und Gewässer war.
Die Ländereien der Gemeinde Alt
Schwerin wurden durch Inspektoren
bewirtschaftet, der Hauptsitz war
Karow. 1924 entstand ein neues
Inspektorengebäude. 1936 arbeiteten
in der Alt Schweriner Begüterung 147
ständig Beschäftigte und 86 Saison­
kräfte. Diese waren in der 1904 errich­
teten Schnitterkaserne untergebracht.
Der Tierbestand setzte sich aus 89
Pferden, 317 Rindern, 186 Schweinen
und 90 Schafen zusammen. 1945 wur­
de die Familie S c h l u t iu s mit 2.131 ha
LN in Alt Schwerin enteignet. 104 Ein­
wohner erhielten durch die Aufteilung
der Flächen eigenen Boden. Von 1947
bis 1953 wurden 24 Neubauernhäuser
gebaut. 1952 bildete sich eine erste
LPG Typ 1. 1955 wurde sie eine LPG
Typ III, die sich später mit Mönch­
busch und Jürgenshof zusammen­
schloss. 1967 bildete sich eine Ko­
operationsgemeinschaft Malchow /
Alt Schwerin, aus der 1978 die LPG
(P) Malchow hervorging. Daneben
gab es die LPG (T) Alt Schwerin. Die
LPG (P) Malchow wurde 1991 in die
Agrargenossenschaft Malchow e. G.
umgewandelt, die bis heute die Acker­
flächen bewirtschaftet.
In M önchbusch gab es schon in der 2.
Hälfte des 18. Jh. eine Meierei, die aus
Schäferhaus, Schafslall und Scheune
bestand. 1822 existierte ein richtiger
I Iof, der 1848 aus dem um 1806 errich­
teten Verwalterhaus und fünf Wirt­
schaftsgebäuden bestand. Unter J.
S c h l u t iu s wurde dieser Teil des Gutes
1903 durch einen Statthalter verwaltet.
Es gab hier 860 Schafe. Im Ort lebten
99 Einwohner. Nach 1945 erhielten
auch in Mönchbusch Neubauern
Land und bauten neue Häuser. Die
sich 1952 gebildete LPG schloss spä­
ter mit Alt Schwerin zusammen.
Gutsanlagen und
W irtschaftsgebäude
Die Brandversicherung von 1848 zeigt
den Plan der Gutsanlage von Alt
Schwerin. In der Folgezeit entstanden
neue Gebäude bzw. wurden alte ersetzt.
1924 entstand ein neuer Kuhstall, den
man 2001 geschleift hat. Eine so ge­
nannte Haferscheune wurde nach 1947
zur Materialgewinnung für den Bau
von Ncubauernhäusern abgerissen,
eine weitere Scheune wurde schon vor
1945 beseitigt. Aus dem Schafstall ne­
ben dem Gutshaus wrurde später eine
Remise und ein Düngerschuppen.
Nach 1965 setzte man das Gebäude
zum Freigelände des Museums um.
Von den Wirtshaftsgebäuden existie­
ren noch der ehemalige Schafstall und
ein Speicher. Beide gehören zum Mu­
seum und werden von diesem genutzt.
47
Abb. 3 Gutshof Mönchbusch (BV 1848)
Fire insurance map of estate
Mönchbusch (1848)
□SL
□
n h\
Li ^
i
Abb. 2 Gutshof Alt Schwerin (BV 1848)
Fire insurance map of estate Alt
Schwerin (1848)
Wohn­
gebäude
G
Gutshaus
K
Katen
Wirtschafts­
gebäude
St
S
Stall
Sf
1
[SD
St
In M önchbusch gab es 1848 fünf'Wirt­
schaftsgebäude (siehe Plan). Zwei
Stallanlagen befinden sich im Verfall.
Ob sie noch aus der Mitte des 19. Jh.
stammen, kann nicht gesagt werden.
St
Gutshäuser und Park
w|
Lst
ISt
I
CST
Scheune
Abb. 4 Ehemaliger Schafstall und Scheune (2006)
Former sheep shelter and barn (2006)
Das Gutshaus in Alt Schwerin, das
man über eine von Kastanien gesäum­
ten Pflasterstraße und durch ein
schmiedeeisernes Tor erreicht, wurde
1733 von C h r i s t i a n F r i e d r i c h v .
W a n g e l i n erbaut. Es ist ein schlichter,
elfachsiger, zweigeschossiger Back­
sleinbau mit Mansarddach über einem
hohen Souterrain. Die dreiachsigen
Abb. 7 Historische Postkarte des Gutshofes A lt Schwerin (um 1900)
Historie postcard of estate Alt Schwerin from about 1900
Abb. 5 Ehemaliger Speicher (2007)
Former storehouse (2007)
Abb. 8 Gutshaus, Rückseite (2004)
Manor house, back view
Abb. 6
Stall und Speicher
in Mönchbusch
(2007)
Stable and store­
house in
Mönchbusch (2007)
48
Mittelrisalite auf beiden Seiten besit­
zen einen spitzen Dreieckgiebel. An
der Hoffront führt eine zweiläufige,
steinerne Freitreppe ins Gebäude, an
der Gartenfront gelangt man über die
Freitreppe in einen massiven Vorbau.
1945 war das Gutshaus zunächst Laza-
achsiger verputzter Backsteinbau auf
einem Feldsteinsockel mit zwei gro­
ßen, dreiachsigen Seitenrisaliten, de­
ren Dächer bis zum First reichten. Die
Fenster waren von roten Klinkern
gefasst und stichbogig geschlossen.
In den 1950er Jahren war es Schule
und wurde nach 1972 abgerissen.
Gebäude im Dorf
Geht man durch Alt Schw erin, so be­
gegnen uns besonders an der Dorf­
straße mehrere Bauten, die an die
Gutszcit erinnern. Besonders auffal­
lend ist die ehemalige Schnitter­
kaserne für die Unterbringung der Sai­
sonarbeiter, die J. S c h l u t i u s 1904 er­
richten ließ. Sie ist heute Teil des
Abb. 9 Gutshaus A lt Schwerin, Vorderansicht (2006)
Manor house Alt Schwerin, front view (2006)
Abb. 10 Künstlicher Turmhügei im Park (2002)
Mound remeinung from a mock tower in the garden.
rett der Ortskommandantur der Roten
Armee, dann wurde es Feierabend­
heim. Nach einer umfassenden Sanie­
rung in den Jahren von 1997 bis 2001
ist es nun Seniorenpflegeheim.
Der heutige, ca. 130-150 Jahre alte
Landschafts-Park zwischen Gutshaus
und Tauchow'see besitzt einen alten
Baumbestand, Freiflächen sow ie
Abb. 12 Ehemalige Schnitterkaserne A lt Schwerin (1950er Jahre)
Former lodging for seasonal workers Alt Schwerin (1950s)
künstliche Einbauten, wie beispiels­
weise einen Turmhügel (vgl. Abb. 10).
Die Größe der Parkanlage ist seit dem
19. Jh. unverändert. Der alte Guts­
garten wurde nach 1945 mit Obstbäu­
men bepflanzt.
In M önchbusch w urde um 1806 ein
neues Verwalterhaus gebaut, das
nicht mehr existiert. Es w;ar ein elf-
Abb. 11 Ehemaliges Verwalterhaus Mönchbusch (1970er Jahre)
Former inspector house Mönchbusch (1970s)
Agrarhistorisehen Museums, das ab
1963 entstand. Gegenüber befindet
sich, ebenfalls zum Museum gehö­
rend, ein achthischiger Feldstein­
katen, der um die Mitte des 19. Jh. er­
baut wurde. Ein zweiter liegt nicht w'eit
entfernt. Tagelöhnerkaten neueren
Datums sind ebenfalls noch vorhan­
den. Auf dem Weg zum Gutshaus liegt
Abb. 13 Feldsteinkaten in A lt Schwerin (2007)
Stone cottage in Alt Schwerin (2007)
49
Abb. 14 Inspektorenhaus A lt Schwerin (2007)
Inspector house Alt Schwerin (2007)
auf der linken Seite das ehemalige
Inspektorenhaus, das 1924 entstand
und unterschiedlichen Nutzungen
diente. Es ist ein großer, eingeschossi­
ger Backsteinbau auf hohem Feld­
steinsockel. An verschiedenen Stellen
im D orf kann man Neubauernhäuser
finden, die nach 1945 gebaut wurden.
Die Siedlungen, die nach der Auf­
siedlung eines Teiles des Gutes
Jürgenshof zwischen 1924 und 1928
entstanden, befinden sich links und
rechts der Straße am Ortsausgang von
Alt Schwerin in Richtung Malchow.
In M önchbusch existieren noch zwei
ehemalige Tagelöhnerkaten, die aber
stark verändert wurden. Daneben fin-
Abb. 15
Ehemaliger Katen in Mönchbusch (2007)
Former estate cottage in Mönchbusch (2007)
den wir etliche Neubauemhäuser. Eine
Schnitterkaserne aus dem Ende des
19. Jh. w urde noch vor 1990 beseitigt.
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Auf dem Gutsgelände befindet sich
heute noch ein nicht mehr bewohntes
Gebäude, das einmal eine B rennerei
w'ar. Sie entstand in der 2. Hälfte des
19. Jh. und wnirde bis 1945 betrieben.
50
Abb. 16 Detail des Tores
Gate detail
Abb. 17 Das schmiedeeiserne Tor zum Gutshof (2007)
The wrought-iron gate to the estate (2007)
Später wurde sie zu einem Wohnge­
bäude umgebaut.
Zum Gut gehörte der Ort G lashütte.
Die Gebrüder M ü i i l p f o r t hatten die
Idee, die Tortlagerstätten am Nordufer
des Plauer Sees für den Betrieb einer
Glashütte zu nutzen, die 1847 in Be­
trieb ging und bis 1901 produzierte. Es
war die letzte Glashütte in Mecklen­
burg. Was von diesem Gewerbe blieb
ist der Ortsname des kleinen Dorfes
und sind die umfangreichen Torfsti­
che am Plauer See, die heute Natur­
schutzgebiet sind. Neben der Glashüt­
te entstanden im Dorf noch eine Zie­
gelei und eine Dampfsägerei.
Ein besonderes Objekt im Museums­
dorfist das zweiflügelige schmiedeei­
serne Tor am Eingang zum Gutshof.
Es wurde um 1890 gefertigt und 1898
von H u b e r t v . T i e l e - W i n c k j l e r für das
Gut Vollrathsruhe erworben. Um es
vor dem Verfall zu bewahren, wurde es
1964 nach Alt Schwerin umgesetzt
(vgl. Vollrathsruhe).
Alt Schwerin is an ancient village, first
mentioned in documents of 1289.
Originally a peasant seltlement, feudal
estate structures devcloped after the
Thirty Years War. The last three free
farmers were relocated in 1848. In 1899
J. Schlutius purchased the estate,
then comprising approx. 3.890
hectares and several villages. After
the expropriation of 1945 agricultural
cooperatives (LPG) soon developed
and several o f them merged into one
large cooperative. The estate
structure can still be easily
rccognized. Some of the remaining
estate buildings at present belong to
the agrohistorical museum o f Alt
Schwerin. The manor house was built
in 1722 and, only slightly modified, is
now serving as a homc for the eldcrly.
A building for seasonal workers of
1904 and two stone cottages from the
middle of the 19lh Century remain as
witnesses o f a formerly large estate.
6.4 Biücherhof
Landkreis Müritz
Amt Seenlandschaft Waren
N. Schipke
Das Dorf und das Gut
Biücherhof ist aus dem untergegange­
nen Gut Lütgendorf hervorgegangen.
Dieses befand sich auf einer Halbinsel
am Westufer des Flachen Sees und
war bis mindestens 1752 der Sitz der
Adelsfamilie v o n L i n s t o w . Nach ver­
schiedenen Eigentümern erwarb 1789
F r ie d r ic h H e l m u t L u d w ig v o n B l ü ­
(1739 - 1791) das Allodialgut.
Dieser erbaute von 1 7 8 9 bis 1 7 9 1 auf
der Gemarkung des wohl im Dreißig­
jährigen Krieg untergegangenen Dor­
fes Glans ein neues Anwesen. L. v o n
B l ü c h e r schenkte das Gut seiner
Tochter, deren Mann H a n s H e in r ic h
L u d w i g v o n A r n im dem Gut zum An­
denken an den inzwischen verstorbe­
nen Gründer den Namen „Biücherhof"
verlieh. H of Lütgendorf verfiel und
wurde später ganz aufgegeben. Die
Familie v o n A r n im war bis 1 8 4 8 im Be­
sitz von Biücherhof Dann wurde es
an E m a n u e l v o n H i n t z e n s t e r n ver­
kauft. Die weiteren Eigentümer bis
1 9 0 4 waren die Familie v . P l k s s e n ,
cher
K a r l A x e l v o n M a l t z a h n u n d H e in ­
r ic h
W essels.
Die neue Geschichte von Biücherhof
begann 1904, als A l e x a n d e r K o e n ig
das 947 ha große Gut kaufte. K o e n ig
hatte als junger Mann in Demmin sein
Abitur nachgeholt und in Greifswald
studiert. Er war Privatgelehrter in
Bonn und Sohn des deutsch-russi­
schen Industriellen L e o p o l d K o e n i g ,
den man in Russland auch den „Zukker-König“ nannte. Er besaß in
Russland zahlreiche Zuckerfabriken,
ein 239 km2 großes Gut in der Ukraine,
das Gut Bökel in Westfalen und eine
Villa in Bonn, die später unter dem Na­
men „Villa 1lammerschmidt“ in der Ge­
schichte der BRD eine Rolle spielen
sollte.
Nach dem Tode des Vaters finanzierte
A. K o e n ig aus dem reichen Erbe seine
ornithologischen Forschungen, den
Bau eines Museums in Bonn (heute
Abb. 1 Das klassizistische Gutshaus um 1880/90
The classicist manor house at around 1880/90
„Zoologisches Forschungsinstitut
und Museum Alexander Koenig“) so­
wie den K auf des Gutes Biücherhof.
Es wurde sein Sommersitz, Gästehaus
und Jagd-Domäne. Diesem Charakter
entsprachen dann auch die neu- oder
umgebauten Gutsgebäude. A l e x a n ­
d e r K o e n ig starb 1940 in Biücherhof
und wurde in Bonn, wo er Ehrenbür­
ger ist, beigesetzt. Er lebte ca. drei
Monate im Jahr auf Biücherhof, doch
in seinen letzten Lebensjahren war er
auch längere Zeit hier und leitete von
hier aus das Museum in Bonn.
Mit der Bodenreform erfolgte die Auf­
teilung des Gutes Biücherhof in 49
Neubauernstellen. Es kam jedoch
kaum zum Bau von neuen Gebäuden.
Nach einer kurzen Zeit als LPG wur­
den die Wirtschaftsgebäude des Gu­
tes vom Kombinat Industrielle Mast
und dem VEG Pflanzenproduktion Ho­
hen Wangelin genutzt. Heute wird die
landwirtschaftliche Nutzfläche des
ehemaligen Gutes durch mehrere pri­
vate Bauern bewirtschaftet. Einen Teil
der Flächen besitzt das Kieswerk
Klocksin-Blücherhof. Seit 1993 produ­
ziert auf dem Gut die Kranemann
Gartenmaschinen GmbH innovative
Maschinen, wie Erntemaschinen für
Industrieobst, Sanddorn und Hanf.
Abb. 2
Gutshof Biücherhof (BV 1875)
Fire Insurance map of estate
Biücherhof (1875)
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Die Gutsanlage in ihrer jetzigen Form
bestand schon seit Ende des 18. Jh.
Ein Plan von 1875 zeigt das Gutshaus
und in seiner Nähe ein Gartenhaus.
Der rechteckige H of wird von acht Ge­
bäuden gebildet, die vom Gutshaus
relativ weit entfernt liegen (vgl. Abb.2).
Heute gelangt man über ein Ein­
gangstor an der Straße von Alt Gaarz
nach Klocksin auf den Gutshof. Die
gesamte Anlage einschließlich Park
I Wohngebäude
G
Gutshaus
Wirtschafts­
gebäude
Stall
Scheune
51
war von einer Mauer umgeben, die
fast vollständig erhalten ist. Die Guts­
anlage ist beeindruckend, nicht zuletzt
wegen ihrer Feldsteinarchitektur. Das
gesamte Ensemble gehört heute zu
den am besten erhaltenen Anlagen in
Mecklenburg-Voipommern. Sie wurde
in den Jahren 1904 bis 1908 unter A.
eigenes Elektrizitäts- und Wasserwerk.
Das alles wurde zur Erleichterung der
Arbeiten eingerichtet, diente aber
auch dem Repräsentationsbedürfnis
des Eigentümers. Die Stallgebäude
sind deshalb prunkvoller als die meis­
ten auf anderen ritterschaftlichen Gü­
tern Mecklenburgs.
Abb. 3
Torhaus und
schmiedeeisernes
Tor (2006)
Gate lodge and
wrought-iron gate
(2006)
Abb. 4
Marsta/i (2006)
Stables (2006)
Die Gutsanlage ist noch fast vollstän­
dig. Der ehemalige Kuhstall wurde
nach 1945 abgerissen und die Giebel­
bereiche zu zwei Wohnungen umgebaut. Der Schweinestall ist 2004 abge­
brannt. Die verbliebenen Guts­
gebäude werden heute vielfältig ge­
nutzt. ln dem „Wirtschaftsgebäude“,
das gutshausähnlich aussieht, befin­
den sich Ferienwohnungen, ein Saal
für Veranstaltungen des Vereins
„Blücherhofer Truhe“, der Musikfest­
spiele M-V u. a. sowie eine Daueraus­
stellung mit Bildern des Malers Sikgh a r d Di i'i n e r . Im Marstall werden die
Besucher über den Verein und zur Ge­
schichte des Gutes Blücherhof infor­
miert. Daneben kann man etwas über
kulturelle und touristische Angebote
erfahren. Die ehemaligen Remisen und
das Spritzen- und Taubenhaus gehö­
ren zum „Cafe' Dubenhus“, das ganz­
jährig geöffnet ist. In mehreren Guts­
gebäuden gibt es Ferienunlerkünfte
mit insgesamt ca. 50 Betten.
Gutshaus und Park
Das G utshaus wurde um 1792 im klas­
sizistischen Stil erbaut. Durch A.
K o e n i g wairdc es bis 1908 grundle­
gend umgestaltet. Der Architekt für
das Bauensemble (einschließlich der
Wirtschaftsgebäude) war G u s t a v Hoi Abb.6 Das Spritzen- und Taubenhaus (2006)
The fire engine and pigeon house (2006)
Abb. 5 im „Cafe Dubenhus“ (2006)
At „Cafe Dubenhus“ (2006)
K o e n ig umgebaut und erweitert. Die
Gebäude wurden modern ausgerüstet,
mit automatischen Tränken in den
Ställen und mit Aufzügen, welche die
Ackerwagen bis auf die Dachböden
hoben, um sie dort mit Flilfe von Lauf­
katzen zu entladen. Das Gut besaß ein
52
Abb. 7 Das in den 1960er Jahren umgebaute Gutshaus (2006)
The manor house, modified in the 1960s (2006)
l a n d , ein Schulfreund Koenigs aus
der Demminer Zeit. Er leitete auch den
Museumsbau in Bonn. Sowohl beim
Gutshaus als auch bei anderen Gebäu­
den finden sieh neben neobarocken
Elementen auch Elemente des Jugend­
stils und des Neorokkoko. Diese Mi­
schung von verschiedenen Stil­
richtungen erweist sich jedoch als
recht gelungen. Bei dem Gutshaus
handelt es sich heute um ein zwei­
geschossiges Gebäude auf durchfenstertem Sockelgeschoss. Es besitzt
net sich durch einen reich verzierten,
schmiedeeisernen Portalbaldachin
und eine Kuppel aus. An seiner Front
befinden sich neobarocke Zierelemente. Das einstige Dachgeschoss
des Mansarddachcs mit Gauben wur­
de in den 1960er Jahren umgebaut,
wodurch die Zweigeschossigkeit und
ein viel schlichterer Bau entstanden.
Das Gutshaus ist durch eine Mauer
vom Gutshof getrennt. Dureh ein Tor
am Gutshof und ein kunstvoll gestal­
tetes schmiedeeisernes Tor am TorAbb.8
Das neobarocke
Gutshaus um
1955
The neo-baroque
manor house at
around 1955
ein flaches Walmdach. Einst hatte es
13, jetzt 17 Achsen. Die Mitte der Hof­
front wird durch einen fünfseiligen
und dreiachsigen Mittelrisalit betont,
den man über eine Auffahrt und eine
Freitreppe erreicht. Der Risalit zeich­
haus der Seitenstraße kann man zum
Gutshaus und zum Park gelangen.
Seit 1951 wurde das Gutshaus als
Ausbildungs- und Erziehungsstätte
und von 1961 bis 2003 als Kinderheim
genutzt. Das Gebäude wurde diesen
Bedürfnissen angepassl und stark
verändert. Nach 2003 verkaufte der
Landkreis Müritz, der Eigentümer war,
das Gutshaus mit dem Park, so dass
es heute privaten Zwecken dient.
1904 fand A. K o e n i g einen etwa 100
Jahre alten G u tsp ark vor, der seinen
Ansprüchen aber nicht genügte. Er
entschloss sich, diesen in einen Engli­
schen Landschaftspark umzugestal­
ten. Als gartenkünstlerischer Berater
wurde G e o r g K u p i i a l d t herangezo­
gen. Dieser stand im Dienste des rus­
sischen Zaren und schuf zwischen
den Jahren 1895 und 1914 fast alle
neuen Park- und Gartenanlagen für die
Zarenfamilie. K i j p h a l d i hatte in
Biücherhof zwei Probleme zu lösen.
Zum einen war der Park mit nur 6 ha
Größe (heute 8,5 ha) recht klein für ei­
nen Landschaftspark, zum anderen
war A. K o e n i g ein leidenschaftlicher
Sammler von Bäumen und Sträuchern.
So wurde das Grundkonzept des Eng­
lischen Parks durch eine große Artenvielfalt (ca. 160 verschiedene Gehölz­
arten) modifiziert und es entstand eine
einzigartige Gehölzsammlung. Man
pflanzte z.B. verschiedene Mammut­
bäume, Sumpfzypressen, Japanische
Schirmtannen, Amur-Korkbäume und
Siskyu-Fiehten an. Es gibt kaum eine
vergleichbare Parkanlage und sie ge-
53
Lütgendorfa
G
Wohn­
gebäude
'------
Gutshaus
St
KlocksirT
Wirtschafts­
gebäude
Stall
K
Katen
S
Scheune
Abb. 10
Gutshof und Park B/ücherhof bis 1945
Estate and garden Blücherhof tili 1945
Abb. 9 Die Lage des Gutes 1884 (MTB)
Ordinance map of 1884
hört zweifelsohne zu den bedeutend­
sten im norddeutschen Raum. Derzeit
ist der Zugang zum Park erschwert
und er befindet sich in keinem gut ge­
pflegten Zustand. Er kann aber täglich
von 10.00 bis 18.00 aufgesucht wer­
den.
Gebäude im Dorf
Die Gutsanlage ist im Wesentlichen
identisch mit dem heutigen Oit Blü­
cherhof. Nur einzelne Gebäude wur­
den nach der Bodenreform errichtet.
Neben dem Gutshof bestehen noch
eine Schmiede und eine Stellmacherci,
zwei Schnitterkasernen und ein Dop­
pelhaus für den Gutsförster und den
Gutsgärtner. Tagelöhnerkaten gab es in
Blücherhof nicht, da das Dorf Lütgendorf nur 700 m vom Gut entfernt liegt.
Die dortigen Katen wurden nach dem
Neubau von Blücherhof w'eiter genutzt.
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Zu unterschiedlichen Zeiten gehörten
zum I lo f Lütgendorf bzw. zum Gut
Blücherhof M ühlen (Windmühle bei
54
Kirch Lütgendorf und Blücherhof, die
Heller Mühle im Hellgrund zwischen
Klocksin und Dahmen). Um 1900 be­
stand bei Blücherhof ein G ranitw erk,
in dem Findlinge zu Bauzwecken auf­
bereitet wurden. Nach dem GüterAdressbuch von 1928 w ar A . K o e m g
an der Genossenschaftsmolkerei in
Waren beteiligt. Blücherhof diente ihm
zur eigenen Erbauung und auch als
Experimentierfeld. Es war aber auch
Treffpunkt mit berühmten Gästen. Zu
ihnen zählten u. a. der Pionier der Tier­
fotografie B k n g t B e r g , der Ornitholo­
ge und Direktor des Rotschildmuse­
ums E r n s t H a r t e r t , F e r d i n a n d K ö n i g
v o n B u l g a r i e n , der ein begeisterter
Ornithologe war, und O s k a r H h i n r o t h ,
der viele Verhaltensstudien an Jung­
vögeln vornahm.
Die Familie v o n A r n i m war bis 1848 im
Besitz von Blücherhof. Im Zuge der
revolutionären Ereignisse in dieser
Zeit kam es im August 1848 in Blü­
cherhof zu einem Tagelöhneraufstand.
Bald nach der Niederschlagung des
Aufstandes wairde das Gut verkauft.
Blücherhof emanated from the
erstwhile estate Lütgendorf, which
was situated on the Western shore of
Flachen Lake. F. H. L. von Blücher
acquired the property in 1789 and
erected a new estate in today’s
location. He gave his name to the
estate and subsequently to the entire
place. After several changes in
ownership the private scholar
Alexander Koenig from Bonn in 1904
purchased estate Blücherhof, at that
time comprising 947 hectares, and
modified it in many ways. He died
there in 1940, but was buried in Bonn.
After 1945 the estate was partitioned.
Today’s estate complex remains
almost complete and in good
condition. The classicist manor house
from 1792 was remodeled by Koenig
in neobaroque style. Much was
changed while it was used as a
children’s homc. Behind the manor
house a park o f 8.5 hectares boasts
numerous dendrological treasures,
once collccted by A. Koenig from all
over the world.
6.5 Bossow
Landkreis Güstrow
Amt Krakow am See
H. Aisleben, F. Beckendorff
Das Dorf und das Gut
Am Ostrand des gleichnamigen Forst­
reviers und an der B 103 liegt der klei­
ne Ort Bossow. Schon in der Bronze­
zeit war die Gegend besiedelt, was ein
beim Straßenbau 1846 zerstörtes
Kegelgrab belegt. Der Name bekundet
die spätere Niederlassung von Sla­
wen. Es könnte der Ort des Bos ge­
meint sein. In der geschriebenen Ge­
schichte taucht Bossow erst auf, als
das Dorf ein Lehn der L i n s t o w s a u f
G l a v f . war. 1397 begannen sie, Teile
dem Kloster Dobbertin zu verpfänden,
bis es 1413 ganz Bossow besaß. 1496
lebten dort 31 Erwachsene, wonach
man auf fünf bis neun Bauernhufen
schließen kann. Das D orf lag auf ei­
nem flachen Sandrücken in einer Nie­
derung am Krakower See, wo der Flur­
name „Dörpstädt“ noch heute vor­
kommt. Diese Ansiedlung wurde im
Dreißigjährigen Krieg zerstört, denn
1646 war es von allen Einwohnern ver­
lassen. Nach dem Kriege siedelten
sich vier Bauern wieder dort an. Um
1700 gehörten das D orf und die
Bossower Mühle zum Klosteramt
Dobbertin.
Einer der Bauern wurde 1755 wegen
Untüchtigkeit von seiner Hufe abge­
setzt. Sein Land erhielten die restli­
chen drei Hufen dazu. Zwanzig Jahre
später hatte man sich entschlossen,
das Dorf zu legen. Darum wollte man
die restlichen drei Bauern nach
Lohmen versetzen. Einer starb aller­
dings vor dieser Umsetzung.
Unmittelbar nach der Legung der Bau­
ern richtete das Kloster an der heuti­
gen Stelle einen H of ein. 1780 ist dem
Pächter der Bau einer Scheune zuge­
sagt worden. Um 1805 plante das
Kloster, „die 5 Außenschläge von dem
Gute Bossow, welche zusammen circa
54000 QR (etwa 117 ha, der Autor) ent­
halten, von der Pachtung abzunehmen
und solche ganz mit Tannen besamen
zu lassen, weil der größte Teil dieses
EINKEHR
Abb. 1 Gutshaus (2007)
The manor house (2007)
Ackers Weh-Sand wäre, der auf den
guten Acker häufig durch Wind und
Sturm hinüber getrieben würde, und
demselben zum größten Schaden
wäre“. Gleichzeitig wollte man den „zu
dem Gute Bossow gehörenden nicht
unbeträchtlichen See“, den bisher der
Holzwärter nutzte, an den Pensionär
verpachten. 1920 hatte das Gut eine
Größe von 248 ha, davon waren 52 ha
Wasser.
An Pächtern wurden ermittelt:
17 8 0 .1805 L e o p o l d i
1853,1875 B e s e c k e
1905- 1926 Z e n k e r
1926-1945 J o h . E v e r s
Im Mai 1997 wurde auf dem Gelände
des Gutes eine Nachsorgeeinrichtung
für Suchtkranke, besonders für Alko­
holiker, eingerichtet. Der Träger ist die
Volkssolidarität.
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Seit 1837 besteht Bossow aus drei Tei­
len. Etwa 0,5 km westlich des Ortes
befindet sich die Försterei mit Wirt­
schaftsgebäuden und Wohnungen für
die Forstbediensteten. A uf dem Hof
befanden sich neben dem Pächter­
haus drei Stall-, zwei Nebengebäude
und eine Scheune. Nachdem eine
Scheune und ein Stallgebäude abge­
brannt waren, wurden sie 1904 neu ge­
baut. Ein Speicher, der heute als
Wohnunterkunft genutzt wird, trägt
am Giebel die Initialen KL, A. D. (Klos­
ter-Amt Dobbertin) und das Baujahr
Abb. 2 Ehemaliger Speicher (2007)
Former storehouse (2007)
55
Abb. 3 Ehemaliger Rinderstall, der zur Großküche umgebaut wurde
(2007)
The cow house converted into canteen kitchen (2007)
1904. Der später umgebaute Rinderstall beherbergt zurzeit eine Großkü­
che, aus der die Volkssolidarität täg­
lich ca. 2500 Personen bis in den
Raum Berlin mit Mittagessen versorgt.
Gutshaus
Das einfache Pächterhaus mit einem
Mittelrisalit dürfte in seinen Grundzü­
gen der Entstehungszeit des Hofes
um 1780 entstammen. Der ursprüngli­
che Backsteinbau ist inzwischen ver­
putzt und dient mit einem Nebenge­
bäude einer Nachsorgeeinrichtung der
Volkssolidarität. Das Pächterhaus be­
saß keinen aufwendig gestalteten
Gutspark sondern nur einen für diese
Zeit typischen Obst- und Nutzgarten.
Die prächtige Rosskastanie inmitten
des heutigen Hühnerhofes wurde
wahrscheinlich im 19. Jh. gepflanzt.
Abb. 4 Ehemaliger Gutskaten (2007)
Former estate cottage (2007)
Gebäude im Dorf
Heute liegt das Dorf, in dem noch vier
modernisierte Katen stehen, deutlich
vom ehemaligen Gutshof getrennt.
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
A uf der gegenüberliegenden Seite der
B 103 stand einmal ein „Krughaus“,
das mit dem Bau der „Kunststraße“
seine Bedeutung verlor und abgeris­
sen wurde. Die neue Straße zerschnitt
die Feldmark, und so wurde das west­
lich von ihr liegende Gebiet weitge­
hend aufgeforstet. Deswegen ist die
unweit des Dorfes gelegene
Holzwärterei 1867 um drei Objekte er­
weitert worden.
Um die Jahrhundertwende gab es für
die 64 Einwohner sogar eine Schule in
Bossow. Nach der Eröffnung der Ei­
senbahnstrecke Güstrow-Karow im
Jahr 1882 erhielt der Ort auch eine Be­
Abb. 5 Ausschnitt aus dem MTB (1882), der die getrennte Lage von Gutshof und Dorfzeigt.
Ordinance map of 1882 showing separate position of estate and village.
56
darfs-Haltestelle. Eine Mühle bestand
im 18. und 19. Jh. an dem Verbin­
dungsgraben, der den Bossower mit
dem Krakower See verbindet.
The small locality Bossow consists of
three parts: the former village ofthe
day labourers, the estate and the
forester’s house. Bossow belonged to
the cloister o f Dobbertin since 1413
.ln 1755 the four peasants were forccd
into peonage and an estate was
established. The initials KL. A.D. on
the gables of some o fth e buildings
indicate the former proprietor, the
cloister administration of Dobbertin.
The manor house and former estate
buildings currenlly house an
institution for the afitercare o f addicts
and a canteen kitchen which are
managed by the welfare organization
Volkssolidarität.
6.6 Cramon
Landkreis Müritz
Amt Seenlandschaft Waren
G. Masurowski, D. Mombour
Das Dorf und das Gut
Cramon liegt im Bereich der
Nebelquellseen südlich von Hohen
Wangelin zwischen dem Hof- und dem
Orth- See an der Nebel. Nach T r a u t ­
m a n n (um 1950) wird der Name als
„Kicsel(-stein) Ort“ gedeutet. Die ur­
kundliche Ersterwähnung erfolgte im
Jahre 1347. H e n r i c o H a g e n besaß ne­
ben dem H ofK raatz auch in Cramon
ein Lehngut. Weitere Personen hatten
hierund in Kraaz Besitzungen. Wie im
Mittelalter üblich, ging der Besitz oft
und schnell an andere über. Zwischen
1613 und 1618 wurden beide Güter
von der Familie Q u it z o w erworben.
Danach ging das Gut Cramon in den
Besitz der Familien L i n s t o w und
R a v e n über. Inzwischen hatte auch
das Kloster Malchow Anteile im Dorf
erworben. Ab 1803 war das Kloster al­
leiniger Eigentümer von Cramon mit
allen dazu gehörenden Ländereien.
Das Kloster betrieb ein Gut, worüber
aber nur wenig bekannt ist, weil die
Klosterakten im Landeshauptarchiv
Schwerin bisher unzugänglich sind.
Im 18. Jh. wurden die Pachthöfe in Ho­
hen Wangelin und Cramon zeitw eise
von einem Pächter bewirtschaftet.
1819 hatte Cramon 122 Einwohner.
Pächter des Klostergutes Cramon waren:
1842
C a rl S to ll
1856
F. L f.m c k ü
18 6 0
J.
Abb. 1
Der Gutshof vor
1978
The estate betöre
1978
Landeseigentum. U d o P o h l war Päch­
ter und blieb es bis 1945. ln dieser Zeit
hatte der Pachthof eine Größe von 245
ha.
Nach 1945 wurde das Gut aufgesiedelt
und 16 Bewerber erhielten Land zuge­
teilt. Spätergab es eine kleine LPG. ln
den 1970er Jahren verstärkten sich die
Verbindungen mit den beiden großen
landwirtschaftlichen Betrieben von
Hohen Wangelin, zumal der VEB
Rindermast seinen Hauptbetrieb auf
der Gemarkung von Cramon errichtet
hatte. Die landwirtschaftlichen Nutz­
flächen und die Stallanlagen von
Cramon wurden Bestandteil dieser
beiden Großbetriebe.
wesentlich verändert worden. Das
Waschhaus, früher direkt rechts ne­
ben dem Gutshaus stehend, ist zu ei­
nem kleinen Wohnhaus umgebaut
worden. Die beiden Häuser hinter dem
jetzigen Hufschmied sind zu
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Wohnzw'ecken umgebaute Gebäude
des ehemaligen Gutshofes. Das heuti­
ge Wohnhaus hinter dem Hufschmied
war Schmiede, Wohnhaus und Stall.
Das Haus des Hufschmieds war der
Pferdestall des Gutes. Die drei heute
noch vorhandenen Ställe sind verän­
derte Reste der ehemaligen Gutsställe.
Sie sind z. T. Privatbesitz des in
Cramon ansässigen Hufschmiedes,
der dort auch eine Pferdesportein­
richtung betreibt.
Der ehemals sehr umfangreiche Guts­
bereich mit großem Gutshaus und vie­
len großen Ställen ist heute kaum
noch als solcher zu erkennen. Durch
den Bau der Straße von Cramon nach
Hohen Wangelin um 1970 wurde die
Gutsanlage geteilt. Die Straße fuhrt
mitten hindurch. Eine Karte von 1885
vermittelt uns einen Eindruck von der
ehemaligen Anlage (vgl. Abb.2). Die
Wirtschaftsgebäude des Gutes sind
Abb. 2 Ausschnitt aus dem MTB (1885)
Extract from ordinance map of 1885
P a e to w
1885
F r ie d r ic h W il h e l m J u n g i i a n s
1 923
R udolf P ohl
Ende des 19. Jh. betrug die Größe des
Pachthofes Cramon 1432 ha. 1914 be­
saß er folgenden Tierbestand: 48 Pfer­
de, 104 Rinder, 135 Schweine und 753
Schafe.
1928 ging der Besitz des Klostergutes
an den Freistaat Mecklenburg-Schwe­
rin über. Pächterin wurde Frau A n n a
P o h l . Sie bewirtschaftete ein Restgut
von 458 ha. 1936 wurde Cramon
Stärke
fabrik
Abb. 3
Plan des
Gutshofes von
1906
Estate layout from
1906
57
Abb. 4 Ehemaliger Gutskaten (2004)
Former estate cottage (2004)
Abb. 5 Ehemalige Schnitterkaserne (2007)
Former lodging for seasonal workers (2007)
Abb. 6 Ehemaliger Kuhstall (2004)
Former cow shed (2004)
Abb. 7 Ehemaliger Schafstall, der später Rinderstall wurde (2007)
Former sheep shelter, later converted into cow shed (2007)
Gutshaus und Park
Das Gutshaus wurde um 1978 abgeris­
sen, obwohl es noch in recht gutem
Zustand war. Von einem P ark , welcher
um 1880 von drei Seiten das Gutshaus
umgab und bis an die Nebelwiesen
heranragte, ist kaum mehr etw'as er­
kennbar.
Unmittelbar neben dem Gutshaus
floss die Nebel vorbei, die nach 1945
noch mit Fischerkähnen vom
Malkwitzer See aus befahren wurde,
wo eine Fischerei ansässig war.
Gebäude im Dorf
Das neben dem Gutsbereich beste­
hende Dorf mit den zum Gut gehören­
den Katen hat sich nur wenig verän­
dert, es ist in der Anlage und Größe
erhalten geblieben. Die Häuser sind
zum größten Teil Privatbesitz und
nach 1990 restauriert und auch verän­
dert worden. Die ehemalige Schnitterkaseme wird heute auch zu
Wohnzwecken genutzt.
58
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
F. W. J u n g h a n s , der das Gut 18 8 5
übernahm, beantragte den Bau einer
S tärkefabrik mit Dampfkraft. Sie wur­
de gebaut und auch 1920 noch er­
wähnt (vgl. Grundriss des Gutes von
1906, Abb.3).
The village o f Cramon, situated on the
Nebel river, was first mentioned in
documents o f year 1347. After many
changes in ownership during the
Middle Ages the location came under
the control of cloister Dobbertin, sole
proprietor since 1803. lt was then run
as large hereditary fiefdom of 1432
hectares (end of 19,h Century). 1928
the free state of MecklenburgSchwerin, later MecklenburgPomerania, took over as owner of the
remaining estate. After 1945 the estate
was partitioned. During the 1970s the
agricultural co-operative (“LPG”)
which by then had formed became
part of the big cattle breeding
Operation of Hohen Wangelin. Only
few buildings remain from the
previously large estate. They are now
being privately utilized. The manor
house was torn down in 1978.
6.7 Diestelow
Landkreis Parchim
Amt Goldberg-M ildenitz
G. Bergter
und vier Pferden ausgestattet. Von 42
Siedlungen erhielten 24 Neubauten.
Diese führte man als Winkelbauten
aus. Für 18 Stellen wurden frühere
Gutsgebäude „durchgebaut“. Die
Gutsanlage und
Wirtschaftsgebäude
Es existiert eine Beschreibung der
Gutsanlage um 1926. Sie war ca. 200 m
von der Straße entfernt und befand
Das Dorf und das Gut
A uf dem Weg von Lübz nach Gold­
berg fahrt man über die Landesstraße
17 durch das D orf Diestelow. Es wur­
de urkundlich erstmals 1295 erwähnt.
Der Ortsname Diestelow (ursprünglich
Distelowe) stammt aus dem Slawi­
schen und soll von „tun oder arbei­
ten“ abgeleitet worden sein. Mögli­
cherweise bildete das Gut Diestelow
den Stammsitz der erloschenen Adels­
familie „ v o n D y s t e l o w e “ , deren Mit­
glieder Ratsherren in Goldberg bzw.
Güstrow waren und als Vasallen der
Fürsten von Werle noch im 14. Jh. ge­
nannt wurden.
Besitzer von Diestelow bzw. des Gutes
ab 1450 waren:
1450 Stammverwandte Familie d e
Abb. 1 Ausschnitt aus einer Karte des Gutes Diestelow (1768 vermessen, 1815 kartiert)
Extract of map from estate Diestelow, surveyed 1768, plotted 1815
W e l t z ie n
1486
1492
W e d ig e v o n M a l t z a n
1711
J ürg en E rn st von P etersd o rf
1712
1744
1781
1790
1796
1799
1803
1849
1850
Mecklenburgische Herzoge
G e o r g v o n L in s t o w
K n e s e b e c k , der das
Vorwerk N euhof anlegte
in NoRMANN'schem Besitz
Familie v o n M e e r i i e im b
Familie v o n R e d e n
von
Siedler kamen aus verschiedenen so­
zialen Schichten. Während die
Häusler fast ausschließlich Mecklen­
burger waren, kamen von den übrigen
42 Siedlern 12 aus Mecklenburg, 18
aus Hessen und die anderen aus ver­
schiedenen weiteren Landstrichen
Deutschlands.
sich am Nordende des 10 ha großen
Sees. Quer zur Achse des Hofraumes
(Richtung NO - SW) lag das zwei­
stöckige Gutshaus, mit der Nordost­
front den Wirtschaftsgebäuden zuge­
wandt. Links daran schlossen sich der
Pferdestalk Kuhstall, Fohlen- und
Jungviehstall an. A uf der rechten Sei­
E r n s t L u d w ig E n g e l
Bewirtschaftung durch die
Creditoren von F l o t o w ,
Düß l k r , S t e i n m a n n
C a r l M a x v o n B e h r , Baube­
ginn Gutshaus mit Stallungen
Gebrüder U l r i c h , F e l i x u n d
Abb. 2
Zug eines
Erntefestes (Ende
1920er Jahre)
Celebrating
Thanksgiving (late
1920s)
M a x i m i l i a n v . B k iir ( n a c h d e
V eer
1913
2006)
W il h e l m v o n T r e u e n f e l s
(nach d e V e e r 2006)
Wegen hoher Verschuldung kam 1927
Diestelow-Neuhof an die Mecklenbur­
gische Landgesellschaft. Die 899 ha
wurden bis 1931 in 60 Siedlerstellen
unterschiedlicher Größe aufgeteilt: 16
Stellen von 1 bis 2 ha gingen an
Häusler aus der Umgebung. 31 Stellen
wurden mit 10 bis 20 ha und zwei Pfer­
den und 11 Stellen mit 20 bis 50 ha
Ab 1952 entstanden in Diestelow und
den angrenzenden Dörfern LPG, die
1954 in der LPG „7. Oktober“ vereinigt
wurden. Im Jahr 1973 kam es durch
Zusammenschluss mit Goldberg,
Langenhagen und Wendisch Waren
zur Bildung einer KAP. Am 1. Juli 1991
erfolgte die Umbildung der LPG „7. Ok­
tober“ zur „Agrar GmbH Diestelow“.
te befanden sich weitere Wirtschafts­
gebäude und eine lange Reithalle, die
nach einem Brand zu Wohnungen für
zwei Familien ausgebaut wurde. Die
noch offene Seite des Hofvierecks
wurde vom Schweinestall mit den
Bodenräumen eingenommen. Die Ge­
bäude waren sehr massiv, teils mit
I lartdach, teils mit Teerdach gedeckt.
59
Abb. 4 Ehemaliger Speicher (2007)
Former storehouse (2007)
Große Eisentore schlossen den Kom­
plex ab. Zur Landstraße hin standen
die drei zweihischigen Arbeiterhäuser,
ferner die Schmiede sowie die Stellma­
cherei. Die großräumige Gutsanlage
ist mit den Nebengebäuden in ihrer
Struktur noch erhalten. Mehrere Ge­
bäude (Ställe, Scheunen u. a.) wurden
zum Teil umgebaut und werden heute
von dem ansässigen Landwirtschafts-
links der Fohlenstall und zwei Scheu­
nen, rechts Vieh- und Pferdestall und
an der vierten Seite zwei offene
Schuppen als Abschluss. In einiger
Entfernung lagen drei zwei hi sch igc
Arbeiterwohnhäuser, von denen heu­
te noch zwei als Wohngebäude ge­
nutzt werden. Die Wirtschaftsgebäude
waren Fach werkbauten. Einige sind
noch vorhanden und in Nutzung
(BERGTERetal. 1999).
Gutshaus und Park
Das G utshaus stammte aus der 2.
Hälfte des 19. Jh. Es war ein zweistökkiger Bau mit barocken Stilelementen,
acht Achsen und einem dreiachsigen,
zweistöckigen Mittelrisalit,
ln Diestelow wurde 1931 eine kirchli­
che Siedlerschule gegründet, die bis
Abb. 5 Ehemaliges Statthalterhaus des Vorwerkes Neuhof (1999)
Former inspector house at appurtenant structure Neuhof
betrieb genutzt.
Die l loflage war weit von den Feldern
entfernt. Deshalb legte man Mitte des
18. Jh. in 2,5 km Entfernung ein Vor­
werk an, das mit dem Hauplgut durch
einen Landweg verbunden war. An
Gebäuden befanden sich dort eben­
falls in der Anordnung w:ie auf dem
Haupthof, ein Beamtenwohnhaus,
60
ren zur Nutzung an den Rat des Krei­
ses Lübz. Das Diestelower Gutshaus
diente bis Mitte der 1970er Jahre als
Kindergarten, Schwesternstation und
Wohnhaus. Wegen Schwammbefalls
und Materialmangels erfolgte 1985 der
Abriss.
Der um 1850 angelegte und 9,7 ha gro­
ße Landschafts-Park liegt südlich der
Gutsanlage entlang des Diestelower
Sees. Er wurde 1938 unter Schutz ge­
stellt und gehört seit 2004, wie auch
der See, der Gemeinde Diestelow. An­
deutungsweise sind das Wegesystem
und frühere künstliche Einbauten in
den Park im Stile des englischen
Landschaftsparks erkennbar. Sehens­
wert ist der alte Baumbestand mit
Blut- und Hängebuchen, Eiben, Gelb­
kiefer, Bergahorn und Flatterulmen.
Abb. 7 Winkelbau einer Siedlungsstelle in Diestelow (1999)
Angular building of Settlement in Diestelow (1999)
1934 Bestand hatte. Das Gutshaus,
der Park und der See wurden vom
Zentralausschuss der Inneren Missi­
on in Berlin für diesen Zweck gekauft
und hergerichtet. Das Grundstück
wurde 1937 an E. K r u h ö k k e r verkauft,
der im Gutshaus wohnte.
Das Gutshaus wurde 1945 mit Umsied­
lern belegt und kam in den 1950er Jah-
Der Rosengarten, welcher sich zum
Teil heute auf der Fläche des ehemali­
gen Gutshauses befindet, wurde erst
1995 durch die Gemeinde angelegt.
Gebäude im Dorf
Zwei Gebäudetypen prägen heute die
Dörfer Diestelow und Neuhof. Es sind
die ehemaligen Gutskaten, von denen
Abb. 8
Das Gutshaus in
schlechtem
Zustand (1983)
The manor house
in bad condition
(1983)
Schwerin angeklagt und verurteilt. Er
musste das Gebiet der mecklenburgi­
schen Landeskirche, also Briiz, verlas­
sen und ging nach Eldena bei Greifs­
wald. Nach 1945 wurde er rehabilitiert
und war als Professor für praktische
Theologie an der Universität Rostock
tätig. Für die Siedlerschulc Diestelow,
wo auch fünf Jungbauern aus Welzin
ihre Ausbildung erhielten, bedeutete
es in Diestelow noch drei und in N eu­
hof noch zwei gibt. Sie wurden um
1800 als Fachwerkbauten errichtet.
Der zweite auffallende Gebäudetyp
Abb. 9 Die Schmiede des Gutes
Diestelow (1920er Jahre)
The smithy of estate Diestelow
(1920s)
Abb. 10 1931 bis 1934 war in dem Gutshaus die Evangelische Siedlerschule untergebracht.
From 1931 to 1934 the Protestant school for new settlers was accommodated in
the manor house.
sind die Winkelbauten, die nach der
Aufsiedlung des Gutes bis 1931 an
der Straße nach Goldberg und in Neu­
hof gebaut wurden. Bei diesen Häu­
sern standen Scheune und Stall recht­
winklig zum Wohnhaus. Die Verbin­
dung der Gebäude erfolgte durch die
Futter- und Waschküche. Im Laufe der
Zeit sind diese Bauten stark verändert
worden.
nur in wenigen Fällen Bauern. Da
auch in verschiedenen anderen Orten
aufgesiedelt wurde, entstand der Be­
darf zur Ausbildung von Jungbauem.
Deshalb wurde in Diestelow 1931 eine
kirchliche Sicdlerschule gegründet.
Einem Leiter der Schule standen zwei
Landwirte zur Seite. Einer war für die
theoretische, der andere für die prakti­
sche Ausbildung in der Landwirt­
schaft verantwortlich. Die Unterwei­
sung im Hauswesen für junge Frauen
wurde von einer Landpflegeschwester
geleitet.
Jeweils 50 Jungbauern wurden als
Schüler zugelassen. Der Schulbetrieb
erfolgte auf dem Felde, im Stall, in der
Scheune und im Schulraum. Mit der
Leitung der Schule wurde der seit
1 9 3 1 in Briiz tätige Pastor Lic. G o t t ­
f r i e d H o l t /, betraut. Dieser war für die
mecklenburgische Geschichte bedeu­
tend, weil er sich für die Befähigung
der Jungbauern einsetzte und sich als
Mitglied der Bekennenden Kirche ge­
gen die Nazis stellte. Er wurde mit
sechs weiteren Pastoren 1934 in
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Diestelow hatte bis zur Absenkung des
Langenhäger Sees um 1800 eine W as­
sermühle an der Störbeck, ca. 500 m
nördlich des Ortes. Im Zentrum des
Dorfes standen eine Schm iede sowie
ein K rug, der gleichzeitig auch Station
der Postkutsche Güstrow - Parchim
war(Meckl. Staatskalenderjahr 1870).
Im Meckl. Staatskalender 1903 wird
auch eine Ziegelei genannt. Eine Damptmolkerei verarbeitete ab Anfang des
20. Jh. die anfallende Milch des Gutes.
Die neuen Siedler, die bis 1931 nach
Diestelow und N euhof kamen, waren
die Verbannung des Leiters das Ende
dieser Einrichtung.
Diestelow is an ancient settlement
first mentioned in 1295. The estate
probably came into being after the
Thirty Years War. In the mid 18lh
Century appurtenant structures were
added in the location o f today’s
village o f N euhof in order to abridge
access to the fields. The manor house
and the new estate date from the
second half o f the 19lh Century.
Diestelow can serve as an illustration
for the post WW I settlement policy
pursued by Reichssiedlungsgesetz, a
pertinent legislation. Almost 900
hectares were partitioned into 60 new
settlements. During this time
characteristic rectangular buildings
emerged in Diestelow and Neuhof.
Despite o f substantial changes the
estate can still be recognized in its
fundamental structure. The manor
house was torn down in 1985.
61
6.8 Dobbin mit Ziethtz
te. Nach seinem Tod im Jahr 1939 ließ
der Gauleiter H i l d e b r a n d t das Wirtschaftsgul nicht aufsiedeln, sondern
verkaufte es an E d u a r d W i n t e r , Auto­
händler aus Berlin. Dieser wurde 1945
enteignet und das Land im Rahmen
der Bodenreform aufgcteilt.
Landkreis Güstrow
Amt Krakow am See
F. Lorenz
Abb. 1
Das Gutshaus
Dobbin 1880/90
The manor house
of Dobbin 1880/90
Die Dörfer und die Güter
Die beiden Güter werden hier gemein­
sam behandelt, weil sie immer in einer
Hand waren.
Dobbin lind Zietlitz befinden sich in
einem alten Siedlungsraum der Sla­
wen. Im Gefolge H e in r ic h B o r w in s II,
dem Enkel von P r ib is l a v , kamen 1226
Vorfahren der B a r o l d s in das Land,
die vermutlich schon 1291 in Dobbin
sesshaft waren. Urkundlich wird
R u d o l p h B a r o l d der Ältere allerdings
erst 1347 als Besitzer erwähnt. Die Sla­
wen gaben dem Ort den Namen nach
einem Fürsten, Ort des Doba. Eine an­
dere Auslegung geht von doba (gut)
aus.
Wie auch viele andere Dörfer musste
Dobbin die Folgen des Dreißigjähri­
gen Krieges ertragen. Der Ort war
1637 völlig verödet, denn die sechs
Bauern, die noch lebten, flüchteten
mit ihren Familien nach Krakow. In
diesen schwierigen Zeiten wechselte
das ritterschaftliche Gut Dobbin mehr­
mals seinen Besitzer, wie es die Über­
sicht ausweist. Da C h r is t o p h A u g u s t
B a r o l d (Besitzer 1701 - 1746) ohne
Nachkommen blieb, ging das Gut 1746
zunächst an F r ie d r i c h v o n L e p e l über.
Sein Bruder Christoph August legte
62
im Jahre 1802 die Zietlitzer Bauern und
siedelte sie nördlich auf schlechterem
Boden an. So entstand das Dorf Neu
Zietlitz. Seit dieser Zeit gehört die
Zietlitzer Feldmark zum Gut Dobbin.
Danach gelangte das Gut durch Ver­
kauf an C a r l A u g u s t J a s m u n d und
1854 an P h il ip p v o n B r o c k e n . Mit
glücklicher Hand und sozialem Den­
ken gab er dem D orf und dem Gut ein
neues Gepräge, was sich noch heute
an Gebäuden im Ort ablesen lässt.
Wegen finanzieller Probleme ging es
1901 in den Besitz des Niederländi­
schen Könighauses über. Nach dem
Tode des P r in z e n H e in r ic h (1934), er­
steigerte es 1936 der Gauleiter und
Reichsstatthalter von Mecklenburg
F r ie d r ic h F I i l d e b r a n d t für seinen
Freund S ir H e n r y D e t e r d i n g . Über
die von beiden gegründete FriedrichHeinrich-Landstiftung sollte das Wirt­
schaftsgut, ähnlich wie zuvor ein wei­
teres Gut Deterdings in Gößlow (heute
Kreis Ludwigslust), aufgesiedelt wer­
den. Zur Stiftung gehörten Dobbin mit
1391 ha und Zietlitz mit 755 ha. Der
zweite Teil, das Waldgut, blieb im Be­
sitz der Familie D e t e r d i n g . Es bestand
aus 51 ha und weiteren ca. 900 ha bei
Glave, die D e t e r d in g 1938 dazu kauf­
Übersicht über die Eigentümer der Gü­
ter Dobbin und Zietlitz:
1347-1630 B a r o l d
1630-1672 W a l s l e b e n
1672-1693 G r a b o w
1693-1699 W it z e n d o r h
1699-1701 W i c k e d e
1701-1746 B a r o l d
1747-1805 L f.p e l
1805-1826 J a s m u n d
1826-1853 Verpachtungen
1854-1901 B r o c k e n
1901-1934 Niederländisches
Könighaus
1936-1939 H f.n r y D e t e r d in g
1936-1945 C h a r l o t t e D e t e r d i n g
(Waldgut)
1939-1945 E d u a r d W i n t e r (Wirtschaftsgul)
Bodenreform
1945
1945 wurde an 46 Bewerber
Bodenreformland übergeben. 1953
gründeten 22 Bauern eine LPG Typ I,
acht Höfe wurden noch als Einzelhöfe
bewirtschaftet. 1955 wurden 373 ha
genossenschaftlich und 103 ha indivi­
duell bewirtschaftet. Wie in allen Dör­
fern verlief auch in Dobbin die EntAbb.2
Wappen der niederländischen Königsfamiiie
The coat of arms of the royal Dutch family
wicklung weiter über die Bildung gro­
ßer Einheiten, so mit Alt Sammit in der
Tierproduktion und dem VEG Krakow
am See in der Pflanzenproduktion.
Nach 1990 entwickelte sich ein priva­
ter Großbetrieb, der einen Großteil der
Flächen und Wirtschaftsgebäude von
Dobbin und Zietlitz nutzt.
Die Enteignung des Waldgutes wurde
nach der Wende von den Nachkom­
men der Familie D eterding angefochlen. Sie bekamen ihren ehemaligen Be­
sitz 2005 zurück.
Gutsanlagen und
W irtschaftsgebäude
„Der Domänenrat nimmt sich zunächst
der Gebäude an, die in den schwieri­
gen wirtschaftlichen Jahren zum Teil
verfallen sind. Ställe, Wirtschaftsge­
bäude und Scheunen entstehen, an
den Giebelwänden mit Initialen und
Achsen mit einem Mansardwalmdach.
Die dreiachsige Mitte der Vorderfront
wurde lediglich durch eine Freitreppe
und die Attika mit drei weiblichen Fi­
guren betont ( d e V e e r 2006). Die Park­
seite wurde mit einem Mittelrisaliten
gestaltet, in dem oben das Wappen
der dänischen Königsfamilie zu sehen
war. Anfang des 20. Jh. erfuhr das Ge­
bäude einige Veränderungen, wie der
Vergleich verschiedener Fotos belegt.
Obwohl die unteren Räume 1936 noch
als Büro genutzt wurden, war der Ver­
fall nicht zu übersehen. Während des
Zweiten Weltkrieges wurde es noch
bewohnt. Bis 1949/50 fanden Veran­
staltungen in der unteren Etage statt.
Im Rahmen des Befehls 209 (Neubau­
ernprogramm) ist es zur Gewinnung
von Baumaterial abgetragen worden.
An das Schloss grenzte eine P arkan­
lage, die P h i l ip p v o n B r o c k e n voraus­
Abb.3 Gutshaus Dobbin m it dem 1910 errichteten Kavalierhaus
(1920er Jahre)
Manor house of Dobbin with the guest house built in 1910
(1920s)
der Jahreszahl versehen“ ( L o r e n z
2004, S. 25). Die Gutsanlage ist auf
dem Messtischblatt von 1883 erkenn­
bar. Sie bestand zu diesem Zeitpunkt
aus zwei Teilen (vgl. A bb.5). Von den
damaligen Gebäuden sind heute keine
mehr erhalten.
schauend erweitern ließ. Mit Hilfe des
Schweriner Gartendirektors K l e t t
wurde der Garten mit einem Teich neu
angelegt, Alleen gepflanzt und aus
dem angrenzenden gerodeten Bruch
und einer unkultivierten Fläche ent­
stand die große Parkwiese. Die herrli­
che Fernsicht zu den bewaldeten Kup­
pen und der Blick auf die alten Bäume
des Parks schufen ein reizvolles En­
semble. In einem südlich an die Park­
wiese angrenzenden Buchenwaldkopf,
welcher Bestandteil des englischen
Landschaftsparkes wrar, liegt der Find­
ling, an dem S ir H e n r y D e t e r d in g
1939 der mecklenburgischen Erde
übergeben wurde. Von der Parkanlage
und dem Teich ist nur wenig geblie­
ben. Die Reste eines formalen Gartens
findet man südlich des Kavallierhauses, welcher nach brasilianischem
Vorbild in den 1930er Jahren entstan-
Abb. 4 Das Gutshaus Dobbin, Rückseite (Jahr ?)
Manor house Dobbin, back view
Abb. 5 Ausschnitt aus dem MTB (1883)
Extract from ordinance map (1883)
Gutshäuser und Parks
Das Gutshaus von Dobbin wurde
1730 im barocken Stil von C h r i s t o p h
A u g u s t v o n B a r o l d errichtet. Mit der
Übernahme des Gutes 1854 durch v.
B r o c k e n wurde es zu einem schloss­
ähnlichen Gebäude erweitert. Es ent­
stand ein stattlicher zweigeschossiger
Putzbau von dreizehn symmetrischen
H
63
Abb. 7
Reste des
ehemaligen
Gutshauses im
Park (2006)
Remains of former
manor house in
the park (2006)
Abb. 6 Mehrstämmige Linde im Park
Dobbin (2005)
Multi-trunk linden free in the
Dobbin garden (2005)
den ist. Vom Schloss sind nur noch ei­
nige Steine aus dem Fundament des
rückwärtigen Eingangsportals zu se­
hen.
H of Zietlitz erhielt 1862 ein Gutshaus,
das C a r l A d o l f v o n B r o c k e n erbau­
en ließ. Er zog 1878 dort hin. Das
Gutshaus wurde später zum Witwen­
sitz ausgebaut. Heute ist es eine Pen­
sion. Das Gutshaus ist ein zwei­
geschossiger Backsteinbau über ei­
nem hohen Keller aus Feldstein­
mauerwerk. An beiden Fronten er­
scheinen Mittelrisalite. Eine leicht ge­
schwungene Feilreppe führt zum Ein­
gang, der von rundbogig geschlosse­
nen Fenstern flankiert wird ( d e V e e r
2006).
Gebäude im Dorf
Zu den sozialen Vorhaben P h il ip p s
v o n B r o c k e n zählte 1864 der Bau von
massiven Häusern für die Tagelöhner
in der Kirchenstraße. Sie erhielten als
Klinkerbau schmückende Ornamente,
die leider zum Teil übermauert wurden.
Die Häuser sind heute noch bewohnt.
Die Schnitterkaserne wurde nach 1939
mehrmals umfunktioniert. Nach dem
Zweiten Weltkrieg sollte nichts mehr
an ein Rittergut erinnern; so sind meh­
rere Gebäude zur Gewinnung von
Baumaterial für die Neubauemhäuser
Abb. 8
Gutshaus Zietlitz,
Vorderseite (2007)
Manor house
Zietlitz, front view
(2007)
abgetragen oder verändert worden.
Das Niederländische Königshaus
baute für die Gäste nach 1901 das
Kavalierhaus. H e n r y D e t e r o in g
wohnte nach dem Kauf des Gutes dar­
in. Ende April 1945 hatte sich kurzzei­
tig das Oberkommando der Wehr­
macht ( K e it e l , J o d l , H i m m l e r ) in dem
Haus einquartiert. Später war das
Kavalierhaus Wohnung für Heimat­
vertriebene, Schule, Touristenstation
und bis 1999 Schullandheim. Derzeit
wird es für eine private Nutzung eines
Nachkommens H e n r i D e t e r d in c / s
hergerichtet. Vom Königshaus wurden
auch das Inspektorenhaus und der
Marstal 1errichtet. Der letztere ist in ei­
nem schlechten Zustand.
Abb. 9
Wappen der Familie v. Brocken über dem
Eingang des Gutshauses Zietlitz.
Coat of arms of von Brocken family above
entry to Zietlitz.
1862
64
Abb. 10 Das vom niederländischen Königshaus errichtete Kavalier­
haus (Jahr ?)
The guest house constructed by the royal Dutch family
Abb. 13 Das ehemalige Inspektorenhaus (2006)
The former inspector house (2006)
Abb. 11
Ehemaliger
Marstaii (2007)
Former stables
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
B a r o l d schloss 1714 mit dem Glas­
fabrikanten F r a n z C h r i s t i a n M ü l l e r
aus Hamburg einen Vertrag zum Be­
trieb einer G lashütte ab. Diese entwikkelte sich zu einem selbstständigen
Nebengut, das bis 1764 in Betrieb war
und dann verfiel. 1572 wurde am L auf
der Nebel eine W alkm ühle und 1613
eine weitere errichtet, der später eine
Abb. 12
Ehemalige Wassermühle in DobbinWalkmöhl (2006)
Former water mill in Dobbin-Walkmöhl
(2006)
Korn- und eine Ölmühle (Rapsanbau)
angeschlossen wurden. Die Mühle
wurde 1830 an die Straße nach Glave
verlegt, wo sie bis 1949, umgestellt auf
Turbinenbetrieb, in Betrieb war.
