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K AU F B E R AT U N G
Mercedes-Benz SLC, Baureihe C107
E L E G A N T, S P O R T L I C H U N D Q U A L I T Ä T S V O L L – D E R S L C S E T Z T M A S S S T Ä B E
SANFTER SPORTLER
mit Klassikergarantie
Der SLC stand immer ein wenig im Schatten der offenen SL, Baureihe R107. Dabei ist
das große Coupé ein komfortabler Klassiker, der gute Straßenlage mit hoher Leistung und viel Platz für fünf Personen kombiniert. AUTO CLASSIC zeigt, worauf Sie
achten sollten, wenn Sie sich für diesen „Grand Tourer“ interessieren.
V
on der 107er-Baureihe (Coupé
und Cabrio) sind noch 4.550
Exemplare mit H-Kennzeichen
zugelassen. Damit belegt er
den Rang vier der Oldtimer-Statistik. Das zeigt, wie beliebt diese Fahrzeuge bis heute sind.
Ist ja kein Wunder – das Design des Coupé mit langer, kraftvoller Motorhaube sowie
spannungsgeladenen Front- und Heckscheiben samt markanter C-Säule versetzte nicht
nur kleine Buben in Träume, sondern tut dies
bis heute selbst bei gestandenen Mannsbil-
100
dern. Dabei war der SLC eigentlich eine Notlösung, der auf Basis des bereits seit einem
Jahr angebotenen SL-Cabrios (R107) entstand, weil die neue S-Klasse, auf deren Plattform ein Coupé hätte entstehen können,
noch in weiter Ferne war und Mercedes unter anderem den CS-Coupés von BMW Paroli bieten wollte. Der SLC wurde auf dem Pariser Autosalon im Oktober 1971 mit dem
3,5-Liter-V8-Motor präsentiert. Vom SL unterscheidet das Coupé sich durch den 36
Zentimeter längeren Radstand und natürlich
den Dachaufbau mit der großen Heckschei-
be und den charakteristischen Lamellen hinter den voll versenkbaren Seitenscheiben.
Peter Senkmajer hat sich einen Traum erfüllt mit seinem 280 SLC, den er vor fünf Jahren gekauft hat: „Das Auto hat mir schon in
meiner Jugend gut gefallen.“ Aber es war ein
Traum, der zum damaligen Neupreis von
52.000 Mark unerreichbar war. Doch als sich
der Schriftführer des Oldtimerclub Augsburg mit der Anschaffung eines neuen
„Schätzchens“ beschäftigte, kristallierte sich
der 280 SLC klar heraus. „Ich bin kein Freund
des Offenfahrens – lieber ohne Wind, dafür
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Schon der 280 SLC bietet mit seinem Sechszylinder ausreichend
Leistung für flotte und dabei stilvolle Fortbewegung.
BILD OBEN: Der 2,8-Liter-Sechszylinder mit zwei oben liegenden Nockenwellen hat den Charakter eines Sportmotors.
mit Komfort und Klimaanlage“, so Senkmajer. Er legt gut 5.000 Kilometer pro Jahr mit
seinem Mercedes Coupé von 1975 zurück
und „will es noch lange fahren“. Deshalb hat
er die Höchstgeschwindigkeit von 200 Stundenkilometern bisher auch nur einmal ausprobiert: „Die erreicht er nicht nur theoretisch und liegt dabei
perfekt auf der Straße.“
Auch Walter Püschel
schwärmte immer für
den Mercedes SLC. Als
er 70 wurde, schenkte ihm sein Sohn Wolfgang einen 280 SLC: „Als Dank dafür, dass
er mein Studium bezahlt hat, und weil mein
Vater ein ganz wertvoller Mensch war.“ Zehn
Jahre lang fuhr Püschel senior das tolle Geschenk. Es blieb stets etwas Besonderes, wovon die gerade einmal knapp über 20.000 Kilometer auf dem Tacho des silbernen C 107
zeugen.
