100 Jahre Hubschrauberflug - Bayerische - Flugzeug

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100 Jahre Hubschrauberflug - Bayerische - Flugzeug
100 Jahre Hubschrauberflug
Das Wort Helikopter, wie der Hubschrauber auch genannt wird, leitet sich
aus den griechischen Wörtern helix (Windung, Spirale) und pteron
(Flügel) ab.
Leonardo da Vinci lieferte im 15. Jahrhundert den ersten Entwurf eines
Helikopters. Zur gleichen Zeit gab es auch Entwürfe eines Schwingenfliegers und eines Fallschirms von ihm. Die Grundideen der Fliegerei waren
damit dokumentiert. Es fehlte aber an den technischen Möglichkeiten zur
Umsetzung seiner Ideen.
Zu lange wurde mit Modellen experimentiert. 1754 soll der Russe Lomonossow ein Fesselflughubschraubermodell mit Federantrieb gebaut haben.
Die Franzosen Launoy und Bienvenu bauten 1784 ein Modell mit zwei
koaxialen gegenläufigen Rotoren. Der Franzose de Ponton d’Amecourt
baute 1863 ein dampfgetriebenes Hubschraubermodell, welches heute im
Luftfahrtmuseum Chalais-Meudon in Paris steht. Er leitete auch aus dem
Griechischen den Namen „helicoptere“ ab.
Mit der Entwicklung des Verbrennungsmotors stand erst ab dem Ende des
19.Jahrhunderts ein kompakter, leistungsstarker Antrieb zur Verfügung.
So gelang den Gebrüdern Wright am 17.Dezember 1903 der erste Motorflug eines Flächenflugzeugs.
Aber schon vier Jahre später begannen die Franzosen Louis Breguet, Jaques Breguet und Charles Richet mit Flugversuchen ihres Hubschraubers. Ihr Gyroplane No 1 flog am 29.September 1907, war instabil und
mußte gefesselt bleiben. Der Pilot Volumard erhob sich ca.60 cm vom Boden, später wurden 150 cm erreicht.
Der Franzose Paul Cornu vollführte am 13. November 1907 mit seinem
„fliegenden Fahrrad“ in 30 cm einen Schwebeflug von 30 s Dauer. Es
war somit der erste Hubschrauberflug der Welt.
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100 Jahre Hubschrauberflug
Paul Cornu in seinem „Fliegenden Fahrrad“, 1907 (Foto - Sammlung Bichel)
Igor Sikorsky begann als Student ab 1909 in Russland mit den ersten Konzepten. Sein erster Hubschrauber erwes sich 1912 jedoch als Fehlschlag.
Aber die Technik wurde besser. So flog der Spanier Pescara 1924 eine
Strecke von 492 m, machte eine Wende und flog 123 m zurück. 1930 stellte der Hubschrauber des Italieners d’Ascanoi mit Marinello Nelli am
Steuer FAI-Rekorde auf, 19,80 m hoch, 1061 m weit, Dauer 8 min 45 s.
In Deutschland baute Prof. Henrich Focke mit der Fw 61 den ersten „gebrauchsfähigen“ Hubschrauber. Am 25./26. Juni 1935 wurden 2439 m
Höhe, eine Flugdauer von 1 h 20 min und eine Strecke von 80,604 km
erreicht. Hanna Reitsch flog Carl Bode 18 mal in der Deutschlandhalle
vom 19.Februar bis 6.März 1938. Am 20. März 1938 flog Carl Bode mit
einer Fw 61 mit mit einem Streckenflug über 230 km einen weiteren Weltrekord.
Anton Flettner baute ab 1935 mit der Fl 184 seinen ersten Versuchshubschrauber. Mit der Fl 265 wurden erste Schiffslandungen auf dem Kreuzer Karlsruhe im Herbst 1939 auf der Ostsee durchgeführt. Am 30. Oktober 1941 erfolgt der Erstflug der Fl 282 “Kolibri”.Es sollten 1000 Stück
vom Typ Fl 282 beschafft werden, aber nur 23 dieser Zweisitzer gebaut,
die bis Kriegsende 710 Flugstunden mit 3056 Starts machten. 2 Exemplare
haben das Kriegsende überlebt und wurden in den USA noch Jahre lang
ausgiebig nachgeflogen.
Am 8. März 1940 hob mit der Focke Achgelis Fa 223 der erste LastenBayerische Flugzeug Historiker e.V.
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hubschrauber, ausgelegt für 700 kg Nutzlast, ab. Es wurde 1941 ein Auftrag von 100 Maschinen erteilt. Gebaut wurden insgesamt V1/V2, dann
V3/V50 für den Serienbau aufgelegt. Eine zweite Serie wurde in BerlinTempelhof begonnen S51/S54. Vom 08.03.1940 bis zum 06.02.1945 haben insgesamt 11 Maschinen ihren Erstflug durchgeführt.
Am 6. März 1945 führte Leutnant Hans-Helmut Gerstenhauer mit einer
Fa 223 im Bereich Danzig-Praust – Gischkau den weltweit ersten “SARFlug” (Search and Rescue / Suchen und Retten) mit einem Hubschrauber
erfolgreich durch! Ein Fw 190 – Pilot vom 1./N.A.G. 4 wurde nach einer
Bruchlandung gefunden, geborgen und ins Lazarett gebracht.
Am 14. Februar 1945 wurde die erste Hubschrauber-Einsatzstaffel die
Transportstaffel 40 in Mühldorf-Mettenheim aufgestellt. Sie bekam in Ainring aber erst ab 7. April 1945 ihre ersten drei Hubschrauber vom Typ Fl
282 und zwei Fa 223. Das nahende Kriegsende beendete aber die Aufstellung dieser Einheit.
