muenchen fis snowboarding world cup

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muenchen fis snowboarding world cup
Leitthema
Unfallchirurg 2014 · 117:24–32
DOI 10.1007/s00113-013-2464-4
Online publiziert: 24. Januar 2014
© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014
Redaktion
F. Gebhard, Ulm
P.U. Brucker1 · P. Katzmaier2 · M. Olvermann3 · A. Huber4 · K. Waibel5 · A.B. Imhoff1 ·
P. Spitzenpfeil3
1 Abteilung und Poliklinik für Sportorthopädie, Klinikum rechts der Isar,
Technische Universität München
2 Orthopädie, Unfall- & Handchirurgie, MVZ Oberstdorf GmbH, Klinikverbund Kempten-Oberallgäu,
Wissenschaftsförderung unter der Führung der SANA-Kliniken AG, Oberstdorf
3 Angewandte Sportwissenschaft, Fakultät für Sport- und Gesundheitsförderung,
Technische Universität München
4 Olympiastützpunkt Bayern, München
5 Deutscher Skiverband Leistungssport GmbH, Planegg
Alpiner Skibreiten- und
Skileistungssport
Typische Verletzungsmuster und
Möglichkeiten der Prävention
Der alpine Skisport wird in den
letzten Jahren von ca. 4,2 Mio. in
Deutschland lebenden Skifahrern
ausgeübt [36] und stellt damit die am
häufigsten betriebene Wintersportart der in Deutschland lebenden Bevölkerung dar. Trotz bzw. wegen seiner großen Beliebtheit stellt das alpine Skifahren unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten ein nicht
zu vernachlässigender Kostenfaktor bei der Gesamtheit von Sportverletzungen in Deutschland dar. Demgegenüber zeigen sich im international durch die „Fédération Internationale de Ski“ (FIS) organisierten wettkampf- bzw. leistungssportlich ausgerichteten alpinen Skirennlauf nochmals deutlich höhere Verletzungszahlen, so dass insgesamt gesehen präventive Maßnahmen auf orthopädisch-traumatologischer, biomechanischer, sportwissenschaftlicher und skimaterial-/schutzbekleidungstechnischer Ebene sowie weiteren Bereichen (z. B. Pistenpräparation
und -ausschilderung) zunehmend in
den Fokus gerückt sind.
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Epidemiologie und
Verletzungszahlen im
alpinen Skisport
Alpiner Skifreizeit-/Skibreitensport
Die epidemiologischen Verletzungsstatistiken basieren auf den Erhebungen der
Auswertungsstelle für Skiunfälle (ASU)
der ARAG Versicherungs-AG in Kooperation mit der Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS), die erstmals in der Wintersaison 1979/1980 durchgeführt wurde
[36]. Als repräsentative Zielgruppe aller
in Deutschland lebenden Skifahrer wurden hierbei unter Berücksichtigung einiger statistisch notwendiger Korrekturfaktoren die ca. 280.000 FdS- (Freunde des
Skisports-)Mitglieder herangezogen. Diese ca. 7%ige Stichprobe der Gesamtski­
fahrerpopulation in Deutschland wurde
aufgrund deren aktiven Versicherungsstatus bei der DSV- (Deutscher Skiverband-)
Skiversicherung erfasst, sobald diese aufgrund einer ärztlichen Behandlung in
Kraft bzw. in Anspruch genommen wurde. In der zuletzt erhobenen Wintersaison 2012/2013 verletzten sich somit hochgerechnet ca. 41.000–43.000 alpine Skifahrer von insgesamt ca. 4,2 Mio. Skifah­
rern deutschlandweit, was nach den Wintersaisons 2011/2012 und 2010/2011 der
niedrigste Wert seit Beginn der ASU-Erhebungen darstellt, wobei sich die Verletzungszahlen in den letzten 3 Wintersaisons allerdings auf relativ stabilem Level bewegten (. Abb. 1, [36]). Dies entsprach einem 58%igen Rückgang der Verletzungszahlen pro 1000 alpiner Skifahrer
verglichen zur Basissaison 1979/1980. Anzumerken ist, dass in dieser Statistik nur
Verletzungen berücksichtigt wurden, die
mindestens einer einmaligen ärztlichen
Behandlung bedurften [36]. Als Gründe
für diesen langfristigen Trend von weniger Verletzungen können u. a. verbesserte Ski- und Protektionsmaterialien, optimierte Pistenpräparation und -absicherung sowie Maßnahmen zur bewussten
Wahrnehmung von Risiken im alpinen
Skisport angesehen werden [36].
Einen ähnlichen Trend zeigte sich bei
der Anzahl von stationären Behandlungen im Krankenhaus (. Abb. 2, [36]).
Klinikverbund Kempten-Oberallgäu: Wissenschaftsförderung unter der Führung der SANAKliniken AG.
P.U. Brucker ist Teamarzt der DSV-Skinationalmannschaft alpin.
