Vorstand 2011 - Hellasfreunde Bern

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Vorstand 2011 - Hellasfreunde Bern
Hellasfreund e B ern
Hellasfreunde Bern
Kulturelle Vereinigung der Hellasfreunde, 3000 Bern
Bulletin 2011 - 1 / März 2011
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Titelbild: Galerie von Jannis Chapsis, Othos, Karpathos (Fotos: oben Heidi, unten Markus List)
Vereinsadresse:
Kulturelle Vereinigung
der Hellasfreunde
3000 Bern
Kontakt:
Internet: www.hellasfreunde.ch
Mail: [email protected]
Tel. Fred Wyss: +41 (0) 031 931 02 13
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Das Bulletin wird, zumindest auszugsweise,
auch auf unserer Website als PDF aufgeschaltet – allerdings mit ca. 3 Monaten Verzögerung: Mitglieder sollen Vorrang haben!
Zum Inhalt
Einen ersten Beitrag zu Kreta erhielt ich von Erwin Siegfried. Dann fand ich einen sehr interessanten Artikel vom renommierten Reisejournalisten Klaus Bötig, der dann aber gegen einen
anderen ausgetauscht werden musste (Begründung beim Artikel). ... und dann?
Man könnte ja Hintergrundinformationen zu den kommenden Vorträgen bringen: Zu Skyros fand
ich rasch drei interessante Beiträge. Zu Tsakonien war es weit schwieriger, ausser Wikipedia
kennt das offenbar niemand.
Dann stolperte ich über eine Meldung zum Maler Jannis Chapsis aus Karpathos. Mit Hilfe von
Markus List und Katharina Roller (Deutsch-Griechische Gesellschaft Böblingen/Sindelfingen e.V.)
sowie einigen Karpathosfreunden (Internet, Verein) entstand daraus ein Artikel mit vielen Bildern
des Malers. Um diesen zu umrahmen suchte ich weiter und hatte schliesslich vier Beiträge zu
Karpathos, darunter zwei ausführliche von Hans Korfmann und Linda-Miesch-Melekides.
Touristisch interessante Neuigkeiten fand ich, wie schon oft, auf der Website von Wilfried Jakisch.
Um etwas Ferienstimmung zu verbreiten griff ich nochmals auf Richis „Kykladenfieber“ zurück, er
stellt mir zwei Stimmungsberichte zur Verfügung, welche sehr gut zum Start der Feriensaison
passen. Weitere kleine Berichte, z.B. von Friederike Schmid von mir und aus der Presse sowie
bernspezifische Reise-Tipps runden das Bulletin ab. Ich hoffe es gefällt euch so.
Zum Inhalt
Protokoll Mitgliederversammlung 2011
Fred Wyss (Mitglied Hellasfreunde)
Therese Siegfried (Sekretärin Hellasfreunde)
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Vorstand 2011
Liebeserklärung
Klaus Bötig auf www.tageaufkreta.de
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Archäologen entdecken älteste Spuren der Seefahrt
Lappa – das heutige Argyroupoli auf Kreta
Insel vor dem Sturm
Spiegel-online
Erwin Siegfried (Mitglied Hellasfreunde)
Hans W. Korfmann in DIE ZEIT
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Der Karneval auf Skyros
Das Skyros Pony
Ostern auf Karpathos und die starken Frauen ...
Karpathos - Zwischen Tradition und Größenwahn
Jannis Chapsis, Maler aus Othos / Karpathos
www.athen-info.de/skyros
www.vergleichen-und-sparen.de
Linda Liesch-Melekides, www.griechische-kultur.
Sahar F. Kratz, www.griechische-kultur.eu
Markus List, Katharina Roller u. andere Helfer
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Der Totengräber von Pigadia
Fred Wyss (Mitglied Hellasfreunde)
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Tsakonien / Tsakonisch
Traumwelt in der Tiefe: Die Höhle von Kapsia
Peloponnes-Eisenbahn auf dem Abstellgleis?
Griechischer oder türkischer Kaffe
Wikipedia
Wilfreid Jakisch, www.argolis.de
Wifried Jakisch, www.argolis.de
Fred Wyss (Mitglied Hellasfreunde)
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Kykladen - ein Plädoyer
Wie ein Kykladenurlaub funktioniert
«tension – energy» von Costas Varotsos
Kurzmeldungen aus der Presse
Reisetipps für Berner Hellasfreunde
Richi auf www.kykladenfieber.de
Richi auf www.kykladenfieber.de
Friederike Schmid (Mitglied Hellasfreunde)
Griechenlandzeitung
Diverse Quellen
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Veranstaltungen in Bern und Umgebung
www.hellasfreunde.ch
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Wir danken allen Autoren, denjenigen die etwas für uns geschrieben haben sowie denjenigen,
welche uns grosszügig einen bereits veröffentlichten Text zur Verfügung gestellt haben.
Das nächste Bulletin erscheint im September 2011. Redaktionsschluss ist am 20. August,
Artikel nehmen wir gerne ab sofort entgegen.
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Protokoll der Mitgliederversammlung vom 28.1. 2011
Therese Siegfried
28. 1. 2011
1. Begrüssung und Eröffnung
Die Versammlung beginnt etwas verspätet um 20:15 Uhr
 Eingeladen wurden: 189 Mitglieder, Angemeldet haben sich 68, anwesend sind 66
 Entschuldigt haben sich: 46
also 114 Mitglieder, das sind 60%, die ein Lebenszeichen von sich gegeben haben.
2. Wahl der Stimmenzähler
Gewählt werden: Roman Grafe und Walter Brand
3. Protokoll der Mitgliederversammlung 2010
Das Protokoll wurde im Bulletin 2010 -1 im April 2010 publiziert. Auf das Verlesen des
Protokolls wird darum verzichtet. Es wird mit Applaus genehmigt.
4. Jahresbericht des Präsidenten
 Vereinsführung:
Zusätzl. zur Mitgliederversammlung fanden 6 Vorstandsitzungen inkl. Vorstandsausflug statt.

Vereinsbulletin/Versand
Auflage
- Jan 10: Sonderversand mit Einladung Jubiläumsfest
300
- April 10: Bulletin inkl. Protokoll der MV + Einladungen
220
- Sep 10: Bulletin, 3 Einladungen zu Vorträgen / Konzert
180
- Dez 10: Bulletin, 3 Einladung zu Vorträgen und Einladungen zu MV
180
Total wurde ca. 120 Seiten geschrieben und redigiert, sowie 28'000 Seiten gedruckt
 Anlässe der Hellasfreunde:
-
29.1.2010:
- 17.2.2010:
- 14.3.2010.
- 31.3.2010:
- 28.4.2010:
- 27.10.2010:
- 14.11.2010
- 1.12.2010:
Zusätzlich:
- Okt./Nov.
- 4.4.2010
- 8.5.2010
- 15.5.2010

Mitgliederversammlung
Die Insel Kefalonia (Video-Film )
Jubiläumsfest 40 Jahre Hellasfreunde
Griechenland auf wenig begangenen Wegen
Zu Fuss vom Zytglogge zur Akropolis
Zypern und Griechenland in 3D
Lieder von Manos Chatzidakis
Mikis Theodorakis (Vortrag)
Fred Wyss
Musik: Sakis
Wilf Diethelm
Gerhard Binggeli
André Michel
Eleni & Souzanna Boujoukli
Gaston Oberson
Dreimal Griechischer Kochkurs
A. & R. Grafe
Etliche Mitglieder traf man am Osterfest der Griechischen Gemeinde im Gwatt.
Weinprobe bei Nikos und Margret Hadzikalymnios in Wattenwil
44 Mitglieder und Freunde fuhren im Extrabus ans Dalaras Konzert
Unsere Sponsoren im Jahr 2010:
Beiträge an Veranstaltungen und allgemeine Barspenden:
- Restaurant Athen, Falkenplatz 1, 3018 Bern
- Pahpos Weine GmbH, Stettbrunnenweg 55, 4132 Muttenz
- Gasthof Weisses Kreuz, Kallnach
- Brasserie Bärengraben, Muristalden 1, Bern
- Gaston Oberson, Haldenstrasse 34, 3110 Münsingen
Barspenden und Tombolapreise für unser Jubiläumsfest:
- Andreas von Waldkirch, Bachtelen 29, 3308 Grafenried
- Despina Stähli-Tripolitakis, Pestalozzistr. 124, 3600 Thun
- Sylvia Wyss, Dennigkofenweg 180 F, 3072 Ostermundigen
4
-
Erwin Siegfried, Kranichweg 16/94, 3074 Muri
- Amphorea, Griechische Taverne, Stalden 31, 4500 Solothurn
- Restaurant Athen, Falkenplatz 1, 3018 Bern
- Dionyssos – griechische Produkte, Gartenstrasse 1, 4052 Basel
- El Greco – griechische Produkte, Kramgasse 63, 3011 Bern
- Elyki, Griechische Bücher, Stuhlenstrasse 2B, 8123 Ebmatingen
- Gabi Hess Reisen, Haldenstrasse 24, 8185 Winkel, www.gabihessreisen.ch
- Greece on Tour, wwwgreece-ontour.eu (Organisator Dalaras-Konzert
- Griechenlandzeitung, Koumoundourou 31, GR-10437 Athen
- Hotelplan, Markgasse 46, 3011 Bern
- Loeb, Warenhaus, Spitalgasse 47, 3011 Bern
- Nikops Import, Nikos Hadzikalymnios, Verzinkereiweg 5, 3665 Wattenwi
- Margret Hadzikalymnios, Verzinkereiweg 5, 3665 Wattenwil
- Paphos Weine GmbH, Stettbrunnenweg 55, 4132 Muttenz
- Rägeboge, Alters- und Pflegeheim, Tschingelstrasse 30, 3655 Sigriswil
- Reisebüro AG Treff, Hirschenplatz 1, 3250 Lyss
- Restaurant Tell, Herrn Gottfried Pulver, Bernstr. 101, 3072 Bern
Wir danken allen unseren Sponsoren ganz herzlich

Andere wichtige Ereignisse:
-
Wir beschaffen uns einen eigenen Beamer.
Gespendet dafür haben: Theres und Gerhard Binggeli, Werner und Madlen Wegmüller,
Willi und Elisabeth Vontobel, Marianne Volkart, Daniel Hegg, Harold Stingelin
- Die Gemeinde Ostermundigen ändert das Saalreglement: Neu können Vereine
Getränke und Essen beziehen woher sie wollen, eine Zapfgebühr entfällt. Dafür wird die
Miete des Offices teurer (Fr. 100.- statt Fr. 50.-).

Entwicklung des Mitgliederbestandes
- Mitgliederbestand an der MV 2010:
- Eintritte im Jahr 2009:
- Austritte: Ausgetreten oder gelöscht:
- Mitgliederbestand an der MV 2010:
184
11
5
190
(Stand b. Redaktionschluss: 196)
5. Jahresrechnung
Die Kassierin Marianne Peyer präsentiert die Jahresrechnung. Wiederum kann der Verein
(dank dem Jubiläumsfest) ein positives Ergebnis ausweisen, das Vermögen nimmt leicht zu.
6. Bericht der Revisoren
Annemarie Schweizer liest den Revisorenbericht und empfiehlt der Versammlung der Jahresrechnung zuzustimmen. Der Kassiererin, Marianne Peyer, wird mit Applaus Décharge erteilt.
7. Rücktritte aus dem Vorstand
- Gabi Lippuner hat, wie bereits letztes Jahr angekündigt, nun definitiv den Rücktritt erklärt.
- Therese Siegfried hat aus gesundheitlichen Gründen ebenfalls den Rücktritt erklärt.
Wir danken Gabi und Therese ganz herzlich für die geleistet Arbeit.
8. Wahl von zwei neuen Vorstandmitglieder
Einstimmig gewählt werden: Erich Frauenfelder und Elsbeth Vontobel. Dank und Gratulation
9. Festsetzung des Jahresbeitrages
Einstimmig wird beschlossen, den Jahresbeitrag auf dem bisherigen Niveau zu belassen:
Fr. 40.- für Einzelpersonen, Fr. 60.- für Paare und Fr. 20.- für Lehrlinge/Schüler/Studenten.
5
10. Anträge. Es liegen weder schriftliche noch mündliche Anträge vor.
11. Infos zu den kommenden Aktivitäten in der laufenden Saison 2011
Es folgen in der laufenden Saison nach dem heutigen noch 4 Vorträge :
- 28. 1: Vorias – Nordwind, Lesung mit Markus Heimlicher
Sponsor: Tell / Smutje GmbH
- 16.2: Auf den Kykladen, Videofilm von Fred Wyss,
Sponsor: Baumeler-Reisen
- 9. 3: Winter in Tsakonien, Jannis und Salome Zinniker-Jenny Sponsor: Aaretal-Reisen
- 30. 3: Skyros und Euböa, Dia-Vortrag von Jannis Ammon
Sponsor: Imbach-Reisen
- 27.4: Freiheit oder Tod , Referat von Plutarch Chiotopulos
Sponsor: Nikos-Import
Zusätzliche Veranstaltungen
- 24. 4: Osterfest der griechischen Gemeinde Bern im Gwattzentrum
- 7 .5: Weinprobe bei Nikos und Margret Hadzykalimnios in Wattenwil
- 2. 6: Konzert mit Charis Alexiou im Kongresszentrum in Zürich
12. Ende des offiziellen Teils und Übergang zum gemütlichen Teil um 20.50 Uhr
Für das Protokoll: Ostermundigen, 28.01.2011
Eingesehen: Ostermundigen 29.02.2011
Therese Siegfried
Sekretärin
Fred Wyss
Präsident
Vorstand 2011
Präsident:
Fred Wyss
Dennigkofenweg 180 F
3072 Ostermundigen
Vereinsleitung, Veranstaltungen,
Vereinsbulletin, Website,
Mitgliederwerbung
031 931 02 13
Vizepräsidentin: Anna Grafe
Untere Feldenstrasse 19
3655 Sigriswil
Vertretung Präsident, Veranstaltungen, Mitgliederdatei,
Kochkurs
033 251 32 66
Kassierin:
Marianne Peyer
Neuhofstrasse 15
3426 Aefligen
Buchführung, Zahlungsverkehr
Mitgliederdatei
034 445 57 69
Sekretär:
Erich Frauenfelder
Sonnmattweg 18
3604 Thun
Protokoll, Korrespondenz,
Veranstaltungen
033 336 56 76
Beisitz:
Sylvia Wyss
Dennigkofenweg 180 F
3072 Ostermundigen
Druck, Versand, Infos und
Auskünfte für Neumitglieder und
Interessierte, Veranstaltungen
031 931 02 13
Beisitz:
Elsbeth Vontobel
Loebeerstasse 8
3018 Bern
Veranstaltungen
031 991 20 50
Beisitz:
Dr. Philippe Gigon
Veranstaltungen, Vereinsarchiv
Kappelenring 24 a, Postfach
3032 Hinterkappelen
6
031 901 16 50
Text: Klaus Bötig, Aquarelle: Hans-Jürgen Gaudeck
www.tageaufkreta.de
Liebeserklärung
Im Inselorchester des Erdballs setzt Kreta
unverwechselbare Akzente. Seine Klänge
sprengen die Partituren des Üblichen, betten
Dich in eine Welt ein, die über die Horizonte
des Sichtbaren weit hinausreicht. Nichts bleibt
unmöglich.