Die letzte Fa 223 wurde mit amerikanischen Hoheitsabzeichen von Leutnant Hans-Helmut Gerstenhauer am 6. September 1945 über den Ärmelkanal nach England überführt. Sie war damit der erste Hubschrauber, der
den Ärmelkanal überquerte.
Sikorsky war inzwischen in die USA ausgewandert. Hier arbeitete er als
Flugzeugingenieur bei Vought, begann auch wieder mit den Bau von Hubschraubern. Am 14. September 1939 hob der VS-300 ab. Am 6.Mai 1941
wurde der Weltrekord der Fw 61 mit 1 h 32 min gebrochen. Das US-Militär wurde aufmerksam und die XR-4 entwickelt. Im Sommer 1944 erhielten USAAF die ersten 35 R-4B, die US Navy bekam 20 Maschinen, nannte den Zweisitzer aber HNS-1. Noch 1944 wurden mit diesen Mustern die
ersten Hubschrauber-Rettungseinsätze in Südostasien durchgeführt.
Nach dem 2.Weltkrieg kam die Hubschrauberentwicklung dank stärkerer
Triebwerke weltweit schnell voran. So konnte die Bundeswehr nach ihrer
Indienststellung ab 1957 sofort leistungsfähige Hubschrauber für alle Teilstreitkräfte einführen.
Der Bundesgrenzschutz (heute Bundespolizei) besaß schon im Jahre 1955
eine Hiller UH-12B.
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Hubschrauber der Bundeswehr
Heeresflieger
Der erste fliegende Verband der Heeresflieger wurde im Mai 1957 in Niedermendig / Eifel aufgestellt. Im April 1957 wurden sechs Bell 47 G-2
wurden von der Firma Motorflug aus Koblenz / Karthause an das Heeresfliegerkommando 801 für die HFlgStff 811 übernommen. Schon im Dezember 1956 war auf dem Platz das Flugplatzkommando 841 (H) aufgestellt worden, gefolgt vom Heeresfliegerkommando 801 im März 1957.
Ursprünglich war Bad Kreuznach als Aufstellungsort vorgesehen, da das
dortige Lager aber noch nicht bezugsfertig war, wich man nach Niedermendig aus. Der Platz war im Januar 1957 von den Franzosen geräumt
worden.
Kurz nach der HFlgStff 811 wurden in Fritzlar die HFlgStff 812 (übernahm im November 1957 - sechs Djinn ausgeliefert bis Juni 1960),
HFlgStff 813 und HFlgTrpStff 822 sowie in Celle die HFlgStff 814, 815
und HFlgTrpStff 823 aufgestellt. Ab 1956 hatten bereits die ersten Heeresflieger ihre Hubschrauberausbildung in Fort Rucker und Camp Wolters
/ USA begonnen. Die Flächenflugzeugausbildung für die Heeresflieger
fand zunächst auf der Gary AFB, ebenfalls USA, statt.
Aufgabe der Heeresflieger waren und sind Verbindungs-, Überwachungs-,
Erkundungs- und Transportflüge zur Unterstützung des Heeres. Neben der
Bell 47 wurden auch die Djinn und Skeeter erprobt. Diese kleinen zweisitzigen Hubschrauber erwiesen sich für oben genannten Aufgaben aber als
ungeeignet. Die Bell fand dann Verwendung als Schulungshubschrauber
bei der FFS „S“ der Luftwaffe in Faßberg.
So wurden ab Februar 1958 Tests mit einer Westland „Widgeon“ (GALIK), Agusta-Bell 47J „Ranger“ (I-GUS) und zwei Sud Aviation SE
3130 „Alouette II“ (F-BIBE, F-BIFF) durchgeführt, aus denen die Alouette als Sieger hervorging. Im März 1959 wurde ein Kaufvertrag über 130
„Alouette II“ abgeschlossen, der später auf insgesamt 247 Exemplare ausgedehnt wurde.
Die Heeresflieger waren zu Beginn auch mit Flächenflugzeugen ausgestattet (hier im Internet dann interner Link zu „Flugzeuge der BW“). Ab 1.Juli
1957 wurden die ersten Do 27 bei der HFlgStff 811 und der HFlgStff 812
in Dienst gestellt.
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Hubschrauber der Bundeswehr
Der Hubschrauber hat sich jedoch als besser geeignet erwiesen, weil man
mit ihm ohne aufwändige Infrastruktur (Flugplatz) gemeinsam mit den
Landstreitkräften operieren kann.
1) Bell 47G-2 / Agusta - Bell 47G-2 - Zur Erstausrüstung gehörten auch
Bell 47G-2 (14 Stück) bzw. die in Italien gebaute Lizenzversion Agusta Bell 47G-2 (31 Stück). Das Heer setzte ab April 1957 zuerst 6 Bell zur
Truppenerprobung bei der HFlgStff 811 in Niedermendig ein. Der Typ
wurde aufgrund zu geringer Reichweite als für die Heeresflieger
ungeeignet empfunden. Alle Maschinen wurden an die Luftwaffe für
Schulungszwecke abgegeben.
2) SNCASO SO-1221 “Djinn” - Leichthubschrauber mit Kaltstrahl Reaktionsantrieb. Beim Reaktions-antrieb wird über Düsen an den
Rotorblattspitzen Luft ausgeblasen, die den Rotor in Drehung versetzt.
Dieser Antrieb ist momentenfrei, weshalb der Heckrotor entfällt.
