Reisebericht Toskana 2015

Transcription

Reisebericht Toskana 2015
Die Frauen Union NRW reist in die Toskana
geschrieben von: Bianca Seeger
Im Herbst des Jahres 2015 trifft eine mehr als 120 frau- und mannstarke Gruppe der Frauen Union
NRW am Flughafen von Pisa ein. Untergebracht in zwei typisch toskanischen Hotels im nahgelegenen
Ort Montecatini Terme. Die Lage bietet die Möglichkeit, sowohl den Kurort als auch die
höhergelegene Altstadt Montecatini Alto zu erforschen.
Unter sympathischer deutschsprachiger Reiseleitung erleben wir nicht nur die typische toskanische
Landschaft und geschäftig wimmelnde Stadtbesichtigungen, sondern haben auch besondere
Begegnungen u.a. mit einheimischen Vertretern der Politik und finden neue Bekanntschaften:
1. Pisa/Volterra
Die Stadt Pisa besuchen wir als erstes. Die am Fluss Arno liegende Stadt gehört zu den bekanntesten
Touristenstädten der Welt. Im Norden befindet sich die ‚Campo die Miracoli‘, der Platz der Wunder,
auf dem sich weißleuchtend der Dom, das Baptisterium, der Camposanto und der „Campanile“ – der
„Schiefe Turm von Pisa“ - erheben. Pisa ist aber auch eine Universitätsstadt, hier leben viele
Studenten. So ist Pisa in gewisser Weise eine zweigeteilte Stadt: einerseits ein Touristenzentrum und
andererseits die Studentenstadt, die einen völlig anderen Eindruck macht. Schon im 11. Jahrhundert
gelang es den Bürgern, Kaufleuten und Seefahrern von Pisa, die Stadt zu einer unabhängigen
Kommune zu machen, die für drei Jahrhunderte zu den sogenannten "Seefahrerrepubliken" Italiens
(neben Genua, Amalfi und Venedig) gehörte. Nach der erfolgreichen Teilnahme der Pisaner am
ersten Kreuzzug, der 1099 mit der Eroberung Jerusalems endete, erlangten sie viele Handelsvorteile
und besaßen bald Banken, Konsuln, Lager und Privilegien aller Art in vielen Häfen des Mittelmeeres.
Vor allem mit Genua war Pisa häufig im Krieg, um Handelswege und strategisch wichtige Territorien
im Mittelmeer unter seine Herrschaft zu bringen. Auf dem Land stand Pisa in ebenfalls häufig
kriegerischer Konkurrenz mit den toskanischen Nachbarrepubliken Lucca, Florenz und Siena.
Schließlich verlor Pisa im Jahr 1406 seine Unabhängigkeit an Florenz, das nach und nach fast die
gesamte Toskana unter seine Herrschaft nahm. In den darauf folgenden Jahrhunderten, zuerst unter
der Herrschaft der Medici aus Florenz und später als Teil des Großherzogtums Toskana verlor Pisa
seine ehemalige Macht und Bedeutung, auch wenn die Universität der Stadt, die schon 1343
gegründet worden war und die zu den berühmtesten und renommiertesten von Europa zählt, ihre
Bedeutung - bis heute - behielt. Der berühmteste Sohn der Stadt ist Galileo Galilei.
Weiter geht es nach Volterra (gehört zur Provinz Pisa), der ehemaligen Etruskerstadt, in 555 Metern
Höhe. Im 8. Jh. V. Chr. gab es auf dem Hügel eine etruskische Siedlung, die im 3. Jh. v.Chr. dem
römischen Reich angegliedert wird. Aus dieser Zeit stammt das Teatro Romano- Teatro di Vallebona
-, von dem noch große Teile erhalten sind. Dies und die dazugehörigen Thermalbäder wurden im
Zeitalter Augustus von der Familie Caecina außerhalb der Stadtmauern errichtet. Beim Bau des
Römischen Theaters nutzte man die natürlichen Gegebenheiten der Hügellandschaft. Volterra wird
durch die mittelalterliche Stadtmauer eingeschlossen. Mächtig ragt die Festung Fortezza Medicea
auf dem höchsten Hügel Volterras empor. Einst von den mächtigen Medici für militärische Zwecke
errichtet, diente sie bald darauf als Gefängnis. Zu sehen sind immer noch viele mittelalterlichen
Bauten und Paläste. Das Herz von Volterra bildet die Piazza dei Priori. Volterra ist die Stadt des
Alabasters, einem mineralischen Gips, der im Mittelalter auch im Fensterbau genutzt wurde, bevor
es Glas gab. Viele kleine Handwerks- und Kunstgeschäfte laden zum Verweilen und Stöbern ein. Beim
Bummel durch die mittelalterlichen ruhigen Gassen fühlt man sich zurückversetzt und kann den
Hauch der Vergangenheit spüren. Wo heute die Kirche San Michele steht, befand sich in der Antike
das Forum Romanum.
