spezial i uhren

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spezial i uhren
SPEZIAL I UHREN
November 2009
COOLE IKONE
Besuch bei einer sagenhaften
Luxus-Legende – Cartier, Paris
STOPP-MEISTER
Nur Omega sagt, wer gewonnen hat
ÖKO-ABENTEURER
ZUM HERAUSNEHMEN
David de Rothschild und der Müll
Steve McQueen als
Thomas Crown mit einer
Tank von Cartier, 1968
die
uhr der piloten
Die Oyster Perpetual GMT-Master II setzt höchste Maßstäbe und ist die
erste Wahl für all diejenigen, die beruflich die ganze Welt umfliegen. 1955
wurde die erste GMT-Master in Zusammenarbeit mit Piloten der Fluglinie
Pan Am entwickelt, um das Einstellen der Uhr beim Wechsel in eine andere
Zeitzone zu erleichtern. Heute ermöglicht das Nachfolgemodell den Piloten,
die Uhrzeit von drei verschiedenen Zeitzonen gleichzeitig und sekundengenau abzulesen. Das macht die GMT-Master II für Piloten wie auch für
andere echte Weltreisende unverzichtbar. Entdecken Sie mehr unter ROLEX.COM
di e r o l ex gmt-master i i
uhren SPEZIAL
Öko-Abenteurer Rothschild
Meister-Manufaktur
4
Wie der Spezialist Michel
Parmigiani mit seiner neuen Fabrik
den Uhrenmarkt aufmischt
16
Triumph des Fantasten
TAG Heuer präsentiert mit
einem riemengetriebenen Kaliber
eine revolutionäre Uhr
Genfer Gralshüter
18
Vacheron Constantin baut seit 254
Jahren edle Zeitmesser und schwört
auf das Siegel seiner Heimatstadt
29
Herrin aller Zeiten
Die schöne Französin
34
Seit 1932 ist Omega bei den
Olympischen Spielen am Drücker und
auch in Zukunft nicht zu stoppen
Schmuck-Ikone Cartier begeistert
mit ihren legendären Uhrenklassikern Tank und Santos
40
Retter der Meere
Goldene Unruh 2010
44
Ein Rekordteilnehmerfeld stellt
sich bei der größten Online-UhrenWahl dem Votum der Leser
46
40
IWC Schaffhausen hilft dem grünen
Baron David de Rothschild mit
einem Öko-Boot über den Pazifik
Tipps + Trends
Es geht noch mehr als nur Uhr.
Dezenter Männerschmuck findet
immer mehr Liebhaber
FOCUS SPEZIAL „MÄNNERZEIT“
FOCUS Magazin Verlag GmbH, Arabellastraße 23, 81925 München, Postfach 81 03 07, 81903 München, Telefon 0 89/92 50-0, Fax 0 89/92 50- 20 26
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FOCUS SPEZIAL/2009
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INHALT: Foto: IWC
3
uhren SPEZIAL
Spiralfederndraht
Der 0,05 Millimeter dicke
Draht wird in einen
Wickelring eingefädelt und
aufgewickelt. Die Toleranz
liegt bei 100 Nanometern,
das entspricht dem
Fünfhundertstel eines
Haardurchmessers
4
„Wenn ich einer Uhr sehr nahe bin,
höre ich Musik, die aus
meinem Inneren erklingt“
Wann darf sich ein Uhrenunternehmen eigentlich Manufaktur nennen? Im Wettstreit um die Gunst der
Sammler überbieten sich etablierte und aufstrebende Marken mit Millioneninvestitionen
ie ist ein Leichtgewicht, ein Winzling, schwierig zu behandeln und gerade deshalb hochbegehrt. Die Spirale misst wenige Hundertstel Millimeter und wiegt nur etwas mehr als zwei Tausendstel
Gramm. Ohne das filigrane Herz der mechanischen
Uhr kommt kein Werk zum Laufen. Wer den Prozess
des Spiralfedern-Ziehens beherrscht, gilt als Meister
in der Branche. Eigene Werke zu entwickeln und zu
produzieren gilt gemeinhin als Manufaktur-Beweis,
doch einige wenige Marken können noch mehr. Die
Marken A. Lange & Söhne, Parmigiani und Rolex lassen den hauchdünnen Draht in eigener Regie über
ihre Maschinen laufen.
Doch der Champ nennt sich Nivarox-FAR, residiert
im Örtchen St-Imier im Kanton Neuenburg. Nivarox
ist ein reiner Zulieferer, nur die wenigsten Uhrenmarken stellen „ihre“ Spiralen selbst her. Dutzende verschiedene Spiralen offeriert Nivarox seinen Kunden.
Doch die Klientel ziert sich, stört sich an dem QuasiMonopol ihres Lieferanten, zumal Nivarox eine Tochter der Swatch Group ist. Die von der Familie Hayek
gesteuerte Swatch Group besitzt selber renommierte Marken wie Omega oder Blancpain, macht ihren Kunden demnach als Anbieter von Luxus-
Foto: Parmigiani
S
PARMIGIANI TONDA 42
HEMISPHERES
Automatikkaliber mit
doppeltem Federhaus, zweite
Zeitzonen- und Tag-NachtAnzeige, in Roségold
24 200 Euro
PARMIGIANI BUGATTI
FAUBOURG TYPE 370
Etagenwerk mit zwei Federhäusern
in Serie, Handaufzug, in
Weißgold auf 50 Stück limitiert
193 300 Euro
FOCUS SPEZIAL/2009
5
uhren SPEZIAL
Aus einem Block
Funktionsfedern mit den Bohrungen
für die millimeterkleinen Schrauben
werden aus einem Stück gefertigt
6
FOCUS SPEZIAL/2009
Foto: Parmigiani
PEQUIGNET
Moorea Chrono
Automatic, Automatikkaliber, Edelstahl
3800 Euro
Zeitmessern Konkurrenz. Das ist die Ausgangslage,
von einigen Unternehmen gelassen betrachtet. So
schwört Breitling auf das Chronographenwerk 7750
der Swatch-Group-Tochter ETA, perfektioniert allerdings jedes Kaliber in der hauseigenen Chronometrie.
Anschließend erteilt die eidgenössische Prüfgesellschaft COSC das begehrte Chronometer-Zertifikat.
Andere wollen sich aus der Swatch-Group-Lieferbeziehung befreien, suchen nach Alternativen. Und
werden in Fleurier fündig. In dem Jura-Städtchen
domiziliert, wie der Schweizer zu sagen pflegt, die
Manufaktur Parmigiani. Die hat gar nichts mit dem
gleichnamigen Reibekäse zu tun, dafür sehr viel mit
ihrem Namensgeber Michel Parmigiani. Dem begnadeten Restaurator kam 1996 die potente SandozStiftung zu Hilfe. Die erwarb 51 Prozent der Parmigiani-Unternehmensanteile und rüstete den Betrieb
mit vielen Millionen Schweizer Franken (wie viele,
scheut man sich zu verraten) zu einem veritablen Uhrenhersteller aus. 500 Handwerker in vier Produktionsbetrieben prägen heute die Uhrmacherkunst in
Fleurier. „Diese Menschen bilden die Identität der
Manufaktur Parmigiani, die heute vollständig vertikalisiert und in der Welt des Luxusuhrensegments
integriert ist“, beschreibt der Chef des Hauses den
Werdegang des Unternehmens.
Den ersten uhrmacherischen Kracher landete die
junge Manufaktur vor fünf Jahren mit der Präsentation
einer mechanischen Skulptur namens „Bugatti“. Die
Kooperation mit dem Luxus-Automobilisten gebar ein
Uhrenmodell, bei dem die Zeitanzeige eine zu vernachlässigende Rolle spielt. Wenn der Blick auf die halbzylindrische Oberfläche des Gehäuses fällt, geht er
in den sogenannten Etagenaufbau der Mechanik.
Das nötige Kapital für derartige Design- und Mechanik-Kunststückchen kommt dabei nicht nur von
der Sandoz-Stiftung, sondern auch aus den Einnahmen lukrativer Aufträge anderer Uhrenproduzenten. So stellt der Fleurier-Besucher erstaunt fest,
dass die Zifferblätter der sächsischen Edelmarke
A. Lange & Söhne gar nicht aus dem Erzgebirge, sondern vielmehr aus dem schweizerischen Jura stammen. Und trotzdem würde jedermann bestätigen,
dass es sich bei den beiden Häusern Glashütte Original oder eben A. Lange & Söhne um echte Manufakturen handelt. Im Sommer stellte Lange sein jüngstes Meisterstück vor. Eine Uhr, bei der scheinbar die
zentralen Zeiger vergessen wurden.
