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Furios
Kostenlos
05
Jan 2011
Studentisches Campusmagazin an der Freien Universität Berlin
Massenuni
Das dicke Problem der Alma M.
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Jeder Mensch darf frei seine Meinung äußern – egal welche, wie und wo auch immer.
dIe allgemeIne erklärung der mensCHenreCHte
ICH sCHütze sIe – sIe sCHützt mICH
Mehr zu den 30 Artikeln der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
und weitere Informationen unter www.amnesty.de
Editorial
Mitmachen?
www.fucampus.de/mitmachen
[email protected]
Liebe Kommilitoninnen,
Für die Optik sorgen:
David Goldwich
studiert Informatik und Philosophie, zur Zeit mit Waschbären unter der kalifornischen
Sonne.
Cora-Mae Gregorschewski
studiert Biologie, malt leidenschaftlich gern und hat ihre Fotos
aus FURIOS auch schon in der
SZ und im TIP veröffentlicht.
Michi Schneider
studiert Kunstgeschichte und
Anthropologie.
Julia Schönheit
studiert Nordamerikastudien
und Spanisch im 3. Semester.
Christine Spady
Christine Spady studiert
Kunstgeschichte und ist
ehrenamtlich Feuerwehrmann bei FURIOS.
Christoph Spiegel
Studiert Mathe und
VWL im 3. Semester.
liebe Kommilitonen,
willkommen in der Masse. 32.000 Menschen studieren derzeit an
der FU – wir sind Teil davon. Quetschen uns in überfüllte Hörsäle,
kloppen uns um Mensaplätze und pilgern in großen Karawanen über
den Campus. Wer dachte, das pendelt sich schon wieder ein, sieht sich
getäuscht: Die Tendenz zeigt nach oben.
Mit den geburtenstarken Jahrgängen, dem Abitur in acht Jahren
und der Aussetzung der Bundeswehr strömen in den kommenden
Jahren noch mehr Studierende in den Schoß der Universität. Die Alma
Mater scheint einfach nicht satt zu werden. Dabei sind es stattliche
2 442 909,2 Kilogramm die sie derzeit auf die Waage bringt, nimmt
man alle ihre Studenten zusammen – so viel wie zwölf ausgewachsene
Blauwale. Eine Frau auf ihr Gewicht anzuspechen ist ein heikles Unterfangen. Aber kein Zweifel: Die Alma Mater hat ein dickes Problem.
Aus der »guten Mutter« ist ein Massenphänomen geworden. Doch
weil keiner so recht zu wissen scheint, was das im Einzelnen bedeutet,
hat die Furios die Massenuni mal unter die Lupe genommen.
Zum Beispiel im Interview mit Berlins Bildungssenator Jürgen
Zöllner, der an Almas Rundungen eigentlich nichts auszusetzen hat.
Oder mit Marlene Göring, die für zwei Tage aus dem Massenbetrieb
ausstieg und den FU-Riesen gegen den Mini-Campus in Hildesheim
tauschte. Dann mit Linn Voss, die in der anonymen Masse nach einem
Heilmittel gegen die Einsamkeit suchte – und auf ein altbekanntes
Prinzip stieß. Schlussendlich kommentiert Frauke Fentloh die Entwicklung unserer Alma Mater und erkennt eine deutliche Verbindung
zu einem anderen Erziehungsmodell: der Rabenmutter.
Und wer danach noch nicht genug hat, muss nicht bis zum nächsten
Heft warten. Tagesaktuelle Beiträge, Meinungen und Veranstaltungstipps zum Campusleben findet ihr auf www.furios-campus.de. Die
Bonusbuttons zeigen euch, welche der Heftthemen ihr online weiterverfolgen könnt.
Auch furios sein? Egal ob ihr schreiben, zeichnen, fotografieren,
layouten oder einfach euer Organisationstalent einbringen möchtet – kommt vorbei! Die Termine für unsere Redaktionstreffen
findet ihr online.
Massig Spaß beim Lesen wünscht euch
Eure FURIOS-Redaktion
FURIOS 05 Impressum
Herausgeber: Marlene Göring, Claudia Schumacher,
Björn Stephan, Martin Fischer
Chefredakteur: Jonas Breng (V.i.S.d.P., Linienstraße
94, 10115 Berlin)
Stellvertretender Chefredakteur: Hendrik Pauli
Ressortleitung Campus: Anchalee Rüland
Ressortleitung Kultur: Carolin Benack
Ressortleitung Politik: Hendrik Pauli
Layout: David Goldwich, Julia Schönheit, Christoph
Spiegel
Furios 05/2011
Redaktionelle Mitarbeiter dieser Ausgabe:
Eliese Berresheim, Rebecca Ciesielski, Frauke Fentloh,
Martin Fischer (fis), Fanny Gruhl, Christian Güse,
Katharina Hilgenberg, Karl Hosang, Yulian Ide, Max
Krause, Christina Peters, Konstanze Renken, Angelina
Scheck, Henrice Stöbesand, Filip Tuma, Anne Vanselow, Linn Voss
Illustrationen: Pia Bruer, Stephan Garin, Christian
Güse, Michi Schneider, Julia Schönheit, Christine
Spady
Fotografien: Cora-Mae Gregorschewski, Kassian
Mayr, Julia Pauselius, Catharina Tews
Lektorat: Anne Levke Vorbeck
Inserate: Devid Mrusek – [email protected]
 www.furios-campus.de
 [email protected]
Jeder Autor ist im Sinne des Pressegesetzes für den
Inhalt seines Artikels selbst verantwortlich. Die in
den Artikeln vertretenen Meinungen spiegeln nicht
zwangsläufig die Ansicht der Redaktion wider. Gemäß dem Urheberrecht liegen die Rechte an den einzelnen Werken bei den jeweiligen Autoren.
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Inhalt
Inhalt 05
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fuc
Titelthema Massenuni
»Die Wurst reicht für alle«: Ein Interview mit Jürgen Zöllner
6
Weltberühmt in Hildesheim: Zu Besuch auf einem Mini-Campus8
Eine Klasse für mich: Zur Vereinsamung in der Masse10
Die Rabenmutter: Wer kommt noch rein in die Massenuni?12
4 / 40 000
4 / 40 000: 4 Studierende an 4 überquellenden Orten
14
Campus
Das Leben der Anderen: Studierende treffen Migrantenkinder16
Don’t Gender Me, Baby! Lore Loghorröe im Gespräch18
Die Internationale
Plus tweeëndertig: Yulian und Antwerpen. Eine Geschichte.20
Politik
Die Lehre-Drohung: Lehrprofessuren als Zukunftsmodell22
Die drei ???: Professorale Gruppen im Akademischen Senat24
Der unsichtbare Kanzler: Ein Phantom an der FU26
Elite in der Falle: Sieg in der Exzellenzinitiative required27
Kultur
Tatwaffe Wolle: Womit man heute Streetart macht28
Flaneur: Stille Erleichterung30
Veranstaltungskalender32
Warenfetisch: Testosteron zum Aufsetzen33
Der Ewige Ehemalige
Titanic-Mitbegründer F. W. Bernstein
4
34
Furios 03/2009
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Liebe Am-Rand-Sitzer!
Muss das wirklich sein? Ich gebe zu, volle Hörsäle können eine
klaustrophobische Angelegenheit sein. Pro Sitzplatz ein halber
Quadratmeter! Das erinnert an die Bewegungsfreiheit einer Legebatterie. Aber im Gegensatz zum Huhn kommt ihr freiwillig und
dürft nach anderthalb Stunden wieder gehen. Also warum zur
Hölle drängt ihr immer an den Rand? Ihr wollt doch kluge Tiere
sein, erinnert euch! Stattdessen glaubt ihr wohl, dass wir euch beißen wollen und plant ständig eure Flucht.
Wenn ihr pünktlich zur vollen Stunde gähnend den leeren Hörsaal betretet, setzt ihr euch
nicht in die Mitte einer
Reihe. Nein, ängstlich nehmt ihr den äußersten Platz am Gang.
Kommt der Nächste, steht ihr auf, verdreht die Augen und zieht
den Bauch ein — ein kurzer Moment innigen Vorbeiquetschens.
Natürlich bleibt auch der Zweite so nah wie möglich am Ausgang,
aber vom Kommilitonen trennt ihn mindestens ein weiterer Sitz.
Als Sicherheitsabstand, versteht sich.
Danach wogen in regelmäßigen Abständen ganze Reihen auf,
wenn ein Neuankömmling in den Hörsaal tritt. Ein zweifelhaftes
La Ola-Ritual. Derjenige muss sich nur entscheiden, ob er sich an
acht, zehn oder elf von euch vorbeireiben möchte. Die Fluchtwege sind ihm ohnehin bereits versperrt.
Frustration, blaue Flecke, verschütteter Kaffee: Nach spätestens
zehn Minuten werden die ersten
Fensterbänke zu Sitzen umfunktioniert, dabei weist die Raumbelegung mehr Löcher auf als alle
gängigen Schweizer Käsesorten.
Zurück bleiben Fragen: Woher
stammt diese Unfähigkeit, sich
von Anfang an sinnvoll hinzusetzen? Warum seid ihr so kurzsichtig, warum so kontaktscheu?
Braucht ihr kurze Fluchtwege?
Ist es Zeitdruck? Blasendruck?
Was auch immer die Gründe
sind: Es nervt! Als logische Fortsetzung dieser Entwicklung sind
in spätestens zwanzig Jahren alle
Hörsäle mit Fallschirmen und
Schleudersitzen ausgestattet. Wenn
ihr es mit der Angst zu tun bekommt,
könnt ihr euch auf Knopfdruck in luftige
Höhen katapultieren lassen. Ihr habt dann
nicht nur einen Vogel, ihr werdet selbst zu
einem und seid endlich genau die Fluchttiere, die
ihr immer sein wolltet. Bis dahin werde ich weiterhin der akademischen Viertelstunde huldigen, mich
demonstrativ auf den letzten freien Platz in der Reihenmitte quetschen und dabei versehentlich Kaffee über euch
verschütten. Selbst schuld, ihr Angsthasen. Setzt euch selbst
dorthin!
■
5
Titelthema: Massenuni
»Die Wurst
reicht für
alle«
Berlins Bildungssenator Jürgen
Zöllner im FURIOS-Gespräch über
Wurstrationen, hochschulpolitische
Träume und die Massenhochschule
jenseits der »Superuniversität«.
Das Gespräch führte Jonas Breng.
Foto: Catharina Tews
H
Info
Jürgen Zöllners politische Wurzeln liegen in Rheinland-Pfalz. Dort
trat er 1972 in die SPD ein. 1983 wurde der habilitierte Mediziner
Vizepräsident der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, 1990 dann
ihr Präsident. Rudolf Scharping machte ihn zum Landesminister für
Wissenschaft und Weiterbildung. 2006 wechselte Zöllner nach Berlin,
wo er als Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung tätig ist.
Der 65-jährige hat zwei erwachsene Kinder.
6
err Zöllner, Ihnen wurde ein angespanntes
Verhältnis zum Ex-Präsident Lenzen nachgesagt. Wie erleichtert waren sie nach dem
Führungswechsel an der FU?
Herr Lenzen war ein sehr guter Präsident und hat viel für
die FU geleistet. Manchmal hätte ich mir allerdings mehr
Verständnis für die institutionsübergreifenden Probleme
gewünscht. Nun bin ich mir sicher, dass der neue Präsident
Peter-André Alt den erfolgreichen Weg der FU fortsetzen
wird.
Zwei Drittel der Zuschüsse für die Hochschulen werden
ab 2012 an Leistungskriterien gekoppelt. Sie haben dazu
das Bild gezeichnet von der Wurst, nach der die Hochschulen springen sollen. War das nicht ein unglücklicher
Vergleich?
Für mich ist das hochschulpolitisch die Erfüllung eines Traumes. Die deutsche Hochschule war der einzige
Bildungsbereich in der Republik, von dem Leistungen
abgefordert wurden, die in keinem Zusammenhang mit der
Finanzierung standen. Das gibt es weder im Kitabereich,
noch an Schulen. Niemand käme auf die Idee, Kapazitäten
auszuweiten, ohne gleichzeitig mehr Personal zur Verfügung
zu stellen. Aber von den Hochschulen wurde erwartet, mehr
Studierende auszubilden, ohne dass sich die Bezuschussung
nach den Leistungen gerichtet hat. Das heißt, die Refinanzierung der Hochschulen über die tatsächlich erbrachten
Leistungen ist der wahre Schritt in eine echte Autonomie
und Freiheit für die Hochschulen. Mittlerweile können die
Hochschulen tatsächlich wieder Entscheidungen treffen und
wissen, dass sie das entsprechende Geld dafür bekommen.
Furios 05/2011
Titelthema: Massenuni
Befördert das nicht auch ein Hauen und Stechen zwischen den
Hochschulen? Im Konkurrenzkampf um Drittmittel könnten
Universitäten auf der Strecke bleiben.
Über diesen Konkurrenzkampf sollten die Studierenden doch
froh sein! Letzten Endes entscheiden sie, welche Hochschule mehr
und welche weniger Geld bekommt. Wenn einer Hochschule die
Studierenden wegbleiben, muss sie sich mehr anstrengen, attraktive
Angebote zu machen. Es kann dann sein, dass manche Hochschulen erfolgreicher sind als andere. Das gehört zum Leben.
Die Wurst reicht also nicht für alle.
Doch, die reicht für alle. Die Größenordnung der Refinanzierung
ist ausreichend. Aber wenn der Hochschule X die Studierenden
fehlen, braucht sie auch nicht das Geld für diese. Dann müssen es
jene Hochschulen bekommen, zu denen die Studierenden gehen.
Die Zuschüsse sind auch an die Anzahl der Studienplätze
gekoppelt. Kann eine Massenuniversität nicht zu groß werden?
Schon jetzt sind schlechte Betreuungsquoten und überfüllte
Hörsäle in Dahlem Realität.
In den derzeitigen Größenordnungen wird es keine großen
Veränderungen geben. Aber ein Drittel der Mittel wird jetzt nach
Leistungen in der Lehre zugewiesen. Über kurz oder lang wird das
einen unheimlich positiven Effekt auf den Stellenwert der Lehre
haben. Denn die Kolleginnen und Kollegen, die sich besonders
erfolgreich in der Lehre engagieren, bringen der Institution Geld.
Welchen Stellenwert hat die Verbesserung der Lehre in der
nächsten Runde der Exzellenzinitiative?
Die Exzellenzinitiative war ursprünglich für den Forschungsbereich
gedacht, wobei sich Nachwuchsförderung im Rahmen der Graduiertenschulen auch schon dort im Schnittfeld befand. Nicht zuletzt
durch die Initiative von Berlin – und damit verbunden auch mit
meiner Initiative – ist es mittlerweile so, dass Aspekte der Lehre
einen wichtigen Part einnehmen. Ein gutes Lehramt und damit die
Umsetzung von Humboldts Idee von Forschungsergebnissen, die in
die Ausbildung mit einfließen, spielen eine wichtige Rolle. Deswegen lohnt es sich, sich um die Lehre zu kümmern.
Wie beurteilen Sie die Chancen der Berliner Anwärter für die
nächste Runde der Exzellenzinitiative?
In Deutschland gab es beim letzten Mal keinen Standort, der so
erfolgreich war wie Berlin. Ich bin für die nächste Runde eher noch
optimistischer, weil ich das Gefühl habe, dass sich die Kooperation
zwischen den Unis in den letzten Jahren stark verbessert hat. Insofern bin ich sicher, dass Berlin auch in dieser Runde wieder sehr
erfolgreich sein wird.
Sie glauben an den Sieg aller drei Berliner Großuniversitäten bei
der nächsten Exzellenzrunde?
Ja, sicher.
Warum braucht es eigentlich drei Massenuniversitäten in einer
Stadt?
Berlin braucht so viele Studienplätze, wie wir haben. Es ist wünschenswert, dass wir diese Studienplätze noch weiter ausbauen
können. Die Frage der Organisation ist eine andere. Aus meiner
Sicht ist die momentane Konstellation vernünftig, weil sich gezeigt
hat, dass sich ganz große Tanker schwerer lenken lassen.
Das heißt, eine »Super-Universität« durch Fusion wird es nicht
geben?
Ich jedenfalls halte einen Zusammenschluss der vier Berliner Universitäten sowohl sachlich als auch politisch für falsch.
Inwiefern beißt sich der Elitegedanke mit dem Modell der Massenuniversität?
Das beißt sich nicht. Wir versuchen den Spagat zu schaffen, sowohl
das Angebot in der Breite auszubauen als auch Spitzenförderung zu
leisten. Wir brauchen möglichst viele gut ausgebildete Menschen
Furios 05/2011
in allen Bereichen und gleichzeitig Spitzenforschung als Treiber
für eine gelungene Innovation. Dadurch zeichnet sich die Berliner
Wissenschaftspolitik aus. Wie man an Fakten ablesen kann, ist das
keine heiße Luft. Wir waren schon am Beginn der Legislaturperiode
das Land, das die meisten Studienplätze zur Verfügung stellt. Die
Anzahl der Studienanfänger ist seit Beginn dieser Legislaturperiode
um 6000 gestiegen und wir haben jetzt beschlossen, die Zahl nochmals um 6000 Studienplätze zu erhöhen. Das zeigt, dass wir die
hochqualitative Ausbildung in der Breite mit riesigem Engagement
fördern und umgekehrt das Engagement auch die Spitzenforschung
durch Initiativen wie die Einsteinstiftung, den Masterplan und das
Vorantreiben der Exzellenzinitiative maßgeblich unterstützen.
Warum gibt es eigentlich keine Exzellenzinitiative für die
Lehre?