»Tage auf Kreta« heisst das neuste Buch
das Klaus Bötig (www.klaus-boetig.de)
zusammen mit dem Maler Hans-Jürgen
Gaudeck (www.gaudeck.com) im HSB Verlag
herausgegeben hat.
Für den Bremer Reisejournalist Klaus Bötig,
der seit fast 40 Jahren Reiseführer schreibt,
ist es das 100. Buch. Mal etwas ganz
anderes: poetisch erzählende Texte über
Griechenlands grösste Insel in Symbiose mit
zarten, ausdruckstarken Aquarellen des
Berliner Malers Hans-Jürgen Gaudeck.
Statt nüchterner Zahlen, Geschichte, Kunst,
Kneipen- und Unterkunftstipps Texte, in
denen er ganz persönlich erzählt, was
Griechenland – und in diesem Falle ganz
besonders Kreta – ausmacht.
Auf dem Weg nach Gavalachori
Eines Morgens komme ich in ein kleines Dorf
am Psiloritis. In der Kirche wird gerade getauft.
Ich will es hautnah erleben, mische mich unter
die Taufgemeinde, trete ganz dicht ans Taufbecken heran, in dem gerade ein Erdenkind ins
»Ewiges Leben« verheissende Wasser getaucht wird. Murmle die Formeln mit, die die
anderen murmeln, bekreuzige mich, wenn sie
das Kreuz schlagen. Man lässt mich gewähren.
Siehe auch www.tageaufkreta.de, dort finden
Sie weitere Texte aber auch die Aquarelle von
Hans-Jürgen Gaudeck und zwar in Farbe.
Dann ist die Taufe beendet. Der Priester hastet
davon, ich trete aus der Kirche. Da erklingt die
Stimme des Popen aus den Lautsprechern, die
am Kirchturm befestigt sind. Er verkündet, der
Satan sei da, habe sich unter die Gläubigen
gemischt. Alle schauen mich an. Ich bin froh,
dass mein Auto nur ein paar Schritte entfernt
ist, nutze die Verblüffung der Dorfbewohner und
fahre schnell davon. Man hat mich für den Leibhaftigen gehalten.
Gasse in Vamos
den fünften für den Papst in Rom. Damit hatte
sich Satan verraten…
Jahre später bin ich an einem Morgen schon
um sieben Uhr in der Frühe in einem großen
Gotteshaus auf der Lassithi-Hochebene,
schaue mir die Ikonen an. Kein Mensch scheint
zugegen. Ich bekreuzige mich, inzwischen auf
die richtige Art. Nach zwanzig Minuten tritt eine
alte Frau auf mich zu, stellt Eimer und Scheuerbesen ab, mit denen sie die Kirche gereinigt
hat. Sie bittet mich, mit ihr zu kommen. Schließt
die Türen zur himmlischen Botschaft auf Erden,
Heute weiß ich, warum. Meine Fingerhaltung
beim Kreuzschlagen war falsch. Ich hätte drei
Finger gerade und zwei angewinkelt halten
müssen, damit die heilige Dreifaltigkeit und die
beiden wahren Naturen Christi bezeugend.
Statt dessen hatte ich alle fünf Finger locker
ausgestreckt: nach orthodoxer Interpretation
also drei für die Trinität, einen für Maria und
7
führt mich in ihr kleines Haus gegenüber, tischt
zum Frühstück auf, was ihre einfache Küche
hergibt: Honig und Käse, Eier und Zwieback,
Marmelade, Früchte, Nüsse und Ziegenmilch.
Sie spricht kaum, schaut mir nur zu und nötigt
mich, kräftig zuzulangen. Bevor ich gehe, frage
ich sie:
»Warum bist Du so gastfreundlich zu mir?« Ihre
Antwort: »Weiß ich, ob Du nicht Christus bist,
der mich auf die Probe stellen will?«.
Auf Kreta kann ich beides sein: Satan und
Gottessohn zugleich. Und ganz viel Mensch.
Darum liebe ich Kreta.
Kulturschock: Eigentlich sollte an dieser Stelle ursprünglich ein anderer Artikel von Klaus Bötig
stehen, nämlich „Kulturschock Griechenland“ (Focus) - eine liebevoll-kritische Beschreibung der
Griechen und ihrer Eigenheiten. Ich erhielt aber von Klaus Bötig dafür keine Abdruckerlaubnis:
... Mein „Kulturschock“ hat bei Erscheinen durch ein Missverständnis schlimme Reaktionen
hervorgerufen. Obwohl ich nur der Autor des Kulturschocks bin, wurde ich als Initiator der
gesamten damaligen Focus-Kampagne gegen Griechenland angesehen, sogar fürs Titelbild mit
dem Stinkefinger verantwortlich gemacht. Statt als Philhellene, der ich bin, wurde ich im
griechischen Internet als Griechenlandfeind bezeichnet und in Fotomontagen sogar als NaziOffizier dargestellt (ich bin Jahrgang 1948). Sie werden verstehen, dass ich diese schlimme Zeit
nicht gern noch einmal wieder erwecken will. Gern können Sie einen Hinweis auf die
entsprechende Website mit dem Artikel unterbringen.
Selbstverständ ich respektieren und verstehen wir den Entscheid von Herrn Bötig und verzichten
auf den Abdruck. Interessierte finden den interessanten Artikel direkt auf: www.focus.de, dort
den Suchbegriff „Klaus Bötig“ eingeben.
Archäologen entdecken älteste Spuren der Seefahrt
SPIEGEL
ONLINE
Menschen befuhren die Meere offenbar deutlich früher als angenommen. Auf Kreta haben
Forscher 130.000 Jahre altes Werkzeug entdeckt, das von Schiffsleuten zu stammen
scheint. Es wären die bei weitem ältesten Spuren der Seefahrt.
Athen - Auf der griechischen Insel Kreta haben
Archäologen Hinweise darauf gefunden, dass
der Mensch sehr viel früher als bisher angenommen zur See gefahren ist. Wie das
griechische Kulturministerium am Montag mitteilte, entdeckte ein Team griechischer und
amerikanischer Archäologen auf der Mittelmeerinsel mindestens 130.000 Jahre alte Steinwerkzeuge. Sie stammten vermutlich von Seefahrern, weil Kreta auch damals nur per Schiff
erreicht werden konnte. Nach Angaben des
Ministeriums stellen die Funde "das weltweit
älteste Anzeichen für die frühe Seefahrt dar".
Ministerium. "Sie verändern auch die Kenntnisse über die kognitiven Fähigkeiten des
frühen Menschen." Die in den Regionen von
Plakias und Preveli 2008 und 2009 gefundenen
Steinwerkzeuge werden dem Homo heidelbergensis und dem Homo erectus zugeschrieben, frühen Vorfahren des modernen
Menschen.
Eigentlich hatte das Team griechischer Archäologen gemeinsam mit Kollegen des Athener
US-Instituts für klassische Studien im Südwesten von Kreta nach Überresten einer steinzeitlichen Siedlung aus der Zeit um 10.000 vor
Christus gesucht. Bisher ist eine menschliche
Besiedlung der Insel erst ab etwa 6000 vor
Christus nachgewiesen. Die nun gefundenen
Werkzeuge könnte nach Angaben des Ministeriums jedoch zwischen 130.000 Jahre bis zu
700.000 Jahre alt sein.
Die einzige andere Möglichkeit wäre, dass die
Werkzeuge später nach Kreta gebracht worden
wären. Doch diese Theorie halten die Forscher
für weniger wahrscheinlich.
"Die Funde beweisen nicht nur, dass es im
Mittelmeer Zehntausende Jahre früher Seefahrt
gab als bisher bekannt war", erklärte das
AFP / Ministry of Culture
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Lappa – das heutige Argyroupoli auf Kreta
Erwin Siegfried
Januar 2011
Ein Tagesausflug zu einem über achttausend Jahre alten Bergdorf
Dieses Dorf liegt ca. 8 km von der Nordküste Kretas auf einem Geländerücken zwischen den
Flüssen Mouselas und Petres. Man erreicht es über die alte Haupt- oder Landstrasse von Chania
nach Rethimno. Von Episkopi 5 km südwärts sind wir in Lappa.
Kreta hat eine wechselhafte Geschichte. Wie
die meisten dorischen Gründungen des 8. und
7. vorchristlichen Jahrhunderts wurde Lappa
aus Gründen der Sicherheit weit weg vom Meer
auf einem Hügel angelegt. Die Flüsse Mouselas
und Petres haben tiefe Täler neben dem Stadthügel gebildet, was der Stadt eine kleine
Sicherheit bot. Die Stadtstaaten Lappa und
Aptera hatten beide dorische Wurzeln, führten
aber oft Kriege wegen der Rangordnung und
den Gebietsansprüchen. Heute hat man im
Dorf und der Gegend Teile aus geometrischerund römischer Zeit gefunden, was beweist,
dass Lappa und die Gegend in dieser Epoche
in hoher Blüte standen. Aus literarischen
Quellen wissen wir, dass Lappa 68. v. Chr. von
Metello zerstört wurde, aber 31 v. Chr. neu und
prachtvoll aufgebaut wurde.
über den ganzen Bergrücken (dem heutigen
Dorf)
römische-,
byzantinischeund
venezianische Spuren entdecken.
Für einen Rundgang durch das Dorf fangen wir
am besten auf dem Dorfplatz, bei der Kirche
Ag. Johannes an. Gleich neben der Kirche
sehen wir Fundamente aus sechs verschiedenen Epochen. Vom Dorfplatz ostwärts,
am Kräuterladen vorbei sehen wir oberhalb des
Weges Teil einer venezianischen Villa aus
dem 13. Jh. und einen Türeingang mit
Steininschrift von 400 v. Chr. Etwas weiter auf
der rechten Seite steht die Agios Nikolaos
Kirche. Weiter finden wir ein Wasserreservoir
aus dem 3. Jh. v. Chr. mit 7 Rundbögen im
Inneren. Ende der Strasse steht die Kirche
Agia Paraskevi. Beim Eingang zum Friedhof
stehen wir auf einer Steinabdeckung (vor der
Türe) - es ist ein Kindersarkophag.
Wenn Besucher sich Zeit nehmen, werden sie
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Kapelle Pente Parthenes
Venezianische Villa
frauen namentlich erwähnt wurden. In dieser
Kapelle wurde ein Familiengrab mit 5 Sarkophagen gefunden, aus dem 4. bis 7. Jh. Nach
einer Legende sollen die fünf Märtyrerinnen am
18. Juli 250 n. Chr. hier begraben worden sein.
Neben der Kapelle und am ganzen Hang längs
des Weges finden wir antike Felsgräber, bis
der Weg im Tal des Petres-Flusses bei einer
der ältesten und grössten Platane Kretas endet.
Im Schatten der alten Platane ist ein Brunnen
mit „heiligem“ Wasser. Schon der Besuch
dieses Platzes, eine Wanderung von 20
Minuten, ist ein Erlebnis.
Agia Paraskevi
Nun wenden wir uns nach links und finden ein
römisches Tor mit der Inschrift:
Bei einer meiner Reisen traf ich
eine Gruppe Franzosen und
Griechen, die sich jedes Jahr
einmal zu einem Picknick in diesem
verwunschenen
Tal
bei
der
grossen Platane treffen.
OMNIA MUNDI FUMUS ET UMBRA
(Alles Irdische ist Rauch und Finsternis)
Die nächste Kirche, Agia Panagia, aus dem
13. Jh. hat noch Reste von Fresken.
Ein paar Schritte weiter sehen wir
römisches Bodenmosaik aus dem 3. Jh.
ein
Zurück auf dem Dorfplatz gehen wir nun auf der
Strasse in Richtung Episkopi. Nach 300 Metern,
bei der ersten Kurve, führt rechts ein Fussweg
hangabwärts zu der Kapelle Pente Parthenes,
die fünf heiligen Jungfrauen Thekla, Marianna,
Ainatha, Martha und Maria, die unter Kaiser
Decius den Märtyrertod fanden. Sie wollten
nicht am römischen Staatskult teilnehmen. Ein
Mönch aus Lappa entdeckte auf dem Berg
Athos eine Handschrift, in der die fünf Jung-
Antike Felsgräber
Aber wir finden noch mehr in diesem alten
Lappa. Vom Dorfplatz mit dem Auto zurück in
Richtung Episkopi, am nördlichen Dorfende
links in Richtung Asigonie bis zur Brücke
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fahren. Im Tal vor der Brücke über den
Mousellas-Fluss finden wir die Höhlenkapelle
des Ag. Nikolaos (oder Agia Dynami) mit einer
grossen Quelle, die das ganze Jahr Wasser
führt.
Kapelle Ag. Nikolaos (Agia Dynami)
Im Schatten der grossen
Tavernen auf Touristen.
Bäume
warten
Ein paar Schritte weiter zur Brücke sehen wir
eine alte Mühle. Vorbei an der Mühle zum Fluss
steht die Kirche Ag. Panagia, aus venezianischer Zeit, die auf einem Tempel des Neptun
erbaut wurde. Ionische Säulen und ein
römisches Kapitell finden wir bei der Kirche.
Kapelle Ag. Panagia auf Neptuntempel
Hans W. Korfmann
DIE ZEIT, 19.04.2007 Nr. 17
Insel vor dem Sturm
Im Norden Pinien bis zum Meer, im Süden nichts als Wind und Weite – das kleine Skyros
konnte sich lange vor den Touristen verstecken. Jetzt verkauft Herr Georgoudis in seinem
Laden immer mehr Souvenirs.
verkaufte er Werkzeuge und Lebensmittel, doch
allmählich schleichen sich mehr und mehr
Souvenirs in die Regale. Der Fortschritt hat sich
Zeit gelassen auf Skyros, verschont hat er die
kleine Insel nicht. Der Laden von Herrn
Georgoudis aber ist noch immer unentschlossen. Er kann sich nicht entscheiden, ob er ein
Museum oder ein Souvenirgeschäft werden
oder ob er nicht doch lieber einfach ein
griechischer
Gemischtwarenladen
bleiben
möchte, mit allem, was man zum Leben
braucht: Reis, Nudeln, Zucker, Zigaretten,
Heiligenbilder, Seife, Stoffe, Mörser, Patronengürtel, Steigbügel, Glocken, Teller, Messer,
Eimer, Glühbirnen, Zwirn, Korbflaschen, Angel
Vor einigen Jahren hat Herr Georgoudis den
Laden seines Großvaters übernommen. Früher
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haken und Petroleumlampen – für den nicht
seltenen Fall, dass im Winter der Sturm den
Strom kappt und die Insel vor Griechenlands
Ostküste in Finsternis taucht.
stadt, die den gleichen Namen wie die Insel
trägt. Diese Hauptstadt ist nur ein Dorf, allerdings das einzige der Insel. All die anderen auf
der bescheidenen Landkarte von Skyros verzeichneten Ortschaften sind nur zufällige Anhäufungen verstreuter Häuser, Orte, deren
Namen niemand außer den Skyrern auf eine
Landkarte schreiben würde.