Verletzte im alpinen Skisport 2012/13
Verletzte/1000 Skifahrer im Vergleich
zur Basissaison 1979/80 (=100%)
100
%
80
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06
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11
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/1
3
0
Saison
*deutlicher Rückgang der gefahrenen Pistenkilometer
durch schlechte Schneeverhältnisse
Abb. 1 8 Anzahl von Verletzten pro 1000 Skifahrer, wobei nur Verletzungen in die Statistik aufgenommen wurden, die mindestens einer ärztlichen Behandlung bedurften. Als Ausgangswert wurde die Basissaison 1979/1980 herangezogen.
[Aus [36]. Mit freundl. Genehmigung der ARAG Allgemeine Versicherungs-AG, Düsseldorf und der Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS)]
Verletzte im alpinen Skisport 2012/13
mit stationärer Behandlung
je 1000 Skifahrer
3,5
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2,5
2
1,5
*
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0
Saison
*deutlicher Rückgang der gefahrenen Pistenkilometer
durch schlechte Schneeverhältnisse
Abb. 2 8 Anzahl von Verletzten pro 1000 Skifahrer seit der Wintersaison 1979/1980, die einer stationären Behandlung bedurften. [Aus [36]. Mit freundl. Genehmigung der ARAG Allgemeine Versicherungs-AG, Düsseldorf und der Stiftung Sicherheit
im Skisport (SIS)]
Mit 0,84/1000 alpinen Skifahrern (basierend auf einer Hochrechnung von ca. 3550
alpinen Skifahrern) wurde in der Wintersaison 2012/2013 der niedrigste Wert seit
Durchführung der ASU-Erhebungen beobachtet, was im Wesentlichen durch die
im Gesundheitssystem zunehmend am-
bulante und immer weniger stationäre
Versorgung von Skiverletzungen zurückzuführen war, allerdings auch zumindest
teilweise im Sinne einer geringeren Verletzungsschwere interpretiert werden kann
(. Abb. 2, [36]).
Unter Aufschlüsselung der verletzten
Körperregionen pro 1000 alpinen Skifahrern konnte mit Ausnahme der Wintersaison 2010/2011 immer das Kniegelenk als das am häufigsten verletzte Gelenk beobachtet werden (. Abb. 3, [36]).
Nichtsdes­totrotz war in den letzten zwei
Der Unfallchirurg 1 · 2014 | 25
Zusammenfassung · Abstract
Jahrzehnten ein abfallender Trend hinsichtlich Kniegelenkverletzungen zu verzeichnen, dagegen nahmen Verletzungen am Schultergürtel bzw. am Oberarm
in diesem Zeitraum als nahezu einzige aller Körperregionen – ausgenommen einer
zeitlich begrenzten Zunahme der Körperregion „Rumpf/Hüfte/Oberschenkel“ –
insgesamt zu (. Abb. 3). Allerdings waren in den zuletzt analysierten Wintersaisons 2011/2012 und 2012/2013 wieder
ein leicht gegenläufiger Trend bei den
Knieverletzungen bzw. Verletzungen am
Schultergürtel und am Oberarm zu verzeichnen (. Abb. 3).
Relativ gesehen ist und bleibt das Kniegelenk mit mehr als einem Drittel die am
häufigsten verletzte Körperregion, wobei
allerdings ein seit der ersten Erhebung
regelmäßig nachzuweisender, relevanter
Geschlechterunterschied zu Ungunsten
der Frauen festzustellen war, da bei Frauen mittlerweile fast 50% der Verletzungen
das Kniegelenk betreffen (. Abb. 4, [36]).
Verletzungen der Kopfregion pro 1000 alpiner Skifahrer schienen dagegen in den
letzten Jahren weiterhin leicht, aber konstant rückläufig zu sein, was wahrscheinlich in einer zunehmenden Verwendung
und Akzeptanz des Skihelms begründet
liegt.
Alpiner Skileistungssport
Das „FIS Injury Surveillance („Beobachtung“) System“, (FIS ISS) wurde von der
FIS in Kooperation mit dem „Oslo Sports
Trauma Research Center“ vor der Wintersaison 2006/2007 entwickelt und sollte
epidemiologische Daten in den darauffolgenden 3 Wintersaisons zu Verletzungsarten und -häufigkeiten in den durch
die FIS organisierten verschiedenen leistungssportlichen Wettkampfsportarten
im Wintersport, u. a. auch im alpinen Skilauf, Snowboard, Skisprung, Langlauf und
Ski-Freestyle, liefern. Ziel der Untersuchung sollten Erkenntnisse zu den Verletzungsursachen und darauf aufbauend die
Reduktion der Verletzungsrisiken durch
Einsatz geeigneter präventiver Maßnahmen sein [10].
