Ethik: Definition und Realität

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Ethik: Definition und Realität
AZB
P. P. / Journal
CH-4601 Olten
Zeitung für Geld und Geist // Nummer 2 // 26. Juni 2006
Postcode 1
Ethik: Definition und Realität
9 ANTHROPOSOPHIE UND POLITIK Ideengeschichte der alternativen Banken
10 BANCA ETICA Die Innovative aus dem Süden
13 GROSSBANKEN Richtlinien nur, weil sie vorgeschrieben sind
24 15 JAHRE ALTERNATIVE BANK ABS Im Wandel der Zeit
INSERATE
DREI FRAUEN – EIN JAHRHUNDERT
THE HOUSE
OF SAND
Andrucha Waddington, Brasilien
AB 20. JULI IM KINO
www.trigon-film.org
einblick
KOMMENTAR VON CLAUDIA NIELSEN
Ethik
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20
HAUPTTHEMA: ETHIK
4
FOTOS ZUM THEMA
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MITTEL FÜR FIRMENGRÜNDUNGEN
Mit Mikrokrediten
gegen die Arbeitslosigkeit
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KRITIK AN DER WTO
An den Bedürfnissen
der ärmeren Bevölkerung vorbei
9
ANTHROPOSOPHIE, ETHIK UND POLITIK
Ideengeschichte
der alternativen Banken
10
BANCA ETICA
Die Innovative aus dem Süden
13
GROSSBANKEN
Ethikrichtlinien nur, weil sie müssen
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DENKBILD
Bockt der Gärtner, oder:
Gärtnert der Bock?
NEWS
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15
Bio-Kaffee
Gier
ABS-FÖRDERKREDIT
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ERBORISTI LENDI
Fairer Bio-Kräuterhandel dank ABS
ABS-SEITEN
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Febea – ein internationales Netzwerk
ABS-Jubiläumsfeier:
Ein Rückblick, aber keine Nostalgie
Günther Ketterer:
Der letzte erste «Mohikaner» geht
Neue Ethikkontrolle der ABS
Neue Rückzugsmöglichkeiten und
Kündigungsfristen der Passivkonti
KLEINANZEIGEN
PERSÖNLICH
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15 JAHRE ALTERNATIVE BANK ABS
Gewandelt – wie die Kundschaft
Das Wort Ethik gehört heute zum Bankenjargon. Wenige
verstehen darunter das Gleiche. Fragen, die dieses Thema
aufwirft, gibt es viele.
Gemessen am ethischen und gesellschaftspolitischen
Anspruch der ABS handelt es sich meist um Rosinenpicken,
um Inseln im Meer des Herkömmlichen. Oder, wie es Mario
Crosta von der Banca Etica formuliert, um Gewissensberuhigung neben der Finanzierung von Waffenhandel (s. Seite 10).
In der Schweiz gibt es zwei Banken, die sich durchgehend
ethisch ausrichten, die Alternative Bank ABS und die Freie
Gemeinschaftsbank BCL. Mit dem Volumen streng ethisch ausgerichteter Anlagen verhält es sich wie mit dem FairtradeKonsum: Da liegen wir pro Kopf noch an der Spitze.
Der Blick über die Landesgrenzen zeigt eine interessante und in Bewegung gekommene Vielfalt. Um daran teilnehmen, aber auch um ihre Erfahrung einbringen zu können,
hat sich die ABS dem europäischen Netzwerk alternativer
Banken, der Febea, angeschlossen. Das tägliche Ringen darum, was Ethik in der Entscheidungsfindung konkret heisst,
setzt sich in diesem Netzwerk auf anderer Ebene fort.
Selbstverständlich sehen das beim breiten Spektrum der
vertretenen Institutionen (s. Seite 18) weder alle gleich,
noch kann es eine definitive Interpretation geben.
Der Chancen dieser und anderer Vernetzungen im europäischen Umland sind viele. Sie bilden eine Plattform für
den Austausch und für das Justieren der eigenen Ethik-Definitionen. Sie bieten Möglichkeiten, Kräfte zu bündeln. Ein
konkretes Beispiel ist das Institut für Social Banking, das
Studienangebote zu ethischem Bank- und Finanzwesen anbietet und Forschung betreibt. Die Alternative Bank ABS gehört zu den Kooperationspartnerinnen. Mit der Vernetzung
ist zudem die Hoffnung verbunden, gemeinsam vom Volumen her die kritische Masse zu erreichen, die mehr in Bewegung bringt, als es die Volumen der Einzelnen tun können.
[email protected]
moneta
ZEITUNG FÜR GELD UND GEIST // NUMMER 2 // 26. JUNI 2006
moneta erscheint mindestens vierteljährlich in deutscher und französischer Sprache. Wiedergabe von Texten und eigenen Illustrationen nur unter Quellenangabe und mit schriftlicher Zustimmung der Redaktion
// Herausgeber HerausgeberInnen-Verein moneta // Redaktion René Hornung (Leitung), Aldo Clerici, Claudia Nielsen, Dominique Roten, Dominique Zimmermann // Layout und Produktion Clerici Partner, Zürich
// Druck ROPRESS Genossenschaft, Zürich // Verlag und Redaktionsadresse moneta, Leberngasse 17, Postfach, 4601 Olten, Telefon 062 206 16 16, [email protected] // Abonnemente Jahresabonnement Fr. 20.–,
Förderabonnement Fr. 50.– // Auflage dieser Ausgabe 16 700 Ex. // Beilagen und Inserate Beilagen, die nicht von der ABS selbst oder von moneta beigelegt werden, entsprechen bezahlten Inseraten – diese Einnahmen helfen uns, die Produktionskosten der Zeitung zu reduzieren.
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moneta #2 // 26. Juni 2006
Fotos: Regula Schaffer
thema
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Mit Mikrokrediten
gegen die Arbeitslosigkeit
MITTEL FÜR FIRMENGRÜNDUNGEN__ Die
deutsche GLS Gemeinschaftsbank, das
Pendant zur Alternativen Bank ABS, kann dank einem neuen Kooperationsmodell Mikrokredite an Arbeitslose und andere benachteiligte Personen vergeben, die sich selbstständig machen wollen. Bis 2010 soll das Modell auf ganz
Deutschland ausgedehnt werden. In der Schweiz ist man noch nicht so weit.
Zudem bezweifelt ein Experte die Notwendigkeit von Mikrokrediten.
hungsweise ihr Geschäftszweig «EnterBusiness») die Anträge prüfen und Empfehlungen
an die GLS Gemeinschaftsbank abgeben,
welche die Kredite vergibt. Der GLS-Mikrofinanzfonds steuert das Kapital für die Kreditvergabe bei und deckt das Ausfallrisiko der
Bank. Dieser Fonds ist gemäss Falk Zientz,
DMI-Geschäftsführer und GLS-Mitarbeiter,
durch private Anleger und die GLS Gemeinschaftsbank gespiesen worden. Neu sind auch
öffentliche Geldgeber wie die KfW Mittelstandsbank dazugestossen. Die Rendite für
die Anleger beträgt 1,5 Prozent.
Foto: www.visipix.com
Mikrofinanzierung
in der Nachgründungsphase
Wer einen eigenen Handel aufziehen will, braucht Geld: Mikrokredite können helfen.
//__Personen ohne nötige Sicherheiten haben
bei den meisten Banken in der Regel keine
Chance, einen Kredit zu bekommen. Zu diesem Personenkreis zählen viele Arbeitslose.
Wenn sie sich selbstständig machen wollen,
können sie in Deutschland von staatlichen Förderprogrammen profitieren (Überbrückungsgeld, Existenzgründungszuschuss
im Rahmen der Ich-AG).
Darüber hinaus gibt es in Deutschland
mittlerweile schätzungsweise 200 so genannte Gründungsinitiativen (von staatlichen
Stellen bis hin zu privaten Selbsthilfegruppen), welche sozial benachteiligte Personen
auf dem Weg in die Selbstständigkeit begleiten. Nebst Beratung, Schulung, Monitoring
oder räumlicher Infrastruktur bieten einige
dieser Initiativen auch Finanzierungen an.
