Robinson in der Regenwald- Apotheke

Transcription

Robinson in der Regenwald- Apotheke
Ein Heft der Kindernothilfe
ABENTEUER
MIT DEM ZAUBERBUCH
Robinson
in der
RegenwaldApotheke
( G e s c h i c h t e )
Robinson in der
RegenwaldApotheke
R
obinson! Tina! Zeit, ins Bett
zu gehen!“ Die Mutter nickt
„
ihren beiden Sprößlingen
aufmunternd zu. „Los ihr beiden!
Morgen kommt ihr wieder nicht aus den
Federn!“ „Jaaa! Wir gehen ja schon!“
Robinson und seine Schwester hängen
wie gebannt vor dem Fernseher, in dem
gerade der Abspann des Abenteuerfilms
läuft – ein Film über einen Doktor, der
bei Indianern im Regenwald gelebt und
dort in der Natur ein Mittel gegen eine
schwere Krankheit gefunden hat. Nur
widerwillig stehen die beiden Kinder
auf. „Gute Nacht, Mama und Papa!“
„Gute Nacht, Kinder, und träumt was
Schönes!“ „Guck lieber unter deinem
Bett nach, ob da keine Schlange liegt!
So wie in dem Film...“, flüstert
Robinson vor Tinas Tür. „Stell dir vor,
wie sie kalt und glatt unter deine Bettdecke kriecht, sich um deine Beine
wickelt...“ Tina schreit auf, springt in
ihr Zimmer und knallt die Tür zu.
Robinson grinst und geht weiter zu
seinem Zimmer. Als er die Türklinke
herunterdrückt, hat er eine Idee. Er
horcht zum Wohnzimmer hinunter.
Seine Eltern sitzen noch vor dem Fernseher. Das Poltern aus Tinas Zimmer
scheint anzudeuten, daß sie alle Ecken
und Nischen nach möglichen Schlangen
absucht. Auf Zehenspitzen schleicht
Robinson zur Bodentreppe. Vorsichtig
steigt er von Stufe zu Stufe. Die dritte
läßt er aus, sie knarrt nämlich. Die Tür
(2) Kinder Kinder
zum Dachboden quietscht. Erschrocken
hält er die Luft an. Aber keiner hat
etwas gehört. Leise zieht er die Tür ins
Schloß. Dann holt er das Zauberbuch
aus der Truhe. Er will in dieser Nacht
noch auf die Reise gehen, und zwar zu
den Indianern im Regenwald. Robinson
schlägt das dicke braune Buch unter
dem Kapitel „Brasilianischer Regenwald“ auf. Dann schließt er die Augen.
Ein Krokodil
geht zum Angriff über
Die Zauberreise beginnt. Es pfeift und
zischt, er merkt, wie er hochgehoben
wird, und bereits im nächsten Moment
fühlt er etwas Weiches, Samtiges unter
seinen Fingern. Langsam gewöhnen
sich seine Augen an das Dämmerlicht.
Er sitzt auf einem grünen Moosteppich,
der lebendig zu sein scheint. Es kribbelt
und krabbelt und summt und brummt
um ihn herum und dann auch auf ihm
herum, bis er schreiend aufspringt und
um sich schlägt. Doch schon nach zwei
Schlägen hat er keine Puste mehr. Die
Luft ist feucht und schwer. Er kann
kaum noch atmen. Sein Overall und sein
T-Shirt sind schon ganz naß. Er steht
mitten in einem Wirrwarr aus vielen
verschiedenen Büschen und Bäumen,
die er noch nie im Leben gesehen hat.
Vor ihm schimmert Wasser durch die
Zweige, rechts, links und hinter sich
kann er vor lauter Gestrüpp überhaupt
nichts sehen. Auch der Blick nach oben
ist durch Blätter versperrt. Wie soll er
hier je im Leben wieder herauskommen? „Aua! Hört auf zu stechen,
ihr Biester!“ Robinson fuchtelt mit den
Händen herum, um den Mückenschwarm zu vertreiben, der sich auf ihn
gestürzt hat.
Der ganze Urwald scheint ihm zu
Ehren ein Konzert zu geben. Es pfeift,
zwitschert, keift, kreischt in allen
Tonlagen und aus allen Ecken. Er
versucht einen Schritt Richtung Wasser
zu gehen, da knallt zentimeterdicht
neben ihm eine Kokosnuß auf den
Boden. Robinson springt vor lauter
Schreck in die Luft. Über ihm hängt ein
Affe kopfüber mit dem Schwanz an
einem Ast und stößt ein ohrenbetäubendes Gekreisch aus. „He, du
Lümmel! Du hättest mich fast
getroffen!“ schreit Robinson den Affen
empört an. „Das ist ja lebensgefährlich
hier!“ Er unternimmt einen neuen
Versuch, sich durch die Büsche zum
Wasser durchzukämpfen. Aber es ist
hoffnungslos, ohne Messer hat er keine
Chance. Er reibt sich seine zerstochenen
und juckenden Arme und Beine und
starrt durch das Gebüsch hindurch auf’s
Wasser. „Huch, was ist das nun
wieder?“ Erschrocken blickt er auf zwei
glühend rote Punkte, die aus dem
Wasser ragen. Sie kommen näher,
immer näher. Erst nach einigen Minuten
erkennt er, was es ist. Ihm
( G e s c h i c h t e )
bleibt fast das Herz stehen: Ein
riesengroßes Krokodil starrt ihn mit
feurigen Augen an und wälzt sich
langsam aus dem Wasser auf ihn zu.
Robinson ist zuerst wie gelähmt. Dann
schnappt er sich geistesgegenwärtig den
nächstbesten dicken Ast, der auf dem
Boden liegt, und stellt sich angriffslustig hin. „Verschwinde, du Krokodil,
du!“ brüllt er aus Leibeskräften, „glaub
bloß nicht, daß ich Angst vor dir habe!“
Dabei hat er in Wirklichkeit eine
Riesenangst, aber das braucht das
Krokodil ja nicht zu wissen. Also lärmt
er weiter herum in der Hoffnung, das
Tier damit zu vertreiben.
lötzlich hört er Stimmen vom
Wasser her. Das Krokodil fährt
herum, schlägt mit dem riesengroßen
Schwanz wild auf das Wasser und
verschwindet. Dann wird ein Kanu
sichtbar, das von zwei Indianern
P
gesteuert
wird. „Hallo, wo
steckst du?“ rufen
sie vom Wasser aus zum Ufer herüber.
„Hier bin ich!“ schreit Robinson
erleichtert zurück, hängt sich an einen
Busch und schüttelt ihn wie wild.
„Bleib, wo du bist! Wir holen dich!“
Die Indianer springen ans Ufer und
schlagen mit einem großen
Buschmesser einen Weg durch das
Dickicht. Erstaunt starren sie den mit
Mückenstichen übersäten Robinson an.
„Wie um alles in der Welt kommst du
hierher? Du hast kein Boot, kein
Messer... Kein Mensch kann ohne
Messer bis an diese Stelle kommen.“
Robinson grinst verlegen. Die
Geschichte von dem Zauberbuch will
er lieber nicht verraten. Und wenn
die beiden ihn jetzt fragen, ob er vom
Himmel gefallen ist, bekommt er einen
Schreikrampf. Denn: Diese Frage hat er
bis jetzt auf jeder Zauberreise
gehört! „Äh, ich weiß auch nicht,
ich hab mich irgendwie verirrt.