Die niederländische K ö n ig in
W ilhelm ina ( 1880 - 1962) und ihr
Gatte H e i n r i c i i ( 1876 - 1934), Herzog
von Mecklenburg, weilten zwei Mal
mit großem Hofgefolge in Dobbin und
besuchten von hier aus das Kloster
Dobbertin. Der Stein an der Pumpe,
der die Aufschrift „Juliana 1909“ trägt,
erinnert an die Geburt von J u l i a n a
(1909 - 2004), die von 1948 bis 1980
Königin der Niederlande war und als
Kind oft mit ihrem Vater in Dobbin
weilte. Das Wappen des P r i n z e n H e i n ­
r i c h d e r N i e d e r l a n d e prangt noch am
Inspektorenhaus (vgl. Abb.2).
S ir H e n r y D e t e r d in g (1866 - 1939),
seit 1907 Verwaltungsvorsitzender der
Royal Dutch Shell Company, errichte­
te 1936 im Schloss eine Verwaltungs­
nebenstelle seiner Gesellschaft mit
Doppelsitz in Den Haag und London.
Über ein in Krakow errichtetes Fernsprech-Selbstwählamt konnten telefo­
nische Verbindungen in alle Welt her­
gestellt werden. Er bewohnte mit sei­
ner Familie das Kavalierhaus. Der
Findling, an dem er beerdigt wurde,
befindet sich im Wald an der Großen
Wiese. Seine Gebeine wurden 1968 ex­
humiert.
Dobbin is an old settlement with a
Slavic name. Until the Thirty Years
War it was owned by the Barold
family. Subsequently its owners
changed frequently. From 1854
through 1901 three generations of the
von Brockens left their imprint on the
village. Several buldings o f that
period have remained. Then the estate
went to the Dutch royal family and,
still later, to the industrial ist and
former Chairman of the Royal Dutch
Shell Company, Henry Deterding.
After the land reform the estate was
partitioned. The manor house of
D obbin, originating from 1730, was
torn down after 1950. The Zietlitz
manor house from 1862 today is being
used as a pension. The history of
Dobbin with Zietlitz is particularly
rieh.
65
6.9 Finkenwerder
1816-1871
1871-1907
1907-1910
1910-1924
1924-1933
1933-1945
Landkreis Parchim
Amt Goldberg-Mildenitz
R. Berg, Th. Reilinger
Abb. 1 Das Gutshaus Finkenwerder 1912
The manor house Finkenwerder 1912
Das Dorf und das Gut
Finkenwerder wurde 1391 erstmals ur­
kundlich erwähnt (MUB 12369). Das
Gut war bis zur Absenkung des Gold­
berger Sees (in Etappen ab 1843) auf
Grund seiner Insellage nur über Brükken oder mit dem Boot zu erreichen.
Nach der Absenkung der umgeben­
den Seen verkehrten sich die Verhält­
nisse. Ohne Pachtung der neuen Ufer­
streifen hätte das Gut keinen Zugang
mehr zu den umgebenden Seen ge­
habt. Und so wurden denn auch erbit­
terte Prozesse gegen die Groß­
herzogliche Hausgutsverw'altung
(Woosten und Medow waren
domaniale Nachbargüter) geführt und
verloren.
Schon die Größe des Werders ließ es
notwendig werden, Hebungen und
Pachtrechte in der Nachbarschaft zu
erwerben und so war denn auch lange
Zeit das südlich gelegene Diestelow
eine Außenbesitzung. Anteile besa­
ßen die F i n k e n auf Werder auch in
Woosten und in Wendisch Waren.
Außerdem gehörte die Wassermühle
zwischen Medow und Diestelow zu
ihrem Besitz (Lehnakte 1). Diese
Gemengelage der Besitzungen führte
häufig zu Streitigkeiten über Gerichts­
66
barkeit, Holzeinschlag, verwendete
Maße, Weidenutzung, Fischerei u. a.
Ewige Geldsorgen trieben die Finken
auf Werder schließlich nach dem Drei­
ßigjährigen Krieg in den Konkurs. Das
Gut ging an J o a c h im F r ie d r ic h
G r a b o w , der damals das Nachbargul
Woosten besaß. Weitere Besitzer wa­
ren:
1683 -1730
1730-1802
Familie v o n L in s t o w
Vormundschaftsre­
gelung, Verpfandung
1802-1816
L ange
Abb. 2
Ausschnitt aus der
DVK vom
„Adiichem Guth
Finkenwerder“ aus
dem Jahr 1769
Extract from
ordinance map of
„the noble estate
Finkenwerder“ of
1769
Duüe, Goldberg
Familie P e t e r s
L. Ebkri ia r d t , Wismar
F. F. v o n B ü l o w
E r ic h F is c h e r
W il h e l m U s e m y e r
Auch im 20. Jh. versuchten die Eigen­
tümer das Gut durch Zupachtungen
und Zukäufe rentabler zu machen. So
erwarb L. E b e r h a r d i die Hufen 3 und
6 im Osten der Gemarkung Wendisch
Waren, ging aber Konkurs und
musste das Gut verkaufen. Auch der
letzte Eigentümer erwarb größere Flä­
chen vom Nachbargut Woosten (Ge­
biete an der Grenze zu Diestelow).
Nach dem Mecklenb. Staatskalender
1903 hatte das Gut eine Größe von 123
ha. Ende 1942 besaß der H of 228 ha
und beschäftigte eine männliche und
zwei weibliche Arbeitskräfte sowie 19
Fremdarbeiter (Siedlungsamt 1391). Er
hatte moderne Landtechnik,
Gleisanschluss und eine damals nicht
unübliche Gleichstromversorgung.
Mit der Aufteilung des Gutes im Zuge
der Bodenreform 1945 entstanden 22
Neubauernwirtschaften (dazu wurde
auch das heutige Neu Woosten mit
neun Bauernwirtschaften gezählt) und
der Ort zählte 122 Einwohner. Darum
stellte die Gemeindevertretung 1947
vor dem Kreistag den Antrag, selbst­
ständiges Dorf zu werden, was dieser
allerdings ablehnte (Akten des Rates
des Kreises Parchim, Nr. 1).
Ende der 1950er Jahre kam es zur Bil-
dung einer LPG Typ III zusammen mit
Wendisch Waren. Später schlossen
sich mehrere Betriebe zu einer großen
LPG Pflanzenproduktion Goldberg zu­
sammen.
Wirtschafts­
gebäude
Wohn­
gebäude
Gutshaus
St
Stall
Katen
S
Scheune
s
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Der Gutshof lag im Nordosten des
ehemaligen Werders und erscheint
auf den ältesten Darstellungen als
Wasserburg. Geschichten um Raubrit­
tertum ranken sich um diese Burg und
auch die Ersterwähnung steht damit
im Zusammenhang.
Von den Wirtschaftsgebäuden ist nur
noch der ehemalige Pferdestall und
Kornspeicher (mit Anbau Schweine­
stall) als solches erkennbar. Die In
schrift am Giebel verrät auch seinen
S
\ S
St
Abb. 3
Lageplan des
Gutes (1945)
Layout of estate
(1945)
Gutshaus und Park
Das G utshaus wurde im Zuge der Bo­
denreform rückgebaut. A uf alten Fo­
tos verrät cs aber noch seinen
schlichten Ursprung als Pächterhaus
(rechter Flügel), denn nur wenige Ei-
\
\
< y
O
<
Abb.4
Ehemaliger
Pferdestall und
Kornspeicher m it
Inschrift des
Erbauers (Friedrich
Franz v. ßü/ow
1913) (2007)
Former stables and
granary with
inscription of
builder Friedrich
Franz v. Bülow
1913 (2007)
Bauherrn F r ie d r i c h F r a n z v o n B l jl o w
(1913). Auf der Grünfläche zwischen
Wohnhaus und Speicher befand sich
eine Scheune. Das Wohngebäude auf
der Westseite des Hofes hat seinen
Ursprung in der Diele des alten Kuh­
stalls. Die anderen Teile wurden im
Zuge der Bodenreform abgetragen
und zum Bau von Wohnhäusern ver­
wendet. Dieses Schicksal traf auch die
neben dem Kuhstall befindliche
Schnitterkaserne. Heute werden die
ehemaligen Gutsgebäude
Finkenwerders als Pensionen genutzt.
4
gentümer bewirtschaften das Gut
auch selbst. Über die Bauzeit des ehe­
maligen Gutshauses ist nichts be­
kannt.
Am Gutshaus existierte ein kleiner
P a rk mit Teich, der aber weitgehend
verwildert ist und erst in jüngster Zeit
etw'as wiederhergestellt wurde. Im
Park befanden sich zw ei große Eichen,
die der Brennstoffknappheit der Jahre
nach dem 2. Weltkrieg zum Opfer fie­
len.
Gebäude im Dorf
Ein D orf im engeren Sinne existiert
nicht. Lediglich vier Häuser reihen
sich in einiger Entfernung von der
Bundesstraße 192 aneinander und er­
innern an Häuslersiedlungen wie Neu
Woserin. Das östlichste Gebäude ist
nach Studium alter Messtischblätter
das älteste. Der ursprünglich vier
Wohnungen enthaltende Katen be­
herbergt heute nur noch zwei. Hinter
dem Haus befindet sich die einstige
Gemeinschaftsw'aschküche. Die ande­
ren drei Häuser sind ab 1932 entstan­
den. 1938 befanden sich sechs Werks­
wohnungen des Gutes Finkenwärder
in den Gebäuden.
Finkenwerder was first documented in
1391. Before the wrater level o f lake
Goldberg and of other lakes w'as
lowered the estate was situated on an
island accessible only by boat or by
bridges. The relatively small size of
the estate w'hich comprised only 123
hectares at the beginning of the 20th
Century entailed low profitability. It
had many owners. After 1945 it was
partitioned to new settlers and the
manor house and other estate
buildings were used as quarries.
Today some bed & breakfast guest
houses can be found in Finkenwärder.
67
6.10 Glave
Landkreis Güstrow
Amt Krakow am See
M. Altenburg
25 Jahre an das Kloster Dobbertin ver­
pfändet. Bereits 1635 übernahm die
Familie O l d e n b u r g das Gut als Pfand­
besitz und führte es bis 1881. Nach
V ic t o r v o n L a f f e r t und F. G. H. G r o t h
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Der Gutshof lag als Rechteck vor dem
Gutshaus um den heutigen Teich her­
um (vgl. Abb.2). Ende des 18. Jh. be-
'imrno m
Abb. 1 Das Gutshaus m it dem hofseitigen Eingang (2007)
Manor house with court side entry (2007)
Das Dorf und das Gut
Das kleine Dorf Glave liegt am Südufer
des Krakower Obersees, der Natur­
schutzgebiet und europäisches Fauna-Flora-Habitat-Schutzgebiet ist. Der
Ort ist durch eine Straße mit der B 103
und einen Landweg mit Dobbin ver­
bunden. Der Name ist slawischen Ur­
sprungs und kann mit Haupt/Schulter
(polnisch glownyf) gedeutet werden.
Glave, am „Haupt“ des Sees gelegen.
Eine Familie G l o w e k e für Glave wurde
urkundlich 1340 erwähnt. Das Wap­
pen zeigt zwei gekreuzte Getreide­
schaufeln und eine Blüte. Dazu passt
eine in der Dobbertiner Klosterkirche
befindliche Grabplatte des Bruders
H e n r ik G l o w e aus dem Jahr 1371,
dessen Inschrift ihn als Meister des
Mühlenbaus ausweist. Diese Adels­
familie war nur klein und unbedeu­
tend, eine letzte urkundliche Erwäh­
nung gab es Anfang des 15. Jh.
Ein J o h a n n v o n L i n s t o w war nach Un­
terlagen des Klosters Dobbertin 1373
mit der Tochter des J o h a n n v o n
G l o w e k e auf Glave verheiratet. Der
durch die Heirat an die v o n L i n s t o w s
übergegangene Besitz wurde 1616 für
68
wurde das Gut 1887 schließlich an den
Güstrower Landrat T h e o b a l d v o n
B ö h l veräußert, der 1939 land- und
forstwirtschaftliche Flächen (936 ha)
an seinen Dobbiner Nachbarn H e n r y
D e t e r d in g verkaufte. Dessen Witwe
Charlotte veräußerte im Oktober 1942
die Glaver Wirtschaft an E r n s t A u g u s t
v o n B l ü c h e r , Gutsherr zu Kuppentin
und Erbe des 1940 verstorbenen
Landrats v o n B ö h l . Mit der Enteig­
nung des landwirtschaftlichen Grund­
besitzes nach dem Zweiten Weltkrieg
wurde Glave teilweise aufgesiedelt,
später aber Teil des VEG Tierzucht
Laage.
Abb. 2
Lagepian des Gutsdorfes nach einer BV
(Ende 18. Jh.)
Fire insurance layout of estate village (end
18th Century)
■ Wohngebäude
G Gutshaus
cs
standen ein Pferdestall, eine Scheune
und zw'ei weitere Wirtschaftsbauten.
Von den Gebäuden existieren heute
noch das Gutshaus sowie ein unge­
nutztes Stall- und Scheunengebäude
und der zum Teil zur Wohnung ausge­
baute ehemalige Pferdestall auf der
rechten Seite.
Gutshaus und Park
Das G utshaus ist ein Überbau eines
vorherigen unterkellerten Gebäudes.
Dabei weist der Keller in Raum­
proportionen und Gründungsart auf
eine Zeit noch weit vor dem Dreißig­
jährigen Krieg hin. Das vermutlich in
diesem Krieg zerstörte Haupthaus
wurde vor 1700 in Fachwerkbauweise
wieder aufgebaut und um 1830 klassi­
zistisch restauriert. Der neue Eigentü­
mer v o n B ö h l fügte um 1900 einen
Vorbau an der Westseite und eine
Treppe an der Südseite hinzu. Zusätz­
lich baute er ein neues Gutshaus im
Neo-Renaissancestil direkt an das
Seeufer. Es brannte aber nach 1945
aus und wurde bis auf die Grundmau­
ern abgetragen.
Das heutige Gutshaus und auch eini­
ge Wirtschaftsgebäude wurden 1994
von M ic h a e l A l t e n b u r g gekauft, ob­
wohl sie in einem sehr schlechten Zu­
stand waren. Das Gutshaus restaurier­
te er und bewohnte es mit seiner Fami­
lie bis 2004. Dann erwarb es der
Deterding Enkel W il l i L e i m e r .
Der P a rk hat eine Größe von ca. 5 ha.
wertvollen Gehölzbestand erhalten
und den Charakter des Parks wieder
herstellen.
Abb. 3 Das neue Gutshaus im Park brannte nach 1945 ab.
The new manor house burned down after 1945.
Abb. 6 Die ehemalige Gutsscheune, später Rinderstall (2007)
Former estate barn, later cow shed (2007)
Abb. 7 Innenansicht des ehemaligen
Rinderstalles (2007)
Interior of former cow shed (2007)
Parkplan von 1997 m it den Standorten der
heutigen Gebäude
Garden layout of 1997 with position of
today's buildings
Er wurde um 1850 von dem Gutsbesit­
zer O l d e n b u r g angelegt. T. v o n B ö h l
ließ den Park Ende des 19. Jh. umge­
stalten. Er übernahm dabei eine Reihe
von Gehölzen aus der Entstehungszeit
und formte die Quellaustritte aus dem
Kliff zu kleinen Teichanlagen um. Im
Park stehen heute schöne Exemplare
von Stieleichen, Spitzahorn, Rotbu­
chen, Robinien und Rosskastanien.
Dendrologische Besonderheiten sind
die Gelbkiefer, der Tulpenbaum und
die Kaukasische Flügelnuss. Durch
eingeschränkte Pflege in den letzten
Jahrzehnten hat der Park einen wildro­
mantischen Gesamteindruck bekom­
men. Gezielte Pflege soll zukünftig den
Zeit unmittelbar vor der Vertreibung
von W a l l e n s t e i n 's Soldaten durch
die Schweden im Dreißigjährigen Krieg.
Dieser Schatz ist heute im Museum des
Güstrower Schlosses zu besichtigen.
Abb. 5 Kaukasische F/üge/nuss (2002)
Caucasian wingnut
Gebäude im Dorf
Trotz des Abrisses einiger Gebäude
des Gutshofes ist die Zweigliedrigkeit
des Dorfes auch heute noch gut zu er­
kennen. Die Katen der Land- und Wald­
arbeiter liegen, in einiger Entfernung
zum ehemaligen Gutshof, an der Stra­
ße zur B 103. Es sind vier zweihischige
Fachwerkhäuser mit Ziegelsteinaus­
fachung, die heute alle bewohnt sind.
Besonderheiten
Bemerkenswert ist ein 1963 im ehema­
ligen Glaver Pfarracker gemachter Fund
von Talern und Golddukaten aus der
Glave is a medieval village o f Slavic
origin situated at the very Southern
tip of Lake Krakow. Its owners
changed over the course o f the
centuries. The manor house was reerected on top of a basement vault
predating the Thirty Years War. The
destroyed house was reconstructed in
half-timbered form around 1700 and
restored in classicist style in 1830.
This style has been preserved in
today’s building. Only two buildings
have remained from the former manor.
The rather untended park, created
around 1850, is meant to be revived.
69
6.11 Grabowhöfe
Landkreis Müritz
Amt Seenlandschaft Waren
H.-J. Hagemann
Abb. 1
Bück in den
Gutspark
Grabowhöfe
(2005)
View into garden
of Grabowhöfe
(2005)
Das Dorf und das Gut
Das heutige Grabowhöfe führte bis in
die Mitte des IX. Jh. den Namen
Grabow. Das ist slawisch und kann als
Ort in den Buchen oder Buchenort ge­
deutet werden. 13 3 8 wurde Grabow ur­
kundlieh das erste Mal erwähnt. Das
Dorf war in seiner ganzen Entwicklung
eng mit dem Kirchenort Sommerstorf
verbunden. 1 3 4 4 verlieh F ü r s t J o h a n n
111. Grabow an A n d r e a s F l o t o w . Spä­
ter gelangte das Dorf an die Familie
v o n W a n g e l i n , die auf Vielist saßen.
Sie hatten bis in die zweite I lälfte des
17. Jh. Eigentum im Dorf. Grabow ging
über die Jahrhunderte hinweg den
Weg vom Bauerndorf zum Gutsdorf,
während Sommerstorf immer ein Bau­
erndorfblieb. Naeh den v o n W a n g e l in
waren es die v o n E r l e n k a m p und die
v o n K o p p e l o w , die jeweils einen eige­
nen Hof in Grabow hatten und die
Kirchpatrone von Sommerstorf waren.
Deshalb begann man ab 1750 den Ort
Grabowhöfe zu nennen.
Weitere Eigentümer waren:
1762
von M eyenn
1784
S c h m id t
1790 -1905
Familie v o n H a h n
1905 -1935
F ü r st z u S c h a u m b u r g L ip p e
Bei der Volkszählung von 1819 hatte
70
Grabowhöfe 273 Einwohner. R a a b e
( 1857) schrieb, dass das D orf einen
stattlichen Hof, eine Schmiede und
Ziegelei sowie 230 Einwohner hat. Es
steuerte zu dieser Zeit mit 5232 Schef­
feln (ca. 1.314 ha) (Mecklenb. Slaatskalender 1853).
1935/36 übernahm die Reichssiedlungsgcsellschaft Berlin das Gut und
siedelte es auf. Es entstanden 31
Neusiedlerhöfe (etwa 13 in der Gemar­
kung Louisenfeld) und ein Resthof,
der die bisherige Gutsanlage mit dem
Gutshaus nutzte. Der Eigentümer wur­
de O t t o M ü l l e r . Die Neusiedler ka­
men aus Ostfriesland, vom Darß, aus
der Lüneburger Heide und aus Meck­
lenburg. Einige Siedler kamen aus Ge­
bieten, in denen Truppenübungsplät­
ze errichtet wurden und aus denen sie
deshalb weichen mussten. 1938 hatte
Abb. 2
Das ehemalige
Gutstor (2003)
The former estate
gate (2003)
Grabowhöfe 416 Einwohner und eine
Fläche von 1.829 ha (Meekl. Schw.
Staatskalender 1938). Während des
Krieges arbeiteten Kriegsgefangene
auf den Höfen. Nach 1945 wurde der
Restgutsbesitzer enteignet und die
Flächen an Neubauern verteilt.
Ab 1955 wurde in Grabowhöfe ein Teil
der Flächen genossenschaftlich be­
wirtschaftet, 1960 entstand eine weite­
re LPG. Sie schlossen sich 1972 zusam­
men. Dann setzte die Bildung großer
Betriebe ein und es entstanden eine
LPG Tier- und eine LPG Pflanzenpro­
duktion, die sich naeh 1990 auflösten.
Heute werden die Flächen auf Pacht­
basis bewirtschaftet, doch es gibt
auch kleine Betriebe im Nebenerwerb.
Gutsanlage und
Wirtschaftsgebäude
Die Gutsanlage ist wohl Ende des 18.
Jh. entstanden. Zur Zeit der Auf­
siedlung 1935/36 bestanden neben
dem Gutshaus die gegenüber liegen­
den Stall-Speichergebäude, die
Schweineställe und die Hochfahrtscheune. Sie bildeten einen an der
Vorderseite durch eine Mauer einge­
grenzten Bereich. Der hintere Teil wur­
de durch einen eingezäunten Park und
gepflegte Teichanlagen abgeschlos­
sen. Durch Tore hindurch konnte man
den Gutskomplex erreichen.
Die Gutsanlage samt der von zwei
Ställen mit Mansarddächern flankier­
ten Zufahrt ist bis heute erhalten ge­
blieben. Der linke Stall ist in einem de­
solaten Zustand, der rechte wurde zu
einem Wohnhaus ausgebaut
(Muß n e r 2004). Die südliche Hofflä­
che ist mit Hausgärten, Schuppen u. a.
besiedelt. Von Mauern und Toren gibt
es nur noch zwei Pfeiler.
Abb. 3 Der ehemalige Speicher, der zu Wohnungen ausgebaut
wurde (2007)
The former storage house, converted for residential use
Gutshaus und Park
Die v . H a h n bauten Ende des 18. Jh.
ein neues G utshaus, das auch „Wei­
ßes Haus“ genannt wird. Es war ur­
sprünglich ein Fachwerkbau, der Ende
des 19. Jh. Putzerhielt, wohl zusam­
men mit dem rückwärtigen Anbau. Das
Fachwerk an der Vorderfront und an
Abb. 6 Ein Stallgebäude wurde nach 1945 zu Wohnzwecken um­
gebaut (2007)
After 1945 a stable was converted for residential use
nommen. Vom alten Baumbestand des
Parkes haben nur wenige Exemplare
von Stieleichen und Eschen die Zeit
überdauert. Der Park hat heute einen
waldähnli chen C harakter.
anlagen zur Materialgewinnung abge­
rissen und dafür sechs Neu­
bauernhöfe gebaut. Vier alte Guts­
katen wurden zu Neubauerngehöften
ausgebaut und weitere durch den Um­
bau von ehemaligen Stallanlagen ge­
schaffen.
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Im 19. Jh. bestand eine Ziegelei, die
für das Gut arbeitete. Auch eine
Schmiede existierte, die als Gebäude
neben dem Gutshaus noch zu finden
ist. M e B n e r ( 2 0 0 4 ) führt eine Dampf­
molkerei an. Einen Bahnanschluss er­
hielt der Ort mit der Eröffnung der
Bahnstrecke 1889. Später bekam das
Gut noch eine Verladerampe.
Abb. 4 Das Gutshaus wird auch „ Weißes Haus" genannt (2007)
The manor is also called the „White House“ (2007)
der linken Seite ist augenscheinlich
eine aus jüngerer Vergangenheit V o r­
gesetzte Front ( d e V e h r 2006).
Nach dem Krieg kamen Flüchtlinge in
dem Gutshaus unter. Später fanden
hier das Gemeindebüro, die Büros der
LPG, zeitweilig eine Berufsschule, die
Konsumverkaufstelle und die Kinder­
krippe ihre Heimstatt. Daneben waren
auch eine Arzt- und Zahnarztpraxis im
Anbau sowie die Gemeindebibliothek
und ein Friseur hier untergebracht.
Bislang wurde das Gebäude nicht sa­
niert und wird nur noch in geringem
Maße bewohnt. Es steht zum Verkauf.
Der P ark befindet sich hinter dem
Gutshaus. Er war eingezäunt und be­
saß gepflegte kaskadenartige, langge­
streckte Teichanlagen. Heute wird ein
großer Teil von dem Sportplatz einge-
Gebäude im Dorf
Zur Aufsiedlung nach 1935 baute man
acht bisherige Gutskaten zu Bauern­
häusern mit den entsprechenden Stall­
und Scheunenanlagen um. Die ande­
ren 23 Siedlungshöfe wurden völlig
neu, z. T. als Winkelbauten, in der um­
gebenden Landschaft errichtet. Nach
der Bodenreform wurden einige StallAbb.5 Die ehemalige Gutsschmiede (2007)
The former estate smithy (2007)
Grabow'höfe (Grabow courts), first
documented in 1338, until the 18lh
Century was just named Grabow. The
village wras closely linked with the
nearparish of Sommerstorf. During a
long phase Grabow' comprised two
separately owned estates which
explains its earlier name. The estate
and the manor house, remains of
w hich still exist, w'ere probably built in
the early 18"’ Century. The estate
comprised more than 1,300 hectares.
In 1935/35 part o f these were
partitioned into 30 new settlements. In
1945 the core estate was expropriated
and some new settlers were attracted.
From 1955 on, an agricultural cooperative developed in Grabow.
Today the lands are cultivated
privately or on lease.
71
6.12 Grambow
ehemalige Landarbeiter und Umsiedler
verteilt. In den Folgejahren kam es
zum Zusammenschluss der kleinen
bäuerlichen Betriebe zur LPG. In
Grambow hatte sie den Namen „Wald­
frieden“, in der 16 Mitglieder als Typ I
139 ha bewirtschafteten. Seit 1954 wa­
ren sie dann mit anderen Bauern in der
LPG Diestelow vereinigt. 1973 kamen
mit der Bildung der KAP zu Diestelow
noch Goldberg, Langenhagen und
Wendisch Waren hinzu. Am 1. Juli
1991 erfolgte die Umbildung der LPG
zur „Agrar GmbH Diestelow“ als
Rechtsnachfolger.
Landkreis Parchim
Amt Goldberg-Mildenitz
G. Bergter
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Abb. 7 Der Gutshof Grambow in den Jahren 1880/90
Estate Grambow in the years 1880/90
Das Dorf und das Gut
Etwas abseits der L 17 zwischen Gold­
berg und Ltibz, an der Straße nach
Sehlsdorf, liegt das ehemalige Guts­
dorf Grambow. 2004 hatte es 147 Einwohner und gehört zur Gemeinde
Diestelow^. Der Name ist slawischen
Ursprungs (sl. grab = stark, dick) und
könnte mit „Ort des Grabov“, des Star­
ken, gedeutet werden ( K i n t z e l 1987).
Ebenso wrie Briiz, Diestelow und
Sehlsdorf gehörte es zu den Länderei­
en des Lokators d e B r u s e u i s z e
Abb. 2
Wappen derer von Brandenstein und von
Passow
Coat of arms of the von Brandensteins and
the von Passows
(Brüsewitz). Mit der Gründung der
Brüzer Kirche und deren Weihe 1 2 9 5
wurde Grambow erstmals erwähnt
(MUBIII Nr. 2 3 5 0 ) .
Die ersten Besitzer von Grambow wa­
ren bis zum Weggang 1 3 7 9 der
Lokator und seine Familie. Danach
übernahmen die stammverwandten
Nachbarn v o n W e l t z ie n aus Welzin
das Erbe. Während des Dreißigjähri­
gen Krieges wurde Grambow wohl we­
gen der versteckten Lage nicht so
stark zerstört w'ie umliegende Ort­
schaften.
Besitzer des Dorfes bzw. Gutes waren
danach:
1700
1733
E l a r v . W e l t z ie n
Klosterhauptmann
r ic h
J o b s t H e in ­
v . B ülow
bzw. v .
(bis 1 9 4 5 )
1 9 4 5 wurde das Gut enteignet. Durch
die Bodenreform entstanden 6 3
Neubauernstellen, von denen 5 5 be­
setzt blieben. In dieser Zeit baute man
2 4 Neubauemhäuser mit Stall und 14
Scheunen. Die 6 5 0 ha Land wurden an
1738
Familie v .
P assow
B r a n d e n s t e in
72
Von der ehemaligen Gutsanlage sind
heute nur noch das Gutshaus und der
Speicher mit der Inschrift M. v. P. 1866
-1 9 1 4 ( M a r g a r e t e v . P a s s o w ) in der
ursprünglichen Form erhalten. Selbst
das angrenzende Wirtschaftsgebäude,
in dem bis 1945 der Inspektor wohnte
und wo danach Verkaufsstelle und
Gaststätte eingerichtet waren, wurde
als Wohnhaus ausgebaut. Das trifft
auch für den Pferdestall, die ehemalige
Garage und den Kuhstall zu.
Gutshaus und Park
Um das Jahr 1700 errichtete E l a r v o n
W e l t z ie n das Grambower G u t s h a u s .
Unterlagen darüber existieren nicht.
Das anfangs gänzlich in traditionellem
Fachwerk erbaute Haus mit seinem
hohen Krüppelwalmdach entstand
eindeutig im Barock. Die großen Kel­
lerräume mit dem flachen Tonnengew'ölbe lassen den Schluss zu, dass
dieses Haus auf einem Vorgänger er­
baut wurde. 1866 wurde mit der Erwei­
terung des Gutes zur Hofseite ein drei­
achsiger und zweigeschossiger
Mittelrisalit mit gestaffeltem Giebel
aus Backstein eingefugt und die Hof­
front verputzt. Die Fenster des Risalits
sind im Gegensatz zum Fachwerkhaus
stichbogig geschlossen ( d e V e e r
2006).
Das Gutshaus hat nach 1945 die un­
terschiedlichsten Nutzungen erfahren.
Die Kinder von Grambow haben mit
denen von Brüz und Diestelow die
Qrambow bei ßoldberg i. M.
Abb. 3 Familie v. Brandenstein vor dem Gutshaus (um 1970)
Von Brandenstein family in front of the manor house (1910)
Brüzer Schule bis 1945 besucht. Dann
wurde im Grambower Gutshaus zu­
nächst ein Raum zum Unterrichten ge­
nutzt, ab 1950 das ganze Gebäude zur
Schule umgebaut, so dass hier mit
mehreren Lehrern bis zur 8.Klasse un­
terrichtet werden konnte. Der
Schulbelrieb im Gutshaus lief bis 1975.
1965 wurde in einer ehemaligen
Grambower Gutskate ein Kindergarten
unter bescheidenen Bedingungen ein-
Abb. 5 Das Gutshaus im Jahr 2004
The manor house in 2004
gerichtet. Doch bald wurden die Vor­
schulkinder im Diestelower Gutshaus,
dann ab 1974 im Grambower Gutshaus
betreut.
F r a n k v o n D a l l w i t z , ein Nachfahre
der Familie v o n P a s s o w , hat 1996 das
Gutshaus gekauft, das gesamte Ge­
bäude renoviert und zu Wohnungen
umgebaut. Den Vorhof hat er durch
eine Feldsteinmauer abgegrenzt.
Gut erhalten sind Teile des Grambower
Parks, der um 1866 als Gutspark an­
gelegt worden ist ( d e V e e r 2006).
Abb. 4 Das Gutshaus a/s Schule (1958)
The manor house serving as school (1958)
Gleich am Eingang steht eine alte
knorrige Eiche wie ein Wächter. Sie
hat einen Stammumfang von fast
sechs Metern. Ihr Alter kann auf min­
destens 500 Jahre geschätzt werden.
Von den Grambowern wird sie
„Smädeik“ genannt, weil früher in der
Nähe die alte Schmiede stand. Ein klei­
ner Teich ist von mehreren Weiden
umstanden. An anderer Stelle erheben
sich mächtige Blutbuchen. Mit ihren
Gebäude im Dorf
Das Dorf erstreckt sich weiträumig
um den Park, wobei die unbefestigte
Dorfstraßc mit den ehemals zehn
Landarbeiterwohnungen den älteren
Teil bildet. Ein Haus wurde massiv aus
Ziegeln, die anderen alle als Fachwerk
gebaut. Nach der Bodenreform sind
zahlreiche Einzelgrundstücke mit Neu­
bauernhäusern bebaut worden, die
heute wesentlich das Dorfbild prägen.
Abb. 6 Ehemalige Landarbeiterkaten im Dorf (2004)
Former farm labourer’s cottage in the village (2004)
weit ausladenden Kronen spenden sie
im Sommer, w'enn hier in jedem Jahr
das Parkfest stattfindet, angenehmen
Schatten.
Ein besonderer Baum im Park ist die
Gleditschie (Gleditsia thriacanthos),
ein aus Amerika stammender Baum mit
gefiederten Blättern und scharfen, oft
mehrspitzigen Dornen an den bis 45
cm langen sichelförmigen Frucht­
hülsen. Die Baumhöhe betrug 27 m,
bevor die Spitze abbrach.
Grambow is an old village. The estate,
comprising some 650 hectares, since
the first half o f the 18th Century was
owned by the von Passow. Parts of
the former estate still exist. Most
estate buildings were converted for
residential use, including the baroque
period manor house. After the land
reform 24 new farm houses were built
which are still coining the image o f the
village. The former estate park is
particularly well preserved and boasts
some rather old trees.
73
6.13 Groß Bäbelin
Landkreis Güstrow
Amt Krakow am See
F. Lorenz
Das Dorf und das Gut
Bäbelin wurde bereits mit der Pfarre
Kieth erwähnt, die um 1226 als
Linstow/Kieth gegründet wurde. Die
Herkunft des Ortsnamens ist unbe­
kannt. Über die Entwicklung des Gu­
tes liegen nur wenige Informationen
vor. Anfangs gehörte es den
M a l i / a n 's auf Grubenhagen und wur­
de 1737 an C . A. v o n B a r o l d t s ver­
kauft. Eine Schäferei, Bauemhufen
und eine Meierei erschienen in den
darauf folgenden Jahren mit Klocksin
und Linstow. Der Meierhof Bäbelin
gehörte zeitweilig als selbstständiges
Lehngut zum Amt Stavenhagen. Nach
dem Tod von C . A. v o n B a r o l d t s
schloss der Erbsehaftsprozess zwi­
schen L k ph l und F i n e c k e um die Mit­
te des 18. Jh. Groß Bäbelin mit ein.
Das Gut ging letztlich an H a n s A d o l f
v o n L e p e l , der außerdem Radegast
und Dobbin besaß (vgl. Dobbin und
L o r e n z 2004). Für das Gut gab es ei­
nen häufigen Besitzwechsel.
1903 hatte das Gut eine Größe von 805
ha (Meekl. Staatskalender), davon wa­
ren 445 ha Holzungen, die durch Auf­
forstung a u f482 ha erweitert wurden.
Initiiert durch den 1817 gegründeten
Patriotischen Verein ( H e in r ic h v o n
T i iü n e n , C a r l P o g g e , J o h a n n P o g g e
u. a.) sind um 1840 mehrere Modelle
der Nutzung und Düngung des Bo­
dens erprobt und der Getreideanbau
mit direkter Abfuhr nach Rostock aus­
geweitet worden. Auf dem kargen Bo­
den, der an Fruchtbarkeit verloren hat­
te, wurde später Schafschwingel an­
gebaut. Das Saatgut erzielte auf dem
Weltmarkt einen guten Preis, denn die
Weideflächen in Australien und Neu­
seeland konnten nur durch Neusaat
erhalten werden, weil diese Grasart
dort nicht ausreifte. Ertragreich gestal­
tete sieh um 1850 die Schafzucht,
meist von holländischen Pächtern be­
trieben. Güstrow hatte sich zu einem
Zentrum des Handels mit Wolle ent-
74
Abb. 7
Die Gutsanlage
am See 1880/90
The estate along
the lake 1880/90
wickelt und 1865 eine Halle mit Dop­
pelfunktion errichtet. Sie diente zur
Lagerung der Wolle und zu Wollauktionen. Im Winter fanden dort Konzerte
und Theateraufführungen stall.
1945 wurde Bäbelin durch die Boden­
reform aufgesiedelt, ln kurzer Zeit ga­
ben die Siedler wegen des kargen Bo­
dens auf und verließen den Ort. 1950
wurde die Feldbestellung durch einen
Örtlichen Landwirtschaftsbetrieb
(ÖLB) abgesichert. Ende der 1950er
Jahre wurde aus dem ÖLB und der
LPG Zietlitz das Volkseigene Gut
(VEG) Saatzucht Groß Bäbelin. Mil der
Gründung des VEG und dem Über­
gang zur Schweinezucht (Sattel­
schweine) und Geflügelwirtschaft
wuchs die Gemeinde, zahlreiche
Wohnhäuser wurden errichtet. Die
Lehrlinge des VEG bekamen Wohnraum im Gutshaus Zietlitz. In Zusam­
menarbeit mit dem VEB Saatzucht
Öuedlinburg wurden Saatkartoffeln,
Seradeila und Roggen vermehrt.
Nach 1990 entstand ein Großbetrieb
für Schweinezucht. Die Waldungen
sind aufgeteilt und verkauft worden.
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Über die ehemalige Gutsanlage liegen
keine Informationen vor. Es existiert
kein Gebäude aus dieser Zeit mehr.
Abb. 3 Gutshof (BV 1805)
Fire insurance map of estate from 1805
Zietlitz
Waren
Gutshaus und Park
Das Gutshaus war nach 1850 letztlich
nur Wohnhaus für den Inspektor. Die
Gutsherren wohnten im Schloss
Kuchelmiß. Prinzessin M a r ia R e u B
wohnte im Parkhaus nahe dem See.
Das Gutshaus steht leer und verfallt.
Abb. 2 Das Gutshaus (2005)
The manor house (2005)
Der ehemals fast quadratische P ark
befand sieh östlich vom Gutshaus
und erstreckte sich bis zum See. Der
alte Baumbestand und Reste des
Wegesystems sind noch zu erkennen,
jedoch sind die Flächen inzwischen
stark verwildert.
Gebäude im Dorf
Die Gutskaten und die Schnitterkaseme
wurden abgetragen. Von den Neu­
bauernhäusern ist eines erhalten.
The estate of Gross Bäbelin has an
eventful history with many changes in
ownership. Because of its rather
meager soil the agricultural yields
were poor and much of the estate was
therefore afforested. Sheep‘s fescue
(festuca ovina) was also grown on the
sandy grounds. After the land reform
a state run pig farm and plant
breeding activity („VEG“) developed.
Today, a pig farm is still in Operation.
Nothing remains from the former
estate buildings.
6.14 Groß und Klein Rehberg
Landkreis Müritz
Amt Seenlandschaft Waren
G. Masurowski, D. Mombour
unter Verwendung von Materialien von R. Krüger
Abb. 1
Feldsteinmauer in
Groß Rehberg,
einst Seiten wand
eines Stalles
(2007)
Stone wall in Groß
Rehberg, formerly
a side wall to a
stable
Die Dörfer und die Güter
Im ersten Viertel des 15. Jh. gehörten
Groß und Klein Rehberg zusammen
mit Neuhof der Familie v o n L i n s t o w .
1426 verkaufte C l a u s v o n L in s t o w
Groß und Klein Rehberg mit allem Zu­
behör und den Gerechtigkeiten an das
Kloster Malchow, ln dessen Besitz
blieben diese Orte bis ins 20. Jh. Lei­
der sind die Akten des Klosters
Malchow im LHA Schwerin noch
nicht zugänglich, so dass wesentliche
Informationen zu den Klosterorten
fehlen.
Im Dreißigjährigen Krieg wurden bei­
de Orte stark verwüstet. Groß Rehberg
hatte 1618 vier Bauern und drei
Kossäten, 1648 nur noch einen Hand­
werker, 1703 waren es wieder 18 Ein­
wohner. Klein Rehberg hatte 1618 vier
Bauern, 1648 nur noch vier Personen,
1703 waren es 31 Personen. Bekannt
ist noch, dass es zu Groß Rehberg
von 1770 - 1774 eine Glashütte gab.
A uf der DVK von 1783 finden wir in
Groß und auch in Klein Rehberg je ­
weils einen recht großen Hof. 1837
hatte Groß Rehberg einen H of mit 43
Einwohnern, Klein Rehberg war Meie­
rei mit Wassermühle, Tagelöhnerkaten
und Schule und hatte 102 Einwohner
(nach H e m p e l 1837).
Pächter waren:
1864
F r ie d r ic h K r ö t e
1883
R. F r it z
1899
F. M k in iia u s e n
1924
F r i e d r i c h V a t i ij e ,
danach P e t e r s e n
Nach 1924 wurde der Grundbesitz des
Klosters enteignet und Groß und
Klein Rchberg wurden zu Domänen
des Freistaates Mecklenburg-Schwe­
rin. Groß Rehberg hatte eine Fläche
von 464 ha, davon 350 ha Ackerland
und 60 ha Wiesen. Das Gut besaß 42
Pferde, 100 Rinder, 480 Schafe und 100
Schweine.
1948 sollten im Rahmen des „Neu­
bauernprogramms“ in Groß Rehberg
26 Häuser für Neubauern errichtet
werden. Davon wurden jedoch nur
neun erbaut, von denen heute noch
sechs in stark veränderter Form vor­
handen sind. 1953 wurde aus aufgege­
benen Flächen in Groß Rehberg,
Vollrathsruhe und Kirchgrubenhagen
ein Örtlicher Landwirtschaftlicher Be­
trieb (ÖLB) mit 359,83 ha Nutzfläche
gebildet, ln den 1950er Jahren bildete
sich in Groß Rehberg eine LPG, die
sich später mit Genossenschaften der
Nachbarorte zur LPG Völlrathsruhe
zusammenschloss.
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Der Gutshof von Groß Rehberg lag
östlich unmittelbar neben dem Weg,
der von Kirchgrubenhagen über Groß
Rehberg nach Klocksin führte. Die
kommunale Straße, die seit der Boden­
reform das ehemalige Gut durch­
schneidet, führte zur Gutszeit östlich
um das Gut herum. Die Wirtschaftsge­
bäude bildeten einen rechteckigen
I Iof (vgl. Abb.3). Es sind noch zwei
große Ställe vorhanden, davon ein
sehr schönes Feldsteingebäude, wo­
bei der Stall an der Durchgangsstraße
sehr starke Schäden am Dach aufweist
und abgerissen werden soll. Gegen­
über diesem Stall befindet noch ein
Teil einer Seitenmauer eines weiteren
Stalles, von dem ein kleiner Teil zu ei­
nem Wohnhaus verändert wurde. Ein
Teil der weiterführenden FeldsteinLängsmauer des ehemaligen Stalles ist
erhalten geblieben. Beides befindet
sich heute südlich der Straße. In Klein
Rehberg existierte im 18. Jh. ein recht
großer Gutshof, von dem 1802 nur
Abb. 2
Feldsteinstall m it
Scheune in Groß
Rehberg (2007)
Stone stable with
barn in Groß
Rehberg (2007)
75
I
Abb. 3 Gutshof Groß Rehberg (BV 1802)
Fire insurance map of estate Groß Rehberg from 1802
noch zwei Gebäude vorhanden waren.
Heute gibt es keine Reste mehr, die
auf eine Gutsanlage hinweisen.
Gutshaus
Das Gutshaus bzw. Pächterhaus in
Groß Rehberg stand an der Ostseite
des Gutshofes, am ehemaligen Weg
nach Klein Rehberg in Nord-Süd Rich­
tung. Das Baujahr ist nicht bekannt.
Es war ein eingeschossiges
verputztes Gebäude von sieben Ach­
sen mit Walmdach und zwei
Fledermausgauben. Der Dachraum
war ausgebaut. Vor dem Gutshaus
stand eine mächtige Linde und hinter
dem Gutshaus befand sich ein Obst­
garten. Nach 1945 war das Gutshaus
Wohnung für viele Flüchtlinge. Die­
ses Haus stand als Ruine noch bis
1976 und wurde dann endgültig besei­
tigt. Fotos liegen leider keine vor.
Wohn­
gebäude
Gutshaus
St
Stall
Gebäude im Dorf
Katen
S
Scheune
ln Groß Rehberg gibt es noch zwei
ehemalige Katen. Die sechs Neubauernhäuscr wurden stark verändert.
In Klein Rehberg stehen heute nur
noch drei Wohnhäuser nebst Stallun­
gen, die weitestgehend für Erholungs­
zwecke genutzt werden, zwei weitere
Gebäude befinden sich als Abbauten
weiter entfernt vom Ort.
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
ln Klein Rehberg gab es eine W asser­
m ühle, eine Schmiede und eine Schu­
le. Die Wassermühle wurde schon bei
den Ersterwähnungen des Ortes ge-
Abb.5 Ehemaliger Gutskaten in Groß Rehberg (2007)
Former estate cottage in Groß Rehberg (2007)
76
Abb. 4 Dorfplan von Klein Rehberg (BV 1802)
Fire insurance layout of village Klein Rehberg from 1802
Wirtschafts­
1
\___ 1I gebäude
nannt. A uf der DVK von 1783 ist sie
an einem in den Malchiner See flie­
ßenden „Peenebach“ mit mehreren Ge­
bäuden zu finden. Die Mühle wurde
auch noch nach 1945 zur Stromerzeu­
gung genutzt, nachdem man sie umge­
baut hatte. Außerdem besaß Klein
Rehberg einen Anschluss zur Strecke
der „R übenbahn“, die z. T. über einen
sehr hohen Bahndamm vom ehemali­
gen Kleinbahnhof Vollrathsruhe zur da­
maligen Zuckerfabrik Dahmen führte.
Gross Rehberg and Klein Rehberg
from 1426 were fiefdoms of cloister
Malchow. We know little about both
locations since the documents in the
archives are not accessible yet. Badly
damaged during the Thirty Years War,
an estate and a dairy farm,
respectively, developed there during
the 18"’ Century. The estate which
turned into a state property in 1924
comprised 464 hectares. O f the estate
buildings two stables remain while the
manor house was torn down in 1976.
Former cottages and the houses o f
new settlers are reminders o f the
previous estates.
6.15 Hagenow
I Wohngebäude
Landkreis Müritz
Amt Seenlandschaft Waren
G. Masurowski, D. Mombour
Das Dorf und das Gut
Hagenow lag in einer sanften Hügel­
landschaft zwischen der Klocksiner
Seenkette und dem Mühlensee bei
Jabel, wenige Kilometer westlich von
Neu Gaarz. Seit den 1980er Jahren gibt
es den Ort nicht mehr, er wurde zu ei­
ner neuzeitlichen Dorfwüstung.
1289 wurde Hagenow erstmalig als
Bauerndorf erwähnt. Es muss im Be­
sitz derer v o n H a h n gewesen sein, die
schon 1346 ihre Hufen in Hagenow an
das Kloster in Malchow verpfändeten.
1410 besaß das Kloster Malchow das
gesamte Bauerndorf. Um diese Zeit
hat cs in Hagenow sogar eine Kirche
gegeben. 1449 und 1453 wurde er­
wähnt, dass das Kloster Malchow das
Patronat der Hagenower Kirche hatte.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde der
Ort stark verwaistet, von den sechs
Bauernstellen waren drei wüst. Sicher­
lich wurde in dieser Zeit auch die Kir­
che zerstört und nicht w'ieder aufge­
baut. Für 1668 findet sich die erste
Eintragung einer Hochzeit aus
Hagenow im Kopulationsregister des
Kirchspiels Jabel. Da das Kloster
Malchow nach dem Krieg nicht alle
wüsten Stellen wieder besetzen konn­
te, verpachtete es einige Hufen an die
Jungfer v o n H a n e und den Junker
H a r d e n a c k v o n B ibovv , die diese aber
bald wieder Zurückgaben.
Das Beichtkinderverzeichnis von 1704
w'ies Hagenowr zum Kloster Malchowgehörig aus und erwähnte sechs Bau­
ern. 1819 hatte das D orf 99 Einw'ohner
und gehörte weiterhin zum Kloster­
amt. Um 1860 beklagte Pastor Reuter
aus Jabel die hohe Zahl der nach
Nordamerika auswandemden Gemein­
demitglieder. 1903 gab es in I lagenow
91 Einwohner. Das Gut hatte eine Grö­
ße von 544 ha (Staatskalender 1903).
1928 war Hagenow Domäne des Frei­
staates Mecklenburg-Schw'erin mit
370 ha Größe. An Tierbestand wmrden
48 Pferde, 130 Rinder, 15 Schafe und
A bb.!
D orfplan von
Hagenow (BV
1802)
Fire insurance
layout of village
Hagenow from
1802
G
Gutshaus
K
Katen
7 Wirtschafts­
gebäude
St
Stall
S
Scheune
50 Schweine aufgeführt.
Pächter des Klostergutes Hagenow'
waren:
1848 J o h a n n N ö l t in g
1860 H e r m a n n N ö l t in g
1895 H e r m a n n N ö l t in g
1903 R o s a N ö l t in g
1928 H . N ö l t in g
Auch Hagenow wurde im Zuge der
Bodenreform aufgesiedelt und das
Land an Neubauern vergeben. Die
Hagenower Bauern schlossen sich
dann der LPG Jabel an, die in
I lagenow' einen Rinderstall unterhielt.
Scheune und Speicher des ehemaligen
Gutes wurden noch genutzt.
ren Ende Ziegelschutt. Dazu kommen
wild wachsende Bäume und Sträucher,
viel Brennnesseln und Gestrüpp.
Leider liegen von Hagenow keine wei­
teren Informationen oder Bilder über
das Gut bzw?. das Dorf vor.
Gutsanlage und
Wirtschaftsgebäude
1802 zeigen die Brandversicherungs­
unterlagen von Hagenow' einen gro­
ßen Gutshof mit Torhaus.
Zum Gut gehörte ein Park, der noch in
einigen Strukturen erkennbar ist.
Abb. 2
Ruinen der Wirtschaftsgebäude (1980)
Ruins of estate buildings (1980)
Abb. 3
Ruine eines Gutskatens (1980)
Remains of estate cottage (1980)
Nach und nach aber zogen Familien
aus Hagenow' w'eg und gaben Haus
und H of auf. Als dann auch die Tiere
nicht mehr im Dorf gehalten wurden,
verließen die letzten Bew'ohner den
Ort, der bald verfiel. Die letzten Häu­
ser und Ställe, darunter auch das
Gutshaus, wurden in den 1980er Jah­
ren gesprengt und dem Erdboden
gleich gemacht. Seit dieser Zeit liegt
Hagenow wüst. Wer heute die Dorf­
stelle aufsucht, findet nur noch ein
Stück der alten Dorfstraße und an de-
Hagenow was a village from the 13th
Century. It soon becume property of
cloister Malchow'. After the Thirty
Years War it was difficult to man the
arable fields which lay w-aste. Besides,
an estate developed as described in
documents from 1802. After 1945 its
grounds w'ere partitioned to new
settlers which later joined the
agricultural co-operative (“LPG”) of
Jabel. By and by, people left Hagenow'
which w'as soon completely deserted
and razed to the ground by the 1980s.
77
6.16 Hahnenhorst
Landkreis Parchim
Amt Plau am See
G. Masurowski, D. Mombour
Das Dorf und das Gut
Das zur Gemeinde Karow gehörende
Hahnenhorst war bis 1812 Nebengut
von Damerow, heute Neu Damerow.
Es liegt im Wald ca. 3 km nordwestlich
von Karow auf einer horstartigen Er­
hebung.
Nach dem Untergang der Dörfer
Pajow und Werle im 15. Jh. war es
schwierig, die große HMiN’sche Feld­
mark von Damerow aus zu bewirt­
schaften. Offensichtlich wurde des­
halb der H of Horst zur Bewirtschaf­
tung Ende des 15. Jh. angelegt (vgl.
Neu Damerow). Zeitweilig war er auch
adliger Wohnsitz. Wie lange Hahnen­
horst nach dem Dreißigjährigen Krieg
menschenleer war, ist nicht bekannt.
1704 wurden im Beichtkinderverzeich­
nis wieder Bewohner auf Hahnenhorst,
das dann als Meierei eingerichtet war,
genannt. Von 1735 bis 1800 existierte
dort die „Hahnenhorster Glashütte“,
die H a n s R e im a r v o n W a l s l e b e n , Ei­
gentümer von Damerow, anlegen ließ.
Der Glashüttenmeister war gleichzeitig
Pächter der Meierei. Nach 1800 und
dem Ende der Glashütte war Hahnen­
horst Schäferei. 1812 wurde die Damerower Begüterung in drei Teile zer­
schlagen. Karow mit Hahnenhorst
wurde von L u d w i g C h r i s t i a n S i e g ­
f r ie d C l e v e gekauft. In dieser Familie
blieb das Gut mit dem zugehörigen
Hahnenhorst bis 1898. Dann erwarb
es der Großindustrielle J o h a n n e s
S c h l u t iu s (vgl. Karow). 1840 wurde
die Schäferei des Gutes Karow nach
Hahnenhorst verlegt, die bis 1900 exi­
stierte. Ab 1835 wurde Hahnenhorst
an den Hüttenmeister B r a u e r ver­
pachtet, der eine zweite Glashütte auf
dem Hüttenberg nördlich des Hofes
bis 1849 betrieb und auf Hahnenhorst
wohnte. Eine dritte Glashütte bestand
von 1853 bis 1862.1882 wurde
Hahnenhorst Försterei. Von 1854 bis
1904 bestand hier sogar eine Schule
mit bis zu 51 Schülern.
78
Nach 1945 wohnten Flüchtlinge in
Hahnenhorst. 1967/1968 wurde hier
ein Kinderferienlager des Instituts für
Pflanzenzüchtung Groß Lüsewitz ein­
gerichtet, welches in den Sommerferien
für Kinder und in der Vor- und Nach­
saison von den Institutsbeschäftigten
zur Erholung genutzt wurde. Diese
Einrichtung bestand bis 1989. Seil
1994 ist das Grundstück Hahnenhorst
Privatbesitz.
Gutshaus
Das Wohnhaus ist ein einstöckiger
langer Klinkerbau auf Feldsteinfundament mit Krüppelwalmdach. Es
wird um 1789 erbaut worden sein. Die
Haustüre liegt in der Mitte der Vorder­
front. Das Haus besitzt keine weiteren
Schmuckelemente. Es ist nur zu einem
geringen Teil unterkellert. Der hinter
dem Wohnhaus gelegene Stall könnte
nach 1900 auf einem Teil der Funda­
mente der ehemaligen Scheune errich­
tet worden sein. Die nördlich und
westlich des Gutshauses gelegenen
eingezäunten Flächen wurden als Gar­
ten genutzt.
Gutsanlage und
Wirtschaftsgebäude
Der früheste Nachweis über die Be­
bauung von Hahnenhorst ist der
Grundriss zur Brandversicherung von
1789. Danach bestanden folgende Ge­
bäude: Wohn- und Viehhaus (1),
Scheune und Schafstall (2), Wagen­
remise (3), Wohnungen für je zwei De-
Abb.1
Der Meierhof Hahnenhorst (BV 1789)
Fire insurance map of dairy-farm
Hahnenhorst from 1789
putanten (4, 5) (vgl. Abb. 1).
A uf dem Grundriss von 1801 fehlten
bereits die Wagenremise und ein Haus.
Mit der Einrichtung der Schäferei 1840
kam ein Schafstall hinzu. Westlich des
jetzigen Hauses in Hahnenhorst stan­
den damals noch weitere Gebäude um
einen Brunnen herum sowie eine gro­
ße Scheune. Sie gehörten zur Schäfe­
rei und wurden zwischen 1902 und
1904 abgerissen. Sonst hat cs bis zur
heutigen Zeit hier keine weitere Be­
bauung mehr gegeben. Das heutige
Wohnhaus ist als einziges erhalten.
Abb. 3 Ehemaliges Gutshaus 2004
Former manor house 2004
Hahnenhorst was established at the
end of the 15"1Century as an
appurtenant structure o f the estate of
Damerow o f which two buildings
remain today. Throughout the
centuries it served as dairy farm,
sheep farm and forest farm. In its
neighbourhood three glassworks
developed. From 1812 it belonged to
the estate o f Karow and even had its
own school with 51 children in the
middle o f the 19"' Century. Having
served as a youth summer camp from
1967 for a Company in Karow it now is
a private residence.
6.17 Hinrichshof
das Haus verputzt und an der Rück­
seite ein Anbau errichtet. Das über 200
Jahre alte Gebäude ist in keinem guten
Zustand, soll aber erhalten werden.
Landkreis Güstrow
Amt Krakow am See
W. Mewes
Abb. 2 Zum Teil zu Wohnzwecken umgebautes Staiigebäude (2007)
Stable, partially converted for residential use (2007)
Abb. 1 Ehemaliges Gutshaus (2007)
Former manor house (2007)
Das Dorf und das Gut
Fährt man durch Bornkrug, das einmal
ein wichtiger Knotenpunkt für Postund Handelstraßen war, in Richtung
Südosten, so gelangt man zu dem klei­
nen D orf Hinrichshof, das heute nur
noch aus vier Gebäuden besteht. Der
einzige Weg führt uns direkt auf das
ehemalige Gutshaus zu, das um 1780
einmal als herzogliches Jagdhaus ge­
baut wurde, dann wohl aber auch
Pächterwohnhaus der Meierei war, die
Ende des 18. Jh. hier eingerichtet wurdc. Die Meierei und der spätere Pacht­
hof waren immer Bestandteil des Gu­
tes Linstow und wurden mit dem
Übergang dieses Gutes 1827 an die
Großherzogliche Kammer von dieser
verwaltet und verpachtet (vgl.
Linstow). 1835 lebten auf der Meierei
14 Einwohner. 1857 war Hinrichshof
ein Erbpachthof, der Pächter hieß
B e h m und es gab 12 Einwohner. 1882
war der H of an den Erbpächter
B u r m e i s t e r verpachtet, 1895 an Jo­
h a n n S t r u c k . Z u dieser Zeit hatte der
H of eine Größe von 189 ha und es leb­
ten 26 Einwohner hier. Der Meckl.
Staatskalender von 1903 gibt eine Grö­
ße von 213 ha an. Über die folgende
Zeit ist kaum etwas bekannt. Wegen
des sehr sandigen Bodens wurden
größere Flächen aufgeforstet. In den
1940er Jahren kaufte der Museumsdi­
rektor D r . M a n s f e l d aus Schwerin
das Anwesen und betrieb hier eine
Ponyzucht. Um 1960 erwarb es die Fa­
milie Z k is k e , die noch heute das ehe­
malige Gutshaus bewohnt. W o l f g a n g
Z e is k l (1975 gestorben) war ein be­
kannter Sach- und Kinderbuchautor.
Gutshof und
W irtschaftsgebäude
Die Brandversicherungsunterlagen
von 1799 zeigen eine Meierei, die aus
dem Wohnhaus, einer großen Scheu­
ne und einem Schafstall bestand. Die
Wirtschaftsgebäude existieren nicht
mehr. Ein 1882 errichteter Stall wurde
wahrscheinlich in den 1940er Jahren
durch D r . M a n s f e l d umgebaut. Heute
wird das Gebäude zu einem Teil zu
Wohnzwecken genutzt. Der andere
Teil ist noch Stall und wird von den
neuen Eigentümern wohl auch künftig
als solcher verwendet werden (vgl.
Abb.2).
Gutshaus
Das heute in stark veränderter Form
vorhandene Haus wurde um 1780 er­
baut. Es war ein zweigeschossiger
Klinkerbau mit Spitzdach, im
Obergeschoss mit Fachwerk. Das
Dach brannte um 1880 aus, wonach
das Gebäude das heute noch vorhan­
dene Flachdach erhielt. Später wurde
Abb. 3 Ehemaliger Gutskaten (2007)
Former estate cottage (2007)
Gebäude im Dorf
Am Eingang des Dorfes existierten
einmal zwei Fachwerkkaten, deren
Bauzeit unbekannt ist. Einer wurde
Anfang der 1970er Jahre abgerissen,
der andere ist in gutem Zustand und
wird bewohnt. Das Gebäude auf der
anderen Seite ist aus neuerer Zeit.
Hinrichshof towards the end o f the
18th Century evolved from a dairyfarm belonging to the estate complex
o f Linstow. It was only a small estate.
The mansion was built around 1780 to
serve as a hunting lodge for the Grand
Duke, lt was a two story structure
with a pitched roof. After buming out
in 1880, it received the still existent flat
roof. The cattle shed, partly used for
living purposes, as well, originated
around 1880. Two of the fonner estate
cottages have remained.
79
6.18 Hof Hagen
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Landkreis Parchim
Amt Goldberg-Mildenitz
F. Beckendorff
Die Abb.2 zeigt eine mittelgroße Guts­
anlage und dahinter die Katen der
Landarbeiter. Außer dem nach 1945 zu
Wohnungen umgebauten Guts­
pferdestall mit Schmiede und Stellma­
cherei aus dem Jahr 1904 (vgl. Abb.4)
sind keine Bauten der ehemaligen
Gutsanlage erhalten geblieben, ob­
wohl die sieben 1930 abgebrannten
Wirtschaftsgebäude wieder aufgebaul
worden waren. Sie wurden im Zuge
der Bodenreform und LPG-Bildung ab­
gerissen. So ist auch die ursprüngli­
che Gutsanlage kaum noch erkennbar.
Das Dorf und das Gut
12 19 bewidmete Fürst H e in r ic h
B o r w in das Kloster Sonnenkamp mit
Liegenschaften aus 17 Dörfern, unter
ihnen das Dorf „Techutin mit dem
Wald und dem See“. 100 Jahre später
war um den Sec ein Hagendorf mit 16
Hufen, der Techentiner Hagen (das
heutige Langenhagen) entstanden.
Eine der Hufen „ist zur Hälfte frei, wel­
che uns (dem Kloster, d. A.) mit Pferd
dient und unser Gefolge mit Knechten
und Pferden nach unserem Verlangen
verpflegt“ (MUß 4 0 4 0 ) . Diesen
Rossdienst übten nur Adlige aus. An­
gehörige der Familie v o n B ü l o w er­
hielten für ihre Dienste dem Kloster
gegenüber (Aufsicht über die Klosterbauem) diese Freihufe und daneben
Abgaben von den Bauern. Diese Ab­
gaben („Bülowsche Pacht“) entrichte­
ten die Bauern noch 1 6 5 7 , dann aller­
dings an das Amt Goldberg. Zu dieser
Zeit gab es keinen v o n B ü l o w in
Techentin und Hagen mehr. Der Hof
wurde wohl von verschiedenen Adli­
gen bewirtschaftet, doch ist bis zur
Mitte des 17. Jh. darüber nichts be­
kannt. 1 7 2 6 kaufte ein v o n T w k s t r k n g
den Hof für 2 . 1 0 0 Reichstaler, sein
Nachfolger wurde 17 5 1 D i e t r i c h v o n
S c h e e l . Ob er Lehnsmann oder Päch-
80
ter war, geht aus dem Beichtkinder­
verzeichnis nicht hervor. Um diese
Zeit errichtete man den Hof an der
heutigen Stelle, während er vorher als
normales Gehöft in der Bauernreihe
gelegen hatte. 17 9 0 wjar H of Hagen
Domäne und Oberforsterei. Nachein­
ander sind Oberförster H o e p p n e r s Er­
ben ( 1 7 9 0 ) , Oberförster D r e p p e r ( 18 0 2 ,
1 8 1 0 ) , Oberförster B a r t e l s ( 1 8 2 4 ,
1 8 3 2 ) verzeichnet. Dann war es nur
noch Domäne, gepachtet von
M üller
( 1 8 4 3 ) , H . P r e s t ie n ( 1 8 6 3 , 1 8 7 6 ) , H ö s e
und
war
1 8 9 3 bereits Inhaber des nunmehrigen
Erbpachthofes, 1 8 9 8 W it t aus Wismar.