Ich erinnere daran, dass es ein gewisser Berliner Senator war, der
das aufgebracht hat. Der wesentliche positive Effekt der Exzellenzinitiative war gar nicht das Geld, sondern der Imagegewinn für die
Forschung. Auch wenn sich die Exzellenzinitiative nicht eins zu eins
auf die Lehre übertragen lässt, sollte man darüber nachdenken, für
diese einen ähnlichen Weg zu finden. Die Einsicht dafür ist bundesweit gewachsen. Anfangs wurde ich stark abgeblockt.
Welche unmittelbaren Konsequenzen hätte denn der Verlust des
Elitestempels an der FU?
Ich habe keine Veranlassung darüber nachzudenken. Deshalb kann
ich dazu nichts sagen.
Ihre Enkel stehen bald am Beginn ihres Studiums. Was empfehlen sie ihnen, Berlin oder nicht Berlin?
In jedem Fall Berlin.
Was rät der Großvater sonst noch?
Studiert, was euch Spaß macht, aber studiert es richtig. Haltet euch
dabei die Möglichkeit offen, möglichst schnell mit dem Studium
fertig zu werden. Der Weg in die Lebenswirklichkeit ist der entscheidende. Danach kann man immer noch über Zusatzqualifikationen weitere Bildungsangebote nutzen.
Wo würden Sie denn selbst hingehen, wenn sie von allen drei
Berliner Universitäten eine Zusage hätten?
(Lacht) Einen Senator, der Ihnen darauf eine Antwort gibt, müssten
Sie sofort entlassen. Er wäre dumm. Das müssen Sie auch genau so
hinschreiben!
Als Berliner Bildungssenator steht man ständig im Kreuzfeuer. Sehnen Sie sich da nicht zurück in die rheinlandpfälzische
Beschaulichkeit?
Ich bin nicht gezwungen worden, nach Berlin zu kommen und
denke sehr liebevoll an die Zeit in Mainz zurück. Aber Berlin ist der
spannendste Ort in Deutschland, wenn man etwas mit Wissenschaft zu tun hat. Vielleicht sogar in der Welt.
Heißt das, Sie werden auch nach den nächsten Abgeordnetenhauswahlen für das Amt zur Verfügung stehen?
(Lacht) Soweit ich weiß, bin ich der dienstälteste Minister dieser
Republik und habe mich in 20 Jahren nicht einmal darüber geäußert, was nach einer Wahl sein wird. Das will ich jetzt auch nicht
bei einem Campusmagazin ändern.
■
Jonas Breng ist Chefredakteur bei FURIOS. Er
studiert Politikwissenschaften und möchte eigentlich nicht jedes Mal springen müssen, bevor es
etwas zu essen gibt.
7
Titelthema: Massenuni
Weltberühmt
in Hildesheim
Aus groß mach klein: Zwei Tage lang tauschte Marlene Göring die Massen-FU
gegen den Mini-Campus Hildesheim und hat sich riesig amüsiert.
Illustration: Michi Schneider
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lanmäßige Ankunft, 9:36 Uhr. Mit
ICE-verschlafenen Augen schaue ich
mich um: Bäcker, Bank und Busbahnhof sehe ich auf einen Blick. Das war
einfach, jetzt kann es losgehen. Destination: Uni Hildesheim.
Erstmal fahre ich zu Josi, sie wird mich
in das ansässige Studentenuniversum einführen. Munter und aufgeräumt öffnet sie
mir die Tür zu ihrer 5er-WG. Josi kommt
vom Planeten Goa: mehrere Lagen Strickklamotten in Regenbogenfarben, um den
Hals eine Ethno-Kette, von denen ich noch
20 weitere zu Gesicht bekommen werde. »Die machen mein Leben bunter, das
braucht man hier«, lacht sie.
Nach 6 Minuten im Bus erreichen wir
den Campus. Ich blicke in offene, freundliche Gesichter, ein paar Leute grüßen mich
sogar. Es ist nicht gerade ausgestorben, aber
gemütlich. Niemand hetzt mit büchervollen Tüten vorbei, keiner bleibt plötzlich
orientierungslos stehen. Etwas später sitzen wir mit 20 anderen in einem »ziemlich durchschnittlichen Seminar«, wie Josi
sagt. »Schon, nur mit weniger Studenten«,
denke ich. Auch die Diskussion nach den
üblichen Frontal-Referaten ist irgendwie
anders. Adam Smiths merkwürdige Thesen
zu Moral und Kapitalismus hätten in jedem
FU-Seminar einen mittleren Stellvertreterkrieg ausgelöst. Hier sind die ideologischen
Einwände zaghaft.
8
Mittags bleibt der Run auf die Mensa
aus. Nur die wenigen, die zwischen den
Seminaren nicht zum Kochen nach Hause
fahren, sind hier. Eine seltsam homogene
Gruppe. Keine Polohemden-Träger, keine
Punks. Einzelne Studienfächer kann ich
nicht identifizieren, obwohl die Uni Hildesheim mit nur knapp 6 000 Studenten
eine Volluni ist. Wir machen ein Spiel daraus: »Lehramt!«, »Informatik!«, »Irgendwas
mit Sprachvermittlung!« – Josi erkennt jeden sofort. Und ich freue mich, dass die
Mensa-Verkäuferin für meine Käsenudeln
»unter keinen Umständen« den Gästepreis
berechnen will.
5 kg
Auch wenn man den Campus mit einem
Blick überschaut, kann man sich verlaufen.
Die Architektur erinnert an Bauten im tiefen Osten Europas, ein Traum aus Futurismus und Zweckmäßigkeit der 60er-Jahre.
Die Gebäude im Legobaukastensystem sind
komplett unterkellert, Josi führt mich über
Treppen und endlose Gänge. »Dort sind die
Übungsräume und die Künstlerwerkstatt.«
Josi gerät ins Schwärmen. Von den vielen
Festivals, Lesungen und Ausstellungen, die
die Studenten veranstalten würden. Monotonie gibt es für sie nicht in Hildesheim,
aus dem paradoxen Grund: »Man findet
immer jemanden, dem auch langweilig
ist.« Dann trifft man sich zum Glühwein
trinken, Plätzchen backen
oder Risiko spielen. Gemeinsames Tatort schauen kennt sie noch nicht.
»Hey, gute Idee!«, meint sie.
Toll findet Josi auch die Dozenten.
»Wir gehen oft privat zusammen ins Café
und duzen auch die meisten.« Wenn mal
ein Seminar ausgebucht ist, kommt man
nach persönlicher Absprache trotzdem
rein. Auch Fristen und Anerkennungen
sind Verhandlungssache. Damit bestätigt
Josi das »ausgezeichnete Betreuungsverhältnis«, mit dem die Uni auf ihrer Homepage
wirbt. Nur die Bibliothek ist ihr zu klein. In
drei Minuten hat man die Regale abgelaufen, auf denen ein Großteil der Bücher aller
Fachbereiche steht. »Das meiste geht über
Fernleihe.« Josi verzieht den Mund: »Eine
Hausarbeit kostet mich da schon mal 30 bis
40 Euro.«
Abends geht Josi zur Vokü im Café Brühlchen in der Innenstadt. Wie jeden Donnerstag. Abgerissene Sofas, »Castor schottern!«Poster an den Wänden und veganes Chili:
alles sehr studentisch und irgendwie politisch. Dabei ist Hildesheim bei weitem
keine typische Unistadt, sondern Deutschlands Hort der Alten. Neben Hochschülern
wohnen hier hauptsächlich Menschen über
50. »In Berlin habe ich immer das Gefühl,
die Stadt passt sich Dir an.« Die 22-Jährige hat in der Metropole Verwandte und ist
öfter mal dort. »Hier muss man sich der
Furios 05/2011
Titelthema: Massenuni
Stadt anpassen.«
Wenn
man etwas erleben will,
muss man das eben
selbst organisieren. Vielleicht engagieren sich deshalb die
meisten ihrer Kommilitonen, das StuPa
tagt einmal die Woche. Gesprächsthema
Nummer eins ist an diesem Abend aber
nicht die Weltrevolution, sondern der Poetry Slam vom Vortag. »Habt ihr gehört?«,
höre ich heute schon zum fünften Mal. »Es
war so voll, die haben draußen an den Fenstern gestanden um was mitzubekommen!«
Ich verlasse die Runde in Richtung Kulturfabrik, dem Schauplatz der Slam-Sensation.
5 kg
An der »Kufa« treffe ich Juli. Die zierliche Schwarzhaarige mit dem aufmerksamen Gesichtsausdruck studiert seit diesem
Semester Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus. »Rauchst Du? Isst Du
Fleisch?« möchte sie als erstes wissen. Aufatmen auf allen Seiten: Wir mögen beides.
In der Kufa ist Burgertag und ein ziemlich
mittelmäßiger Singer-Songwriter behindert
unser Gespräch. Nach und nach kommen
noch andere Kreativ-Studenten an unseren
Furios 05/2011
Tisch, der der einzige besetzte
bleibt. Auch hier dreht sich
erstmal alles um den Poetry Slam. So viel los wie
selten. »Als ich angekommen bin, dachte
ich: Toll, und jetzt?«
Hildesheim ist für
die Regensburgerin
Juli keine Wahlheimat. Der Studiengang war entscheidend. »Am ersten
Tag habe ich mich
in ein Café gesetzt.«
Aus kajalumrandeten
Augen wirft sie mir einen ironischen Blick zu:
»Da war so eine Hausfrau
in Trainingshose, die habe
ich gefragt, was es denn
Besonderes in der Stadt
gibt.« Die ernüchternde
Antwort: »Dahinten reißen sie
Häuser ab, da guck’ ich immer.«
Ansonsten arrangiert man sich mit
Hildesheim. Und schließlich habe ich ja
Kreative vor mir, die sich notfalls selbst
zum Event machen. Das Gespräch kommt
immer wieder auf besonders eigenartige
Exemplare unter ihnen. Den heiligen Klaus
zum Beispiel. Flyer und Sticker mit ihm
als Jesusfigur sind überall auf dem Campus verteilt – Selbstinszenierung als Seminaraufgabe. »Der ist jetzt weltberühmt!
Weltberühmt in Hildesheim …«, schmunzelt Johanna.
Aber auch im gemütlichen Hildesheim
ist nicht alles Ponyhof. Johanna und die
anderen erzählen vom Dauerclinch am
Fachbereich: »arrogante« Kreative gegen
»müsliessende« Kulturwissenschaftler. Wenig Platz auf dem Campus, viel Raum für
Klischees und Labels, mit denen man sich
wahlweise identifiziert oder gegenseitig
brandmarkt. Dass es an der Uni sogar Naturwissenschaftler gibt, halten die Anwesenden für ein Gerücht. Dafür bieten die
Lehrämtler jede Menge Angriffsfläche und
schießen ebenso zurück. Welche Ausmaße
das annehmen kann, weiß Juli. Denn auch
wenn man sonst unter sich bleibt, manche Seminare teilt man eben doch. »Wenn
dann ein Lehrämtler einen Witz macht,
lachen nur seine eigenen Kommilitonen.«
Und umgekehrt. »Bekackt«, findet auch
Johanna.
5 kg
Am nächsten Morgen fahre ich mit Juli
zu »ihrem« Campus. In den 15 Minuten
Fahrtzeit lassen wir die Stadtgrenzen weit
hinter uns. Durch eine Pappelallee laufen
wir vorbei an winterlichen Wiesen. Vor uns
sind die Umrisse eines alten Gutshofs im
Nebel zu erkennen. »Normalerweise stehen
hier auch Pferde«, nuschelt Juli zwischen
Schal und Mütze. Ein Hauptgebäude, drei,
vier kleine Ställe und Nebenhäuser, aus
denen Sägegeräusche dringen – die Umgebung, in der Schöpferkraft geschult wird.
Da sitzen sie, die Kreativen: auch hier keine
Fashionvictims und Hardcore-Individualisten. Dafür blasse, müde und Kaffee schlürfende Menschen. Ich fühle mich heimisch.
In letzter Minute müssen wir den Raum
wechseln. Die Vorlesung »Mediengeschichte« hören wir jetzt im Blauen Salon, eine
Art mittelalterliche Klause, die nur für etwa
10 Studenten Platz hat. Ein paar von uns
setzen sich auf die Fensterbänke – Überfüllung auf Hildesheimerisch. Eine Studentin
hat ihren Teller aus dem hofeigenen Café
mitgebracht und zerkleinert langsam Kartoffeln mit Quark. »Schon nach ein paar
Wochen kannte ich jeden in meinem Studiengang«, flüstert mir Juli zu. »Und die
meisten anderen zumindest vom Sehen.«
Sie findet das eher langweilig als beschaulich. Ihren Master will sie in jedem Fall woanders machen.
14.15 Uhr: Ich nehme den Bus, der jetzt
voller ist als der Campus. Nach und nach
steigen immer mehr bepackte Studenten
ein. Freitag ist der Tag der Heimfahrer.
Auch meine Zeit in Hildesheim endet heute. Vorher werde ich aber noch kurz bei Josi
in der WG vorbeischauen, auf einen Tee
und eine Partie Risiko. Ist ja nur ein Katzensprung, in Hildesheim.
■
FURIOS-Herausgeberin Marlene
Göring studiert Neuere Deutsche
Literatur. In ein paar Wochen wird
sie Josi bei ihrem Gegenbesuch über
den FU-Campus führen.
9
Titelthema: Massenuni
Eine Klasse
für mich
Die Klasse ist an der Uni verpönt. Das sei etwas für Schulen, wird gemeckert. Dabei wird
vergessen: Klassenverbände sind ein Mittel gegen Vereinsamung im Massenbetrieb.
Von Linn VoSS — Illustration: Christine Spady
J
ulia hat genug. Die 21-Jährige schaut
über den Rand ihrer Milchkaffeetasse. Sie wirkt selbstbewusst und aufgeschlossen. Ihr Umgang ist freundlich, ihre
Stimme ruhig, aber bestimmt. Eigentlich
kann man sich nicht vorstellen, dass jemand wie sie in der Masse untergeht. Trotzdem sagt sie: »Ich fühle mich extrem unwohl hier, weil ich das Gefühl habe, keinen
Anschluss zu finden.« Vor einem Jahr hat
sie begonnen, an der FU BWL zu studieren. Am Ende des ersten Semesters hat sie
noch immer kaum jemanden auf der Straße
erkannt.
30 000 Studenten sind an der Freien
Universität Berlin immatrikuliert. Die Zahl
entspricht der Bevölkerung von Usedom.
Trotzdem fühlt sich hier manch einer wie
auf einer verlassenen Insel. Wir kennen
das Gefühl wahrscheinlich alle. Man hetzt
in die überfüllte U-Bahn, ohne einen einzigen der Miteingestiegenen zu kennen.
Professoren kennen niemanden persönlich.
Und mittags bleibt die Suche nach einem
bekannten Haarschopf an einem der Mensatische vergebens.
So ging es auch Julia in ihrem ersten Semester an der Massenuniversität. Sie gab
sich nochmals ein halbes Jahr, um in Berlin
anzukommen. Ohne großen Erfolg. »Natürlich kenne ich verschiedene Leute, aber
das ist alles eher oberflächlich«, sagt sie.
»Man sieht sich im Seminar, geht gemeinsam in die Mensa, vielleicht auch mal am
Wochenende tanzen. Aber intensive Gespräche gibt es selten.« Einen Grund dafür
10
sieht sie in der Angebotsvielfalt der FU: »Im
zweiten Semester hatte ich fast keine Veranstaltung mit jemandem, den ich bereits
kannte.« Die meisten Gesichter waren ihr
immer noch fremd. Ihr Studium setzt sie
jetzt in Münster fort.
5 kg
Julia ist kein Einzelfall. Wer an der FU
einen Studienplatz ergattert, darf sich als
Gewinner fühlen. Trotzdem werden viele
damit nicht glücklich, weil sie in der neuen
Umgebung nicht ankommen. Der Betreuungsschlüssel an Massenuniversitäten ist
in der Regel katastrophal. Viele Studenten
haben in den ersten Semestern mit den
Professoren ihres Faches überhaupt keinen
Kontakt, Tutorien werden von wechselnden Dozenten geleitet. Oft sind die Studierenden mit Problemen überfordert, weil sie
nicht wissen, an wen sie sich wenden können.
Die FU gibt keine offiziellen Zahlen
über die Abbrecherquoten und die Gründe bekannt, warum die Leute ihr Studium
schmeißen. Im Jahr 2007 gelangte jedoch
eine FU-Erhebung zum Studienerfolg in
den neuen Bachelor-Studiengängen an die
Öffentlichkeit. Sie belegt, dass das Ziel der
BAs, das Studium effizienter und erfolgreicher zu gestalten, nicht erreicht wurde.
Im Vergleich zu den alten Studiengängen
brechen mehr Studenten ihr Studium ab,
in den ersten beiden Jahren bis zu 37 Prozent. Ein nicht unwesentlicher Grund für
die hohe Abbrecherquote dürfte dabei der
Mangel an sozialer Interaktion
sein.
Gemäß einer
Studie der gemeinnützigen
Hochschul-Informations-System
GmbH
fühlen
sich nur 12 Prozent der Studienabbrecher an
deutschen Universitäten rundum
gut von ihren
Professoren und
Dozenten
betreut. Und vor
allem Studenten, die
wenig Kontakt zu ihren
Kommillitonen haben,
sind laut der Studie von
einem Abbruch gefährdet:
Die Motivation zu lernen
und am Ball zu bleiben sinkt,
wenn man im Studienfach keine persönlichen Bindungen hat.
Von 100 Studienabbrechern geben
34 an, nur sehr schwer Kontakt zu
ihren Kommillitonen gefunden zu
haben.