Autsch, da hat mich schon wieder
was gestochen!“ Der ältere Indianer
bückt sich, kriecht unter einen
Strauch, reißt ein paar Farnblätter
ab und reibt damit Robinsons Arme
und Beine ein. Der will zuerst
protestieren, merkt aber plötzlich,
daß der Juckreiz im Handumdrehen
verschwunden ist. „Dinodonnerdufte!“
staunt er, „das ist ja wie Anti-MückenGel!“ „Wie wer?“ fragt der jüngere
Indianer, der ungefähr 15 Jahre alt
ist. „Wer bist du überhaupt?“
„Ich bin Robinson, und wie heißt ihr?“
„Ich heiße Uniaí, und das ist
mein Bruder Atiolô, wir gehören zum
Stamm der Yanomani“, sagt der
Indianer. „Wir sammeln Blätter und
Früchte gegen Krankheiten. Willst
du mitkommen?“
Kinder Kinder (3)
( G e s c h i c h t e )
Stück aus dem Wasser ragt. Im
nächsten Moment rammt das Kanu
den Stein, und Robinson wird durch
den plötzlichen Aufprall ins Wasser
geschleudert. Er taucht sofort unter.
Währenddessen geschieht zu Hause
auf dem Dachboden folgendes:
Robinson hat das Zauberbuch aufgeschlagen auf dem Fußboden liegen
lassen. Ein Windzug, der durch das
undichte Dachfenster pfeift, blättert ein
paar Seiten um. Und das bedeutet, daß
das Zauberbuch Robinson nicht mehr
zurückzaubern kann. Wenn nicht
jemand kommt und wieder die Seite mit
dem Foto vom Regenwald aufschlägt,
muß Robinson für immer dort bleiben.
Nur gut, daß er das nicht weiß.
Gewitter und
ein Bootsunglück
Die beiden Indianer nehmen ihn in
ihrem Kanu mit. Vorsichtig steuern sie
das Boot über den Fluß, in dem Äste,
Gras und vermoderte Baumstämme
schwimmen. Die Luft ist noch
drückender geworden. Kein Lüftchen
regt sich. Am Himmel ziehen dunkle
Wolken auf. Robinson fällt auf, daß es
totenstill geworden ist. Das Urwaldkonzert ist verstummt. Er wird auf einmal
schrecklich müde, ihm ist ganz schwindelig, und er kann nicht mehr richtig
atmen. Offenbar geht’s aber nicht nur
ihm so. Atiolô greift in einen Beutel,
holt ein paar grüne Blätter heraus und
verteilt sie. „Hier, kaut ein GuaranáBlatt*, dann geht’s euch besser!“
Robinson steckt gehorsam das
Grünzeug in den Mund. Es schmeckt
bitter, dann süßlich. Und tatsächlich,
Müdigkeit und Schwindel sind weg, und
er kann auch wieder durchatmen.
„Gleich gibt’s ein Gewitter!“ kündigt
Uniaí an. „Halt dich fest. Da geht’s
schon los!“
Ein plötzlicher Sturm fegt über das
Wasser, und die erste große Welle
kracht gegen das Kanu, das sich auf die
linke Seite legt. Und dann fallen die
(4) Kinder Kinder
ersten Tropfen. Es regnet, es schüttet,
als ob der Himmel mehrere Talsperren
gleichzeitig geöffnet hätte. Robinson ist
naß bis auf die Haut und friert, denn es
ist auch viel kälter geworden. Das Kanu
wird hin- und hergeschüttelt. Das
schwarze Wasser brodelt. Die Indianer
haben ein Wachstuch über das Kanu
geworfen, damit es nicht voll Wasser
läuft. Blitze zucken über den dunklen
Himmel, der Donner zerreißt den dreien
„Gleich gibt’s ein Gewitter!“
kündigt Uniaí an.
„Halt dich fest. Da geht’s
schon los!“
fast das Trommelfell. Der ganze Urwald
scheint in Flammen zu stehen.
Robinson glaubt, sein letztes Stündlein
habe geschlagen. Die beiden Indianer
dagegen sitzen gelassen im Boot und
verziehen keine Miene. Uniaí zeigt nach
oben, um Robinson zu zeigen, daß
hinter ihm der Himmel schon wieder
heller ist, da passiert es: Er ist einen
Augenblick unaufmerksam und sieht
nicht den Felsen, der nur ein kleines
Ein Loch im Knie und eine
Schlange an einem Ast
Robinson kommt spuckend und
prustend wieder an die Oberfläche.
„Halt dich am Paddel fest!“ schreit
Uniaí. „Und versuche auf den Felsen
zu klettern. Wir ziehen dich dann ins
Boot!“ Robinson umklammert das
Paddel mit einer Hand, mit der anderen
greift er nach dem Felsen. „Aua, mein
Knie!“ Eine Welle hat sein rechtes Bein
gegen den Stein gedrückt.Vorsichtig,
damit das Kanu nicht umfällt, ziehen
ihn die beiden Indianer ins Boot zurück.
„Puuh, das ist ja nochmal gutgegangen!“
seufzt Robinson erleichtert. „Du blutest
ja! Laß mal sehen!“ Atiolô untersucht
sein Loch am Knie. Robinson beißt
die Zähne zusammen. „Ach, ist nur
halb so schlimm.“ Dabei brennt die
Wunde wie Feuer. „Wenn wir gleich
am Ufer anlegen, besorge ich dir etwas
gegen die Schmerzen. Du wirst sehen,
die Wunde heilt im Nu!“
Nach einer Viertelstunde ist der
ganze Spuk vorüber. Die Wolken
verziehen sich, das Wasser beruhigt
sich, und die Sonne färbt Robinsons
weiße Haut ganz rot. Das
Tierkonzert setzt wieder ein. Noch
einmal greift Atiolô in seinen Beutel
und holt einen kleine Dose heraus.
( G e s c h i c h t e )
„Reib’ dich damit ein, sonst bist du
gleich völlig verbrannt.“ Die Paste in
der Dose riecht nach Obst. „Was ist
das?“ fragt Robinson neugierig. „Das
hab ich aus den Blüten und der Frucht
des Puruí-Grande-Baumes* gemacht“,
erklärt er – Robinson bekommt allmählich Hochachtung vor dem Indianer.
„Ihr macht euch eure Medizin selber?
Echt dinodonnerdufte!“
ie Flußfahrt ist zu Ende. Sie
ziehen das Kanu am Ufer hoch.
Die beiden Indianer schlagen mit dem
Messer einen Weg durch das Dickicht
am Ufer. Atiolô hat sich einen großen
Beutel auf den Rücken gehängt – er
trägt ihn mit einem breiten Band um die
Stirn. Nach einiger Zeit treten sie aus
dem Gewirr von mannshohen Büschen
heraus und stehen in einem Wald, so
hoch und düster wie ein Kirchendom:
Riesige Baumstämme ragen nach oben
und verschwinden hoch über ihren
Köpfen in einem Blätterdach, das kaum
einen Sonnenstrahl durchläßt. An den
Baumstämmen ranken Gräser, Moos,
Blätter hinauf, um ans Licht zu
kommen. Lianen, das sind
Schlingpflanzen, hängen wie verrottete
Taue von oben herunter. Es riecht
modrig nach Blättern und verfaulten
Baum- und Pflanzenresten auf dem
Waldboden. Uniaí gibt den anderen ein
Zeichen. Er hat etwas gehört und blickt
vorsichtig nach oben. Robinson staunt
über das feine Gehör des Indianers.
In diesem Lärm von Vögeln und Affen
bekommt er überhaupt nichts
mehr mit. Atiolô zeigt auf den Ast
eines Baumes vor ihnen. Robinson
kann zuerst nichts Ungewöhnliches
entdecken – kein Nüsse
werfender Affe ist in
Sicht. Doch dann sieht er,
daß das, was er für eine Liane
gehalten hat, sich bewegt: Es
ist eine wassergrüne
Schlange, die an dem Zweig
hängt und offenbar nur darauf
wartet, sich auf sie zu stürzen.