WEMPE ZEITMEISTER
Keramik-Chronograph,
Automatikwerk, DINgeprüfter Chronometer
3475 Euro
NOMOS TANGENTE
mit Datumsanzeige und
Gangreserve, Handaufzug, Edelstahlgehäuse
und Sichtboden
1900 Euro
A. LANGE & SÖHNE
Lange Zeitwerk, mit
springender digitaler Stunde
und Minute, Platingehäuse
58 500 Euro
GLASHÜTTE ORIGINAL
Senator Chronometer,
Handaufzug, Großdatum,
Roségold-Gehäuse
21 800 Euro
uhren SPEZIAL
ZENITH EL PRIMERO
New Vintage 1969,
Replika des ersten
Automatik-Chronographen, Edelstahl
6900 Euro
Präzises Handwerk
BREGUET
La Tradition Breguet,
Handaufzugskaliber
mit Parachute-Stoßsicherung, Weißgold
19 800 Euro
Die „Lange Zeitwerk“ verkündet Stunden und Minuten mittels digitaler Anzeigen. Den Fans der Marke
erscheint das Modell vertraut, sie erkennen das typische Design am sogenannten Großdatum des vor
15 Jahren vorgestellten Klassikers, der „Lange 1“.
Der hohe Entwicklungsgrad der mit Patenten gespickten Modelle aus Glashütte und die extreme Fertigungstiefe erweisen sich derzeit als augewachsener
Fluch. Die Finanzmarktkrise ließ in diesem Jahr die
Verkaufszahlen der Juweliere, allen voran in den USA,
dramatisch einbrechen. Nur China trotzt der Krise,
und auch das alte Europa mit seinen Kernmärkten Schweiz, Frankreich, Italien und Deutschland
zeigt sich überraschend stark. Juweliere wie Bucherer investierten gerade in Deutschland mächtig in
neue Geschäfte.
Den Herstellern nutzt das alles derzeit wenig. Wer
viel selber macht, hat viele Leute an Bord und im
Abschwung zu wenig Geschäft für die Angestellten.
„Der falsch verstandene Manufakturgedanke erweist
sich als Krisenkatalysator“, sagt ein Geschäftsführer
einer großen Schweizer Marke. „Die Kosten laufen
den Unternehmen davon, es ist nur eine Frage der
Zeit, bis die ersten Marken aufgeben müssen.“
MAURICE LACROIX
Masterpiece Double Rétrograde, Stunden, Minuten,
kleine Sekunde und Datum
mit retrograder Anzeige
9600 Euro
8
Foto: Parmigiani
Guillochage eines Zifferblatts. Computergesteuerte
Fräsmaschinen arbeiten
das Zifferblatt heraus
EINE PARTNERSCHAFT ZUR
UNTERSTÜTZUNG DER UMWELT
Leonardo DiCaprio und TAG Heuer engagieren sich
gemeinsam für die Initiativen des Green Cross International.
Für mehr Informationen gehen Sie bitte auf www.tagheuer.com
uhren SPEZIAL
ROLEX
Oyster Perpetual Milgauss,
geprüfter COSC-Chronometer,
Automatikwerk mit Weicheisen-Innengehäuse, Edelstahl
4700 Euro
AUDEMARS PIGUET
Royal Oak Offshore
Chronograph,
Automatikwerk,
Titangehäuse
17 450 Euro
Zurück nach Fleurier. Produktplakate anderer
Marken in den Ateliers der Graveure, Designer oder
Regleure künden von der Kooperationsbereitschaft
und Kompetenz des Hauses Parmigiani. Der Expansionsdrang der jungen Firma scheint dabei erst am
Anfang. Vor den Toren des Ortes haben die Uhrmacher im vergangenen Sommer einen Neubau bezogen. Kaum anzunehmen, dass hier nur Kleinstauflagen der eigenen Marke entstehen. Vielmehr offeriert
Parmigiani den kompletten Fertigungsprozess der
mechanischen Uhr.
Deutlich weiter auf dem Weg zum Vollsortimenter
in Sachen Mechanik-Know-how ist die Nummer eins
der Branche. Niemand macht so viel selbst wie Rolex, und doch stören sich manche Puristen daran,
für den Genfer Giganten den Begriff Manufaktur zu
verwenden. Die Marke mit der Krone arbeitet in einer industriellen Dimension, hat das idyllische Werkeln von schrulligen Uhrmachern aus den Hochtälern
des Jura längst hinter sich gelassen. Und trotzdem
oder gerade deshalb zollen Experten Rolex höchsten
Respekt. „Ein Nischenanbieter, der für 100 Kunden
100 Uhren macht, wird die immer los“, sagt Hélène
Poulit-Duquesne, Marketingchefin von Cartier. Ent-
BREITLING
Superocean Héritage Chrono,
Automatikkaliber mit
COSC-Zertifikat, 46-MillimeterEdelstahlgehäuse
3850 Euro
10
scheidend sei aber der erfolgreiche globale Verkauf
im großen Maßstab. Dazu gehört zudem ein gleichbleibend hohes Qualitätsniveau. Spätestens an diesem Punkt zeigt sich die wahre Könnerschaft von
Rolex. Jahrelang tüftelten Materialexperten in Genf
über dem Problem, dass sich die typischen Golduhren im Lauf der Jahre häufig verfärbten. Schließlich entdeckten die Metallurgen, dass Chlor-Verbindungen die farbliche Veränderung auslösten. Mit
der Speziallegierung Everose bietet Rolex nun Uhren
an, die auch nach ausgiebigen Schwimmbadbesuchen dauerhaft golden bleiben.
„Industrielle Vertikalisierung“ heißt das Zauberwort
bei Rolex. Ein Kenner der Szene beschreibt das Phänomen etwas weniger abgehoben: „Rolex kauft sich
seit Jahren mit viel Geld uhrmacherisches Knowhow ein und integriert es in seine Produktion.“ Niemand hat diesen Prozess so weit getrieben wie das
einer gemeinnützigen Stiftung gehörende Unternehmen am Genfer See. Rolex hat rund um die Uhr eine
Goldschmelze unter Feuer, fertigt sämtliche Werke
und Gehäuse selbst. Berührungsängste zur Swatch
Group kennen die Rolex-Manager nicht. Die Tochtermarke Tudor bezieht ihre Werke seit Jahren aus-
CHRONOSWISS
Edition Zeitzeichen VII,
Handaufzugskaliber,
skelettiertes Zifferblatt,
auf 33 Stück limitiert
34 000 Euro
Foto: Parmigiani
TUDOR
Iconaut, Automatikkaliber, mit zweiter Zeitzone,
Edelstahlgehäuse
2350 Euro
Ruhiges Händchen und gutes Auge
Bernard Dudling von Parmigiani Fleurier
beim Einsetzen der Spiralfeder
FOCUS SPEZIAL/2009
11
uhren SPEZIAL
Feinstbehandlung
Mikrofasertücher streichen
in der Polisage über das
Gehäuse eines ParmigianiKalpa-Modells
BLANCPAIN
Sport Fifty Fathoms,
Automatikkaliber, bis
30 bar wasserdicht
9770 Euro
12
Foto: Parmigiani
BAUME & MERCIER
Classima XXL Tourbillon,
Handaufzugkaliber, Roségold
52 200 Euro
FOCUS SPEZIAL/2009
FREDERIQUE CONSTANT
Maxime Heart Beat „Moon
& Date“, Automatikkaliber,
Mondphasenanzeige
2350 EURO
schließlich von der Swatch-Group-Tochter ETA. Die
Kooperation zahlt sich aus. Tudor, eine in Deutschland bislang vollkommen unterschätzte Marke, bietet auch dem Endkunden ausgereifte Qualität zu einem sehr guten Preis.
Apropos Preis. Die Teuerungswelle der vergangenen Jahre scheint zumindest gestoppt. So kam es
in den Boomjahren durchaus vor, dass innerhalb eines Jahres Hersteller zweimal den Preis hochsetzten. „Bei nachdrücklicher und zugleich halbwegs höflicher Verhandlungsstrategie sind bei allen Marken
Nachlässe drin“, verrät ein Kenner der Szene.
