Ess- und Tischkultur bei Demenzerkrankten im Seniorenheim

Transcription

Ess- und Tischkultur bei Demenzerkrankten im Seniorenheim
1
S 11
Ess- und Tischkultur bei Demenzerkrankten im Seniorenheim
Das Essen mit den Bewohnern nimmt jeden Tag einen großen Teil der Pflegezeit in
Anspruch. Deshalb habe ich mich entschieden, mich mit den verschiedenen
Schwierigkeiten, die bei Demenzkranken in Zusammenhang mit ihrem Essverhalten
auftreten, zu befassen.
1. Gruppierungen bei Tisch
2. Atmosphäre bei Tisch
3. Umgang mit Ernährungsproblemen bei Demenzkranken
4. Medikamente
5. Flüssigkeitsbedarf
6. Fingerfood – Essen mit der Hand
7. Einteilung in Diabetiker- und Normalkost
1. Praktikumsarbeit 26. November 2007
2
S 11
1. Gruppierung bei Tisch
Die Zusammensetzung bei Tisch erfolgt nach bestimmten Kriterien, wie z. B.
besondere Tischmanieren. Weitere Kriterien sind ähnliche Lebensstile,
Verträglichkeit und Angewohnheiten.
Beispiel: Frau Maier teilt anderen gerne ihre Meinung mit und redet recht laut.
Deshalb sitzt sie an einem separaten Tisch außerhalb des Speisesaals. Frau Lange
isst gerne mit den Händen und spricht mit vollem Mund und sitzt aus diesem Grund
an einem Einzeltisch. Herr Seidel spricht gerne in aller Ruhe und benutzt das
Besteck ordnungsgemäß, daher sitzt er bei Herrn und Frau Rau und Frau Denzel.
Diese haben dieselben Angewohnheiten und vertragen sich gut.
2. Atmosphäre bei Tisch
Die Stimmung bei Tisch sollte ruhig und entspannt sein. Alte Gewohnheiten werden
beibehalten damit eine vertraute Umgebung entsteht. Die Bewohner sollten nicht zu
lange auf das Essen warten müssen, da oft Unruhe und Bewegungsdrang entstehen
können. Plötzliche und laute Geräusche sollten während des Servierens nicht
entstehen und für gute Beleuchtung muss gesorgt werden. Oft beruhigt es die
Bewohner, wenn sie die gleichen Nachbarn beibehalten und einen festen Platz im
Speisesaal haben. Die Bewohner sollten auch ihre noch vorhandenen Fähigkeiten
möglichst beibehalten und trainieren. Ebenfalls muss man darauf achten, den
Bewohnern, entsprechend ihren vorhandenen Fähigkeiten zubereitete Kost zu
servieren.
Beispiel: Herr Seidel ist es sehr wichtig mit anderen während den Mahlzeiten in
angenehmer Lautstärke zu sprechen. Frau Maier nahm ihre Mahlzeiten meist alleine
1. Praktikumsarbeit 26. November 2007
3
S 11
ein. Bei zu langem Warten wird Frau Lange unruhig und verlässt ihren Platz, daher
sollte man ihr immer zuerst das Essen reichen.
3. Umgang mit Ernährungsproblemen bei Demenzkranken
Bei Demenzkranken muss dafür gesorgt werden, dass genügend Flüssigkeit
zugeführt wird. Die meisten Bewohner können nicht unterscheiden, welche Tagesund Nachtzeiten herrschen. So ist ihnen auch nicht bewusst, welche Mahlzeiten sie
schon zu sich genommen und das letzte Mal getrunken haben. Der Bewohner
verspürt meist weder Hunger noch Durst, weswegen er in regelmäßigen Abständen
daran erinnert werden muss. Aber die Mahlzeiten dienen nicht nur der
Nahrungsaufnahme sondern vielmehr der täglichen Beschäftigung der
Heimbewohner.
Beispiel: Frau Peters wurde um 7:00 Uhr am Morgen geweckt und war gerade im
Speisesaal angekommen, als sie sich mit den Worten „Es ist schon dunkel, ich gehe
jetzt ins Bett“ verabschiedete und zurück ins Bett wollte. In diesem Fall mussten die
Pfleger sie überzeugen, dass es morgens war und es gleich Frühstück geben würde.
Ein anderes Mal verlangte Frau Rau ihren morgendlichen Kaffee ohne das Wissen,
dass sie bereits zwei Tassen zu sich genommen hatte.
4. Medikamente
Im Alter von 65 bis 74 Jahren nehmen fast 90% aller Menschen Medikamente. Diese
Tatsache müssen die Pfleger bei der Ernährung alter Menschen berücksichtigen, da
einige Medikamente den Appetit zügeln können oder die Vitamin- und
Mineralstoffversorgung beeinträchtigen. Die Ärzte achten darauf, dass eine mögliche
Wechselwirkung mit anderen Medikamenten weitgehend ausgeschlossen wird. Die
Pflegenden müssen stets über mögliche Nebenwirkungen in Kenntnis gesetzt
1. Praktikumsarbeit 26. November 2007
4
S 11
werden und mit den Ärzten in Kontakt stehen. Somit soll eine Unterversorgung mit
bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen vermieden werden.
Beispiel: Frau Rau bekommt regelmäßig Schlafmittel zur Beruhigung und muss
deshalb viel Obst essen. Es wird jeden Tag Neues mit dem Frühstück geliefert.