Sechs SO-1221 Djinn wurden ab November 1957 zunächst bei der
HFlgStff 812 in Fritzlar, später bei der HFlgStff 811 in Mendig erprobt,
aber wegen ungenügender Reichweite abgelehnt. Kennzeichen PB+117 bis
PB+122, später PA+117 bis PA+122, zuletzt PB+156 bis PB+160 und
PB+117. PB+117 und PB+157 sind abgestürzt, die restlichen vier wurden
im Dezember 1960 ausgemustert und an SNCASO zurückverkauft.
3) Vertol (Piasecki) H-21 - Insgesamt 32 Maschinen bei Weserflug in
Lizenz gebaut : 26 V-43A, 5 V-43B, 1 V-44B. Letztere war die VIPVariante und wurde gebraucht von Sabena beschafft (wird gegenwärtig
komplett restauriert). flogen schließlich beim Heeresfliegerbatallion 300
(später Heeresfliegerregiment 35) in Mendig, bis sie 1972 durch die
Sikorsky CH-53G abgelöst wurden. Letzte Kennungen: 83+01 bis 83+32.
4) Saunders - Roe (Saro) “Skeeter Mk.50” - wurde kurz eingesetzt, aber
bereit 1960 wieder ausgemustert. Die Bundeswehr erhielt im Mai 1958
sechs “Skeeter Mk.50” für die Heeresflieger beim HFlgStff 813 in Fritzlar
sowie der HFlgStff 814 in Celle erprobt. Die Leistungen des Zweisitzers
überzeugten nicht, weshalb die Maschinen am 15. März 1960 ausgemustert wurden.
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Hubschrauber der Bundeswehr
5) Sud Aviation S.E.3130 “Alouette II” - Als leistungsstärkerer Ersatz
der Bell 47G-2 wurden 243 Maschinen für das Heer beschafft. Die Auslieferung begann ab Mitte 1959. Kennungen 7501 - 7778. (SA.315B und
318B). Die "Alouette II" stand bis März 2006 im Einsatz. Nachfolger in
kleinen Stückzahlen ist die -> Eurocopter EC 135.
6) Sikorsky H-34G-I (H-34A) - Die ersten 21 Maschinen Sikorsky H-34
G I wurden 1957 bei der Heeresfliegertransportstaffel 823 in Celle in
Dienst gestellt. Insgesamt wurden 26 H-34 G-I für die Heer und Luftwaffe
beschafft. 1972 wurden die letzten H-34 beim Heer ausgemustert.
7) Von der Sikorsky H-34 G-II wurden 25 Maschinen für Heer und Luftwaffe gekauft.
8) Von der Sikorsky H-34 G-III wurden 70 Maschinen für die Heer, Luftwaffe und Marine gekauft.
9) Bell (Dornier) UH-1D - Die Heeresflieger nahmen am 20.August 1967
ihre ersten UH-1Ds von 202 Maschinen zur Schulung in Bückeburg in Betrieb. Die Bell wird durch den NH-90 abgelöst. Von Frühjahr 1967 bis Anfang 1971 wurde die UH-1D bei Dornier in Lizenz gebaut. Verschiedene
Maschinen dienen auch als Erprobungsträger bei der WTD 61 in Manching. Kennungen 70 + 01 und 70 + 02, 70 + 21 bis 73 + 84.
10) Sikorsky (S-65) CH-53G - Die ersten beiden CH-53 stammten noch
aus Original Sikorsky-Produktion. Es waren CH-53A, die ursprünglich für
das Marine-Corps bestimmt waren (BuAer Nr. 154885 / 154886, deutsche
Kennungen 84 + 01 bzw. 84 + 02). Sie wurden erst in Deutschland mit der
für den G-Standard vorgesehenen Ausrüstung modifiziert und ab November 1969 bei der WTD 61 zum Testen eben dieser Ausrüstung verwendet.
Beide fliegen heute noch in Manching für diverse Erprobungsprogramme.
Die WTD 61 nutzt gelegentlich noch andere CH-53 die dann oft von der
Truppe ausgeliehen werden.
110 CH-53G wurden von 1972 bis 1975 bei VFW-Fokker in Speyer für
die Heeresflieger in Lizenz gebaut. Kennungen 84 + 03 bis 85 + 12. Die
CH-53G soll noch bis 2030 im Einsatz bleiben, wenn auch in reduzierter
Stückzahl. Zweiundzwanzig CH-53G wurden zu CH-53GS hochgerüstet.
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Hubschrauber der Bundeswehr
11) MBB Bo 105P (PAH-1) - Panzerabwehrhubschrauber mit je drei HOT
- Raketen an den Rumpfseiten. Die ersten Bo 105P wurden am 9. Mai
1978 an die Heeresflieger in Bückeburg übergeben. Nachfolger wird die ->
Eurocopter EC665 “Tiger” (PAH-2). Abgerüstete PAH-1 dienen mittlerweile als VBH. Dazu gab es offensichtlich zwei Varianten:
Entweder die feldmäßige Abrüstung in der Truppe (Waffenanlage raus,
Sitzbank rein), dann haben die Hubschrauber ihre Bezeichnung anscheinend nicht geändert.
Oder es gab eine werksmäßige Umrüstung bei Eurocopter. Die so modifizierten Hubschrauber wurden danach als Bo 105P1M bezeichnet. 212 Maschinen Kennzeichen 86 + 01 bis 88 + 12.
12) MBB Bo 105M (VBH) - Verbindungs- und Beobachtungshubschrauber. Im Dezember 1979 erfolgte die Übergabe der ersten von 100 bestellten Bo 105M an die Truppe. Die letzten VBH Bo 105M wurden 2004 ausgemustert und in dieser Rolle durch abgerüstete Bo 105P ersetzt. Kennzeichen 80 + 01 bis 81 + 00.