Der Laden von Herrn Georgoudis liegt nicht
ungünstig. Er liegt da, wo auch all die anderen
Läden liegen: an einer steilen Gasse, die sich
zwischen grellweißen Häusern den Berg hinaufwindet, auf dessen Gipfel schon seit Jahrhunderten eine venezianische Festung und seit
nicht ganz so langer Zeit auch das Kloster des
heiligen Georg versuchen, Gott im Himmel
möglichst nah zu sein. Zu den Nachbarn des
Herrn Georgoudis gehören der Fischhändler,
der Bäcker, der Fleischer, der Ikonenmaler und
der Apotheker – falls die Ikonen mal nicht
helfen –, der Schreibwarenladen, der Spielwarenladen, die einfachen Kleidergeschäfte
und natürlich die teuren Boutiquen und die
neuen Geschäfte der Schmuckhändler und
Kunsthandwerker, die sich im Gefolge der
Urlauber auf der Insel ansiedelten.
In Skyros Stadt aber drängen sich die Häuser
und ihre Bewohner so nah aneinander, als
hätte gerade eine Armada türkischer Kriegsschiffe Kurs auf die Insel genommen. Flachdach für Flachdach klettern die Behausungen
den Berg hinauf, umgeben von winzigen
Gemüsegärten und mickrigen Obstbäumen
zwischen den dicht zusammenstehenden
Mauern des engmaschigen Geflechtes alter
Eselspfade.
Herr Georgoudis ist ein freundlicher Ladenbesitzer. Früher ist er zur See gefahren, so wie
die meisten Männer der Insel, auf deren Bergen
sich nur mühsam einige Olivenbäume halten
und in deren Buchten nur kleine und anspruchslose Fischschwärme treiben. Ein paar
Kaffeehauswirte versuchten den Bauern, Hirten
und Fischern das Leben mit Wein und Kartenspiel zu erleichtern, doch die beiden Inselpolizisten warfen stets ein wachsames Auge
auf sie. Deshalb fuhren die Männer aufs Meer,
und deshalb sah auch Herr Georgoudis etwas
von der Welt. Hamburg, Rotterdam, Shanghai,
Herr Georgoudis kann erzählen, von Rio und
vom Karneval und vom Karneval in Venedig,
»doch so etwas wie den Karneval von Skyros
gibt es nicht zweimal auf der Welt! Wir tanzen
eine ganze Woche lang – genau wie früher«.
Die ersten Sommerfrischler kamen Anfang der
sechziger Jahre, kurz nach dem elektrischen
Strom, der erreichte die Insel 1958. Damals gab
es im Hafen ein Kaffeehaus, heute sind es drei
kleine Restaurants, die am Ankerplatz Fisch
und Garnelen braten. Die Insel hat keine Sensationen, sie ist ohne sie schön. Sie brauchte
nicht einmal die dichten Tannen- und Fichtenwälder im Norden, die bis ans Meer hinunterreichen, eine Landschaft, die in Tourismusprospekten
gerne
mit
den
»Fjorden
Skandinaviens« verglichen wird. Die Schönheit
von Skyros liegt in der Bescheidenheit des
Südens, in einer verlassenen, unter dem Licht
des griechischen Himmels leuchtenden Steinwüste, in der es nichts gibt als Wind und Weite
und riesige, gelassen über die Felsen ziehende
Ziegenherden, angeführt von stolzen, langbärtigen Böcken mit gewaltigen Hörnern. Selten
sind die steinernen Pferche für die zotteligen
Tiere und noch seltener die Häuser der kleinen
Familien,
versteckt
in
windgeschützten
Nischen.
Auch auf der Reeperbahn ist er gewesen, »in
der Silvesternacht, ich kann Ihnen sagen…!«
Nirgends hätten sie etwas bezahlen müssen,
sie seien überall eingeladen gewesen, die
griechischen Seefahrer. »Die Deutschen sind
freundliche Menschen«, sagt Herr Georgoudis.
Dennoch sieht er den Touristen aus aller Welt,
die die steile Gasse heraufkommen, mit ungutem Gefühl entgegen. »Sie werden jedes
Jahr mehr! Und sie haben schon ganz andere
Die steile Gasse mit Herrn Georgoudis‟ Laden
ist so etwas wie die Hauptstraße der Haupt12
Inseln zerstört, größere als Skyros“. Herr
Georgoudis hat ein Leben lang nie etwas getan,
was er für falsch hielt. Auch nicht für Geld. Jetzt
aber steht er hinter der Ladentheke und ärgert
sich, wenn die Touristen für das hölzerne,
handgeschnitzte Schiff mit der filigranen
Takelage nicht einmal acht Euro bezahlen
wollen. »Ich weiß nicht, welche Kinder sich
dafür in irgendeinem finsteren Winkel der Welt
die Finger blutig schnitzen.« Und dann fügt er
hinzu: »Eigentlich dürfte ich die gar nicht verkaufen. Oder ich müsste 50 Euro nehmen und
die Hälfte davon nach Asien schicken.«
zieht ein paar Fotografien aus der großen Lade.
Es sind Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Frauen
vor dem Spinnrad, Männern im Kaffeehaus
beim Kartenspiel, von schlanken Hirten auf den
Bergen – und von den kleinen Wildpferden von
Skyros mit ihren stolz erhobenen Häuptern und
der langen Mähne. Vor ihnen steht, in seiner
Uniform, der Abgesandte des griechischen
Landwirtschaftsministeriums, »der jedes Jahr
nach Skyros kam, wenn im Frühjahr die Pferde
eingetrieben wurden«. Im Winter lebten sie frei
in der kargen Umgebung, im Mai legte man sie
an die Leine, damit sie das bisschen Land
beackerten, das sich zwischen den Steinen von
Skyros zeigt. Noch immer laufen einige von
ihnen frei umher. Doch seit sich Wissenschaftler an die Rettung des vom Aussterben bedrohten Tieres machen und dem Pony Futter geben,
hat es zugelegt. Jetzt denken touristische Kleinunternehmer gar an die Vermarktung des
Zwergpferdes – bei Touristen ist es sehr
beliebt.
Früher, zu Großvaters Zeiten, kauften in dem
Laden die Gastarbeiter von der Nachbarinsel
Evia ein, von Mai an zapften sie im Norden der
Insel aus den Pinien das Harz, das zur Konservierung des Retsinas gebraucht wurde.
Großvaters Kunden kamen in diesen altmodischen trochadi herein – diesen klobigen
Ledersandalen, die so aussehen, als hätte
Diogenes sie unter einem Baum vergessen.
Heute werden sie als Souvenir an die Wand
gehängt. Jetzt spazieren die Männer in Badelatschen aus Plastik in Georgoudis Laden und
kaufen teure Angelhaken, mit denen sie nicht
einen Fisch fangen – »weil die nämlich von den
Fischen keine Ahnung mehr haben!« Und die
Frauen kommen in riesigen Hüten und winzigen
Bikinis daher, als wäre Herr Georgoudis nicht
immer noch ein Mann. Und kaufen literweise
Sonnencreme. Während die Kinder die Regale
nach Gummimonstern und Maschinenpistolen
durchforsten. Herr Georgoudis seufzt.
Denn auch wenn Herr Georgoudis in seiner
Gasse immer mehr Fremde sieht, es ist noch
Platz. Weiter oben am Berg, in einem der
schönsten Cafés der Ägäis, werden am Abend
nur wenige Touristen und noch weniger Skyrer
auf den winzigen wie Theater-Balkone am
Felsen hängenden Terrassen sitzen, um in der
Abendsonne aufs Meer hinauszublicken. Auf
jenes Meer, das Georgoudis 13 Jahre lange
befahren hat. Und von dem er heimkehrte in
den Laden des Großvaters, wo er als mahnender Alter immer wieder erzählt, wie das damals
war. Mit dem Wunsch, den Fortschritt noch ein
bisschen aufzuhalten und dem Wissen, dass
niemand mehr, auch er nicht, ohne die
Fremden ein Auskommen hat. Und – das
gesteht er ganz zum Schluss – es ist ja nicht
alles nur schlecht, was die Fähre bringt. Auch
wenn das Gute lange zurückliegt.
»Uns hier auf Skyros hat doch die Armut geprägt, die Bescheidenheit! Wir sind nie habgierig gewesen. Mein Großvater hatte 1000
Messer, Gabeln, Teller und Gläser im Keller
seines Ladens, die verlieh er zu den Hochzeiten. Aber er nahm keine Leihgebühr.« Herr
Georgoudis vermisst das karge, einfache
Leben, und er ärgert sich über die Kinder auf
dem Schulhof, die mit dicken Croissants herumlaufen und die Hälfte wegwerfen. Er war froh,
wenn er in der Pause eine Feige in der Tasche
hatte. Jetzt werden die Menschen dick. »Sogar
die Pferde verfetten«, sagt Georgoudis und
Damals, Herr Georgoudis zieht vor Ehrerbietung die Augenbrauen hoch, war unter den
ersten Sommerfrischlern nämlich auch Giorgos
Seferis, der Dichter, der Nobelpreisträger.
Seferis flüchtete vor der Hitze Athens auf die
Insel. Seferis mochte Skyros, sagt Herr
13
Band Wende. Demnach müsste Seferis lange
vor den Sommerfrischlern schon einmal seinen
Fuß auf die Insel gesetzt haben. Herr
Georgoudis ist sich sicher, das Gedicht muss
hier entstanden sein. Es erzählt so viel von
seinem Leben. Und die letzten Worte, die hat
der alte Herr nie vergessen.
Georgoudis. Er liebte die bescheidenen,
schmalen Sandstreifen und die kleinen Kiesstrände mit ihrem klaren Wasser. Am Horizont
die vorgelagerten, völlig nackten Inseln
Skyropoula und Sarakino und die noch
kleineren, namenlosen, auf die im September
die Hirten ihre Ziegen und Schafe verschiffen.
Weil es dann irgendwann zu regnen beginnt
und in den schmalen Fugen zwischen dem
Gestein Gräser und Kräuter sprießen, bis im
Winter ein grüner Schimmer die Inseln überzieht. Der Verzehr dieses zarten Flaums
verwandelt die Ziegenlämmer von Skyros in
eine Delikatesse. Aus ihnen werden zu Ostern
jene nach Meer und Wind und Kräutern und
süßer Milch duftenden Ziegenbraten. Lukumi,
soll Seferis geflüstert haben, als er das erste
Mal auf Skyros zu Tisch saß: »Wie türkischer
Honig«.
INFORMATION
Anreise: Über den Hafen von Kymi auf der Insel Evia
(Euböa), die durch eine Brücke mit dem Festland
verbunden ist. Busse zum Hafen von Kymi verkehren vom
Athener Busbahnhof Lission. Die Fähre nach Skyros legt
im Sommer um 12 und um 17 Uhr ab, Fahrzeit zwei
Stunden. Am Freitag gibt es zusätzlich eine Nachtfähre.
Olympic Airlines fliegt mittwochs und samstags von Athen
nach Skyros
Unterkunft: In Linaria am Hafen King Lykomides (Tel.
0030-22220/93249), DZ ab 40 Euro. Im Hauptort: Hotel
Nefeli (Tel. 0030-22220/91964), 4 Sterne, DZ ab 140
Euro, sowie das kleine Hotel Elena (Tel. 003022220/91738), DZ ab 45 Euro. Am großen Strand
unterhalb des Hauptortes gibt es Zimmervermieter
So hat der berühmteste Gast der Insel ihren
Einwohnern einige Anekdoten und Gerüchte
hinterlassen. Aber nicht nur. Sto perijali to kryfo
– »Am versteckten Strand«, lautet die erste
Zeile eines berühmt gewordenen Gedichts.
Mikis Theodorakis hat es vertont, »und Seferis
hat es hier geschrieben, dahinten irgendwo«.
Herr Georgoudis deutet mit der Rechten nach
Süden. Es erzählt von einer Erleuchtung an
einem Strand, der »so weiß wie eine Taube«,
doch dessen Wasser »brackig« war. Es malt in
knappen Versen eine Welt voller Widersprüche,
von Vergangenheit und Zukunft und endet mit
den Worten: »und änderten das Leben«. Erschienen ist das Gedicht bereits 1931 in dem
Literatur: Giorgos Seferis: »Poesie« (griechisch und
deutsch), aus dem Griechischen von Christian
Enzensberger; Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main; 4.
Aufl. 2005, 104 S., 11,80 Euro
Dirk Schönrock: »Nördliche Sporaden«, Michael Müller
Verlag, Erlangen; 3. Aufl. 2005, 256 S., 15,90 Euro
Auskunft: Griechisches Fremdenverkehrsamt,
040/454498, www.skyrostravel.com
Tel.
VON Hans W. Korfmann, DATUM 22.2.2008 - 02:59 Uhr,
QUELLE DIE ZEIT, 19.04.2007 Nr. 17
Der Karneval auf Skyros
www.athen-info.de/skyros
Plötzlich kam ein Unwetter auf. Der Schneesturm war bitter und wütete furchtbar und auf
seinem Höhepunkt wurden alle Schafe und
Ziegen des Schäfers getötet. Als der Sturm
vorüber war und der Schäfer bemerkte, was für
ein Unglück ihm widerfahren war, machte er
sich daran, seine verstorbenen Tiere zu häuten.
Jedem Tier nahm er die Glocke (trokania) ab,
und hänge sie an seinen Gürtel. Die Tierhäute
selbst legte er sich über die Schulter. Zumin
Der Karneval auf Skyros ist
in Griechenland berühmt
... Vor langer, langer Zeit auf der kleinen Insel
Skyros lebte einmal ein alter Schafhirte mit
seiner Frau. Sie waren in den Bergen, um ihre
Schafe zu hüten. Es war die Jahreszeit nach
dem Winter, aber vor dem Frühling - die
Jahreszeit, in der das Wetter allerlei seltsame
Spiele treibt.
14
dest dafür würde er am Markt bestimmt einen
kleinen Preis herausschlagen - vielleicht genug,
um sich zwei neuen Schafe zu kaufen, ein
männliches und ein weibliches. Und so machte
sich der Schäfer, der aufgrund der vielen
Schafspelze auf seiner Schulter kaum zu erkennen war, auf einen mühsamen Weg ins
Dorf. Die vielen Glocken um seine Hüfte zogen
den armen Schäfer förmlich zu Boden und sein
Gang war überaus beschwerlich. Die Frau des
Schäfers schritt neben ihrem Mann her und
begann, ein paar Lieder anzustimmen. Bei ihrer
Ankunft im Dorf waren die Bewohner über das
seltsame Erscheinungsbild des Schafmannes
und seiner Frau sehr verwundert. Sie erkannten
den Mann in seiner schäbigen Verkleidung aus
Schafsfell und dem musikalischen und klingelnden Gürtel nicht. Aber als sie die Geschichte
des Schäfers hörten, waren die Dorfbewohner
so beeindruckt, daß sie im folgenden Jahr die
Geschichte weitertrugen. Und so wurde die
Geschichte von Jahr zu Jahr aufs Neue erzählt
und um der Fröhlichkeit Willen von anderen
Schäfern nachgespielt und ganz langsam, im
Lauf der Zeit entwickelte sich daraus ein Ritual
- eine Tradition.
real zu sein. Deine Erfahrung und Dein Verstand erzählen Dir von einem Mann in merkwürdiger Verkleidung. Aber der Anblick des
Schafspelzes mit zwei kleinen Augenschlitzen
und der Kopfbedeckung aus dichter Fellmasse
läßt Dich zweifeln. Der deformierende Buckel
auf seinem Rücken, die mächtigen Glocken an
seinem Körper und der seltsame Geruch von
Mensch und Tier, versetzt mit einer kleinen
Note griechischen Weines, läßt Dich erstarren.
