1 Der Hallux valgus, auch Ballenzeh oder Überbein genannt

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1 Der Hallux valgus, auch Ballenzeh oder Überbein genannt
rbb PRAXIS sucht Ihre Krankengeschichte!
Sie haben gesundheitliche Beschwerden? Sie sind schon bei verschiedenen Ärzten gewesen und haben
immer noch keine klare Diagnose? Sie wären bereit, sich einer Live-Diagnose im Studio zu unterziehen? Sie
wohnen in Berlin oder Brandenburg? Wir können Ihnen vielleicht helfen.
Dann bitten wir Sie, uns kurz Ihre Krankengeschichte zu schildern und Kopien Ihrer Arztbefunde zu
schicken. Wenn möglich, legen Sie bitte ein Foto von sich bei.
Wir arbeiten mit einer Reihe von Ärzten zusammen, die zur Live-Diagnose zu uns ins Studio kommen.
Vielleicht finden wir Ärzte, die Ihnen helfen könnten.
Schreiben Sie uns eine E-Mail und schicken Sie Arztbefunde als Anhang an:
[email protected]
oder schicken Sie uns alles per Post an:
Redaktion rbb PRAXIS
Masurenallee 8-14, 14057 Berlin
rbb Praxis – Das Gesundheitsmagazin
16.10.2013, 20.15 – 21.00 Uhr
Die Themen:
• Hallux valgus - Unerträgliche Schmerzen im Fuß
• Erkältungsmythen
• Erste Hilfe - aber richtig!
• Krampfadern: nicht nur ein ästhetisches, auch ein medizinisches Problem!
• Rückentraining zu Hause - die rbb Praxis macht den Geräte-Test
• High-Tech für Sehbehinderte
Hallux valgus – unerträgliche Schmerzen im Fuß
Der Hallux valgus, auch Ballenzeh oder Überbein genannt, ist die am weitesten
verbreitete Fußkrankheit. 10 Millionen Menschen in Deutschland leiden daran. Frauen
sind dabei weitaus häufiger betroffen, im Verhältnis neun zu eins. Übrigens: Auch
Victoria Beckham soll diese Fußprobleme haben. Manchmal wird allerdings bei der
Diagnose Hallux valgus zu schnell zu einer Operation geraten. Die Folgen können
dramatisch sein, so wie im beschriebenen Fall der rbb Praxis.
Ein Fuß besteht aus 28 Knochen, etlichen Gelenken, Muskeln und mehr als 100 Bändern.
Sie spannen sich rund um den Fuß wie die Streben eines Fensters. Werden die Bänder zu
weich, geht der Fuß in die Breite, der Hallux valgus entsteht - eine Fehlstellung des
Großzehengrundgelenkes. Ihm geht fast immer ein sogenannter Spreizfuß voraus. Dabei
ist der vordere Teil des Fußes verbreitert. Die Zehen können schmerzen, es bildet sich
vermehrt Hornhaut. Wird der Ballen auf der Fußinnenseite dick und rot, während sich
gleichzeitig der große Zeh zum Nachbarzeh dreht, hat sich aus dem Spreizfuß ein Hallux
valgus entwickelt. Er geht mit weiteren zahlreiche Beschwerden einher: Von
krampfartigen stechenden Schmerzen in Ruhe bis hin zu Laufproblemen selbst auf
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kürzesten Strecken oder einem entzündeten Schleimbeutel kann die schiefe Zehe das
Leben erschweren.
Begünstigt wird die schiefe Zehe dadurch, dass meist Frauen jahrelang enge hohe
Schuhe tragen. Auch Berufe, in denen Betroffene stundenlang stehen müssen, können
zum Hallux valgus führen.
Zur Diagnose empfiehlt sich ein Röntgenbild. Es zeigt, wie weit die Fehlstellung
vorangeschritten ist und ob das Großzehengrundgelenk schon verändert ist. Denn oft
führt ein Hallux valgus zu einer Arthrose, da sich das Gelenk durch die Fehlstellung
schneller abnutzt. Um Beschwerden zu lindern, können zunächst orthopädische
Einlagen, Schaumstoffpolster, Nachtschienen und Bandagen ausprobiert werden. Sie
entlasten den Vorfuß und nehmen den Druck. Die Hilfsmittel können einen Hallux valgus
jedoch nicht rückgängig machen.
Hat sich der Zeh bereits zu stark verformt, kann nur eine Operation helfen, um die
Fehlstellung zu korrigieren. In der Literatur sind mehr als 100 Varianten von Hallux
valgus-Operationen beschrieben. Von der Entfernung des Knochenvorsprungs über die
Umstellung (Osteotomie) des Mittelfußknochens bis hin zur Versteifungsoperation ist
alles möglich. Wann welches Verfahren infrage kommt, hängt unter anderem davon ab,
wie stark der Hallux valgus ausgeprägt ist. Durch den Eingriff wird der Zeh wieder
begradigt. In vielen Fällen verschwinden dann die Beschwerden. Die Heilung dauert im
Normalfall sechs bis acht Wochen. Im Anschluss an die Operation trägt der Patient meist
einen belastungsschonenden Schuh, damit er sich während der Genesung bewegen
kann.
Experten raten nur zu einer korrigierenden Operation des Hallux valgus, wenn
medizinische Beschwerden vorliegen. Bei rein kosmetischen Problemen warnen sie
hingegen vor vorschnellen Eingriffen. Je nach Methode sind bei der Operation nicht nur
die Knochen, sondern auch Weichteile wie Sehnen, Muskeln und Schleimbeutel
betroffen. Eine intensive Belastung ist erst nach drei bis sechs Monaten möglich.