1
2. Florenz
Am folgenden Tag besuchen wir die größte Stadt der Toskana: Florenz (oder wie der Italiener sagt:
„Firenze“); nicht ohne vorher von einem höher gelegenen Aussichtsplatz den Blick auf die Hauptstadt
der Toskana zu genießen, deren Mittelpunkt der Dom und der Palazzo Vecchio sind. Die Stadt liegt an
den Ufern des Arno und des Mugnone. Es herrscht ein gemäßigtes aber ziemlich wechselhaftes
Klima, mit kalten Wintern und heißen Sommern. Von den Römern im ersten Jahrhundert vor Christus
gegründet, entsteht die Stadt unter dem Namen „Fiorentina“, die Blühende, am Fuße eines Hügels,
auf dem heute noch die ältere etruskische Stadt Fiesole liegt. Im ältesten Teil der Stadt kann man
immer noch die römischen Ursprünge der einstigen Kolonie von Caesar erkennen. Im typischen Stil
der römischen "Castra", durchlaufen die Stadt zwei Achsen. Im 15. Jahnhundert kommt sie unter die
Herrschaft der Familie Medici, welche später zu den Großherzögen der Toskana wurden. Tatsächlich
war dies das Zeitalter, in dem die Stadt den Höhepunkt ihres Ruhmes an Kunst und Kultur erlangte,
ihre politische und wirtschaftliche Machtstellung nutzend. Das Großherzogtum der Medici wurde im
18. Jahrhundert von den Lothringern abgelöst, bis es im Jahre 1860 dem Vereinigten Königreich von
Italien beitrat, dessen Hauptstadt es von 1865 - 1871 war. Während dieses Jahrhunderts war die
Stadt wieder ein wichtiges Kultur- und Kunstzentrum. Vom 13. bis zum 16. Jahrhundert war Florenz
scheinbar eine unerschöpfliche Quelle an italienischen Genies und Meisterwerken. Sowohl Dante als
auch Michelangelo wurden hier geboren, Boccaccio schrieb hier sein Werk 'Decameron'. Die
italienische Renaissance, wohl Europas reichste Kunst-Epoche, begann in Florenz als der Baumeister
Brunelleschi den Dom mit seiner hohen Kuppel fertig stellte. Leonardo da Vinci schaffte sich zwar
seinen Namen durch den Medici Hof, kam jedoch nicht mit der Philosophie des Hofes zurecht und
verließ daher 1482 Florenz, um nach Mailand zu gehen. Michelangelo (bis 1504) und Raffaello hatten
bereits eine neue künstlerische Atmosphäre in Florenz geschaffen, während Leonardo in Mailand
verknüpft war. Das wohl berühmteste Museum von Florenz befindet sich in den Uffizien, in denen
viele bekannte Werke von Botticelli, Leonardo da Vinci, Michelangelo, Titian und Rubens
untergebracht sind. Auf dem Palazzo Vecchio, direkt vor der einstigen Residenz der Medici, können
wir auch einen Blick auf den „schönsten Mann“ von Florenz werfen, den „DAVID“ von Michelangelo,
den er in jungen Jahren innerhalb drei Jahre fertigte. David war jener Hirtenjunge, der laut biblischer
Legende mit seiner Steinschleuder den Riesen Goliath besiegt hatte und anschließend zum König
wurde. Eine Stein gewordene Manifestation der Kraft des kleinen Florenz. Das Wappen von Florenz
begegnet uns überall: die Florentiner Lilie. Nicht fehlen darf natürlich die Besichtigung der Ponte
Vecchio (italienisch für Alte Brücke). Sie ist die älteste Brücke über dem Arno. Das Bauwerk gilt als
eine der ältesten Segmentbogenbrücken der Welt. Beim Rückzug der deutschen Truppen aus Florenz
im Zweiten Weltkrieg wurde der Ponte Vecchio als einzige Brücke der Stadt nicht zerstört, sondern
lediglich mit den Überresten der umliegenden zerstörten Gebäude versperrt. Ursprünglich wurde sie
von Gerbern und Schlachtern genutzt, später ließen sich hier die Juweliere nieder. Bis heute gibt es
viele Schmuckgeschäfte dort.
