Praktikumsbericht: Sprachschule „New Languages“ in Madrid

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Praktikumsbericht: Sprachschule „New Languages“ in Madrid
Praktikumsbericht: Sprachschule „New Languages“ in Madrid
Ich habe meine Stelle als Deutschlehrerin in der Sprachschule „New Languages“ in Madrid über eine
Freundin gefunden. Diese studiert an der FH Rosenheim und hat mir ein Ausschreiben für ein
Auslandspraktikum in Spanien mitgebracht. Im Folgenden eine kurze Beschreibung des
Unternehmens: Das Unternehmen betreibt insgesamt 12 Sprachschulen in Spanien. Sechs in Madrid,
drei in Barcelona, sowie jeweils eine in Sevilla, Bilbao und Valencia. Es werden die Sprachen Spanisch,
Deutsch, Französisch, Englisch und Italienisch angeboten. Jede Schule ist gleich aufgebaut, es gibt
Unterrichtsräume, Räume zum Hören von Audiodateien und Räume zum Bearbeiten von Übungen. In
Madrid befinden sich alle Schulen im Stadtzentrum und sind leicht mit der Metro zu erreichen. Die
meisten Schüler der Sprachschulen sind Erwachsene, die eine Fremdsprache entweder für ihren Job,
Familie oder zum Finden einer Arbeit im Ausland benötigen. Zudem lernen auch viele Studenten eine
weitere Fremdsprache, um im Ausland zu studieren.
Daraufhin habe ich eine E-Mail mit meinem Lebenslauf und einem Bewerbungsschreiben an die EMail Adresse: [email protected] gesendet. Dieses Ausschreiben klang sehr verlockend, denn
man unterrichtet Deutsch an spanische Schüler und verdient 500 Euro im Monat und bekommt
zusätzlich zweimal wöchentlich Spanisch Unterricht. Als Vorbereitung habe ich an der LudwigMaximilians-Universität an dem interkulturellen Sensibilisierungstraining teilgenommen, dass sehr
viel Spaß gemacht hat, weil man viele neue Leute kennen gelernt hat und man hört viele Tipps,
Erfahrungen, Pläne, Schwierigkeiten von anderer Studenten. Zusätzlich habe ich spanische Vokabeln
gelernt und spanische Bücher gelesen. Kurz darauf erhielt ich eine Antwort der Vermittlungsagentur
Spain Internship, dass ich ein Telefongespräch mit der Hauptmanagerin der verschiedenen Schulen in
Spanien habe. Spain internship ist eine Vermittlungsorganisation, diese regelte die Formalien und
teilte mich an die Sprachschule in Barcelona für vier Monate (April bis Juli 2014) zu. Die Stelle in
Barcelona wurde leider kurzfristig abgesagt, da sich zu wenig Schüler für einen Deutschkurs
angemeldet hatten und somit auch keine Deutschlehrer gebraucht wurden. Als Alternative boten sie
mir drei Monate Madrid an. Über die Internetseite Madrid für Deutsche habe ich meine WG
gefunden. Diese Seite ist für Wohnungssuchende von meiner Erfahrung aus sehr zu empfehlen. Man
kann ein Inserat aufgeben von wann bis wann man in Spanien ist, oder man meldet sich auf ein
Inserat der eine Wohnung bzw. ein Zimmer vermietet. Ich hatte ein großes Glück, da mein Vermieter
mir mit Skype die Wohnung zeigte und mir meine Mitbewohner vorstellte. Ich wohnte mit einem
Deutschen und einem Spanier zusammen, die mir den Einstieg in dieser großen Stadt enorm
erleichterten und mir viele Tipps gaben und Fragen beantworteten. Nachdem die Wohnung geregelt
und die Verträge geändert waren, konnte das Praktikum vom 25. Mai bis zum 25. Juli endlich
losgehen.
Zwei Tage bevor mein Praktikum begann flog ich nach Madrid um meine Mitbewohner kennen zu
lernen und die Stadt zu erkunden. Die erste Lehre die man sich in Spanien merken muss, ist – man
darf sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Denn erst am Abend vor meinem ersten Praktikumstag
wurde mir die Adresse von einer der sechs Schulen in Madrid per E-Mail geschrieben.
Der erste Tag in der Schule wurde dazu genutzt um uns– einen weiteren Praktikanten Namens
Martin und mir – eine Einweisung in den Tagesablauf zu geben. Außerdem durften wir bei einem
Deutschunterricht eines Deutschlehrers zusehen, um einen ersten Einblick in unsere zukünftige
Arbeit zu bekommen. In der ersten Einführungswoche durfte ich weiterhin bei einem Deutschlehrer
zusehen
und
mir
seine
Unterrichtserfahrungen
aneignen
und
unter
Aufsicht
erste
Unterrichtsversuche starten. Im Folgenden eine Beschreibung der Praktikumstätigkeiten.
