Mein Freiwilligendiens gendienst in Reyes/ Bolivien

Transcription

Mein Freiwilligendiens gendienst in Reyes/ Bolivien
Mein Freiwilligendiens
gendienst in Reyes/ Bolivien
2. Rundbrief
Arpana Berndt in der Einsatzste
atzstelle „Cedicor“ in Reyes/ Bolivien
Dienstzeit: 13.07.2013 bis 21.09.2
1.09.2014
Datum: 25. Februar 2014
Liebe UnterstützerInnen,, lieb
liebe FreundInnen, liebe Interessierte, liebe Familie,
F
Ich bin bereits sieben Monat
onate hier und das ist einfach unfassbar.
r. Die Hälfte meiner
Zeit in Reyes ist schon um
m un
und dabei kann ich es immer noch nicht
cht ganz
ga glauben,
dass ich überhaupt in Bolivie
olivien bin. Hier ist mein zweiter Rundbrief für Euch,
E
in dem ich
die wichtigen Ereignisse
e zusammenfasse
zusa
und Euch berichte, wass mic
mich die letzten
Monate beschäftigt hat.
Herzlichen Dank für die viele
vielen, lieben Rückmeldungen zu meinem
m letzten
let
Rundbrief.
Ich freue mich, dass er Euch gefallen hat und wünsche Euch auch dieses
di
Mal viel
Spaß beim Lesen!
In der Zwischenzeit hatte
te ich bereits das Zwischenseminar, das meine
eine
Entsendeorganisation EIRENE
IRENE in Cochabamba durchgeführt hat,
t, und konnte ein
wenig mehr von Bolivien
en sehen.
seh
Außerdem habe ich an einer
Alphabetisierungsfortbildung
ildung in La Paz teilgenommen und dort eine iinnovative
Methode erlernt. Nun kann
ann ich
i
Kindern, Jugendlichen und Erwachsen
chsenen Lesen und
Schreiben beibringen. Als ich von diesem Ausflug wieder im Tiefland
land a
ankam, erwarte
mich jedoch erst einmal
al Cha
Chaos: Erdrutsche, Hochwasser und Übersch
erschwemmungen und es hörte nicht auf zu regnen.
reg
Die Flut
Im Nachbardorf Rurrenabaq
abaque kam ich mit dem Reisebus an. Das
as Do
Dorf wirkte
aufgewühlt und unruhig,
g, obwohl
obw
es eigentlich sonst sehr entspannt
nnt d
dort zugeht. Im
Gespräch mit einer befreund
freundeten Freiwilligen und nach einem Blick auf
a einen der
Berge bekam ich die Erkläru
rklärung dafür. Ein Viertel des Berges warr nicht
nich mehr grün
sondern rotbraun von der
er Erde,
Er
die normalerweise von Urwald bedec
edeckt ist. Es ist
Regenzeit. Tagelanger Regen
Rege hatte die Erde aufgeweicht und einen Erdrutsch
1
verursacht der mehrere Häuser
Häu
mit sich den Hang hinab zog. Ein
n zwe
zweiter Erdrutsch riss
vier der Soldaten in den
n Tod,
Tod die den Bewohnern zu Hilfe geeilt waren
waren.
Ich fuhr mit dem
m Sammeltaxi
Sa
nach
Reyes. Das Taxi schaffte
scha
es nicht bis
zum Terminal, denn alle Straßen in
seiner Nähe waren
aren überschwemmt.
Ich lief über die
ie matschigen
ma
Wege
zum Cedicor, wo ich
ic ja lebe und
arbeite. Ich war
ar müde
mü
von der
langen Reise und
nd hoffte
h
mich bald
ausruhen zu können
önnen. Aber auch
das Gelände des C
Cedicor war in
meiner Abwesenhe
senheit
überschwemmtt worden
wo
und damit
auch mein kleines
ines Häuschen.
H
An
der Wand im Wohn- und
d Sch
Schlafzimmer konnte ich ablesen, dasss das Wasser ca. 20
cm hoch gestiegen sein
in mus
muss. Der Boden war voller Dreck und Ungeziefer.
Ungez
Alles was
auf dem Boden lag warr durchnässt.
durc
Wände, Möbel, Wäsche, Schuhe
chuhe und Bücher
waren feucht und schimmel
mmelten vor sich hin. Ich putzte erst einmal
al zwei
zw Tage lang
meine Wohnung, um mich
ich wieder
w
wohl zu fühlen.