Die Zeit steht still. Diese seltsamen Schuhe
(Trohadia), die aussehen, als hätte jemand
seine Füße in alte Reifen gesteckt und der
wuchtige Schäferstock in der Hand bringen
Dein Herz zum Stillstand. Er läßt Dich nicht
vorbei, blockiert Deinen Weg. Sehr schnell vergißt Du, dass es sich hier um einen Menschen
handelt. Der Teufel, es muß der leibhaftige
Teufel sein, der Dich jetzt auf der Stelle holen
will. Und schliesslich liebst Du es, weil es das
Kind in Dir erweckt. Dein Blut gerät in Wallung
und es bringt den zuckersüßen Terror all der
vielen Geistergeschichten Deiner Kindheit zu
Tage.
Der Karneval wird in Griechenland traditionell
zwischen dem Tsiknopempti (Nationaler
Fleischess Tag) und Kathari Deftera (Sauberer
Montag - 10. März) gefeiert. Dann gibt es überall in Griechenland berauschende Feste. Jede
Region hat Ihre eigenen Bräuche, aber nur auf
Skyros können Sie die Karnevalszeit in dieser
Weise erleben.
Etwas Wildes liegt in der Luft von Skyros. Der
Himmel in der Dämmerung hängt tief und
schwer, grau und dunkel wie geschmolzener
Teer. Das entfernte Läuten von Glocken wirft
seine Echos durch die engen Gassen des
Ortes. Du sehnst Dich nach einem geborgenen
Plätzchen in Deinem Haus. Seltsame Singsang-Stimmen dringen an Dein Ohr - Du folgst
dem Geräusch entlang dicht beieinander
stehender Häuser und endlich steht es vor Dir.
Du glaubst nicht an Geister, an Kindermärchen,
aber diese Kreatur vor Deinen überraschten
Augen ist ungeheuerlich, viel zu seltsam, um
Karneval auf Skyros
15
Das Skyros Pony
www.vergleichen-und-sparen.de
Das Skyros-Pony ist auf der griechischen Insel
Skyros beheimatet. In ganz Griechenland ist es
das kleinste Pony überhaupt, und die Einheimischen auf Skyros nennen es liebevoll:
Hipparion (Pferdchen, oder kleines Pferd).
Es heißt, dass es ursprünglich gar keine Pferde
auf Skyros gab. Erst mit den einfallenden Venezianern im Jahre 1207 sollen Pferde den Weg
dorthin gefunden haben.
Es gibt aber auch historische Quellen, die den
Schluss zulassen, dass bereits 800 – 500 vor
Christus Siedler aus Athen Pferde mit auf diese
Insel brachten. Der Ursprung der Skyros-Ponys
konnte jedoch bis heute nie ganz eindeutig
geklärt werden.
Es ist jedoch unstrittig, dass sich die Ponys
aufgrund der isolierten Lage der Insel den dortigen Lebensbedingungen extrem gut anpassten. Skyros ist eine sehr spärlich bewachsene,
ja – regelrecht karge Insel. Mit der Zeit wurden
die dorthin verfrachteten Pferde immer kleiner.
Es gab dort auch niemals eine nachhaltige
Zucht. Außer der Natur gab es keine Einflüsse
auf die Entwicklung des Skyros-Ponys.
Die Natur auf der Insel ist hart. Die schlechten
Witterungsbedingungen führten immer wieder
zur starken Dezimierung der Population. So war
der Winter im Jahr 1928 – 1929 so streng, dass
viele der Skyros Ponys verstarben und der Bestand von 500 auf 100 dramatisch zurückging.
Die Einheimischen setzten die Ponys seit jeher
hauptsächlich für die Arbeit in der Landwirtschaft ein und versorgten sie entsprechend.
Ohne das Futter und Wasser der Bauern wäre
das Skyros-Pony sicherlich schon sehr früh von
der Insel verschwunden.
Spätestens mit dem Einsatz technischer Hilfsmittel in der Landwirtschaft zu Beginn der 70-er
Jahre des letzten Jahrhunderts verlor das
Skyros-Pony aber an Bedeutung, und die
Bauern kümmerten sich auch nicht mehr um
sie. Um jedoch ein Aussterben dieser Tiere zu
verhindern, rief die griechische Regierung 1975
ein Schutzprogramm ins Leben, um den Fortbestand dieser einzigartigen Pferderasse zu
gewährleisten. Aktuell soll es ca. 130 Ponys auf
Skyros geben.
Wie bereits erwähnt, ist das Skyros Pony von
sehr kleiner Statur. Das Stockmaß liegt
zwischen 90 cm bis 110 cm, es kommen jedoch
auch Exemplare mit einer Größe von 104 cm
und sogar bis zu 115 cm vor.
Im Vergleich dazu ist der Kopf relativ groß, mit
sehr großen, lebhaften, wachen Augen. Die
Schultern dagegen sind wieder sehr kurz und
besonders steil. Der lange Rücken hat einen
recht niedrigen Widerrist. Der Ansatz des
Schweifes liegt sehr tief auf der verhältnismäßig
kurzen Kruppe. Oftmals findet man die Beine
mit Fehlstellungen, was sicherlich auf eine
Mangelernährung zurückzuführen ist. Die Hufe
sind dunkel, dabei sehr klein, jedoch voluminös
und hart. Das Skyros-Pony gibt es als Braune,
Schimmel und Falben; Rappen kommen nur
extrem selten vor.
Die Ponys haben sich ihrem Lebensraum extrem gut angepasst. Sie benötigen nur sehr
wenig Nahrung und sind außerordentlich
genügsam. Sie leben mehr oder weniger wild in
den Bergen der Insel und erreichen häufig ein
sehr hohes Alter.
Die einheimischen Bewohner von Skyros
fangen die Ponys nur dann ein, wenn sie sie
brauchen. Die Ponys sind nicht scheu und sehr
leicht zähmbar. Neben landwirtschaftlichen
Aufgaben fanden die Tiere auch Verwendung
als Transportmittel. Heute nutzt man sie jedoch
fast ausschließlich als Gefährten und Freunde
der Kinder und zu touristischen Zwecken.
16
Ostern auf Karpathos und die starken Frauen von Olympos
www.griechische-kultur.eu, 3. März 2010
Text: Linda Liesch-Melekides, Fotos: Reinhard Kemmether
Das Leben auf der kleinen Insel im Kretischen
Meer geht seinen alltäglichen Gang. Ruhig,
ohne besondere Vorkommnisse - und doch
verfolgt ein Außenstehender die Szenerie mit
Erstaunen. Wer das etwa 300 Seelen Dorf
Olympos auf Karpathos besucht, fühlt sich wie
in einer anderen
Welt. Griechen
und auch NichtGriechen haben
auf eine seltsame Art und
Weise ein Zeitproblem.
Das Leben im Norden von Karpathos folgt
einem anderen Rhythmus. Keinem neuen, eher
einem längst vergessenen. Ungewohnte Bilder
drängen sich einem auf. Man entdeckt hier mit
unerwartet Intensität, was so mancher nicht
Pauschal-Reisende auch im restlichen Hellas
zu entdecken sucht. Neben Sonne, Strand und
Meer - den Stimmungsmachern Nummer eins
nicht nur für wärmebedürftige Nordländer - und
den imposanten steinernen Zeitzeugen hat sich
in abgelegenen Dörfern und Inseln Griechenlands das Ursprüngliche erhalten. Das
17
karpiothische Eiland zwischen Kreta und
Rhodos, im Gegensatz zu seinen bekannten
Nachbarn vom Tourismus bisher noch weit
gehend verschont, hat sich sein lebendiges
Brauchtum und jahrhundertealte Lebensweisen
in überraschend reiner Form bewahrt. Vor allem
das Bergdorf Olympos lebt dank seiner isolierten geographischen Lage im unwegsamsten
Teil des mächtigen Gebirgszuges der langgestreckten Dodekanes-Insel seine Traditionen in
vielen kleinen und großen Dingen des Alltags.
windverwöhnten
Insel
überrascht
auch
Griechenlandkenner: Ein augenscheinlicher
Punkt sind die Frauen, die hier ganz selbstverständlich Tag ein Tag aus ihre traditionelle
Tracht tragen: Die einfachere, strapazierfähige
für jeden Tag, die aufwändige, farbenfrohe, das
Dekolleté mit Goldmünzen üppig behängte an
Sonn- und Festtagen. Selbstbewusst zeigen sie
ihre Schönheit. Und der bekannte griechische
Stolz scheint hier nochmals eine gute Portion
aufgesetzt bekommen zu haben.
Nur wenige Touristen kommen und gehen,
meist nur für einen kurzen Tagesausflug. Einfache Übernachtungsmöglichkeiten werden
privat und in kleinen Pensionen angeboten. Nur
einige wenige, vielleicht Suchende, kommen
immer wieder, auch für länger. Für ein paar
Wochen nisten sie sich in den übersichtlichen
weißen Häusern ein, um wenigstens für eine
kurze Zeit die hiesige Gemeinschaft mit den
Bewohnern zu teilen. Das Miterleben erschließt
ihnen zumindest für kurze Augenblicke eine
fremde Seele und mit etwas Geduld auch die
eigene.
Die praktische weiße Pluderhose mit dem
knöchellangen Hemd und einer Art Gilet hat
sich auch bei harter Arbeit bewährt. Ein textiler
Gürtel hält das Hemd um die Taille zusammen,
die gerade geschnittenen Ärmel sind meist mit
einem handgestrickten Aufschlag. Das Kopftuch schützt vor Sonne und Staub und hält die
Haare zusammen. An den Füßen tragen sie
selbstgemachte Stiefel aus Ziegenleder vom
einzigen Schuster im Dorf. Wird beim Käsemachen, dem Ziege-, Schafe-, Schweine- und
Hühnerhüten oder der Feld- und Gartenarbeit
echt angepackt, so legen die Frauen die
Was macht den besonderen Reiz von Olympos
aus? Denn das älteste Dorf der knapp 50
Kilometer langen und zehn Kilometer breiten,
18
farbigen Accessoires und Oberbekleidung ab
und stopfen das Baumwollhemd kurzerhand in
die Hose. So taten es ehemals die Großmütter
und so tun es heute die Enkelinnen.
Das Fest der Feste
Wunderbar ist die Pracht der Trachten an
festlichen Veranstaltungen anzuschauen. Am
Fest der Feste, dem griechischen Osterfest,
versammeln sich am Osterdienstag, dem
Lambri Triti, alle Frauen des Dorfes in ihren
schönsten Gewändern. Olympos ist der einzige
Ort Griechenlands, an dem das Fest der
"Lebenden und Toten" seinen Höhepunkt
Dienstags erreicht. Der strenge Blick der
Frauen in ihren schwarz/weiß-bunten festlichen
Trachten lässt einen die Zeit vergessen. Die
reiche, oft spielerische Ornamentik ist
byzantinisch, handgestickt oder mit Pailletten
besetzt die Kopftücher. Der schwere Goldschmuck, ehemals Zeichen für Wohlstand und
Reichtum, reicht bis zur Hüfte. Wären da nicht
die männlichen Dorfbewohner in ihren zeitgemäßen modernen Anzügen, man fühlte sich
in die archaische Vergangenheit zurückversetzt. In der Kirche Kimissis tis Theotokou
am zentralen Dorfplatz überlassen die Männer
den religiösen Teil traditionell den Frauen und
Kindern. Nach uralten Riten vollzieht sich ihre
Zeremonie zur Auferstehung Christus‟ und zum
Gedenken der Verstorbenen an einem blumengeschmückten Sarg.
Die Tage vor Pascha (Ostern) sind gefüllt mit
Vorbereitungen für das leibliche Wohl. Das
flache runde Gerstenbrot wird in den
Backhäusern am Dorfrand gemeinschaftlich
gebacken, begleitet von langen Gesprächen
und lautem Lachen der Frauen. Hier, unweit der
Windmühlen, wird das ganze Jahr über zwei
bis drei Mal wöchentlich in den holzbefeuerten
Dorfbacköfen duftendes Brot hergestellt.
Die Arbeit im Dorf ist oft schwer. Die
schwieligen Hände der Olympitinnen erzählen
seit Jahrhunderten davon. Alles, was zum
Leben erforderlich war, wurde in
alter Zeit selbst erzeugt. Olympos
war autark. Auch heute ist diese
Wirtschaftsweise in vielem noch
weitgehend nachvollziehbar. Die
Viehhaltung, Käserei, die Gartenund Feldarbeit sowie die Herstellung von Wollstoffen oblag und
obliegt immer noch den Frauen.
Die Wolle liefern seit alters her
Schafe, Obst und Gemüse kommt
aus den Gärten in unmittelbarer
Nähe des kleinen Potamos (griech.
Fluss). Das Olivenöl und der Wein
von den heimischen Bergen.
19
mittel. Die Hänge des Koryfi-Gebirges und des
südlich davon gelegenen Profitis Ilias tragen im
Sommer vertrocknete Gräser und braun-gelbe,
stachelige Gebüschvegetation, weiter oben nur
Disteln, Flechten und Moose.
Das Spinnen und Weben hat sich auf
gelegentliche Auftragsarbeiten reduziert. Aber
noch immer sind die karpiothischen Häuser
traditionell mit Webteppichen geschmückt.
Zwischen der Ahnengalerie und den Kostbarkeiten einer Familie füllen sie mit traditionellen
Mustern der Region die Wände. Die kleinen
Häuser in dem Treppendorf beschränken sich
auch heute noch auf nur wenige Räume. Der
Saloni war nicht nur das zentrale, den
Wohlstand einer Familie dokumentierende
Wohnzimmer, sondern mit seiner Empore auch
Schlafgemach. Wollene Decken und Teppiche
sorgen hier für Gemütlichkeit. Besonders
schöne Häuser sind als Volksmuseen ausgewiesen.
Fast versteckt wohnen die etwa 100 Familien
auf dem Bergrücken. Ursprünglich lag hier ein
Kastro, die heutigen Häuser stehen auf dessen
Mauernresten. Vermutlich war Olympos eine
Fluchtsiedlung des antiken Vrykos und seines
in mykenischer Zeit natürlichen Hafens
Tristomo. Die Bewohner der berüchtigten
Pirateninsel suchten hier ihrerseits Schutz vor
vorbeisegelnden Piraten, denn der Bergkamm
war von See her nicht einsehbar. Als die beiden
antiken Orte in byzantinischer Zeit durch ein
Erdbeben zerstört wurden, flüchteten die
überlebenden Ureinwohner, meist dorischer
Abstammung, in die wenigen kleinen Häuser
und bauten peu-à-peu das Bergdorf weiter aus.
Sie teilten das fruchtbarste Land unter sich auf.