1910 verkaufte er das Gut an einen
G r u b e , dessen Sohn bis 1 9 4 5 Eigentü­
mer war und enteignet wurde. Durch
Zukauf eines Bauerngutes hatten die
Grabes ihren Besitz auf 2 3 0 ha vergrö­
ßert. Sie bildeten eine Reihe von Guts­
besitzer- und Pächtersöhnen zu Land­
wirten aus. Vier Gespanne zu je vier
Pferden, ein Ochsengespann und ein
Traktor besorgten die Feldarbeit des
Gutes, ln den dreißiger Jahren des 2 0 .
Jh. erhielt H of Hagen Strom. D orf und
H of wurden noch bis nach dem Zwei­
ten Weltkrieg aus zwei Pumpen mit
Wasser versorgt.
H o ffm ann. C arl E ngelhardt
Gutshaus und Park
Das Gutshaus, ein achtachsiger ein­
stöckiger Ziegelbau vermutlich aus
der Mitte des 19. Jh., ist einigermaßen
erhalten. Zwar wrurde eine auf der Gar­
tenseite vorhandene Veranda abgeris­
sen, aber das Dach neu gedeckt und
der auf der Hofseite vor den Mittel­
risaliten gesetzte, mit Buntglasschei­
ben verzierte Türvorbau bewahrt. In
den letzten Jahrzehnten als Wohn­
haus, Konsum-Verkaufsstelle und
Versammlungsraum genutzt und eini­
ge Jahre unbewohnt, ist es 2 0 0 5 an
eine Malerin verkauft worden, die es
zu einem kulturellen Zentrum gestal­
ten will. Ein kleiner Park soll durch die
Dorfgemeinschaft w'iederbelebt wer­
den.
Gebäude im Dorf
Die 1936 registrierten 46 Einwohner
lebten im Gutshaus und in den am
Weg nach Langenhagen stehenden
Fachwerkkalen. Fast 70 Personen
wohnen zurzeit in den noch vorhande­
nen Katen und den 14 nach dem Zwei­
ten Weltkrieg errichteten Neu­
bauernhäusern.
Abb. 3 Das Gutshaus H of Hagen (2007)
The manor house Hof Hagen (2007)
Abb. 4 Ehemaliger Pferdestall, der zu Wohnzwecken umgebaut wurde (2003)
Former stables converted for residential use
Abb. 5
Ehemalige
Gutskaten (2003)
Former estate
cottage
Abb. 6
Giebelseite des 1904 errichteten
Pferdestalles (2003)
Gable view of stables constructed in 1904
H of Hagen as stronghold for a knight,
mandated by cloister Sonnenkamp,
developed as a spin-off from the
village of Langenhagen which had
been established in the 13"'Century.
Later on it became gentry and, at one
time, even ducal property. During the
19lh Century until 1945 the estate was
converted inlo hereditary leasehold.
The manor house, the now converted
former horse stable and the cottages
are last witnesses o f the old estate
regime, while 14 new farm houses
result from the land reform o f 1945.
81
6.19 Hohen Wangelin
Landkreis Müritz
Amt Seenlandschaft Waren
G. Masurowski, D. Mombour
Das Dorf und das Gut
Hohen Wangelin liegt am Nordrand
der Nossentiner Heide im Gebiet der
Nebelquellseen. Der Ort. mittelalterlich
nur Wangelin genannt, wurde 1319
erstmalig urkundlich erwähnt. Eine
slawische Siedlung im Gebiet des heu­
tigen Dorfes gab es schon vor dem 12.
Jh. Im 12. Jh. und 13. Jh. wurden hier
deutsche Bewohner angesiedelt. Der
Name des Lokators ist nicht überlie­
fert. Es ist aber möglich, dass ein
„Wangelin“ die deutsche Siedlung
gründete und der Ort seinen Namen
erhielt. In der ersten Zeit müssen die
deutschen Siedler und die slawischen
Bauern noch getrennt gewohnt ha­
ben, denn man unterschied zwischen
Wangelin Teutonica und Wangel in
Slavicalis.
Im 14. Jh. hatten verschiedene Besit­
zer Eigentum in Wangelin, auch das
Kloster Malchow. Bis 1714 gelang es
dem Kloster, das gesamte Dorf in sei­
nen Besitz zu bringen. In Wangelin
lebten Bauern, die an das Kloster ab­
gabepflichtig waren. 1572 wurde das
Kloster säkularisiert und in ein adliges
Damenstift überführt. Die Bauern blie­
ben Pachtbauern. Etwa zwischen 1635
und 1700 erfolgte eine „schleichende“
Umbenennung des Ortes in Hohen
Wangelin. Einen ersten Nachweis
über die Bevölkerungs- und Orts­
struktur von Hohen Wangel in gibt
das Beichtkinderverzeichnis von 1703.
Darin erfolgte eine namentliche Auf­
zählung aller 61 Einwohner. Bei den
Gebäuden wurde zwischen den Häu­
sern der sieben Bauernfamilien und
den Katen der fünf Tagelöhnerfamilien
unterschieden. Außerdem wurden
eine Schmiede, eine Mühle und ein
Krug aufgeführt. Um 1800 bestanden
noch ähnliche Verhältnisse, es gab ein
kleines Pachtgut von geringem Wert.
Die Brandversicherungsunterlagen
von 1802 für Hohen Wangelin enthiel­
ten einen Hof mit Wohnhaus, Schaf­
slall und Scheune.
1830 wurden die bäuerlichen Verhält­
nisse in den Klosterämtern reformiert.
Mit den Bauern schloss man
Erbpachtverträge ab. Sie konnten die
Gebäude und das Inventar ihres Ho­
fes für 390 Taler vom Kloster kaufen,
der Boden wurde ihnen gegen eine
jährliche Naturalabgabe zur erblichen
Nutzung zur Verfügung gestellt. Die in
Hohen Wangelin vorhandenen sechs
Bauernstellen wurden auf acht mit ei­
ner Wirtschaftsfläche von etwa 43 ha
erhöht und vier davon am Malkwitzer
See neu errichtet. So entstanden die
so genannten „Kniep“-Gehöfte nörd­
lich des Malkwitzer Sees. Daneben be­
stand das Pachtgut des Klosters
Malchow.
Abb. 1 Die noch heute bestehende Gutsanlage (2007)
What remains of the estate in 2007
82
Pächter des Klostergutes waren:
1802 - 1 8 1 4
Pächter S t o l l
1 825
Pächter L k m k k
1842
T . Z o l l e n K .opr
1 8 5 2 -1 8 6 6
1871
J. P a e t o w
Pächter H a m a n n
1895
C h r is t ia n B e u t in
1 903
W.
B e u t in ,
danach
C a r l B e u t in
Das Gut hatte Ende des 19. Jh. eine
Größe von 4 3 9 ha und 1 9 1 4 einen Tier­
bestand von 1 7 Pferden, 6 0 Rindern,
8 0 Schweinen und 4 2 0 Schafen. Nach
1918 ging das Gut in den Besitz des
Freistaates Mecklenburg-Schwerin
über und wurde vom Domänenamt
Schwerin verwaltet. Pächter blieb wei­
terhin C a r l B e u t i n .
Wegen der ertragsarmen Böden und
der einsetzenden Agrarkrise kam es
nach dem 1 . Weltkrieg zur wachsen­
den Verschuldung des Gutes. Deshalb
wurde eine größere Fläche aufgefors­
tet. Ein Restgut von 1 2 5 ha wurde
1 9 3 3 an Frau B e u t in verkauft. Die
Haupteinnahmequelle des Gutes und
der Bauern bestand in der Schafzucht
und im Anbau von Schafschwingel.
Wegen der großen Nachfrage an Saat­
gut, welches nach Australien expor­
tiert wurde, sicherte dieses Gras ein
gutes Einkommen. Trotzdem hatte das
Gut nur bis 1941 Bestand. Es war völ­
lig verschuldet und wurde 1941 an O.
H o p p e verkauft.
Nach dem 2 . Weltkrieg wurde das Gut
enteignet und 1 4 8 ha Nutzfläche an 12
Landarbeiter, Flüchtlinge und land­
arme Bauern aufgeteilt. Sie erhielten
etwa 1 0 ha Acker, 2 ha Wald und 1 ha
Wiese. 1951 entstand das erste VEG.
Auf zentralen Beschluss wurde festgelegt, in diesem Gebiet eine Mastan­
lage für weibliche Rinder zu schaffen.
Im Herbst 1 9 7 3 war die Grundsteinle­
gung und im Mai 1 9 7 5 begann der Be­
trieb zu arbeiten. Es entstanden zwei
spezialisierte landwirtschaftliche
Großbetriebe, das VEG Pflanzenpro­
duktion und der VEB Rindermast Ho­
hen Wangelin. Beide Einrichtungen
bestehen in wesentlich veränderter
Struktur und entschieden kleinerem
Umfang bis heute in einem Betrieb
weiter.
Mit dieser Entwicklung hat sich auch
das Dorfbild völlig verändert. Es ist
jetzt geprägt von mehrgeschossigen
Wohnbauten aus den 1960er und
1970er Jahren und einer Vielzahl von
Eigenheimen, diezwischen 1975 und
2003 entstanden.
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Der Gutskomplex existiert heute noch
als last komplette rechteckige und
großflächige Anlage. Es sind drei Stäl­
le. Der westlich gelegene große Stall
besteht im unteren Teil teils aus Be­
ton, teils aus verputztem Mauerwerk
und im oberen Teil aus einem sehr
schönen Fachwerk mit einer Aufzugs­
vorrichtung am Giebel. Das Gebäude
ist noch komplett erhalten. Es war frü­
her der Pferdestall. Genau gegenüber
stand die Scheune, von der aber nur
noch die Umfassungsmauern vorhan­
den sind. Der Dachstuhl brannte um
2000 ab und wurde nicht wieder er­
neuert. Der etwas kleinere Stall dem
Gutshaus gegenüber wrar Schafstall.
Es ist ein verputzter Beton- und Zie­
gelbau.
Abb. 3 Das ehemalige Gutshaus, heute eine Pension (2004)
The former manor house, a pension today (2004)
Gebäude im Inneren mehrfach umge­
baut und auch um ein Heizhaus als
Anbau erweitert. 1996 erfolgte eine
Privatisierung der gesamten Gutsan­
lage. Das Gutshaus wurde zur Pension
mit fünf Ferienwohnungen und
musste dazu nochmals umgebaut wer­
den. Die Umgebung des Gutshauses
ist ansprechend mit Parkplätzen, Ten­
nisanlage und Bootssteg am dicht ge­
legenen Orthsce gestaltet worden.
Vom alten Garten hinter dem Gutshaus
ist nichts mehr vorhanden.
aufgebaute Krughaus ist. Gegenüber
stand ein großer Eiskeller, der 1992 be­
seitigt wurde.
Abb. 4 Ehemaliger Gutskaten (2006)
Former estate cottage
Abb. 2
Gutsscheune, die
um 2000
abbrannte
Estate barn, which
burned down in
2000
Gutshaus
Gebäude im Dorf
Als südlicher Abschluss der Gutsan­
lage steht das Gutshaus. Es ist ein
einstöckiger Putzbau mit Krüppel­
walmdach und wurde um 1900 errich­
tet. Das Fundament besteht aus Na­
turstein, die Außenwände aus Zie­
geln, die Innenwände sind Fachwerk.
Nach dem 2. Weltkrieg waren im Ge­
bäude Flüchtlinge untergebracht,
dann wurde es Gutsverwaltung und
Wohnhaus. Später entstand hier das
Dienstleistungszentrum des Dorfes
mit Poststelle, Bücherei, Friseur, La­
den und Sparkasse. Dazu wurde das
Zwischen dem alten Pfarrhaus und der
alten Schule befinden sich zwei
mchrhischige, umgestaltete Katen, ei­
ner gegenüber der Schule. Ein alter
Forstarbeiterkaten ist an der Nebel zu
finden.
Schon Ende des 17. Jh. existierte in
Wangelin ein K rug, der an der Land­
straße Plau - Malchin lag. Die Straße
führte durch den Ort. Von dem einst
großen Kruggehöft steht nur noch
das Wohnhaus. 1828 brannte das ge­
samte Gehöft ab und es ist anzuneh­
men, dass der jetzige Bau das wieder
Hohen Wangelin is an old village
which was first documented in 1319.
Cloister Malchow owned property
there as early as the 14,h Century and
owned the entire village by 1714.
There always had been a farmyard
and up to seven peasants in Hohen
Wangelin. The tenants of the estate
changcd frequently. By the end o f the
19"’ Century it comprised 438 hectarcs.
After 1918 the estate became state
property and was sold in 1933. After
WW II new settlers were given land
from the expropriated grounds. 1975 a
large-scale Operation for the breeding
o f female beef started which, in
modified structure and size, subsists
through the present, ln the course o f
these developments the appearance
of the village changcd substantially.
83
6.20 Jürgenshof
Landkreis Müritz
Amt Malchow
W. Mewes
Das Dorf und das Gut
Jürgenshof liegt am Nordrand des
Plauer Sees nahe dem Tauchowsee.
Über die Entwicklung des alten Ortes
ist uns nur wenig bekannt. Ursprüng­
lich als eine Meierei von Alt Schwerin
angelegt, entwickelte sie sich zu einem
eigenständigen Gut. Um 1800 waren
G raf v o n L ü t t ic h a u und 1835 B e h r k n s
die Eigentümer. Um diese Zeit lebten
21 Einwohner im Ort. 1857 war
Jürgenshof Lehngut von W. C. J.
T l e t z und 1895 von J . K l o c k m a n n ,
dem auch Alt Schwerin gehörte. Dann
wurde das 344 ha große Gut, wie auch
Alt Schwerin, von J. S c h l u t r j s erwor­
ben. Anfang der 1920er Jahre wurde
Jürgenshof an eine Siedlungsgesell­
schaft verkauft und es entstanden in
den Jahren 1924 bis 1928 zehn
Erbpachthöfe. Etwa 15 ha der Gesamt­
fläche erhielt die Gemeinde Alt Schwe­
rin als Eigentum, die den Boden an
vier Kleinbauern auf Erbpacht vergab.
Ein Restgut von etwa 139 ha wurde
dann an E r ic h H o f f m a n n aus Halle
verkauft. Nach 1945 w urde er enteig­
net. Die Entwicklung der LPG in den
1950er Jahren und später fand zusam­
men mit Alt Schwerin statt und kann
dort nachgelesen werden (vgl. Alt
Schwerin).
Gutsanlage und
Wirtschaftsgebäude
Abb. 1
Jürgenshof um 1940 (nach P. Meier)
Jürgenshof around 1940
84
Abb. 2
Das ehemalige
Gutshaus a/s
Pension (2007)
The former manor
house converted
into pension
(2007)
Ein Plan der Brandversicherung von
1806 zeigt einen Gutshof mit vier Wirt­
schaftsgebäuden, einem Holländer­
haus und einem Katen. An der Stelle
des Holländerhauses wurde um 1880
ein Speichergebäude errichtet, das
auch die Schmiede und einen Stall be-
Abb.3
Ehemaliger Speicher m it Schmiede (2007)
Former storehouse with smithy (2007)
herbergte. Nach 1990 hat man es zu
Wohnungen und Ferienwohnungen
ausgebaut. Ein großer Rinderstall aus
der Zeit nach 1806 wurde abgerissen.
Auch andere Wirtschaftsbauten exis­
tieren nicht mehr.
Gutshaus
Der Kern des Gutshauses könnte aus
dem Anfang des 19. Jh. stammen, wur­
de aber mehrmals umgebaut. Es ist
heute ein einstöckiger Putzbau mit
acht Achsen und einem Krüppel­
walmdach mit mehreren Gauben, ln
den Mittelrisalit des Haupthauses
wurde ein dreiachsiger Eingang ge­
legt. Der Anbau wurde in ähnlicher
Weise ausgebaut.
Nach 1945 fanden Flüchtlinge in dem
Gebäude eine Unterkunft, später war
es Lehrlingswohnheim der LPG Alt
Schwerin und dann Kinderferienlager
des KfL Nossentiner Hütte. Nach 1990
privat verkauft, konnte es nach langer
Zeit saniert und als Pension ausge­
baut werden, die 2005 eröffnete.
Gebäude im Dorf
Der Lageplan aus den 1940er Jahren
zeigt am Ufer des Plauer Sees drei Ge­
bäude, in denen mindestens sieben
Gutsarbeiterfam i1ien untergebracht wa­
ren. Das mittlere Haus entstand 1941/
42, nachdem das rechte Gebäude zum
Abb. 4
Ehemalige Landarbeiterhäuser am Plauer
See (um 1968)
Former farm labourer houses at Lake Flau
(around 1968)
Teil abbrannte. Dafür entstand nach
1945 ein neues, das zeitweilig Ferienla­
ger war und heute privat genutzt wird.
Die Siedlungshäuser, die zwischen 1924
und 1928 nach der Aufsiedlung des Gu­
tes entstanden sind, liegen am Aus­
gang der Dorfstraße von Alt Schwerin.
Juergenshof orginally was a dairyfarm belonging to Alt Schwerin.
Around 1800 it developed into an
estate of its own comprising some 344
hectares. In 1899 it was acquired by J.
Schlutius and was sold again in the
early 1920s to a settlement Company.
More than half of the arable lands
were partitioned among ten new
settlers between 1924 and 1928. The
remaining 139 hectares of the estate
were sold to a new owner and
managed until the land reform
expropriation in 1945. From the former
estate complex only the manor house
- now changed into a pension - and a
shed remain.
6.21 Kadow
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Landkreis Parchim
Amt Goldberg-Mildenitz
F. Beckendorff
Von der Gutsanlage ist fast nichts
mehr vorhanden.
Das Dorf und das Gut
Dass Kadow schon vor 700 Jahren be­
stand, wissen wir aus einer Urkunde
aus dem Jahre 1307. Der Propst von
Verden und seine vier Brüder namens
K k t e l h o t h stifteten in dem 2 6 km Luft­
linie entfernten Güstrower Dom eine
Vikarei, die sie mit den Einkünften von
vier Kadower Hufen ausstatteten. Da
der Ortsname offenbar slawischer Her­
kunft ist und als Bottich gedeutet wer­
den kann, war die Feldmark sicher
schon länger besiedelt. Während zwei
v . P l k s s e n 1476 dem Kloster Dobbertin
sechs Kadower Hufen verkauften, war
der Ort schon vor 1483 wüst gewor­
den. Der Acker wurde von Mestliner
und Techentiner Bauern genutzt, be­
vor Anfang des 18. Jh. eine Neugrün­
dung, nun aber als domanialer Pacht­
hof mit kleinerer als der ursprüngli­
chen Feldmark, erfolgte.
An Pächtern sind bekannt geworden:
1781 - 1805
L ü b b e , auch Pächter
von Ziddcrich
1806 -1809
J. G. O d e r ic i i
1810-1812
C.-F. Seiiw a r z
1813-1828
J. H. L ü b b e
1829 -1847
J. O lldach
1848 erfolgte die Umwandlung in ei­
nen Erbpachthof, den C a r l M i c h a e l
W i e c h m a n n kaufte. Er war Sammler
von Stichen und Drucken sowie Hei­
matforscher. Für seine Veröffentli­
chungen erhielt er die Ehrendoktor­
würde der Universität Rostock. 1873
verkaufte er Kadow und zog zurück in
seine Heimatstadt Rostock. Ihm folg­
ten mindestens fünf weitere Eigentü­
mer, bis K a r l S c h u b a r t 1923 den etwa
200 ha großen H of kaufte. Er wurde
1945 enteignet und übernahm eine
Siedlung in Gallentin, wo er bereits
vorher gewohnt hatte.
Mit der Bodenreform entstanden etwa
30 Siedlungen in Kadow. Später gehör­
ten die Bauern der LPG Mestlin an. Den
größten Teil des Ackers bewirtschaftet
heute die Agrargenossenschaft Mestlin.
Abb. 4 Das Gutshaus Kadow (um 1910)
The manor house Kadow (around
1910)
Wirtschafts­
gebäude
Wohn­
gebäude
G
Gutshaus
St
Stall
K
Katen
S
Scheune
Abb. 1 Gutsanlage und D orf (um 1940)
Estate and village (around 1940)
Abb. 5
Stirnseite des Gutshauses m it Veranda (um
1910)
Front view of manor house with veranda
(around 1910)
Gebäude im Dorf
Neben einem ehemaligen Katen be­
steht das Dorf aus vorwiegend moder­
nisierten Neubauernhäusern.
Abb. 2
Wirtschaftsgebäude, das um 1908 gebaut
wurde (um 1910)
Estate building, constructed in 1908 (at
around 1910)
Abb. 6 Neubauernhaus (2007)
New settler’s house (2007)
Abb. 3
Ehemaliges Wirtschaftsgebäude (2007)
Former estate building (2007)
Gutshaus
Ein altes Foto zeigt das einfache Guts­
haus mit dem Frontispiz. Es wurde
1978 (?) abgerissen.
Kadow, original ly a peasant
settlement, during an intermittent
period o f almost 300 years, ceased to
exist. The arable fields were cultivated
by peasants from neighbouring
villages. The rc-foundation occurred
in the beginning o f the 18"' Century as
a ducal lease property, converted into
hereditary leasehold as from 1848,
with several leaseholders. 30 new
settlements rcsulted from the land
reform. Today, Kadow has a purely
residential character.
85
6.22 Karow
Landkreis Parchim
Amt Plau am See
Ch. Steinbach
Das Dorf und das Gut
Karow liegt nordwestlich des Plauer
Sees zwischen den Städten Plau und
Krakow an den Bundesstraßen 103
und 192. Die urkundliche Erst­
erwähnung war 1254. Der Landesherr
Die Annahme, dass Karow im
Dreißigjährigen Krieg völlig verwüstet
wurde und menschenleer war, ist nach
Aktenlage wahrscheinlich fälsch. 1704
gab es im Ort 76 Erwachsene in 19
Bauernstellen. Bis 1751 wurden 10
Bauernstellen neu besetzt.
Die Linstower Erben, ab 1722 unter
dem Namen v o n W a l s l e b f .n , waren
bis 1782 die Besitzer des Ortes. Zwi­
schen 1784 und 1810 hatten die Güter
sechs verschiedene Grundherren. Der
L in s t o w .
begann eine rege Investitions- und
Bautätigkeit, deren Ergebnisse noch
heute zu sehen sind und das Dorf prä­
gen. 1946 durch die Bodenreform ent­
eignet, ging das Gut in Volkseigentum
über und blieb als Großbetrieb beste­
hen. Ab 1992 wurde das Gut an H a im o
S c h l u t iu s verpachtet, der es 1994 von
der Treuhandanstalt kaufte. Das Gut
entwickelte sich seit dieser Zeit zu ei­
nem Musterbetrieb der Anguszucht.
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Abb. 1 Das klassizistische Schloss (Nordseite) in den Jahren 1880/90
The classicist castle viewd from the North in the years 1880/90
überließ der Kirche zu Carow fünf Hu­
fen Land zur Verbesserung der dürfti­
gen Einnahmen. Der Ortsname ist sla­
wischer Herkunft und kann vom Per­
sonennamen Chcir abgeleitet sein
oder von Kam , was Strafe oder Strafer
(Strafender) bedeutet.
Als Bauerndorf existierte Karow si­
cher schon Anfang des 13. Jh. bis zum
Beginn des 19. Jh. Dorfmittelpunkt
waren die Kirche und in ihrer Nähe der
1375 urkundlich erwähnte Krug. Im
15./16. Jh. w aresein relativ großes,
wohlhabendes Dorf, welches eine
Marktgerechtigkeit besaß und das
„Güldene Carow “ genannt wurde.
Von 1375 bis 1605 waren die H ai in z u
D a m h k o w Grundherren der Güter
Damerow, Groß und Klein Poserin,
Carow, (Hahnen) Horst, Pajow und
Werle. Durch Kauf gelangten die Be­
sitzungen 1605 an M a t t h ia s v o n
86
B a r o n v o n R e d e n legte schließlich
das Bauerndorf nieder. Die Verlegung
der letzten vier Bauern begann 1805
und ist 1811 mit ihrer Ansiedlung auf
verkleinerter Fläche am Rande des
Gutsbesitzes in Teerofen und Alt Hüt­
te besiegelt worden. Seither ist Karow
ein Gutsdorf. Nachdem v. R e d e n in
Konkurs geriet, wurde die Begüterung
Damerow zerschlagen und Karow
wurde, einschließlich Hahnenhorst, ei­
genständig und von der Familie C l e v e
erworben. Von 1812 bis 1898 blieb
Karow Eigentum derer v o n C l e v e , ln
ihre Zeit fiel in der Mitte des 19.Jh. der
Ausbau der Chausseen von Plau nach
Güstrow, von Goldberg nach Karow
und von hier nach Malchow. 1898 er­
warb der Großindustrielle J o h a n n e s
S c h l u t iu s das Gut Karow. 1903 hatte
es eine Größe von 3.132 ha(Meckl.
Staatskalender 1903). In dieser Zeit
Der Gutshof liegt seit jeher westlich,
abseits des Dorfes. Lageskizzen des
alten Hofes zeigen ihn als Einheit mit
dem alten Gutshaus und dem 1838 er­
bauten Inspektorhaus (vgl. Abb.2).
Der neue Gutshof wurde abseits der
Schlossgebäude bis kurz vor dem 1.
Weltkrieg völlig neu errichtet. Dieser
Gebäudebestand galt 1935 als überaus
wertvoll, weshalb eine Aufsiedlung
amtlicherseits abgelehnt wurde.
Zur Zeit des VEG sind verschiedene
An- und Umbauten erfolgt, wie es die
intensive Nutzung erforderte. Die
wichtigsten Neubauten außerhalb des
Hofgeländes waren Geflügelställe, ein
Rinderoffenstall und die große
Schweinezuchtanlage. A uf dem Hof
selbst entstanden die Hochsilos und
die Saatgutlagerhalle.
Nach der Privatisierung ist bis zum
Jahr 2000 die gesamte Hofanlage in ihAbb.2
Ausschnitt aus dem MTB (1882)
Extract from ordinance map of 1882
Abb. 3 Wirtschaftsgebäude des neuen Gutshofes von Süden (2006)
Estate buildings of the new estate viewed from the South
rer Ursprungsfonn restauriert worden.
Sie steht unter Denkmalschutz und ist
in der Vollständigkeit und Funktionali­
tät an anderer Stelle kaum mehr zu fin­
den.
Schloss und Park
Das „alte Schloss“ wurde nach bishe­
riger Ansicht 1789 unter O t t o v o n
H a h n neu gebaut, weil der Vorgänger­
bau aus der Zeit von 1670 - 1700 bau­
fällig war. Neuere Vergleiche von Re­
gistern und Zeichnungen der
Ritterschaft!ichen Brandkasse von
1789 und 1801 erlauben den Schluss,
dass dieses Gebäude in der Zeit von
1800 bis 1801 errichtet wurde und Herr
v o n R i d e n mit seinem Schwager B a ­
r o n v o n L a n t h f die Erbauer waren
( R e il in g e r in litt. 2006).
Dieses „alte Schloss“ im klassizisti­
schen Baustil ist ein breit gelagertes
Gebäude von 13 Achsen. Die drei mitt­
leren auf der Südseite sind von vier
Kolossalpilästern eingefasst, die das
flache Giebeldrcieck zu tragen schei­
nen. In dessen Zentrum befindet sich
das C l e v e 'sehe Adclswappen. Auf
der dem alten Gutshof zugewandten
Nordseite des zweigeschossigen Hau­
ses war der Mittelrisalit einfacher ge­
staltet. Das Dach krönte ein von allen
Seiten sichtbarer Turmbaldachin mit
Glocke, der in den Nachkriegsjahren
verschwand.
Nach dem Besitzwechsel 1898 erhielt
der Wirlschaflsanbau am Ostgiebel
des alten Schlosses sein heutiges
Aussehen. Neben dem alten Schloss
ließ J o h a n n e s S c h l u t iu s bis 1906 ein
neues Gebäude nach Plänen des Berli­
ner Architekten E. v . I h n e im neo­
barocken Stil erbauen. Über dem west­
lichen Portal befindet sich das steiner­
ne Schlutius’sche Wappen. Beide Ge­
bäude sind durch einen Zwischentrakt
miteinander verbunden.
Während der ältere Teil immer Wohn­
sitz war, ist das neue Schloss ab 1927
nicht ständig, doch in den Kriegsjah­
ren für ein evakuiertes Rostocker
Gymnasium und für den Reichs­
arbeitsdienst genutzt worden. Ab Mai
1945 waren ein Lazarett der Besat­
Abb.4
Das klassizistische
Schloss (Südseite)
um 1880/90
The classicist
castle around
1880/90 from the
South
zungstruppen, ab Dezember viele
Flüchtlinge im Schloss untergebracht.
Danach war es Dorfkulturhaus,
Schulinlernat der Mittelschule,
Betriebsberufsschule und Lehrlings­
wohnheim. Die Betriebsküche des
VEG, zeitweise die Schulküche, arbei­
teten im weiträumigen Kellergeschoss.
1990 in kommunales Eigentum über­
führt. gab es bis 1998 verschiedene
Teilnutzungen in Regie der Gemeinde:
Wirtschaftshof, Büro des Bürgenneis-
Abb.4
Wappen der Familie Schlutius über dem
westlichen Eingangsportal (2003)
Coat of arms of the Schlutius family above
Western entry
ters, Versammlungsraum, Archiv der
Ortschronik, Umschulungszentrum,
Spätaussiedlerwohnheim, Jugendfreizeitzentrum, private Gaststätte.
1998 erfolgte die Privatisierung. Die
Gebäude wurden außen vollständig
87
aailaliiaailli3lmatiiii8iiigag
Abb. 7 Klassizistischer und neobarocker Teil des Schlosses Karow (Nordseite) (2007)
Classicist and neo-baroque parts of castle Karow from the North (2007)
Gebäude im Dorf
Abb. 6
Restaurierter Raum im Schlosshotel (2007)
Renovated room in the castle hotel
rekonstruiert und der Dachturm mit
Glocke auf dem alten Schloss wieder
errichtet. Die Anlagen in Gebäude­
nähe sind neu gestaltet worden. Der
Innenausbau zu einem Schlosshotel
ist inzwischen vollendet.
Der größere und ältere Teil des ab
1845 bis 1870 durch v . C l e v e im Stil ei­
nes englischen Landschaftsgartens
angelegten Parks liegt südlich der
Schlösser. Die Hauptachsen des Parks
sind auf das damals allein stehende
klassizistische Schloss abgestimmt.
Unter dem Gutsbesitzer S c h l u t i u s
sind die Anlagen ergänzt, verändert
und besonders im nördlich gelegenen
Bereich erweitert worden. Einige der
exotischen Gehölze (Platane, Sumpfzy­
presse) wurden um 1900 eingebracht.
Das Parkgelände war eingezäunt und
ist stets sorgfältig gepflegt gewesen.
Ein im Südteil gelegener Teepavillon
ist in der Nachkriegszeit abgerissen
worden, da das Material für Bau­
zwecke gebraucht wurde. Nach 1945
sich selbst überlassen, in der Notzeit
nach dem Krieg auch zur Brennholz­
gewinnung benutzt, blieb der Park
später, Dank der Initiative von Bür­
gern, erhalten. Er ist begehbar und be­
sitzt einen artenreichen Baumbestand.
Die Gemeinde als Eigentümer erledigt
die notwendigen Pflege- und
Sicherungsarbeiten.
88
Nach Fertigstellung der durch das
Dorf führenden Goldberger Chaussee
ließ der Gutsherr v . C l e v e an der rech­
ten Seite der Dorfslraße 11 Katen für
je zwei Familien aus Backstein errich­
ten der Eisenbahnbau mit Streckeneröffnungen in den Jahren 1882,1885
und 1887 sowie der Bau der Bahnhofs­
gebäude und -anlagen und etlicher Ei­
senbahner-W ohnhäuser.
Nachdem J o h a n n e s S c h l u t iu s das Gut
Abb. 8
Ehemaliger Gutskaten an der Dorfstraße (1995)
Former estate cottage along village Street
Abb.9
Ehemalige Schnitterkaserne von 1900 (2007)
Former lodging for seasonal workers 1900
ten und auf der linken Seite nochmals
drei, für insgesamt 29 Familien. Ein­
schneidende Veränderungen bewirk-
Karow 1898 erworben hatte, begann
eine rege Bautätigkeit. Unter anderem
entstanden die Schnitterkaserne
(1900) der Wasserturm (1907) samt
Förder- und Leitungsanlagen und ein
zweites Schulgebäude.
Abb. 10 Der ehemalige Wasserturm m it
Sonnenuhr (2007)
The former water tower with sun dial
Abb. 11
Schmiede und Stellmacherei (Jahr ?)
Smithy and cartwright’s building
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
ln früherer Zeit gab es in der Karower
Gemarkung zwei Mühlen, einen Teer­
ofen, eine Ziegelei, drei Glashütten,
drei Krugwirtschaften, jeweils eine
Schäferei, Holländerei und Brennerei,
allesamt als Pachtwirtschaften der
Gutsherrschaft. Dem Gutsbetrieb wa­
ren alle Handwerkereinrichtungen wie
Schmiede, Gärtnerei, Stellmacherei u.
a. zugeordnet.
bedeutendsten spätwilhelminischen
Grabbauten. Leider sind inzwischen
viele Details zerstört, doch können die
imposante Granithülle und die Anlage
nahe der B 192 besichtigt werden.
Zu Karow gehört auch H ahnenhorst,
ca. 3 km nordwestlich des Ortes mitten
Abb. 13
Granitfigur am Mausoleum (2006)
Granite sculpture at mausoleum (2006)
Abb. 12 Das Mausoleum der Familie Schlutius (1916)
The mausoleum of the Schlutius family (1916)
Als Besonderheit ist die nördlich der
Dorflage angelegte Feldbahn in frühe­
rer Zeit zu erwähnen, auf der man in
von Pferden gezogenen Loren zwi­
schen dem Gutshof und dem Bahnhof
Lasten bewegte. 1908 baute man eine
Feldbahnrampe, die 1922 einen Privat­
gleisanschluss zu den Gleisen der
Mecklenburgischen Südbahn erhielt.
Der Gutsbesitzer J o h a n n e s S c h l u t i u s
starb 19 10. Seine Frau wollte ihm ein
besonderes Grabmal errichten lassen
und beauftragte den Plauer Künstler
P r o e . W i l h e l m W a n d s c h n e i d e r , Ent­
würfe anzufertigen. Er entwickelte ei­
nen reich gestalteten Grabtempel mit
Figuren aus Granit, Marmor und Bron­
ze. Nach diesen Entwürfen wurde das
M ausoleum errichtet und 1916 fertig
gestellt. Nach Ansicht von Kunsthis­
torikern ist das Mausoleum eine der
im Wald gelegen. Diese Ansiedlung
blickt auf eine über 400-jährige Ge­
schichte zurück. Der Wirtschafts- und
Wohnstandort „Horst“, später
„Hahnenhorst“ genannt, wurde Ende
des 15. Jh. von dem adligen Ge­
schlecht der v o n H a h n , die auf dem
Gut Damerow ansässig waren, ge­
gründet. Später wurde es Meierei (um
1800) und Schäferei (1840). Unter dem
Gutsbesitzer S c h l u t iu s wurde
Hahnenhorst zur Försterei. Seit 1994
ist Hahnenhorst in Privatbesitz und
wird als Wohnung genutzt. Die An­
siedlung besteht heute nur noch aus
einem großen Wohnhaus und einem
Stallgebäude. Das Wohnhaus ist ein
einstöckiger Backsteinbau mit Krüp­
pelwalmdach, der um 1789 entstanden
ist (vgl. Hahnenhorst, M a s u r o w s k i in
litt. 2006).
Abb. 14
Das ehemalige
Gutshaus
Hahnenhorst (um
1920)
Former manor
house Hahnnhorst
(around 1920)
Karow, more than 750 years old,
originally was a peasant settlement
grouped around the church. Until
1812 it belonged to the grealer estate
o f Damerow. The owmer von Reden
forced the peasants into peonage,
making Karow a purely feudal estate
by 18 11. From 19812 through 1898, the
estate was owned by the von Cleve
family; subsequently, until 1945, by
the Schlutius family. The estate
survived the land reform and was
bought back by Haimo Schlutius in
1994. The estate buildings which were
constructed after 1900 remained intact
and in very good condition to this
day. The two adjacent manor houses
date from different times. The
classicist construction originated
around 1800 and the neobaroque one
in 1906. A well kept park is situated to
the South w'hose axes are aligned with
the classicist construction. Tn Karowr
there are still a number o f buildings
from the 19lh and the 20Ih Century
wrhich were connected to the
management of the estate.
89
6.23 Kirch Kogel
Landkreis Güstrow
Amt Reimershagen
H. Aisleben, F. Beckendorff
Das Dorf und das Gut
Das unmittelbar am Nordrand des Na­
turparks gelegene Dorf Kirch Kogel
wurde erstmals 1303 genannt (M Uß
2861). Der Ritter B e r n h a r d v o n
B e l l in , dessen Vorfahren die
Lokatoren dieser Region waren, erhielt
Gericht und Bede des Dorfes. Der
Name wurde zu verschiedenen Zeiten
Kerccowalk, Kowalek, Kerk Kowalk
bzw. Deutsch Kogel geschrieben.
Kowalk wird als slawisches Wort ftir
Schmiede gedeutet. 1407 erschienen
neben den B e l l in V ic k e W o o s t e n so­
wie für kurze Zeit Vertreter weiterer
Adelsfamilicn als Anteilseigner. Nach
dem Tode W o o s t e n 's verkaufte seine
Witwe 1435 ihre Anteile in Kirch und
Rum Kogel dem Kloster Dobbertin.
Aber noch immer besaßen andere Ad­
lige Befugnisse bzw. Anteile. 1496 wa­
ren 24 Familien mit 53 steuerpflichti­
gen Personen verzeichnet.
Vor oder im Dreißigjährigen Krieg ver­
äußerte das Kloster Kirch Kogel. 1659
besaß C h r is t o p h L in s t o w pfandweise
das Gut Kogel, das dem J ü r g e n
F l o i o w gehörte. Ab 1700 war es län­
gere Zeit ein Vorwerk von Suckwitz mit
einem Vogt, aber im Dorf waren u. a.
Handwerker und Hüfner vorhanden.
1777 verkauften die Gläubiger des v o n
G r a b o w Suckwitz mit fünf Bauern und
den Hof Kogel an H a n s E r n s t v o n
H a r d e n b e r g z u H a n n o v e r . 1792 be­
fanden sich noch ein Schaf- und ein
Viehstall als „Außenstellen“ von
Suckwitz dort. Inzwischen war Kirch
Kogel ein Lehngut geworden.
Lehnsträger waren:
1796 O t t o v o n H a h n
1803 C. F. M ü l l e r
1805 Gebrüder v o n H a h n
1807 C. v o n M e d in g , danach sein
Sohn
1851 G. Bi .oiim , danach L. F ic k
1862 H e l m u t L a g e m a n n
1878 Kauf durch das Kloster
Dobbertin
90
Pächter waren:
1878 E r n s t F e in t
1894 A l b e r t Z ö l l n e r und N ach­
kommen
1904 B e e s e und seine Erben
1915 P a u l B u r c h a r d t
Anfang des 19. Jh. wurde die Verbin­
dung zwischen Suckwitz und Kirch
Kogel aufgehoben, so dass ein eigen­
ständiges Gut entstand. Die Fläche
des Gutes betrug um 1900 etwa 700
ha, doch 1928 nur noch 381 ha. Das ist
dadurch zu erklären, dass die Hälfte
der heutigen Feldmark von Rum Kogel
einmal zu Kirch Kogel gehörte.
Der letzte Pächter, P a u l B u r c h a r d t ,
wurde durch die Russen am Gutshaus
erschossen, weil er sich gegen sie
stellte. Das Gut wurde nach 1945 auf­
gesiedelt. Wie auch bei Rum Kogel
und Suckwitz ging die weitere Ent­
wicklung über die LPG Typ I und die
Vereinigung mit Reimershagen zur
Groß-LPG Lohmen bzw. Gerdshagen.
Abb. 1 Eingangstür und Freitreppe des Mitteirisa/iten des Gutshauses (2007)
Perron and central entrance to the
manor house (2007)
aus roten Klinkern und mit Krüppel­
walmdach. Auch dieses dient heute
zum Teil Wohnzwecken. Neben diesen
beiden Wirtschaftsbauten gibt es
noch die Scheune an der südwestli­
chen Seite des Gutshauses.
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Die ehemals recht große Gutsanlage
ist in ihren groben Umrissen noch zu
erkennen. Südlich des Gutshauses be­
findet sich ein aus hellen Klinkern er­
richtetes Gebäude mit Flachdach, das
einmal Schafstall war. Es wurde zur
Hälfte als Wohnung ausgebaut. Süd­
östlich finden wir den ehemaligen
Speicher mit Pferdestall, ein Gebäude
Abb. 2 Ehemaliger Speicher und Pferde­
stall (2007)
Former storehouse and stables
Abb. 3
Ehemaliger
Schafstall m it
eingebauten
Wohnungen
(2007)
Former sheep
shelter converted
for residential use
(2007)
Gutshaus
Eine Inschrift ani Gutshaus verrät uns
das Baujahr 1840 und den Bauherrn C.
W. H. v. M(eding) (vgl. Suckwitz). Es
steht auf einem aus Feldsteinen ge­
mauerten hohen Kellergeschoss. Eine
Freitreppe führt zur Tür des Mittel­
risaliten, der zentral in den 11 Achsen
des Hauses liegt. Die zweiflügelige
Tür wird beiderseits von je einem Fens­
ter gerahmt. Im Unterschied zum ein­
geschossigen Wohnteil besitzt der Ri­
salit ein Obergeschoss mit zweiachsi­
ger Fenstergruppe. Erd- und
Obergeschoss werden durch einen
„laufenden Hund“ und ein Lilienmotiv
unterbrochen. Der Dreiecksgiebel ent­
hält ein halbkreisförmiges Fenster;
das Gesims ist mit einem Zahnschnitt
verziert (vgl. Abb. 1). Die Außen­
achsen des Gebäudes sind ebenfalls
wie ein Risalit betont. Ein Krüppel­
walmdach bildet den oberen
A bschluss.
Nachdem im Haus Anfang der 1960er
Jahre eine Konsum-Verkaufsstelle und
1972 ein Kindergarten untergebracht
waren, wurde es nach 1990 für einige
Jahre als Jugendumweltbildungsstätte
genutzt. Derzeit bemüht man sich um
eine sinnvolle Verwertung.
Abb. 4 Das Gutshaus Kirch Kogel im Jahr 2007
Manor house Kirch Kogel in 2007
Abb. 5 Neubauernhaus (2007)
New farmer’s house (2007)
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Ursprünglich gehörte die CowalcMühle, die später zur Suckwitzer
Mühle wurde, zu Kirch Kogel.
Gebäude im Dorf
Das Dorf wird von der aus dem 13. Jh.
stammenden Kirche überragt. Nörd­
lich des Gutshauses befindet sich eine
„Kolonie“ von Gutskaten. Der eine
trägt die Initialen “ Kl. AD 1881“, was
Klosteramt Dobbertin, erbaut 1881,
bedeutet. Einige der ehemaligen Katen
scheinen allerdings jüngeren Datums
zu sein. In geringer Entfernung zu den
Katen befinden sich ehemalige Stall­
gebäude, von denen jeder Guts­
arbeiter einen Teil in Nutzung hatte.
Die Stallungen verfallen langsam, die
Katen werden alle bewohnt.
Nach der Aufsiedlung nach 1945 ent­
standen um 1950 an dem Weg nach
Jellen und südwestlich der ehemaligen
Gutsanlage insgesamt mindestens vier
Neubauernhäuser.
Abb. 6 Feldsteine im Gemäuer des Guts­
hauses
Stories from the walls of the manor
house
Abb. 7 Ehemalige Gutskaten, einer m it In­
schrift des Baujahres (2007)
Former estate cottages, one
inscribed with year of construction
The village w'as first documented in
1303, its Slavic name component
referring to a smithy. Before the
Thirty Ycars War parts o f the estate
belonged to cloister Dobbertin;
towards the end of the 18lh Century it
was converted into a fiefdom which
was re-acquired by the cloister in
1878. The tenants changed
frequently. The manor house was
eonstructed in 1840 by C. von
Meding. It now is serving differing
uses. Besides the remains o f the
estate and some former estate
cottages the church from the 13,h
Century dominates the appearance of
Kirch Kogel.
91
6.24 Kleesten
1907 abzunehmen. So wurde Spendin
1907 ohne Kleesten mit einem gerin­
gen Anteil der früheren Kleestener
Feldmark verpachtet und ein Großteil
des Kleestener Ackers aufgeforstet.
Die Gutsgebäude wurden später von
der Forstverwaltung genutzt. Dadurch
ist Kleesten heute ein kleines Dorf,
das mitten im Wald liegt. 2003 erhielt
der Ort eine feste Straßenanbindung
an die L 17 in Dobbertin.
Landkreis Parchim
Amt Goldberg-Mildenitz
H. Aisleben, F. Beckendorff
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Es gibt einen Plan von 1840, der uns
die Lage und Größe der Gutsgebäude
„in einer Talschlucht an einem See“
veranschaulicht. Die recht kleine An­
lage bestand im Wesentlichen aus
Abb. 1 Bück vom heutigen Gutshof auf die ehemaligen Gutskaten (2007)
View from today’sestate on the former estate cottages (2007)
Das Dorf und das Gut
Das Gut Kleesten war in seiner Ent­
wicklung seit dem 19. Jh. eng mit
Spendin verknüpft, weil beide Güter
bis 1907 gemeinsam verpachtet wur­
den.
Kleesten tauchte bei der Bewidmung
Dobbertins 1227 [MUB 3431 als „Bach
Clestene“auf. 1251 verlieh N i c o l a u s
v o n W e r l e , „dem Closter Dobbertin
das D orff G esten
wie es Lippoldus
miles besessen hat“ . Offenbar be­
stand ein dem Ritter L i p p o l d verliehe­
nes, ehemals slawisches Dorf schon
bei der Klosterbewidmung. Der Name
ist abgeleitet von dem slawischen
Wort klesce, das soviel wie Brachsen
bzw. Blei bedeuten soll. 1540 waren 10
Stellen in Kleesten besetzt. 1646 wur­
de es völlig zerstört. 52 Jahre lang leb­
te dort niemand. Danach wurde eine
„Meyerey mit 10 Baurhöfen“ einge­
richtet. Da dort aber nur ein „Häcker“
(Landarbeiter, der mit einem Haken­
pflug ackerte) und ein Schäfer mit Per­
sonal wohnten, gaben die 10 Höfe le­
diglich die Ackergröße an. 1751 war
Kleesten „ein klein Dobbertinsch Gut
und Schäferei“ . H e m p e l beschreibt es
1840: „Kleistcn in einer Thalschlucht,
an einem See, kleiner Hof mit 25 Ein­
wohnern.“ Um die Zeit hatte N.
92
B r ü h n in g Kleesten und Jellcn gepach­
tet, aber wegen der schlechten Quali­
tät des Ackers „nichts vor sich ge­
bracht“. Darum erwog das Kloster,
Kleesten „zur Forstcultur zu nehmen“,
was aber zugunsten einer nochmali­
gen Verpachtung verschoben wurde.
Es waren zum Teil neue Wirtschafts­
gebäude entstanden, nachdem die al­
ten 1831 bis auf zwei Katen einem
Brande zum Opfer gefallen waren. Der
Pächter F r it z Voß , der Kleesten,
Spcndin und Neuhof gepachtet hatte,
verstarb 1906. Seine Witwe sah sich
nicht in der Lage, die drei Güter zu lei­
ten, weshalb sie das Klosteramt darum
bat, ihr die Pachtung von Kleesten
I Wohngebäude
G
Gutshaus
K
Katen
I
| Wirtschaftsgebäude
St
S
Stall
Scheune
Abb. 2 Lageplan des Dorfes (BV 1840)
Fire Insurance layout of village from
1840
Abb. 3 Ehemaliger Fderdestaii, der schon 1840 im Plan verzeichnet ist. (2007)
Former stables, already documented in the layout of 1840
dem Gutshaus, einem Pferdestall, einer
großen Kornscheune, einem großen
Schafstall sowie zwei weiteren Ställen.
Von den Wirtschaftsgebäuden existie­
ren noch der ehemalige Pferdestall auf
dem Berg und der Schafstall. Die
Scheune brannte ab und wurde nicht
wieder aufgebaut. Alle Gebäude gehö­
ren zur Revierförsterei Kleesten.
Gutshaus
Das nach 1814 errichtete Gutshaus ist
ein einstöckiges Fachwerkgebäude
mit acht Achsen, Ziegelausfachung
und Krüppelwalmdach. Es wurde nach
1907 zur Försterei, die es heute noch
ist, und gehört zum Forstamt Sandhof.
Das Gebäude befindet sich in einem
sehr guten Zustand.
Abb. 4 Das ehemalige Gutshaus wird seit 1907 a/s Forsthaus genutzt. (2007)
The former manor house is being used as the forester’s lodge since 1907 (2007)
Abb. 5 Ehemaliger Gutskaten, der über 200 Jahre a/t ist. (2007)
Former estate cottage more than 200 years old (2007)
Gebäude im Dorf
Kleesten wird durch drei sehr gut er­
haltene ehemalige Katen geprägt. Das
Gebäude am Ortseingang ist das jüngs­
te, es wurde in der 2. Hälfte des 19. Jh.
errichtet. Die anderen beiden Fach­
werkhäuser stammen mindestens aus
Abb. 6 Ehemaliges Schäferhaus und Katen (2007)
Former sheepherd house and cottage
dem Anfang des 19. Jh., denn sie fie­
len dem Brand von 1814 nicht zum Op
fer. Das eine Gebäude wird in dem
Plan von 1840 als „Schäferhaus und
Kathen“ bezeichnet, das andere als
„Kathen mit zwei Wohnungen“.
Abb. 7
Der gut gepflegte
Schäferkaten
(2007)
The well cared-for
sheepherd cottage
Kleesten, today a small forester
village in the midst o f the woods, was
first documented in 1227. Totally
destroyed during the Thirty Years
War it r e m a i n e d uninhabited for more
than half a Century. From a dairy-farm
for cloister Dobbertin by the mid 18"'
C e n t u r y a small lease estate
developed. Because of the poor
yields of its fields these were
converted into forest by the
b e g i n n i n g o f the 20lh Century. As such
the estate developed into a foresting
m a n o r still existing today. The f o r m e r
estate cottages were converted into
a t t r a c t i v e residential a p p a r t m e n t s .
93
6.25 Klein Luckow
Landkreis Müritz
Amt Seenlandschaft Waren
R. Krüger
Das Dorf und das Gut
Das Dorf Klein Luckow, früher
Wendisch Luckow, ist recht alt. Die
urkundliche Ersterwähnung geht auf
1417 zurück, doch bestand der Ort
schon früher. Der Name wird als
„Lauchort“ oder „Weidenort“ gedeu­
tet. Im Mittclalter mussten hier mehre­
re Bauern existiert haben, was man
aus verschiedenen Flurnamen
schlussfolgern kann. Die Bauern sind
wahrscheinlich im Dreißigjährigen
Krieg untergegangen bzw. danach ge­
legt worden.
Der Ort war zusammen mit einigen
Nachbarorten ein alter M a l t z a n 'scher
Besitz und gehörte ursprünglich zu
Grubenhagen. Der Gutsbetrieb in
Klein Luckow kann ab 1756 mit dem
Bau eines Guts- und Wirtschafts­
hauses nachgewiesen werden. Sicher­
lich gab es aber schon vorher einen
Wirtschaftshof. Mit dem Aussterben
der M o l i z a n 'sehen Linie auf Gruben­
hagen 1815 gelangte das Gut 1822 in
die Verlosung des Erbvergleichs. Es
ging an A u g u s t C h r i s t o p h v . M a l t z a h n aus dem Llause Roidin (vgl.
Schloß Grubenhagen). 1836 verkaufte
er das Gut Klein Luckow mit Bockholl
und Krevtsee an seinen Verwandten
N ik o l a u s F r ie d r ic h v . M a l t z a n auf
Rothenmoor, der es 1837 seinem Sohn
O t t o J u l iu s zur Bewirtschaftung über­
gab. Dieser wohnte wohl nur selten in
Klein Luckow, sondern meist in
Dobbertin, wo er Klosterhauplmann
war. Nach eigener Bewirtschaftung
und Verpachtung wurde die
Begüterung 1880 an O t t o v o n M ü l l e r
verkauft, dessen Familie sie bis 1945
besaß. 1928 hatte das Gut eine Größe
von ca. 849 ha, wovon 599 ha Acker­
land, 38 ha Wiesen und 109 ha Wald
waren. Zu dieser Zeit hielt man 68
Pferde, 178 Rinder, 650 bis 700 Schafe
und 220 Schweine. 1937 wurde das
Nebengut Bockholt verkauft. Das Gut
Klein Luckow hatte dann eine Größe
94
von 634 ha.
1945 wurde v. M ü l l e r enteignet und
im Februar 1946 das Land auf­
gesiedelt. Jeder erhielt 10 ha ein­
schließlich Wald. Anfang der 1950er
Jahre bildeten sich eine LPG Typ 111
und eine LPG Typ 1. 1959 kam es zum
Zusammenschluss mit der LPG
Völlrathsruhe. Mit der Eröffnung des
Großbetriebes Industrielle Rindermast
(IRIMA) und VEG Pflanzenproduktion
Hohen Wangelin ging die LPG 1975 in
dem neuen Betrieb auf. Nach 1990
pachtete E l e r t v . M ü l l e r die Flächen,
seit 1994 werden sie von einem Be­
trieb bewirtschaftet, der seinen Sitz in
Jabel hat.
drei Familien als Wohnung.
Zur Zeit O t t o v . M ü l l e r 's entstanden
weitere Wirtschaftsgebäude, so 1888
ein neuer Pferde- und Kuhslall mit
Fremdenstall und Wagenremise. 1912
kamen ein neuer Schweinestall und
1915 ein Kornspeicher an Stelle d a ­
durch Blitzschlag 1914 abgebrannten
Heuscheune dazu. 1920 wurde eine
große Stellmacherei gebaut. Wann die
anderen Wirtschaftsgebäude, wie Ge­
wächshaus (Gärtnerei), Pumpen-, Eis­
und Kartoffelkeller sowie Geflügel­
ställe, Ochsenstall und Spritzenhaus
(Feuerwehrgebäude), entstanden
sind, lässt sich nicht mehr ermitteln.
Von all diesen Gebäuden des ehemals
großen Gutshofes existieren nur noch
die Ruine des Kornspeichers von 1916
und die Schmiede. Dort, wo eigentlich
der Mittelpunkt des Dorfes liegen
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Als das Gut 1837 von O t t o J u l iu s v.
M a l t z a n übernommen wurde, existier­
te seit vielen Jahren eine Gutsanlage.
Unter seiner Führung wurden einige
Gebäude neu errichtet. 1844 ließ er
eine neue Schmiede im neugotischen
Baustil und 1845 eine große, reetge­
deckte Feldsteinscheune errichten, die
1984 abgerissen wurde. Außerdem be­
fanden sich ein zweiteiliger Schafstall,
ein Kuh- und Pferdestall sowie weitere
Wirtschaftsgebäude auf dem Gutshof.
Um 1842 entstand ein Wirtschafts­
haus, das etwa 50 m lang war. Der
heute noch vorhandene Rest dient
Abb. 1 Plan der Gutsanlage (BV 1846)
Fire insurance layout of estate
from 1846
n rs n
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L
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G
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L 0
|
■ Wohngebäude (ZU Wirtschaftsgebäude
G Gutshaus
St Stall
S Scheune
Abb. 2 Der Schafstall (um 1935)
The sheep shelter (around 1935)
sollte, ist heute eine große Lücke vor­
handen, in der noch Ruinenreste zu
finden sind. Die Straße zum Dorf, die
früher am Gut vorbei führte, verläuft
heute über den ehemaligen Gutshof.
Gutshaus und Park
Es gab zwei Gutshäuser in Klein
Luckow. Das 1756 erbaute einge­
schossige Fachwerkgebäude besaß
neun Achsen und ein einfaches Sat­
teldach. Es war gegliedert durch eine
dominierende Gaube über dem Ein­
gang und zwei kleineren Gauben
(Muß n e r 2004). An der Nordseite be­
fand sich eine kleine Glocke, mit der
wahrscheinlich die Tagelöhner zur Ar­
beit gerufen wurden. Das Gutshaus
wurde 1974 abgerissen. Es existiert
aber noch ein Tonnengewölbe, das
durch den Naturpark Nossentiner/
Schwinzer Heide als Winterquartier für
Abb. 3 Das Gutshaus von 1756
The manor house of 1756
Abb. 4 Das Gutshaus von 1900
The manor house of 1900
Fledermäuse hergerichtet wurde.
Unter O t t o v . M ü l l e r wurde in den
Jahren von 1890 bis 1901 nach Plänen
M a r t in H a l l f .r ' s ( d e V e e r 2006) ein
neues Gutshaus gebaut, das im rech­
ten Winkel zum alten stand. Es war ein
zweigeschossiger Putzbau mit neun
Achsen auf einem Kellergeschoss.
sum-'Verkaufstclle ein. Im oberen Be­
reich wurde noch gewohnt. Der Verfall
des Gutshauses schritt aber voran und
1976 wurde es bauaufsichtlich gesperrt
und 1978 auf Beschluss des Rates des
Kreises Waren abgerissen.
Schon unter 0 . v . M a l t z a n wurde um
den Schloss- und den Karpfenteich ein
gebäude aus der Mitte des 19. Jh., in
dem später der Förster wohnte. An ver­
schiedenen Stellen des Dorfes wurden
nach 1945 Neubauemhäuser errichtet.
Eines wurde vor 1950 unter Verwen­
dung von Feldsteinen gebaut, die an­
deren stammen aus den 1950er Jahren.
Abb. 5 Die neugotische Schmiede von
1844 (2007)
The neo-gothic smithy of 1844
Abb. 6 Das Wirtschaftshaus von 1842 (2007)
The estate building of 1842 (2007)
Abb. 7 Ehemaliger Gutskaten (2007)
Former estate cottage (2007)
Der großzügige Eingang wurde durch
einen von Säulen getragenen Balkon
und einen kleinen Risalit gebildet. Ein
zweiter Balkon war auf der Rückseite
zu finden. In dem Dreieckgiebel über
dem Eingang befanden sich die Wap­
pen der Familien v o n M ü l l e r und v o n
L o w t z o w . Nach der Fertigstellung des
neuen Gutshauses wurde das alte als
Wirtschaftshaus und zum Teil als
Wohnhaus genutzt.
Nach 1945 wurden im neuen Gutshaus
Vertriebene einquartiert. Später richte­
te man eine Schule für acht Klassen
und einen Kindergarten ein. Auch das
Gemeindebüro befand sich hier. In den
Jahren 1953/54 wurden noch einmal
Instandhaltungsarbeiten am Gutshaus
vorgenommen. 1963 verlegte man Kin­
dergarten und Schule nach
Vollrathsruhe und richtete eine Kon­
P ark im Stil englischer Landschafts­
parke angelegt und mit einer Feldstein­
mauer umgeben, die sich entlang der
Straße bis ins Dorf hinein zog. Der alte
Baumbestand aus Stieleichen, Winter­
linden, Bergahorn, Platanen, Robinien
und Flatterulmen sowie die Wegver­
läufe um den Schlossteich sind trotz
fehlender Pflege erkennbar.
Gebäude im Dorf
Im „D o rf1befinden sich noch drei Ka­
ten. Ein aus Feldsteinen gebauter Ka­
ten von 1844 wairde später zur Unter­
bringung von Saisonarbeitern genutzt
und auch als Schnitterkaserne be­
zeichnet. Zwei weitere Katen, aus
Stampflehm errichtet, besitzen an den
Giebeln gut restauriertes Fachwerk.
Auf einer Anhöhe befindet sich das so
genannte Holländerhaus, ein Fachwerk­
Klein Luckowr is an old village which
was first documented in 1417.
Originally a peasant settlement, it
turned into an estate village after the
Thirty Years War. Since the
construction o f a first manor house
around the year 1756 the history of
the estate can be traced in detail. Tn
the first half o f the 19th Century a
large estate complex was developed
by Otto Julius von Maltzan which wras
further extended by Otto von Müller
and his descendants. Around the year
1900 a second manor house was
constructed. The two manor houses
were tom down in 1974 and 1978,
respectively, and little remains also
from the other estate buildings so that
the complex as such can hardly be
recognized.
95
6.26 Klein Wangelin
Landkreis Parchim
Amt Goldberg-Mildenitz
R. Berg
Das Dorf und das Gut
Klein Wangelin liegt am südlichen
Rand des Naturparks. A uf seiner Ge­
markung nimmt die Mildenitz ihren
Anfang, in deren Nähe auch das ur­
sprüngliche Bauerndorf Wangelin er­
richtet wurde. Östlich des alten Dorfes
findet sich in unmittelbarer Nachbar­
schaft ein alter Rittersitz (Flurname
„Dat Schloß“), den im 15. Jh. K u r t
D e s s in bewohnte (Regestenkartei Nr.
8045). Die Familie derer v o n D e s s in
saß damals auf zahlreichen Anwesen
nordwestlich von Plau. K u r t D e s s in
aber musste schon im letzten Drittel
des Jahrhunderts A c h i m W i n t e r f e l d t
weichen (Regestenkartei Nr. 14903). Im
Laufe des 16. Jh. kam das Gut wieder
an die D e s s i n s , die es aber nach dem
Tod J ü r g e n D e s s in s verkauften. J o a ­
c h im E r n s t C r a m m zahlte aber nicht,
woraufhin jahrzehntelange Rechts­
streitigkeiten einsetzten. 1702 strebte
die herzogliche Familie das Eigentum
an, erreichte cs aber nach langwieri­
gen Verhandlungen erst 1745. Durch
die bis Anfang des 19. Jh. fortdauern­
de Verpachtung des Amtes Plau, er­
lebte auch Wangel in verschiedene
Unterpächter. Der Pachtvertrag mit
den v o n B r a n d t und ihren Erben be­
inhaltete zwar einen völligen Neubau
des Gutes an gleicher Stelle (DA Lübz
259,5), doch die Praxis der Unter­
verpachtung setzte der Substanz des
Gutes arg zu.
Ab 1806 gab es nur noch in den Ne­
benbetrieben, wie Holländerei (bis
1826) und Schäferei (bis 1814) Unter­
pächter (vgl. Martinilisten Kirchspiel
Groß Poserin). Pächter des Gutes wa­
ren:
1806 -1 8 6 3
Familie v o n B a s s e w i t z
1863 - 1 8 8 9
E r n s t M ü l l e r u . Witwe
1889 - 1 8 9 3
C h ris tia n S e e r
1893 - 1 8 9 9
C h ris tia n B a r tm a n n
1900-1901
J o h a n n e s S c h l u t iu s
1 9 0 1 -1 9 0 6
H erm ann S em m elro g g e
und Witwe
96
Abb. 1
Das ehemalige
Gutshaus von
Klein Wangelin
(1968)
The former manor
house of Klein
Wangelin (1968)
1 9 0 6 -1 9 1 6
W il h e l m J a n s s e n
1 9 1 6 -1 9 2 0
C a r l B o b s ik n
1 9 2 0 -1 9 3 8
W il h e l m u n d E l ly
Janssen
1 9 3 8 -1 9 4 5
W a l t e r B l ie m e is t e r
Das ursprünglich im südlichen Teil der
Feldmark gelegene D orf wurde nach
1 7 8 3 aus Kostengründen schrittweise
gelegt und als Ersatz für 1 2 Familien
am östlichsten Ende der Feldmark, an
der Grenze zu Karow, die Katen-
domaniale Gut hatte eine Größe von
414 ha (Meckl. Staatskalender 1903).
Durch die Bodenreform wurden 400 ha
aufgesiedelt und an 11 Landarbeiter,
vier Landarme und 45 Umsiedler auf­
geteilt. Es entstanden im und am Rand
des Dorfes in Richtung Penzlin und
Rethwisch etliche Neubauernhäuser.
Um 1958 wurde eine LPG Typ III ge­
gründet.
Abb. 2 Ausschnitt aus dem MTB (1882)
Extract from ordinance map of 1882
Siedlung Neu Wangelin in unfruchtba­
rer Gegend errichtet (DA Lübz 2 4 0 , 6 ) .