Der Unterricht findet in Eins zu Eins Gesprächen statt, was bedeutet, dass sich ein Lehrer für eine
Unterrichtsstunde (40 Minuten) um einen Schüler kümmert. Die Einzelunterrichte sind sehr
angenehm und meiner Meinung sehr effektiv, da man sich ganz auf einen Schüler konzentrieren kann
(Schwächen/Stärken). Die Schüler können ihre Termine selber auswählen, entweder an der
Rezeption der jeweiligen Schule oder im Internet ihren Unterricht buchen. An dem besagten Termin
hat der Schüler dann drei Unterrichtseinheiten von insgesamt zwei Stunden: Listening (40 min),
Speaking (40min) und Exercises (40min). Die erste Einheit besteht aus einem Hörverstehen der
Lektion, dabei bekommt er einen Text und die dazugehörige Audiowiedergabe. Im Anschluss daran
hat der Schüler seinen Einzelunterricht mit mir. Diese Einheit beinhaltet ein ausführliches Gespräch
über den Text (z.B. Fragen zum Text, kurze Zusammenfassungen des Textes, Erklärung von Vokabeln)
und zur jeweiligen Lektion die dazu gehörige Grammatik. Nach den 40 Minuten Unterricht hat der
Schüler dann Zeit, Übungen zu machen die das Vokabular und die Grammatik festigen sollen. Die
Übungen kann der Schüler entweder in der Schule oder zuhause bearbeiten. Der Schüler gibt die
Übungen dann an der Rezeption ab, die diese an mich weiterleitet, um sie zu korrigieren. Wenn es
vom Schüler gewünscht wird, werden die Übungen in der nächsten Stunde besprochen. In jeder
Stunde, die der Schüler bucht, bekommt er eine neue Lektion. Insgesamt gibt es für den
Deutschunterricht 56 Lektionen. Diese sind in vier Bücher aufgeteilt. Wünscht der Schüler nach den
56 Lektionen weiteren Unterricht, gibt es gesonderte weiterführende Texte, die sehr anspruchsvoll
sind.
Demnach gehören zu meinen Hauptaufgaben das Unterrichten von Schülern, das korrigieren von
Übungen bzw. Hausarbeiten und das Erstellen von kurzen Berichten nach jeder Stunde. In den
Berichten vermerke ich, ob der Schüler, bestimmte Lektionen wiederholen muss und ob er mit der
Schwierigkeitsstufe der Lektion zurechtkam. Zudem werden Anmerkungen geschrieben, die mich und
andere Lehrer wissen lassen, auf welchem Niveau sich der Schüler momentan befindet.
Nach einem Monat hat sich der Tagesablauf in der Arbeit eingespielt. Man schließt Freundschaften
mit anderen Lehrern, wie zum Beispiel mit dem italienisch Lehrern Leonardo und Marzia, mit der
französisch Lehrerin Julien oder den vielen englisch Lehrern. Man fühlt sich mehr und mehr bei den
Kollegen integriert. Da ständig neue Lehrerinnen und Lehrer die Schule verlassen, bzw. die Schule
wechseln geht man nach der Arbeit öfters gemeinsam in einer Tappasbar um etwas zu Essen und zu
Trinken.
Man lernt seine Schülerinnen und Schüler immer besser kennen, und weiß das Niveau einzustufen.
Die Nervosität der ersten Woche vor jeder Stunde ist verflogen, denn man lernt die Basics der
Grammatik auf Spanisch zu erklären. Jedoch muss man immer auf Überraschungen in den Schulen
gefasst sein. Da die Schülerinnen und Schüler bis eine Stunde zuvor den Unterricht buchen können,
kann zu Beginn des Tages der Stundenplan noch leer sein, und sich doch immer wieder
unvorhergesehen neue Schüler anmelden. So musste ich z.B. innerhalb einer Stunde ein
Bewerbungsgespräch für einen Bankangestellten vorbereiten, der sich in Deutschland für eine
Arbeitsstelle bewerben möchte.
Wenn ein Schüler ganz neu an der Schule seinen Sprachkurs beginnen möchte, muss er zuvor einen
Einstufungstest ausfüllen. Das heißt er füllt ein Schreiben mit Fragen aus und anschließend unterhält
sich der Lehrer mit dem Schüler darüber. Dann soll die Lehrkraft entscheiden, bei welcher Lektion
(Lektion 1-56) der Schüler beginnen soll. Dies fiel mir zu Beginn sehr schwer, aber mit der Zeit wird
man mit den einzelnen Lektionen vertrauter, man bekommt einen gesamt Überblick und weiß so die
Schüler besser einzuschätzen.