13) Sikorsky (S-65) CH-53GS - kampfwertgesteigerte CH-53G, u.a. mit
externen Kraftstoffbehältern. Zunächst wurden 20 Hubschrauber umgerüstet. Eine erste Maschine wurde am 12. August 1999 an die Heeresflieger
übergeben. Einer davon ist im Dezember 2002 in Afghanistan abgestürzt.
Als Ersatz für diesen und einen weiteren (?) verloren gegangenen CH53GS wurden später zwei weitere CH-53G hochgerüstet.
14) Eurocopter EC 135 - Als Nachfolger für die betagte “Alouette II”
wurden 15 EC 135 als Schulungshubschrauber beschafft. Kennungen 8251
bis 8265. Sie stehen seit September 2000 bei der Heeresfliegerwaffenschule in Bückeburg im Einsatz. Mit seinem Glascockpit der neuesten Generation, wie es z.B. auch im Tiger und NH 90 Verwendung findet, ist die
EC 135 prädestiniert für die Grundausbildung der auf diesen Mustern zum
Einsatz kommenden Piloten.
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Hubschrauber der Bundeswehr
15) Eurocopter EC 665 “Tiger” - Als Nachfolger der MBB Bo 105
PAH-1 war ab 2002 die Beschaffung von 212 auch PAH-2 bzw. UHU
(Unterstützungshubschrauber) genannten EC 665 durch das Heer geplant.
Die erste deutsche Maschine wurde am 6. April 2005 in Donauwörth ausgeliefert. Erste Einheit die den "Tiger" fliegt ist das deutsch-französischen
Hubschrauber - Ausbildungszentrum in Le Luc / Frankreich. Kennzeichen
74 +.
16) NH Industries NH 90 - Transporthubschrauber, Nachfolger der Bell
(Dornier) UH-1D. Am 13. Dezember 2006 erhielt die Heeresflieger-Waffenschule in Bückeburg die ersten drei NH 90 in der Version TTH. Die
dritte Maschine dient der Schulung von technischem Personal.
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Hubschrauber der Bundeswehr
Marineflieger
Am 26. Juni 1956 wurde in Kiel das Marinefliegerkommando aufgestellt.
Die Schulung des Personals begann Anfang 1957 in England, USA und
Deutschland.
Die Marinefliegergruppe 1, zuständig für die Ostsee, wurde am 1. April
1957 in Kiel-Holtenau in Dienst gestellt. Sie wurde bald nach Jagel verlegt. In Kiel-Holtenau wurde ab Januar 1958 im Rahmen der Marinefliegergruppe 1 eine „Seenotstaffel“ aufgebaut, woraus am 1.Oktober 1963
das MFG 5 entstand Am 18. Juni 1958 wurde 4 Bristol Sycamore von
Marinepiloten von England nach Holtenau überführt und für SAR-Einsätze
genutzt.
Die Marinefliegergruppe 2 , am 26. Februar 1958 aufgestellt, hatte die
Nordsee als Einsatzgebiet.
Am 19. Mai 1958 wurde in Lossiemouth/Schottland die erste Mehrzweckstaffel mit acht Sea Hawk in Dienst gestellt, einen Tag später eine U-BootJagdstaffel mit 16 Fairey Gannet in Eglington/Irland. (hier im Internet
dann interner Link zu „Flugzeuge der BW“).
Am 22. Juli 1958 wurde die Sea Hawk von Schottland zur Marinefliegergruppe 1 nach Jagel überführt und ab 02. August 1958 als erster fliegender
Verband der Marine in die NATO eingegliedert.
Aus der Marinefliegergruppe 1 wurde im Juli 1959 das Marinefliegergeschwader 1 (MFG 1), welches 1993 aufgelöst wurde Aus der Marinefliegergruppe 2 entstand das MFG 2, das 2005 aufgelöst wurde. Im MFG 3
wurden 1964 die U-Boot-Jagdflugzeuge vom MFG2 eigenständig. Mit
dem MFG 4 wurde von 1964 bis 1968 versucht mit H-34 U-Bootjagd und
Minenräumung zu machen. Die H-34 erwies sich hierfür als ungeeignet,
weshalb der Verband aufgelöst wurde.
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Hubschrauber der Bundeswehr
1) Vier Bristol 171 "Sycamore Mk.52" Sycamore wurden am 18. Juni
1958 von Marinepiloten von England nach Kiel - Holtenau überführt. Die
Sycamore hat SAR-Einsätze geflogen. Die Maschinen der Flugbereitschaft
wurden im Mai 1960 an die Marine abgegeben, die den Typen seit Juni
1958 einsetzte. Vier weitere Maschinen wurden im Juli 1960 bzw. Februar
1961 von der Luftwaffe an die Marineflieger übergeben. Die Maschinen
wurden auch in großem Umfang bei der Flutkatastrophe 1962 in Hamburg
eingesetzt. Die verbliebenen Sycamores wurden im Mai 1967 bei der
Marine außer Dienst gestellt und der Luftwaffe übergeben, wo sie bis 1969
flogen. Nachfolger war die Sikorsky H-34G-III. Nach Außerdienststellung
bei der Luftwaffe flogen viele Sycamores noch bei zivilen Firmen.
2) Saunders - Roe (Saro) “Skeeter Mk.51” - Vier Maschinen wurden ab
Spätherbst 1958 kurz eingesetzt, aber bereits Anfang 1960 wieder ausgemustert, weil die Leistungen nicht befriedigten.