Immer wenn es regnet komm
kommt aber kaum jemand zur Schule und
d so sind
s
in den
beiden Regenzeitmonaten
aten Dezember
D
und Januar auch Schulferien.
rien. Ende Februar
hatte der Unterricht jedoch
och immer noch nicht begonnen. Von Ende
nde Januar
J
bis Mitte
Februar blieb Reyes übersch
erschwemmt. Häuser, Gärten, Spielplätze,
e, Läd
Läden, Schulen,
Straßen, Sportplätze - alles
lles stand
st
unter dreckigem, braunem Wasser.
sser. Häuser, die aus
Lehm und Stroh gebaut waren,
war
hielten der Feuchtigkeit nicht stand.
and. TTransporter
beladen mit Möbeln und
nd Familien
Fa
zogen stadteinwärts. Der bewohnb
ohnbare Platz
reduzierte sich auf ein paar wenige
w
Straßen. Alle Zufahrtswege waren unbefahrbar.
Die einzige Straße, die aus R
Reyes herausführt, ist nicht asphaltiert:: sie war bereits nach
den ersten Regengüssen
n nic
nicht mehr benutzbar gewesen. Der Flugha
lughafen und jede
andere Wiese verwandelten
elten sich in Seen. Die Lebensmittel, vor allem die frischen,
wurden knapp und ihre Preise
Preis vervierfachten sich. Es gab immerr wied
wieder längere
Stromausfälle und damit
it auch
auc kein
fließendes Wasser. Die ganze Stadt stand
still, abends war kaum noch jemand auf
den Straßen.
Normalerweise trotten vereinzelt
verein
Kühe und
Pferde durch das Stadtzentr
tzentrum. Doch
während der Überschwemm
emmung standen
ganze Pferde- und Kuhherde
herden im Zentrum
der Stadt vor der Kirche
e und grasten. Ich
hatte Glück, dass mein Häuschen
Häus
sehr
2
zentral im Dorf liegt und meine Straße
nach meiner Rückkehr
ehr trocken
tr
blieb.
Denn manchmal hörte
örte es
e Tage lang
nicht auf zu regnen - lautes
lau
Prasseln auf
das Blechdach, Tag
g und Nacht. Die
meiste Zeit habe ich zu Hause
H
verbracht,
bei Kerzenschein gelesen
elesen und in den
wenigen Minuten ohne
hne R
Regen Einkäufe
gemacht. Niemand verließ
verli sein Haus
mehr. Die Stadt war leer und die
Straßengräben verwand
wandelten sich in
reißende Bäche. Wenn es ku
kurz aufhörte zu gießen, strömten die Menschen
Mens
aus ihren
Wohnungen, machten Einkäufe
Einkä
oder gingen in die Kirche. Kinder zogen
zog
Holzstücken
an einer Schnur durch die Straßengräben
St
und bastelten Spielzeugbo
oote aus
Plastikflaschen.
us den
de umliegenden Dörfern in die Stadtt und lebten hier auf
Die Menschen zogen aus
der Straße, in den Schulen
len u
und in der Sporthalle. Täglich kreisten Hub
Hubschrauber über
unseren Köpfen. Viele Leute wurden unruhig, weil die von der Regieru
egierung
versprochene Hilfe nicht
ht ank
ankam. Das Krankenhaus war überfüllt.. Durc
Durch die vielen
Mücken erhöhte sich die
ie Ansteckung
An
mit dem Dengue-Fieber.
Irgendwann kam dann die SSonne an den Nachmittagen heraus. Dan
ann hörte es ganz
auf zu regnen und das Wasser
Wass ging zurück.
Wenn man nun durch das D
Dorf geht, dann sieht man die Folgen
n der
Überschwemmung. Eingestü
gestürzte und zerstörte Häuser, verdreckte
te Gärten,
Gä
umgekippte Bäume und
d immer
imm noch überflutete Fußballfelder.
