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Leitthema Unfallchirurg 2014 · 117:24–32 DOI 10.1007/s00113-013-2464-4 Online publiziert: 24. Januar 2014 © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014 Redaktion F. Gebhard, Ulm P.U. Brucker1 · P. Katzmaier2 · M. Olvermann3 · A. Huber4 · K. Waibel5 · A.B. Imhoff1 · P. Spitzenpfeil3 1 Abteilung und Poliklinik für Sportorthopädie, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München 2 Orthopädie, Unfall- & Handchirurgie, MVZ Oberstdorf GmbH, Klinikverbund Kempten-Oberallgäu, Wissenschaftsförderung unter der Führung der SANA-Kliniken AG, Oberstdorf 3 Angewandte Sportwissenschaft, Fakultät für Sport- und Gesundheitsförderung, Technische Universität München 4 Olympiastützpunkt Bayern, München 5 Deutscher Skiverband Leistungssport GmbH, Planegg Alpiner Skibreiten- und Skileistungssport Typische Verletzungsmuster und Möglichkeiten der Prävention Der alpine Skisport wird in den letzten Jahren von ca. 4,2 Mio. in Deutschland lebenden Skifahrern ausgeübt [36] und stellt damit die am häufigsten betriebene Wintersportart der in Deutschland lebenden Bevölkerung dar. Trotz bzw. wegen seiner großen Beliebtheit stellt das alpine Skifahren unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten ein nicht zu vernachlässigender Kostenfaktor bei der Gesamtheit von Sportverletzungen in Deutschland dar. Demgegenüber zeigen sich im international durch die „Fédération Internationale de Ski“ (FIS) organisierten wettkampf- bzw. leistungssportlich ausgerichteten alpinen Skirennlauf nochmals deutlich höhere Verletzungszahlen, so dass insgesamt gesehen präventive Maßnahmen auf orthopädisch-traumatologischer, biomechanischer, sportwissenschaftlicher und skimaterial-/schutzbekleidungstechnischer Ebene sowie weiteren Bereichen (z. B. Pistenpräparation und -ausschilderung) zunehmend in den Fokus gerückt sind. 24 | Der Unfallchirurg 1 · 2014 Epidemiologie und Verletzungszahlen im alpinen Skisport Alpiner Skifreizeit-/Skibreitensport Die epidemiologischen Verletzungsstatistiken basieren auf den Erhebungen der Auswertungsstelle für Skiunfälle (ASU) der ARAG Versicherungs-AG in Kooperation mit der Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS), die erstmals in der Wintersaison 1979/1980 durchgeführt wurde [36]. Als repräsentative Zielgruppe aller in Deutschland lebenden Skifahrer wurden hierbei unter Berücksichtigung einiger statistisch notwendiger Korrekturfaktoren die ca. 280.000 FdS- (Freunde des Skisports-)Mitglieder herangezogen. Diese ca. 7%ige Stichprobe der Gesamtski fahrerpopulation in Deutschland wurde aufgrund deren aktiven Versicherungsstatus bei der DSV- (Deutscher Skiverband-) Skiversicherung erfasst, sobald diese aufgrund einer ärztlichen Behandlung in Kraft bzw. in Anspruch genommen wurde. In der zuletzt erhobenen Wintersaison 2012/2013 verletzten sich somit hochgerechnet ca. 41.000–43.000 alpine Skifahrer von insgesamt ca. 4,2 Mio. Skifah rern deutschlandweit, was nach den Wintersaisons 2011/2012 und 2010/2011 der niedrigste Wert seit Beginn der ASU-Erhebungen darstellt, wobei sich die Verletzungszahlen in den letzten 3 Wintersaisons allerdings auf relativ stabilem Level bewegten (. Abb. 1, [36]). Dies entsprach einem 58%igen Rückgang der Verletzungszahlen pro 1000 alpiner Skifahrer verglichen zur Basissaison 1979/1980. Anzumerken ist, dass in dieser Statistik nur Verletzungen berücksichtigt wurden, die mindestens einer einmaligen ärztlichen Behandlung bedurften [36]. Als Gründe für diesen langfristigen Trend von weniger Verletzungen können u. a. verbesserte Ski- und Protektionsmaterialien, optimierte Pistenpräparation und -absicherung sowie Maßnahmen zur bewussten Wahrnehmung von Risiken im alpinen Skisport angesehen werden [36]. Einen ähnlichen Trend zeigte sich bei der Anzahl von stationären Behandlungen im Krankenhaus (. Abb. 2, [36]). Klinikverbund Kempten-Oberallgäu: Wissenschaftsförderung unter der Führung der SANAKliniken AG. P.U. Brucker ist Teamarzt der DSV-Skinationalmannschaft alpin. Verletzte im alpinen Skisport 2012/13 Verletzte/1000 Skifahrer im Vergleich zur Basissaison 1979/80 (=100%) 100 % 80 60 40 * 20 19 79 1 9 /80 80 1 9 /81 81 1 9 /82 8 1 9 2/8 83 3 / 1 9 84 84 1 9 /85 85 1 9 /86 86 1 9 /87 87 1 9 /88 88 1 9 /89 89 1 9 /90 90 1 9 /91 91 1 9 /92 92 1 9 /93 93 1 9 /94 94 / 1 9 95 95 1 9 /96 96 1 9 /97 97 1 9 /98 98 1 9 /99 99 2 0 /00 00 2 0 /01 01 / 2 0 02 02 2 0 /03 03 2 0 /04 0 2 0 4/0 05 5 2 0 /06 06 2 0 /07 07 2 0 /08 08 2 0 /09 09 2 0 /10 10 2 0 /11 11 2 0 /12 12 /1 3 0 Saison *deutlicher Rückgang der gefahrenen Pistenkilometer durch schlechte Schneeverhältnisse Abb. 1 8 Anzahl von Verletzten pro 1000 Skifahrer, wobei nur Verletzungen in die Statistik aufgenommen wurden, die mindestens einer ärztlichen Behandlung bedurften. Als Ausgangswert wurde die Basissaison 1979/1980 herangezogen. [Aus [36]. Mit freundl. Genehmigung der ARAG Allgemeine Versicherungs-AG, Düsseldorf und der Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS)] Verletzte im alpinen Skisport 2012/13 mit stationärer Behandlung je 1000 Skifahrer 3,5 3 2,5 2 1,5 * 1 0,5 19 79 19 /80 80 19 /81 81 19 /82 82 19 /83 83 19 /84 84 19 /85 85 / 19 86 86 19 /87 87 19 /88 88 19 /89 89 19 /90 90 19 /91 91 19 /92 92 19 /93 93 19 /94 94 19 /95 95 19 /96 96 19 /97 97 19 /98 98 19 /99 99 20 /00 00 / 20 01 01 20 /02 02 20 /03 03 20 /04 0 20 4/0 05 5 20 /06 06 20 /07 07 20 /08 08 20 /09 09 20 /10 10 20 /11 11 20 /12 12 /1 3 0 Saison *deutlicher Rückgang der gefahrenen Pistenkilometer durch schlechte Schneeverhältnisse Abb. 2 8 Anzahl von Verletzten pro 1000 Skifahrer seit der Wintersaison 1979/1980, die einer stationären Behandlung bedurften. [Aus [36]. Mit freundl. Genehmigung der ARAG Allgemeine Versicherungs-AG, Düsseldorf und der Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS)] Mit 0,84/1000 alpinen Skifahrern (basierend auf einer Hochrechnung von ca. 3550 alpinen Skifahrern) wurde in der Wintersaison 2012/2013 der niedrigste Wert seit Durchführung der ASU-Erhebungen beobachtet, was im Wesentlichen durch die im Gesundheitssystem zunehmend am- bulante und immer weniger stationäre Versorgung von Skiverletzungen zurückzuführen war, allerdings auch zumindest teilweise im Sinne einer geringeren Verletzungsschwere interpretiert werden kann (. Abb. 2, [36]). Unter Aufschlüsselung der verletzten Körperregionen pro 1000 alpinen Skifahrern konnte mit Ausnahme der Wintersaison 2010/2011 immer das Kniegelenk als das am häufigsten verletzte Gelenk beobachtet werden (. Abb. 3, [36]). Nichtsdestotrotz war in den letzten zwei Der Unfallchirurg 1 · 2014 | 25 Zusammenfassung · Abstract Jahrzehnten ein abfallender Trend hinsichtlich Kniegelenkverletzungen zu verzeichnen, dagegen nahmen Verletzungen am Schultergürtel bzw. am Oberarm in diesem Zeitraum als nahezu einzige aller Körperregionen – ausgenommen einer zeitlich begrenzten Zunahme der Körperregion „Rumpf/Hüfte/Oberschenkel“ – insgesamt zu (. Abb. 3). Allerdings waren in den zuletzt analysierten Wintersaisons 2011/2012 und 2012/2013 wieder ein leicht gegenläufiger Trend bei den Knieverletzungen bzw. Verletzungen am Schultergürtel und am Oberarm zu verzeichnen (. Abb. 3). Relativ gesehen ist und bleibt das Kniegelenk mit mehr als einem Drittel die am häufigsten verletzte Körperregion, wobei allerdings ein seit der ersten Erhebung regelmäßig nachzuweisender, relevanter Geschlechterunterschied zu Ungunsten der Frauen festzustellen war, da bei Frauen mittlerweile fast 50% der Verletzungen das Kniegelenk betreffen (. Abb. 4, [36]). Verletzungen der Kopfregion pro 1000 alpiner Skifahrer schienen dagegen in den letzten Jahren weiterhin leicht, aber konstant rückläufig zu sein, was wahrscheinlich in einer zunehmenden Verwendung und Akzeptanz des Skihelms begründet liegt. Alpiner Skileistungssport Das „FIS Injury Surveillance („Beobachtung“) System“, (FIS ISS) wurde von der FIS in Kooperation mit dem „Oslo Sports Trauma Research Center“ vor der Wintersaison 2006/2007 entwickelt und sollte epidemiologische Daten in den darauffolgenden 3 Wintersaisons zu Verletzungsarten und -häufigkeiten in den durch die FIS organisierten verschiedenen leistungssportlichen Wettkampfsportarten im Wintersport, u. a. auch im alpinen Skilauf, Snowboard, Skisprung, Langlauf und Ski-Freestyle, liefern. Ziel der Untersuchung sollten