Vater Walter Püschel hat vor nunmehr elf
Jahren die letzte Ruhe gefunden. Doch sein
Sohn Wolfgang hält den SLC weiterhin in Ehren – und bringt das Mercedes Coupé regelmäßig in die Wartung zu Kfz-Meister Klaus
Sparhuber in Zusamaltheim (siehe Experten-Tipp). Wolfgang Püschel findet an dem
ehemaligen Geschenk für seinen Vater
durchaus Gefallen: „Es ist ein schönes Auto
für geplante Fahrten. Er hat in der mit Ver-
stand beheizten und belüfteten Garage seinen Platz wie die Nachbarskatze im Hof“, lächelt er mit Blick auf die charakteristischen
Chromkiemen an der C-Säule.
Am guten Erhaltungszustand der beiden
Coupés hat nicht nur das Oldtimer-Verständnis ihrer Besitzer Anteil, sondern auch
Baureihen W 108/109/111 war die ursprüngliche Motorisierung. Ab 1972 gab es
auch den M117 mit 4,5 und 5 Litern Hubraum, der für ordentliche 215 Kilometer pro
Stunde gut war.
Die erste Ölkrise sorgte dafür, dass 1974
der 280 SLC mit dem 2,8-Liter-M110 (aus
“
FOTOS: KARL KLOSTERMANN, JÖRN-M. MÜLLER-NEUHAUS, MERCEDES-BENZ CLASSIC
BILD RECHTS: Die V8-Motoren sind bei guter Pflege grundsätzlich sehr langlebig und bieten Leistung im Überfluss.
“
Auch bei der Höchstgeschwindigkeit von 200 Stundenkilometern liegt der 280 SLC perfekt auf der Straße
autoclassic.de 1 | 2011
das Traditionsbewusstsein der ganzen Marke, die mit einem eigenen Classic Center
den Bedürfnissen ihrer Klientel entgegenkommt. Ob Reparaturanleitung oder Originalersatzteile – das Angebot ist sehr breit
aufgestellt.
Sechs-Maschine oder Achtender?
Wer über den Kauf eines SLC nachdenkt,
kann die Frage, welche Motorisierung auch
heutigen Ansprüchen noch genügt, schlicht
mit „alle“ beantworten. Es ist eher eine Frage des Charakters (und des Benzinverbrauchs!), ob man den klassischen Reihensechser mit Doppelnockenwellenkopf und
2,8 Litern Hubraum bevorzugt oder die
grummelnden, beim Beschleunigen dezent
brüllenden Achtzylinder mit 3,5 bis 5 Litern
Hubraum. Der 3,5-Liter-V8 (M116) aus den
den Baureihen W114 und W116) nachgereicht wurde. Unterscheidungsmerkmal
sind zu dieser Zeit nur die schmaleren Reifen. Erst der 450 SLC besaß zusätzlich einen kleinen Frontspoiler am unteren Rand
der Bugschürze.
Höhere Anforderungen an die Abgasgrenzwerte führten Ende 1975, Anfang 1976
KURZINFO
• Das Mercedes Coupé C107 wurde neun
Jahre lang gebaut, der Roadster doppelt
so lange.
• Trotz solider Technik sollten Kaufinteressenten auf Rost und Ölspuren achten.
• Wegen der Motorsporterfolge wurden
auch private SLC gern „verspoilert“
• Es gibt zahlreiche Spezialisten und TeileQuellen für den C107
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Mercedes-Benz SLC, Baureihe C107
Familienschatz: Der 280 SLC, den Wolfgang Püschel seinem Vater vor vielen Jahren schenkte, hat gerade einmal 20.000
Kilometer Laufleistung.
Verschlussdeckels erkennbar), eine ölfeuchte Unterseite des Motors oder aber blaue Ölwolken aus dem Auspuff im Schiebebetrieb
(aufgrund verschlissener Ventilschaftdichtungen) deuten auf Probleme hin. Leichte
Undichtigkeiten am Ventildeckel sind lediglich störend, aber nicht problematisch und
“
sind jedoch keine SLC-spezifischen Schwächen, sondern Probleme, die bei jedem alten Motor auftreten können.
Obwohl nominell der schwächste, ist der
SLC 280 mit seinen 177–185 PS, vor allem in
Kombination mit dem Schaltgetriebe, ein
durchaus agiler Gesell – der Motor wird bei
höheren Drehzahlen richtig
sportlich – je nach Fahrweise
kommt er mit 10–15 Litern
Sprit aus.