Alltag im Projekt
Trotzdem kehrte nach und nach
n
der Alltag zurück, auch für mich.
h. Von
Vo morgens bis
abends ist wieder Unterricht
rricht im Cedicor. Nun begann ich mit meiner
einer eigenen
Unterrichtsplanung. Im Januar
Janu hatte ich an einer Alphabetisierungsfo
ngsfortbildung in La
Paz teilgenommen. Dort
rt habe
hab ich eine Methode gelernt, um Kindern
ndern, Jugendlichen
und Erwachsenen Lesen
n und Schreiben beizubringen oder bei Lese-- und
Rechtschreibproblemen
n helf
helfen zu können. Diese Methode nennt
nt sich „Lectura con
dedos“ (deutsch: Lesen
n durch
durc Gesten) und soll den Lernenden durch die
Kombination von Stimme,
e, Handzeichen
Ha
und Bewegung der Hände
nde leichter
le
machen
sich die Buchstaben zu merken
merk
und diese anzuwenden. Dabei ist es w
wichtig, dass sie
verstehen, dass ein Buchstab
hstabe zwar einen Namen hat, beim Lesen
sen aber
ab nur durch
die verschiedenen Laute
te de
der Buchstaben die Wörter entstehen.. Ein B
Beispiel im
Deutschen wäre, dass der Buchstabe
Bu
M zwar „Em“ heißt, aber den
en La
Laut „M“ hat.
Also liest man „Mama“ statt „Em-A-Em-A“.
3
Ich habe nun mit der Planun
lanung dieses Projektes begonnen und überle
berlege mir, wie ich
die potentiellen SchülerInne
rInnen über das Angebot meines Alphabetisie
etisierungskurses
informieren kann. Zugleich
ich denke
d
ich mir, dass es vielleicht auch
h sinnv
sinnvoll wäre
Alphabetisierungsfortbildung
ildungen für andere Lehrkräfte zu organisieren
ieren, damit sie die
Methode selbst anwenden
den k
können, wenn ich schon wieder in Deutsc
eutschland sein
werde.
Das sind also die zwei große
roßen Ereignisse der letzten Monate in meinen
einen Leben hier in
Reyes. Die Naturkatstrophe,
phe, die für mich persönlich keine schwerwieg
rwiegenden Folgen
hatte und der Alphabetisieru
tisierungskurs, der mir neben meinem Englisch
glischkurs eine
weitere Möglichkeit bietet,
tet, mich
m
durch den Freiwilligeneinsatz einzub
inzubringen.
Vielfältiges Bolivien
Was ist sonst noch
geschehen? Im
bolivianischen Ferienmonat
onat
Dezember – wir sind auff der
Südhalbkugel! – habe auch
ich meinen Urlaub
genommen und bin in das
Hochland gereist. Unterweg
rwegs
habe ich manchmal andere
ndere
Reisende getroffen und es
war erstaunlich, dass vielen
ielen
das Tiefland Boliviens
gänzlich unbekannt ist.. Nich
Nicht
nur, weil sie nie dort gewese
wesen
waren, sondern weil viele,
le, al
als
sie ihre Reise durch Bolivien
ivien geplant
g
hatten, nur an das Hochland
d mit den Anden,
den Lamas und den tradition
ditionell gekleideten Frauen mit ihren typische
pischen Hüten
dachten. La Paz, die höchst
öchste Großstadt der Welt, der Titicacasee,
e, der
de höchste See
der Welt, Potosi mit ihren
n bekannten
bek
historischen Silberminen und
d Uyuni
Uyu mit der
größten Salzwüste der Welt - angesichts dieser Superlative wird das bolivianische
b
Tiefland schnell vergessen
sen un
und das, obwohl nur etwa ein Drittel Bolivie
Boliviens aus
Hochland besteht.
Mir fallen die Unterschiede
ede in der Lebensweise der Menschen in der R
Region von La
Paz/ El Alto und in meinem
em Wohnort
W
Reyes besonders deshalb auf, weil
w ich an diesen
Orten nun einmal die meiste
eiste Zeit verbracht habe. Ich habe das Gefühl,
Gefü dass im
Hochland Traditionen eine
ine wichtigere
w
Rolle spielen, obwohl diese
se im Tiefland auch
nicht zu kurz kommen. Durch die Musik und die Tänze, aber insbesond
esondere durch die
Kleidung kommt das zurr Gel
Geltung. Im Hochland tragen viele Frauen
uen zahlreiche
za
weite
Röcke übereinander. Ess gibt sie in den verschiedensten Farben und V
Verzierungen. Sie
flechten ihr schwarzes langes
lange Haar zu zwei Zöpfen und setzen sich
ch englische
en
Hüte auf
4
den Kopf. Sowohl Frauen
en als
al auch Männer binden bunte Tücherr als TTaschen auf
ihren Rücken zusammen
n um Babys, Lebensmittel und andere Dinge
inge zu
z transportieren.
