Folie statt Netz - agro

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Folie statt Netz - agro
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Spezial: Silage
Lohnunternehmen 8 | 2013
LU Schönholzer
Folie statt Netz
Mähen, Schwaden, Pressen – das sind die Bereiche in denen sich
Lohnunternehmer Jürg Schönholzer auskennt. Im idyllischen
Sulgen, auf einer Hochebene nicht weit vom Bodensee, inmitten
von Tafelobst, grünen Wiesen und Gruppen Schweizer Braunviehs
betreibt er auf dem Rosenhof neben der Landwirtschaft ein Lohnunternehmen, das auf die Grünfutterernte spezialisiert ist. Hierbei
setzt er auf nicht ganz alltägliche Technik und nennt einen Claas
Cougar sowie eine Rundballenpresse mit der Besonderheit
der Folienbindung sein Eigen.
„Die Qualität ist einfach besser. An der
entscheidenden Stelle – in der Schweiz werden die Ballen oft auf der langen Seite liegend
gestapelt - ist der Ballen quasi mit einer Lage
mehr gewickelt, was natürlich Einfluss auf die
Qualität hat. Außerdem hat der Ballen durch
die Folienbindung eine bessere Form“, erzählt
Jürg Schönholzer. Der Lohnunternehmer spricht
von seiner Claas Rundballenpresse Rollant 455
mit sogenannter Folienbindung, die er seit
2012 im Einsatz hat. Die vom Schweizer Händler Serco umgebaute Presse bindet den Ballen
anstelle eines Netzes mit Folie. „Die Folie wird
vorgestreckt und
liegt fester am
Ballen. Alleine
dadurch wird
schon eine
bessere Abdichtung
des Ballens
erreicht“,
erklärt Manuel Frei, Gebietsverkaufsleiter Claas
Lohnunternehmer
Jürg Schönholzer
beim Schweizer Landtechnikhändler Serco, und
Jürg Schönholzer fügt hinzu: „Ich habe zunächst
nicht geglaubt, dass dies einen so großen Einfluss auf die Silagequalität hat, die Futteranalysen haben mir aber das Gegenteil bewiesen.“
Qualität überzeugt
Der Lohnunternehmer, der selbst als zweites
Standbein 60 HF-Milchkühe melkt, testete den
Unterschied anhand einer eigenen 10 ha großen
Grünlandparzelle. Konsequent wurde im Wechsel ein Schwad mit Folienbindung gepresst und
eines mit herkömmlicher Netzbindung. Heraus
kam, dass die mit Folien gebundenen Rundballen beim NEL Wert 0,5 % über den herkömmlich
gebundenen Ballen lagen, die Werte für APD und
APDN-Wert lagen 35 g bzw. 20 g höher als die
Referenzballen. „Wenn wir solch eine Verbesserung in der Futterqualität erzielen können, dann
ist der Aufpreis für die Ausrüstung der Presse
mit der Folienbindung plus Folie schnell wett
gemacht“, ist Jürg Schönholzer überzeugt. Für
seine Kunden bedeutet dies ein Mehrpreis von
2 Schweizer Franken pro Ballen im Gegensatz zu
einem herkömmlich gebundenen Ballen. Überzeugt von der Technik, entschied er sich im Jahr
2012, nur noch mit Folie zu binden und konnte
dadurch die im Lohn gepressten Silageballen
so gut wie verdoppeln. Die Nachfrage nach dieser Technik sei in der Schweiz sehr groß. Rund
3.500 Ballen Silage wickelt er mittlerweile pro
Jahr – Tendenz steigend. „Noch schaffen wir das
mit einer Presse, ab 4.500 Ballen müssten wir
über eine zweite nachdenken“, blickt er voraus.
Folie nicht gleich Folie
„Hier in der Schweiz wird die Silage oft auch
achtlagig gewickelt. Nutze ich nun die Folienbindung kann wieder auf sechs Folienlagen zurückgegangen werden, denn drei Lagen macht
schon die Folienbindung aus. Ich bin sogar der
Meinung, dass wir bei der Folienbindung mit
sechs Lagen eine bessere Silagequalität erreichen, als bei Netzbindung mit acht Lagen Folie.