Cinque Terre
Der heutige Tag wird der ruhigste der Ausflüge und ist recht erholsam. Mit dem Zug und dem Boot
3.
brechen wir auf zu den „Cinque Terre“, von denen wir aber nur zwei bis drei Dörfer besuchen
werden. Steile Klippen, kleine Dörfer und wunderschöne Weinberge: so präsentiert sich die ligurische
Region „Cinque Terre“ – nur wenige Kilometer südöstlich von Genua. Hierbei handelt es sich um fünf
hübsche, bizarr auf Felsen verbaute kleine Dörfer. Sie liegen sehr nahe beieinander und ähneln sich
stark. Riomaggiore ist das größte der fünf Dörfer, mit etwa 1600 Einwohnern. Aussicht, Ruhe und
Bootsfahrt konnten wir alle genießen und gestärkt die folgenden Ausflüge antreten.
2
4. Siena / San Gimignano
Siena, erbaut auf drei Hügeln und eingeschlossen von gut erhaltenen Stadtmauern, gelegen im
Herzen der Toskana, hat die Stadt ihr mittelalterliches Aussehen und einzigartige Atmosphäre
bewahrt. Nach einer Legende soll der Sohn von Remus, Senio, die Stadt Siena gegründet haben und
sein Zwillingsbruder Ascanio die nebenliegende Stadt, weshalb sich im Wahrzeichen der Stadt auch
die Wölfin befindet, die die Zwillinge Senio und Ascanio beaufsichtigt.
Schon im Mittelalter war Siena, aufgrund seiner günstigen strategischen Lage an den wichtigsten
Handelswegen, eine der mächtigsten Städte Mittelitaliens, was sie in einen starken politischen und
wirtschaftlichen und auch künstlerischen Kontrast zu Florenz brachte. Zahlreiche kriegerische
Auseinandersetzungen mit wechselndem Ausgang waren die Folge, bis die Stadt im Jahr 1555
endgültig ihre stolz verteidigte Unabhängigkeit verlor und Teil des von den Medici in Florenz
beherrschten Großherzogtums Toskana wurde.
Siena gilt als eine der schönsten Städte der Toskana und Italiens. Während Florenz als Paradebeispiel
einer Renaissance-Stadt vor allem durch die schiere Masse und Größe seiner Bauwerke und
Kunstwerke beeindruckt, hat Siena den mittelalterlichen Charakter der italienischen Gotik erhalten.
Die historische Altstadt gehört seit 1995 zum UNESCO-Welterbe. Die Universität Siena –besonders
anerkannt im Bereich der Medizin und der Rechtswissenschaften - gegründet 1240, gehört zu den
ältesten Universitäten Italiens und wird heute von etwa 20.000 Studenten besucht. Aus Siena
stammt die Heilige Katharina von Siena.
Heute ist die Stadt eine der touristischen Hauptanziehungspunkte der Toskana. Was in Mailand, Rom
und Turin die Fußballleidenschaft ist, das ist in Siena die Leidenschaft für den Palio, das historische
Pferderennen zwischen zehn der siebzehn "contrade" (Stadtvierteln) von Siena, das zwei Mal im Jahr,
immer am 2. Juli und am 16. August auf dem Hauptplatz, der Piazza del Campo, ausgetragen wird.
Der Palio hat in Siena eine lange Tradition: seit 1644 findet er jedes Jahr statt. Und die Feiern im
siegreichen Stadtviertel ziehen sich dann über mehrere Tage und Nächte hin. Ein unbeschreibliches
Spektakel, das man nicht versäumen sollte, wenn man das Glück hat, in jenen Tagen in der Stadt zu
sein. Dieses Glück hatten wir zwar nicht, aber dafür einen Grund wiederzukommen.