Eine solche Gründungsinitiative ist die IQ
Consult GmbH in Berlin, die sich auf arbeitslose junge Erwachsene und Behinderte spezialisiert hat. «Es gibt in Ostdeutschland sehr
viele junge Menschen, die sich mit dem Gedanken auseinander setzen, sich selbstständig zu machen», sagt Geschäftsführer Nor6
bert Kunz. Die meisten hätten aber keinen
Zugang zu Bankkrediten, und die staatlichen
Förderprogramme reichten für die nötigen
Investitionen in Existenzgründungen oft nicht
aus. Nicht zuletzt aus ethischen Überlegungen will die IQ Consult guten Gründungsideen auf die Beine helfen.
800 Gründungen in drei Jahren
Laut Norbert Kunz hat IQ Consult in den letzten drei Jahren 800 erfolgreiche Gründungen
begleitet. Dabei wurde jede zehnte Gründung
mit einem Kredit aus dem firmeneigenen
Fonds unterstützt. Zudem hat IQ Consult in
Zusammenarbeit mit der Berliner Volksbank
mehrere Hundert Kredite vermittelt. Weitere Gelder stammen von der GLS Gemeinschaftsbank.
Die Mikrofinanzaktivitäten der GLS Gemeinschaftsbank sind eingebettet in das
Kooperationsmodell des 2004 gegründeten Deutschen Mikrofinanz Instituts (DMI).
Gemäss diesem Modell funktioniert die Kreditvergabe so, dass die akkreditierten Mikrofinanzierer (zum Beispiel IQ Consult bezie-
Mikrokreditnehmerinnen oder -kreditnehmer
zahlen an die GLS-Bank einen Jahreszins von
10 Prozent. Davon erhält der Fonds für den
Risikoausgleich 5 Prozent. Die anderen 5 Prozent benützt die Bank für die Refinanzierung
und die Deckung der Kosten. IQ Consult beziehungweise «EnterBusiness» erhebt zur Deckung ihrer Kosten eine Bearbeitungsgebühr
von 250 bis 500 Euro. «Dank intensiverer
Begleitung der Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer konnten wir die Ausfallquote auf
unter 10 Prozent senken», sagt Kunz hinsichtlich der Risiken des Mikrofinanzgeschäfts.
Das DMI-Kooperationsmodell steckt zwar
noch in der Testphase, zielt aber darauf ab,
die Kosten und Risiken der Bank tief zu halten und so Mikrofinanzierungen auf einer
eigenwirtschaftlichen Basis zu ermöglichen.
Bis 2010 soll dieses Modell in Deutschland
flächendeckend Anwendung finden, wobei
neben der GLS auch andere Banken einbezogen werden sollen. Zu den aktuellen Tendenzen im deutschen Mikrofinanzgeschäft meint
Zientz: «Die Beratung geht immer mehr in
Richtung einer Existenzgründung möglichst
ohne Fremdkapital, zumal der Kapitalbedarf
zu Beginn ohnehin gering ist. Wenn dann
doch etwas schief geht, rutscht man nicht in
die Verschuldung ab und kann wieder von
vorne beginnen. Zweitens verlagert sich die
Mikrofinanzierung zunehmend in die Nachmoneta #2 // 26. Juni 2006
thema
gründungsphase. Das heisst, die Finanzierung setzt erst ein, wenn das Unternehmen
sich einigermassen etabliert hat.»
In der Schweiz unterstützt die Freie Gemeinschaftsbank BCL in Basel die Organisation «Crescenda», das erste schweizerische
Gründungszentrum für Unternehmen von
Migrantinnen. Bei Bedarf könnte die Bank für
die Migrantinnen über einen Garantiefonds
kleine Darlehen sprechen. Eine andere Möglichkeit sind Bürgschaftsgemeinschaften für
Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer ohne
die üblichen Sicherheiten. Die Alternative
Bank ABS führt im Mikrofinanzbereich bislang keine Produkte. Sie klärt aber ab, wie die
Mikrofinanzierung in der Schweiz funktionieren könnte.
Staatlicherseits haben in der Schweiz die
Arbeitsämter die Möglichkeit, Arbeitslose
während 90 Tagen von der Stellensuche zu
befreien, damit diese ihre Selbstständigkeit
planen können. Zudem kann die Arbeitslosenversicherung ein Verlustrisiko zugunsten
einer neu gegründeten Firma übernehmen,
wenn die zuständige Bürgschaftsgenossenschaft einen entsprechenden Antrag gut-
heisst. Gemäss dem Staatssekretariat für
Wirtschaft (Seco) liegt die Obergrenze für
eine Verlustrisikogarantie bei 180 000 Franken (inklusive Zinsen), wobei der Bund im
Konkursfall 60 Prozent des Verlustes trägt.
Die Bürgschaftsgenossenschaft OBTG in
St. Gallen, die für 13 Kantone zuständig ist,
verzeichnete letztes Jahr aber nur eine einzige Arbeitslosenbürgschaft.
Das Seco engagiert sich im Mikrofinanzbereich im Rahmen eines Pilotprojekts durch
die Unterstützung der privaten Stiftungen
«Asece» in der Westschweiz und «Arbeitslosenrappen» in Basel. Beide Stiftungen bieten
Leuten, die sich selbstständig machen wollen, Coaching und Mikrokredite an. Die
Unterstützung des Seco besteht in der Abgeltung bestimmter Kosten, nicht jedoch in der
Gewährung der Mikrokredite. Diese werden
bei der Stiftung «Arbeitslosenrappen» durch
Spenden finanziert, bei Asece durch die Stiftung und den Stifter Georges Aegler.
nato Ponzio, aber fraglich. «Für einen erfolgreichen Start in die Selbstständigkeit braucht
es eigene Ressourcen, sonst ist es sehr
schwierig», sagt er. Und wenn jemand eine
gute Geschäftsidee hat, aber nicht das nötige
Kapital? Diesen Einwand lässt Ponzio nicht
gelten: «Dass jemand mit einer bahnbrechenden Idee kommt, ist selten. Zudem spielt die
Geschäftsidee keine vorrangige Rolle für den
Erfolg. Entscheidend ist, ob jemand fähig ist,
aus eigener Kraft zu starten.»
Dabei sei es wichtig, dass sich die Leute
vorstellen könnten, was es heisse, selbstständig zu sein: «Wenn sich jemand in dieser Vorstellungswelt bewegen kann, ist die Erfolgsquote viel höher als bei jedem noch so guten
Projekt, zu dem ein realitätsbezogener und
persönlicher Zugang fehlt», sagt Ponzio. Wenn
eine Person alle Voraussetzungen mitbringt,
aber nicht genügend Geld für die Gründung
hat, so motiviert er sie, sich ein Ziel zu setzen
und das Geld auf irgendeine Weise aufzutreiben, was vielfach gelinge.__//
Eigene Ressourcen nötig
Ob Mikrokredite nötig sind, ist für den Leiter
der Zürcher Fachstelle Selbstständigkeit, Do-
André Rothenbühler | [email protected]
INSERATE
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An den Bedürfnissen
der ärmeren Bevölkerung vorbei
KRITIK AN DER WTO__ «Die
Grossbanken handeln aus entwicklungspolitischer Sicht
heute nicht ethischer, aber diskreter als früher», sagt Marianne Hochuli (49).
Foto: Georg Christen, EvB
Sie betreut seit acht Jahren den Bereich Handelspolitik der Organisation
Erklärung von Bern (EvB) und hat als Beobachterin an den Verhandlungen der
World Trade Organization (WTO) in Hongkong teilgenommen, wo es um eine
weitere Runde in der Deregulierung und Privatisierung des Welthandels ging.
Marianne Hochuli
Die Erklärung von Bern hat die Haltung
der Schweiz an den WTO-Verhandlungen scharf
kritisiert. Weshalb?
MONETA:
MARIANNE HOCHULI: Die Schweiz verfolgt entwicklungs- und wirtschaftspolitische Ziele,
die sich widersprechen. An den WTO-Verhandlungen hat sie ihre wirtschaftlichen Interessen ins Zentrum gestellt, um sich neue
Märkte für ihre Industrien und Dienstleistungen zu erschliessen. Entwicklungspolitische
Überlegungen gingen völlig unter.
Ist denn für Sie die Liberalisierung des Dienstleistungssektors, wie sie die WTO derzeit anstrebt,
nur negativ, oder sehen Sie auch positive Auswirkungen für die Entwicklungsländer?