Unter den V8-Motoren ist
der 350 SLC mit 195–200 PS kaum stärker
als der 280er, aber mit einem Verbrauch von
bis zu 22 Litern der durstigste aller SLC. Mit
einem Verbrauch zwischen 10 und 15 Litern
ist der 380 SLC ab Baujahr 1981 der sparsamste und die am kräftigsten wirkende Variante, auch im Vergleich mit dem bis zu 245
PS starken 500 SLC!
Bei einer Probefahrt sollte bei warmem
Motor der Zeiger der Öldruckanzeige bei allen Motorvarianten immer im obersten Ska-
“
zu einer Umstellung von der elektronisch
geregelten Bosch D-Jetronic-Einspritzung
auf die mechanische K-Jetronic. In diesem
Zuge wurden auch gleich die kontaktlose
Transistorzündung sowie der hydraulische
Ventilspielausgleich eingeführt – zur Verringerung des Wartungsbedarfs, auch wenn
dieser bei der überwiegenden
Mehrzahl der Interessenten sicher nicht zu den ausschlaggebenden Kaufgründen gehört hat.
Alles in allem sind die Mercedes-Triebwerke treue und langlebige Gesellen ohne konstruktive Schwächen, bei denen sich sogar eine Umrüstung auf
geregelten Katalysator (Paul Wurm,
www.wurmkat.de, Tel.: 0711/420 071) rentiert, falls noch nicht erfolgt. Denn bleifrei
vertragen sie alle, sofern dem Ventilspiel (bei
Modellen ohne automatischen Ausgleich)
genügend Beachtung geschenkt wird – am
besten alle 10.000 Kilometer. Nur Ölschlamm am Ventildeckel (nach Öffnen des
Der 280 SLC mit Handschaltung
ist ein sehr sportliches Auto.
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preiswert zu beheben. Teuer und aufwendiger wird es, wenn zwischen Zylinderkopf
und Motorblock Undichtigkeiten wie Öloder Wasserflecken zu sehen sind. Das
könnte auf defekte Zylinderkopfdichtungen
mit entsprechend hohen Reparaturfolgekosten hinweisen. Ebenfalls teuer kann es bei
Ölspuren am vorderen Steuerkettendeckel
werden – falls der Wellendichtring der Kurbelwelle verschlissen ist, steht eine teure
und aufwendige Reparatur an. Dies alles
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Chrom satt: von innen verstellbare Außenspiegel
lenbereich sein, lediglich im Leerlauf darf er
auf 1,5 Bar oder wenig darunter abfallen; die
Wassertemperatur sollte sich bei etwa 80
Grad einpendeln.
Getriebe, meist automatisch
Anfällig für Steinschlag: Die Frontschürze unterhalb der
chromblitzenden Frontpartie ist oft vergammelt.
Drucksache: Die Sitzlehnen
verriegeln mit Unterdruck.
Stilelement: Die Jalousien
gibt es so nur beim SLC.
Aufgeräumt: große Türablagen für viele Kleinigkeiten.
Licht: große Heckscheibe
für gute Rundumsicht.
Der 280 SLC war mit Vier- oder FünfgangSchaltgetriebe sowie einem Dreigang-Automatikgetriebe erhältlich, der 350 SLC wurde mit einem Vierganggetriebe oder
Automatik angeboten. Für die größeren V8Modelle gab es nur Automatik, die Modelle
mit 4,5- und 5-Liter-V8 hatten das DreigangWandlergetriebe und der 380 SLC ein automatisches Getriebe mit vier Gangstufen.
Alle Schaltboxen sind grundsätzlich problemlos und der vorhandenen Leistung gewachsen.
Das manuelle Getriebe sollte in allen Gängen geräuschlos und ohne Kratzen schalten,
beim Automatikgetriebe sollte nach Erreichen der Betriebstemperatur der Gang beim
Anfahren spürbar und geräuschfrei einrasten, beim Kickdown ohne große Verzögerung herunterschalten, und das Hinaufschalten sollte weich und ruckfrei erfolgen.
