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Exklusiv: TV DIGITAL am Filmset von „Switch Reloaded“
Ein schwieriger Hitler-Dreh
Beim Dreh der Parodie auf Adolf Hitler gelten
polizeiliche Auflagen: Das Kölner Ordnungsamt hat den Dreh genehmigt – unter der Voraussetzung, dass kein Darsteller den Filmset im
Nazi-Look verlässt und etwa mit sichtbarem
Hakenkreuz herumläuft. Der Dreh der satirischen Obersalzberg-Episoden dauert eine
Woche. Alle Innenaufnahmen finden in der umgebauten Kulisse der Serie „Stromberg“ statt,
die für „Switch Reloaded“ mit diversen NaziRequisiten verändert wurde.
Parodie im Park: Michael
Kessler als joggender Adolf Hitler
Mein
Krampf
z u rüc k i n s
ja h r 1 945
Bereits während
der einstündigen
Verwandlung in Hitler verfällt Michael
Kessler in Hitlers
abgehackte Sprechweise. Am Ende des
Drehtages ist der
Comedian heiser
I m F ü h r e r b üro
Selbst gedruckter
HakenkreuzTeppich und Kessler
als Ölgemälde:
zwei sorgfältig
gestaltete Details
Mit irren Parodien bricht die Comedy-Serie Switch
reloaded Zuschauerrekorde. Beim Set-Besuch verrät
Michael Kessler, wie er sich in Adolf Hitler verwandelt
„Wir machen
aus Hitler
einen echten
Volltrottel!“
18 TV DIGITAL
Nie ohne gummi
In der Maske liegen
die Ohren aller
Satire-Opfer in
Plastikschalen – von
Joseph Goebbels
bis zu Moderator
Johannes B. Kerner
B RAU N E
B RAUE N
Vom Seitenscheitel über
die Brauen bis
zum Schnauzbart – fertig
ist Adolf Hitler
Un z ä h l i g e
r eq u i s i t e n
Die Ausstatterin
Juliane Höhn hat
viele Requisiten
gebastelt – von
Hakenkreuz-Tassen
bis zu Plakaten
F Ü H R E R -S C HEI N
In den neuen Folgen macht
Hitler eine Weiterbildung
(„Führung für Anfänger“)
Fotos: xxxxxxxxxxxxxx
H
grandioser Erfolg. „Switch Reloaded“ ist das
itler hat Schnappatmung. Er joggt
mutigste Comedy-Format im TV – und sahnt
in einem braunen Samt-Trainingsgleichzeitig seriöse Fernsehpreise wie den
anzug der Marke „adidolf“ durch
Adolf-Grimme-Preis 2008 ab.
den Kölner Stadtpark. Plötzlich
„Das Erfolgsgeheimnis von ‚Switch Reloableibt er keuchend vor einer umgefallenen
ded‘ sind unsere ausgeklügelten Parodien
Eiche stehen und stützt sich darauf. „Könauf das Fernsehen“, verrät Star-Comedian
nen Sie nicht mehr, Herr Hitler?“, fragt seine
Michael Kessler beim ExkluJogging-Partnerin Tanja von der
siv-Besuch von TV DIGITAL.
„Laufsportgruppe“. „Quatsch“,
„Jahrelang haben wir das
keucht Hitler. „Ich könnte bis
Feld Stefan Raab überlassen.“
nach Stalingrad laufen. Ich habe
Heute ist selbst Raab nicht
bloß gerade einen Krampf – meimehr vor Angriffen seiner
nen Krampf!“ „Uuund fertig“,
Kollegen sicher. Er wird
ruft der Regisseur Marco Muebenso wie seine TVsienko von „Switch Reloaded“
Michael Kessler
Kollegen Frank Plas(19.8., 22.15 Uhr, ProSieben).
berg („hart aber fair“) und Tom Buh„Die Szene ist im Kasten!“ Auch der Regisrow („ARD-Tagesthemen“) in den
seur hat kurz darauf einen Krampf, als er die
neuen Folgen auf die Schippe geabgedrehte Szene auf seinem Kontrollmoninommen (siehe nächste Seite). Die
tor überprüft – aber einen Lachkrampf.
meis-ten Kollegen nehmen das
hitler, Peter Kloeppel und Florian Silbersportlich – etwa Peter Kloeppel
eisen haben eines gemeinsam: Alle drei und
von „RTL-Aktuell“. „Irgendnoch mehr TV-Stars werden von Deutschwann bin ich ihm mal beim
lands derzeit lustigstem Comedian parodiert:
Deutschen Fernsehpreis beMichael Kessler (41). Mal witzelt er über
gegnet“, erzählt Kessler, „und
angebliche Inzucht unter den Stars des „ARDhabe
Musikantenstadls“. Dann erfindet er Nachihn darauf angesprochen. Er
richten-Schalten von Peter Kloeppel zu der
sagte, er habe bereits von unReporterin Antonia Rados („Absurdistan
serer Parodie gehört, sie aber
ist zerbombt – wie sitzt Ihre Frisur?“). Immer
noch nie gesehen. Daraufhin
dabei: 21 Prozent der jungen Zuschauer, ein
L e tz t e
WA R N U N G
Darsteller dürfen
den Filmset nie
im Nazi-Look
verlassen –
dieses Schild erinnert sie daran
Kessler und Hill in umgenähten
C&A-Trainingsanzügen für neun Euro
TV DIGITAL 21
tv | comedy
INTERVIEW
„Lauterbach dürfen wir
nicht mehr parodieren!“
TV Digital: Neben Hitler
spielen Sie in „Switch“ u. a.
Florian Silbereisen. Welche
Maske ist am schwersten?