Erkenntnisse zu den Verletzungsursachen und darauf aufbauend die Reduktion der Verletzungsrisiken durch Einsatz geeigneter präventiver Maßnahmen sein [10]. Im Vergleich zu alpinen Skifreizeit-/ Skibreitensportlern lag hierbei das Verletzungsrisiko bei Skileistungssportlern im Skiweltcup ungefähr 2- bis 3-mal höher 26 | Der Unfallchirurg 1 · 2014 Unfallchirurg 2014 · 117:24–32 DOI 10.1007/s00113-013-2464-4 © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2014 P.U. Brucker · P. Katzmaier · M. Olvermann · A. Huber · K. Waibel · A.B. Imhoff · P. Spitzenpfeil Alpiner Skibreiten- und Skileistungssport. Typische Verletzungsmuster und Möglichkeiten der Prävention Zusammenfassung Alpines Skifahren ist die beliebteste Wintersportart in Deutschland und wird von über 4 Mio. Freizeit-/Breiten- und Wettkampfsportlern betrieben. Allerdings ist die Verletzungsrate beim alpinen Skifahren im Vergleich zu anderen Sportarten hoch. Hierbei stellt nach wie vor das Kniegelenk die am häufigsten verletzte Region des muskuloskelettalen Systems dar, wobei in einem hohen Prozentsatz Knieverletzungen als schwerwiegend eingestuft werden müssen. In diesem Übersichtsartikel sollen epidemiologische Daten und typische Verletzungsmuster des alpinen Ski- sports sowohl im Freizeit-/Breitensport- wie auch im wettkampfmäßigen Leistungssportbereich verglichen sowie Möglichkeiten präventiver Maßnahmen im alpinen Skisport aufgeführt und evaluiert werden. Ein spezieller Fokus der Präventionsmaßnahmen soll hierbei auf orthetische Hilfsmittel und Schutzbekleidungen gelegt werden. Schlüsselwörter Epidemiologie · Skiverletzungen · Prävention · Orthesen · Schutzbekleidung Recreational and competitive alpine skiing. Typical injury patterns and possibilities for prevention Abstract Alpine skiing is the most popular winter sport discipline in Germany and is performed by more than 4 million recreational sportsmen and ski racing athletes. Compared to other sports, however, the injury rate in alpine skiing is quite high. Especially the knee joint is the most commonly injured area of the musculoskeletal system. Knee injuries are classified as severe in a high percentage of cases. In this review article, epidemiologic data and typical injury patterns in recreational alpine [12]. Bezogen auf 1000 Skitage betrug das Verletzungsrisiko beim Skifreizeitsportler je nach Studie 1,1–3,2 [12], bei Leistungssportlern im FIS-Skiweltcup dagegen 4,1 [12]. Bei weiterer Differenzierung der Verletzungen im Skiweltcup zeigte sich, dass die Verletzungsrate pro 1000 Fahrten mit steigender Fahrgeschwindigkeit in der jeweiligen Fahrdisziplin anstieg, d. h. beim Slalom war die Verletzungsrate am niedrigsten, dagegen beim Abfahrtslauf mehr als 3-mal so hoch wie im Slalom und mit Abstand am höchsten von allen Skiwettkampfdisziplinen [11]. Im Skiweltcup waren sowohl die absoluten als auch die relativen Verletzungsraten bei den Männern höher als bei den Damen, wohingegen das Kniegelenk bei beiden Geschlechtern das am häufigsten verletzte Gelenk bzw. Körperregion darstellte, dabei in 54% der Knieverletzungen als schwerwiegend, de- skiing and in competitive alpine ski racing are compared. In addition, the potentials of preventive methods in alpine skiing are presented and evaluated with a special focus on orthotic devices and protection wear as injury prevention equipment. Keywords Epidemiology · Ski injuries · Prevention · Orthotic · Protection wear finiert durch eine Ausfallzeit von >28 Tagen, eingestuft wurde (. Abb. 5, [11]). Hierbei war die vordere Kreuzbandruptur (VKB-Ruptur) mit 38% aller Knieverletzungen die am häufigsten auftretende spezifische Diagnose [11]. Interessanterweise zeigte sich (im Gegensatz zum Skifreizeit-/Skibreitensport) kein geschlechtsspezifischer Unterschied bei der Inzidenz von VKB-Rupturen im Skiweltcup [12, 31]. Eine Erklärung könnte sein, dass ein besserer Trainingszustand und eine bessere technische Ausbildung der professionellen Skirennläuferinnen im Vergleich zu den Skifreizeitsportlerinnen unter Berücksichtigung des jeweils individuellen Anforderungsprofils und der individuellen Belastungen vorliegen. Verletzungen im alpinen Skisport 