Er ist starr vor Schreck. „Das ist ein
D
Surucu“, flüstert Uniaí, „eine
gefährliche Giftschlange. Sie läßt sich
von oben auf Menschen und Tiere fallen
und beißt sie. Ihr Gift ist tödlich. Wir
gehen jetzt vorsichtig ein paar
Schritte zurück, gaaaanz langsam,
nur keine hastigen Bewegungen
machen.“ Im Zeitlupentempo und
ohne Geräusche heben die drei erst
den einen Fuß hoch, setzen ihn
ein paar Zentimeter zurück,
ziehen dann mit dem nächsten nach.
Als sie außer Reichweite der Schlange
sind, atmen alle drei auf. „Ohne euch
wäre ich hier verloren“, gibt Robinson zu.
Tina bekommt einen
Schreck
Zu Hause auf dem Dachboden hat
inzwischen jemand die Katastrophe
bemerkt. Tina, die Robinson noch ein
paar Worte über seine gemeine Schlangengeschichte sagen will, findet das
Zimmer leer vor. Um ihre Eltern nicht
zu beunruhigen, schleicht sie leise auf
den Dachboden. Tatsächlich, das
Zauberbuch liegt aufgeschlagen auf
dem Boden. Also ist Robinson wieder
mal auf Reisen gegangen. Aber huch!
„Nein!“ schreit sie erschrocken. „Nein,
nicht!“
Der Wind pustet ein paar Seiten um.
Sie stürzt sich auf das Buch. Robinson
hat ihr einmal gesagt, wenn die Seite
mit dem Foto, in das er sich hineingezaubert hat, verschlagen wird, kann er
nie wieder zurückkommen. Fieberhaft
blättert sie in dem Zauberbuch.
„Robinson, wo hast du dich nur hingezaubert! Wenn ich jetzt nicht die richtige Seite finde, was dann?“ Hektisch
blättert sie hin und her, vor und zurück.
„Vielleicht hat er ja einen Knick in die
Seite gemacht oder einen Zettel hinein
gelegt. Ich muß die richtige Seite
finden, ich muß sie einfach finden...“
Eine Apotheke im Wald *
Im Regenwald bleibt Atiolô vor einem
riesigen Baum mit heller Rinde stehen.
Kinder Kinder (5)
( G e s c h i c h t e )
Er ritzt mit dem Buschmesser ein
V in den Stamm und hält einen
Tonkrug darunter. Langsam quillt
eine honigbraune Flüssigkeit
heraus. „Das ist Tolubalsam*“,
erklärt ihm Atiolô. „Wenn wir
deine Wunde damit einreiben,
wird sie ganz schnell heilen,
ohne daß eine Narbe
zurückbleibt.“ „Was ihr alles
wißt!“ staunt Robinson.
„Habt ihr Medizin studiert?“
fragt er. Uniaí prustet laut los.
„Wie kommst du denn
darauf? Bei uns weiß
jeder, welche Pflanze gegen
welche Krankheit hilft.
Das braucht man nicht
zu studieren.“ Vorsichtig tupft
Atiolô etwas von der zähflüssigen Masse auf Robinsons Knie und
wickelt dann ein sauberes Tuch herum.
„So, das dürfte reichen.“
„Kannst du den Krug halten, bis er
voll ist? Dann können wir in der Zeit
schon die Blätter und Wurzeln suchen,
die wir noch brauchen.“ Bevor
Robinson noch sagen kann, daß er unter
keinen Umständen mutterseelenalleine
in diesem Urwald bleiben will, sind die
beiden schon verschwunden. Was ist
bloß los mit dem Zauberbuch? Er ist
schon vielzu lange hier. Hier steht er,
übersät mit Mückenstichen, rot vor
Sonnenbrand, mit einem Loch im Knie,
alleine in einem riesigen Wald und hält
einen Tonkrug an einen Baum. Es ist
sicher nur eine Frage von Minuten, bis
ihn ein wildes Tier anfällt. Allmählich
hat er genug von diesem Abenteuer.
„Zauberbuch! Zauberbuch! Hörst du
mich?“ flüstert er. „Bring’ mich nach
Hause, bevor noch ein Unglück
passiert! Bitte, tu endlich was!“
Er schnuppert und zieht die Nase
kraus. „Das ist Rauch! Es brennt!“
Er springt panikartig auf. Soll er zum
Schluß jetzt auch noch verbrennen?
„Hilfe!“ schreit Robinson aus
Leibeskräften. „Uniaí! Atiolô!
Wo seid ihr?“ Die beiden Indianer
kommen angewetzt. „Was ist los?
(6) Kinder Kinder
Will dich ein Tiger
fressen?“ fragt Uniaí.
„Der Wald brennt! Wir müssen
hier weg!“„Setz dich!“ beruhigt
ihn Uniaí. „Das Feuer kommt nicht
bis hierher. Der Wald wird nur
auf der anderen Seite des Flusses
abgebrannt**.“„Wird abgebrannt?“
schreit Robinson empört. „Aber
wieso das denn? Und die Tiere?
Und die vielen verschiedenen Bäume
und Büsche und Sträucher?“
„Die verbrennen alle mit“, entgegnet
der junge Indianer traurig. „Die großen
Farmen brauchen Weideland für ihre
Rinder. Das ist für sie wichtiger als
der Regenwald.“ Robinson ist wie
vor den Kopf geschlagen. „Das
darf doch nicht wahr sein! Wie können
Menschen nur so verrückt sein!“
r zeigt auf den Beutel. „Und?
Was habt ihr alles mitgebracht?“.
Sie hocken sich auf den Boden.
„Das Holz dieser dicken Äste hier ist
gut für den Magen. Wir schnitzen
Holztassen daraus, lassen heißes Wasser
darin ziehen und trinken es dann als
Tee. Diese Blätter helfen bei Grippe,
Augenentzündungen, Schlangenbissen
und Haarausfall.“ „Mensch, ist ja
E
dinodonnerdufte!“ staunt
Robinson. „Und was sind das
für komische Dinger? Die
sehen ja aus wie Schwämme.“
„Man kann sie auch als
Schwämme benutzen“, erklärt
Atiolô. „Wir nehmen diese
Früchte bei Erkältungen: Man
gießt heißes Wasser darüber,
läßt es einige Zeit stehen und
zieht es dann durch die Nase
hoch. Nach zwei Stunden kriegt
man einen ganz starken
Schnupfen, der Nase und Kopf
saubermacht. Danach ist man
wochenlang vor Erkältungen
geschützt. Weißt du, was das
hier ist?“ Er holt eine
birnenförmige gelb-grüne
Frucht aus dem Beutel.
„Klar“, sagt Robinson, stolz,
daß er auch mal etwas weiß, „das ist
eine Papaya. Die gibt’s bei uns auch zu
kaufen. Aber hilft die denn auch gegen
Krankheiten?“ „Na sicher“, sagt Atiolô.
„Aber hauptsächlich die unreifen
Früchte. Wenn man sie in Streifen
schneidet und auf eine Entzündung legt,
heilt sie schneller. Der Saft aus der
Schale ist z.B. gut gegen Verstopfung.“
„Dinodonnerdufte!“ Robinson fällt
nichts anderes dazu ein. Der Regenwald
ist ja wirklich die reinste Apotheke!
Es wird Nacht im
Regenwald
Inzwischen ist aus dem Dämmerlicht
Dunkelheit geworden. Uniaí knüpft
zwei Hängematten, die er aus dem Kanu
mitgebracht hat, zwischen vier Bäumen
fest. „Waas? Ihr wollt hier schlafen?