Später hinzukommenden Siedler aus Kreta
mussten sich mit dem weniger fruchtbaren
Der Stolz der klugen Frauen
Schroff schimmert das zerklüftete, silbrige Kalkgebirge. Die steile Klippküste gibt ab und zu
kleine verträumte Buchten mit Sand- und Kiesstränden frei. Unwegsame Steinhänge machen
auch heute noch den Esel zu einem selbstverständlichen Transport- und Fortbewegungs20
Grenzland begnügen. Doch der Lebensraum
hier oben in 205 Metern Höhe blieb natürlich
beengt. Zur Wahrung ihrer Besitzverhältnisse
entschlossen sich die Olympiten deshalb zu
einem seltenen Erbrecht: Das, was die Frau mit
in die Ehe brachte, wurde an die erstgeborene
Tochter weitergegeben, was der Mann einbrachte, an den erstgeborenen Sohn. Der
Zuwachs wurde auf die Kinder verteilt. Diese
Regelung brachte eine natürliche Geburtenkontrolle mit sich, denn die Geschwister waren
gezwungen, wollten sie bei den Erbberechtigten
nicht in Diensten stehen, auszuwandern. Einige
gründeten etwa 10 Kilometer weiter östlich
Diafani, andere gingen nach Australien, Kanada
und den USA.
von Anbeginn gezwungen, sich selbst zu verwalten. Emanzipation wird hier seit Jahrhunderten praktiziert. Kein Wunder also, dass
die Mikrogesellschaft von den unternehmerisch
denkenden Frauen stark geprägt ist.
Ein Olympite ist seiner Heimat treu
Aber auch die, die ihre Heimat verließen, sind
der Insel treu geblieben. Die Auswanderer
unterstützen die Zurückgebliebenen finanziell
und tragen somit zu einem gewissen Reichtum
bei, der vor allem der Infrastruktur zugutekommt. Kirchen und kleine Kapellen
stehen allerorts in baulich gutem
Zustand, ein Flughafen verbindet
die Insel seit den achtziger Jahren
mit der Außenwelt. Denn der
Abschied der Exilkarpathioten ist
nicht für immer: Ihren Lebensabend
verbringen die meisten in ihrer
Heimat.
Olympos hat bis heute keine asphaltierten Straßen für Autos. Selbst die
einzige Route aus dem Süden der
Insel ist ohne festen Belag.
Zum Teil hat sich diese Rollenverteilung bis
heute erhalten. Während die Männer einem
Handwerk nachgehen, versorgen die Frauen
das Haus, das Vieh und die Felder. Sie waren
21
Terrassenförmig fallen die Hänge
im Osten in einen Talkessel. In
den steingestützten und mit
Buschwerk vor dem ständig
pfeifenden Wind geschützten
Gärten wird wie früher all das
angebaut, was zum Leben nötig
ist. Olivenbäume und Wein
gehören von je her dazu. Salat,
das zarte griechische Weisskraut,
Gurken, Tomaten, Melonen und
natürlich Bohnen und Linsen. Das
Wasser wird wie überall in
Griechenland in kleinen Gräben
entlang der Beete aufgefangen, um dann
langsam zu versickern. Weiter nördlich liegt
Avlona. Die kleine Siedlung wird nur während
der Bestellung der hier liegen ausgedehnten
Äcker und der Erntezeit genutzt. Etwa 40
Bauern leben dann in den verlassenen kleinen
Häusern mit Stall und einem darüber liegenden
Wohnraum.
Der Weg wirbelt viel Staub auf und langsames
Fahren bis zum Parkplatz am Eingang des
Dorfes ratsam. Olympos ist ein Treppendorf,
das es zu Fuß zu erschließen gilt. Der Esel hat
hier noch einen ausgefüllten Arbeitstag. Zur
Westseite hin sind die Hänge kaum bebaut, zu
stark sind Wind und Regen. Die einfacheren
Häuser mit ihren Flachdächern liegen am
Dorfrand. Die Ziegelhäuser auf der Höhe, das
Viertel "Exo Kamara" (außerhalb des Bogens)
oberhalb der Platia gehörten früher den wohlhabenderen Ureinwohnern. Es beginnt an der
Dorfkirche Kimissis tis Theotokou.
Schaut man noch einmal auf die karge Landschaft, so drängt sich unwillkürlich ein Vergleich
auf: Mensch und Natur scheinen sich im Laufe
der Jahrtausende angeglichen zu haben. Sie
sind eine natürliche Symbiose eingegangen reduziert auf das Notwendige, rangen die
Einwohner der steinernen Welt das zum Leben
erforderliche ab, das Kalksteingebirge zwang
die hier Lebenden seinerseits zu einem
genügsamen Dasein. Die Lebensweisheit
"weniger ist oft mehr" erhält auf eine wundersame Weise hier ihre Bestätigung. Besonders
bei den älteren Frauen ist der Gesichtsausdruck manchmal hart und undurchdringlich,
aber nicht abweisend. Er spiegelt die einzelnen
Stationen des Lebens aus der Tiefe ihres
Inneren wider. Fernab von unserer stressigen,
lauten Modernen liegt ihre kleine Welt - in Takt
und gefestigt in seiner ureigenen Gesetzmäßigkeit. Doch die Moderne hat auch in
Olympos bereits begonnen, zum Glück für die
Einwohner – zum Bedauern für die kurz
verweilenden Fremden.
Zur Ernte ins Nachbardorf
In den stark verkarsteten Kalkriegeln liegen
Äcker und Plantagen. Wie früher wird auch
heute noch Weizen und Gerste angebaut,
jedoch von den 30 Windmühlen, welche die
Lebensgrundlage der
Familien von
Olympos
bildeten, ist nur
noch eine
intakt. Das mit
Segeltuch bespannte achtblättrige Windrad erinnert an
die ehemalige
Pracht und den
Wohlstand ihrer
Besitzer.
Text: Linda Liesch-Melekides
Bilder: Reinhard Kemmether
22
Karpathos - Zwischen Tradition und Größenwahn
Sahar F. Kratz
www.griechische-kultur.eu
Außerhalb Griechenlandes kannte lange Zeit kaum einer Karpathos, die zweitgrößte Insel
des Dodekanes, etwa in der Mitte zwischen den viel besuchten Rhodos und Kreta gelegen,
und auch für philhellenische Touristen war das eigenwillige und ursprünglich gebliebene
Eiland kaum mehr als ein Geheimtipp.
Das änderte sich recht schnell im Jahre 1987.
Die Nato glaubte damals einen sicheren Stützpunkt im ägäischen Meer zu benötigen und ließ
somit auf Karpathos einen Flughafen bauen,
der diesen gehobenen Ansprüchen genüge tun
sollte.
Ein gütiges Schicksal hat es bis heute verhindert, dass das Militär hier jemals in Aktion
treten musste, doch die Tatsache, dass auf der
Insel auch große Jets landen konnten, trug
nunmehr dazu bei, dass sich ziemlich schnell
ein größerer Touristenstrom in Richtung
Karpathos einstellte.
Zunächst aber ließen die Inselbewohner sich
durch die Fremden nicht davon abhalten, nach
wie vor ihre ursprünglichen Lebensgewohn-
heiten beizubehalten. Die Besucher wurden
eher als Freunde betrachtet, was vielleicht auch
daran lag, dass viele der 6.000 Einheimischen
in den vergangenen Jahrhunderten wegen der
Armut auf Karpathos die Insel verlassen und
(überwiegend nach Nordamerika) auswandern
mussten. Manche, in der Fremde reich
geworden, kehrten hiernach heim, und geben
die Freundlichkeit, mit der sie selbst in der
Ferne empfangen wurden, gerne zurück.
Was macht denn nun noch heute die Tradition
der Insel aus? Besuchen wir, um dies herauszufinden, zunächst einmal Karpathos´ wohl bekanntestes Bergdorf Olympos. Wie ein Freilichtmuseum klebt das große Dorf am felsigen Berg
und die 1.400 Olympites, seine Bewohner,
erscheinen
in
ihren
althergebrachten
schwarzen Alltagstrachten oder den farbenfrohen festlichen Kostümen in der Tat wie
Relikte aus einer längst vergangenen Zeit.
23
Seltsam mutet auch für Kundige der
neugriechischen Sprache der altmodische
Dialekt an, der wohl auf das antike Dorische
zurückgeführt werden kann. Erst seit 1980 gibt
es in Olympos elektrisches Licht und bis vor
etwa 10 Jahren war das Dorf mit dem Rest der
Insel nur über eine Schotterpiste verbunden.
Immerhin führt nun eine moderne Straße vom
Küstenort Diafani nach Oympos hinauf, die
vielen Sommer-Touristen können nun also mit
Bussen herauf kutschiert werden. Viel reizvoller
ist es indes den ausgezeichnet markierten etwa
8 Km langen Wanderpfad zwischen den beiden
Dörfern unter die Füße zu nehmen. Wilden
Bergziegen kann man hier ebenso begegnen
wie seltenen Echsen, die spezielle Flora
bewundern, einige der 44 auf Karpathos bislang
bekannten Orchideenarten auffinden oder gar
einer der sechs endemischen Pflanzenarten
wie Strandflieder, Färberdistel, dem Trifolium
Klee oder dem Origanum Vetteri nachspüren.
Wieder zurück in Olympos mag sich der
Besucher dann an deftigen, traditionellen
Speisen gütlich tun oder das dunkel gebackene
Brot frisch aus dem holzbefeuerten Backofen
genießen. Hohe dekorreiche Ziegenlederstiefel
kann man sich im Bergdorf maßgeschneidert
anfertigen lassen, nicht ganz billig, so um die
150 bis 200 Euro das Paar, oder die Zambuna,
eine Art Dudelsack, als Souvenir käuflich
erwerben. Hin und wieder indes, dies sei als ein
Wort der Kritik erlaubt, werden die Gebräuche
von Olympos in den Sommermonaten
allerdings derart zur Schau gestellt, dass sie
heute wohl auch das Interesse mit beinhalten,
den gut betuchten Touristen ein paar Euro
mehr aus der Tasche zu locken.
Das ist aber nicht so, wenn man an den
entlegenen Teilen der Insel die Bewohner gar
mit ihren kompletten Trachten zum Bad ins
Meer steigen sehen kann. Das ist auch nicht
der Fall, wenn in einer Mischung aus Musik und
Poesie die Mandinades vorgetragen werden.
Oder wenn noch heute viele junge Leute auf
der Lyra spielen und dazu der Pano Choro, ein
einfacher Tanz und eine eigenständige nur auf
Karpathos praktizierte Variante des Syrtos
eingeübt wird.
Eine Musik, die man nicht auf einen Nenner
bringen kann, und die von der herkömmlichen
Weise über sehnsüchtige Liebeslieder bis hin
zu „schnulzigen“ griechischen Schlagern reicht,
hat es uns in diesem Frühjahr 2009 besonders
angetan. Es ist die Musik von Giannis
Petropoulos, einem vielleicht 50 jährigen
Allroundkünstler, der zusammen mit seiner
jugendlichen Partnerin zwar „nur“ durch die
Tavernen der Inselhauptstadt Pigadia „tingelt“,
dabei aber ein so musisches Repertoire entwickelt, dass es alle Herzen rührt. Und wenn
seine Partnerin, deren Namen ich leider nicht
mehr im Gedächtnis habe, im Stile der jugendlichen Benaria Loi „Myn klais“ singt, fließen tatsächlich bei vielen Zuhörer/Innen die Tränen.
24
möchten. Das fängt beim völlig überteuerten
Preis für einen lauwarmen Löffel umgerührten
Nescafé, der sich Frappée schimpfen soll, an
und endet beim Marmor- und Glas Luxus-HotelPalast, der am Ortsrand von Pigadia etwa so
fehl am Platz ist, wie es die Akropolis in der
Lüneburger Heide wäre. Megalomania –
Größenwahn- ist dann auch das von Einheimischen und Gästen gleichermaßen benutzte
Wort, wenn sie an diesem Strandmonster
vorbeimarschieren. In solches Umfeld passt es
dann auch, dass zwischen Pigadia und dem
Badeort Amopi ein gigantischer Golfpark entstehen soll, der weitere Milliardäre aus der
ganzen Welt auf die Insel locken soll.
Pigadia passt aus meiner Sicht ganz außerordentlich gut zum Gesamtbild von Karpathos.
Es hat zwar nicht unbedingt den „BilderbuchCharme“ der Kykladeninseln Santorini, Paros
oder Naxos, aber es wirkt in der komplexen
Einheit verschiedener epochaler Baustile rund
um den romantischen Hafen dennoch
einfühlsam sich anschmiegend. Richtig gute
Tavernen gibt es hier mit tradtioneller
griechischer Bauernküche, mit frischem, nicht
einmal überteuerten Fisch, mit knusprigen
Hähnchen, mit Stifado auf frischen Tomaten
und Zwiebeln, und aus allen Küchen duftet es
nach Thymian, Oregano oder Knoblauch. In ein
paar Ouzerias erhält der Gast nicht nur den
obligatorischen griechischen Anisschnaps,
sondern
ein
heute
beinahe
unüblich
gewordenes gutes Meze im bescheidenen
Preis inbegriffen. Wenn Sie dann am Abend
durch die Sträßchen und Gassen Pigadias
schlendern, finden Sie zwar auch den üblichen
Touristenkitsch aber auch Althergebrachtes,
Künstlerisches und Kreatives. Vielleicht führt
der Weg Sie ja auch zum Art Center des heimischen Malers und Bildhauers Minas Vlahos,
der Besuch des Ateliers und der Ausstellung
lohnt sich.
Kehren wir dann doch lieber wieder zurück zu
den guten Traditionen. Bekannt ist das Fest der
sieben Tage, weil die Inselbewohner die Sieben
als die stärkste aller Zahlen ansehen. Berühmt
sind die Hochzeiten, bei denen die Frauen
weiße, kunstvoll bestickte Hemden tragen mit
einem schwarzen Schal über dem Kopf, der
von goldfarbenem Band gehalten wird. Auch
heute kann es noch passieren, dass Sie
spontan eingeladen werden, wenn sie zufällig
einer Hochzeitsfeier begegnen. Indes nicht die
ganzen 15 Tage, denn solange kann auch in
unserer Zeit ein solches Fest noch dauern.
Kommen wir nun zu den „dunklen“ Seiten von
Pigadia und Karpathos. Auch hier gibt es
mittlerweile einige (Gott sei Dank wenige)
Zeitgenossen, die gerne so richtig „absahnen“
25
sei auch nicht verschwiegen, dass Karpathos
ein natürliches Wanderparadies ist. Neu ist
dabei, dass es etwa 15 gut ausgeschilderte
Wanderwege zwischen 4 und 20 Kilometern
Länge gibt, immer noch unüblich für Griechenland.
Wer also Karpathos besuchen will, sollte es
bald tun. Denn wie beinahe überall auf unserem
Kontinent ist auch auf der Dodekanes-Insel das
Schöne und Ursprüngliche in großer Gefahr.
