Elternabend zum Thema „Sinn“-volles Lernen Gehirngerechtes

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Elternabend zum Thema „Sinn“-volles Lernen Gehirngerechtes
Elternabend zum Thema
„Sinn“-volles Lernen
Gehirngerechtes Lernen mit Spaß
Referentin:
1.
Marion Seidl, Dipl. Sozialpädagogin, Erwachsenenbildnerin
[email protected]
Was ist Lernen?
Jeder vollständige Lernprozess umfasst drei Phasen:
a)
b)
c)
Wir nehmen Informationen über unsere Sinnesorgane auf.
Wir verarbeiten und speichern die Informationen
Auch diese Phase wird von unseren Sinnesorganen gesteuert. Die
Informationen werden im Ultra-Kurzzeitgedächtnis, im Kurzzeitgedächtnis oder
abschließend im Langzeitgedächtnis gespeichert.
Wir geben das Wissen des Verarbeitungsprozesses wieder.
Dazu benutzen wir wiederum unsere Sinnesorgane.
Merke:
2.
Lernstrategie bezeichnet die Reihenfolge und die Art, wie die
Sinnesorgane im vollständigen Lernprozess benutzt werden.
Wie entsteht eine Lernstrategie?
Jedes gesunde Kind verfügt von Geburt an über fünf Sinne, mit denen es seine
Umwelt erfahren kann. Im Laufe der Zeit entwickelt das Kind einen seiner
Wahrnehmungskanäle als eine Art Lieblingssinn. Gleichzeitig wird oft ein anderer
Sinn vernachlässigt, so dass jeder Mensch schließlich durch eine bestimmte
Rangfolge der Sinne geprägt ist. Beim Lernen sind vor allem drei Sinne sehr wichtig.
a)
b)
c)
Der visuelle Sinn ( sehen/ wieder erkennen)
Das visuelle System zeichnet sich beim Lernen durch Schnelligkeit und
Effizienz aus.
Der auditive Sinn (hören/sprechen)
Das auditive System arbeitet rhytmisch-linear und ist beim Auswendiglernen
von Vorteil.
Der kinästhetische Sinn (fühlen, tasten/ tun)
Kinästhetisches Lernen ist besonders gründlich, benötigt dazu aber die
Möglichkeit zum konkreten Handeln.
Merke:
Beim Lernen sollten möglichst alle Sinne beteiligt sein. Der visuelle Sinn
ist für den Schulerfolg besonders wichtig.
3.
Wie man Lernstrategietypen erkennen kann
3.1.
Die Augenbewegungen identifizieren
Denk- und Lernstrategien lassen sich durch genaues beobachten der
Augenbewegungen erkennen. Die meisten Menschen folgen beim Nachdenken
nämlich ähnlichen Augenbewegungsmustern:
Sie schauen nach oben wenn sie bildhaft denken (V), sie schauen zur Seite wenn sie
auf Stimmen oder Geräusche achten (A), und sie schauen nach unten, wenn sie sich
auf Gefühle konzentrieren(K).
3.2.
Auf die Wortwahl achten
Viele Wörter unserer Sprache beziehen sich eindeutig auf jeweils ein bestimmtes
Wahrnehmungssystem. Daher können schon sie allein wichtige Hinweise auf den
bevorzugten Sinn eines Menschen darstellen z. Bsp.
(V) sonnenklar, Ich sehe das so, übersichtlich, einleuchtend....
(A) zustimmen, wie gesagt, hör mal zu, klingt gut, betonen, stimmig
(K) handfest, tunlichst, durchstehen, herzlich, praktisch, begreifen
3.3.
Das Verhalten beobachten
Die Bevorzugung eines bestimmten Sinnes äußert sich oft auch in Verhaltensweisen
und Fähigkeiten, die ein aufmerksamer Beobachter leicht erkennen kann.
3.4.
Lerntyptest
Merke:
Egal welcher Lerntyp ihr Kind ist, unterstützen sie es im Üben
derjenigen Sinne, die es weniger zu nutzen scheint und stärken sie das
Selbstvertrauen Ihres Kindes, indem Sie seine besonderen Fähigkeiten und Stärken
würdigen!
4.
Das Gehirn
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ist die Schaltzentrale unseres Körpers
steuert unsere Handlungen
verknüpft neue Informationen aus der Umwelt mit
Erinnerungen
ist der Sitz unserer Emotionen
Ohne Gehirn kein Denken, Fühlen, Sehen,
Sprechen, Schmecken, Riechen, Träumen,
Bewegen, Erinnern, Erkennen, „Bewusst Sein“
wiegt ca. 1300 Gramm
besteht aus ca. 15 Milliarden Nervenzellen
das Nervennetz hat eine Gesamtlänge von ca. 100.000 km
macht 2 bis 3 Prozent der Körpermasse aus, verbraucht
aber 20% der Energie eines Menschen
5.