An der tiefsten Stelle der Piazza del Campo – dem muschelförmig erscheinenden Marktplatz - liegt
das Rathaus (Palazzo Pubblico/Palazzo Comunale). Der Bau des „Palastes“ begann im Jahre 1297 als
Sitz der republikanischen Regierung, der Podesta und des Konzils der Neun. Im Gebäude selbst, der
heute Räumlichkeiten des Stadtmuseums enthält, befinden sich zahlreiche berühmte Fresken. Eines
der berühmtesten Werke im Palast ist die Darstellung der Guten und der Schlechten Regierung im
Saal der Neun (Sala della Pace, Sala dei Novi) von Ambrogio Lorenzetti. Im Laufe des 14. Jahrhunderts
der Torre del Mangia, der 102 Meter hohe Turm, hinzu, der das Stadtbild von Siena prägt. Der Name
leitet sich von dem Spitznamen Mangiaguadagni (Einkommensfresser - von ital. mangiare = (fr)essen)
des ersten Glöckners (Giovanni di Duccio) ab. Der Turm ist genauso hoch wie der des Doms, dies war
wichtig als äußeres Zeichen für die Machtverhältnisse.
Der Dom (Santa Maria Assunta) aus schwarzem und weißem Marmor, ist eines der bedeutendsten
Beispiele der gotischen Architektur in Italien, entstand aus einer dreischiffigen romanischen Basilika.
Heute präsentiert sich der Bau immer noch als solche, jedoch mit gotisch erhöhtem und
eingewölbtem Mittelschiff, kompliziertem mehrschiffigen Querhaus und einem gotischen Chor.
Romanisch blieb die unregelmäßig sechseckige Kuppel über der Vierung, die für viele der
Unregelmäßigkeiten des Baues verantwortlich ist. Der Bau wurde Anfang des 13. Jahrhunderts
begonnen und zog sich bis in das 14. Jahrhundert hinein. Eine letzte Vergrößerung wurde 1339
begonnen, aber wegen Geldmangels (zu hohe Baukosten), Pest 1348 (und dadurch fehlende
Arbeitskräfte), ungünstiger politischer Verhältnisse und Probleme mit der Statik nie zu Ende geführt;
heute sind nur Nordseitenschiff und Fassade des sog. „Duomo Nuovo“ zu sehen, die die Großartigkeit
des unvollendeten Plans andeuten.
3
Die Kirche, die den heutigen Dom als Querhaus weitergenutzt hätte, sollte in den Dimensionen Alt St.
Peter, damals eine der größten Kirchen der Welt, übertreffen.
Gegenüber dem Dom befindet sich das schon kurz nach 1000 gegründete Pilgerhospiz, das etwa das
vierfache Bauvolumen der Kathedrale besitzt. Im Obergeschoss sind verschiedene Säle und Kapellen
sehenswert. Von hohem Interesse sind die beiden Untergeschosse, die höhlenähnlichen Charakter
besitzen. Sie sind zum Teil in verschiedenen Epochen ausgestaltet worden, beherbergen heute
außerdem viele Kunstwerke. Das Hospiz hatte viele wertvolle Funktionen, so war es nicht nur eines
der ältesten Seniorenheime, sondern diente auch als Krankenhaus und eine Kombination aus
Jugendheim und Internat für alle Bürgerschichten.
In Siena befindet sich außerdem die älteste noch existierende Bank der Welt, an der Piazza Salimbeni
im Palast des Monte die Paschi. Die Bank wurde 1472 in Siena als Leihhaus Monte di Pietà (oder
Monte Pio) gegründet und erhielt 1624 den aktuellen Namen. Mit der Gründung Italiens galt die
Bank als eines der Fundamente zur Finanzierung der Staatsausgaben und gab erstmals Bodenkredite
aus (credito fondiario). Zwischen 1907 und 1930 entstanden Zweigstellen in Empoli, Florenz, Perugia,
Neapel und Rom. Zugleich unterstützte der Monte die Gründung der Banca Toscana.
