Jetten 38 AC

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Jetten 38 AC
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d
r
o
B
An
Jetten-Yachten ein pauschales Design-Raster aufoktroyieren zu wollen, das
ist kaum möglich. Zwar bedient man sich auch bei diesem holländischen Stahlbootbauer festgeschriebenen Standards, dennoch , ein Schiff aus den Hallen der Sneeker Werft wird schon
allein aufgrund unterschiedlichster Eignerwünsche und Vorstellungen fast immer ein Custom-build-Projekt
sein. Jüngstes Beispiel der hier vorgestellte Typ „38 AC“ mit hochmodernem Interieur unter Deck. Standard
wäre traditioneller Mahagoni-Innenausbau. Claus D. Breitenfeld hat die Baunummer neun ausprobiert.
Wie es euch gefällt – von modern bis klassisch
Jetten
38 AC
E
s ist nur noch eine Hand voll namhafter, holländischer
Bootsbaubetriebe, die sich den Luxus eines deutschen Ansprechpartners leisten. Der Großteil verkauft direkt „vom
Hof“, weil es die Stückzahlen einfach nicht mehr hergeben.
Mit diesen Problemen hat Jetten erfreulicher Weise nicht zu
kämpfen. Heute eine Jetten-Yacht in Auftrag geben, das bedeutet auch
etwas Zeit mitzubringen, schließlich ist die vorbereitende Planung das
A und O jedes gut durchdachten Schiffes.
Wer Eigner einer Jetten-Yacht werden möchte, der kann zwar auch
den direkten Weg über die Werft wählen, ist jedoch ebenso in guten
Händen beim deutschen Ansprechpartner, „Yachtcharter Werder“, in
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gleichnamigem Städtchen direkt an der Havel. Und das birgt in sich
einen weiteren Vorteil: Hier kann er zunächst als „Kapitän auf Zeit“
sein Wunschboot ausprobieren. Entweder wochenweise, Last-Minute
oder aber auch nur am Wochenende.
Rund 30 Yachten stehen Interessenten an den Mietstationen
Mirow, Lychen, Zehdenick und Werder zur Verfügung. Und das Schönste dabei ist, wer sich die Rückreise zum Ausgangspunkt ersparen
möchte, der chartert einfach „One-Way“. Bennet Seidel, Chef des 1999
gegründeten Unternehmens, hat die Zeichen der Zeit erkannt und bietet seinen Chartergästen eine Vielzahl von Möglichkeiten und Törnvorschlägen.
9/2014 WasserSport
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Modernes Design mit gerundeten Frontscheiben.
Viel Platz auf dem Achterdeck mit bequemer U-Sitzbank.
Bestens gedämmt installiert, der Vetus-Deutz DT 44
unter dem Salonboden.
Kompaktes, elegantes Design mit
hervorragenden Fahreigenschaften. So präsentiert sich die Jetten
38 AC. Fotos: Breitenfeld/Werft
Fahreigenschaften
Diese Jetten 38 AC präsentiert sich als ein rundherum gutmütiges
Schiff und trotz ihrer Länge von immerhin fast zwölf Metern über Alles,
völlig unproblematisch im Handling, auch gesteuert von relativ unerfahrenen „Greenhorns“ am Ruder. Das beginnt bereits beim Ablegen
aus mitunter engen Liegeplatz-Boxen, in denen man die Jetten quasi
„dwars“, rechtwinkelig zur Kiellinie, hin- und her schieben kann. Umgekehrt funktioniert’s ebenso. Dank Bug- und Heckschraube wird das
Manövrieren damit zum Kinderspiel. Unterstützung erfährt die ganze
Aktion darüber hinaus von einem so genannten „Flossenruderblatt“,
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das mit einem Winkeleinschlag von 90° in der Lage ist, die Wasseranströmung besonders gut zu nutzen. Drehkreise von unter einer bis
knapp zwei Bootslängen in jede Richtung, voraus und nach achtern,
sind daher kein Zauberwerk. Und wem der Sinn nach dem Tüpfelchen
auf dem „i“ steht, der könnte sogar noch einen drauf setzen, indem er
sich eine Doppelmotorisierung gönnt. Zum Beispiel zwei kleinere Diesel, anstatt des einen kraftvollen Vetus Deutz/DT44 mit 84 kW (114 PS).
Bei bester, ungehinderter Rundumsicht vom nach Stb. ausgerichteten Steuerstand auf dem Achterdeck, nimmt die 38 AC Fahrt auf. Bei
650 U/min, gerade so eingekuppeltem Getriebe, 5,6 km/h (3,0 kn), bewegt sich der Testproband in Richtung voraus. Das Ruder sein lassen,
Fender „einsammeln“, der vorgegebene Kurs bleibt stabil, dem lang
durchgezogenen Kiel sei’s gedankt. Beim Blick auf das Phonmessgerät
pendelt sich der Zeiger um 55 dB(A) ein. Extrem leise aufgrund der aufwändigen Dämmung des unter dem Salonboden vor sich hin schnurrenden Diesel-Aggregates. Doch die gemessen „dB(A)‘s“ rühren nur zu
einem geringen Teil vom Motor her, das Wassergeräusch ist’s, das viel
stärker zu Buche schlägt.