2012/13 - Verletzte Körperregionen/1000 Skifahrer 7,0 Unterschenkel/Sprunggelenk/Fuß Knie Schulter/Oberarm Rumpf/Hüfte/Oberschenkel Kopf/Hals Unterarm/Hand 6,0 5,0 4,0 3,0 2,0 1,0 19 79 19 /80 80 19 /81 81 19 /82 82 19 /83 83 19 /84 84 19 /85 85 / 19 86 86 19 /87 87 19 /88 88 19 /89 89 19 /90 90 19 /91 91 19 /92 92 19 /93 93 19 /94 94 19 /95 95 19 /96 96 19 /97 97 19 /98 98 19 /99 99 20 /00 00 / 20 01 01 20 /02 02 / 20 03 03 20 /04 0 20 4/0 05 5 20 /06 06 20 /07 07 20 /08 08 20 /09 09 20 /10 10 20 /11 11 20 /12 12 /1 3 0,0 Saison Abb. 3 8 Verletzte Körperregionen pro 1000 Skifahrer (geschlechtsunabhängig) seit der Wintersaison 1979/80. [Aus [36]. Mit freundl. Genehmigung der ARAG Allgemeine Versicherungs-AG, Düsseldorf und der Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS)] Typische Verletzungen der oberen Extremität Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war ca. ein Drittel aller Verletzungen im alpinen Skifreizeit-/Skibreitensport an der oberen Extremität lokalisiert [22]. Im Rahmen des Carvingbooms nach der Jahrtausendwende 1999/2000 kam es zu einer sukzessiven Verschiebung der Verletzungen von der unteren zur oberen Extremität, so dass erst-, allerdings auch bisher einmalig in der Wintersaison 2010/2011 mehr Schulter- und Oberarmverletzungen als Knieverletzungen pro 1000 Skifahrer zu verzeichnen waren, was bei Anwendung der Carvingtechnik zu einer vermehrten Kurvenlage mit konsekutiv höherer Sturzfrequenz durch kritische Kurveninnenlagen bzw. aufgrund der kürzeren Skilängen zu vermehrten Rückwärtsund Vorwärts(dreh)stürzen führte [36]. Im Gegensatz zum alpinen Skifreizeit-/ Skibreitensport wiesen die Skileistungs- sportler mit knapp 20% eine deutlich geringere prozentuale Verteilung der Gesamtverletzungen an der oberen Extremität auf [11]. Des Weiteren unterschieden sich die alpinen Skifreizeit- und Skibreitensportler von den Skileistungssportlern hinsichtlich der Verletzungslokalisationen an der oberen Extremität relevant: So haben die Skileistungssportler aufgrund ihrer höheren Kurvengeschwindigkeiten und Kurvenlagen häufiger Schneekontakt mit der kurveninneren Hand, was sich in einer fast 3-mal so hohen prozentualen Verletzungshäufigkeit des Daumens, der Finger und der Hand widerspiegelte [12, 36]. Dagegen fanden sich bei den Skileistungssportlern prozentual gesehen nur ca. halb so viele Schulterverletzungen im Vergleich zu den Skifreizeit-/Skibreitensportlern, wobei bei Letzteren insbesondere das männliche Geschlecht bei den Schulterverletzungen prädestiniert war [12, 36]. Die häufigsten skitypischen Schulterverletzungen im Freizeit-/Breitensport be- inhalteten Verletzungen der Rotatorenmanschette (24%), anteriore glenohumerale Instabilitäten (22%), Akromioklavikulargelenkinstabilitäten (20%), Klavikulafrakturen (11%) und proximale Humerus- bzw. Tuberculum-majus-Frakturen (10%) [21]. Bei glenohumeralen Luxationen fanden sich in mehr als einem Drittel begleitende intraartikuläre oder gelenknahe Frakturen [28]. Distale Frakturen an der oberen Ex tremität betrafen vorwiegend den distalen Radius bzw. den Unterarm und die Metacarpalia [29]. Der sog. Skidaumen als ulnare Kollateralbandruptur oder ossären Ausriss des Kollateralbands am Metacarpophalangealgelenk des Daumens stellte mit 62% die häufigste Verletzung der Hand beim alpinen Skifahren dar [29]. Bedingt ist diese Verletzung durch das Halten des Stockgriffs, was im Sturzfall zu einer pathologischen Abduktionsbewegung im Metacarpophalangealgelenk führt. Auch eine Stener-Läsion mit einem Der Unfallchirurg 1 · 2014 | 27 Leitthema Abb. 4 8 Prozentuale Verteilung der verletzten Körperregionen aller alpinen Skifahrer >14 Jahre und geschlechtsspezifische Unterschiede in der Wintersaison 2012/2013. [Aus [36]. Mit freundl. Genehmigung der ARAG Allgemeine Versicherungs-AG, Düsseldorf und der Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS)] der Verletzungslokalisation vom Fuß, Sprunggelenk und distalen bzw. mittleren Unterschenkeldrittel zum Kniegelenkbereich, was auf die rigide Fixierung des Fußes und Sprunggelenks durch den Schnallenskischuh zurückzuführen war (. Abb. 3). Seither sind anhaltend hohe Verletzungszahlen