Die Stadt lädt zum Verweilen ein, doch uns bleibt nicht mehr als ein Eindruck und der Wunsch, in
jedem Fall mit mehr Zeit wiederzukommen. Denn schon geht es weiter, nach San Gimignano.
San Gimignano, die von einer gewaltigen Stadtmauer umgebene Kleinstadt liegt auf einem Hügel in
der Provinz Siena, in der reizvollen typischen toskanischen Landschaft, entlang einer wichtigen
Pilgerroute – der sog. Frankenstrasse -, die nach Rom führt und deswegen eine wichtige Anlaufstelle
für Pilger ist. Das Dorf der „Schönen Türme“ (San Gimignano) wird wegen seiner berühmten
Turmbauten das „Manhattan des Mittelalters“ genannt. Dabei handelt es sich um 15 von einst 72
erhalten gebliebene sog. Geschlechtertürme (12.-14.Jhd) aus dem Mittelalter, die weithin sichtbar in
den Himmel ragen. Im Mittelalter versuchten die Patrizierfamilien, sich in der Höhe ihres
Geschlechterturmes zu übertreffen, obwohl ein luxuriöses Leben in diesen nicht möglich war. Der
Torre Grossa ist der einzige unter den vielen Türmen, den man noch besteigen darf. Von der 54 m
hohen Plattform bietet sich eine spektakuläre Aussicht über die Stadt und ihre Umgebung. Der Palast
dient heute als Rathaus und beherbergt das sehr sehenswerte städtische Museum.
Die Stadt ist nur durch die mittelalterlichen Stadttore erreichbar. Besonders schön ist die Porta San
Giovanni, das Haupttor aus dem 13. Jahrhundert. San Gimignano soll im 3. Jh. v. Ch. als etruskische
Siedlung begonnen haben. Die erste urkundliche Erwähnung stammt jedoch erst aus dem 10 JH. Der
Name der Stadt soll vom heiligen Bischof Geminianus von Modena stammen, der sie im 4. JH. vor
den barbarischen Horden des Totila bewahrt haben soll.
Das Herz der Stadt schlägt auf der Piazza della Cisterna - einem wunderschönen Platz, der von
mittelalterlichen Palästen umgeben ist und in dessen Mitte sich ein kleiner Brunnen befindet. In
zahlreichen kleinen Gaststätten kann man hier typisch italienisch essen, den lokalen Weißwein
Vernaccia di San Gimignano probieren und das mittelalterliche Flair genießen. Natürlich ist "das
weltberühmte hausgemachte Eis" in der Gelateria an diesem Platz ein Muss. In den zahllosen kleinen
Geschäften, die sich in den mittelalterlichen Straßen etabliert haben, findet man ein großes
Weinangebot und viel Kunstgewerbe. Traumhaft schön sind die Keramikarbeiten.
Auf dem Domplatz befindet sich die Hauptkirche der Stadt, die Collegiata Santa Maria Assunta. Der
einstige Bischofssitz wurde 1148 geweiht und ist für seine schönen Fresken berühmt. Die Paläste und
Kirchen zeigen pisanische, sienesische, lucchesische und florentinische Stilmerkmale. In San
Gimignano ist die Zeit im Jahr 1563 stehen geblieben.
4
Der erste der toskanischen Großherzöge, Cosimo I. de’ Medici, entschied, es dürfen „auch keine
geringen Summen“ mehr in diese Stadt investiert werden. Das musste akzeptiert werden, und so ist
San Gimignano geblieben, wie es damals war. Das historische Zentrum wurde von der UNESCO 1990
zum Weltkulturerbe erklärt.
Im Anschluss fahren wir in ein wunderschön gelegenes Weingut mit Blick auf San Gimignano. Bei
selbst erzeugten Produkten, wie Käse und Schinken, kosten wir die angebotenen heimischen
Weinsorten. Der Rückweg zum Hotel führt uns durch die wunderschöne typisch toskanische
Landschaft.
5. Villa Torrigiani / Lucca – Treffen mit Politikern
Auf dem Weg zu unserem heutigen ersten Besichtigungspunkt kommen wir an dem „Park von
Pinocchio“ in Collodi vorbei. Das beschauliche Bergdorf Collodi erlangte Berühmtheit durch den
Autor des Kinderbuchs Pinocchio, Carlo Lorenzini, der sich nach dem Dorf nannte, in dem er seine
Kindheit verbracht hat.