Die Öffnung der Märkte ist nicht per se negativ. Die Frage ist aber, ob die Sektoren, die
geöffnet werden sollen, stark genug sind, um
im internationalen Wettbewerb zu bestehen.
Billige Importe können ganze Wirtschaftszweige zerstören und zu grosser Arbeitslosigkeit führen. Für uns sind die Bedürfnisse der
ärmeren Bevölkerung das entscheidende Kriterium. Es muss Auflagen geben, welche die
Investoren dazu zwingen, neue Arbeitsplätze
zu schaffen und soziale und ökologische Kriterien zu respektieren. Besonders umstritten
ist die Öffnung der Märkte im Bereich der
Grundversorgung. Das Negativbeispiel ist
die Wasserversorgung: Europäische Konzerne konzentrieren sich auf die reiche Kundschaft in den Städten und vernachlässigen im
Gegenzug die Infrastruktur auf dem Land,
wo ein grosser Teil der ärmeren Bevölkerung
lebt.
Glauben Sie denn, dass die korrupten Eliten in
gewissen Entwicklungsländern den Bedürfnissen ihrer Bevölkerung eher Rechnung tragen als
die WTO?
Man kann die WTO und die Eliten in den Entwicklungsländern nicht voneinander trennen, weil es die WTO als unabhängige Organisation gar nicht gibt. Die Politik der WTO
wird von den 149 Mitgliedsländern bestimmt,
und dazu gehören auch viele Regierungen,
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die die Interessen ihrer Bevölkerung nicht
vertreten. Dies ist unter anderem ein Grund,
weshalb auch der weltweite Widerstand gegen die WTO-Politik in den letzten Jahren
so stark angewachsen ist. Wir sind durchaus
für ein internationales Gremium, das den
Welthandel regelt. Aber die WTO-Regelungen sind viel zu starr und werden der unterschiedlichen Situation der einzelnen Länder
überhaupt nicht gerecht. Die WTO soll ihre
Regelungen differenzieren und mit den Abkommen, die im Sozial- und Umweltbereich
schon vorhanden sind – zum Beispiel den
Uno-Konventionen –, harmonisieren.
Für die Schweiz besonders interessant ist die
Öffnung der Finanzmärkte. Weshalb sollen die
Entwicklungsländer ihre Finanzsektoren nicht
öffnen? Das würde sie doch stärken und international wettbewerbsfähiger machen?
Es gibt Studien, die tatsächlich belegen, dass
durch die Präsenz von ausländischen Banken
die Höhe der Bankeinlagen zunahm oder
dass Kredite einfacher zugänglich wurden.
Aber wer profitiert davon? Untersuchungen
in Osteuropa und besonders in Indien haben
gezeigt, dass einheimische Banken im Zuge
der Marktöffnung ihre Kreditvergabe allgemein reduziert haben, weil sie ihre besten
Kundinnen und Kunden an die ausländische
Konkurrenz verloren. Damit wurden die Risiken im Kreditgeschäft für sie enorm. Die Verlierer dieser Entwicklung sind die Kleinkundinnen und -kunden: Sie haben es –
beispielsweise in ländlichen Gegenden Indiens – heute viel schwerer, für landwirtschaftliche Projekte Geld zu erhalten.
Noch in den Siebziger- und Achtzigerjahren
waren Schweizer Grossbanken als Fluchtort für
Diktatorengelder berüchtigt, heute ist es stiller geworden. Haben die Grossbanken aus entwicklungspolitischer Sicht Fortschritte gemacht?
Handeln sie heute ethischer?
Das kann man so nicht sagen. Sicher haben
sie unter dem Druck schärferer gesetzlicher
Auflagen ihr Problemmanagement verbessert
«In Südamerika werden schätzungsweise mehr als 50 Prozent
des gesamten Reichtums
an der Steuer vorbeigeschleust.»
und sind deshalb seltener in grosse Skandale
verwickelt, das ist offensichtlich. Aber ethischer handeln sie deswegen nicht. Im Vermögensverwaltungsgeschäft haben sie es mehr
denn je mit steuerhinterzogenen Geldern zu
tun. Das ist heute das grosse Problem. Es ist
weniger sichtbar, aber deswegen nicht weniger dringlich. In Südamerika zum Beispiel
werden, so schätzt man, über 50 Prozent des
gesamten Reichtums an den Steuern vorbeigeschleust. Die Schweizer Grossbanken sind
in diesem Bereich sehr aktiv. Auf diese Weise
ist es den teilweise sehr reichen Volkswirtschaften Südamerikas unmöglich, ihre Probleme mit der Armut in den Griff zu bekommen.
Worauf gründet Ihre Annahme, dass die Schweizer Grossbanken nichts zur Entwicklung der
ärmsten Länder der Welt beitragen?
Die CS und die UBS sind an Private und Investment Banking interessiert, aber nicht am
Kleinkundengeschäft. Wenn die CS einzelne
Mikrokreditprogramme unterstützt, ist das
nur ein Tropfen auf den heissen Stein und
ändert nichts an den makroökonomischen
Strukturen. Im Gegenteil. Die ausländischen
Grossbanken, das hat sich oft gezeigt, übernehmen die einheimischen Banken, bauen
Stellen ab und lassen das regionale Knowhow dieser Banken ungenutzt. Die Gewinne
aus ihren Geschäften fliessen vom Süden in
den Norden zurück, weil die WTO-Regelungen Auflagen verbieten, welche die Grossbanken dazu zwingen würden, ihre Profite in
den Entwicklungsländern zu reinvestieren.
Interview: Eric Gremmelmaier | [email protected]
moneta #2 // 26. Juni 2006
thema
Anthroposophie, Ethik und Politik
IDEENGESCHICHTE DER ALTERNATIVEN BANKEN__ Wie
lassen sich Ethik und Markt-
wirtschaft miteinander verbinden? Diese Frage stellt sich für alle alternativen
Banken, egal ob sie ihren Ursprung in der Anthroposophie oder in der politischen Linken haben. Beispiele zeigen, wie Visionen für eine gerechtere Wirtschaft in der Praxis umgesetzt werden.
//__Am Anfang stand der Finanztheoretiker
Silvio Gesell. Er entwickelte zu Beginn des
20. Jahrhunderts die «Freiwirtschaftslehre».
Deren Leitgedanke heisst: Je schneller Geld
umläuft, desto mehr Menschen profitieren
davon. Also muss man Anreize schaffen, damit es nicht gehortet wird. Diese Freigeldtheorie ist der Albtraum jedes Kapitalisten,
ein «Monopoly» mit negativen Vorzeichen:
Wer Geld auf die Bank bringt, bezahlt eine
Lagergebühr, anstatt Zinsen zu erhalten.
Auf diese Ideen stützte sich der Wirtschaftsring (Wir) ab, der auf dem Höhepunkt
der Weltwirtschaftskrise, 1934, die Wir-Guthaben lancierte. Auch damit sollte die Geldhortung verhindert werden, und der Wirtschaftsring wollte für die rasche Zirkulation der
Zahlungsmittel sorgen, indem er anfänglich
die Wir-Guthaben nicht verzinste. Doch schon
bald wurden diese Ziele aufgegeben, Zinsen –
wenn auch bescheidene – wurden eingeführt.
1936 erhielt der Schweizer Wirtschaftsring
eine Bankenlizenz und kann sich bis heute als
Selbsthilfeorganisation behaupten.
«Talente» und Anthroposophen
Näher in der Tradition der Freigeldtheorie
steht heute noch der Verein Talent Schweiz.
Talent will mit einer zinsfreien Währung für
eine gerechtere Verteilung von Reichtum und
Arbeit sorgen. «Wir führen Konti wie eine
Bank», erklärt die Basler Vereinspräsidentin
Ursula Dold. Über diese Konti werden die Geschäfte abgewickelt, welche die rund 250 Mitglieder in der Komplementärwährung Talent
tätigen. Dienstleistungen, die im Internet zum
Tausch angeboten werden (www.talent.ch).
Ganz nach Gesells Leitsätzen verlieren die Talentguthaben monatlich an Wert. «Talent ist
eine ergänzende Währung, wir beabsichtigen
nicht, den Franken zu ersetzen», stellt Ursula
Dold klar. Und sie betont den sozialen Aspekt:
Wer mit Talenten handelt, kommt mit Gleichgesinnten in Kontakt. Ähnlich funktionieren
die von der Genossenschaft «Netz soziale Ökonomie» herausgegebenen «Netz-Bon».