3) Sikorsky H-34G-III - Ab April 1963 wurden 15 Maschinen bei der
Marine eingeführt, wo sie hauptsächlich im MFG 5 als SAR - Hubschrauber eingesetzt wurden. Sie hatten Sonderausrüstung für den Einsatz über
See, z.B. aufblasbare Schwimmer an den Hauptfahrwerksfelgen. Zwei Sikorsky UH-34G III wurde vom kurzlebigen MFG 4 als Minenräumer eingesetzt. Am 1. April 1975 wurde die H-34 bei der Marine ausgemustert.
4) Sikorsky SH-34J - Fünf Sikorsky SH-34J wurden als UBoot-Jagdhubschrauber beim kurzlebigen MFG 4 eingesetzt.
5) Westland “Seaking Mk.41” - britische Lizenzversion des US-amerikanischen Marinehubschraubers Sikorsky S-61. Die Marine erhielt am 15.
April 1973 ihre ersten beiden “Sea King”. Die “Sea King” waren aber zunächst in Culdrose / Cornwall / Südengland stationiert, wo die Umschulung des technischen Personals der 1. / MFG 5 stattfand. Sie wurden erst
ab 01.April 1974 nach Kiel - Holtenau überführt. Einsatz zunächst als
landgestützter U-Boot-Jäger und, ab 01.April 1975, in der SAR-Rolle.
Nach einer Kampfwertsteigerung Mitte der 80er Jahre sind sie auch zur
Schiffsbekämpfung fähig. Kennungen 89 + 50 bis 89 + 71. Als Ersatz ist
der MH 90 vorgesehen, eine Marineversion des NH Industries NH 90.
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Hubschrauber der Bundeswehr
6) Westland “Lynx Mk.88” - Im Einsatz dem MFG 3 zugeordneter Marinehubschrauber für den bordgestützen Dienst von den zwischen 1982 und
1990 in Dienst gestellten Fregatten der Klassen 122 (F 207 "Bremen", F
208 "Niedersachsen", F 209 "Rheinland - Pfalz", F 210 "Emden", F 211
"Köln", F 212 "Karlsruhe", F 213 "Augsburg" und F 214 "Lübeck") und
den zwischen 1994 und 1996 in Dienst gestellten Fregatten der Klassen
123 (F 215 "Brandenburg", F 216 "Schleswig - Holstein", F 217 "Bayern"
und F 218 "Mecklenburg - Vorpommern") aus. Vorerst wurden 12 Stück
mit den Kennungen 83 + 01 bis 83 + 12 beschafft. Als dann von den Fregatten noch weitere bestellt wurden, wurden für diese auch noch einmal
sieben "Lynx Mk. 88" bestellt. Kennungen 83 + 13 bis 83 + 19.
7) Westland "Lynx Mk.88A" - Als Ende der 90er Jahre klar wurde, daß
sich die Auslieferung des NH-90 an die Marine verzögern würde, wurden
als Übergangslösung 1999 noch einmal sieben neu gebaute Lynx Mk.88A
mit den Kennungen 83 + 20 bis 83 + 26 bestellt. Die erste neue Sea Lynx
wurde im April 2000 ausgeliefert. Die verbliebenen fünfzehn Mk.88 (vier
waren verloren gegangen) wurden bis 2003 gleichfalls auf diesen Standard
hochgerüstet.
8) NH Industries NH 90 - Transporthubschrauber. Die Version MH 90 ist
als Nachfolger des Westland "Seaking Mk.41" vorgesehen.
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Luftwaffe
Die Geschichte der Luftwaffe wurde von den BFH im Jahr 2006 umfangreich dargestellt.
1) Bristol 171 "Sycamore Mk.52" - Dieser Typ wurde ab Mai 1957 bei
der Luftwaffe in Dienst gestellt, zunächst bei der FFS "S", später auch bei
den Luftrettungsstaffeln 2 und 3. Mit der in Dienststellung des HTG 64 am
1.Oktober 1966 in Penzing wurde die Sycamore für SAR-Einsätze (Search
And Rescue) dort betrieben, wo sie noch bis Mai 1969 dienten. Insgesamt
wurden 50 Sycamores beschafft, 44 für die Luftwaffe, 2 für die
Flugbereitschaft BMVg (Kennungen CA-327 und -328).
2) Die Bell 47G-2 / Agusta - Bell 47G-2 diente ab 1957 als
Schulungshubschrauber bei der FFS ”S” in Memmingen, die 1958 nach
Faßberg verlegt wurde. Die Maschinen trugen zunächst AS +, LA + und
YA + - Kennungen. Später erhielten die verbliebenen Maschinen die
Kennungen 74 + 01 bis 74 + 38. Sie wurde am 25. April 1974 außer
Dienst gestellt. Vier Maschinen wurden an die Malta Police übergeben.
Die meisten Bells gingen in den zivilen Besitz.
3) Vertol (Piasecki) H-21 - Die ersten fünf H-21 der Bundeswehr dienten
ab Mai 1957 bei der FFS "S" in Memmingen. Vier H-21 wurden
anschließend bei der 1. Luftrettungs- und Verbindungsstaffel in
Fürstenfeldbruck eingesetzt, bis sie den Heeresfliegern übergeben wurden.
4) Sikorsky H-34G-I (H-34A) - Sie wurden bei der Luftwaffe ab 1957 in
der FFS “S” im Memmingen zur Fortgeschrittenenschulung eingesetzt.
Später wurden auch H-34 G-II (H-34B) und H-34 G-III (HSS-1N) beschafft. Ab 1965 wurden die H-34 vom HTG 64 betrieben und dort 1968
von der UH-1D abgelöst. Die Flugbereitschaft setzte zwei H-34 bis 1968
ein. Zwei H-34 G-III blieben für Sondereinsätze im elektronischen Betrieb
bis 1974 bei Braunschweig im Betrieb.