Michael
Kessler, StarComedian (41)
kessler: Silbereisen
und Jauch sind nicht
aufwendig, Kloeppel
geht auch fix. Schwierig
war Dieter Falk von
„Popstars“.
Wie bereiten Sie sich auf die Parodien vor?
Zunächst studiere ich optische Auffälligkeiten wie Gestik und Mimik. Dann konzentriere ich mich auf die Stimme und
die Sprachmelodie. Zuletzt muss ich das
auffälligste Merkmal finden – und karikieren. Dabei baue ich typische Handlungen der Parodierten ein. Jauch hat
etwa eine Karteikarte, die er während
der Moderation in der Mitte faltet –
genau dort, wo er abliest. Ist er mit dem
oberen Teil fertig, dreht er sie um und
liest vom unteren Teil ab.
Wie sinnvoll ist eine Parodie auf eine Parodie?
Sie meinen etwa auf Horst Schlämmer?
Das funktioniert nicht. Alle würden
sagen: Der ist doch schon lustig. Unsere
Aufgabe ist eine andere: Wir gucken, wer
perfekt sein will, es aber nicht ist – und
die Zuschauer stattdessen sogar
nervt.
Wer ist Ihnen richtig böse?
Niemand außer Rudi Aussauer und
Heiner Lauterbach. Lauterbach
dürfen wir nicht mehr parodieren.
Und was ist mit Maybrit Illner?
Stimmt, das müssten wir
mal machen, denn ihre
Stimme überschlägt
sichvollständige
häufig und
Das
Interview
mit Michael Kessler und
quietscht
dabei.
Martina
Hill lesen
Sie im
Internet:
www.tvdigital.de
Interview:
Mike
Falscher Führer: Michael Kessler
verwandelt sich in Adolf Hitler
bekam er von mir ein Tape – und fand sie
sehr lustig. Aber das hat er sehr ernst gesagt.
Das ist, glaube ich, nicht so sein Humor. Kein
Wunder, wenn man sich als RTL-Anchorman
den ganzen Tag ernsthaft mit Tausenden von
Toten in Afghanistan
und im Irak beschäftigen muss.“
ÜBER 200 TV-PROMIS hat
„Switch Reloaded“ bisher parodiert – und 106 TV-Sendungen. Das Spektrum reicht
von A wie „Alarm für Cobra
11“ (RTL) bis Z wie „Zwei bei
Kallwass“ (Sat.1). Nichts und
Martina Hill
niemand ist sicher vor den
Einfällen des 15-köpfigen Autorenteams. Nicht einmal Adolf Hitler. Aber
ist eine Hitler-Parodie überhaupt erlaubt?
Die „Switch“-Macher haben sich damit
ernsthaft auseinandergesetzt. „Wir sind sehr
vorsichtig beim Schreiben dieser Nummern“, verrät Kessler. „Aber Hitler-Parodien
sind in anderen Ländern
längst vollkommen normal – und zwar seit
vielen Jahren. Ich
fände es nach wie
vor extrem lus-tig,
eine Hitler-Sitcom
im deutschen
Fernsehen zu machen.
Es gibt gerade Über-legungen, einen
eigenständigen
Serienableger unserer Hitler-ObersalzbergParodie fürs TV zu produzieren.“
„Natürlich ist das Thema Adolf Hitler ein
Terrain mit vielen Fallen“, sagt
Kessler. „Aber wir machen
schließlich aus Hitler einen kompletten Trottel und ein Arschloch. So muss das natürlich
auch sein. Als Drehort im Studio
haben wir ausgerechnet das
Büro des urdeutschen Bürohengstes ,Stromberg‘ ausgesucht. Das ist einfach genial. Stromberg
stellt in der ProSieben-Serie ja einen ausgesprochen ungemütlichen Chef dar.“
Nach einer Stunde in der Maske hat sich
Kessler in Hit-ler verwandelt. Seine Kollegin
Martina Hill, die auch Heidi Klum, Gülcan
und Bill von Tokio Hotel parodiert: „Ein Dreh
für ‚Switch Reloaded‘ ist genauso ernsthaft
wie ein seriöser Dreh beim ‚Tatort‘. Wenn der Regisseur
‚Action‘ ruft, bin ich komplett konzentriert.
Dann darf ich alles bis auf eines: lachen.“
Das übernehmen dann die TV-Zuschauer.
Am Ende des langen DrehtagEs ist Michael
„Ein Dreh
bei uns ist so
seriös wie
beim ‚Tatort‘“
Hitlers Kollegen in „Switch“:
Tanja, Goebbels und Erika
DI 19.8.
Switch Reloaded
COMeDY 15 neue Folgen mit Parodien
auf bekannte TV-Stars; ProSieben, 22.15 Uhr
Moderatoren und
Köche im Visier
L A F E R u n d L I C HTE R
Michael Kessler (r.)
und Max Giermann
spielen das Kochduo
20 TV DIGITAL
In den neuen Folgen
von „Switch Reloaded“
sind nicht einmal die
Polit-Talker und Nachrichtensprecher tabu.
Die Comedians überzeichnen die Charakterzüge ihrer Opfer
und lehnen wie etwa
Kessler als Frank
Plasberg („hart aber
fair“) schief am Pult.
TOM
b u h row
wird von Bernhard Hoëcker
gespielt
F ran k p las b e rg wird von Michael Kessler
dargestellt (r.), Angela Merkel von Martina Hill
st e fan
raa b
Der Comedian Max
Giermann
als StarModerator
Fotos: Marc Hillesheim für TV DIGITAL (14), ProSieben (6), dpa
Von Johann Lafer bis Stefan Raab: die Neuen opfer in „Switch“