Dass man diesen Stil im tief gelegenen
g
Reyes eher seltener findet,
t, liegt
lieg natürlich auch
am wärmeren Klima und
d daran,
da
dass die Völker der Aymara und
d Que
Quechua die Kultur
nur in den Bergen bestimme
immen. Doch insgesamt habe ich den Eindruc
ndruck, dass sich
Kleidungsstil und Musikgesch
geschmack im Flachland eher am globalisiert
lisierten Vorbild
orientieren.
Das tropische Klima im Tiefland
d füh
führt noch zu einer
anderen Eigenart: die Abendstund
stunden verbringen
die Menschen häufig auf der Straße
Straße, am
Straßenrand und vor der Haustür.
stür. U
Um Freunde und
Bekannte zu treffen, verabredet
et man
ma sich nicht,
sondern begibt sich einfach auf
uf die Straße, dreht
seine Runden mit dem Motorrad
ad oder
od geht
spazieren. Aber auch den Tag über
übe bleibt die
Haustür weit geöffnet, die Fenster
ster sind
s
meistens
ohne Fensterglas. Die Leute bleiben
leiben viele Stunden
des Tages auf der Veranda im Schatten.
Scha
Dadurch
ist die Privatsphäre eingeschränkte
änkter und sie sind
zugleich zugänglicher für andere
ere M
Menschen von
außerhalb der Familie.
Mir ist aufgefallen, dass im Tiefland
fland ab und an mal
jemand abfällige Bemerkungen
en üb
über die
Menschen im Hochland
d macht
mac und andersherum, im Hochland über die Menschen
des Tieflandes negativ gesprochen
gespr
wird. Auch bei Feierlichkeiten
n in Reyes
R
feiern die
Reyesanos unter sich und
nd meistens
me
getrennt von denen, die ursprüng
prünglich aus dem
Hochland kommen. Die
e meisten
mei
der kleinen Geschäfte aber, die
ie von Nägeln bis
Blumenkohl alles verkaufen,
ufen, werden auffällig oft von Frauen in den
en Trachten
Tr
des
Hochlandes betrieben.
Stadtfest in Reyes
Die Heiligen Drei Könige,
e, die Reyes ihren
Namen geben, stehen an einer
ei
der Zufahrten zur Stadt als große
e Statuen
Stat
und
verdeutlichen ihre besonder
ndere Bedeutung für Reyes. Anfang Januar
nuar jjeden Jahres
zum Dreikönigstag wird mehrere
meh
Tage lang das Bestehen der Stadt
adt gefeiert.
g
Wie
lange die Feiern offizielll andauern,
and
das wurde mir nicht klar. Denn
nn jeder,
jed
den ich
fragte, erzählte mir eine
e and
andere Anzahl an Tagen. Wie ich mittlerwei
erweile
herausgefunden habe,, wird hier gerne auch schon vorgefeiert. Mehrere
Mehr
Tage lang
sind weder die Tage noch
ch die
d Nächte ruhig. Festtagsumzüge finden
den sstatt, besondere
Gottesdienste, Bälle, Hahnen
ahnenkämpfe und Märkte werden organisiert,
isiert, für die Händler
aus anderen Städten hierhe
ierher kommen. Der Höhepunkt der Feierlichk
rlichkeiten sind
jedoch die Stierkämpfe und Rodeos, bei denen junge Erwachsene ih
hr Glück
versuchen.