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Optional im Angebot, modernes Designer-Interieur.
Die Maschine ist warm, der Öldruck passt, jetzt soll die Jetten zeigen, was in ihr steckt. Ergo, Hebel auf den Tisch. Aus ruhender Position schnellt der Drehzahlmesser hoch auf 2.500 U/min. Vollgebunkerte 12,5 Tonnen Testgewicht werden vom vierblättrigen Bronzepropeller der Abmessung 21 x 16½“ in Vortrieb versetzt. Nach ca. 25 Sekunden ist bei 2.500 U/min Vmax erreicht, der Jetten-Steven teilt mit
16,3 km/h (8,8 kn) das Havelwasser. Ein Wert, mit dem man bestens
leben kann, liegt er doch um 1,4 km/h über der rechnerisch ermittelten Rumpfgeschwindigkeit und das bei einer Wassertiefe von lediglich
3,5 m unter dem Kiel. Die Geräuschentwicklung pendelt sich bei 77
dB(A) ein und wiederum ist’s das Wasser, das den Löwenanteil dazu
beisteuert.
Permanente Volllast-Fahrt wird sich wohl kaum ein Eigner antun
wollen, schließlich bedeutet Wasserwandern nicht auf der Flucht zu
sein. Als ideale Marschgeschwindigkeit legen wir uns auf den Drehzahlbereich um 1.400 U/min fest, 11,5 km/h, (6,2 kn), Geräuschemission 65 dB(A). Bei gut sechs Ruderumdrehungen von Seite zu Seite
folgt der Rumpf willig und spontan jedem neu vorgegebenen Kurswechsel, etwaige Krängungserscheinungen können vergessen werden, unter und an Deck bleiben Tassen, Teller und sämtliches Nippes
an Ort und Stelle. Resümee: Alles im grünen Bereich.
Ausstattung und Verarbeitung
Die Eignerkabine im Achterschiff.
Gästekabine im Vorschiff.
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Wie bereits eingangs darauf hingewiesen, eine Jetten lässt sich nur
schwer in ein starres Raster packen. Individualität wird groß geschrieben, Qualität sowieso und letztendlich will der Eigner „sein“ Schiff
verwirklicht sehen. Diese 38 AC empfängt seine Crew mit viel heller
Freundlichkeit und modernstem Design unter Deck. Alles, was vordergründig als Holzeinbauten beim ersten Betrachten durchgehen
würde, ist – wenn man so will – eine perfekte, hochwertig verarbeitete, pflegeleichte „Kunststoff-Dekor-Täuschung“, HPL genannt, bis auf
die Massivholz-Leisten.
Die Basisaufteilung traditionell mit zwei Kabinen für Eigner und
Gäste, denen jeweils getrennten Sanitärbereiche zugeordnet sind und
zentralem Salon. Beide Kabinen ausgestattet mit großen Doppelbetten, ausreichend Stauraum, energiesparenden LED-Lichtquellen und
vernünftigen Lüftungsmöglichkeiten.
Der Salon selbst, eine Kombination aus backbordseitigem Pantryblock mit Mikrowelle, Spüle, dreiflammigem Gasherd und Kühlschrank, gegenüber das L-Sofa, umbaubar in die „+2“ Schlafstätte. Darunter versteckt die Batteriebänke, die elektronischen Steuergeräte und
der Hauptschalter. Eine gute Lösung, vor allem für die Elektronik,
damit diese nicht permanent den Motorraumtemperaturen ausgesetzt
ist. Leicht zugänglich und servicefreundlich installiert unter dem Salonboden schließlich das Herz des Schiffes, der Vetus-Deutz-Diesel.
Sechs Stufen führen backbords aufs Achterdeck, abgetrennt durch
eine schwere Kunststofftür und Schiebeluk. Die Bauweise des nach
achtern über die Spiegellinie hinausragenden Backskisten-Konzeptes,
sorgt nicht nur optisch für großzügiges Platzfeeling auf dem Achterdeck, Rudergänger und Crew werden wohl kaum ein gemütlicheres,
kommunikationsfreudiges Plätzchen an Bord finden. Das zweigeteilte, perfekt sitzende Verdeck mit großen Fensterflächen und seitlichen Ausgängen auf die Gangbords, fixiert am nach achtern abklappbaren Geräteträger, lässt diesen Schiffsteil quasi zum Deckssalon
werden.