Während Gesells Freigeldtheorie in ihrer
ursprünglichen Form nur in bescheidenem
Umfang Fuss fassen konnte, entwickelte sich,
gestützt auf Rudolf Steiners anthroposophische Lehre, die einen bewussten, sozialen
und ethisch-ökologischen Umgang mit Geld
fordert, ein heute starkes Bankenwesen. Steiner teilte das Geld in drei Kategorien ein,
in Tausch-, Leih- und Schenkgeld. Gerade
Schenkgeld ist für die Anthroposophen wichtig, als schönste Form der Anteilnahme.
Es war dann der Deutsche Ernst Wilhelm
Barkhoff, der 1967 die Gemeinnützige Kredit- und Garantiegenossenschaft und die
Gemeinnützige Treuhandstelle in Bochum
gründete. Sie sind Vorläufer unter anderem
der deutschen GLS Gemeinschaftsbank, der
Triodos-Bank, die inzwischen in Deutschland, Holland, Belgien, England und Spanien
aktiv ist, aber auch der 1984 in Basel gegründeten Freien Gemeinschaftsbank BCL.
«Gegen die Kredite zu null Prozent, die
wir zu Anfangszeiten vergaben, lief die Bankenkommission Sturm», erinnert sich Geschäftsleiter Markus Jermann. Nach wie vor
setzt die Gemeinschaftsbank aber auf Lösungen, die im konventionellen Bankgeschäft
undenkbar sind, und sie stellt Menschen
Geld zur Verfügung, die nach den Kriterien
einer normalen Bank leer ausgehen würden.
Es genügt, eine Bürgschaft zu finden. Damit
würden nicht nur Liquidität und Geschäftsidee, sondern auch soziale Fähigkeiten von
Kredit Nehmenden in die Beurteilung einbezogen, sagt Jermann. Die Gemeinschaftsbank
war das erste Schweizer Institut, das die komplette Kreditliste veröffentlichte; an den Genossenschaftsversammlungen verfügen alle
Mitglieder über eine Stimme – unabhängig
davon, wie viele Anteilscheine sie besitzen.
Die Bank ist nicht gewinnorientiert; der
Überschuss wird zur Deckung der Geschäftskosten, für Förderprojekte, Spenden und Reserven verwendet. Mit ihren rund 4500 Kunden bleibe die Freie Gemeinschaftsbank
ein Nischenplayer, und Wachstum um jeden
Preis sei kein Thema. Markus Jermann dazu:
«Positive Impulse sind auf eine überschaubare Grösse begrenzt.»
Die «Politischen»
Inzwischen haben sich einige der einst klar
anthroposophisch ausgerichteten Banken
von diesem philosophischen Hintergrund
weitgehend gelöst – darunter die erwähnte,
grosse Triodos-Gruppe. Und in den letzten
fünfzehn Jahren sind neue Institute gegründet worden, die auf dem Wertegerüst der
politischen Linken aufbauen; dazu gehört die
italienische Banca Etica, aber auch die Alternative Bank ABS. Einige der Ziele der Freigeldtheorie, der Anthroposophie und der
Linken sind zwar ähnlich, etwa das «social
banking», doch die angesprochenen Kundinnen- und Kundenkreise unterscheiden sich.
Die Alternative Bank ABS als eine dieser
«politischen» Banken (Slogan: «Die Bank für
die andere Schweiz») stellt ethische Grundsätze ins Zentrum. ABS-Kreditleiter Thomas
Bieri, von Anfang an mit dabei, erklärt: «Bei
der Gründung spielte im Selbstverständnis
der ABS die Kritik an den Grossbanken und
ihre Verstrickung in Geldwäscherei, Immobilienspekulation und Fluchtgelder eine grosse
Rolle.» In der Ablehnung der Geschäftspolitik der Grossbanken war man sich einig. Wie
streng die eigenen ethischen Massstäbe sein
sollten, wurde oft diskutiert. Bieri erinnert an
die Einführung der Bancomat-Karte oder der
ökologischen Fonds: «Dagegen gab es anfänglich Widerstände.»
Heute ist die ABS pragmatischer geworden, für Bieri eine Wende zum Besseren: «Um
einen Kredit zu erhalten, musste man früher
der linksalternativen Szene angehören. Heute
hat die Qualität der Projekte Vorrang, und es
spielt keine Rolle mehr, welchen Hintergrund
jemand hat. Hauptsache, es handelt sich um
eine innovative Geschäftsidee, die ökologische und soziale Kriterien erfüllt.» Auch im
Personalwesen habe sich vieles geändert: «Anfangs kamen viele wegen der ‹Idee› zu uns. Die
Offenheit gegenüber alternativen Wirtschaftsformen ist bis heute eine Voraussetzung, aber
die Priorität liegt bei der Beherrschung des
Bankgeschäfts.» Der Wandel schlug sich auch
im Organigramm der ABS nieder. Der Ethische
Rat, welcher früher kontrollierte, ob die Bank
ihre Vorgaben einhielt, wurde durch das Institut für Wirtschaftsethik der Universität
St. Gallen ersetzt (siehe Bericht über die ABSGeneralversammlung auf Seite 20). Für Bieri
ist das positiv: «Die Ethik ist stärker als früher
im Alltagsgeschäft integriert.»__//
Eric Gremmelmaier | [email protected]
René Hornung | [email protected]
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Banca Etica:
Die Innovative aus dem Süden
ALTERNATIVE BANK IN ITALIEN__ Die
Banca Etica ist die erste alternative Bank
in Italien gewesen. Heute ist sie eines der dynamischsten und innovativsten
Mitglieder der Familie der alternativen Banken in Europa.
//__Die Banca Etica hat sich in den sieben Jahren ihres Bestehens einen anerkannten Platz
auf dem Finanzplatz Italien gesichert. Das
erste alternative Finanzinstitut des Landes ist
in Italien zur Referenz geworden, wie Spargelder auf verantwortliche Weise angelegt
werden können. Ziel der Bank ist es, mit den
ihr anvertrauten Mitteln die soziale Ausgrenzung, Arbeitslosigkeit und Armut zu bekämpfen, die Umwelt zu bewahren und die
Ressourcen des Planeten zu pflegen.
Dabei will die Banca Etica ihren Mitgliedern, Kundinnen und Kunden als Universalbank dienen. Lohnkonto, Sparheft, Obligationen und Investmentfonds – die Bank aus
Padua bietet alles an. «Wir wollen unsern
Kundinnen und Kunden in allen finanziellen
Bereichen beistehen», sagt Generaldirektor
Mario Crosta und unterstreicht den Unterschied: «Andere ethische Banken treten nicht
als Universalbanken auf. Ihre Kundschaft ist
daher gezwungen, sich für viele Finanzgeschäfte an andere Banken zu wenden.»
In Italien steht die Banca Etica derzeit fast
allein mit ihrem Modell. Die Nationalbank
hat zwar kürzlich auch der Banca Etica Adriatica eine Konzession erteilt – einer Aktiengesellschaft. Die Banca Etica in Padua ist eine
Genossenschaft, ähnlich den Raiffeisenbanken in der Schweiz.
Zu den Werten der Bank gehören Transparenz und demokratische Mitbestimmung. Die
Mitgliederversammlung ist das höchste Or10
gan, das auch den Verwaltungsrat wählt. Alle
Ausleihungen sind öffentlich, Namen der
Empfängerinnen und Empfänger und Höhe
der Ausleihungen werden bekannt gegeben.
Ausserdem kontrolliert ein siebenköpfiges
Ethikkomitee die Arbeit der Banca Etica.
Rasches Wachstum
Die Bank ist in ganz Italien vertreten. In Padua und elf weiteren Städten unterhält sie
Filialen, darunter in Rom, Mailand, Turin,
Florenz und Neapel. Ausserdem sind zwanzig
Bankvertreter in den Regionen unterwegs.
Seit der Gründung 1999 hat die Bank 26 100
Mitglieder gewonnen, davon 3700 Organisationen, und ein Kapital von 18,6 Millionen
Euro (28,8 Millionen Franken) angesammelt.
Derzeit verfügt sie über Einlagen in Höhe
von 417 Millionen Euro, sie finanziert 1700
Projekte mit insgesamt 290 Millionen Euro.