Text: Sahar F. Kratz
Bilder: Jannis Psilakis, Sahar F. Kratz
Griechenlandliebhaber werden wissen, dass
man über die landschaftlichen Schönheiten der
Ägäis-Inselwelt ganze Bücher schreiben
könnte. Hier wollen wir demnach auch nur ein
paar spezielle Karpathos-Höhepunkte zusammenfassen. Über Olympos haben wir ausführlicher berichtet, erwähnenswert sind aber auch
die Bergdörfer Aperi, Volada, Othos, Menetes
oder Spoa. Herrliche Strände und Badebuchten
gibt es bei Amopi, Apella, Finiki oder der berühmten Kira Panagia. Und wenn in der nahe
beim Flughafen gelegenen Afiartis Bucht Mistral
und Meltemi so richtig viel Wind machen, finden
die Surfer vom Anfänger bis hin zum Profi hier
ideale Bedingungen. Wer lieber wandert, dem
Wie kommt man nach Karpathos:
Direkte Charterflüge nach Karpathos gibt es
aus der Schweiz nicht . Der Weg führt also von
Zürich, Basel und Genf via Athen - oder von
Zürich, Basel Genf und Bern via Rhodos.
Pauschal angeboten wird Karpathos in der
Schweiz von Sierramar und von Imbach-Reisen
(Wanderferien).
Eine Alternative wäre evtl. ein direkter Charter
ab Köln/Bonn, Hamburg, München, BerlinTegel, Linz oder Wien (z.B. mit Attika-Reisen)
Ein griechischer Witz
Text: Wolters Reisetagebuch unveröffentlicht).
Bild von Jannis Chapsis, Foto Markus List
Ein griechischer Witz über Ioánnis, den
Busfahrer, erzählt folgendes: Nachdem Ioánnis
gestorben ist, steht er an der Himmelstür und
bittet um Einlaß. Petrus will wissen, was Ioánnis
denn so auf Erden geleistet habe. „Ich habe die
Menschen von Diafáni nach Olympos - und
wieder zurück - gefahren.“ Als Petrus das hört,
darf Ioánnis in den Himmel eintreten. Kurz
darauf klopft ein verstorbener Papas bei Petrus
an. Er wird ebenfalls nach seinen irdischen
Taten befragt. „Ich habe zu meinen Lebzeiten
nur für Gott gelebt. Ich habe gebetet und in der
Kirche gepredigt. Laß mich jetzt bitte ein!“ Doch
Petrus versperrt ihm den Weg: „Nein, dich kann
ich nicht hereinlassen!“ Der Pope ist empört:
„Warum darf ich als gottesfürchtiger Mann nicht
eintreten, während Ioánnis, der nur ein
einfacher Busfahrer war, in den Himmel
kommt?“ „'Ja, siehst du, mein Sohn“, antwortet
Petrus, „wenn du in der Kirche gepredigt hast,
sind die Menschen eingeschlafen! Aber wenn
Ioánnis die Touristen nach Olympos gefahren
hat, fingen sie an zu beten.“
26
Jannis Chapsis, Maler aus Othos / Karpathos
Einl: Fred Wyss
Texte: Markus List
Einige von uns, wahrscheinlich die meisten die jemals auf Karpathos waren, werden ihm mal
begegnet sein, in seinem Atelier in Othos. Jannis Chapsis war ein bekannter Lyraspieler und naiver
Kunstmaler. Ich nannte ihn vor 10 Jahren mal den Theophilos aus Karpathos, was in sehr gefreut
hat. Erst jetzt habe ich im „Karpathos-Forum“ erfahren, dass er bereits im Februar 2010 gestorben
ist. Othos und Karpathos sind damit um eine aussergewöhnliche Persönlichkeit ärmer geworden.
Man wird ihn vermissen, den alten, gebeugt gehenden Mann mit der starken Brille und dem Stock,
der immer nach Menschen Ausschau gehalten hat, denen er sein kleines Museum zeigen, etwas
auf der Lyra vorspielen und denen er auch das eine oder andere Bildchen verkaufen konnte.
Hier einige Information über – und Bilder von Jannis Chapsis. Die Übersetzung der Mantinada und
des Lebenslaufes sowie einige Bilder stammen von Markus List, dessen Adresse mir Katharina
Roller vermittelt hat. Sie, Karl Dallmann, Annemarie Wyss und Gabi Lippuner lieferten weitere Bilder.
Markus List schreibt: In seinem Buch "Pes
mas Chapsi mia mantina" (Erzähle uns,
Chapsis, eine Mantinade) aus dem Jahr 1998
schreibt Jannis Chapsis über sich selbst:
"Ich bin 1915 3/8 in Olympos geboren. Dort
lernte ich lesen und schreiben bis zur 3. Klasse
der Volksschule. 1926 zog ich mit meinen
Eltern und den 5 Geschwistern nach Othos. Ich
war der älteste von meinen Geschwistern und
musste etwas tun, um meinen Eltern zu helfen
und die Arbeit war, Wasser im Eimer zu den
wohlhabenden Häusern zu tragen, pro Eimer
gab es 10 Lepta. Mein Wunsch war es, ein
Handwerk zu lernen und so lernte ich das
Handwerk des Schuhmachers. Das machte ich
sechs Jahre lang und wurde ein guter
Schuhmacher, gleichzeitig spielte ich Lyra mit
Melodien, die meine Mutter mich lehrte. Sie sah
die große Liebe, die ich dafür empfand und riet
mir, nach Olympos zu den guten Lyraspielern
zu gehen, die mir was beibringen konnten. Das
waren Jannis Dargakis und Minas Chatziminas
und zu Fuß ging man 9 Stunden. Jedes Jahr
ging ich vier, fünf, sechs Mal dorthin bis ich erkannte, dass ich so weit war, selbst die Lyra zu
spielen und bei Hochzeiten und Panigiria zu
spielen. Die anderen Tätigkeiten behielt ich bei,
bis ich 1973 krank wurde und einen Bypass bekam. Jetzt beschäftige ich mich mit der Malerei
und bilde das alte Leben von Karpathos ab, die
Sitten, Tänze, Gegenden und an was ich mich
erinnere. 1945 heiratete ich meine geliebte
Frau und bekam mit ihr zwei Kinder, eine
Tochter und einen Sohn."
Foto: Hubert Brentano
΄Ωρ ηα να ζω θα ηο κπαηώ ηηρ λύπαρ
ηο δοξάπι
να παίξω και ηος Χάπονηα ζαν θά
‘λθει να με πάπει
(Jannis Chapsis)
So lang ich lebe werde ich den Lyra-Bogen
halten
um auch dem Charon aufzuspiel‟n wenn er
kommt mich zu holen.
(Übersetzung Markus List)
27
Hier ein paar Bilder von Jannis Chapsis:
Foto: Karl Dallmann auf www.karpathos-online.de (dort findet man das Bild in Farbe)
Foto: Katharina Roller
Foto. Annemarie Wyss
Foto: Katharina Roller
Foto: Katharina Roller
28
V
Foto: Karl Dallmann
Foto: Markus List
Foto: Markus List
Foto: Markus List
Foto: Markus List
Foto: Karl Dallmann
Foto: Gabi Lippuner
Alles was er male, habe er selber einmal miterlebt, versicherte Jannis Chapsis seinen Besuchern
und Kunden. Hoffen wir, dass sein Werk irgendwie erhalten und zugänglich bleibt.
29
Der Totengräber von Pigadia
Fred Wyss
Januar 2011
Karpathos im September 2000.
Letzte Urlaubstage, kein Mietwagen mehr. Wie bereits am
ersten Tag spazieren wir im
Städtchen
Pigadia
herum,
fotografieren und filmen alles
nochmals. Ein Spaziergang in
Pigadia führt fast unweigerlich
am Fischerhafen und am Anlegesteg der Fähren vorbei zum
Friedhof, welcher, geschmückt
durch eine schöne weisse
Kirche, vorne am Kap liegt. Beim
ersten Mal hatten wir den
Friedhof nicht betreten, diesmal schon. Als wir
nämlich beim Friedhof ankommen, kommt
gerade ein junger Mann in Jeans und roter
Baseballmütze zum Tor hinaus, grüsst freundlich und hält uns einladend das Tor auf. Beim
Betreten des Friedhofes sieht man sofort, da
wird gearbeitet. Ein Erdhaufen, Schaufeln, zwei
Gräber sind offen. Nur etwa 60 – 80 cm tief,
am Grund sieht man noch die Reste des Sargbodens. Wir gehen um die Kirche herum. Hinter
der Kirche auf einer kleinen Terrasse, steht ein
mit roter Flüssigkeit gefüllter Plastikeimer,
daneben liegt eine grobe Bürste. Am Boden
sind zwei kleine Badetücher ausgebreitet, auf
jedem liegt ein sauber gewaschenes, in alle
Einzelteile zerlegtes menschliches Skelett.
Knochen schön ausgerichtet und bei beiden
genau gleich angeordnet.
Die Szene hat eigentlich überhaupt nichts Unheimliches oder gar Gruseliges an sich. Es
sieht alles friedlich, sauber und wohlgeordnet
aus. Unweigerlich geht mir der Begriff „Grosse
Zerlegung“ durch dem Kopf. Das ist ein Begriff
den jeder Schweizer aus dem Militärdienst
kennt. Grosse Zerlegung hiess jeweils, das
Sturmgewehr in seine kleinsten Einzelteile
zerlegen, reinigen und dann zur Kontrolle durch
den Vorgesetzen in einer ganz genau
definierten, einheitlichen Ordnung hinlegen.
Wenn„s nicht stimmte – alles wiederholen.
Wir verlassen den Friedhof und gehen mehr
oder wenige querfeldein hinauf Richtung
Akropolis. Von oben sehen wir den jungen
Mann mit der roten Mütze zurückkommen, er
muss wohl der Totengräber sein. Er trägt eine
Papiertüte in der Hand, er hat sich beim Bäcker
etwas zu Essen geholt. Nun setzt er sich
zwischen die beiden Skelette, packt seinen
gekauften Imbiss aus und verzehrt diesen mit
Genuss. Er hat ja vorher hart gearbeitet, also
eine Pause verdient und muss ja sowieso
warten, bis die Sonne die gewaschen Knochen
getrocknet hat.
Daneben stehen zwei kleine Holzkisten bereit,
welche, sobald trocken, die Skelette aufnehmen
werden. Diese Holzkisten werden dann, angeschrieben mit dem Namen des Toten, im
kleinen Beinhaus am Rand des Friedhofes gestapelt aufbewahrt. Auf den griechischen Inseln
ist es üblich die Toten bereits nach wenigen
Jahren wieder auszugraben und in solche
kleine Kisten zu verpacken. Das gibt Platz auf
den meisten kleinen Friedhöfen.
Aus Pietätsgründen verzichte ich diesmal
darauf, irgendwelche Fotos oder Filmaufnahmen zu machen.
Genau so sehen die zwei Skelette hier aus:
Jedes auf einem relativ kleinen Tuch in
kompakter Ordnung hingelegt, jeder einzelne
Anschliessend geht die Arbeit und damit das
Leben weiter …
30
Tsakonien / Tsakonisch
Wikipedia
Der Titel unseres Vortrages am 9. März lautet: Winter in Tsakonien: Wo ist das? Nicht
einmal die gefragten Griechen wussten es. Hier die Antwort - natürlich aus Wikipedia:
Tsakonisch ist ein griechischer Dialekt, der noch in zehn Dörfern in der Region Lakonien auf der
Peloponnes
aktiv
gesprochen
wird.
Tsakonisch ist der einzige noch heute
gesprochene griechische Dialekt, der sich
nicht aus der hellenistischen Gemeinsprache (Koine) sondern aus dem antiken
dorischen Dialekt entwickelt hat.
Wiederentdeckt wurde das Tsakonische
durch den französischen Gelehrten JeanBaptiste Gaspard d‟Ansse de Villoison auf
dessen Griechenlandreise (1784–1786).
Erstmals gründlich erforscht wurde es
durch den Deutschen Michael Deffner, der
1881
eine
Zakonische
Grammatik
herausgab, und durch den Kreter Georgios
N. Chatzidakis
Ethnografische Karte der Peloponnes (A. Philippson) 1890
Typische Merkmale des Tsakonischen sind:
1. Rhotazismus: Wandel des [ s]- Auslautes in [ r], wenn der Anlaut des nachfolgenden Wortes
Vokal ist. Beispiele: ταπ αμερί (της ημέρας ), καλέπ ένι (Kαλός είναι), πούπ επέτσερε (πώς
είπες)
2. Erhalt des dorischen ā [ a:]: αμέρα (ημέρα), ψαυού (ψηλαυώ)
3. Wandel des [ θ] in [s]: ζάτη (θσγάτηρ), ζέρι (θέρος)rhalt des Digamma-Anlautes im Wort: βάννε
< Fαρήν (αρνί)
Zweisprachiges Schild (Tsakonisch-Griechisch) in Leonidio
31
Traumwelt in der Tiefe: Die Höhle von Kapsia
Wilfried Jakisch
www.argolis.de
Endlich geöffnet: Es hat fast drei Jahre
gedauert. Nun ist der bürokratische Hickhack
endlich vorbei. Die Höhle von Kapsia - nicht weit
von Tripoli - ist für die Öffentlichkeit zugänglich.
Anreise: Autobahn Richtung Tripoli nehmen.
Nach dem Artemission-Tunnel die Ausfahrt
Nestani nehmen und dann Richtung Olympia
fahren. Im Dorf Kapsia ist die Zufahrt zur Höhle
gut beschildert.
logen, Geologen haben hier ausgiebige Forschungen betrieben. Erschlossen sind etwa 6500
Quadratmeter, versehen mit professioneller
Ausleuchtung, untermalt mit dezenter Musik.
Alles so richtig geeignet, sich allerlei mystische
Gestalten und Figuren vorzustellen.
Wir möchten nicht zu viel versprechen, aber
diese Höhle übertrifft in ihrer Farbenpracht und
Vielfältigkeit viele andere. Auch der Grad der
Erschließung ist geradezu vorbildlich - gut
betonierte, breite und sichere Wege, Edelstahlgeländer, nicht zu hohe Stufen usw. machen
die Höhle auch für Besucher, die nicht ganz so
gut zu Fuß sind, erlebbar. Rollstuhlfahrer kommen leider nicht allzu weit, können aber auch
ein Stück in die Unterwelt eintauchen.
Muten die beiden Gestalten im Foto links unten
nicht wie zwei Wächter oder wie das Empfangskomitee der Höhle an? Stalagmiten und Stalaktiten (rechts im Bild) bilden bizarre Figuren. Hier
beeindruckt vor allem die farbliche Gestaltung.
Über hunderttausende von Jahren haben hier
Wasser und Salze die schönsten Kreationen
geschaffen. Man staunt immer wieder aufs
Neue über die unerschöpfliche Kreativität der
Natur.
Dass hier eine Höhle existiert, wusste man
schon lange, befindet sich doch hier die berühmte “Schwinde“ von Kapsia, wo Wassermassen einfach so in der Tiefe verschwinden.
Die Hochebenen rund um Tripoli haben fast alle
keinen natürlichen Abfluss, so dass sich das
Wasser seinen Weg suchen muss. Dies tat es
hier schon vor vielen Tausend Jahren, und das
Ergebnis ist die herrliche Höhle. Sie ist nicht nur
für Touristen interessant. Archäologen, Bio-
Es dauert übrigens zigtausende von Jahren bis
derartig schöne Figuren geformt sind. Versteht
sich daher von selbst, dass das “Mitnehmen”
schon kleinster Teile in Griechenland streng
bestraft wird. Die Wanderung durch die Höhle
32
dauert etwa 30 Minuten. Natürlich darf man
auch länger verweilen.
weniger. Knochenreste berichten von einem
tragischen Ende...