Auch eine Massenuniversität kann
den Kontakt zwischen ihren Studenten
fördern. Das Problem ist nicht die Masse,
sondern die Organisation. An angelsächsischen Universitäten und an Fachhochschulen sind die Studenten nicht nur in Fächer,
Furios 05/2011
Titelthema: Massenuni
sondern in Jahrgänge und Klassen eingeteilt.
Ein System, das Schule macht. An der FU
gibt es inzwischen Institute, die den Ansatz
erfolgreich übernommen haben. Die Idee
dahinter ist einfach. »Unsere gelebten sozialen Kontakte, also Freundschaften oder
Partnerschaften, finden meist in Gruppen
statt, die eine Größe von 15 Personen nicht
überschreiten«, sagt Bettina Hannover, Sozialpsychologin an der FU. »So behalten
wir den Überblick und erhalten trotzdem
emotionalen Rückhalt.« Die Schwierigkeit
bestehe momentan darin, einen sozialen
Raum zu finden, der von seiner Größe her
persönliche Beziehungen zulässt. Das können selbstorganisierte Arbeitsgruppen im
Seminar, eine Studentenvertretung oder die
Mannschaft im Unisport sein. Oder eine
Klassengemeinschaft. »Da sind auch wir
als Universität gefragt«, räumt Dr. Hannover ein. Sie fordert: ›Wir müssen mehr
klassenartige Strukturen aufbauen, um den
Studenten das Gefühl zu geben, nicht von
der Masse an Kommillitonen verschluckt
zu werden.«
5 kg
Wie das konkret aussehen kann, zeigt das
John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien – kurz JFK – an der FU. 30 Studenten werden pro Jahr für den Master und
60 für
den Bachelor zugelassen.
Sie können aus den
sechs Bereichen
Literatur,
Kultur,
Ge-
schichte, Wirtschaft, Soziologie und Politik
zwei Schwerpunkte wählen. Dass trotz dieser Vielfalt der Disziplinen ein Klassengeist
entsteht, beginnt beim speziell angelegten
Lehrplan. Interdisziplinäre Veranstaltungen decken auch die vier anderen, nicht
gewählten Fächer ab. »So kommen unsere
Studenten immer wieder zusammen und
können Kontakte knüpfen«, meint Andreas
Etges, Koordinator des Masterstudiengangs
am JFK.
Darüber hinaus versucht das Institut
aktiv, den Klassengeist zu pflegen. Etges
kümmert sich persönlich um die Bewerbungen für den Master, begrüßt jedes Jahr
alle Studienanfänger in einer gemeinsamen
Veranstaltung und ist Ansprechpartner für
alle Fragen zum Studium. Jede Klasse wird
nach ihrem Einstiegsjahr benannt und erhält eine gemeinsame Abschlussfeier, die
vom Ehemaligenverein organisiert wird.
Wer durch das Institut geht, sieht auf den
Fluren die Fotos von allen Feiern hängen,
auf denen jeder Student einen Absolventenhut trägt.
Alles nur akademischer Klimbim? Das
Institut ist mit seiner Strategie erfolgreich.
Die Studentin Nadia Nejjar ist zwar erst
seit Oktober am JFK, fühlt sich aber bereits
sehr gut aufgehoben: »Ich habe viel Kontakt
mit meinen Kommilitonen und kenne inzwischen alle zumindest vom Sehen.« Auch
die Professoren wirken sehr aufgeschlossen
auf sie. »Sie ermuntern
uns häufig, bei Problemen
jeglicher
Art zu
ihnen
zu
kom-
men.« Das
bestätigt auch Erika Ramberg. Sie hat ihren Bachelor in
Englischer Literatur und Kunstgeschichte in Boston gemacht
und ist für den Master nach
Berlin gezogen. »Hier hat jeder
Professor seine Sprechstunde.
Und wenn ich eine Frage habe,
Furios 05/2011
schreibe ich eine Mail, die spätestens nach
zwei Tagen beantwortet wird.«
Weiter gefördert wird der Gemeinschaftssinn nicht zuletzt dadurch, dass das
Institut ein eigenes Gebäude hat. »Wir
sitzen nicht einfach nur in einem Teil der
Silberlaube, sondern alles ist hier in der
Lansstraße untergebracht, auch die Bibliothek. Und die Fachschaftsinitiative hat
sogar ein kleines Café für die Studierenden
eingerichtet«, sagt Etges. Für ihn bedeutet
die Pflege der Klasse zwar einen Mehraufwand, doch dieser lohnt sich. Das JFK habe
– trotz hohem Arbeitspensum im Studium
– eine der geringsten Abbrecherquoten an
der FU.
5 kg
Die Organisation in Klassen birgt aber
auch Risiken. Die Klasse verringert zwar
die Anonymität innerhalb eines Jahrgangs,
kann jedoch zum Verhängnis werden,
wenn man sein Studium unterbrechen
muss. »Kommt man nach ein, zwei Jahren wieder, ist es für viele schwer, wieder
Anschluss zu finden. Die Karawane ist
ohne einen weitergezogen und man ist
der oder die ›Neue‹«, sagt Reinhard Franke, Diplom-Psychologe und Mitarbeiter in
der Psychologischen Beratung der FU. In
einer solchen Situation tritt besonders in
einem überfüllten Seminar zuweilen das
auf, was Psychologen als das »SpotlightPhänomen« bezeichnen: Der Betroffene
hat das Gefühl, alle Aufmerksamkeit würde
sich wie ein Scheinwerfer unangenehm auf
ihn richten. Oft wagt er dann nicht mehr,
sich in Seminaren zu Wort zu melden und
kapselt sich von seinen Kommilitonen ab.
Um dem entgegen zu wirken hilft meist ein
Gespräch mit Menschen, die ähnliche Probleme hatten. Das wiederum wird, ironischerweise, durch das Einrichten von
Klassengemeinschaften erleichtert.
Das neue Semester an der FU wird
ohne Julia beginnen. Sie behält zwar ihr
Studienfach bei, wechselt jedoch den Studienort. »BWL ist schon die richtige Wahl
für mich. Und in Münster wird dann hoffentlich auch das Drumherum stimmen.«
Nadja dagegen bleibt in Berlin, genauer
gesagt am JFK. »Ich fühle mich hier sehr
wohl und habe absolut nicht das Gefühl, in
der Masse unterzugehen.«
■
Linn Voß studiert im dritten
Semester Biochemie und ist
ganz froh darüber, dass das
außer ihr nur 20 andere tun.
11
Titelthema: Massenuni
Die Rabenmutter
Alma Mater war gestern. 70 000 Studenten zusätzlich strömen im nächsten Jahr an
die Universitäten. Für die Massenuni stellt sich die Identitätsfrage: Wer darf rein
und wer muss draußen bleiben? Frauke Fentloh kommentiert.
Illustration: Michi Schneider
A
lma Mater, »nährende Mutter«. So
wurden Universitäten jahrhundertelang von ihren dankbaren Studenten genannt. Hinter dem Kosenamen verbirgt sich die Vorstellung, die Studierenden
würden an ihrer Hochschule mit Wissen
genährt, auf dem Campus liebevoll umsorgt und von der mütterlichen Lehranstalt
mit einem allseits geschulten Verstand ausgestattet. Gefüttert mit Bildungshäppchen,
gepäppelt mit Fachkenntnissen und ein
bisschen Lebenserfahrung oben drauf. Irgendwann verlassen die Studenten schließlich den Schoß der Universität, gehen in
die Welt, werden Gelehrte, Staatsmänner,
Weltverbesserer.
So harmonisch, so gut. Doch dieses Konzept klingt nicht wirklich nach dem Studium, wie wir es kennen. Schon gar nicht
klingt es nach FU. Die Alma Mater, die gute
Universität, ist ein Relikt aus vergangenen
Hochschulzeiten. An der Massenuniversität
ist ihr Schicksal besiegelt: Unrettbar! Denn
hier ist vom Bildungsideal nicht mehr viel
übrig. Statt sich an einer ausgewogenen
Wissensnahrung satt zu essen, sieht sich der
Massenstudent mit einem überquellenden
und umso tückischeren Fast-Food-Buffet
konfrontiert. Die Riesen-Auswahl ist da,
aber im Laufschritt wird er am bunten Gabentisch vorbeigeschleust und muss sehen,
was er sich in die Taschen stopfen kann.
Hauptsache man hat was im Bauch. Von
Nestwärme ist an der Massenuni nichts
mehr zu spüren.
Und zu allem Unglück wird das in Zukunft nicht besser, sondern schlimmer wer-
12
den. Die Hochschulen platzen aus allen
Nähten. Noch nie gab es so viele Erstsemester, noch nie so viele Studierende. In diesem
Wintersemester sind rund 2,2 Millionen
Studierende an deutschen Unis eingeschrieben, fünf Prozent mehr als im vorherigen
Jahr. Und damit nicht genug: Im nächsten
Jahr kommen die doppelten Abiturjahrgänge aus Bayern und Niedersachsen hinzu,
außerdem wird die Wehrpflicht ausgesetzt
– die Zahl der Studienanfänger wird im
Jahr 2011 um etwa 70 000 steigen.
5 kg
Ohnehin ist Berlin ein Studentenmagnet. Alle Probleme der Massenuni werden
hier auf die Spitze getrieben. Schon in diesem Semester hat die Stadt 6 000 zusätzliche Studentenplätze geschaffen, 6 000 weitere sollen folgen. Auf den Gängen der FU
ist es merklich enger geworden. Langsam
wächst die Massenuni aus ihren Kleidern
heraus. Hörsäle und Seminare sind hoffnungslos überfüllt. Wahrscheinlich hat so
mancher Germanistik-Student in seinen
Kursen mehr über seine Beinmuskulatur als
über die Grundlagen der Linguistik gelernt,
neunzigminütigem Halbsitzen auf dem
Heizkörper sei Dank. Ein Sitzplatz ist an
der Massenuni nicht für jeden da, ebenso
wenig wie ein Platz im Erasmus-Programm
oder im Unisport. Und Diskurs und Diskussion sind bei fünfzig Seminarteilnehmern fast ein Ding der Unmöglichkeit.
Den Heerscharen, die in den nächsten
Jahren an ihre Pforten klopfen, wird sie erst
recht nicht gewachsen sein. Mancherorts
befürchtet man gar »Kollaps« und »organisatorisches Desaster«. Knappe Kapazitäten
werden vor allem die Zulassungsbeschränkungen erschweren. Studiert werden soll, ja
bitte, da sind sich alle einig. Das schreiben
sich Politiker quer durch die Parteienlandschaft besonders gern und gut sichtbar auf
die Fahne. Wenn jetzt die Studentenzahlen
steigen, sollte doch endlich alles stimmig
sein - genug gut ausgebildete Akademiker,
die den Markt satt machen.
Leider nur fast. Denn den angehenden
Studenten kommt die Schuldenbremse der
Länder in die Quere. Im Klartext: Natürlich fehlt schon wieder an allen Ecken und
Enden das Geld, obwohl mit dem Hochschulpakt bereits zusätzliche Mittel für die
Universitäten bereitgestellt wurden.
An der Massenuniversität gibt es deshalb
kein Vorbei, die Massenabfertigung – alternativlos. Dennoch stellt sich mit dem radikalen Andrang mehr denn je die Identitätsfrage. Wer darf rein und wer muss draußen
bleiben? Und wer ist eigentlich qualifiziert
für ein Ellenbogen-Studium in der Wissensfabrik?
5 kg
In einer Zeit, in der Fähigkeiten auf der
Mattscheibe verhandelt werden, ist die Antwort einfach: Massencasting. Es könnte einem neuen Auswahlverfahren die Richtung
weisen. Wenn man die Casting-Situation
vom flüchtigen Moment aus Beachtungsexzess und inszenierter Inkompetenz befreit
und stattdessen auf echtes Interesse setzt.
Furios 05/2011
Titelthema: Massenuni
Peter-André Alt, der im bunten Anzug über
die Bühne stolziert, die Bewerber mit flapsigen Sprüchen abkanzelt, dazu johlende
Viertsemester im Publikum – das brauchen
wir sicherlich nicht. Die Uni aber braucht
eine Alternative zu den bisher doch sehr
schematischen Zulassungsverfahren. Die
Logik des Show-Castings müsste dafür in
sein Gegenteil verkehrt werden. Während
das Ziel einer Casting-Show das Verfahren
an sich ist und nicht die Begünstigung von
Talentierten, muss die Uni die individuelle
Begegnung nutzen, um die Studenten zu
finden, die zu ihr passen. Es drängt sich eine
einfache Forderung auf: Auswahlgespräche
und andere individuelle Bewerbungskriterien müssen endlich zum Maßstab werden.
Dann wird sich zeigen, wie sich die
Hochschule den Otto Massenstudent
wünscht. Soll er sich ruhig verhalten im
Mühlrad der Menge, ein Durchschnittsmensch, der möglichst wenig Ressourcen
verbraucht und auch sonst keinen Ärger
macht? Oder kommen im Gegenteil nur
noch die Hochmotivierten zum Zug, die
schon vor dem Studium genau wissen, wo
es im Lebenslauf einmal langgehen soll?
Auch wenn derartige Auswahlverfahren
bei den angehenden Studenten erst mal
keine Begeisterungsstürme auslösen, sollte
man sich auf die Idee einlassen. ZugegeFurios 05/2011
ben, das kostet Mehraufwand. Schließlich
müsste man extra anreisen, sich auf die
Diskussion vorbereiten. Ein paar OnlineBewerbungen auszufüllen und ein Zeugnis
in den Briefkasten zu werfen ist da deutlich
stressfreier. Doch die nervtötende Mühe
könnte sich auszahlen.
So bekämen nämlich auch diejenigen die
Chance auf einen Studienplatz, bei denen
in der Abinote keine Eins vor dem Komma
steht, die aber für ihr Fach brennen. Wem
Mathe oder Französisch zu Schulzeiten den
Durchschnitt versaut hat, muss schließlich
nicht der schlechtere Psychologie- oder
Literaturstudent sein. Die Uni Greifswald
praktiziert das bereits in einigen Studiengängen. Das Resultat: Hier hat auch ein
Bewerber mit einem Abiturschnitt von 2,5
noch eine Chance aufs Medizinstudium.
Für die Uni sind solche Verfahren mit
einer Lawine an bürokratischem Aufwand
verbunden. Klar. Aber gleichzeitig helfen
sie ihr, die Studenten zu erreichen, die sie
braucht. Welche, die wissen, wo sie studieren wollen. Welche, die sich die Zeit genommen haben, den Unikoloss jenseits des
polierten Internetauftritts kennenzulernen.
Immerhin nicht unerheblich für die Entscheidung.
5 kg
Denn eines steht fest: Die Massenuni
kann nur funktionieren, solange sie ihre
Studenten nicht überfordert. Andererseits
ist es aber auch Sache der Studierenden,
das Beste aus der Massenkost zu machen.
Wer will, kann in den Kursen gemütlich in
der letzten Reihe abtauchen und am Ende
des Semesters eine Hausarbeit abliefern.
Hin und wieder mal ganz angenehm. Doch
wer nach jahrelangem Studieren mehr gewonnen haben will als einen akademischen
Titel, dem werden Eigeninitiative und Engagement abgefordert. Denn schlecht ausgebildete Akademikermassentiere, die mit
eingezogenem Kopf durch volle Uniflure
gehastet sind, braucht niemand. Völlig
übersättigte Lernfabriken aber ebensowenig. Wer Bildung für die Massen will, muss
die Massenuni auch studierbar machen.
Alles andere wäre schizophren. Dass aus
der FU in diesem Leben keine Alma Mater mehr wird, ist wohl klar. Dafür, dass sie
nicht vollends zur Rabenmutter mutiert,
muss schnellstens gesorgt werden.
■
Frauke Fentloh studiert Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft. Sie arbeitet
in der Nachrichtenredaktion
von Zeit Online.
13
4 / 40000
4
* 40 000 Menschen drängen sich an der FU.
4 Studierende an 4 überquellenden Orten.
40 000*
»Meine Taktik? Einfach aushalten.«
In der U3: Elisa, 21, studiert Publizistik und Politikwissenschaften.
Jeden Morgen kämpft sie sich durch das U-Bahn-Dickicht.
Eigentlich versuche ich, die Fahrt mit der U3 zu den Stoßzeiten zu vermeiden. Aber manchmal geht es einfach nicht anders, so wie heute. Ich wohne
am Fehrbelliner Platz, laufe aber meistens zum Hohenzollerndamm. Da ist
die Bahn noch leer und ich bekomme einen Sitzplatz. Purer Luxus um diese
Uhrzeit und die beste Position im bevorstehenden Gedränge! Schnell noch
die Jacke ausziehen, mir wird in der Bahn immer warm. Dann kommt der
Ansturm. Ich fühle mich bedrängt von all den Menschen. Dauernd tritt jemand auf meinen Fuß oder schlägt mir seine Zeitung ins Gesicht – denken
die Leute wirklich, jetzt sei ein guter Zeitpunkt, um die auszupacken?
Ich steige am Thielplatz aus. Nach Dahlem-Dorf wird die Fahrt entspannter,
ich ziehe meine Jacke wieder an und kann mich ein wenig regenerieren. Wenigstens bis zum nächsten Gedränge an der Treppe. Meine Taktik? Einfach
aushalten, eine bessere hab’ ich auch nach fünf Semestern hier nicht.
Richtig schlimm war es, als ich letztes Jahr mit gebrochenem Bein im Rollstuhl saß. Einmal haben mein Freund und ich versucht, uns mit seinem Fahrrad und meinem Rollstuhl in die volle Bahn zu quetschen. Natürlich ging das
nicht gut und am Ende musste er sein Rad mit einem Sprung durch die sich
schließenden Türen retten und ich saß verlassen und ein bisschen hilflos in
meinem Rollstuhl am Bahnsteig. Dabei bin ich sonst eine von denen, die sich
immer noch in den Wagen quetschen. All meinen Mitfahrern empfehle ich
natürlich, eine Bahn abzuwarten.
