Miami Beach - The Betsy Hotel

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Miami Beach - The Betsy Hotel
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Miamis Charme liegt in der
Miami Beach
Es ist mehr als die Inszenierung, die in Krimis, TV-Serien und
Hip-Hop-Videos weltweit gerne verbreitet wird: Das Feeling
und die Farben von Miami Beach kreieren auch in der Realität
ein wunderbares, fast künstlich schönes Wohlgefühl,
bei dem man schnell Teil wird von Art déco und Art of Life
VON STEFAN ENDRÖS
bunten Mischung aus
amerikanischem Lifestyle,
seinen lebensfrohen Menschen
und der kontrastreichen
Architektur – links die Skyline
des Miami Business Districts,
unten das The Betsy Hotel
direkt am Ocean Drive
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Stylish-cool oder plüschig,
Fifties oder State of the Art:
Miami hat alles zu bieten –
D
ie Tür zum Betsy schwingt auf. Nicht automatisch,
nicht durch irgendeinen elektrischen Lichtimpuls. Die beiden präch­
tigen Holz-Seitenflügel des Hotels öffnen sich durch einen freundlich
grüßenden Pagen, der immer wieder mit der gleichen lächelnden
Offenheit die Schwingtür per Hand aufzieht, um Gast für Gast zu
be­grüßen: „Welcome to The Betsy – welcome to Miami Beach!“
The Betsy direkt am Ocean Drive ist ein kleines, luxuriöses Bei­
spiel für diese moderne Nonchalance, die in Miami Beach jeden Be­
sucher schnell mit genau dieser offenen Selbstverständlichkeit emp­
fängt. Ein bisschen Südstaaten-Flair prägt im Inneren die Lobby
mit ihren Launch-Möbeln, dem Piano in der Mitte, der hölzernen
Bar am Ende des Raums. Elegant und persönlich. Ed Ponder, der
Concierge-Manager, der noch wirklich wie ein persönlicher Berater
den Gästen die Highlights der Stadt schmackhaft macht, ausgewähl­
te Tische und Tickets reserviert und seine persönlichen Empfehlun­
gen mit Nachdruck vermittelt, steht exemplarisch für diese zuvor­
kommende Betsy-Art: Florida-Feeling. Und wer draußen auf der
Säulen-Veranda beim Dinner des hoteleigenen BLT-Restaurants
die wirklich gute Küche genießt, der nimmt schnell – neben den
gastro­nomischen Highlights – auch ein Stückchen Lebensgefühl
mit auf, das vom Meer über die Palmen hin zu den Lichtern und
Umrissen der Stadt streift.
Die Farben des Himmels, des Atlantiks, dazu der weiße Strand
und die modern wirkenden, bunten Art-déco-Häuser schaffen eine
zum Beispiel das Restaurant
A Fish called Avalon (o.l.),
das Victor- (o.r.) und
das W-Hotel South Beach (u.l.)
und das legendäre Lincoln
Theatre (u.r.)
Atmosphäre, die innerhalb nur eines Tages bewirkt, dass man loslässt,
sich auf das Gefühl einlässt und schnell ein Teil dieser scheinbar
selbstverliebten Inszenierung einer pulsierenden Stadt wird, die vor
mehr als 150 Jahren noch nicht einmal existierte. Anfang des Jahr­
hunderts hatte sie weniger als 2.000 Einwohner, 1920 gerade mal
30.000. Heute erfreut sich Miami mit seinem Strandableger Miami
Beach einer weltweiten Anziehung, gilt seit Jahren als Hotspot und
lockt Millionen Touristen in den Sunshine State mit dem stets an­
genehmen, warmen Klima.
Tropical Art déco
EIN FRÖHLICHES LEBENSGEFÜHL
Natürlich: Florida, The Keys und Miami selbst sind nichts für einge­
fleischte Sightseeing-Freaks. Es gibt keine alten Kirchen, keine
Schlösser, keine kulturellen Historien-Events. Auf der „BigBusTour“Route liegen als absolute „Highlights“ Gebäude, die höchstens mal
100 Jahre alt sind – wie im Stadtteil Coral Gables. Und dann gibt
es moderne Einkaufsstraßen, Yachtclubs und den Miami Business
District mit seiner Skyline direkt am Meer. Und hätte sich nicht ir­
gendwo am Strand von Miami South Beach in den 1930er- und -40erJahren ein Baustil durchgesetzt und seine ganz besondere Blüte
getrieben, dann würde heute noch ein weiteres wichtiges Element
der Verlockung fehlen: Art déco hatte sich von Paris aus als neue
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Flanieren, shoppen und das
Leben genießen – in den
American Way of Life
EINFACH GLÜCKLICH, IN MIAMI ZU SEIN
Miami South Beach lebt und genießt sich selbst. Natürlich sind es
nicht nur Models, die den Ocean Drive entlangschlendern, sondern
hauptsächlich Touristen aus aller Welt, die in den Open-Air-Cafés
komische bunte Drinks aus viel zu großen Gläsern trinken – und
keinen Model-Contest gewinnen würden. Trotzdem findet man auch
schnell wieder die inszenierte Show aus Flanieren und Shoppen,
Stylen und Genießen. Wer über die Lincoln Road bummelt, von
Shop zu Shop, Café zu Café, spürt diese spannende Mischung aus
American Way und Hispanic-inspirierter Offenheit. Ein Blick in den
Sport-Fashion-Shop, ein Cappuccino beim Italiener, dann vielleicht
Sushi bei Sushi Samba oder feine kubanische Küche im Yuca.