Monatelang müssen die Betroffenen zudem einen Spezialschuh tragen. Und nicht immer
bringt ein Eingriff die gewünschte Beschwerdefreiheit. Kleine Fehlstellung des Großzehs,
die keine Beschwerden verursachen, sollten daher nicht unbedingt operiert werden.
Expertin im Beitrag:
Oberärztin Dr. Cara Winter
Fußchirurgin
Martin-Luther-Krankenhaus Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie
Caspar-Theyß-Straße 27-31
14193 Berlin
Tel.: 030 – 895 5-0
E-Mail: [email protected]
Serviceadressen:
Gesellschaft für Fußchirurgie e.V.
Gewerbegebiet 18
82399 Raisting
E-Mail: [email protected]
Verband Deutscher Podologen (VDP) e.V.
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Obere Wässere 3-7
72764 Reutlingen
Tel.: 07121-33 09 42
E-Mail: [email protected]
Erkältungsmythen
Herbstzeit ist Erkältungszeit. Die harmlosen grippalen Infekte sind weit verbreitet:
Durchschnittlich erkranken Erwachsene drei Mal pro Jahr, Kleinkinder haben bis zu
zwölf Infekte und ein Kind im Vorschulalter mindestens sechs pro Jahr. Wie es zu den
ständig wiederkehrenden Infekten kommt, scheint in der Bevölkerung jedoch weniger
bekannt.
Erkältungen entstehen durch Kälte
Stimmt nicht, Verursacher von Infekten sind immer Viren und Bakterien. Während der
kalten Monate haben die Erreger aber ein besonders leichtes Spiel, in den Organismus
einzudringen. Denn trockene Heizungsluft verhindert, dass die Schleimhäute gut
befeuchtet und durchblutet sind. Zudem löst das Zusammenspiel von Zellbotenstoffen
bei Zimmertemperatur eine angemessene Immunreaktion aus. Bei Minusgraden gerät es
hingegen aus dem Gleichgewicht.
Grippe und Erkältung sind eins
Die „echte Grippe“ wird durch Influenzaviren ausgelöst und tritt hierzulande vor allem
während der Wintermonate gehäuft auf. Eine Erkältung ist dagegen ein banaler Infekt
und wird durch Rhino- und RS-Viren, aber auch Adeno- und andere Viren verursacht.
Anders als bei der Erkältung fühlen sich die Betroffenen der „echten Grippe“ plötzlich
schwer krank, haben hohes Fieber, Reizhusten und starke Gliederschmerzen. Vor allem
bei abwehrschwachen Menschen kann sie zu lebensgefährlichen Komplikationen führen.
Jährlich sterben mehrere Tausend Menschen daran. Gegen die Grippe kann man sich
jedes Jahr impfen lassen.
Küssen ist ansteckend
Falsch. Erreger von Erkältungen gelangen über Tröpfcheninfektion von Mensch zu
Mensch. Sie werden millionenfach in Form von Minitröpfchen beim Niesen und Husten
zum Nachbarn geschleudert und gelangen meist über dessen Atemwege in dessen
Organismus. Über den Mund übertragene Erreger werden verschluckt und im Magen
zerstört.
Sauna härtet auch kurzfristig ab
Nein, nur wer regelmäßig sauniert, zehrt langfristig von den thermischen Wechselreizen.
Bereits nach einem Vierteljahr regelmäßiger Saunaanwendung lassen sich deutliche
Effekte nachweisen – Saunagänger erkranken dann seltener, kürzer und weniger schwer
als Nicht-Saunagänger. Allerdings ist Sauna nicht im akuten Krankheitsfall zu
empfehlen. Denn die Hitze und die anschließenden kalten Duschen können bei bereits
kranken Menschen das Immunsystem überfordern und die Erkältung verschlimmern.
Insbesondere bei Fieber ist die Sauna tabu.
Ältere Menschen haben öfter Erkältungen
Stimmt nicht. Das Immunsystem entwickelt sich über die Jahre: Wird das Baby gestillt,
ist es durch die spezifischen Antikörper in der Muttermilch geschützt. Danach muss das
kindliche System alleine klar kommen, bis es im Alter von 10 bis 12 Jahren voll
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entwickelt ist. Kinder sind daher sehr infektanfällig, das immunologische Gedächtnis
lernt jedoch mit jedem Infekt dazu. Zudem sind im fortgeschrittenen Alter viele Erreger
schon bekannt und daher nicht mehr gefährlich.
Antibiotika werden es schon richten
Im Gegenteil: Ärzte in Praxis und Klinik wenden bis zu 70 Prozent der Antibiotika falsch
an. Antibiotika helfen nur, wenn Bakterien Auslöser der Erkrankung sind – gegen Viren
sind sie wirkungslos. Nur wenn der Arzt feststellt, dass bei der Erkältung auch
(zusätzlich) eine bakterielle Infektion vorliegt, sind die Arzneien sinnvoll. Das Problem an
dem flächendeckenden Einsatz der Antibiotika: Immer mehr Keime werden
unempfindlich gegen die verfügbaren Medikamente.
