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BILFINGER
WAS UNS
EINMALIG MACHT
01.2013
METAMORPHOSE | 8
Bilfingers Wandel zum Engineering- und Servicekonzern
DER DOPPELTE PROFESSOR | 22
Ein dänischer Wissenschaftler und sein Roboter-Double
MODELL VOM ICH | 32
Ist unsere Identität mehr als Einbildung?
ENGINEERING
AND SERVICES
2
WE MAKE IT WORK
3
Fotos picture alliance
BILFINGER
MAGAZIN
01.2013
BRITISCHER
SPORTSGEIST
„It’s raining cats and dogs”, sagten die Zuschauer
am 7. Juli 2012, als Starkoch Jamie Oliver das olympische Feuer ein paar Meilen weit durch den strömen den Regen von Essex trug. Insge samt 8 000
Fackelträger waren an der Stafette durchs Verei nigte Königreich beteiligt, bei der das schlimmste
Schmuddelwetter der Fackel nichts anhaben konnte. Durch die Versuche im BMW-Klimawindkanal war
sie bestens ausgetestet: In dem von Bilfinger erstell-
ten Prüfkanal in München lässt sich jede Wetterlage realitätsgetreu simulieren – nur Wildwasser
nicht. Der Gischt im Lee Valley White Water Centre
konnte die Flamme zunächst nicht widerstehen, sie
musste neu entfacht werden. Beim zweiten Ver such
brachten die Paddler um den 20-jährigen Fackelträger Zachary Franklin die Flamme dann brennend
durch den olympischen Kanal. Ein Hoch auf den britischen Sportsgeist!
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BILFINGER
MAGAZIN
01.2013
INHALT
5
18
EDITORIAL
28
LIEBE LESERIN,
LIEBER LESER,
37
38
44
48
in den nächsten Monaten werden Sie überrascht sein, wie viele Menschen das neue
Bilfinger-Logo auf ihrer Arbeitskleidung
tragen: Es sind Mitarbeiter von Krankenhäusern und Kraftwerken, von Schulen oder
Industrieanlagen. Sie alle sind Teil unseres
Unternehmens, das seine Identität aus
dem Zusammenwirken verschiedenster Kom petenzen schöpft.
Roland Koch
Vorstandsvorsitzender
der Bilfinger SE
8
20
22
28
32
38
44
48
New
Bilfinger
Interview:
Roland Koch
Doppelter
Professor
Zeit ist
relativ
Das Ich ist
ein Phantom
Deutscher
Samstag
Zum 150.
Geburstag
Familienfreundlich
Aus dem Bauunterneh-
Wo steht Bilfinger heute
Henrik Schärfe hat einen
Die Zeit führt von der
Unsere Identität sei nur
Bilfinger wirbt mit
Julius Berger war Grün-
Um im Wettbewerb beste-
men ist ein weltweiter
und wohin bewegt sich
Roboter bauen lassen,
Zukunft in die Vergangen-
eine Einbildung, das „Ich“
„German Engineering“ –
der einer der drei Vor-
hen zu können, müssen
Engineering- und Service-
der Konzern? Ein ganz
der ihm aufs Haar gleicht.
heit, glauben die Aymara.
lediglich ein vom Gehirn
hochwertiger Arbeit,
gängergesellschaften von
Unternehmen familien-
konzern geworden. In
neuer Unternehmenstyp
Im dänischen Aalborg
Das Andenvolk unter-
erzeugtes Modell. Das be-
erbracht von fleißigen
Bilfinger. Er und seine
freundlicher werden. Ein
der Öffentlichkeit ist das
soll geschaffen werden,
erforscht er, wie die Men-
scheidet sich damit vom
hauptet der Mainzer Philo-
Mitarbeitern. Sind die
Frau kamen im Konzen-
Gastbeitrag von Gisela
kaum bekannt. Das soll
sagt der Vorstandsvor-
schen auf sein Maschinen-
Rest der Welt.
sophieprofessor Thomas
Deutschen wirklich so
trationslager Theresien-
Erler, Politikerin und Un-
sich jetzt ändern.
sitzende.
Double reagieren.
Metzinger.
arbeitsam?
stadt ums Leben.
ternehmerin.
2
WE MAKE IT WORK
6
KALEIDOSKOP
26
KOMPLEMENTÄR
34
HEUREKA!
37
WAS IST EIGENTLICH
46
NEWS
50
INNENLEBEN
Olympischer Fackellauf
Facetten des „Ich“
Feuerwehreinsatz
Lösungen von Bilfinger
... ein Langstreckenmolch?
Aus dem Unternehmen
Karen Schenkelberg
Wenn ich die verschiedenen Unternehmenseinheiten besuche, staune ich jedes Mal
neu über die Fülle des Wissens und wie sich
das Spezialistentum unserer Mitarbeiter
ergänzt. Mit unserer neuen Markenstrategie
wollen wir das große Potenzial, das in
dieser Vielfalt steckt, ins rechte Licht rücken.
„We make it work“, lautet deshalb unser
zentrales Kundenversprechen.
Ihr
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KALEIDOSKOP IDENTITÄT
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Fotos Ari Versluis und Ellie Uyttenbroek, Bundesdruckerei, Frank Schultze
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INDIVIDUALIST?
Sie glauben, Sie seien einzigartig? Dann
schauen Sie mal auf der Homepage von Ari
Versluis und Ellie Uyttenbroek vorbei. Auf den
Straßen Rotterdams, aber auch in anderen
europäischen Metropolen, finden die beiden
Fotokünstler ihre Models: Menschen, die zumindest äußerlich weniger „ich“ sind als
„wir“. Exactitudes heißt das Projekt, eine Wortschöpfung aus „exact“ und „attitude“. In
hunderten Tableaus von je zwölf Porträts entlarven die Fotokünstler den Wunsch des Einzelnen nach Einzigartigkeit und Abgrenzung
und belegen gleichzeitig das Bedürfnis nach
Gruppenzugehörigkeit.
Ich-Perspektive
„Ich denke, also bin ich“, sagte
René Descartes: Das „Ich“ als Basis
aller Erkenntnissuche und Identitätsfindung, in diversen Sprachen:
DAS WIEDERSEHEN
Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte,
begrüßte ihn mit den Worten: „Sie haben sich gar
nicht verändert.“„Oh!“, sagte Herr K.und erbleichte.
Parabel von Bertolt Brecht
1
Yo
Én
Ég
minä
Ego
Jeg
Jag
Já
Ik
εγώ
2
WWW.EXACTITUDES.COM
I
Jeg
I
Je
Io
Ick
Ja
Bayerisch
Dänisch
Englisch
Französisch
Italienisch
Ostfriesisch
Polnisch
Spanisch
Ungarisch
Isländisch
Finnisch
Latein
Norwegisch
Schwedisch
Tschechisch
Niederländisch
Griechisch
„Ich im Dialog“, ein Werk von Jan van Munster im Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna.
FLAGGE ZEIGEN
VERLIEBT
Fahnen spiegeln das Selbstverständnis von Nationen
in Erika
(1) BRASILIEN: Der blaue Kreis stellt den Himmel
weißen Strand geht über dem Meer die Sonne auf.
(2) Grüne Augen, 160 Zentimeter groß, Erika
über Rio de Janeiro am 15. November 1889 dar –
PALAU: Der Mond leuchtet über dem Blau des
Mustermann, geborene Gabler. Als die Bundes-
der Tag, an dem aus dem Kaiserreich eine Republik
Pazifischen Ozeans. Bei Vollmond werden in dem
regierung 1982 einen neuen Personalausweis
wurde. Die Sterne symbolisieren die Bundesstaaten,
Inselstaat mit nur 20 000 Einwohnern traditionell
einführte, wurde die junge Frau zur Kultfigur.
die sich dem Motto „ordem e progresso“ (Ordnung
Bäume gefällt, Boote gebaut und Feste gefeiert.
Massenweise gingen bei der Bundesdruckerei,
und Fortschritt) verschrieben. ANTIGUA UND
BHUTAN: Safrangelb ist die Farbe des Königs,
die ein Muster des neuen Dokuments veröffent-
BARBUDA: Im Jahre 1966 suchte der Karibikstaat
Orangerot steht für die Kraft des Buddhismus.
licht hatte, Anfragen ein: nach der Adresse der
eine neue Flagge und schrieb einen Wettbewerb
Der Donner, der im Himalaya häufig zu hören ist,
jungen Dame, ob man sie treffen, sie gar vom
aus. Das Preisgeld von 500 Dollar gewann dieser
wird dem weißen Drachen zugesprochen, dem
Fleck weg heiraten könne. Die Behörde, die aus
Entwurf: Das Schwarz steht für die afrikanischen
Symbol des Landes. Seine Krallen halten Juwelen –
Kostengründen eine Mitarbeiterin abgelichtet
Vorfahren im Karibikstaat, Rot für ihre Kraft. Und am
Symbole für die Vollkommenheit des Landes.
hatte, verfügte ein Informationsembargo.
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DER NEUE BILFINGER
1900
Julius Berger OHG in Bromberg/Posen
1895
Baugeschäft von Julius Berger in Zempelburg/Westpreußen
1890
Grün & Bilfinger OHG
Bernatz & Grün OHG in Mannheim
1886
1892
Wasserbaugeschäft August Bernatz in Mannheim
1883
Berlinische Boden-Gesellschaft
Wasserbaugeschäft Weis & Bernatz in Lothringen
1880
Über 300 Einzelmarken hat Bilfinger in den letzten zehn Jahren unter seinem Dach versammelt. Aus dem ehemaligen Bauunternehmen ist längst ein weltweiter Engineeringund Servicekonzern geworden, doch in der Öffentlichkeit ist das kaum bekannt. Das
soll sich jetzt ändern: Bilfinger benennt sich um – und alle seine Töchter.
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Börseneinführung der Grün & Bilfinger Aktie
1912
1940
Verlegung der Julius Berger Tiefbau AG nach Berlin
1910
1930
Umwandlung in Grün & Bilfinger AG
1906
1920
Umwandlung in Julius Berger Tiefbau AG
1905
1900
WE CREATE
Verlegung der Julius Berger Tiefbau AG nach Wiesbaden
Dabei macht das Unternehmen mittlerweile 80 Prozent
des Umsatzes mit Dienstleistungen außerhalb des
klassischen Baugeschäfts. In Arabien liefert Bilfinger
die Technik zur Meerwasserentsalzung, in der Nordsee hält man Erdölplattformen instand, in Belgien
rüstet Bilfinger Kohlekraftwerke auf klimaneutrale
Holzfeuerung um, in Kanada und Großbritannien betreibt das Unternehmen Krankenhäuser und Schulen,
in Deutschland managen Mitarbeiter alle 1300 Liegen schaften der Deutschen Bank – um nur einige Auf gaben zu nennen. Mit dieser breiten Aufstellung sei
das Unternehmen „einzigartig in der Welt“, urteilte die
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“: Der einstige Bau-
1948
Larissa Wächter, 46, liebt ihre Arbeit als Küchenchefin
im Hamburger Seniorenwohnheim „Haus Am Frankenberg“. Einen Speiseplan nach Schema F gibt es bei
ihr nicht. Stattdessen führt sie Listen mit den Lieblingsgerichten der 250 Bewohner. „Zum Geburtstag gibt
es das Wunschessen, auch wenn es Spargel im Januar
ist.“ Larissa Wächter steht auf der Gehaltsliste von
Bilfinger Facility Services. Dass auch Firmen, die sich
um das leibliche Wohl von Senioren sorgen, zum Konzern gehören, scheint Medien und Öffentlich keit noch
immer zu überraschen: Nach wie vor schreiben viele
Zeitungen, wenn sie über Bilfinger berichten, unverdrossen vom „Mannheimer Baukonzern“.