Das uhrmacherische Genie Abraham Louis
Breguet perfektionierte vor 200 Jahren die Unruhspirale, indem er das Ende des Drahtes in einer eigens berechneten Kurve bog und somit eine höhere
Präzision erreichte. Jeder, der nach Breguet die Büh-
ne der Uhrmacherei betritt, sieht sich in der Nachfolge des Übervaters. In den vergangenen zwei Jahrhunderten gab es nur noch Modifikationen, durch
technischen Fortschritt präzisere, aber keine revolutionär anderen Uhren. Selbst der Automatikmechanismus zählt bereits mehr als zwei Jahrhunderte.
In der Restaurationswerkstatt von Parmigiani stehen hin und wieder die mechanischen Antiquitäten: Stand-, Tisch- und Taschenuhren aus
längst vergangenen Epochen. Viele mit einem Glockenspiel – der sogenannten Repetition. Verschiedene Klangfedern lassen die Uhren mit Tönen für Minuten, Viertel- und volle Stunden erklingen. Der Uhren-Fanatiker Michel Parmigiani braucht allerdings keine Klangfedern. „Wenn ich
einer Uhr sehr nahe bin, höre ich Musik, die aus
meinem Inneren erklingt!“
■
BULGARI
Sotirio Bulgari Tourbillon
Perpetual Calendar,
24-Stunden-Gangreserve
177 000 Euro
VACHERON CONSTANTIN
Historique American 1921,
Handaufzugskaliber,
Roségold-Gehäuse
19 900 Euro
MÜHLE GLASHÜTTE
Germanika I,
Automatikwerk, Spechthalsregulierung
2695 Euro
FOCUS SPEZIAL/2009
JAEGER-LECOULTRE
Duomètre à Chronographe,
zwei getrennte Räderwerke
für Uhr und Chronograph
28 500 Euro
Licht. Gestalt.
Loewe Reference
Der neue Maßstab für perfektes Home Entertainment:
brillante Bilder und satter Sound in atemberaubendem Design.
Das ist Loewe Reference. Ab sofort bei ausgewählten Loewe
Fachhändlern erhältlich. Erfahren Sie mehr unter www.loewe.de
Loewe Reference wurde von Phoenix Design/Loewe Design gestaltet.
uhren SPEZIAL
Der Sieg der Fantasterei
Mit der weltweit ersten riemengetriebenen Uhr demonstrieren die Entwickler von TAG Heuer
ihren uhrmacherischen Pioniergeist und widerlegen eindrucksvoll Skeptiker und Experten
Eine fast normale Uhr
Das transparente Zifferblatt
mit Stunden- und Minutenzeiger, der Unruh samt
Spirale (links) und dem
gebläuten Zeiger der kleinen
Sekunde (rechts unten)
TAG HEUER V4
Das Monaco-Modell
ist auf 150 Exemplare
limitiert und kostet
70 000 Euro
Inspiriert vom Automobilbau
Kraftübertragung mittels Keilriemen gehört zur
herkömmlichen Technik im Kraftfahrzeug –
in der von Zahnrädern dominierten Uhrmacherei
stellt sie ein absolutes Novum dar
16
as musste sich Chefplaner Stephane
Linder nicht alles anhören, als er 2004
das Konzept der Monaco V4 präsentierte.
„Fantasterei“ und „Marketing-Spinnerei“ waren noch die vornehmsten Vokabeln, mit denen vermeintliche Experten den Entwurf aus
dem Hause TAG Heuer in La Chaux-deFonds bedachten. Selbst gestandene Uhrmacher fällten nur ein vernichtendes Urteil:
„Unmöglich“.
Am Anfang war das Design. Die Vorgehensweise von Linder war allerdings auch
revolutionär und begann als Geheimoperation. Im Frühstadium hatte Linder den hauseigenen Uhrmachern noch seine Pläne verschwiegen.
Beim Blick in den Motorraum eines italienischen Sportwagens soll dem PS-Fanatiker Linder um die Jahrtausendwende der
geniale Gedanke gekommen sein. Eine Uhr –
geschaffen nach dem Vorbild eines Motors.
Zahnriemen statt Zahnräder sollen den Zeitmesser antreiben. Erste Entwürfe entstanden
ohne jede Rücksicht auf ein mögliches Funktionieren des Uhrwerks.
Die Skeptiker der ersten Tage haben inzwischen Abbitte geleistet. Die geballte Kraft
sammelt sich in vier Speicherhäusern, die
sich auf der Rückseite in einem aus dem
Motorenbau bekannten V-förmigen Winkel
gegenüberstehen. Absolutes Neuland mussten die Entwickler bei den Zahnriemen betreten. Mit 0,07 Millimeter „Dicke“ gibt es derzeit
keine kleineren Antriebe in der industriellen
Anwendung. Selbst auf den klassisch runden Automatik-Rotor verzichtet die V4. Der
Selbstaufzug erfolgt nicht durch Drehung,
sondern linear, auf einer Achse. Ein zwölf
Gramm schwerer Wolfram-Quader rutscht in
einem Gehäuse schwungvoll hin und zurück,
erzeugt so die erforderliche Energie.
Die Schweizer Prüfanstalt COSC möchte den Neuling gern testen und die von TAG
Heuer versprochene Ganggenauigkeit zertifizieren. Allein, es fehlt noch an den geeigneten Messinstrumenten für den absolut einmaligen Zeitmesser.
■
Fotos: Tag Heuer (2)
W
Wempe präsentiert die zurzeit einzigen
deutschen Armbandchronometer.
Die Steigerung
von Chronometer:
Zeitmeister.
Die zurzeit einzige deutsche
Armbanduhr, die den begehrten Titel Chronometer
trägt: die Wempe Zeitmeister. Nach 15-tägiger strenger Prüfung nach DIN-Norm
in der Sternwarte Glashütte ziert zur Erinnerung daran eine aufwendige Reliefgravur die Rückseite dieses Kunstwerks. Wir
würden uns freuen, Ihnen diese Uhr in
einer unserer Niederlassung€ 1.975
en präsentieren zu dürfen.
Hamburg London Paris
New York wempe-zeitmeister.de
FOCUS SPEZIAL/2009
uhren SPEZIAL
Blick ins Herz Kunstvolle Gravuren und auf der Oberseite ein skelettiertes Zahnrad in Form eines Malteserkreuzes
Die zwölf Genfer Gebote
Nirgendwo sonst achten die Manufakturen so eifersüchtig auf die Wahrung
von Qualitätsstandards wie in der calvinistischen Metropole
18
FOCUS SPEZIAL/2009
ie zwölf Gebote des Kantons gelten seit 1886.
Mit einem gestrengen Regelwerk wollten sich
die Genfer Uhrmacher von der vermeintlich billigeren
Konkurrenz aus dem Umland abgrenzen. Die Finessen haben dabei überwiegend ästhetischen Charakter. Kantenschliff und Oberflächenpolituren spielen
eine große Rolle, sind aber letztlich für die Präzision
der Zeitmesser ohne Relevanz.
Ein Leckerbissen für Mechanik-Aficionados ist bis
heute Regel Nummer drei: So muss die Spiralfeder
durch ein Spiralklötzchen an Kopf und rundem Hals
befestigt werden, welches wiederum von einer Schiebeplatte festgehalten wird. Ein mobiler Klötzchenhalter ist zulässig. Für Juan-Carlos Torres, Chef der
Manufaktur Vacheron Constantin, ist das Genfer
Siegel fester Bestandteil der Tradition. Zudem ein
wichtiges Kriterium, um mit den besten Manufakturen auf Augenhöhe zu ticken.
So lässt Cartier eigens das Schwester-Unternehmen Roger Dubuis seine Top-Modelle zusammenbauen, nur um den begehrten Stempel aus dem Kanton
Genf zu erhalten. Cartier residiert im zwei Autostunden
entfernten La Chaux-de-Fonds und hat als Nicht-Genfer-Manufaktur sonst keinerlei Aussicht auf den Stempel. Ausgerechnet Patek Philippe hat sich zu Beginn
dieses Jahres vom altehrwürdigen „Poinçon de Geneve“ verabschiedet, will sich eigenen, noch strengeren Regeln unterwerfen.