Im Vergleich zu alpinen Skifreizeit-/
Skibreitensportlern lag hierbei das Verletzungsrisiko bei Skileistungssportlern im
Skiweltcup ungefähr 2- bis 3-mal höher
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Unfallchirurg 2014 · 117:24–32 DOI 10.1007/s00113-013-2464-4
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P.U. Brucker · P. Katzmaier · M. Olvermann · A. Huber · K. Waibel · A.B. Imhoff · P. Spitzenpfeil
Alpiner Skibreiten- und Skileistungssport. Typische
Verletzungsmuster und Möglichkeiten der Prävention
Zusammenfassung
Alpines Skifahren ist die beliebteste Wintersportart in Deutschland und wird von über
4 Mio. Freizeit-/Breiten- und Wettkampfsportlern betrieben. Allerdings ist die Verletzungsrate beim alpinen Skifahren im Vergleich zu
anderen Sportarten hoch. Hierbei stellt nach
wie vor das Kniegelenk die am häufigsten
verletzte Region des muskuloskelettalen Systems dar, wobei in einem hohen Prozentsatz
Knieverletzungen als schwerwiegend eingestuft werden müssen. In diesem Übersichtsartikel sollen epidemiologische Daten und typische Verletzungsmuster des alpinen Ski-
sports sowohl im Freizeit-/Breitensport- wie
auch im wettkampfmäßigen Leistungssportbereich verglichen sowie Möglichkeiten präventiver Maßnahmen im alpinen Skisport
aufgeführt und evaluiert werden. Ein spezieller Fokus der Präventionsmaßnahmen
soll hierbei auf orthetische Hilfsmittel und
Schutzbekleidungen gelegt werden.
Schlüsselwörter
Epidemiologie · Skiverletzungen · Prävention ·
Orthesen · Schutzbekleidung
Recreational and competitive alpine skiing. Typical
injury patterns and possibilities for prevention
Abstract
Alpine skiing is the most popular winter sport
discipline in Germany and is performed by
more than 4 million recreational sportsmen
and ski racing athletes. Compared to other
sports, however, the injury rate in alpine skiing is quite high. Especially the knee joint is
the most commonly injured area of the musculoskeletal system. Knee injuries are classified as severe in a high percentage of cases.
In this review article, epidemiologic data and
typical injury patterns in recreational alpine
[12]. Bezogen auf 1000 Skitage betrug das
Verletzungsrisiko beim Skifreizeitsportler
je nach Studie 1,1–3,2 [12], bei Leistungssportlern im FIS-Skiweltcup dagegen 4,1
[12]. Bei weiterer Differenzierung der Verletzungen im Skiweltcup zeigte sich, dass
die Verletzungsrate pro 1000 Fahrten mit
steigender Fahrgeschwindigkeit in der jeweiligen Fahrdisziplin anstieg, d. h. beim
Slalom war die Verletzungsrate am niedrigsten, dagegen beim Abfahrtslauf mehr
als 3-mal so hoch wie im Slalom und mit
Abstand am höchsten von allen Skiwettkampfdisziplinen [11]. Im Skiweltcup waren sowohl die absoluten als auch die relativen Verletzungsraten bei den Männern
höher als bei den Damen, wohingegen das
Kniegelenk bei beiden Geschlechtern das
am häufigsten verletzte Gelenk bzw. Körperregion darstellte, dabei in 54% der
Knieverletzungen als schwerwiegend, de-
skiing and in competitive alpine ski racing are
compared. In addition, the potentials of preventive methods in alpine skiing are presented and evaluated with a special focus on orthotic devices and protection wear as injury
prevention equipment.
Keywords
Epidemiology · Ski injuries · Prevention ·
Orthotic · Protection wear
finiert durch eine Ausfallzeit von >28 Tagen, eingestuft wurde (. Abb. 5, [11]).
Hierbei war die vordere Kreuzbandruptur (VKB-Ruptur) mit 38% aller Knieverletzungen die am häufigsten auftretende spezifische Diagnose [11]. Interessanterweise zeigte sich (im Gegensatz
zum Skifreizeit-/Skibreitensport) kein geschlechtsspezifischer Unterschied bei der
Inzidenz von VKB-Rupturen im Skiweltcup [12, 31]. Eine Erklärung könnte sein,
dass ein besserer Trainingszustand und
eine bessere technische Ausbildung der
professionellen Skirennläuferinnen im
Vergleich zu den Skifreizeitsportlerinnen
unter Berücksichtigung des jeweils individuellen Anforderungsprofils und der individuellen Belastungen vorliegen.