SCHÖPFERISCHE ARBEIT: Bei Larissa
Wächter gibt es keinen Speiseplan
nach Schema F. Sie möchte, dass sich
die Senioren im Heim zu Hause fühlen.
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Die Vorstände Roland Koch, Joachim Enenkel
und Joachim Müller sowie der Mannheimer
Oberbürgermeister Peter Kurz (Zweiter von links)
enthüllen das neue Logo auf dem Dach der
Unternehmenszentrale.
zahlreichen eigenen internationalen Beteili gungen –
bildeten die Keimzelle des heutigen Engineer ingund Servicekonzerns, der sein Geld vor allem mit der
Wartung und Instand haltung von Industrieanlagen,
Kraftwerken und Immobilien verdient.
ERHÖHTE WAHRNEHMUNG
Rund 300 Einzelmarken umfasste der Konzern zuletzt,
selbst die Mitarbeiter kamen nicht mehr mit: Gerne
wird erzählt, wie bei Großprojekten Kollegen verschie dener Einheiten aufeinandertrafen und nicht wussten,
dass sie zum selben Unternehmen gehören. In Zukunft
werden alle Beteiligungsgesellschaften „Bilfinger“ im
Namen und ein gemeinsames Logo tragen, was intern
für Klarheit sorgt und in der Öffent lichkeit die Wahrnehmung der Unternehmensgruppe erhöhen wird.
2000
Akquisition von Hydrobudowa
1994
Akquisition von Razel
Akquisition von Baulderstone Hornibrook
1993
1990
1984
1980
Übernahme sämtlicher Anteile an Fru-Con
Akquisition von 50 % der Anteile an Fru-Con
Fusion der Grün & Bilfinger AG mit der Julius Berger – Bauboag AG
1975
1978
Mehrheitsbeteiligung der Grün & Bilfinger AG an der Julius Berger – Bauboag AG
1970
zur Bilfinger + Berger Bauaktiengesellschaft
Fusion der Julius Berger AG mit der Bauboag zur Julius Berger – Bauboag AG
1969
1960
Umfirmierung in Bau- und Boden-Aktiengesellschaft (Bauboag)
WE CARE
1954
1951
1950
Verlegung der Berlinischen Boden-Gesellschaft nach Düsseldorf
konzern hat sich in ein global agierendes Engineeringund Serviceunternehmen verwandelt. Auslöser dafür
war der „lange Kater“ nach dem Bau boom der deutschen Wiedervereinigung: Ab Mitte der 1990er Jahre
brach das Geschäft für die Bauwirtschaft ein. Bilfinger
reagierte, indem es sich weiter internationalisierte. Zusätzlich setzte man auf neue Geschäftsfelder, die einen Zuwachs an Kompetenz sichern würden, denn in
Zukunft wollte man für seine Kunden Leistungs pakete weit über das Bauen hinaus schnüren können.
Dafür holte man stolze Unternehmen mit eigenen
Identitäten in die Gruppe: im Jahr 2002 den IndustrieIsolierer Rheinhold & Mahla, im glei chen Jahr die
Holzmann-Tochter HSG, Spezialistin im Facility Ma nagement, 2005 den Kraftwerksdienstleister Babcock
Borsig Service. Diese drei großen Töchter – alle mit
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IM INTERESSE DES KUNDEN UND DES
UNTERNEHMENS: Christian Heilmeier brachte
Wacker Chemie aus München mit BilfingerKollegen aus den USA zusammen.
„Überall wo Bilfinger drinsteckt, wird in Zukunft auch
Bilfinger draufstehen“, sagt der Vorstandsvorsitzende
Roland Koch. „Mancher wird sich verwundert die Augen
reiben, an wie vielen Orten das Logo auftaucht.“
MASSGESCHNEIDERTE LÖSUNGEN
Doch nicht nur nach außen hin, auch im Innern des
Unternehmens vollzieht sich ein tiefgreifender Wandel.
Ausdruck ist das sogenannte BEST-Programm („Bilfinger Escalates Strength“), das den Integrationsprozess
des Konzerns vorantreiben soll. Weltweit werden sich
die einzelnen Gesellschaften enger vernetzen, „zum
Vorteil unserer Kunden“, wie Roland Koch betont. Denn
Kunden sollen in Zukunft alle Leistungen des Konzerns
aus einer Hand bekommen können, maßgeschneidert
nach ihren Bedürfnissen und fast überall auf der Welt.
In der neuen „Bilfinger-Akademie“ werden Mitarbeiter aus verschiedenen Geschäftsfeldern und Ländern
dafür gemeinsam Kurse belegen können. Im Intranet
entstehen Plattformen zum besseren Informations-
austausch über Ausschreibungen und Aufträge. Auch
die ersten Länderrepräsentanten sind bereits installiert: Sie beobachten die lokalen Märkte und stellen
ihr Wissen jedem im Konzern zur Verfügung.
Christian Heilmeier ist einer, der schon lange über
seinen eigenen Tellerrand hinausblickt. Der Bauin genieur leitet eine Niederlassung von Bilfinger Construction im bayerischen Passau. Mit 100 Mitarbeitern erstellt er Kraftwerke und Fabriken für Kunden
wie Eon, Infineon oder Osram. Als er hörte, dass die
Münchener Wacker Chemie in den USA eine Fabrik
plante, brachte er den Chemiekonzern mit einem USUnternehmen der Bilfinger-Gruppe zusammen, das
auf die Belange der Prozessindustrie spezialisiert ist.
„Es geht nicht darum, ob jemand der Kunde meiner
oder einer anderen Unternehmenseinheit ist“, erklärt
Heilmeier. „Wir alle repräsentieren Bilfinger.“ Das
ist denn auch der Vorteil eines Weltunternehmens:
Kunden erhalten einen Ansprechpartner genau dort
|
und genau in dem Segment, wo sie ihn brauchen.
Akquisition von Techscape
Akquisition von ROB
Akquisition von Mobuco
Akquisition der Salamis Group
Akquisition von EHR
Akquisition der Ahr Gruppe
Akquisition von Serimo
2006
Akquisition von Babcock Industrierohrleitungsbau
Gründung von EPM Assetis
Akquisition von Euromont Power Services
Akquisition von Babcock Borsig Service
Akquisition von Simon Engineering
Akquisition von PPRM
Akquisition von Airvac
2005
Akquisition von Skilled Power Services
Akquisition von WPRD
Akquisition von ThyssenKrupp DiPro
Akquisition von Georg Fischer Immobilien Service
2004
Akquisition von Abigroup
Akquisition von EMS
Akquisition von Arnholdt
Akquisition von Centennial
2003
Akquisition von HSG
Akquisition von Wolfferts
Akquisition von Rheinhold & Mahla
WE CAN
2002
2001
Umfirmierung in Bilfinger Berger AG
Text BERND HAUSER
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WORKSHOP MIT
FÜHRUNGSKRÄFTEN:
Was sind die Wesensmerkmale des Unternehmens?
MITARBEITER SIND DIE
MACHT HINTER DER MARKE
Interview mit Markenflüsterer
Christopher Wünsche
Herr Wünsche, Sie haben Bilfinger bei der
Neupositionierung begleitet und beraten.
Kann man einem Unternehmen einfach ein
neues Image überstülpen?
kümmern uns“ verweist auf den stark ausgeprägten ServiceGedanken bei Bilfinger. „Wir können das“ steht für die
bodenständige und verlässliche Haltung des Unternehmens.
Das kann man nicht. Eine neue Unternehmensmarke hat nur So sehen sich die Mitarbeiter?
dann eine Chance, wenn sie mit der Kultur und dem Selbst- Genau. Die Mitarbeiter sind selbstbewusst und äußerst poverständnis der Mitarbeiter übereinstimmt.
sitiv. Eine Trumpfkarte für ein Unternehmen. Auf diesem
Selbstverständnis basiert auch das neue Markenversprechen,
Bilfinger besteht aus 300 Einzelunternehmen –
das man in der Anzeigenkampagne lesen kann: „We make it
wie kann man eine gemeinsame Kultur finden?
work.“ Die Herausforderung war: eine einzelne Aussage zu
Wir haben eine Befragung durchgeführt, an der über 1000
finden, hinter der sich alle Mitarbeiter in den so verschieMitarbeiter teilgenommen haben, außerdem haben wir
denen Geschäftsfeldern versammeln können.
Work shops mit Führungskräften gemacht und das TopMan agement interviewt. Wir haben mit sehr vielen Leuten „We make it work“ ist also der Kern des neuen
im Konzern gesprochen und sie gefragt, welche Werte
Bilfinger?
sie mit ihrem Unternehmen verbinden.
Ja, ein universelles Versprechen. Ob Raffinerien, Kraftwerke,
Immobilien oder Verkehrsprojekte: Kunden können sich
darauf verlassen, dass ihre Anlagen und Infrastrukturen mit
Was kam dabei heraus?
Bilfinger funktionieren.
Das Ergebnis war frappierend. Aus unseren Interviews
schälten sich ganz deutliche Identitätsmerkmale heraus.
Die vielfältigen Einschätzungen der Belegschaft lassen sich Was hat Sie selbst am meisten überrascht,
als Sie Bilfinger näher kennenlernten?
in einem Dreiklang verdichten: Wir bewegen was. Wir
Kein anderes Unternehmen, das ich kenne, kombiniert die
kümmern uns. Wir können das. Und weil sich Bilfinger als
Qualitäten von Ingenieuren so konsequent mit Kunden orien internationaler Konzern versteht, gibt es das auch in Engtierung und anspruchsvollen Dienstleistungen. Das finde ich
lisch: We create, We care, We can.
nach wie vor auch als Geschäfts modell besonders spannend.
WE
MAKE
HAYDN
WORK
Was wollen Sie damit sagen?
CHRISTOPHER WÜNSCHE, 48, ist geschäftsführender Partner
Umfirmierung in Bilfinger SE
„WE MAKE IT WORK“:
Das Markenversprechen von Bilfinger.
2013
Akquisition von Westcon
Akquisition von Envi Con
Akquisition von Tebodin
2012
Akquisition von Are Oy Industrial Services
Uwe Esche arbeitet bei Bilfinger. Er sorgt in der Alten Oper in Frankfurt dafür, dass im Bereich der
Technik alles erfolgreich über die Bühne geht. Bilfinger verantwortet dort das technische und
infrastrukturelle Gebäudemanagement: Wir kümmern uns darum, dass sich der Intendant und seine
Mitarbeiter auf das Wesentliche konzentrieren können – die Musik. www.bilfinger.com
Akquisition von Neo Structo
Akquisition von Rosink Apparate- und Anlagenbau
Akquisition von Alpha Mess-Steuer-Regeltechnik
Akquisition von Diemme Filtration
Verkauf von Fru-Con
Verkauf von Valemus Australia
2011
Akquisition von Rotring Engineering
Umwandlung in Bilfinger Berger SE
Akquisition von Brabant Mobiel
der Marken- und Kommunikationsberatung KorzerWünsche
2010
Akquisition der Rohrbau-Gruppe
Akquisition von MCE
Akquisition von LTM
Akquisition von Duro Dakovic
2009
Veräußerung von Razel
Akquisition von Tepsco
Akquisition von M+W Zander Facility Management
Akquisition von Clough Engineering & Maintenance
Akquisition von HPP
Akquisition von iPower Solutions
2008
Akquisition von Peters Engineering
Akquisition von O‘Hare Engineering
2007
Akquisition der Immobiliendienstleistungen der PSP AG
„Wir bewegen was“ steht für die Ingenieure, die krea tive
technische Lösungen für komplexe Probleme finden. „Wir
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LOGO!