Torres sieht den Ausbruch aus der Genfer Phalanx gelassen. Der Kanton hat, angefangen mit der
Französischen Revolution bis zur Quarzkrise in den
80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, schon
Gravierenderes erlebt.
Der große Rivale residiert gleich nebenan.
Patek Philippe gilt als Schöpfer der kompliziertesten
Uhren der Welt. An den „Grandes Complications“
arbeiten die Spezialisten häufig mehrere Jahre. Vacheron und Patek zeichnet die typische Genfer Noblesse
aus. Ihr Ursprung liegt im nüchternen Calvinismus
begründet.
Plumpe Protzereien sind hier verpönt. Patek
lässt seine Tourbillons, die kubikmillimeter-winzigen Drehgestelle, die der Schwerkraft ein Schnippchen schlagen sollen, sogar versteckt im Gehäuse
wirbeln.
Angeblich schadet Lichteinfall dem Öl und somit
dem präzisen Wirken diesen aus mehr als 100 Einzelteilen bestehenden Meisterwerken. Traditionell schickt
es sich ohnehin nicht, eine derartige Komplikation
offen zu zeigen. Der wahre Reichtum blüht hier an den
Gestaden des Genfer Sees im Verborgenen.
D
Feinstes Handwerk Uhrmacher von Vacheron
Constantin bei der Einstellung der Werke
Fotos: Vacheron Constantin (3)
PATEK PHILIPPE
Jahreskalender,
Mondphasenanzeige, Weißgoldgehäuse
27 470 Euro
VACHERON CONSTANTIN
Quai de l‘Ile, fälschungssicheres Zifferblatt,
Roségold-Gehäuse
24 900 Euro
19
uhren SPEZIAL
„Die Zeit des Bling-Bling
ist auf jeden Fall vorbei“
VACHERON CONSTANTIN
Patrimony Traditionnelle,
skelettiertes Zifferblatt,
Platin 112 000 Euro
„Selbstverständlich
reparieren wir
Ihnen auch
eine 200 Jahre
alte Uhr“
Juan-Carlos Tor res,
Vacheron Constantin
FOCUS: Die Luxusgüterbranche leidet unter Umsatzeinbrüchen von teilweise weit über 50 Prozent.
Dabei hieß es früher immer: „Luxus geht immer.“
Torres: Vielleicht geht Luxus nicht immer. Aber
Qualität geht immer!
FOCUS: Das sagen doch alle.
Torres: Wir sagen es nicht nur, wir beweisen es jeden Tag – und das ununterbrochen seit 254 Jahren.
Von unserer Tradition profitieren wir gerade in der aktuellen wirtschaftlichen Lage. Denn der Kunde stellt
sich vor allem heute die Frage, ob es eine Marke in
Zukunft überhaupt noch gibt. Dies ist eine ganz ent-
scheidende Frage, wenn ich eine Uhr für 10 000 oder
sogar mehr Euro erwerben möchte.
FOCUS: Ihnen ist vor der Zukunft nicht bange?
Torres: Wir haben in unserer Historie die Französische Revolution, die industrielle Revolution, die russische Revolution, zwei Weltkriege, die Weltwirtschaftskrise 1929 und die Ölkrise überstanden . . .
FOCUS: . . . und zuletzt die Quarzkrise vor 30 Jahren überlebt.
Torres: Das war etwas ganz Spezielles. Alle anderen Umbrüche haben die Gesellschaften verändert.
Der Durchbruch der Quarztechnologie stellte aber die
mechanische Uhr vor die bislang größte Herausforderung. Die Quarzuhr hat unser Selbstverständnis in
Frage gestellt. Wir haben es aber als eine der ganz
wenigen Manufakturen geschafft, ohne einen Tag
Unterbrechung weiterzuproduzieren. Das ist kein
Marketing, das ist Fakt!
FOCUS: Sehen Sie einen Trend weg vom Protzen
hin zum Understatement?
Torres: Die Zeit des Bling-Bling ist auf jeden Fall
vorbei. Genauso wie in unserer Branche die Zeit der
crazy investments vorbei ist. Das Wachstum in den
vergangenen Jahren war einfach zu groß. Was jetzt
zählt, sind wahre Werte. Deshalb werden wir auch niemals bei unserem Know-how sparen. Ein Ausdruck
dieser Philosophie ist der Wert, den wir auf die Genfer
Punze legen. Dieses von einer neutralen Genfer Organisation verliehene Gütesiegel bestätigt, dass jede
mechanische Uhr von Vacheron Constantin nach den
höchsten Anforderungen der hohen Uhrmacherkunst
gefertigt und endbearbeitet wurde.
FOCUS: Unterstellt, ich habe eine 200 Jahre alte
Uhr. Reparieren Sie mir die?
Torres: Selbstverständlich! Bei einer 200 Jahre alten oder noch älteren Uhr – wir garantieren den Service
für jedes Modell, das unser Haus verlassen hat.
■
I NTER VIEW : F RITZ S CHWAB
20
FOCUS SPEZIAL/2009
Fotos: Vacheron Constantin
Tradition ist Trumpf, verkündet der Chef von Vacheron Constantin. Die älteste
Manufaktur der Welt will als großer Gewinner die Luxuskrise überstehen
FOCUS AKTUELL
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FOCUS xx/2004
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FOCUS xx/2004
uhren SPEZIAL
Omnipräsenter Zeitmesser
Omega startet und stoppt seit 1932 bei Olympischen
Wettkämpfen die Zeit der Sieger und der Verlierer.
Der Schweizer Sponsor hat erst vor wenigen Wochen sein
Engagement bis zu den Spielen 2020 verlängert
und investiert für seinen Auftritt Hunderte Millionen Euro
Herrin über alle Zeiten
Ohne die Schweizer Spezialisten läuft bei den Olympischen Spielen kein Wettbewerb –
die Stopp-Profis sind über die Rolle des Sponsors längst hinausgewachsen
FOCUS SPEZIAL/2009
29
uhren SPEZIAL
OMEGA SPEEDMASTER
Moonwatch „Apollo 11“,
auf 7696 Exemplare
limitierte Edelstahlversion
mit Silbermedaillon
3840 Euro
Jamaika-Gold Usain Bolt nach seinem Weltrekordlauf in Peking 2008
30
it ein paar nach Kalifornien geschickten mechanischen Chronographen im Taschenuhrenformat fing alles an. Bei den Olympischen
Sommerspielen 1932 in Los Angeles traten die Zeitmessinstrumente von Omega zum ersten Mal auf.
Bei diesen wahrlich noch amateurhaften Wettbewerben gruben sich die Sprinter ihre Startlöcher noch
mit bloßen Händen in die Aschenbahnen. Bei den
ersten Vorkriegs-Winterspielen in Chamonix und St.
Moritz sollen die Skiabfahrer noch die Zeit ihres Vorläufers auf einem Zettel in der Hosentasche gehabt
haben. Am Ende des Tages kam es dann zum großen Zettelvergleich.
Mit den höchstprofessionellen Sportlern der Gegenwart haben die Zeitmesser aus der Schweiz längst
mitgezogen. Hundertschaften von hauptamtlichen
Zeitnehmern reisen im Tross von Swiss Timing, einer Tochter der Swatch-Group, zu den Wettkämpfen. Containerweise Material gelangt schon viele Monate vor dem Entzünden des olympischen Feuers zu
den Spielstätten. Das Unternehmen Swiss Timing
führt dabei ein Schattendasein. Das Licht fällt auf
den Sponsor Omega – das Zugpferd innerhalb der
Swatch-Group. Ob auf den Startblöcken im Oval des
Stadions, auf den Anschlagmatten in den Schwimmhallen oder in den Zeit-Einblendungen fürs Fernsehen
– das Logo ist unübersehbar.
Ein für alle Seiten offensichtlich lukratives Geschäft.
Die Marke mit dem letzten Buchstaben im griechischen Alphabet hat sich erst vor wenigen Wochen
die olympischen Rechte bis 2020 gesichert. SwatchGroup-CEO Nick Hayek beziffert den Aufwand für die
kommenden zehn Jahre auf „eine Milliarde Schweizer
Franken“ (650 Millionen Euro).
Die Tantieme für das Internationale Olympische Komitee fällt Hayek zufolge mit einem zweistelligen Millionenbetrag bei der ganzen Rechnung noch bescheiden aus. Den Löwenanteil der Kosten verschlingt die
gesamte von Swiss Timing angelieferte Technik – inklusive der Übertragung an die Fernsehstationen der
einzelnen akkreditierten Sender.
