Interview Herr Becker-Plakat

Transcription

Interview Herr Becker-Plakat
Hallo Herr Becker
Wie geht es Ihnen?
Mir geht es gut, da ich morgens nicht mehr so früh aufstehen muss wie ihr. Mit 71 Jahren
habe ich aber auch schon einige kleine Zipperlein.
Wann waren Sie an unserer Schule?
An dieser Schule war ich von 1979 – 2004.
Ich wurde in der Nähe von Rüdesheim geboren. Nach der Schule habe ich eine Lehre zum
Starkstromelektriker gemacht. Danach noch einen Technikerlehrgang. Anschließend habe
ich dann 2 Jahre bei Siemens Straßenbahnen und Lokomotiven elektrisch verdrahtet. Da
war ich als Monteur in ganz Deutschland unterwegs.
Einmal habe ich keine Unterkunft gefunden. Da kam ich in ein Wohnheim für schwer
erziehbare junge Männer, wo ich vorübergehend wohnen konnte. Da habe ich mich ganz
wohl gefühlt. Ich habe dann meine Mittlere Reife nachgemacht und dann eine Ausbildung
als Sozialpädagoge begonnen. Am Ende des Studiums hatte ich ganz gute Zensuren und konnte deshalb noch weiter studieren. In dieser
Zeit habe ich für zwei Jahre ein Praktikum in Arolsen im Internat für körperbehinderte Kinder gemacht. Nach meinem zweiten Studium
war ich dann Sonderschullehrer. In der Schule für Hörgeschädigte im Dortmunder Norden habe ich dann meine Frau kennengelernt. Und
1979 habe ich als Lehrer an dieser Schule begonnen.
Was haben Sie an unserer Schule gearbeitet?
Ich war hier ein Lehrer wie viele andere auch. Meistens hatte ich Klassen mit schwerst
behinderten Kindern, die gefüttert und gewindelt werden mussten.
Ich habe auch eine Computer-AG unterrichtet, zu einer Zeit, als die meisten Menschen noch
keine Computer besaßen. Es gab auch keine Handys oder Smartphones. Wir haben alte
PC’s von Firmen gespendet bekommen und für den Unterricht hergerichtet. Wir konnten
auch mal einen neuen Computer kaufen. Der hat damals 12000 DM gekostet.
Und ich habe mit einigen Schülern auf dem Schulhof ein kleines Haus gebaut, in dem später
in den Pausen Saft verkauft wurde. Leider steht dieses Haus schon lange nicht mehr.
Welche Lieblingsfächer hatten Sie, oder welche Tätigkeiten haben Sie gern erledigt?
Ich habe gerne die Computer-AG geleitet. Mein eigentliches Unterrichtsfach, das ich auch studiert habe, war Musik. Musik hat mir aber
nicht so viel Spaß gemacht. Lange Zeit waren Schüler mit schwersten Behinderungen nicht in der Schule. Erst 1975 durften dann alle
Schüler zur Schule kommen. Ich hatte dann oft Klassen mit schwerstbehinderten Schüler. Der Unterricht für diese Schüler war damals
noch für alle neu, es gab ja noch wenig Erfahrungen.
Ein Spezialgebiet war der Unterricht für Kinder, die nicht sprechen konnten. Dafür gab es damals
Bliss-Symbole, mit denen sich die Kinder verständigen konnten. Heute gibt es Talker und auch
schon Tablets, die auf Fingerdruck oder durch Gesten Wörter und ganze Sätze für das Kind
sprechen.
An welches Ereignis in der Schule können Sie sich noch gut erinnern?
Erstens:
Da wäre meine Ausbildungszeit als Referendar bei Frau Hamm, die sehr gut war.
Zweitens:
Ich erinnere mich noch gerne an die Zeit, als wir das Haus auf dem Schulhof gebaut haben. Wir
haben gemauert, den Dachstuhl aus Balken gezimmert und mit Dachziegeln gedeckt. Nach zwei
Jahren wurde unser schönes, kleines Haus von Jugendlichen aus der Nachbarschaft zerstört.
Drittens:
Wir hatten immer schöne Lehrerfeten…
Haben Sie noch Kontakt zu ehemaligen Schülern oder Kollegen?
Zu einigen Kollegen habe ich noch Kontakt. Wir treffen uns auch regelmäßig beim sogenannten
Ehemaligen-Stammtisch.
Was machen Sie jetzt in Ihrer Freizeit?
Ich bin ein begnadeter Bastler. Ich habe mir eine Werkstatt eingerichtet und baue dort aus Holz,
Plastik und Metall Skulpturen, die man sich in den Garten stellen kann. Dann mache ich noch sehr
viel mit dem PC, z.B. fliege ich mit meinem Flugsimulator.
Ich reise auch gern. Im Frühjahr war ich in Sri Lanka. Ich war auch schon in Thailand, in Indien,
Kambodscha und Laos. Auf solchen Reisen leihe ich mir ein Motorrad und fahre damit im Land
herum. So komme ich mit vielen Menschen in Kontakt. Ich fahre übrigens immer im Winter, weil
dann dort Frühling ist.
Wo wohnen Sie jetzt?
Ich wohne immer noch in Dortmund Aplerbeck.