Unser erstes Mal, der erste Besuch in Miami Beach, war ein
kurzer Trip durch die Spotlights der Stadt, eine kurze, schnelle An­
einanderreihung von Lichtpunkten, die in sich nicht besonders
eindrucksvoll sind für einen klassischen europäischen Erlebnis-
Tourer. Doch schon beim nächsten Mal ließen wir uns mehr Zeit
– und es hat sich gelohnt. Es sind die Menschen, die die Stadt zu ih­
rer Selbstinszenierung machen, wenn die Show-Kulisse zum Leben
erwacht und ihre wahre Identität offenbart. Wir trafen auf die
Werbe-PR-Frau Patricia Caldero, die sich seit zehn Jahren mit viel
Ehrgeiz im Marketing bei einem großen Getränkeunternehmen
durchsetzen will, abends in einer stylischen Bar arbeitet und am Wo­
chenende außerhalb der Stadt in einem Tierheim hilft, das Wildtiere
aus den Everglades schützt und betreut. „I love Miami“, erklärt die
hübsche Blonde, die dann abends schon mal die Strandpromenade
entlangjoggt, als sei sie ein kleiner Star.
Sie schickte uns vor zum South Point, der parkähnlichen Spitze
von Miami Beach, an der vorbei die großen Kreuzfahrtschiffe in den
Hafen einlaufen. Der Blick reicht hinüber zu Key Biscayne und den
schicken Motoryachten, die sich hinaus aufs offene Meer aufmachen.
Hier, sagt Patricia, könne man ein bisschen dieses „Offene Welt“-Flair
schnuppern, das in ihren Augen die Region ausmacht. Es sind diese
Momente, die den verlängerten Aufenthalt in der Stadt so reizvoll
machen. Und vor allem die Stadt „fühlbar“ werden lassen. Egal, mit
wem man spricht. Zum Beispiel mit dem Barmixer im Clevelander.
George heißt er. Er ist Entertainer, Trendsetter und Manager zugleich.
Natürlich ist er heißer Fan der Miami Heats, der supererfolgreichen
Basketball-Mannschaft, die überall mit ihren Farben, Logo und Tri­
kots präsent ist. „You have to go there – than you feel, what we feel.“
Oder der haitianische Taxifahrer, der uns vom Marine-Park Bayside
Marketplace zurück zur Collins Road brachte, ständig während der
Fahrt gleichzeitig am Handy mit Immobilien dealte, Versicherungen
verkaufte und die langsamen Stau-Fahrer auf der MacArthur Cause­
way und Bridge anhupte. Er sei hier eingewandert, habe es geschafft.
Seine Kinder, erzählt er uns, haben alle studiert, sind Anwälte und
Ingenieure. Und er sei einfach glücklich, in Miami zu leben.
Und dann gab es unser Erlebnis mit dem Kellner im fast schon
kultischen Jerry’s Famous Deli 24h Dining. Beim Frühstück bestell­
ten wir das klassische American Breakfast, mit Eiern und Toast,
Pancakes, Sirup und Speck – und wir hatten das Gefühl, nach der
Hälfte aufgeben zu müssen. Aber unser etwas rotgesichtiger, mäch­
tiger Ober schaute so extrem kritisch, dass wir als Europäer nicht
Shopping-Malls und Straßencafés der Lincoln Road (o.l.)
und dem luxuriösen Setai
Hotel direkt am Strand von
Miami Beach (o.r.)
DCM Tipps und Adressen
HOTELS AM OCEAN DRIVE
• B etsy Hotel, klassisches Hotel mit Südstaaten-Flair,
in der Lage seien, die Platte restlos aufzuessen, dass wir doch
noch ein paar Bissen irgendwie in uns hineinzwängten. „You will
never be a real American!“, merkte er an – und es klang durch­
aus ein bisschen typisch chauvinistisch.