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Hubschrauber der Bundeswehr
5) Bell (Dornier) UH-1D - Transport- / Verbindungs- und SAR - Hubschrauber. 136 UH-1D wurden an die Luftwaffe geliefert. Das HTG 64 erhielt im Januar 1968 die erste Maschine. Auch an die FFS “S” in Faßberg
wurden zur gleichen Zeit Bells geliefert. Die Luftwaffe fasste ab 1966 ihren Hubschrauberbestand im neuen HTG 64 zusammen und beschränkte
sich auf die Bell UH-1D als einzigen Typ. Die Flugbereitschaft setzte ab
1968 acht UH-1D ein. 1991 wurde das HTG 64 aufgelöst und Personal mit
Maschinen auf das LTG 62, LTG 63 und die Flugbereitschaft verteilt. Die
Luftwaffe erhielt von den Heeresfliegern nachträglich einige UH-1D überstellt damit sie den SAR - Dienst flächendeckend aufrechterhalten konnte.
6) Eurocopter AS 532 U2 "Cougar" - Drei Maschinen fliegen seit 1997
für die Flugbereitschaft des BMVg als Nachfolger der Mi-8. Kennzeichen
82 + 01 bis 82 + 03.
7) NH Industries NH 90 - Transporthubschrauber, Nachfolger der Bell
(Dornier) UH-1D. Sie werden bei der Luftwaffe in Holzdorf in Dienst gestellt.
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Hubschrauber der Bundeswehr
Hubschrauber der NVA bei der Bundeswehr
Nach der Wiedervereinigung wurden einige Hubschrauber von der NVA
(Nationale Volksarmee der DDR) übernommen oder zumindest getestet. In
Anführungsstrichen sind die ehemaligen „Codenamen“ der Nato für den
jeweligen Typ angegeben.
1) Mil (PZL) Mi-2 „Hoplite" - 25 Mi-2 wurden im Oktober 1990 von
der NVA übernommen und zunächst ausgemustert. 1991 wurden sie aber
kurzfristig wieder in Dienst gestellt, um beim THG 34 / LTGrp Briest den
SAR-Dienst in den neuen Bundesländern durchzuführen, bis dieser von zivilen Institutionen übernommen werden konnte. Die letzten Mi-2 wurden
im Dezember 1992 endgültig außer Dienst gestellt. Kennzeichen 94 + 50
bis 94 + 66, 94 + 70 bis 94 + 73, 94 + 80 bis 94 + 83.
2) Mil Mi-8 „Hip C” - Diese Maschinen dienten auch nach der Übernahme der NVA durch die Bundeswehr als Transporthubschrauber bis 1994.
Die NVA hatte zwischen 1968 und 1975 44 Mi-8T beschafft.
3) Mil Mi-8TB „Hip E” - bewaffnete Version der Mi-8T, d.h. ein MG A12,7 in Lafette NUW-1U im Bug. Weiterhin konnte die Mi-8TB an seitlichen Auslegern weitere Waffen, z.B. ungelenkte Raketen, tragen. Die
NVA hatte zwischen 1976 und 1979 38 Mi-8TB beschafft. Die Volksmarine der DDR nutzte davon 12 Maschinen. Auch diese Version blieb bis
1994 bei der Bundeswehr in Einsatz.
4) Mil Mi-9 „Hip G” - Zur luftbeweglichen Führungsstelle ausgerüstete
Version der Mi-8. Zusatzelektronik und ein externes, fahrbares Stromaggregat zur Energieversorgung am Boden waren dazu notwendig. Die
NVA hatte 1983 acht Mi-9 beschafft, die 1995 von der Bundeswehr abgegeben wurden. 1990 wurde die Mi-9 abgerüstet und ab 1991 als Mi-8A geführt.
5) Mil Mi-8PS „Hip C” - VIP - Hubschrauber. Bei der Bundeswehr im
Einsatz beim LTG 65 (ehemals TG-44 “Arthur Pieck”). Die NVA hatte
zwischen 1975 und 1986 16 Mi-8PS beschafft, einige Mi-8PS flogen bis
1993 bei der Flugbereitschaft.
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6) Mil Mi-14PL „Haze A” - Weiterentwicklung der Mi-8 als Marinehubschrauber mit stärkeren TW3-117M- Triebwerken, neuen Getriebe und
Einziehfahrwerk. Die DDR hatte 1979/80 neun Mi-14PL für die Volksmarine zur U-Boot-Jagd beschafft. Die Mi-14PL wurden nicht in den Dienst
der Bundeswehr übernommen.
7) Mil Mi-14BT „Haze B” - Die Marinehubschrauber Mi-14 wurden nicht
in den Dienst der Bundeswehr übernommen. Die DDR hatte 1985 sechs
Mi-14BT für die Volksmarine zur Minenabwehr beschafft. Die Mi-14BT
wurden nicht in den Dienst der Bundeswehr übernommen.
8) Mil Mi-24D „Hind D” - Die Mi-24 wurde aus der Mi-8 abgeleitet. Der
Rumpf wurde schmäler, seitliche Stummelflügel, Einziehfahrwerk, stärkere TW3-117 - Triebwerke und Änderungen an den Rotoren machten aus einem Transporthubschrauber einen Kampfhubschrauber. 42 Stück wurden
zwischen 1978 und 1983 an die NVA geliefert und beim KHG-3 und
KHG-5 eingesetzt. Verbliebene Maschinen hatten die Kennung 96+01 bis
96+39 bei der Bundeswehr. Die 96+22 flog als 98+31 und die 96+39 als
98+32 bei der WTD61. Die „Hind D” wurde von der WTD 61 erprobt aber
nicht in den Truppendienst übernommen. Unterscheidungsmerkmal zur
Mi-24P ist das vierläufige 12,7 mm MG im Kinnturm. Die meisten Maschinen wurden nach Außerdienststellung bei der Bundeswehr nach Polen
und Ungarn geliefert.