Verletzungen im alpinen Skisport 2012/13 - Verletzte Körperregionen/1000 Skifahrer
7,0
Unterschenkel/Sprunggelenk/Fuß
Knie
Schulter/Oberarm
Rumpf/Hüfte/Oberschenkel
Kopf/Hals
Unterarm/Hand
6,0
5,0
4,0
3,0
2,0
1,0
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19 /80
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3
0,0
Saison
Abb. 3 8 Verletzte Körperregionen pro 1000 Skifahrer (geschlechtsunabhängig) seit der Wintersaison 1979/80. [Aus [36]. Mit
freundl. Genehmigung der ARAG Allgemeine Versicherungs-AG, Düsseldorf und der Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS)]
Typische Verletzungen
der oberen Extremität
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war ca.
ein Drittel aller Verletzungen im alpinen
Skifreizeit-/Skibreitensport an der oberen Extremität lokalisiert [22]. Im Rahmen des Carvingbooms nach der Jahrtausendwende 1999/2000 kam es zu einer
sukzessiven Verschiebung der Verletzungen von der unteren zur oberen Extremität, so dass erst-, allerdings auch bisher
einmalig in der Wintersaison 2010/2011
mehr Schulter- und Oberarmverletzungen als Knieverletzungen pro 1000 Skifahrer zu verzeichnen waren, was bei Anwendung der Carvingtechnik zu einer vermehrten Kurvenlage mit konsekutiv höherer Sturzfrequenz durch kritische Kurveninnenlagen bzw. aufgrund der kürzeren Skilängen zu vermehrten Rückwärtsund Vorwärts(dreh)stürzen führte [36].
Im Gegensatz zum alpinen Skifreizeit-/
Skibreitensport wiesen die Skileistungs-
sportler mit knapp 20% eine deutlich geringere prozentuale Verteilung der Gesamtverletzungen an der oberen Extremität auf [11]. Des Weiteren unterschieden
sich die alpinen Skifreizeit- und Skibreitensportler von den Skileistungssportlern
hinsichtlich der Verletzungslokalisationen an der oberen Extremität relevant: So
haben die Skileistungssportler aufgrund
ihrer höheren Kurvengeschwindigkeiten
und Kurvenlagen häufiger Schneekontakt
mit der kurveninneren Hand, was sich in
einer fast 3-mal so hohen prozentualen
Verletzungshäufigkeit des Daumens, der
Finger und der Hand widerspiegelte [12,
36]. Dagegen fanden sich bei den Skileistungssportlern prozentual gesehen nur ca.
halb so viele Schulterverletzungen im Vergleich zu den Skifreizeit-/Skibreitensportlern, wobei bei Letzteren insbesondere das
männliche Geschlecht bei den Schulterverletzungen prädestiniert war [12, 36].
Die häufigsten skitypischen Schulterverletzungen im Freizeit-/Breitensport be-
inhalteten Verletzungen der Rotatorenmanschette (24%), anteriore glenohumerale Instabilitäten (22%), Akromioklavikulargelenkinstabilitäten (20%), Klavikulafrakturen (11%) und proximale Humerus- bzw. Tuberculum-majus-Frakturen
(10%) [21]. Bei glenohumeralen Luxationen fanden sich in mehr als einem Drittel
begleitende intraartikuläre oder gelenknahe Frakturen [28].
Distale Frakturen an der oberen Ex­
tremität betrafen vorwiegend den distalen
Radius bzw. den Unterarm und die Metacarpalia [29]. Der sog. Skidaumen als ulnare Kollateralbandruptur oder ossären
Ausriss des Kollateralbands am Metacarpophalangealgelenk des Daumens stellte mit 62% die häufigste Verletzung der
Hand beim alpinen Skifahren dar [29].
Bedingt ist diese Verletzung durch das
Halten des Stockgriffs, was im Sturzfall
zu einer pathologischen Abduktionsbewegung im Metacarpophalangealgelenk
führt. Auch eine Stener-Läsion mit einem
Der Unfallchirurg 1 · 2014 | 27
Leitthema
Abb. 4 8 Prozentuale Verteilung der verletzten Körperregionen aller alpinen Skifahrer >14 Jahre und
geschlechtsspezifische Unterschiede in der Wintersaison 2012/2013. [Aus [36]. Mit freundl. Genehmigung der ARAG Allgemeine Versicherungs-AG, Düsseldorf und der Stiftung Sicherheit im Skisport
(SIS)]
der Verletzungslokalisation vom Fuß,
Sprunggelenk und distalen bzw. mittleren Unterschenkeldrittel zum Kniegelenkbereich, was auf die rigide Fixierung
des Fußes und Sprunggelenks durch den
Schnallenskischuh zurückzuführen war
(. Abb. 3). Seither sind anhaltend hohe
Verletzungszahlen im Bereich des Kniegelenks zu beobachten, die vorwiegend kapsuloligamentärer Art sind. Hierbei überwiegen sowohl im alpinen Breiten-/Freizeitsport wie auch im Skileistungssport
mit Abstand die VKB-Rupturen und die
medialen Kollateralbandläsionen [30, 40].
Diese Verletzungen sind die häufigsten im
alpinen Skisport, wobei sich allerdings ein
relevanter geschlechtsspezifischer Unterschied von VKB-Rupturen im Freizeit-/
Breitensport zeigt: Frauen erleiden derartige Verletzungen um den Faktor 2,4bis 3,3-mal häufiger als Männer [5, 19],
was u. a. mit anatomischen (z. B. Valgusalignment, geringe interkondyläre Notchbreite), neuromuskulären (z. B. insuffiziente Quadrizeps-Hamstring-Koaktivierung, Valguskollaps) und hormonellen
(östrogenabhängige Gelenklaxität) Einflüssen bei Frauen begründet wird [18].
