Neue Zürcher Zeitung Was bleibt?

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Neue Zürcher Zeitung Was bleibt?
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Ground Zero Neubebauung
New York, Vereinigte Staaten von Amerika
Was bleibt?
SAMMLUNG
Anhaltende Querelen um Ground Zero
FUNKTION
Neue Zürcher Zeitung
von Andrea Köhler
Gemischte Nutzung
PLANUNGSBEGINN
27 Monate nachdem Daniel Libeskinds Pläne für den New Yorker «Freedom Tower»
2002
ausgewählt wurden, 17 Monate nach ihrer Überholung durch David Childs und ein knappes
Jahr nach der Grundsteinlegung steht auf Ground Zero wieder alles zur Disposition. Im
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vergangenen Monat hat die Polizei plötzlich Sicherheitsbedenken an Libeskinds
«Freiheitsturm» angemeldet. Nach Angaben der für den Wiederaufbau zuständigen
städtischen Kommission wird sich der Bau des 533 Meter hohen Wahrzeichens nun
voraussichtlich bis mindestens 2010 verzögern; manche fürchten gar eine komplette
Neuüberholung aller Bebauungspläne für das Gelände. Das wichtigste und umstrittenste
Bauprojekt der letzten Jahre droht in einem Chaos aus politischen Ränkespielen und
privaten Interessen zu versinken.
Erst Anfang des Monats ist der für die Durchführung der Bebauung zuständige Präsident
der Lower Manhattan Development Corporation überraschend zurückgetreten ausgerechnet in einem Augenblick, wo sich die schlechten Nachrichten für den um Monate
hinter den ursprünglichen Plänen zurückliegenden Wiederaufbau von Ground Zero
überstürzen. So tritt der von New Yorks Gouverneur George Pataki letzte Woche neu ins
Amt berufene Koordinator John Cahill denn einen schwierigen Job an. Kürzlich hat die
Investmentbank Goldman Sachs ihre Pläne, nahe Ground Zero ein neues Hauptquartier für
rund zwei Milliarden Dollar zu bauen, aus Sicherheitsgründen zurückgestellt. Eine Quelle
der Sorge ist der für die West Street geplante Tunnel, ein Projekt, das mit dem Rückzug
von Goldman Sachs nun wieder zur Disposition steht. Die Bedenken der Firma blieben
nicht ohne Konsequenz für Libeskinds 70-stöckiges Freiheitssymbol. Nach den
ursprünglichen Plänen steht es nur 7 Meter von der stark frequentierten West Street
entfernt - und ist damit eine potenzielle Zielscheibe für terroristische Anschläge durch
Autobomben. Nun soll der Turm um 35, wenn nicht 70 Meter versetzt werden und überdies
kleiner ausfallen, ausserdem wurden dickeres Glas und stärkere Mauern gefordert. Wie
das Gebäude letztlich ausfallen wird, weiss im Moment also keiner.
Auch sonst ist die Zukunft der gigantischen Baustelle, die noch immer wie ein nicht zu
Ende planierter Parkplatz aussieht, weitgehend offen. Der Immobilienunternehmer Larry
Silverstein, der als Pächter des zerstörten World Trade Center an der Bebauung des
Areals federführend beteiligt ist, soll für sein 52-stöckiges Hochhaus direkt neben der
Baugrube bis anhin erst einen Mieter gefunden haben - seine eigene Firma. Ohne Mieter
aber könnte das ganze Projekt zu einem gigantischen Zuschussgeschäft für den Staat
werden. So geht das Gerücht, dass Pataki und Bürgermeister Bloomberg nach einem
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Ground Zero - Neubebauung
Anlass suchten, um Silverstein, der das sechseinhalb Hektaren grosse Gelände von der
Stadt für 99 Jahre gepachtet hat, zu entmachten und die Planung der staatlichen Behörde
Port Authority zu übertragen.
Die von Silverstein gerichtlich erstrittene, 4,6 Milliarden Dollar hohe Versicherungssumme
für das WTC reicht für die Wiederbebauungskosten jedenfalls bei weitem nicht aus, sie
werden inzwischen auf insgesamt 12 Milliarden Dollar veranschlagt. Der Rest muss über
Kredite und Subventionen finanziert werden. Das hat besonders für die geplanten
kulturellen Institutionen erhebliche Konsequenzen. So steht das Schicksal des Performing
Art Center, für das Frank Gehry verpflichtet wurde, sowie des von Santiago Calatrava
geplanten Kulturzentrums noch in den Sternen; auch über das Design des Memorials für
die Toten des 11. September 2001 herrscht weiterhin Unklarheit. Gestern ist immerhin der
Entwurf für das neue Museum bekannt gemacht worden, in dem das International Freedom
Center und das Drawing Center untergebracht werden sollen. Verantwortlich für das
Design ist die norwegische Firma Snohetta.