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Der Astronom August Ferdinand Möbius klebte
im Jahr 1858 einen Papierstreifen so zu einem
Kreis zusammen, dass er ein Ende vor dem Zusammenfügen um 180 Grad drehte. Es entstand
ein Objekt, das kein Oben und kein Unten
kennt, nur eine Kante und nur eine Seite.
Künstler wie M. C. Escher waren von der Form
fasziniert, auf einer seiner zahlreichen von
Möbius in spirierten Zeichnungen fließt Wasser
in sich selbst zurück.
Ingenieure setzten das Prinzip bei Riemengetrieben ein, die dadurch gleichmäßiger ab genutzt werden. Tonbänder können so Aufzeich nungen in Endlosschleifen wiedergeben. Mathe matiker allerdings standen vor einem Rätsel:
Schon Möbius scheiterte an der Formulierung
einer Gleichung. Erst 2007 fanden Londoner
Wissenschaftler die exakte mathematische
For mel für das nach Möbius benannte Band.
Wenn man einen Papierstreifen zunächst
zu einer Schlaufe schlingt und dann die Enden,
das eine wieder um 180 Grad gedreht, zusammenfügt, erhält man eine dreidimensionale
Skulptur, die wieder nur über eine Seite und
eine Kante verfügt: eine Variation des klassischen Möbiusbandes, die Grundform der neuen
Bilfinger-Schleife.
„Die lebendige Form, in deren Hintergrund
eine komplizierte mathematische Formel steht“,
schien Designer Vit Steinberger von KorzerWünsche das perfekte Symbol für Bilfinger zu
sein. In wochenlanger Arbeit fertigte er mit
seinem Team über hundert Zeichnungen mit Ver sionen der Schleife. Zusammen mit dem Bil finger-Schriftzug bildet sie jetzt das neue Logo
des Konzerns. Die in sich verschränkte Form
in traditionellem Bilfinger-Blau und dem neuen energiegeladenen Grün verkörpert die
Verbindung aus Ingenieurgeist und ServiceMentalität und markiert die innere Einheit
der Aktivitäten des Konzerns, die fließend ineinandergreifen und in einem Lebenszyklus
|
untrennbar miteinander verwoben sind.
Text PAUL LAMPE
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INTERVIEW ROLAND KOCH
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Herr Koch, was ist die Identität
von Bilfinger?
Wir sind ein neuer Unternehmenstyp.
Bilfinger verbindet Engineering und
Dienstleistungskompetenz so miteinan der, wie es weltweit noch kein anderer
tut. Nehmen Sie ein Kraftwerk: Wir
können den Kessel, die Rohre oder die
Entstickungsanlage liefern. Wir können
aber auch die Wartung übernehmen,
die Sicherheitstrainings mit den Mitarbeitern durchführen und sie in der
Kantine verköstigen. Wir können das
Kraftwerk sogar finanzieren. Weil all
diese Kompetenzen ineinandergreifen,
wissen wir auf fast jede Frage, die
ein Kunde haben kann, eine Antwort.
Bilfinger macht sich auf den Weg ins
21. Jahrhundert. Welche Themen stehen
auf der Agenda? Ein Interview mit
dem Vorstandsvorsitzenden Roland Koch.
Interview USCHI ENTENMANN
dert soll ein weltoffenes, von Frauen und
Männern gemeinsam gelebtes Unternehmen werden. Das geht nicht von heute
auf morgen, aber wir arbeiten daran.
In Deutschland kämpfen Unternehmen um die besten Arbeitskräfte:
Haben Sie Nachwuchssorgen?
Da sind wir privilegiert. Wir haben ein
so gutes Image, dass sehr viele Menschen
bei uns arbeiten wollen. Dennoch beschäftigen wir uns intensiv mit einigen
für uns neuen Themen, Work-LifeBal ance etwa. Wir bauen gerade die
Möglichkeiten für flexible Arbeitszeiten
weiter aus, damit Mitarbeiter Beruf
und Familie leichter in Einklang bringen
EIN NEUER
UNTERNEHMENSTYP
Erklären Sie uns noch einmal, warum können. Das scheint mir auch eine
wichtige Voraussetzung dafür zu sein,
jetzt alle Firmen der Unternehmensmittelfristig mehr Frauen für unser
gruppe umbenannt werden?
Die Größe eines Unternehmens, die ent sprechende Reputation, hat eine erhebliche Bedeutung, wenn man sich um
Aufträge bewirbt. Dass wir ein großer
Konzern mit einer imposanten Leis tungs palette sind, ist schwer zu vermitteln, wenn wir unter Dutzenden verschiedener Bezeichnungen auftreten. Der
gemeinsame Name wird uns das Arbeiten erleichtern.
Bilfinger gilt als Männerdomäne.
Wann werden Sie die erste Frau im
Vorstand haben?
Wir wollen Vielfalt in unseren Reihen.
Ein von Männern geprägtes deutsches
Unternehmen aus dem letzten Jahrhun -
Unternehmen zu interessieren.
für die Zukunft insgesamt nachkommen.
Diesen Weg wollen wir weitergehen
und auch unsere Kunden mitnehmen.
Sie wollen ihren Kunden Nachhaltigkeit verordnen?
Nein, aber es besteht ja Handlungsbedarf, auch unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit. Viele Kunden suchen
Ansprechpartner, die sich mit dem Thema auskennen, vom Einkauf umweltfreundlicher Energie über nachhaltige
Baumaterialien bis hin zur dezentralen
Energieerzeugung. All das können wir.
2012 haben wir einen Generalbevollmächtigten für „Sustainability Projects“
berufen, Albert Filbert. Er ist einer der
profiliertesten Energiemanager Deutschlands und wird uns dabei unterstützen,
dieses wichtige Angebot für Kunden
besser sichtbar zu machen.
Als Politiker hatten Sie gesellschaftliche Belange im Blick, was sind Ihre
wichtigsten Anliegen als Vorstandschef?
Wenn der Vorstand schlecht arbeitet,
verlieren Menschen, die mit dem Unter nehmen verbunden sind, ihre Zukunftschancen. Der Chef eines Unternehmens
sollte sich also erst mal um die Seinen
kümmern. Aber auch die Produkte und
Services, die wir anbieten, machen die
Welt besser oder schlechter. Was in einem großen Unternehmen wie Bilfinger
geschieht, bleibt nicht folgenlos für
die Gesellschaft. Da bin ich mir meiner
Verantwortung sehr bewusst.
Sie besetzen neue Themen, sogar
Haben Sie schon ein Rezept, wie
ein Nachhaltigkeitsbericht wurde
publiziert. Ist das mehr als Kosmetik? Bilfinger mit der Wirtschaftskrise
Bilfinger ist schon sehr lange ein Unter - umgehen wird?
nehmen, das mit seinem Wissen und
Können einen Beitrag zum Umweltschutz leistet. Energieeffizienz und Ressourcenschutz sind ganz zentrale Aspekte unseres Kerngeschäfts. Aber vielleicht
haben wir bislang zu wenig darüber
gesprochen. Mit dem Nachhaltigkeitsbericht legen wir erstmals unsere Bemühungen offen – nicht nur im Ressourcenschutz, sondern wie wir als Unternehmen unserer Verantwortung
Die Entwicklung des Auftragseingangs
ist sehr positiv. Dennoch führt die wirtschaftliche Lage bei unseren Kunden
zu Kostensenkungsprogrammen, die auf
unsere Geschäfte durchschlagen. Das
wird die nächsten Jahre prägen. Unsere
Aufgabe wird es sein, so gut, so kreativ
und so effizient zu arbeiten, dass unsere
Erträge dennoch wachsen, während
wir gleichzeitig die Erwartungen unserer
Kunden optimal erfüllen.
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DER DOPPELTE
PROFESSOR
Roboter, die Menschen zum Verwechseln ähneln, bevölkern zwar
seit Jahrzehnten die Filmwelt. Im wirklichen Leben ist ihr Erfolg
jedoch bescheiden. Henrik Schärfe meint, das wird sich ändern.
Text CLEMENS BOMSDORF | Fotos RICKY JOHN MOLLOY, HENRIK SORENSEN
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>
Irgendetwas stimmt nicht mit diesem Professor. Seine Augen
sind seltsam glasig, mit stocksteifem Oberkörper sitzt er in seinem
Arbeitszimmer, und wenn Besucher eintreten, bleibt er einfach
hinter seinem Schreibtisch sitzen. Er blinzelt, sagt „Ich grüße Sie“,
aber in seiner Stimme liegt etwas Irritierendes.
„Ich grüße Sie“, sagt eine ähnliche Stimme, sie gehört einem
anderen Menschen, der unvermittelt den Raum betritt und die Hand
ausstreckt. „Schön, dass Sie da sind“, sagt er. „Der Herr hier ist mein
zweites Ich.“ Tatsächlich sehen sich die Männer zum Verwechseln
ähnlich: die dunkelbraunen Augen, die leicht ergrauten Haare,
die melierten Bärte; nur die Haut des Sitzenden wirkt glatt, als
wäre er aus Madame Tussauds Wachsfigurenka bi nett.
„WIR VERTRAUEN UNS DOCH
HEUTE SCHON NAVIGATIONSGE RÄTEN AN.
WARUM SOLLEN DANN NICHT
ROBOTER UNSERE KINDER
VON DER SCHULE ABHOLEN?“
die meisten Eltern die Vorstellung, ein Roboter wie Geminoid DK
könnte sich im Kindergarten mit den Kleinen beschäftigen,
während sie keine Bedenken gegen interaktive PC-Spiele und
sprechende Puppen haben?
NIEMAND BLEIBT UNBERÜHRT
Ein guter Teil der Forschung findet in einem unscheinbaren Büro
an der Uni Aalborg statt, wo Testpersonen mit dem ProfessorenDouble konfrontiert werden. Henrik Schärfe selbst sitzt dann
im Beobachtungsraum nebenan und steuert durch seine eigenen
Bewegungen die Mimik des Roboters. Auch seine Stimme wird
dem Roboter in den Mund gelegt. Ab und an setzt sich Schärfe
mit Geminoid DK auch in ein Restaurant oder nimmt ihn als Beifahrer mit. „Niemand, der ihn trifft, ist unberührt“, sagt er, „es
ist fast unmöglich, angesichts eines solchen Gegenübers nicht
ins Nachdenken zu kommen: Wer bin ich eigentlich? Wo ist mein
Platz in der Welt? Und welche Rolle wollen wir den modernen
Technologien darin einräumen?“
Männer ließen sich weniger irritieren als Frauen, sagt Schärfe,
kleinen Kindern sei der Geminoid so lange unheimlich, bis sie
verstünden, dass er gesteuert wird und eine Maschine ist. Und
während pelzige, lebensechte Robotertiere bei Kindern und demenzkranken Menschen beliebt sind, ihnen sogar eine therapeutische Wirkung unterstellt wird, ziehen pflegebedürftige Menschen – etwa um gebadet zu werden – jederzeit eine Maschine dem
Robotermenschen vor, dessen Präsenz als Verletzung der Intimsphäre wahrgenommen wird.
Man dürfe ihn nicht missverstehen, sagt Schärfe. „Niemand will
Menschen durch Roboter ersetzen, aber wir gehen in eine technologische Zukunft. Roboter werden uns zunehmend im Alltag
unterstützen, und manche werden ein menschliches Gesicht haben,
weil wir es als angenehm empfinden.“
ROBOTER ALS STÄNDIGE BEGLEITER?