»Nervige Behördengänge«
In der ZEDAT: Julian Daum ist 20 und kommt aus Bayern. Er studierte
in Potsdam Germanistik und Geschichte. Jetzt probiert er es an der FU.
Ich wollte jetzt eigentlich lernen. Ich komme oft her, wenn ich Pause habe.
Verzweifelte Studenten habe ich bisher nicht gesehen. War immer sehr ruhig.
Campus Management ist schon eine Vereinfachung. Ich finde gut, dass man
alles von zu Hause aus machen kann. Das Problem ist aber, dass man bestimmte Fristen einhalten muss und wenn irgendwas nicht klappt, kann man
manuell nichts machen. Weil ich meinen Studentenausweis nicht rechtzeitig
gekriegt habe, konnte ich mich nicht übers Campus Management anmelden.
Ich musste zu jedem Prof gehen und hatte die nervigen Behördengänge am
Ende trotzdem.
Mir gefällt es an der FU besser als in Potsdam, das ein bisschen kleiner ist,
weil hier die Lehrbedingungen sehr viel besser sind. Ich saß dort in jeder Veranstaltung in einem überfüllten Raum. Das Problem habe ich hier gar nicht
mit zehn, fünfzehn Leuten in einem riesigen Seminarraum. Mir kommt die
Betreuung einzelner Studenten noch sehr individuell vor.
Ich komme hierhin und ziehe meine Ausbildung durch und das war’s. Vielmehr Anspruch habe ich eigentlich gar nicht.
14
Furios 05/2011
Notiert von Rebecca Ciesielski, Fanny Gruhl, Katharina Hilgenberg und Henrice Stöbesand
Fotos: Cora-Mae Gregorschewski
»Neulich habe ich den Professor
von Nahem gesehen.«
In der Vorlesung: Tanja, 21, studiert Russisch und Politik auf Lehramt.
Zu den FU-Professoren hat sie ein besonderes Verhältnis.
Ich finde es manchmal sehr schlimm, so früh aufzustehen … dann ist jetzt
auch noch Winter, das heißt ich stehe im Dunkeln auf und komme im Dunkeln nach Hause. Und der Hörsaal ist proppenvoll.
Aber die Vorlesung hier ist klausurrelevant. Professor De Haan ist aufgeschlossen und witzig. Ich finde ihn aber nicht attraktiv oder dergleichen...ist
ja auch schon älter. Neulich habe ich ihn mal von ganz Nahem gesehen. Das
war besonders einprägsam. Denn sonst sitze ich oft hinten im Hörsaal, weil
vorne nie Platz ist. Jedenfalls sieht Professor De Haan ganz anders von Nahem
als von Weitem aus.
Da Russisch an der HU kein so überlaufenes Fach ist, sind in den »Klassenräumen« maximal 30 Leute. Es ist viel familiärer und man kann trotzdem
noch zwischen 5 inhaltsgleichen Seminaren zu unterschiedlichen Zeiten wählen. An der FU gibt es kaum solche Seminare. Die Bekanntschaften bleiben
hier leider nur oberflächlich. Manchmal sitzt man in einer Vorlesung und ist
ganz einsam. Die Größe der FU garantiert dafür viel Auswahl, nicht nur an
Leuten, sondern auch an Kursen und Orten. Und es gibt viele tolle Professoren. Deshalb mag ich die FU. Außerdem bin ich Berlinerin. Ich habe ein
Jahr in Texas und eins in Ghana verbracht, aber länger möchte ich nicht von
Freunden und Familie getrennt sein. Ich bin Lokalpatriotin. Ich liebe Berlin.
»Radio ist sowieso bald tot«
In der Mensa: André ist 31 und studiert Philosophie und Religionswissenschaften an der FU.
Ich esse Nudeln mit Partyfrikadellen. Die heißen echt so! Ist aber auch nur
ganz normales Hackfleisch. Ach ja: Außerdem Iebe ich in Potsdam, weil mir
Berlin zu anstrengend wäre. Ich muss nicht jeden Tag auf Partys gehen und
würde außerdem die Natur vermissen.
Vor zehn Jahren habe ich ein Studium angefangen, in Rostock. Damals war
Studieren noch anders. Man hatte mehr Vorlesungen und weniger kleine Seminare. Deshalb finde ich, dass die Umstellung auf Bachelor und Master das
Studium etwas entanonymisiert hat. Es ist leichter, Kommilitonen in kleineren Seminaren kennenzulernen, als in Vorlesungen, in denen zum Teil mehrere hundert Studierende sitzen.
Das Studium habe ich damals nach wenigen Semestern wieder abgebrochen,
als ich ein Praktikum beim BBRadio bekommen habe. Beim Radio zu arbeiten war immer mein Traum. Jetzt bin ich wieder an der Uni gelandet. Ich
wollte den Konkurrenzdruck und die nervenraubenden Arbeitszeiten nicht
mehr. Hier kann ich mich endlich mit den Dingen beschäftigen, die mich
wirklich interessieren. Außerdem ist Radio als Massenmedium in spätestens
zehn Jahren sowieso tot.
Furios 05/2011
15
Campus
Das
Leben
der
Anderen
Integrationsdebatte trifft
Wirklichkeit. Im Nightingale
Projekt begegnen FU Studenten
Kindern mit Migrationshintergrund.
Anne Vanselow über ein
unverkrampftes Miteinander.
Fotos von Cora-Mae Gregorschewski
»I
ch möchte aus meinem Viertel rauskommen«, sagt Melike wie
aus der Pistole geschossen. »Und du möchtest dein Deutsch
verbessern«, schiebt ihre Mutter schnell nach. Das 11-jährige
Mädchen mit den dunklen Locken nickt kurz, dann wendet sie
sich wieder Wichtigerem zu. Genauer gesagt ihrer Sitznachbarin
Siska. Die ist 21 und Studentin.
Der Glaspavillon der Otto-Wels-Grundschule ist heute Begegnungsstätte. Schüler, Lehrer, Eltern und Studenten sitzen an
diesem Nachmittag dicht gedrängt. Lebhaft geht es zu. KinderGeschnatter, auf deutsch und türkisch, klirrende Kaffeetassen und
Stühlerücken. Ein Teil der anwesenden Frauen trägt Kopftuch - so
wie Melikes Mutter. Für Siska unvorstellbar.
Die Studentin und die kleine
Deutsch-Türkin verbindet auf
den ersten Blick wenig. Dennoch
werden sich die blonde Lehramtskandidatin und die quirlige Schülerin aus Kreuzberg in den kommenden sieben Monaten häufiger
sehen. Einmal pro Woche. Genug
Zeit also, um zusammen andere
Ecken der Stadt zu entdecken, so
wie Melike es sich wünscht. Und
vielleicht noch ein bisschen mehr.
Die beiden nehmen an einem
Projekt der erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Freien Universität
und der Otto-WelsGrundschule teil. Dem sogenannten »Nightingale-Projekt«. Idee
ist es, Berliner Studenten und Kinder aus sozialen Brennpunkten
zusammenzubringen, um so die jeweils andere Lebenswelt kennenzulernen. Gelebte Integration – während einige U-Bahnstationen
entfernt im Regierungsviertel die Integrationsdebatte schon wieder
versiegt.
16
Die meisten der Studenten, die an dem Projekt teilnehmen,
studieren Pädagogik. Unfaire Startchancen, mangelnde Deutschkenntnisse und fehlgeschlagene Integration – sie wollen heute
lernen, was ihnen morgen an deutschen Schulen blüht. In Berlin
beträgt der Migrantenanteil an den Schulen über 50 Prozent, interkulturelle Kompetenzen sind da unabdingbar. »Viele, die bei uns
Pädagogik studieren, haben bisher in ihrem Leben noch nicht viel
Kontakt zu Migranten gehabt«, erzählt die Projektleiterin der FU,
Professor Petra Wiehler, »Durch Nightingale bekommen sie einen
Einblick in das Leben von Migrantenfamilien und lernen ihre Hintergründe kennen.«
Siska und Melike haben
noch viel vor. Ninas Zeit
als Mentorin ist hingegen
schon vorbei. Über ein
Jahr ist es her, dass sie die
10-jährige Nalan zum ersten Mal getroffen hat: Sie
hatte dunkle Haare, erinnert sich Nina. Nichts
Ungewöhnliches für ein
Mädchen mit türkischem
Migrationshintergrund.
Aber ihre blauen Augen,
die fielen auf.
Nalan wohnt mit ihren Eltern und Geschwistern in
der Nähe des Moritzplatzes - hier holt Nina das Mädchen an einem
Sonntag im April ab. Es stürmt. Nina möchte Nalan ihre WG zeigen. Anschließend wollen die beiden gemeinsam kochen: Rotkohl
mit Kartoffeln und Erdnuss-Soja-Soße. Zum Nachtisch vegane
Kekse. In Ninas gelb gestrichener Küche schält Nalan eifrig Kartoffeln. Sie hat Spaß an der Arbeit. Voller Tatendrang hilft sie Nina
den Teig zu kneten und wundert sich: »Ich wusste gar nicht, dass
Furios 05/2011
Campus
Info
Das Nightingale-Projekt kommt ursprünglich aus Schweden. Es
wurde 1997 von der Universität Malmö und verschiedenen Schulen
ins Leben gerufen. Der Name hat Symbolcharakter, denn es heißt,
die Nachtigall sänge am Schönsten, wenn sie sich rundum sicher
fühlt. Vor vier Jahren hat sich der Berliner Ableger mit dem Nameszusatz „Hand in Hand“ gegründet. Er erhält Fördermittel aus
dem Europäischen Fond für Regionale Entwicklung und von der
Berliner Senatsverwaltung. Die werden unter anderem genutzt,
um den Teilnehmern die Kosten für ihre Ausflüge zu erstatten.
Bei Interesse meldet euch bei: [email protected]
man ohne Milch backen kann«. Die Kekse schmecken ihr trotzdem
– auch ohne Milch und Eier.
Nicht nur Nalan hat Spaß. »Man trifft sich regelmäßig mit einem kleinen Menschen, der eine teils so andere Weltansicht hat,
einfach andere Bedürfnisse und Wünsche«, sagt die Studentin. »Da
bekommt man selbst eine andere Perspektive und versteht vielleicht mehr, wieso Menschen so leben wie sie leben und so denken wie sie denken.« In derselben Stadt aufgewachsen, prallen hier
doch unterschiedliche Lebenswelten aufeinander. Ninas Einfluss ist
begrenzt. »Ich dachte, es wäre leichter, Nalan davon zu überzeugen,
zu Hause mal öfter andere Dinge zu tun, als fernzusehen«, sagt
sie etwas desillusioniert. Umso mehr freut es sie, die Ergebnisse
ihrer gemeinsamen Arbeit zu sehen - zum Beispiel beim Freund-
schaftsbänder-Flechten. Die Technik ist knifflig. Aber aufgeben?
Das kommt für Nalan nicht in Frage. »So viel Konzentration ist
nicht selbstverständlich bei einem Kind, das im Durchschnitt fünf
Stunden fernschaut und kaum selber kreativ ist«, sagt Nina, nicht
ohne einen gewissen Stolz in der Stimme. Die Freude ist groß bei
der kleinen Deutsch-Türkin, als die Armbänder schließlich fertig
sind und um ihre schmalen Handgelenke baumeln.
Nalans und Melikes Eltern sind engagiert. So wie all die anderen
Eltern, die sich in der Mensa der Otto-Wels-Grundschule versammelt haben. Die Integration ihrer Kinder ist ihnen wichtig. »Viele
unserer Eltern sind sehr bemüht und sehen das Projekt als eine Art
Fortsetzung der Förderung ihrer Kinder an«, erzählt Brunhilde Focke, Konrektorin der Grundschule. Aber nicht allen Kindern geht
es so. Gerade die Schüler, die diese Unterstützung zu Hause nicht
bekommen, erreicht das Projekt nicht.
Das ist die Kehrseite der Medaille. Aber daran denken Melike
und Siska in diesem Moment nicht. Am Ende des Nachmittags
schmieden die Kreuzberger Grundschülerin und die Dahlemer
Studentin Pläne für ihr erstes gemeinsames Treffen: Ins Theater
wollen sie gehen oder ins Kino – eigentlich ganz egal.
■
Anne-Mareike Vanselow studiert Politikwissenschaft
im dritten Semester. Nach der Recherche zum Artikel hätte sie am liebsten auch sofort am NightingaleProjekt teilgenommen.
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17
Campus
Don’t Gender me, Baby!
An der FU forscht eine Tunte. Dr. Volker Woltersdorff alias Lore Logorrhöe im Gespräch über
gelebte Provokation, Faschingspartys und so ernsthafte Dinge wie Namensschilder an Bürotüren.
Das Gespräch führte Carolin Benack. Foto von Cora-Mae Gregorschewski.
Ein bisschen überraschend ist es schon, als Volker Woltersdorff alias
Lore Logorrhöe in Motorradkluft, mit Glatze und lachenden Augen
auf uns zukommt. Keine Spur von Perücke, falschen Wimpern und
hohen Absätzen. »Hi, ihr kommt von der FURIOS, richtig? Ich bin
Volker.« Wir folgen ihm in sein weiß gestrichenes Büro und setzen uns
auf drei freie Stühle.
Volker, wie kommt man darauf, sich Frauenkleider anzuziehen
und Lore Loghorröe zu nennen?
In den 70er und 80er Jahren gab es die Tradition in der Schwulenszene, Tuntenpseudonyme zu tragen. Damit hat man seine Kritik
an den herrschenden Geschlechterrollen und dem Sich-Einfügen
in eine rein männliche Identität ausgedrückt. Zum Einen fand
ich diese Tradition sehr schön, sodass ich daran anknüpfen wollte.
Und zum Anderen hat sich das aus meinem queeren Umfeld ergeben. Da bekam man sehr schnell einen Tuntennamen. Also habe
ich offensiv reagiert und mir selbst einen zugelegt. Logorrhöe wird
von der Psychologie als eine krankhafte Geschwätzigkeit definiert.
Ich hoffe, dass ich meinem Namen in diesem Interview nicht zu
viel Ehre bereite. (lacht)
Was hat es damit auf sich?
Mir wurde früher in der schwulen Politszene gern vorgeworfen,
dass ich ohne Punkt und Komma rede. Dieses Pseudonym war
18
quasi eine ironische Nach-Vorne-Verteidigung. Gerade im universitären Kontext ist das ein Name, der den Status von akademischer Rede … nun ja, vorsichtig hinterfragt.
Kannst du dich an das erste Mal erinnern, als du im Fummel
unter Leute gegangen bist?
Das war auf einer schwul-lesbischen Faschingsparty in München,
kurz nach meinem Coming-Out. Allerdings fällt mir gerade ein,
dass ich mich auch schon früher, so mit zwölf, als Prinzessin
verkleidet habe.
Wie haben deine Eltern denn darauf reagiert?
Meine Mutter hat das unterstützt. Das war, glaube ich, sogar ihre
Idee. Ich weiß nicht genau, was sie mir damit mitteilen wollte.
(lacht)
Und wie war das, als du später auch im Alltag Fummel getragen hast?
Da war sie sehr geschockt. (lacht) Vielleicht hat sie sich auch Vorwürfe gemacht. Mein Bruder fand das Ganze recht spannend, der
konnte von allen damit am besten umgehen. Meine Eltern hatten
daran aber schon sehr zu knabbern.
Gerade siehst du aber so gar nicht nach Tunte aus.
Nein, die meiste Zeit laufe ich nicht mehr als Tunte herum.
Furios 05/2011
Campus
Warum nicht?
Es ist einfach anstrengend. Denn als Tunte kreiere ich Unsicherheit bei meinem Gegenüber, weil es mich nicht einordnen kann.
Wenn man das tagtäglich macht, ist das sehr kraftraubend. Außerdem bin ich ja nicht nur Lore Logorrhöe, ich habe ja auch meine
Identität als schwuler Mann und möchte auch so gesehen werden.
Ist das im universitären Bereich nicht weniger kompliziert?
Die Menschen hier halten sich für zivilisiert und gebildet. Sie
haben den Anspruch, offen gegenüber Neuem zu sein. Deshalb
ist es für mich leichter, hier Tunte zu sein, als in der bayrischen
Provinz, in der ich aufgewachsen bin. Aber das hat auch Grenzen.
Es gibt noch keine Tunte, die als Tunte einen Lehrstuhl inne hat
und Vorlesungen im Fummel hält. Ich glaube auch, dass das ein
starkes Hemmnis für die Karriere wäre.
Du gibst selbst auch Seminare. Hast du das denn schon im
Fummel gemacht?
Zu einigen Sitzungen bin ich im Fummel gekommen, ja.
Und wie haben die Studierenden darauf reagiert?
(schmunzelt) Etwas überfordert. Ich bin zu einer Sitzung zu Judith
Butlers Gender Trouble und der Passage, in der sie sich über Drag
auslässt, im Fummel gegangen. Ich wollte vorschlagen, das an
meiner eigenen gender performance zu diskutieren. Aber da gab
es große Zurückhaltung.
Du selbst forschst im Sonderforschungsbereich »Kulturen des
Performativen« vor allem zu queeren Identitäten und Inszenierungen. Spürst du dieses Unbehagen auch in Bezug auf deine
Forschung?