5
Dafür wurde der Marktplatz eingezäu
ezäunt. Von einem
Tag auf den anderen wurden große
roße Tribünen
T
errichtet. Während die Zuschauer
er und
Zuschauerinnen auf den Tribünen
n und den Zäunen
sitzen, die die Arena umgeben, und V
Verkäufer und
Verkäuferinnen ihnen Erfrischungen
en u
und Snacks
anbieten, stellen sich angetrunkene
ene u
und bereits ganz
betrunkene Männer innerhalb der
er Umzäunung
Um
den
Stieren. Die Stiere werden einzeln
n hineingelassen
hine
und
haben bunte Tücher um die Hörner
ner g
gebunden. Wer
es schafft, eines dieser Tücher zu ergreifen,
ergre
bekommt
am Ende des Turniers einen Geldbetra
betrag als Gewinn
ausgezahlt. Die anderen Teilnehmer
mer versuchen
v
den
Stier mit raschen Bewegungen roter
oter Tücher,
T
mit Tritten
und mit Schlägen zu provozi
rovozieren. Wer es schafft einige Sekunden
n au
auf dem Rücken
des Tieres zu verbringen,
n, erntet
ern
Applaus. Sobald er jedoch herunterfä
nterfällt, gibt es lautes
Gelächter von den Zuschau
chauern. Auch die Teilnehmer, die bereits
ts so viel
v Alkohol
getrunken haben, dasss sie d
die Gefahr des nahenden Stieres nicht
ht be
bemerken, werden
von der Tribüne ausgelacht.
lacht.
Einige Male konnte ein solcher
solch „Stierkämpfer“ durch Zufall oder wege
wegen der
Provokation eines anderen
eren Teilnehmers
T
der Wut des Tieres entkomme
mmen, ein anderes
Mal aber wurde er am Gürte
Gürtel von dessen Hörnern in die Luft gehobe
hoben. Es kam auch
vor, dass sich die Ehefrauen
auen auf den Turnierplatz begaben um ihre
hre betrunkenen
be
Ehemänner unter lautem
m Applaus
Ap
vom Gelände zu ziehen. Während
rend manche Stiere
durch den etwa 1,80m hohen
hohe Zaun zu entkommen vermochten,, hatten
hatt
einige
Teilnehmer weniger Glück.
ück. Einer
E
wurde gleich zu Beginn von einem
em SStier
niedergetrampelt. Seine
e Mitstreiter
Mits
führten ihn vom Feld, halb trugen
ugen sie ihn, weil er
immer wieder ohnmächtig
htig w
wurde. Eine knappe Stunde später befan
efand er sich aber
schon wieder auf einem
m Stie
Stier.
lte, da
dass es in
Als ich Freunden erzählte,
Deutschland keine Stierkämp
rkämpfe gebe, weil
sie gefährlich sind haben
en sie dies
verstanden. Die Begeisterun
terung der
Zuschauer und Teilnehmer
mer b
bei den Stierund Hahnenkämpfen ließ
ieß aber
ab vermuten,
dass sie überhaupt nicht
ht verstehen
ver
würden,
dass diese Traditionen als Tierquälerei
Tie
verboten sein könnten.
EIRENE-Zwischenseminar
Kurz nach diesem Fest bin ich
ic zum Zwischenseminar nach Cochabam
abamba
aufgebrochen. Das interessa
eressanteste auf dem einwöchigen Seminar
inar war
w die anderen
6
Freiwilligen und deren Arbeit kennenzulernen. Zwei Freiwillige, die in Cochabamba
eingesetzt sind, arbeiten mit ehemaligen Prostituierten, deren Kindern und mit
Gefängnisinsassen. Die Kinder können ihre Tage in einem Kinderhort verbringen und
den ehemaligen Prostituierten werden alternative Arbeitsmöglichkeiten an einem
festgelegten Treffpunkt, der sich „Café“ nennt, angeboten. Dieses „Café“ hat
ebenfalls einen kleinen Laden in dem die von den Frauen hergestellten Produkte
verkauft werden. Den früheren Prostituierten und einigen Gefängnisinsassen in einem
der Gefängnisse Cochabambas wird psychologische Hilfe angeboten. Die Freiwillige
begleiten die mit dieser professionellen Arbeit beschäftigten Fachkräfte. Andere
Freiwillige, die ich auf dem Seminar traf, arbeiten in einem Projekt in La Paz mit, das
Schuhputzer unterstützt. Mich hat besonders beeindruckt, dass die Schuhputzer sich
maskieren müssen, da sie sogar nicht wollen, dass ihre Familienangehörigen und
Freunde von ihrer Arbeit wissen. Dies weist darauf hin, wie stark diskriminierend ihr
Beruf angesehen wird.
Insgesamt bot das Seminar eine gute Auszeit von dem Leben in Bolivien. Eine Woche
verbrachten wir mit Gleichaltrigen, die alle als Freiwillige arbeiten und alle viel erlebt
hatten, konnten uns austauschen und froh darüber sein, dass wir mit den kleinen
Problemen in unserem Freiwilligenalltag nicht allein sind.