Dort kam es aber wegen der isolierten
Lage häufig zu verheerenden Bränden,
was die herzogliche Regierung nach
dem Brand von 1 8 6 2 dazu veranlasste,
die Verlegung der Katen in Hofnähe
durchzusetzen (DA Liibz 2 3 9 , 1). Die
beschädigten Katen in Neu Wangelin
wurde 1 8 6 4 auf Abbruch verkauft und
auch der letzte 1 8 7 8 entfernt. Die heu­
te im Dorf zu findenden Katen wurden
von 1 8 6 2 bis 18 7 8 neu gebaut. Das
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Der G utshof als solcher entstand nach
dem Dreißigjährigen Krieg, als die Wit­
we J ü r g e n D e s s i n ' s die Hälfte der bis
dahin bestehenden sechs Höfe legte
und zu einer Wirtschaft zusammen­
fasste (KVP 164). Der dann gebaute
Hof wurde nach 1750 auf Kosten von
H a r t w ig J u l iu s B r a n d t wegen des
fortgeschrittenen Verfalls neu errich­
tet.
Von den rechteckig angeordneten
Abb. 4 Dieses Fachwerkgebäude war ein Anbau des Gutshauses
(2007)
This half-timbered building was an annex to the manor house
Abb. 3 Das ehemalige Statthalterhaus (2007)
The former inspector house (2007)
Hofbauten sind nur noch der Wirt­
schaftsanbau des Wohnhauses (1869,
Dorfstraße 28), das Statthalterhaus
(Hofplatz 15) und Reste des Plauer To­
res erhalten. Der gesamte I lofkomplex
war bis zum Ausgang des 19. Jh. nur
über das Poseriner, Penzliner oder
Plauer Tor zugänglich. Teils wurde das
Gut von einem Ackerzaun, überwie­
gend aber von einer 13 Fuß hohen
Mauer umgeben (DA Lübz 238,8). Vor
dem Poseriner Tor stand der
Holländerhof mit Stallungen und ei­
nem dreihischigen Hirtenkaten.
Abb. 5
Ehemaliges Neubauernhaus (2007)
Former house of a new settler
Abb. 6 Kellergewölbe unter dem Anbau
des Gutshauses (2007)
Basement vault below the annex
to the manor house (2007)
Gutshaus
Über das Gutshaus ist nur wenig be­
kannt. Hs wurde wohl zwischen 1770
und 1780 erbaut. Eine Modernisierung
erfolgte 1870/71. Ein Teil des Gutshau­
ses wurde Anfang der 1950er Jahre
abgerissen, ein weiterer Teil nach
Aussagen von Anwohnern in den
1980er Jahren. Heute steht nur noch
ein Anbau mit Fachwerk, der zu
Wohnzwecken genutzt wird.Südlich
des Gutshauses befand sieh ein privat
genutzter Garten mit prächtigen Obst­
bäumen.
Gebäude im Dorf
Im Dorf sind besonders die sechs
1862-78 errichteten Katen und das
ehemalige Schnitterhaus (1899, Dorf­
straße 36) zu erwähnen. Die feste Stra­
ße im Dorf mit der Anbindung an die B
192 entstand erst in den Jahren 1939
bis 1942, überwiegend auf Kosten des
damaligen Pächters. Bis dahin war das
D orf in seiner Verkehrsanbindung auf
Abb. 7 Ehemalige Gutskaten, die zwischen
1862 und 1878 errichtet wurden
(2007)
Former estate cottages, constructed between 1862 and 1878
Abb. 8 FTeiler a/s Rest des ehemaligen
Plauer Tores am Landweg nach
Karow (2007)
Pitlar remaing from the former Plau
gate on the country road to Karow
Plau und den Bahnhof Zarchlin (seit
1885) ausgerichtet. Das D orf wird ne­
ben den alten Katen heute auch durch
die Neubauernhäuser, die nach 1945
entstanden, geprägt.
Originally a peasant settlement, Klein
Wangel in becarne a feudal and, from
1745, a ducal estate. There were
numerous tenants. Only a few
constructions remain from the former
estate such as the inspector house
and an annex to the manor house.
The estate cottages, built from 1862
to 1878, and the houses for the new
settlers, dating from after 1945, today
coin the image of the village.
97
6.27 Klocksin
Landkreis Müritz
Amt Seenlandschaft Waren
M. Muchin
aber meist verpachtet. 1881 war M a r t in
v . F r is c h der Eigentümer des Gutes, das
zu dieser Zeit eine Größe von 1093 ha
hatte. Er verpachtete das Gut bis 1926
an H e in r ic h P a e t o w . An Vieh wurden
gut von Klocksin und Neu Sapshagen
unter die Bodenreform. Drei Bauern
enteignete man wegen ihrer Funktion
als Ortsgruppenfuhrer. Das Bodenre­
formland wurde an 33 Neubauern verteilt.
Abb. 2 Das Gutshaus 2007 (Parkseite)
The manor house 2007 (garden view)
Abb. 1 Das Gutshaus um 1880/90
The manor house around 1880/90
Das Dorf und das Gut
Klocksin liegt nördlich des Flachen
Sees, der zur Klocksiner Seenkette ge­
hört. Das D orf wurde 1289 erstmals ur­
kundlich erwähnt. Die Schreibung des
Ortsnamens variierte über die Jahrhun­
derte, doch geht die Bedeutung des
Namens wohl auf das altslawische Wort
„kloku“ zurück, das mit „sprudeln“
übersetzt werden kann. Das ursprüng­
lich mittelalterliche Bauerndorf wurde
im Dreißigjährigen Krieg fast völlig
zerstört und entwickelte sich nach der
Neugründung im Jahr 1649 zu einem
Guts- und Tagelöhnerdorf. Die verblie­
benen Bauern wurden wohl Anfang
des 19. Jh. gelegt und in Neu Klocksin
angesiedelt, ln den Staatskalendern
sind dort immer drei Hauswirte, zu
Klocksin gehörend, angegeben.
Seit dem 14. Jh. war das Dorf im Besitz
der Familie v o n L i n s t o w (Lütgendorf),
die das Gut nach dem Dreißigjährigen
Krieg autbauten. 1692 verpfändete
C h r is t o p h v . L in s t o w Klocksin an sei­
nen Schwager G a b r ie l v o n B a s s e w i t z ,
der es später kaufte. 1782 wurde das
Gut an D ie d e r ic h F r is c h verkauft, der
1819 in den Adelsstand erhoben wur­
de (vgl. Neu Sapshagen). Zu dieser
Zeit hatte das Dorf278 Einwohner, Neu
Klocksin mit der Heller Mühle 37. Das
Gut blieb bis zur Aufsiedlung im Jahr
1933 im Besitz dieser Familie, wurde
98
61 Pferde, 234 Rinder, 987 Schafe und
235 Schweine gehalten. Ab 1926 pach­
teten H e r m a n n und später J o h a n n e s
S c h m i d t das Gut, der auch Pächter auf
Neu Sapshagen war.
1933 kaufte die Mecklenburgische
Landgesellschaft GmbH Schwerin das
Gut und siedelte es auf. Es verblieb
nur ein Restgut von 59 ha. Die Land­
gesellschaft verkaufte 10 bis 20 ha
große Siedlerstellen an 62 Neusiedler,
die das Dorfbild durch den Neubau
von Ställen und Scheunen stark ver­
änderten. Nach 1945 fielen das RestAbb.3 Plan des Dorfes (BV 1782)
Fire insurance layout of village, 1782
\
-
- O
1
St
■
G
K
B
73
Wohngebäude
Gutshaus
Katen
Bauernhaus
Wirtschafts­
gebäude
St Stall
S Scheune
St
| 31
St
st
1952 gründete sich eine LPG, die sich
1959 mit der LPG Biücherhof und
Lütgendorf zusammenschloss. 1974
verlegte man mit der Inbetriebnahme
eines VEG Pflanzenproduktion und
der Industriellen Rindermastanlage
(IRIMA) das regionale Zentrum der
landwirtschaftlichen Produktion nach
Hohen Wangelin. Durch zum Teil er­
zwungene Unterschriften verzichteten
die K locksiner Bauern auf ihren Grund
und Boden, den sie nach 1989 aber zu­
rück erhielten und zur weiteren land­
wirtschaftlichen Nutzung verkauften
bzw. verpachteten.
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Der Plan der Brandversicherung von
1782 zeigt eine Gutsanlage und im
Dorf eine Mischung von Gutskaten
und vier Bauerngehöften. Der Schaf­
stall lag außerhalb der Gutsanlage.
Wahrscheinlich wurden in den 1830er
Jahren mit der Verlegung der Bauern
nach Neu Klocksin und dem Bau des
heutigen Gutshauses Gutsanlage und
Dorf neu geordnet. So erhielt die Dorf­
straße, heute Kastanienweg, ihren jet­
zigen Grundriss. H e m p e l (1837)
schreibt: „Sämtliche Hofgebäude sind
massiv, sowie auch die 16 eine Kreuz­
straße bildenden Tagelöhnerhäuser“.
Von der ehemaligen Gutsanlage existie­
ren noch drei Feldsteinscheunen, von
denen zwei nach 1933 für die Siedler als
Wohnraum, Stall und Scheune umge­
baut wurden. Heute sind diese Gebäu­
de soweit modernisiert worden, dass
sie von mehreren Familien bewohnt
werden. Lediglich noch ein Gebäude
wird als Lagerraum genutzt, z.B. zur
Unterbringung von Booten verpachtet.
Gebäude gehört heute der Gemeinde,
die sich bemüht, es stilgerecht zu sa­
nieren und sinnvoll zu nutzen.
Der P a rk wurde um 1840 im Stile eines
englischen Landschaftsparks ange-
Jahrzehnte in einer K alkbrennerei
verarbeitet wurde. Im Staalskalender
von 1903 ward eine Kalkbrennerei aufgeftthrt. Von 1948 bis 1954 war der
Kalkofen nochmals in Betrieb
Abb. 4 Feldsteinscheune (2007)
Stone barn (2007)
Abb.5 Umgebautes Wirtschaftsgebäude (2007)
Converted estate building (2007)
Abb. 6 Ehemaliger Gutskaten (2007)
Former estate cottage (2007)
Gutshaus und Park
legt. Er reichte bis ans Ufer des Fla­
chen Sees. Begrenzt wurde er im Wes­
ten und Osten mit ein- bzw. zweireihi­
gen Lindenreihen, welche vermutlich
schon aus einer barocken Anlage stam­
men. Reste davon sind heute noch er­
kennbar. Die kleine Kapelle im Jugend­
stil wurde erst Anfang des 20. Jh. in
den Park eingebracht. Das Wegesys­
tem und auch die meisten Freiflächen
sind durch fehlende Pflege verschwun­
den, der Park hat heute Waldcharakter.
(Mhß n e r 2004). Zum Gut gehörten
außerdem eine Schmiede, eine Stellma­
cherei und eine Ziegelei. Aufgeflihrt
sind auch eine Wassermühle in Neu­
hof und die Heller Mühle.
Eine bis zur Aufsiedlung zum Gut ge­
hörende Gärtnerei wurde ebenso wie
die Schmiede bis zur Enteignung ihres
Besitzers weiter geführt. Hiervon zeu­
gen heute noch Reste der sie ehemals
umgebenden Mauer und der Straßen­
name „Am alten Gutsgarten“. Die
Schmiede wairde abgerissen.
In dem an das Gutshaus angrenzenden
Park findet man in der Nähe der Kapelle
auf einer Anhöhe eine Gruppe von Find­
lingen, wo der Gutsherr ihm besonders
lieb gewesene Hunde bestattet hat.
Nach den Plänen der Brandversiche­
rung muss es einen Vorgängerbau ge­
geben haben. Das heutige G utshaus
wurde im spätklassizistischen Stil um
1830 errichtet. 11e m p e l (1837) berichtet
von einem sehr großen und ansehnli­
chen, palastartigen Herrenhaus, das
weiß getüncht und mit schwarz glasier­
ten Ziegeln gedeckt ist. Das Gutshaus
ist ein zweistöckiger, dreizehnachsiger
Putzbau über einem Kellergeschoss
und mit einem Walmdach. Die Hinter­
und Vorderfront des Gebäudes w ird
durch einen Mittelrisaliten mit Dreieck­
giebel geprägt. An der Westseite be­
sitzt das Gutshaus einen einstöckigen,
langen Anbau. Er war bis 1933 das
Inspektorenhaus.
Das Gutshaus diente seinen Besitzern
und Pächtern viele Jahre als Wohnung.
Nach 1945 kam es zu einigen baulichen
Veränderungen. Im Obergeschoss und
teilweise auch im 1. Stockwerk wurden
die Räumlichkeiten des Gutshauses
Vertriebenen aus den ehemaligen
deutschen Ostgebieten als Wohnraum
zugeteilt. Darüber hinaus wurde die
untere Etage als Gemeindebüro mit Bib­
liothek und Kindergarten genutzt und
einem Frisörgeschäft sowie einem All­
gemeinmediziner für regelmäßige
Sprechstunden zur Verfügung gestellt.
Der im 2. Stock gelegene Saal diente
kulturellen Zwecken, bis er Ende der
1960er Jahre aus Sicherheitsgründen
gesperrt werden musste. 2002/03 fan­
den Restaurierungsarbeiten statt. Das
Gebäude im Dorf
Die auf dem Gut beschäftigten Saison­
arbeiter brachte man bis 1933 in einer
Schnitterkaserne am Rande des Dor­
fes unter, die dann weiterhin ständig
bewohnt, Ende der 1970er Jahre abge­
rissen und durch einen Neubau glei­
cher Größe ersetzt wurde.
Die Tagelöhnerkaten stammen aus
den 1830er Jahren und sind zum gro­
ßen Teil erhalten geblieben und nach
der Aufsiedlung 1933 zu Zweifamilien­
häusern umgebaut und durch Ställe und
Scheunen ergänzt worden. Außerdem
errichtete man in Klocksin-Ausbau 12
weitere Bauemgehöiie (Wohnhaus mit
integriertem Stall, daneben eine Scheu­
ne). Nach der Bodenreform 1945 wurden
im Dorf zwei Neubauemhäuser (kombi­
nierte Wohn- und Stallgebäude) gebaut.
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
In der Nähe von Klocksin gibt es ein
Muschelkalkvorkommen, das über
Klocksin was first mentioned in
documents ofthe year 1289. Originally
a peasant settlement which was
devastated during the Thirty Years
War, by the 19th Century it developed
into a pure estate complex. The feudal
estate which comprised more than
1000 hectares had several owners and
leaseholders before being partitioned
in 1933. In Klocksin-extension twelve
new' farmsteads came into being and
the estate cottages and buildings
were converted to serve the uses of
the new settlers. ln this way the
village took on another face. The
manor house in classicist style w'as
built between 1830 and 1850. It w'as
renovated somew'hat in 2002/03, but is
hardly being used.
99
6.28 Kressin
Landkreis Parchim
Amt Goldberg-Mildenitz
R. Berg
Das Dorf und das Gut
Am Nordrand des Zahrener Sees gele­
gen, wurde das Dorf als Krosyna 1235
erstmals erwähnt (M Uß 436). Der
Ortsname geht wohl auf einen slawi­
schen Personennamen (Ort des
Krosyna) zurück. Mit dem Erlöschen
der Linie v o n H a g e n o w , den ersten Ei­
gentümern bis zum 16. Jh., fiel das Gut
an die Herzöge zurück und wurde neu
vergeben. Die weiteren Eigentümer bis
1945 waren:
1582-1595 A r e n d M o e l l e n d o r f f
1595-1668 J o a c h im v o n B ü l o w
1668-1746 Familie B e r n e r
1746-1784 Baron v . W e n d h a u s e n
1884-1788 G o t t f r ie d v . B e r n e r
1788-1792 C h r i s t ia n S u s e m i h l
1792-1835 Familie v . B ü l o w
1835-1852 G ie s b e r t S w a r t e n d y k
S t ie r l in g
1852-1894
1894-1907
Familie K r e y
H e in r ic h R ic h a r d H a n s
G elpke
1907-1910
1910-1934
1934-1937
R ic h a r d v . d e r H e y d e n
Familie v o n R a n t z a u
A i .b e r t und A n n a M a ­
r ia
v . B o d d ie n
Im Dreißigjährigen Krieg völlig zer­
stört, wurde erst im 18. Jh. wieder ein
Rittergut errichtet. Das Gut wurde un­
ter der Familie K r e y und ihren Nach­
folgern erfolgreich bewirtschaftet. Es
umfasste nach der Neuvermessung
1897 etwa 397 ha und 1903 374,5 ha
(Meckl. Staatskalender 1903).
1937 übernahm die Reichsum­
siedlungsgesellschaft (RUGES) das
Gut gegen Entschädigung. Mit der
Aufsiedlung sollten neben dem Rest­
gut 15 Bauemstellen entstehen. Ein
Teil davon wurde wirklich gebaut (vgl.
Gebäude im Dorf), jedoch geriet das
Vorhaben durch die Einrichtung eines
Remonteamtes in Neu Poserin 1939
ins Stocken. Die RUGES hatte hier so­
wie in Neu Poserin, Penzlin und
Plauerhagen den Auftrag, Siedlungs­
möglichkeiten für die westfalischen
100
Gemeinden Hövelhof und Stucken­
brock (Kreis Paderborn) zu schaffen,
da diese einem Truppenübungsplatz
der Wehrmacht weichen sollten. Die
ansässige Stammbevölkerung in
Kressin und den anderen Dörfern soll­
te zwangsumgesiedelt und die Gemar­
kung Kressin zwischen den Orten
Poserin und Penzlin aufgeteilt werden
(vgl. Akte Siedlungsamt Nr. 1505).
Das Restgut wurde nach 1945 enteig­
net und an 52 Neubauern aufgeteilt.
So sind im und außerhalb des Ortes
die Gebäude aus verschiedenen
Entwicklungsperioden zu finden.
1953 gründete man eine LPG Typ I, die
man 1956 in den Typ 111 umwandelte.
Später schlossen sich die LPG Kressin
und Neu Poserin zusammen, um dann
in den 1970er Jahren in der LPG Pflan­
zenproduktion Goldberg aufzugehen.
Gutsanlage und
Wirtschaftsgebäude
Der Gutshof liegt in Seenähe am Ende
der Langen Straße und wurde 1737 an
dieser Stelle eingerichtet (Unterlagen
zur200-Jahrfeier 1937 im Siedlungsamt
Nr. 1454). Die Wirtschaftsgebäude wa­
ren im Rechteck gruppiert, allerdings
befanden sich wegen der etwas be­
engten Verhältnisse auch Gebäude in
zweiter Reihe. Die Gutsstruktur hat
sich im Wesentlichen bis heute erhal­
ten. Es steht aber das große, zweiflü­
gelige Gebäude nicht mehr, das auf
dem Messtischblatt Nr. 2438 von 1882
und 1919 den H of nordwestlich ge­
schlossen hatte ( d e V e e r 2006).
Von den Wirtschaftgebäuden ist auf
der linken Seite ein unter Denkmal­
schutz stehender Speicher erhalten,
der zurzeit zum Atelier und Wohnhaus
umgestaltet wird. Das Wohnhaus
links vom Gutshaus steht auf den
Fundamenten des alten Pferdestalles.
Gutshaus und Park
Nach d e V e e r (2006) wurde das G uts­
haus Mitte des 19. Jh. über einem
Vorgängergebäude erneuert. Die Da­
tierung kann nur vermutet werden und
wird von ihr aus dem Alter der Bäume
im Park von ca. 100 Jahren abgeleitet.
Dabei wird davon ausgegangen, dass
die Anlage des Parks mit der Umbauzeit
des Gutshauses zusammen gefallen ist.
Das Gutshaus hat neun symmetrisch
Abb. 2
Ehemaliger
Speicher und Sta/i
(2007)
Former storehouse
and stable (2007)
ße nach Gallin und im D orf etliche
Neubauernhäuser.
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Abb. 3
Das Gutshaus
2007
The manor house
2007
angelegte Achsen und wird vertikal
durch Lisenen gegliedert. Ein drei
Achsen breiter Risalit betont die
Gebäudemitte. Er wird von L isenen
eingefasst, die in Fialen enden. Der
gestufte Schaugiebel des Risalits trägt
eine Uhr. Die äußeren Achsen des
Gutshauses werden im Erdgeschoss
durch dreiflügelige Fenster und seit­
lich darüber durch Zwerchhäuser mit
Stufengiebeln akzentuiert. Ein schma­
ler Drempel wird durch ein umlaufen­
des, doppeltes Zickzackband vom
Erdgeschoss abgesetzt. Das Gutshaus
w eist mit den beschriebenen Details
eindeutig gotische Elemente auf (mit­
telalterliche Gesinnung der Architek­
tur) ( d e V e e r 2006). Das Gutshaus
wurde saniert, befindet sich in Privat­
besitz und wird als Wohnhaus ge­
nutzt.
Die Pläne zu den Brandversicherungs­
akten von 1820 zeigen den Gutshof im
Norden und Westen von Gemüsegär­
ten, im Osten von einem Obstbaum­
garten und im Süden hinter dem Guts­
haus von einem Lust- und Küchen­
garten umgeben. Aus letzterem hat
sich der heutige P a rk entwickelt. Der
Park von etwa 0,75 ha ist erhalten und
in einem guten Zustand. Zwei Winter­
linden mit einem Stammumfang von
з,20 m hinter dem Gutshaus und ein
Ginkgo vor dem Gutshaus mit glei­
chem Umfang wurden schon 1938 un­
ter Naturschutz gestellt ( P in k e r n e l l e
и. K och 2 0 0 3 ) .
Gebäude im Dorf
Nach der Legung der letzten beiden
Kossäten beherbergte das Dorf einen
dreihischigen und fünf zweihischige
Katen, also 13 Wohnungen und das
Abb. 4 Ehemaliger Gutskaten von 1895
(2007)
Former estate cottage of 1895
Holländerhaus, welches sich am Aus­
gang des Dorfes in Richtung H of auf
der rechten Seite befand. Die Hol­
länderei war bis 1857 verpachtet und
wurde dann vom H of übernommen,
wie schon 1817 die Schäferei. Die Ka­
ten wurden in den letzten drei Jahr­
zehnten stark verändert. Der
Schnitterkaten, der rechts neben der
Langen Straße stand, ist leider ver­
schwunden.
Mit dem Beginn der Aufsiedlung 1936
wurden an der Straße nach Gallin eini­
ge so genannte Einfirsthäuser mit
Spitzdach gebaut, in denen die Woh­
nung, der Stall und die Scheune unter
einem Dach untergebracht waren. Es
war der bevorzugte Haustyp in der
Zeit des Nationalsozialismus für Neu­
siedler ( M ä l z e r et al. 2004). Durch die
Bodenreform entstanden an der Stra­
Im Norden der Feldmark wurde ab
1713 für mindestens 10 Jahre in ge­
meinsamer Konzession der Güter
Woosten und Kressin eine G lashütte
durch den Unternehmer G u n d l a c h be­
trieben, der auch andernorts Hütten
besaß.
Beim Verkauf des Gutes 1894 befan­
den sich unter dem Inventar ein
Lokomobil und mehrere Dampfmaschi­
nen. Das Gut hielt Geschäftsanteile an
der Zuckerfabrik in Lübz und an der
Molkerei Gallin. Eine Feldbahn führte
vom Gutshof zum Bahnhof Gallin.
Abb. 5 Einfirsthaus an der Straße Neu
Poserin - Ga/iin (2007)
Single ridge house on the road
Neu Poserin to Gallin (2007)
Kressin is an old village which was
first documented in 1235. It had many
owners. After the Thirty Years War
the feudal estate was reconstructed
during the 18lh Century and then
comprised almost 400 hectares. Part
of the estate was distributed to new
settlers in 1937, the remainder after
1945, as well. The structure of the
estate can still be recognized today,
but many buildings have been
ehanged substanlially. Today1s
manor house dates back to the middle
of the 19th Century, its architecture
exhibiting numerous neogothic
elemenls. The building was
refurbished and is now being used for
residential purposes. A small park is
located behind the manor house.
101
6.29 Leisten
Landkreis Parchim
Amt Plau am See
Ch. Steinbach
Das Dorf und das Gut
Leisten ist ein kleines Dorf am Nord­
westufer des Plauer Sees und über die
Bundesstraße 103 zu erreichen. Biegt
man von dieser ab, so fahrt man durch
eine 1888 gepflanzte Kastanienallee in
das Dorf hinein. Der Name ist wahr­
scheinlich slawischen Ursprungs und
könnte “Haselnussort“ (slaw. leska)
oder „Waldort“ (russ. less) bedeuten.
Urkundlich wurde Leisten 1271 erst­
mals erwähnt.
In der Folgezeit war Leisten in Kirchenund Verwaltungsangelegenheiten Plau
bzw. Quetzin zugeordnet. Ritter und
Adlige, ab dem 19. Jh. auch Bürgerli­
che, waren die Besitzer des Gutes. In
den Lehnsakten waren zu finden:
1308.1472
v o n D e s s in
1519,1593
v o n D iit e n
1600,1645
S pren g el
1672
v o n L in s t o w
1697,1748
von S tra h len d o r ff
1722,1794
v o n K l in g g r a e f f
1795,1802
von P entz
1803
von L enthe
1810.1817
von L eh sten
1817-1900 Familie B l u s t
1900 - 1946 S e i il u t iu s
1767/1806 zeigte eine Karte den Hof mit
acht Gebäuden, daneben acht Katen an
der Dorfstraße. 1864 zählte Leisten 115
Einwohner, die Wohngebäude waren
ein Herrenhaus und 17 Katen. 1928 war
im Amt Parchim die Gesamtfläche des
Gutes Leisten mit 720 ha angegeben,
davon 61 ha Wasser und 156 ha Hol­
zungen. 1946 wurden durch die Boden­
reform 364 ha LN und 89 ha Wald an 44
Siedler (je 8,3 ha) aufgeteilt. 1957
gründete sich eine LPG, die bis 1973
eigenständig war. Danach schloss
man sich mit Plauerhagen zusammen.
1994 wurde II. S c h l u t iu s Eigentümer
der Flächen in Leisten, die nicht den
Bodenreformsiedlern gehörten.
102
Abb. 1 Die Gutsanlage Leisten in den Jahren 1880/90
The estate Leisten in the years 1880/90
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Alle Stallgebäude des Hofes mussten
infolge von Bränden durch den neuen
Eigentümer J o h a n n e s S c h l u t iu s nach
1900 neu erbaut werden. Der weiträu­
mige Gutshof grenzte an den Hofsec.
Jetzt ist der denkmalgeschützte und
sanierungsbedürftige Speicher mit
neobarockem Schmuckgiebel das ein­
zige verbliebene Gebäude der ehemali­
gen Gutsanlagc. Sein imposantes Äu­
ßeres erinnert an seine frühere Bedeu­
tung als Wirtschaftszentrum (Guts­
wasserversorgung, Lichtmaschine).
Zur Gutszeit wurde hauptsächlich
Milch produziert und Bullenaufzucht
betrieben. Vom Dorf her gelangte man
durch ein großes Tor auf den Gutshof,
durch ein zweites Tor auf den „Milch­
weg“, der als kürzeste Verbindung für
den Milchtransport zum Bahnhof
Karow (per Eisenbahn zur Molkerei
Malchow) ausschließlich dafür ge­
nutzt wurde. Düngerschuppen und
Feldscheune des Gutes Leisten erhiel­
ten Anfang des 20. Jh. ein
Abb. 2
Das Siegel von Beust
The Signet of the von Beust
family
Anschlussgleis an die 1882 eröffnele
Bahnstrecke Plau - Güstrow. Die ge­
samte Anlage wurde in den 1960er
Jahren zurückgebaut. Der Rückbau
von Hofgebäuden begann schon
1968. 1985 wurde die Schmiede abge­
rissen. Nachdem die Stall- und Wirt­
schaftsgebäude rund um den Speicher
10 Jahre ungenutzt verfielen, ließ die
TFIA sie bis Januar 1999 abbauen, die
beiden letzten Gebäude vor der Hof­
seesiedlung wurden 2003 entfernt.
Gutshaus und Park
Das Gebäude ist auf einem sehr alten
Kcllergew'ölbe ( d e V f.f.r ( 2 0 0 6 ) gibt
13./ 1 4 . Jh. an) errichtet worden und
sicht unter Denkmalschutz. Sehr
wahrscheinlich wurde es durch J o ­
h a n n W il h e l m B e u s t um die Mitte
des 19. Jh. gebaut. Das Gutshaus ist
ein einstöckiger Backsteinbau mit
symmetrischen neun Achsen über ei­
nem hohen Kellergeschoss mit einem
Krüppelwalmdach. Die Freitreppe wrar
ursprünglich weiter geschwungen.
Während cs von 19 0 0 bis 19 4 5 dem
Abb. 3 Kartenausschnitt m it Gutsanlage und Dorf (1806)
Map extract of estate and village from 1806
IM 2 BL
Abb. 4 Das Gutshaus in den Jahren 1880/90
The manor house in the years 1880/90
Abb. 5 Das Gutshaus heute (2003)
The manor house today (2003)
Inspektor als Wohnhaus diente, ist es
danach als Dorfkulturhaus und für
Wohnzwecke ucnutzt worden. Nach
Wohnhaus. Außerdem errichtete man
nach 1900 noch eine heute privat ge­
nutzte Schnitterkaserne, die etwas
macher und Stellmacher gab es mit der
Windmühle offenbar nur einen Ne­
benbetrieb. Die W indm ühle über dem
Abb. 6 Die Schmiede vor 1960
The smithy before 1960
Abb. 7 Der Speicher vor 1960
The storehouse before 1960
Abb. 8 Der älteste Katen im Dorf
The oldest cottage in the village
Abb. 9 Speicher m it neobarockem
Schmuckgiebel (2007)
Storehouse with neo-baroque
decorative gable
Nordufer der Leister Lanke soll zwi­
schen 1 7 7 8 und 1 8 5 3 gearbeitet ha­
ben. Dass der „Leister Krug“ iden­
tisch mit dem Müllergehöft ist, kann
man annehmen. 1 8 0 1 waren der Müller
S t ü d e m a n n , später Müllermeister J. F.
K n ü p p e l ( 1 7 9 5 - 1 8 6 0 ) namentlich be­
kannt.
Leisten is a small village on the
Northwestern shores o f lake Plau. The
owners of the old feudal estate from
the 13"' C e n t u r y changed frequently.
In the early 20th Century the place
experienced a boom phase when many
new buildings in the village and new
installations on the estate were built.
After 1 9 4 5 , 5 0 0 hectares out of
previously 7 2 0 hectares were
redistributed among 4 4 new settlers.
This is how new farmer houses were
constructed in the village. Today’s
manor house, currently used for
residential purposes, probably dates
back to the mid 19"’ Century. Only one
impressive storage buikling, today
badly needing renovation, remains
from the former estate.
der Privatisierung wurde das I laus
1997 rekonstruiert und als Wohnanla­
ge für acht Mieter ausgebaut.
Ein P ark von ca. 4.000 m2 liegt zwi­
schen Gutshaus und Hofsee, wie eine
Karte von 1901/02 ausweist. Vermut­
lich legte man den Park in der Mitte
des 19. Jh. an. Heute ist nur noch ein
verwilderter Restbestand mit Hainbu­
chen, Spitzahorn und Eschen zu se­
hen.
Gebäude im Dorf
Nach 1900 wurden sechs Katen für je
zwei Familien (zweihischig) aus Back­
stein neu errichtet, weil durch Brand­
stiftung bis auf einen Katen die Woh­
nungen der Tagelöhner zerstört wur­
den. Diese Häuser werden heute alle
als private Wohnhäuser genutzt und
sind größtenteils modernisiert und re­
noviert worden. Das Haus Nr.7/8, ehe­
mals Statthalterwohnung, und die
1907 erbaute Schule besitzen schöne­
re Fassaden als die übrigen Häuser.
Das Schulgebäude wurde privatisiert
und zeigt sich heute als attraktives
entfernt von der Dorfstraße steht. Im
D orf entstanden nach der Bodenre­
form 14 Neubauernhäuser, vier Woh­
nungen für Neubauern wurden in vor­
handenen Wirtschaftsgebäuden ein­
gerichtet.
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Außer den auf dem Gutshof tätigen
Handwerkern wie Schmied, Rade-
103
6.30 Linstow
Landkreis Güstrow
Amt Krakow am See
F. Lorenz
Das Dorf und das Gut
Die L i n s t o w e r , mecklenburgischer Uradel, wurden 1282 als Rittergeschlecht
benannt. Die Entwicklung Linstows
war eng mit dem Gut (Alt) Gaarz ver­
bunden. Das nach dem Dreißigjähri­
gen Krieg errichtete Gutshaus wurde
schließlich nur noch bis 1735 von
A d a m v o n L i n s t o w bewohnt. Als
vererbbarer Pfandbesitz ging das Gut
danach in mehrere Besitzungen über.
Die Großherzogliche Kammer in
Schwerin übernahm es 1827. Das Rit­
tergut wurde also zur Domäne. 1873
wurde sie an L u d w ig und M a r ie
F e n s c h verpachtet, die hier 37 Jahre
wirtschafteten. Unter ihrer Leitung er­
lebte der Ort eine Blüte, bedingt durch
die Reichsgründung und den wirt­
schaftlichen Aufschwung der „Grün­
derzeit“. Danach führte C h r is t i a n
BENCKENDORFdasGutbis 1945. 1903
hatte das Gut eine Größe von 998 ha.
1937 gehörten zu Linstow das Kirch­
dorf Kieth, Klein Bäbelin, Bornkrug
und Hinrichshof mit insgesamt 253
Einwohnern. Die Gesamtfläche betrug
2174 ha. 1944/45 dominierten in der
Menge Getreide (249,5 ha), I lackfrüchte (165 ha, davon Kartoffeln 153 ha),
Schafschwingel (98,5 ha), Weide (62
ha), Lupine (27,5 ha) und Ölfrüchte (10
ha). Schwerpunkte der Tierhaltung
(1944) waren 37 Pferde, 204 Kühe. Bul­
len, Stärken und Kälber, 20 Ochsen,
934 Schafe, 331 Schweine. An Technik
besaß man zu diesem Zeitpunkt drei
Trecker, einen Lanz Dreschsatz, ein
Strohgebläse und die Maschinenein­
richtung der Brennerei.
Im Herbst 1945 wurde der Grund und
Boden durch die Bodenreform aufge­
teilt. 73 Tagelöhner, Heimatvertriebene
und Flüchtlinge erhielten Land (ca. 10
ha pro Familie). Zu ihnen zählten auch
die Wolhyniendeutschcn. Sie errichte­
ten sich die typischen Holzhäuser, die
dem Ort ein eigenes Gepräge verlie­
hen. Eines der Holzhäuser an der
104
Abb. 1 Das Gutshaus im Jahr 2003
The manor house in 2003
Krakower Straße ist noch heute erhal­
ten (vgl. Abb.9).
1955 wurde ein örtlicher Landwirt­
schaftsbetrieb gegründet, der 1957 in
eine LPG vom Typ 1 und 1959 in den
Typ II überführt wurde. Aus ihm ging
1960 die LPG „Einheit Linstow“ her­
vor. Im Jahre 1974 wurde neben dem
VEG Hohen Wangelin der VEB KIM
(Kombinat Industrielle Mast) Hohen
Wangelin gegründet, dem sich die
Bauern aus Linstow im Januar 1975
(trotz Gegenstimmen) anschlossen, ln
der Folge verließen viele Bauern den
Ort. Nach 1990 gingen die Flächen in
einem landwirtschaftlichen Familien­
betrieb auf.
Gutsanlage und
Wirtschaftsgebäude
1937 sind für die Gutsanlage verzeich­
net: Gutshaus, vier Scheunen, ein
Schafstall, ein Schweinehaus, ein
Viehhaus, ein Kornspeicher, ein Pfer­
destall, zwei Wirtschaftshäuser und
zwei KartofTelkcller(vgl. Abb.2). Eine
Scheune mit Pappdach ist beim Ein­
Abb. 3
Scheune und
ehemaliger
Pferdestall werden
noch
landwirtschaftlich
genutzt (2007)
Barn and former
stables are still
serving their
designation (2007)
s t . 7 “.
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■ Wohngebäude
G Gutshaus
□ Wirtschafts­
gebäude
St Stall
S Scheune
Abb.2 Plan der Gutsanlage 1937
Layout of estate from 1937
marsch der Roten Armee abgebrannt.
Eine Scheune und der ehemalige
Pferdestall werden heute vom ansäs­
sigen Landwirtschaftsbetrieb ge­
nutzt. Das Schweinehaus und das
Nebenhaus wurden zu Wohnungen
umgebaut.
Gutshaus und Park
Das heutige G utshaus bzw. große Tei­
le davon stammen sehr wahrschein­
lich aus der ersten Hälfte des 18. Jh.,
Abb. 4 Seitenansicht des restaurierten
Gutshauses (2007)
Side view of renovated manor
house (2007)
denn auf der DVK von 1756 ist an die­
ser Stelle ein Gebäude mit Mansarddacli, das typisch für einen barocken
Bau ist, eingezeichnet. Es ist zu ver­
muten, dass große Teile des alten Ge­
bäudes in dem neuen aufgegangen
sind und das Dach noch original ist.
Das Gutshaus erfuhr im Lauf der Jahr­
hunderte mehrere Veränderungen. Es
wurde als Wohnhaus von den
Domänenpächtern genutzt. Gemein­
sam mit den Nebengebäuden (Schmie­
de, Wirtschaftsgebäude) und dem da­
hinter liegenden Park steht es unter
Denkmalschutz. Die Nebengebäude
existieren nicht mehr. Bei dem Guts­
haus handelt sich um einen einge­
schossigen Klinkerbau mit
Krüppel mansarddach, der auf einem
Natursteinsockel ruht. Er besitzt ins­
gesamt 11 Achsen, der Mittelrisalit
drei Achsen mit einem mittigen Ein­
gang. Das ausgebaute Dachgeschoss
hat neun Achsen.
Nach 1945 hatte das Gutshaus ver­
schiedene Funktionen, so Kindergar­
ten, Dorf-Konsum, Gaststätte und Ge­
meindezentrum. Der Saal wurde viel­
fältig für kulturelle Zwecke genutzt.
2007 wird das privat erworbene Ge­
bäude denkmalgerecht zu einer
Familienpension und einem Cafe' um­
gestaltet.
Im 18. Jh. befanden sich westlich ne­
ben dem Gutshaus eine kleine barokke G artenanlage nach französischem
Vorbild und ein sich anschließender
Obstgarten. Die Anlage war in dieser
Abb. 5 Das Gutshaus 2007
The manor house in 2007
Zeit typisch für gestaltete Gärten an
Gutshäusern. Nach 1874 bemühte sich
die Pächterfamilie F e n s c h um die Er­
weiterung der Gartenanlage im Stile
englischer Landschaftsgärten. Dabei
wurde die Nebel als gestalterisches
Element einbezogen. Die geschwun­
gene Wegeführung, ein künstliches
Hügelgrab sowie zwei Teiche sind in
dieser Zeit entstanden. Ein Großteil
der heute noch vorhandenen älteren
Solitärbäume wurde in dieser Zeit ge­
zielt in die Parkanlage eingebracht.
Eine geschwungene Holzbrücke führ­
te vom gärtnerisch stärker geprägten
hausnahen Gartenteil in den
Landschaftspark. Der schon um 1750
vorhandene Obstgarten blieb offen­
sichtlich bestehen. Noch heute sind
uralte Kirschbäume mit großen
Stammumfängen auf einer Rcstfläche
vorhanden.
Gebäude im Dorf
Im Ortsteil Kieth befinden sich acht
Wohnhäuser ehemaliger Landarbeiter
(davon ein vierhischiger und ein zweihischiger Katen) und ein Schnitter­
wohnhaus. Die Mehrzahl der Tagelöh­
ner wohnte demnach in Kieth. Mit der
Bodenreform sind 73 Neusiedlersteilen errichtet worden, überwiegend
für die Wolhyniendeutschen. Ihre
I Iäuser befinden sich in der Krakower
Straße.
Abb. 6 Ehemaliger Gutskaten in Kieth
(2007)
Former estate cottage in Kieth
Abb. 7
Darstellung der
heutigen
Parkanlage
Depiction of
today’s garden
105
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Nach dem Stilllegen der Mühle in
Kieth ist 1854 am Wasserlauf der Ne­
bel eine Mühle errichtet worden, er-
Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg in
Betrieb. Es bestanden auch eine
Schmiede und eine Stellmacherei, die
nicht extra ausgewiesen waren. Laut
Lageplan befanden sie sich im
Abb. 8 Die Ruine der ehemaligen Brennerei (2007)
The remains of the former distillery (2007)
w'eitert durch eine Ölmühle. Vermutlich
erzeugte sie später elektrischen Strom
für die Fabrikanlagen. Die Mühle wur­
de mit Turbinenantrieb bis 1962 ge­
nutzt. Mil der Auflösung der LPG
Linstow 1973 und dem Übergang zum
VEB KIM Hohen Wangelin wurde sie
stillgelegt. Vermutlich wurde schon
vor 1800 eine Brennerei errichtet.
Nach dem Übergang in die Domänen­
wirtschaft erhielt sie 1875 völlig neue
technische Anlagen und eine Woh­
nung fiir den Brennmeister. Es wurde
auch eine Flockenfabrik (Herstellung
von Kartoffelflocken) genannt. In den
Zeichnungen ist ein leerer Raum über
den Kesseln ausgewiesen, der ver­
mutlich wegen der Wärmenutzung
hierzu vorgesehen war. Zeichnungen
liegen vor. Die Anlage war bis in die
Abb. 9
Woihynierhaus aus Holz in der Krakower Straße (2007)
Wooden house of Volhynian ethnic German immigrant in
Krakow Street (2007)
Brennereigebäude oder im Wirt­
schaftsgebäude, wo sie wegen des
Stromanschlusses untergebracht wa­
ren.
Über das ganze Mittelalter haben sich
die L i n s t o w e r als mecklenburgischer
Uradel zielstrebig von ihrem Stammsitz
ausgebreitet, gründeten das erste und
zweite dänische Königshaus und nah­
men geachtete Positionen in der Ar­
mee und im Staatsdienst ein. Sie tru­
gen den Namen nach Schottland, Eng­
land und Frankreich. Zu ihnen zählten
auch die Afrika-Reisenden D a v id und
C h a r l e s L iv in g s t o n f (die englische
Form von „ v o n L in s t o w “ ).
Im Sommer 1993 wurde in Linstow ein
W olhynier Umsicdlermuseum in ei­
nem wolhynischen Bauernhaus einge­
richtet, um das Schicksal dieser vor
Abb. 10
Wolhynier
Umsiedlermuseum
Museum of
Volhynian ethnic
German
immigrants.
106
ca. 160 Jahren in die Westukraine ausgewanderten Deutschen darzustellen.
Abb. 11 Museumsscheune (2006)
Barn of the museum
Linstow has its name from an old
noble family which first foundfed the
estate and the village and domiciled
hereunlil 1735. 1827 the estate
became ducal property and fiefdom.
1903 it comprised 998 hectares. After
the land reform 73 new settlers
received arable land, among them
displaced ethnic Germans from
Volhynia. After the formation of
agricultural co-operatives in the 1950s
and 1960s the fanners from Linstow
joined the large scale Operation o f
Hohen Wangelin (“ VEG”). Today a
family run agricultural business is in
existence. The manor house probably
originates from the first half o f the 19,h
Century and is being renovated. The
nearby village o f Kieth is
characterized by eight estate cottages,
formerly inhabited by day labourers.
6.31 Louisenfeld
Landkreis Müritz
Amt Seenlandschaft Waren
G. Masurowski, D. Mombour
Abb. 1
Giebelinschrift am
Gutshaus (2004)
Manor house
gable inscription
(2004)
Das Dorf und das Gut
Louisenfeld liegt nordwestlich von
Grabowhöfe. Es ist heute ein sehr klei­
nes Dorf mit etwa 60 Einwohnern. Der
Ort ist eine sehr späte Gründung und
erst 1878 als Louisenfeld im Staatskalcnder genannt worden.
Louisenfeld entstand als Vorwerk des
Gutes Grabowhöfe. F r i e d r i c h II. G r a t
v o n H a h n auf Remplin war seit 17 9 1
Lehnbcsitzer von Grabowhöfe. Er
übertrug seinem Sohn Ferdinand nach
dessen Heirat mit L o u i s e J o h a n n a
H e d w i g v o n W o l f r a d t 1803 das neu
eingerichtete Gut Grabowhöfe. Ferdi­
nand starb schon 1805. Die Witwe leb­
te weiter auf Grabowhöfe. Ihr Sohn
G raf F r i e d r i c h W i l h e l m A d o l f H a i in
auf Basedow übertrug ihr, die C a r l
v o n Voss auf Kummin geheiratet hatte,
1832 das Gut Grabowhöfe mit der 18 16
erbauten Meierei Louisenhof (das war
der ursprüngliche Name der Meierei)
auf Lebenszeit zur Nutzung. Sie starb
1851. Den Namen hat der Ort vermut­
lich von dieser L o u i s e J o h a n n a H e d ­
w ig Voß , verwitwete Gräfin H a h n , be­
kommen. Danach war M a x O t t o
Abb.2 Das Gutshaus, das wieder zu Wohnzwecken genutzt wird.
(2004)
The manor house, again in residential use (2004)
F ü r s t z u S c h a u m b u r c . - L ip p e über. 1936
wurden durch die Reichsumsiedlung
die Güter Grabowhöfe, Baumgarten
und Louisenfeld aufgesiedelt. In
Louisenfeld wurden 13 Bauern ange­
siedelt und für sie z. T. abseits liegen­
de Höfe errichtet. Die Siedler kamen
aus der Lüneburger Heide, Nieder­
sachsen und Ostfriesland, wo Trup­
penübungsplätze gebaut wurden. Ei­
nige Bauern hatten an ihren Häusern
folgenden Spruch zu stehen: „Das
Erbe der Väter, wir geben es her, zum
Schutze der Heimat für Deutschlands
Wehr.“ Den Resthof mit etwa 100 ha
übernahmen Herr W ö r m a n n und Frau.
Sie waren bis 1945 Eigentümer. Durch
die Bodenreform wurde das Gut 1945
durch Neubauern aufgesiedelt. Sie be­
wohnten zum Teil das Gutshaus und
bauten einige Stallteile zu Wohnun­
gen um.
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Der Gutshof besteht heute noch als
große rechteckige Anlage, an deren
nördlicher Stirnseite das Gutshaus er­
baut wurde. Dem Gutshaus vorgela­
gert waren rechts ein Schweinestall (z,
T. zu einem Wohnhaus umgebaut)
und eine Scheune (nicht mehr vorhan-
F rie d ric h W e rn e r A d o lf E r n s t G r a t
Besitzer von Grabowhöfe.
Er starb 1903. Die Familie des Grafen
H a h n war bis zur Jahrhundertwende
Besitzer des Hofes Louisenfeld. Da­
nach ging das Anwesen 1914 in das
Eigentum von Fürst G e o r g z u
S c h a u m b u r g - L i p p e und 1923 an A d o l f
v o n H a i in
Abb. 3
Der Gutshof
Louisenfeld um
1940
Estate Louisenfeld
around 1940
107
Abb. 4 Stallgebäude (2004)
Stable building (2004)
den) und links drei Ställe, von denen
der erste ebenfalls zum Wohnhaus
umgebaut worden ist. A uf den Funda­
menten des dritten Stalles wurde ein
Wohnhaus errichtet. A uf dem
Messtischblatt von 1880 ist auch
noch ein Gebäude gegenüber dem
Gutshaus als Abschluss des Gutsho­
fes vorhanden, so dass einmal eine
geschlossene, rechteckige Gutsanlage
bestand.
Abb. 6 Ehemaliger Gutskaten (an der Straße), der für Siedler um­
gebaut wurde (2007)
Former cottage estate, adapted for new settlers (2007)
Gutshaus
Das Gutshaus ist ein großes, einge­
schossiges Backsteingebäude, wel­
ches auf hohem Feldsteinsockel er­
richtet wurde. Auffallend ist auf der
Vorderseite ein hoher leicht vorsprin­
gender Mittelrisalit, der bis zum Dach­
first reicht. Er ist reich mit Backsteinzierbändern ausgestattet, die sich um
das ganze Gebäude herumziehen. Beide
Giebelseiten und der Mittelrisalit sind
unter dem Dach mit Arkadenfriesen ge­
schmückt. Der Mittelrisalit trägt die In­
itialen: „M.H. E.H. g. b. z. E. 1870“. Sie
bedeuten: M ax H aiin - Emmy H ai in,
Abb. 7 Winkelhof aus den 1930er Jahren (2007)
Angular construction from the 1930s (2007)
geb. z u E u l e n b u r g , Baujahr des Hau­
ses 1870. Der ursprüngliche Eingangs­
bereich auf der Vorderseite im Mittel­
risalit in Form einer Hochtreppe mit
Terrasse ist nicht mein- vorhanden. Er
wurde sichtbar zugemauert. Die Ein­
gänge befinden sich jetzt auf der Rück­
seite des Hauses.
Ab 1953 wurde das Gutshaus an
Einzelbesitzer verkauft. I leute gehört
Abb. 5
Das Gutshaus um
1940
The manor house
around 2004
108
es zwei Parteien. Es befindet sich in ei­
nem recht guten baulichen Zustand.
Zum Gutshaus selbst gehörte nie eine
Parkanlage, die Flächen hinter dem
Gutshaus wurden seit dem Bau des
Hauses als Garten genutzt.
Louisenfeld in the middle o f the I9th
Century emerged from a dairy-farm of
the estate Grabowhöfe, owned by the
von Hahn family o f Basedow. 1936 the
major part of Louisenfeld was
redistributed to new settlers from
Lüneburger Heide, Lower Saxony and
East Frisia. A core estate o f some 100
hectares remained which was
expropriated in 1945 and redistributed
to new settlers. The large estate court
in part still exists today. The manor
house, a one story brick construction
from 1870, is now privately owned and
used for residential purposes.
6.32 Marxhagen
Landkreis Müritz
Amt Seenlandschaft Waren
G. Masurowski, D. Mombour
Das Dorf und das Gut
Marxhagen liegt nordwestlich von
Waren an der Bundesstraße 108 in ei­
nem sehr schönen Endmoränengebiet.
Der Ort ist eine relativ junge deutsche
Gründung, denn er erschien erst um
1650 und war bis etwa 1830 Pertinenz
von Ulrichshusen. 1649 wurde das Gut
Ulrichshusen mit den Vorwerken Marx­
hagen und Moltzow an C a r l D i e t r i c h s o n R u t h verpfändet. So trat Marx­
hagen 1649 zum ersten Mal in einer
Urkunde auf. R u t h starb kurze Zeit da­
nach. 1687 erwarb Freiherr v o n E r l e n k a m p das Gut Ulrichshusen mit Marx­
hagen als Pertinenz. Die Äcker aber la­
gen wüst und waren völlig mit Holz
bewachsen. Bereits 1690 legte v o n
E r l e n k a m p eine Glashütte auf seinen
Gütern an, um Ackerland zu gewinnen.
1743 wurden zwei weitere Glashütten
auf der Marxhägener Feldmark ange­
legt. Sic haben bis 1755 produziert.
Durch diese Glashütten wird die Ent­
stehung des Dorfes Marxhagen we­
sentlich bewirkt worden sein. Ab 1776
war L ü d h c k e v o n M a l t z a il n wieder
Besitzer der Güter Ulrichshusen mit
der Pertinenz Marxhagen und Rambow.
1793 wurde Marxhagen in den Marti­
nilisten als H of Marxhagen genannt
und war bis 1805 an M ic h a f .l s e n ver­
pachtet. Er beschäftigte einen Hollän­
der und Schäfer. Das deutet darauf
hin, dass Marxhagen wohl weiterhin
eine Meierei war, auf der bis 1805 aller­
dings zusätzlich ein Schreiber, eine
Haushälterin, zwei Weber, 10 Tagelöh­
ner und zwei Hirten arbeiteten. Von
1805 bis 1819 waren die Gebrüder
F r e u d e n f e l s die Pächter der Meierei.
Sie erkannten die Bedeutung des Mer­
gels und führten die Anwendung als
erste in Mecklenburg ein. Nach der
Lehnssequestration der Maltzanschen
Güter (1822-1823) erhielt A l e x a n d e r
J o a c h im v o n M a l i z a n - M il i t s c h
Ulrichshusen, Lupendorf und Marx­
hagen.
Abb. 1
Das Gutshaus
Marxhagen in den
Jahren 1880/90
The manor house
of Marxhagen in
the years 1880/90
Pächter und Eigentümer waren:
1823-1826 M ü l l e r
1827-1830 B a r c k o w
1831-1837 A.C.L.Voß
1837-1839 F. F. A. E. S c h u s t e r
1840
H errm a n n F unk
1841
F r ie d r ic h v . H a h n
1841 - 1845 C a r l v . O e r t z e n
1845 -1881
Franz v on O ldenburg
1882
R u d o lf v . M altzan
1886 - 1895 Fr ie d r ic h v o n Z f. p e l in
1896-1904 C. v . M o s e n g e i l
1907
R udolf P robst
1910 - 1937 P a u l v o n E s c h e n b u r g
1937 - 1945 E r n s t G e h r k f .
Ende des 19. Jh. wurde das Lehngut
allodifiziert. Es umfasste ab 1853 bis
1945 etwa 640 ha. 1928 waren davon
210 ha Holzung. Der Tierbestand
umfasste 40 Pferde, 160 Rinder und
120 Schweine. Nach 1945 erfolgte die
Enteignung des Gutes. Die Neubauern
bewohnten vorhandene Wohnungen,
neue Häuser wurden nicht errichtet.
Die sich gründende LPG war bis 1960
eigenständig und dann mit der LPG
Moltzow verbunden.
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Die sehr große Gutsanlage mit den
verschiedenen W irtschaftsgebäuden
lag im Rechteck vor dem Gutshaus.
Heule befindet sie sich direkt neben
der Bundesstraße. Sie war zu großen
Teilen von einer Feldsteinmauer um­
geben, die in Teilen heute noch vor­
handen ist. Der Eingang von der Stra­
ße ist beidseitig von zwei großen
Feldsteinställen, den ehemaligen Pfer­
deställen des Gutes, begrenzt. Von
hier aus gibt es eine weiterführende
Feldsteinmauer, die den Eingang
durch Backsteinpfeiler markiert und si­
cher früher mit einem Tor versehen
war. Die Ställe wurden 1831 und 1833
von A l b e r t Voß erbaut, wie die In­
schrift am Giebel „A.V. 1833“ aussagt.
Abb. 2 Ehemaliger Pferdestall aus
Feldsteinen (2007)
Former stone stables (2007)
Abb. 3 Das Kutscherhaus (2007)
The coachman’s house (2007)
Die Gebäude stehen heute leer und
sind ungenutzt. Es beginnt der Verfall.
Diesen Ställen gegenüber steht noch
ein kleineres aus Feldsteinen erbautes
Haus, das ehemalige Kutscherhaus,
welches gut erhalten ist und als Wohn­
haus genutzt wird. Nach Norden wird
109
der Gutshof von zwei noch vorhande­
nen Viehställen und dem ehemaligen
Schweinestall (z. T. zum Wohnhaus
umgebaut) begrenzt. Weitere große
Ställe, später errichtet und umgebaut,
sind im hinteren Hofbereich vorhan­
den.
Gutshaus und Park
Das vorhandene G utshaus wurde
1853 auf dem Keller und den Gewöl­
ben eines Vorgängerbaus errichtet (dk
V e e r 2006). Es ist ein eindrucksvoller,
auf einer Anhöhe gelegener heller
Backsteinbau in romantisch-histori­
Hinter dem Gutshaus liegt ein größe­
rer Landschafts-Park, welcher Mitte
des 19. Jh. entstanden ist. Der über­
wiegende Baumbestand stammt aus
Unterpfianzungen im 20. Jh. Das
Wegesystem ist nur noch in Ansätzen
erkennbar. Von der Westspilze des
Parks hat man wunderschöne Sicht­
beziehungen in die sich anschließen­
de Moränenlandschaft. Durch fehlende
Pflege besitzt der Park Waldcharakter.
Am Rande des Parks auf einer begin­
nenden Höhe zwischen Gutshaus und
dem Kutscherhaus befindet sich ein
aus Feldsteinen errichteter Eiskeller.
Abb. 4
Das Gutshaus im
Jahr 2004
The manor house
in 2004
schen Formen. Übereinem unregelmä­
ßigen Grundriss mit einem hohen
Kellergeschoss aus exakt behauenen
Feldsteinen erhebt sich das bis zu
dreigeschossige Gebäude, welches
durch mehrere Türme und Zinnen an
Stilformen der englischen Tudorgotik
erinnert. Auf der Vorderseite befindet
sich ein erhöhter etwas vorgebauter
Treppenaufgang mit zwei Eingangstü­
ren mit Rundbogen. Über diesen Rund­
bogen befindet sich auf jeder Seite ein
Wappen. Rechts neben dem Eingang
auf dem ersten turmartigen Vorbau im
Bereich der oberen fünf kleinen Fens­
ter ist das mittelste als Tafel gestaltet
und hat folgende Inschrift: „Erbaut /
durch / F. E. von Oldenburg / im / Jah­
re des Herrn / 1853“. Architekt war der
im mecklenburgischen Staatsdienst
stehende T h e o d o r F r i e d r ic h K r ü c . e r ,
der auch das Gutshaus in Moltzow
entworfen hat ( d e V e e r 2006). Seit
1994 ist das Gutshaus im Privatbesitz.
Es wird für Wohnzwecke mit Ferien­
wohnungen genutzt. Am Gebäude
selbst ist baulich bisher wenig Er­
kennbares geschehen.
110
Gebäude im Dorf
A uf der DVK von 1756 besteht Marx­
hagen aus zwei Ortsteilen, die vonein­
ander getrennt erscheinen. Südlich
liegt der Gutsbereich, der aber noch
völlig anders aufgebaut ist als der
Gutshof aus dem 19. Jh. Der nördliche
Gebäudekomplex am Rande eines Tei­
ches könnte der Standort der bereits um
1704 genannte Meierei Maxhagen sein,
die den Beginn des Ortes darstellt. Ein
langes Feldsteingebäude, welches heu­
te als Wohnhaus für zwei Familien ge­
nutzt wird, sehr schön auf einer beacht­
lichen Höhe gelegen, könnte noch aus
dieser Zeit stammen. Der Schmiede geAbb.5 Feldsteinkaten (2007)
Stone cottage (2007)
genüber standen drei Gutskaten, von de­
nen noch zwei vorhanden sind, aber in­
zwischen völlig verändert wurden.
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Eine neu eingerichtete Meierei zu Marx­
hagen lag weit außerhalb des Ortes nach
Osten am westlichen Rande des großen
Waldgebietes „Panschenhagen“. Sie wird
etwa um 1850 entstanden sein und bestand
bis 1909. Letzter Pächter war die Familie
K a r l und S o p h ie S e n k p i e h l . Sie betrie­
ben vorwiegend Viehwirtschaft. Da die
Meierei die Jagdinteressen des Grafen
H a h n aus Basedow störte, wurden die
Pächter wegen zu hoher Pacht zur Auf­
gabe des Gehöftes gezwungen. Dieses
blieb dann unbewohnt und verfiel. Die
landwirtschaftliche Nutzfläche wurde
aufgeforstet.
1831 wurden zum Gut gehörende Kalk­
brenner, Ziegler und Kohlenschweler er­
wähnt. Zum Gut gehörten fast ständig
eine Kalkbrennerei in den Kalkberger
Tannen, eine Ziegelei und eine Schmiede.
Die zum Gut gehörende Pachtschmiede
war historisch sehr wertvoll und wurde
Anfang der 1960er Jahre nach Alt
Schwerin ins Agrarhistorische Museum
umgesetzt.
Abb. 6 Schmiede Marxhagen
Smithy Marxhagen
Marxhagen is a relatively recent
German settlement from the mid 17th
Century. Until 1830 it served as dairy
farm to the estate of Ulrichshusen and
subsequently developed into an
independent estate comprising some
640 hectares with numerous owners
and tenants. The 19,h Century estate
complex was quite large and
surrounded by a wall o f stone. Today
two rather dilapidated stone stables
remain and the Tudor style manor
house o f 1853.
6.33 Medow
Landkreis Parchim
Amt Goldberg-M ildenitz
F. Beckendorff
Das Dorf und das Gut
1310 hatte der R i t t e r v o n B r ü s e w i t z ,
dem mehrere Orte der Umgebung ge­
hörten, das D orf Medow dem Kloster
Neuenkamp verkauft (MUB 3419). Für
den slaw ischen Ortsnamen gibt es
zwei Deutungsvarianten: Es ist entwe­
der die Stätte, an der es Honig oder
ein Gewässer gibt. Beides ist denkbar,
liegen doch im östlichen Teil der Feld­
mark der kleine und große Medower
See. Um beide gab es öfter Streit we­
gen der Fischereirechte, auch um Ab­
gaben und Dienste der Medower Bau­
ern zwischen dem Kloster und dem
Fürsten. 1455 veräußerte Neuenkamp
seine Besitzungen um Goldberg an die
Herzöge von Mecklenburg. Vordem
Dreißigjährigen Krieg sollen in
Medow- 10 Bauern und 3 Kossäten be­
heimatet gewesen sein. Im Krieg war
das D orf so gut wie menschenleer geworden, denn Auswärtige bearbeite­
ten die Ländereien. Der danach einge­
richtete Bauhof wurde später zur Do­
mäne, die 175 1 von dem Beamten J u l i ­
u s B u c h i i o l z verwaltet wurde.
Pächter waren:
1790
Amtmann W ü s t h o f f
1813 - 1831 F r i e d r i c h D ö i in und
seine Erben
1831 -189 2 F r i e d r i c h S t e f f e n und
Nachkommen
1994
C a r l M ö h r in g
1902
W il h e l m S c h n e id e r
1906
F r ie d r i c h B o e c k m a n n
1913
H e in r ic h T r o s t
1928-1935 I.C. B ö b s
1843 war Medow ein „beträchtlicher
H of mit 119 Einwohnern nebst einer
Ziegelei“, der „trefflichen Acker und
eine feine Schafzucht“ hatte. Es liege
„am Fuße einer Höhe, die eine freund­
liche Ansicht der nahen Stadt gewährt“ ( H e m p e l 1843). 1903 hatte das
Gut eine Größe von 528 ha (Staats­
kalender 1903), dazu gehörten auch
Wasserflächen.
I. C. Böbs musste wegen einer Ge­
Abb. 1 Das Gutshaus in den Jahren 1880/90
The manor house in the years 1880/90
richtsverhandlung, in der er gegen
den späteren NSDAP-Gauleiter
H i l d e b r a n d t ausgesagt hatte, 1935
Medow verlassen, weil es zur Auf­
siedlung vorgesehen sei. Die wurde
1935 durch die Bildung von sechs
Siedlungen und einen Resthof von
fast 70 ha realisiert. Von den 520 ha er­
warb die Stadt Goldberg bis 1939 etwa
288 ha zur Anlage der Kleinsiedlung
Rummelsberg und die Gemeinde
Diestelow 111 ha. Der Resthof wurde
1945 an Neusiedler verteilt. Seit 1950
ist Medow ebenfalls Teil der Stadt
Goldberg.
den abgerissen. Infolge des Straßen­
baus ist die ursprüngliche Struktur
des Wirtschaftshofes nicht mehr zu
erkennen. Während die „Chaussee“
Goldberg-Lübz 1862 um das Gut her­
umgeführt wurde, durchschnitt man in
DDR-Zeiten den Gutshof zur Begradi­
gung der heutigen L 17, wie die Abb.2
zeigt.
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Von den ehemaligen Wirtschaftsge­
bäuden stehen noch vier, die aus zw-ci
ehemaligen Ställen zu Wohnungen
umgebaut wurden. Die übrigen w ur­
Abb.3 Umgebautes Wirtschaftsgebäude
(2007)
Converted estate building (2007)
Abb. 2 Heutiger Straßenverlauf auf dem MTB 1882
Today’s pattern of roads on the ordinance map from 1882
111
und Domänenpächter den Bau einer
Feldbahnstrecke von Medow bis zur
neuen Zuckerfabrik in Liibz zum ratio­
nelleren Transport der Zuckerrüben.