Mitten in diesem Wald mit verrückt
gewordenen Affen, Schlangen, die von
den Bäumen herunterbaumeln,
Krokodilen, Mücken, die einen fast
auffressen und womöglich noch
Tigern und anderen wilden Tieren?“
Uniaí drückt Robinson ein paar
Früchte in die Hand, die er noch nie
zuvor gesehen hat, und zeigt dann auf
eine Hängematte. „Hier schläfst du
BOOTSTICKET FÜR
DIE MS AMAZONAS
1
Hier ausschneiden & Doppelbögen ineinanderlegen (evtl. zusammenheften)
GUT
GEFLAGGT
Entweder:
Viele kleine Flaggen anfertigen
Motiv auf viele DIN A5-Blätter
vergrößert kopieren. Ausmalen und
an Schaschlikspießen befestigen.
Oder:
Eine riesengroße Flagge bemalen
Das Motiv hochkopieren und auf viele
DIN A5-Blätter aufteilen.
Jedes Kind malt einen kleinen
Ausschnitt bunt.
An Besenstil, Bambusrohr o.a.
befestigen.
3
Hier ausschneiden & Doppelbögen ineinanderlegen (evtl. zusammenheften)
AHOI –
WIR STECHEN IN SEE
Wir verkleiden uns als
Passagiere oder als
Besatzungsmitglied:
als typischer Tourist
(Strohhut, Shorts,
Sonnenbrille, Kamera)
als alternativer
Tourist (Latzhose,
Halstuch, Rucksack)
als elegante Dame
(langer Rock, Sonnen(Regen-)Schirm)
als Geschäftsmann
(Schlips, Aktenkoffer)
als Pflanzenforscher
(Brille, Lupe, Bücher
über Pflanzen)
als Kapitän (Kappe,
blaue Jacke, Fernglas)
als Matrose
(Kappe, gestreiftes
T-Shirt, Halstuch)
als Steward (weiße
Jacke, schwarze Hose,
Serviette über dem
Arm)
Wer fällt Euch noch
ein?
Die MS Amazonas
läuft aus dem Hafen
aus: Wir machen das
Motorengeräusch und
die Schiffssirene nach,
winken zum „Ufer“
zurück. Kurz nach dem
Auslaufen geraten wir
in ein Unwetter:
Wir fauchen, pusten
und blasen wie ein
schwerer Sturm,
laufen schwankend
auf unserem Schiff
hin und her,
rutschen auf den
Stühlen herum;
einigen wird’s
schlecht, und sie
halten sich eine
Plastiktüte
vor den Mund.
Allmählich legt
sich der Wind wieder
und der Fluß
beruhigt sich.
5
PASSAGIERAUSWEIS FÜR
DIE MS AMAZONAS
N
A M E
W
O H N O R T
A
L T E R
hat bei der Schiffahrtsgesellschaft Kindernothilfe eine Amazonaskreuzfahrt vom _________ bis _________
gebucht. Dieser Ausweis berechtigt zur Teilnahme an allen Aktivitäten an Bord.
2
WIR BAUEN EIN
SCHIFF
Wir stellen die Stühle
nebeneinander in Form
eines Schiffes (die
Sitzflächen nach
innen). In die Mitte
kommen einige Querreihen (je nach Größe
des Schiffes) als
Sitzbänke. Wir
dekorieren das Schiff
mit vielen kleinen
Flaggen bzw. einer
großen Flagge.
4
REGENWALD –
ZAUBERWALD
Wir basteln ein
Kaleidoskop und
richten es auf Blumen
und Grünpflanzen.
Anleitung:
1. Wir schneiden drei
gleich große, längliche Streifen
Pappe zu.
6
2. Wir bekleben sie mit
Spiegel- oder Aluminiumfolie
(aus dem Bastelgeschäft).
3. Wir verbinden alle drei Streifen auf der
Pappdeckelseite mit je einem Streifen Kreppklebeband, klappen sie zu einer dreieckigen
Röhre zusammen und befestigen auch
noch den 1. und 3. Streifen mit Klebeband.
11
TIERE IM
REGENWALD
Wir machen Tiere
aus dem Regenwald
nach. Dort gibt es z.B.:
Schlangen – winden
und ringeln sich
über den Boden und
um alle möglichen
Gegenstände, zischen
Jaguare – schleichen
vorsichtig umher,
ducken sich, springen
auf, fauchen, knurren
Mücken – schwirren
durch die Luft, surren,
stechen
Papageien
u.a. Vögel – flattern
aufgeregt, kreischen,
pfeifen,
trillern
Affen – laufen
mit hochgereckten
Armen, klettern
auf die Bäume,
schmeißen
mit Kokosnüssen,
kreischen
Krokodile – liegen
unbeweglich wie ein
Baumstamm im
Wasser, reißen ihr
Maul auf, stoßen
dumpfes Gebrüll aus
9
Zur Verstärkung kleben wir am
oberen und unteren Rand noch einen
Streifen Klebeband rundherum.
4. Damit das Kaleidoskop schön
aussieht, bekleben wir es mit
Geschenkpapier: Eine Öffnung wird
mit Papier verschlossen – bis
auf ein kleines Loch, etwa
so groß wie ein Fingernagel.
Aus:
spielen und lernen 10/90
7
ABENDS
AUF DEM BOOT
Wir zünden die Laternen an und singen das
brasilianische Lied „Cantai ao Senhor“:
12
1. Cantai ao Senhor (Senjor) um cântico (kantiko) novo,
cantai ao Senhor um cântico novo, cantai ao Senhor um cântico
novo, cantai ao Senhor, cantai ao Senhor.
2. Porque (porke) ele fez, ele faz maravilhas (marawiljas), (3x)
cantai ao Senhor, cantai ao Senhor.
3. Cantai ao Senhor, bendizei o seu nome, (3x)
cantai ao Senhor, cantai ao Senhor.
4. E ele quem (kem) dá o Espirito Santo, (3x)
cantai ao Senhor, cantai ao Senhor.
5. Jesus (dschesus) é o Senhor! Amém, aleluia (aleluja)! (3x)
Cantai ao Senhor, cantai ao Senhor.
BRASILIANISCHE
LATERNE
1
Den Knoten in der Mitte des Bambusrohres fest mit Draht umwickeln.
Wir brauchen dazu
pro Laterne:
2
Die beiden Enden des Rohres mit dem Hammer zerschlagen.
Das Rohr splittert in einzelne Stäbe. Je fester zugeschlagen wird, desto
feiner werden die einzelnen Stücke.
I
ein Bambusrohr,
ca. 60 - 80 cm lang,
3 - 4 cm dick,
so zugeschnitten,
daß der „Knoten“
(die Verdickung)
in der Mitte ist
I ein Stück Draht,
ca. 15 cm lang
I ein Partylicht
I
I
I
zwei kleine
Konservendosen
(z.B. kleine
Büchsenmilchdosen)
Plakafarbe
Zange, Hammer,
Pinsel, 1 Bogen
mittleres
Schmirgelpapier,
Säge
3
Die Kanten der einzelnen Stäbe mit Schmirgelpapier glätten.
4
Von oben und unten je eine kleine Konservendose in das Rohr schieben
und die auseinandergedrückten Stäbe bemalen. Die Farbe trocknen lassen
und die obere Konservendose durch ein Partylicht ersetzen.
Aus: Caritas international. Leuchtende Beispiele. Kindergartenaktion
St. Martin ‘94
10
EIN BESUCH
IN DER KOMBÜSE
Wir essen und
trinken brasilianisch
Brasilianische
Käsebrötchen
Rezept
für 20 - 30 Stück
8
Zutaten:
500 g Maizena,
2 große Wassergläser
geriebener Käse,
1 gr. W.glas Sojaöl,
1 gr. W.glas Wasser,
3 Eier, 2 TL Salz.
Maizena in eine
Schüssel geben.
Wasser, Öl und Salz
kochen, dann langsam
über das Maizena-Mehl
gießen, gut verrühren.
5 Min. abkühlen lassen,
danach die Eier zugeben. Mit den Händen
kneten, bis sich
die Eier mit dem Mehl
vermischt haben.
