IPA Bildungsreise USA Miami

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IPA Bildungsreise USA Miami
Studien-­‐ und Bildungsreise vom 17. April bis 3. Mai 2015 in die USA nach Miami und Fort Lauderdale „We´re going to Miami!“ Die IPA (International Police Association-­‐ Deutsche Sektion e.V.) machte auch 2015 wieder für eine bunt gemischte, neugierige und bestens gelaunte Gruppe aus 20 Polizeibeamtinnen und -­‐beamten aus zahlreichen Bundesländern der gesamten Bundesrepublik einen Traum wahr: Eine Reise nach Miami / USA, um sich dort dienstlich weiterzubilden und Kontakte zu Polizeikolleginnen und –kollegen zu knüpfen, sowie einen regen Austausch zu erreichen. Da ich beim PP Frankfurt am Main zusammen mit Dennis Seeger das Thema „Soziale Medien“ betreue, (Zwei Twitter-­‐Accounts, eine Facebook Seite) hatte ich vor Abflug schon viele Fragen, wie die amerikanischen Kollegen und Kolleginnen das Thema Soziale Medien angehen, werden sie bei ihrer Arbeit doch intensiver von den Medien begleitet, als es hier noch der Fall ist. Die Reise stand unter der Leitung vom Referenten für Studien-­‐ und Bildungsreisen der IPA-­‐ Deutsche Sektion e.V., Martin Laubis (Bundespolizei) und startete morgens, am Freitag den 17. April, in Richtung Miami. Wir kamen am frühen Nachmittag an und wurden von wolkenfreier Sonne und Hitze (über 30 Grad) und hoher Luftfeuchtigkeit begrüßt-­‐ ganz Miami! Mit Mietwagen ging es dann selbstständig zum Hotel, welches direkt am Miami Beach lag. Die Zimmer wurden schnell bezogen, denn der erste Termin der Reise stand an: Eine gemütliche Abendveranstaltung mit Kollegen aus Miami in einer landestypischen Bar. Es gab somit natürlich Cheeseburger, amerikanische Getränke und Musik. Erste Kontakte wurden bei interessanten Gesprächen beim Billard geknüpft. Ein guter Start einer interessanten Reise. Am Samstag, 18. April, folgten wir einer privaten Einladung zu einem Grillnachmittag bei einem Kollegen und seiner Familie. Hier trafen wir auf sehr viele weitere Kollegen und Kolleginnen. Alles in einer sehr entspannten, familiären Atmosphäre, in der schon viele Gespräche über Land, Leute und Job geführt wurden. Der Sonntag war nun zur freien Verfügung. Einige von uns besuchten die riesigen Einkaufszentren (Malls) welche dort auch Sonntags geöffnet haben. Andere erkundeten Miami und wiederum andere genossen den Strand und das gute Wetter. Es galt Kraft zu tanken für die kommenden, spannenden Tage. Am Montag stand der Besuch des „Miccosukee Police Departement“ an. Die Besonderheit, diese Dienststelle ist nur für das dortige, unabhängige IndianerReservat der Miccosukee zuständig. Wir wurden durch die Kolleginnen und Kollegen erwartet und in der Dienststelle herumgeführt. Es folgte eine luftige Fahrt durch die Everglades auf den bekannten Propellerbooten, sowie ein Besuch des Nationalmuseums und einer Alligatorfarm. Wir sahen hier auch die typischen Strohhütten der Ureinwohner Floridas, welche ebenfalls auf verschiedenen Patches der Miami Dade Police zu sehen waren. Am Dienstag statteten wir dann Jura Studenten der „Florida International University“ (FIU) einen kurzen Besuch ab und diskutierten über unser Rechtssystem sowie unsere Polizeiarbeit. Schon ging es weiter zum MDPD Seaport Operations Bureau im Hafen von Miami, dem größten Passagierhafen der Welt. Die Kolleginnen und Kollegen sind dort für die Sicherheit in allen Belangen zuständig. Keine Verschnaufpause, wir machten uns auf den Weg zur „County Hall“ (Sitz des Rathaus, Regionalparlament). Hier waren wir kurz zu Gast in einer im TV übertragenen Bürgerschaftssitzung, wo wir speziell mit Applaus begrüßt wurden. Garniert wurde der Besuch mit dem Besuch des nichtöffentlichen Bereichs der obersten Etage des mit 155 Meter höchsten Gebäudes von Miami: Fantastischer Ausblick, selbst bei Wolken, garantiert! Kurz die frische Luft um die Nase wehen lassen und dann