WWW.GEMINOID.DK
Henrik Schärfe, 44, ist Professor am Zentrum für computergestützte Erkenntnistheorie der dänischen Universität Aalborg, er
beschäftigt sich mit der Interaktion von Mensch und Maschine.
Sein Double heißt Geminoid DK und ist ein Roboter. Dem echten
Henrik Schärfe hat er in der Wissenschaftswelt viel Aufmerksam keit gebracht. „Weltweit gibt es nur drei Forschungsprojekte
mit Geminoiden, die beiden anderen sind in Japan“, sagt Schärfe,
der es 2012 auf die Liste der „100 einflussreichsten Personen“
des US-Magazins „Time“ schaffte.
Als Vortragsreisender in Begleitung seines Androiden scherzt
er gern, dass er nicht nur gleichzeitig an zwei Orten sein könne,
sondern auch gleichzeitig an zwei Orten abwesend. Doch seine
Forschung zielt auf ernsthafte Fragen: Wie muss Technologie beschaffen sein, damit Menschen sie annehmen? Warum gruselt
Irgendwann wird es auch darum gehen, Roboter für die Betreuung
von Kindern zu entwickeln, meint der Professor, selbst Vater von
drei Söhnen: „Ich habe dreimal den Mathe-Stoff der 3. Klasse mitgebüffelt, da wäre ich dankbar gewesen für die Hilfe eines Roboters!“ Der Geminoid könnte Kindern auch das „Taxi Mama“ er setzen: „Wir vertrauen uns doch heute schon Navigationsge räten
an. Warum sollen dann nicht Roboter unsere Kinder von der
Schule abholen? Ich jedenfalls hätte davor keine Angst.“ Und wenn
man bedenke, wie schnell sich Kinder an Technologien gewöhnen,
sei auch denkbar, dass sie eine Art Freundschaft mit den Maschinen schlössen, so wie sie heute schon ihren iPad oder ihr iPhone
als ständigen Begleiter bei sich haben.
„Innerhalb des nächsten Jahrzehnts wird die Technologie so
perfektioniert sein, dass man nicht nur den Kopf, die Augen und
ein paar Gesichtsmuskeln bewegen kann. Dann wird ein Geminoid
auf der Straße gehen können, ohne dass man aus einiger Entfer|
nung erkennt, dass es kein Mensch ist.“
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KOMPLEMENTÄR
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Foto Eric Vazzoler
BILFINGER
MAGAZIN
01.2013
FEUER
UND
FLAMME
Kurt Friderich
Jitesh Patel
Feuerwehrtrupps aus den Niederlanden,
Israel, Macao und Taipeh hat Kurt Friderich,
53, schon im schweizerischen Zofingen empfangen. In der Chemie- und Feuerwehrschule
von Bilfinger Industrial Services bildet er
jährlich 5000 Wehrleute aus der ganzen Welt
fort. In Zofingen lernen sie nicht nur Brände
zu löschen, sondern auch Folgeschäden ihres
eigenen Einsatzes zu bedenken, denn Löschwasser, das mit Chemikalien kontaminiert
ist, kann Böden und Kläranlagen schwer belasten. „Häufig geht es darum, dass man ein
Feuer lediglich einkapselt“, erklärt Friderich.
„Mit einer genau bemessenen Wassermenge
errichten wir eine Art Vorhang, hinter dem
das Feuer ausbrennen kann, ohne weiteren
Schaden anzurichten.“
Jitesh Patel, 47, Projektentwickler bei Bilfinger Project Investments, lässt sich gerne auf die Fragen
seiner Kunden ein. Wohl auch deshalb bekamen
er und sein Team den Zuschlag für ein ganz neuartiges Projekt in der englischen Grafschaft Staffordshire: Feuerwachen sollten geschaffen werden,
die nicht nur überdimensionierten Garagen gleichen, sondern zum Mittelpunkt der Gemeinde
werden. Zehn Feuerwachen sind mittlerweile
gebaut, Bilfinger betreibt sie. Die Wachen haben
Fitnessbereiche, die von Feuerwehr und Anwohnern gemeinsam genutzt werden, und verfügen
über Gemeinschaftsräume, in denen sich Vereine
und Gruppen treffen. „Durch eine Fenstergalerie
können die Besucher zusehen, wie Feuerwehrleute bei einem Alarm in die Autos springen“, sagt
Jitesh Patel.
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BILFINGER
MAGAZIN
01.2013
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Langsam, fast im Zeitlupentempo, rudert
Silverino Emamani durchs Schilf. Vor ihm
liegt Compi, ein Dorf von gerade einmal 50
Häuschen, einer Kirche und einem Friedhof.
In seinem Rücken, in Fahrtrichtung, die Weite
des Titicacasees. Am Ufer, auf den win zigen
Feldern, klauben Frauen mit kurzstie ligen
Hacken Kartoffeln aus der Erde. Die Sonne
sticht, aber sie wärmt nicht. Vierzehn Minuten könne man sich heute auf der Hochebene
Boliviens ihrer UV-Strahlung aussetzen,
ohne gesundheitlichen Schaden zu nehmen,
stand am Morgen in der Zeitung. Fischer
Emamani ist den ganzen Tag in der Sonne.
Für ihn tickt die Zeit anders.
Wenn man Emamani nach der Zukunft
fragt, dann nennt er sie in seiner Sprache
„quipa pacha“, was wörtlich übersetzt so viel
wie „Zurückzeit“ bedeutet. Redet er von der
Vergangenheit, dann spricht er von „nayra
pacha“, der „Zeit vor uns“. Erzählt er von der
Vergangenheit, dann zeigt er intuitiv nach
vorne. Fragt man ihn nach der Zukunft,
macht er eine Handbewegung nach hinten,
über die Schulter.
Compi ist ein Dorf, in dem nur Aymara
leben, die Ureinwohner der Hochebene Boliviens, gut zwei Millionen Menschen gehören
Fast alle Menschen glauben,
die Zeit sei eine Linie,
die von der Vergangenheit
in die Zukunft führt.
Nur die Aymara nicht.
Das Volk im Hochland der Anden
denkt gerade umgekehrt.
DIE
ZUKUNFT
IM
RÜCKEN
Kartoffeln sind der Schatz der Aymara.
Keine andere Hauptstadt der Welt liegt so hoch wie
Ein Bauer am Titicacasee bringt die Ernte nach Hause.
La Paz in Bolivien – 3600 Meter über dem Meer.
Text TONI KEPPELER Fotos LUKAS COCH
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BILFINGER
MAGAZIN
01.2013
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zu diesem Volk. Wenn sie nach vorn blicken,
sehen sie dort etwas ganz anderes als die
anderen bekannten Völker dieser Erde.
Denn fast alle Menschen glauben, dass sie
aus der Vergangenheit kommen und in
die Zukunft gehen. Für die Aymara ist es
gerade an ders herum: Die Zukunft, denken
sie, liege hinter ihnen. In ihrem Rücken.
Dort, wo sie keine Augen haben. Sie können
sie nicht sehen, sie kennen sie nicht. Vor
ihnen aber ist die Vergangenheit ausgebreitet. Sie ist bekannt, es ist sicher, dass
haben Probleme, sich vorzustellen, dass so
etwas normal sein soll.
ACH, DIE ZUKUNFT
Jorge Miranda, der Abteilungsleiter für
indianische Rechtsfragen im Justizministerium, weiß, was es heißt, wie ein Aymara
zu denken. Er ist selbst einer und dazu
ein Yatichiri – ein Weiser, der das Geheimnis des Lebens lehrt. Sein schulterlanges
pechschwarzes Haar hat er zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. „Alles,
sie gelebt ist, zur Vergangenheit.“ Er malt
vom Kreuzchen einen Pfeil zurück zu
den Kringeln: Das soeben Erlebte gehört
nun zum Schatz der Vergangenheit, der
im neuen Augenblick der Gegenwart als
Erfahrung genutzt werden kann. Doch
wo bleibt in diesem Denken die Zukunft?
„Ach, die Zukunft“, sagt Miranda und
macht jene für Aymara typische Handbewegung nach hinten über die Schulter.
„Niemand hat sie je gesehen. Die Zukunft
erübrigt sich.“
angehört. Mit seinem wirren weißen Haar
und seinem Adlerblick sieht er aus wie
eine Kreuzung aus Sigmund Freud und
Albert Einstein. Von Beruf ist Guzmán de
Rojas Mathematiker. In den 1960er Jahren
arbeitete er an der Entwicklung eines trivalenten Computers. An einer Rechen maschine also, die nicht nur null und eins
auseinanderhalten kann und nach dieser
Logik alles in falsch und richtig aufteilt.
Der trivalente Computer sollte auch das
ganze Feld des mehr oder weniger Sicheren
selbst etwas gesehen oder erlebt? Oder
wurde es ihm erzählt? Von wem? Wie vertrauenswürdig ist das? Je nachdem, wie
die jeweilige Quelle des Wissens eingeschätzt wird, ist eine Aussage mehr oder
weniger sicher. Falsch und richtig sind
dann bloß noch zwei von unendlich vielen
Möglichkeiten. Und richtig ist eigentlich
nur das, was man mit eigenen Augen gesehen hat. Aymara sind es von Kind auf
gewohnt, mit solchen für europäisch denkende Menschen vagen Informationen zu
das Schlechte verwerfen und das Gute behalten. „Aymara können in unseren Augen
sogar eine glatte Kehrtwende vollziehen,
ohne dabei das Gefühl zu haben, sich in
logische Widersprüche zu verwickeln.“
AUS VERGANGENEM LERNEN
Sie haben es mit dieser Methode durchaus
zu etwas gebracht. Die Gegend rund um
den Titicacasee gilt als die Wiege der Kartoffel. Die Aymara kennen diese Pflanze
schon seit Jahrtausenden. Sie haben damit
>
„NIEMAND HAT
SIE JE GESEHEN.
DIE ZUKUNFT
ERÜBRIGT SICH.“
Die Statue von Eduardo Avaroa, ein Nachkomme von
Spaniern und Kriegsheld Boliviens im
19. Jahrhundert, weist dem Land den Weg. Die AymaraKinder davor gehen in die andere Richtung.
sie gewesen ist. Sie ist bewiesen. Jeder
kann sie sehen. Offen liegt sie vor aller
Augen.
ZWEI ZEITMODELLE
Die meisten Menschen verwenden zwei
Grundmodelle, wenn sie sich Zeit vorstellen. Im einen bewegt sich das Ich auf einer
Linie, es kommt aus der Vergangenheit
und geht in die Zukunft. Redewendungen
wie „Wir gehen dem Jahresende entgegen“
verwenden dieses Modell. Im anderen
Modell bleiben wir statisch und die Zeit
bewegt sich auf uns zu: „Das Jahresende
rückt näher.“ Beide Modelle haben eines
gemeinsam: Die Zukunft liegt immer vor
uns, die Vergangenheit zurück. Aymara
was wir sicher wissen, liegt in der Vergangenheit“, sagt er mit leuchtenden Augen.
Er malt große Kringel auf ein Blatt Papier:
„Das ist der Schatz der Vergangenheit.