Silvester in Miami
PART Y UNTER PALMEN BEI 20 GRAD
F otos: Mauritius- Images (4), L aif (3), Imago
(architektonische) Stilrichtung auf den Weg um die Welt gemacht –
und vor allem in den USA als Reaktion auf Wirtschaftskrise und
Depression einen neuen Zukunftsglauben und eine große Technik­
faszi­nation ausgestrahlt. Und in der Sonne Floridas kamen weitere
verspielte Elemente hinzu, florale Gebilde, kleine farbige Deko-Ele­
mente – und der „Tropical Deko“ war geboren.
Das Schöne daran: Dieser fröhliche, bunte Baustil ist keine his­
torische Überlieferung, sondern ein reales, aktuelles „tropical feeling“
am Südende von Miami Beach. Viele der Gebäude sind Hotels, alle
werden aktiv gepflegt, erhalten und genutzt. Und sie sind dabei nicht
in der Vergangenheit stehen geblieben, sondern strahlen ein heutiges
Lebensgefühl aus, eine Mischung aus Eleganz und Moderne, aus
Design und Style, aus Entspanntheit und Funktionalität. Blickt
man in die Lobby des Victor Hotels, stößt man auf modern design­
te Möbel, außergewöhnliche Lampen, ungewöhnliche Formen. Im
Tides King & Grove setzt man mehr auf ein modernes, fast schon
barockes Lounge-Gefühl, gekoppelt mit dezenter Fröhlichkeit. Und
im The Betsy auf klassisches Südstaaten-Ambiente.
Wir hatten das Glück, Silvester und den Jahresanfang in South Beach
zu verbringen – genau den Höhepunkt des Jahres, quasi den Klimax
der Strand-City, um das Lebensgefühl der Stadt zu erleben. Da wird
einmalig der Ocean Drive gesperrt, sodass dort nicht einmal mehr
das Show-Fahren der dicken Limousinen möglich ist und die coolen
Besitzer nicht im Schritttempo und mit lauten Bässen durch die
schmale Beachfront-Street gleiten können. Die Lokale stellen zusätz­
liche Stühle und Tische bis auf die Straße, Bands spielen live auf.
Ein lebensfroher, beschwingter Rhythmus liegt in der Luft.
Und später, gegen 23 Uhr, strömen Tausende vor zur Promena­
de, alle aufgestylt, chic, sexy, Hispanics, Schwarze, Touristen. Viele
Promis, das weiß man, sind auch darunter, Florida-Songwriter
Jason Derulo spielt vorne am Beach Concert: Wer etwas auf sich
hält, ist in dieser Zeit in South Beach dabei. Und dann, Punkt Mit­
ternacht, steigt ein riesiges, prächtiges, gänzlich unbescheidenes,
buntes Feuerwerk in den Nachthimmel von Miami, Gläser und
Flaschen klirren, die Musik nimmt an Lautstärke zu – und das ent­
spannte, aber showlustige, feierwillige Publikum stellt sich auf ein
neues Jahr ein: bei 20 Grad, unter den Palmen, angestrahlt von
dieser einmaligen Art-déco-Neon-Kulisse, die die Stadt für Besu­
cher wie Bewohner zu bieten hat. Die perfekte Bühne für ein ech­
tes Stück Art of Life auf Amerikanisch.
persönlicher und guter Service,
1440 Ocean Drive, www.thebetsyhotel.com
• V ictor Hotel, stylisch, schöne Lage, Art-déco-Feeling,
1144 Ocean Drive, www.thompsonhotels.com
„IN“-HOTELS IN SOUTH BEACH
• W South Beach, volle Ladung Design, Highlight der
Starwood-Gruppe, 2201 Collins Avenue,
www.starwoodhotels.com/whotels
•S
etai Hotel, der coole Experience-Design-Klassiker am
Strand, 2001 Collins Avenue, www.setai.com
•D
elano Hotel, hip, laut und angesagt,
1685 Collins Avenue, www.delano-hotel.com
SHOPPING
Promenieren entlang der Lokale am Ocean Drive, Shopping in
den Läden dahinter in der Collins Ave. Die Fußgängerzone an der
Lincoln Road bietet Shopping mit allem, was das Herz begehrt
RESTAURANTS
• S ushiSamba, modern-stylisches Sushi-Lokal,
600 Lincoln Road, www.sushisamba.com
•G
rillfish, wunderbare gegrillte Meeresfrüchte und Fische, ein
bisschen „Italian flair“, 1444 Collins Avenue, www.grillfish.com
•A
Fish called Avalon, der Klassiker am Beach,
700 Ocean Drive, www.afishcalledavalon.com
•B
LT Steak, Restaurant im Betsy Hotel (s.o.), gutes Essen auf
der schönen Veranda – allein schon wegen des luftigen, warmen
„Popover“-Eiergebäcks als Entrée den Besuch wert.
ANREISE
Anreise nach Miami mit Air Berlin mehrmals die Woche
direkt von Düsseldorf und Berlin, mit Lufthansa direkt von
Frankfurt und Düsseldorf