»
Es sind anhaltend hohe
Verletzungszahlen im Bereich
des Kniegelenks zu beobachten
Abb. 5 8 Geschlechtsunabhängige prozentuale Verteilung der verletzten Körperregionen von Weltcupskiathleten und -athletinnen in den Wintersaisons 2006/2007 und 2007/2008. (Nach [11]. Foto mit
freundl. Genehmigung von Felix Neureuther, Foto Bogner)
dislozierten distalen ulnaren Kollateralbandkomplex und konsekutiver Interposition der Adduktoraponeurose kann
hieraus resultieren [2].
28 | 
Der Unfallchirurg 1 · 2014
Typische Verletzungen
der unteren Extremität
Mit dem Ende der Schnürskischuh-Ära
und dem Wechsel auf Schnallenskischuhe
in den 1970er und 1980er Jahren kam es
zu einer zunehmenden Verschiebung
Verschiedene Verletzungsmechanismen
des VKB beim alpinen Skifahren sowohl im Freizeit-/Breitensport wie auch
im Leistungssport wurden beschrieben
[4, 8, 20, 25] und miteinander verglichen
[6]. Während im alpinen FIS-Skiweltcup
überwiegend der sog. „Slip-catch-Mechanismus“ („Rutschen-Fassen“) beobachtet wurde, fanden sich insbesondere bei
weiblichen Skifreizeit-/Skibreitensportlern mehrheitlich Vorwärtsdrehstürze mit
akutem „Fassen“ der Skikante [34]. Auf
Skifreizeit-/Skibreitensportniveau löste
die Skibindung in bis zu 96% der VKBRupturen während des Unfallereignisses
nicht adäquat aus [38].
Neben isolierten Ligamentverletzungen am Kniegelenk treten auch Kombinationsverletzungen entweder mehrerer
ligamentärer Strukturen am Kniegelenk
(u. a. Multiligamentverletzungen) oder
meniskealer bzw. (osteo)chondraler Be-
zungen bestimmen. Darüber hinaus können bei Kollisionen, direkten Anpralltraumen oder bei Stürzen Gesichtsverletzungen auftreten, die durch den Skihelm in
der Regel nicht verhindert werden.
»
Die Verletzungszahlen im
Skifreizeit-/Skibreitensport
sind in den letzten Jahren
leicht rückläufig
Abb. 6 8 a Unterarmprotektor als Schlagschutz vor Torstangen. b Protektorenjacke mit integriertem
Nierengurt und herausnehmbaren Oberarm-, Unterarm- und Rückenprotektor. (Mit freundl. Genehmigung der Ortema GmbH, Markgröningen)
Abb. 7 8 a Handgelenkorthese als sekundäre Prävention nach Handgelenkverletzung. (Mit freundl.
Genehmigung der Fa. Gesundheitseck, Sonthofen). b Skidaumenschiene als sekundäre Prävention
nach Skidaumenverletzung. (Mit freundl. Genehmigung der Ortema GmbH, Markgröningen)
gleitverletzungen auf. Die Unhappy-triadVerletzung findet sich beim alpinen Skifahren dagegen eher selten [3].
Frakturen des Unterschenkels bzw.
der Tibia sind typische ossäre Verletzungen der unteren Extremität im alpinen Skisport. Diese wurden sowohl für
den alpinen Freizeit-/Breitensport [7] als
auch für den Skileistungssport beschieben [27]. Bei 62% der Unterschenkelfrakturen im Freizeit-/Breitensportbereich
entstanden durch Rotationstraumen, wobei sich in 59% die Skibindung nicht öffnete [7], so dass davon ausgegangen werden muss, dass der noch am Skischuh befindliche Ski einen relevanten Hebelarm
für die Rotationsverletzung darstellte. Im
Skileistungssport wurden dagegen eher
Quer- bzw. Schrägfrakturen des Unterschenkels auf Höhe des Skischuhrandes,
welche auch als sog. Boot-top-Frakturen
bezeichnet werden, beobachtet [27]. Im
Gegensatz zu den Unterschenkelfrakturen sind femurschaft- und hüftgelenkna-
he Frakturen im alpinen Skisport selten
und meist Folge eines Hochrasanztraumas oder einer Kollision [37].