An manchen Stellen würde ich mir mehr Auseinandersetzung
wünschen. Es gibt bestimmte Strategien, solche Themen abzuwehren oder zu ignorieren. Das ist einer der Gründe, die mich
müde gemacht haben, im universitären Raum mit Fummel zu
intervenieren. Ich dachte es würde reichen ein bestimmtes Wahrnehmungsbild zu stören, um die Menschen dazu zu bringen, über
Geschlechterrollen zu diskutieren. Das war aber nicht so einfach,
wie ich es mir erhofft hatte.
Wie sehen diese Strategien aus?
Es ist sehr schwierig an deutschen Universitäten mit solchen Themen Karriere zu machen. Außerdem gibt es keine institutionalen
queer studies, und auch die gender studies sind meiner Meinung
nach unterrepräsentiert. In den wenigen Instituten, die es gibt,
wird die Zweigeschlechtlichkeit und die Etablierung von queer
theory nur teilweise in Frage gestellt. Insgesamt gibt es also keinen
gesicherten institutionellen Ort, um diese Themen an einer Universität zu erforschen und zu lehren.
PHAbo10_210x74_4c_SpreePresse:Layout 1
13.12.2010
12:46 Uhr
Krankhaft geschwätzig: Der Name
Logorrhöe ist ein ironisches Augenzwinkern. »Mir wurde früher vorgeworfen,
dass ich ohne Punkt und Komma rede.«
(Foto: privat)
Draußen an deinem Türschild steht dein Pseudonym nicht
geschrieben. Wieso?
Ich gebe es immer wieder an und trotzdem wird es ignoriert.
In gewisser Weise ärgert mich das. Ich möchte jetzt auch nicht,
dass es mir als Wichtigtuerei ausgelegt wird, dass ich mir einen
barocken Namenszusatz leiste. Aber ich hätte es als schöne Geste
empfunden, das an die Tür zu schreiben.
Ist das nicht ziemlich borniert?
Nein, darüber wird eher ausgedrückt, dass dieses Tuntenpseudonym etwas Witziges ist. Dass es, wenn es um den harten Alltag
geht, um ernsthafte Dinge wie Namensschilder an Bürotüren,
vernachlässigt werden kann. Bei anderen Namenszusätzen, wie
zum Beispiel einem Adelstitel, gibt es eine größere Bereitschaft,
das als ernsthaft anzuerkennen.
Zum Schluss: Was sollte sich an der FU dahingehend noch
verändern?
Einmal wäre das natürlich eine stärkere Verankerung von queer
studies. Und was den Umgang mit Geschlechterdiversität betrifft,
wäre mein Wunsch, dass es auf Formularen die Möglichkeit gibt,
sich nicht auf eins von beiden Geschlechtern festzulegen. Und
vielleicht, dass man auch endlich ein Tuntenpseudonym angeben
kann.
Seite 1
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Furios 05/2011
Die Internationale
Plus tweeëndertig
Yulian begegnet Antwerpen. Die ungewöhnliche
Geschichte eines FU-Studenten auf der Suche nach Glück
in zweiunddreißig Atemzügen.
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Door Yulian Ide.
Hij was al tweeëndertig dagen in Antwerpen toen hij besloot gelukkiger te moeten worden. Net te weinig om zich
»Sinjoor« te kunnen noemen, maar zeker te veel om zomaar
weer terug naar zijn thuisstad te gaan. Dit verhaal begint heel
triestig, maar dat is meestal zo. Toen hij in de stad aan de
Schelde aankwam, bleek de start van zijn nieuwe leven iets
moeilijker dan hij had verwacht. In zijn thuisstad had hij al
kraakpanden bezocht die luxueuzer waren ingericht dan zijn
woning in Antwerpen. Sommige vrienden lieten niets van
zich horen, ook al had hij zich de hele tijd op hen verheugd.
Het waren er tweeëndertig. Hij was niet eenzaam, alleen iets
minder gelukkig dan thuis. Een job vinden was moeilijker
dan gedacht. Het regende en was niet bijzonder warm. Zijn
leven was een dubbele nul op een schaal van geluk van één
tot tien.
anderen worden ze als arrogant en onbereikbaar beschouwd.
Antwerpenaren noemen hun stad »’t Stad« – alsof er geen
andere bestond. Ze zijn trots op hun heden en verleden. En
toch wilden ze hem daar deel van laten zijn. Blijkbaar had hij
harten kunnen stelen.
2
+3
De verkoopster in de tweedehandswinkel herkende hem
en gaf hem extra korting op zijn aankopen, de vrouw in de
bibliotheek vroeg of zijn leven nu wat mooier was geworden.
»Tweeëndertig keer zo mooi«, antwoordde hij een beetje verdwaasd. Op feestjes moest hij zich niet meer voorstellen, zijn
naam was al bekend. De dj wuifde hem toe ter begroeting.
Hij vertelde zijn verhaal – keer op keer – en was het bijna al
een beetje beu om het tweeëndertig keer te herhalen.
Hij was een persoon die niet hield van de moeilijke dingen. Het liefst deed hij alles op de makkelijkste en plezantste
manier. Zo gebeurde het dat hij op een vrijdagnacht meerdere honderden affiches in de hele stad ophing. „Mooi leven
gezocht“ stond er in koeien van letters op. Ietsje overdreven
misschien. Zijn affiches waren zwart-wit en heel simpel, ze
hadden ook een amateurtoneelstuk of een smakeloos feestje
kunnen aankondigen. Ook zijn eigen foto was zwart- wit.
Hij hoopte met een glimlach Antwerpse harten te kunnen
stelen. Onderaan stond zijn gsm- nummer. Tweeëndertig affiches nam hij weer mee naar huis.
Amper een halve dag later, hij sliep nog diep en vast, kwamen de eerste berichtjes binnen. Studenten die met hem
iets wilden gaan drinken. Een oude vrouw die een nieuwe
kleinzoon nodig had. Een jongen die op zoek was naar een
vrijpartij. De Antwerpse regionale tv-zender belde hem op
en maakte van hem een symbool van eenzaamheid. Een monotone vrouwenstem becommentarieerde zijn lot. De uitzending duurde tweeëndertig seconden.
Er verschenen artikels in kranten over hem en hij kreeg
ongekend veel respons op zijn zwart-witte affiches. Had hij
ooit zijn karakter mogen kiezen, dan was hij graag een van die
stille waters met diepe grond geweest. Jammer genoeg kwam
hij altijd in het midden van de belangstelling terecht en was
hij allesbehalve ondoorgrondelijk. Nu dus ook. Iedereen wist
hoe hij was. Cool vonden ze hem. »En wat een lef had hij.«
Hij kreeg tweeëndertig berichtjes en tweeëndertig telefoontjes. Antwerpenaren zijn een elegant volk, dat wist hij. Alles
wat ze doen, doen ze op een deftige manier. De glazen waarin een koffie verkeerd wordt geserveerd, zijn hier mooier. Er
ligt altijd een reepje chocolade bij. Iedereen is mooi gekleed,
niemand schreeuwt of misdraagt zich. Als begroeting krijg
je een nietszeggende kus op de wang. Door de rest van Vla-
Furios 05/2011
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Intussen was de bewuste vrijdagnacht al een tijdje achter
de rug en besefte hij dat het redelijk makkelijk was van een
dubbele nul een plus te maken. Net als veel verhalen daarvoor, zal dus ook dit verhaal gelukkig eindigen. Een mooie
woning had hij ondertussen gevonden, hij lag in zijn bed.
Geen volk of gedoe, gewoon eventjes alleen. Het was weer
een vrijdagnacht. Op de achtergrond weerklonk zachtjes een
liedje in zijn moedertaal. Zijn gsm rinkelde, het was een uitnodiging voor het hipste feestje van de stad: »Je staat op de
gastenlijst. Plus tweeëndertig.«
■
21
Politik
Die Lehre-Drohung
77 Studenten kommen an der FU auf einen einzigen Dozenten. Lehrprofessuren sollen das
Betreuungsdilemma lösen. Doch statt Erleichterung geht auf dem Campus die Angst um.
Von Jonas Breng — llustration: Michi Schneider
I
m Kellergewölbe des OSI ist es heute
gerammelt voll. Mit Gipsbein humpelt
der Dozent Götz Aly in einen winzigen Raum, in den sich bereits ein Haufen
Studenten gezwängt hat. Die Luft ist verbraucht und Sitzplätze gibt es schon seit
einer halben Stunde nicht mehr. Eigentlich
wollte Aly ein Seminar geben – wenn er
doch nur durchkommen würde. »Das kann
ja heiter werden«, sagt der Historiker. Nicht
alle haben ihn gehört – denn ein Teil der
Anwesenden muss vor der Tür warten.
An diesem Dienstag im Oktober bekommt eine Zahl ein Gesicht: 77:1. So viele
Studenten kommen an der FU nämlich auf
einen einzigen Lehrenden. Negativrekord
in der deutschen Hochschullandschaft.
Deshalb sind Szenen wie die im Keller des
Otto-Suhr-Instituts keine Seltenheit.
Der Präsident beichtet
»Fast jeden Tag habe ich hier jemanden
sitzen, der berichtet, dass sein Fach personell unterausgestattet ist«. Peter-André Alt
deutet auf einen grauen Stuhl in der Ecke
seines geräumigen Büros. Platzprobleme
gibt es hier keine. Trotzdem ist dem Präsidenten nicht ganz wohl. Wie ein Beichtender hat er die Hände im Schoß gefaltet,denn
wenn die Bittsteller Platz nehmen, kann Alt
nur schwer etwas versprechen. Echte Spielräume hat er nicht. Zum einen mangelt es
für eine Erhöhung der Dozenten nämlich
schlicht an Geld. Zum anderen wäre die
FU verpflichtet, bei mehr Lehrenden auch
mehr Studierende an die Uni zu schleusen,
»Ein Paradoxon« ärgert sich der Unilenker
über die Kapazitätsverordnung*, die eigentlich eine Betreuungssackgasse ist. Doch Alt
hat einen Plan.
Ein »Unwort« soll zum Befreiungsschlag
werden: Lehrprofessuren. Darunter versteht
man am Campus die Erhöhung des Lehrdeputats für einzelne Professoren – auf Kosten
der Forschungsaufgaben, versteht sich. Diese würden zurückgeschraubt oder vorübergehend ganz entfallen. Die Kapazitätsverordnung ließe sich so umgehen. Es werden
zwar keine neuen Stellen geschaffen, aber
bereits vorhandene mit mehr Lehraufgaben
und einem neuen Etikett versehen. Damit
will man die Betreuungsarmut überwinden
und die blasse FU-Lehre endlich gesund
päppeln – ganz ohne Studiengebühren.
Aber was zunächst harmlos klingt, ist ein
kleines Erdbeben auf dem Campus.
»Abneigung, Ängste und Phobien«
Die Fachbereiche erzittern. Während
sich die Naturwissenschaften einigermaßen
offen zeigen, wird anderorts nämlich gepoltert gegen die kleine Kulturrevolution.
»Lehrprofessuren sind absoluter Unfug«,
findet FU-Professor Gerd Hoff. »Universität muss über Berufsausbildung hinausgehen«. Der Erziehungswissenschaftler ist
auf das Präsidentenprojekt nicht gut zu
sprechen. Ohnehin seien die Belastungen
schon hoch genug. Von einer Professur, die
den Fokus auf die Lehre legt und damit für
Forschung keinen Platz mehr lässt, will er
nichts wissen. Damit ist er nicht allein. In
vielen Fachbereichen stößt die Lehre-Drohung auf bange Blicke.
Da begegnen einem »Abneigung, Ängste
und Phobien, gerade bei den älteren Generationen«, sagt der Präsident zur Abwehrhaltung seiner Kollegen und rückt seine
Brille zurecht. Ignorieren will er ihren Ärger nicht. Deshalb entschied er, erst einmal
nichts zu entscheiden. »Wir brauchen flexible Lösungen, einen Systembruch wollen
wir nicht«, beschwichtigt er die Empörten
und spielt den Ball stattdessen den Fachbereichen zu. Sie sollen beraten und ihm
bis Anfang 2011 eine Rückmeldung geben.
Diskutiert werden 5-Jahres-Lösungen. Über
ein Rotationsprinzip könnten die Professoren dann abwechselnd die Lehrfront verstärken. »Der Staffelstab zur Lehre soll in
den Fachbereichen weitergegeben werden«,
meint Vizepräsident Prof. Michael Bongard. Der Ethikprofessor ist Teil des Präsidiums und einer von Alts engsten Vertrauten. Bongard und der Präsident sind sich
einig. Strukturentscheidungen begeht man
am besten in Trippelschritten. Tastend und
vorsichtig.
Zöllners Unverständnis
Einige Kilometer nordöstlich von Dahlem in einem großzügigen Vorzimmer
kann man diese Aufregung nicht verstehen.
»Wenn Professoren den Anspruch haben
schwergewichtig zu forschen, muss es auch
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« WAS
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transdisziplinär
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Rechtsextremismusforschung
und
der kritischen
der kritischen Männlichkeitsforschung
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22
Texte
68, 256 Seiten, Broschur, 14,90 Euro,
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Politik
welche geben, die schwergewichtig in der
Lehre tätig sind.« Berlins Bildungssenator
Zöllner blinzelt herausfordernd hinter den
runden Brillengläsern. Der Mann mit der
bunten Fliege und dem weißen Bart war
früher selbst Professor und will von Berührungsängsten nichts wissen. »Wenn wir
ehrlich die Gleichstellung von Lehre und
Forschung wollen, muss das erlaubt sein.«
Von draußen ist Baulärm zu hören. In Berlin tut sich was. Im neuen Hochschulrahmengesetz hat Zöllner auf flexiblere
Stellen mit höherem Lehrdeputat gedrängt. Er war die treibende Kraft
hinter den Lehrprofessuren. Geht
es nach ihm, dürfen es dann auch
mal 15 Stunden Lehre in der Woche sein.
Bei solchen Zahlen winkt man
im FU Präsidium ab. »Unsinn«
nennt das der Präsident. Die
Schmerzgrenze der FU liegt
bei zwölf Stunden in der
Woche, mehr seien auch bei
Lehrprofessuren nicht zumutbar. Dabei ist das bereits
erstaunlich dicht an der
aktuellen
Situation.
Momentan
stöhnen
die meisten Professoren nämlich unter einer Lehrlast von neun
Stunden pro Woche,
international ist das
überdurchschnittlich.
Wie die Lehrprofessuren im Einzelnen aussehen werden? Man ist sich
uneinig. Zöllner hat den
Rahmen bereitgestellt, aber
die konkrete Umsetzung liegt
bei den Universitäten. Vorschreiben lassen möchte man sich an der
FU nichts. Schließlich steht einer
ihrer Liebsten auf dem Spiel.
Atempause 2017 müssen deshalb so schnell
wie möglich neue Lösungen gefunden werden, um die schlechte Betreuungssituation
in den Griff zu kriegen. Andere Länder sind
hier besser aufgestellt. In Bayern beispiels-
Das Humboldt-argument
Denn auch weil Hochschulikone
Humboldt und seine Idee der Einheit von
Forschung und Lehre als unantastbar gelten, ist man im Präsidium so vorsichtig.
Die Angst um den Altgedienten schweißt
Uniführung und Kritiker zusammen. Man
wolle keinen Graben schaffen zwischen den
beiden Bereichen, heißt es von dort. So sind
dauerhafte Lösungen und reine Lehrprofessuren ohne Forschungsbezug zunächst kein
Thema.
Doch fraglich bleibt, wie zeitgemäß das
Humboldtargument noch ist. Mit den geburtenstarken Jahrgängen, dem Abitur in
acht Jahren und der Aussetzung der Wehrpflicht schwappt eine stattliche Studentenwelle auf die FU zu. Bis zur demografischen
Furios 05/2011
weise sind Lehrprofessuren bereits Realität.
Dort zeigt sich: Lehrprofessuren sind mit
Sicherheit kein Garant für einen Qualitätsschub in der Lehre. Aber die Wahrscheinlichkeit auf eine bessere Lehre steigt bei
enger Betreuung erheblich.
Ungeliebt und schlecht bezahlt
Bei der Diskussion an der FU drängt sich
dagegen vor allem ein Eindruck auf: Viel
Zuneigung haben die Professoren nicht für
die Lehre. Das hat viele Gründe. So ist die
Rechnung nämlich bisher einfach: Je mehr
man forscht, umso mehr verdient man
auch. »Das ist ein Problem, das wir angehen müssen«, gibt man sich im Präsidium
kämpferisch. Lehrprofessuren dürften nicht
ausschließlich in die schlechter bezahlten
Professorenkategorien abgeschoben werden, heißt es. Der Stellenwert der Lehre
solle so verbessert und ihr graues Image
endlich aufpoliert werden.
Bereits bei Alts Amtsantritt hieß
es griffig: »Lehre muss sich wieder
lohnen.« Schaut man aber auf die
Gehaltszettel, hat sich bislang wenig getan. Denn auch im Präsidium weiß man, dass im Wettstreit
um die besten Köpfe feste
Regeln herrschen. Das Gütekriterium eines Professors
orientiert sich nun mal an
seiner Forschungsleistung –
ein Naturgesetz im Unikosmos.
Mit einer guten Vorlesung allein verschafft man sich einfach
keinen Namen bei den werten
Kollegen.
»Ein Professor, der nicht
forscht, ist kein richtiger Professor«, fasst Uwe
Kirmse,
Studentenvertreter im Akademischen
Senat, die Haltung vieler
Professoren zusammen. Er
befürchtet, dass Lehrprofessoren von den Kollegen belächelt werden
könnten und zu »Professoren zweiter Klasse« werden. Ob seine Angst begründet ist, wird sich zeigen.