Denn die extra Lage Folie liegt an der Stelle, wo
sie benötigt wird – an der Längsseite des Ballens. Den Aufpreis für die Folienbindung kann
der Landwirt mit den reduzierten Wickellagen
wieder kompensieren, denn Folienbindung und
6-lagiges Wickeln wird zum gleichen Preis angeboten wie Netzbindung und 8-lagiges Wickeln“,
erläutert Manuel Frei. „Die Idee der Folienbindung kommt eigentlich von den Mais-Rundballenpressen. Ich habe immer gedacht, dass
man die Folie auch auf den Silageballen bringen
muss. Wir haben dann hausintern für die Saison
2011 zum ersten Mal eine Presse mit Folienbindung ausgestattet und das Ganze bei dem Lohnunternehmer Pirmin Giger aus Berschis, einem
sehr innovativen Kunden, getestet.“
Spezial: Silage
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Lohnunternehmen 8 | 2013
LU Jürg Schönholzer:
„Die Futteranalysen zeigen den
positiven Einfluss auf die Silagequalität.“
Mittlerweile sind insgesamt acht Pressen
mit Folienbindung bei Schweizer Lohnunternehmern und Landwirten im Einsatz. Die
Rundballenpressen werden mit herkömmlicher Netzbindung in die Schweiz geliefert
und bei Serco umgerüstet. Der Umbau dauert ca. 14 Tage. Zur Zeit werden bei Serco nur
Rollant 455 RC/Uniwrap umgerüstet, grundsätzlich sei aber die Umrüstung aller Rollant
Pressen möglich, erklärt Manuel Frei, der vom
Potential der Folienbindung auch außerhalb
der Schweiz überzeugt ist.
Die Folie, mit der der Ballen gebunden
wird, unterscheidet sich in ihrer Beschaffenheit von der normalen Wickelfolie, erklärt Manuel Frei: „Sie ist zum einen 1,27 m breit und
enthält zum anderen weniger Klebstoff. Die
Qualitätsschwankungen bei der Folie machen
uns die größten Sorgen. Im Moment arbeiten
wir mit Agri Bale als Folien-Lieferanten, das
funktioniert sehr gut. Es gibt aber auch einen
Neueinsteiger für die Mantelfolie, mit dessen
Produkt es nicht funktioniert, der aber mit
Dumpingpreisen auf den Markt drückt.“
Mit dem Cougar fing es an
Als Lohnunternehmer ist Jürg Schönholzer allein auf die Grünfutterernte spezialisiert:
Mähen, Schwaden, Pressen. Wünscht ein
Kunde Häckselsilage, arbeitet er mit einem
anderen Lohnunternehmer zusammen, der
den Häcksler stellt. Ähnlich sieht es beim
Kurzschnittladewagen aus – hier greift er auf
die Technik eines Kunden zurück. Die komplette Grünfutterkette, vom Mähen über das
Wenden und Schwaden bis hin zum Pressen,
führt er lediglich bei drei Großbetrieben aus:
„Die Schweizer Landwirte sind in der Regel
gut eigenmechanisiert – eher sogar übermechanisiert. Das ist auch die Herausforderung
für Schweizer Lohnunternehmer. Jeder Bauer
hat irgendwo noch ein Mähwerk, einen Wender, Heuwagen usw. in der Scheune stehen.“
Aller Anfang des Lohnunternehmens liegt
in der Dienstleistung Mähen und kann speziell
an einer Maschine ausgemacht werden: dem
Claas Cougar. „Eigentlich ist die Entstehung
des Lohnunternehmens Zufall, bzw. beruht auf einer etwas verrückten Idee
von mir. Als ich mit der Schule fertig
war, habe ich der Firma Claas in
einem Brief geschrieben, dass der
Cougar doch für die Schweiz eine
Manuel Frei ist Gebietsverkaufsleiter Ostschweiz für den
Landtechnikhändler
Serco. Er hat die
Entwicklung der
Folienbindung
von Anfang an
mit betreut.