Nun den Käse darunter-
kneten. Mit einem
Löffel den Teig von
den Händen schaben,
diese mit Öl einreiben,
die Brötchen formen
und auf das Backblech
legen.
Ca. 15 Min. bei starker
Hitze backen, danach
25 Min. bei schwacher
Hitze.
Tip: Brötchen mit selbst
geriebenem
Käse gelingen
besser als mit fertig
gekauftem.
Dazu trinken wir
Papaya-Saft,
Ananas-Saft oder
Maracuja-Saft.
( G e s c h i c h t e )
diese Nacht. Mein Vater und ich teilen
uns die andere. Für eine Nacht muß das
gehen. Und keine Angst: Dich frißt
schon keiner.“
Robinson klettert in die Hängematte
und knabbert an dem Obst. Hoffentlich
überlebt er die Nacht. Dieses Zauberbuch macht ihn wahnsinnig! Wieso hat
es ihn immer noch nicht zurückgeholt?
„Zauberbuch!“ flüstert er eindringlich.
„Ich bin immer noch in Brasilien,
falls du’s vergessen haben solltest.
Tu endlich was!“ Er rollt sich
zusammen und lauscht auf die
Geräusche des Waldes. Es knistert
und knackt, wispert und raschelt. Da,
was ist das? Ein schwarzer Schatten
huscht hinter einen Baum. Robinson
starrt angestrengt in die Dunkelheit.
Auf dem Dachboden blättert Tina
noch immer aufgeregt Seite um Seite
des Zauberbuchs um, um einen Hinweis
darauf zu finden, wo Robinson sein
könnte. Sie hat jetzt wirklich große
Angst um ihren Bruder. Wer weiß, was
er gerade erlebt. Vielleicht ist er in
Gefahr! „Zauberbuch!“ flüstert sie.
„Bring Robinson wieder nach Hause!
Bitte! Auch wenn er manchmal ekelig
zu mir ist – ich will meinen Bruder
wiederhaben!“ Und sie blättert weiter,
Seite um Seite...
Robinson
vertreibt den Jaguar
Im Regenwald sitzt Robinson
bewegungslos in seiner Hängematte
und wartet darauf, daß der Schatten
wieder auftaucht. Da, da ist er wieder.
Zweige knacken, die Gestalt gleitet
vorsichtig auf die schlafenden Indianer
zu. Robinson erkennt jetzt, daß es
eine große Raubkatze ist, ein Jaguar.
Todesmutig springt er mit einem
ohrenbetäubenden Geheul aus
der Hängematte, greift sich mehrere
Papayas, die noch am Boden liegen,
und wirft sie mit aller Kraft auf das
Tier. Uniaí und Atiolô fahren erschreckt
hoch, sehen die Gefahr, packen Pfeil
und Bogen, doch Robinson hat den
Jaguar schon in die Flucht geschlagen.
„Das war knapp! Danke, Robinson!
Du hast uns das Leben gerettet!“ Der
Schreck steht Uniaí noch im Gesicht
geschrieben. „Ich hab gedacht, in dieser
Gegend gibt es keine Jaguare mehr.“
Sein Bruder klopft Robinson anerkennend auf die Schulter. „Du wirst noch
ein richtiger Indianer, mein Junge!“
Robinson strahlt. Die drei setzen sich in
ihre Hängematten, die Indianer halten
Pfeil und Bogen schußbereit in der
Hand, falls der Jaguar noch einmal
wiederkommen sollte. Ans Schlafen
kann jetzt keiner denken. Schweigend
starren sie in die Dunkelheit. Und
wieder knistert und knackt es, wispert
und raschelt es...
Auf dem Dachboden ist Tina inzwischen beim Kapitel über den Regenwald
angekommen. „Da ist ja der brasilianische Regenwald, den wir heute abend
im Fernsehen gesehen haben, und ...
aaaaaaaaaahhhhh!!!“ Mitten im Satz
wird sie von einer Gestalt umgeworfen,
die plötzlich auf sie fällt. „Hilfe!
Einbrecher! Mama! Hilfe!“ „Halt die
Klappe, Mensch! Ich bin das doch nur!“
zischt Robinson erbost. „Was treibst du
eigentlich hier auf dem Dachboden?
Ich denke, du schläfst!“ Tina starrt ihn
fassungslos an. Sie hat ihren Bruder
noch nie von einer Reise
zurückkommen sehen. „I....i...ich
ha..ha..b in dem Zau...Zauberbuch
gebl...bl...blättert, und da...“ „Also
dann hast du die Seite zugeschlagen?
Deswegen mußte ich so lange im
Regenwald bleiben! Fast wär ich nicht
wieder zurückgekommen! Mach’ das
bloß nie wieder!“ „Quatsch nicht so’n
Stuß!“ schreit Tina empört. „Der Wind
hat die Seiten umgeblättert, und erst,
nachdem ich die richtige Seite gefunden
hab, bist du wie eine Rakete hier eingeschlagen!“ „Waaas?“ Robinson guckt
Tina ungläubig an. „Dann hast du mir
wohl das Leben gerettet“, meint er
kleinlaut. „‘tschuldigung. Soll nicht
wieder vorkommen“, schnaubt Tina
wütend und marschiert zurück in ihr
Zimmer. Robinson blickt ihr zerknirscht
nach. Als er vom Boden aufsteht,
liegt neben ihm eine Papaya.
„Der Regenwald ist eine große
Apotheke“, murmelt er vor sich hin.
„Und die Menschen zerstören das,
was sie gesund machen kann.
Sie holzen Bäume und Büsche ab,
obwohl sie daraus Medizin gegen
viele Krankheiten herstellen könnten.
Was für eine verrückte Welt!“
* Mehr über die Regenwaldapotheke
findet Ihr auf S. 13
** Mehr über dieses Thema findet Ihr auf S. 12
Kinder Kinder (11)
( H i n t e r g r u n d )
Ein 60 Millionen Jahre
alter Wald
Quer durch Nord-Brasilien fließt der
Amazonas, der größte Fluß
Südamerikas (6.518 km lang) und der
wasserreichste Fluß der Welt. Er hat
über 200 Nebenflüsse. Das brasilianische Amazonasgebiet nimmt ein Drittel
des Landes ein und ist größtenteils mit
tropischem Regenwald bewachsen.
Seine Ursprünge gehen 60 Millionen
Jahre zurück – dieser Wald gehört zu
den Grundbedingungen für ein gutes
Klima auf unserer Erde.
Aktion
Wir verzichten auf Tropenholz!
Macht Ihr mit? Schaut Euch mal den Stil
Eurer Bürste an. Oder das Frühstücksbrett. Und Messer und Gabel – haben die
vielleicht auch Tropenholz-Griffe? Wie
sieht der Fußboden in Eurer Wohnung
aus? Woraus sind die Fensterrahmen und
Türen? Und der teure Wohnzimmerschrank? Wenn Ihr in Zukunft etwas aus
Holz kauft, fragt den Verkäufern Löcher
in den Bauch, woher das Holz stammt.
Man kann dieselben Dinge sicher auch
aus einheimischem Holz kaufen! Und
überzeugt auch Eure Eltern, daß nichts
mehr aus Tropenholz angeschafft wird. Je
mehr Leute mitmachen, um so größer
wird die Chance, daß der Regenwald
nicht zerstört wird.
Warum
„Regen“wald?
Seinen Namen hat er von den vielen
Niederschlägen bekommen. Aus dem
Atlantischen Ozean verdunstet Wasser
und bildet Wolken. Sie ziehen Richtung
Anden und regnen unterwegs über dem
Regenwald ab. Ein Teil der Feuchtigkeit
verdunstet auf der Oberfläche der
Blätter; es entstehen neue Wolken, die
weiterziehen. Ohne den Wald würden
die Wolken auf dem Weg vom Atlantik
zu den Anden abregnen, ohne daß sich
neue bilden. Dadurch bliebe der Regen
im Westen aus.