Die Schweizer stellen dabei sogar sämtliche Anzeigetafeln bei allen Disziplinen. Hayek gerät angesichts
der Dimensionen des olympischen Engagements
regelmäßig ins Schwärmen. „Allein die Infrastruktur schlägt mit einem dreistelligen Millionenbetrag zu
Buche. In Turin (Winterspiele 2006; Anmerkung der
Red.) waren wir mit 200 Leuten und 50 Tonnen Material präsent“, sagt Hayek, „es gibt keine Firma, die
so ein komplettes Paket liefern kann.“ Die OlympiaNummer gehört zum werbeträchtigsten Mittel
M
Pekinger Fabelzeit
Dem ersten Rekordlauf des
Usain Bolt über 100 Meter
folgte ein erneuter Weltrekord
in diesem Jahr bei der
Weltmeisterschaft in Berlin
Vorfreude Swatch-Group-Chef Nick Hayek
läutet ein Jahr vor den Winterspielen
in Vancouver 2010 den Countdown ein
FOCUS SPEZIAL/2009
Fotos: imago, Omega (3)
OMEGA SEAMASTER
Aqua Terra Co-Axial
GMT Chronograph,
mit Stoppfunktion
und zweiter Zeitzone
5760 Euro
Funk am Fuß
Transponder am Gelenk der Eisschnellläufer senden die Zeit
31
uhren SPEZIAL
Muster-Athlet
Mit achtmal Gold übertraf
Phelps in Peking den
72er-Rekord von Mark Spitz
Um Haaresbreite
Milorad Cavic aus Serbien
(rechts innen) lag im
olympischen 100-MeterSchmetterlings-Finale in
Peking 2008 um eine Hundertstelsekunde hinter dem
US-Amerikaner Phelps
STRAHLEMANN Phelps ist der erfolgreichste Schwimmer aller Zeiten
32
aller Markenstrategen. Kein Ereignis hat weltweit mehr
Zuschauer im Fernsehen. Die Fußball-WM bleibt in
diesem Wettbewerb klarer zweiter Sieger. Und vor allem erreicht Omega hohe Aufmerksamkeit in Ländern,
in denen Fußball über den Status einer Randsportart
nicht hinauskommt. Allen voran die USA, aber auch
im Zukunftsmarkt Indien.
Der oberste Zeitnehmer der Operation Olympia
heißt Christophe Berthaud. Der asketische Mitfünfziger aus dem schweizerischen Biel kommandiert eine
Truppe, die ihre Aufgabe generalstabsmäßig erledigt.
So stoppen die Schweizer Spezialisten bereits exakt
ein Jahr vor den im Februar 2010 startenden Winterspielen im kanadischen Vancouver und an den Hängen des Mount Whistler bei nationalen und internationalen Wettbewerben.
Die Zeiten der Bobfahrer und Rodler erfassen die
Swiss-Timing-Teams auf die tausendstel Sekunde.
Von den Pionierzeiten der mechanischen Handmessung sind die Schweizer meilenweit entfernt. Die
Transponder an Bobs, Schlitten oder an den Fußgelenken der Eisschnellläufer übermitteln permanent
Tausende Daten in die Rechenzentralen. Doppelte,
voneinander unabhängige Systeme berechnen jeden
zurückgelegten Meter Rennstrecke. Berthauds Mannschaft zeichnet sich durch ein gesundes Selbstvertrauen aus, begründet durch das Wissen um die absolute Unverzichtbarkeit ihres Tuns. Die Eidgenossen
hören es daher auch nicht gern, wenn man sie als profanen „Sponsor“ tituliert. „Offizieller Zeitnehmer“ gefällt den Männern und Frauen in den roten Anoraks
FOCUS SPEZIAL/2009
Fotos: Omega
und Windjacken weitaus besser. Im olympischen Alltag halten sich die Hüter aller Zeiten vornehm zurück.
Wenn sich Swatch-Group-Boss Hayek mit OmegaChef Stephen Urquhart und IOC-Präsident Jacques
Rogge beim Einjahres-Countdown in Vancouver zum
Gaudium der Fotografen in einen Bob zwängt, steht
Berthaud bescheiden im Hintergrund.
Zur Rolle der Zeitnahme und zum Verhältnis zu anderen Sponsoren hat er allerdings eine ganz klare Meinung: „Es ist für die Athleten und Zuschauer egal, ob
es bei den Olympischen Spielen eine bestimmte Limonade gibt oder eben auch nicht. Bei uns sieht die
Sache anders aus. Ohne uns gibt es keinen Wettkampf.“ Und ohne die Kompetenz der sprichwörtlichen Schweizer Präzision gäbe es Rennen, die für
alle Zeiten mit dem Vorwurf der Manipulation behaftet wären. In den Zeiten des ständig mitlaufenden
oder mitschwimmenden Dopingverdachts stehen die
Omega-Stopper außerhalb jeden Zweifels.
Kitzlig-knappstes Ergebnis von Christophe
Berthaud war das 100-Meter-Schmetterlings-Schwimmen bei den Olympischen Spielen in Peking. Laut
elektronischer Anzeigetafel schlug Superstar Michael
Phelps genau eine Hundertstelsekunde vor dem
Serben Milorad Cavic im Finale an. Dabei hatten Beobachter des denkwürdigen Wettschwimmens die
Hände des Serben nach eigenem Empfinden deutlich vor Phelps an der Beckenwand anschlagen gesehen. Mit dem Gefühl, dass sein Schützling gerade um die verdiente Goldmedaille betrogen worden
war, stürmte Cavic’ Trainer mit grimmigem Gesicht
auf Berthaud zu.
Die Geschichte hatte das Zeug für eine sagenhafte Verschwörungstheorie. Amerikaner gegen Serbe.
Superstar versus Underdog. In einem Vorrennen hatte
Cavic den US-Boy noch klar besiegt und diesen anschließend mit einer fragwürdigen Geste, einem angedeuteten Pistolenschuss, bedacht. Zudem ist Phelps
auch prominenter und hochdotierter Träger von
Omega-Uhren. Doch der Franzose konnte den Haaresbreiten-Sieg des Amerikaners anhand einer Hochgeschwindigkeitskamera zweifelfrei belegen.
Die Exklusivvorführung für den erzürnten Coach geriet zur Demonstration der dem menschlichen Auge
überlegenen Technik. Der Mensch vermag nur maximal Bewegungsabläufe in Zehntelsekunden-Abständen zu unterscheiden. Dagegen liefert das Gerät der
Swatch-Group-Tochter Swiss Timing 2000 Bilder pro
Sekunde – sogenannte Scans.
Cavic hatte es demnach nicht geschafft, mit dem
vermeintlich letzten Armschwung die Anschlagmatte
FOCUS SPEZIAL/2009
OMEGA SEAMASTER
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„Ploprof“, mit
Heliumventil, bis
120 bar wasserdicht
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zu erreichen. Denn erst ein Druck von drei Kilogramm
auf die „touch pads“ löst den Stoppmechanismus des
zwischen Matte und Kachelwand installierten Chronographen aus.
Cavic hatte die Anschlagmatte aber höchstens mit
seinen Fingerspitzen gestreift – und damit zu wenig
Druck auf die Matte ausgeübt. Eine anschließende
halbe und daher schnellere Armbewegung von Phelps
brachte diesem den Siegerlorbeer.
„Nachdem Cavic’ Trainer die Bilder gesehen hatte, verabschiedete er sich freundlich von mir und
konnte sich dann auch über die Silbermedaille freuen“, erinnert sich Berthaud. Warum eigentlich nicht –
wie beispielsweise beim Bobfahren – in Tausendstelsekunden messen, wird der Zeitmeister immer wieder
gefragt. „Niemand kann beim Bau eines Schwimmbeckens eine derart exakt gleichmäßige Länge der
Bahnen garantieren“, so die durchaus verblüffende
Antwort.
