Mein kleiner Sonnenschein

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Mein kleiner Sonnenschein
ServusTV präsentiert:
Mein kleiner
Sonnenschein
von Heide Kraft
Inhaltsverzeichnis
Mein kleiner Sonnenschein
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Da Schutzengl
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Hoameligkeit
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Des weiße Gwandl
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Mein kleiner Sonnenschein
von Heide Kraft
Nun war es wieder so weit . Weihnachten stand vor der Tür. Die
Geschäfte und Straßen waren schon lange geschmückt und in den Kaufhäusern hörte man die gängigsten Weihnachtslieder. Eigentlich war alles perfekt, doch irgendwie auch wieder nicht. Es fehlte etwas. Etwas was
die Seele berührte und die Freude auf den Heiligen Abend erwachen ließ.
Aber was. Gedankenverloren sah ich aus dem Fenster. Das gab’s doch nicht.
Ein Lächeln huschte über meine Lippen und mir wurde ganz warm ums
Herz. Es hatte geschneit. Nicht viel, doch genug um Bäume, Wiese und
Sträucher mit einem weißen Kleid in eine berührende Winterlandschaft
zu verzaubern. Ich sah auf die Uhr, es war schon spät. Verena musste in
den Kindergarten, doch sie schlief noch tief und fest. Das dachte ich, doch
das Trippeln kleiner Kinderfüße, belehrte mich des Besseren. Mein kleiner Kobold schlich sich an mich heran, um sich kurz darauf mit einem
Indianergebrüll auf mich zu stürzen. Doch plötzlich hielt sie inne. Etwas
scheinbar sehr wichtiges erhielt nun ihre ganze Aufmerksamkeit. Verenas
Augen begannen plötzlich zu strahlen und ein langgezogenes „Juchuuuu“
hallte durch den Raum.
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Ich wusste es sofort - Sie hatte den Schnee entdeckt. Kurz danach
seufzte sie aus tiefster Seele und meinte, ohne dass dieses Strahlen in ihrem
Gesichtchen auch nur geringfügig gewichen wäre, „Endlich! Es schneit. Ich
habe schon sooo lange darauf gewartet. Danke liebes Christkind!“
Wir kamen natürlich zu spät in den Kindergarten. Aber das machte nichts, denn eine ganz wichtige Sache hielt uns auf. Warm eingepackt
marschierten wir in den Garten. Das erste was unseren vollen Einsatz verlangte, war eine Schneeballschlacht mit mühsam gesammeltem Schnee. Es
war herrlich. Zum Abschluss noch ein Schnee- Engerl und dann kichernd
in den Kindergarten.
Ihr helles Kinderlachen, die Freude und Spaß den wir hatten, berührte mein Herz in einer besonderen Weise. Nun fehlte nichts mehr.
Am Nachmittag schneite es noch heftiger und versprach uns weiße
Weihnachten.
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Da Schutzengl
von Herbert Gschwendtner*
Wenn ma so im Advent in da Stubn alle beinandagsessn san, dann
is oft de Red gwesn von de Engln. Des is oganga bei de Schutzengln bis hi
zum Erzengl Gabriel.
In meiner Kindheitsvorstellung is ma viakemma, dass ma den, der
oan beschützt, eigentlich a sechn müassat. Aba so sehr i man am Abnd im
Bett oft herbeigwunschn hätt, damit i eam meine Sorgn und Nöte vazöhn
kunnt, er hat si nia oschaun lassn. Dabei hab i ma einbüdt, dass i genau
woaß, wia mei Schutzengl ausschaut.
Und dann bin i auf oameu verunglückt und hättn ganz notwendig
braucht, weil i beim Schlittnfahrn von der Bahn abkemma und übern Hang
abakuglt bin, bis mi a Bam bremst hat. Da Fuaß hat weh to, nass bin i durch
und durch gwen und neamd hats gwusst, dass i da in dem Grabn glegn bin.
Irgendwann hab i dann nit ameu mehr an mein Schutzengl denkt
und wia i munta wordn bin, da is de Muatta an mein Bett gsessn und hat
gsagt: “Sche, dass d’wieder de Aufn aufmachst, Bua, hast a riesengroßes
Glück ghabt, dass d’so an guatn Schutzengl hast.”
schaut.
Er war euso da, mei Schutzengl, und i hab man wieder nit oda-
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Hoameligkeit
von Herbert Gschwendtner*
Im Ofn de knisterndn Scheita,
de helfn da Keutn scho weita.
Hinterm Vorhangl, am Fensterbrett,
findts de Katz gmüatlich und nett,
drum bleibt a da Hund auf da Ofenbank
und sucht mit ihr koan Streit und Zank.
Am Ofn des Teewasser dampft ganz leicht,
und wann a Tropfn de hoaße Plattn erreicht,
da zischts ameu, dann zreißtsn a scho
und de Kügei dampfn auf alle Seitn davo.
De damische Floign auf da Fensterscheibn
lasst des Aufikraxln oafach nit bleibn.
Warum ihr des eppa so guat gfeut,
wanns dann eh wieder gach abafeut.
Da Pfeifnrach hängt in da Stubenluft
und vabroat so an angenehmen Duft.
Aufn Tisch liegt de Zeitung aufgschlagn,
de Wanduhr heat ma de Stundn osagn.
Da Vata legt sei Lesebrille auf d’Seit
und brummelt eppas vo de bösn Leit.
Wann de Muatta a Reih abgstrickt hat,
machts a ganz a kloane Bewegung grad,
dabei macht da Sessel so an Quergetsa,
eus wa eam des gringe Leitl scho zschwa.
A Murra vom Hund, beud er si draht.
Nachat is glei scho wieder sche stad.
Grad des hoamelige Tickn vo da Uhr
mischt si drei in de beschauliche Ruah.
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Des weiße Gwandl
von Herbert Gschwendtner*
De Natur hat wieder ihr weiß Gwandl kriagt,
und dawei da Wind um de Hauseckn ziagt,
druckn de Kinder eane Nasn an de Scheibn,
und schaun a wengerl außi ins Schneetreibn,
wia de Flockn um de Hauseckn umaziagn
und de Zaunstempel kloane Häuberl kriagn.
De Natur hat wieder ihr weiß Gwandl o,
da wachsn a de erstn Schneemänna scho,
und am Hügl entn, da gehts kreizlustig zua,
ziagns mit de Schlittn scho so manche Spur.
Zum Trüabseu blasn bleibt da gwiss koa Zeit,
da erste Schnee is übareu de größte Freid.
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* aus dem Buch „Stubenadvent G‘schichtn von früher“
Erschienen im Verlag ANTON PUSTET, Salzburg
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