Aber wir leben in der Gegenwart“, doziert
er und malt ein Kreuzchen zu den Kringeln: Das ist die Gegenwart. „Bei jeder Entscheidung, die wir treffen, wenden wir
unser Wissen aus der Vergangenheit an.“
Er verbindet die Kringel durch einen Pfeil
mit dem Kreuzchen, den Schatz der Vergangenheit mit der Gegenwart. „Bei allem,
was wir tun, wird unser Wissen aus der
Vergangenheit in der Gegenwart präsent“,
erklärt er. „Gegenwart ist ständige Veränderung mit dem Blick auf die Vergangenheit. Und die Gegenwart wird, kaum dass
Eben deshalb, weil sie nicht an die Zukunft
denken, lasse sich mit den Aymara kein
Staat machen, behauptet die weiße Minderheit, die Bolivien regiert hat, seit das Land
existiert. Bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts hatte die indianische Mehrheit
bei Wahlen kein Stimmrecht. Erst 2006
wurde mit Evo Morales zum ersten Mal ein
Aymara ins Präsidentenamt gewählt. Die
hellhäutige Oberschicht wirft diesem Volk
und dem Präsidenten oft vor, sie könnten
nicht planen und würden ziellos durch die
Geschichte irren.
IN DER GRAUZONE
„Alles Quatsch“, sagt Iván Guzmán de Rojas,
der dieser weißen Oberschicht des Landes
verstehen, das sich zwischen diesen beiden Polen auftut. Und er sollte aus dieser
Grauzone präzise Schlüsse ziehen können.
Das Forschungsprojekt wurde eingestellt,
bevor es eine solche Rechenmaschine gab.
Immerhin aber hatte der Mathematiker
begriffen, warum er seine Landsleute vom
Volk der Aymara vorher nie richtig verstanden hatte. Sie denken wie der projektierte Computer: trivalent.
Guzmán de Rojas setzte sich hin und
schrieb darüber ein dickes Buch. Es ist voll
von mathematischen Formeln und Schaubildern und gespickt mit komplizierten
Beispielsätzen aus der Sprache der Aymara.
Immer, wenn ein Aymara eine Aussage
macht, nennt er die Quelle dazu: Hat er
leben und sie können etwas, das sonst nur
Wahrscheinlichkeitsmathematiker und
Chaostheoretiker können: Sie ziehen aus
diesen unsicheren Vorgaben ganz präzise
Schlüsse für ihr tägliches Handeln.
OFFENER SCHWEBEZUSTAND
Habe man erst einmal die besondere Logik
dieses Volkes begriffen, sagt Guzmán de
Rojas, dann werde alles ganz einfach. „Für
einen Aymara gibt es nicht nur ja oder
nein. Er bewegt sich ständig dazwischen.“
Wer nur die Vergangenheit sehen kann
und nicht in die Zukunft planen will, der
brauche diesen Schwebezustand, das Offene, das Sowohl-als-auch. Nur dann könne
er handeln, abwägen und ausprobieren,
experimentiert, haben sie gekreuzt und
verfeinert und heute gibt es rund 3 000
Sorten davon. Die Frauen auf den Feldern
bei Compi klauben schwarze, braune, gelbe, orangefarbene und sogar violette Knollen aus dem Boden. Jede Sorte schmeckt
anders. Als die Spanier nach Amerika kamen und später die Engländer, brachten
sie ein paar Pflanzen zurück auf den alten
Kontinent. Lange war die Kartoffel hier
nur als reine Zierpflanze bekannt, in den
Gärten von Fürsten und Bischöfen. Es dauerte Generationen, bis die Europäer begriffen, dass man die Wurzelknollen der Stauden auch essen kann. Hätten sie die Vergangenheit der Kartoffel gesehen, hätten
|
sie das schneller gelernt.
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BILFINGER
MAGAZIN
01.2013
INTERVIEW THOMAS METZINGER
DAS ICH IST
EIN PHANTOM
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Herr Metzinger, gibt’s mich oder
gibt’s mich nicht?
Thomas Metzinger (lacht): Natürlich gibt
es Sie. Aber worauf Sie vermutlich an spielen, ist meine These, dass es „das“ Ich,
ein abgeschlossenes Selbst, nicht gibt.
Die Hirnforschung belegt, dass unser ganzes subjektives Erleben ausschließlich
auf der Grundlage neuronaler Prozesse
in unserem Gehirn basiert. Das bewusste
Selbst ist etwas, das der Körper konstruiert, um sich selbst zu verstehen.
Der Körper suggeriert mein Ich?
Genau. Es fühlt sich doch so an wie ein
kleines Männchen, das hinter den Augen
sitzt und in die Welt hinausschaut. Der
Körper, ein Volumen im Raum, grenzt
es nach außen ab, damit identifizieren
wir uns. Das ist das Grundgefühl, das uns
das Gehirn vermittelt: jemand zu sein.
Aber ich fühle und denke – das soll
alles nichts mit mir zu tun haben?
Es gibt ein berühmtes Experiment. Wenn
eine Versuchsperson eine künstliche
Hand auf einem Tisch betrachtet, einen
ausgestopften Gummihandschuh oder so,
während ihre eigene verdeckt daneben
liegt, und beide synchron mit einem
Stäbchen gestreichelt werden, wird nach
einer Weile die künstliche Hand als die
eigene erlebt. Die Hand ist künstlich, aber
ich kann sie fühlen: als natürlichen Teil
meines Selbst.
Unsere Identität, das „Ich“, sei nur Einbildung,
sagt der Mainzer Neurophilosoph Thomas Metzinger.
Das bedeutet, ich kann weder meiner
Wahrnehmung von mir als authentischer Person noch der der äußeren
Welt sicher sein? Unheimlich.
Ja, manche Menschen finden diese Er kennt nis beängstigend. Das Gehirn über-
setzt Wahrnehmungen in ein subjektives
Bewusstsein. Wenn ich dann „ich“ sage –
„ich habe mich geschnitten“, „ich bin Philosoph“ oder „ich will Kaffee trinken“ –,
beziehe ich mich auf den Inhalt eines im
Gehirn erzeugten Selbstmodells.
Dann könnte ich mir ja morgens
einfach sagen: „So, jetzt wache
ich mal auf und mache mir ein tolles
Bild von mir.“
Leider nicht. Unser Gehirn konstruiert in
Millisekunden ein höchst komplexes
und immer wieder neues Modell der Wirklichkeit. Es besteht aus unseren körperlichen Wahrnehmungen, aus Erinnerungen,
Gefühlen, Wünschen. Wenn sie sich aufs
Frühstück freuen, haben sie das Gefühl,
dass sie dieses Selbst sind, das sich freut.
Im Grunde ist die Vorfreude aber Teil einer
sehr selektiven, neuronalen Hirnkonstruktion, die wir für unser Ich halten, weil
wir sie nicht als Modell erleben können.
Es geht einfach zu schnell.
Und wofür muss ich das wissen?
Zunächst einmal ist es ein erheblicher Erkenntnisfortschritt zu wissen, dass das
Ich der Inhalt eines Vorgangs ist, der sich
im Laufe von Jahrmillionen der Evolution
entwickelt hat, vom einfachen tierischen
Organismus, der die Grenzen seines Körpers wahrnimmt, hin zum Menschen, der
Probleme entdecken, formulieren und
lösen kann. Genauer zu verstehen, wie
wir handelnde Personen in einer von uns
subjektiv wahrgenommenen Welt sind,
und dass andere mit dem gleichen IchGefühl durch die Welt gehen, ist eine sehr
wesent liche Einsicht.
Entwickelt mein Gehirn das Ich-Modell
ganz alleine oder spielt dabei die
Umwelt, die Gesellschaft eine Rolle?
Sehr viele Schichten des menschlichen
Selbstmodells werden von außen geprägt.
Das beginnt schon sehr früh, indem das
Kleinkind zum Beispiel die Eltern imitiert
oder lernt, was richtig und was falsch ist.
Auch welche Meinung man von sich hat,
hängt von der Gesellschaft ab, in der man
lebt. Wenn uns viele Menschen zu verstehen geben, wir seien nichts wert, wird
unser Selbstmodell in eine ziemliche
Schieflage geraten.
Mein Ich gehört mir – haben Gruppen
ein Wir?
Natürlich haben soziale Verbände immer
ein Selbstmodell entwickelt. Stammesgeist, Volksseele, Religion, auch politische
Organisationsformen können eine starke
Gruppenkohärenz erzeugen. Das kann
einerseits gefährlich sein, das hat uns die
deutsche Geschichte gelehrt. Aber aus
so einem Wir-Gefühl, in dem das Ich sich
als Teil eines größeren Ganzen fühlt, kann
der Einzelne auch Kraft und Sicherheit
ziehen, die ihn trägt und stärker macht.
Kann man das auch auf Unternehmen
übertragen?
Sie meinen die „Corporate Identity“. Wenn
Mitarbeiter sich mit ihrem Unternehmen
identifizieren, dann wird die Firma Teil
ihres Selbstmodells. Das ist dann gefährlich, wenn sich ihre eigenen Wünsche
und Interessen nicht im Gegenzug in der
Unternehmenspolitik widerspiegeln –
die „Aneignung“ muss in beide Richtungen
verlaufen.
Interview PAUL LAMPE
LITERATURTIPP:
Thomas Metzinger, Der Ego-Tunnel. Eine neue
Philosophie des Selbst: Von der Hirnforschung
zur Bewusstseinsethik. Berlin Verlag, 2010.
Fotos plainpicture/fStop, privat
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HEUREKA! LÖSUNGEN VON BILFINGER
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STROM AUS ABGAS
Früher wurden Kraftwerksemissionen
nur entgiftet. Heute sollen sie
selbst zu Energieträgern werden.
Dass man in den Sechzigerjahren
des vergangenen Jahrhunderts
über Umweltschutz nachzudenken
begann, bezeugen Fabrik- und
Kraftwerksschlote: Man baute sie
höher, um die Belastung der Anwohner zu verringern. Der Umwelt
half das wenig, denn Schwefelund Stickoxide verteilten sich dadurch lediglich über ein größeres
Areal. Abhilfe brachten erst neue
Techniken zur Rauchgasreinigung,
die seither immer weiter verfeinert
werden: Die giftigen Stickoxide
werden geknackt und in Stickstoff
und Wasserdampf aufgespalten.
Rußpartikel werden elektrostatisch
aufgeladen und von einem Filter
eingesammelt. Schwefeldioxid
lässt sich mithilfe einer Kalzium lösung aufspalten und in Gips über führen, der sogar von der Bau industrie genutzt werden kann.
Letzteres, die Entschwefelung,
ist eine Spezialität von Bilfinger
Power Systems. Nahezu 100 Prozent des bei der Kohleverbrennung
anfallenden Schwefeldioxids kann
das Unternehmen unschädlich
machen. Ergänzt wird das System
durch „Powerise“, ein Wärmenutzungssystem, mit dem sich Prozessabwärme erneut in den Kreislauf
einspeisen und so der CO 2-Ausstoß
weiter reduzieren lässt. Im 670
Megawatt mächtigen Block R des
sächsischen Braunkohlekraftwerks
Boxberg werden auf diese Art 35
Megawatt Wärmeenergie in 7,5
Megawatt Strom umgewandelt. Im
Steinkohlekraftwerk Mehrum in
Niedersachsen werden aus überschüssigen 30 Megawatt Wärme
6,5 Megawatt Strom.
Bis zu 1,5 Prozentpunkte kann
der Wirkungsgrad von Kraftwerken
durch den Einsatz von Powerise
steigen. Zwar wurde das Verfahren bereits vor dreißig Jahren entwickelt, doch nun erst setzt es
sich weltweit als Standard durch.
Im polnischen Kraftwerk Lagisza
läuft eine hochmoderne Anlage
und in Turów ist eine geplant. In
Finnland wird Powerise in der Biomasseverbrennung eingesetzt –
das könnte ein wichtiges Feld für
die Zukunft sein.