Gemäss der Wirtschaftszeitung «Milano Finanza» nahm sie 2004 bei den verwalteten
Mitteln den 254. Platz unter den italienischen Banken ein.
Das vergangene Jahr war laut Mario Crosta besonders erfolgreich. Die Einlagen nahmen um 20 Prozent zu, die Zahl der Beschäftigten sogar um ein Drittel auf jetzt 107
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Gewinn verdreifachte sich auf 300 000 Euro. Im
Süden des Landes, in Bari und Palermo,
konnte die Bank neue Filialen eröffnen. Für
Mario Crosta sind diese beiden Neueröffnun-
gen besonders wichtig. «So können wir auch
Initiativen im Süden besser unterstützen.»
Andere Banken ahmen in ihrer Anlagepolitik inzwischen die Banca Etica nach. Doch
Crosta mahnt deren Kundinnen und Kunden
zur Vorsicht: «Die gleiche Bank, die ethische
Fonds anbietet, um ihr Gewissen zu beruhigen, kann auch Waffenhandel finanzieren.»
Im In- und Ausland tätig
Zur Banca Etica gehören weitere Einrichtungen. Die Vermögensverwaltung Etica Sgr, im
Februar 2003 gegründet, verwaltet 200 Millionen Euro. Sie ist damit die drittgrösste
Vermögensverwaltung in Italien, die nach
ethischen Kriterien geführt wird. Derzeit bietet sie drei Fonds an, deren Aktienanteil von
0 bis 70 Prozent reicht.
Das Consorzio Etimos, dessen Anfänge
in die 1980er-Jahre zurückgehen, ist in der
Mikrofinanz in Entwicklungsländern aktiv.
Seit Anfang 2005 hilft es in Sri Lanka bei der
Bewältigung der Tsunami-Folgen. So hat sie
dort der Sanasa-Entwicklungsbank unter die
Arme gegriffen. Die hundertjährige Genossenschaftsbank mit 850 000 Mitgliedern war
nach dem Tsunami in eine Liquiditätskrise
geraten.
Die Kulturstiftung der Banca Etica finanziert unter anderm «Terra Futura», eine Ausstellung in Florenz, welche die nachhaltige
Entwicklung propagiert, und die Monatszeitschrift «Valori».
moneta #2 // 26. Juni 2006
thema
Fotos: zvg
Die Raumverhältnisse haben
mit dem Wachstum der
Banca Etica nicht Schritt gehalten. Das wird sich mit
dem Bezug des eigenen Gebäudes beim Bahnhof ändern. Bis dahin lassen sich
Mitarbeitende und Präsident Fabio Salviato – am
Telefon und mit den Schuhen auf dem Pult «erwischt»
– die gute Laune nicht
verderben.
Geld für «Bio-Benediktiner»
Die Banca Etica finanziert einerseits den Teil
der Wirtschaft, der nicht gewinnorientiert
arbeitet, also Genossenschaften, Vereinigungen und Stiftungen. So gewährte sie bereits
im Jahr 2000 der Benediktinergemeinschaft
Fraternità de Gesú einen Kredit von erst
500 000 Euro und später weiteren 800 000
Euro für deren zwei landwirtschaftliche Genossenschaften. Heute ist die Marke der Benediktiner, «Monaci di Lanuvio», anerkannt
für die Qualität ihrer Bioprodukte.
Die Bank finanziert aber auch gewinnorientierte Unternehmen, die sich an den
strengen ethischen Kriterien der Bank orientieren. Dazu gehören Biobetriebe in der
Landwirtschaft ebenso wie Unternehmen,
die sich in der Produktion von erneuerbarer
Energie engagieren. Drittens bietet sie aber
auch Produkte für ihre eigenen Mitglieder an,
unter anderem Kredite für den Kauf des ersten Hauses.
Einer der Schwerpunkte der Bank ist die
Förderung der Wind- und Sonnenenergie. So
wurde mit ihrer Hilfe ein Windpark in Ligurien errichtet. Ein anderer Schwerpunkt ist
die Mikrofinanz, besonders die Förderung
kleiner Unternehmen, die vor allem Frauen
beschäftigen. Zu den grössten Kunden gehören Genossenschaften in Sizilien, die Land
bearbeiten, das der Mafia abgenommen wurde. Einer der aktuellen Schwerpunkte im Ausland ist die Unterstützung von Flüchtlingen
aus der Westsahara in Algerien.
Keine Konkurrenz im Tessin
Die Banca Etica hat auch ein knappes Dutzend Mitglieder im Tessin. Sie beteiligt sich
seit einigen Monaten mit acht Prozent, einigen Tausend Euro, an einer Gesellschaft, die
in der Immobilienfinanzierung aktiv sein
will. Auf ein Büro im Tessin verzichtet Mario
Crosta, er will nicht in Wettbewerb mit der
Alternativen Bank ABS treten. «Wir setzen auf
Zusammenarbeit», versichert Crosta.
Claudia Nielsen, Verwaltungsratspräsidentin der Alternativen Bank ABS, bezeichnet das Verhältnis als «freundnachbarlich».
«Die Banca Etica ist eine der spannenderen
und dynamischeren Banken in Europa. Sie ist
innovativ und wächst schnell.» Aus Schweizer
Sicht gebe es zahlreiche Berührungspunkte
zwischen der Banca Etica und der Alternativen Bank ABS. Man teile viele Interpretationen über den Sinn alternativer Banken, setze
auf Ökologie und Gerechtigkeit und halte die
Lohnspanne innerhalb der Bank bei eins zu
drei. Unterschiede gebe es dagegen aufgrund
der Mitgliedschaft Italiens in der EU und der
Euro-Währungszone: Die Banca Etica könne
sich leichter im EU-Ausland engagieren.
Auch personell gebe es Unterschiede: In der
ABS sind Frauen in Führungspositionen stärker vertreten als im italienischen Schwesterinstitut. Insgesamt strebt Claudia Nielsen
«einen intensiveren Austausch mit der Banca
Etica an».__//
Vittoria Scarpa | [email protected]
Steffen Klatt | [email protected]
So checken Sie Ihre Bank
ABS und Banca Etica
Kennzahlenvergleich per Ende 2005
Wer sein Geld nachhaltig anlegen will, kann seine bestehenden Geldanlagen selbst überprüfen. Banken, Pensionskassen und Anlagefonds
können aufgrund folgender Fragen beurteilt werden:
ABS
Banca Etica
Bilanzsumme
CHF 691 Mio.
CHF 644 Mio.
1.
Bewilligte Kredite
CHF 565 Mio.
CHF 418 Mio.
2.
3.
Zahl der Mitarbeitenden
56
141
Geschäftsstellen,
zusätzlich zum Hauptsitz
4
9
Externe Mitarbeitende
–
19
Aktienkapital
CHF 38 Mio.
CHF 28,7 Mio.
7.
Aktionäre/Genossenschafter
4358
25 923
Quelle: EvB/WWF 2000; Redaktion: Pieter Poldervaart/pld.
4.
5.
6.
Bietet die Institution volle Transparenz über ihre Anlagen?
Und sind Sie mit diesen Investitionen mehrheitlich einverstanden?
Verbreitet sie sachliche Information oder vollmundige Werbung?
Werden die Anlagen umfassend ökologisch und sozial beurteilt?
Wer tut dies? Welche Branchen werden ausgeschlossen?
Besitzt die Bank die notwendigen Kapazitäten, um die Anlagen
seriös abzuklären?
Gibt es einen Anteil, der innovativen Pionierbetrieben zugute
kommt – natürlich mit höherem Risiko?
Tritt das Finanzunternehmen mit den Firmen in ihrem Portefeuille
in einen Dialog, und nimmt es die Stimmrechte an Aktionärsversammlungen kritisch wahr?
Sind ethisch-ökologische Anlagen eine Nische, oder gilt der
nachhaltige Anspruch für das ganze Unternehmen?
11
INSERATE
Ausbildung
Baubiologie / Bauökologie
Nachhaltig Planen und gesund Bauen kann gelernt werden. Nutzen Sie unser
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SIB führt eine modulare baubiologische / bauökologische Weiterbildung durch,
welche insgesamt 10 Module umfasst und mit einem eidg. Fachausweis
abgeschlossen werden kann (eduQua-zertifiziert). Es können auch nur
einzelne Module besucht werden.