(12) Kinder Kinder
Der
Regenwald
2.000 Insektenarten in einer
Baumkrone
Am Amazonas wachsen unvorstellbar
viele verschiedene Pflanzen, von denen
wir die meisten noch gar nicht kennen!
Auf einem Hektar (ungefähr ein
Fußballfeld) gibt es bis zu 400 verschiedene Baumarten – wir haben in
Deutschland nur 40 einheimische
Arten! Die größten Bäume werden 70
Meter hoch, die Stämme z. T. drei
Meter dick. In Europa wachsen 3.000
Arten von Büschen und Bäumen – im
brasilianischen Regenwald schätzungsweise 50.000! Bisher wurden gut 5.000
Baumarten gefunden! Unglaublich viele
verschiedene Tiere leben hier: Z.B. hat
man in der Krone eines einzigen
Baumes über 2.000 Insektenarten
gezählt!
Indianer –
die Freunde der Natur
Im brasilianischen Amazonasgebiet
leben über 100.000 Indianer. Sie gehen
sehr sorgsam mit dem Regenwald um.
Wenn sie Bäume abholzen, dann nur,
um etwas Neues dafür anzubauen: z. B.
Süßkartoffeln, Kürbisse, Bananen,
Ananas. Nach einiger Zeit geben sie
ihre Gärten auf, damit sich der Boden
erholen kann. Sie wissen sehr viel über
Regen- und Trockenzeiten, darüber,
welche Pflanze in welchem Boden am
besten wächst, über Schädlinge, über
Blätter und Wurzeln, aus denen man
Medizin machen kann.
Der „Massenmord“
am Regenwald
Jedes Jahr werden in Brasilien ca. 5
Millionen Hektar Regenwald vernichtet.
Dadurch verschwinden jeden Tag
mindestens 50 verschiedene Pflanzenund Tierarten, und zwar für immer. Und
auch die Indianer verlieren ihre Heimat.
Warum wird der Regenwald zerstört?
1. Weil es unter dem Waldboden
Gold, Eisen und andere Erze gibt, die
große ausländische wie auch deutsche
Firmen abbauen wollen.
2. Weil man viele Dinge aus dem
wertvollen Holz herstellen kann: z.B.
Möbel, Bilder- und Fensterrahmen,
Balken für den Hausbau, Regalbretter,
Zaunpfähle, Frühstücksbrettchen.
3. Weil die Besitzer riesengroßer
Rinderfarmen Weideland für ihr Vieh
und viele Kleinbauern, die z.B. durch
die Ausdehnung des Soja-Anbaus (Soja
wird als Viehfutter u.a. nach Europa
exportiert) aus anderen Teilen des
Landes vertrieben wurden, Äcker
brauchen.
Wenn die Zerstörung nicht aufhört,
wird es in 40 Jahren auf der ganzen
Welt überhaupt keinen Regenwald mehr
geben!
Brennende Bäume
verändern das Wetter
Der Wald wird nicht nur abgeholzt,
sondern vor allem auch verbrannt.
Dabei wird ein Gas freigesetzt, das
Kohlendioxyd (CO2 ). Wenn jetzt die
Sonne auf die Erde strahlt, ist es wie in
einem Gewächshaus: Die Hitze auf der
Erde kann durch dieses Gas nicht
wieder zurück ins All – sie bleibt sozusagen an dem Glasdeckel des Gewächshauses hängen. Dadurch wird es bei uns
immer wärmer. Außerdem reflektieren
die waldlosen hellen Grasflächen die
Sonnenstrahlen besser als die dunklen
Wälder. Also steigt die Temperatur
noch weiter.
Wenn es aber auf der Erde wärmer
wird, schmilzt das Eis am Nord- und
Südpol, das Wasser fließt in die Ozeane
und überschwemmt Inseln und flache
Küsten. Ihr seht also: Wenn der Regenwald zerstört wird, hat das sogar
Auswirkungen auf Länder, die ganz
weit entfernt sind. Es gibt ein altes
Indianersprichwort:
„Die Wälder tragen den Himmel.
Wenn wir sie abholzen, bricht das
Unglück über uns herein.“
( H i n t e r g r u n d )
Viele Arzneimittel, die wir
einnehmen, stammen aus dem
Regenwald. Allerdings kennen die
Indianer wesentlich mehr
Verwendungsmöglichkeiten für die
Blätter und Früchte als wir.
Einige haben wir ihnen inzwischen
„abgeguckt“, viele Wirkungen
sind jedoch von unseren Wissenschaftlern noch nicht erforscht
worden. Bestimmt wachsen viele
Mittel gegen Krankheiten im
Regenwald, von denen wir noch gar
nichts wissen!
Die RegenwaldApotheke
Bitterholz-Baum (Quassia)
Alle Pflanzenteile schmecken sehr
bitter. Brasilianische Indianer schnitzen
Tassen aus dem Holz, lassen heißes
Wasser einige Stunden lang darin
ziehen und trinken es als Tee. Das
Bitterholz wirkt
z.B. bei Magenkrankheiten und
Durchfall, Husten,
Fieber und Schlangenbissen.
und immer wieder vergiften sich Kinder
daran! Einige Völker kochen abgeschnittene Stengel in Öl und legen sie
als Pflaster auf Hautgeschwüre. Aus
gekochten Blättern kann man ein
Gurgelmittel herstellen.
Guaraná
Eine Paste aus Guaraná-Blättern
enthält dreimal so viel Koffein wie
Kaffeebohnen! Deshalb ist diese
Pflanze ein bewährtes Mittel gegen
Müdigkeit und Kopfschmerzen, aber
auch gegen chronischen Durchfall. Die
Indianer kauen nur soviel Blätter am
Tag, wie 1 - 2 Tassen Kaffee entspricht.
Papaya
Der Saft aus der Schale ist gut gegen
Verstopfung, ein Tee aus Papaya-Blüten
wirkt gegen Husten. Die Indianer legen
Streifen grüner Papaya-Früchte auf
Entzündungen, damit sie schneller
heilen. Unreife Papayas können Allergien auslösen!
Purui-Grande-Baum
Vor langen Bootsfahrten in praller
Sonne reiben sich die Indianer mit einer
Paste aus Blüten und Fruchtfleisch des
Purui-Grande-Baumes ein. Sie wirkt
wie ein Sonnenschutzmittel.
Tolubalsam-Baum
Luffa
Die Indianer gießen heißes Wasser
über die Früchte, lassen es einige Zeit
stehen und ziehen es dann durch die
Nase hoch. Nach zwei Stunden
bekommen sie einen ganz starken
Schnupfen, der Nase und Kopf reinigt.
Danach sind sie wochenlang vor Erkältungen geschützt. Man kann sich auch
eine gekochte Luffa-Frucht
über die Nase halten und
die Flüssigkeit in die
Nasenlöcher tropfen
lassen!
Die Baumrinde wird mit einem „V“
angeritzt, so daß ein gelbbrauner,
zähflüssiger Saft herausfließt. Frische
Wunden heilen mit Tolubalsam
schneller. Bei Kopfschmerzen legen
sich die Indianer die Samen der Früchte
auf die Schläfen. Die duftende Rinde
benutzen sie als „Deoroller“ und putzen
sich auch damit die Zähne.
Quellennachweis:
Bruno Wolters, Drogen, Pfeilgift und
Indianermedizin. Arzneipflanzen aus Südamerika.
Greifenberg 1994.
Diefenbachia
Diese Pflanze ist sehr giftig!
Manche Völker haben damit ihre
Feinde umgebracht. Der Saft
von Blättern oder Stengeln kann
Hautausschläge,
brennende Augen
und eine
dicke Zunge
verursachen,
und man
kann nicht
mehr sprechen.