Noch im gleichen Jahr war die Trasse
eines 600 mm breiten Schienenweges
im oder neben dem Sommerweg der
Straße fertig gestellt.
Abb. 4 Das ehemalige Gutshaus im Jahr 2007
The former manor house as of 2007
Gutshaus
Der Standort des Pächterhauses ent­
spricht nicht dem üblichen Gutshoftyp.
Es befand sich fast an der Nordostecke
des Wirtschaftshofes. Das Gutshaus in
seiner jetzigen Form ging aus einem
Fach werkbau in Bauernhausform aus
dem Anfang des 18. Jh. hervor ( du
V k er 2006). Dem zehnachsigen Bau
wurde zu Beginn des 20. Jh. auf der
Hofseite eine Veranda vorgesetzt. Aus
dieser Zeit stammt offenbar auch der
Putz. Die Vorder- und Rückseite ist
durch zweiachsige Risaliten gegliedert.
Bemerkenswert erscheint der unter­
schiedliche Fensterschluss an den Ge­
bäudeteilen, der aus Umbauten zu ver­
schiedenen Zeiten herrührt. Nordwest­
lich des Gutshauses wurden die tiefer­
liegenden Flächen als Nutzgarten mit
Obstwiese genutzt, was in Resten auch
heute noch erkennbar ist.
Gebäude im Dorf
Die ehemaligen Gutskaten wurden bei
der Aufsiedlung 1935 für je zwei Famili­
en ausgebaut und durch Stall und
Scheune ergänzt. Diese Siedlungen fin­
den w'ir östlich des ehemaligen Guts­
hofes.
112
Abb. 5
Umgebauter
ehemaliger
Gutskaten (2007)
Converted former
estate cottage
(2007)
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Eine Ziegelei war 1757 eingerichtet
worden und bis 1860 in Betrieb. Sie
lag im Medower Holz und wurde von
den Gutspächtern D ö h n und S t e f f e n
bzw. ihren Naehkommen mit betrieben.
Zu Zeiten der S t e f f e n 'sehen Pächter
gehörte auch die Fischerei auf dem
Medower See sowie ein nach dem Bau
der heutigen L 15 Crivitz - Goldberg
errichtetes Chausseehaus mit zeitwei­
lig darin betriebener „Schankwirtschaft“ zu den Pachtgegenständen
des Gutes.
1898 beschlossen die an der Straße
Goldberg-Lübz liegenden Gutsbesitzer
The location which became part of
the city o f Goldberg in 1950, since
1310 was a peasant village which,
after the Thirty Years War, for lack of
inhabitants, was converted into a
ducal estate, leased out since the 18th
Century. The estate comprised some
520 hectares. ln 1935, part of the
estate was redistributed and, in 1939,
244 hectares w?ere ceded to the city of
Goldberg in order to enable the
establishment of the newr small
settlement of Rummelsberg. The
remainder was redistributed to newr
settlers after 1945. The original estate
court today is being crossed by
country road L 17.
6.34 Mestlin mit Vimfow
Landkreis Parchim
Amt Goldberg-Mildenitz
F. Beckendorff, G. Peters
Das Dorf und das Gut
„Mustelin“ muss seinerzeit eine ge­
wisse zentrale Bedeutung gehabt ha­
ben, denn es trafen sich 1312 der Kö­
nig von Dänemark und der M a r k g r a f
W a l d h m a r v o n B r a n d e n b u r g hier.
1317 war es J o h a n n v o n W e r l e mit
weiteren Herren. Zwischen den da­
mals existierenden Städten Schwerin
und Goldberg sowie Parchim und
Sternberg gelegen, dürfte M estlin die
Funktion einer „Brücke“ ausgeübt ha­
ben. denn das ist die Bedeutung des
slawischen Ortsnamens. Die adlige
Familie G u s t e v e l hatte das aus 20 bis
30 Bauernhufen bestehende D orf zu
Lehen.
Zwischen 1448 und 1461 übereigneten
sie cs dem Kloster Dobbertin. Im Drei­
ßigjährigen Krieg war „Mestelin biß
auf etzliche wenig Häuser biß auf den
Grund abgebrandt“ ( P e t e r s et al.
2001). Zw ölf Bauern siedelten sich
nach dem Krieg wieder an, doch konn­
ten 15 Hufen nicht wieder besetzt wer­
den. Diese wurden dem schon beste­
henden H of zugeschlagen. Bis 1832
bestanden der Hof, der zunächst von
Verwaltern, später von Pächtern gelei­
tet wurde, und Bauern nebeneinander.
Im Zuge der Vererbpachtung wurden
die 12 Mestliner Bauern 1833 in neu
eingerichtete Ausbauten umgesiedelt
und als Erbpächter der Nachbarge­
meinde Ruest zugcteilt ( P e t e r s et al.
2001). Damit wurde Mcstl in mit etwa
1000 ha ein reines Klostergutsdorf.
Entsprechend erhielten die Gebäude
eine andere Funktion bzw. wurden er­
neuert, z. B. nach dem Ersten Welt­
krieg 15 Landarbeiterhäuser.
A uf der Feldmark des bereits vor 1450
wüst gewordenen Dorfes Hohen
Augzin ließ das Klosteraml ab 1767
ein Vorwerk einrichten. Es erhielt den
Namen Vimfow, der einer Sage zufolge
keine etymologische Wurzel hat, son­
dern willkürlich gebildet wurde. Im
Lauf der Jahre kamen zum Gutshaus
sechs Wirtschaftsbauten und vier
Tagelöhnerkaten hinzu.
Verwalter bzw. Pächter des Mestliner
Gutes mit Vimfow waren:
1650-1674
H ans B randt
1674-1703
1703 -1 7 1 2
Jacob J anentzky
Sohn
Jacob B randt
1 7 1 2 -1 7 1 5
L orenz F rahm
1715-1725
Schwiegersohn
H ans
J o a c h im S c h w a r z
1725-1728
S preck els
1728 -1 7 3 0
H a g e m e is t e r ,
danach
L a n g i io f f
1730- 1736
Verwaltung durch das
Klosteramt
1736-1743
1743-1747
G r a ( e)ffe
1747-1760
J o h a n n F r ie d r ic h
C laus E vert
M enck
1 7 6 0 - 1767
C h r is t ia n F r i e d e r ic ii
1767 -1801
J o h a n n G r e g o r iu s
1801 -1 8 4 6
C a r l F r ie d r ic h S a u e r ­
1846-1861
C arl
J. A.
1 8 6 1 -1 9 1 7
1917 - 1945
H ans
D f.hn s
B aade
M ühlenbruch
kohl
K re y
BERNHARD
B erckem eyer
Vimfow wurde von 1861 bis 1869 als
eigenständiges Gut an R u d o l f J ü r ­
g e n s verpachtet. Danach gehörte es
wieder zu Mestlin. B. B e r c k e m e y e r
hatte seit 1906 auch Weisin gepachtet
und 1936 das elterliche Gut Groß
Thurow gekauft (vgl. G. B ei im 2004).
Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb
Mestlin zunächst „Landesgut“ und
diente der Versorgung der sowjeti­
schen Besatzungstruppen. 1947 er­
folgte die Bodenreform auch hier und
war für die Ansiedlung von etwa 80
Neubauern und 20 Handwerkern vor­
gesehen, in Vimfow von 36 Bauern
und drei Handwerkern. A uf Grund der
eisenbahnfernen Lage nahe der Kreu­
zung der Straßen Crivitz-Goldberg und
Parchim-Sternberg besaß Mestlin ne­
ben den zum Gutsbetrieb erforderli­
chen Einrichtungen weitere Hand­
werksbetriebe und zwei Gaststätten.
Diese Besonderheit bewog die DDROrgane dazu, den Ort nach der LPGBildung, bei der Mestlin eine gesteu­
erte Vorreiterrolle übernahm, zu einem
zentralen „Beispieldorf ‘ umzugestal­
ten. Ein zentraler Platz südwestlich
des alten Dorfkerns wurde umbaut mit
Läden, Verwaltungs- und Wohnge­
bäuden, Kindergarten, Zentralschule,
Kulturhaus und Land ambulatorium.
Nach 1990 verloren die meisten dieser
Bauten ihre ursprüngliche Bestim­
mung und wurden umgenutzt oder
Abb. 1 Das Gutshaus Mestlin m it der Stellmacherei (vor 1918)
The Mestlin manor house and cartwright's house (pre 1918)
113
stehen z. Zt. leer. Bemühungen zu ei­
ner sinnvollen Verwendung des über­
dimensionierten Kulturhauses schlu­
gen bisher fehl.
Zur Zeit werden die Nutzflächen vor­
wiegend genossenschaftlich bewirt­
schaftet.
Abb. 4
Der Ort Vimfow um
1890
The locality of
Vimfow around
1890
Gutsanlage und
Wirtschaftsgebäude
Das ursprüngliche Dorfbild von
Mestiin ist nur noch in Teilen erkenn­
bar ist (vgl. Abb.3). Da der letzte
Pächter B e r k k m e y e r nicht dort wohn­
te, nutzten ein Inspektor bzw. Ver­
wandte des Pächters das Gutshaus.
Zwei Karten aus dem zweiten Teil der
Mestliner Chronik zeigen die bauli­
chen Veränderungen in Vimfow zwi­
schen 1890 und 1948.
■
G
K
Abb. 5
Der Ort Vimfow
um 1948
Vimfow around
1948
Wohngebäude
Gutshaus
Katen
Abb. 3 Mestiin um 1940
Mestiin around 1940
Crivitz
Das Gutshaus von Mestiin wurde
nach einem Brand 1876 und nochmals
Anfang des 20. Jh. umgebaut. Wegen
der Nutzung als Schule gab es nach
1945 weitere Veränderungen. Das Guts­
haus besteht heute aus drei eigenstän­
digen Gebäuden. Das Haupthaus ist
ein großer, eingeschossiger Ziegelbau
über einem hohen gemauerten Keller.
Es besitzt ein Satteldach. An seiner
rückwärtigen Mitte bindet ein zwei­
Scheune
114
Wirtschaftsgebäude
Q oldberg
Gutshäuser und Parks
Abb. 2 Der Speicher in Mestiin
The storehouse in Mestiin
□
geschossiger Ziegelbau an. In der
Flucht der östlichen Giebelseite exis­
tiert nochmals ein eingeschossiger
Anbau, in dem sich der Eingang befin­
det. Das Haupthaus und der hintere
Anbau besitzen übergiebelte Risalite
( d l V f . e r 2 0 0 6 ) . Ein kleiner P ark am
Gutshaus musste nach 1945 einer Be­
bauung weichen.
Das Gutshaus in Vimfow wurde nach
einer Inschrift am nordwestlichen
Querbau 1859 errichtet, kurz bevor
man das Vorwrerk als getrenntes Gut
verpachtete. Das Gutshaus ist ein Hförmiger Bau, bei dem der Mitteltrakt
neun Achsen besitzt. Der Backstein­
bau über einem Feldsteinsockel trägt
ein Satteldach. Der axiale Eingang im
Mitteltrakt wird durch einen
Frontispiz, durch von Türmchen ge­
krönte Pilaster und den stark profilier­
ten Giebel betont. Das mittelalterliche
Erscheinungsbild wird auch durch das
Auskragen der Ziegelschichten an
den Gesimsen hervorgerufen. Die
Wandflächen werden durch Lisenen
auf „Postamenten“ rhythmisch geglie­
dert. Die Giebel der Querbauten korres­
pondieren in ihrer Gestaltung mit dem
Giebel des Einganges. Das Gutshaus
Abb. 6 Das Gutshaus Mestlin (2007)
The Mestlin manor house (2007)
entstand an der Ostseite des Hofes
als Neubau. Vom Wirtschaftshof dis­
tanzierte es sich durch die Linden da­
vor. Nach 1945 wurde das Haus in drei
Wohnungen unterteilt. Es existieren
noch zwei Linden, ein Teich und Reste
eines kleinen Landschaftsparks, der
wohl zusammen mit dem Neubau ent­
stand ( df V ber 2006).
Gebäude im Dorf
Außer den noch bewohnten, verhält­
nismäßig neuen Tagelöhnerkaten in der
Goldberger und Fritz-Rcuter-Straße
Mestlins sind fast alle Häuser nach
dem Zweiten Weltkrieg entstanden.
A uf dem Gelände des Gutshofes etab­
lierte sich die Maschinen-Traktorenstation mit ihren Maschinenhallen,
Werkstätten, einigen „Wohnblocks“
für MTS-Mitarbeiter und sonstigen Ge­
bäuden. Das Beispieldorf wurde ab
1952 zwischen dem alten Dorf und den
inzwischen vorwiegend „Am Felde“
etwas westlich begonnenen Neusicdlerhöfen erbaut.
Auch Vimfow erhielt mehrere Neu­
bauern häuser, LPG-Hauswirtschaften
und nach 1990 moderne Wohnhäuser.
An der Landesstraße stehen die ehe­
maligen Gutskaten.
Abb. 8 Ehemaliger Gutskaten in Mest/in
(2003)
Former estate cottage in Mestlin
Abb. 7 Das Gutshaus Vimfow (2007)
The Vimfow manor house (2007)
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Ein großes Gut wie Mestlin besaß seit
frühen Zeiten Nebenbetriebe. Bereits
1748 w areine W indm ühle vorhanden,
die um 1830 durch eine Bock­
windmühle ersetzt wurde. Sie brannte
1945 nieder. Schon früh bestand in
Mestlin eine Ziegelei, die im Dreißig­
jährigen Krieg zerstört wurde. Mindes­
tens zwischen 1747 und 1772 wurdeeine weitere Ziegelei nachgewiesen.
Nach deren Stilllegung richtete das
Klosteramt 1868 nordöstlich des Ortes
eine neue ein. Sie erhielt 1901 einen
neuen Ringofen und war bis 1964 in
Betrieb.
Abb. 9 Mest/iner Bockmühle und Sand­
grube (vor 7945)
Mestlin’s wind mill and sand pit
Abb. 70 Ehemaliger Gutskaten in Vimfow
(2007)
Former estate cottage in Vimfow
Abb. 77 Die ehemalige Schmiede
The former smithy
Mestlin, at the Crossing o f two long
dislance roads, was owned by the
noble Gustcvel family and had
temporarily been leased out, until
1461, to cloister Dobbertin. Free
farming and estate management
existed side by side until, in 1833, 12
farmers were forced to move to Ruest,
which made Mestlin a pure leasehold
estate property o f the cloister, later of
the province of MecklenburgSchwerin, comprising some 1000
hectares. Redistributed during the
land reform in 1947, Mestlin, after
formation o f the agricultural cooperative (“LPG”), was developed
into a kind of „model village“, as
some over-dimensioned buildings still
demonstrate today. Even so, some
remains o f the former estate
installations can still be detected both
in Mestlin and its former appurtenant
structure o f Vimfow.
115
6.35 Moltzow
Landkreis Müritz
Amt Seenlandschaft Waren
G. Masurowski, D. Mombour
Das Dorf und das Gut
Moltzow liegt an der B 108 zwischen
Waren und Teterow. Es ist ein recht al­
tes Dorf, denn es wurde in einer Ur­
kunde von 1371 erstmalig genannt.
Moltzow war damals wohl Pertinenz
von Rothenmoor. J o h a n n , F ü r s t v o n
W k r l e , verpfändete seine landesherr­
lichen Rechte an Moltzow an U l r ic h
M a l t z a n und seine Erben. Die
M a l t z a n 's, aber auch andere Adels­
geschlechter, hatten Eigentum im Dorf.
1620 war B e r n d L u d o l f M a l t z a n allei­
niger Besitzer von Ulrichshusen und
erwarb 1623 und 1634 das Dorf
Moltzow und dessen ganze Feldmark
dazu. Moltzow wurde Vorwerk von
Ulrichshusen. Nach dem Dreißigjähri­
gen Krieg lagen die Felder brach und
der Ort wrar verwüstet.
1649 wurde Ulrichshusen mit den Vor­
werken Moltzow und Marxhagen an
C a r l D ie t r ic h R u t h verpfändet. 1682
war Moltzow' Pfandbesitz von Baron
v o n E r l e n k a m p . 1762 gelangte das
Dorf wieder in den Besitz derer v o n
M a l t z a n . Es ist anzunehmen, dass zu
dieser Zeit in Moltzow ein Gut ent­
stand. 1775 erbte C o r d J a s p a r F e r d i ­
n a n d F r e ih e r r v . M a l t z a n von seinem
Vater die Güter Grubenhagen,
Rothenmoor mit Dahmen und Sagel,
Großen Luckow mit Barz, Ulrichs­
husen mit Rambow, Moltzow und
Marxhagen. 1815 wurde er im Duell
getötet und da er keine Erben hinter­
ließ, kam es von 1816 bis 1822 zur
Lehnssequestration. Rothenmoor mit
Dahmen und Sagel erhielt F r i e d r i c h
M a l t z a n auf Peckatel. Rambow wrnrde
von Ulrichshusen getrennt und den
Besitz Moltzow mit Rambow und
llkensee erhielt sein Bruder Adolf.
Dieser überließ seinen Anteil gegen
eine Kapitalabfindung F r i e d r i c h
M a l t z a n auf Peckatel, der seinen
Wohnsitz nach Rothenmoor verlegte.
Seine acht Söhne erhielten Güter sei­
nes großen Besitzes.
116
Abb. 1 Das Gutshaus in den Jahren 7880/90
The manor house in the years 1880/90
1850 bekam sein jüngster Sohn Wil­
helm das Gut Moltzow mit Rambow
und llkensee. Dieser begann sofort
mit einer intensiven Bewirtschaftung
seines Besitzes. Er hatte in Bad
Doberan die 15-jährige A d e l h e id v o n
O e r t z e n kennen gelernt und sich in
sie verliebt, musste aber auf Wunsch
ihrer Eltern noch einige Jahre mit der
Hochzeit warten. Das Gut in Moltzow'
war in sehr schlechtem Zustand. Das
Wohnhaus war alt und ärmlich, mit
Strohdach und gestampftem Lehm­
fußboden versehen. Die übrigen Ge­
bäude des Gutes, Kuhstall, Schweinestall, Schafstall, Pferdestall und
Scheune, w aren ebenfalls zu erneuern.
So begann er sofort mit dem Neubau
eines Gutshauses, welches 1852 fertig
wurde. Am 4.5.1852 fand eine Doppel­
hochzeit statt, Wilhelm heiratet A d e l ­
h e id v o n O e r t z e n und sein Bruder
Fritz Adelheids Schwester. Einige Mo­
nate später zogen sie in das neu er­
baute Haus ein.
W il h e l m M a l t z a n hat aber auch für
die Moltzower Begüterung viel getan.
Er ließ die Wirtschaftsgebäude in ei­
nen ansehnlichen Zustand versetzen
und eine große, massive Scheune er­
richten. Außerdem legte er einen Park
und einen Wirtschaftsgarten an. Für
die Landarbeiter wurden neue Woh­
nungen gebaut und er ließ die baufäl­
ligen Katen in llkensee, in denen
Gutsarbeiter wohnten, durch neue
Häuser in Moltzow ersetzen. W i l h e l m
starb 1862 nach zehnjähri­
ger Ehe und hinterließ vier Kinder. Sei­
ne Frau führte die Bewirtschaftung
des Besitzes w eiter. Von 1880 bis 1933
übernahm ihr ältester Sohn Wilhelm
Friedrich August Julius das Gut. Bis
1945 war es dann F r i e d r i c i i - F I e l m u t h
v. M altzan
C arl C urt von M a ltza n .
Das Gut hatte 1933 eine Größe von
1317 ha. 1934 wurden wiegen Verschul­
dung 500 ha nach Dahmen und
Klocksin verkauft. Der Viehbestand
setzte sich aus 56 Pferden, 160 Rin­
dern, 600 Schafen und 450 Schweinen
zusammen. 1945 wurde das Gut ent­
eignet und aufgesiedelt. 1953 gründe­
te man die erste LPG. 1965 erfolgte ein
Zusammenschluss mit der LPG Marx­
hagen und 1972 wurde die KAP
Lupendorf gebildet.
Gutsanlage und
Wirtschaftsgebäude
Der Gutshof von Moltzow liegt in öst­
licher Richtung vom Gutshaus. Er be­
steht jetzt aus einem sehr breiten be­
tonierten Hofgelände, an dem nach
Norden die Stallanlagen liegen. Von
den Wirtschaftsgebäuden des Gutes
ist kaum noch etw'as erhalten geblie­
ben. Ein 1892 erbauter Speicher auf
der linken Seile am Ende des Gutsho­
fes ist das einzige alte Gebäude. Die
heutigen dort vorhandenen Ställe sind
durchweg neue Gebäude.
Abb. 2
Der ehemalige
Speicher aus dem
Jahr 1892 (2004)
Former storehouse
from 1892 (2004)
Abb.3
Ausschnitt aus
dem MTB um
1880
Extract from
ordinance map of
1880
Gutshaus und Park
Das repräsentative G utshaus wurde
von 1850 bis 1852 nach den Plänen
des Schweriner Baurates T. K r ü g e r er­
baut. Es ist ein zweigeschossiges
Backsteingebäude aus gelben Ziegeln
über einem hohen Sockelgeschoss
aus sauber behauenen Feldsteinen,
dessen vier einzelne Teile unter­
schiedlich hoch sind. An den mit Zin­
nen bekrönten Eck- und Treppen­
Seiten umgibt. Er nutzte dazu den al­
ten Baumbestand des heute ca. 250jährigen Parks. Neben sehenswerten
alten Blutbuchen, Winterlinden und
Rosskastanien wurden eine Reihe
dendrologischer Besonderheiten um
1880 in den Park gepflanzt, unter an­
derem Weideneiche, Sumpfeiche und
Trompetenbaum. Der von w under­
schönen Rosskastanien gesäumte
Weg zum Friedhof, der Teich am nord­
östlichen Ende des Parks und der
Übergang in die freie Landschaft sind
bewusst in die Parkgestaltung einbe­
zogen worden. Der hohe Stellenwert
des Parks beim damaligen Besitzer
lässt sich auch aus der Anlage des
Gutsgartens mit eigener Gärtnerei ab­
lesen.
Nach 1945 wurde das Gutshaus als
Verwaltung, kommunale Einrichtung
und zu Wohnzwecken genutzt. Seit
1995 wurde ein Nachkomme aus der
türmen erkennt man Stil formen der
englischen Tudorgotik. Die einzelnen
Bauteile, die farblich sehr unterschied­
lichen Granitquader, die mit roten Zie­
geln gerahmten Öffnungen, Regen­
leisten und Friese erzeugen eine maleri­
sche Vielfalt des Gebäudes.
Nach der Fertigstellung des Gutshau­
ses ließ W i l h e l m v o n M a l t z a n hinter
dem Gebäude einen LandschaftsP a rk anlegen, der das Haus von drei
Abb. 4 Das Gutshaus 2004
The manor house in 2004
Abb. 5 Das Gutshaus 1949
The manor house in 1949
Familie v o n M a l t z a n wieder Besitzer
des ehemaligen Gutes Moltzow und
betreibt Landwirtschaft. Er hat das
Gutshaus renoviert und w'ieder zu sei­
nem Wohnsitz gemacht.
Gebäude im Dorf
An der Dorfstraße, die zum Gut fuhrt,
stehen noch Häuser, die nach 1850 als
Katen erbaut wurden. Inzwischen sind
sie stark umgebaut, renoviert und mo­
dernisiert worden. Den Abschluss die­
ser Häuserreihe bildeten zwei Ställe
(Pferde- und Schw'einestall), die von
den Bewohnern dieser Häuser ge­
117
meinsam genutzt wurden. Der hintere
Pferdestall (hinter der Feuerwehr) ist
noch vorhanden. Bemerkenswert ist
noch ein Feldsteinhaus am Ortsaus­
gang an der Straße nach Rambow. Es
ist ein fast vollständig aus Feld­
steinen erbautes Gebäude, dessen
Fenster und Türen mit Klinkern
eingefasst sind. Es wurde wahrschein
lieh auch nach 1850 als Katen für
Gutsarbeiter erbaut.
Von dem nach 1852 angelegten Park
führt eine sehr schöne Kastanienallee
zu einem kleinen auf einem Hügel ge­
legenen Friedhof. Dieser wurde nach
dem Tode von W i l h e l m v o n M a l t z a n
1862 von seinem Sohn angelegt, um
den Vater als ersten hier zu begraben.
Der Friedhof ist von einer Backstein­
mauerumgeben. Ein Glockenstuhl vor
dem Eingang trägt eine 1863 gegosse­
ne Glocke, die W i l h e l m v o n M a l t z a n
Abb. 6 Dorfstraße m it ehemaligen Gutskaten (2004)
Village road with former estate cottage (2004)
gewidmet ist.
Zum Gut gehörte auch ein großer G uts­
garten, der sich südlich der Gutsanlage
hinter der ehemaligen großen Scheune
befand und von einer Fcldsteinmauer
umgeben war. Die Mauer am Ende der
Dorfstraße mit dem ehemaligen
Gärtnerhaus war die Begrenzung des
Gartens. Der Eingang mit großem Tor
befand sich zwischen dem
Eckhäuschen und der Scheune.
Abb. 8 Das Gärtnerhaus am Gutsgarten (2004)
Gardener’s house adjoining the estate garden (2004)
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Für 1837 bis 1840 wurden eine Kalk­
brennerei und ein Kohlenschweler für
Moltzow genannt. Zur Mitte des 19. Jh.
gab es außerdem eine W indm ühle mit
Schankwirtschaft. Zum Ende des Jh.
existierte eine Schmiede mit Krug und
auch eine Ziegelei. Die weit vom Ort
entfernte Ziegelei befand sich an der
alten Plau-Malchiner Landstraße, die
gegen 1880 noch vorhanden war.
Abb. 9
Die Moitzower
Schmiede 1946
The Moltzow
smithy 1946
Abb. 7
Kastanienallee
zum Friedhof
(2004)
Chestnut avenue
to cemetery
118
Moltzow' was first documented in
1371. Since those times the noble
family von Maltzan played a decisive
role as owner and landlord. The estate
probably developed in the second
half of the 18lh Century. It had its
heyday after 1850 when Wilhelm von
Maltzan rebuilt numerous estate
buildings and also the manor house in
Tudor style. Until 1933 the estate
comprised some 1,300 hectares. In
1945 it was expropriated and
partitioned. Today a descendant of
the von Maltzan family operates parts
of he former estate grounds and
resides in the restored manor house.
6.36 Mühlenhof
Landkreis Parchim
Amt Goldberg-Mildenitz
H. Aisleben, F. Beckendorff
Das Dorf und das Gut
„Der alte M ühlenhof... soll seinen
Nahmen von einer Wasser Mühle ha­
ben, die da selbst gelegen.... Wie alt
aber dieser H of sey, und von wem er
bewohnt worden, daß ist durch die
Länge der Zeit unbekandt gewor­
den...“ ( B u c h i io l 7. 1786). 1428 wurde
M ühlenhof erstmals urkundlich er­
wähnt, weil H e r m a n n H a g h n o w „den
wüsten M ühlenhof ‘ dem Kloster
Dobbertin verkaufte, in dessen Besitz
er zunächst als Meierhof von Mestiin,
seit 1747 als eigenes Pachtgut blieb.
Durch die Einrichtung einer Glashütte
im Osten der heutigen Feldmark, die
von 1746 bis 1760 betrieben wurde,
gab es zeitweise zwei Höfe, wovon ei­
ner die Glashüttenmeister beherbergte
und der andere vom Kloster neu auf­
gebaut wurde. Pächter war zunächst
der Glashüttenbesitzer D r o s t v o n
M ü l l e r , der ihn von seinen „Glase­
meistern“ mit bewirtschaften ließ. Als
weitere Pächter folgten:
1760
A. v o n D r ie b e r g
1762
H . F. v o n P l c s s e n ,
1764
J. W. C o w a l s k y
1773
N . H in z
1774
G H olsten
1810
H am ann
1850
S l'ENDER
1865
C abell
1893-1945
F l in t und Sohn
Das Gut halle 1928 eine Größe von ea.
393 ha. Nach der Aufsiedlung 1945
wurde der Acker ab den 1950er Jahren
von einer LPG bewirtschaftet. Zurzeit
gehört die Feldmark zur Augziner
Marktfrucht e.G.
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
1818 besaß das Gut u. a. vier Ställe und
zwei Scheunen. Ein „Milchenhaus“
enthielt neben Räumen zur Milch­
verarbeitung weitere Gelasse und den
Kornboden. Von den Wirtschaftsge­
bäuden sind durch einen Brand und die
Abb. 4 Das leer stehende Gutshaus
(2007)
The vacant manor house (2007)
Abb. 1 Plan des Gutshofes um 1820 (BV)
Layout of estate on fire insurance
Abb. 5 Ehemaliger Gutskaten (2007)
Former estate cottage (2007)
Kindergarten und ein Versammlungs­
raum. Seit dem vor einigen Jahren er­
folgten Verkauf steht es leer. Hinter
dem Gutshaus gab es einen kleinen,
heute kaum noch erkennbaren, Guts­
garten mit sehenswerten alten Buchen
Abb. 2 Sägerei und Stellmacherei (2007)
Sawmill and cartwright’s house
Abb. 3 Das denkmalgeschützte Holländer­
haus (2007)
The landmarked Dutch house
Umnutzung nach der Bodenreform nur
noch wenige Reste übrig geblieben.
Das Gutshaus
Das 1866 in Ziegelbauweise errichtete
einstöckige Gutshaus besitzt 11 Zim­
mer. Es wurde nach 1945 zeitweise als
Wohngebäude genutzt, außerdem wa­
ren ein Konsumgeschäft darin, ein
Gebäude im Dorf
Neben mehreren älteren und neueren
Katen mit jeweils zwei Wohnungen,
von denen einige erhalten sind, be­
fand sich bis zum 19. Jh. ein K rug im
Dorf, weil sich dort zwei Fernwege
kreuzten. Vierzehn Neubauerngehöfte
entstanden im Zuge der Bodenreform.
Mühlenhof, first documented as a
village in 1428, was lying waste after
the Thirty Years War, before the
installation o f glassworks broughl
with it the development o f sufficient
arable land. It became a leasehold
property o f cloister Dobbertin. After
1945 the estate w'as redistributed,
resulling in several new farmer
houses. Today, M ühlendorf is a
purely rcsidential village with some
former estate cottages and the
currently vacant manor house.
119
6.37 Neu Damerow
Landkreis Parchim
Amt Goldberg-Mildenitz
G. Masurowski, D. Mombour
Das Dorf und das Gut
Der Orl liegt zwischen dem Damerower
und dem Poseriner See. Der Name Neu
Damerow ist erst in jüngster Zeit entstan­
den, doch der Ort Damerow besteht
schon seit dem 14. Jh.
Angehörige des Geschlechtes v o n
H a h n haben noch vor 1350 Damerow
erworben und sind seit dieser Zeit in
Damerow nachweisbar. Die Begüterung
muss um diese Zeit schon beträchtlich
gewesen sein, denn nach einer Urkun­
de von 1407 gehörten Damerow, Groß
Poserin, Klein Poserin, Karow, Pajow,
Werle, Samot und Hahnenhorst dazu
( L isc ii 1843).
Das Gut und das Dorf Damerow lagen
auf einem halbinselartigen Vorsprung
an der Oslseile des ehemaligen Gro­
ßen und Kleinen Damerower Sees. Der
Letztere ist heute der Poseriner See
und vom Damerower See getrennt. Im
14. Jh. gab es zwischen diesen beiden
Seen keinen festen Übergang nach
Westen, so dass sich der Rittersitz in
einer geschützten Lage befand. Von
1375 bis zum Ende des 15. Jh. ist das
Gut der Hähne in Damerow urkundlich
bezeugt. Bis zur Mitte des 15. Jh. be­
teiligten sich die v o n H a i in an Raub­
zügen gegen die Prignitz. Dieser
Fehdegeist lebte noch lange weiter
und auch im 16. Jh. und später bis zum
T reu en fels
Abb. 2
Grundriss des
adligen Gutes
Damerow 1789
(DVK)
Ordinance map of
the noble estate of
Damerow from
1789
Poserin
Abb. 7
Am Poseriner See
On Lake Poserin
I Wohngebäude
V/irtschaftsgebäude
G
Gutshaus
Stall
K
Katen
Scheune
Untergang des Hauses Damerow gab
es blutige Gewalttaten und Vernach­
lässigungen des Vermögens durch
Zank und Streit unter den Hähnen.
1489 wurden C l a u s und L ü d e c k e
H a h n genannt, die auf den Gütern
zwei Häuser gründeten ( L i s c h 1843).
Es ist anzunehmen, dass eines davon
Hahnenhorst war (vgl. Hahnenhorst).
Schon Anfang des 17. Jh. hatten die
H a h n 's ihren Besitz zu Grunde gerich­
tet und mussten ihn 1605 an M a t t h ia s
v. L in s t o w verkaufen. Nach starken
Verwüstungen durch den Dreißigjähri­
gen Krieg baute R e im a r v . L in s t o w
den Hof Damerow w iederauf und
blieb bis zu seinem Tode 1708 Besitzer
von Damerow, Hahnenhorst, Poserin
und Karow. Im 18. Jh. gab es viele Be­
sitzerwechsel, bis 1812 der letzte Be­
sitzer Baron v. R e d e n in Konkurs ge­
120
riet und die Begüterung in die Teile
Damerow, Neu Poserin und Karow mit
Hahnenhorst zerschlagen wurde (vgl.
Karow). 1903 hatte das Gut Damerow
eine Größe von 1073 ha. Dazu gehör­
ten 1928 475 ha Holzungen und 250 ha
Wasser (Staatskalender 1903, GiiterAdressbuch 1928).
Weitere Besitzer des Gutes Damerow
waren:
1 8 1 2 -1 8 ?
v o n H e im b u r g
1827-1862 E. L. W.v. V in c k e
1862 -1901 Familie v. H e n k e l
1903-1945 Allod von W. v.
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Die ältesten Informationen zur Gutsanlagc sind die Brandversicherungen
von 1789. Danach war der Gutshof
eine große, geschlossene Anlage mit
einer Vielzahl von Gebäuden, die aus
der Abbildung 2 hervorgehen. Zum
Gut gehörte noch die Schäferei Rede­
wisch mit Wohnhaus und Schafstall.
1793 wurde das Gutshaus durch einen
Brand zerstört und in etwas anderer
Form wieder aufgebaut. Auch die ge­
samte Gutsanlage wurde verändert, in­
dem man einen neuen Zugang zum
Gut schuf und einen Damm nach Wes­
ten in Richtung Groß Poserin anlegte.
Bis 1840 erfolgten weitere bauliche
Veränderungen. An Hand der
Brand versicherungsunterlagen von
1801 verschwand das Viehhaus w^est-
Abb. 3 Das ehemalige Gutshaus (2004)
The former manor house (2004)
lieh des Gutshauses. Südöstlich des
Gutshauses entstanden ein Wirt­
schaftshaus und eine neue Brauerei.
Die alte Scheune wurde durch eine
wesentlich größere ersetzt, dazu ka­
men ein neuer Schafslall und ein
Schweinestall. A u f dem Messtisch­
blatt von 1880 ist der G utshof noch in
dieser Form erkennbar.
Das Gut in Neu Damerow ist heute
kaum noch als solches zu erkennen.
Das ehemalige Wirtschaftsgebäude
mit Stall neben dem Gutshaus, früher
durch einen überdachten Gang mit
diesem verbunden, ist zu Ferienwoh­
nungen umgebaut worden. Nur das
Feldsteinfundament und die Vorder­
front des Stallanteils mit den oben
halbrunden Fensterbögen lässt noch
einen alten Bau erahnen. Alle weiteren
zum Gut gehörenden Gebäude sind
nicht mehr vorhanden. Ein D orf hat es
neben der Gutsanlage seit dem 18. Jh.
nicht mehr gegeben. Ein Teilbereich
der ehemaligen Stallanlagen ist jetzt
Koppel für Pferde.
Gutshaus und Park
Das G utshaus ist sicher der Neubau,
der nach dem Brand von 1793 entstan­
den ist. Es ist ein großer, einstöckiger
Putzbau auf hohem Feldsteinfundament mit Krüppelwalmdach und
einfacher Haustüre in der Vorderfront,
ohne weitere Schmuckelemente. Im In­
neren gibt es noch gewölbte Keller­
räume, die wohl aus älterer Zeit stam­
men. Das restaurierte Gebäude befin­
det sich in Privatbcsitz. Zwischen
Gutshaus und Poseriner See wurde
Abb. 4 Das Jagdhaus am Damerower See (2007)
The hunting lodge at Lake Damerow (2007)
um 1900 ein kleiner P ark angelegt,
dessen Reste heute durch eine wun­
derschöne Platane noch zu erkennen
sind.
Gebäude im Dorf
Etwas abseits vom ehemaligen Gut
existiert noch ein alter Katen, der sich
in Privatbesitz befindet und als
Wochenendwohnung genutzt wird.
chen Ländereien und übte die Jagd aus.
Nach 1945 waren hier Flüchtlinge un­
tergebracht. Ab etwa 1950 war das Ge­
bäude TBC-Heilstätte des Kranken­
hauses in Güstrow und von 1968 bis
1990 psychiatrisches Heim tur Män­
ner. Ab etwa 1994 befindet es sich in
Privatbcsitz. Das unter Denkmalschutz
stehende Jagdhaus wurde in den letz­
ten Jahren restauriert.
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Von 1876 bis 1909 wurde vom Gut eine
Ziegelei betrieben. Nahe dem Ufer des
Poseriner Sees befindet sich ein Ferien­
haus. Dies ist der Standort der ehemali­
gen Gutsschmiede. A uf den Funda­
menten des alten Gebäudes wurde ein
neues Haus errichtet. Größe und An­
ordnung von Haus und Stall entspre­
chen noch der alten Situation.
Der Gutsbesitzer W i u i f . l m v . T r e u e n ­
f e l s erbaute 1910 ein Jagdhaus am
Ostufer des Damerower Sees. Es ist
ein großes Gebäude im Schwarzwaldstil, ein heller Putzbau auf Feldstein­
fundament mit Krüppelwalmdach und
weitem Dachüberstand. Beide Längs­
seiten haben eine Art Laubenvorbau,
der im oberen Teil durch bogenförmi­
ge Holzständer getragen wird. Um das
Jagdhaus ist ein größeres Parkgelände
angeordnet. Ab 1927 hatte W. v.
T r e u e n e e l s das Gut verpachtet und er
wohnte in dem Blockhaus neben dem
Jagdhaus. Seine Frau und die zwei
Kinder nutzten das Jagdhaus. Frau
v o n T r e u e n f e l s war passionierte Im­
kerin. Ihr Mann verwaltete die forstli­
Neu Damerow, originallyjustnamed
Damerow, has a long and eventful
history. Until the end o fthe 15lh
Century the large estate complex
comprising Damerow, Groß and Klein
Poserin, Karow, Pajow, Werle, Samot
and Hahnenhorst was owned by the
gentry family von Hahn. They had to
seil the property to M. von Linstow in
1605. During the 18"’ Century many
changes in ownership followed. 1812
the big estate complex was split up
into the parts Damerow, Neu Poserin
and Karow plus Hahnenhorst.
Damerow subsequently had several
owners and 1073 expropriated
hectares were partitioned in 1945.
Only relics remain from the estate
buildings today. The last estate
owner W. von Treuenfels in 1910 built
a hunting lodge on the shores o f lake
Damerow which today is being
privately used.
121
6.38 Neu Gaarz
76 ha Wald und 20 ha Wasser. Zum
Gut gehörten 40 Pferde, 110 Rinder,
120 Schafe und 100 Schweine.
Nach 1945 wurde das Gut enteignet
und ging 1974 in die großen
Landkreis Müritz
Amt Seenlandschaft Waren
G. Masurowski, D. Mombour
standen war. Der Hauptort wurde in
dieser Zeit in Alt Gaarz umbenannt.
Neuen Gaarz wurde erst zwischen
1 8 3 4 und 1 8 4 1 von Alt Gaarz getrennt
und damit selbstständiges adliges
Hauptgut.
Weitere Besitzer bzw. Pächter waren:
1 7 8 0 -1 7 8 1
Versteigerung der Gü­
ter Alt und Neuen Gaarz
1 7 8 1 -1 8 1 7
Abb. 3 Eingang eines umgebauten Stalles
(2006)
Entrance to converted stable
G e o rg F rie d ric h
S c h rö d e r
Abb. 1 Der Eingang des Gutshauses (2006)
The entrance to the manor house
1 8 1 7 -1 8 3 4
J u l iu s H e in r ic h C a r l
1 8 3 7 -1 8 5 4
J o h a n n n K l ä n ii a m m e r
Das Dorf und das Gut
Neu Gaarz liegt in hügeliger Land­
schaft au f der Ostseite des Hofsees im
Bereich der Klocksiner Seenkette. Der
Ort ist eine neuzeitliche Siedlung und
erst im 18. Jh. entstanden. Die heutige
Gemarkung von Neu Gaarz gehörte bis
zur Ortsgründung zum Besitz von
Gaarz (heute Alt Gaarz) und war ein
großes Waldgebiet.
Auf der Gemarkung von Neu Gaarz lag
das mittelalterliche D orf Stieten, das
schon um 1447/48 untergegangen ist.
Danach muss die Feldmark zu Gaarz
und Hagenow gekommen sein. Wahr­
scheinlich ist das spätere Gut Neu
Gaarz auf der Wüstung von Stieten er­
baut worden, doch dazwischen lagen
etwa 300 Jahre, so dass sich der Wald
ausbreiten konnte. Es sollte durch Ro­
dung unbedingt wieder Ackerland ge­
wonnen werden, was zu dieser Zeit
durch den Betrieb einer Glashütte
möglich war. Deshalb gab es hier von
1731 bis 1749 eine Glashütte, die sich
auf halber Strecke zwischen Alt und
Neu Gaarz westlich der heutigen
Verbindungsstraße befand. Wahr­
scheinlich stand die Glashütten­
siedlung an der Stelle des heutigen
Dorfes, das wohl daraus hervorgegan­
gen ist. 1751 bis 1779 war F. W. H. v.
L o w t z o w Besitzer von Gaarz mit dem
Pertinenzgut Neuen Gaarz, das sicher­
lich auf den gerodeten Flächen ent­
122
Landwirtschaftsbetriebe von Hohen
Wangelin über. Seit Anfang 1990 ist
der gesamte Gulsbercich Privatbesitz
und wurde zur „Domäne Neu Gaarz“,
einer K unst- und Ferienanlage umge­
baut. Leider ist diese in Konkurs ge­
gangen und wurde 2006 stillgelegt.
S c h m id t
und
Sohn F r ie d r ic h
H. S t r e c k e r
1 8 5 4 -1 8 6 9
U. und
1 8 6 9 -1 8 9 5
F r ie d r ic h v o n B ü l o w
1 8 9 6 -1 8 9 8
C a s p a r F r ie d r ic h v .
B oth
1 8 9 8 -1 9 3 0
O tto B oas u n d S o h n
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
F ritz
1930
Zwangsvollstreckung
des Allod Neu Gaarz
1930 - 1934
A d o l f B e n ja m
1934 - 1 9 3 6
1936 -
19 4 5
H e in z H o l t e r e t e r
Freiherr F. K. v. L a n g e n -K e ffe n b rin c k
Die Größe des Gutes betrug von 1 9 0 3
bis 1 9 2 0 4 6 9 ha, von 1 9 3 7 bis 1 9 4 5 3 5 0
ha, davon 2 6 1 ha Acker, 6 6 ha Wiesen,
Abb. 2 Die Lage des Gutshofes auf dem
MTB von 1884
Location of estate from ordinance
map of 1884
/i
\ C'-a,
J \
,'-m
Z
Der Gutshof lag auf einer Anhöhe und
war deutlich durch eine Niederung
vom Dorf getrennt. Er bestand ur­
sprünglich aus einem großen rechtekkigen Areal. Das Gutshaus war an der
nordöstlichen Schmalseite zu finden,
die Wirtschafts- und Stallgebäude zu
beiden Seiten vor dem Gutshaus. Der
Gutskomplex soll ursprünglich von ei­
ner Mauer eingefasst gewesen sein
und das Gutshaus war durch einen
Gartenzaun vom Wirtschaftshof abge­
trennt.
Abb. 4
Das 1990 abgerissene Gebäude
nahe dem Gutshaus mit
Schmiede, Pferdestall und Wohnung.
Building with smithy, stables and lodging
which was torn down in 1990
dir'
I leute sind nur noch Reste der Guts­
anlage vorhanden. Das große Gebäu­
de auf der linken Seite wurde 1990 ab­
gerissen. Es war Pferdestall, Schmiede
und Wohnung. Die rechts neben dem
Gutshaus befindlichen ehemaligen
Stallanlagen wurden um- und ausge­
baut und in die Gesamtgestaltung der
„Domäne“ einbezogen. Der heutige
Gebäudekomplex besteht aus Hotel­
zimmern, Ferienwohnungen, einer Bib­
liothek. einem Trakt für Kunstausstel­
lungen, einem Konzertsaal, einem
Weinkeller mit Bar und einem großen
Bad mit Sauna und Gastronomie.
Abb.5
Das einstöckige
Gutshaus in den
Jahren 1880/90
The orte storey
manor house in
the years 1880/90
Gutshaus und Park
Zum G utshaus gibt es in der Literatur
sehr unterschiedliche Darstellungen,
die das heutige Gebäude und seinen
Vorgänger nach unserer Ansicht zu alt
einschätzen, ln der Entstehungszeit
von Neu Gaarz nach 1750, als Neben­
gut von Alt Gaarz, war der Vorgänger­
bau nach der Brandversicherung von
1786 ein kleines Haus, das wohl zum
Wirtschaftshof der Glashütte gehörte.
Ab 1822 erschien ein Gebäude in einer
Größe von 80 x 41 Fuß (etwa 23 x 12
Meter) und wurde mit 1000 Rt. bewer­
tet. Zwischen 1786 und 1822 muss
also das Gutshaus um- oder neu ge­
baut worden sein. Ab 1840 kamen
noch zwei Anbauten dazu. Die Archiv­
aufnahme von etwa 1880/90 (vgl.
Abb.5) zeigt einen eingeschossigen
Bau in „klarer frühklassizistischer Ge­
sinnung“, der wohl auf den Mauern
eines Vorgängers entstanden war ( d e
V e e r 2006). An den Giebelseiten be­
saß dieses Gebäude einen
Wirtschaftsanbau und ein Gewächs­
haus. Die Zweigeschossigkeit erhielt
das Gutshaus wahrscheinlich in der
Zeit von 1869 bis 1880, als F r i e d r i c h
v o n B ü l o w Neu Gaarz besaß.
1leutc tritt uns das Gutshaus als ein
zweigeschossiger, verputzter, heller
Bau auf hohem Feldsteinsockel entge­
gen. Er besitzt elf Achsen. Lisenen
gliedern die Vorderseite und rahmen
den dreigeschossigen Mittelrisaliten
ein. Die Hausmitte wird durch eine
hohe Treppe mit kleiner Terrasse so­
wie durch eine doppelte Tür mit seitli-
Abb. 6
Das zweistöckige
Gutshaus in
schlechtem
Zustand (1980)
The two storey
manor house in
bad condition
(1980)
Abb. 7
Das restaurierte
Gutshaus (1999)
The renovated
manor house
(1999)
Abb. 8
Vorderfront des
Gutshauses (2006)
Front view of
manor house
(2006)
123
chen Fenstern betont. Das gesamte
Gebäude ist mit z. T. gewölbten Räu­
men unterkellert, die teilweise noch
vom Vorgängerbau stammen könnten.
Nach 1945 war das Gutshaus mit
Flüchtlingen belegt. Später wurde es
Gemeindebüro und Lagerraum des
Müritz Museums, als man dieses um­
baute. Von etwa 1980 bis 1991 stand
das Gutshaus leer und drohte zu ver­
fallen. 1991 wurde es mit dem Umland
privat erworben und in den Folge­
jahren zu einem Kultur-, Bildungs­
und Ferienkomplex, der so genannten
“Domäne Neu Gaarz“, ausgebaut. In
diesem Prozess entfernte man die seit­
lichen Anbauten am Gutshaus.
Hinter dem Gutshaus schließt sich ein
kleiner, ca. 250 jähriger P ark an, der
nach Osten von einem lang gezoge­
nen schmalen Rinnensee begrenzt
wird und mit den östlich dahinter lie­
genden Höhen wunderschöne Aus­
blicke bietet. Neben alten Rotbuchen,
Sommer- und Winterlinden sowie
Rosskastanien ist der alte Obstgarten
auf dem abschüssigen Gelände zum
See hin ein Kleinod des Parks.
Abb. 10
D orfStraße m it
ehemaligen
Gutskaten (2004)
Village Street with
former estate
cottage (2004)
Mehrfamilienhäuser, die den Eindruck
von Katen machen.
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Zu Neu Gaarz gehörte der G aarzer
K rug, etwas südöstlich vom Ort gele­
gen. An dieser Stelle war über Jahr­
Abb. 11
Letzte Gebäude
des Gaarzer
Kruges, die 1985
beseitigt wurden
(1983)
Last buildings of
Gaarzer Krug
which were torn
down in 1985
(1983)
Gebäude im Dorf
Außer dem Gutsbereich gibt es in Neu
Gaarz noch eine Siedlung von ur­
sprünglich fünf Häusern, welche bei­
derseits der Straße, die zum Gut fuhrt,
liegen. Sie befinden sich jedoch in be­
trächtlicher Entfernung vom Gutshof.
Eine Kastanienallee verbindet Dorf
und Gut. Es ist nicht bekannt, wann
diese Siedlung entstand, doch es ist
die zum Gut gehörende Tagelöhncrsiedlung. Sie erschien erstmalig auf
dem MTB von 1880. Es sind einheitli­
che, lang gestreckte, eingeschossige
hunderte eine Gabelung von zwei
überregionalen alten Landstraßen, die
von West nach Ost und von Norden
nach Süden verliefen. Das Gehöft be­
stand im 19. Jh. aus Wohnhaus mit
Krug, Pferdestall, Scheune mit
Wagenremise und Ochsenstall mit
Brennhaus. Die Entstehungszeit des
Kruges ist unbekannt. Es handelte
sich aber um einen der bedeutendsten
Krüge an dieser alten Landstraße. Das
Abb. 9
Dorfstraße 1954
Village Street
in 1954
124
noch lange nach der „Krugzeit“ beste­
hende Wohnhaus und ein Stall wur­
den 1985 auf Veranlassung der damali­
gen Staatsjagd gesprengt.
Neu Gaarz is a young village. It
developed from a glassworks and an
estate which was later established at
around 1750. This initially formed part
o f estate Alt Gaarz and became an
independent feudal estate only
between 1834 and 1841. In the
beginning of the 20,h Century the
estate comprised 469 hectares.
Today’s manor house was built
around 1820 and was modified since
then many times. In 1991 itw as
reprivatized and, together with the
remaining stable buildings, turned
into a cultural/educational/holiday
complex. The village proper is situated
at quite a dislance from the estate
buildings. There, once but no longer,
existed a pub at the Crossing o f two
important country roads near Neu
Gaarz.
6.39 Neuhof bei Kläden
Landkreis Parchim
Amt Goldberg-M ildenitz
H. Alsleben, F. Beckendorff
Das Dorf und das Gut
E n g e l ( 1 9 3 4 ) berichtet, dass um 1 5 4 0
höchstwahrscheinlich durch Wald­
rodung „de nie H o ff4als dritter H of im
Bereich der Klosterverwaltung
Dobbertin angelegt wurde. Zwischen
dem Schwarzen See im Nordwesten
und dem Weißen See im Südosten er­
richtete man zunächst einen „Meier­
h o f4mit einer Schäferei. Im Kirchen­
visitationsprotokoll von 1 6 4 9 wird
„der Hoff N euhoff4genannt.
H o i n c k h u s e n bezeichnete Neuhof um
1700 als Meierei. Dem Beichtkinder­
verzeichnis von 1 7 0 4 zufolge muss es
neben dem H of noch drei Bauern ge­
geben haben.
In N euhof waren nie viele Wohnungen
für eigene Leute vorhanden, aber im
Nachbardorf Kläden gab es Unterkünf­
te und auch Land für die Tagelöhner,
die in Neuhof arbeiteten. Bestandteil
des etwa 1 km langen Verbindungs­
weges von Kläden nach Neuhof zwi­
schen der heutigen Bundesstraße 192
und dem Ort ist ein etwa 200 m langer,
bis zu 5 m eingeschnittener Hohlweg,
der 1940 auf die doppelte Breite vergrö­
ßert wurde. Er erhielt seinerzeit einen
Damm, den man 2004 teils rekonstruier­
te und teils durch eine Bitumenstraße
ersetzte.
An Pächtern sind bekannt geworden:
1790
B auer
1804
S tam m er
1809
S c h m id t
?
G e o r g W ie n k e
?
E ck en g reen
1860
1886-1945
L u d w ig R u s c h
W il h e l m Voß und
Nachkommen
In der ersten Hälfte des 19. Jh. hatte
N euhof etwa 25 Einwohner. Sie arbei­
teten auf den rund 230 ha umfassen­
den Feldern. 1886 wurde mit der Über­
nahme des Hofes durch W i l h e l m
Voß eine Pächterdynastie berufen,
die bis zum Ende der Gutswirtschaft
im April 1945 über vier Generationen
hinweg Neuhof bewirtschaftete. Der
Abschluss des letzten Pachtvertrages
erfolgte 1942 und sollte bis 1960 gel­
ten. 1945 erfolgte die Vergabe eines
Großteils des Landes an acht Landar­
beiter und Landlose, einen Landarmen
und sieben Umsiedler.
Güstrow
Gutsanlage und
Wirtschaftsgebäude
1751 lebten „auf dem I Iofe N euhof4der
Verwalter mit Frau und Sohn, dazu zwei
weibliche und drei männliche Arbeits­
kräfte. Um 1780 standen in Neuhof au­
ßer dem Pächterhaus eine Scheune, ein
Viehhaus sowie ein kombinierter
Schweine- und Hühnerstall. Eine Schä­
ferei befand sich bei Kläden. Bis 1804
I Vlohngebäude
G
Gutshaus
1-------
Wirtschaftsgebäude
St
Stall
S
Scheune
Abb. 1 P/an der Gutsanlage (BV 1804)
Estate layout of fire insurance map
from 1804
Abb. 2
Ehemaliges
Wirtschaftsgebäude
(2007)
Former estate
building (2007)
kamen ein Pferdestall und ein Schwei­
nekoben (Bretterstall) hinzu. Der Über­
sichtsplan von 1804 veranschaulicht
die kleine Gutsanlage (vgl. Abb. 1).
1835 umfasste der Neuhof ein neues,
kleineres Pächterhaus, den Pferdeslall
mit Kornboden, ein Viehhaus, eine
Scheune, ein Schweine- und Hühner­
haus, einen Schweinekoben, ein
Backhaus und einen Schafstall, der in
seinen Maßen das Viehhaus und die
Scheune um ein Geringes übertraf. 1850
fehlte u. a. das Schweinehaus. Im zwei­
ten Viertel des 19. Jh. wairde demnach
die Schweinehaltung aufgegeben und
durch eine Schafhaltung ersetzt. Eine
aus der Gutszeit noch stehende Scheu­
ne wird privat genutzt.
Gutshaus und Park
Das Gutshaus muss Anfang des 19.
Jh. entstanden sein, denn 1804 ist ein
größeres als das heutige in dem Plan
verzeichnet. Das erhöht hegende ein­
stöckige Fachwerk-Pächterhaus mit
Ziegelstein-Ausfachung hat zur Hof­
seite neun Achsen, von denen drei zu
einem zentralen zweistöckigen Mittel­
risaliten gehören. An der Gartenseite
wurde das Baus durch einen recht­
winkligen Anbau erweitert. Der schlich­
te Bau vermittelt uns einen Eindruck
von der Lebensweise der früheren
Pächter. Erbefindet sich heute im Be­
sitz einer Familie, die um die Renovie­
rung bemüht ist. Östlich und südlich
des Gutshauses besaß der Gutshof ei­
nen größeren eingezäunten Nutzgarten.
125
Abb. 4 Das Gutshaus im Jahr 1995
The manor house in 1995
Abb. 3 Das Gutshaus im Jahr 1968
The manor house in 1968
Abb. 7 Vermutlich ehemalige Schnitterkaserne (2007)
Probably the former lodging for seasonal workers
Abb. 5 Das Gutshaus im Jahr 2007
The manor house in 2007
Alte Obstgehölze und ein lockerer Baum­
bestand sind heute noch zu sehen.
Teichen gewonnenen Eisblöcke, die
man im Sommer zum Kühlen von Spei­
sen und Getränken benutzte.
Gebäude im Dorf
Abb. 6 Ehemaliger Gutskaten in Kläden
(2007)
Former estate cottage in Klaeden
Katen suchen wir im Dorf vergebens,
weil die Tagelöhner, wie schon gesagt,
in Kläden wohnten. 1804 gab es dort
fünf Katen mit sieben Wohnungen.
Durch die Aufsiedlung 1945 entstanden
in Neuhof einige Neubauernhäuser,
die sich ehemalige Stadtbewohner im
letzten Jahrzehnt modernisierten.
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
A uf der linken Seite der Dorfstraße
steht ein alter Holzschuppen. Hier be­
fand sich früher ein Eiskeller des Ho­
fes. Derartige Keller waren auf allen
Gütern üblich. Sie dienten zur Aufbe­
wahrung der im Winter von Seen und
126
ln around 1540 the administration of
cloister Dobbertin established „New
Court“ (Neuhof) on former forest
ground. Soon thereafter it was leased
out. From 1886 to 1945, four
generations of the Voss family were
the tenants. Almost nothing remains
from the estate buildings. The halftimbered manor house from the early
19lh Century conveys an impression of
the frugal life style of the former
tenants of this cloister estate
comprising 230 hectares. The estate is
lacking the elsewhere characteristic
cottages since its day labourers lived
in Kläden. After 1945 some houses
were built by new seltlers.
6.40 Neu Poserin
Landkreis Parchim
Amt Goldberg-Mildenitz
R. Berg
Das Dorf und das Gut
Neu Poserin isl einer der jüngsten Orte
am Rande des Naturparks. Nur rund
700 m westlich des alten Mathiashors­
tes (damals Holländerei und Windmüh­
le) angelegt, wuchs der Ort in den fol­
genden Jahrzehnten zu Lasten des be­
nachbarten alten Kirchdorfes Groß
Poserin. Im Jahr 1800 verzeichnete die
Pfarre Groß Poserin vier Tagelöhner­
familien und eine Familie des Schäfers
in Neu Poserin. 1826 hatte das neue
Dorf bereits eine solche Ausdehnung
erreicht, dass Mathiashorst in den
Brandversicherungsakten nicht mehr
als eigenständige Pertinenz verzeichnet
war (Ritterschaftliche Brandversiche­
rungsgesellschaft, Akte 771). Neu
Poserin als Gut ging 1814 aus Teilen
der Konkursmasse des Herrn v o n R e o e n auf Damerow hervor und umfasste
daher lange Zeit Gebiete mit unter­
schiedlich rechtlichem Status. Mit den
Gebieten nördlich der heutigen Bun­
desstraße 192 bis zum Serrahn und zur
Straße nach Sandhof reichend, gehörte
es als Allodialgut zum ritterschaftlichen
Amt Goldberg. Der übrige Teil des Gu­
tes gehörte als Lehngut zum ritter­
schaftlichen Amt Liibz.
Erste Eigentümer des damals ca. 890 ha
umfassenden Gutes waren die
Güstrower Kaufleute W il h e l m
R o s e n o w und J o h a n n e s A n d r e a s
D e t h l o f l R ü t z e . Weitere Eigentümer
bis 1936 waren:
1824 -1907
Farn il ie R o s e n o w
1907-1915 H e in r ic h D if.s t e l
1915-1917
P e t e r K l e if e l d
1 9 1 7 -1 9 1 9
F r it z R u h m er
1919-1933
K. R . K .
K. A. A.
P raechtel u .
P raechtel
1933 -1936 G u st a v K o e h n
1898 hatte das Gut eine Größe von
etwa 576 ha. Bereits Ende der 1920er
Jahre trat das Gut auf Druck der Anlie­
ger pachtweise weite Gebiete nördlich
der heutigen Bundesstraße an Häusler
und Büdner aus Sandhof ab. Der Druck
Abb. 1
Das Gutshaus in
den Jahnen 1880/90
The manor house in
the years 1880/90
zur Landabgabe wurde nach der
Machtübernahme der NSDAP noch
verstärkt. Im Jahre 1936 übernahm die
Reichsumsiedlungsgesellschaft das
Gut für Siedlungszwecke. Sie sollte hier
Voraussetzungen für die Ansiedlung
katholischer Bauern aus Westfalen
schaffen, die dort Truppenübungsplät­
zen weichen sollten (vgl. Kressin). Aufgehalten wurden die Arbeiten durch
die Einrichtung eines Remonteamtes
der Wehrmacht im Gutshaus.
Das endgültige Ende als Gut kam durch
die Bodenreform im Herbst 1945, als 44
Landarbeiter, Handwerker und Umsied­
ler Anteile von ca. 350 ha des einstigen
etwa 600 ha umfassenden Gutslandes
erhielten. 1945 hatte Neu Poserin 186
Einwohner, durch die Umsiedler stieg
die Zahl aul'448 Personen an. 1952 bil­
dete sich die erste LPG Typ I, 1966
schlossen sich mehrere LPG verschie­
dener Orte zu einer LPG Typ III zusam­
men. Inden 1970er Jahren entwickelte
sich eine große LPG Pflanzenprodukti­
on Goldberg, die alle Flächen bewirt­
schaftete, in Neu Poserin blieb die LPG
Tierproduktion, auf der 84 Personen ar­
beiteten. Nach 1990 blieb im Ort ein
großer Landwirtschaftsbetrieb beste­
hen, der auf genossenschaftlicher Ba­
sis arbeitet.
zwei Katen mit je zwei Wohnungen, ein
Viehhaus und eine Scheune (1800).
Zwanzig Jahre später waren alle wichti­
gen Gebäude wie Pferde- und Schaf­
ställe, eine weitere Scheune, ein kombi­
nierter Hühner- und Schweinestall und
natürlich ein Pächterhaus aufgefuhrt,
das in einer Reihe mit den anderen
Wirtschaftsgebäuden auf der Ostseite
des Hofes stand. Der Platz an der Stirn­
seite blieb dem Wohnhaus des Eigen­
tümers, dem Gutshaus, Vorbehalten.
Rechts neben dem Gutshaus stand das
Leutehaus, das während der Zeit des
Rcmonteamtes (1939 -1945) durch ei­
nen Zwischenbau mit dem Gutshaus
verbunden wurde. An dieser Seite ste­
hen auch das zum Wohnhaus umge­
baute Futter- und Wäschehaus und die
ehemalige Wagenremise, die heute als
Kindergarten genutzt wird. Auf der lin­
ken Seite des ehemaligen Gutshofes
befinden sich in Nachbarschaft zum
Gutshaus zunächst der zum Wohnhaus
umgebaute ehemalige Schafstall (nach
Abb.2 Die Lage des Gutshofes auf dem
MTB von 1884
Location of estate from ordinance
map of 1884
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Die Anlage des Hofes erfolgte in groß­
zügiger Form, wie cs in Groß Poserin
wegen des Geländes nicht möglich ge­
wesen wäre. Die ersten Gebäude waren
127
1945 kamen hier zwei Neubauemfamilien unter) und das jetzt als Stall ge­
nutzte alte Spritzenhaus. Ungenutzt
und dem Verfall preisgegeben scheint
das weiter links liegende Speicher­
gebäude zu sein. Ein Teil der Wirt­
schaftsgebäude wurde nach der Bo­
denreform zur Baumaterialgewinnung
abgetragen ( K l a tt mdl. 2007).