In der Erkältungszeit nichts anfassen
Klar ist: Erreger gelangen über die Schleimhäute ins Innere des Körpers. Die Haut ist für
sie eine undurchdringbare Barriere. Dennoch können Erreger, die sich über Stunden auf
Flächen und an Türklinken halten, natürlich über die Hände und von dort zur
Nasenschleimhaut gelangen. Häufiges Händewaschen ist daher sinnvoll. Das
Desinfizieren der Haut ist im Alltag nicht zu empfehlen, es zerstört die natürliche
Schutzschicht der Haut.
Heiße Zitrone lindert Erkältungen
Wenn Kranke das Gefühl haben, dass eine heiße Zitrone ihnen hilft, liegt das vor allem
an dem „heißen Getränk“. Das Vitamin C wird beim Erhitzen zerstört. Und es hilft dem
Immunsystem weder vorbeugend noch in besonders hohen Dosen.
Gegen Erkältung ist man immun
Zwar baut das Abwehrsystem gegen fast alle viralen Eindringlinge nach dem Erstkontakt
eine Immunität auf. Es dringen aber immer wieder Erreger ein, die das Immunsystem
nicht erkennt. Erneute Infektionen sind also entweder durch neue unbekannte Viren
verursacht oder durch ehemals bekannte und nun durch Genmutation veränderte Viren.
Sie wandeln sich dabei so in ihrer Struktur, dass die Antikörper des Abwehrsystems sie
nicht wiedererkennen und eine Infektion nicht sofort verhindern können.
Abhärten bringt nix
Stimmt nicht. Abhärten heißt aber nicht übertreiben. Eine ausgewogene Ernährung,
reichlich Bewegung, viel frische Luft, ausreichend Schlaf, ein Gleichgewicht zwischen
Beruf und Freizeit sowie persönliche Zufriedenheit stärken das Immunsystem
nachhaltiger als so manches Training in der „Muckibude“ oder eine 100ter Packung
Multivitamintabletten.
Experte im Beitrag:
Praxis Dr. Frank Krimphove
Arzt für Allgemeinmedizin
Hauptstr. 20
14624 Dallgow-Döberitz
Tel.: 03322 - 3373
http://drkrimphovemedicus4you.jimdo.com/
E-Mail: [email protected]
Erste Hilfe – aber richtig!
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Durchschnittlich sieben Minuten dauert es, bis Rettungskräfte bei einem Notfall
eintreffen. In ländlichen Gegenden kann es jedoch erheblich länger dauern. Da ist es
wichtig, dass Menschen, die zufällig vor Ort sind, den Verletzten sofort helfen können.
Erste Hilfe ist dann das Gebot der Minute. Aber, wissen Sie noch, wie die stabile
Seitenlage funktioniert, oder wie Sie korrekt wiederbeleben? Die rbb Praxis zeigt, wie es
richtig geht.
Unter Erster Hilfe versteht man sofortige Hilfsmaßnahmen an Ort und Stelle des
Notfalls, bevor der Betroffene in ärztliche Behandlung kommt. Einer aktuellen Umfrage
des ADAC zufolge trauen es sich Dreiviertel der Befragten theoretisch zu, Erste Hilfe zu
leisten. Doch im entscheidenden Augenblick zögern viele dann doch. Einer der
Hauptgründe ist Experten zufolge die Angst, etwas falsch zu machen. Doch oft sind es
nur wenige Handgriffe, die im Ernstfall über Leben oder Tod entscheiden können.
Bei der Hilfe am Verletzten kann als Gedankenstütze die ABC-Regel helfen. Mit ihr lassen
sich die Vitalfunktionen des Patienten klären: A wie Atmung, B wie Bewusstsein, C wie
Circulation (Englisch für Kreislauf).
1) Atmung
Durch die Atmung werden alle Zellen des Körpers mit lebensnotwendigem Sauerstoff
versorgt. Gleichzeitig wird Kohlendioxid aus dem Körper ausgeschieden. Das
Atemzentrum steuert die Atemtätigkeit und damit die Ein- und Ausatmung; es sitzt im
verlängerten Rückenmark. Bei Bewusstlosigkeit erschlaffen jedoch die Muskeln. Liegt
der Betroffene in Rückenlage, kann so die Zunge in den Hals zurücksinken und die
Atemwege blockieren. Vor allem bei Bewusstlosen muss daher unbedingt geprüft
werden, ob der Verunglückte noch atmet.
Um die Atmung zu kontrollieren, muss der Helfende den Hals des Patienten
überstrecken und den Mund leicht öffnen. Dann neigt er den Kopf des Betroffenen nach
hinten, und hebt gleichzeitig sein Kinn an – so legt er die Atemwege frei. Nun kann der
Helfer die Atemkontrolle durch Sehen, Hören und Fühlen überprüfen: Er kann sehen, ob
sich der Brustkorb hebt und senkt. Er kann hören, ob Atemgeräusche vorhanden sind. Er
kann mit Ohr und Wange prüfen, ob Luftstrom des Betroffenen fühlbar ist. Die Atmung
wird längstens zehn Sekunden kontrolliert.
Atmet der Patient wiederholt normal, wird er in die stabile Seitenlage gelegt und dann
der Notruf verständigt! Dazu stellt der Helfer das Bein auf und legt die Hand des
Patienten quer über den Brustkorb an die Wange. Dann dreht er die verletzte Person zu
sich. Nun legt er – wie beim Bewusstlosen – die Atemwege frei, indem er den Kopf
überstreckt und den Mund öffnet.