Typische Verletzungen des
Kopfes, der Wirbelsäule
und des Rumpfes
Die Verletzungen am Kopf machen sowohl im Freizeit-/Breitensport wie auch
im Leistungssport jeweils unter 9% aller Verletzungen im alpinen Skisport aus
(. Abb. 4, 5, [12, 36]). Insgesamt sind die
Verletzungszahlen im Freizeit-/Breitensport in den letzten Jahren leicht, aber
konstant rückläufig, was wahrscheinlich
an der prozentual gestiegenen Zahl helmtragender Skifahrer liegt. Bei den Kopfverletzungen handelt es sich in der Mehrzahl um Schädel-Hirn-Traumata unterschiedlicher Schweregrade, wobei schwere Schädel-Hirn-Traumata meist die Mortalitätsrate und damit die Gesamtprognose bei diesen schwerwiegenden Skiverlet-
Verletzungen der Wirbelsäule sind sowohl
im alpinen Skifreizeit-/Skibreitensport
wie auch im Skileistungssport selten und
betreffen eher männliche als weibliche
Skifahrer [12, 36]. Eine Korrelation zwischen der Prävalenz an Wirbelsäulenverletzungen und der gefahrenen Geschwindigkeit scheint hierbei zu existieren. Bei
Wirbelsäulenverletzungen mit neurologischen Ausfällen findet sich die Läsionshöhe jeweils zu ungefähr einem Drittel auf
zervikaler, thorakaler bzw. auf lumbaler
Ebene [23].
Stumpfe Abdominaltraumata und
Traumata des Rumpfes bzw. Thorax – mit
bzw. ohne Beteiligung der Wirbelsäule –
sind ebenso seltene Verletzungen, können jedoch isoliert oder im Rahmen einer
Polytraumatisierung mit hohem „Injury
Severity Score“ (ISS) bei Stürzen, Kollisions- bzw. Hochrasanztraumata auftreten [26].
Allgemeine
Präventionsmöglichkeiten
Skiunfälle können durch interne (skifahrerspezifische) und/oder externe
(Schnee-/Wetter-/Gelände-/Pistenverhältnisse) Faktoren ausgelöst werden [39].
Präventive Möglichkeiten zum Schutz vor
Verletzungen aus Sicht des alpinen Skifahrers (interne Faktoren) umfassen u. a.
Maßnahmen der allgemeinen und skispezifischen Fitness (z. B. spezifische Kraftfähigkeit der Streck- und Beugeschlinge der unteren Extremität, Rumpfstabilität, sportartspezifische Kraftausdauer),
der Reduktion von physischen Risikofaktoren (valgusspezifische Beinposition mit
sog. medialen Kollaps), sowie fahrtaktischen Aspekten (Vermeiden von unkontrollierter Rücklage bzw. Stürzen, Tempokontrolle [17]). Zusätzlich spielt hier auch
Der Unfallchirurg 1 · 2014  | 
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Leitthema
Abb. 8 8 Knie- und Schienbeinprotektor als
Schlagschutz für Torstangen bzw. mechanischer
Schutz bei Stürzen. (Mit freundl. Genehmigung
der Ortema GmbH, Markgröningen)
Abb. 9 8 Skihelm mit orthopädisch angepasster Innenpolsterung. (Mit freundl. Genehmigung der Marker Völkl International GmbH,
Straubing, und der Ortema GmbH, Markgröningen)
Abb. 10 8 Rückenprotektor mit Schulter- und
Nierengurte. (Mit freundl. Genehmigung der
Ortema GmbH, Markgröningen)
Einen weiteren relevanten Bereich von
präventiven Maßnahmen decken Orthesen und andere Schutzbekleidung ab. Deren Schutzmechanismus basiert vorwiegend auf deren passiver Stabilisierung
und mechanischer Protektion gefährdeter Körperregionen beim alpinen Skifahren. Diese sollen nachfolgend als spezielle
passive Präventionssysteme genauer dargestellt werden.
Spezielle passive
Präventionssysteme
Obere Extremität
Abb. 11 8 Knieorthese mit individuell angefertigtem Hartrahmen: a Aus Demonstrationszwecken zur besseren Visualisierung Positionierung der individuell angefertigten Knieorthese
auf dem Skirennanzug. b Regelkonform unter
dem Skirennanzug getragene individuell angefertigte Knieorthese, welche eine bessere Anbindung der Orthese an die Haut bzw. die Oberund Unterschenkelweichteile durch die Kombination mit einer speziell entwickelten Kompressionsunterwäsche (nicht sichtbar) gewährleistet und essentiell für deren Funktionalität ist.
(Mit freundl. Genehmigung der Ortema GmbH,
Markgröningen)
der für den individuellen Skifahrer adäquate Skischuh-Skibindung-Ski-Komplex
eine wichtige Rolle [17].
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Der Unfallchirurg 1 · 2014
Im alpinen Skirennsport gibt es verschiedene Protektoren für die Schulterregion,
den Ober- bzw. Unterarm und die Hand,
welche äußerlich auf der Rennbekleidung
getragen und fixiert werden oder alternativ auch in die Skibekleidung mit eingearbeitet sein können (. Abb. 6). Diese Protektoren werden vorwiegend als
Schlagabweiser für die Torstangen beim
Skirennlauf eingesetzt und können noch
durch einen weiteren Schlagschutz am
Skistockgriff beim Slalom ergänzt werden.