9) Mil Mi-24P „Hind F” - Kampfhubschrauber. Im Einsatz beim KHG-5.
Kennungen 96 + 40 bis 96 + 51. Unterscheidungsmerkmal zur Mi-24D ist
die zweiläufige 23mm Gsh-Kanone auf der rechten Seite. 12 Maschinen
1989 an die NVA geliefert, bei der Bundeswehr mit Kennung 96+40 bis
96+51. 96+40 flog als 98+33 und die 96+47 als 98+34 bei der WTD61.
Die meisten Maschinen wurden nach Ungarn geliefert, weil die Bundeswehr auch die „Hind F“ nicht übernommen hat.
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Prototypen und Versuchsmuster
1) Bell (Agusta) AB.206 Ranger (I-AGUS) - wurde 1958 in Niedermendig und im Wettersteingebirge in Konkurrenz zur Alouette II und der
Westland Widgeon erprobt
2) Westland Widgeon (G-ALIK) - Diese britische Lizenz der Sikorsky S51 wurde 1958 in Niedermendig und im Wettersteingebirge in Konkurrenz
zur Alouette II und der Bell (Agusta) Ranger erprobt.
3) Bölkow Bo 102 „Heli-Trainer” - Hubschrauber - Trainer der in geringen Stückzahlen an die Bundeswehr geliefert wurde. Die Maschine war an
einem Gestell am Boden verankert, also nicht flugtüchtig. Aus Kostengründen konnte sie sich nicht durchsetzen und es wurden insgesamt nur 18
Stück von 1959 bis 1962 gebaut und an die Bundeswehr ausgeliefert.
4) Merckle SM 67 - Die Firma Merckle erhielt 1957 von Verteidigungsministerium den Entwicklungsauftrag für einen 5sitzigen Hubschrauber.
Die SM 67 hatte als erster deutscher Turbinenhubschrauber den Erstflug
am 7.Juni 1959. Nach dem Absturz des ersten Prototypen 1959 war die
Erprobung des dritten Prototypen, D-9506, schließlich erfolgreich. Unter
Zeitdruck bestellte das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung
(BWB) die bereits serienreife "Alouette II", die noch bis 2006 in Dienst
stand. Eine SM 67 steht jetzt im Hubschrauber-Museum Bückeburg.
5) Bölkow Bo 103 - Weiterentwicklung der flugunfähigen Bo 102 "Helitrainer" zu einem flugfähigen Einmann - Hubschrauber, Im Rahmen eines
Forschungsprogramms ders Verteidigungsministeriums wurde ein Prototyp gebaut, der am 14. September 1961 seinen Erstflug hatte. Die Erprobung wurde 1962 eingestellt. Die Bo 103 steht jetzt im Hubschrauber-Museum Bückeburg.
6) Aerospatiale “Alouette III” - Auch die “Alouette III”, F-BIEJ, wurde
getestet, aber nach einem Absturz am 12. April 1962 aufgegeben. Die
"Alouette III" wurde nicht in die Bundeswehr eingeführt weil er für einen
Transporthubschrauber zu klein und für einen Verbindungshubschrauber
zu groß war.
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7) Dornier Do 32E - einsitziger Kleinsthubschrauber der zusammengeklappt werden konnte. Erstflug war am 13. September 1962. Vorführung
auf der Hardthöhe, bei den Heeresfliegern in Bückeburg und in Friedrichshafen - Löwenthal. Es gab dann keinen Auftrag des Verteidigungsministeriums.
8) Sikorsky (WFG) WS-64 “Skycrane” - Zwei Maschinen wurden erprobt, D-9510 und D-9511. Sie wurden zunächst ab Dezember 1962 an
der Heeresfliegerwaffenschule in Bückeburg erprobt, dann (manche Quellen sprechen von Januar 1964, andere von Januar 1965) an der ErpSt 61 in
Manching. Danach dienten sie bei der 1. Luftrettungs- und Verbindungsstaffel der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck mit den Kennzeichen LA+112
bzw. LA+113. Beide wurden 1968 an zivile Betreiber in den USA verkauft
(N6959R bzw. N6960R).
9) Sikorsky S-61R - Eine von der USAF geliehene Maschine wurde, mit
US-Kennzeichen, im Jahre 1963 erfolglos bei der Truppe in Manching erprobt. Erfolgreicher war die Westland “Seaking Mk.41”
10) Bölkow Bo 46 - Der einzige Prototyp Bo 46V1 mit der Kennung D9514 diente als Erprobungsträger für einen Hochgeschwindigkeitsrotor
(Schwenkrotor nach Derschmidt) eines zukünftigen Kampfhubschraubers.
Am 30. Januar 1964 macht die Bo 46 in Neubiberg ihren ersten Flug. Bei
Dauerversuchen auf einem Prüfstand ging der Rotor zu Bruch, weshalb
das Programm abgebrochen wurde.
11) Aerospatiale “Super Frelon” - In Konkurrenz mit den S-61R, S-64
und dem ein CH-47 wurde auch zwei Super Frelon als schwerer Transporthubschrauber im Herbst 1964 in Istres / Südfrankreich getestet.