2) Bewusstsein
Ist der Patient ansprechbar oder ist er bewusstlos? Das Bewusstsein des Menschen
zeichnet sich durch die Fähigkeit aus, sich räumlich/zeitlich zu orientieren, auf Fragen
zur eigenen Person zu antworten und auf Reize (z.B. Schmerz) zu reagieren. Um
herauszufinden, ob ein Patient bei Bewusstsein ist, kann man ihm Fragen stellen, auf die
er eindeutig und kurz antworten kann, wie z.B. die Frage nach seinem Namen. Reagiert
der Betroffene nicht, sollte man ihn an den Schultern rütteln.
3) Herz-Kreislauf
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Wenn keine normale Atmung feststellbar ist oder daran Zweifel bestehen, muss der
Helfer bei einer bewusstlosen Person von einem Kreislaufstillstand ausgehen. Dann
muss er den Patienten umgehend wiederbeleben. Dafür kniet er neben ihm und platziert
seine Hände über Kreuz auf dessen Brustkorb. Nun drückt er seine gestreckten Arme
kräftig nach unten – das sollte möglichst schnell hintereinander und ohne Pause
geschehen. Auf 30 Mal Pressen folgen zwei Hübe Luft: Dafür hält der Helfer die Nase
des Betroffenen zu und spendet ihm über den eigenen Mund Luft. Wer sich vor der
Mund-zu-Mund-Beatmung scheut, kann sie nach neuesten Erkenntnissen auch auslassen.
In jedem Fall sollte aber die Herzdruckmassage kontinuierlich durchgeführt werden, bis
die Rettungskräfte am Unfallort eintreffen oder die Eigenatmung des Verletzten wieder
eintritt.
Anzeichen für eine erfolgreiche Atemspende sind, wenn sich die Hautfarbe an Lippen,
Fingern, Ohrläppchen normalisiert und sich Bewegungen im Bereich des Halses oder
andere Bewegungen zeigen. Auch wenn die Atmung wieder eintritt, sollte immer wieder
das Bewusstsein, die Atmung und der Puls kontrolliert werden. Bei erneutem Aussetzen
der Atmung muss die Atemspende sofort wiederholt werden.
Beim Helfen sollte man jedoch auch den Selbstschutz nicht vergessen. Das heißt, man
sollte sich selbst nie in Gefahr bringen, beispielsweise bei einem Autounfall auf einer
befahrenen Straße. Bei Verkehrsunfällen ist dazu ein Warndreieck etwa 100 Meter vom
Unfallort entfernt aufzustellen. Dann erst wird der Notruf 112 abgesetzt.
Empfehlenswert ist es, regelmäßig an einem Erste-Hilfe-Kurs teilzunehmen. Hier
vermitteln professionelle Ausbilder in acht Doppelstunden, wie Laien in nahezu jedem
Notfall in Freizeit und Beruf richtig helfen können. Autofahrern rät das DRK, die
Kenntnisse in Erster Hilfe alle drei Jahre aufzufrischen. In den praxisnahen Erste-HilfeLehrgängen lernen Interessierte, mit einfachsten Handgriffen Menschenleben zu retten.
Neben dem DRK bieten fast alle Hilfsorganisationen (z.B. auch der Arbeiter Samariter
Bund oder die Johanniter-Unfallhilfe) Kurse an. Die Kosten betragen zwischen 20 und
35 Euro.
Zudem bietet das DRK eine offizielle Rotkreuz-App. Mit der App „Erste Hilfe“ des
Deutschen Roten Kreuzes ist erstmalig die interaktive Begleitung in einer
Notfallsituation per iPhone, iPad und Android-Smartphone möglich. Die App kann
ebenso dazu benutzt werden, auf spielerische Weise das Verhalten in solch akuten
Situationen zu üben. Im Programmteil „Der kleine Lebensretter“ wird zusätzlich
Hintergrundwissen zu den unterschiedlichsten Erste Hilfe-Themen vermittelt.
Expertin im Beitrag:
Marita Ackermann
DRK Berlin
Ausbilderin Erste Hilfe
Deutsches Rotes Kreuz
Berliner Rotes Kreuz e.V.
Bachestraße 11
12161 Berlin
Tel.: 030 – 850 05 0
E-Mail: [email protected]
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Krampfadern: nicht nur ein ästhetisches, auch ein medizinisches Problem!
Welche Therapie ist die beste? Und: was hilft gegen Besenreiser? Krampfadern sind ein
typisches Zeichen unseres bewegungsarmen Lebensstils: Durch viel Stehen und Sitzen
lastet täglich viele Stunden ein erheblicher Druck auf den Venen – sie machen mit der
Zeit schlapp. Aber auch eine ererbte Bindegewebsschwäche kann dahinter stecken.
Krampfadern liegen in der Familie – so sagt man. Schön sehen sie nicht aus, doch
entfernt werden müssen sie nicht aus kosmetischen Gründen. Sie sind ein ernsthaftes
Gesundheitsproblem – bei Frauen und Männern.
Nächtliche Wadenkrämpfe, ein Ziehen von der Wade bis hinein in den Oberschenkel und
ständige Schmerzen: Krampfadern sind lange unsichtbar. Treten aber irgendwann akute
Symptome auf, sollte man sich schnell um das Venenleiden kümmern. Denn
Krampfadern sind medizinisch häufig viel ernster als gedacht und mitnichten nur ein
kosmetisches Problem. Die langfristigen Folgen unbehandelter Krampfadern sind
zahlreich: Es kann zu Stauungen des Blutes in den Ober- und Unterschenkeln kommen,
zu juckenden Unterschenkelekzemen oder zu einer Thrombose. Auch Schwellungen und
Verhärtungen des Gewebes und Verfärbungen der Haut sind nicht selten. Im
schlimmsten Fall führen unbehandelte Krampfadern zu „offenen Beinen“.