Unweit dieses Städtchens gelangen wir zu der Villa Torrigiani und deren wunderschöne Gärten. Die
reiche und einflussreiche Familie Buonvisi hatte hier ihre Sommerresidenz. Der Botschafter der
Republik Lucca, Nicolao Santini, der am Hofe des Sonnenkönigs in Paris die Interessen Luccas
vertrat, erwarb 1636 die Villa und den Park. Bis heute hat sich in weiten Teilen die Konstruktion und
die Gestaltung des Parks von André Le Nôtre erhalten. Die barocken Fassaden, die Gestaltung des
Gartens und die sich verlustierenden Bewohner der Villa konnten sich in den großen Wasserbecken
widerspiegeln. In den Räumen der Villa und im Teatro di Flora findet der Betrachter das Wappen
derer von Santini (geht auf die Ehe mit einer Tochter des letzten Marquis de Santini zurück). Des
Weiteren heiratete eine Tochter den Principe di Stigliano (Prinz von Stigliano). Die Familie beschloss
1967, die Tore der Villa und den Park für die Öffentlichkeit zu öffnen. Sie wohnt in den
Sommermonaten im 1. Stock der Villa.
Das barocke Eingangsportal zum Garten öffnet sich zu einer rund 700 m langen Allee von hohen
Zypressen. Sie führt zu der barocken Villa, die mit ihren wuchtigen Fassaden den Garten beherrscht.
Der Garten in seiner jetzigen Gestalt geht zurück auf das ursprüngliches Konzept eines französischen
Gartens der Santini aus dem Jahr 1650. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde er in weiten Teilen in
einen Englischen Garten umgestaltet und exotische Bäume aus aller Welt angepflanzt. Große
Rasenflächen bestimmen nun das Bild der grandiosen Gartenanlage. Aus der Zeit der Umgestaltung
des Parks im 19. Jahrhundert stammen zahlreiche eindrucksvolle exotische Bäume, wie Liriodendron
tulipifera, Atlas-Zeder, Taxodoium distichum oder Osmanthus fragrans sowie die umfangreiche
Bepflanzung mit Kamelien, der Wappenblume der Torrigiani. Der Garten ist bekannt wegen seiner
phantasievollen Wasserspiele, mit denen der Hausherr seine Gäste zu erschrecken beliebte. Auf der
Flucht vor den Wasserspritzern auf der Terrasse suchten die Gäste Zuflucht im Tempel der Flora, wo
sie von Wassergüssen aus der Decke des Tempels durchnässt wurden.
Weiter geht es zu unserer nächsten Station. Noch beeindruckt von der wunderschönen Villa, erleben
wir unseren nächsten Höhepunkt. Angekommen auf einem wunderschönen, typisch toskanischen
Landgut, dessen Besonderheit sich aus dem Namen ergibt: Der Rosengarten, treffen wir bei einem
ausgiebigen Mittagessen mit vielen typisch toskanischen kulinarischen ‚Highlights‘ Politikerinnen. Bei
dem ersten Treffen berichtet die Staatsekretärin aus dem Ministerium für Soziales und Familie,
Cecilia Carmassi, von der aktuellen Situation des Landes und bewundert dass Deutschland von einer
Frau an der Spitze geleitet wird. Anschließend steht sie den Fragen der Mitreisenden offen zur
Verfügung. Bei dem zweiten Termin können wir die stellvertretende Bürgermeisterin von Lucca,
Maria Ilaria Vietina, sowie einer Ratsvertreterin Dott.ssa Elena Silvano aus der Gegend treffen.
5
Beide berichten von den schwierigen politischen Verhältnissen, insbesondere für weibliche
Politikerinnen. Die sympathischen Damen sind begeistert von dem Landgut und bedanken sich für
das interessante Miteinander.
Lucca ist die Hauptstadt der Provinz Lucca. Sie liegt im Tal des Flusses Serchio. Im 13. und 14.
Jahrhundert zählte Lucca zu den einflussreichsten europäischen Städten. Große Bedeutung hatte
insbesondere die Textilindustrie. Die großen Plätze, die romanischen Kirchen und die
mittelalterlichen Türme zeugen von der einstigen Bedeutung dieser Stadt. Lucca ist ein in sich
geschlossenes und zugleich weltoffenes Städtchen. Im Mittelalter verdankte es seinen Reichtum
einem gut entwickelten Bankensystem und der Herstellung und dem Handel mit kostbaren Stoffen.