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Typ
280 SLC (C107 E28) 350 SLC (C107 E35)
Motor
Hubraum (ccm)
Leistung (PS)
6 Zylinder in Reihe, DOHC
2.746
185 (ab 2/1976: 177;
ab 4/1978: 185)
6.000
(ab 4/1978: 5.800)
239
(ab 2/1976: 233;
ab 4/1978: 240)
4.500
bei U/min
Drehmoment (Nm)
bei U/min
V8, OHC
3.499
200
(ab 2/1976: 195)
5.800
(ab 2/1976: 5.500)
286
(ab 2/1976: 275)
4.000
380 SLC (C107 E38)
450 SLC (C107 E 45)
450 SLC 5.0/500 SLC (C107 E 50)
3.818
218
4.520
225
(ab 11/1975: 217)
5.000
5.025/4.973
240
299
378
(ab 11/1975: 360)
402
4.000
3.000
(ab 11/1975: 3250)
Einspritzung
Bosch D-Jetronic*)
Dreigang-Automatik
3.200
5.500
Gemischaufbereitung Saugrohreinspritzung
Einspritzung
Bosch D-Jetronic (ab 2/1976 K-Jetronic)
Bosch K-Jetronic
Getriebe
Viergang/Fünfgang/
Viergang/
Viergang-Automatik
Viergang-Automatik
Dreigang-Automatik
Antrieb
Heckantrieb
Fahrwerk vorne
Doppel-Querlenker
Fahrwerk hinten
Diagonal-Pendelachse (ab 9/1972 optional mit hydropneumatischer
Niveauregulierung)
Felgen (v/h)
Reifen (v/h)
6 1/2J x 14 H2
6 1/2J x 14 H2
6 1/2J x 14 H2
185 HR 14
205/70 VR 14
205/70 VR 14
(ab 3/1980: 195/70 HR 14 89H)
Bremsen (v/h)
Scheiben/Scheiben
0-100 km/h (s)
10,1/10,1/11
9,0 (ab 2/1976: 9,5)
9
9,5 (ab 2/1976: 10,1)
Vmax (km/h)
205/205/200
210 (ab 2/1976: 205)/205 (ab 2/1976: 200)
Radstand (mm)
2.820
L x B x H (mm)
4.750 x 1.790 x 1.330
Leergewicht (kg)
1.550
1.590
1.560
zul. Gesamtgewicht (kg) 2.040
2.080
2.050
Tankinhalt (l)
90
Verbrauch (l/100 km) 12,5
13
11,1/13,6/19
(EWG-Drittelmix)
Bauzeit
8/1974–9/1981
2/1972–3/1980
5/1980–9/1981
Stückzahl
10.666
13.925
3.789
Neupreis (ab DM)
37.218
35.631
57.743
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5.000
Einspritzung
(Bosch K-Jetronic)
Dreigang-Automatik/
Viergang-Automatik
Koppelachse (Diagonal-Pendelachse mit Anfahrmoment- und
Bremsnickabstützung); optional mit hydropneumatischer
Niveauregulierung)
6 1/2J x 14 H2
6 1/2J x 14 H2
205/70 VR 14
205/70 VR 14
8,8
(ab 11/1975: 9,3)
215 (ab 11/1975: 210)
2815
8,5/7,8
1.630
2.120
1.515
2.005
14,5
14,5/10,9–13,2–20,7
(EWG-Drittelmix)
5/1978–3/1980, 3/1980–9/1981
2.769
62.272/67.122
7/1972–10/1980
31.739
41.014
225
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K AU F B E R AT U N G
Mercedes-Benz SLC, Baureihe C107
Peter Senkmajer nutzt seinen SLC seit fünf Jahren gelegentlich auch im Alltag.
Wenn es beim Prüfen des Ölstandes im Automatikgetriebe verbrannt riecht, kann das
auf verschlissene Bremsbänder hinweisen
und eine teure Reparatur nach sich ziehen.