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Beginn jederzeit möglich, da der Kurs modular aufgebaut ist.
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Anmeldung
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Andreas Graf, Binzstrasse 23, 8045 Zürich
Tel. 044 451 01 01, Fax 044/ 401 02 79
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12
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moneta #2 // 26. Juni 2006
thema
Grossbanken:
Ethikrichtlinien nur, weil sie müssen
LIPPENBEKENNTNISSE__ Praktisch
alle Banken schmücken sich mit Ethikrichtlinien.
Bei den meisten sind sie bisher das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind.
Veränderungen sind nur schrittweise möglich.
// __ Ethikprinzipien bei den Grossbanken?
Zynikerinnen und Zyniker würden sagen, dies
sei ein Widerspruch in sich. Bei solchen Gewinnen und Gehältern könnten ideelle Verpflichtungen unmöglich irgendwelche Wirkungen haben. Tatsächlich schmücken sich
die meisten Grossbanken mit einem Ethikfeigenblatt. Bei der UBS heisst das entsprechende Papier «Code of Business Conduct and
Ethics». Wieso es auf der Homepage abgerufen
werden kann, steht gleich in der Einleitung:
Damit sei eine Vorschrift der New Yorker Börse erfüllt. Inhaltlich geht es hauptsächlich
um die Verpflichtung, die Gesetze der jeweiligen Länder einzuhalten sowie andere
Selbstverständlichkeiten im Bankengeschäft.
Doch es gibt einen Geschäftsbereich, in
dem die Begriffe ethische Verantwortung und
Nachhaltigkeit auch von den Grossbanken
nicht nur als Etikett verwendet werden: Bei
den Ökofonds. Dort haben sich strenge Kriterien und Kontrollen durchgesetzt. Kunststück:
Die Banken haben entdeckt, dass dafür ein
grosses Kundinnen- und Kundeninteresse
besteht. Doch im Vergleich zum Gesamtgeschäft sind die grünen Fonds eine blosse Nische. Ziel für bankenkritische Organisationen wie die Erklärung von Bern (EvB) wäre
aber, dass ethische Prinzipien auch bei Vermögensanlagen und Kreditvergaben angewandt werden – wie es die alternativen Banken vormachen.
Bisher ist davon kaum etwas zu sehen. Die
weltweit tätigen Geldinstitute unterstützen
Abzockerfirmen, vergeben Kredite an korrupte Regierungen und finanzieren Projekte, die
Ressourcen zerstören. Sie lehnen jegliche Verantwortung für Schäden ab, die durch ihre
Investitionen an Umwelt und Gesellschaft
entstehen. Dazu kommt, dass ihr Einfluss in
einer zunehmend liberalisierten Weltordnung
immer grösser wird und es kaum mehr staatliche Kontrollmöglichkeiten gibt.
Doch langsam baut sich Gegendruck
auf. Das zeigen erfolgreiche Kampagnen, etwa in den USA durch das Rainforest Action
Network (RAN), die Investitionen der Citibank im Amazonasgebiet verhindert hat.
2004 wurde anlässlich der WEF-Gegenveranstaltung «Public Eye on Davos» die «Collevecchio-Deklaration» verfasst, ein Aufruf an
Geldinstitute, ethische Prinzipien einzuhalten. Kurz darauf schlossen sich zwölf Nichtregierungsorganisationen zum bankenkritischen Netzwerk BankTrack (siehe Kasten
unten) zusammen.
Eine Folge davon war die Unterschrift
verschiedener Investmentbanken, die Projektfinanzierungen für zum Beispiel Pipelinebauten anbieten, unter die von der
Weltbank-Tochter International Finance Corporation (IFC) definierten «Equator Principles». Die Geldinstitute verpflichteten sich,
ihre Projektfinanzierungen auf Umwelt- und
Sozialverträglichkeit zu überprüfen und entsprechend zu handeln. Credit Suisse macht
hier mit, nicht aber die UBS, die die Projektfinanzierung ausgelagert hat.
Nur ein erster Schritt
Was sind diese «Principles» wert? Für Andreas Missbach, Bankenspezialist bei der Erklärung von Bern (EvB), bedeuten sie nicht
mehr und nicht weniger als «den ersten
Schritt auf einem langen Weg». Ein Manko
sei, dass es bei Verstössen gegen die «Equator
Principles» keine Sanktionsmöglichkeiten gebe. Im Klartext: Auch Banken, die sich nicht
um die Kriterien scheren, können bei ihrer
Kundschaft weiterhin mit der Unterschrift
werben. Der Unterzeichnung müssten konkrete Schritte folgen, damit sie nicht ein blosses Lippenbekenntnis blieben, fordert Missbach. Gerade bei der Credit Suisse werde aber
über die Umsetzung überhaupt nicht informiert, stellt er fest.
Hat die CS schon Finanzierungsgesuche wegen der «Equator Principles» zurückgewiesen?
Es seien schon Projekte mit potenziell grossen ökologischen Auswirkungen abgelehnt
worden, erklärt Credit-Suisse-Sprecher Marc
Dosch auf Anfrage. Konkreter wird er nicht:
«Über die Anzahl und die Art geben wir keine
Auskunft, da ein Entscheid immer auf einer
Reihe von Faktoren basiert.» Die Bank musste
offenbar keine neuen Abläufe implementieren: Die Prüfung, ob ein Projekt den «Equator
Principles» entspreche, «erfolgt als Teil des
Risikomanagement-Prozesses», so Dosch.
BankTrack stellt der Credit Suisse kein gutes Zeugnis aus. Beleg dafür sei das Engagement der Grossbank beim Ausbau der Ölund Gasförderung auf der ostsibirischen
Insel Sachalin. Das Projekt werde sich verheerend auf die Lebensweise der indigenen
Völker auswirken. Es verletze die «Equator
Principles» in 120 verschiedenen Punkten.
Wie weit der Weg noch ist, belegt eine
2006 von BankTrack veröffentlichte Studie,
in der die Ethik-Kodexe von Grossbanken
miteinander verglichen wurden. 39 Geldinstitute wurden benotet, darunter Credit Suisse und UBS. Die Note vier hätte dem besten
praktizierten Branchenstandard entsprochen.
Die Banken schnitten miserabel ab. Das beste
Resultat schaffte ABN Amro mit 1,3 Punkten.
Selbst unter dieser speziellen Konkurrenz
landeten die Schweizer Grossbanken weit
hinten: Die Credit Suisse schaffte 0,54, die
UBS bloss 0,08 Punkte.__//
Andreas Kneubühler | [email protected]
BankTrack
BankTrack ist ein bankenkritisches Netzwerk, das 2004 von zwölf Nichtregierungsorganisationen (NGOs) gegründet wurde. Mit dabei sind etwa die Erklärung
von Bern (EvB), der britische WWF oder die amerikanischen Umweltmultis Rainforest
Action Network (RAN) und Friends of the Earth. Ziel von BankTrack ist es,
die Vergabe von Grosskrediten zu beeinflussen und so unethische oder umweltschädigende Projekte zu verhindern. Der Hebel soll möglichst früh, nämlich
bereits bei der Finanzierung durch die Geldinstitute, angesetzt werden. Das Sekretariat von BankTrack befindet sich im holländischen Utrecht. Das Netzwerk
wird unter anderem von holländischen Regierungsstellen mit Beiträgen unterstützt.
www.banktrack.org
13
denkbild
Bockt der Gärtner, oder:
Gärtnert der Bock?
//__Ende 2005 wird bekannt, dass Alcan die Aluminiumhütte Steg schliessen will. Das löst ausserhalb der Gewerkschafts- und Linkspresse bloss ein mildes Echo aus.
Was sind schon diese paar Arbeitsplätze! Als Ende April
die letzten Öfen abgeschaltet werden, ist das für den
«Tages-Anzeiger» sechs Zeilen wert. Einzig die Gewerkschaftspresse wühlt in der Geschichte. Die andern legen
den Schleier des Vergessens (oder Desinteresses) darüber.
Einer der Protagonisten hat inzwischen die Bühne gewechselt, hat sich zum Bundesrat gemacht: Entweder Ich
oder Keiner! Nach einigem Murren wird das akzeptiert.
Jetzt hat er das Amt und die Bürde am Hals. Und wir ihn.