Die Höhle von Kapsia birgt ein grausiges Geheimnis. Vor etwa 10.000 Jahren hatten hier
Menschen - vermutlich vor winterlichen Wetterunbilden - Zuflucht gesucht. Wassermassen
überfluteten die Höhle – wahrscheinlich war der
Abfluss der Schwinde verstopft. Es waren 40
oder 50 Personen, ganze Familien, eingeschlossen in der Höhle. Die Nahrung wurde immer
Die Höhle wurde 1887 von französischen
Archäologen entdeckt, die im nicht weit entfernten Mantinea Grabungen durchführten.
1892 untersuchte eine griechisch-französische
Expedition die Höhle. 1911 schrieb eine französische Fachzeitschrift, dass es sich bei Kapsia
um eine der schönsten Höhle der Welt handelt.
Danach geriet sie leider - oder auch glücklicherweise in Vergessenheit. Viele frei zugängliche
Höhlen in Griechenland litten darunter, dass
Stalaktiten von “Touristen” als Souvenirs mit
nach Hause genommen wurden. Das ist der
Höhle in Kapsia erspart geblieben, weil sie
schwer zugänglich war. Über drei Millionen
Euro wurden hier in den vergangenen Jahren
investiert. Nun steht sie allen Besuchern offen.
Es lohnt sich also auf jeden Fall, die Höhle zu
besuchen.
Infos über Öffnungszeiten und Eintrittspreise in
Kürze auf www.argolis.de, dort können Sie
diesen Bericht übrigens in Farbe finden.
Peloponnes-Eisenbahn auf dem Abstellgleis?
Wifried Jakisch
www.argolis.de
Zugverkehr eingestellt
Nach einem Zugunglück am 9.
Dezember, bei dem in der Nähe
des Bahnhofs Achladókambos ein
Zug entgleiste und einer der
Passagiere ums Leben kam, hat
die griechische Staatsbahn den
Zugbetrieb auf den Strecken
Korinthos-Tripoli und KorinthosNafplio eingestellt. Kenner der
Materie befürchten nun, dass der
bedauerliche Unfall zum Vorwand
genommen wird, die unrentablen
Strecken gleich gänzlich einzustellen.
Das aktuelle Foto vom 11. Dezember
Warum der Unfall passierte - das gesamte Netz war bis 2008 komplett erneuert worden - ist unklar.
Eisenbahn-Freunde aus aller Welt werden es bedauern, denn die Peloponnes-Eisenbahn ist eine
erstrangige touristische Attraktion. Man müsste sie nur als solche erkennen und nutzen! Vielleicht
hat ja ein künftiger Investor Ideen... (Man hörte die französische Staatsbahn sei an dem maroden
Unternehmen interessiert).
Die erwähnte Befürchtung hat sich bestätigt, siehe unter Pressemeldungen.
33
Griechischer oder türkischer Kaffe
Fred Wyss
Januar 2011
Griechischer Kaffee oder türkischer Kaffee. Gibt es da einen Unterschied - und wenn ja
welchen? Ein wirklich überzeugende und einleuchtende Antwort kriegte ich vor ein paar
Jahren auf Kos.
Auf Kos gibt es eine türkische Minderheit. Die
meisten Türken, oder wie sie heute offiziell
heissen: Muslimische Griechen, wohnen im
„Türkendorf“ Platani / Kermetes, unterhalb vom
berühmten Asklepion gelegen. Dort gibt es
rings um die Platia herum eine ganze Reihe
schöner türkischer Restaurants. Wenn man auf
Kos ist, lohnt es sich durchaus mal dort
hinaufzufahren. Natürlich sprechen hier heute
alle Leute fliessend Griechisch, die Kinder
wahrscheinlich besser als Türkisch. Geworben
wird aber von den Restaurants bewusst und
erfolgreich mit türkischer Küche, wobei man
sich die Unterschiede zwischen den beiden
Küchen nicht allzu gross vorstellen darf.
Zeremonie am Tisch vor unseren Augen jedes
Briki auf der Gasflamme aufgeheizt und der
dreimal aufgekochte Kaffee in die Tasse
gegossen. Meiner kommt zuletzt.
„Wo ist denn jetzt da der Unterschied zum
griechischen Kaffee? Du hast doch den Kaffee
für alle vier aus derselben Dose genommen?“
„Ja sicher!“.
„Also ist es genau dasselbe!“
„Nein, sicher nicht!“
„Also der Kaffee ist derselbe, der Zucker ist
auch derselbe und zubereitet hast Du sie alle
genau gleich. Wo genau soll denn dann der
Unterschied liegen?“
Wir hatten am Mittag gut gegessen und bereits
angeregt mit dem unterbeschäftigten und
darum gesprächigen und zu Spässen
aufgelegten Kellner diskutiert und gelacht.
Ohne viel zu denken, bestellen meine
Begleiterinnen je einen „Elliniko“, einen
griechischen Kaffee. Damit es nicht zu einfach
wird jede in einer anderen Süssigkeitsstufe:
Einer „sketo“, einer „metrio“, einer „glicko“.
Dann die erschrockene Nachfrage an den
Kellner: „Hast Du überhaupt griechischen
Kaffee?“ „Sicher, kein Problem!“ Ich bestellte
dann ganz gezielt einen türkischen Kaffee.
Frage an den Kellner: „Gibt„s da überhaupt
einen Unterschied?“
„ Beim Wasser! ... Hier drin ist griechisches
Wasser, du hast türkisches Wasser.“
„ Was du hast unterschiedliches Wasser?“
„ Sicher! Glaubst Du nicht? Komm ich beweise
es dir!“
Es führt mich hinter die Theke zum Waschbecken und zeigt auf die Wasserhähne:
„Ja sicher!“
Während die Diskussion unter uns weiterging,
was denn nun der Unterschied sei, machte der
Kellner sich, von uns scharf beobachtet, hinter
der Theke ans Werk. Vier einzelne Brikis
(kleine Kaffeepfännchen), in jedes ein Löffel
Kaffee (halt, war das nicht alles aus derselben
Dose?), je nach Wunsch kein, ein oder zwei
Löffel Zucker und am Schluss Wasser vom
Wasserhahn. Dann wird in einer wahren
Rot
Blau
„Siehst Du: roter Punkt für türkisches Wasser,
blauer Punkt für griechisches Wasser!“
34
Kykladen - ein Plädoyer
Copyright 2011:
Richi auf www.kykladenfieber.de
Es ist, als ob du deinen Winterpelz ablegst.
Sobald der Flieger in Athen landet, fühlst du
dich wie in einer anderen Welt, frei und leicht.
Die Gedanken kreisen um die Kykladen Sonne, Wasser, die Menschen dort. Du spürst
die Wärme, die dich umgibt und du vergisst
alles von daheim, den Job, weißt nicht mehr,
was gestern war und freust dich auf morgen.
Schalte dein Telefon gar nicht erst ein. Endlich
bist du unerreichbar, für eine Weile, 2-3
Wochen, vielleicht auch 4.
Wenn die alten langsamen Fähren den Hafen
von Piräus verlassen und Athen in der Dunstglocke zurückbleibt, beginnt die Annäherung an
die Kykladen, weit draußen in der Ägäis. Minute
um Minute wird die Farbe des Wassers unter
dir immer blauer, erreicht einen satten dunkelblauen Ton. Die erste scheppernde Ansage auf
griechisch aus den Schifflautsprechern sagt dir
unmissverständlich: du verstehst zwar kein
Wort, aber du bist auf dem richtigen Weg.
„Domátio, Rooms“ schallt es dir ins Ohr. Natürlich weißt du schon, welche Bleibe dich interessiert, die ausführlichen Reiseführer machen es
dir leicht. Auch hast du schon etliche Infos aus
dem Internet gespeichert.
Du lässt dich auf das Abenteuer ein und landest
z.B. bei Maria. Saubere Zimmer, Blick aufs
Meer, und der Preis ist auch O.K., 30 Euro fürs
Doppel, das geht. Und Maria ist nett. Aus ihrem
Garten bringt sie Zucchini, Kartoffeln (die
dicken aus Naxos!) und Eier. Jeweils 5 Stück.
Wer soll das essen? Sie lädt zu einem Kaffee,
erzählt von der Familie, wobei du mal wieder
ein schlechtes Gewissen bekommst. Wegen
deiner fehlenden Griechisch-Kenntnisse. Den
letzten Winter über wieder nichts dazugelernt!
Drei Brocken Griechisch, der Rest in Englisch,
so geht´s. Und du bist überwältigt von ihrer
Freundlichkeit. Die hat nichts Berechnendes,
nichts Falsches, die meisten Griechen haben
bewahrt was wir als Kinder hatten.
Deine Haut ist noch blass, vom Winter nicht
verwöhnt, und du krempelst schon mal die
Ärmel auf. Aber den Hut nicht vergessen, die
Sonne sticht. Du gewöhnst dich an die Langsamkeit. 5 bis 6 Stunden Muße. Wie soll das
gehen?
Du beobachtest dein Umfeld, machst ein paar
Fotos. Das digitale Spielzeug lenkt dich ab.
Aber du merkst: die Reise ist interessanter, die
Ausblicke, die Geräusche. Und wie das hier
riecht! Das Meer, das Schiff. Unsere Erinnerung
kennt viele Bilder, die sie hervorholen kann,
aber selten Gerüche.
Wenn du deinen Tagesrhythmus gefunden hast
- Sigá, Sigá, - das ärmliche griechische Frühstück individuell aufgepeppt mit Joghurt oder
Käse, deine Haut sich etwas an die Sonne gewöhnt hat und das Meer schon gar nicht mehr
so salzig schmeckt wie vor ein paar Tagen,
geht‟s raus in die Berge. Du findest den alten
Eselsweg, der grob gepflastert hinauf führt und
sich in der Landschaft verliert. Bald bist du
allein, hörst nur noch den Wind und die
Glocken der Ziegen. Himmel und Meer verschmelzen zu einem Panorama in der Ferne.
Du näherst dich den Inseln, karg und unwirtlich
erscheinen sie von See aus. Hier soll das
Paradies sein? Kein Baum, kein Strauch. Nur
kleine weiße Häuser, die sich in der Sonne
langweilen.
Du kommst im Hafenort an. Dein Herz beginnt
zu klopfen. Du hast kein Zimmer gebucht,
kennst keinen Menschen hier. Du schwörst dir:
das nächste mal wieder Pauschal. Aber nach
fünf Minuten sieht die Welt anders aus:
35
Dein Körpergefühl kommt langsam zurück, es
macht Spaß sich zu bewegen, den Kreislauf auf
Trab zu bringen, die klare Luft zu atmen.
Immer im Blick die blaue Ägäis. Die nächste
weiße Kapelle am Horizont ist dein Ziel. Ein
Mann auf seinem Esel kommt dir entgegen,
grüsst, als wäre er ein alter Bekannter und
winkt mit seinem Stock. „Jássas…Chérete...
Sésti, polí sésti…Banjo, banjo…“
Du weißt, dazu brauchst du drei von diesen
kykladischen Stühlen, wackelig und mit Sitzfläche aus Bast. Einen zum Sitzen, einen für
das rechte Bein, einen für den linken Arm.
Dann sind sie bequem.
Die Qualität des Essens unterscheidet sich von
Lokal zu Lokal oft nicht sehr. Ein Bauernsalat
mit Feta-Käse ist schon die halbe Miete.
Danach etwas vom Grill, vielleicht einen Fisch
(der ist immer noch teuer in Griechenland,
warum eigentlich?). Und wundere dich nicht,
wenn dich keiner bedienen kommt. Man will ja
seinen Gast nicht stören. Vielleicht will er ja nur
verweilen und seine Ruhe haben. Mach dich
bemerkbar, am besten mit einem kräftigen
„Parakaló!“. Dann beginnt das Rad der Nacht
sich zu drehen – und der Krassí in deinem
Kopf.
Und diese Kargheit. Sie macht den Kopf klar.
Kein störendes Grün, kein Baum. Nur diese
verschwenderische
Fülle
von
Kräutern,
Thymian soweit das Auge reicht, mit diesem
Duft! Ein Blick durch das verstaubte Fenster der
Kapelle erregt die Fantasie: von wertvollen
Ikonen, goldenen Kerzenleuchtern, Pomp und
Prunk. Die Tür ist offen, die Realität nüchterner:
scheinbar billiges Messing, abgebrannte Kerzenstummel auf Untersetzern, in der Ecke der
Putzeimer. Morbider Charme.
Nach ein paar Tagen hast du dich eingelebt,
bist ein anderer Mensch. Aber schon geht es
weiter. Sachen gepackt, Schiffs-Ticket im Sack.
Die Neugierde ist zu groß. Neue Insel neues
Glück. Welche Insel ist die Beste?
Die Sonne brennt. Du suchst dir ein schattiges
Plätzchen, möglichst am Meer. Das Bad erfrischt, so türkis kann Wasser sein! Du spürst
den unbezahlbaren Luxus deines „Private
Pool“, mit nichts zu vergleichen.
Glaub mir, die Reisepläne von daheim werden
zu Makulatur. Es zählt nur das Hier und Jetzt.
Fahr, wohin der Meltemi dich trägt. Jede Insel
hat ihre Reize.
Zum Abend suchst du dir eine Taverne aus.
Bleib in der, wo es dir gefällt, setz dich ein
wenig.
Wie ein Kykladenurlaub funktioniert
Copyright 2011: Richi
auf www.kykladenfieber.de
Wie erklärst Du jemandem, der Dich danach fragt, wie ein Kykladenurlaub funktioniert?
Also, das geht einfach:
Zunächst müssen wir einmal die Vorurteile ausräumen, dass Urlaub etwas mit Perfektion,
Ästhetik, Gesundheit und gleichbleibend gutem
Wetter zu tun hat.
Dann müssen wir abklopfen, in wieweit unser
Proband die Begriffe Improvisation, Chaos,
Fahrplanänderungen, Sonnenbrand und wild
karierte Bettwäsche akzeptieren würde.
Erst dann können wir langsam an die separate
Papierentsorgung im WC denken. Ich würde sie
jetzt aber noch nicht erwähnen, sondern eher
auf den Vorteil des nicht zu heißen Duschens
unter am Körper klebenden Duschvorhängen
hinweisen, begleitet von nicht abfließendem
Duschwasser,
welches
die
Fußwäsche
bedingungslos ersetzt – viel beschrieben aber
immer noch aktuell.
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Oder auch auf Griechisch „Pu ine…“ dabei am
Ende das „parakaló“ nicht vergessen. Das
macht einen guten Eindruck und der Gastgeber
erkennt das Interesse an Land und Leuten.
Dass die Antwort mangels weiterer Griechischkenntnisse leider nicht wahrgenommen werden
kann, verzeiht jeder Grieche gern. Er quittiert
es mit einem Redeschwall, aus dem man allerhöchstens noch die Worte „Jermania? und
„Daimler, Stuttgart“ heraushört.