Vielleicht wünscht man sich
im Präsidium auch deshalb
eine Exzellenzinitiative für die
Lehre. Denn gerade der Präsident liefert das beste Beispiel, dass
sich die »Forschungsfürsten« irren
könnten. Auch nach seinem Amtsantritt gibt Alt Seminare. »Ich möchte Kontakt zu den Studierenden meines
Faches halten, das ist mir wichtig«, sagt
der Unilenker. Auch Götz Aly hatte Kontakt zu seinen Studenten an diesem Dienstag im Oktober. Vielleicht aber ein wenig
zu viel.
■
­—­—­—­—­—­—­—­—­—­—­
* Die Kapazitätsverordnung legt die »Erschöpfende Nutzung der Ausbildungskapazität« (§1) fest.
In dem Schriftwerk ist seit den siebziger Jahren
festgeschrieben, wie die Zulassungsquote genau zu
ermitteln ist (§13) und wie das Verhältnis zwischen
Professoren und Studierenden nach einem komplizierten mathematischen Verfahren ausgerechnet
werden kann. Für jede Universität ist die Betreuungsrelation somit bindend festgelegt und kann
durch mehr Professoren nicht verbessert werden.
23
Politik
Die drei ???
Wie arbeitet der Akademische
Senat? Wer verbirgt sich hinter
den professoralen Gruppen?
Demokratische Arena oder
Politbüro? Was bisher geschah.
Von Hendrik Pauli
Illustration: Stephan Garin
D
rei gegen den Rest der Welt, zumindest im Kosmos der FU-Demokratie. Im Prinzip rudern sie einträchtig in die gleiche
Richtung, die drei professoralen Gruppen im Akademischen Senat, auch wenn sie das selbst nicht hören wollen. Lieber
beharren sie auf ihrer Eigenständigkeit. Doch hinter den Kulissen
spielen sie sich die Bälle gegenseitig zu.
Der Akademische Senat ist das oberste Entscheidungsorgan der
Universität. Zehn- bis zwölfmal im Jahr tritt das 25-köpfige Gremium zusammen. Hier wird debattiert und um die Zukunft der
Uni gerungen. Es geht um alle Anliegen von Forschung, Lehre und
Verwaltung.
Bollwerk gegen den Kommunismus
Friederike Fless ist eine von denen, die über die Geschicke der
Uni mitbestimmen. 2007 kandidierte die Ärchäologieprofessorin
mit den kurzen grauen Haaren zum ersten Mal für den Akademischen Senat. »Dass ich bei der Liberalen Aktion gelandet bin, ist
eher Zufall. Ein Kollege hatte mich mal zu einem Treffen eingeladen«, erinnert sich die 46-jährige.
In den Siebzigern als Zusammenschluss konservativer Professoren entstanden, verstand sich die Liberale Aktion als Bollwerk
gegen die Umwälzung der Hochschule von links, gegen DDRhörige Kommunisten, Neostalinisten und linksradikale Gruppen
aller Art. »Die ursprüngliche politische Ausrichtung hat aber mittlerweile sehr an Bedeutung verloren«, konstatiert Fless. Damals
standen sämtliche hochschulpolitischen Diskurse im Zeichen der
Rechts-Links-Polarisierung. Die starke Stellung der Linksaußen
wurde vor allem durch die paritätische Beteiligung der Studenten,
der akademischen Mitarbeiter und der sonstigen Angestellten gesichert.
Doch 1973 war Schluss damit. Das Bundesverfassungsgericht
kassierte die Viertelparität, um »der herausgehobenen Stellung der
Hochschullehrer« Rechnung zu tragen. Seither beanspruchen die
Professoren eine knappe Mehrheit der Sitze. Den Studenten gilt
der Akademische Senat als Hort einer überkommen geglaubten
Ordinarienuniversität, ein Ort, an dem ihre Stimme nichts mehr
zählt. Diese Wunde ist bis heute nicht verheilt. Kein Bildungsprotest, der ohne den Ruf nach Wiedereinführung der Viertelparität
ausgekommen wäre.
Mietmaul als Geheimwaffe
In den letzten Jahren entzündeten sich die Kontroversen zudem
am ehemaligen Ober-FUler Dieter Lenzen. Seine Kritiker schmähten ihn als Mietmaul, autokratischen Wirtschaftsfreund und neoliberalen Antidemokraten.
24
Politik in der Nussschale: Das ProfessorenBoot auf Kurs in die Zukunft.
Dabei galt Lenzen mal als Hoffnungsträger. Jahrelang war er der
Kopf der Vereinten Mitte. »Sie war Ende der Siebziger als Sammlungsbewegung einer neuen Macht angetreten«, erinnert sich Hajo
Funke, emeritierter FU-Politologe. Nach und nach löste die Vereinte Mitte die Liberale Aktion als stärkste professorale Gruppe ab.
Ihre Gründung war auch Konsequenz der wiedererstarkten Professorenschaft. Ideologische Großkonflikte spielten keine Rolle mehr.
Dafür gab es neue Spannungen: »Es ging um Geld«, sagt Funke,
der selbst viele Jahre für die dritte professorale Gruppe, den linksorientierten Dienstagskreis, im Akademischen Senat saß. Trotzdem
etablierte sich in dieser Zeit eine neue Kompromissbereitschaft.
In den Nachwendejahren geriet die FU zunehmend in schwieriges Fahrwasser. Die Humboldt-Uni stand mit ihrem Nachholbedarf im Fokus der Berliner Hochschulpolitik. An der FU wurden
hingegen ganze Studiengänge, wie die Musikwissenschaften, abgeschafft. Weitere Kürzungen folgten zu Beginn des neuen Jahrtausends als Folge des Berliner Bankenskandals, der das Land in
Milliardenhöhe belastete. Auf die Universitätspolitik an der FU
wirkte das zunächst disziplinierend. In dieser Phase der Konsolidierung trat Dieter Lenzen auf den Plan, glaubt man Hajo Funke »als
Geheimwaffe der neuen Mitte.« Die neue Machtstatik stellte die
Arbeit im Akademischen Senat vor neue Herausforderungen. Interessenausgleich war gefragt, allerdings mit Folgen. »Durchmarschversuche Einzelner konnten wir verhindern, aber leider auf Kosten
von Demokratie und Transparenz«, blickt Hajo Funke selbstkritisch zurück. »Auch der Dienstagskreis hat sich da eine Zeit lang
nicht energisch genug behauptet.«
Klüngeleien und Schaugefechte
Ob sich das inzwischen geändert hat, wie Funke behauptet, wird
von manchen bezweifelt. Es finden nach wie vor gemeinsame informelle Treffen der Gruppen im Vorfeld der Sitzungen statt. Die
tragen nicht gerade dazu bei, den Vorwurf der Klüngelei zu entkräften. »Der Dienstagskreis hört uns zwar gelegentlich zu. Bei wichtigen Entscheidungen halten sie sich dann doch an die internen
Absprachen«, stellt Jacob Beuchel nüchtern fest. Offene Meinungsverschiedenheiten zwischen den Professoren sind für den Juso, der
als einer von vier studentischen Vertretern im Akademischen Senat
sitzt, reine Schaugefechte. Vielleicht bedarf es hin und wieder der
inszenierten Dissenz, um nicht aus der Übung zu kommen. Denn
in den entscheidenden Zukunftsfragen ist man sich einig.
»Als Dieter Lenzen 2003 ins Amt kam, gab es ein gemeinsames
Wollen, gruppenübergreifend«, betont Andreas Fijal von der VerFurios 05/2011
Politik
einten Mitte. Der 53-jährige Jurist mit Vorliebe für elegante Anzüge ist Studiendekan der Rechtswissenschaft und sitzt als sonstiger
Mitarbeiter im Akademischen Senat. Mit dem neuen Präsidenten
wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. »Wir waren in erster Linie
an der Weiterentwicklung der Uni interessiert, ohne dabei unpolitisch zu sein.« Mit seinen Konzepten traf Lenzen den richtigen
Nerv: Die Exzellenzinitiative als Existenzsicherung, eine Ironie,
der viele etwas abgewinnen konnten. »Die anfänglich gute Kommunikation hat allerdings im Laufe der Zeit immer mehr abgenommen.« Fijal formuliert abgewogene Juristensätze, wenn er über
den Ex-Präsidenten spricht. »Sein ausgeprägter Führungsstil wurde
nicht mehr von allen mitgetragen. Und das hat man Lenzen auch
deutlich zu verstehen gegeben.«
Einer gegen alle
Der selbstbewusste Lenzen spielte gern mit hohem Einsatz, immer kurz davor, sein Blatt zu überreizen. Wiederholt legte er, der
CDU-Mann, sich mit dem SPD-Bildungssenator Zöllner an, wollte mehr Geld für die Forschung auf Kosten der Lehre und mehr
Autonomie bei der Berufungspraxis.
Lenzen wusste sein Machiavelli’sches Geschick zu nutzen und
setzte auf seine geballte Präsidentenmacht, so wie 2007 bei der Ausbootung des studentennahen Vizepräsidenten Väth oder bei dem
Streit um die Berufung des linken Nordamerika-Wissenschaftlers
Scharenberg. Die Professorenkollegen machten häufig gute Miene
zum bösen Spiel. »Unter Lenzen war die Arbeit im Akademischen
Senat eher auf notwendige Routinebeschlüsse reduziert. Da konnte
man nur akklamieren«, gesteht Friederike Fless ein. Widerspruch
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wurde meist nur hinter verschlossenen
Türen geäußert.
Als im Mai das neue Präsidium ins
Amt kam, gab es ein regelrechtes Aufatmen. »Ein echter Bruch zur vorangempu
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gangenen Präsidentschaft.« So empfindet
Friederike Fless den kommunikativen Stil
von Peter-André Alt. Der kommt zwar aus
der Vereinten Mitte, für Hajo Funke ist er trotzdem ein absoluter
Glücksfall: »Ein unabhängiger intellektueller Kopf, weiß Gott kein
Lenzen-Zögling.«
Die Professoren sehen sich für die kommenden Aufgaben, die
schwierige Anpassung der Bologna-Reform und die im Herbst angelaufene neue Runde der Exzellenzinitiative, gut aufgestellt. Bei
den Neuwahlen zum Akademischen Senat im Januar könnte es zu
einem Nachbeben des Lenzen-Weggangs kommen. Üblicherweise
werben die professoralen Gruppen vor den Wahlen neu um ihre Listenkandidaten. Es gibt Gerüchte, dass die Vereinte Mitte ohne ihren
Zuchtmeister Lenzen in der jetzigen Form nicht fortbestehen wird.
Ob sich mit einer weiteren Gruppe allerdings Mehrheiten jenseits
des Professorenblocks ergeben, steht auf einem anderen Blatt.
■
Hendrik Pauli schreibt meistens über Campuspolitik.
Was die Kollegen nicht wissen: Nebenbei arbeitet er
am Aufbau des Sportressorts.
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25
Politik
Der unsichtbare Kanzler
An der FU herrscht ein Unsichtbarer. Kanzler Peter Lange ist eine der
einflussreichsten Personen, doch am Campus kennt ihn kaum jemand.
Anchalee Rüland auf der Suche nach einem Phantom.
Illustration: Christine Spady
D
ie Mauern des FU-Präsidiums
sind dick. Zu dick. Denn wer
dahinter ungesehen bleiben
will, dem gelingt das auch.
FU-Kanzler Peter Lange weiß das: Sicher
verschanzt sitzt er in seiner Festung, in
Watte gehüllt von einer Armee von Angestellten. Klopfen, Telefon, Email – es nützt
alles nichts. Der Kanzler hat leider keine
Zeit. Dabei möchte man doch eigentlich
so gerne behilflich sein im »Kanzleramt«,
wenn da nicht diese »vielfältigen terminlichen Verpflichtungen« wären. Wie ärgerlich, aber vielleicht ein andermal!
Doch wie bekommt man einen Unsichtbaren zu fassen, ohne zu sehr dem Gemunkel und Getuschel der Leute zu vertrauen?
Gar nicht. Er lebt davon.
Es heißt, er solle eigentlich ein
ganz »lockerer Typ« sein,
der Kanzler. Humorvoll sei er, manchmal
auch ein wenig flapsig, sagen diejenigen,
die das Privileg haben, ihm gelegentlich zu
begegnen. Vielleicht ein Überbleibsel seiner
Zeit als AStA-Vorsitzender – von offizieller
Seite gerne totgeschwiegen, hält sich dieses
Gerücht hartnäckig.
Einen gehetzten Eindruck macht Lange trotz Zeitnot eigentlich nicht, wie er so
dasitzt auf einer dieser Senatssitzungen, die
ja doch immer gleich ablaufen. Gemütlich
wirkt er, mit seinen silberweißen Haaren,
dem markanten Schnauzer und der tief sitzenden Halbmondbrille. Als würde ihn so
schnell nichts aus der Ruhe bringen, nicht
mal sein ständig vibrierendes Handy. Überhaupt scheint das spannender zu sein als
das Gerede seiner Kollegen – pure Zeitverschwendung. Kein Wunder also, dass der
Kanzler früher geht.
Info
Urkunden, Briefe, Archivierung – ursprünglich war der
Kanzler oberste Verwaltungsinstanz des Papstes. Er war der zweite Mann im Kirchenstaat, Vertreter
seiner Eminenz. Auch heute leitet der
Kanzler an deutschen Hochschulen
noch den Verwaltungsapparat. Er ist
Mitglied des Präsidiums und Vorgesetzter aller nichtwissenschaftlichen Referate. Als »Herr der Akten« sind Haushalt,
Rechts- und Verwaltungsaufgaben sein
tägliches Geschäft.
Die Studenten, die ihn kennen, beschreiben Lange gerne als einen jovialen Mann.
Einen, mit dem man auch mal ein Bier
trinken kann und der dann »einen dicken
Schluck aus der Pulle nimmt.« Aber wehe,
man will etwas von ihm wie beispielsweise
den aktuellen Haushaltsplan, dann heißt es
Geduld, mindestens bis zur nächsten Abfuhr.
Was aber soll dieses Versteckspiel? Als
Verwaltungschef hat Lange viel Macht.
440 Millionen umfasst der Haushalt. Wie
viel er davon verteilen darf? Nicht einmal
das ist klar. Aber fest steht: Wenn es ums
Geld geht, muss sogar der Präsident lieb
bitten. Den wird Lange jedoch nicht vor
verschlossener Türe stehen lassen, oder
vielleicht doch? Wahrscheinlich könnte er
sichs leisten. Denn für gewöhnlich kann
dem Kanzler so schnell keiner etwas anhaben. Als alter Hase
an der FU hat
er immer noch
viele Freunde –
sein Glück, als
er im letzten Jahr
dann doch einmal
ins Straucheln geriet. So ein Spendenskandal lässt
sich eben nicht
einfach unter den
Tisch kehren.
Über
eine
Million Euro verschleuderte
die
Freie Universität
mit
ihrer
Fundraising
Organisation
Ein
Schatten
macht sich
selbstständig.
Von Interviews
hält er wenig.
26
Furios 05/2011
Politik
»Friends of Freie Universität Berlin«. Obwohl Lange als Verwaltungschef in letzter
Instanz verantwortlich gewesen wäre, blieb
er im Amt. Dem damaligen FU-Präsidenten Dieter Lenzen gefiel das nur bedingt,
wie es aus präsidiumsnahen Kreisen heißt.
Überhaupt war ihm Langes Behördenmentalität ein Dorn im Auge, die ein Relikt aus
West-Berlins privilegierten Inselzeiten ist.
Als der Präsident den Kollegen nicht zu seiner Abschiedsfeier einlud, war das für Lange »ein Schlag ins Gesicht«, berichtet der
studentische Vertreter im Akademischen
Senat Uwe Kirmse. Die Demütigung war
groß für den Mann, dessen Laufbahn so
eng mit der Universität verwoben ist.
Er kennt die Hochschule wie seine Westentasche, studierte hier Betriebswirtschaft
und Wirtschaftspädagogik und wurde nach
seinem Referendariat wissenschaftlicher
Mitarbeiter. Seit über 20 Jahren arbeitet
er im Präsidium. Zunächst als Referent
im Präsidialamt, nachher als Vertreter des
Kanzlers und seit 2000 als dessen Nachfolger.
Die Anonymität ist Langes Schutzschild
im Minenfeld Freie Universität. Er weiß,
wer sich nach außen unsichtbar macht,
läuft seltener Gefahr zum Sündenbock gemacht zu werden. Wie unangenehm eine
aufgebrachte Studierendenschaft sein kann,
lehrte ihn das Beispiel Lenzen. Macht und
Öffentlichkeit können zwei unliebsame Begleiter sein, besonders im Doppelpack. So
aber kann Lange das Scheckbuch weiterhin
gezückt halten und unbekümmert über die
Finanzen der FU wachen. Einem Unsichtbaren kann man eben nicht auf die Finger
schauen.
■
Anchalee Rüland ist Leiterin
des Campus-Ressort. Sie
studiert Geschichte und Politikwissenschaft. Im Sommer
möchte sich sich zwei Monate
hinter der Kamera versuchen.
Elite in der Falle
Die zweite Phase des Exzellenzwettbewerbs läuft an,
die alten Förderungen aus. Die FU ist zum Erfolg
verdammt. Max Krause berichtet von den Risiken.
Als im Jahr 2007 die Entscheidungen
der Exzellenzinitiative bekanntgegeben
wurden, zählte die Freie Universität Berlin zu den großen Gewinnern: In der
Hauptkategorie war sie mit ihrem Zukunftskonzept »Internationale Netzwerkuniversität« erfolgreich. Darüber hinaus hatte sie sich die Förderung für die
beiden Exzellenzcluster »TOPOI« und
»Languages of Emotion« sowie für drei
Graduiertenschulen gesichert. Insgesamt
war die FU die deutsche Universität mit
den meisten genehmigten Anträgen.