Der wahre GAU wäre für den CEO von Swiss Timing
allerdings ein Totalausfall der Zeitnahme während eines Wettbewerbs. Der komplette Black-out blieb den
Schweizern bislang erspart. Für Berthaud wäre dieser zeitlose Zustand weniger eine professionelle als
vielmehr eine menschliche Katastrophe: „Wir können einem Sportler, der sich 15 Jahre auf dieses
eine Rennen vorbereitet hat, doch nicht sagen:
,Sorry, wir haben keine Zeit gestoppt. Mach’s einfach
noch einmal.‘“
■
F RITZ S CHWAB
„ Einem Sportler, der sich
15 Jahre vorbereitet hat,
kann ich nicht
sagen: Sorry,
wir haben
keine Zeit von
dir gemessen.
Mach’s noch
einmal“
Chr istophe Ber thaud,
Swiss Timing
uhren SPEZIAL
Die legendären
Markantes Markenzeichen
Eine frühe Tank mit den
typischen römischen Ziffern
und dem CabochonStein an der Aufzugskrone
aus blauem Saphir
Juweliere von der Rue de la Paix 13
Für die Franzosen ist Cartier eine nationale Ikone, auf der ganzen Welt begeistert
die erfolgreichste Luxusmarke die Kunden mit mythenreichen Klassikern
b drücken, ziehen oder rütteln. Es hilft alles
nichts. Die schmiedeeiserne Türe bleibt versperrt. Erst das Betätigen eines dezent an der Wand
angebrachten Klingelknopfs verschafft dem Besucher
Zugang – nach einer als durchaus unangenehm lang
empfundenen Wartezeit. Die Adresse:13, Rue de la
Paix, Paris. Der Hausherr: Cartier. Seit 110 Jahren
residiert der Juwelier hier im vornehmsten Quartier
der Metropole, nur einen Steinwurf vom „Hotel Ritz“
entfernt. Das Interieur dezent, geradezu gediegen. An
zierlichen Tischchen erfolgt die Präsentation von Steinen, Perlen, Ringen, Uhren. Die Szenerie erinnert an
ein altehrwürdiges Bankhaus.
Alle waren sie hier. Grace Kelly und Fürst Rainier
von Monaco vor ihrer Verlobung. Prinzessin Diana und
Dodi kurz vor ihrem tragischen Unfall. Die Scheichs,
die russischen Oligarchen, die fashion-süchtigen
Japanerinnen. Cartier verkauft mehr als Schmuck,
Cartier schmückt die Menschen mit einem Mythos.
Die Kunden mit den roten Tüten, auf denen der golden-geschwungene Schriftzug prangt, scheinen
glücklicher nach ihrem Besuch. Als fühlten sie sich
weniger um – meist – viel Geld erleichtert, sondern
selbst reich beschenkt.
Juwelier der Könige. König der Juweliere.
Vom englischen König Edward VII. soll dieser Spruch
stammen. Mit der Nichte von Kaiser Napoleon
Bonaparte fing alles an. 1855 orderte Prinzessin
Mathilde bei dem noch jungen Juwelier Louis-François Cartier ausgefallenes Geschmeide. Die Französin
fand schnell Nachahmerinnen bei den europäischen
Herrscherhäusern. Cartier erkannte früh, dass der
Heimatmarkt viel zu klein für seine ambitionierten
Pläne war. Mit der Internationalisierung seines
Geschäfts vor mehr als 100 Jahren legte die zweite
Cartier-Generation den Grundstein zum heute weltweit umsatzstärksten Juwelier.
Den Status des Hoflieferanten erreicht Cartier in
England und Spanien oder auch bei inzwischen
Fotos: aus Buch: „Cartier - Die Tank Uhr“
O
FOCUS SPEZIAL/2009
Frühes Product-Placement
Stummfilmstar Rudolph Valentino
bestand 1926 darauf, während
der Dreharbeiten zu „Der Sohn des
Scheichs“ seine Tank zu tragen
35
uhren SPEZIAL
Santos-Dumont Brasiliens Flugpionier ließ sich
von Cartier eine flugtaugliche Armbanduhr bauen
Santos
Maskuliner Auftritt
in Gold- oder
Stahlvarianten
ab 4600 Euro
Trinity
Drei ineinander
verwobene Ringe
bilden das ideale
Schmuckstück für
ewige Liebesschwüre
36
längst untergegangenen Geschlechtern. Der Glanz
strahlte von Europa schnell in die weite Welt. Kronen, Diademe, Szepter fertigten die Franzosen für die
exotischsten Herrscher, darunter der König von Siam
und den Zaren Nikolaus.
Geradezu maßlos mutet heute der Schmuck der
Maharadschas an. Die Brust kiloschwer mit mehrlagigen Konstruktionen aus Edelsteinen behangen. Bald
legt die Familie Cartier den Grundstein für ihren weltweiten Erfolg. Neben der Kreativität der Goldschmiede
und Juweliere, die Innovationskraft des Hauses. So
wagt sich Cartier als Erster an das bis dahin kaum beachtete Material Platin, das, deutlich stabiler als Gold,
sich hervorragend für Fassungen von Edelsteinen eignet. Mit eigenen Geschäften an den Top-Adressen
New Bond Street in London und Fifth Avenue in
New York sichern sich die Franzosen früh die
Gunst des reichen aufstrebenden Bürgertums.
Auf den aufkommenden Geldadel zu setzen
war sicher eine der weisesten Entscheidungen des
Unternehmens. Viele Königshäuser des alten Europa waren nach dem Ersten Weltkrieg von Revolutionen hinweggefegt worden, allen voran das Haus
Romanow mit der gesamten Zarenfamilie.
Ironie der Geschichte: 90 Jahre später gestattet
Russlands Regierung eine ausschließlich Cartier gewidmete Ausstellung – mitten im Kreml. Die schlagzeilenträchtigste Story für Cartier lieferte allerdings
Richard Burton vor 40 Jahren, der als fünfter Ehemann von Liz Taylor dieser einen 69-Karat-Diamanten schenkte. Der Eigentümer, die Cartier-Stiftung,
Fotos: Cartier (3), aus Buch: „Cartier - Die Tank Uhr“ (5)
Cocteau Frankreichs Kultur-Diva trug
am kleinen Finger den Trinity-Ring
hatte den Stein nur wenige Tage zuvor auf einer
Auktion für die eigene Sammlung ersteigert, um ihn
dann an Burton weiterzureichen. Einzige Bedingung:
Der Stein musste, bevor er Liz Taylor schmückt, für
einige Tage in New York in der Cartier-Vitrine liegen.
Tausende drängelten sich am Schaufenster, um den
Burton-Taylor zu sehen.
Der Krieg als Vater aller Dinge zeugt nach dem
Ende des Völkerschlachtens im Jahr 1919 einen Klassiker namens Tank. Von der Architektur des Ketten-
Tank Francaise Das Design
FOCUS SPEZIAL/2009
Jackie Kennedy Amerikas Stil-Ikone zeigte sich
Cartier-like mit der Tank am Handgelenk
Yves Montand mit Tank und Marilyn Monroe Die
panzers inspiriert entwirft Cartier eine Uhr, die sich zur
Ikone des Art déco emporschwingt. Trotz ihrer martialischen Vorgeschichte erscheint die Tank ziemlich
zivil an den Armen ihrer Verehrer: Yves Montand,
Alain Delon, Andy Warhol, Yves Saint Laurent, Jackie
Kennedy. Die Liste der Tank-Träger liest sich wie das
Who’s who der Prominenz des 20. Jahrhunderts.
Bereits zehn Jahre vor dem Ersten Weltkrieg entwickelt Louis Cartier für seinen Freund Alberto Santos-Dumont eine individuelle Uhr. Der brasilianische
Kunstflieger hatte es satt, an Bord seiner Maschinen umständlich seine Taschenuhr aus der Weste zu
fummeln. Louis schnallte Alberto die von einem Lederband gehaltene Uhr ans Handgelenk und läutete
somit die Geburtsstunde der Santos ein, dem bis
heute maskulinsten Modell der gesamten Cartier-Kollektion. Der Start der Santos bedeutete zugleich den
Anfang vom Ende des Taschenuhren-Zeitalters.