E R S AT Z T E I L P R E I S E ( I N E U R O )
AM BEISPIEL DES MERCEDES 280 SLC
Stoßdämpfer Hinterachse
299,00
Lenkungsdämpfer
39,00
Bremsbackensatz für die Feststellbremse
34,90
Bremsbeläge Hinterachse
22,90
Bremsscheiben hinten
69,00
Motorlager
299,00
Verteilerkappe
69,00
Zündkabelsatz
219,00
Luftfilter
25,00
AM BEISPIEL DES MERCEDES 450 SLC
Bremssattel Vorderachse
252,98
Dichtungssatz Bremssattel vorn
36,99
Hauptbremszylinder
87,98
Scheibenbremsbeläge vorn
17,98
Bremsscheibe vorn
33,97
Bremsbackensatz für Feststellbremse
18,98
Hauptscheinwerfer
402,98
Kraftstofffilter
17,98
Kraftstoffpumpe (bis 11/1975)
105,98
Wasserpumpe
73,98
Zündspule
72,98
280 SCL-Teile:
D.T.L, Provinzialstaße 77, 44388 Dortmund
Tel.: (0231) 969 871 84, www.107shop.de
450 SLC-Teile:
E & S, Rhinstraße 49, 10315 Berlin
Tel.: (030) 856 129 70, www.pkwteile.de
104
Das ist einer von vielen Tipps, die der 107SL-Club auf seiner außerordentlich hilfreichen Webseite (www.107sl-club.de) parat
hält. Dort steht außerdem der Hinweis, dass
harte Schaltübergänge auch ein Hinweis auf
defekte Gelenkwellen sein können.
Antriebsstrang (Kardanwellengelenke und
-lager) liegen. Ein kleiner Schwachpunkt ist
die Lenkung. Sie hat auch dann spürbar
Spiel, wenn alles in Ordnung ist. Sie kann
zwar nachgestellt werden, aber das wird von
den Fachleuten eher kritisch gesehen und
normalerweise nicht empfohlen.
Fahrwerk: aufwendig und solide
Das aufwendige Fahrwerk mit Doppelquerlenkern an der Vorderachse und Diagonalpendelachse sorgt mit Teleskopdämpfern,
Torsionsstabilisatoren sowie Bremsnickabstützung vorne und hinten für ein makelloses, komfortables und sicheres Fahrverhalten. Ist das bei der Probefahrt nicht der
Fall, sind mit großer Wahrscheinlichkeit
Fahrwerksteile wie Gummilager und Silentblöcke ausgeschlagen. Ersatz ist ausreichend vorhanden, und die Preise dafür sind
erfreulich günstig.
Das Zweikreis-Bremssystem mit vier
Scheibenbremsen sorgt für ausgezeichnete
Verzögerungswerte. Bei der Probefahrt sollten die Bremsen gleichmäßig ziehen und die
Fuhre ohne Rupfen zum Stehen bringen.
Scheibenbremsen, Bremszylinder und Beläge sind zu moderaten Preisen verfügbar
und damit kein großes Problem.
Sind bei der Probefahrt Geräusche aus
dem Antriebsstrang, etwa ein hartes Klakken, zu hören, kann dies an ausgeschlagenen oder verschlissenen Gelenkscheiben im
Die üblichen Rostprobleme
Auch wenn es manchen despektierlich erscheint: sogar ein SLC kann rosten! Und Reparaturen am Blech können bei diesem
Oberklassefahrzeug schnell auch größere
Budgets sprengen.
Beginnen wir die Inspektion mit einem
gemütlichen Rundgang um das Auto, die
Spaltmasse sollten gleichmäßig sein und
keine großen Unterschiede aufweisen. Sitzen Motor- und Kofferraumhaube und die
Türen gleichmäßig in ihren Positionen? Ein
prüfender Blick entlang der Zierleisten zeigt,
ob das Blech der Türen und Kotflügel wellig
ist, was auf Vorschäden hindeuten kann.
Auch unter einem glatten Lack kann sich im
Übrigen Spachtel verbergen, dies stellt man
am einfachsten mit einem Magneten fest.
Hält der nicht, ist darunter kein Blech oder
zwischen Lack und Blech zu viel Spachtel.
Zur Schonung des Lacks legt der Liebhaber
aber ein dünnes Blatt Papier zwischen Magnet und Lack. Am Vorderwagen sollten die
Radläufe sowie die Lampentöpfe auf Rost
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T Y P I S C H E S C H WAC H S T E L L E N
DER MERCEDES C107 IM RÖNTGENBLICK
Elegant: trotz ihrer Größe wirkt die Karosse leicht und luftig.
5
2
4
9
3
1
6
8
7
Die optionalen Barockfelgen
stehen dem SLC hervorragend.
Alle SLC hatten die Nebellampen unter der Stoßstange.
Schönling: der Sechszylinder
ist auch optisch ein Gedicht.
2
Gediegen: Das Interieur ist mercedes-typisch solide und nobel.