im Bereich des Kniegelenks zu beobachten, die vorwiegend kapsuloligamentärer Art sind. Hierbei überwiegen sowohl im alpinen Breiten-/Freizeitsport wie auch im Skileistungssport mit Abstand die VKB-Rupturen und die medialen Kollateralbandläsionen [30, 40]. Diese Verletzungen sind die häufigsten im alpinen Skisport, wobei sich allerdings ein relevanter geschlechtsspezifischer Unterschied von VKB-Rupturen im Freizeit-/ Breitensport zeigt: Frauen erleiden derartige Verletzungen um den Faktor 2,4bis 3,3-mal häufiger als Männer [5, 19], was u. a. mit anatomischen (z. B. Valgusalignment, geringe interkondyläre Notchbreite), neuromuskulären (z. B. insuffiziente Quadrizeps-Hamstring-Koaktivierung, Valguskollaps) und hormonellen (östrogenabhängige Gelenklaxität) Einflüssen bei Frauen begründet wird [18]. » Es sind anhaltend hohe Verletzungszahlen im Bereich des Kniegelenks zu beobachten Abb. 5 8 Geschlechtsunabhängige prozentuale Verteilung der verletzten Körperregionen von Weltcupskiathleten und -athletinnen in den Wintersaisons 2006/2007 und 2007/2008. (Nach [11]. Foto mit freundl. Genehmigung von Felix Neureuther, Foto Bogner) dislozierten distalen ulnaren Kollateralbandkomplex und konsekutiver Interposition der Adduktoraponeurose kann hieraus resultieren [2]. 28 | Der Unfallchirurg 1 · 2014 Typische Verletzungen der unteren Extremität Mit dem Ende der Schnürskischuh-Ära und dem Wechsel auf Schnallenskischuhe in den 1970er und 1980er Jahren kam es zu einer zunehmenden Verschiebung Verschiedene Verletzungsmechanismen des VKB beim alpinen Skifahren sowohl im Freizeit-/Breitensport wie auch im Leistungssport wurden beschrieben [4, 8, 20, 25] und miteinander verglichen [6]. Während im alpinen FIS-Skiweltcup überwiegend der sog. „Slip-catch-Mechanismus“ („Rutschen-Fassen“) beobachtet wurde, fanden sich insbesondere bei weiblichen Skifreizeit-/Skibreitensportlern mehrheitlich Vorwärtsdrehstürze mit akutem „Fassen“ der Skikante [34]. Auf Skifreizeit-/Skibreitensportniveau löste die Skibindung in bis zu 96% der VKBRupturen während des Unfallereignisses nicht adäquat aus [38]. Neben isolierten Ligamentverletzungen am Kniegelenk treten auch Kombinationsverletzungen entweder mehrerer ligamentärer Strukturen am Kniegelenk (u. a. Multiligamentverletzungen) oder meniskealer bzw. (osteo)chondraler Be- zungen bestimmen. Darüber hinaus können bei Kollisionen, direkten Anpralltraumen oder bei Stürzen Gesichtsverletzungen auftreten, die durch den Skihelm in der Regel nicht verhindert werden. » Die Verletzungszahlen im Skifreizeit-/Skibreitensport sind in den letzten Jahren leicht rückläufig Abb. 6 8 a Unterarmprotektor als Schlagschutz vor Torstangen. b Protektorenjacke mit integriertem Nierengurt und herausnehmbaren Oberarm-, Unterarm- und Rückenprotektor. (Mit freundl. Genehmigung der Ortema GmbH, Markgröningen) Abb. 7 8 a Handgelenkorthese als sekundäre Prävention nach Handgelenkverletzung. (Mit freundl. Genehmigung der Fa. Gesundheitseck, Sonthofen). b Skidaumenschiene als sekundäre Prävention nach Skidaumenverletzung. (Mit freundl. Genehmigung der Ortema GmbH, Markgröningen) gleitverletzungen auf. Die Unhappy-triadVerletzung findet sich beim alpinen Skifahren dagegen eher selten [3]. Frakturen des Unterschenkels bzw. der Tibia sind typische ossäre Verletzungen der unteren Extremität im alpinen Skisport. Diese wurden sowohl für den alpinen Freizeit-/Breitensport [7] als auch für den Skileistungssport beschieben [27]. Bei 62% der Unterschenkelfrakturen im Freizeit-/Breitensportbereich entstanden durch Rotationstraumen, wobei sich in 59% die Skibindung nicht öffnete [7], so dass davon ausgegangen werden muss, dass der noch am Skischuh befindliche Ski einen relevanten Hebelarm für die Rotationsverletzung darstellte. Im Skileistungssport wurden dagegen eher Quer- bzw. Schrägfrakturen des Unterschenkels auf Höhe des Skischuhrandes, welche auch als sog. Boot-top-Frakturen bezeichnet werden, beobachtet [27]. Im Gegensatz zu den Unterschenkelfrakturen sind femurschaft- und hüftgelenkna- he Frakturen im alpinen Skisport selten und meist Folge eines Hochrasanztraumas oder einer Kollision [37]. Typische Verletzungen des