Die Busfahrt von Cochabamba zurück nach La Paz, von wo es dann weiter ins
Tiefland gehen sollte, war weniger erfreulich. Nach zwei Stunden schon hielt der Bus
am Straßenrand an, der Fahrer sagte uns, dass es eine Panne gäbe und der Bus nicht
weiterfahren würde. Alle Fahrgäste mussten sich nun - mitten in der Nacht auf einer
einsamen Straße - darum bemühen, einen anderen Bus heranzuwinken. Als endlich
ein Bus anhielt, drängelten sich alle nach vorne, um so schnell wie möglich der
nächtlichen Kälte zu entkommen und weiter fahren zu können. Ich erhielt nur einen
Platz auf dem Boden des zweiten Busses der für uns anhielt. Der Preis, den der Fahrer
für unsere Mitfahrt verlangte, war überteuert. Die mühsamen sechs Stunden auf dem
kalten Boden des rumpelnden Busses werde ich nicht vergessen.
Das Hauptverkehrsmittel für Menschen in Bolivien, die von Stadt zu Stadt reisen
möchten, ist der Bus. Verschiedene private Busgesellschaften bieten unterschiedliche
Reiserouten und Standards an. Da gibt es den normalen Bus, dann Busse bei denen
man die Sitze verstellen kann um zu schlafen, bis hin zu den teuren Bussen, die den
Fahrgästen Betten im Bus bieten.
Viele der Straßen zwischen den Städten Boliviens sind allerdings nicht geteert und
häufig einfach nur sandige Schotterwege. Deshalb ist es besonders wichtig, die
richtige Wahl des Busses zu treffen. Das orientiert sich nicht an der Schlafmöglichkeit
im Bus sondern an den lokalen Nachrichten und dem, was die Einheimischen sagen.
Es gibt immer Busgesellschaften, die als besonders sicher angesehen werden und
andere die auf Grund von tödlichen Unfällen vermehrt negativ in den Nachrichten
erscheinen. Zu der Unsicherheit von Busfahrten trägt auch bei, dass die meisten
Nachfahrten sind, sodass der Bus um 6 Uhr morgens am Ziel ankommt und am selben
7
Tag wieder zurück fahren kann. Durch die schlechten Wege, aufgrund der fehlenden
Beleuchtung der Straßen und schlechter Ausstattung der Busse kommt es immer
wieder zu schweren Unfällen. Insbesondere an nationalen Feiertagen, an denen
alkoholisierte Fahrer am Verkehr teilnehmen, wird von vielen Unfällen in den
Nachrichten berichtet. Meistens steuert nur ein einzelner Fahrer den Bus, selbst wenn
die Strecke zwanzig Stunden dauert. Er macht nicht mehr als eine halbe Stunde
Pause zur Abendessenzeit und hält ansonsten etwa alle vier Stunden für nur 5
Minuten an. Unter diesen Bedingungen versuchen sich die Fahrer mit dem Kauen
von Coca wach zu halten…
Aber macht Euch keine Sorgen! Ich spreche schon genug Spanisch, um mich gut
informieren zu können, und ich bin vorsichtig. Ich will auch weiterhin für Euch meine
Augen aufhalten und Euch aus diesem spannenden und so anderen Land berichten.
Demnächst könnt Ihr dann mehr über meine Erfahrungen mit meinen Kursen im
Projekt lesen.
Ich freue mich auf Eure Rückmeldungen und Fragen.
Nochmals und immer wieder gerne bedanke ich mich ganz herzlich bei Euch allen,
die Ihr mich finanziell und ideell unterstützt und mir diese interessanten Erfahrungen
ermöglicht.
Viele liebe Grüße und einen schönen Frühling wünsche ich Euch
Arpana Berndt
Hinweise zu den Bildern: 1. Überflutete Innenstadt; 2. Überschwemmter Hof; 3. Zusammengebrochenes
Haus; 4. Salzwüste in Uyuni; 5. Straßenszene in Potosi; 6. Festtagsumzug: Frauen in traditionellen Trachten;
7. Umzugswagen; 8. Stierkampf
Viele weitere Fotos: www.mostphotos.com/arpanaaischa
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