Die Velourspolster haben
keine ewige
Haltbarkeit
und sind
deshalb oft
beschädigt.
1
Ab und an haben die standfesten Sechszylinder Probleme mit dem Ventiltrieb, vor
allem den Ventilschaftdichtungen.
3
4
Die Kontakte für die D-Jetronic unter dem
Zündverteiler nutzen sich ab oder verölen.
Die Kotflügel zeigen über den Lampentöpfen ab und an Korrosion.
Bedienkomfort: alle Schalter
sind ergonomisch konzipiert.
CHECKLISTE
D A R A U F S O L LT E N S I E V O R D E M K A U F A C H T E N
• Viele Exemplare wurden mit Sportlenkrädern, verchromten Radlaufblenden, überbreiten Rädern und Spoilern verbastelt. Da
kann dann die Substanz ganz schön angegriffen sein.
• Am großen Serienlenkrad kann sich Spiel bemerkbar machen, das
sich meist nur durch Tausch des Lenkgetriebes beheben lässt.
• Ebenso zeigen die Gelenke der Vorderachse gern erhöhtes Spiel,
etwa an den Traggelenken. Das ist ein bekanntes Thema.
• Wenn vom Motor Öl tropft, ist Vorsicht geboten. Meist lässt sich
die genaue Ursache (und damit die Kalkulation der Reparaturkosten) nur auf einer Hebebühne ermitteln.
• Deutliche Schaltrucke deuten bei Automatikgetrieben auf fortgeschrittenen Verschleiß hin.
• Ob Stehbleche oder Spritzwand zum Innenraum – unter der Motorhaube können sehr wohl Durchrostungen auftreten – ebenso
im Heckbereich an C-Säule und Scheibenrahmen.
• Obwohl die Karosserie im Grunde sehr solide gebaut ist, macht
sich in den Hohlräumen gerne Korrosion breit. Auch kann Wasser durch Roststellen in den Kofferraum eindringen.
• Ob Stehbleche oder Spritzwand zum Innenraum – unter der Motorhaube können sehr wohl Durchrostungen auftreten – ebenso
im Heckbereich an C-Säule und Scheibenrahmen.
• Bei den Achtzylindermotoren werden die Stecker auf den Zündkerzen oft von hohen Temperaturen gequält, was zu entsprechenden Folgeerscheinungen wie unsauberem Motorlauf oder
gar Zündaussetzern führen kann.
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✔
✔
✔
5
6
Auch der Rahmen der Heckscheibe kann
sich der braunen Pest nicht immer erwehren, eine Reparatur ist sehr aufwendig.
Das Schottblech im Motorraum fällt
nicht selten dem Rost anheim. Zum
Schweißen muss der Motor raus.
7
Natürlich sind auch Radläufe und Karosseriespitzen prinzipiell vom Verfall bedroht, ein Magnet zeigt Schwächen auf.
8
Der Kraftstofffilter rechts an der Hinterachse zeigt sich manchmal als Störenfried, wobei der Motor ruckelt.
✔
✔
✔
✔
✔
NICHT VERGESSEN:
✔
9
Nur regelmäßige Ölwechsel sichern
eine lange Haltbarkeit der Triebwerke.
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K AU F B E R AT U N G
Mercedes-Benz SLC, Baureihe C107
Zeitgeist: Auch Mercedes konnte sich in den
70er- und 80er-Jahren dem modischen Trend
nicht entziehen, wie dieses Werbefoto aus
den Archiven von Mercedes-Benz beweist.
DER BESITZER
Peter Senkmajer
„Ich bin kein Freund des Offenfahrens, lieber ohne
Wind, aber mit Klimaanlage: Der SLC hat mir
schon in meiner Jugend gut gefallen, vor fünf Jahren habe ich mir diesen Traum erfüllt.“
106
und Spachtel überprüft werden, auch an den
Schottblechen im Spritzbereich der Vorderräder kann der Rost nagen.
Weiter geht es mit den Türen – hier besonders den Unterkanten – und den Schwellern.