Zur postoperativen Protektion bzw.
sekundären Prävention wird nach Unterarm-, distaler Radius-, Metacarpal- oder
Fingerfrakturen bei der Orthesenversorgung teilweise von der Funktionsstellung
der betroffenen bzw. angrenzenden Gelenke abgewichen, da diese für eine funktionelle Stockhaltung beim alpinen Skifahren ungünstig sind (. Abb. 7). So benötigt z. B. ein Skiabfahrtsläufer eine andere Handgelenkstellung in der Orthese
als der Slalomfahrer. Nach ulnaren Kollateralbandrupturen des Metacarpalgelenks am Daumen werden ebenfalls individuelle Orthesen unter Berücksichtigung
der Stockhaltung angefertigt (. Abb. 7).
In Einzelfällen werden im alpinen Skileistungssport auch individuell angepasste
Schulterorthesen verwendet, die z. B. bei
bestehenden Schulterinstabilitäten durch
Limitation von Bewegungsausmaßen eine
temporäre Stabilitätsverbesserung erzielen können.
Untere Extremität
Seit Einführung der Schnallenskischuhe
sind die Verletzungen der oberen und
unteren Sprunggelenke sowie des Fußes
deutlich zurückgegangen, da durch deren Stabilität bzw. Rigidität diese Körperregion sehr gut geschützt sind (. Abb. 3).
Deshalb bieten sich prinzipiell präventive orthetische Maßnahmen am Kniegelenk an, jedoch ist aufgrund der komplexen Kniekinematik und des verschieblichen periartikulären Muskel- und Weichteilmantels eine suffiziente orthetische
Versorgung zur Verletzungsprävention
durch individuell angefertigte Orthesen
bisher nur in Einzelfällen gelungen und
basieren vorwiegend auf Erfahrungswerten von spezialisierten orthopädie­
technischen Einrichtungen und weniger
auf wissenschaftlich fundierten, biomechanischen Untersuchungen. Nichtsdestotrotz werden Soft- wie auch Hartrahmenorthesen insbesondere nach Knieverletzungen zur sekundären Prävention sowohl im Breiten-/Freizeitsport als auch im
Skileistungssport getragen, eine klare wissenschaftliche Evidenz einer verletzungspräventiven Funktion der Orthesen ist jedoch noch ausstehend [6, 32]. Im Kniegelenksbereich werden aktuell im alpinen
Skirennsport vorwiegend nur orthetische
Schutzbekleidungen als sog. Schlagschutz
vor mechanischen Krafteinwirkungen,
z. B. durch Torstangen im Slalom bzw.
auch in den Speeddisziplinen, eingesetzt
(. Abb. 8).
Neben kniegelenkstabilisierenden Orthesen ist bei der Etablierung effizienter
präventiver Maßnahmen für Kniegelenkverletzungen der Fokus zukünftig auf die
Verbesserung der Funktionalität von Skibindungen sowohl unter freizeit-/breitensportlichen wie auch unter wettkampfmäßigen Bedingungen zu richten. Hierbei
muss das Problem angegangen werden,
dass die Skibindungen zumindest bisher
kniegelenkgefährdende Krafteinwirkungen nur unzureichend erkennen und somit häufig entweder nicht oder nur fehlerhaft auslösen [38].
Kopf, Wirbelsäule und Rumpf
Zur Prävention von Verletzungen des
Kopfes und der Wirbelsäule ist im alpinen
Skirennsport seit Jahren das Tragen eines
Skihelms in allen alpinen Skidisziplinen
durch die FIS zwingend vorgeschrieben,
der Einsatz eines Rückenprotektors von
der FIS empfohlen, jedoch dem einzelnen
Athleten freigestellt [9].
»
Der Skihelm führt zu einer
Reduktion der Kopfverletzungen
zwischen 22 und 60%
Auch im alpinen Freizeit-/Breitensport
hat sich in den letzten Jahren der Skihelm
etabliert und wird von einem Großteil der
alpinen Skifahrer verwendet (. Abb. 9).
Helmtragequoten von >60% auf den regulären Skipisten sind aus der Wintersaison 2009/2010 beschrieben, wobei von
einem weiteren Anstieg der Helmtragequote auszugehen ist [33]. Dagegen werden Rückenprotektoren deutlich weniger
häufig eingesetzt (. Abb. 10). In einer
jüngeren Befragung in gleichen Zeitraum
gaben 17% der alpinen Skifahrer an, dass
sie einen Rückenprotektor tragen [35].
Für den Skihelm ist dessen Schutzwirkung zur Verhinderung bzw. Abmilderung von Kopfverletzungen nachgewiesen
und führt zu einer Reduktion der Kopfverletzungen zwischen 22 und 60% [1, 13,
14, 16, 24, 33]. Die Befürchtung, dass durch
das Tragen des Skihelms mehr Halswirbelsäulenverletzungen auftreten, ­konnte
nicht bestätigt werden [15, 16, 24]. Vergleichbare Zahlen zur präventiven Wirkung von Rückenprotektoren wie auch für
Protektoren einzelner oder mehrerer Körperregionen am Rumpf (z. B. Protektoren für den Brustkorb, Protektorenjacken
bzw. -westen) stehen bisher noch aus.