12) Boeing - Vertol CH-47 - Zusammen mit den als schwerer Transporthubschrauber getesteten S-64, S-61R und dem “Super Frelon” wurde ein
CH-47 getestet. Ab März 1966 ein von der US Army zur Verfügung gestellter CH-47A in Fort Rucker von einem deutschen Bewertungsteam erprobt. Anschließend reiste das Team nach Patuxent River und erprobte
dort zwei nagelneue CH-53A aus der Vorserie.
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13) Bell UH-1D (70+40) als Erprobungsträger von Dornier für die Daimler Benz DB720 - Propellerturbine umgebaut. Ab 1969 wurden Flugversuche in Friedrichshafen durchgeführt. Im Januar 1972 wurde nach 57 Flugstunden das Projekt DB720 abgeschlossen
14) Dornier Do 132 - Für die Do 132 wurde ein Entwicklungsauftrag vom
Bundesverteidigungsministerium erteilt. Eine Attrappe wurde 1969 gebaut,
dann wurde das Projekt eingestellt. Es sollte ein Hubschrauber mit Heißgasreaktionsantrieb werden.
15) VFW H3 “Sprinter” - sog. Versuchsdrehflügler, als möglicher
“Alouette II” - Nachfolger vorgesehen. Es wurden nur zwei Maschinen gebaut, D-9543 und D-9544. Das Programm wurde vom Verteidigungsministerium gefördert. Die H3 hatte am 5. Mai 1970 ihren Erstflug. Das Programm wurde abgebrochen. Die H3 hatte einen Reaktionsrotor. Später
sollten zwei ummantelte Luftschrauben für zusätzlichen Vortrieb sorgen,
sie waren aber bei den Testflügen nicht montiert. Die VFW H5 sollte
mehr Nutzlast als die H3 befördern können. Sie wurde aber nur eine Attrappe gebaut. Die VFW H9 war als bewaffneter Begleithubschrauber geplant.
16) MBB Bo 115. Studie eines Panzerabwehrhubschraubers gemeinsam
mit Agusta. Eine Attrappe (79+01) wurde 1972 gebaut. Es waren zwei Sitze hintereinander und zwei Triebwerke vorgesehen. Das Rotorsystem sollte von der Bo 105 übernommen werden. Ein schwenkbarer MG-Turm unter dem Rumpf und acht HOT-Raketen waren zur Bewaffnung geplant.
17) MBB Bo 105 HGH - Im Rahmen des HochGeschwindigkeits-Hubschrauberprogramms von 1973 bis 1975 des Verteidigungsministerium
wurde eine Bo 105 CBS umgebaut. Mit modifizierten Rotorblättern und
Stummelflügeln wurde am 4.März 1975 eine Geschwindigkeit von 404
km/h im Horizontalflug erreicht. Die Triebwerke wurden nicht verstärkt,
auch keine Zusatztriebwerke angebaut.
18) Bo 105 BSH-1 - Als Prototyp für einen Begleitschutzhubschrauber
(BSH) wurde im Jahre 1989 eine Bo 105VBH versuchsweise mit vier
FIM-92A “Stinger ATAS” Luft - Luft - Raketen ausgerüstet und getestet.
Es sollten 54 Bo 105VBH entsprechend umgebaut werden, aber die deutsche Wiedervereinigung machte diese Pläne zunichte.
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19) MBB / Kawasaki BK-117AVT - trug die Kennung 98 + 22. Sie wurde Mitte der 90er Jahre als Avionik-Versuchsträger (AVT) bei der WTD
61 verwendet, u.a. um Teile der geplanten Avionik für den EC665 Tiger
zu qualifizieren, bevor sie in die Tiger-Prototypen selbst eingebaut wurden. Dies trifft insbesondere auf das Helmvisier und die Nachtsichtausrüstung zu.
Quellen:
- Die deutschen Heeresflieger, B.Vetter / F.Vetter, Motorbuch Verlag
- Deutsche Einsatzhubschrauber, B.Vetter / F.Vetter, Motorbuch Verlag
- Die Hubschrauber der Welt, J.Taylor / M.Taylor, Motorbuch Verlag
- Die fliegenden Verbände der Luftwaffe 1956 - 1982, H.Redemann, Motorbuch Verlag
- Die Verbände der Bundesluftwaffe, B.Vetter / F.Vetter, Motorbuch Verlag
- Hubschrauber, Flugschrauber, Tragschrauber, R.Jackson, Motorbuch Verlag
- Hubschrauber und Tragschrauber, K.von Gerstoff / K.Knobling,
Die Deutsche Luftfahrt, Band 3, Bernard & Graefe
- Versuchsprojekte der Bundeswehr, B.Vetter / F.Vetter, Motorbuch Verlag
- MiG, Mi, Su & Co, L.Freundt, Aerolit
- Aircraft of the Soviet Union, B.Gunston, Osprey
- H-34 Choctow, L.Lundt, in action No 146, squadron/signal publications
- Flugmotoren und Strahltriebwerke, K von Gerstoff / K.Grasmann,
Die Deutsche Luftfahrt, Band 2, Bernard & Graefe
- Jahrbuch der Marine 12 ; Dr.Jürgen Rhades, wehr & wissen
- diverse Ausgaben F-40, S.Wache, AGL, bmvd
- diverse Ausgaben DHS, S.Wache, AGL, bmvd
- diverse Ausgaben der Flieger Revue
- diverse Ausgaben der Flug Revue
- diverse Ausgaben Aero – Faszination des Fliegens
- www.eurocopter.com
- www.bw-flyer.de
- www.flug-revue.rotor.com
- www.marineflieger.de
- www.janmaat.de
- www.mfg1.de
- www.hubschrauber.li
www.bayflughist.de
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