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Herstellerland: Holland
Werft: Jetten Motor Yachts, Hendrik
Bulthuisweg 23, NL-8606 KB Sneek,
Tel.: 0031-(0)-515-560066,
www.jettenyachting.nl
Importeur/Händler Deutschland:
Yachtcharter Werder, Adolf-DamaschkeStr. 56-58, D-14542 Werder/Havel,
Tel.: 03327-549072,
www.yachtcharter-werder.de
Breite, gut begehbare Gangbords.
Auch der Steuerstand will dem allgemeinen, modernen Styling nicht nachstehen. Übersichtlich und ergonomischen Anforderungen gerecht werdend,
die positionelle Abstimmung zwischen
Ruder, Steuerstuhl, Schaltung und freiem Blick auf sämtliche Instrumente
bzw. Bedienelemente. Bei abgebautem
Verdeck ein Arbeitsplatz für den Mann
an der Haspel, wie man ihn sich nicht
angenehmer vorstellen kann.
Zwei halb gewendelte, sechsstufige
Niedergänge machen den Weg frei auf
die Badeplattform mit mittiger Badeleiter, Fenderkörbe und achterlichem
Fluchtluk, flankiert von stabilen Handläufen. Breite Gangbords führen aufs
Vorschiff mit der Aufbauwinsch und
festgemacht wird an soliden Doppelpollern samt mittlerer Springklampe.
Ebenso problemlos zu erreichen, die
Ver- und Entsorgungs-Stutzen für Kraftstoff, Wasser und Fäkalien auf den
Gangbords.
Hell, freundlich und
pflegeleicht, die Sanitärbereiche.
Testmotorisierung:
Hersteller/Typ: Vetus Deutz /
DT 44-Diesel
Leistung Kurbelwelle kW (PS): 84 (114)
bei 2500 U/min
Hubraum (cm³): 4.038
Propeller: 21 x 16½“, Bronze, 4-Blatt,
rechtsdrehend
Messwerte:
U/min km/h
650(1
5,6
1.000
7,6
1.200
9,3
11,5
1.400(2
1.500
12,3
2.000
14,1
16,3
2.500(3
Schweres Ankergeschirr
auf dem Vorschiff.
Zusammenfassung
Größenmäßig sortiert sich die Jetten 38 AC an Platz zwei dieser Serie ein. Darunter gibt’s
noch das Modell 35 und die Typen 41, 44 und 50 als große Schwestern. Von allen fünf Exponaten ist die 38 sicherlich eines der beliebtesten Schiffe, zeigt sie sich doch vom Handling auch nur mit einer Zweier-Crew (oder sogar solo) völlig unproblematisch. Andererseits bietet sie auch mehrköpfigen Crews ausreichend Platz und Lebensraum. Ein zeitlos
schönes Schiff mit vielen Variationsmöglichkeiten.
Claus D. Breitenfeld
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Technische Daten:
Länge ü. A. (m): 11,60
Breite ü. A. (m): 3,90
Tiefgang ca. (m): 0,90
Freibord ca. (m): 1,10
Höhe ü. WL ca. (m): 3,20 / 380 (bis
Frontscheiben-Oberkannte / mit
Geräteträger)
Kabinenhöhe (m): 2,00
Testgewicht ca. (kg): 12.500
Baumaterial: Stahl
Motorisierung Test kW (PS): 84 (114)
Motorisierung von – bis kW (PS): 55 –
84 (75 – 114) Single/Doppel
Antriebsart: Welle, Ø 40 mm
Kraftstofftank (l): 510
Frischwassertank (l): 480
Fäkalientank (l): 120
Zuladung/Nutzlast (kg): 1.400
Schlafplätze: 4 + 2
Kabinen: 2 + Salon
CE-Kat.:B /8 Pers.
Preis Testboot €:
Preis ab ca. €: 270.000,-
(kn)
(3,0)
(4,1)
(5,0)
(6,2)
(6,6)
(7,6)
(8,8)
dB(A)(4
55
61
63
65
68
75
77
Testparameter: (1 = niedrigste Dreh zahl, Getriebe eingekuppelt; (2 = ökonomische Wasserwander-Marschfahrt; (3 =
Volllast; (4 = gemessen am Steuerstand,
Achterdeck inkl. Wassergeräusche
(lauter als Motor); Wassertiefe ca. 3,5 m
unter dem Kiel; nach ca. 25 sec. aus
ruhender Position Vmax; Drehkreise in
Bootslängen voraus über Stb. 1,5 bei
1.200 U/min, über Bb. 0,8; nach
achtern über Stb. und Bb. 1,5 – 2;
Ruderumdrehungen von Seite zu Seite
6; Flossenruder mit 90°-Winkel.
Standardausstattung: (Auszug)
Flossenruder 90°, Farbschema nach
Wahl, Antifouling, Bugschraube,
hydraulisches Ruder, 40-l-Boiler, Warmluft-Heizung, autom. Feuerlöschanlage,
Batterielader, Landanschluss, Mahagoni-Innenausbau, Kork-Isolierung im
Aufbau, komplette Pantry, Cabrio-Verdeck, Geräteträger.
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