ging es zur „U.S. Coast Guard Station“ (Sector Miami). Dort wurden wir in die Aufgaben der U.S. Coast Guard eingewiesen, besichtigten ein Küstenwachboot und aßen in der Kantine zu Mittag. Ein ereignisreicher Tag ging dann zu Ende. Ein weiterer großer Tag stand bevor. „Derselbe Job, nur eine andere Sprache“ Am Mittwoch,den 22. April, dann das vorläufige Highlight der Reise: die Streifenfahrten mit Kolleginnen und Kollegen der Miami Dade Police! Wir wurden auf zwei Police Stations aufgeteilt. Ich wurde mit einer Kollegin aus Rheinland-­‐Pfalz dem „Squad D“ des „Intracoastal District“ in North Miami Beach zugeteilt. Wir hatten Schicht von 15:00 – 24:00 Uhr. Nach einer Besprechung ging es dann auch schon los. Selbst wenn man Streifenfahrten schon von zu Hause kannte, war das doch etwas Besonderes. Wir fuhren (natürlich mit Schutzweste bekleidet) auf dem Beifahrersitz mit und waren so hautnah als sogennanter „RideAlong“ dabei. Die wichtigste Erkenntnis der gesamten Reise gewann ich hier: „Es ist derselbe Job nur eine andere Sprache“. Einbrüche, häusliche Gewalt, Unfallflucht, Körperverletzungen und Streitigkeiten sind dort ebenfalls an der Tagesordnung. Und: Die amerikanischen Kollegen waren immer äußerst höflich und sympathisch im Kontakt mit den Bürgern. Alles in allem ein sehr aufschlussreicher Tag, ich werde mit meinem „Streifenpartner“ Charles in Kontakt bleiben. Die Polizeischule „MDPSTI“ (Miami-­‐Dade Public Safety Training Institute) besuchten wir Donnerstag vormittags. Im Rahmen eines Rundgangs wurden uns die Einsatzmöglichkeiten des Tasers als Distanzwaffe anschaulich dargestellt. Des Weiteren erlangten wir einen Einblick in das Schieß-­‐ sowie Einsatztraining. Im Anschluss besuchten wir das „Forensic Services Bureau“ (Kriminallabor). Hier wurden uns alle Fachbereiche mit interessanten Einblicken durch die dort tätigen Kolleginnen und Kollegen vorgestellt. Weltweit berühmt geworden ist das FSB durch die Adaption in der Serie „CSI: Miami“. Fazit aber hier: man mag die überzeichnete und realitätsfremde Serie überhaupt nicht und Schusswaffenuntersuchung sowie Munition sind hier das Thema überhaupt. Am Freitag machten wir uns auf den Weg zur DEA (Drug Enforcement Administration). Einigen ist sie vielleicht durch die US-­‐Serie „Breaking Bad“ bekannt. Dort wurden wie durch die Agents in alle Aufgaben dieser Behörde als Bundesrauschgiftpolizei eingewiesen. Ebenso wurden uns Spezialfahrzeuge und Einsatzmittel vorgeführt, von denen wir überhaupt nicht wussten, dass sie existierten. Fotos waren streng verboten. Wochenende! Am Samstag stand das jährliche Picnic der IPA-­‐Region-­‐Miami Gruppe mit zahlreichen Kolleginnen und Kollegen aus dem Raum Miami an. Hierzu fuhren wir zur nicht öffentlichen “U.S.-­‐Coast Guard Communication Station“ in die dortige „Recreational Area“. Es gab landestypisch Burger, Kaltgetränke und sogar einen Zigarrendreher. Abgerundet wurde das Programm mit Musik und zahlreichen guten Gesprächen mit den Kolleginnen und Kollegen. Eine sehr freundschaftliche und schöne Atmosphäre in der sich auch die unheimliche Hitze aushalten ließ. Es folgte der zweite freie Tag der Reise am Sonntag. Dieser wurde wieder nach eigenem Gusto genutzt. Ich fuhr mit zwei Kolleginnen und einem Kollegen (aus Rheinland-­‐Pfalz, Baden-­‐Württemberg und Bayern) in Richtung „Key West“, dem südlichsten Punkt der kontinentalen Vereinigten Staaten. Wir besuchten die dortige „Key West Police“, welche uns ebenfalls sehr freundlich begrüßten und herumführten. Der krönende Abschluss des Trips war ein unvergesslicher Sonnenuntergang. Und so ging es in die letzte Woche der Reise. Das „Broward County Sheriff’s Office“ in Fort Lauderdale besuchten wir am Montag, 27. April. Wir wurden durch die Pressestelle begrüßt. Ich konnte hier sofort den erhofften Kontakt zu meinem Social-­‐Media Kollegen knüpfen und wir tauschten uns rege aus. Im Anschluss