Fotos 34–36 creativity103.com, creativecommons.org, Patrick Llewelyn-Davies/veer, CERN
BILFINGER
MAGAZIN
01.2013
SENSORTECHNIK
OPTIMIERTER STROMVERBRAUCH
Bis zu 40 Prozent Strom im Jahr kann Alstom bei der
Beleuchtung seiner Produktionsstätte im schweizerischen Birr einsparen. Zu diesem Ergebnis kam Bilfinger
in einem Pilotversuch. Möglich wird die Energieoptimierung durch moderne Sensortechnik und das Ankoppeln des Beleuchtungssystems an die bestehende
Gebäudeleittechnik, sodass sich die Helligkeit zonen weise und je nach Tageszeit regulieren lässt. Das
Einspar potenzial ist so überzeugend, dass das Schweizer Bundesamt für Energie rund 40 Prozent der Inves titionskosten zuschießt. Die Amortisationszeit beträgt
rund dreieinhalb Jahre.
AB IN DEN UNTERGRUND
Auch der kanadische Stromkonzern
SaskPower wird das System verwenden, das Bilfinger für dessen
Kohlekraftwerk in der Provinz Saskatchewan plant und liefert. Dort
soll erstmals im industriellen
Maßstab CO 2 aus Rauchgas abgeschieden, komprimiert und in den
Untergrund gepresst werden (CCS,
„Carbon Capture and Storage“).
Bilfinger war bereits an einer entsprechenden Versuchsanlage
von Vattenfall in Brandenburg beteiligt. Der modernisierte Kraftwerksblock in Saskatchewan wird
2014 ans Netz gehen. Das ge speicherte CO 2 soll dann per Pipeline zum 100 Kilometer entfernten
Weyburn-Ölfeld gehen und dort
genutzt werden, um Öl aus den
tiefen Gesteinsschichten zu drücken.
VERSCHLEISSMATERIAL
LÄUFT
WIE GESCHMIERT!
Wie tauscht man punktgenau Verschleißteile
aus, also weder zu früh noch zu spät?
Erich Meyer, leitender Ingenieur bei Bilfinger
Industrial Services in Linz, beschäftigt sich
mit diesem Thema. Er hat den „VibraCheck“
marktfähig gemacht, der Schwingungen von
Getrieben und Pumpen misst und Prognosen
erstellt, wann genau sie ausgewechselt werden müssen. Meyer hat auch den „zustandsorientierten Schmiermitteltausch“ entwickelt.
Das Verfahren analysiert, ob Schmieröle
im gewohnten Zweijahresrhythmus erneuert
werden müssen oder ob sie vielleicht deutlich
länger halten. Mit diesen Entwicklungen
bietet Bilfinger seinen Kunden aus der Prozessund Fertigungsindustrie Einsparpotenziale.
Für sein Engagement im Sinne der Kunden
wurde Erich Meyer mit dem Mitarbeiterpreis
„Bilfinger’s Best“ ausgezeichnet.
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BILFINGER
MAGAZIN
01.2013
HEUREKA! LÖSUNGEN VON BILFINGER
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BAHNBRECHEND
MAGNETE HELFEN
HIGGS-TEILCHEN
ZU FINDEN
In Genf haben die Forscher am Teilchenbeschleuniger Cern das lange
gesuchte Higgs- Teilchen gefunden. Es war der letzte unbekannte
Baustein der Materie, die Entdeckung gilt für die Wissenschaft als
bahnbrechend. Das Higgs-Teilchen ist der Urheber der Masse und
sorgt damit dafür, dass die Grundbausteine der Materie zusammenhalten und miteinander wechselwirken. Babcock Noell, ein Unternehmen
der Bilfinger-Gruppe, hat die Hightech-Magnete hergestellt, die in
der Versuchsanlage die Elementarteilchen auf ihrer Bahn halten, wenn
sie fast auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden. Auch für die
Beschleunigungsanlage Fair in Darmstadt fertigt und liefert Bilfinger
113 supraleitende Magnete.
LANGSTRECKEN-
LÄRMSCHUTZ
GLASDACH GEGEN GETÖSE
Jahrelang wurde über den sechsspurigen Aus bau der A 1 bei Köln-Lövenich gestritten, denn
die Häuser von Lövenich stehen teilweise direkt
an der Trasse. Der Lärm wäre für Anwohner
unerträglich gewesen. Jetzt ist die Lösung da:
ein 30 000 Qunadratmeter großes Glasdach.
Das 1,5 Kilometer lange Dach, das aus 1500
Einzelmodulen mit insgesamt 20 000 Glasschei -
INNOVATIONSPREIS
MESSTECHNIK
IM KOFFER
ben zusammengesetzt wurde, sitzt auf Stahlbetonwänden und wölbt sich über die Ausbau strecke. Die sogenannte Einhausung senkt
den Lärmpegel für die Anwohner um zwei Drit tel. Bilfinger Construction hat das Bauwerk
schlüsselfertig erstellt und wird es einschließ lich der Verkehrs- und Betriebstechnik zehn
Jahre lang warten und instand halten.
Bilfinger Hochbau hat ein transportables
Monitoringsystem entwickelt, das Energieströme in Gebäuden transparent macht
und Kostentreiber aufspürt. Die Daten
werden mit Sensoren erfasst, zu einem
Messkoffer geleitet und analysiert. So
kann etwa bei einem älteren Mehrfamilienhaus der Heizenergiebedarf durch
Was ist eigentlich ein ...
eine bessere Kesseleinstellung und
die Anpassung der Vorlauftemperaturen
um bis zu 15 Prozent gesenkt werden.
Im Jahr 2012 wurde die Messtechnik
im Koffer mit dem Innovationspreis der
Metropolregion Rhein-Neckar für innovative Lösungen zur Energieeffizienz aus gezeichnet.
MOLCH?
Neulich, in Nord-Texas, drehte ein Molch durch. Er schoss
aus seinem dunklen Gang, flog 150 Meter und durchschlug die Mauer eines Hauses. Niemand verletzte sich
dabei, aber über die Schlagkraft des Molches wunderten
sich die Einwohner der Stadt Grand Prairie schon. Was
mit dem Molch nach diesem Unfall geschah, ist nicht
überliefert, womöglich landete er auf dem Schrott; handelte es sich doch um ein Gerät zur Überprüfung einer
Gas-Pipeline.
Molche sind Laufkörper. Einer Rohrpost gleich werden
sie in Leitungen eingesetzt und verrichten auf ihrer
Reise verschiedenste Jobs. Meist treiben Wassermassen
sie an, auch Druckluft oder Gasdruck presst sie durch
die Leitung. Zuweilen legen sie dort Dutzende von Kilometern zurück – das sind die Langstreckenmolche. Sogenannte dumme Molche reinigen Pipelines von Ölrück-
ständen, während die intelligenten ihrer Art mit Ultraschall Korrosionen aufspüren oder per GPS den Leitungs verlauf dokumentieren. Molche nennt man sie, weil
Ingenieure in Deutschland vor hundert Jahren einmal
auf ihren Laufkörper am Ende einer Leitung warteten –
und stattdessen auf seinen tierischen Vetter trafen.
Molche durchpflügen Schläuche von kleinen Farbspritzpistolen mit einem Durchmesser von sechs Millimetern bis zu Pipelines mit einem Kaliber von 1,80 Meter.
Bilfinger Piping Technologies nimmt ihre Dienste häufig
in Anspruch. Auch in James-Bond-Filmen sind sie bereits
aufgetreten. Mal schmuggelte ein Langstreckenmolch
einen Spion im Kalten Krieg durch den Eisernen Vorhang
hindurch, mal transportierte er eine Atombombe. Molche
sind einfach Tausendsassas.
Text JAN RÜBEL | Illustration SKIZZOMAT
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BILFINGER
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DIE NÄCHSTE KURVE IST IMMER DIE SCHÖNSTE: Marvin genießt den Kick im „Alpenexpress“, während sich der Spaß seiner Mutter wohl eher in Grenzen hält.
BÜRSTEN, SAUGEN, LEDERN: Vor 50 Jahren ließen sich zwei Augsburger Unternehmer eine „selbsttätige Kraftfahrzeug-Waschanlage“ patentieren. Heute drehen in
Den Europapark im badischen Rust besuchen jedes Jahr weit über vier Millionen Menschen, trotz der oft stundenlangen Wartezeiten an den Fahrgeräten und der beacht-
1400 deutschen Waschstraßen die nassen Bürsten, unter die an sonnigen Samstagen schon mal 500 Wagen kommen. Wer auf sein Auto hält, vervollständigt das Reini-
lichen Eintrittspreise.
Foto ERIC VAZZOLER
Bilfinger wirbt mit „German Engineering“ – hochwertiger Arbeit, erbracht von fleißigen Mitarbeitern. Sind die
Deutschen wirklich so arbeitsam? Was machen sie etwa am Wochenende? Fotografen machten sich auf die
Suche nach einem typischen deutschen Samstag.
EIN
DEUTSCHER
SAMSTAG
gungsritual anschließend mit Polierleder und Staubsauger, wie hier in Essen.
Fotos FRANK SCHULTZE
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BILFINGER
MAGAZIN
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WETTER GUT, WIESE FREI – VOLLGAS: Jens Wellpott vom Modellbauclub Jever hält seinen Doppeldecker „Gemini“ vorschriftsmäßig in den Wind. Die Landebahn ist
frisch gemäht. Der Propeller dreht hoch, gleich wird Wellpott das Modellflugzeug, Spannweite 92 Zentimeter, in Loopings und Sturzflüge steuern. „Kommt mir manchmal
so vor, als säße ich drin“, sagt der Jugendwart des Clubs.
Foto KATHRIN HARMS
SELBST IS DER MANN: Die Mehrheit der Deutschen lebt im Eigenheim. Um Kosten zu senken, nehmen sie Bau und Erhalt gerne in die eigene Hand: Rund 30 Millionen
Menschen hierzulande bezeichnen sich als Heimwerker. Nur ein Tag in der Woche kommt dafür in Frage, der Samstag. Dann wird gemeinsam angepackt. Im rheinischen
Kerpen legen Walter Freitag und sein Schwiegersohn gemeinsam Hand an und gestalten den Vorgarten neu.
Foto LUKAS COCH
„GEHSE INNE STADT, WAT MACHT DICH DA SATT?“ So fragte Herbert Grönemeyer im Ruhrpott-Slang schon 1982, um die Antwort selbst zu geben: „Ne Currywurst!“
Im Jahre 1949 bot Herta Heuwer in ihrem Imbissstand an der Berliner Kantstraße als Erste eine in Scheiben geschnittene, in Tomatensoße ertränkte und mit Currypulver
bestreute Bratwurst an. Im „Profi-Grill“ in Wattenscheid wird sie nach eigenem Rezept zubereitet und auf Porzellantellern gereicht.
Fotos FRANK SCHULTZE
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SECHS KREUZE FÜR DAS GROSSE GLÜCK: Woche für Woche lockt der Traum von den sechs Richtigen rund 21 Millionen Spieler in die 23 000 Lotto-Annahmestellen
der Republik. Lotto kann man jetzt zwar auch im Internet spielen. Doch Kioskbetreiber, wie Gerda Rauh und ihr Mann im württembergischen Murrhardt, bauen auf ihre
Stammkundschaft: Die Leute kommen auch zum Plaudern.
Foto VOLKER HOSCHEK
AUCH HEUTE IST EIN TAG DER ARBEIT: Wenn es um ihren Garten geht, kennen der Rudersberger Rentner Kurt Wurst und seine Frau keinen Ruhetag. Sie sind nicht
die Einzigen. Kleinmotorenlärm prägt den Samstag der Dörfer und Vorstädte. Um das heimische Grün kurz zu halten, stehen rund fünf Millionen Benzinrasenmäher
in Deutschland bereit.