Ist es hier gammelig, steht eine richtig teure Blech-OP an. Weitere Prüfpunkte sind die
Wagenheberaufnahmen und die Übergänge
von den Schwellern zum Unterboden – ein
Magnet hilft auch hier, den oftmals durch
Unterbodenschutz und Straßendreck kaschierten Gilb zu enttarnen. Die Stabilität
der Gesamtstruktur lässt sich leicht überprüfen: heben Sie den Wagen mit dem Serienwagenheber an den Wagenheberaufnahmen am Unterboden ein wenig an. Wenn
dann entweder der Besitzer oder aber das
Chassis selbst schmerzlich ächzen, hat man
es mit einem morschen Fundament zu tun
und sollte die Besichtigung klugerweise jetzt
abbrechen.
Am Heck gelten sorgfältige Blicke und
eine eingehende Prüfung ebenfalls den Radläufen, den Innenkotflügeln sowie den Übergängen zum Unterboden. Hinten angekommen, endet die Inspektion mit der Überprüfung des Abschlussblechs im Bereich der
Stoßstange – hier nistet der Rost sich gerne
ein. Ist von außen alles in Ordnung, kann
sich das Bild leider noch ändern, nachdem
die Fußmatten im Innenraum und die Kofferraumteppiche angehoben wurden – ist
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EXPERTEN-TIPP
KLAUS SPARHUBER, Kfz-Meister-Betrieb
Ruckeln wegen Filter
Sicherheitszelle: Beim SLC wurde während der Entwicklung darauf geachtet, dass er die
damals neuesten Sicherheitsanforderungen problemlos erfüllt.
es darunter feucht geworden, ist Rost hier
wahrscheinlich und nur aufwendig zu beheben. Auch die Zierleisten verdienen einen
genauen Blick, denn rund um ihre Befestigungsbohrungen bilden sich gern Rostherde – ebenso wie rund um die Wasserablaufschläuche des Schiebedachs.
Ein feuchter Teppich im Kofferraum kann
auf Wassereintritt über die Heckleuchten
oder die Dichtung des Kofferraumdeckels
hinweisen. Manchmal schleicht sich die nasse Pracht auch über die Reserveradwanne
oder einen falsch verschraubten Spoiler der
Fünf-Liter-Version (wurde gern nachgerüstet) hinein. Besser dran sind Coupés mit den
ab Modelljahr 1985 serienmäßigen vorderen Kunststoff-Innenkotflügeln, die Nässe
und Schmutz abhalten. Sie nachzurüsten,
sollte Pflicht sein nach einer ordentlichen
Restaurierung.
Innenausstattung, Elektrik
Ist an der Rostfront alles klar, geht`s an die
inneren Werte, die vorzugsweise original
und komplett sein sollten. Durchgesessene
Sitze kann ein guter Sattler retten. Am Armaturenbrett glänzte bis 1981 Zebranoholz,
das ohne Risse und andere Beschädigungen
sein sollte, Ersatz ist teuer und aufwendig
zu montieren.
Viele Ausstattungsdetails waren seinerzeit bei Weitem noch nicht selbstverständlich. So gehörten Kopfstützen und Sicherheitsgurte zum Serienumfang, außerdem
vom Armaturenbrett aus höhenverstellbare Scheinwerfer, eine (umstrittene) Verbrauchsanzeige, eine Anzeige für Bremsbelagverschleiß und ein Warnsummer für nicht
ausgeschaltetes Licht ebenso wie der elektrisch angetriebene Tachometer. Der Lichtschalter sowie der Kombischalter links vom
Lenkrad waren für viele weitere MercedesGenerationen prägend.
Die Radios stammten serienmäßig immer
von Becker, und ab Werk waren die Lautsprecher immer im Armaturenbrett und NIE in
den Türen oder der hinteren Ablage! Nehmen Sie Platz hinter dem Lenkrad. Bei eingeautoclassic.de 1 | 2011
„Wenn der Motor in einem
Mercedes SLC nicht ordentlich läuft, schaut der Insider
gleich nach dem Kraftstofffilter. Der sitzt versteckt
rechts oben über der Hinterachse und ist oft für Ruckeln
oder Leistungsmangel verantwortlich. Mit einem neuen
ist das Problem dann häufig schon behoben.“
schalteter Zündung sollten alle Schalter und
elektrischen Verbraucher funktionieren.