Kopfes, der Wirbelsäule und des Rumpfes Die Verletzungen am Kopf machen sowohl im Freizeit-/Breitensport wie auch im Leistungssport jeweils unter 9% aller Verletzungen im alpinen Skisport aus (. Abb. 4, 5, [12, 36]). Insgesamt sind die Verletzungszahlen im Freizeit-/Breitensport in den letzten Jahren leicht, aber konstant rückläufig, was wahrscheinlich an der prozentual gestiegenen Zahl helmtragender Skifahrer liegt. Bei den Kopfverletzungen handelt es sich in der Mehrzahl um Schädel-Hirn-Traumata unterschiedlicher Schweregrade, wobei schwere Schädel-Hirn-Traumata meist die Mortalitätsrate und damit die Gesamtprognose bei diesen schwerwiegenden Skiverlet- Verletzungen der Wirbelsäule sind sowohl im alpinen Skifreizeit-/Skibreitensport wie auch im Skileistungssport selten und betreffen eher männliche als weibliche Skifahrer [12, 36]. Eine Korrelation zwischen der Prävalenz an Wirbelsäulenverletzungen und der gefahrenen Geschwindigkeit scheint hierbei zu existieren. Bei Wirbelsäulenverletzungen mit neurologischen Ausfällen findet sich die Läsionshöhe jeweils zu ungefähr einem Drittel auf zervikaler, thorakaler bzw. auf lumbaler Ebene [23]. Stumpfe Abdominaltraumata und Traumata des Rumpfes bzw. Thorax – mit bzw. ohne Beteiligung der Wirbelsäule – sind ebenso seltene Verletzungen, können jedoch isoliert oder im Rahmen einer Polytraumatisierung mit hohem „Injury Severity Score“ (ISS) bei Stürzen, Kollisions- bzw. Hochrasanztraumata auftreten [26]. Allgemeine Präventionsmöglichkeiten Skiunfälle können durch interne (skifahrerspezifische) und/oder externe (Schnee-/Wetter-/Gelände-/Pistenverhältnisse) Faktoren ausgelöst werden [39]. Präventive Möglichkeiten zum Schutz vor Verletzungen aus Sicht des alpinen Skifahrers (interne Faktoren) umfassen u. a. Maßnahmen der allgemeinen und skispezifischen Fitness (z. B. spezifische Kraftfähigkeit der Streck- und Beugeschlinge der unteren Extremität, Rumpfstabilität, sportartspezifische Kraftausdauer), der Reduktion von physischen Risikofaktoren (valgusspezifische Beinposition mit sog. medialen Kollaps), sowie fahrtaktischen Aspekten (Vermeiden von unkontrollierter Rücklage bzw. Stürzen, Tempokontrolle [17]). Zusätzlich spielt hier auch Der Unfallchirurg 1 · 2014 | 29 Leitthema Abb. 8 8 Knie- und Schienbeinprotektor als Schlagschutz für Torstangen bzw. mechanischer Schutz bei Stürzen. (Mit freundl. Genehmigung der Ortema GmbH, Markgröningen) Abb. 9 8 Skihelm mit orthopädisch angepasster Innenpolsterung. (Mit freundl. Genehmigung der Marker Völkl International GmbH, Straubing, und der Ortema GmbH, Markgröningen) Abb. 10 8 Rückenprotektor mit Schulter- und Nierengurte. (Mit freundl. Genehmigung der Ortema GmbH, Markgröningen) Einen weiteren relevanten Bereich von präventiven Maßnahmen decken Orthesen und andere Schutzbekleidung ab. Deren Schutzmechanismus basiert vorwiegend auf deren passiver Stabilisierung und mechanischer Protektion gefährdeter Körperregionen beim alpinen Skifahren. Diese sollen nachfolgend als spezielle passive Präventionssysteme genauer dargestellt werden. Spezielle passive Präventionssysteme Obere Extremität Abb. 11 8 Knieorthese mit individuell angefertigtem Hartrahmen: a Aus Demonstrationszwecken zur besseren Visualisierung Positionierung der individuell angefertigten Knieorthese auf dem Skirennanzug. b Regelkonform unter dem Skirennanzug getragene individuell angefertigte Knieorthese, welche eine bessere Anbindung der Orthese an die Haut bzw. die Oberund Unterschenkelweichteile durch die Kombination mit einer speziell entwickelten Kompressionsunterwäsche (nicht sichtbar) gewährleistet und essentiell für deren Funktionalität ist. (Mit freundl. Genehmigung der Ortema GmbH, Markgröningen) der für den individuellen Skifahrer adäquate Skischuh-Skibindung-Ski-Komplex eine wichtige Rolle [17]. 