Die Beschwerden können wochenlang
anhalten. Auch in Deutschland steht in
vielen Wohnungen eine Diefenbachia,
Kinder Kinder (13)
( G e s c h i c h t e )
Arbeit und Arbeitslohn
Viele Brasilianer sind arme Bauern
ohne eigenes Land. Für viel zuwenig
Geld arbeiten sie z.B. auf Kaffeefeldern,
die reichen „Großgrundbesitzern“
gehören – das sind Leute, die sehr viel
Land besitzen. Aber die Kaffeebohnen
werden nur während einiger Monate im
Jahr geerntet. Für die übrige Zeit
müssen sich die Kaffeebohnenpflücker
eine andere Arbeit suchen. Weil das
schwierig ist, ziehen immer mehr
Menschen vom Land in die Städte. Sie
hoffen, daß sie dort einen Job finden.
Inzwischen leben fast drei Viertel aller
Brasilianer in den Städten, täglich
werden es mehr. Aber Leute, die nie
Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt
haben, finden auch hier keine gute
Arbeit.
In Brasilien verdienen wenige
Menschen sehr viel, und viele
Menschen verdienen sehr wenig. Jeder,
der eine Arbeit hat, sollte laut Gesetz
mindestens 160 Mark im Monat
erhalten, wobei dieses Geld für eine
Familie mit Kindern bei weitem nicht
ausreicht. Doch über die Hälfte aller
Brasilianer verdient noch nicht einmal
das.
Viele Kinder
müssen mithelfen,
Geld zu verdienen,
damit ihre Familie
überleben kann. Für
die Schule haben die
meisten von ihnen keine Zeit. Das heißt,
sie werden nie einen Beruf lernen und
immer ungelernte Arbeiter bleiben,
wenig Geld verdienen und später auch
ihre Kinder mitarbeiten lassen müssen.
Gesundheit
Die beste Versorgung mit Krankenhäusern und Ärzten gibt es in den
Städten im Süden und Südosten, aber
auf dem Land, besonders im Nordosten,
reicht sie bei weitem nicht aus. Für
100.000 Einwohner
gibt es in Brasilien
146 Ärzte (198892), hier bei uns
sind es fast doppelt
so viele: 273. Medikamente und auch bestimmte Arztleistungen müssen extra bezahlt werden –
z.B. wenn ein Arzt bei der Geburt eines
Kindes hilft. Ein Brasilianer gibt im
Jahr durchschnittlich nur 240 Mark für
Ärzte und Medikamente aus. Von 1.000
Babies, die in Brasilien geboren werden,
sterben 54 – in Deutschland nur 7!
Länderinfo
Brasilien
Export
(Verkauf von Waren ins Ausland)
Brasilien ist der größte Kaffee-Produzent und Kaffee-Exporteur in der Welt.
Neben Kaffee werden z.B. auch noch
Zucker, Orangensaftkonzentrat, Baumwolle, Schuhe, Gold, Eisenerz,
Diamanten und Maschinen in alle Industrieländer geliefert.
(14) Kinder Kinder
Land und Leute
Brasilien liegt auf der Südhalbkugel der
Erde. Wenn es bei uns Sommer ist, ist
dort Winter – allerdings kein Winter wie
bei uns mit Schnee und Minustemperaturen. Brasilien ist das größte Land
Südamerikas. Aber: Obwohl das Land
24mal so groß wie die
Bundesrepublik Deutschland ist, leben dort nur
etwa doppelt so viele
Menschen wie bei uns,
nämlich rund 160
Millionen.
Ihr glaubt, alle Brasilianer sind dunkelhäutig und
schwarzhaarig? Falsch!
Die ersten Einwohner des
Landes, die Indianer,
hatten zwar schwarze
Haare. Aber im Laufe der
Jahrhunderte kamen
Menschen aus vielen
anderen Ländern nach
Brasilien, und darunter
waren welche mit fast
schwarzer Haut aus Afrika,
mit ganz heller Haut aus
Holland, es kamen Blonde,
Rot- und Braunhaarige.
Sie heirateten, und in ihren
Kindern vermischten sich die Haut-,
Haar- und Augenfarben, die Traditionen
und Religionen.
Die Indianer sind heute vom
Aussterben bedroht. Man schätzt, daß
nur noch 200.000 in Brasilien leben.
Sprache
Die Landessprache ist Portugiesisch.
Wohnsituation
Die Menschen, die auf der Suche nach
Arbeit in die Städte ziehen, haben kein
Geld für eine Wohnung. Deshalb bauen
sie sich kleine Hütten aus Holz, Plastik
und Wellblech. In allen brasilianischen
Großstädten gibt es riesige Hüttensiedlungen, die man auf portugiesisch
„Favelas“ nennt. In einer Favela
gibt es oft kein fließendes Wasser,
keinen Strom, keine Toiletten.
Manchmal wohnen zehn Menschen in
einem kleinen Raum.
Quellennachweis:
Unicef, Zur Situation der Kinder
in der Welt 1994; Weltbank,
Weltentwicklungslungsbericht 1993
( G e s c h i c h t e )
Die GartenApotheke
Robinson hat bei den Indianern
erfahren, daß man nicht gleich bei
jeder Krankheit Medizin aus der
Apotheke schlucken muß. Neulich hat
er gelesen, daß die Kindernothilfe in
Brasilien Tagesstätten unterstützt,
von denen einige eine „GartenApotheke“ haben – sie machen sich
ihre Medikamente selber. Lest selbst:
E
ine dieser Tagesstätten steht
in einem Vorort der Hauptstadt Brasilia. Tagsüber
tummeln sich hier 400 Mädchen und
Jungen. Bei so vielen Kindern und
Jugendlichen kommt es natürlich auch
mal vor, daß jemand krank wird. Früher
kam in solch einem Fall der Arzt,
verschrieb ein Medikament, und der
oder die Kranke schluckte brav die
Pillen, Tabletten oder Tropfen. Wie bei
uns. Aber eines Tages verkündete Krankenschwester Alda: „Schluß damit! Wir
Weitere
machen unsere Medizin jetzt selbst!“
Ihre Mitarbeiterinnen haben erst einmal
dumm geguckt und sich gefragt, wie das
denn wohl gehen soll.
Schwester Alda ließ sich nicht beirren
und säte im Garten Kräuter, aus denen
sie Tee oder Hustensirup gegen Fieber
und Erkältung zubereitete. Andere
Pflanzen verarbeitete sie zu einem
Wurmmittel – in Brasilien haben viele
Kinder Würmer. Nach einiger Zeit
leuchteten gelb- und orangeblühende
Ringelblumen aus den Gartenbeeten;
aus ihnen fabrizierte Schwester Alda
eine Salbe gegen Wunden und Verbrennungen. Die Mädchen und Jungen, die
zu klein und zu dünn für ihr Alter sind,
weil sie nicht genug und auch nicht das
Richtige zu essen bekommen haben,
werden ohne Medikamente
„hochgepäppelt“. Sie bekommen ein
Müsli aus Kleie, Körnern und selbstgemachten Stärkungsmitteln, gesüßt mit
Honig oder Zuckerrohrsirup. Und zu
trinken gibt es nur noch reine
Fruchtsäfte ohne Zucker oder
Farbstoffe.
Die Eltern der Kinder aus der Tagesstätte haben für einen Arzt und für
Medizin meistens kein Geld. Deshalb
„Kinder
Kinder“
- Hefte:
Ein Heft der Kindernothilfe
Ein Heft der Kindernothilfe
ABENTEUER
MIT DEM ZAUBERBUCH
Robinson in
Südafrika
ABENTEUER
MIT DEM ZAUBERBUCH
Robinson
in Äthiopien
Nr. 4
Nr. 5
Nr. 7
Nr. 8
Nr. 9
In der Dschungelschule
(Indien). Mit Puzzle.