5. Flüssigkeitsbedarf
Die Bewohner mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen kann oft zu einem Problem
werden, da die meisten Bewohner keinen richtigen Durst verspüren und man sie
dazu auffordern muss etwas zu trinken. Bei Demenzkranken kann das Gehirn das
Fehlen von Flüssigkeit nicht in einen richtigen Impuls umwandeln der den Bewohnern
signalisiert, dass sie durstig sind. Das Fehlen von 8 bis 10% Flüssigkeit löst ein
Trockenheitsgefühl im Mund und Sprachstörungen aus. Bei länger anhaltendem
Mangel können die Nieren geschädigt werden. Die Bewohner müssen daher ständig
mit Wasser oder Säften versorgt werden um diesen Mangel zu verhindern. Wobei die
Pfleger bei Diabetikern meist nur Wasser oder Orangensaft verteilen und den
Apfelsaft nur den restlichen Bewohnern reichen. Andere Maßnahmen sind
beispielsweise das Einschenken von Getränken direkt vor den Augen der Personen,
ein großes Glas oder das Mittrinken eines Pflegers direkt neben den Personen.
Beispiel: Frau Peters kann sich nicht daran erinnern, wann sie zuletzt etwas
getrunken hat und verspürt keinerlei Durst. Sie muss von einer pflegenden Kraft zum
Trinken aufgefordert werden. Ebenso ist es bei Herrn Seidel, bei dem es allerdings
häufig zu Problemen kommt, da er sich weigert der Aufforderung des Pflegers
nachzukommen. Anders als bei den Beiden
1. Praktikumsarbeit 26. November 2007
genannten
5
S 11
verspürt Frau Rau ein leichtes Trockenheitsgefühl im Mund und fragt von sich aus
meist nach Wasser.
6. Fingerfood – Essen mit Der Hand
In einem fortgeschritteneren Stadium der Demenz, kann der Betroffene oft nicht mehr
mit Besteck umgehen. Damit sie wenigstens noch etwas beibehalten und nicht
gefüttert werden müssen, bekommen sie Fingerfood. Fingerfood bedeutet die direkte
Nahrungsaufnahme von der Hand zum Mund und ist eine leichtverdauliche,
vollwertige Kostform. Sie wird in kleine, mundgerechte Stücke geschnitten damit die
Bewohner sie in ein bis zwei Bissen essen können. Durch diese Art von
Nahrungsaufnahme sollen die Betroffenen nur solange wie möglich die
Selbstständigkeit beibehalten. Diese mundgerechten Mahlzeiten sollten die
Bewohner ab dem Frühstück bis zur Abendmahlzeit bekommen. In der Gesellschaft
wird Fingerfood meist nicht mehr verbreitet. Die Patienten bekommen die Nahrung
eher eingegeben, als dass sie mundgerecht als Fingerfood zubereitet wird.
Beispiel: Frau Sier kann ihre Handbewegungen nicht so weit koordinieren dass sie
mit Besteck essen kann. Sie bekommt von den Pflegern zugeschnittene Mahlzeiten
serviert und kann diese problemlos mit den Fingern essen. Anders als bei Frau Sier
kann Herr Delert nicht kontrollieren, wie er die Hände bewegt und bewegen will. Er
muss das Essen gereicht bekommen und kann daher auch normale Mahlzeiten zu
sich nehmen.
7. Einteilung in Diabetiker- und Normalkost
Diabetiker bekommen ausschließlich Kost die nicht zu viel Zucker enthalten, da ihr
Blutzucker schon erhöht ist. Dies fängt beim Frühstück an mit spezieller Marmelade
für Diabetiker die meist aus Kirschen gemacht wird, geht bei dem Mittagessen weiter
mit Diabetikersalat und Gemüsegerichten und dauert bis hin zum Abendessen. Die
1. Praktikumsarbeit 26. November 2007
6
S 11
Küchen stellen sich immer darauf ein und erkundigen sich, wie viele Diabetiker am
Essen teilnehmen. Sie kochen eher zu viel als zu wenig, da die Bewohner satt
werden sollen. Dagegen bekommen Personen mit normalem Blutzucker, also einem
neutralen Zuckergehalt im Blut, normale Kost. Man unterscheidet zwischen Vollkost
und leichter Vollkost welche es sowohl für Diabetiker als auch für den Rest der
Bewohner gibt. Hierbei wird jeden Tag gewechselt. An einem Tag bekommen
Diabetiker leichte Vollkost und der Rest normale Vollkost, während es am folgenden
Tag gerade herumgedreht wird.
Beispiel: Herr und Frau Rau haben beide einen erhöhten Blutzuckergehalt und
bekommen daher zum Frühstück Diabetikermarmelade, zu Mittag einen
Diabetikersalat und Gemüsegerichte als Hauptspeise, einen Pudding als Nachtisch
und zu Abend ebenfalls Diabetikergerichte. Auch zum mittäglichen Kaffee bekommen
sie keinen normalen Kuchen. Die für sie zubereitete Beilage zum Kaffee ist ebenfalls
für Diabetiker zubereitet. Hier gibt es meist einen „Fantakuchen“ oder andere
spezielle Gerichte.
Alle Namen in diesem Text wurden geändert.
Quellenverzeichnis:
Die meisten Informationen habe ich aus einem Ordner, den mir ein Pfleger auf
meiner Praktikumsstation gegeben hat.
Die Bilder habe ich aus dem Internet von den Seiten www.pflegedienst-baum.de,
www.alexanderstift.de, www.wdr.de, www.kirchenfernsehen.de, www.ani.or.at.
1. Praktikumsarbeit 26. November 2007