Krampfadern entstehen, wenn die Gefäßklappen in den Venen funktionsuntüchtig
werden. Durch die „undichten“ Klappen kann das venöse Blut nicht mehr vollständig
zum Herzen zurücktransportiert werden. Stattdessen staut es sich in den unteren
Beinabschnitten. Mit der Zeit weiten sich die Gefäße, Wasser tritt aus dem Gewebe und
Sauerstoff wird nicht mehr ausreichend transportiert.
Das Risiko für Krampfadern steigt mit der familiären Disposition, Übergewicht, der
Einnahme der Pille, einer Schwangerschaft sowie durch Berufe, die stundenlanges
Stehen und Sitzen erfordern. Auch moderne rüttelnde Sportgeräte wie zum Beispiel ein
Powerplate können Krampfadern begünstigen. Die Diagnostik der Krampfadern erfolgt
mithilfe von Ultraschall (Doppler- und Duplexsonografie). Dabei prüft der Arzt den
Blutfluss in den Venen, die Dichtigkeit der Venenklappen und die Durchgängigkeit des
tiefen Venensystems. Zudem sucht er nach Zeichen der fortgeschrittenen chronisch
venösen Insuffizienz wie Ödeme und Hautveränderungen. Eine Röntgenuntersuchung
mit Kontrastmittel ist nicht mehr notwendig.
Vorbeugend hilft regelmäßige Bewegung. Das stärkt die Muskulatur – und die natürliche
Muskelpumpe. Sie sorgt dafür, dass venöses Blut aus den Beinen gegen die Schwerkraft
besser zum Herzen zurücktransportiert wird. Ebenso können Schuhe mit gewölbten
Schuhsohlen (MBT) Krampfadern vorbeugen. Wer zu der Venenproblematik neigt, sollte
nicht rauchen, auf Langzeitflügen und bei stehenden Tätigkeiten feste
Kompressionsstrümpfe tragen, regelmäßige Kneipp-Kuren durchführen und rotes
Weinlaub-, Rosskastanien und Traubenkernextrakt zu sich nehmen.
Besenreiser können auf Krampfadern hinweisen
Versteckte Krampfadern können sich zudem durch Besenreiser zeigen. Das sind kleine
erweiterte - und dadurch sichtbare – Venen der obersten Hautschicht. Sind sie sehr fein
und oberflächlich, schimmern sie eher rot, dickere tiefer gelegene eher bläulich durch
die Haut. Betroffen sind auch schon junge Menschen, aber die Häufigkeit der
Besenreiser nimmt mit dem Alter zu. Zwei Drittel aller Frauen und ein Drittel der Männer
sind von den unschönen „Gefäßbäumchen“ betroffen.
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Meist sind Besenreiser nur ein kosmetisches Problem und haben keinen Krankheitswert.
Manche Experten bezweifeln sogar ganz einen Zusammenhang mit Krampfadern. Vor
jeder kosmetischen Behandlung der oberflächlichen Besenreiser sollte jedoch immer mit
dem Ultraschall abgeklärt werden, ob ein Venenleiden vorliegt.
Die Methode der ersten Wahl ist die Sklerosierung oder Verödung. Dabei wird das
Verödungsmittel direkt in die Besenreiser eingespritzt. Sofort wird damit das Blut in der
kleinen Vene verdrängt. Eine dauerhafte Wirkung entsteht erst später, denn das
Verödungsmittel ist kein Klebstoff. Es ist eine Substanz, die eine Entzündung an der
Venenwand hervorruft. Heilt diese Entzündung ab, hat das als Nebeneffekt zur Folge,
dass die Gefäßwände verkleben. Dies dauert jedoch einige Wochen. Zunächst können die
behandelten Stellen mit Blutergüssen und dunklen Flecken sogar schlimmer aussehen
als vorher. Deshalb lassen viele eine Verödung erst jetzt im Herbst durchführen, wenn
man wieder lange Hosen oder Strumpfhosen trägt. Medizinisch spricht jedoch nichts
dagegen, sich im Sommer die Beine verschönern zu lassen. Allerdings gehört ein
Sonnenschutz zur Nachbehandlung dazu, um die Haut der Beine nicht zusätzlich zu
belasten.
Meist sind zwei bis drei Termine notwendig. Beim Folgetermin wird überprüft, ob man
alle Äderchen der bereits behandelten Areale erwischt hat und bei Bedarf nachgespritzt.
Die Ergebnisse sind umso besser, je rascher "hinterhergespritzt" wird. Wichtig ist auch,
dass das geronnene Blut aus den Äderchen gedrückt wird. Das vermindert Verfärbungen
der Haut. Denn belässt man das Blut in den Adern kann sich das Eisen aus dem
Blutfarbstoff mit Sauerstoff verbinden und bildet eine rostähnliche Substanz. Und diese
bräunlichen Flecken können im ungünstigen Fall dauerhaft die Beine "verzieren".
Kosten vor der Therapie besprechen
Die Kosten für eine Sklerosierung können von Praxis zu Praxis erheblich schwanken.
Manche Praxen berechnen den Zeitaufwand nach Minuten, andere je nach Größe der zu
behandelnden Fläche. Manche Ärzte behandeln pro Sitzung nur einen Teilbereich,
andere versorgen in einer Sitzung das ganze Bein oder gar beide Beine. Erkundigen Sie
sich im Vorgespräch genau nach dem jeweiligen Vorgehen, dann bleiben unschöne
Überraschungen beim Abrechnen erspart. Mehrere Hundert Euro muss man jedoch für
schöne Beine sicherlich einplanen.