Das Gedächtnis
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6.
Ultrakurzzeitgedächtnis
Ist der Filter für die Eindrücke die auf uns einströmen, ist für das Fortsetzen
von Handlungen wichtig
Speicherdauer: wenige Sekunden
Kurzzeitgedächtnis:
Kapazität beträgt etwa sieben Objekte.
Speicherdauer: wenige Minuten bis zu max. einigen Tagen
Langzeitgedächtnis:
Es hat eine unbegrenzte Speicherdauer und
Es hat eine fast unbegrenzte Kapazität.
Für die Übertragung von Informationen ins
Langzeitgedächtnis steht nur eine sehr geringe
Bandbreite zur Verfügung. Innerhalb einer
gegebenen Zeit kann man sich also nur relativ
wenige Dinge neu langfristig merken.
Die Gehirnhemisphären
Wie bekannt, besteht unser Gehirn aus zwei Hälften, auch Hemisphären genannt.
Diese beiden Hälften haben ganz unterschiedliche Funktionen und Aufgaben. So
steuert die linke Hälfte die Bewegungen der rechten Körperseite und umgekehrt.
Die linke Gehirnhälfte ist für das sprachliche, analytische und logische Denken
verantwortlich. Sie kann abstrahieren, liebt Regeln und mathematische Formeln. Sie
fragt nach Einzelheiten, nach der Uhrzeit und nach Gründen.
Die rechte Gehirnhälfte dagegen kennt keine verbale Sprache, sie „denkt“ in Bildern
und Gefühlen. Sie braucht keine genauen Ergebnisse, ihr genügen Schätzwerte, die
sie aufgrund ihrer ausgeprägten Intuition erhält. Sie hat Sinn für Musik, Kunst und
Bewegung, ist kreativ chaotisch, liebt Farben, Geschichten und spielerisches Lernen.
Die Entwicklung der beiden Hälften läuft nicht parallel. Je jünger das Kind ist, desto
stärker ist es rechtshemisphärisch orientiert. Mit der Zeit werden jedoch von ihm
immer mehr linkshemisphärische Fähigkeiten verlangt: lesen, rechnen, still sitzen,
ruhig und vernünftig sein usw.
Die Schule misst Erfolg vor allem mit linkshemisphärischen Maßstäben.
7.
Gehirnadäquates Lernen ist
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Anschlussfähig
an die jeweiligen (individuell oft breit gestreuten) Erfahrungs und
Wissensbestände
Klare Einordnung in vorhandene Erfahrungsbestände ermöglichend
die jeweiligen Bestände differenzierend, erweiternd, ausbauend
Wirklichkeitsorientiert
Beispiele aus der Erfahrungswelt, authentische Problemstellungen
Deutungs- und Interpretationsmuster, denen man in der eigenen
•
Alltagswelt begegnet
praktische, nutzbare Ergebnisse
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Viabel (brauchbar, passend)
Informationen selbst suchen und Probleme überwinden lassen
sich bewährende, tragfähige Lösungsmuster
übertragbare Modelle (Transfer)
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ähnlich und variierend
Wieder erkennbare Strukturen und gleiche sowie ähnliche
Erfahrungen
Übung und Training
Zeit zum Verarbeiten
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Situiert
konkrete, überschaubare Situationen
Anwendungskontexte für das zu erwerbende Wissen
Erarbeitung und Anwendung in unterschiedlichen Situationen
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Emotional
Relevanz auch über emotionale Anknüpfungspunkte
Nähe und Betroffenheit im weitesten Sinne
emotive Grundlagen für Engagement herstellen
Interaktiv
eigene und gemeinsame Lernwege suchen
Ko-Konstruktionen ermöglichen durch kommunikative und
soziale Kontakte, Diskurs, Aushandeln, Beratung,
Mitgestaltung
aktive Auseinandersetzung / Aktionen – Reaktionen multiple Perspektiven
Vernetzend
Beziehungen zu anderen eigenen Erfahrungsebenen herstellen
unterschiedliche Verarbeitungsformen einbeziehen
Beziehungen herstellen zu anderen „fremden“ Problemen und
Sachzusammenhängen
Literaturhinweise:
Manfred Spitzer, Lernen
Guy R. Lefrancois, Psychologie des Lernens
Ralf Caspary, Lernen und Gehirn
Alfred Thieme, Konzentration – Trainingsprogramm
Wolfgang Endres, Nie wieder pauken
Wolfgang Endres, 99 starke Lerntips 6.-10.Klasse
Vera Birkenbihl, Das neue Stroh im Kopf
Vera Birkenbihl, Gehirn-gerecht Lernen
Werner Metzig, Lernen - zu lernen
Martin Schuster, Besser lernen