folgte ein Besuch der Hubschrauber Staffel sowie ein erster Kontakt zu „SWAT“ (vergleichbar mit dem hiesigen SEK), bei welchem wir deren Einsatzfahrzeuge unter die Lupe nehmen konnten. Der Tag endete mit einem Besuch der „Maritime Unit“ (Wasserschutzpolizei) in den Port Everglades, mit anschließender Fahrt in den Booten durch die Kanäle von Fort Lauderdale. Am Dienstag besuchten wir das „Pre-­‐Trial Detention Center“ (Dade County Jail, vergleichbar mit der Unterbringung in der U-­‐Haft), bei einem Rundgang erhielten wir einen tieferen Einblick in die Arbeitsabläufe sowie die Begebenheiten dort. Es folgte das „Turner Guilford Knight Correctional Center“ (Haftanstalt für Frauen und Männer) wo einige von uns in der dortigen Gefängniskantine das Mittagessen einnahmen, welches von dortigen Häftlingen zubereitet wird. Der Tag endete mit dem Besuch des „Boot Camp“ für jugendliche Straftäter. Absolvieren hier ausgewählte jugendliche Verurteilte den dreijährigen Aufenthalt mit Erfolg, ist ihre eigentliche Gefängnisstrafe (außer bei Verbrechen) hinfällig. Im „Miami-­‐Dade Medical Examiner’s Office“ (Gerichtsmedizin Miami Dade) erhielten wir dann am Mittwoch eine ausführliche und sehr interessante Unterweisung in die dortigen Arbeitsmethoden-­‐ und abläufe. Einige von uns nahmen an einer Autopsie teil. Am vorletzten Tag der Reise trafen wir auf den stellv. Direktor des „Police Headquarter“ des „Miami Dade Police Department“. Wir tauschten uns über die Unterscheide in unserer Ausbildung und Arbeitsabläufe aus und ließen die Reise noch mal Revue passieren. Es folgte der Abschluss mit obligatorischem Gruppenfoto. Das „SWAT“ Ein weiteres Highlight der Reise: Der Besucht des Trainingszentrums des „Broward County Sheriff’s SWAT“. Dort verfolgten wir das Training einer Häuserstürmung. Zwei Kollegen und eine Kollegin ließen sich es aber auch nicht nehmen, den SWAT Trainings-­‐ und Auswahl-­‐
Parcours zu bestreiten. Sie wurden mit SWAT Abzeichen und T-­‐Shirt hierfür belohnt. Einige von uns hatten abends noch das seltene Glück, bei einem echten „SWAT“ Einsatz mitzufahren. Also die Schutzweste an und rein in das gepanzerte Gruppenfahrzeug. Bei einem „Search Warrant“ wurde ein Haus gestürmt und durchsucht, in welchem sich ein Drogenlabor befand. Der Einsatz war erfolgreich und wir durch eine unvergessliche Erfahrung reicher. Der letzte Tag. Frei oder Streifenfahrt? Streifenfahrt! Der Freitag wurde vielfältig genutzt. Als freier Tag gedacht, nahmen aber fünf von uns (darunter ich) die tolle Möglichkeit wahr, erneut „auf Streife“ zu gehen. Diesmal mit Kolleginnen und Kollegen des „Broward County Sheriff’s Office“. Mich verschlug es in den South Broward District. Mit meinem sehr sympathischen Kollegen Kenny fuhr ich bis 02:00 Streife. Diesmal u.a. schwerer Verkehrsunfall auf der Autobahn, verstorbene Person im Altersheim, Brand eines Fahrzeugs in Firma, versuchter Einbruch in PKW, Verkehrskontrollen, häusliche Gewalt. Und erneut die nachhaltige Einsicht: „Derselbe Job, nur eine andere Sprache“. Samstag, der 2.Mai. Es wurde Zeit Abschied zu nehmen. Nachmittags ging für die meisten der Flieger zurück in die Heimat wo sie am Sonntag gegen 07:00 Uhr auch sicher ankamen. Einige von uns, darunter auch ich, reisten innerhalb der USA weiter. Mein Fazit zur Studien-­‐ und Bildungsreise der IPA Ich bin für die ganzen Eindrücke und Erfahrungen unheimlich dankbar. Ich werde ein Leben lang davon zehren, so überwältigend waren sie. Aus Kolleginnen und Kollegen wurden Freunde und wir wurden in den USA mehr als herzlich und offen begrüßt. Ein Kollege der „Sunrise Police“ sagte einen schönen Satz zu mir: „Wir sind alle Polizisten. Wir helfen uns gegenseitig. Wir sind füreinander da. Ohne Wenn und Aber. Denn wir sind Brüder und Schwestern ohne jegliche Grenzen. Weltweit. Ich entgegnete ihm: „Du hast Recht, denn es ist derselbe Job, nur eine andere Sprache“.