Doch der Erfolg ist zur Bürde geworden: Die FU ist mittlerweile abhängig
von diesen Fördermitteln. 30 Mio. Euro
betragen die jährlichen Zuwendungen.
Davon finanziert die Universität Stipendien, Graduiertenschulen und holt namhafte Forscher an den Campus. Kaum zu
überschätzen ist die Imagewirkung des
Elitesiegels, das international als Qualitätsmerkmal im deutschen Hochschuldschungel gilt. Besonders ausländische
Universitäten orientieren sich bei der
Wahl ihrer Kooperationspartner daran.
Mit der Ausschreibung der zweiten
Exzellenzrunde im September 2010
nahm der Wettbewerb zwischen den
Universitäten eine neue Qualität an. 65
Hochschulen ringen bundesweit um
die Fördermittel, davon allein 22 in der
»Königsklasse« Zukunftskonzept. Mit
Hilfe der Landesregierungen und externer Sponsoren haben diese Universitäten
in den vergangenen Jahren massiv aufgerüstet. Für die FU wird es schwieriger
werden, ihre Ziele zu erreichen. Sie hat
Folgeanträge für alle bisher geförderten
Projekte eingereicht und hofft noch mehr
Mittel vom Bund zu ergattern: Sechs weitere Anträge wurden gestellt. Viel steht
auf dem Spiel. Eine Niederlage wäre eine
Katastrophe, finanziell und imagetechnisch.
2012 werden die Entscheidungen bekanntgegeben. Für Einrichtungen, die
dann nicht erfolgreich waren, ist eine
Auslaufförderung von einem Jahr vorgesehen, in dem sich die Uni auf die neuen
Verhältnisse einzustellen hat.
Bei der Frage, wie man bei einer Niederlage mit diesem Spardruck umzugehen
gedenkt, bleibt Präsident Peter-André Alt
vage. Die Graduiertenschulen wolle er
erhalten, für die Cluster könnten andere
Förderer gefunden werden. Auch die im
Rahmen des Zukunftskonzepts der FU
etablierten Einrichtungen wie etwa das
»Center for Cluster Development« könnten »in reduziertem Maß« weitergeführt
werden. Allerdings gehe man nicht vom
»worst case« aus. Zu viel Aufwand steckt
in der Bewerbung.
Eines steht fest: Das Präsidium beschäftigt sich nicht mit einer ernsthaften Notfallplanung. »Ein gutes Zukunftskonzept
zeichnet sich durch den Glauben an eine
gute Zukunft aus«, meint der Präsident
lapidar. Vielleicht zeichnet es sich aber
auch dadurch aus, dass man auf Rückschläge vorbereitet ist.
■
Max Krause studiert Mathematik und Philosophie im
dritten Semester. Die FU wird
er auch noch mögen, wenn
sie eines Tages nicht mehr zur
Elite Deutschlands gehört.
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Furios 05/2011
27
Flaneur:
Stille Erleichterung
Eine Kunstfigur auf Streifzug. Dieses Mal wandelt Der Flaneur um
die Donnerbalken der FU, entdeckt die lyrische Versuchung des stillen
Örtchens und nimmt es mit der Wahrheit mal wieder nicht so genau.
Von Konstanze Renken
Illustration: Christian Güse — Fotos: Julia Pauselius
and entziehen kann – für viele ein notEs ist der Ort der Uni, dem sich niem
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der Ruhe und Glückseligkeit«, von jede
wendiges Übel, für einige ein »Hort
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aufgesucht und genutzt. Es ist der Ort
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dem
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Menschsein in seiner triebhaftesten Urfo
Klobrille hinterlässt. Durchschnittlich
der
auf
ers
rakt
Abbild seines wahren Cha
hektischen Unibetrieb in diesen Ort ge2,75 Mal pro Tag wird der Student vom
und
h ich verspüre ein gewisses Bedürfnis
spült, die Studentin sogar 3,5 Mal. Auc
…
geeigneten Ort
begebe mich auf die Suche nach einem
Der nächste, bitte!
Ein großer Gang gegenüber der Mensa führt hinab in die
tiefen Katakomben, deren einziger Zweck darin besteht, ihrer Laufkundschaft Erleichterung zu verschaffen. Das ist
vernünftig, schließlich bauten schon die alten Ägypter ihre
Aborte fernab der Stadtmauern, um der Übertragung von
Krankheiten und der allgegenwärtigen Präsenz eines weniger
lieblichen Odeurs entgegenzuwirken. Ich schreite durch die
Eingangstür. Vor mir erstreckt sich ein Meer aus Waschbecken
und Seifenspendern, elektrisches Licht erhellt den fensterlosen Raum. Ich durchquere ihn und betrete das Herzstück,
ein schummriger Ort, an dem 16 orangefarbene Türen zwei
Minuten visuelle Privatsphäre versprechen. Ein großer Stapel
Toilettenpapierrollen an der Wand garantiert außerdem einen
steten Nutzungsfluss aller Kabinen. Massenabfertigung at its
best.
Eine Studie hat ergeben, dass der Anteil von Keimen und Bakterien in den
mittleren
Kabinen am höchsten ist, dreimal so hoch wie in der letzten und sogar viermal
höher als
in der zweiten und ersten. Mir scheint der Grad der Verdreckung jedoch
in jeder Latrine
gleich hoch, keiner entspricht auch nur im Geringsten meinen Bedürfnissen.
Ich setze meine Suche fort.
Die Gedanken des Flaneurs notierte Konstanze
Renken. Für ihre Richtigkeit übernimmt sie keine
Verantwortung.
Bilinguales Spülen
en Namen der WeltliteraWerde ich hier fündig, inmitten der groß
et sich ebenfalls ein Ort der
tur? In der philologischen Bibliothek find
Lernenden. Ich wandere durch
Erleichterung für die stressgeplagten
, das in seiner Form tatsächlich
die statischen Windungen des Gehirns
1:1250 nachempfunden sein
dem Cerebrum Einsteins im Maßstab
tür und befinde mich – mitten
soll. Dann öffne ich eine obskure Falt
meter gekachelter, fensterloser
im Bunker. Geschätzte zehn Quadrat
– stumm schmerzt
cken, eine Handtuchrolle, das war’s
Raum, eine Lokusschüssel, ein Waschbe
verschafft. Dies ist ein
der Wohlbefinden und Entspannung
mein Ästhetenherz. Dies ist kein Ort,
nem inneren Auge
lanstalten und Atombunkern vor mei
Ort, der Bilder von psychiatrischen Hei
erscheinen lässt.
g!“. Zweispraerksamkeit – „Achtung Automatikspülun
Ein rotes Warnschild erregt meine Aufm
er Lärm, die
elnd
gurg
rmalen Spülung erklärt. Plötzlich ein
chig wird die Benutzung dieser abno
s gegen die
wärt
terhand, erschrocken taumele ich rück
Toilette spült geräuschvoll wie von Geis
Ich stemme
g.
Gan
en
wieder ausspuckt in den orangefarben
Falttür, die sofort einknickt und mich
hte zurück ins Tageslicht.
mich gegen eine Eisenpforte und flüc
Wir gegen Viren!
Nach einigem Irren über den Campus betrete ich das JFK-Institut und glaube
mich am Ort meiner kühnsten
Träume. Ein antiker blauer Mosaikbrunnen geleitet mich zum Verrichtungsort
der Notdurft. Wie mir zu Ohren
kam, ist dieser Brunnen ein Geschenk der Partneruniversität von Athen, errichtet
nach dem heraklitischen Modell »Alles fließt«. So fließe ich denn auch hinein in den hellen Raum, der luxuriös
ausgestattet ist mit Fenstern
und Wasserhähnen, die sogar warmes Wasser speien sollen. Erwartungsvoll öffne
ich eine der beiden Kabinen,
doch – o Schreck! – auch diese Kabinenwand wurde nicht verschont vom studenti
schen Geist revolutionärer Rüpel, die mit schwarzen Eddingstiften bewaffnet zum Kampf gegen eine zu missach
tende politische Überzeugung
aufrufen: »Chase those crazy boldheads out of town! Together against facism!«.
Und auch die Wand der anderen
Kabine konfrontiert mich mit persönlicher Überzeugung, diesmal jedoch weitaus
emotionaler: »Ich liebe dich
Alex, und das fortwährend« – »Schön, jetzt weiß es wenigstens die Klofrau«, kommen
tierte ein mir sehr sympathischer Zyniker. Ich beschließe, zu bleiben.
Als ich mir nach verrichteten Dingen die Hände wasche,
fällt mein Blick auf ein kleines Plakat der Aktion »Wir gegen
Viren«, eine Art Selbstverteidigungskurs gegen üble Krankheitserreger. Paradoxerweise finden sich die meisten Viren und
Bakterien jedoch nicht in diesem Teil Uni, sondern in der Zedat. Vielleicht sollte dort das Plakat angebracht werden, gleich
neben dem Zertifikat über die virenfreien Betriebssysteme im
Druckerraum. Während ich darüber sinniere, fällt mir auf, dass gegenwärtig doch
nur kaltes Wasser über meine
Finger fließt. Erwartungsvoll drehe ich den Hebel nach links in Richtung Wärme,
doch – nichts. Rien ne va plus,
es fließt gar kein Wasser mehr. Grund dafür sind vermutlich die Ratten im Rohrsys
tem der Uni, Nachkommen
eines aus dem Ruder gelaufenen Forschungsprojekts von Biologiestudenten zum
Thema »Nagetiere im künstlichen Habitat«. Die Quelle ist versiegt, das heraklitische Motiv ist an seine thermale
n Grenzen gestoßen – nichts
fließt. Was für ein Affront.
Kultur
Tatwaffe Wolle
Kleben, Stricken und Gärtnern sind die alternativen Streetart-Formen. Was Omas Hobbys mit
politischem Protest zu tun haben. Von Carolin Benack, Christian Güse und Angelina Scheck.
Illustration: Christian Güse
»You don’t go to a restaurant and order a meal because you want
to have a shit.« Was das sagenumwobene Streetart-Phantom Banksy uns damit sagen will: Ruhm ist bestenfalls das Abfallprodukt
von Kunst. Seine anonym verzierten Häuserfassaden haben nur
den Namen, nicht den Mann dahinter berühmt gemacht. Anonym, weil illegal. Doch während Banksy noch ganz old school seine Werke per Sprühdose an die Wand bringt, sind andere schon
weiter. Denn die Streetartkünstler von
heute haben Omis alte Lieblinge wieder entdeckt. Mittlerweile sind Wolle,
Klebeband und Pflanzensamen die angesagtesten
Materialien zur künstlerischen Gestaltung
unseres urbanen Planeten. So lächerlich das
klingt: Auch mit ihnen kann der fluchtartige exit through the gift
shop durchaus mal notwendig werden.
Knasterfahrung erwünscht
Tikki* sitzt auf einer verschlissenen Couch im Studentencafé. Ihren roten Lockenkopf hat sie über einen Schal gebeugt, an
dessen Ende sie geschickt mit zwei Nadeln hantiert. »Das ist für
unser project«, sagt die FU-Studentin mit britischem Akzent. Mit
project meint sie das nächtliche Einstricken von … was denn eigentlich? Sie lacht nur, das bleibe erstmal ein Geheimnis. »Aber
bald werden es viele Leute sehen. Und es wird sie hoffentlich zum
Lächeln bringen.«
Was Tikki macht, hat viele Namen: Guerilla-Stricken, Yarn
Bombing, Knit Grafitti. Sie selbst nennt sich Extreme Knitter.
Wie die Begriffe schon andeuten, hat das Ganze nicht mehr viel
mit den selbstgestrickten Schlupfmützen zu tun, die man als
wehrloses Kind von Omi übergestülpt bekommen hat. Die Anhänger der Bewegung lassen ganze Straßenschilder, Bäume oder
Telefonzellen unter ihrer Wolle verschwinden. Hintergrund ist der
Streetart-Gedanke: die Zurückeroberung des urbanen Raums. Der
soll nicht nur gemütlicher, sondern auch schöner werden. Wie die
Fachsprache der Strickenden zeigt, gibt es hier so einige Parallelen zum Graffiti: So wird das Einstricken von besonders großen
Objekten wie Bussen oder Panzern als »bombing« bezeichnet,
bestimmte Künstler stricken sogar ihre eigenen »tags«, also ihre
persönliche Signatur, in die kuscheligen Kunstwerke. Ein großer
Unterschied zur altmodischen Sprühvorlage findet sich trotzdem:
Die Knit Graffitis sind bewusst nicht für die Ewigkeit konzipiert,
schließlich ist der Ausgangsstoff biologisch abbaubar.
Dass Tikki um ihr project ein solches Geheimnis macht, ist
nicht verwunderlich. Immerhin ist das Strickbombardement nicht
so ganz legal. Darauf angesprochen, bricht sie in Lachen aus. Man
stelle sich vor, ein Gerichtsverfahren, Tatwaffe Wolle. »Eigentlich
hoffe ich sogar, dass wir festgenommen werden. Das wäre super
lustig!«
Punk zu verkaufen
Vor einer Festnahme müssen
Timm Zolpys’ Schützlinge keine Angst haben. Der Mann mit
dem lichten Haar ist Manager
von so ziemlich allen Tape Art
Künstlern in Berlin. Gerade
begutachtet er die Arbeit von
einem, der das Schaufenster
eines Ku’dammer Klamottengeschäfts beklebt. Das Ganze findet
nicht nachts statt, sondern an einem brütend
heißen Sommertag von 30 Grad, die sich aber anfühlen wie 40. Er habe auch mal an der FU Politik studiert, erzählt Zolpys, jaja, die OSIs seien schon ein komisches
Volk. Doch keine Zeit zum Plaudern, der Geschäftsführer des
Klamottenladens naht. Zolpys muss noch ein paar Dinge mit ihm
30
Furios 05/2011
Kultur
klären. Der sieht nach Anfang 30 aus, hat die blondierten Haare zu
kleinen Spitzen gegelt. Er scheint wie die wandelnde Version seines
Ladens, in dem zwischen Nike-Schuhen und überteuerten unifarbenen T-Shirts gelegentlich das »Never Mind the Bollocks«-Shirt
hervorblitzt. Rebellion für den, der genug Asche hat.
Passend dazu pappt der Tape Art Künstler gerade ein Abbild des
Markenschuhs ans Schaufenster. Seine Klebebänder in verschiedensten Größen und Farben hat er aus Zolpys »Klebeland Shop«
im Wedding. Immer wieder streicht er bei seiner Arbeit die zotteligen Haare aus dem Gesicht. Nach zehn Minuten muss erstmal
Zigarettenpause sein. Zolpys gesellt sich dazu. Ganz entspannt.
Nervenkitzel und message? Fehlanzeige. Auf die Frage, ob denn
auch illegal getapet wird, antwortet Zolpys vage: »Es gibt welche,
die das machen. Das sind aber nicht viele.« Sowieso bemüht man
sich um das Saubermann-Image von Tape Art. Auf der Website
von Klebeland ist unter anderem von der Kooperation mit Kunsthochschulen zu lesen. Fragt man aber nach, entpuppt sich diese
»Kooperation« als eine einzige Seminarsitzung am privaten Institute of Design in Berlin. Etwas dünn für den Plural.
Schöner Scheitern
»Mit Saubermann-Image hat das hier denkbar wenig zu tun«,
lacht Jane Doe* über die Tape Art-Jungs vom Ku’damm. Mit Spaten und Papierbaumschmuck in der Hand tritt sie in den Hof neben der Philologischen Bibliothek. Sie trägt eine schwarze Kurzhaarperücke und eine 3D-Brille, schließlich studiere sie hier und
wolle nicht erkannt werden. »Und mit der 3D-Brille kann man im
Dunkeln immer noch besser sehen, als mit einer Sonnenbrille.«
Dicht hinter ihr folgt John Doe*, der trägt eine Spidermanmaske
und eine kleine Tanne. »Wir wollen unsere Uni ein bisschen weihnachtlicher machen«, dringt gedämpft hinter der Maske hervor.
Eine besinnliche Version des sogenannten »Guerilla Gärtnerns«,
die die beiden hier betreiben.
Die Analogie von Landschaftsbebauern und Widerstandskämpfern wirkt bei der Szenerie ein wenig befremdlich. Doch tatsächlich ist die Bewegung stark politisch motiviert. So wurde am 1.
Mai 2000 der Parliament Square in London zum Schauplatz einer großangelegten Protestaktion. Schilder mit Aufschriften wie
»Resistance is Fertile« und »The Earth is a Common Treasury for
All« wurden hochgehalten, der Platz mit Blumen und Gemüse bepflanzt.
Während Stricken und Tapen noch in den Kinderschuhen stecken, ist Guerilla Gärtnern schon mit einigen Jahren geschlagen.
Die Bewegung kommt ursprünglich aus London und wurde in
den 1970ern besonders in New York populär. Mit der jahrelangen
Erfahrung der autonomen Schrebergärtner geht auch eine äußerst
gute Organisation einher. Per Internet kann man sich in Foren
unter www.guerrillagardening.org/community für die Nacht- und
Carolin Benack studiert Nordamerikastudien und
leitet das Kulturressort für FURIOS. Sie kann
leider weder gut Basteln noch Stricken, arbeitet
aber hart an ihren botanischen Fähigkeiten.
Christian Güse studiert Nordamerikastudien und
plant im Geheimen “Lenzen was here” mit Moosgrafitti an die Fassade der Silberlaube zu bringen.
Angelina Scheck studiert Biochemie auf Bachelor
und strickt schon seit der Immatrikulation fleißig
an ihrem ersten Schal.