Er säuselt in seiner neuen Rolle der versammelten
Schweizer Jodlergemeinschaft ins Ohr: «Ja, die Schweiz ist
ein kleines Land, aber ein reizvolles Land. Nur tüchtige
Menschen konnten daraus etwas machen. (. . .) Zu diesem
Ländli wollen wir Sorge tragen, dass es auch weiterhin
in Freiheit seine Zukunft bestimmen kann.» Das gilt aber
nur für die Politik. Als emsiger Unternehmer hat er anders
gehandelt. Die hehren Worte sind nur heimatduslige
Schaumschlägerei.
Zehn Jahre zuvor hat er mit seinem Studienfreund
Ebner die Alusuisse übernommen (welche in ihrem Logo
ebenfalls ein Sünneli führt, wie seine Partei). Er schnappt
sich 11 Prozent der Anteile, Ebner 21 Prozent. Ebner
macht sich zum VR-Präsidenten, Blocher wird Vize. Als
Mann fürs Grobe holen sie den machthungrigen Manager
Sergio Marchionne.
Kaum an der Macht, gelüstet es sie nach mehr: eine
Fusion mit der deutschen Viag wird angestrebt. Das gibt
etwas Stunk, weil doch vorher verkündet worden ist, sie
hätten die Alusuisse aus Sorge um Schweizer Arbeitsplätze gekauft. Darauf angesprochen, reagiert Blocher
ziemlich ungehalten: «Wer Neider hat, hat Brot; wer keine hat, hat Not.» Er hat Brot. Ungeheuer viel Brot sogar.
«Ich weiss, was ich getan habe. Nämlich etwas Gutes.
Und ich werde mich dafür einsetzen, dass die Alusuisse
gestärkt wird. Garantieren kann ich nichts. Aber bis jetzt
sind mir die risikoreichen Sachen stets gelungen.»
Aber dieser Deal geht wegen der Machtansprüche der
beiden in die Hose. Also tüfteln sie an einem neuen
Schachzug. Einem viel grösseren.
Filetieren und kassieren
An der ausserordentlichen GV der Alusuisse Lonza Group
(inzwischen Algroup genannt) im Oktober 1999 trägt
Ebner diese Vision vor: Fusion mit Alcan und Pechiney
zum weltweit grössten Alukonzern. Aber vorher filetieren
sie Algroup: Lonza und Energie werden abgespalten und
separat verkauft (Alusuisse verfügte damals wegen der
stromintensiven Aluproduktion über eigene Kraftwerke).
Nur die Aluproduktion und -verarbeitung soll in die
Dreierfusion eingebracht werden.
Auch diese Vision platzt. Blocher/Ebner verkaufen die
Kraftwerke für 484 Millionen Franken ins Ausland an
die EnAlpin, eine Tocher der deutschen EnBW, welche
der französischen EDF gehört. Lonza wird selbstständig
gemacht, Blocher beschafft sich etwa 20 Prozent der Anteile und hievt sich in den Verwaltungsrat. Die Algroup
14
fusioniert später mit der kanadischen Alcan, welche jetzt
das Sagen hat.
Wegen der Kurseinbrüche an der Börse zerfällt Ebners
Macht. Er muss seine «Visionen» verkaufen, seine Beteiligungen an Algroup und Lonza abstossen. Blocher seinerseits verkauft seine Alcan/Algroup-Beteiligung, was
die Ems-Gruppe 1999 zu einem um 59 Millionen verbesserten Finanzergebnis führt. Begründung für den Verkauf:
«Von Aluminium verstehe ich nichts.» Was hat er davon
vor dem Verkauf verstanden?
Als Grund für die Schliessung der Aluhütte Steg gibt
Alcan heute die hohen Strompreise an, welche von den
ehemals eigenen, jetzt ausländischen Kraftwerken gefordert würden. 1 Seit 1999 hat der Kanton Wallis der Aluhütte Steg rund 27 Millionen Franken Stromrabatte gewährt,
versüsst mit Steuervergünstigungen. Dass der Strompreis
nicht der Grund für die Schliessung ist, sondern eine
veränderte Konzernstrategie, zeigt der Jahresbericht der
Alcan 2005: Für die Sanierung der Altlasten sind 40 Millionen Franken zurückgestellt worden.
Privatisieren und kassieren
Inzwischen ist die Aluhütte Steg geschlossen worden, Verhandlungen (ob zum Schein oder nicht) mit der Alcan für
Übernahmen sind am Laufen. Einmal mehr geht möglicherweise Know-how verloren, dafür werden dem Staat
soziale Kosten aufgebürdet. Blocher kann das Heucheln
in seiner neuen Rolle nicht lassen: «Am meisten sorgt sich
die Bevölkerung zurzeit um die Arbeitslosigkeit. Doch deren Ursachen, der Ist-Zustand, die Zukunftsentwicklung
und die Lösungsmöglichkeiten werden nicht ergründet.»
Solche Worte sind eigentlich ein Affront gegenüber jenen,
welche jetzt seine früheren Taten auszubaden haben. Blocher streicht Millionen ein und macht sich fast gleichzeitig dafür stark, den Arbeitslosen die Bezüge zu kürzen.
Und jetzt soll auch die rentable Swisscom den privaten Geldsäcken zugeschanzt werden. Blocher verkündet
vor den Medien diese Botschaft, prompt sinkt der Aktienpreis, um kurz darauf wieder zu steigen. Wer hat da zugegriffen? Doch nicht etwa der Mann mit der Fliege? Es
bleibt im Dunkeln. Gar eine Volksaktie wollte der Schlaumeier zusammen mit dem Appenzeller schaffen, oder anders gesagt: dem Volk verkaufen, was ihm schon gehört.
Swisscom und Stromproduktion sind nicht die Einzigen, die Privatisierungslust geweckt haben. Die SUVA genauso wie die Post haben ebenfalls Begehrlichkeiten geweckt. Rentable SBB-Strecken werden wohl bald folgen.
Es dürfte überall zugehen wie bei der Stromprivatisierung in Deutschland: Zuerst sinken die Preise, Freude
herrscht, und dann steigen sie wieder, nachdem die Konzerne den Markt bereinigt haben und nun beherrschen.
In Schweden sind deswegen bereits Diskussionen um erneute Verstaatlichungen aufgekommen.
Tja, so kann man sich täuschen. Da glauben die
einen, sie könnten den Bock, den sie zum Gärtner gemacht haben, zähmen. Aber er hat weder zum «Mönch»,
«Minec», «Barc» noch «Strack» mutiert. 2 Es böckelt: ungeniessbar!__//
Aldo Clerici | [email protected]
1 Im Wallis werden rund
10 Mia. Kilowattstunden
Strom produziert. Davon konsumieren Haushalte 1 Mia.,
Gewerbe und Industrie
2,5 Mia., 6,5 Mia. werden exportiert. Die Stromkonzerne
wollen vom billig produzierten Walliser Strom die
gewünschten 650 Mio.
nicht abgeben. Er sei schon
verkauft. Alusuisse besass
1,5 Mia. Kilowattstunden
vor dem Verkauf an EnBW.
Diese hat 2005 1 Mia. Euro
Gewinn gemacht. Solche Gewinne machen Hunger
nach noch mehr (s. UBS und
CS u. a.).
2 So werden in Europa je
nach Sprachregion kastrierte
Ziegenböcke genannt.
Quellen: Work, SonntagsZeitung, NZZ am Sonntag,
Tages-Anzeiger, NZZ,
NZZ Online, EJPD: Blochers
Reden im Internet, Protokolle und Interpellationen
Nationalrat, Links, GVBericht Algroup, Weltwoche,
Bieler Tagblatt, Woz u. a.
moneta #2 // 26. Juni 2006
news
Bio-Kaffee
Fairer Handel durch Direkteinkauf bei
den Produzenten im Süden und schonende Verarbeitung der biologischen
Rohprodukte in der eigenen Rösterei –
das sind die zentralen Qualitätsmerkmale der traditionsreichen Kaffeerösterei Fritz Bertschi AG in Birsfelden.
Hans-Jürg Reber, der jetzige Besitzer,
importiert einen Grossteil des Rohkaffees direkt von Kleinbauern-Kooperativen in Mexiko, Guatemala und Peru.