Die Schöpfer der Preziosen werkeln unweit
der Rue de la Paix. Um einen Innenhof – fünf
Schauspielerin besang Cartier sogar in einem Lied
Tank Solo
Einstiegsmodell des
Klassikers in der
Stahlgehäuse-Variante
mit Quarzwerk
unübersehbar inspiriert durch einen Kettenpanzer
37
uhren SPEZIAL
Panthere-Ring
Schmuckes Kätzchen
Cartier ließ seinen Werbeträger
1999 aus dem Käfig und an der
aktuellen Kollektion schnuppern
38
Gehminuten von der Oper – erstreckt sich ein modernistisches Glasensemble des Stararchitekten
Jean Nouvel. Über tausend kreative Köpfe beschäftigt Cartier in seiner Zentrale. Auffallend viele Frauen bevölkern die Chefetagen, die Institution der französischen Kinderkrippe eröffnet gleichberechtigt
Karrierechancen.
Oberster Lenker des Cartier-Imperiums ist allerdings Bernard Fornas, ein Manager-Mannsbild der
Extraklasse, das keinen Zweifel daran lässt, wer
die letzte Entscheidung trifft. „Wenn Sie auf zu viel
Menschen hören, schaffen Sie am Schluss Tiere mit
fünf Beinen.“ Fornas’ Selbstbewusstsein kommt nicht
von ungefähr. Immerhin trotzt der Luxusriese der
Rezession. Man liege deutlich besser als die gebeutelte Branche und auch über dem Durchschnitt des
eigenen Hauses, heißt es.
Der Cartier-Mutterkonzern Richemont musste von
April bis August dieses Jahres ein Minus von 16 Prozent verkraften. Bei weniger standfesten Konzerntöchtern wie dem sächsischen Uhren-Manufakturbetrieb A. Lange & Söhne purzelte bereits der Chef
vom CEO-Sessel.
Eine besonders forsche Dame hat Fornas damit
beauftragt, Cartiers Uhrenkollektion den Nimbus einer echten Manufaktur zu verschaffen. Carole Forestier-Kasapi pendelt unermüdlich zwischen dem Sitz
der Uhrenproduktion im schweizerischen La Chauxde-Fonds und der Zentrale in Paris. Mit eigenen Kalibern, darunter einem vollkommen neuen Chronographenwerk, tilgt Forestier-Kasapi ein landläufiges
FOCUS SPEZIAL/2009
Fotos: aus Buch: „Cartier - Die Tank Uhr“ (2), Amazing Cartier (2)
In 18 Karat Gelbgold
und mit den typischen
Smaragd-Augen
Schlangen-Schmuck
Die Tierwelt ist
reichlich vertreten
– in diesem Fall
haben die großen
Steine 200 Karat
Liz Taylor Die Diva trägt den Burton-Taylor-
Diamanten am Hals und einen „Love“-Armreif
Vorurteil. Cartier stelle doch ganz überwiegend nur
Schmuckuhren mit Batterie-Antrieb her, so der Vorwurf der meist männlichen Mechanik-Freaks. Zwar
ist das Gros der Uhren mit einem Quarzwerk versehen, doch der Trend geht eindeutig zur (auch teureren)
Mechanik. Die Modelle mit den in-house entwickelten Kalibern sollen bald 20 Prozent des Uhrenumsatzes erzielen.
Den Kunden mit schmalerem Budget hat Cartier
dabei immer noch im Visier. Wer sich nicht traut, an
der Tür im Stammhaus an der Rue de la Paix zu rütteln, sollte sich auf die Champs-Élysées begeben.
Der dortige Flagship-Store steht, so das Kalkül der
Marketingstrategen, jedermann schwellenangstfrei offen. So manch Bermudahosen- oder gar
Jogginghosen-Träger hat im einladenden Ambiente schmucke Souvenirs für fünf- bis sechsstellige
Beträge eingekauft.
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F RITZ S CHWAB
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Originale gesucht.
rŪ
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Für Männer, die echte Typen sind. Der Régulateur.
23
Oft kopiert, nie erreicht. Sein Dreikreiszifferblatt
konzentriert sich auf das Wesentliche: Stunden,
Minuten und Sekunden sind mit perfekt
proportionierten Poire-Zeigern präzise abzulesen.
Auch für Frauen, die wahre Werte schätzen.
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uhren SPEZIAL
Trockenübung Rothschild prüft im Hafen von San Francisco ein Modell der „Plastiki“
Bedrohtes Welterbe Die Wasserwelt der Ozeane (Bild: vor den Galapagosinseln) leidet unter Vermüllung
Der junge Mann und
das Boot
Der Öko-Abenteurer David de Rothschild wagt eine Ozeanüberquerung mit
einem Schiff aus Plastikflaschen und einer die Meere rettenden Botschaft
ie Piers von San Francisco haben schon so allerhand erlebt. Den von Jack London beschriebenen Goldrausch, die Angst vor einem japanischen
Angriff im Zweiten Weltkrieg, die Hippies in den 60erJahren, die Schwulenbewegung. Doch ein Typ, der
mit einem aus alten Plastikflaschen zusammengebauten Boot von diesem Hafen aus über den Pazifik segeln will? Seit Monaten bastelt David de Rothschild
mit seinem Team an dem Schiff. Solar- und windangetrieben soll es eine Hand voll Öko-Aktivisten über
den Stillen Ozean bringen.
„Plastiki“ haben die Aktivisten von Adventure Ecology ihr Boot getauft und sehen sich damit in der
Nachfolge des legendären Forschers Thor Heyerdahl.
Der Norweger hatte vor über 60 Jahren mit dem aus
Balsa-Holz gebauten Boot „Kon-Tiki“ den Beweis erbracht, dass es den Völkern bereits vor vielen Jahrhunderten möglich war, den Pazifik von Amerika nach
Polynesien zu überqueren. Die Reiseberichte Heyerdahls schwärmen von dem fischreichen Ozean, einer
paradiesischen Welt.
Millionen Tonnen von Müll bedrohen diese Welt, so
die Anklage Rothschilds. Vor allem im Pazifik treiben
Strömungen den Wohlstandsdreck zu gigantischen
Teppichen zusammen. Weite Flächen der Meere sind
bedeckt mit den Plastikabfällen, die sich in Kleinstteile
zersetzend über Fische und Vögel in der Nahrungskette bis zum Menschen gelangen.
Die Folgen dieser Vergiftung sind noch überhaupt
nicht abzusehen. Rothschild will das Desaster unterwegs dokumentieren. Die Route führt über Hawaii,
das Bikini-Atoll, Tuvalu und Neukaledonien bis ins
australische Sydney.
Das Ende des Wegwerf-Zeitalters will der
junge Adelsspross mit seiner Expedition also einläuten. Kein Marketing-Gag, sondern eine globale Mission treibt den Briten nun zum wiederholten Male um.
Fotos: IWC
D
FOCUS SPEZIAL/2009
Unsere Lebensgrundlagen Klima, Trinkwasser, Nahrung hat Rothschild als seine Themen schon vor Jahren identifiziert. Bevor sich Politiker werbewirksam im
Anorak im Polarmeer ablichten ließen, hatte der junge David den Nordpol erreicht und auf die Gefahren
der Eisschmelze hingewiesen. Im Amazonas-Regenwald prangerte er die Bodenverseuchung durch Erdölförderfirmen an und die daraus resultierende Zerstörung des Lebensraums von Ureinwohnern. Das von
IWC geförderte „Plastiki“-Projekt übertrifft allerdings
bei Weitem die bisherigen Expeditionen.
12 000 PET-Flaschen – mit Trockeneis aufgefüllt
– bilden die zwei Rümpfe des Katamarans und tragen
die 17 Meter lange „Plastiki“. Das Boot ist gespickt mit
High-Tech-Kommunikation. Webcams dokumentieren das Öko-Abenteuer rund um die Uhr. Bereits seit
Monaten berichtet ein Blog über die Fortschritte der
Bootsbauer und die Hindernisse auf dem Weg zum
längst überfälligen Stapellauf.
Rothschild, der sich selbst als „Geschichtenerzähler“ beschreibt, ist vor allem ein geschickter Vermarkter seiner Ideen und Projekte. Wenn der 31-Jährige
wie vor zwei Jahren zur Vernissage einer Fotoausstellung seiner Südamerika-Expedition nach London einlädt, gibt sich die High Society die Ehre.
Der sparsame Einsatz von Ressourcen bildet das
Leitmotiv der Mission. Als Selbstversorger wollen sich
die maritimen Ökos versuchen. Biologen der Universität San Francisco versorgen die Crew mit Gemüsesetzlingen für genügend Vitamine an Bord. Ein Solardach übernimmt die Stromversorgung.