Gutshaus und Park
Das Gutshaus wurde 1852 fertig ge­
stellt. Es war ein zweigeschossiger Putz­
bau mit elf rhythmisch gegliederten
Achsen über einem abgesetzten Keller­
geschoss. Die Vorderfront besaß einen
Mittelrisalit mit Schaugiebel und oktogonalen Türmchen. Dominierend war
ein quadratischer Turm an der linken
Hausseite, der an florentinische Vorbil­
der erinnerte (vgl. Abb. 1). Die ursprüng­
liche Harmonie der Fassade w urde
durch Umbauten nach 1945 stark be­
schädigt, indem unter anderem der Turm
und der Schaugiebel abgetragen wur­
den. 1960 kam ein Vorbau als Windfang
hinzu. Auch die Innenräume wurden auf
Grund der Nutzung als Schule und spä­
ter als Alten- und Pflegeheim stark ver­
ändert. Bis 1995 ist das Gebäude in die­
ser Weise genutzt worden ( d e V e e r
2006). Nachdem das Gutshaus zwi­
schenzeitlich von einem Verein über­
nommen, doch nicht saniert wurde,
steht es seit Herbst 2007 leer.
Hinter dem Gutshaus befindet sich ein
Park, der ursprünglich eine Größe von
ca. 10 ha hatte. Auftraggeber für den
wahrscheinlich ab 1830 im Stil eines
englischen Landschaftsgartens errich­
teten Parks waren die Eigentümer
R o s e n o w . Er ist aus einem 200 Jahre al­
ten Ulmen-Buchen-Stieleichenwald her-
Abb.3 Parkteich m it Trauerweide (2007)
Garden pond with weeping willow
vorgegangen und wurde vor etwa 100
Jahren mit der Douglasie und Gemeinen
Fichte ergänzt. Der Park wurde durch
den Straßenbau (1935) und die Bodenre­
form auf seine heutige Größe von 5,5 ha
reduziert. Seit 1996 betreut ein Verein
den Park. Es wurden viele Bäume und
Sträucher neu gepflanzt, ein Lehrpfad
angelegt und interessante Bauwerke in­
tegriert, die den Charakter des Land­
schaftsparks verstärken. Anfang Sep­
tember wird jährlich ein Parkfest gefeiert.
Als Besucher kann man alte und starke
Bäume, wie Winterlinde, mehrere starke
Stieleichen und eine breit ausladende
Blutbuche sowie einige Seltenheiten,
wie die Japanische Sicheltanne, finden.
Gebäude im Dorf
Ursprünglich befänden sich im An­
schluss an den H of in der heutigen
Lindenstraße zehn Katen mit je zwei
Wohnungen. Davon sind noch neun
vorhanden, die zum großen Teil stark
verändert wurden. In der Steinstraße/
Ecke Galliner Straße stehen das ehema­
lige Schmiedegehöft des Gutes und die
Schnitterkaseme. ln einigem Abstand
von den Katen existierte außerdem ein
spezieller Witwenkaten.
Nach der Bodenreform entstanden etwa
15 Neubaucmhäuser, die in der Melir-
Abb.4
Zustand des
Gutshauses im
Jahr 2007
Condition of manor
house in 2007
128
Abb. 5 Ehemalige Gutskaten (2007)
Former estate cottage
Abb. 6 Der zum Wohnen genutzte
ehemalige Schafsta/i (2007)
The former sheep stable,
converted for residential use
zahl an den Parkrand gebaut wurden.
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Schon im 17. Jh. existierte die Windmüh­
le Mathiashorst. Sie brannte 1907 ab. Im
Mecklenburgischen Staatskalender von
1853 und 1903 wird für Neu Poserin zu­
sammen mit Groß Poserin außerdem
eine Schmiede angegeben.
Neu Poserin is a relatively young village
which came into being with the
establishment of an estate in the
beginning of the 19"' Century. For about
one Century the Rosenow family were
the owners of the new estate. After 1945
it w'as redistributed and numerous newfarmer houses were built, particularly
along the edges of the park. The estate
was large and can still be recognized in
its basis structure. The manor house
was built around 1850 and displays
various neogothic elements.
Architectural modifications after 1945
and the usage as school and as a horne
for seniors and for after care treatment
changed the building substantially; it is
currently in no good condition. Nine of
the former estate cottages can still be
recognized in the Street leading up to
the estate.
6.41 Neu Sammit
Landkreis Güstrow
Amt Krakow am See
H. Schulz
Das Dorf und das Gut
Neu Sammit, am Stidufer des Lang­
sees bei Krakow gelegen, ist eine
recht junge Siedlung. Sie entstand aus
einem Vorwerk des Gutes Alt Sammit,
das die v o n W k l t z ie n 1725 errichteten.
Es diente neben einer anfänglichen
Schaf- und Rinderhaltung überwie­
gend der Aufforstung des kargen Bo­
dens in diesem Raum, die etwa 1750
begann. Deshalb liegt der kleine Ort
heute mitten im Wald. Nach 1786 wurde Sammit von den W e l t z i e n 's ver­
kauft und wechselte dann häufig den
Besitzer. 1 8 0 0 J. C h r . A l e x .
K ö n e m a n n , der sys-tematisch Kiefern
pflanzte, 1826 H. S e e l ig e r , dann L. F.
L ü b b e . 1835 erwarb G. H. F.
W e r t h e im e r Gut und Vorwerk Sammit.
Er trennte 1839 Alt und Neu Sammit
voneinander und ließ Neu Sammit als
eigenständiges Gut laufen. Es hatte
danach mehrere Eigentümer: um 1849
E. B u c h h o l z , 1868 O. E r b r e c h t , 1872
bis 1895 Familie v . B ü l o w , 1896 M a x i ­
m i l i a n T r a u n , 1910 bis 1924 Graf v o n
d e r R e c k e - V o l m e r s t e i n , 1925 H.A. F.
Abb. 1 Das Herrenhaus a/s Pflegeheim des ASB
The manor house as nursing home of a workers' association
Abb. 2
Das Herrenhaus
(Rückseite) 2006
Rear view of
manor house
(2006)
Wirtschaftshofes wurden nach 1990
zu einer Kinder- und Jugendbegeg­
nungsstätte eines christlichen Träger­
vereins ausgebaut.
Herrenhaus und Park
1903 war das Gut Neu Sammit 817 ha
groß. Der „Grüne Jäger“ (vgl. Alt
Sammit) gehörte als Pertinenz dazu.
Zu dieser Zeit hatte Neu Sammit 19
Einwohner. Das Güter-Adrcssbuch
von 1928 wies 817 ha aus, davon wa­
ren 600 ha Holzungen und 144 ha
Wasser. Der „Grüne Jäger“ war zu die­
sem Zeitpunkt schon unbewohnt.
Die Gebäude des ehemaligen
Es gibt keinen G utshof in Neu Sammit,
sondern nur einen ehemaligen
Wirtschaftshof, der entfernt vom
Gutshaus liegt. Deshalb kann man das
Gutshaus nach unserer Definition als
H errenhaus bezeichnen. Es steht als
Villa in einem Park nahe dem See. Da­
bei handelt es sich um einen
zweieinhalbgeschossigen Putzbau mit
neun Achsen über einem abgesetzten
Kellergeschoss unter einem flachen
Walmdach ( d e V f . e r 2006). Die Vorderund Hinterfront besitzen einen Mittel­
risalit mit Spitzdach. Der an der Vor­
derfront besitzt im 2. Stock einen Bal-
Abb. 3 Wirtschaftsgebäude des Hofes
(1966)
Estate buildings around the courtyard
Abb.4 Jugendbegegnungsstätte (2005)
International youth exchange meeting
place (2005)
G ie s e m a n n .
kon. Ein Medaillon in einem Giebel­
dreieck weist das Erbauungsjahr 1887
aus. Der Bauherr war O t t o v o n B ü l o w .
Nach 1945 war das Haus Lungenheil­
stätte und Altenheim. Nach 1990 wur­
de es Pflegeheim in Trägerschaft des
Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Ge­
genwärtig steht das Gebäude leer.
Der P ark wurde um 1890 als kleiner
Landschaftspark errichtet und besitzt
neben der traumhaften Lage zwischen
Wald und See einen interessanten
Baumbestand mit Küstentanne, Winter­
linden, Esskastanien, Douglasien und
Blutbuchen.
Neu Sammit evolved in 1725 as an
appurtenant strueture to the estate of
Alt Sammit. Originally sheep, later
also cattle were kept there. The hardly
arable land was afforested. There was
only one farm building. The manor
house originates from 1887, the
builder being Otto von Bülow. It is
situated within a park bordering lake
Langsce. After 1945 the manor house
served as a Sanatorium for
consumptives, as a rcsidential home
for the elderly and, after 1990, also as
nursing home. It now Stands vacant.
129
6.42 Neu Sapshagen
Landkreis Müritz
Amt Seenlandschaft Waren
A. Gerhold
Abb. 1 Das Gutshaus 2004
The manor house in 2004
Das Dorf und das Gut
Das heutige Neu Sapshagen liegt etwa
l ,2 km vom Ostufer des Flachsees ent­
fernt in der Gemeinde Klocksin. Das
alte Dorf Sapshagen dagegen befand
sich direkt am Südostufer des Sees und
wurde 1531 erstmalig erwähnt ( H a e g e r
1935). Die Geschichte des alten Dorfes
ist eng mit der Familie v o n L i n s t o w in
Lütgendorf verbunden. Sie besaß das
Dorf, bis H a n s R u d o l f v o n L i n s t o w
1749 starb. Seine Witwe E l i s a b e t h So­
p h ie , geborene v o n L o w t z o w , heiratete
1750 J o a c h i m
R e im e r v o n d e r
verkauft. Im Jahre 1829 wurde Alt
Sapshagen nicht mehr im Mecklenburg-Schwerinschen Staatskalender
erwähnt. Es zählt zu den untergegan­
genen Dörfern. Heute sind nur noch
die Fundamente einzelner Gebäude er­
kennbar.
Das Dorf Neu Sapshagen dagegen
wurde 1792 durch Herrn v o n K a m p t z
an D i e d e r ic ii F r is c h weiterverkauft,
der 1819 in den Adelsstand erhoben
L ühe
1995, Bd. 4). Zu dieser Zeit
wurden die letzten Bauern von Saps­
hagen, jetzt auch Alt Sapshagen ge­
nannt, gelegt und der Sophienhof und
die Meierei Neu Sapshagen errichtet
(vgl. Sophienhof). Das Beichtkinder­
verzeichnis von 1751 gab für Alt Saps­
hagen 52 und für Neu Sapshagen 19
Beichtkinder an. C h r i s t o p i i A l b r e c h t
v o n K a m p t z kaufte 1792 nach dem
Konkurs des Herrn v o n d e r L ü h e die
Dörfer Alt und Neu Sapshagen
(K amptz 1843). Alt Sapshagen wurde
1801 an A u g u s t L u d w i g v o n
T h o m s t o r e f und 1811 an den Warener
Kaufmann J o a c h i m C a r l B a h l m a n n
(W e ltz ie n
130
Wohn­
gebäude
Abb.2
Plan der
Gutsanlage (BV
1816)
Layout of estate
from fire Insurance
map from 1816
G
Gutshaus
K
—
Katen
Wirtschafts■
gebäude
St
Stall
S
Scheune
wurde. Dieser errichtete in Neu
Sapshagen einen neuen H of und lebte
auch selbst hier ( K a m p t z 1843). Der
Erbe des D ie d e r ic h v o n F r is c h war
sein Adoptivsohn E w a l d C o s m o s L e ­
o n h a r d v o n F r i s c h , der „Kommunisti­
sche Gutsbesitzer“ und Anhänger des
Bundes der Kommunisten ( C h r o n i k
1998, H. 15). Spätererbten M a r t in und
A c h im v o n F r is c h das Gut. 1917 hatte
das Dorf 72 Einwohner. Im Landwirt­
schaftlichen Adressbuch von 1928
wird der Viehbestand mit 17 Pferden
und 36 Rindern, davon 12 Kühen, an­
gegeben. Die Fläche von 240,8 ha
setzte sich aus 173,1 ha Ackerland ein­
schließlich Garten, 16,7 ha Wiesen,
21,3 ha Weiden, 21,6 ha Holzungen,
7,1 ha Unland, Hofraum und Wegen,
sowie 1 ha Wasser zusammen.
Nach Verhandlungen mit der „Meck­
lenburgische Landgesellschaft GmbH
Schwerin“ verkaufte die Familie v o n
F r is c h am 3.5.1934 Neu Sapshagen
und der bisherige Pächter des Gutes,
J o h a n n e s S c h m i d t , erwarb es. 1945
wurde er zwangsenteignet, verhaftet
und starb am 24.12.1952 im Gefängnis.
Im Zuge der Bodenreform wurde das
Gut von Neubauern aufgesiedelt und
bis 1952 eine LPG zusammen mit den
Klocksiner Bauern gegründet. 1974
entstand die Rindermastanlage in Ho­
hen Wangelin und Neu Sapshagen
gehörte zu diesem VEG. Das wurde
nach der Wende aufgelöst und 1992
Abb. 3 Am ehemaligen Pferdestall
At the former stables
die Flächen des ehemaligen Gutes
Neu Sapshagen von der Treuhand
ausgeschrieben. Der Landwirt F r i e d r ic h Rüß e erwarb diese Flächen und
betreibt seit dem mit seinem Sohn
Milchvieh Wirtschaft mit 200 Kühen.
2005 hatte das Dorf 20 Einwohner.
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Der ursprüngliche Schafstall
(Ritterschaftliche Brandversicherung
Sapshagen 1827), der von dem VEG
als Bullenstall genutzt wurde, dient
heute als Jungviehstall und Lagerhal­
le. Der alte Pferdestall, ein Feld­
steinbau direkt neben dem Gutshaus,
ist seit der Sanierung im Jahre 2000
eine Landmaschinenhalle. Zwei weite­
ren Scheunen, das Backhaus, die
Tabakscheune sowie das Schreiber­
haus sind nicht mehr erhalten
(Ritterschaftliche Brandversicherung
Sapshagen 1816) (vgl. Abb.2).
Abb. 5 Der ehemalige Gutshof2007
The former estate in 2007
Gutshaus und Park
Die Gebäude im Dorf
Das alte G utshaus, ein Faehwerkbau,
brannte am 2. Februar 1940 vollstän­
dig ab. Es gelang dem Eigentümer J o ­
h a n n e s S c h m i d t den Wiederaufbau
seines Wohnhauses als „absolut
kriegswichtig“ durchzusetzen. Zum
Jahresende 1940 war der Neubau be­
zugsfertig. Der rechtwinklige Anbau,
als Lagerraum gebaut, beherbergte
nach dem Krieg bis in die 1970er Jahre
eine Verkaufsstelle für Lebensmittel
und dient heute Wohnzwecken. Naeh
dem Krieg lebten zahlreiche
Flüchtlingsfamilien im Dorf und im
Gutshaus. 1994 wurde das Gutshaus
saniert und darin drei Wohnungen ge­
schaffen.
Einen G u tsp ark hatte der kleine Ort
nicht. Es sind Reste des alten Obst­
gartens erhalten geblieben, die heute
in Form einer Streuobstwiese gepflegt
werden.
Die Katen der Landarbeiter befanden
sich in der Nähe der Gutsgebäude. Die
Katen wurden nach dem Wegzug vie­
ler Menschen aus dem Dorf in den
1970er Jahren abgetragen. Das 1938
durch J o h a n n e s S c h m i d t errichtete
Landarbeiterhaus ist ein Doppelhaus
mit dahinter gelegenem Stallgebäude.
Es wird auch heute bewohnt. Nach
der Bodenreform wurden im D orf drei
Neubauernhäuser errichtet, die bis
heute bewohnt sind.
Abb. 4 In dem Feldsteingebäude waren einst die Pferde untergebracht
The horses used to be kept in this stone building
Neu Sapshagen is a relatively young
village which came into being when
the peasants of Alt Sapshagen,
situated at the Southern shore of lake
Flachsee, w'ere forced into peonage in
the middle of the 18th Century. At that
time Sophienhof w-as established plus
the sheep farm Neu Sapshagen. Only
in around 1800 a newr estate
comprising some 240 hectares
developed here. For more than one
Century, until 1934, the von Frisch
family owned the place which was
then acquired by J.Schmidt. He was
expropriated after 1945 and the estate
was redistributed. Today’s manor
house was built in 1940 after the
previous half-timbered structure had
bumed down. Little remains from the
old estate structure.
131
6.43 Nossentin
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Landkreis Müritz
Amt Malchow
G. Masurowski, D. Mombour
Nach den Unterlagen von 1799 wies
die Gutsanlage einen großen
Gebäudebestand auf. An den linken
Küchenflügel des Gutshauses schlos­
sen sich der Pferdehof mit zwei Torhäusem, Pferdestall, Wagenhaus und
Kleinviehstall und der Schweinehof
mit Brau- und Brennhaus sowie zwei
Schweineställen und dem Backhaus
an. Vor dem Gutshaus und den beiden
Seitenflügeln führte eine lange Allee
am Galten mit Gärtnerhaus vorbei zum
Wirtschaftshof mit Viehhaus, kleiner
und großer Scheune und Schafstall.
Dies ist der Gutsteil, durch den die
heutige Straße nach Jabel führt, die
zwischen 1970 und 1980 gebaut wur­
de. Etwas abseits vom Gut am Weg
nach Silz lagen das Miihlengehöfl
und die Windmühle auf dem Mühlen­
berg.
Nach 1897 kam es zu umfangreichen
Veränderungen. Rechts neben dem
Gutshaus entstand eine Schrotmühle.
An das Gutshaus schloss sich unmit­
telbar der rechteckige Gutshof an. Auf
der rechten Seite befanden sich der
Das Dorf und das Gut
Nossentin liegt nordöstlich von
Malchow an einer Bucht des Fleesensees. Die früher sehr große Feldmark
des Dorfes, die sich bis zu den
Gemarkungsgrenzen von Flohen
Wangelin, Kieth, Alt Gaarz, Loppin,
Jabel, Malkwitz und Sparow erstreck­
te, verlieh dem großen Waldgebiet
den Namen „Nossentiner Fleide“ .
Die ersten urkundlichen Erwähnungen
stammen von 1317. Vom 14. bis zum
18. Jh. hatten viele verschiedene
Adelsfamilien Besitz in Nossentin, bis
1747 E. F. v . R a v e n das Gut übernahm.
Erließ 1751 auf der Nossentiner Feld­
mark zwei Glashütten errichten, aus
denen später der Ort Nossentiner Hüt­
te hervorging. 1803 wurde das Gut
vom regierenden Herzog F r i e d r i c h
F r a n z I. erworben und damit ein
domaniales Gut.
Pächter des Domanialgutes Nossentin
waren:
1789-1827 F r ie d r ic h E r n s t
St Stall
S Scheune
Abb. 1 Plan des Gutshofes (BV 1799)
Estate layout from fire insurance
map of 1799
G
Gutshaus
entstanden 13 Neubauemstellen. Die
Bauern von Nossentin schlossen sich
später der LPG Silz an. Seit 1989 wer­
den die Flächen von der Agrargenos­
senschaft e. V. Malchow bewirtschaf­
tet.
C h r i s t o p h S f.it z
1834-1845
T heodor
1851-1860
F r ie d r ic h H e in r ic h
1863-1865
1867-1875
1880-1885
1887-1927
W i l h e l m S ib e t ii
R osen ow
B ehm
P h il ip p H a l l e
F r ie d r ic h E h l e r t
C a r l S p r in g b o r n
und
Erben
Der H of hatte 1903 und 1927 eine Grö­
ße von 434 ha. 1914 gab es einen Tier­
bestand von 30 Pferden, 100 Rindern
und 130 Schweinen. 1928 wurden 314
ha durch die Mecklenburger Land­
gesellschaft wegen Verschuldung auf­
gesiedelt, wodurch drei Erbhöfe, ein
Erbpachthof, 12 Häusler und ein Rest­
gut von 122 ha entstanden. In dieser
Zeit wurden die Siedlungshäuser in
der Nähe des Bahnhofes errichtet.
1938 wurde Nossentin Ortsteil von
Silz. Durch die Bodenreform von 1945
132
Abb. 2 Die Fachwerkscheune, die ursprünglich ein Rohrdach besaß (1989)
Half timbered, originally thatched, barn (1989)
Abb. 3 Die große Fachwerkscheune wurde 1994 abgerissen
The large half timbered barn w a s torn down in 1994
Pferdestall (Baujahr 1904/05), ein
Schweinestall sowie der große und
kleine Viehstall (Baujahr 1910/11). A uf
der linken Seite standen ein Schweine­
stall (Baujahr 1903) und eine sehr gro­
ße Fachwerkscheune m it Rohrdach
(vgl. Abb. 2 und 3).
Von all diesen Gebäuden gibt es nur
noch Reste. Rechts neben dem Guts­
haus befindet sich das Gebäude der
ehemaligen Schrotmühle. Es ist ein
niedriger Klinkerbau mit Krüppel­
walmdach. Das Gebäude ist zur Zeit
ungenutzt. A uf der rechten Seite stan­
den der Schweinestall (1989 abgeris­
sen) und die große Fachwerkscheune
mit Rohrdach (1994 abgerissen). Das
links vor dem Gutshaus stehende gro-
Abb. 6
Das Gutshaus,
Vorderansicht von
der Straße (2004)
Front view of
manor house from
the Street (2004)
Gutshaus und Park
Das G utshaus ist wohl im Wesentli­
chen der Bau, der schon 1799 be­
schrieben wurde. Es bestand je ein
Verbindungsgang zu den beiderseits
Abb.4
Der ehemalige
Pferdestall,
heute
Wohngebäude
(2004)
The former
stables
converted to
residential use
(2004)
Abb.5 Der ehemalige kleine Pferdestall,
heute Ferienwohnung (2004)
The former small stables, today a
holiday flat (2004)
ße Wohnhaus war der zum Gut gehö­
rende ehemalige Pferdestall. Das letzte
Gebäude an der Straße nach Jabel,
jetzt ein Ferienobjekt, ist der umge­
baute ehemalige kleine Kuhstall des
Gutshofes.
seitlich vorgelagerten großen Seiten­
flügeln. Der linke Flügel war Küche
und Wirtschaftstrakt, der rechte Flü­
gel Wohnraum und Kirchenzimmer, da
es um diese Zeit in Nossentin keine
Kirche gab. Von 1897 bis 1904 erfolg­
ten Veränderungen an dem heute
noch vorhandenen Bau. Die beiden
Verbindungsgänge und die Seitenflü­
gel verschwanden im Rahmen dieser
Baumaßnahmen.
Das uns heute gegenübertretende
Gutshaus ist ein zweigeschossiger
Backsteinbau auf Feldsteinsockel mit
Krüppelwalmdach und gewölbten Kel­
lerräumen. Beide Giebel bestehen im
Gegensatz zur Vorder- und Rückseite
aus gelben Klinkern, so auch die Lisenen an den Gebäudekanten. Die drei­
achsige Mitte der ehemaligen Hof­
front wird durch eine hölzerne Vor­
laube und Freitreppe betont. Zu bei­
den Seiten des Vorbaus gibt es drei
symmetrische Achsen. Die Fenster
sind durch Stichbögen geschlossen.
Das rechte äußere Fenster wurde zu
einer Tür umgearbeitet. Die Gartensei­
te des Gutshauses besitzt in der Milte
eine zweiläufige Freitreppe und eine
Eingangstür. Das Obergeschoss ist
siebenachsig und wie die Vorderfront
durch einen Fries verziert. Am linken
Giebel befindet sich ein großer, stall­
artiger Anbau mit flachem Pappdach,
der auch aus gelben Klinkersteinen
gemauert wurde. Dieser Anbau ist si­
cher um 1900 mit den Veränderungen
an den Giebelseiten entstanden. Er
wurde zur Gutszeit als Küche und
Wirtschaftshaus genutzt und dient
heute Wohnzwecken. Das Gutshaus
ist Gemeindeeigentum. Es ist bis auf
den Eingangsbereich in gutem Zu­
stand.
Hinter dem Gutshaus befindet sich ein
Landschafts-P ark, welcher Ende des
18. Jh. aus einer barocken Parkanlage
hervorgegangen und bis in die 1930er
Jahre erweitert wurde. Ein Tor, aus
zwei Pfeilern aufjeder Seite und eini­
Abb. 7 Das Tor zum Gutspark (2004)
The gate to the estate garden
133
Nossentin kam es im November 1806
zu verlustreichen Gefechten zwischen
einem preußischen Truppenteil, der
von Oberst Y o r c k befehligt wurde,
und den Franzosen. Aus Anlass des
50. Jahrestages dieses Gefechtes wur­
de am 2. Oktober 1856 in Gegenwart
des Mecklenburgischen Großherzogs
und des Feldmarschalls W r a n g e l in
der Nähe von Nossentin ein Denkmal
eingeweiht, das heute noch am selben
Platze steht. Das Yorck-BlücherAbb. 8
Im Gutspark von
Nossentin
In Nossentin's
estate garden
gen Treppenstufen bestehend, fuhrt
in den Park hinein. Es wurde 1994 re­
konstruiert. Der Park hat einen wert­
vollen Baumbestand, der vorwiegend
aus Winterlinden, Hainbuchen und Ei­
ben besteht. Eine schöne Allee führt
vom Gutshaus zum Fleesensee.
Gebäude im Dorf
Das Dorf wird besonders von sechs
langen noch vorhandenen ehemaligen
Gutskaten geprägt. Die Ende der 1920er
Jahre entstandenen Siedlungshäuser
befinden sich nahe der Bahnstrecke in
Richtung Silz. Nach 1945 wurden drei
Neubauernhäuser errichtet.
Hügels südlich des Gutshofes am öst­
lichen Ufer des Fleesen Sees. Auf der
Spitze dieses Hügels befand sich die
Kreidegrube. Eine Werkbahn ermög­
lichte den Transport vom Kalkofen
zum Fleesen See, wo sich eine Rampe
zum Verladen und Abtransport auf
dem Wasserwege befand.
Neben bestem Kalk trat in der Grube
auch guter Ton auf, der die Ansied­
lung einer Ziegelei möglich machte.
Abb. /1 Das York-Blücher-Denkmal nach
seiner Rekonstruktion
The York-Blücher memorial after its
reconstruction
J
Abb. 9 Ehemaliger Gutskaten (2005)
Former estate cottage (2005)
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Bei Nossentin befinden sich eiszeitli­
che Kreidevorkommen. Die Kreide
wurde in einem Kalkofen gebrannt
und als Baukalk bzw. Düngemittel ge­
nutzt. In Nossentin liegen die Anfän­
ge der Kreidegewinnung um 1789. Sie
wurde bis 1910 betrieben. Das
Kalkbrennergehöft lag am Fuße eines
134
Kalkofens auf dem MTB von 1884
Location of estate and Urne kiln
from ordinance map of 1884
Sie wurde von 1835 bis 1913 betrie­
ben. Um 1913 soll die Ziegelei 20 Ar­
beiter beschäftigt und 810.000 Steine
pro Jahr produziert haben.
Nach der Schlacht bei Jena und Auerstädt verfolgten die napoleonischen
Truppen die zurückweichenden preu­
ßischen Truppen, ln den Wäldern von
Denkmal wurde im Jahre 2 0 0 0 rekon­
struiert, Schautafeln mit Geschichts­
daten angebracht und die Umgebung
angemessen gestaltet.
Nossentin is an old village which was
first documented in 13 17. It was a
gentry estate for several centuries
before it became the property of the
Grand Duke in 18 0 3 . 1 9 2 7 it comprised
4 3 4 hectares. In 19 2 8 , 3 1 4 hectares o f
these were partitioned and new farmer
houses were built near the railway
Station. The estate complex can no
longer be recognized since a road,
built between 1 9 7 0 and 1 9 8 0 , is
leading across the former estate yard.
As conspicuous parts of the former
estate the manor house and the estate
park still remain. The residues o f the
estate buildings were remodeled. Near
Nossentin, during decades, a lime kiln
and a brickworks were operated.
6.44 Rum Kogel
Landkreis Güstrow
Amt Güstrow Land
H. Aisleben, F. Beckendorff
Das Dorf und das Gut
Wie Kirch Kogel, wurde auch das
Nachbardorf Rum Kogel erstmals 1303
im Zusammenhang mit der Verlehnung
des Gerichtes und der Bede an den
Ritter B e r n h a r d v o n B e l l in durch
N i c o l a u s v o n W e r l e - P a r c h i m ge­
nannt. Da der Ort im Mittelalter u. a.
1423 als „Rum-Kowalcke, anders
genomet Wendischen Kowalk“, be­
zeichnet wurde, dürfte er eine Ansied­
lung für die slawischen Bewohner ge­
blieben sein (MUB 2861). 1407 ver­
kauften zwei Brüder v o n S c h ö n o w
dem V ic k e W o o s t e n in Kirch Kogel
ihr Gut in Wendisch Kowalk für 100
Mark Ltibsch, dazu sechs Hufen und
drei Katen. Nachdem 1423 auch B e r n d
D e s s in sein Eigentum und seine
Gerechtsame an V ic k e W o o s t e n ver­
kauft hatte, dürfte ihm das ganze Dorf
gehört haben. Als er 1435 gestorben
war, wurde auch sein Rum Kogeler
Anteil dem Kloster Dobbertin ver­
kauft. Bald danach muss der Ort wüst
gefallen sein, denn im Kaiserbederegister von 1496 findet er keine Erwäh­
nung.
Über den Zeitpunkt der Einrichtung
einer Meierei in „Rum“ Kogel bzw.
nach der Wiebekingschen Karte
„Raum“ Kogel, wie es nach der „Räu­
mung“ genannt wird, fehlen die Nach­
richten. Um 1700 gehörte es nach
1lo iN C K i iu s e n als Meierei zum Kloster
Dobbertin. Das Beichtkinder­
verzeichnis von 1703 nennt auf dem
„Hofe Kogelke“ unter den 18 Einwoh­
nern außer dem 72jährigen
„Pensionarius“ u. a. einen Häcker
(Landarbeiter, der mit dem Hakenpflug
arbeitet) einen Schäfer und einen
Kuhhirten. Die Umwandlung von der
Meierei in einen Pachthof muss zwi­
schen 1700 und 1703 erfolgt sein. 1751
heißt es „Raum- oder Hof Kogelck, ein
Verwalterhof und klein Dorf, so dem
Kloster Dobbertin gehöret“
(Beichtkinderverzeichnis). Ende des
Abb. 1
Das Gutshaus im
Jahr 7966
The manor house
in i 966
18. Jh. gehörten noch sechs Bauern
aus Groß Breesen zum Hof, die hier
Dienste zu leisten hatten und dem
Mahlzwang des Klosters unterlagen.
Die Einwohnerzahl Rum Kogels
schwankte im 19. Jh. zwischen 73 und
96; 1923 und 1937 wurden 82 Einwoh­
ner gezählt. Die Größe ging von 627
ha in früheren Zeiten auf 353 ha 1928
zurück.
An Pächtern wurden ermittelt:
1783
V .R . D rew s
1800
L eo po ld i
1812
F r ie d r ic h F ie d l e r
1826
C h r is t ia n S c h u l z
1845
L e o p o l d i und Erben
1847
H in r ic h s
?
- 1865 F r ie d r ic h A l b a n
1866-1894 Bkskkk
1896
C. B e c k , der in Klein
Upahl wohnte
1911
C. A. H e c h t
1923
W. B a u e r
Nach 1945 wurde der Hof aufgesie­
delt. Die Neubauern, die jeweils 10 ha
Land erhielten, kamen zum größten
Teil in den fünf zweihischigen Katen
unter, die um- und ausgebaut wurden.
Jede Stelle erhielt eine Scheune auf
dem Hinterhof. 1953 bildete sich eine
LPG Typ I, 1959 Typ III, die sich mit
der LPG Reimershagen zusammen­
schloss. Ab 1973 kam es zur Gründung
einer großen LPG Pflanzenproduktion
zusammen mit der LPG Gerdshagen
und einer LPG Tierproduktion mit
Lohmen. I leute werden die Flächen
privat bewirtschaftet.
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Eine Vorstellung vom Aussehen des
Hofes bietet ein „lnventarium“ aus
dem Jahre 1755. Danach waren zwei
Tore vorhanden, die nur dann sinnvoll
erscheinen, wenn der gesamte Gebäu­
dekomplex umzäunt war.
Von der ehemaligen Gutsanlage ist ein
Pferdestall in Fachwerkbauweise er­
halten. der z. T. zu Wohnzwecken aus­
gebaut wurde. Ihm gegenüber befin­
det sich ein Gebäude, das ursprüng­
lich einmal Kuhstall des Gutes war
und nach 1945 als Neubauernstelle
ausgebaut wurde. Dabei nutzte man
aber nur die Hälfte des Gebäudes.
Abb. 2 Ausschnitt aus dem MTB um 1884
Extract from ordinance map of
1884
135
Abb. 4 Die Giebelseite des Pferdestalles (2007)
The gable wall of the stables (2007)
Abb. 3 Der ehemalige Pferdestall (2007)
The former stables (2007)
Gutshaus
Gebäude im Dorf
Über die Entstehungszeit des Gutshau­
ses ist uns nichts bekannt. Das ab­
gewinkelte Backsteingebäude auf einem
Feldsteinsockel wird heute von mehre­
ren Familien bewohnt. Die I Iofseite ist
durch nachträglich angelegte Gärten
und Schuppen nicht mehr als ursprüng­
liches Repräsentationsobjekt erkennbar.
Die Flächen östlich des Gutshauses
wurden und werden als Garten genutzt,
ein Gutspark existierte nicht.
Trotz der Aufsiedlung nach der Bo­
denreform gibt es in Rum Kogel keine
Neubauemhäuser. Es waren ursprüng­
lich fünf zweihischige Gutskaten vor­
handen, die für die Siedler genutzt
wurden. Von den Katen sind noch drei
erhalten, allerdings in stark veränder­
ter Form.
Abb. 8 Ehemaliger Gutskaten (2007)
Former estate cottage (2007)
Abb. 7
Feldsteinsockel am
Gutshaus
Stone base at the
manor house
Abb. 5 Das Gutshaus im Jahr 2007
The manor house in 2007
Abb. 6
Die Giebelseite
des Gutshauses
(2007)
The gable wall of
the manor house
(2007)
136
The name Rum Kogel has something
to do with space (German: Raum). The
second name component is pointing at
the originally close neighbourhood
with nearby Kirch Kogel (Church
Kogel). In the Middle Ages there were
peasants of possibly Slavic origin, as
the name then was Wendisch Kowalk
(Slavic Kowalk). In 1700 the place is
listed as property of closter Dobbertin
which had established a dairy-farm
from which a lcasehold estate
developed. At times the estate
comprised 627 hectares, in 1928 only
353 hectares. Only traces remain from
the former estate buildings. The manor
house is serving residential uses and
is no longer recognizable as such.
6.45 Schloß Grubenhagen
Landkreis Müritz
Amt Seenlandschaft Waren
R. Krüger
Abb. 1 Das Gutshaus in den Jahren 1880/90
The manor house in the years 1880/90
Das Dorf und das Gut
Die Entstehung des Gutes Schloß
Grubenhagen ist untrennbar mit der Ge­
schichte der Burg Grubenhagen und
dem Dorf Kirch Grubenhagen verbun­
den. Das Burgdorf Grubenhagen wurde
1243 erstmals urkundlich in einer Schen­
kung des Ritters G r u b e , nach dem der
Ort den Namen erhielt, erwähnt. Zwi­
schen 1 353 und 1364 erwarb U i .r ic i i I.
M o l t z a n zusammen mit seinem Bruder
1 I e in r ic ii M o l t z a n die zu Grubenhagen
gehörenden Güter. 1463 traten die
M o l t z a n ' s (Linie YVolde-PenzIin) ihre
Ansprüche an der Begüterung Gruben­
hagen vollständig an die Nachkommen
U l r i c h 's I. M o l t z a n ab.
Grubenhagen wurde für Jahrhunderte
der Stammsitz dieser Familie, welche
die große Burg bewohnte, von der heu­
te nur noch Reste vorhanden sind. Die
Burg wurde bis etwa 1780 genutzt und
dann verlassen. Inzwischen erbaute
V o l l r a t h L k v in II. M o l t z a n um 1760
das Gut Vollrathsruhe, das dann Wohn­
sitz wurde (vgl. Vollrathsruhe). 1815
starb die Linie M o l t z a n auf Gruben­
hagen aus und es kam im November
1822 zu einem Erbvergleich mit der Ver­
losung verschiedener Güter. A u g u s t
C h r is t o p h v . M a l i z a h n (Haus Roidin)
zog zusammen mit seinen Brüdern das
zweite Los aus der Grubenhäger Erb­
schaft, das aus Schloß Grubenhagen,
Klein Luckow, Bockholt und Krevtsce
bestand. Nachdem er seine Brüder mit
Geld abgefunden hatte, begann er mit
der Bewirtschaftung der Güter. 1836
verkaufte er das Gut Klein Luckow mit
Bockholt und Krevtsee an seinen Ver­
wandten F r i e d r i c h v . M a l t z a n auf
Rothenmoor.
Die Direktorialvermessungskarte von
1758 zeigt nordöstlich der Burg ein Vor­
werk mit drei großen Gebäuden, das of­
fensichtlich ein Gutshof war, der schon
von der Burg aus bewirtschaftet wur­
de. Er befand sich an derselben Stelle
des späteren Hofes. Mit dem Bau eines
Gutshauses und der Erweiterung des
dazu gehörenden Wirtschaftshofes ab
1840 durch A u g u s t C h r is t o p h v . M a l t ­
z a h n und seinen Sohn begann ein neuer
Geschichtsabschnitl des Gutes Schloß
Grubenhagen. Ein Nachkomme des Au­
gust Christoph v. Maltzahn verkaufte
das Anwesen 1908 an seinen Verwand­
ten W il h e l m v . M a l t z a n auf Moltzow,
der es seinem Sohn vermachte. Das
Gut blieb bis 1945 im Besitz der Familie.
1928 hatte es eine Größe von 353 ha,
davon waren 222 ha Ackerland. 46 ha
Wiesen und 56 ha Wald. Man hielt 27
Pferde, 76 Rinder, 236 Schafe und 37
Schweine.
Nach der Enteignung im Zuge der Bo­
denreform 1945 wurde das Land teil­
weise aufgesiedelt. 1952 entstand eine
LPG, die sich später mit Voll rathsruhe,
Hallalit und Klein Luckow'zusammen­
schloss. Mit der Eröffnung des Groß­
betriebes Industrielle Rindermast
(1RIMA) und VEG Pflanzenproduktion
Hohen Wangelin ging die LPG in dem
neuen Betrieb auf. 1992 pachtete ein
Sohn des letzten Besitzers die Lände­
reien und richtete wieder einen Gutsbe­
trieb ein. Das noch vorhandene Wirt­
schaftsgebäude und das Gutshaus
wurden von ihm zurückgekauft und in
den Jahren 1994 bis 1998 saniert.
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Der Vorläufer der späteren Gutsanlage
ist wahrscheinlich das Vorwerk der
Burg, das auf der D VK von 1758 mit drei
großen Gebäuden zu erkennen ist (s. u.).
1822 wurden mehrere Wirtschaftsge­
bäude aufgeführt (z.B. Ochsen- und
Schafstall, Holländerhaus, Kutschstall,
Eiskeller, Schmiede, Brauhaus), die z. T.
in den nach 1840 erweiterten Gutshof
übernommen wurden und in einigen Fäl­
len bis in die 1970er Jahre existierten.
Um die Mitte des 19. Jh. zählten zum
Gutshof ein Kuhstall mit Speicher, ein
Pferdestall, ein Schweine- und Schaf­
stall, eine so genannte Erbsenscheune,
Tfluhle
x OeAfmuACt
Abb.2
Lageplan vom
alten Schloß
Grubenhagen
(nach DVK 1758)
Estate layout of
former castle
Grubenhagen
from map of 1758
137
Abb. 6
Das Gutshaus,
Hofseite (2006)
The manor house
from the courtyard
(2006)
Abb. 3 Lageplan des Gutes um 1940
(nach W.-U. v. Maltzan)
Layout of estate from 1940 (acc. to
W.-U. v. Maltzan)
ein Hengsten- und Kutschstall sowie
Eiskeller und Schmiede. Von all diesen
Gebäuden steht heute der landwirt­
schaftlich genutzte und sanierte Kuh­
stall m it Speicher an der Straße nach
Hallalit, der in wesentlichen Teilen aus
Feldsteinen errichtet wurde.
Abb. 4
Wirtschaftsgebäude um 1930
Estate building around 1930
Abb. 5 Ehemaliger Speicher m it Kuhstall
(2003)
Former storage building with cow shed
Gutshaus und Park
Das G utshaus wurde 18 4 0 von A u g u s t
unter Verwen­
dung von Baumaterial aus der alten
Wasserburg errichtet. Es ist ein im klas­
sizistischen Stil gebauter eingeschossi­
ger und breit gelagerter Putzbau von 10
bzw. 11 Achsen mit mächtigem Krüp­
pelwalmdach. Dieses besitzt auf beiden
Seiten je zwei Fledermausgauben. Das
C h r is t o p h v . M a l t z a n
138
Kellergeschoss ist überwiegend aus
Feldsteinen gemauert. Der Keller be­
sitzt Längstonnengewölbe mit Unter­
zügen und zwei Mittelpfeilern. Von der
ehemaligen Hofseite gelangt man über
eine Freitreppe und eine dreiachsige,
übergiebelte Porta ins Gebäude. An
der linken Giebelseite wird ein dreiach­
siger Eingang durch Pilaster markiert.
Darüber befindet sich die Datierung
des Erbauungsjahres (1840). An dem
Ostgiebel kann man die eisernen Buch­
staben A. v. M . ( A u g u s t v o n M a l t z a h n ) entdecken.
Nach 1945 diente das Gutshaus Flücht­
lingen als Unterkunft. Unter anderem
w areine Konsumverkaufstelle darin
untergebracht. Bis 1994 wurde es für
die üblichen Gemeindeeinrichtungen
und zu Wohnzwecken für mehrere Fa­
milien genutzt. Danach ging cs in das
Eigentum eines Nachkommen der Fami­
lie v . M a l t z a n über und wird seit 1998
von dieser Familie wieder bewohnt und
ist Sitz ihres landwirtschaftlichen Guts­
betriebes.
Einen P ark gibt es in Nähe des Guts­
hauses nicht mehr, doch wurde mit dem
Riickbau der Burg ab 1840 die alte An­
lage in einen Landschaftspark mit
Anschluss zum neuen Gutshaus umge­
wandelt. Das alte Grabensystem und
Teiche der Burganlage wurden in den
Park integriert. Das Wegesystem und
die alten Rosskastanien sind als prä­
gende Elemente noch gut erkennbar.
Gebäude im Dorf
Heute gibt es noch fünf ehemalige Ka­
ten, die sich in Privatbesitz befinden.
1822 existierten wohl drei mit insgesamt
10 Wohnungen für Gutsarbeiter, die
restlichen wurden wahrscheinlich um
1850 gebaut. Die alte Windmühle in
Schloß Grubenhagen wurde in den
1930er Jahren zu einer Schnitterkaserne
umgebaut. In ihr wohnten nach 1945
Flüchtlingsfamilien, sie existiert heute
nicht mehr. Nach der Bodenreform witrden einige Neubauemhäuser errichtet.
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Unter L e v in J o a c h im v . M a l t z a n , dem Va­
ter des Begründers von Vollratsruhe, gab
es von 1720 bis 1733 eine erste Glashüt­
te, aus der der Ort Bockholt entstand,
und von 1748 bis 1755 eine zweite bei
Klein Luckow. DerMecklenb. Staatska­
lender (1903) erwähnt eine Wassermühle
nebst Molkerei. Eine Windmühle exis­
tierte viele Jahrhunderte. 1927 richtete der
Müller und Bäcker R o s e n o w auf dem Ge­
lände der alten Wassermühle, die sich bei
den Fischteichen befand, eine Bäckerei
ein, die noch nach 1945 in Betrieb war.
Der Sohn des A u g u s t C h r i s t o p h v . M a l t z a iin , A u g u s t W ilh e lm v. M a l t / a h n
(1815-1883), war seit 1853 Provisor des
Klosters Malchow und wurde 1865 zum
Klosterhauptmann gewählt, worauf er mit
seiner Familie nach Malchow zog.
The village Schloß (castle) Gruben­
hagen arose from a large castle
complex recognizable only from relics.
Until the year 1780 this castle was
inhabited by the von Maltzan family.
An extended estate complex with a
manor house was constructed around
1840. Stones from the castle were then
used as construction material. The
estate comprised some 353 hectares. A
cow house with a shed built from
stone remains from the estate
buildings. The manor house was
thoroughly renovated and is again
inhabited by the von Maltzans. There
are some further five former cottages
in the village and a few houses by
new settlers that were built after 1945.
6.46 Sehlsdorf
Über die Zeit des letzten Pächters be­
richtet sein Sohn in N ie m a n n (2000).
Nach 1945 erhielten 22 Landarbeiter
und Landlose, 18 Umsiedler und vier
Handwerker insgesamt 351 ha Land
des damals 438 ha großen Gutes.
Nach der LPG-Bildung in den 1950er
Jahren kam es später zum Zusammen­
schluss mit der LPG Diestelow. Heute
werden die Flächen von der Agrarge­
nossenschaft Diestelow bewirtschaf­
tet.
Landkreis Parchim
Amt Goldberg-Mildenitz
H. Alsleben, F. Beckendorff
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Abb. 1 Das Gutshaus Sehlsdorf 1945
The manor house of Sehlsdorf in 1945
Das Dorf und das Gut
(2001) nimmt auf Grund von
archäologischen Quellen und Flurna­
men an, dass der Ort aus der Zusam­
menlegung von zwei slawischen Sied­
lungen hervorging, und zwar kurz vor
der Übereignung an das Kloster
Dobbertin 1292. Es belehnte
T h e t l e v u s W a c k e r b a r t mit
„Bosscelesdorpe“, wie Sehlsdorf nach
dem slawischen Ausdruck bucela für
Biene hieß. Den Urkunden nach er­
folgten einige Eigentümerwechsel, be­
vor der Landesherr 1349 die 16 Hufen
und 1374 auch seine „Gefalle“ (Abga­
ben) dem Kloster endgültig überließ.
1496 bewirtschafteten vier Familien
bäuerliche Hufen. Nach der Verwüs­
tung des Dorfes im Dreißigjährigen
Krieg wurde 1637 der I Iof eingerichtet.
1649 waren nur zwei Zugochsen vor­
handen, es gab weder Pferde noch
Hühner. Pächter B a l c k durfte eine
Schäferei einrichten. 1662 berichtete
der Benthener Pastor, dass Sehlsdorf
nach den vielfältigen Kriegsunruhen
wieder hergestellt sei. Danach war die
Wirtschaftsführung so weit stabilisiert
worden, dass der Hof von 1696 an für
24 Jahre verpachtet werden konnte.
Dem Pächter dienten zwei Knechte,
zwei Drescher und zwei Mägde. Über­
R u ch höft
dies lebte dort ein Schäfer. Kuh- und
Schweinehirt waren für die Herden
des Hofes zuständig. Vier Bauern­
gehöfte lagen an der Westseite des
Ortes. Ihre Verlegung auf den westli­
chen Teil der Feldmark erfolgte 1830.
An Pächtern des Klostergutes, des­
sen Größenangaben zwischen 443 und
480 ha schwanken, wurden ermittelt:
1646-1659
Hauptmann B a l c k
1660
H e in r ic h B r a n d t
1672
H e in r ic h G ie s e
16%
Johann Jacobs
1720
Angehörige der Familie
M öller
1750
L eutnant G eorg von
1760
1779
M a r t in W a r n e m ü n d e
Ein im Inventar von 1711 genanntes
„Käse-Hauß“, das in seinem unteren
Teil als Pferdestall diente, war zehn
Jahre später sehr „brackfellig“. Aus ei­
nem Inventarverzeichnis geht hervor,
dass 1772 außer dem Gutshaus ein
Pferde- und Kuhstall, ein Schafstall,
ein neuer Holländerstall, ein 1769 ge­
bautes Torhaus mit Viehstal 1 und
Nebengelass, ein Backhaus und eine
Scheune den Gebäudebestand bilde­
ten. Die Gutsanlagc von 1805 ist aus
dem Lageplan zu ersehen (vgl. Abb.2).
Das Torhaus war noch vorhanden.
1867 erfolgte der Bau eines Schweine-,
Fohlen- und Viehstalles,
ln einer Front mit dem Pächterhaus
sind noch der ehemalige Pferdestall
und ein Gebäude, das einst als
Schmiede und Stellmacherei diente, erAbb.2 Plan des Ortes von 1805 (BV)
Estate layout of fire insurance map
from 1805
L in s t o w
N üsch,
danach
A d olph
S chregel
1791
G eorg C ram er
1806
der Pächter von
Mühlenhof, H a m a n n
1808
A l b e r t F r e u d e n f ie l d ,
danach sein Sohn
1837
1853
1867
18%
1916
1936- 1945
C h r is t ia n L o i is e
A u g u s t W a r n f .k e
H erm ann B ade
A lbrecht W arneke
C a r l F l in t
K a r l - W f.r n e r F l in t
■
G
K
B
Wohngebäude C I Wirtschaftsgebäude
Gutshaus
St Stall
Katen
S Scheune
Bauernhaus
139
Abb. 3
Der noch
vorhandene
Schweinestall
(1998)
The still existing pig
sty
1970er Jahren errichteten Kulturhauses
und einige Neusiedlerhäuser lassen die
ursprüngliche Anordnung des Wirt­
schaftshofes nicht mehr erkennen.
-
-vu
halten geblieben. Beide, unter Denk­
malschutz stehend, werden zurzeit
nicht genutzt.
Gutshaus
Das Pächterhaus war 1711 „in
miserabelen Zustande“. Nach 1720
ließ es das Kloster durch ein Stroh ge­
decktes Fachwerkgebäude erset­
zen. 1867, nach einer anderen Quelle
1895, erfolgte ein Neubau. Dem ein­
stöckigen, sechsachsigen Backstein­
bau wurde ein zweistöckiger, nach
vorn gewölbter Mittelrisalit vorge­
setzt, der durch teils vermauerte
Fensteröffnungen seine ursprüngliche
Regelmäßigkeit einbüßte. Seit 1945
diente das Haus der Unterbringung
von Flüchtlingen. In den 1960er Jah­
ren waren u. a. die Schule und der
Konsum darin. Nach längerem Leer-
Abb.4
Das Gutshaus a/s
Schule (1968)
The manor house
as school (1968)
Lfj, . . ■
K ■n9 i rj
Abb. 5
Das Gutshaus
1998
The manor house
in 1998
stand bemüht sich eine Familie in
langwieriger Kleinarbeit um seine Er­
haltung. Die Flächen nördlich des
Gutshauses wurden und werden als
Garten mit z.T. altem Baumbestand ge­
nutzt.
140
Gebäude im Dorf
Nach der Gründung des Hofes wur­
den im Lauf der Zeit vier Katen mit
neun Wohnungen gebaut, darunter
der des Schulmeisters. Sie werden
heute noch genutzt.
Die Ruine eines von der LPG in den
Since 1292 cloister Dobbertin had
property in Sehlsdorf. After the Thirty
Years War the newly established
estate shared its arable fields with
four free famiers whose courts were
transferred to the Western periphery
of the bounds around 1830. The
estate was a fiefdom until 1945,
comprising beween 443 and 480
hectares. 1945 the major parts of the
estate were redistributed. Today, only
the manor house and two estate
buildings are witnesses of the past.
Anmerkung: Der Aufsatz entstand un­
ter Zuhilfenahme von Unterlagen der
Familie D olch, ehemals Sehlsdorf.
6.47 Sophienhof
Landkreis Müritz
Amt Seenlandschaft Waren
H.-J. Hagemann
Das Dorf und das Gut
Sophienhof ist ein junges Dorf, das
durch eine Gutshofgründung im 18.
Jh. entstand. Der Ort liegt südöstlich
des Flachen Sees. Die Geschichte des
Ortes ist eng mit der von Lütgendorf
und der des nicht mehr existierenden
Bauerndorfes Sapshagen verbunden.
Der Name geht auf die Witwe E l is a ­
b e t h S o p h i e v o n L in s t o w zurück, de­
ren Familie seit dem 14. Jh. die umlie­
genden Ländereien besaß und auch
Sophienhof gründete. Sie heiratete
J o a c h im R e im a k v o n d e r L ü h e , mit
dem sie sich auf das neu geschaffene
Gut für kurze Zeit zurückzog und dort
den Wohnsitz nahm. 1783 wurde
Sophienhof ein selbstständiges Gut,
nachdem es der Malchower Bürger­
meister U r b a n N e u e r t und später E.
W. v o n R a v e n übernahmen. Die Akten
zum Gut Sophienhof beginnen mit
dem Jahr 1751. Das Werden des Gutes
war schicksalhaft mit dem Niedergang
des in der Nähe gelegenen Bauerndor­
fes Sapshagen verbunden. Es wurde
auf Kosten des Dorfes Sapshagen er­
richtet, indem im Zeitraum 1798 bis
etwa 1811 die Bauern gelegt und aus
den Bauernhufen das Gutsland von
Sophienhof wurde. 1819 existierte
Sapshagen nicht mehr.
Das Gut hatte viele Eigentümer. Die
Übersicht erhebt keinen Anspruch auf
Vollständigkeit:
1796 - 1805 A l b r e c h t v o n K a m p t z
1805 - 1811 A u g u s t L u d e w ic . v o n
Abb. 1
Rückseite des
Gutshauses 1939
Rear view of
manor house from
1939
1928-1938
M a x i m il ia n v o n
R o ü is t e r
1938 -1942
G ebh a rd von der
W en se
1819 wurden für Sophienhof 125 Men­
schen genannt. Um 1900 hatte das Gut
eine Größe von etwa 490 ha. Als M. v.
R o g is t h r das Gut übernahm, hatte es
eine Größe von 575 ha. Er wurde 1938
vom nationalsozialistischen Staat ent­
eignet, weil er die Judenvcrfolgungspolitik nicht mit trug. Durch Flucht
konnte er sich einer Verhaftung entzie­
hen. Das Gut wurde noch im selben
Jahr von G e b h a r d v o n d e r W e n s e
übernommen. Er vergrößerte es auf
etwa 800 ha und entwickelte den land­
wirtschaftlichen Betrieb und das Dorf
nach modernen Gesichtspunkten,
doch wurde der Aufbau durch die ein­
tretenden Kriegsereignisse empfind­
lich gestört. Die zum Kriegsdienst einberufenen Gutsarbeiter wurden durch
polnische, französische und dann
durch russische Kriegsgefangene er­
setzt. 1942 verkaufte v o n d e r W e n s e
das Gut an das Kalisyndikat. 1945
wurde es an etwa 45 ehemalige Land­
arbeiter, Tagelöhner und Flüchtlinge
aufgeteilt. Die erste LPG Typ 1 wurde
1952 gegründet. Ihr folgten 1955 eine
Genossenschaft Typ III. 1960 hatte
Sophienhof 211 Einwohner und wurde
nach Grabowhöfe eingemeindet. Auch
die LPG vereinigten sich. Nach 1990
erhielt ein Erbe aus der Familie v o n
R o g i s t e r die nicht mehr besetzten
Bodenreformsiedlungen als Teil des
Gutes zurück und bewirtschaftet die­
se. Die anderen Flächen werden von
einem anderen Landwirt auf Pacht­
basis genutzt.
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Die große Gutsanlage ist in einer Luft­
aufnahme aus den 1920er Jahren do­
kumentiert (vgl. Abb.2). Der ehemalige
H of ist heute eine kopfsteingepflaster­
te Straße. So wie die Gutsanlage bis
1945 bewirtschaftet wurde, ist sie
wahrscheinlich in der Zeit der v o n d e r
Abb.2 Luftaufnahme der Gutsanlage (1920)
Aerial view of estate from 1920
T h o m sdorf
1811-1830
1837-1850
1850 -1865
1880 - ?
um 1900
um 1905
um 1910
1923
Kaufmann B a ii l m a n n
aus Waren
Baron v o n H a m m e r s t e in
C a r l v o n O f.r t z e n
11e l m u t
von
B lücher
E r n s t W in k e l m a n n
K arl E rn st vo n M eyen
R i c h a r d M a t h i i es
G esch w ister v o n
S c h n it z l e r
1928
B . H a ase
141
Abb. 3 Der Gutshof in den 1940er Jahren
The estate in the 1940s
Lühk oder der v o n K a m p i / vor 1800
entstanden (Mnß n e r et al. 2004). Die
Reste des Gutshauses und Teile der
Wirtschaftsgebäude wurden nach
1945 zur Materialgewinnung furNeubauemhäuser abgerissen oder diese
Gebäude zu Neubauernsiedlungen
ausgebaut. Erhalten geblieben sind
nur ein Speichergebäude und eine ge­
genüber stehende Scheune (vgl.
Abb. 8/9).
Gutshaus und Park
Das Gutshaus wurde nach 1935 neu
gebaut und von M. v o n R o g i s i e r be­
gonnen. Da er in der NS-Zeit enteig­
net wurde, blieb das Gebäude unvoll­
endet. G. v o n d e r W e n s e hat das Gut
1938 erworben und den Rohbau des
Gutshauses verändert, ergänzt und
vollendet. Das Gutshaus war ein ein­
stöckiger, elfachsigerPutzbau überei­
nem Kellergeschoss mit ausgebautem
Mansarddach. An der Vorder- und
Rückseite besaß es jeweils einen drei­
achsigen Mittelrisalit. Das Gebäude
hatte zwei Flügelbauten, die in sich
abgeschlossen wraren und durch ei­
nen überbauten Flur mit dem Guts­
haus verbunden waren. Im linken Flü­
gel waren Büroräume, Gästezimmer
und Angestelltenwohnungen unterge­
bracht, der rechte Flügel wurde als
Wirtschaftsgebäude genutzt
( M e B n e r et. al. 2004). Das Gutshaus
wurde nach einem Entwurf von F. W.
K r a e m e r gebaut und verkörperte ei­
nen französisch barocken Lust- und
Landschlosstyp des fortgeschrittenen
18. Jh. ( d e V e e r 2006).
Im letzten Kriegsjahr wurden auf An­
weisung des NSDAP Gauleiters
H i l d e u r a n d Kulturgüter aus dem
Warencr Museum, dem Pergamonmu­
seum, aus der Berliner Humboldt­
stiftung und aus den umliegenden Or­
ten in das Gutshaus Sophienhofaus­
gelagert. Dieses Kulturgut ging zum
Abb. 4 Die Hofseite des Gutshauses m it linkem Flügel (1939)
Courtyard side of manor house and left wing (1939)
Abb. 5 Die Hofseite des Gutshauses m it rechtem Flügel (1939)
Courtyard side of manor house and right wing (1939)
Abb. 6 Das Unke Flügelhaus heute (2007)
The left wing building today (2007)
Abb. 7 Das rechte Flügelhaus heute (2007)
The right wing building today (2007)
größten Teil verloren, weil das Gebäu­
de noch 1945 abbrannte bzw. von SSEinheiten gesprengt wurde. Dazu gibt
es unterschiedliche Aussagen.
Heute stehen von dem Gutshaus nur
noch die Flügelbauten, deren Dachge­
schosse völlig verändert wurden. Die
Gebäude wurden nach 1990 zum Teil
restauriert und werden bewohnt.
Der Landschafts-Park in Sophienhof
hat heute fast Waldcharakter, nur alte
solitäre Linden und Hainbuchen las­
sen erkennen, dass cs sich um eine
Parkanlage handelt. Angelegt wurde
der Park, welcher sich südlich vom al­
ten Gutshaus fast schlauchartig er­
streckte, Mitte des 19.Jh.
Abb. 10
Der einst
vierhischige
Gutskaten wird von
zwei Familien
bewohnt (2007)
Two families are
now living in the
former estate
cottage (2007)
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Gebäude im Dorf
Im Dorf sind noch einige Gebäude aus
der Gutszcit erhalten geblieben. So
gibt cs mehrere Katen, einer davon
steht unter Denkmalschutz. Er war ur­
sprünglich vierhischig, heute leben
zwei Familien darin. Die ehemalige
Schnitterkaserne wird heute von meh­
reren Familien bewohnt.
Abb. 11 Die ehemalige Schnitterkaserne
wird zu Wohnzwecken genutzt.
(2007)
The former seasonal workers’
lodging has been converted for
residential use (2007).
Abb. 8
Ehemalige
Gutsscheune m it
Sonnenkollektoren
(2007)
Former estate barn
with solar panels
(2007)
Abb. 9
Ehemaliger
Gutsspeicher
(2007)
Former estate
storage house
(2007)
Sophienhof hatte eine Schmiede und
eine Ziegelei (Meckl. Staalskalender
1853). Seit 1886 besaß der Ort auch ei­
nen Bahnanschluss durch die Eröff­
nung der Strecke der Eisenbahn- und
Dampfschiffahrts-Akticngesellschaft
Deutsch-Nordischer Lloyd. Das Gut
bekam eine gesonderte Verladerampe.
Der Bahnhof lag außerhalb des Dorfes
zwischen Sophienhof und Hof
1lagcnow.
Sophienhof is a young village which
developed after the establishment of
an estate in the middle of the 18th
Century. The estate which in 1900
comprised almost 500 hectares saw
numerous owners. It was expropriated
in 1945 and redistributed among new
settlers. After 1990 parts of the estate
were restituted to a heir of the von
Rogister family who keeps cultivating
them. The manor house was
completed in 1938. It was a stucco
building subdivided into eleven axes
and a complete mansard roof plus two
side wing buildings. ln 1945, the
central part was destroyed by
detonation or fire and many art
treasures with it that had been stored
there during the war. The side wing
buildings remain. Former estate
cottages and the lodging for migrant
farm labourers are also preserved in
the village; they are in rather good
shape.
143
6.48 Sparow
Landkreis Müritz
Amt Malchow Land
W. Mewes
Das Dorf und das Gut
Sparow liegt östlich des Drewitzer
Sees unweit des Museumsdorfes Alt
Schwerin. Der Ort wurde erst 1500 das
erste Mal urkundlich erwähnt, doch
kann davon ausgegangen werden,
dass er schon davor existierte. Der
Name soll auf einen slawischen Perso­
nennamen zurückzuführen sein und
kann als „Ort des Zbor“ gedeutet wer­
den.
Das ursprüngliche Sparow, später
auch Alt Sparow genannt, lag am öst­
lichen Hochufer des Drew'itzer Sees.
1571/72 wurde die Adelsfamilie v .
G a m m mit Besitzungen in Sparow er­
wähnt, 1615 kauften die Brüder v .
B e l o w aus Nossentin Anteile am Ort.
Es ist anzunehmen, dass Sparow
schon sehr früh zur Nossentiner
Begüterung gehörte und auch als
Pertinenz bei Nossentin blieb. In der
Folgezeit von fast 200 Jahren sind die
Eigentumsverhältnisse schwer zu
überblicken. Am Ende des Dreißigjäh­
rigen Krieges war Sparow fast wüst,
es waren keine Bauern mehr anwe­
send. 1704 lebten 15 Einwohner, die
über 14 Jahre alt waren, im Ort. Bei
dem mehrmaligen Besitzwechsel von
Nossentin nach dem Dreißigjährigen
Krieg wurden Nossentin, Silz, Sanz
und Sparow stets zusammen verkauft.
1747 erwarb E r n s t F r i e d r ic h v . R a v e n
das Gut Nossentin mit diesen
Pertinenzen. Alt Sparow bestand zu
dieser Zeit aus einer Meierei, einer
Schäferei, einem Teerofen und weite­
ren Häusern. Der Ort verfiel aber im­
mer mehr, es wurden ständig Häuser
abgerissen. 1806 gab es nur noch
sechs Gebäude.
Sicherlich noch vor 1760 wurde ein
neues Gut an der heutigen Stelle er­
richtet, das Neu Sparow genannt wur­
de. Es ist zu vermuten, dass v . R a v e n
der Erbauer des Gutes wrar. Von 1789
bis 1803 wurde der Besitz Nossentin
mit den Pertinenzen vom regierenden
144
Abb. 1 Das Gutshaus Sparow in den Jahren 1880/90
The manor house of Sparow in the years 1880/90
Herzog von Schwerin erworben und
ab 1803 von der herzoglichen Kammer
verwaltet, wodurch langjährige Besitz­
streitigkeiten beigelegt werden konn­
ten. Der Wirtschaftshof in Neu
Sparow war zu dieser Zeit noch klein.