Nebelaktionen verabreden. Damit man sich dort zurecht findet,
muss man allerdings zumindest die Grundlagen des grünen Partisanenjargons kennen. So sind »Seedbombs« Kügelchen aus Erde,
Samen und Tonpulver, die man unauffällig und schnell an den
erwählten Tatort werfen kann. Außerdem wichtig: das »Moosgraffiti«. Dafür nehme man Moos, Buttermilch, Zucker und eventuell
ein wenig Wasser, jage das Gemisch durch den Mixer und schmiere das Endprodukt an Wände.
»Moosgrafitti können wir leider an der Rost- und Silberlaube
nicht machen, die Außenwände sind nicht rau genug, damit das
haftet.«, erklärt John enttäuscht. Währenddessen fegt Jane mit der
Hand eine dünne Schneeschicht weg. »Hoffentlich ist der Boden
nicht schon gefroren. Eigentlich sollte es heute nicht so kalt werden.« Jane setzt den Spaten an, versucht ihn in die Erde zu drücken. Nichts tut sich. Sie setzt ein zweites Mal an, diesmal stemmt
sie ihren Fuß mit aller Wucht auf das Blatt. Immer noch kein Riss.
John rollt mit den Augen. »Mädchen! Gib her, ich mach das.« Der
zusammengepresste Mund lässt einen tödlichen Blick hinter Janes
3D-Brille vermuten. Wortlos reicht sie den Spaten weiter.
Ihre Laune bessert sich, als auch John nicht im Stande ist, das
Loch für die Tanne zu buddeln. Nach fünfzehn Minuten, die
einem in der nächtlichen Kälte wie fünzig vorkommen, geben
die beiden schließlich auf. Zumindest Jane wirkt
positiv ob ihrer Niederlage gegen die Minusgrade. Sie würden in den nächsten Wochen
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das Wetter genauer beobachten, verspricht
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sie. »Bis euer Magazin rauskommt, steht
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und bald
der Baum bestimmt.«
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*Name von der Redaktion geändert
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Furios 05/2011
31
Veranstaltungskalender
Got Plans?
Veranstaltungen von, für und mit Studenten der FU.
Gesammelt von Eliese Berresheim, Fanny Gruhl, Hendrik Pauli und Konstanze Renken.
Mehr Veranstaltungstipps unter
JAN
www.furios-campus.de/kalender
Cheeseburger-Musik
Klangwandler: 9., 13.–16. und 21. Januar 2011, jeweils
20 Uhr, Neuköllner Oper, Karl-Marx-Str. 131–133,
Eintritt 9–21 €.
Alles auf der Welt hat einen Klang: Kaffeemaschinen, Kakteen,
selbst Cheeseburger. Das weiß Jonathan (gespielt von Friedrich
Rau). Der Einzelgänger hat sich in seinem Zimmer verschanzt und
den Klangwandler gebaut. Damit kann er jeden Gegenstand in
Frequenzen übertragen. Sein Ziel: die vollständige Umwandlung
von Materie in Klang. Die Materie: Er selbst. Indem er zum Klang
wird, will er der grauen Außenwelt, voll von Prüfungen und Leuten,
die ständig etwas von ihm wollen, entfliehen. Kann man als Studierender irgendwie nachvollziehen. Kai Ivo Baulitz und Komponist
und Klangforscher Peter Michael von der Nahmer haben hier eine
wunderbare Oper auf die Beine stellt. Nach dieser Geschichte hört
www.neukoellneroper.de
man die Welt ein bisschen anders.
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MO
Spiel, Akt, Sieg!
Theatersport Berlin: immer montags im Admiralspalast, sonntags in der Komödie am Ku’damm,
Anfangszeiten variieren, Eintritt: Admiralspalast
13 €, Komödie am Ku’damm 15 €
Man stelle sich vor: Man geht ins Theater und weiß nicht, was
für ein Stück man gleich sehen wird. Der Veranstalter kann
nicht einmal sagen, ob es sich um Komödie, Drama oder Musical handeln wird. Die Schauspieler, die man sogleich sehen wird,
wissen das alles auch nicht – So ungefähr fühlt es sich an, wenn
man sich auf einen Abend mit dem Theatersport Berlin einstellt.
Denn Theatersport ist Improvisationstheater pur! Und das in
Wettkampfform: Zwei Teams treten an und spielen gegeneinander Theater, am Ende gibt es einen Gewinner, Schiedsrichter
ist das Publikum. Schmeiß’ dich in deine Fanmontur, feuere
deine Mannschaft an und verhilf ihr zum improvisierten Sieg!
www.theatersport-berlin.de
FEB
32
Zum Glück
swingen
Uni Bigband Berlin: Freitag
11.02.11, 20:30 Uhr, Kunstfabrik
Schlot
, Chausseestr. 18, BerlinMitte, Karten an der Abendkasse
Eure Veranstaltungen an
jeden
MI
[email protected]
Ein halbes Jahrhundert für
die Menschenrechte
12.–14.Human Rights Lectures: im Sommersemester 2011,
Jan
immer mittwochs 18.00–20.00 Uhr, Rost- und
Silberlaube, Habelschwerdter Allee 45.
Die mittlerweile weltweit größte Menschenrechtsorganisation
wird stolze 50! Amnesty International feiert seinen runden Geburtstag auch an der FU. Die alljährlich stattfindende Vorlesungsreihe steht in diesem Jahr unter dem Motto amnesty@50.
Die zehn Veranstaltungen werden sich mit der Geschichte und
Arbeit von Amnesty International sowie den Themen Todesstrafe, Folter, Gewalt an Frauen und Flüchtlingsströmen beschäftigen. Die genauen Themen stehen noch nicht fest, sind aber bald
nachzulesen unter:
www.amnesty-fu-berlin.de
Mai
Störtebeker speit
Regenbogen
Illustrative: Mai 2011. Ort und Zeit stehen noch
nicht fest, werden aber bald auf fu-campus.de
veröffentlicht.
Wer sich auf zeitgenössische Kunst einlassen will, braucht ein
bisschen Interpretationstalent und ein paar freie Tage im Mai.
In ihrem sechsten Jahr zeigt die Illustrative wieder Werke von
Illustratoren und Grafikern aus aller Welt, Motive, die schwer
zu fassen sind, surreal, verstörend oder einfach ausnehmend
schön. »Avantgarde-Ausstellung der jungen Grafik« gab man der
Schau als Prädikat bei ihrer Gründung 2006. Ein internationales
Forum wollten die Macher schaffen – und eine Gelegenheit zum
Nette-Leute-Treffen. Wer also keine künstlerischen Ambitionen
hat, kann sich anderweitig erbauen: Neben den Ausstellungen
gibt’s Filmprogramm, Party und die Preisverleihung bei der
»Illustrators Night«.
www.illustrative.de
Laut dem Berliner Urgestein Seeed hat diese Stadt »zu viel Kraft in der Lunge für zu
wenige Trompeten« – glücklicherweise kann man ja aber auch noch auf Posaunen,
Saxophone und Klarinetten ausweichen. Genau das macht die Uni Bigband Berlin
des Collegium Musicums. Komplettiert mit Klavier, Schlagzeug und Bass präsentiert sie das Ergebnis unzähliger Proben am 11.2. in der Kunstfabrik Schlot unter der
Leitung von Martin Gerwig. Der packt den Groove aus und swingt euch in die Knie!
www.collegium-musicum-berlin.de
Furios 05/2011
Kultur
Die Besser-Esser
Klara, Julian und Juliane mögen’s frisch:
Essen direkt vom Bauern, und zwar an
der FU. Dazu gründeten sie eine Food
Cooperation: Die FUUDCoop.
Ein Interview von Karl Hosang und
Henrice Stöbesand.
Was ist eine FoodCoop?
Mehrere Leute tun sich zusammen und bestellen ihre Lebensmittel direkt beim Bauern,
damit sie günstiger regionale und saisonale
Waren bekommen. Über eine extra dafür entwickelte Software werden die Bestellungen
gesammelt und dann an die Uni geliefert.
Warum habt ihr das gerade an der Uni organisiert?
Wir sind täglich hier, beim Bauern
könnten wir nur selten vorbeischauen.
Außerdem möchten wir viele andere
Studierende auf FoodCoops und bewussten Konsum aufmerksam machen.
Wie lange hat es gedauert, dieses Projekt umzusetzen?
Die Idee existiert seit einem Jahr. Schwer
war es zunächst, ein geeignetes Lager an
der Uni und lokale Anbieter zu finden.
Bisher haben wir praktisch keine Werbung
gemacht und sind trotzdem relativ viele,
ungefähr 60. Das wird wohl die nächste Hürde: die Organisation für noch mehr Leute.
Werden FoodCoops die Zukunft des Einkaufens?
(lachen) Das wäre ganz schön aufwändig, aber eine tolle Möglichkeit,
regionale Anbieter stärker zu unterstützen. Durch die FoodCoop lernen
wir Essen wieder mehr zu schätzen.
Es kommt ja auch vor, dass jemand zum Beispiel Zwiebeln bestellt, stattdessen aber die doppelte
Menge Möhren bekommt...
Das liegt daran, dass die Ware in größeren Gebinden geliefert wird. Jeder kann
einen Toleranzbereich angeben, damit
wir besser ganze Gebinde zusammen
bekommen. Innerhalb dieses Toleranzbereiches sind Variationen möglich. Und
wenn dann zu wenig Zwiebeln bestellt
werden, werden die halt nicht geliefert.
Die moderne Uni gilt als kalte Kapitalistenschmiede. Lindert ihr das Leiden mit mehr Gemeinschaftssinn?
(lachen) Definitiv, ja. Durch FUUDCoop lernen sich viele Menschen mit ähnlichen Ideen kennen, wir kochen zusammen und helfen einander bei der Verteilung der Waren.
Interessierte wenden sich an:
fu.foodcoops.net
Furios 05/2011
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Warenfetisch:
Testosteron zum Aufsetzen
Was die Berliner Szene im Holzfällerlager zu suchen hat.
Über einen Hut zum Bäume ausreißen.
Illustration: Julia Schönheit
Zwei Urgewalten treiben derzeit
ihr Unwesen in der Berliner Modeszene: Kälte und die Angst vorm Nichtbeachtet-werden. Darunter glaubt der
Dahlemer Hipsterstudent noch mehr zu
leiden, als seine Großeltern unter dem
Krieg. Doch Rettung naht! Die Holzfällermütze wärmt und ist auf dem Kopf
eines 20-Jährigen in der Regel ein
echter Hingucker. Und kommt
auf jedem FacebookPartyfoto saugut.
So weit die
lebenspraktischen
Aspekte
des Kleidungsstücks.
Aber das
kann nicht
alles sein.
Besonders
dann nicht,
wenn der
Träger
in
hauchdünnen Converse-Turnschuhen durch den
Schnee stapft.
Auch um ein
Aufmerksamkeitsdefizit zu kompensieren sind dem Berliner Hipster bislang schon bessere Dinge eingefallen als
etwas, das die Frisur zerstört und taub
macht.
Wahrscheinlich gibt es die Holzfällermütze schon so lange wie den sibirischen
Winter. Beziehungsweise seitdem in Sibirien zum ersten Mal eine Fichte gefällt
wurde. Seither hat sich die Gestalt der
Testosteronkappe so oft geändert wie
der Name von St. Petersburg, a. k. a.
Petrograd, a. k. a. Leningrad, a. k. a.
letzte Tankstelle vor Russland. Welcher
französische Kutscher im 18. Jahrhundert in eine Midlife Crisis stürzte und
das »Kabriolett« – die offenen Kutsche
– erfand, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Für die Holzfällermütze
bedeutete das die Umfunktionierung
zur Cabriohaube, aus Pelz wurde Leder. So schützte sich auch Otto Lilienthal bei seinem ersten Flugversuch vor
Wind und skeptischen Blicken seiner
Zeitgenossen mit eben dieser Haube.
Seither heisst sie Fliegermütze. Zur Kamikazemütze wurde sie schliesslich, als
japanische »Selbstopferpiloten« mit
ihr in amerikanische
Kriegsschiffe
stürzten.
Wie alle
Jungsphänomene
hat also
auch das
Tragen
der Holzfällermütze mit
Flugzeugen zu
tun. Sie steht
für Temporausch. Wer
sie
aufsetzt,
der fühlt sich
nicht nur imstande, sibirische
Fichten zu fällen, sondern auch
amerikanische Fregatten zu versenken
oder sogar mit offenem Verdeck über
die Hügel der märkischen Schweiz zu
fahren. Selbst eine Fahrt mit der U3
nach Dahlem Dorf wird mit ihr zum
kleinen Sturzflug, angesiedelt irgendwo
zwischen einer Cabriofahrt in Richtung
Midlife Crisis und Kamikaze.
Auch die Frauen stehen in diesem
Winter auf Testosteron. Sie haben den
Holzfällerhelm für sich entdeckt und
machen damit auf Boyfriend-Style: Die
Frau versinkt in viel zu großen Klamotten und wird wieder zum unschuldigen
Püppchen. Alles nur Masche. In Wirklichkeit wollen sie den Jungs nur ihr
Spielzeug wegnehmen. Aber warum der
ganze Zank? Zusammen machen Cabriofahrt und Sturzflug doch sowieso am
meisten Spaß! (fis)
■
33
Ewige Ehemalige
Satiriker auf
leisen Sohlen
Gemeinsam mit der Titanic-Rasselbande hielt F.W.
Bernstein der jungen Bundesrepublik den Spiegel
vor. FURIOS traf einen Pionier der deutschen Satire
mit FU-Vergangenheit. Von Filip Tuma.
Foto: Kassian Mayr
»S
ie erkennen mich an der rotgrünen
Schirmmütze.« Eine Woge Studenten
schwappt über den U-Bahnsteig in
Dahlem. Zurück bleibt eine hohe Erscheinung im schwarzen Mantel, die Schultern
leicht gebeugt: Fritz Weigle, besser bekannt
als F. W. Bernstein, Urgestein der deutschen Satire und Professor für Karikatur
a. D. Seine hellen Augen über dem wirren Schnurrbart blicken neugierig umher,
während der Satiriker mit bedächtigen
Schritten vom Thielplatz zum Campus der
FU läuft. Es war einmal seine eigene Uni,
doch eine Weile ist das schon her. »Was hat
ein alter Mann wie ich den jungen Leuten
noch sagen?« fragt Bernstein. Er setzt lieber zu tief an, als zu hoch. Gemeinsam mit
seinen Gefährten von der Neuen Frankfurter Schule besetzte er die klaffende Lücke
im Niemandsland der deutschen Satire.
Die Titanic-Gründer rund um Gernhardt,
Waechter, Poth und Bernstein warfen einen
scharfen Blick auf die hiesige Artenvielfalt.
Bernsteins Kommentar: »Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche.«
Statt Wild gibt es heute Fisch. Den Seehecht mit Sahnesoße balanciert Bernstein
zielsicher durch das Gedränge in der Mensa. Obwohl sein Germanistikstudium bald
50 Jahre her ist, fragt die nette Dame an der
Kasse nicht nach seinem Studentenausweis.
»Fünfzig Jahre. Noch einmal so weit zu-
34
rück, da ist man schon in der Kaiserzeit,«
amüsiert er sich. Der Seehecht scheint ihm
zu schmecken.
Bernsteins FU war eine andere. Es geisterten noch keine Massen durch das Labyrinth der Silberlaube, die Germanisten residierten in einer gediegenen Villa. Für ein
«Schmalspurstudium« war er eingeschrieben, erinnert er sich. »Ein Nachhilfekurs in
Literatur, um Goethe richtig verstehen zu
lernen.« Das professorale Wort galt als Gesetz. Bei diesem Gedanken kommt der junge Student mit dem verschmitzten Lächeln
zum Vorschein. »Es kam ja sonst niemand
darauf, das auf die Schippe zu nehmen.«
Dem akademischen Ernst setzte er Leichtigkeit entgegen, auf Wollsocken tappt seine Satire heran.
Schön und gut, doch was ist mit der Politik? Die Sechziger Jahre, Berlin, Revolte,
Revolte! Ȇber Dutschke unterhalte ich
mich nicht. Über den habe ich nicht viel zu
erzählen.« Der Blick durch die 68er Brille
ist ihm zu eng. Seine Kommilitonen waren
keine Aufständler. Es war eine bürgerliche
Elite, die da studierte, das verstand sich von
selbst. Es brauchte kein Exzellenz-Komitee,
um das Selbstwertgefühl der Studenten
aufzupolieren. Politische Ambitionen hätten nur gestört. »Man war gegen Adenauer«, damit erschöpfte sich der aufrührerische Geist. Bernstein saß mit den anderen
auf der Wiese vor dem Henry-Ford-Bau,
lauschte einem charismatischen US-Präsidenten, der »ein geeintes Berlin in einem
geeinten Deutschland« forderte – unter demokratischer Fahne, versteht sich. Behaglicher als am radikalen Rand ist es Bernstein
in der Mitte der Gesellschaft, da wo der
gutbürgerliche Konsens schlummert, das
Lieblingsobjekt seiner Satire.
Das Wichtigste liegt in der Mitte!
Bitte:
Streich weg das DE und am End das AND:
DEUTSCHLAND wird hiermit UTSCHL
genannt.
So dichtete der Satiriker. Und dann,
auf der Terrasse des Pi-Café bei einer Tasse Tee, erzählt er doch von Dutschke. Da
war diese Geschichte mit dem langhaarigen
Typen. »Der wurde in Schöneberg von einer aufgebrachten Menge vermöbelt. Weil
die ihn mit Dutschke verwechselt haben.«
Bernstein lächelt vielsagend. »Dabei war
Dutschke ein gut frisierter Typ, mit einem
gepflegten Auftritt.« Er nimmt noch einen
letzten Schluck aus der Tasse. Wie der Satiriker gekommen ist, verabschiedet er sich:
auf leisen Sohlen Richtung U-Bahnhof.
■
Furios 05/2011
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