Wenige Alternativen
Eine gute Alternative zur Sklerosierung gibt es genau genommen nicht. Laser eignet
sich nur für sehr feine Äderchen und überschaubar große Areale. Viele Experten sehen
dieses Verfahren kritisch, da die therapeutische Breite gering sei: Ist die Dosis zu niedrig
kehren die Äderchen an der gleichen Stelle rasch zurück. Ist die Dosis zu hoch, können
helle Streifen auf der Haut entstehen, da der Laser dann die Hautpigmente zerstört.
Zudem ist eine Laserbehandlung wesentlich schmerzhafter als die Sklerosierung. Bei
letzterer sind lediglich feine Nadelstiche zu ertragen. Unangenehmer ist allerdings oft
das Herausdrücken des geronnenen Bluts. Eine Behandlung mit Radiowellen wird
ebenfalls angeboten. Dabei werden die Äderchen durch Hitzeanwendung „verkocht“.
Das ist schonend und wenig schmerzhaft, jedoch teuer und aufwändig.
Was tun gegen Krampfadern?
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Für die Behandlung halten Experten viele verschiedene Therapien bereit: von der
Lasertherapie, Radiofrequenztherapie bis hin zur Verschäumung oder dem klassischen
Stripping.
Wie funktioniert ein Stripping?
Zunächst verschließt der Chirurg die Vene in der Leiste – so fließt kaum noch Blut in ihr.
Dann setzt er an der Innenseite des Beines mehrere Einstiche, um die erweiterte Vene
Stück für Stück mit einer Sonde aus dem Bein herauszuziehen. Zuvor legt er auch die
kleinen Seitenäste des Venensterns lahm. Dieser Eingriff wird meist ambulant und unter
örtlicher Betäubung durchgeführt und dauert 30 Minuten bis 1 Stunde. Im Vergleich zu
früheren radikalen Eingriffen ist das Stripping heute ein schonendes Verfahren. Litten
Betroffene früher unter extremem Wundschmerz, einem ausgeprägten Blutverlust und
wurden die Gefäßklappen von der Leiste bis zum Sprunggelenk komplett entfernt, gibt
es heute nur wenige Blutergüsse, kaum Wundschmerz. Die Patienten können zudem
zwei Stunden nach der Operation nach Hause gehen. Die Behandlung wird von den
gesetzlichen Krankenkassen ohne Einschränkung bezahlt.
Wie funktioniert die Laser- oder Radiofrequenztherapie?
Bei der Endoluminalen Lasertherapie (EVLT) wird die Stammvene nicht herausgezogen,
sondern durch den Laserstrahl verschweißt. Hierbei wird in örtlicher Betäubung unter
Ultraschallkontrolle durch ein feines Glasfaserlichtkabel die Laserlichtenergie
„minimalinvasiv“ in die Vene eingebracht. Es kommt zu einer Schrumpfung und letztlich
zum Verschluss des Gefäßes.
Bei der Radiowellentherapie führen die Experten unter Ultraschallkontrolle in Kniehöhe
oder am Unterschenkel einen winziger Hochfrequenzkatheter in die kranke Vene ein.
Durch die Wärmeenergie schrumpft die Venenwand und die Vene verschließt sich. Die
Behandlung kann ambulant unter lokaler Anästhesie durchgeführt werden. Beide
Verfahren gelten als besonders schonend. Anders als beim Stripping tragen aber nur die
privaten Versicherungen die Kosten von 2000 Euro. Ob die Laserverfahren wirklich
schonender sind als das Standardverfahren des Strippings, ist unter Experten
umstritten. Klar ist, dass das Stripping einen entscheidenden Vorteil hat: Die
Wahrscheinlichkeit, dass nach der Behandlung die Krampfadern wiederkommen, ist
deutlich geringer. Eine Studie von 2011 hat gezeigt, dass bei 18 Prozent der mit Laser
behandelten Personen die Krampfadern wiederkamen. Bei der Stripping-Methode war
dies nur bei 1,3 Prozent der Patienten der Fall.
Was passiert bei der Verschäumung?
Bei der Ultraschallgesteuerten Schaumsklerosierung wird ein dünner Katheter unter
Ultraschallkontrolle in die Vene gelegt und hierüber anschließend ein spezieller Schaum
mit dem Wirkstoff Aethoxysklerol in die Vene injiziert. Dieser bewirkt, dass die Vene
wesentlich leichter verklebt und sich vollkommen verschließt. Der Körper baut die
verklebten Venen in den folgenden Wochen ab, ohne dass Narben zurückbleiben.
Darüber hinaus ist die Schaumverödung beinahe schmerzfrei, schnell und ambulant
durchführbar. Direkt nach der Behandlung geht der Patient für 20 bis 30 Minuten umher
und trägt etwa eine Woche einen leichten Kompressionsstrumpf. Nach der
Schaumverödung sind die Patienten weder arbeitsunfähig, noch müssen sie sich
sportlich einschränken. Nur Wärme und direkte Sonnenbestrahlung sollte für zirka zwei
Wochen gemieden werden. Die Verschäumung ist umstritten, denn Ärzte können damit
viel Geld verdienen: Der Wirkstoff kostet im Einkauf nur fünf Euro, der Aufwand für den
Chirurg ist gering. Dennoch verlangen Ärzte für diese Behandlung bis zu 1500 Euro. Da
die Verschäumung keinen großen Eingriff erfordert, eignet sie sich beispielsweise bei
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älteren Menschen mit offenen Beinen. Die gesetzlichen Kassen zahlen die
Verschäumung daher auch nur bei fortgeschrittenen Venenleiden.