„Unser Projekt ist eine Mischung aus Innovationen
und Abenteuer“, sagt Rothschild. „Wenn am Schluss
nur meine Fahrt über den Pazifik stehen würde, hätte ich versagt“, sagt Rothschild, obwohl er einräumt:
„Jeder will natürlich zuerst sehen, ob es der Typ mit
seinem komischen Boot über den Pazifik schafft.“ ■
IWC INGENIEUR
Automatic Edition
„Adventure Ecology“,
46 Millimeter
Edelstahlgehäuse,
Kautschukband
6600 Euro
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„Deep Two“, mit
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Tiefenmesser mit
Schleppzeiger
12 600 Euro
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uhren SPEZIAL
GROSSE FLIEGERUHR
der Edition „Antoine de Saint
Exupéry“, Edelstahlgehäuse,
46 Millimeter Durchmesser
12 900 EURO
Wüstenflieger Dem Schriftsteller und Piloten Saint-Exupéry widmet IWC eine Kollektion
42
INTERVIEW
„Gutes tun und gleichzeitig
ein gutes Leben führen“
Fotos: IWC
Georges Kern fördert mit Herzblut ökologische Projekte
und möchte trotzdem IWC den Ruf einer „Testosteron-Marke“ bewahren
FOCUS: Herr Kern, früher war IWC für seine flotten Sprüche à la „Fast so kompliziert wie eine Frau.
Aber pünktlich“ bekannt. Heute wollen Sie die Weltmeere retten, spenden für den Erhalt der Galapagosinseln und wollen in Schaffhausen CO2-neutral Uhren
produzieren. Mutiert der Macho zum Öko?
Kern: Damit eines gleich klar ist. Wir sind und bleiben eine Männermarke. Das ist kein Widerspruch zu
unseren Umweltschutz-Aktivitäten.
FOCUS: Wirklich nicht? Immerhin verkaufen Sie
ein reinrassiges Luxusprodukt an eine Zielgruppe, die
mutmaßlich in der ganzen Welt herumjettet und kaum
im verbrauchsarmen Kleinwagen fährt.
Kern: Niemand will in einer Grotte leben . . .
FOCUS: Grotte? Zwischen dem Leben eines Höhlenmenschen und dem Lifestyle der Luxusklientel ist
aber noch reichlich Platz auf der Verhaltensskala.
Kern: Das war auch nur bildhaft gemeint. Wir wollen zeigen, dass ökologisches Denken und Handeln
cool sein können. Man kann Gutes tun und gleichzeitig ein gutes Leben führen. Im Umweltschutz sind wir
schon seit vielen Jahren aktiv. So unterstützen wir seit
2004 die Cousteau Society. Die von Jacques-Yves
Cousteau gegründete Non-Profit-Organisation nahm
uns damals als Partner auf eine Forschungsreise ins
Rote Meer mit an Bord der „Alcyone“ – der Nachfolgerin der legendären „Calypso“. An diesem Beispiel
sehen Sie auch, dass unser Engagement stimmig
ist. Immerhin sind wir Hersteller von Taucheruhren,
die bei dieser Expedition im Einsatz waren. Das Gleiche gilt für unser Fliegeruhrenmodell „Edition Antoine
de Saint Exupéry“, das an den legendären französischen Piloten und Schriftsteller erinnert. Ein großer Teil
der Verkaufserlöse kommt benachteiligten Kindern in
Argentinien zugute.
FOCUS: Ihr aktueller Hausheiliger ist David de
Rothschild, ein Spross der Bankiersdynastie, der mit
einem aus Plastikflaschen gebauten Katamaran über
den Pazifik segeln will.
FOCUS SPEZIAL/2009
Kern: David de Rothschild ist ein großartiger junger Mann, der aus einer der bekanntesten Familien
stammt. Er könnte auch in London jeden Abend durch
die Diskotheken ziehen, wenn er es wollte. Tatsächlich setzt er sich seit Jahren weltweit für die bedrohte
Umwelt ein.
FOCUS: Also ein stimmiges Engagement im Sinne von: Was nützt mir meine IWC-Aquatimer, wenn
ich damit nur zwischen Plastikmüll herumtauchen
kann?
■
Kern: Richtig.
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digitale Datumsund Monatsanzeige,
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I NTER VIEW : F RITZ S CHWAB
„ Niemand
möchte in
einer Grotte
leben“
Georges Ker n,
IWC Schaffhausen
43
uhren SPEZIAL
Sieger-Strahlen
Glückliche Gewinner beim
Festakt zur Goldenen Unruh 2009
mit Laudator und FOCUS-Chef Uli
Baur (l.) im Porsche-Museum
in Stuttgart-Zuffenhausen
Leserwahl
Goldene
Unruh
2010
ie Uhr tickt. Am 1.12.2009
startet die Leser-Abstimmung bei FOCUS-Online zur weltweit größten Wahl der beliebtesten
mechanischen Zeitmesser. In fünf
Kategorien stellt sich ein Rekordteilnehmerfeld mit insgesamt 113
Marken vor.
Eine Vorauswahl treffen bereits
in diesem November die Leser des
„Uhren-Magazins“. Zehn Modelle in jeder Kategorie präsentieren
sich dann für die Abstimmung bei
FOCUS-Online.
Als Favoriten gelten vor allem in
der höchsten Kategorie, über 25 000
Euro, auch in diesem Jahr wieder die
Edelmanufakturen aus dem sächsischen Glashütte. Der Siegerlorbeer
wird am 25. Februar 2010 überreicht. Sämtliche Details zur Wahl
bietet wie immer die Startseite unter www.focus.de/uhrenwahl.
■
D
44
Goldene Unruh 2010
Die weltweit größte Online-Leserwahl von
FOCUS und „Uhren-Magazin“ lockt mit Rekordgewinnen
1. Preis
2. Preis
Fortis
B-42 Official
Cosmonauts
Chronograph
7500 Euro
Delance
Orchidee
7330 Euro
3. Preis
s
4. Preis
Maurice
Lacroix
Masterpiece
6600 Euro
Cuervo y
Sobrinos
Prominente
Dualtime
3700 Euro
FOCUS SPEZIAL/2009
5. Preis
6. Preis
7. Preis
Baume &
Mercier
Classima
Executives
3570 Euro
Thomas
Ninchritz
Grand Second
2550 Euro
Seiko
Veletura Automatik
Chronograph
2500 Euro
8. Preis
UTS
Diver 1000 PVD,
Taucheruhr mit
kratzfestem
Gehäuse
2350 Euro
9. Preis
Jörg Schauer
Einzeiger
Schwarz Artus,
Metallband
2200 Euro
10. Preis
Foto: K. Alt/FOCUS-Magazin
Montblanc
TimeWalker
Large Automatik
2180 Euro
uhren SPEZIAL
Prominente Nummer
Nelson Mandela war 18 Jahre
auf Robben Island inhaftiert.
Der Wempe-Silber-Armreif
mit Häftlingsnummer kostet
185 EURO
Tipps & Trends
Herren-Geschmeide hat hierzulande einen schweren Stand –
doch diskrete Schmuckstücke bestehen neben der Uhr
er eine Uhr für 5000 Euro kauft, um damit die
Zeit abzulesen, ist ein Idiot“, sagt Jean-Claude
Biver. Der wortgewaltige Boss von Hublot sieht die
Zeitfunktion als „reines Alibi“ für den Mann, um sich
mit einer Uhr zu schmücken. Konsequenterweise gelingt es Biver, seine Modelle beinah unleserlich zu gestalten. Dezenter schmücken sich vorwiegend die
sogenannten Kreativen wie Werber und Architekten.
Da scheint die Gletscherkuppe des MontblancSchreibers aus der Hemdentasche heraus. Wer für die
Mandela-Foundation Gutes tun will, streift sich dagegen den Wempe-Silberreif über.
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„W
Für Schwarzseher
Die Big Bang All Black II
von Hublot mit
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Hemdenverschluss
Schweizer Uhrwerke
als Manschettenknöpfe
von Kunst am Werk
ab 129 EURO
46
Das aus der Hemdentasche blitzende
Montblanc-Signet gilt
als dezenter Ausweis
von Luxus
Fotos: Playboy, MontBlanc
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Eine Hommage an den ersten Automatik-Chronographen der Geschichte
(1969) von Breitling. Offiziell COSC-zertifizierter Chronometer.