1795 ließ das Domanium ein Gutshaus
errichten. Nossentin blieb im
Domanium doch, Sparow und Sanz
wurden 1812 versteigert und damit
wieder ritterschaftlich. L. G. H. v . B l ü ­
c h e r wurde Eigentümer des Gutes, der
es 1850 an den bisherigen Pächter
W i l h e l m N e c k e l verkaufte. In dessen
Familie verblieb es bis zur Enteignung
1945. In dieser Zeit lebten immer über
100 Einwohner in Sparow. 1920 hatte
das Gut eine Wirtschaftsfläche von
820 ha. Davon wraren 501 ha Acker, 41
ha Wiese und Weide und 256 ha
Wald. Der Tierbestand setzte sich aus
70 Pferden, 97 Rindern, 125 Schweinen
und 400 Schafen zusammen. 1935 wur­
den mehr als 100 ha durch eine Sied­
lungsgesellschaft herausgelöst und
an Büdner und Häusler in Silz,
Nossentin und Nossentiner Hütte ver­
kauft. Zu dieser Zeit arbeiteten auf
dem Gut 60 ständige Landarbeiter und
52 Saisonkräfte.
1945 wurde der Gutsbesitzer H e r m a n n
N e c k e l enteignet (716 ha). Ab 1948
entstanden in Sparow vier Neubauemhäuser. 1950 machte man
Sparow zum Ortsteil von Nossentiner
Hütte. 1952 wurde eine LPG aus 16
Mitgliedern gegründet, die bis 1965
a u f36 Mitgliederwuchs. 1974 schlos­
sen sich die LPG Nossentiner Hütte
und Sparow zusammen. Später wurde
ein Großbetrieb mit Alt Schwerin und
Malchow gebildet. Nach 1990 ent­
stand aus der LPG (P) Malchow eine
Agrargenossenschaft, die heute die
Flächen bewirtschaftet.
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Der Hof bestand bei der Übernahme
durch die herzogliche Kammer 1788
aus einer großen Scheune, einem
Viehhaus, einem kleinen Wohnhaus
und einem Hirtenhaus. Es gab zwei
Katen. Mit dem Bau eines neuen
Gutshauses bestand die Anlage 1803
aus einem Backhaus, einem
Wirtschaftshaus, einer Scheune und
einem Schafstall. Zwei Katen lagen am
Weg nach Silz. Die Wirtschaftsgebäu­
de änderten sich im Laufe der Jahr­
zehnte, doch zu einer größeren Bau­
tätigkeit kam cs 1940/41 mit der Errich­
tung eines Jungviehstalles, eines
Kuhstalles und Pferdestalles. Dazu
entstanden eine Tischlerei und
Schmiede. Die Gebäude wurden von
der sich später bildenden LPG ge­
nutzt, doch nach 1990 standen sie leer
und verfielen langsam. Mit der Errich­
tung der neuen Anlage „Hotel Guts­
hof Sparow“ w'urde der ehemalige
Pferdestall zu Wohnungen ausgebaut,
die anderen Wirtschaftsgebäude hat
man abgerissen.
Teich hinter dem alten Sägewerk wur­
de zu dieser Zeit angelegt.
Gebäude im Dorf
gab es sieben Katen im Dorf, in
denen ein Holländer mit seiner Familie,
zwei Dienstmädchen, der Lehrer, der
Müller, 13 Tagelöhner mit ihren Famili­
en, drei Witwen und zwei unverheira­
tete Frauen lebten ( K u r t h 2 0 0 0 ) . Noch
heute sind diese ehemaligen Katen im
Dorf zu finden. Besonders attraktiv ist
ein Feldsteinkaten am Ausgang des
Dorfes in Richtung Silz, der wohl Ende
des 1 8 . Jh. entstanden ist.
1867
Abb. 2
Dorfteich, im
Hintergrund der
Rinderstall (1995)
Village pond with
cow shed in the
background (1995)
Gutshaus und Park
Ein neueres Gutshaus wurde 1795 er­
baut. Nach Informationen von R e e p s
(2007 mdl.) war es ein neunachsiges,
eingeschossiges verputztes Gebäude
auf einem Feldsteinsockel in barocker
Bauweise. Nach der Übernahme des
Gutes durch W il h e l m N e c k e l wurde
das Gutshaus nach 1850 aufgestockt
und verändert. Der Putz im Erdgeschoss
war durch Ritzung gequadert. Die unte­
ren Fenster waren durch einen Tudorbogen, die oberen gerade geschlossen.
Der hochgezogene dreiachsige Mitlelrisalit war iibergiebelt. Um 1880 besaß
er im Obergeschoss einen schmiedeei­
sernen Balkon. Der hölzerne Vorbau im
Erdgeschoss und der seitliche Anbau
sind wohl im 20. Jh. hinzugekommen.
Nach 1945 wurde das Gutshaus vielfäl­
tig genutzt. So wurden ein Konsum
und eine Schule eingerichtet, der spä­
ter der Kindergarten folgte. Bis 1990
wohnten auch drei Familien darin, doch
wurde der bauliche Zustand immer
Abb. 4 Das neue Gutshaus (2003)
The new manor house (2003)
schlechter, so dass das Gebäude 1994
unbewohnbar war. Noch im selben Jahr
konnte es die Gemeinde privat verkau­
fen. 1997 wurde das Gutshaus abgeris­
sen und in ähnlicher Form als Hotelan-
Abb.3 Feldsteinkaten (2007)
Stone cottage (2007)
läge wiederaufgebaut. Im Bereich der
ehemaligen Stallgebäude wurden eine
Remise und ein Sportkomplex errichtet.
Westlich des Gutshauses wairde Ende
des 19. Jh. ein kleiner G utspark ange­
legt, dessen Reste in Form von alten
Blutbuchen hinter dem Gutshaus und
den Winterlinden an der Zufahrtsstra­
ße noch erkennbar sind. Auch der
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Sparow besaß etwa ab Mitte des 19. Jh.
eine W indmühle, die 1 9 2 5 abgebrannt
sein soll. Zu Sparow gehörte über Jahr­
zehnte das Vorwerk Sanz, auf dem um
1 8 7 0 ein Erbpachtbauer wirtschaftete.
Der Betrieb wurde Anfang des 2 0 . Jh.
aufgegeben. H e r m a n n N e c k e l ließ eine
G utssägerei bauen, die zu DDR-Zeiten
von der LPG übernommen und nach
1 9 9 0 zu einem rustikalen Restaurant
umgebaut wurde. Da in der Umgebung
von Sparow über Jahrhunderte Teer­
öfen produzierten, errichtete der Verein
„De Sparower Teerschwelers“ ab 1 9 9 7
ein Teerschwelergehöft mit Schauteer­
ofen. Hier können Besucher das alte
Gewerbe kennen lernen.
Sparow was first documented in 1 5 0 0 .
The original settlement was situated
on the shores of lake Drewitz, but at
around 1 7 6 0 a new estate was
constructed from which the present
village emerged. From 1 7 8 8 to 1 8 1 2 the
estate was a ducal domain, but then
was sold by auction as a feudal
estate. From 1 8 5 0 to its expropriation
in 1 9 4 5 it was owned by the Neckel
family. The original manor house was
constructed in 1 7 9 5 . It had to give
way to a new construction o f similar
shape in 1 9 9 7 which is now part of a
hotel compound. In lieu o f the estate
cottages multifunctional buildings for
the hotel compound were built. Some
remaining estate cottages remain as
witnesses of the former estate.
145
6.49 Spendin
Landkreis Parchim
Amt Goldberg-Mildenitz
H. Aisleben, F. Beckendorff
Das Dorf und das Gut
Die Entwicklung Spendins war seit der
I. Hälfte des 19. Jh. eng mit dem be­
nachbarten Dorf Kleesten verbunden.
Beide Güter wurden bis 1907 zusam­
men verpachtet.
Spendin, an der Landesstraße L 17 ge­
legen, ist eine der jüngsten Gründun­
gen des Klosters Dobbertin. Genaue
Zahlen liegen nicht vor, doch eine Er­
wähnung des Ortes findet erst im 18.
Jh. statt. 1 2 3 7 wird in einer Urkunde
ein „See Spandine“ genannt [MUß
4 6 9 ] , um 1 6 0 0 ist von einem „Feld
Spandin“ die Rede. R u c h h ö f t ( 2 0 0 1 )
vermutet dort ein slawisches Dorf, das
im Zuge der ersten Klostergründung
nach Dobbertin „umgesiedelt“ wurde.
Die Feldmark war danach wüst oder
wurde von Dobbertin aus bearbeitet.
Die Neugründung setzt E n g e l ( 1 9 3 4 )
nach dem Dreißigjährigen Krieg an.
H o i n c k h u s e n (um 1 7 0 0 ) bezeichnet
Spendin als eine Meierei des Kloster­
amtes Dobbertin. 1 7 5 1 lebten auf dem
„Hofe Spannin“ der Verwalter F r ie d ­
r ic h W i e n c k e , ein Schäfer und weitere
12 Erwachsene.
Spätere Pächter waren:
v o r l796
H a r t w ig C a r l L ie r o w
17%
G e o r g W ie n k e (zusam­
men mit Neuhof)
1853
F r . S eem ann
1886
F r it z Voß (Neuhof,
Spendin mit Kleesten)
1927
W il h e l m L e p l o w
1840 beschrieb H k m p e l Spendin „am
Abhange einer Höhe, wohlgebaueter
Hof mit 28 Einwohnern“. 1866 kam es
zur Aufforstung Spendins und zur Zu­
sammenlegung des übrigen Ackers
mit Kleesten. 1886 umfasste die Fläche
der Güter Spendin und Kleesten 322,6
ha. Während die Zahl der Einwohner
1842 noch 154 betrug, sank sic in den
nächsten 15 Jahren um fast zwei Drit­
tel auf 57 und wurde in der ersten
Hälfte des 20. Jh. mit 35 angegeben.
Der Pächter F r it z V o ß verstarb 1906,
146
und seine Witw'e sah sich nicht in der
Lage, sowohl Spendin mit Kleesten
als auch Neuhof zu leiten. Darum bat
sie, ihr die Pachtung 1907 abzuneh­
men. So wurde Spendin 1907 ohne
Kleesten mit einem geringen Anteil
der früheren Kleestener Feldmark ver­
pachtet. Die Fläche betrug nun 226,5
ha, wovon 20 ha auf Wasserflächen
entfielen. Um 1927 hatte das Gut einen
Tierbestand von 25 Pferden, 76
Schweinen und 89 Rindern, von de­
nen 36 Milchkühe waren.
Nach 1945 erhielten 16 Landarbeiter
und Landlose sowie zwei Umsiedler
insgesamt 144 ha von der ca. 217 ha
umfassenden Gutsfläche, die jetzt im
Wesentlichen von der Agrargenos­
senschaft Dobbertin genutzt wird.
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Ein Plan von 1861 veranschaulicht die
Gutsanlage. Sie bestand aus acht Ge­
bäuden, einschließlich dem Gutshaus.
Von diesen existieren heute nur noch
der Speicher, der zum Teil zu
Wohnzwecken ausgebaut wurde. Der
Pferdestall brannte 1963 ab, für den
Schweinestall entstand zu LPG-Zeiten
ein neuer Stall. 1925 wurde eine große
Holzschcune gebaut, die noch vor­
handen ist.
Abb. 1
Ein
Wirtschaftsgebäude
(um 1960)
Estate building
(around 1960)
Abb.2
Plan des
Gutshofes (1861)
Layout of estate
from 1861
j
G
Wohngebäude
Gutshaus
| Wirtschaftsgebäude
St
Stall
S
Scheune
Dorfbild durch einige Neubauernhäuser und Gebäude aus neuerer Zeit
bestimmt.
Abb. 3
Holzscheune von
1925 (2007)
Wooden barn from
1925 (2007)
Abb. 4 Ehemaliger Speicher, der z. T. bewohnt wird (2007)
Former storage building, now partially inhabited (2007)
Gutshaus und Park
Das Gutshaus wurde 1754 erbaut.
Dazu verbaute man unter anderem
26.500 Dachziegel und 23.600 Mauer­
ziegel. Das Pächterhaus war ein neunachsiges Fachwerkgebäude mit Zie­
gelstein-Ausfachung. Hs wurde 1963/
64 wegen Baufälligkeit abgerissen. Ein
altes Foto vermittelt einen kleinen Ein­
druck von dem ehemaligen Gebäude.
Das Tonnengewölbe des Kellers ist
noch vorhanden und wird von Fleder­
mäusen als Winterquartier genutzt.
Östlich und nördlich des Gutshauses
befand sich am Flang eine kleine Guts­
parkanlage, welche heute noch über
einen waldähnlichen, alten Baumbe­
Abb. 6 Ehemaliger Schnitterkaten von 1890 (2007)
Former seasonal workers’ lodging from 1890 (2007)
stand verfügt. Von der höchsten Stelle
aus hat man einen schönen Ausblick
in Richtung Spendiner See. Teile der
Parkanlage werden heute als privater
Garten genutzt
Gebäude im Dorf
1861 gab es in Spendin einen vierund einen dreihischigen Katen mit
Stallungen. Diese Gebäude existieren
nicht mehr. Etwa an dieser Stelle gibt
es aber einen ehemaligen Schnitter­
katen, der wohl um 1890 gebaut wurde
(mdl. Mitt. Frau S t u m p ) . Das Stall­
gebäude an der Stral3e ist wohl das,
das im Plan von 1861 an dieser Stelle
eingezeichnet ist. Ansonsten wird das
Abb. 5
Das Gutshaus
Spendin um 1960
The manor house
of Spendin around
1960
Abb. 7 Neubauernhaus (2007)
New settler’s farm house (2007)
Spcndin is a resettlement by cloister
Dobbertin following the Thirty Years
War. The estate has to be seen in
close connection with Kleesten, both
estates having been leased to the
same tenants through 1907. The
manor house, a half-timbered
construction from year 1754, had to
be tom down for disrepair in 1963/64.
Only the former storage house
remains from the old estate buildings.
The small place today is characterized
by a fcw buildings from its former
estate period and some houses by
new' settlers after the land reform.
147
6.50 Suckwitz
ren bzw. deren Nachkommen ihr Land
zurück, das sie verpachteten. Der
Resthof wurde 1993 an die Erbenge­
meinschaft R e u t e r rückübertragen.
Die jüngste Tochter errichtete sich
2002 am Standort des ehemaligen
Gutshauses ein Wohnhaus und lebt in
Suckwitz.
Landkreis Güstrow
Amt Güstrow Land
A. Koenig (t), C. Reuter-Koenig
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
ln einer Aufnahme des Hofes von J o ­
h a n n H e in r ic h F a l l e n k a m p f zur
Ritterschaftlichen Brandversicherung
von 1792 gehörten zum Hof: Das
Gutshaus mit drei Flügeln, diverse
Scheunen, Pferdestall, Jägerhaus,
Ochsenstall und Viehhaus. Heute sind
Abb. 1 Ein Teil der Gutsanlage m it Gutshaus 1929
Part of the estate complex with manor house in 1929
Das Dorf und das Gut
überließ N i c o l a u s , Fürst v o n
W e r l e , dem Ritter B e r n h a r d v . B e l l in
neben anderen Dörfern auch Suckwitz
(MUB 2 8 6 1 ) . Seit mindestens dieser
Zeit gibt es diesen adligen H of im Amt
Goldberg, der bis 1 9 2 6 Bestand hatte.
Der Name des Dorfes ist slawischen
Ursprungs und geht wahrscheinlich
auf einen Personennamen zurück. Die
Entwicklung des Gutes lässt sich
durch die Gutsakten, das MUB und
den Mecklenburgischen Staatskalen­
der ( 1 8 0 7 - 1 9 2 7 ) fast lückenlos dar­
stellen. Eigentümer des Gutes waren:
1303 - 1447 Familie v o n B e l l in
1447- 1777 Familie v o n G r a b o w
1777-1796 H a n s E r n s t v o n
1303
H ardenberg
1796 - 1802
1802-1805
C a r l F r ie d r ic h v o n
1805 - 1 8 0 6
C o n r a d G o t t f r ie d
O tto vo n H a h n
M üller
H ahn
Familie v o n M e d in g
1851 - 1 9 2 7
Familie B l o h m
Das Gut umfasste 1 8 8 7 eine Fläche
von ca. 7 0 0 ha (Meckl. Staatskalender
1 8 8 7 ) . 1 9 2 7 übernahm die Mecklenbur­
gische Siedlungsgesellschaft die Flä­
chen bis auf einen Rcsthof von etwa
5 7 ha mit dem Gutshaus, welchen der
Lokator K a r l R e u t e r sen. erhielt. Die
1 8 0 6 - 1851
148
Ländereien wurden von 1926 bis 1931
an 26 deutsche Rückwanderer aus
Russland und zehn weitere deutsche
Siedler aufgeteilt. Jede Wirtschaft be­
kam ca. 15 ha mit dem nötigsten In­
ventar, mit Wohnhaus und Scheune
( B o y e n s 1931). In dieser Zeit wurde
auch die Suckwitzer Plage mit dem
Werder trockengelegt, um Wiesen zu
gewinnen. Außerdem waren die Elek­
trifizierung und die Wasserversor­
gung aller Siedlerstellen und sechs
Neubauten zu realisieren. Die meisten
Siedler nutzten die Gutskaten und an­
dere Gebäude im Ort, die entspre­
chend umgebaut und mit einem Stall
und einer Scheune versehen wurden.
1937 wurden sieben Siedlerfamilien
durch einen Großbrand obdachlos.
1938 gab es in Suckwitz durch Kom­
plettierung 35 Siedler und den Rest­
hof. Insgesamt lebten 200 Einwohner
im Dorf.
Nach 1945 wurden die Flächen des
Resthofes an Neubauern aufgeteilt,
die Platz in den verbliebenen Gebäu­
den fanden. Die Familie Reuter wohn­
te noch bis 1953 im Gutshaus. Nach
1953 bildete sich eine LPG, die sich
später mit der LPG Reimershagen,
dann mit Lohmen und Gerdshagen
zusammenschloss. Nach 1990 erhiel­
ten einige Siedler aus den 1930er Jah­
Abb.2 Suckwitz in der DVK von 1758
Suckwitz on an Insurance map
from 1758
nur noch einige der ehemaligen Guts­
gebäude vorhanden. Das zeitweilig
von der LPG genutzte Stallgebäude
von 1879 ist saniert worden und soll
als Bewegungshalle und Pferdestall
Abb. 3 Giebelinschrift am Pferdestall
Gables inscription from stables
genutzt werden. Das ehemalige
Holländerhaus, 1829 von C. W. H. v o n
M e d in g erbaut, in dem zu späteren
Zeiten die Bediensteten des Gutsher­
ren wohnten, wird zu Wohnzwecken
nen HO-Laden im Gutshaus ein. Dane­
ben diente es bis 1985 als Schulge­
bäude und Kindergarten. Weil das
Gutshaus schadhaft geworden und
nicht denkmalgeschützt war, wurde es
Abb.4 Wagenremise und Pferdestall von 1879 (2007)
Phaeton depot and stables from 1879 (2007)
1985 abgerissen. Einen gesonderten
Park gab es nicht, Flächen hinter dem
Gutshaus wurden als Garten genutzt,
in den Bäume integriert waren.
Gutshaus und Park
Gelangt man ins Dorf, so stößt man
auf ehemalige Gutskaten, die von 1926
bis 1931 alle zu je zwei Siedlungs­
stellen um- und ausgebaut wurden.
A uf den Höfen wurden Holzscheunen
errichtet. Auch die ehemalige
Schnitterkaseme wurde für Siedler ge­
nutzt. Neubauten als Einfirsthäuser
wurden am Weg nach Kirch Kogel
und nach Klein Breesen errichtet. Die
Suckwitzer Schmiede lag außerhalb
des Ortes. Sie wurde ebenfalls zu
Siedlungszwecken ausgebaut.
Gebäude im Dorf
Das Gutshaus ließ J ü r g e n H e in r ic h
G r a b o w 1749 errichten. Es war
nach den Aussagen von D r . D i e t r ic h
B r ä u t ig a m (Denkmalpflege Landkreis
Güstrow) ein Gebäude, das im Renais­
sancestil erbaut war. Seit der Übernah­
me des Resthofes stellte der Lokator
auf Beschluss der Siedler den Saal des
Gutshauses als Versammlungs- und
Vergnügungsraum zur gemeinnützigen
Verfügung. Ab 1945 wohnten Flücht­
linge gemeinsam mit der Familie R e u ­
t e r im gesamten Haus. 1950 richtete
man zuerst einen Konsum-, dann ei-
1799 ließ O t t o v o n H a h n aus
Charlottenthal eine K alkbrennerei
betreiben. Zum Bestand des Rittcr-
Abb. 6 Das Holländerhaus von 1829 (2007)
The Dutch house from 1829 (2007)
genutzt. Es existiert auch noch ein
Feldsteinbau, der früher Stall war. Eine
Ruine, als „Spritzenhaus“ bezeichnet,
war wohl Gesindehaus und später
Stellmacherei.
von
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Abb. 5
Giebelseite des
Gutshauses um
1929
Gable wall of
manor house
around 1929
gutes gehörte von 1303 bis 1838 auch
eine W asserm ühle, deren wechselvol­
le Geschichte von M a s t a l e r ( o . J.) an­
schaulich beschrieben wird. Über
mehr als ein Jahrhundert bestand eine
Ziegelei, die zum Gut gehörte. 1711
wurden 130 Einwohner für Suckwitz
aufgeführt und 29 Ziegelarbeiter. Die
Ziegelei bestand auch noch 1853
(Mecld. Staatskalender 1853). Sie be­
fand sich auf dem Suckwitzer Werder.
Suckwitz was first documented in
1303. The estate had numerous
owners and comprised some 700
hectares in the middle of the 19th
Century. During the years from 1927 to
1931 it was redistributed among 35
new settlers. These were primarily
accommodatcd in buildings already
existing in the village. A core estate
comprising 57 hectares remained,
including the manor house and some
stable buildings. After 1945 further
developments saw the establishment
o f an agricultural and a consumer cooperative which were dissolved after
1990. The manor house was torn
down in 1985 for reasons of disrepair.
Some old buildings from the estate
period are preserved.
149
6.51 Vollrathsruhe mit Hallalit
Landkreis Müritz
Amt Seenlandschaft Waren
R. Krüger, H.-J. Stüwe
Das Dorf und das Gut
Vollrathsruhe liegt auf den Höhen der
Endmoräne der letzten Vereisung un­
serer Landschaft, am südwestlichen
Rand der Mecklenburgischen
Schweiz. Aus Malchow kommend ge­
langt man zunächst an den (iutskomplex mit dem Park und fahrt dann
talwärts unbemerkt in das Kirchdorf
Kirch Grubenhagen. Beide Orte wer­
den durch die 1886 errichtete Bahnli­
nie Berlin-Rostock getrennt und bil­
den zwei separate Siedlungen. Zwi­
schen ihnen und dem D orf Schloß
Grubenhagen besteht eine enge histo­
rische Verbindung.
Das Burgdorf Grubenhagen (heule
Schloß Grubenhagen) wurde 1243 ur­
kundlich zum ersten Mal in einer
Schenkung des Ritters H e in r ic h G ru ­
b e genannt. Daher auch der Name des
Ortes. 1364 wurde U l r ic h v . M o l t z a n
als Besitzer der Burg und der dazu ge­
hörenden Ländereien beurkundet, ob­
wohl auch sein Bruder Anteile an der
Begüterung besaß. Die Nachkommen
von U l r ic h M o l t z a n blieben bis 1815,
als der letzte Moltzan der Linie Gru­
benhagen im Duell erschossen wurde,
im Besitz der Güter.
V o l l r a t h L e v in II. M o l t z a n ließ 1759
das völlig neue Gut Voll rathsruhe anlegen, das durch seine Nachkommen
weiter ausgebaut wurde. Nach ihm er­
hielt der Ort den Namen. Mit dem Tod
des kinderlosen C o r o J a s p k r F e r d i ­
n a n d v . M o l t z a n starb die alte Linie
Grubenhagen 1815 aus und die ge­
samte Begüterung Grubenhagen, die
aus 21 Ortschaften bestand, fiel an
das Großherzogtum MecklenburgSchwerin zurück. Zunächst konnten
die übrigen Linien der M a l t z a n 's und
Ma l t z a h n 's ihre ErbanSprüche und
eine Verwandtschaft mit der Linie
M o l t z a n nicht hinreichend beweisen,
aber im November 1822 kam es auf
dem so genannten „Vollrathsruher
Tag“ zu einem Erbvergleich und einer
150
Abb. 1 Das klassizistische Gutshaus Voiirathsruhe in den Jahren 1880/90
The classicist manor house of Vollrathsruhe in the years 1880/90
Verlosung der Güter zwischen den ein­
zelnen Familienzweigen. Das erste von
insgesamt sechs Losen (Vollrathsruhe
mit Kirch Grubenhagen, Hallalit, Steinhagen und dem Großen Bauhof) ging
an F e r d i n a n d v o n M a l t z a n auf
Penzlin. 1824 erhielt er die Belehnung,
verkaufte das Gut aber schon 1828
wieder an L u d w ig H e is e (später H f. isf .R o t h e n b u r g ). 1851 erwarb Kaki. v .
M a l t z a h n aus dem Hause Sommers­
torf (Zweig Ivenack) die Güter zurück.
Er begann die sehr heruntergekomme­
ne Begüterung wieder aufzubauen, ln
seiner Zeit entstanden u. a. die Fcldsteinkaten in Kirch Grubenhagen,
mehrere neue Wirtschaftsgebäude
und Straßenbefestigungen. Auch die
Restaurierung der Kirche 1861 geht
auf seine Initiative zurück .
1862/63 trat er die Begüterung an sei­
nen Sohn R u d o l f v . M a l t z a h n ab. Er
und sein Cousin V o l l r a t h L e v in aus
Dahmen/Rothenmoor wollten gemein­
sam mit H u b e r t G u s t a v v . T ie l e W in c k l e r eine Zuckerfabrik in
Dahmcn am Malchiner Sec errichten,
wobei sie sich verspekulierten. Wegen
der unerwartet hohen Kosten, die von
den v . M a l t z a h n 's nicht mehr gedeckt
werden konnten, mussten sie ihre Gü­
ter 1876/77 an H u b e r t G u s t a v v . T ie l e W in c k l e r verkaufen, dessen Familie
bis 1945 Eigentümer der Begüterung
Vollrathsruhe blieb. 1928 hatte das Gut
eine Betriebsgröße von 1873 ha, da­
von waren ca. 889 ha Ackerland, 51 ha
Wiesen und 728 ha Wald. Es wurden
56 Pferde, 178 Rinder, 426 Schafe und
95 Schweine gehalten.
Das Gut wurde 1945 enteignet und
aufgesiedelt. Steinhagen war bereits
1938 abgetrennt und aufgesiedelt wor­
den. In Hallalit gründete sich 1952 die
erste LPG Typ III im damaligen Bezirk
Neubrandenburg. Weitere LPG-Gründungen erfolgten 1956 mit den Ortsteilen Vollrathsruhe, Schloß Gruben­
hagen, Kirch Grubenhagen, Groß- und
Klein Rehberg. 1959 kamen die LPG
Klein Luckow und Hallalit hinzu. Mit
der Eröffnung des Großbetriebes In­
dustrielle Rindermast (IRIMA) und
VEG Pflanzenproduktion Hohen
Wangelin wurden die LPG eingeglie­
dert. Seit 1990 werden die Flächen pri­
vat bewirtschaftet.
Im Zuge des Aufbaus des Gutes
Vollrathsruhe wurde wahrscheinlich
der Meierhof Lallingshof errichtet.
Beim Vollrathsruher Erbvcrgleich 1822
nannte man diesen Ort H allalit. Der
Ausdruck entstammt der französi­
schen Jägersprache und bedeutet so­
viel wie „Da liegt es“. 1845 gab es hier
zwei Häuser und 16 Einwohner. Unter
K a r l v . M a l t / a i i n entstanden in
Hallalit ein großer Schaf- und ein Kuh­
stall, eine Spiritusbrennerei mit Eis­
keller sowie um 1855 das „Lange
Haus“ mit 16 Wohneinheiten für Ar­
beiter. Auch die Straße zwischen
Hallalit und Vollratsruhe wurde neu
angelegt und befestigt. Hallalit er­
reichte eine gewisse Selbstständig­
keit. 1903 wurde der Ort mit 653 ha
und 120 Einwohnern sowie einer
Schule angegeben (Mecklb. Staats­
kalender). Nach 1945 wurde das Land
aufgeteilt und in Größen von 7 ha ver­
geben. Es entstanden vier Neu­
bauernhäuser, einige Siedler kamen in
vorhandenen Gebäuden unter.
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Die Direktorialvermessungskarte
(DVK)von 1 7 6 7 zeigt für
V ollrathsruhe eine komplexe Gutsan­
lage mit Park. Das Gutshaus und die
etwa 10 weiteren Gebäude bildeten ei­
nen ovalen Grundriss. Die Brandversi­
cherung von 1 8 5 2 vermittelt ein ähnli­
ches Bild. Nahezu alle Gebäude des
Gutshofes bestanden aus Fachwerk,
die Dächer waren mit Stroh oder Zie­
gel gedeckt. Danach wurden unter
K a r l v . M a l t z a h n um 18 6 0 einige Ge­
bäude neu errichtet bzw. umgebaut,
unter anderem zwei große Scheunen
und Viehställe, die z. T. nicht mehr exis­
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Wohngebäude
Gutshaus
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Wirtschafts­
gebäude
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tieren, ein Taubenhaus mit Speicher,
eine Werkstatt sowie die Remise. Ty­
pisch für diese Gebäude ist die Bau­
weise aus Granilsleinen. Fenster und
Türen wurden in Backstein eingefasst.
Später entstanden noch ein Inspekto­
ren- und Bedienstetenhaus mit Fach­
werk, die heute Wohnzwecken dienen.
Die heute vorhandenen Scheunen
wurden um 1900 bzw. 1930 gebaut.
Von der einen existieren nur noch die
Grundmauern, die zw;eite ist in
Abb. 3 Der ehemalige Pferdestall (2006)
The former stables (2006)
schlechtem Zustand. Starke Verände­
rungen im Gutsbereich vollzogen sich
Ende der 1980er Jahre, als mehrere
Wirtschaftsgebäude einem GeschossNeubau Platz machen mussten. Das
gesamte Ensemble der Reste der noch
gut erkennbaren Gutsanlage steht un­
ter Denkmalschutz,
ln H allalit wurden um 1860 ein Schaf­
stall und ein Kuhstall errichtet. Um
1876 standen in Hallalit ein Schaf-,
Schweine- und Kuhstall, eine Scheune
und ein Pferdestall. Der Schaf- und
Kuhstall existieren noch. Die Scheune
wurde 1922 erneuert und durch einen
Kornspeicher ergänzt.
Gutshaus und Park
Das erste C utshaus, das auch auf der
DVK von 1767 zu sehen ist, wurde um
1760 von V o l l r a t h Levtn II v.
M o l t z a n erbaut. Es war wahrschein­
lich ein bescheidener Bau. Zwischen
1785 und 1808 entstand dann ein im
klassizistischen Baustil errichtetes Ge­
bäude, das C o r d J a s p e r v o n M a l t z a n
1808 bezog ( G a r m s h a u s k n 1999). Es
ist auf der Archivaufnahme (um ea.
1880) zu sehen (vgl. Abb. 1). Das Guts­
haus hatte 13 Achsen. Der Mittelrisalit
besaß drei Achsen und schloss mit ei­
nem Dreieckgiebel ab. Das Gebäude
wies eine flächenhafte Geschlossen­
heit der Fassade auf. 1876 ging das
Gut an H u b e r t G u s t a v v . T i e l e W i n c k l e r über. Das zuvor beschrie­
bene Gebäude ist wohl vor 1903 vom
neuen Besitzer durch Um- und Anbau­
ten verändert worden. So kam z. B. der
östliche Seitenflügel hinzu ( G a m s ­
h a u s e n 1999). Im Jahre 1918 brannte
das Schloss aus und wurde um 1920
im zeittypischen Neobaroekstil durch
H a n s - W e r n e r v. T ie l e - W i n c k l e r in
Anlehnung an den Vorgängerbau wie­
der errichtet. Heute tritt uns das
schlossartige Gebäude als zwei­
geschossiger, verputzter Backstein­
bau mit 13 Achsen auf abgesetztem
Sockel gegenüber. Es besitzt ein
Mansardw'almdach mit acht Dachgau­
ben und vier Fledermausgauben. Die
Mittelrisalite auf der Vorder- und
Rückseite sind dreiachsig, auf der
Parkseite mit Freitreppe.
1945 zog eine sowjetische Komman­
dantur in das Gutshaus ein. 1959
w'ohnten noch 38 Flüchtlingsfamilien
Abb.2
Die Gutsanlage
auf der DVK von
1767
Estate layout from
Insurance map of
1767
/
Abb. 4
Gutshaus,
Parkseite 1949
Garden view of
manor house from
1949
151
Abb.5 Gutshaus, Vorderseite (2006)
Front view of manor house (2006)
darin. Später kamen der Kindergarten,
ein Lebensmittelladen, eine Sonder­
schule, die Schule, eine Gemeinde­
schwesternstation, ein Frisörgeschäft
u. a. darin unter. Es erfolgten kaum Er­
haltungsarbeiten. Seit Mitte der
Abb. 6 Gutshaus, Parkseite (2006)
Garden view of manor house (2006)
Gehölze im Park gepflanzt und eine Er­
weiterung um den sich östlich an­
schließenden Waldpark vorgenom­
men. Bis heute hat sich die Größe der
Parkanlage nur unwesentlich geän­
dert.
Abb. 8 Gutshaus, Innenaufnahme (2007)
Indoor photo from manor house
Abb. 9 Das Mausoleum im Park (1953)
The mausoleum in the garden
Gebäude im Dorf
In K irch G rubenhagen finden wir
noch heute mehrere Katen aus der
Zeit um 1860. Bei einigen wurden zum
Bau Granitsteine verwendet. Sie besit­
zen ein Satteldach, die Giebel wurden
mit Friesen aus Backstein und
Blendfeldern reich verziert. Fenster
und Portale wurden spitzbogig ge­
schlossen. Daneben existieren noch
eine Schmiede und eine Schnitter­
kaserne, die als Wohnhaus genutzt
wird. Sie wurde um 1910 errichtet. Es
ist ein zweigeschossiges Fachwerk­
gebäude auf Feldsteinsockel.
In H allalit steht seit etwa 150 Jahren
der 104 m lange und 11 m breite Feld­
steinkaten. Darin befanden sich 16
Wohnungen für die Gutsarbeiter. Das
Gebäude weist die gleichen Merkmale
wie einige Katen in Kirch Gruben­
hagen bzw. wie Gebäude auf dem
Gutshof auf. Es besteht aus behaue-
Abb. 7 Gutshaus, Innenaufnahme (2007)
Indoor photo from manor house
1990er Jahre wurde das Gutshaus
mehrmals verkauft, doch leider kam es
bisher nicht zu einer Nutzung und Sa­
nierung.
Schon V o l l r a t h L f .v in II v . M o l t z a n
ließ mit dem Neubau des Gutes einen
barocken P ark anlegen, der auf der
DVK von 1767 zu sehen ist („der neue
Lustgarten“). Park und Gutshof wa­
ren wohl schon zu dieser Zeit von ei­
ner Mauer umgeben. Anfang des 19.
Jh. wurde der Park mit Stilelementen
des Landschaftsparks umgestaltet
(Teich, Baumgruppen). Um die Jahr­
hundertwende 19./20.Jh. wurden neue
152
Abb. 10 Das ehemalige Wirtschaftshaus
(2006)
Former estate building (2006)
nen Granitblöcken, die Fenster und
Türen sind von roten Klinkern
eingefasst und spitzbogig geschlos­
sen, die Giebel mit Backstein reich ver­
ziert. Eine Pumpe an der Nordseite des
Abb. 11
Ehemaliger
Gutskaten an der
Straße
Vollrathsruhe Kirch
Grubenhagen
(2007)
Former estate
cottage at Street
between
Vollrathsruhe and
Kirch
Grubenhagen
(2007)
Abb. 12 Ehemalige Schnitterkaserne (2007)
Former seasonal workers' lodging
Abb. 13 Stallgebäude am Feldsteinkaten
Ha/lallt (2007)
Stable at stone cottage in Hallalit
Abb. 14
Der Feldsteinkaten
in Ha/ia/it (2007)
The stone cottage
in Hallalt (2007)
Wohngebäudes diente der Wasserver­
sorgung. Damit die Einwohner nicht so
weit laufen mussten, wurde mittig des
Katen ein Gang gelassen, der den Weg
zum Wasserholen erheblich verkürzte.
Nach 1 9 4 5 fanden viele Flüchtlinge in
dem Langhaus Unterkunft. Mit der Bo­
denreform wurde es an Neubauern ver­
geben. Später zogen viele Bewohner
aus und fanden in den Neubauten in
Hohen Wangelin modernere Wohnun­
gen. Wochenendurlauber aus Rostock
und Berlin zogen ein. Nach 1 9 9 0 kauf­
ten 12 Mieter die 16 Wohnungen, so
dass der Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes gesichert ist.
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Verhängnisvoll für das Gut
Vollrathsruhe war der Bau der Z ucker­
fabrik in Dahmen, die 1874 fertig ge­
stellt wurde. Zu dem Vorhaben gehör­
ten auch eine Rübenbahn von
Vollrathsruhe nach Dahmen und der
Bau des „Dahmer Kanals“, der den
Malchiner mit dem Kummerower See
verbindet. Dadurch wurde der Was­
serspiegel des Malchiner Sees um ca.
2 m abgesenkt. Nachdem die v.
M a l t z a h n 's aus der Gesellschaft aus­
geschieden waren, wurde die Fabrik
von H u b e r t G u s t a v v . T i e l e - W i n c k l e r
anfangs allein weiter betrieben, doch
dann 1904 geschlossen.
H u b e r t v . T ie l e - W in c k l f .r erwarb 1 8 9 8
das so genannte „Schwarze Tor“, ein
prächtiges schmiedeeisernes Tor, für
den Parkeingang. Das zweiflügelige Tor
im Rokoko-Stil wurde um 18 9 0 von der
Firma A r m b r ü s t e r in Frankfurt am Main
angefertigt und erhielt auf der Weltaus­
stellung in Chikago 1 8 9 3 einen Sonder­
preis. Das Tor wurde 19 6 4 zum Muse­
um Alt Schwerin umgesetzt, um es vor
dem Verfall zu bewahren.
Mit dem Umbau des Schlosses um
1920 wurde im Park ein Mausoleum
auf achteckigem Grundriss im Neo­
barockstil erbaut, das durch den Geound Kulturverein „Steinreich“ e. V.
Vollrathsruhe wieder hergerichtet wer­
den soll. Das Gebäude besitzt vor der
Eingangstür ein schmiedeeisernes Git­
ter, auf dem über der Tür die Initialen
G und M zu lesen sind. Sie gehen auf
G ü n t e r v . T i e l f - W i n c k j l e r , der hier be­
stattet wurde, und seine Frau M a r i a
zurück.
Vollrathsruhe was established in 1759
as a new estate by Vollrath Levin II
von Moltzan. By way of a compromise
agreement it passed to F. von Maltzan
in 1822, together with Hallalit, adairyfarm. The entire complex was acquired
by Karl von Maltzahn in 1851 who
effected many architectural changes,
conspicuous to this day in the
buildings. Following unprofitable
investments into a beet sugar factory
at Dahmen on lake Malchin, the entire
estate passed into the hands of the
von Tiele-Winckler family in 1876 who
kept it until 1945. The manor house,
built in classicist style in the
beginning o f the 19th Century, was
modified before 1903 and an annexe
was added. After a fire the mansion
was reconstructed in neobaroque
style around 1920. There is a park
behind the mansion house, encircled
by a stone wall. A few buildings still
remain from the former large estate
complex. In 1855 a stone cottage, 104
metres long, was built in Hallalit for 16
families, which is still serving as living
quarters today.
153
6.52 Woosten
Landkreis Parchim
Amt Goldberg-Mildenitz
R. Berg
Das Dorf und das Gut
Woosten wurde 1269 als Woceten
erstmalig urkundlich erwähnt (MUB
1153). Das Dorf ist eine slawische
Gründung. Ab dem 10. Jh. existierte
auf der Insel im Woostener See eine
Burganlage, die im 12. Jh. zugunsten
der Burg Quetzin aufgegeben wurde.
12 9 6 verkaufte Fürst N i c o l a u s v o n
W e r l e das Dorf an das Zisterzienser­
kloster Neuenkamp im heutigen Vor­
pommern (MUB 2 3 8 9 ) . Das Kloster
verkaufte den Besitz aber 1455 „wegen
bösartiger Nachbarn“ wieder an die
Herzöge. Woosten hatte bis 1704 meh­
rere Eigentümer und so kam cs vor al­
lem mit den F i n k e n als Nachbarn auf
Finkenwerder immer wieder zu kost­
spieligen Streitigkeiten, die auch den
Stoff für Legenden lieferten.
Die wichtigsten Eigentümer des Gu­
tes, das sich im Norden bis weit in die
heutige Wooster Heide erstreckte und
im Osten bis an den Grünen Jäger
reichte, waren die G r a b o w s . Sie be­
haupteten den Besitz bis zum Aus­
gang des Dreißigjährigen Krieges, der
die gesamte Region, nicht zuletzt wegen der häufigen Eroberung und Wie­
dereroberung der Festung Plau,
schwer in Mitleidenschaft gezogen
hatte. Ausgerechnet der ehemalige
Festungskommandant der schwedi­
schen Besatzungsmacht, Major
T r a p m a n n , vairde zum neuen Mitbe­
sitzer des Gutes. Weitere Anteile hat­
ten die L i n s t o w s (1 6 4 7 - 9 9 ) . 17 0 0 ge­
lang es H a n s v o n G r a b o w , das Gut
wieder einzulösen, aber schon zwei
Jahre nach dem Tod seiner Frau wurde
es 1751 an die v o n P l e s s e n veräußert,
die es ihrerseits 17 8 2 der herzoglichen
Familie verkauften. Seit dem war
Woosten ein domaniales Gut. Es wrar
zu dieser Zeit in einem desolaten Zu­
stand und die Reparaturen verschlan­
gen große Summen.
Pächter des Gutes Woosten waren:
1782-1846 Familie B u r m e is t e r
154
1846 - 1 8 6 1
1861-1887
1887 -1929
1929 - 1937
F r a n z E r n s t H f.n c k e
H e in r ic h C a r l s
F r it z B o e c k m a n n
gescheiterte Auf­
siedlung
1937 - 1945 Familie S c h w a r z
Mit der Übernahme des Gutes durch
die herzogliche Verwaltung setzten tief
greifende Veränderungen ein. 1794
verlor der Pächter die Dienste der sie­
ben Bauern von Wendisch Waren und
den Anteil an der Wooster Heide mit
dem Kalen auf dem Grünen Jäger, den
Sandhof und den Teerofen. 1825/27
verlor er auch alle Katenwohnungen
in Wendisch Waren und 1846 musste
sich der neue Pächter die Absenkung
des Binnensees (heute Wooster See)
und des Serrahnsees gefallen lassen,
die 1843 begonnen wurde. Diese Vor­
gänge gingen einher mit einer intensi­
veren Bewirtschaftung der verbliebe­
nen Flächen sowie mit umfangreichen
Meliorationen und Aufforstungen
von Sandflächen. Ein Zeitgenosse
konstatierte, dass sich die Landschaft
noch nie so stark verändert habe, w ie
in seiner Gegenwart.
Anfang des 20. Jh. hatte das Gut eine
neun davon in Neu Woosten. 1958 bil­
dete sich eine LPG, die sich später mit
der in Wendisch Waren zusammen­
schloss. Diese ging dann in der LPG
Pflanzenproduktion Goldberg in den
1970er Jahren auf.
Gutsanlage und
Wirtschaftsgebäude
Als die herzogliche Verwaltung das Gut
übernahm, war die Insel, die bis etwa
1740 die alte Wasserburg beherbergte,
von einem intakten Burggraben umge­
ben. Nur die Brücken zum Gutshaus,
das inzwischen anstelle der Burg dort
stand, waren stark reparaturbedürftig.
Aus Kostengründen wies die Verwal­
tung den Pächter an, stattdessen
Dämme zu schütten.
Die Gutsanlage erstreckte sich nord­
westlich und nördlich davon, was
heute noch zu erkennen ist. Von den
Gutsgebäuden sind noch das als
Milchenhaus gebaute Statthalterhaus,
welches heute dem kulturellen Leben
des Dorfes dient, und der Pferdestall
(1889 erbaut) erhalten geblieben, ln
letzterem sind heute Wohnungen un­
tergebracht.
Abb. 1
Die Lage des
Gutshofes auf dem
MTB von 1884
Location of estate
from ordinance
map of 1884
Größe von etwa 656 ha (Meckl. Staats­
kalender 1903). Ende der 1920er Jahre
sollte das Gut aufgesiedelt und in
etwa 20 ha große Anw'csen geteilt
werden. Das misslang aber. Durch die
Bodenreform bekamen 1945 insgesamt
52 Familien etwas Land. Zwanzig Neu­
bauern errichteten eigene Häuser,
Gutshaus und Park
Das Gutshaus stammte aus dem Jahr
1740. Es w'ar ein Fachwerkgebäude
und stand an der Stelle des früh­
deutschen Turmes und der späteren
Wasserburg. Heute erinnert nur ein
Dorfteich an den einstigen Burg­
graben und den Standort des Guts-
Abb.2 Das Statthalterhaus, heute Dorfgemeinschaftshaus (2007)
The inspector house, today village community house
hauses. 1939 wurde mit seinem Abriss
begonnen, um ein neues an dieser
Stelle zu bauen, wozu es aber nicht
gekommen ist. Der Eigentümer
S c h w a r z starb 1939 und zu der Zeit
stand nur noch ein Gerippe des Ge­
bäudes. Die Reste wurden Anfang der
1950er Jahre beseitigt. Das Gut ver­
fügte bis zum Kriegsende südöstlich
des Gutshauses über einen größeren
Garten, welcher im 18. und 19. Jh.,
streng gegliedert, als barocker Lust­
garten genutzt wurde. Vom Baumbe­
stand des Gartens sind nur wenige
alte Bäume erhalten.
Gebäude im Dorf
Die Katen des Gutes im Dorf befinden
sich südlich der Kreuzung. Die vier
ersten Gebäude auf der östlichen Seite
brannten 1888 nieder und wurden im
gleichen Jahr wieder aufgebaut. Drei
davon sind bis heute erhalten. Es
schließt sieh der ehemalige Fischer­
katen an. Südlich der Bushaltestelle
befinden sich die übrigen drei Katen.
Erwähnenswert sind das alte Spritzen­
haus von 1881 und die inzwischen
verschwundene Schmiede, die seit
1890 neben dem Friedhof ihren Platz
hatte. Etwas abgelegen, etwa 300 m
Abb. 3 Ehemalige Gutskaten an der Dorfstraße (2007)
Former estate cottage at village Street
Abb.4 Die ehemalige Schnitterkaserne, auch „Lettenhaus“
genannt (2007)
Former seasonal workers’ lodging, also called “Latvian house”
Abb. 5
Historische
Zeichnung zur
Schnitterkaserne
von 1913
Historical drawing
ofseasonal
workers’ lodging
from 1913
Luftlinie in nordöstlicher Richtung
vom Gut entfernt, liegt das 1914 als
Schnitterhaus fertig gestellte „Letten­
haus“ . Die nach 1945 errichteten Neu­
bauernhäuser befinden sieh an unter­
schiedlichen Stellen im D orf und in
Neu Woosten. Alle Gebäude sind in­
zwischen stark verändert worden und
dienen Wohnzwecken.
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Bis zum Ende des 18. Jh. unterhielt
das Gut Woosten in der Heide nörd­
lich von Sandhof einen Teerofen. Aus
dieser Ansiedlung ging später das
D orf Wooster Teerofen hervor. Im
Mecklenb. Staatkalender von 1853
werden für das Gut eine Mühle, eine
Schmiede und eine Pachtfischerei auf­
geführt.
1898 wurde von Liibz nach Medow
eine R übenbahn gebaut, die als 600
mm Pferdebahn auf dem Sommerweg
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der 1862 fertig gestellten Chaussee
Lübz-Goldberg verlief. Einer der Ge­
schäftsführer der „Rübenbahn LübzMedow GmbH“ wurde der Gutspächter
von Woosten, F r ie d r ic h B o e c k m a n n .
Woosten, first documented in 1269,
initially was a peasant village, owned
until 1455 by cloister Neuenkamp.
Subsequently, the von Grabow family
owned it for an extended period until
Woosten became ducal property in
1782. Until 1945, there were several
tenant families. The estate comprising
some 656 hectares was partitioned
after 1945. As a consequence, in the
village and in Neu Woosten 20 new
farmer houses were built. The former
inspector house and the horse stablc,
today remodeled for residential
purposes, remain from the previous
estate complex. In the village, some
original cottages catch the eye. The
manor house was tom down in 1939.
155
6.53 Woserin
Landkreis Parchim
Amt Sternberger Seenlandschaft
R. Berg
Abb. 1
Vorderansicht des
Gutshauses 2007
Front view of
manor house 2007
Das Dorf und das Gut
Woserin, am Westufer des gleichnami­
gen Sees gelegen, wurde 1234 erst­
mals urkundlich erwähnt. 1319 traten
die v o n W u s e r in das Dorf an H e r ­
m a n n v o n C r a m o n ab. Die Familie
C r a m o n hatte damals mehrere Besit­
zungen östlich von Sternberg, so u. a.
in Borkow, Gägelow, Holzendorf,
Woserin und Zülow. Hoch verschul­
det konnten die v o n C r a m o n das Gut
durch die Wirren des Dreißigjährigen
Krieges retten, doch schon 1696 er­
warb J o b s t v o n B ü l o w das Anwesen.
J o b s t H e in r ic h v o n B ü l o w (Klosterhauptmann in Dobbertin von 1744 bis
1762) war der letzte Besitzer seines Ge­
schlechts auf Woserin. 1769 kam das
Gut in den Besitz des Landrats v o n
P r i t z b u e r , der sich tatkräftig an der
großen Güterspekulation am Ausgang
des 18. Jh. beteiligte. 1801 sah ersieh
gezwungen, das Gut der herzoglichen
Familie anzubieten, die es ein Jahr
später kaufte. D r o s t S u c k o w (Amt
Sternberg mit Sitz in Warin), damals
mit der Revision der Güter beauftragt,
schrieb am 16.9.1802 an die herzoglich
mecklenburgische Kammer: Sie sind
„von einer Beschaffenheit, daß man
von einem billigen Grauen ergriffen
w ird, wenn man ihre Gebäude betrach­
tet, die bis auf die Pfarre und die Kir-
156
che herab, sich so ziemlich im Stande
der Zerstörung befinden.. (DA
4797). Zum Wiederaufbau der ver­
nachlässigten Gebäude wurde eigens
eine Ziegelei eingerichtet, die 1804 bis
1807 produzierte. 1804 begann der Bau
der Meierei auf dem Hohen Felde, die
den damals wenig genutzten Norden
der Feldmark besser erschließen soll­
te. Im Gegenzug war für Schlowe eine
Schäferei geplant, doch wurde diese
Idee Mitte des 19. Jh. zugunsten einer
Aufforstung aufgegeben.
Pächter des Gutes Woserin waren:
1802-1809 H . H . C h . H a u s c h i l d
1809-1814 S c h u l z
1814-1853 C . J. F. W i e n
1853 -1874 Familie S c h u l t z
1874-1927 Familie D e h n s
1927 -1945 Familie L e h m i t z
In der 2. Hälfte des 19. Jh. erfuhr die
Feldmark umfangreiche Veränderun­
gen. Besonders einschneidend waren
die Meliorationen und die Regulie­
rung der Bresenitz, mit der eine Ab­
senkung des Woseriner Sees um etwa
1 m verbunden war. Dieser folgte in
den 1920er Jahren eine erneute Ab­
senkung um 70 cm.
1853 wurden die Gebiete jenseits der
Mildenitz der Forst zugeschlagen. Auf
dem verbliebenen Schlower Acker
richtete die Großherzogliche Haus­
gutsverwaltung 1895 eine
Häuslersiedlung (Neu Woserin) ein,
die den Arbeitskräftemangel des Gu­
tes lindern helfen sollte. Dem gleichen
Ziel diente der Umbau des alten
Schmiedegehöfts am südlichen Orts­
eingang zum Schnitterkaten. Anfang
des 20. Jh. umfasste das Gut zusam­
men mit Hohenfelde 966 ha (Mecklenb. Staatskalender 1903). Im Zuge
der Bodenreform wurde das Gut im
Herbst 1945 aufgesiedelt und es ent­
standen Neubauernhäuser. Eine erste
LPG wurde 1957 gegründet. Später
gab es eine LPG Tierproduktion mit
Borkow und eine LPG Pflanzenpro­
duktion mit Mustin. Heute gehört ein
Großteil der Feldmark zur Marktfruchtund Rinder GmbH Borkow.
Gutsanlage und
W irtschaftsgebäude
Der G utshof liegt am südwestlichen
Teil des Woseriner Sees, dem Hofsee.
Von den Wirtschaftsgebäuden des
Hofes ist links neben dem Gutshaus
das als Wohnhaus genutzte alte
Milchenhaus erhalten geblieben.
Links daneben befindet sich der eben­
falls zum Wohnhaus umgebaute neue
Schweinestall. Rechts des Gutshauses
wird derzeit das 1837 errichtete Backund Federviehhaus zu Wohnzwecken
saniert. Vom sich daneben befindli­
chen Pferdestall, der zuletzt als Bullen­
stall genutzt wurde, finden sich nur
noch Fundamente. Der Abbruch der
anderen Gebäude begann bereits in
den 1930er Jahren, als sich mit der Ab­
tretung Hohenfeldes die Gutsgebäude
als überdimensioniert erw iesen.
Abb. 2 Die Lage des Gutshofes auf dem
MTB von 1884
Location of estate from ordinance
map of 1884
Gutshaus und Park
Das G utshaus entstand 1835/36 nach
Plänen des Landbaumeisters K e r n
(Wismar) unter Aufsicht seines Schü­
lers L ö s e w i t z . Dieser hatte 1 834 bereits
Erfahrungen bei Baumaßnahmen am
Eldekanal sammeln können, die K e r n
angesichts des von der Regierung
durchgesetzten Bauplatzes in Seenähe
für wichtig erachtete. K e r n wollte das
neue Gutshaus ursprünglich an er­
höhter Stelle errichten lassen, unge­
fähr dort, wo sich heute die Bushalte­
stelle befindet (DA Lübz 4800). Der
Neubau wurde vor den Vorgängerbau
gesetzt, der mit dem Baufortschritt am
Neubau abgerissen wurde. Bereits
1856 erfuhr der Bau mit dem „Wein­
traubenhaus“ (enthält Saal, Damen­
zimmer, Boden) eine erste Erweiterung
(Akten LHA, MfLDF 3006). Die Veran­
da (Standerker) mit Blick zum See ent­
stand 1878 (Akten LHA, OVBdGH
690). Aus den 1970er Jahren stammt
ein Garagen- und Sanitärtrakt an der
Rückseite des Hauses.
Das Gutshaus ist ein sieben Achsen
langer (ca. 32 m), eingeschossiger und
ca. 15 m breiter Bau mit Mansardkrtippelwalmdach. An beiden Fronten ha­
ben eingefügte Zwerchhäuser halb­
runde Giebel erhalten. Ein Standerker
(Veranda) mit oberem Austritt an der
rechten Giebelseite wird um die
Gebäudeeckc geführt. Das Gutshaus
war ursprünglich ein Fachwerkbau,
der verputzt wurde ( d e V e e r 2006, Bd. 2).
Bis 1989 wurde das Gutshaus als
Ferienobjekt einer Berliner Finna ge­
nutzt, dann stand das Haus bis zum
Verkauf an einen Künstler im Jahr 2006
leer.
Ein kleiner G u tsp a rk schloss sich
südlich der Gutsanlage bis zum Weg
zur Badestelle an. Reste dieser
Landschaftsparkgestaltung sind noch
in Form eines kleinen nierenförmigen
Teiches und durch den alten Baumbe­
stand mit Sommer- und Winterlinden
erkennbar. Sehenswert ist eine solitäre
Blutbuche, welche aus der Entste­
hungszeit des Parks um 1850 stammt.
Abb. 3 Die Gutsanlage 1966
The estate complex in 1966
Gebäude im Dorf
Entlang der Hauptstraße (Feld­
steinpflaster seit 1862, unter Denkmal­
schutz stehend) reihen sich die Katen
in der für ein gelegtes Dorf typischen
unregelmäßigen Reihe. Die letzten vier
Bauern ließ der Herr v o n Pri i z b u e r
1784 legen. Ihre Höfe schwangen sich
in einem Bogen südlich um die Kirche
herum. Östlich der Kirche befand sich
in der heutigen Kurzen Straße die Hol­
länderei, die 1842 zum Hof gelegt wur­
de, und südlich davon an der Wegga­
belung das ehemalige Fischergehöft.
Am Dorfausgang in Richtung Borkow
befindet sich der ehemalige Schnitter­
katen. Nach 1945 entstanden am nörd­
lichen und östlichen Dorfrand sowie
in Hohenfelde Neubauernhäuser.
Abb. 4 Zeichnung zu einem Gutskaten
(1813)
Drawing of an estate cottage
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
ZurZeit des Eigentümers J. H. v. Bül o w wairde auf der Woseriner Feld­
mark eine Glashütte betrieben. Von
1804 bis 1807 existierte eine Ziegelei,
die zum Wiederaufbau des Gutes ein­
gerichtet wurde. Der Mecklenburgi­
sche Staatskalendcr 1903 vermerkt
eine Schmiede. Erwähnenswert sind
die auf dem Friedhof zu besichtigen­
den Grabsteine der Pächterfamilie
D e h n s / F e l t e n . Seit Jahrzehnten wohnt
die Schriftstellerin C h r is t a W o l f zeit­
weilig im ehemaligen Pfarrhaus von
Woserin.
Woserin was first documented in 1234.
Until the end of the 17th Century it was
owned by the von Cramon family,
thereafter by the von Btilows and
others. 1802 the ducal family took over
the estate. Subsequently, there were
various tenant families. In the
beginning o f the 20th Century the
estate comprised some 966 hectares.
The estate complex can still be
recognized, but the remaining former
estate buildings have all been
remodeled for residential purposes.
The manor house, a half-timbered
building erected close to the lake in
the years 1835/36, later was plastered
and expanded. After it had served as a
holiday place for a Berlin faclory for
some period, it stood empty after 1989
and is now privately owned. The
estate was partitioned after 1945,
which can be recognized from the kind
o f buildings in the village.
157
6.54 Zarchlin
Landkreis Parchim
Amt Plau am See
R. Berg
den und zur Landwirtschaft mit der
herzoglichen Kammer bzw. dem
Domanialen Amt abzustimmen hatten.
H e r m a n n S c h u m a c h e r , der 1847 in
Tellow von v . T h ü n e n ausgebildet
Abb. 1 Das Gutshaus im Jahr 2007 (Vorderansicht)
Front view of the manor house in 2007
Das Dorf und das Gut
Zarchlin liegt am Südrand des Natur­
parks. Vermutlich schon 1244 im Besitz
des W e d e k in d v o n W a l s l e b e n , ver­
kaufte P r ib is l a w v o n P a r c h i m R j c h e n b e r g das Dorf 1253 an das
Zisterzienserkloster Doberan (MUB
7 14). Dort verbl ieb es bis zur Säkulari­
sierung des Klosters im Jahre 1552
und ging dann in herzoglichen Besitz
über. Es wurden einige der freien Hu­
fen zu einer Holländerei zusammenge­
legt, die bis 1847 Bestand hatte. Die
restlichen Bauernstellen mussten bis
zu ihrer Auflösung um 1753 Dienste
zugunsten des Plauer Bauhofes leis­
ten. Mit ihrer Zwangsumsiedlung
nach Plauerhagen wurde Zarchlin ein
reines Gutsdorf.
1752 schloss G o t t l ie b H e in r i c h v o n
B r a n d t mit der herzoglichen Regie­
rung einen Vertrag ab, in dem er sich
zur Errichtung einer Meierei verpflich­
tete. Daraus entwickelte sich das Gut,
das bis 18 13 im Familienbesitz ver­
blieb, doch unterverpachtet wurde.
Mit einem neuen Pachtvertrag von
1813 wurde das verboten. Die Pächter
waren seitdem:
1813-1821 C. C. H . H u n d t
1821 -1852 H e in r ic i i H u n d t
1852-1895 H e r m a n n S c h u m a c h e r
1895 -1945 F amilie S t e i n k o p p
Die Pächter hatten es nicht leicht, da
sie alle ihre Pläne zum Bau von Gebäu-
158
dorf entlang der Bahnhofstraße.
1956 bildete sich die erste LPG Typ I,
später eine größere LPG, die ab 1973
mit Plauerhagen kooperierte. 1978
schloss man sich mit dem VEG Karow
Abb. 2 Die Lage des Gutshofes auf dem MTB von 1884
from ordinance map of 1884
Location of estate
<
wurde, versuchte fortschrittliche Ge­
danken in seinem Pachtbetrieb umzu­
setzen, was nur schwer gelang.
S c h u m a c h e r wurde auch zum
Thünenbiograph und setzte sich nach
dessen Tod für die Einrichtung eines
Thünenarchivs ein ( P it s c h 2003). Zur
Zeit dieses Pächters entstand die
Mecklenburgische Siidbahn, die ihren
Betrieb 1885 aufnahm. Zarchlin erhielt
einen Bahnhof, der für die Verladung
landwirtschaftlicher Güter von großer
Bedeutung wurde.
Zarchlin nahm als herzogliches Gut
und seit 1919 als Staatsdomäne bis
1945 eine äußerst positive Entwick­
lung. Besonders hervorzuheben sind
die erfolgreiche Merinoschafzucht
und die Zucht von Edelschweinen.
Das etwa 480 ha große Gut hatte 1930
einen Viehbestand von 36 Pferden, 14
Fohlen, 72 Schweinen (davon 20 Sau­
en), 117 Rindern und 506 Schafen
( P i t s c h 2003). Die Leistungsstärke des
Gutes verhinderte in der NS-Zeit die
empfohlene Aufsiedlung, die erst mit
dem Herbst 1945 einsetzte. Anfangs
wurde das Gut aber von der sowjeti­
schen Militärverwaltung bewirtschaf­
tet, dann aber mit 45 Neubauern auf­
gesiedelt, die 10 ha Ackerland, Wiese
und Wald erhielten. Da die
Tagelöhnerkaten nicht für alle Platz
boten, begannen 1947 die ersten Sied­
ler zu bauen und es entstand das Neu-
zusammen und war Teil eines Großbe­
triebes von fast 8.000 ha. Nach 1989
verpachteten bzw. verkauften die
Zarchliner Bodeneigentümer die Flä­
chen ihrer Gemarkung an einen priva­
ten Landwirt.
Gutsanlage und
Wirtschaftsgebäude
A uf dem abschüssigen Gelände be­
grenzte das Gutshaus den Hof nach
Süden. Die Wirtschaftsgebäude reich­
ten in dem großen Areal bis etwa zum
Teich, der ca. 250 m vom Gutshaus
entfernt liegt. Von den ehemals minde­
stens zehn zur Gutsanlage gehören­
den Gebäuden stehen nur noch das
Schweinehaus und der ehemalige
Füllenstall, der heute Wohnhaus für
zwei Familien ist.
Abb. 3 Ehemaliger Fohlenstall (2007)
Former foal shed
Gutshaus und Park
1753 wurde ein erstes Wohnhaus für
die Pächter errichtet, das im Lauf der
Zeit mit zwei Seitenflügeln und einem
Hinterflügel versehen wurden (DA
Liibz 261,4). Das heutige Gutshaus
wurde 1877 - 1879 unter der Regie
von H e r m a n n S c h u m a c h e r gebaut. Es
erhebt sich über einem Fcldsteinsockel und einem Kellergeschoss und
erscheint auf der Hofseite als einge­
schossiger Putzbau mit neun Achsen.