Experte im Studio:
Dr. med. Ingo Flessenkämper
Chefarzt
Klinik für Gefäßmedizin, Zertifiziertes Gefäßzentrum Berlin SüdwestHELIOS Klinikum
Emil von Behring
Walterhöferstraße 11
14165 Berlin
Tel.: 030 - 81 02-0
Experten im Beitrag „Krampfadern“
Dr. Bernhard Klumpp, Gefäßchirurg, Gefäßzentrum Adlershof
Chirurgische Gemeinschaftspraxis Berlin Adlershof und
Venenzentrum Adlershof
Albert-Einstein-Str.2
12489 Berlin
Tel.: 030 – 639 223 62
Dr. Michael Naundorf
DRK Kliniken Berlin | Köpenick
Chefarzt der Klinik für vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie
Salvador-Allende-Straße 2-8
12559 Berlin
Tel.: 030 - 3035 – 3358
Im Beitrag „Besenreiser“
Dr. med. Yael Adler
Hautärztin und Venenheilkunde
Phlebologin
Richard-Strauss-Straße 27
im Haut- & Laserzentrum Berlin-Potsdam
14193 Berlin - Grunewald
Tel.: 030 - 8800 185
Email: [email protected]
Trainingsgeräte gegen Rückenschmerzen im Test
Vier von fünf Deutschen haben, bzw. hatten schon mal Probleme mit ihrem Rücken. Für
die Millionen von Betroffenen gibt es eine breite Palette von Trainingsgeräten für
Zuhause. Sie alle versprechen einen gesunden Rücken. Die rbb Praxis hat verschiedene
Geräte mit unterschiedlichen Wirkprinzipien getestet.
Rückenschmerz ist eine der häufigsten Beschwerden der Nation. Vorbeugend und
therapeutisch predigen Experten regelmäßige Bewegung und das kontinuierliche
gezielte Training der Rückenmuskulatur. Spezielle Geräte für die Rückenmuskulatur
dafür gibt es im Fitnessstudio. Wer keine Lust hat, da regelmäßig hinzugehen, kann sich
auch im heimischen Keller oder Wohnzimmer ein Mini-Fitness-Studio einrichten.
Ob die Geräte wirklich etwas taugen, hängt von verschiedenen Aspekten ab:
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Zunächst sollte ein Trainingsgerät nicht zu groß sein, damit es nicht die gesamte
Wohnung verstellt. Zudem sollte die Gebrauchsanleitung so verfasst sein, dass auch ein
Laie sie versteht und das Gerät entsprechend richtig bedienen kann. Zudem müssen die
Übungen mit und auf den Geräten so einfach und alltagstauglich sein, dass jeder
Nichtgeübte sie einfach nachmachen kann. Nicht selten sind die vorgeschlagenen
Bewegungen aber kompliziert und erfordern zu viel Nachdenken. Das Problem: Durch
die übermäßige Konzentration auf den richtigen Bewegungsablauf trainiert man dann
oft falsch, es kommt zu Verspannungen.
Die rbb Praxis hat nun drei Trainingsgeräte für den Heimgebrauch unter die Lupe
genommen: Den „Flexi-Bar-Stab“ für 85 Euro, das Latex-Band für 12 Euro und eine
„Rückenbank“ für immerhin 100 Euro. Außerdem haben wir die Effekte von
Bodengymnastik auf der heimischen Decke überprüft.
Fazit des rbb-Tests:
Die Bodengymnastik ist klarer Testsieger. Mit den Übungen der Bodengymnastik lassen
sich (ohne hohe Kosten für ein Trainingsgerät) fast alle Muskelbereiche trainieren, die
für den Rücken wichtig sind. Ein effektiver Muskelaufbau ist möglich. Für untrainierte
Anfänger wie auch für Fortgeschrittene ist die Bodengymnastik geeignet.
Gut tauglich für zu Hause ist auch das Latexband. Das mobile leichte Theraband in
poppigen Farben ist ein fester Bestandteil der Fitness-Welt – mit ihm lassen sich fast alle
Rücken-Muskelgruppen in unterschiedlichen Übungen trainieren. Die Stärke des
Latexbandes liegt im konstant progressiven Widerstand: Wer stark zieht, erntet starken
Widerstand. So ein Latexband gibt es in acht verschiedenen Stärken.
Der sogenannte Flexi-Bar-Stab hat nicht bestanden. Der Trainingsstab soll durch seine
Vibration eine unwillkürliche, reflektorische Anspannung des Rumpfs bewirken, die
durch bewusste Muskelkontraktion nicht erreicht wird. Der Schwingstab trainiert vor
allem die Tiefenmuskulatur, während Kraftgeräte und Hanteln mehr an der Oberfläche
arbeiten. Ohne den richtigen Schwing-Rhythmus hat das Training allerdings keinen
Effekt.
Die Rückenbank ist für den Gebrauch in der Wohnung eher ungeeignet – denn mit dem
sperrigen Gerät werden nur die sogenannten Rückenstrecker trainiert. Doch für diesen
begrenzten Bereich braucht man keine extra Rückenbank, die Rückenstrecker können
auch mit Gymnastik aufgebaut werden.