Inzwischen hat sich auch der Immobilien- Mogul Donald Trump in gewohnt lautstarker
Manier als Bauherr empfohlen; das Design des Freedom Tower, erklärte der Milliardär der
«New York Post», sei ohnehin eine «Idee von Eierköpfen». Trump hat auch schon
Gegenvorschläge zu dem «architektonischen Schrott» von Libeskind vorgelegt: Das alte
World Trade Center soll nahezu originalgetreu wieder aufgebaut werden, nur eben «höher,
stabiler und besser». Wie immer man zu der Ästhetik der Twin Towers von Yamasaki
stehen mag, das Trauma der Attentate würde durch ihre Wiedererrichtung nicht
ausgelöscht, sondern verewigt. Doch für solche Zimperlichkeiten hat Trump bekanntlich
wenig Verständnis.
Neue Zürcher Zeitung, 21.05.2005
WEITERE TEXTE
«Es wird ein spiritueller und säkularer Ort», Peter Littger, Die Weltwoche, 12.03.2004
In der Aufwärtsspirale, Andrea Köhler, Neue Zürcher Zeitung, 19.09.2007
Architektonischer Niedergang, Carsten Krohn, Neue Zürcher Zeitung, 01.07.2005
Sicherheit auf die Spitze getrieben, Eva Schweitzer, Frankfurter Rundschau, 01.07.2005
Minimal-Lösung, Christian Thomas, Frankfurter Rundschau, 08.01.2004
Ground Zero: Kompromiss für Neubebauung erzielt, Frankfurter Rundschau, 20.12.2003
Begehren, Christian Thomas, Frankfurter Rundschau, 18.03.2003
'Ich will nicht einschüchtern', Mark Obert, Frankfurter Rundschau, 15.03.2003
500 Meter hoch, Eva Schweitzer, Frankfurter Rundschau, 06.02.2003
Der Boden der Dinge, Daniel Libeskind, Spectrum, 04.12.2004
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Grundsteinlegung auf Ground Zero, TagesAnzeiger, 06.05.2004
Gedenkstätte-Entscheid, TagesAnzeiger, 07.01.2004
Windturbinen auf 542 Meter Höhe, Walter Niederberger, TagesAnzeiger, 22.12.2003
Eisenman sieht Ground Zero Wettbewerb als Betrug, Salzburger Nachrichten, 15.08.2003
Heiliger Boden, Uwe Schmitt, Die Welt, 13.10.2005
Der Honeymoon ist vorbei, Rainer Haubrich, Die Welt, 16.07.2004
Ein Vorhang aus Wasser, Uwe Schmitt, Die Welt, 08.01.2004
Beifall für New Yorks Freedom Tower, Die Welt, 22.12.2003
New Yorks neues Wahrzeichen, Rainer Haubrich, Die Welt, 20.12.2003
Santiago Calatrava baut U-Bahnhof auf dem Areal des WTC, Die Welt, 05.08.2003
Schatten im Libeskind- Plan für Ground Zero?, Die Welt, 03.05.2003
Siegessäule , Jordan Mejias, FAZ, 01.07.2005
Misthaufen?, FAZ, 21.05.2005
Spektakulär: Die neuen Entwürfe für Ground Zero, Holger Christmann, FAZ, 19.12.2002
Die Willkürlichkeit des Todes, Eva Schweitzer, Berliner Zeitung, 18.08.2006
Meine sind größer, Nikolaus Bernau, Berliner Zeitung, 20.05.2005
Ein netter Hofgarten, Nikolaus Bernau, Berliner Zeitung, 08.01.2004
Ökonomie besiegt Utopie, Nikolaus Bernau, Berliner Zeitung, 22.12.2003
Der Turm gehört jedem, Christian Pricelius, Berliner Zeitung, 11.09.2003
Die Evolution des Siegerprojektes, Der Standard, 12.09.2003
Erschwindeltes WTC-Projekt als Sieger?, Der Standard, 01.05.2003
Der perfekte Turm, Süddeutsche Zeitung, 28.09.2005
Siegessäule für die Freiheit, Andrian Kreye, Süddeutsche Zeitung, 01.07.2005
Die Bombe X und der Ort Y, Jörg Häntzschel, Süddeutsche Zeitung, 03.05.2005
Fußabdruck der Geschichte, Jörg Häntzschel, Süddeutsche Zeitung, 08.01.2004
Die 'Fußspuren' des World Trade Centers, Süddeutsche Zeitung, 07.01.2004
Die Freiheit nehm ich dir, Jörg Häntzschel, Süddeutsche Zeitung, 22.12.2003
Im Grunde Null, Jörg Häntzschel, Süddeutsche Zeitung, 16.07.2003
Der Fall Libeskind, Süddeutsche Zeitung, 03.05.2003
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