A uf der Gartenseite sind es elf Ach­
sen. Die Hofseite wird von einem
Mittelrisalit mit Zwerchgiebel domi­
niert. Eine Freitreppe führt in das sich
zum „Tor“ öffnende Erdgeschoss. Der
Abb. 4 Das Gutshaus 1968 (Parkseite)
Garden view of manor house
sance-Architektur. Es ist abgesetzt
durch ein profiliertes Putzgesims. Den
Drempel des Gebäudes trennt ein
Deutsches Band aus roten Ziegeln,
wie auch die Gesimse als Schränkschichten auffallen. Die rote Ziegel­
bänderung und der ursprünglich okkerfarbene Putz gehen eine sich ge­
genseitig steigernde ästhetische Ver­
bindung ein ( d e V ef .r 2006, Bd. 2).
Das Gutshaus wurde nach 1945, nach­
dem die Militärverwaltung abgezogen
war, für kommunale und gemeinnützi­
ge Zwecke genutzt. Der Rat der Ge­
meinde Zarchlin, der spätere Kinder­
garten, das LPG Büro, die Konsum­
verkaufstelle und auch Wohnungen
fanden bis Anfang der 1990er Jahre
Platz in diesem Gebäude ( P i t s c h 2003).
I leute wird das Gutshaus privat ge­
nutzt, befindet sich aber in keinem
guten Zustand.
Der kleine P a rk hinter dem Gutshaus
ist wohl während der Pachtzeit von H.
S c h u m a c h e r entstanden. 1873 führt er
784 neu gepflanzte Bäume auf, darun­
ter 3 1 Linden, 168 Buchen und 92 Ei­
chen ( P it s c i i 2003). Der Charakter des
kleinen Landschaftsparks ist heute,
trotz fehlender Pflege, noch erkennbar.
Abb. 7 Detail am Gutshaus (2007)
Detail of manor house (2007)
ehemalige Schafstall wurde zum
Wohnhaus umgebaut ( P i t s c h 2003).
Ein Großteil dieser Gebäude befindet
sich in umgebauter Form an der
Bahnhofstraße.
Abb. 8 Neubauernhäuser an der Bahn­
hofstraße (2007)
New settlers’ farm houses along
road (2007)
Gebäude im Dorf
Abb. 5
Das „Dorf“ mit den Gutskaten liegt
etwa 300 m nordöstlich des Hofes. Es
umfasste fünf Katen für Tagelöhner
und einen Schnitterkaten, der aber
nicht mehr existiert (vgl. P it s c ii 2003).
Alle diese Gebäude wurden moderni-
Abb.5/6
Das Gutshaus
2007 (Parkseite)
Garden view of
manor house from
2007
ursprünglich gefonnte Putz des Keller­
geschosses betont dieses als schwer
lagernden Sockel gemäß einer Renais­
siert. Von 1947 bis 1952 errichteten die
neuen Siedler 22 Neubauemhäuser
sowie Scheunen und Ställe. Auch der
Zarchlin was first documented in 1253.
Until 1552, the village was owned by
cloister Dobbertin and then became
ducal property. Initial ly a peasant
village, from the mid 18th Century an
estate developed. The peasants were
relocated to Plauerhagen. The ducal
estate, comprising some 480 hectares,
during the second half of the 19"’
Century and under the later tenants
Schumacher and Steinkopf developed
quite well. In 1946 it was partitioned
among 45 new settlers. Later, an
agricultural co-operative (“LPG”)
which had developed was merged
with Plauerhagen and Karow to form a
large-scale agricultural complex.
Today the arable grounds are
operated privately. Even today, some
buildings from the later development
stages of the village remain. The
manor house is privately owmed and
not in a good condition.
159
6.55 Zidderich mit Steinbeck
Landkreis Parchim
Amt Goldberg-Mildenitz
F. Beckendorff
und Kadow zunächst
bis 1805 pachtete
1808
1812
1828
1842
1844
O d e r ic h
L ü b b e für weitere 16
Jahre (Zidderich,
Steinbeck, Kadow)
C. G. L. S a u e r k o h l
(Zidderich, Steinbeck, Mestlin)
H e e r l e in
A l b e r t R e ic h w a l d
(Zidderich mit dem See
und Steinbeck)
1894
1927
1929
Abb. 1 Das Gutshaus Zidderich um 1920
The manor house of Zidderich around 1920
Das Dorf und das Gut
Am jetzigen Platz liegt Zidderich seit
etwa 250 Jahren. Vorher erstreckte sich
das Dorf auf einer Erhebung südlich
des Sees. Eine slawische Vorsiedlung
befand sich nach der Fundlage auf ei­
ner Insel. 1263 erscheint „Cedarg“ in “
einer Urkunde. Der Landesherr ver­
kaufte 1296 u. a. sein dortiges Eigen­
tum dem Kloster Neuenkamp. Der da­
mals noch verlaufende Besiedlungs­
prozess wurde der Familie v o n B e l o w
übertragen. Sie verkaufte dem Kloster
insgesamt 19 Ziddericher Hufen. Da­
nach erschienen Angehörige der v o n
P a s s o w als Inhaber einiger Länderei­
en. Im Verlauf des Dreißigjährigen
Krieges sind nicht nur die 14 Bauern
und drei Kossäten, sondern auch die
P a s s o w s aus Zidderich verschwun­
den. Danach hatten sich wdeder sechs
Bauern und zwei Kossäten angesie­
delt. Der im Dreißigjährigen Krieg ein­
gerichtete Bauhof lag bereits an der
Stelle des heutigen Dorfes, und es
gab mehr als ein Jahrhundert lang Al­
ten- und Neuen-Zidderich. Zeitweise
stand eine Verwalterin an der Spitze
des Hofes. 1758 wurden die Bauern
gelegt und erhielten Hufen in Nachbardörfern. Ihr Land wurde dem Hof
zugeschlagen. Die leeren Häuser wmrden wieder belegt und waren bis 1828
160
bewohnt. Seit der Mitte des 19. Jh.
dienten die Einnahmen des Gutes der
Versorgung des großherzoglichen
Haushalts. Steinbeck war im 19. Jh.
ein Vorwerk von Zidderich. Erst nach
dem Ersten Weltkrieg wrurde es einzeln
verpachtet. Ende des 19. Jh. hatten
Zidderich und Steinbeck zusammen
eine Fläche von ca. 876 ha. Die beiden
erhaltenen Gebäude, nämlich das
Gutshaus und der ehemalige Kuhstall,
sind entsprechend neu. Die noch er­
kennbaren Tagelöhnerkaten stammen
aus der Zeit der gemeinsamen Bewirt­
schaftung. Nach dem Zweiten Welt­
krieg w'urde Steinbeck zu Goldberg
eingemeindet.
Folgende Pächter wurden ermittelt:
1762
Pensionär L a n g f .
1775
Amtmann H e n n in g s
1781
L übb e, d e r Z id d e ric h
Abb.2
Ehemaliger
Gutsstall in
Steinbeck (2007)
Former estate
stable in Steinbeck
(2007)
H e in r ic h J a h n s
(Zidderich und
Steinbeck)
Steinbeck mit 192 ha an
B ö h n k e verpachtet
S c h l i e m a n n und sein
Schwiegersohn S t r o h ­
m e ie r
ln Steinbeck erhielten nach 1945
31 Landarbeiter und Landlose Flächen
von den 219 ha. In Zidderich waren es
71, die von den 484 ha Land erhielten.
Die Agrargenossenschaft in
Dobbertin und die Belowfarm in
Below bewirtschaften zurzeit die Flä­
chen. In Steinbeck fand eine ähnliche
Entwicklung mit der LPG und der heu­
tigen Agrargenossenschaft Goldberg
statt.
Gutsanlage und
Wirtschaftsgebäude
Von den Wirtschaftsgebäuden, die
zum großen Teil erst in der zweiten
Hälfte des 19. Jh. errichtet worden wa­
ren, nutzte man bis 1990 noch drei,
während die übrigen abgerissen oder
umgebaut waren. Danach wurden
auch diese letzten Zeugen der Gutsw irtschaft abgerissen.
Gutshaus und Park
1870/71 wurde das Pächterhaus von
Zidderich errichtet. Man riss es 1947
zur Gewinnung von Baumaterial ab,
musste aber feststellen, dass 1870/71
schon recht sparsam gebaut wurde,
so dass kaum etwas verwertet werden
konnte.
1945 richtete die Besatzungsmacht im
Pächterhaus und in der Schule ein La­
zarett für sowjetische Soldaten und
Zwangsarbeiter ein. Den Gestorbenen
zu Ehren errichtete man an der Gold­
berger Straße ein Denkmal.
Um das Gutshaus herum befand sich
ein kleiner G utspark. Er wurde ver­
mutlich zusammen mit dem Bau des
Gutshauses eingerichtet. Nach 1945
stark vernachlässigt, ist heute zumin­
dest der alte Baumbestand aus Berg­
ahorn, Rosskastanie und Stieleichen
w'ieder erkennbar. Die Parkfläche wmrde seit dem 725jährigen Bestehen von
Zidderich zunächst von der LPG, da­
nach von der Gemeinde und den An­
wohnern gepflegt.
Abb. 3
Das Gutshaus
Zidderich vor 1940
The manor house
of Zidderich before
1940
Abb. 4
Das Gutshaus
Steinbeck m it
Anbau (2007)
The manor house
of Steinbeck with
annex (2007)
Gebäude im Dorf
Nebenbetriebe und
Besonderheiten
Ehemalige Katen in Zidderich belegen,
dass sich das D orf beiderseits der
Lindenstraße befand. Einige dieser
Katen, die Schnitterkaserne und die
Schule wnirden wegen Baufälligkeit
abgerissen. Infolge der Errichtung
von 27 Neubauernhäusern entstanden
vier „Enden“ mit lückenhafter Bebau­
ung.
Auch Steinbeck besitzt noch Tagelöh­
nerkaten aus dem 19. Jh. Die teils mo­
dernisierten Neubauemhäuser wurden
in den letzten Jahren durch Einfamili­
enhäuser ergänzt.
Im Nord westen der Feldmark von
Zidderich war in der 2. Hälfte des 18.
Jh. die Schäferei O e v e l g u n n e entstan­
den, die mehr als ein halbes Jahrhun­
dert bestand. Um die Wende vom 18.
zum 19. Jh. nahmen der Holländer, der
inzwischen ins Dorf gezogene Schäfer,
der Fischer und ein „Tobacksplantiner“
Sonderstellungen ein.
Zwischen 1885 und 1893 ist eine Zie­
gelei etwa 1 km westlich des Ortes
nachgewiesen, die wohl hauptsäch­
lich für den Neubau der Wirtschafts­
gebäude produzierte.
Abb. 5
Ehemalige
Gutskaten in
Zidderich (2006)
Former estate
cottages in
Zidderich (2006)
Abb. 6 Ehemaliger Gutskaten in
Steinbeck (2007)
Former estate cottage in
Steinbeck (2007)
The farmer and church settlement of
Zidderich w;as initially locatcd on the
heights near the patt of Lake
Dobbertin named after Zidderich.
After forcing the peasants into
peonage in 1758, their arable lands
were transferred to the estate already
existing at the location o f today’s
village. Until 1918 it served as a ducal
domain for the provision o f the Grand
Duke’s household. Steinbeck during
the 19th Century was an appurtenant
structure o f Zidderich and was
independently leased out only after
WW I. Only a few former estate
cottages in both villages bear wdtness
to the earlier period. After 1990 some
inhabitants modernized their cottages
or houses.
161
7. Literatur
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T rautm ann,
V it e n s e ,
Archivalien
Akten der Domanialen Ämter (DA) (LHA)
Akten der Mecklenburgischen Landgesellschaft GmbH Schwerin (Siedlungsamt) (LHA)
Akten des Klosteramtes Dobbertin (KLA) (LHA)
Akten des Pfarrarchives Woosten
Aufzeichnungen des Herren D i e t e r v o n d e r W e n s e z u Sophienhof ( b e i H.-J. Hagemann)
Kirchenvisitationsprotokolle
Lehnakten I -111 zu den ritterschaftlichen Gütern (LHA)
Martinilisten (LHA)
Regestenkartei (LHA)
Ritterschaftliche Brandversicherungen (BV) (LHA)
Sammlung F r e d B e c k e n d o r f f zur Ortsgeschichte von Techentin, Below u. a.
Sammlung von C h r i s t i n e S t e i n b a c h zur Ortsgeschichte von Karow
Sammlung von Frau D o l g e zur Ortsgeschichte von Sehlsdorf
Sammlung von G. M a s u r o w s k i und D. M o m b o i j r zur Ortsgeschichte von Hohen Wangelin, Cramon, Nossentin, Alt Gaarz u. a.
Sammlung von H.-J. H a g e m a n n zur Ortsgeschichte von Sommersdorf, Sophienhof, Grabowhöfe u. a.
Sammlung von H o r s t W e r n e r zur Ortsgeschichte von Sehlsdorf
Sammlung von R a in e r K r ü g e r zur Ortsgeschichte von Klein Luckow, Schloß Grubenhagen, Vollrathsruhe u. a.
Schriftwechsel des J o h a n n e s S c h m i d t (Neu Sapshagen, Klocksin) (Archiv Amt MoltzowT
Volkszählungslisten 1917 (LHA)
Karten
(um 1700): Mecklenburg Atlas mit Beschreibung der Ämter. Schwerin 1995
der ritterschaftlichen Güter in Mecklenburg-Schwerin (ca. 1755 - 1775) (LHA)
S c h m e i t a u s c h e K a r t e n (Topographisch oekonomisch und militaerische Charte des Herzogthums Mecklenburg Schwerin
und des Fürstenthums Ratzeburg 1788)
W i e b e k i n g s c h e K a r t e von Mecklenburg (um 1786)
M e s s t is c h b l ä t t e r (MTB) (Maßstab 1:25.000), angefertigt ab 1880 in verschiedenen Varianten und später aktualisiert
L a g e p l ä n e von Gutsanlagen und Dörfern aus Brandversicherungsunterlagen verschiedener Jahre (LHA)
Karlen einzelner Güter aus anderen Quellen
H o in c k iiu s e n ,
B. C.
v.
D i r e k t o r ia l - V e r m e s s u n g s ic a r t e n ( D V K )
165
8. Abkürzungsverzeichnis und
Worterklärungen
List of abbreviations and explanation of
technical terms
Abkürzungen
AC’Z Agrochemisches Zentrum
BV
Brandversicherung
DA
Domanialamt
DDR Deutsche Demokratische Republik
DVK Direktionalvermessungskarte
Jh.
Jahrhundert
KA
Klosteramt
KAP Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion
KFL Kreisbetrieb tur Landtechnik
KVP Kirchenvisitationsprotokolle
LfKD Landesamt für Kultur und Denkmalpflege
LHA Landeshauptarchiv (in Schwerin, jetzt Landesarchiv)
LN
Landwirtschaftliche Nutzfläche
LPG Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft
LPG(P) Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft für
Pflanzenproduktion
LPG(T) Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft
für Tierproduktion
MAS Maschinen-Auslcihstation
MfLDF Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und
Forsten
MTB Messtischblatt
MTS Maschinen-Traktoren-Station
MUB Mecklenburgisches Urkundenbuch
M-V Mecklenburg-Vorpommern
ÖLB Örtlicher Landwirtschaftsbetrieb
QR, auch D R Quadratrute, altes Flächenmaß von 21,678 m2,
damit entsprechen 1000 CUR = 2,17 ha
RA
Rittcrschaftlichcs Amt
THA Treuhandanstalt
VdgB Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe
VEG Volkseigenes Gut
vgl.
vergleiche
ZBE Zwischenbetriebliche Einrichtung
Worterklärungen
Abgaben - Sammelbegriff für unterschiedliche Natural- und Geldzahlungen an die Obrigkeit, z. B. Steuern, Zehnte, auch
als Ersatz für Dienste
Achsen des Hauses - Gedachte Linien durch ein Gebäude, meist Symmetrie-Achsen; im Aufriss Fassadenelemente, aus de­
ren gleichartiger Reihung sich der Fassadenaufriss ergibt.
Allmende - im Mittelalter von der Gemeinde gemeinschaftlich genutzte Teile der Flur, in der Regel Wald, Wasser, Weide,
Wege
A llodialgut - Rittergut zu v ollem erblichem Eigentumsrecht, durch Schenkung oder Kauf vom Lehnsherrn erworben
allodifizieren - Umwandlung eines Lehngutes in ein Allodialgut
A rkaden - Bögen, die sich über Säulen oder Pfeiler spannen
A ttika - niedriger Aufbau über dem Hauptgesims eines Gebäudes zur Verdeckung des Daches und zur Aufnahme von In­
schriften und Reliefs, oft mit Skulpturen besetzt
A usbau, Abbau - aus dem geschlossenen Dorfverband in die Feldmark verlegtes Gehöft
A uskragung - Hervortreten einer oder mehrerer Mauerschichten, auf denen ein ausladender Gebäudeteil, z. B. ein Gesims
oder ein Erker, errichtet ist.
Barock - zwischen 1600 und 1750 vorherrschende Stilepoche in Kultur und Kunst, gekennzeichnet durch kraftvoll beweg­
te, ineinander greifende Formen.
Bauernlegen - Verfassungsmäßig sanktioniertes Recht der Grundherrschaft, alle ursprünglich von Bauern bewirtschafteten
Hufen für sich zu vereinnahmen, wobei die untertänige Bauemfamilie entweder auf einen anderen, meist schlechteren oder
noch zu kultivierenden Platz umgesetzt (verlegt) oder aber in einen geringeren Stand (Büdner, Tagelöhner) überführt (ge­
legt) wurde.
Bauhof, Bawhoff - ein ursprünglich vom Amt betriebener Hof, aus dem der Amtshaushalt bestritten wurde; seit dem 17.
Jahrhundert nach Aufhören der Amtshaushaltung auch verpachtet an "Pensionäre", ln Klosterdörfern und Städten eine Art
amtlicher Handwerkerstützpunkt, oder auch ein zum fürstlichen Amt gehöriger H of mit untertänigen Bauern.
Bede - ursprünglich freiwillige, später gesetzlich fixierte Geldabgabe an den Landesherrn, zu unterschiedlichen Terminen
166
und in unterschiedlicher Höhe bis ins 18. Jh.
B egüterung - mehrere in einer Hand befindliche Güter
B eichtkinderverzeichnis - bei Kirchenvisitationen 1701/04 lind 1751 aufgenommene, gedruckt vorliegende Zustands­
berichte der mecklenburgischen Pfarren mit Verzeichnissen der konfirmierten Einwohner
B enediktiner - ältester Mönchs-, später auch Nonnenorden, dessen Angehörige gemäß der von Benedikt von Nursia verfass­
ten Grundregel "ora et labora" (bete und arbeite) lebten und durch die Landkultivierung besondere Bedeutung für die ihnen
verliehenen Dörfer und Hufen erlangten. Im Naturparkbereich existiert das ehemalige Benediklinerinnenkloster Dobbertin,
seit 1572 adliges Damenstift
B odenreform - die im Herbst 1945 in den Ländern der sowjetischen Besalzungszone durchgeführte entschädigungslose
Enteignung aller Eigentümer mit über 100 ha Landbesitz/Grundbesitz und Aufteilung des Landes an "Neusiedler" in kleinen
Parzellen von bis zu 10 ha. Außer der landwirtschaftlichen Nutzfläche wurden auch staatliche und private Waldflächen sowie
der vorhandene Tierbesatz und Maschinenbestand an "Neusiedler" und "landarme Bauern" verteilt.
B onitierung - im Gebiet der Ritterschaft im 18. Jh. begonnene Bodenbewertung nach Beschaffenheit und Ertragsiahigkeit als
Grundlage für eine Besteuerung, eine Beleihung oder für einen Verkauf
B rache, B rachschläge - der "zum Ausruhen" nicht bestellte Teil der Feldflur
B randversich eru n g - Zusammenschluss zur finanziellen Absicherung bei Brandschäden. Eine erste bedeutende war die 1781
gegründete ritterschaftliche Brandversicherungsgesellschaft.
B üdner - Ursprünglich Besitzer eines Hauses (Bude) mit Wöhrde (nicht dem Flurzwang unterworfenes Land in unmittelbarer
Nähe des Gehöftes), der die Landwirtschaft im N ebenberuf betrieb und auf zusätzliche Einkünfte durch die Ausübung eines
Handwerks, Gewerbes oder einer Lohnarbeit angewiesen war.
B üdnerei - 1753 und noch einmal 1809 durch herzogliche Verordnungen eingerichteter kleinstbäucrlicher, durch Erbpacht zu
erwerbender Betrieb mit 100 Ü R Gartenland (0,217 ha), etwas Acker zur Ernährung von einer Kuh, Schweinen, Schafen und
Geflügel, seit 1825 auch Pferden, durch Zupachtung oder K auf von Land erweiterbar.
D ep u tat - Arbeitsentgelt in Form von Naturalleistungen, in Gütern als Lebens- oder Futtermittel, Brennmaterial und eine
Ackerfläche zur eigenen Bestellung.
Dienste - persönliche Leistungen des Untertanen an seinen Herrn, z. B. Rossdienst = Kriegsdienst des niederen Adligen,
ursprünglich Burg- und Brückendienst des Bauern. Später Arbeit vor allem in Form der I land- und Spanndienste; Bauern und
Kossäten leisteten auf den Bauhöfen der Domanialämter bzwr. den Ritterhufen Handdienste bei Bestellungs- und Erntearbeiten,
die Bauern darüber hinaus Fuhrleistungen und Feldbearbeitung mit eigenen Geräten und Zugtieren.
Dienstgeld - Entschädigung für ausbleibenden Dienst eines Pflichtigen im den Dienstherrn, Ende des 18. Jahrhunderts für die
Ablösung der Dienste behördlich festgelegt
D irektorialverm essungskom m ission - Gremium zur Organisierung der Vermessung des ritterschaftlichen Grundbesitzes,
um eine Grundlage für die Besteuerung zu haben. Diese Maßnahme wurde im Landesgrundgesetzlichen Erbvergleich von
1755 festgelegt. Das Gremium beendete seine Arbeit 1779 mit einem noch heute vorhandenen Landeskatasterderehemaligen
ritterschaftlichen Güter.
D om äne - Gut im Eigentum des Landesherm, ab 1918 im Eigentum des Staates. Das Gut wurde fast immer verpachtet.
D om anium - der dem Landesherrn unmittelbar gehörende Grundbesitz, landesherrliches Grundeigentum
Drei- bzw. M chrfeld erw irtsch aft - bis ins 19. Jahrhundert vorherrschende Feldbewirtschaftungsform: Winterung (meist
Roggen), Sommerung (Gerste und 1lafer), Brache (gleichzeitig Weide) in jährlichem, manchmal auch mit vier- oder mehrjäh­
rigem Wechsel
Drem pel, auch Kniestock - halbhohe Außenwand niedriger Dachräume
D reschm aschine - im 20. Jh. verwendete kastenförmige Maschine zum Drusch trockenen Getreides, landläufig Dreschkasten
genannt
Einlieger - Personen ohne eigenen Grundbesitz, die häufig in "Einliegerkaten" zur Miete wohnten und als Tagelöhner, Hand­
werker oder Lohnarbeiter ihren Unterhalt verdienten
E rb p a c h t - allgemein das unkündbare Besitzverhältnis des Bauern an einem H of im Unterschied zur kündbaren Zeitpacht. Im
Laufe des 19. Jahrhunderts wurde das erbliche Pachtverhältnis der domanialcn und ritterschaftlichen Bauern sowie kleinerer
Domanialgüter eingeführt.
Feldbahn - Schmalspurige, leicht verlegbare Schienenbahn, die in der Regel eine Spurweite von 60 cm hatte. Sie war meist
mit "Loren" in Form von Muldenkippern ausgestattet, die von Pferden oder Traktoren gezogen wurden. Die Feldbahnen
167
dienten im Allgemeinen dem Transport von Zuckerrüben zur Fabrik oder zur nächsten Bahnstation.
Fcnsterschluss - oberer Abschluss eines Fensters
Flurzw ang - Die Drei- und Mehrfelderwirtschaft erforderte das gleichzeitige und gemeinsame Pflügen, Säen und Ernten.
Form stein - Besonders hergestellte Backsteine, aus denen die Kunstformen an Bauten zusammengesetzt werden.
Franzosenzeit - die Zeit der Besetzung Mecklenburgs durch französische Truppen zwischen 1806 und 1813
Freihufe - Hufe, die auf Grund der Funktion des Inhabers (Ritter, Schulze) frei von Abgaben und Diensten war.
Freileute - aus den Städten oder aus der Fremde zugewanderte Einwohner eines Ortes, die nicht leibeigen waren und deren
Freizügigkeit gewährleistet war.
Frondienst - bäuerliche Arbeiten, die unentgeltlich für die jeweilige Grundherrschaft (Gutsherr, domanialer Bauhof, Trans­
port usw.) zu verrichten waren (vgl. Dienste).
Frontispiz - Giebelfeld über dem Gebäudeeingang bzw. Giebel über dem vorspringenden Mittelteil einer Fassade
Gebinde - Rahmenkonstruktion eines Fachwerkhauses, bestehend aus zwei gegenüberliegenden Hauptständem mit den dazu­
gehörigen Einzügen, Dielenständern, Balken und Sparren. Die Abmessungen eines Fachwerkhauses wurden im späten Mittel­
alter durch die Anzahl der Gebinde angegeben.
Gemengelage - in der Mehrfelderwirtschaft das Nebeneinanderbestehen von Bauern- und Ritterhufen
G erechtsam e - Recht, Vorrecht, Nutzungsrecht an Grundstücken
Gesims - waagerechtes Bauelement, das aus der Wandfläche hervorspringt
G esindeordnung - schriftliche Festlegung rechtlicher, sozialer und wirtschaftlicher Art für Dorfbewohner seit dem 16. Jh.
Göpel - durch im Kreis herumgehende Menschen oder Tiere gezogene Drehvorrichtung zum Antrieb von Arbeitsmaschinen
G otik - Stilepoche zwischen der Romanik und Renaissance vom 13. bis zum 16. Jh. Ein Merkmal ist die Konzipierung des
Innenraumes als Raumeinheit. Kreuzrippengew'ölbe und Spitzbögen gewähren eine stärkere vertikale Gliederung. Charakte­
ristisch für den Norden Europas ist die Backsteingotik.
großherzogliches H ausgut - Domanialgut, dessen Erträge zur Versorgung des großherzoglichen Haushalts dienten
H ä(c)ker - Gutsarbeiter, der ursprünglich für die Bearbeitung des Ackerlandes mit dem Haken verantwortlich w'ar. Er arbei­
tete oft auf abgelegenen Stücken (Vorwerken, Meierhöfen) verhältnismäßig selbstständig, wohnte vielfach auch dort und
gehörte meist zu den Freileuten.
H agenrecht - besondere Regeln für Rodungsdörfer, die u. a. darin bestanden, dass die Hagenhufe etwa doppelt so groß war
wie die normale Landhufe und es keinen Flurzw'ang gab, weil jeder Hagenbauer sein eigenes Feld vor oder hinter seinem
Gehöft hatte.
H akenpflug - pflugähnliches Gerät, bei dem der Boden nicht umgewendet, sondern lediglich angehoben wird und beiderseits
des "Hakenbrettes" herab fällt
H äusler - seit 1846 Besitzer eines kleinen Hauses mit Stallteil für eine Kuh, Schw'eine und Geflügel sowde einer kleinen
Gartenfläche. Gemeinsame Weide und die Möglichkeit von Ackerpachtung aus der "Häuslerkompetenz" der Gemeinde reich­
ten nicht für den Lebensunterhalt. Deshalb waren ein Handwerk, ein Gewerbe oder eine Lohnarbeit der Haupterwerb des
Häuslers.
H ebung - Erhebung von Abgaben bzwr. Steuern
H eim atrecht - Gesetzgebung nach Aufhebung der Leibeigenschaft, die einerseits die Bindung der Untertanen an die Heimat­
gemeinde, andererseits das Wohnrecht und die Versorgung bei Alter und Krankheit festschrieb
Herzogliche K am m er - Regierung des Domaniums
H istorism us - in der Baukunst des 19. Jh. praktizierter Rückgriff auf historische Gestaltungselemente vorhergehender Epochen
H olländer - im 18. und 19. Jh. eine Art Unterpächter, der für die Betreuung der Viehherde sowie für die Herstellung und
Vermarktung der Milcherzeugnisse zuständig war. Er leitete auch manchmal auf eigenes Risiko die Meierei eines Gutes.
Hufe - Wirtschaftsbetrieb eines Bauern (Hufners) mit dem Anteil am Dorfgebiet (Weide-, Wald-, Gewisser- und Wiesen­
nutzung), den Wirtschafts- und Wohngebäuden und dem Ackerland. Die Hufe w'ar auch ein regional und temporal unter­
schiedliches Landmaß, das als Steuereinheit diente.
K a ise rb e d e (re g iste r) - eine au f dem Reichstag zu Worms 1495 beschlossene Reichssteuer. Die dazu 1496 in den
mecklenburgischen Vogteien angefertigten Abgaberegister wurden gedruckt (vgl. E n g e l 1968) und geben Aufschlüsse über
Namen und Anzahl der erfassten Einwohner.
K äm pfer - Steinlage am Ansatz eines Bogens oder eines Gewölbes
168
K aten - Wohnhaus ohne eigenes bzw. mit nur wenig Land, meist zu einem Bauern- oder Gutshof gehörend, auf den Gütern
meist Mehrfamilienhaus
Klassizism us - Baustil zwischen 1770 und 1830, der von klassischen antiken Vorbildern ausgeht. Merkmal ist eine streng
gegliederte Architektur. Durch geradlinige, einfache Formen wird der Eindruck von Klarheit, Monumentalität und Ruhe her­
vorgerufen. U. a. sind über mehrere Etagen gehende, vor die Bauformalionen gesetzte Säulen der antiken Formensprache
nachempfunden.
K lostergut - Güter, die in Orten eingerichtet wurden, die Klöster durch Schenkung oder K auf erworben hatten. Die Höfe bzw.
Güter, die ursprünglich von Verwaltern oder Vögten geleitet wurden, wurden später wie Domänen verpachtet.
K olonisierung, K olonisation - allgemein die Besiedelung eines bis dahin wenig oder gar nicht bewohnten Gebietes; hier die
auch als Ostkolonisation bezeichnete Besiedlung der slawischen Territorien des heutigen Mecklenburg durch Menschen aus
westelbischen Regionen
Konsum (geschäft) - ln der DDR hatten die nach dem Krieg neu gegründeten Konsumgenossenschaften den Auftrag, die
Lebensmittelversorgung vorwiegend auf dem Lande abzusichern. Deshalb wurde in nahezu jedem D orf eine Verkaufsstelle
eingerichtet.
K ontribution - ursprünglich Kriegssteuer, aber auch für Abgaben verschiedener Art angewandt
K oppelw irtschaft - aus Holstein übernommene Betriebsform, die im 18. Jh. auf den Gütern, nach der Separierung im 19.
Jh. in den Bauerndörfern die Dreifelderwirtschaft ablöste und in der Regel durch eine siebenschlägige Schlagordnung ge­
kennzeichnet war. Dabei waren drei Weide- und drei Saatschläge sowie ein Brachschlag üblich, über die eine siebenjährige
Rotation lief.
Kossäte - Kleinbauer mit geringem Landanteil und meist ohne Zugvieh
L andesgut - Im Zuge der Bodenreform wurden in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone einige Güter nicht auf­
gesiedelt bzw. neu eingerichtet. Sie dienten der Forschung, Züchtung und Saatgutvermehrung und wurden nach der Grün­
dung der DDR in Volkseigene Güter (VEG) umgewandelt.
L andesgrundgesetzlicher Erbvergleich - 1755 zwischen den Herzogen und den Ständen geschlossener Vergleich, der,
ausgehend von finanziellen Regelungen, die ständischen Privilegien bestätigte. Er bekräftigte den Sieg der Ritterschaft über
die Landesherrschaft. Das Werk ist als Grundgesetz der mecklenburgischen landständischen Verfassung anzusehen und bil­
dete bis 1918 den Rahmen Für die gesellschaftliche, politische und kulturelle Entwicklung.
L andtag - allgemein Versammlung von Vertretern des Landes. Vom 13. Jh. bis 1918 waren es Zusammenkünfte von Dele­
gierten der Ritterschaft, der Geistlichkeit und Städte (Stände), nach 1549 nur noch der Ritter- und Landschaft, die sich
durch das Steuerbewilligungsrecht die Mitwirkung an der Regierung sicherten. Die Stände verhinderten einerseits den A b­
solutismus, andererseits auch das Mitbestimmungsrecht der Untertanen, wahrten aber auch die Einheit des Landes. Zwi­
schen 1919 und 1933, 1947 und 1952 sowie seit 1990 wurden die Landtagsmitglieder gewählt.
L aufender H und - fortlaufendes, sich wiederholendes Linienornament an einem Gebäude in Form stilisierter Wellen
Lehen - Grund und Boden, Rechte oder Ämter, die der Lehnsherr dem Lehnsmann vertraglich zur Nutznießung übergab
bzw. verlieh. Als Gegenleistung erhielt er dafür (Lehns-) Dienste (Kriegsdienst, Hofdienst, Bau- und Brückendienst, Abga­
ben). Größter "Verlchner" war der Landesherr, größter Empfänger der Adel.
Lehngut - Zur Nutznießung verliehenes Gut, das im Obereigentum des Grundherrn blieb, wobei einzelne Rechte, z. B. das
Verkaufsrecht, ein Anteil am Kaufpreis, die hohe Jagd o. ä. dem Obereigentümer Vorbehalten waren.
Lehnssequestration - Zwangsverwaltung bzw. Beschlagnahmung eines Lehngutes
Leibeigenschaft - persönliche Unfreiheit und Besitzlosigkeit durch die Abhängigkeit von einer Herrschaft, die sowohl Ge­
richtsbarkeit als auch Unterhaltspflicht ausübte. Sie galt vom 16. bis 19. Jh.
Lisene - schwache Pfeilervorlage zur Belebung der Mauerfläche
Lokator - adliger, bürgerlicher oder geistlicher Siedlungsuntemehmer während der Ostkolonisation, der im Auftrag eines
Grundherrn die Anlage von Dörfern und ihre Besiedlung durchführte und dafür besondere Rechte oder Ämter erhielt
M ähbinder - Die Weiterentwicklung der von Pferden gezogenen "Loppmaschine", die das gemähte Getreide in "Loppen",
die man zu Garben band, ablegte. Der Mähbinder besaß eine Vorrichtung zur Bildung und zum Binden von Garben.
M ansarddach - abgeknicktes Dach, bei dem der untere Teil steiler als der obere ist, wodurch größerer (Wohn-) Raum, die
Mansarde, gewonnen wird
M arstall - Pfcrdestall an Fürstenhöfen und auf einigen adligen Gütern zur Unterbringung von Kutsch- und Reitpferden,
teils mit kleiner Reithalle ausgestattet
169
M artinilisten - Auf Grund einer landesherrlichen Verordnung vom 13.10.1792 hatten die Pastoren jährlich zu Michaelis
(29. September) Verzeichnisse der steuerpflichtigen Einwohner ihres Kirchspiels anzufertigen, die zu Martini (11. Novem­
ber) bei der Regierung einzureichen waren. Diese Verzeichnisse sind nach Kirchspielen von A - Z geordnet und bieten Ein­
blicke in die Besitzverhältnisse und Sozialstruktur eines Dorfes zur damaligen Zeit. Neben dem Kirchpatron, dem Pastor,
Küster und Schulmeister wurden meistens nur die Familienoberhäupter namentlich genannt. Die Martinilisten befinden sich
für den Zeitraum von 1793 bis 1873 im Landesarchiv Schwerin.
Meierei, M eierhof - meistens ein Nebenhof bzw. Vorwerk eines Gutes, auch Verwalterei genannt; desgleichen ein unter
Amtsverwaltung stehendes Gut (vgl. Vorwerk) oder auch ein Mich viehbetrieb
Meiler, Kohlenmeiler - Holzstoß zur Gewinnung von Holzkohle durch Verbrennung unter Luftabschluss
M ergel - kalkhaltige Tonerde, die im Spätmittelalter bis ins 19. Jh. oberirdisch abgegraben und zur Bodenverbesserung
verwendet wurde
M esstischblätter - im Zuge der topographischen Aufnahme des Deutschen Reiches von 1877 an geschaffene Landkarten
im Maßstab 1 : 25 000
M ilchenhaus - Gebäude zur Lagerung und Bearbeitung der Milch, oft auch weiteren Zwecken dienend
Neogotik - Stilrichtung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts innerhalb des Historismus zur Wiederbelebung von Bau­
formen und Schmuckelementen der Gotik
N eubauern-B auprogram m - durch den Befehl 209 der Sowjetischen Militäradministration in Gang gesetzte Maßnahmen
zur Errichtung von typisierten Häusern für die Neusiedler, die keinen geeigneten Wohnraum besaßen. 1953 unvollendet ab­
geschlossen (vgl. Bodenreform, Neusiedler, Neubauernhaus)
N eubauern-/N eusiedlerhaus - meist als Einheit von Wohn- und Stallteil errichtetes Haus, das den Anforderungen an eine
Siedlerstelle nach der Bodenreform mehr oder weniger entsprach
Neusiedler, N eubauer - Bezeichnung für die Siedler, die durch die Bodenreform 1945 Land erhielten
O botriten - slawische Stammesgruppe, die seit dem 7. Jh. den Westteil Mecklenburgs und Teile Holsteins besiedelte und
1160 durch den Tod ihres Fürsten Niklot unter die Herrschaft Heinrichs des Löwen, des Herzogs von (Nieder-) Sachsen
und Baiern, in den Bereich des römisch-deutschen Kaiserreiches gelangte
Pachthof - Bauernhufe oder Gut, das einem Dritten zur Bewirtschaftung gegen vertraglich festgelegte Geldsummen und
teils Naturallieferungen für eine bestimmte Zeit überlassen wird
Patrim onialgerichtsbarkeit - vom Mittelalter bis 1879 in Mecklenburg ausgeübte Rechtsprechung durch den Besitzer ei­
nes Rittergutes in der ersten Instanz
Pensionär - lat. pensionarius - Pächter eines Hofes oder einer Bauernstelle
Pertinenz - entlegener Einzelhof eines Gutes; Nebengut ohne Landtags-Stimmrecht, das nur auf dem Hauptgut lag
P ilaster - aus der Wand hervortretender viereckiger Pfeiler, meist nur mit dekorativer Bedeutung
Postam ent - Unterbau, Sockel, Fuß für Säulen, Pilaster und Figuren
Putzbau - Bau, an dem die Außenflächen mit Mörtel überzogen sind
Reform ation - hier die von Martin Luther Anfang des 16. Jh. ausgelöste Erneuerung der katholischen Kirche, in deren Er­
gebnis besonders im Norden Deutschlands die evangelische bzw. protestantische Kirche entstand, die in Mecklenburg
durch einen Landtagsbeschluss von 1649 eingeführt wurde.
Reichssiedlungsgesetz - 1919 im Deutschen Reich erlassenes Gesetz, das den Forderungen der Bevölkerung nach ländli­
chem Eigentum durch die Aufteilung von Gütern und den günstigen Verkauf von Siedlungen an Interessenten entgegenkam
(vgl. Siedlungsgesellschaften)
Regestenkartei - von lat. regerere - verzeichnen; es sind zeitlich geordnete Urkundenverzeichnisse mit kurzen Angaben
zum Datum, zum Ort und Inhalt, zuweilen mit kritischen Bemerkungen. Die Kartei für M-V befindet sich im Landesarchiv
Schwerin.
Rem onteam t - bis zum Zweiten Weltkrieg existierende staatliche Einrichtung zur Organisierung der Aufzucht und des Er­
werbs von Militärpferden, in die auch einige Güter unseres Raumes eingebunden waren
R esthof - bei der Aufsiedelung von Gütern in den 1920er und 1930er Jahren übrig gebliebener Betrieb, der größer als die
geschaffenen Siedlungen war
Risalit, M ittelrisalit, A ußenrisalit - meist in der ganzen Höhe des Bauwerks mittig oder seitlich vorspringender Gebäudeteil
R itter - bildet mit dem rechtlich nachgeordneten Knappen den niederen Adel als Lehnsmann der weltlichen und geistlichen
170
Landesherrn. Als Gegenleistung für Kriegs- oder Verwaltungsdienste erhielt er Lehen und in einer Zeremonie den Ritterschlag.
R itterg u t - Allodialgut bzw. Allod oder Lehngut
R ittersch aft - die Gesamtheit der etwa 600 Besitzer von rund 1000 landtagsfähigen Gütern in Mecklenburg, die im alten
Landtag die stärkste und einflussreichste Gruppe bildeten
Römisches Recht - Rechtsordnung, die das Privateigentum an Sachen (und Sklaven) zur Grundlage hatte und damit dem
Gemeineigentum der germanischen und slawischen Völker entgegen gerichtet war
Rotstein - weicher roter Ziegelstein, aus dem Hausdielen gelegt wurden
S äkularisation - Einziehung geistlicher Besitzungen
Säkularisieru n g - Verweltlichung, Loslösung von Bindungen an die Kirche
Scheffel E insaat - in Mecklenburg wie in anderen norddeutschen Ländern ein altes Bonitierungsmaß, wonach fruchtbarer
Acker, der mehr Kom trägt, mehr Einsaat benötigt als weniger fruchtbarer. A uf einen Scheffel Einsaat entfielen bei hoch­
wertigem Acker 100 D R , bei geringwertigem Acker 200 D R.
Schlagw irtschaft - Im Unterschied zur Felderwirtschaft, bei der jeder Markgenosse auf jedem Feld einen Anteil hatte, war
die Feldmark in größere Bewirtschaftungseinheiten, die zwischen sieben und elf Schläge variierten, aufgeteilt.
S chnitterk ascrn e, S chnitterkaten - bis zum Zweiten Weltkrieg auf Gütern eingerichtete Unterkünfte für aus- bzw. inländi­
sche Saisonarbeiter
S iebenjäh rig er K rieg (auch Dritter Schlesischer Krieg) - zwischen 1756 und 1763 von Friedrich 11. von Preußen haupt­
sächlich gegen Österreich und seine Bündnispartner geführte Feldzüge, von denen besonders Südmecklenburg durch Besat­
zungstruppen und Soldatenwerbung betroffen war.
Siedlungsgesellschaften - gemeinnützige Siedlungsuntemehmen, die in den 20er und 30er Jahren des 20. Jh. verschuldete
Güter ganz oder teilweise erwarben, um sie zu parzellieren und Interessenten für den Aufbau einer Bauernwirtschaft anboten.
S o u terrain - meist zur Hälfte über dem Gelände liegendes Kellergeschoss
Stichbogen - flach gewölbter Bogen als Abschluss eines Fensters nach oben
Tagelöhner - verheiratete Katenleute auf den Gütern und bei größeren Bauernhöfen. Die Katen der Hoftagelöhner lagen
meist in geringer Entfernung vom Wirtschaftshof, dienten mehreren Familien zur Unterkunft und hatten einen kleinen Stall
und 50 bis 80 D R (ca. 1.000 bis 1.700 m2) Gartenland.
Teerofen, Teerschwelerci - doppelwandiger Ofen zur Gewinnung von Teer und Holzkohle aus Holz durch Verschwelung
T orhaus - Durchfahrtshaus im Eingangsbereich des Gutshofes
T udorstil - dem englischen Burgen- und Schlossbau (Spätphase der englischen Gotik) nachempfundene Architektur mit
Türmchen und Lisenen im 19. Jh.
Vasall - Lehnsmann; seit der Ostkolonisation in persönlicher Abhängigkeit vom Lehnsherrn stehender Adliger, der für seine
(Militär- oder Verwaltungs-) Dienste ein Lehen erhielt
V erpfändung - Bezahlung einer Forderung durch ein Pfand
Vestibül - Vorhalle
Vogt - Leiter eines Bezirkes, einer Vogtei; Vertreter des Fürsten als Gerichtsherr; Beauftragter einer Grundherrschaft;
oberster Beauftragter des Gutsherren, später oberster Tagelöhner, Ackervogt bzw. Statthalter
Vogtei, auch Voigtei - Verwaltungsbezirk; Amtsbereich eines Vogtes; von der Slawenzeit bis zur Einrichtung der Ämter im 16. Jh.
V orw erk - ein vom Hauptgul gesondert liegender kleiner Gutshof zur Bewirtschaftung der entfernt liegenden Schläge, Fel­
der und zur Aufnahme des Weideviehs (vgl. Meierei)
W alm dach, K rüppelw alm dach - vollständige oder teilweise Dachabschrägung der Giebelseitcn eines Gebäudes
Z ahnschn itt - friesartige Reihung klötzchenähnlicher Elemente
Z ehnt, Z eh n ter - zehnter Teil des geernteten Getreides, an Holz, vom Großvieh (großer Zehnt), von Gartenfrüchten, Eiern,
Wolle, Milch, Fleischwaren (kleiner Zehnt), der an die Kirche abgeliefert wurde, im 19. Jh. durch andere Formen abgelöst
Z isterzienser(orden) - aus dem Orden der Benediktiner hervorgegangene Reformbewegung, die wegen des Armutsideals
und der Arbeitsverpflichtung im 12. und 13. Jh. regen Zuspruch fand und ihre Klöster bevorzugt in abgeschiedenen Gebie­
ten zur Christianisierung und Erschließung neuen Siedlungslandes anlegte. Im Naturparkgebiet besaßen besonders die
Klöster Neuenkamp in Vorpommern, Neukloster und Malchow Besitzungen.
Z w erchhaus - aus dem Dach heraustretender Giebel, der quer zur Richtung des Daches steht
171
9. Zu den Autoren und Gestaltern
The authors and designers of the brochure
H orst Aisleben
Wohnort: Schwerin, Jahrgang: 1940
Beruf: Dipl.-Ing., Ing. für Denkmalpflege, Tätigkeit: Rentner
Hobby: Klostergeschichte
Bearbeitete Abschnitte: diverse Kloslergüter zusammen mit F. Beckendorff
Michael A ltenburg Wohnort: Unterägeri (Schweiz), Jahrgang: 1945
Beruf: Finanzberater, Tätigkeit: selbstständiger Finanzberater
Hobby: Beschäftigung mit historischen und kulturlandschaftlichen Themen
Bearbeitete Abschnitte: Gut Glave, Korrektur des einleitenden Teils, englische Übersetzungen
Fred B eckendorff
Wohnort: Techentin, Jahrgang: 1928
Beruf: Lehrer, Tätigkeit: Rentner
Hobby: Heimatgeschichte, niederdeutsche Sprache und Literatur
Bearbeitete Abschnitte: Allgemeiner Teil zusammen mit Dr. W. Mewes, diverse Gutsdörfer, Wort­
erklärungen
R alf R üdiger Berg Wohnort: Dobbertin, Jahrgang: 1960
Beruf: Lehrer, Tätigkeit: Mitarbeiter im Stadtarchiv Goldberg
Hobby: Geschichte, Radfahren, Musik
Bearbeitete Abschnitte: diverse Gutsdörfer, Beschaffung von Archivalien
G ustav B ergter
Wohnort: Passow, Jahrgang: 1929
Beruf: Lehrer, Tätigkeit: Rentner
Hobby: Heimatgeschichte, Fotografie
Bearbeitete Abschnitte: Diestelow und Grambow
Beatrix D räger
Wohnort: Schwerin, Jahrgang: 1964
Beruf: Kunsthistorikerin, Tätigkeit: wissenschaftliche Mitarbeiterin im Landesamt für Kultur- und
Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern
Hobby: Singen, Garten, Lesen
Bearbeitete Abschnitte: Allgemeiner Teil (4.4 Das Gutshaus, 4.7 Denkmalpflege)
R icarda E xncr
Wohnort: Ltibz, Jahrgang: 1964
Beruf: Dipl. Meliorationsingenieurin, Tätigkeit: Selbstständig
Hobby: Garten, Natur
Bearbeitete Abschnitte: Gestaltung des speziellen Teiles, Erarbeitung der Karten
Jö rg G ast
Wohnort: Passow, Jahrgang: 1951
Beruf: Dipl. Agraringenieur, Tätigkeit: Leiter des Naturparks Nossentiner/Schwinzer Heide
Hobby: Fotografie
Bearbeitete Abschnitte: Gestaltung des allgemeinen Teiles
Dr. A strid G erhold Wohnort: Neu Sapshagen, Jahrgang: 1961
Beruf: Zahnärztin, Tätigkeit: Zahnärztin
Hobby: Heimatgeschichte, Garten, Lesen
Bearbeitete Abschnitte: Neu Sapshagen
H ans-Joachim H agem ann Wohnort: Hartwigsdorf, Jahrgang: 1934
Beruf: Polizist, Tätigkeit: Rentner
Hobby: Heimatgeschichte, Plattdeutsche Geschichten
Bearbeitete Abschnitte: Grabowhöfe und Sophienhof
172
R alf Koch
Wohnort: Woosten, Jahrgang: 1963
Beruf: Dipl. Ing. (FH) Elektrotechnik, Tätigkeit: Mitarbeiter in der Naturparkverwaltung
Hobby: Naturschutz, Lesen
Bearbeitete Abschnitte: Allgemeiner Teil (5. Gärten und Parkanlagen), Parks
Antonius Koenig ( f ) und C harlotte Reuter-K oenig
Wohnort: Suckwitz, Jahrgang: 1939
Beruf: Kindergärtnerin, Tätigkeit: Rentner
Hobby: Reiten, Malen, künstlerisches Gestalten
Bearbeitete Abschnitte: Suckwitz
R ainer K rü g er
Wohnort: Klein Luckow, Jahrgang: 1966
Beruf: Gas-Wasser-Installateur, Metallbauer, Tätigkeit: z. Z. Arbeit suchend
Hobby: Heimatgeschichte
Bearbeitete Abschnitte: Klein Luckow, Schloß Grubenhagen, Vollrathsruhe
Prof. Dr. F riedrich Lorenz
Wohnort: Güstrow, Jahrgang: 1925
Beruf: emeritierter Hochschullehrer, Tätigkeit: Rentner, Freischaffender Publizist zur Technik- und
Regionalgeschichte
Hobby: Arbeiten mit Holz, Schnitzen
Bearbeitete Abschnitte: Dobbin, Linstow, Groß Bäbelin
Gisela M asurow ski Wohnort: Hohen Wangelin, Jahrgang: 1938
Beruf: Zahnärztin, Tätigkeit: Rentnerin
Hobby: Bodendenkmalpflege, Heimatgeschichte
Bearbeitete Abschnitte: diverse Gutsdörfer zusammen mit D. Mombour, Korrekturlesen,
Beschaffung von Archivalien
Dr. W olfgang Mewes
Wohnort: Karow, Jahrgang: 1942
Beruf: Lehrer, Tätigkeit: Rentner
Hobby: Ornithologie, Naturschutz
Bearbeitete Abschnitte: Vier Dörfer, Mitarbeit beim allgemeinen Teil, Redaktion
D ieter M om bour
Wohnort: Hohen Wangelin, Jahrgang: 1938
Beruf: Dipl. Jurist, Tätigkeit: Rentner
Hobby: Bodendenkmalpflege, Heimatgeschichte
Bearbeitete Abschnitte: diverse Gutsdörfer zusammen mit G. Masurowski, Korrekturlesen, Beschaf­
fung von Archivalien
M argit M uchin
Wohnort: Klocksin, Jahrgang: 1957
Beruf: Lehrerin, Tätigkeit: Lehrerin
Hobby: Literatur, Theater, Kino
Bearbeitete Abschnitte: Klocksin
G ü n ter P eters
Wohnort: Mestiin, Jahrgang: 1926
Beruf: Lehrer, Tätigkeit: Rentner
Hobby: Arbeiten an der Chronik von Mestiin, Fotografie
Bearbeitete Abschnitte: Mestiin zusammen mit F. Beckendorff
Thom as R eilinger
Wohnort: Goldberg, Jahrgang: 1959
Beruf: Femmeldemonteur, Elektromaschinenbauer
Tätigkeit: Arbeit zu historischen Ziegeleistandorten entlang der Lehm- und Backsteinstraße
Hobby: historische Fernsprechtechnik, Heimatgeschichte
Bearbeitete Abschnitte: Zuarbeit diverse Gutsdörfer, Lieferung alter Karten
173
N orbert Schipkc
Wohnort: Biücherhof, Jahrgang: 1942
Beruf: Dipl. Gesellschaftswissenschaftler, Tätigkeit: Rentner
Hobby: Reisen, Heimatgeschichte
Bearbeitete Abschnitte: Biücherhof
H ans Schulz
Wohnort: Alt Sammit, Jahrgang: 1925
Beruf: Landwirt, Tätigkeit: Rentner
Hobby: Heimatgeschichte, Garten
Bearbeitete Abschnitte: Alt- und Neu Sammit
C hristine Steinbach Wohnort: Karow, Jahrgang: 1936
Beruf: Diplomlandwirtin, Tätigkeit: Rentnerin
Hobby: Heimatgeschichte, Ortschronik
Bearbeitete Abschnitte: Karow und Leisten, Korrekturlesen
H ans-Joachim Stiiwe
Wohnort: Hallalit, Jahrgang: 1932
Beruf: Ingenieur für Gartenbau, Ingenieur für Melioration, Tätigkeit: Rentner
Hobby: Heimatgeschichte
Bearbeitete Abschnitte: Hallalit
10. Bildnachweis
Photo directory
Es werden für häufig wiederkehrende Namen bzw. Institutionen Abkürzungen verwendet, die folgende Bedeutung haben:
Archiv LfKD
Archiv Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Schwerin;
Archiv MM bzw. MM
Archiv Gisela Masurowski und Dieter Mombour bzw. Gisela Masurowki und Dieter Mombour
Archiv NP
Archiv Naturpark Nossentiner /Schwinzer Heide;
Menckesammlung Fotografien der Hamburger Mencke und Co. aus dem Bestand 13.3-1 des Landeshauptarchivs Schwerin;
WM
Dr. Wolfgang Mew'es;
Kleks
Kulturlandschafts-Elemente-Kastater, Peter Ernst.
Tm allgemeinen Teil sind die Fotos und Abbildungen durchnummeriert (Abb. 1, 2,...). Im speziellen Teil bezieht sich die
Nummerierung auf das jeweilige Gutsdorf.
Allgemeiner Teil
( b is S e ite 4 1 )
Abbildung
Archiv Agrarhistorisches Museum Alt Schwerin
12, 13, 14, 17
Archiv LfKD
31
Archiv MM
11,42
Archiv NP
7 ,1 0 ,3 8
Archiv Reuter-Koenig 16
Breitmoser, Heinz 9
Gast, Jörg
4, 6, 8, 19, 20, 24, 26, 33, 43, 44, 46,
48, 49
Kasper, Uwe
1
174
Kass, Ingrid
Klink, Axel
Kraft, Silke
Lawrenz, Monika
Meier, Silvia
Menckesammlung
Schuchma, Gudrun
WM
21
39
Titelseite
27, 50, 51
45
2, 3, 22, 34, 35
41, 52
5, 15, 18, 23, 25, 28, 29, 30, 32, 36,
37, 40, 47
S p e z ie l le r T eil (ab Seite 42)
Abbildung
Alt Gaarz:
Abb. 1, 3, 4, 5, 6, 7 - MM; 2 - Archiv NP
Alt Sammit:
Abb. 1 , 5 - Menckesammlung; 4, 6, 7, 8, WM; 2 - Archiv Schulz; 3, 9 - Archiv NP
Alt Schwerin mit Mönchbusch: Abb. 1, 9, 17 - Lawrenz;
4, 8 - MM; 5, 6, 13, 14, 15 - WM;
7, 11, 12 - Archiv NP; 16 - Schuchma;
10 - Koch
Blücherhof:
Abb. 1 - Menckesammlung;
3, 4, 5, 6, 7 - WM; 8 - Schipke;
Bossow:
Abb. 1 - 4 WM; 5 - Archiv NP
Cramon:
Abb 1,4, 5,6 - MM, 7 - WM; 2 - Archiv NP
Diestelow mit Neuhof: Abb. 1, 10 - Archiv NP;
2, 5 - Archiv Bergter, 3 - Sal3;
4 - Schuchma; 6, 9 - Archiv Scheel;
7 - Bergter; 8 - Archiv LfKD
Dobbin mit Zietlitz: Abb. 1 - Menckesammlung;
2, 4 - Archiv NP, 3, 10 - Archiv Lorenz;
5 - Archiv NP; 6 - Koch; 7, 13 - Kasper;
8, 9, 11 - WM; 12 - MM
Finkenwerder: Abb. 1 - 3 - Archiv Berg; 4 - Saß
Glave:
Abb. 1, 6, 7 - Schuchma;
3 , 4 - Archiv NP; 5 - Koch
Grabowhöfe:
Abb. 1 , 2 - MM; 3, 4, 5, 6 - WM
Grambow:
Abb. 1 - Menckesammlung;
2 - 6 - Archiv Bergter
Groß Bäbelin:
Abb. 1 - Menckesammlung; 2 - MM
Groß und Klein Rehberg: Abb. 1, 2, 5 - MM
Hagenow:
Abb. 2, 3 - MM
Hahnenhorst:
Abb. 2, 3 - MM
Hinrichshof:
Abb. 1-3 - MM
H of Hagen:
Abb. 1 , 2 - Archiv NP; 3 - Schuchma;
4 - 6 Kleks
Hohen Wangelin: Abb. 1 - WM; 2, 3, 4 - MM
Jürgenshof:
Abb. 2, 3 - MM; 4 - R. Meier
Kadow:
Abb. 2, 4, 5 - Archiv Schmidt-Sibeth;
3, 6 - WM
Karow:
Abb. 1 , 4 - Menckesammlung;
3, 7, 9 ,1 0 , 1 3 - WM; 5 -G ast;
6 - Schuchma; 8 - Steinbach;
2, 11, 12, 1 4 -A rchiv NP
Kirch Kogel:
Abb. 1 , 6 - Bensler; 2, 3, 5, 7 - WM;
4 - Saß
Kleesten:
1, 3, 4, 5, 6, 7 - WM
Klein Luckow: Abb. 2, 3, 4 - Archiv Krüger;
5, 6, 7 - WM
Klein Wangelin: Abb. 1 - Archiv LfKD; 2 - Archiv NP;
3 - 8 - WM
Klocksin:
Abb. 1 - Menckesammlung;
2, 4, 5, 6 - WM
Kressin:
Abb. 1 - Menckesammlung; 2 - 5 - WM
Leisten:
Abb. 1, 4 - Menckesammlung;
2, 3, 6, 7 - Archiv Steinbach; 5 - Gast,
8 - Archiv NP; 9 - Saß
Linstow:
Abb. 1 - Gast; 3 - MM;
4, 5, 7, 8, 9 - WM; 6 - NP; 10 - Kasper
Louisenfeld:
Abb. 1, 2, 4 - MM; 3, 5 - Archiv MM;
6, 7 - WM
Marxhagen:
Abb. 1 - Menckesammlung; 2 - 5 - MM;
6 - Archiv MM
Medow:
Abb. 1 - Menckesammlung;
2 - Archiv NP; 3 - 5 - Gast
Mestlin mit Vimfow: Abb. 1, 7, 8 - Archiv Peters;
2, 6 - Gast; 8 - Archiv NP;
3 - 5 - nach P eters et al. (2001)
Moltzow:
Abb. 1 - Menckesammlung;
2, 4, 6, 7, 8 - MM; 3 - Archiv NP;
5 - Archiv LfKD; 9 - Archiv MM
Mühlenhof:
Abb. 2 - 5 - WM
Neu Damerow: Abb. 1 - Saß; 3, 4 - MM
Neu Gaarz:
Abb. 1, 3, 8 - WM; 2 - Archiv NP;
4, 6, 9, 11 - Archiv MM;
5 - Menckesammlung; 7, 10 - MM
Neu Poserin:
Abb. 1 - Menckesammlung; 2 - Archiv
NP; 3 - 6 WM
Neu Sammit:
Abb. 1, 2, 4 - Archiv NP;
3 - Archiv LfKD
Neu Sapshagen: Abb. 1 - Bock; 3, 4 - Saß; 5 - Lawrenz
Neuhof bei Kläden: Abb. 2, 5, 6 - WM; 3 - Archiv LfKD;
4 - Archiv NP; 7 - Gast
Nossentin:
Abb. 2, 3 - Archiv MM;
4, 5 ,6 ,7 9 - MM; 10, 11 - Archiv NP;
8 - Koch
Rum Kogel:
Abb. 1 - Archiv LfKD; 3 - 8 - WM
Schloß Grubenhagen: Abb. 1 - Menckesammlung;
3,4Archiv Krüger; 5 - MM; 6 - WM
Sehlsdorf:
Abb. 1 - aus N if.mann 2000;
4 (2 x) - LfKD; 3, 5 - Kleks
Sophienhof:
Abb. 1 - 5 - Archiv MM; 6 - 11 - WM
Sparow:
Abb. 1 - Menckesammlung; 2, - MM;
3 - WM; 4 - Gast
Spendin:
Abb. 1 , 5 - Archiv Alsleben;
3, 4, 6, - WM
Suckwitz:
Abb. 1, 5, - Archiv Reuler-Koenig;
3 .4 , 6 - WM
Völlrathsruhe mit Hallalit: Abb. 1 - Menckesammlung;
3 .5 , 10, 11, 12, 13, 1 4 - WM;
4 - Archiv L1KD; 6, 8 - Lawrenz;
7 - Schuchma; 9 - Archiv NP
Woosten:
Abb. 1 - Archiv NP; 2 - 4 - Lawrenz;
5 - Archiv Berg
Woserin:
Abb. 1 - Lawrenz; 2 - Archiv NP;
3 Archiv LfKD; 4 - Archiv Berg
Zarchlin:
Abb. 1, 6, 7 - Gast; 2 - Archiv NP;
3, 5, 8 - WM; 4 - Archiv LfKD
Zidderich mit Steinbeck: Abb. 1 , 3 - Archiv Beckendorff;
2, 4, 5, 6 - WM
175
Die Sponsoren
The Sponsors
Altenburg, Michael; Unterägeri (Schweiz)
Böhm, Hans-Dieter; Sparow
Christlicher Trägerverein der Kinder- und Jugendbegegnungsstätte Neu Sammit e.V.
Familienhotel Gutshaus Linstow
Frankenheim, Dr. Christoph; Hamburg
Grämlich, Dr. Brigitte; Berlin
Leimer, Andrea und Dr. Willi; Wollerau (Schweiz)
Leimer, Dr. Henri; Hongkong
Reuter-König, Charlotte; Suckwitz
Schneider, Rodo; Malkwitz
Schloss Karow, Familie Heuer
Schlutius, Haimo; Lauf
Sparkasse Parchim - Lübz
Tiele-Winckler, Graf von; Kiel
Waldgut Glave
Impressum
Imprint
Herausgeber:
Konzept:
Layout:
Karten:
Übersetzungen:
Redaktion:
Druck:
gefördert durch:
176
Förderverein Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide e.V.
Ziegenhom 1
19395 Karow
Tel.: 038738 / 70292
Fax: 038738 / 73841
e-mail: [email protected]
www.naturpark-nossentiner-schwinzer-heide.de
Förderverein und Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide
Jörg Gast, Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide (allgemeiner Teil) und
Projektbüro Ricarda Exner (spezieller Teil)
Projektbüro Ricarda Exner, Lübz
Tel.: 038731 / 24922 oder 01703240390
e-mail: [email protected]
Michael Altenburg, Unterägeri (Schweiz)
Dr. Wolfgang Mewes, Karow
Druckerei A.C. Froh
Inh. Thomas Leppin
Große Burgstr. 19
19386 Plau am See
Tel.: 038735 /4 6400
Fax: 038735 / 46401
e-mail:[email protected]
das Land Mecklenburg-Vorpommern als Maßnahme der Umweltbildung, -erziehung
und -information von Vereinen und Verbänden
Landkreis Güstrow
K le in L u c m w
W o serin
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P o s e rin D a m n
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Landkreis Parchim
N o s s e n tin
Z a r c h lin
S p a ro w
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J ü rg e n s h o f
f! Typen der Güter um 1903
Lübz
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K lo stergu t
G renze
N a tu rp a r
Nossentii
Schwinze
H eid e
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K reisg rer
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Plau am See
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