Foto VOLKER HOSCHEK
NACHWUCHS GESICHERT: Marlene von der Spvgg Rommelshausen kontrolliert die Spielerpässe ihrer Kameradinnen. Knapp sieben Millionen Mitglieder hat der
Deutsche Fußballbund. Den Anstieg der weiblichen Mitglieder auf insgesamt rund 1,1 Millionen Frauen und Mädchen führt die DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg
auf die spannende Frauen-WM 2011 in Deutschland zurück.
Fotos RAINER KWIOTEK, ULI REINHARDT
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Julius Berger war mit Leib und Seele
Bauunternehmer. Das Bild zeigt ihn
1925 im Kreis von Mitarbeitern auf der
Baustelle des Teliu-Tunnels in Rumänien.
ANDENKEN AN JULIUS BERGER
Vor 150 Jahren wurde Julius Berger geboren,
Gründervater einer der drei Vorgängergesellschaften von Bilfinger.
Zu seinem Andenken stiftet das Unternehmen einen Preis.
Bilfingers Wandel vom Bau- zum Engineering- und
Servicekonzern ist nicht die erste bemerkenswerte Metamorphose in der langen Firmengeschichte. Die erste
vollzog sich, als Julius Berger 1890 den Auftrag für den
Bau einer gut zwei Kilometer langen Chaussee erhielt –
er war eigentlich Inhaber eines Fuhrunternehmens, das
er als nicht einmal Zwanzigjähriger von seinem Vater
übernommen hatte. Fünf Jahre später gründete er seine
erste Baufirma, aus der 1905 die Julius Berger Tiefbau
AG und später die Bilfinger + Berger Bauaktiengesellschaft hervorgehen sollten.
Julius Berger war, was man heute
einen Selfmademan nennen würde.
Aus einer einfachen jüdischen Familie
stammend, gelang ihm der Aufstieg zu
einem der bedeutendsten Bauunternehmer der Weimarer Republik. Geboren
1862 im westpreußischen 3000-SeelenStädtchen Zempelburg, 125 Kilometer
südwestlich von Danzig, schickte ihn
sein Vater bereits mit zwölf Jahren nach
Berlin, um bei einer Ledergroßhandlung in die Lehre zu gehen. Drei Jahre
später, 1878, kehrte er zurück in das
Fuhrunternehmen der Familie. Statt Getreide transportierte er immer öfter Baumaterialien. Auf
diese Weise – und durch seinen eigenen kleinen Chaussee-Auftrag – lernte er die Baubranche immer besser kennen. Als er genug gelernt hatte, wechselte er das Gewerbe.
1910 verlegte Berger seine Firma, die mittlerweile mit
Straßen-, Kanalisations- und Eisenbahnbauarbeiten in
den preußischen Ostprovinzen zu einem bedeutenden
Unternehmen geworden war, nach Berlin. 1911 folgte
der erste Auftrag im Ausland: Zwischen Zürich und
Basel baute er den acht Kilometer langen Hauen steinBasistunnel. Dieser Auftrag wurde zu einem Meisterstück, das Erfolgsprämien und gesellschaftliches Renommee brachte.
Nach dem Ersten Weltkrieg nahm Berger als Vertreter der deutschen Bauwirtschaft an den Friedensverhandlungen in Versailles teil. Würden Frankreich und
Deutschland sich weiter voneinander entfernen, warnte er, würde das „sicher nicht zum Wohle des deutschen
Volkes beitragen“. In der Weimarer Republik stieg seine
Firma zu einem der wichtigsten Bauunternehmen auf.
An der Erweiterung des Berliner U-Bahn-Netzes war
Berger ebenso beteiligt wie am Ausbau des Königsberger Hafens und der Konstruktion von Neckar-Staustufen bei Heidelberg. Auch im Ausland war seine Firma
zunehmend tätig, in der Türkei und dem Iran, in Rumänien und Ägypten.
Nachdem die Nationalsozialisten in
Deutschland die Macht übernommen
hatten, erging es Julius Berger wie vielen anderen jüdischen Unternehmern.
Unter dem Druck antisemitischer
Propaganda trat er Ende 1933 als Vorstandsvorsitzender seiner Firma zurück. Zwei seiner Töchter wanderten
nach Uruguay aus, den Sohn einer verstorbenen Tochter brachte er in der
Schweiz in Sicherheit. Im September
1942 wurden Flora und Julius Berger
ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo sie an Hunger und
Entkräftung starben. Noch wenige Wochen vor der Deportation notierte Berger: „Ich habe
nicht angenommen, dass ich, der ich in Deutschland
geboren und erzogen wurde … und für das deutsche
Wirtschaftsleben schon von jungen Jahren an eine
erfolgreiche Tätigkeit ausübte, mein Vaterland würde
verlassen müssen. Aus diesem Grunde habe ich die Auswanderung für mich und meine Frau nicht betrieben.“
Um das Andenken an diese große Unternehmer persönlichkeit zu bewahren, stiftet Bilfinger den JuliusBerger-Preis. Mit dem Preis sollen mutige unternehmerische Initiativen zur Stadtentwicklung Berlins ausgezeichnet werden. Im Geiste seines Namensgebers soll er
Anreiz sein, Berlin zu einem Ort kultureller und sozialer Vielfalt zu machen. Der Preis, den Bilfinger und der
Verein Architekturpreis Berlin e. V. gemeinsam auslo|
ben, wird 2013 erstmals vergeben.
Text MARTIN KRAUSS
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BILFINGER NEWS
Bilfinger sponsert Film
2013 ist Wagner-Jahr. Zum 200. Geburtstag des Komponisten setzt sich das Nationaltheater Mannheim als traditionelle
Wagner-Bühne völlig neu mit dem
Opernzyklus „Ring des Nibelungen“ auseinander. Regie führt Achim Freyer, einer
der bedeutendsten Theatermacher der
Gegenwart. Er schafft ein bildgewaltiges
Gesamtkunstwerk, in dem Musik, Dichtung, bildende Kunst und Theater miteinander verschmelzen.
Die Produktion wird durch den Filmemacher Rudij Bergmann dokumentiert.
Er begleitet den Regisseur bei der Arbeit
und öffnet den Blick für den Schaffensprozess des Ausnahmekünstlers. Neben
dem Dokumentarfilm entsteht eine
Aufzeichnung des vierteiligen Opernzyklus. Bilfinger ist Hauptsponsor des
Filmprojekts.
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Wasserprojekt
für Mexico City
Erdgas aus den
Niederlanden
Der neue 60 Kilometer lange Abwassertunnel „Emisor Oriente“ gilt als eines der
wichtigsten Abwasserprojekte der Welt.
Er soll verhindern, dass Mexiko-Stadt
in der Regenzeit in seinem eigenen Abwasser steht, denn das fünfzig Jahre alte
Kanalnetz ist marode und für die mittlerweile 25 Millionen Einwohner viel zu
klein ausgelegt.
Im Oktober 2012 wurde der erste, zehn
Kilometer lange Bauabschnitt fertig gestellt, der unglaubliche 150 000 Liter
Regen- und Abwasser pro Sekunde durchleiten kann. Bilfinger hat zwei der überirdischen Pumpstationen mit vollautomatischen Rechen ausgestattet. Bis in
30 Meter Tiefe hinab reichen die Rechen gestelle, die Treibgut aus dem Kanal sammeln und an die Ober fläche befördern.
Im Jahr 2014 soll der Abwassertunnel
fertiggestellt sein. Bilfinger ist am Ausbau des Kanalnetzes von Mexiko-Stadt
seit vielen Jahren beteiligt und liefert sowohl Rechen als auch Absperrschieber, mit
denen sich Kanäle zur Wartung oder bei
Notfällen komplett verschließen lassen.
Die Niederlande sind der größte Gas pro duzent Europas. Rund 75 Prozent der
Produktion werden durch den Gasversor ger NAM vertrieben. Der zur BilfingerGruppe gehörende Engineering-Spezialist
Tebodin hat jetzt gemeinsam mit Partnern das komplette Engineering sowie
Beschaffung und Montagearbeiten für
alle Onshore-Anlagen von NAM übernommen. Tebodin trägt dabei die Verantwortung für Planung und Ingenieurtechnik,
während die Partner für die Bau- und
Montagearbeiten zuständig sind. Das
Konsortium wird über die Vertragsdauer
von fünf Jahren Leistungen im Gesamtwert von mehreren hundert Millionen
Euro erbringen. Erdgas gilt als der um weltfreund lichs te fossile Energieträger.
Die CO 2 -Emissionen liegen 50 bis 70 Pro zent nied riger als bei Kohle.
Fotos 123RF Stock Foto, EUREF AG
BILFINGER
MAGAZIN
01.2013
Mehr Nachhaltigkeit
Mini-Kraftwerk
Bilfinger hat seinen ersten Nachhaltigkeitsbericht vorgelegt und eine Entsprechenserklärung zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex abgegeben. In Zukunft
wird das Unternehmen sein Engagement
im Ressourcenschutz und bei der Verbesserung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen weiterausbauen und systematisch dokumentieren.
Gleichzeitig positioniert sich Bilfinger
als Anbieter nachhaltiger Leistungen
und Lösungen, die für Kunden aus Indus trie und Immobilienwirtschaft nach
dem Baukastenprinzip zusammengestellt
werden können. Die Komponenten reichen von Zustandsanalysen bis hin zur
Umsetzung von Einsparmaßnahmen mit
entsprechenden Garantien. „Insbeson dere das Thema Energieeffizienz nimmt
in der Politik und bei Kunden großen
Stellenwert ein“, sagt Albert Filbert, der
seit Mai 2012 den Bereich Sustainability
Projects leitet. Bei Strom, Wärme und
Druckluft ergäben sich die größten Einsparpotenziale.
Dass in der künftigen Energieversorgung
dezentrale Kraftwerke immer wichtiger
werden, ist absehbar. Jetzt hat Bilfinger
Power Systems zusammen mit der Technischen Universität Cottbus eine Mikrogasturbine entwickelt, die Krankenhäuser, Schulen oder Fabriken mit Strom
versorgen kann. Die Verwendung von
Faul- und Biogasen macht sie besonders
umweltfreundlich, die Abwärme kann in
den Klimaanlagen der Gebäude genutzt
werden. So erreicht das Mini-Kraft werk
höchste Wirkungsgrade. Im Dortmunder
Werk von Bilfinger Power Systems wird
jetzt der Prototyp erprobt. Er produziert
315 000 Kilowattstunden Wärme und
155 000 Kilowattstunden Strom – damit
könnte sich sogar ein kleines Dorf selbst
versorgen.
Berlin baut
CO2-neutrales Viertel
Rund um das Schöneberger Gasometer
in Berlin entsteht das größte CO 2 -neutrale Stadtquartier Europas. Das Büround Wissenschaftsviertel auf dem sogenannten EUREF-Campus soll zu einem
Zentrum für Innovationen und Zukunftsprojekte werden. Zum Konzept gehören
unter anderem die Energieversorgung
durch regenerative Energien, ein lokales
„Micro Smart Grid“ und energetisch
optimierte Gebäude.
Der erste Neubau auf dem fünf Hektar großen Areal wurde von Bilfinger
Hochbau schlüsselfertig errichtet. Die
vollautomatisierte Gebäudetechnik sorgt
für minimalen Verbrauch. Das Bürohaus
ist mit dem Nachhaltigkeitslabel LEED
in Gold zertifiziert.