Um den Rücken fit zu halten, braucht man also nur eine geeignete Unterlage – und Spaß
am Trainieren.
Experte im Beitrag:
Alexander Glaue
Berliner Rückenzentrum am Markgrafenpark
Am Markgrafenpark
Markgrafenstr. 19
10969 Berlin
Tel.: 030 - 259 23 860
E-Mail: [email protected]
www.ruecken-zentrum.de
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High-Tech für Sehbehinderte
Der herkömmliche Blindenstock wird heute zunehmend ergänzt oder ersetzt durch
hochmoderne Technik: Laser-Scanner, Farberkennungsgeräte, oder spezielle GPSHandys zur Orientierung sind neu entwickelte Hilfsmittel, die es blinden Menschen
immer besser ermöglichen, gleichberechtigt am öffentlichen Leben teilzunehmen.
Technik der Superlative ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Und auch
Menschen mit Behinderungen wie zum Beispiel Blinde profitieren von den neuen
Entwicklungen.
So können Blinde heute beispielsweise mit modernen Scannern, die Barcodes von
Verpackungen auslesen und in Sprache umsetzen können, einkaufen gehen. Mehr als
zwei Millionen Produkte aller Art sind in dem Scanner abgespeichert.
Oder sie können genauso wie Sehende am Computer arbeiten. Statt auf die optische
Wahrnehmung greifen sie dabei auf ihre taktile und akustische Wahrnehmung zurück.
Sie arbeiten oft mit dem sogenannten Screenreader. Das ist ein komplexes
„Bildschirmausleseprogramm“, das die Bildschirminformationen wie zum Beispiel Texte
und Grafiken interpretiert und sie an Ausgabemedien wie Braillezeilen und
Sprachausgaben weitergibt. Eine synthetische Stimme „liest“ dem blinden Nutzer den
Bildschirminhalt vor – oder die Inhalte werden durch den Screenreader auf einer
Braillezeile ausgegeben.
Diese Braillezeile (kurz Zeile, oder Brailledisplay) ist eine Hardwarekomponente des
Computers, ein Ausgabegerät, das die Informationen des Screenreaders aufnimmt und
in der Blindenpunktschrift Braille wiedergibt. Diese Schrift kann der trainierte Leser mit
den Fingerkuppen ertasten. Mit Hilfe der Braille-Tastatur können Blinde die Texte dann
auch bearbeiten. Völlig neue Perspektiven ermöglicht jetzt die sogenannte HyperBraille: Die Tastatur besteht aus 7.200 Punkten. Mit ihr können Blinde mithilfe der
Fingerspitzen sogar Graphiken planen, erstellen und entwickeln. Auch ist es möglich,
mithilfe einer Braille-Tastatur ganz normale Bücher für Sehende in Blindenschrift zu
lesen.
Sogenannte Farberkennungsgeräte mit Sprachausgabe helfen Menschen, die Farben
nicht oder nur sehr eingeschränkt wahrnehmen, selbstständig unterscheiden zu können.
Das Gerät sucht beispielsweise die passenden Farben für die Kleidung aus. Dazu wird es
an den Gegenstand gehalten und das Gerät sagt nach einem Tastendruck die jeweilige
Farbe an.
Auch Smartphones mit Extra-Apps für Blinde helfen durch den Alltag. Um die Hände
freizuhaben, tragen die blinden Benutzer zudem einen speziellen Kopfhörer, bei dem der
Schall über den Ohrknochen übertragen wird. Gleichzeitig bekommt der Nutzer aber
auch die Umgebungsgeräusche mit. Das ist für Blinde extrem wichtig, da sie sonst
beispielsweise herannahende Autos nicht hören. Neben der Funktion des Telefons lässt
sich mit dem Blinden-Smartphone natürlich aber auch der E-Mailverkehr erledigen. Bei
Bedarf kann man mit dem Smartphone auch Fahrpläne abrufen. Immer öfter lassen sich
Blinde zudem von einem speziellen, super genauen GPS-Handy für Blinde durch die
Stadt führen. Das GPS- Handy macht nahezu zentimetergenaue Angaben.
Die seit Jahrzehnten wichtigste Mobilitätshilfe für blinde Menschen ist der weiße
Langstock: Dieser moderne Blindenstock ermöglicht blinden Menschen eine
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Orientierung, wenn sie zu Fuß unterwegs sind. Mit einem Blindenstock werden
Veränderungen des Untergrundes, Hindernisse sowie Bordsteine und Treppen
rechtzeitig erkannt. Der blinde Mensch erhält über die Spitze des Blindenstockes eine
Rückmeldung darüber, was sich vor ihm befindet. Darüber hinaus dient ein Blindenstock
als Erkennungszeichen für andere Verkehrsteilnehmer wie beispielsweise Autofahrer.
Allerdings lassen sich mit dem normalen Blindenstock nur Hindernisse in Bodennähe
ertasten. Ein Laser-Scanner im Griff des modernen sogenannten Langstocks gibt nun
zusätzliche Sicherheit. Erkennt der Laser ein höher gelegenes Hindernis, beginnt der
Griff in der Hand zu vibrieren. Anderthalb Meter vorher schlägt der Laser-Langstock
Alarm.
Übrigens - die Kosten für die meisten technischen Hilfsmittel übernehmen die
Krankenkassen.
Im Beitrag:
Günter Weiß - Beratung, Schulung und Vertrieb Standort Berlin
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16.10.2013
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