Unabhängige Politik führte hier zu einer Mentalität des Selbstbewusstseins und des
Aufwärtsstrebens. Auch baulich gesehen. Die Familien von Rang und Namen errichteten weithin
sichtbare Wehr- und Wohntürme, auf die sie Büsche und Steineichen pflanzten. Die Stadt muss
damals wie ein Märchenwald ausgesehen haben.
Heute steht noch der Torre Guinigi mit seinem Blätterwald zwischen dem Himmel und den roten
Ziegeldächern der Altstadtbauten Ihre von vier Toren durchbrochenen Befestigungsanlagen wurden
1504 begonnen und 1645 fertiggestellt. Die mehr als vier Kilometer lange Stadtmauer um Lucca ist
zweifellos eine der attraktivsten der Toskana. Das gigantische baumbestandene Bauwerk wurde zur
Promenade mit Straße, Gartenbänken und kleinen Garten Café ausgebaut. Dass der Mauerring heute
eine gepflegte Parkanlage ist, verdankt sie Maria Luisa von Bourbon, der Herzogin von Parma, die
zwischen 1823 und 1832 eine großflächige Bepflanzung mit verschiedensten Baumarten veranlasste.
Hier tummeln sich Spaziergänger, Radfahrer, Jogger und natürlich auch Liebespärchen.
Man könnte diese Stadt auch eine Schmiede für weltberühmte Komponisten und Musiker nennen,
da sie schon Menschen wie Puccini, Boccherini und Catalani hervorgebracht hat. Giacomo Puccini ist
mit Abstand der bekannteste Name, den Lucca aufzuweisen hat. Aus dem Ruhm hat die Stadt jedoch
nie einen Kult gemacht. Nur ein Denkmal auf einem engen Platz vor dem Geburtshaus erinnert an
den großen Musiker.
Nach einem kurzen Stopp in einem typisch toskanischen Café bei einem leckeren Espresso,
schlendern wir durch diese wunderschöne Stadt voller mittelalterlicher Gebäude und Stätten,
begleitet von kundigen und erheiternden Reiseführerinnen. Im Anschluss stöbern wir noch durch die
vielen Läden, kosten das leckere Eis oder verweilen auf der Stadtmauer. Große Teile der Innenstadt
sind für den Autoverkehr gesperrt. Als einziges Fortbewegungsmittel dient immer noch das gute alte
Fahrrad, das vor jedem Hauseingang, vor jedem Laden steht. In geübtem Slalom geht es durch die
engen Gassen, in denen sich Altes und Neues dicht aneinanderreiht: supermoderne Label-Boutiquen
und antike Konfiserien, Hightech-Läden und Jahrhunderte alte Juwelier- und Feinkostgeschäfte. Für
den Fußgänger gilt hier Obacht.
An der Piazza dell'Amfiteatro ist ein schöner Platz mit hübschen ockerfarbenen Bürgerhäusern. An
dem Oval lässt sich noch erkennen, dass dieser Platz im Mittelalter auf dem Fundament eines
römischen Amphitheaters erbaut wurde. Ein paar Querstraßen weiter liegt die Piazza Napoleone. Der
weitläufige Platz mit seinen zahllosen Trattorien und Pizzerien unter schattenspendenden Platanen,
den Napoleons Schwester Maria Luise anlegen ließ, strahlt ungebrochen französisches Flair aus.
Größenmäßig kaum zu verfehlen dient er den Touristen als idealer Ausgangspunkt für die Erkundung
des sakralen Zentrums der Stadt. Der Dom San Martino, San Michele mit ihrer vierstöckigen
Marmorfassade oder San Frediano sind beredte Zeugen von Glauben und Geschichte, die immer
wieder Besucher von überall her anziehen.
Mit unglaublichen vielen Eindrücken der wunderschönen Gegend der Toskana, müssen wir uns nun
wieder auf die Heimreise begeben. Einige von uns werden zurückkehren. Viele freuen sich schon
auf die nächste Reise mit der Frauen Union NRW.
6