Wissenschaftliche Institute und internationale Unternehmen unterstützen
die Entwicklung des Campus. Auch Berlins größtes Modellprojekt für energieeffiziente urbane Verkehrskonzepte ist
dort angesiedelt. Seit dem Wintersemester 2012/2013 bietet die TU Berlin auf
dem Gelände drei Masterstudiengänge
zum Thema „Stadt und Energie“ an.
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ZUKUNFT
Wer eine richtig gute Mannschaft
will, muss Menschen mit unterschiedlichen Eigenschaften zusammenbringen.
Das zeigen Untersuchungen zur kollek tiven Intelligenz, in denen gemischte
Gruppen deutlich besser abschneiden als
reine Frauen- oder Männerteams. Auch
die Studienreihe „Women Matter“ der Unternehmensberatung McKinsey bestätigt das. Unternehmen, die es schaffen,
Frauen in die Vorstandsetage zu holen,
sind unterm Strich erfolgreicher: Sie haben eine höhere Wertschöpfung, höhere
Profite und wirtschaften nachhaltiger.
So weit die Forschung. Die Realität
sieht oft anders aus. Obwohl in Deutsch land fast 80 Prozent der Frauen einem
Beruf nachgehen, sind sie auf allen Führungsebenen unterrepräsentiert, das
belegt eine gemeinsame Analyse der 30
Dax-Unternehmen. Je größer ein Unternehmen ist, desto weniger Frauen sind in
leitenden Funktionen. Zukunftsträchtig
ist das nicht, denn Fachkräfte sind rar
und viele hoch qualifizierte Frauen würden sich gerne beruflich ent wickeln,
wenn denn Beruf und Familie besser in
Einklang zu bringen wären.
DAS IST CHEFSACHE!
Anders als derzeit noch viele Männer
ver zichten Frauen häufig auf Führungsaufgaben, wenn dadurch die Zeit für
die Familie zu knapp wird oder die Arbeitskultur nicht ihren Vorstellungen
entspricht. Prominente Beispiele: Angelika Dammann und ihr Rückzug aus
dem SAP-Vorstand nach gerade mal einem Jahr. Oder Anne-Marie Slaughter,
Planungsstabschefin von Hillary Clinton,
die ihr Amt zurückgab, weil es nicht mit
ihren Auf gaben als Mutter von zwei
Teenager- Söhnen zu vereinbaren sei.
Um Beruf und Privates besser verbinden zu können, ist einerseits die Politik
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ERFOLG
MIT
FAMILIE
Um im Wettbewerb
bestehen zu können,
müssen Unternehmen ihre
Familienfreundlichkeit
verbessern.
Nur so finden sie
Frauen für Führungsjobs.
Ein Gastbeitrag von
Gisela Erler
gefordert. Wir brauchen ausreichend
Kindergärten, Kinderkrippen und Ganztagsschulen. Wir brauchen ein umfassendes Betreuungsangebot, das heute
längst nicht mehr nur Kinder, sondern
auch pflegebedürftige Eltern einschließt.
Andererseits brauchen wir aber auch
Chefs, die Fa milienleben ermöglichen
und vorleben. Wenn Frauen mehr arbeiten, müssen Männer sich zwangsläufig
mehr um die Kinder und alte Familienmitglieder kümmern. Also braucht in
Zukunft nicht nur der weibliche, sondern
auch der männ liche Führungsnachwuchs Raum, diese Pflichten zu erfüllen.
Wenn die Firmenspitze abends um acht
noch das Licht anhat und schaut, ob es
bei den Mitarbeitern ebenfalls brennt,
funktioniert die Integration von Beruf
und Familie nicht.
Porträt Thomas Kienzle
BILFINGER
MAGAZIN
01.2013
...
UND BEI BILFINGER?
GESTERN Im Sommer 1962 traten 37 Kinder von
Berliner Mitarbeitern des Unternehmens Grün &
Bilfinger eine Urlaubsreise in den Westen an. Drei
Wochen lang durften sie auf Kosten des Unternehmens in einem Landschulheim im Odenwald
verbringen: eine Entlastung der Eltern in schwierigen Zeiten, denn im Jahr zuvor hatte sich die
Mauer um Berlin geschlossen. Die Bilfinger-Ferienfreizeit gibt es bis heute, mittlerweile führt sie Mitarbeiterkinder aus ganz Deutschland zusammen.
HEUTE Bei Bilfinger sind Frauen unterrepräsentiert. Nur knapp 16 Prozent beträgt ihr Anteil im
Unternehmen, in Führungspositionen gelangen
rund sieben Prozent. Im Jahr 2011 startete Bilfinger deshalb eine Reihe von Programmen und
legte die bessere Vereinbarkeit von Beruf und
WER MACHT KARRIERE?
Familie als übergeordnetes Konzernziel fest. Bis
Unternehmen, die sich für die Zukunft
fit machen wollen, müssen viel stärker
als bisher auf die unterschiedlichen
Lebensentwürfe von Mitarbeitern eingehen und lernen, sie zu respektieren. Es
geht nicht darum, dass künftig niemand
mehr 60 Stunden in der Woche arbeitet.
Es geht darum, dies nicht zur Voraus setzung für die berufliche Entwicklung
|
zu machen.
zum Jahr 2020 soll die Zahl von Frauen in Führungspositionen dem Anteil an der Gesamtbelegschaft entsprechen. Um Mitarbeiter mit Familien
insgesamt zu stärken, arbeitet Bilfinger seit 2012
in Deutschland mit dem pme Familienservice von
Gisela Erler zusammen.
MORGEN Die Beschäftigung mit dem Thema
Familie und Karriere ist ein Pflichtthema an weiterführenden Schulen. Bilfinger lud Heidelberger
Gymnasiasten zu einem Workshop ein: Wie
stelle ich mir mein Leben vor? Wie soll die Arbeitswelt gestaltet sein? Ergebnis: Unternehmen
GISELA ERLER ist Politikerin, Wissenschaftlerin
müssen für die Vereinbarkeit von Privat- und Ar-
und Unternehmerin. 1991 gründete sie den pme
beitsleben mehr leisten, um junge Menschen
Familienservice, ein Unternehmen, das Dienstleis-
für sich zu interessieren. Dies bestätigt auch die
tungen für Familien anbietet, die von der Kinder-
Universum Studie 2012. Befragt nach den wich-
Notbetreuung bis zur Unterstützung pflegebedürf-
tigsten Kriterien für die Wahl ihres Arbeitgebers,
stehen bei männlichen wie weiblichen Studieren-
tiger Angehöriger reichen. Auch Bilfinger arbeitet
mit pme zusammen. 2011 wurde Gisela Erler als
LITERATURTIPP
den nicht Geld oder Aufstiegschancen an erster
ehrenamtliche Staatsrätin für Zivilgesellschaft und
Gisela Erler, Schluss mit der Umerziehung!
Stelle, sondern die Möglichkeit, Beruf und Familie
Bürgerbeteiligung in die grün-rote Landesregie-
Vom artgerechten Umgang mit den Geschlechtern.
in Einklang zu bringen.
rung von Baden-Württemberg berufen.
Heyne Verlag, 2012.
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BILFINGER
MAGAZIN
01.2013
INNENLEBEN
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RUND 65 000 MENSCHEN ARBEITEN FÜR BILFINGER. JEDER HAT SEINE EIGENE GESCHICHTE.
KAREN SCHENKELBERG
Karen Schenkelberg, 54, gehört zum Führungsteam von Bilfinger Industrial
Services in Ballwin, Missouri. Aufgewachsen ist sie in einer kleinen christlichen
Gemeinde. Ihren Wurzeln ist sie treu geblieben.
Was war das größte Glück Ihrer
Kindheit?
Nach dem Abendbrot bis spät in die
Nacht hinein mit den Nachbarkin dern herumzutollen. Wir sind Fahrrad
gefahren, haben Ball und Versteck
gespielt. Und die Eltern saßen gemeinsam draußen, schauten dabei zu und
unterhielten sich.
Ihre größte Leistung?
Dass ich mit meinem Mann zwei
Kinder großgezogen habe, die zu verantwortungsbewussten Menschen
herangewachsen sind. Kevin ist jetzt
24 Jahre alt und arbeitet im Einzel handel. Jennifer ist 25 und arbeitet
bei Starbucks. Gerade ist sie dabei,
eine neue Kirchengemeinde mit aufzubauen.
Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Ich gehe mehrmals in der Woche noch
vor der Arbeit schwimmen. Als Kind
habe ich den ganzen Sommer im
Swimmingpool unserer Kirchengemeinde verbracht.
Wofür sind Sie dankbar?
Die Zeit beim Schwimmen oder wenn
ich Gartenarbeit mache. Das sind
die einzigen Gelegenheiten am Tag, wo
ich in Ruhe nachdenken kann.
Ich möchte mit meinem Mann drei
Monate lang durch die amerikanischen Nationalparks touren. Einfach
draußen im Zelt übernachten und die
Natur genießen.
Für meinen Glauben. Er erfüllt mich
mit Hoffnung.
Gibt es etwas, das Sie in Ihrem
Leben auf jeden Fall noch machen
Wie viel Zeit am Tag gehört Ihnen? möchten?
Was ist Ihr Lieblingswort?
Familie. Ich verbinde damit Wärme
und Geborgenheit. Meine Freunde gehören zur erweiterten Familie.
Wohin würden Sie auf keinen Fall
reisen?
Zum Mond, denn ich hasse lange Flüge.
Welche Fehler entschuldigen Sie
am ehesten?
Was schätzen Ihre Freunde am
meisten an Ihnen?
Vergesslichkeit. Allerdings schreibe
ich mir selbst immer Listen, was ich
alles nicht vergessen darf …
Dass ich ihnen offen und ehrlich meine
Meinung sage.
Was verstehen Sie unter Heimat?
Nein, aber mir fallen unzählige Lieder
ein, die ich mir mit meinem Unter wasser-MP3-Player beim Schwimmen
anhöre.
Können Sie ein Gedicht auswendig?
Da muss ich an eine Fernsehserie aus
den Fünfzigerjahren denken, „Leave it
to beaver“. Dort geht es um Kinder in
einer perfekten Nachbarschaft: Die
Mütter kochen, die Väter arbeiten viel.
So bin auch ich aufgewachsen, in einer
kleinen christlichen Gemeinschaft.
Die Familien- und Freundschaftsbande
waren so eng, dass ich mich stets aufgehoben gefühlt habe.
Kennen Sie jemanden, der eine
wirklich gute Ehe führt?
Mein Mann und ich! Wir haben uns
übrigens vor dreißig Jahren bei Bilfinger kennengelernt und auch im Beruf
viel zusammengearbeitet. Die Ehe
mei ner Eltern ist mein Vorbild: Sie
haben über sechzig Jahre zusammengelebt, es war eine lebenslange Liebe.
Wenn Sie Ihren Kindern nur einen
einzigen Ratschlag fürs Leben
geben könnten, welcher wäre das?
Beschäftige dich in deinem Leben mit
etwas, das dich erfüllt und glücklich
macht! Geld, Macht und Einfluss können
Glück nicht ersetzen.
Was ist das Beste an ihrer Arbeit?
Die Abwechslung. Kein Tag ist wie der
andere. Ich langweile mich niemals.
Was ist für Sie das vollkommene
irdische Glück?
Mit guten Freunden und der Familie
im Garten beim Barbecue zu sitzen.
Interview FRED FILKORN
Fotos PAUL NORDMANN, 123RF
BILFINGER MAGAZIN 01.2013
Herausgeber:
Bilfinger SE
Carl-Reiß-Platz 1– 5
68165 Mannheim
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