30 | Der Unfallchirurg 1 · 2014 Im alpinen Skirennsport gibt es verschiedene Protektoren für die Schulterregion, den Ober- bzw. Unterarm und die Hand, welche äußerlich auf der Rennbekleidung getragen und fixiert werden oder alternativ auch in die Skibekleidung mit eingearbeitet sein können (. Abb. 6). Diese Protektoren werden vorwiegend als Schlagabweiser für die Torstangen beim Skirennlauf eingesetzt und können noch durch einen weiteren Schlagschutz am Skistockgriff beim Slalom ergänzt werden. Zur postoperativen Protektion bzw. sekundären Prävention wird nach Unterarm-, distaler Radius-, Metacarpal- oder Fingerfrakturen bei der Orthesenversorgung teilweise von der Funktionsstellung der betroffenen bzw. angrenzenden Gelenke abgewichen, da diese für eine funktionelle Stockhaltung beim alpinen Skifahren ungünstig sind (. Abb. 7). So benötigt z. B. ein Skiabfahrtsläufer eine andere Handgelenkstellung in der Orthese als der Slalomfahrer. Nach ulnaren Kollateralbandrupturen des Metacarpalgelenks am Daumen werden ebenfalls individuelle Orthesen unter Berücksichtigung der Stockhaltung angefertigt (. Abb. 7). In Einzelfällen werden im alpinen Skileistungssport auch individuell angepasste Schulterorthesen verwendet, die z. B. bei bestehenden Schulterinstabilitäten durch Limitation von Bewegungsausmaßen eine temporäre Stabilitätsverbesserung erzielen können. Untere Extremität Seit Einführung der Schnallenskischuhe sind die Verletzungen der oberen und unteren Sprunggelenke sowie des Fußes deutlich zurückgegangen, da durch deren Stabilität bzw. Rigidität diese Körperregion sehr gut geschützt sind (. Abb. 3). Deshalb bieten sich prinzipiell präventive orthetische Maßnahmen am Kniegelenk an, jedoch ist aufgrund der komplexen Kniekinematik und des verschieblichen periartikulären Muskel- und Weichteilmantels eine suffiziente orthetische Versorgung zur Verletzungsprävention durch individuell angefertigte Orthesen bisher nur in Einzelfällen gelungen und basieren vorwiegend auf Erfahrungswerten von spezialisierten orthopädie technischen Einrichtungen und weniger auf wissenschaftlich fundierten, biomechanischen Untersuchungen. Nichtsdestotrotz werden Soft- wie auch Hartrahmenorthesen insbesondere nach Knieverletzungen zur sekundären Prävention sowohl im Breiten-/Freizeitsport als auch im Skileistungssport getragen, eine klare wissenschaftliche Evidenz einer verletzungspräventiven Funktion der Orthesen ist jedoch noch ausstehend [6, 32]. Im Kniegelenksbereich werden aktuell im alpinen Skirennsport vorwiegend nur orthetische Schutzbekleidungen als sog. Schlagschutz vor mechanischen Krafteinwirkungen, z. B. durch Torstangen im Slalom bzw. auch in den Speeddisziplinen, eingesetzt (. Abb. 8). Neben kniegelenkstabilisierenden Orthesen ist bei der Etablierung effizienter präventiver Maßnahmen für Kniegelenkverletzungen der Fokus zukünftig auf die Verbesserung der Funktionalität von Skibindungen sowohl unter freizeit-/breitensportlichen wie auch unter wettkampfmäßigen Bedingungen zu richten. Hierbei muss das Problem angegangen werden, dass die Skibindungen zumindest bisher kniegelenkgefährdende Krafteinwirkungen nur unzureichend erkennen und somit häufig entweder nicht oder nur fehlerhaft auslösen [38]. Kopf, Wirbelsäule und Rumpf Zur Prävention von Verletzungen des Kopfes und der Wirbelsäule ist im alpinen Skirennsport seit Jahren das Tragen eines Skihelms in allen alpinen Skidisziplinen durch die FIS zwingend vorgeschrieben, der Einsatz eines Rückenprotektors von der FIS empfohlen, jedoch dem einzelnen Athleten freigestellt [9]. » Der Skihelm führt zu einer Reduktion der Kopfverletzungen zwischen 22 und 60% Auch im alpinen Freizeit-/Breitensport hat sich in den letzten Jahren der Skihelm etabliert und wird von einem Großteil der alpinen Skifahrer verwendet (. Abb. 9). Helmtragequoten von >60% auf den regulären Skipisten sind aus der Wintersaison 2009/2010 beschrieben, wobei von einem weiteren Anstieg der Helmtragequote auszugehen ist [33]. Dagegen werden Rückenprotektoren deutlich weniger häufig eingesetzt (. Abb. 10). In einer jüngeren Befragung in gleichen Zeitraum gaben 17% der alpinen Skifahrer an, dass sie einen Rückenprotektor tragen [35]. Für den Skihelm ist dessen Schutzwirkung zur Verhinderung bzw. Abmilderung von Kopfverletzungen nachgewiesen und führt zu einer Reduktion der Kopfverletzungen zwischen 22 und 60% [1, 13, 14, 16, 24, 33]. Die Befürchtung, dass durch das Tragen des Skihelms mehr Halswirbelsäulenverletzungen auftreten, konnte nicht bestätigt