schöne Sache sei und ob sie mir nicht einen zur
Verfügung stellen würden. Das war natürlich
nicht so einfach wie gedacht. Schlussendlich
wurden wir uns beim Preis nicht einig und ich
beerdigte diesen Traum für mich“, erzählt der
gelernte Meisterlandwirt (entspricht dem
deutschen Landwirtschaftsmeister), der vor
fünf Jahren mit seinem Vater eine sogenannte Generationengemeinschaft gegründet hat
und führt fort: „Zu jener Zeit haben wir unser
Geld mit 10 ha Tafelobst und 30 Milchkühen
verdient.“ Da die finanziellen Bedingungen
bei der Tafelobsternte aber zunehmend
schlechter wurden, entschieden sich Vater
und Sohn, diesen Betriebszweig zu reduzieren
und stattdessen in einen neuen Boxenlaufstall
für Milchvieh zu investieren und diesen Betriebszweig so auszubauen. In diesem Zuge
sollte 2011 ein schlagkräftiges Mähwerk angeschafft werden und die „Cougar-Idee“ kam
wieder auf den Tisch. „Dieses Mal klappte es
und ich konnte die Maschine für ein Jahr zu
guten Konditionen nutzen.“
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Das Orig
Die ‚heilige Kuh‘: Grünland
Das erste Jahr mit dem Selbstfahrmäher
verlief für Jürg Schönholzer erfolgreich und
brachte ihm von Null an Aufträge auf insgesamt 600 ha Grünland. „Da konnte ich die
Maschine doch nicht mehr gehen lassen und
somit war das Lohnunternehmen geboren“,
sagt Jürg Schönholzer mit einem Augenzwinkern. Die Nachfrage nach der Dienstleistung
Mähen sei seitdem weiter gestiegen. 2012
mähte der Lohnunternehmer bereits 1.000 ha
Fläche mit seiner Maschine – für Schweizer
Verhältnisse ein durchaus vorzeigbares Ergebnis. Für 2013 geht er allerdings erst einmal
nicht von einer weiteren Flächensteigerung
aus, da die Erntebedingungen für Grünfutter
im ersten Schnitt ähnlich schlecht gewesen
seien wie in Deutschland: „Zum Teil fallen hier
der erste und der zweite Schnitt zusammen.“
Der Cougar hat eine Arbeitsbreite von
14 m und dies sei auch eines der Argumente
für diese Selbstfahrtechnik, so der Lohnunternehmer: „Er ist enorm schlagkräftig – wir
schaffen 150 ha am Tag – und sehr wendig.
Mit einem Schmetterlingsmähwerk bekommt
man auf den hiesigen Flächen hier schnell
ein Problem“. Durch das umständliche Wenden gäbe es bei Schmetterlingsmähwerken
viel eher Grasnarbenschäden und Futterverschmutzungen. Weiterer Vorteil seines
Mähers sei die Geländegängigkeit.
4-Rad-Lenkung, die großvolumige Bereifung und Gewichtsverteilung würden bewirken,
dass die Maschine selbst durch
Wasserlöcher fahren könnte,
durch die kein Schlepper hinterher kommen würde.
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1 Durch die Folienbindung bekommen die Ballen
eine gleichmäßig feste Form, auch wenn das
Siliergut noch recht feucht ist. „Zum Teil liegt
das Siliergut bei uns keine 24 h. Das geht hier
in der Schweiz aufgrund der hohen Sonneneinstrahlung“, berichtet LU Jürg Schönholzer.
2 Die Umrüstung der Claas Rundballenpressen
auf Folienbindung findet bei der Schweizer
Firma Serco statt, die dabei auf die Folienbindung der Maispresse LT-Master von Göweil
zurückgreifen, die auch von ihnen entwickelt
wurde.
3 Lohnunternehmer und Landwirt Jürg Schönholzer lagert seine Ballen auf der Seite liegend.
Auch hier ist die Folienbindung aus seiner Sicht
von Vorteil, da sie den Ballen dort stärkt, wo er
bei der Lagerung am meisten beansprucht wird.
4 Der Einstieg in das Lohnunternehmergeschäft
kam für Jürg Schönholzer mit der Anschaffung
des Selbstfahrers Claas Cougar, mit dem er
mittlerweile an die 1.000 ha Grünland pro
Jahr mäht.
„Das Grünland ist in der Schweiz eine
‚heilige Kuh‘, und viele Landwirte sind sehr
empfindlich“, erklärt Jürg Schönholzer und
dementsprechend hätte es zunächst auch
viel Überzeugungsarbeit bei den Landwirten gekostet. Hätten die Kunden allerdings
einmal erkannt, wie boden- und futterschonend sein Selbstfahrer arbeitet, würden sie
kein anderes Gefährt mehr auf ihren Flächen
haben wollen.
Seine Kundschaft liegt in einem Umkreis
von bis zu 45 km und ist bunt gemischt – vom
kleinen Nebenerwerbsbetrieb bis zum profes-
sionellen Milchviehhalter. Im Durchschnitt bewirtschaften Schweizer Landwirte 20 ha Land.
„Unsere größten Kunden haben 60 ha Land,
aber das ist hier schon eine Ausnahme“, so Jürg
Schönholzer. Das Lohnunternehmen wird mittlerweile als komplett eigenständiges Unternehmen getrennt von der Landwirtschaft geführt
und dies sei gut so: „Ich halte nichts davon,
dass das Lohnunternehmen die Landwirtschaft
subventioniert oder anders herum. Beides muss
für sich wirtschaftlich sein“.
Mirja Plischke,
Redaktion Lohnunternehmen
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