Dafür bergen die oft fadenscheinigen Handtücher den Vorteil der Energieeinsparung, sie
trocknen ratz fatz an der Sonne, eine Sonderzahlung zum CO2 Ausgleich kann entfallen!
Auf die jeweilige
Küchenausstattung sollte man
nicht so genau
schauen.
Die
Schubladen
beinhalten etliches, von dem
selbst der Hausherr keine Kenntnis mehr hat.
Aber das omnipräsente Internet beschränkt
diese Art der Kommunikation mehr und mehr,
denn jede Gyrosbude ist beschrieben, jedes
Bett, jeder Stuhl. Was sollte man noch fragen?
Das anschließende Frühstück dient lediglich zur
Vernichtung des alten Brotes vom Vorabend,
welches ja die bettelnden Katzen unter dem
Tavernentisch bereits lässig abgewunken
haben.
In lauwarmen Nescafé gestippt ist es doch noch
ein Gaumenschmeichler und schont den Zahn.
Blühende Landschaften, grüne Wälder, saftige
Wiesen, auf denen die Schafe und Ziegen
weiden, reifes Korn am Wegesrand im Einklang
mit farbigen Mohn- und Sonnenblumen, sanfte
hügelige Landschaften – all das haben die
Kykladen nicht zu bieten.
Nur mit den Fahrplänen kommen wir so nicht
weiter. Man kann sich einfach nicht darauf
verlassen, als wäre ein giftzwergiger Mehdorn
Chef über alle Fähren der Ägäis.
Doch das ist er nicht, es sind und bleiben
Poseidon und Aeolos - und die Gewerkschaften, die die Entspannung predigen. Denn
Streik ist ein gutes Mittel, um den hochnervösen Touristen griechische Gelassenheit
beizubringen.
Haben wir uns am Ende des Urlaubs an die
sich ständig wechselnden Wind- und Sonnenphasen gewöhnt, den obligatorischen Sonnenbrand endlich im Griff dank völlig preisüberzogener Sonnencreme - made in Germany –
wissen wir endlich die Kykladen und ihre
Menschen zu schätzen.
Statt dessen heißt es: kraxeln durch die karge
Landschaft bis das Knie schmerzt.
Der Verzicht von übersichtlichen Busfahrplänen
und überhaupt Transfer- Informationen zu Land
und zu Wasser sichert ein Höchstmaß an
körperlicher Bewegung und Kommunikation!
Denn wie könnte man schneller ins Gespräch
kommen als mit dem Satz: „Äh, wisst Ihr vielleicht wo hier…?“
Nützt aber nix. Man muss ja wieder weg. Bis
zum nächsten Mal, aber bis dahin hat man
schon wieder alles vergessen.
Also alles wieder von Anfang an.
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«Tension - Energy» von Costas Varotsos
Friederike Schmid
www.combyart.ch
Kreisel K17 - ein starkes Zeichen für den Aufbruch
Mit dem Kreiselkunstwerk «tension – energy»
entsteht in Root/LU die erste «Landmark» der
Region. Sie soll im Gedächtnis der Vorbeifahrenden haften bleiben und das Future Valley
Lucerne über dessen Grenzen hinaus bekannt
machen. «Tension - Energy» ist das Siegerprojekt eines internationalen KreiselkunstWettbewerbs im Rontal. Der Grieche Costas
Varotsos überzeugte die Jury mit seiner
einzigartigen, dynamischen Verbindung der
beiden Kreisel K17 und D4.
inmitten der idyllischen Landschaft des Rontals
aufzeigt».
Das Kreiselkunstwerk wird am 19. Mai 2011 ab
18.00h mit einem öffentlichen Anlass mit
Werner van Gent eingeweiht.
25 Meter hohe Stahlnadel.
Die Elemente des Siegerprojektes sind eine 25
Meter hohe, gebogene Stahlnadel auf dem
Kreisel K17, eine Betonhemisphäre auf dem
Kreisel D4 und ein Verbindungsseil. Der
Grieche Prof. Costas Varotsos wagte es damit
als einziger, die beiden in den Wettbewerb
einbezogenen Kreisel zu verbinden.
Anmeldung für den Anlass und nähere
Informationen beim D4 Business Center Luzern
in Root: [email protected], 041 455 20 20
Quelle: http://d4.nexanet.ch/de/architektur/kreisel_k17
Projektleiterin "tension - energy"
Communication by Art
Friederike Schmid
www.combyart.ch
«Tension - Energy» , ein Werk das künstlerisch
und ingenieurmässig die Grenzen sucht und
das «die wirtschaftliche und kulturelle Dynamik
Kurzmeldungen aus der Presse
Griechenlandzeitung, 5.1.2010
Weniger Bahn für mehr Geld
lm Zeichen der Sanierung der Staatsfinanzen und defizitären Betriebe der öffentlichen Hand, wenn
auch nicht unbedingt im Sinne des von der Regierung angekündigten „grünen Wachstums“, wurde
die Griechische Bahn OSE arg geschoren und zugleich die Preise erhöht.
Seit Neujahr gelten konkret folgende Änderungen: „Vorläufig ausgesetzt" wurde der Zugverkehr auf
den Strecken Athen-Alexandroupolis, Thessaloniki-Florina, Larissa-Kalambaka, Patras-PyrgosKalamata, Kalamata-Messene-TEI, Korinth-Tripolis-Nafplio, Thessaloniki-Skopje-Belgrad,
Thessaloniki-Sofia-Bukarest und Thessaloniki-lstanbul. Zugleich halten die Züge auf vielen
Strecken nicht mehr an allen Bahnhöfen an, während auf den Strecken Athen-Kalamata, PlatyJannitsa, Kalambaka-Grevena-Ioannina und Lamia-Karpenissi die Züge durch Busse ersetzt
werden, „sofern Nachfrage besteht“. Andererseits werden die Züge aus Zentralgriechenland und
Thessalien über den neuen Eisenbahnknotenpunkt in Acharnes bei Athen (SKA) an den Athener
Flughafen sowie ab dem Sommer an den Hafen von Piräus angebunden.
Die neue Preisgestaltung orientiert: sich weitgehend an den Preisen für die Überlandbusse KTEL.
So kostet zum Beispiel die Strecke Thessaloniki-Kalambaka statt 8.90 € seit Neujahr 15 € und die
Strecke Athen-Thessaloniki 39 €, während der Fahrpreis für den IC auf derselben Strecke
von 36.30 € auf 55.20 € angehoben wurde. (GZak)
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Griechenlandzeitung, 22.12.2010
Zwischen Arta im Epirus und Trikala in Thessalien besteht seit Mittwoch eine schnellere und
sicherere Straßenverbindung - dank dem neuen, 1.5 Kilometer langen Gropa-Tunnel, der unter
dem gleichnamigen Pass hindurchführt. Die offizielle Einweihung wurde am Montag von
Verkehrsstaatssekretär Jannis Magriotis vorgenommen. (GZak)
Tunnel zwischen Arta und Trikala eröffnet
Protest vor der deutschen Botschaft in Athen
Griechenlandzeitung, 8.1.2011
Griechenland / Athen. Eine Protestkundgebung vor der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland
in Athen hielten am Donnerstagabend Einwohner von Distomo ab. Sie forderten eine
Entschädigung für deutsche Kriegsverbrechen während des zweiten Weltkrieges. Ein
entsprechendes Gerichtsverfahren wird am 14. Januar am Internationalen Gerichtshof von Den
Haag stattfinden. Am 10. Juni 1944 waren 218 Einwohner von Distomo durch die deutschen
Besatzer brutal ermordet worden. Über das Massaker und über einen der Überlebenden wurde
u.a. ein vielbeachteter Dokumentarfilm gedreht. Er trägt den Titel „Ena Tragoudi gia ton Argiri“ zu
Deutsch „Ein Lied für Argiris“. (Griechenland Zeitung / eh)
Reisetipps für Berner Hellasfreunde
Aaretal Reisen mit Direktflügen nach Griechenland
Ab Mai bietet Aaretal Reisen zusammen mit Helvetic Airways die Destinationen Preveza (Parga
und Lefkada), Heraklion, Kos und Zakynthos einmal wöchentlich mit Flug direkt ab Bern-Belp an.
Neu ins Programm aufgenommen wurden Heraklion (Kreta) mit Abflug am Mittwochmorgen und
Kos mit Abflug am Donnerstagmorgen. Der Dreiecksflug nach Preveza und Zakynthos findet
jeweils am Freitag statt. Die Direktanbindungen ab Bern nach Heraklion, Kos und Zakynthos
werden zusammen mit dem Partner Kuoni durchgeführt. Damit rückt Griechenland ein Stück näher
nach Bern.
Pension Trifilli auf Kefalonia - von Hellasfreunden „getestet“ und empfohlen.
1987 eröffneten die Brüder Vangelis, Makis und Panagis in einem alten
Orangenhain die Pension und Taverne Trifilli. Seit 1989 trägt auch die
Schweizerin Susan Fisch Dimitratos einen wichtigen Teil zum Erfolg des
für sanften Tourismus und gesunde, vielfältige Küche bekannten
Familienbetriebs bei.
Pension Trifilli
28083 Lourdata
GR-Kefalonia
Tel: 0030 2671 0 31114
Fax: 0030 2671 0 31484
Email: [email protected]
Die ungezwungene und familiäre Atmosphäre wird von den Gästen sehr
geschätzt. Es gibt Zimmer und Appartements. Der Strand liegt 300 Meter www.trifilli.com
(3 Minuten bergab, 7 Minuten bergauf) vom Haus entfernt. Auf 3 Kilometern Länge verteilen sich
Sand- und Kiesabschnitte und kleine Buchten.
Das Trifilli ist, mit Direktflug Zürich-Kefalonia, buchbar bei Denner-Reisen (www.denner-reisen.ch)
oder natürlich direkt bei Susan. Susan und Vangelis sind übrigens seit drei Jahren Mitglieder der
Hellasfreunde, und Susan hat bereits zweimal als Autorin in unserem Bulletin mitgewirkt.
Lesbos, mit unseren Mitgliedern Marianne Moser und Stephan von Arx
- von Hellasfreunden „getestet“ und empfohlen.
Lesvosreisen GmbH
Es gibt aus unserer Sicht kein schöneres Reiseziel als die Insel Lesvos.
Die Natur auf dieser Insel bietet eine eindrückliche Kulisse für schöne
Momente und vielfältige Aktivitäten. Es ist unser Anliegen aus unserer
Wahlheimat in mehr oder weniger regelmässigen Abständen über alltägliche Ereignisse sowie unsere Reiseangebote zu berichten.
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M. Moser & St. von Arx
Breitenackerstrasse 160
CH-4634 Wisen
Tel. 0030 694 764 33 66
www.lesvosreisen.ch
Appartements Rocky Docky auf Kos (z.B. kombinierbar mit Nurflug ab Bern-Belp)
Rocky Docky, die kleine und liebenswerte Ferienanlage, ist ein
Rocky Docky
Familienbetrieb. "Gast sein - und nicht fremder Besucher." So werden E. & A. Toubazis-Marbacher
Nea Alikarnassos
Sie durch uns vom ersten bis zum letzten Urlaubstag betreut.
GR-85300 Kos
Ihre Gastgeber, Familie Toubazis-Marbacher: Esther Marbacher,
Telefon: 0030-22420-27171
Schweizerin (1982 als Reiseleiterin nach Kos gekommen), Ehemann
Mobile: 0030-6944 360174
Apostolis Toubazis, Grieche, und die drei zweisprachig aufgewachim Winter:
senen Töchter, bieten Ihnen eine gepflegte und gemütliche UrlaubsTelefon: 041 210 42 63
atmosphäre. Es gibt Zimmer, Studios und Appartements.
Mobile: 078 811 19 87
mail: [email protected]
Hier können Sie unkomplizierte Ferien machen, ohne Rücksicht auf
www.rocky-docky.ch
einen Hotel-Betrieb oder Speisesaal-Etikette nehmen zu müssen.
Die Wichtigsten Veranstaltungen in Bern und Umgebung
Stand 22. 2. 2011: Aktuelle Informationen zu Veranstaltungen sowie zu TV-/Radiosendungen zum Thema Griechenland finden Sie jederzeit auf www.hellasfreunde.ch.
Mittwoch, 30. März, 20:00 Uhr in Ostermundigen
Hellasfreunde Bern, Eintritt frei
Die griechischen Inseln Skyros und Euböa - Dia-Vortrag von Jannis Ammon (Basel).
Er erzählt von seinen Reisen die er allein oder als Reiseleiter auf diese zwei weniger bekannten
Inseln gemacht hat und zeigt dazu seine schönen Bilder.
Sponsor: Imbach-Reisen
Samstag 2. April ab 18:00 Uhr in Bern
Restaurant Athen, Falkenplatz 1, 3012 Bern, Tel. 031 301 65 55, www.athen-bern.ch
Zwischen 18 bis 20 Uhr: Kretische Weindegustation der Firma Kalinos Weine.
Ab 20 Uhr: Griechischer Abend: Buffet à discretion, Live-Musik ("Trio Micropole"), Preis Fr. 55.-.
Sonntag, 24. April, ab 11:00 Uhr in Gwatt bei Thun
Osterfest der Griechischen Gemeinde Bern im Gwattzentrum am Thunersee. Details folgen auf
www.hellasfreunde.ch und www.grgb.ch.
Mittwoch, 27. April 20:00 Uhr in Ostermundigen
Hellasfreunde Bern, Eintritt frei
Freiheit oder Tod - Referat von Plutarch Chiotopoulos: Der griechische Befreiungskrieg von 1821
gegen die osmanische Besatzung wurde vor 190 Jahren ausgerufen. Ein Referat mit vielen Bildern
und Illustrationen vom Historiker Plutarch Chiotopoulos (lic.phil.)
Sponsor: Nikos-Import
Samstag, 7. Mai ab 13:00 - 17:00 Uhr in Wattenwil
Weinprobe bei Nikos Import, Nikos Hadzikalymnios, Verzinkereiweg 5, 3665 Wattenwil
Telefon: 033 356 10 94, Mobile: 079 633 04 08; www.nikos-import.ch
Freitag, 20. Mai und Samstag, 21. Mai in Kallnach
Gasthof weisses Kreuz, Mitteldorf 16, 3283 Kallnach, Telefon: 032 392 14 03
Griechischer Abend mit grossem Buffet und Live-Musik. Details folgen
Donnerstag, 2. Juni, 20:00 Uhr (Türöffnung ab 19:00 Uhr) in Zürich
Kongresshaus, Claridenstrasse 5, 8022 Zürich, Web: kongresshaus.ch, Tel.: 044 206 36 36
Haris Alexiou - European Tour 2011, Preise: Fr. 46.- bis Fr. 96.-, Tickets: www.starticket.ch
Provisorische Termine in der nächsten Saison, Oktober 2011 – April 2012:
Mittwoch 26.10.2011, Mittwoch 16.11.2011, Mittwoch 7.12.2011, Freitag 27.01.2012 (MV),
Mittwoch 15.2.2012, Mittwoch 7.3.2012, Mittwoch 28.3.2012, Mittwoch 25.4.2012
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