Leuchten die Scheinwerfer sowie das Bremslicht, brennt die Innenbeleuchtung, gehen
Hupe, Lüfter und Scheibenwischer? Wenn
nicht, kann das eine defekte Birne sein oder
eine durchgebrannte Sicherung. Ist das der
Fall, kann im Kabelbaum oder in einem Verbraucher ein Kurzschluss sein und die neue
Sicherung schmort sofort wieder durch.
Ein spezieller Fall sind die Arretierungen
der Rückenlehnen der Vordersitze, die wie
schon beim 280 SE 3,5 Coupé bei laufendem Motor per Unterdruck arretiert werden. Ist der Motor ausgeschaltet, lassen sich
die Lehnen immer nach vorne kippen zum
Einsteigen.
E R S AT Z T E I L E
Ersatzteilversorgung: problemlos
http://107-klassik.de
Sehr sorgfältig aufgebaute Seite; teilweise nur
für Mitglieder zugänglich (für die es sich dann
aber richtig lohnt)
www.sternzeit-107.de
Mercedes-Benz Typ 107
Interessengemeinschaft mit ausführlichen technischen Übersichten
www.107sl-freunde.de
Forum mit Tipps zu Technik und Pflege, Auktionen, Galerien, Chat etc.
www.107er-freun.de
Informationen rund um den Mercedes R/C 107
www.mercedes-benz-classic.com
Die offizielle Seite des Herstellers,
schwäbisch – gründlich – sachlich
Dank des Engagements von Mercedes-Benz
mit dem eigenen Classic Center kann die
Versorgung mit Ersatz- und Verschleißteilen als sehr gut bezeichnet werden. Die
Preissituation ist unterschiedlich: Verschleißteile sind durchaus günstig, Ersatz
bei Blech, Chrom und Mechanik hingegen
liegt auf Mercedes-typisch hohem Niveau.
Da besonders beim Antriebsstrang viele Teile mit anderen Mercedes-Baureihen identisch sind, ist auch das Angebot an Gebrauchtteilen unkritisch und gut.
Wer mit dem teilweise hohen Benzinverbrauch der Achtzylinder leben kann und
ein gutes Exemplar findet, erhält mit dem
SLC einen zuverlässigen und wertstabilen
Klassiker der Oberklasse, der viel Spaß bereiten kann und zudem momentan noch
ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
besitzt. Aber Vorsicht: preiswerter werden
diese prachtvollen Familiencoupés sicher
nicht mehr!
➔ Karl Klostermann/J.-M. Müller-Neuhaus
Dank an Maria Feifel, Uwe Gößwein, Michael Jung, Silvie Kiefer, Wolfgang Rabus
(alle Daimler AG), Isabell Engelhardt, Peter Senkmajer, Wolfgang Püschel, Christoph Schupp und Peter Senkmajer.
Mercedes-Benz Ersatzteilportal
http://et.mercedes-benz-clubs.com
SLS Industriestraße 2-4, 22885 Barsbüttel
Tel.: (040) 656 939-0, www.sls-hh-shop.de
Heinrich E. Niemöller
Markircher Straße 6, 68229 Mannheim
(0621) 472046, www.niemoeller.de
CLUBS
Mercedes-Benz R/C 107 SL-Club
Deutschland e. V.
Kriegerheimstraße 40, 42115 Wuppertal
Tel.: (0202) 695 44 88, [email protected]
www.107sl-club.de
Weitere Clubs unter:
www.mercedes-benz-clubs.com
WEBLINKS
L I T E R AT U R
Mercedes-Benz R/C107 Schrader-Typen-Chronik, Halwart Schrader und Ulrich Knaack; Motorbuch Verlag, 9,95 Euro
Faszination SL - R/C107, 1971–1989, von
Günter Engelen; Motorbuch Verlag, 14,95 Euro
Praxisratgeber Klaussikerkauf Mercedes-Benz
280–560 SL & SLC (R/C107), von Chriss Brass
und Walther Wuttke, Heel Verlag, 9,95 Euro
Werkstatthandbuch W107 auf CD-ROM, MBClassic-Center Nr. 6516560400, 99,20 Euro
Wartungshandbuch PKW Band 1, Typen ab
1/1968, MB-Classic-Center Nr. 6510141300,
72,00 Euro
Service- und Teileinformationen SL/SLC-Klasse R/C107 (DVD), MB-Classic-Center Nr.
6516562250, 129,00 Euro
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