Jedoch ist anzumerken, dass in der Schule in Moncloa, Diego de Lion und Oporto nicht viele
Anmeldungen für Deutschstunden sind. Ein genannter Grund von meiner Managerin dafür ist, dass
im Monat Juni/ Juli die Studenten Prüfungen an der Universität und danach Ferien haben. Und somit
keine Zeit haben einen Deutschunterricht zu besuchen. Aber nicht nur für das Fach Deutsch ist das
der Fall, sondern auch für Italienisch und Französisch. Da eine englisch Lehrerin erkrankt war, musste
ich auch kurzfristig einige Englisch Unterrichte geben. Ich bekam noch Mitte Juni eine E-Mail des
Hauptmanagers Claudio Nunziante, dass er wegen der mangelnden Schüler auch die Anzahl der
Stunden der Lehrer auf Part-Time-Work verkürzen muss. Was mich wirklich zu Beginn sehr schockiert
hat. Denn im Vorhinein wurde ich schon kurzfristig von Barcelona nach Madrid verlegt und dann
auch noch eine Arbeitszeitverkürzung. Man muss sagen, dass ich eher noch Glück hatte, andere
Lehrerinnen und Lehrer wurden von einem Tag auf den anderen gekündigt oder der Vertrag wurde
um zwei Monate verkürzt. So konnte ich im Monat Juli die Zeit nutzen viele Ausflüge wie zum Beispiel
nach Granada, Malaga, El Escorial, Aranjuez oder Toeldo zu machen und Madrid näher zu erkunden.
Sehr zu empfehlen sind in Madrid: Das Viertel La Latina (viele schöne Tappasbars besonders Freitags,
Samstag und Sonntags), Lavapiés (jeden Sonntag: el Rastro – großer berühmter Flohmarkt), schöner
Aussichtspunkt „circulo de bellas artes“ mit dem Aufzug kann man auf eine Terrasse fahren (3Euro) –
die Aussicht lohnt sich!, der Stadtparkt El Retiro, Palacio Real und die Catedral de Santa María,
Puerta del Sol, Plaza Mayor, Templo de Debod, Plaza de la Cibeles, Spanische Spezialitäten in der
Markthalle San Miguel oder San Antón etc.
Zu Beginn meiner Zeit in Madrid bin ich mit meinen Mitbewohnern oder mit Arbeitskollegen auf
Deutsche Stammtische in Madrid gegangen oder auf Intercambios. Diese habe mir persönlich am
besten gefallen und sind ein sehr guter Tipp, da man vier Euro bezahlt, sich eine Flagge auf den
Pullover klebt und man für die vier Euro zwei Getränke bekommt. Je nachdem welche Sprache man
sprechen möchte z.B. Spanisch, kann man dann zu einem mit einer spanischen Flagge gehen und sich
mit ihm unterhalten. So lernt man sehr viele Leute kennen und es waren tolle Abende. In Facebook
heißen dir Gruppen:“Multilingual“, „MADRIDBABEL“ und „Deutscher Stammtisch Madrid“. Außerhalb
der Arbeit habe ich Kontakte zu Freunden von meinen Mitbewohnern geknüpft. Mit diesen sind wir
abends in Restaurants, Tappasbars oder zum Public Viewing gegangen.
Ich habe viele schöne Eindrücke von meinem Gastland Spanien gesammelt. Besonders die
freundliche und offene Art der Menschen ist dort bemerkenswert. Nach der Arbeit wird nicht nach
Hause gefahren sondern es wird in einer Bar noch etwas getrunken und gegessen. Mir ist es so
vorgekommen als genießt der Spanier mehr das Leben und sie schätzen vor allem die Gemeinschaft.
Wenn Spanier merken, dass man sich bemüht ihre Sprache zu sprechen, geben sie sich auch größte
Mühe langsam und deutlich zu sprechen und sind sehr hilfsbereit. Insgesamt habe ich während
meines Praktikums eigenverantwortlich gearbeitet, die Möglichkeit bekommen, zu erfahren, wie
Deutsch als Fremdsprache unterrichtet wird. Ich habe selber Erfahrungen im Schulalltag im
Allgemeinen und als Lehrperson sammeln, meine Muttersprache und Kultur ein wenig vermitteln
können und viel Wertvolles für mein Leben als Lehrerin, aber auch für mein Leben außerhalb der
Schule gelernt. Von den Lebensgewohnheiten der Spanier bin ich sehr fasziniert, jedoch von den
Arbeitsgewohnheiten nicht. Denn die Situation in der Arbeit, dass man von einem Tag auf den
anderen gekündigt werden kann ohne etwas dagegen tun zu können ist erschreckend. Denn einige
meiner Kollegen waren nicht als Praktikanten an dieser Schule sondern verdienten damit ihren
Lebensunterhalt. Die Sprachschule New Languages würde in Zukunft auch ausländische
Praktikannten aufnehmen. Ich bin froh über alle Erfahrungen die ich gesammelt habe, aber die
kurzfristigen Umentscheidungen und Kündigungen sind für mich ein Grund dieses Unternehmen
nicht weiterzuempfehlen.