werden [15, 16, 24]. Vergleichbare Zahlen zur präventiven Wirkung von Rückenprotektoren wie auch für Protektoren einzelner oder mehrerer Körperregionen am Rumpf (z. B. Protektoren für den Brustkorb, Protektorenjacken bzw. -westen) stehen bisher noch aus. Trends im Bereich der Orthesen- und Schutzbekleidungsprävention Orthesen und Schutzbekleidungen müssen immer einen Kompromiss zwischen maximaler Schutzwirkung einerseits und Bewegungsfreiheit bzw. Tragekomfort andererseits eingehen. Hier gilt es, Orthesen- und Schutzbekleidungen unter Berücksichtigung der individuellen Anatomie und Anthropometrie und deren Veränderung durch skisportspezifische Körperhaltungen bzw. Gelenkstellungen (z. B. periartikuläre Muskelvolumenänderungen) weiter zu verbessern, so dass sowohl deren Schutzwirkung als auch deren Tragekomfort und Benutzerfreundlichkeit optimiert wird. Erste holistische Ansätze für neuartige Orthesenkonzeptionen hinsichtlich Design, Anbindung und Kraftübertragung mit potentiell protektiver Wirkung vor ligamentären Verletzungen am Kniegelenk sind in der Entwicklung, deren Wirksamkeit ist bisher allerdings noch nicht bewiesen (. Abb. 11). Weitere konzeptionelle Ansätze unter Verwendung aktiver Schutzsysteme (z. B. Airbag-Systeme für die Halswirbelsäule) sind in Planung bzw. schon in ersten Testphasen. Fazit für die Praxis FAlpines Skifahren erfreut sich sowohl im Freizeit-/Breitensport wie auch im Wettkampf- und Leistungssport einer hohen Beliebtheit. FObwohl die Verletzungsstatistiken in den letzten 3 Jahrzehnten im alpinen Skifreizeit-/Skibreitensport insgesamt rückläufig sind, bleiben die Verletzungszahlen im alpinen Skiwettkampf- und -leistungssport weiterhin hoch. Insbesondere die häufig schweren Verletzungen im Kniegelenkbereich sind sowohl im Skifreizeit-/Skibreitensport wie auch im Skiwettkampf-/Skileistungssport bedenklich. FEin noch ungelöstes Problem stellen hierbei Skibindungen dar, die typische Verletzungsmechanismen des Kniegelenks nur unzureichend erkennen. Allerdings darf nicht unberücksichtigt bleiben, dass sich durch die verstärkt taillierten Skimodelle in den letzten Jahren auch die Kurvengeschwindigkeiten im Skifreizeit-/Skibreitensport deutlich erhöht und dadurch sich die einwirkenden Kräfte auf den Bewegungsapparat gesteigert haben. FÄhnliches gilt auch für den alpinen Skiwettkampf-/Skileistungssport, bei dem sich die alpinen Skirennläufer regelmäßig durch radikale Fahrweisen, performanceorientiertem Skimaterial und entsprechender Rennpistenpräparation im Grenzbereich bewegen. Somit bedarf es zukünftig der Neuund Weiterentwicklung von orthetischen und schutzbekleidungstechnischen Präventionssystemen, die über ihre verbesserten passiven bzw. mechanischen Schutzwirkungen hinaus möglicherweise auch aktive Schutzsystemeigenschaften beinhalten werden. Der Unfallchirurg 1 · 2014 | 31 Leitthema Korrespondenzadresse PD Dr. P.U. Brucker Abteilung und Poliklinik für Sportorthopädie, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München Ismaninger Straße 22, 81675 München peter.brucker@ lrz.tu-muenchen.de Danksagung. Die Autoren danken Dipl.-Sportwiss. David Schulz, Leiter der Auswertungsstelle für Sportunfälle bei der ARAG-Versicherungs-AG, und der Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS), für die Bereitstellung des Bildmaterials. Einhaltung ethischer Richtlinien Interessenkonflikt. Peter U. Brucker, Matthias Olvermann, Andreas Huber, Karlheinz Waibel und Peter Spitzenpfeil haben eine wissenschaftlich beratende Funktion bei der Ortema GmbH (Markgröningen); Peter U. Brucker ist zudem Meinungsbildner bei der Marker Völkl International GmbH (Straubing), Peter Katzmaier, Peter Spitzenpfeil und Karl-Heinz Waibel bei Head International GmbH (Kennelbach, Österreich) und Matthias Olvermann bei Fischer Sports GmbH (Ried im Innkreis, Österreich). Andreas B. Imhoff ist Berater der Medi GmbH & Co. KG (Bayreuth). Dieser Beitrag beinhaltet keine Studien an Menschen oder Tieren. Literatur 1. Ackery A, Hagel BE, Provvidenza C et al (2007) An international review of head and spinal cord injuries in alpine skiing and snowboarding. 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