Carlito, der Schuhputzjunge
(Philippinen).
Mit großer Schuhputz-Aktion.
Pablo und der Kondor
(Bolivien).
Mit Ausschneidebogen.
Kartinis bunte Masken
(Indonesien).
Mit Ausschneidebogen.
Robinson in Ecuador.
Mit Würfelspiel.
zeigt Schwester Alda auch ihnen, wie
sie aus Kräutern, Blüten und Wurzeln
aus dem eigenen Garten Heilmittel
herstellen können.
Und der Erfolg von Schwester Aldas
Garten-Apotheke? Als sich eines Tages
ein kleines Kind mit heißem Wasser
ziemlich schwer verbrühte, rieben es die
Kindergärtnerinnen sofort mit
der Ringelblumensalbe ein und brachten
es dann zum Arzt.
Dieser sagte zu
den Eltern, besser
hätte man die
Verbrühungen gar
nicht behandeln
können. Nach
wenigen Tagen
war alles verheilt.
Seitdem schwärmen die Kindergärtnerinnen von dieser „Wundersalbe“.
1994 gab es kein einziges
unterernährtes Kind mehr in der Tagesstätte, und nur ganz wenige Mädchen
und Jungen sind krank geworden.
Was Robinson dazu meint? Natürlich
„dinodonnerdufte“!
Strom, nächtlichem Aufruhr, Wasserlöchern und Essen mit den Fingern
handelt. Mit fetzigen Songs
von Bernie Conrads. Ca. 40 Minuten.
Preis: 19,80 Mark plus Versandkosten –
2 Mark gehen als Spende an die
Kindernothilfe!
(Der Verkauf erfolgt im
Namen und auf Rechnung von:
NDS, Postfach 10 27 52,
45027 Essen).
Nr. 10 Robinson in Südafrika.
Mit Bastelanleitung.
Nr. 11 Robinson in Äthiopien.
Mit Ausmalbogen.
! Robinsons Spendenfaltdose
Zum Ausmalen.
Hörspielkassette
zu Kinder, Kinder Nr. 11
Robinson in Äthiopien
Eine Geschichte, die von Zauberei,
Kinder helfen Kindern
Wir haben für Euch Ideen gesammelt,
wie Kinder hier Kindern in
Entwicklungsländern helfen.
!
!
Kinder Kinder (15)
( H i n t e r g r u n d )
Wer ist Kindernothilfe?
Viele große und kleine Menschen,
die etwas für Kinder und Jugendliche in
Asien, Afrika und Südamerika tun. Sie
haben einen Verein gegründet, der sein
Büro in Duisburg hat.
Wo arbeitet Kindernothilfe?
Zur Zeit in 26 Ländern dieser Welt,
hauptsächlich in Indien, Brasilien,
Chile, Äthiopien, Philippinen und
Südafrika. Sie unterstützt, gemeinsam
mit ihren Partnern, z.Z. insgesamt rund
111.000 Kinder und Jugendliche.
Warum hilft Kindernothilfe?
Gott liebt alle Kinder dieser Welt.
Das möchte Kindernothilfe auch den
ärmsten Mädchen und Jungen zeigen.
Wie hilft Kindernothilfe?
Über ihre Partner, die z.B. Kindergärten, Schülerwohnheime, spezielle
Häuser für behinderte Mädchen und
Jungen sowie Berufsschulen
unterhalten. Sie helfen auch bei
Erdbeben und Überschwemmungen.
Hier in Deutschland bezahlen viele
Leute jeden Monat 60 Mark – damit
kann ein Mädchen oder ein Junge in der
„Dritten Welt“ z.B. einen Kindergarten
besuchen. Diese Leute haben eine
Patenschaft übernommen, bei der man
sich Briefe schreibt, oder sie
unterstützen einen Platz in einer Tagesstätte. Andere helfen als Gruppe - z.B.
als Familie oder als Schulklasse –
einem ganzen Projekt. Viele Leute
(16) Kinder Kinder
Kindernothilfe
stellt
sich vor
geben auch einfach Geld, damit die
Kindernothilfe-Partner helfen können,
wo es am nötigsten ist.
Mit wem arbeitet Kindernothilfe
in Brasilien zusammen?
Ihr Partner nennt sich AMENCAR –
das kommt von „Amparo ao Menor
Carente“, zu deutsch: Hilfe für Kinder
und Jugendliche, die in Not sind.
AMENCAR ist ein eingetragener
Verein.
Was macht der brasilianische
Kindernothilfe-Partner?
Rund 15.300 Kinder und Jugendliche
besuchen 134 Kindergärten, Tagesstätten, Berufsausbildungsprojekte und
Einrichtungen für Behinderte, die von
AMENCAR unterstützt werden. Sie
gehen zur Schule und machen, sobald
sie alt genug sind, eine Berufsausbildung. Sie lernen, wie man Möbel
baut, Metall verarbeitet, Hühner
züchtet, Eis herstellt und vieles mehr.
Nach der Ausbildung können sie sich
alleine oder gemeinsam mit anderen
selbständig machen, z.B. eine eigene
Werkstatt aufmachen und jetzt selber
andere Jugendlichen ausbilden.
Jedes Jahr treffen sich Mädchen und
Jungen aus den Projekten im ganzen
Land, um über ihre Situation, ihre
Probleme zu sprechen. Sie beraten, was
sie ändern können: wie sie die Rechte,
die sie als Kinder haben, durchsetzen
und wie sie in der Öffentlichkeit für
eine Politik zugunsten von Kindern
eintreten können. Zusammen mit
AMENCAR veranstalten sie Theatervorführungen, bei denen sie in selbst
geschriebenen Stücken ihr eigenes
Leben spielen. Sie organisieren Tanz-,
Lieder- und Sportwettbewerbe. Seit
einigen Jahren gibt es sogar eine Art
„olympische Spiele“. Die Kinder und
Jugendlichen wollen beweisen, was sie
leisten können – sie, die von vielen
Leuten bloß als Last und Risiko der
Gesellschaft abgestempelt werden. Und
ihre Veranstaltungen sind so toll, daß
sogar Zeitung, Rundfunk und Fernsehen
darüber berichten!
Mit den Eltern der Kinder überlegt
AMENCAR, wie man Krankheiten
verhindern oder behandeln kann, es gibt
Kurse zum Lesen- und Schreibenlernen
oder auch für einfache Tätigkeiten, mit
denen man Geld verdienen kann.
Gemeinsam wird auch beraten, wie sich
die Familien gegen die Zustände in ihrer
Umgebung wehren können: Wie sie von
der Stadtverwaltung fordern können,
daß sie Strom und fließendes Wasser in
ihre Häuser gelegt bekommen oder daß
die Straßen in den Favelas (so heißen
die Armenviertel auf portugiesisch) asphaltiert werden.
Impressum
Herausgeber: Kindernothilfe e.V.
Redaktionskreis:
Gunhild Aiyub, Verena Heringer, Elke Niebur,
Beate Reuker, Renate Vacker (verantwortl.)
Gestaltung: Uwe Ernst Illustrationen: Peter Laux
Lithos: Knipp, Dortmund Druck: Brendow, Moers
Redaktionschluß: Juli 1995
Konten:
Bank für Kirche und Diakonie eG. Duisburg
Kto 45 45 45 BLZ 350 601 90
Stadtsparkasse Duisburg
Kto 201 004 488 BLZ 350 500 00
Postgiroamt Essen
Kto 19 20.432 BLZ 360 100 43
Österreich: Sparkasse Kirchdorf
Kto 0000-0 10991 BLZ 20.315
Schweiz: Kantonalbank Bern
16532.700.0.35
Anschrift: Kindernothilfe e.V.
Düsseldorfer Landstraße 180 47249 Duisburg