Trends im Bereich
der Orthesen- und
Schutzbekleidungsprävention
Orthesen und Schutzbekleidungen müssen immer einen Kompromiss zwischen
maximaler Schutzwirkung einerseits und
Bewegungsfreiheit bzw. Tragekomfort andererseits eingehen. Hier gilt es, Orthesen- und Schutzbekleidungen unter Berücksichtigung der individuellen Anatomie und Anthropometrie und deren Veränderung durch skisportspezifische Körperhaltungen bzw. Gelenkstellungen (z. B.
periartikuläre Muskelvolumenänderungen) weiter zu verbessern, so dass sowohl
deren Schutzwirkung als auch deren Tragekomfort und Benutzerfreundlichkeit
optimiert wird.
Erste holistische Ansätze für neuartige
Orthesenkonzeptionen hinsichtlich Design, Anbindung und Kraftübertragung
mit potentiell protektiver Wirkung vor ligamentären Verletzungen am Kniegelenk
sind in der Entwicklung, deren Wirksamkeit ist bisher allerdings noch nicht bewiesen (. Abb. 11). Weitere konzeptionelle Ansätze unter Verwendung aktiver
Schutzsysteme (z. B. Airbag-Systeme für
die Halswirbelsäule) sind in Planung bzw.
schon in ersten Testphasen.
Fazit für die Praxis
FAlpines Skifahren erfreut sich sowohl
im Freizeit-/Breitensport wie auch im
Wettkampf- und Leistungssport einer
hohen Beliebtheit.
FObwohl die Verletzungsstatistiken in
den letzten 3 Jahrzehnten im alpinen
Skifreizeit-/Skibreitensport insgesamt rückläufig sind, bleiben die Verletzungszahlen im alpinen Skiwettkampf- und -leistungssport weiterhin
hoch. Insbesondere die häufig schweren Verletzungen im Kniegelenkbereich sind sowohl im Ski­freizeit-/Skibreitensport wie auch im Skiwettkampf-/Skileistungssport bedenklich.
FEin noch ungelöstes Problem stellen hierbei Skibindungen dar, die typische Verletzungsmechanismen des
Kniegelenks nur unzureichend erkennen. Allerdings darf nicht unberücksichtigt bleiben, dass sich durch
die verstärkt taillierten ­Skimodelle in
den letzten Jahren auch die Kurvengeschwindigkeiten im Skifreizeit-/Skibreitensport deutlich erhöht und dadurch sich die einwirkenden ­Kräfte
auf den Bewegungsapparat gesteigert haben.
FÄhnliches gilt auch für den alpinen
Skiwettkampf-/Skileistungssport, bei
dem sich die alpinen Skirennläufer regelmäßig durch radikale Fahrweisen,
performanceorientiertem Skimaterial
und entsprechender Rennpistenpräparation im Grenzbereich bewegen.
Somit bedarf es zukünftig der Neuund Weiterentwicklung von orthetischen und schutzbekleidungstechnischen Präventionssystemen, die über
ihre verbesserten passiven bzw. mechanischen Schutzwirkungen hinaus
möglicherweise auch aktive Schutzsystemeigenschaften beinhalten werden.
Der Unfallchirurg 1 · 2014 | 31
Leitthema
Korrespondenzadresse
PD Dr. P.U. Brucker
Abteilung und Poliklinik für
Sportorthopädie, Klinikum
rechts der Isar, Technische
Universität München
Ismaninger Straße 22,
81675 München
peter.brucker@
lrz.tu-muenchen.de
Danksagung. Die Autoren danken Dipl.-Sportwiss.
David Schulz, Leiter der Auswertungsstelle für Sportunfälle bei der ARAG-Versicherungs-AG, und der Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS), für die Bereitstellung
des Bildmaterials.
Einhaltung ethischer Richtlinien
Interessenkonflikt. Peter U. Brucker, Matthias Olvermann, Andreas Huber, Karlheinz Waibel und Peter Spitzenpfeil haben eine wissenschaftlich beratende Funktion bei der Ortema GmbH (Markgröningen); Peter U.
Brucker ist zudem Meinungsbildner bei der Marker
Völkl International GmbH (Straubing), Peter ­Katzmaier,
Peter Spitzenpfeil und Karl-Heinz Waibel bei Head
International GmbH (Kennelbach, Österreich) und Matthias Olvermann bei Fischer Sports GmbH (Ried im Innkreis, Österreich). Andreas B. Imhoff ist Berater der Medi GmbH & Co. KG (Bayreuth).
Dieser Beitrag beinhaltet keine Studien an Menschen
oder Tieren.
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