Dabei arbeitet er unter anderem mit
Kaffeebauern der Kooperativen Mut
Vitz und Maya Vinic in der mexikanischen Provinz Chiapas zusammen.
Sie bauen ihre Bohnen im Hochland
auf 1200 bis 1800 m ü. M. an. Wegen
des kargen landwirtschaftlichen Ertrags
auf dieser Höhe sind sie dringend auf
gute Erträge und auf anständige Preise
angewiesen. Die Kooperative Maya Vinic hatte 1997 eine traurige Bekanntheit erlangt, weil dort während des
Chiapas-Konflikts 35 Zivilpersonen ermordet wurden. Noch immer bilden
bewaffnete Kräfte eine Gefahr für die
Gier
Bäuerinnen und Bauern. Selbst wenn
sie nicht direkt an Leib und Leben bedroht sind, kann die Unsicherheit jederzeit existenzgefährdend werden:
Wenn für Pflege und Ernte die Kaffeesträucher nicht mehr erreichbar sind,
wenn die Verkehrswege für den Verkauf
abgeschnitten werden.
Um den Produzenten langfristige
Existenzen zu sichern, hat Bertschi den
BC-Bio-Bravo-Kaffee lanciert. Mehrjährige Abnahmegarantien, die Bezahlung
von Mindestpreisen sowie Erntevorfinanzierungen gehören zu den Bedingungen für die Erlangung des Max-Havelaar-Qualitätssiegels. Dazu kommt
das Bio-Knospe-Zertifikat. Für die Fritz
Bertschi AG gehören Ethik, Nachhaltigkeit, umweltschonende Produktion
und soziales Gedankengut mit zur Geschäftsphilosophie. Das Unternehmen
gehört seit 1991 zu den Pionieren im
fairen Kaffeehandel – die ABS trägt als
Bank das Ihre dazu bei.__//
Fritz Bertschi AG, Kaffeerösterei, Rührbergstrasse 13,
4127 Birsfelden, Tel. 061 313 22 00, www.bertschi-cafe.ch
Banken sind auch Kohleminen
Über die Finanzierung kontroverser Rohstoffprojekte sind Schweizer Grossbanken in die Menschenrechtskonflikte
der Öl- und Bergbaukonzerne verwickelt.
In einer Publikation der Erklärung von
Bern (EvB) und Greenpeace werden
Beispiele und Fallgeschichten aufgeführt,
welche die Problematik dieser Finanzierungen aufzeigen. Eine Weltkarte mit den
verschiedenen Projekten verdeutlicht das
weltweite Ausmass der Verwicklungen.
Wenn Banken Unternehmen finanzieren,
welche Menschenrechte verletzen oder
das Klima schädigen, stehen sie voll in
der Verantwortung.
EvB-Magazin Sonderausgabe, #3/Juni 2006, Fr. 6.–
Erklärung von Bern, Postfach, 8031 Zürich
[email protected], www.evb.ch
Nachhaltig anlegen.
In die Zukunft investieren.
Mit dem Erwerb von ABS-Aktien und/oder ABS-Kassen-Förderobligationen die Ent-wicklung einer Wirtschaft mit sozialen
und ökologischen Grundsätzen mitgestalten.
Bitte senden
Sie mir/uns:
Unterlagen für den Kauf
von Aktien der ABS
Informationsmaterial
Unterlagen für die Zeichnung von
(Förder-)Kassenobligationen der ABS
Kontoeröffnungsantrag
Name, Vorname
Adresse
PLZ, Ort
Bitte rufen Sie mich an:
Beste Tageszeit:
Talon senden an: Alternative Bank ABS, Leberngasse 17, Postfach, 4601 Olten,
oder anrufen: Telefon 062 206 16 16, oder [email protected], www.abs.ch
2 | 06
Privatisierung und Liberalisierung des Strommarktes sind seit
ein paar Jahren ein Thema, auch wenn diese in Volksabstimmungen abgelehnt worden sind. Unermüdlich wird das Ziel
weiterverfolgt. Steter Tropfen . . .
ACI__Die
Begehrlichkeiten sind angesichts der explodierenden Gewinne aus dem Stromgeschäft noch mehr gewachsen. Es müsse privatisiert werden, damit die Preise
sinken, wird gepredigt. Aus der Feder der Anlageberatungen tönt das etwas anders. Denn für diese sind sinkende
oder stagnierende Preise uninteressant. «. . . die Kapazitäten zur Exploration, Produktion und Versorgung (sind) in
vielen Bereichen nahe der Vollauslastung. In der Niedrigpreisphase lohnte sich ihr Ausbau nicht.»
Deshalb ist es wünschenswert, dass die Preise weiter
steigen: «Besonders interessant sind für Investoren diejenigen Regionen, in denen sich aufgrund ihrer hohen Wirtschaftsleistung und Kaufkraft steigende Preise leichter
durchsetzen lassen.»
Anfang Jahr fanden sich diese Zeilen in der «SonntagsZeitung»: «Wasser und Energie machten Freude. (. . .) In
den letzten drei Jahren konnten Anleger mit den im WEX
abgebildeten Aktien gar 65,5 Prozent verdienen. (. . .)
Selbst wenn zukünftig die Preisniveaus gleich bleiben,
sprudeln die Gewinne dieser Firmen wegen gestiegener
Margen.» Und: «Trinkwasser und Energie werden in Europa knapp. Die Preise steigen. Produzenten und Versorger verzeichnen Rekordeinnahmen. Schon seit einigen
Jahren befinden sich die Aktienkurse auf einem Höhenflug. Nicht nur die Verknappung, sondern auch Liberalisierung und Privatisierung bieten Anlegern neue Einstiegsmöglichkeiten.»
Erneuerbare Energien vernachlässigen,
AKWs propagieren
Kein Wunder wird das Werben für die Privatisierung der
Stromwerke nicht aufgegeben: «Der Wasser-Energie-Index WEX stieg im laufenden Jahr (2006) um 7,4 Prozent.
Anziehende Energiepreise geben den 30 Wasser- und
Energieaktien Schubkraft.» Dank Russlands Gaslieferstopp, dem steigenden Ölpreis und dem USA-Propagandafeldzug gegen den Iran soll das so weitergehen: «Mehrere Unternehmen kündigten Strompreiserhöhungen für
2006 an.»
In diesem Zusammenhang sind auch die Argumente
für ein neues AKW interessant. Einmal wird konsequent
der Ausbau erneuerbarer Energien verweigert. Um dann
immer wieder darauf hinzuweisen, dass diese eine viel zu
kleine Produktion aufweisen, um AKWs ersetzen zu können. Man dürfe nicht von Stromlieferungen aus dem Ausland abhängig werden. Als ob die Schweiz die AKWs mit
eigenen Brennstäben versorgen könnte. Abgesehen davon, dass das Problem der Abfallentsorgung noch immer
nicht gelöst ist. Ursprünglich hiess es, dass es bis 1980 gelöst sein müsse, sonst müsse abgeschaltet werden. Um
das zu verhindern, sind einfach die Fristen geändert
worden. Dafür hat inzwischen die Propaganda für neue
AKWs eingesetzt.
Übrigens: Was mit privaten Stromwerken passieren
kann, das haben uns Blocher/Ebner am Beispiel AlusuisseLonza vordemonstriert: Verkauf ins Ausland. Von wegen
Abhängigkeit vom Ausland . . .__//
15
INSERATE
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3TROM AUS 3ONNE 7IND
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WATTWERKCH
4 HOLINGERSOLARCH
& INFO HOLINGERSOLARCH
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16
moneta #2 // 26. Juni 2006
förderkredit
Fairer Bio-Kräuterhandel dank ABS
ERBORISTI LENDI__ Silvia
und Peter Lendi stehen für die biologische Produktion
von Kräutern und fairen Welthandel. Für ihre Leistungen erhielten sie
den Prix Bio. Ohne Kredite der ABS hätten sie ihren Betrieb im Tessin nicht
umstrukturieren können.
//__Die alternative, biologische Kräuterproduktion von Silvia und Peter Lendi ist schon
lange bekannt. Doch was 1983 ganz bescheiden im Tessiner Onsernonetal begann, hat
sich inzwischen zu einem stattlichen Unternehmen mit Sitz in Curio im Malcantone
gemausert. 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeit teilen sich 12 Vollzeitstellen. Immer noch
setzen Lendis auf die biologische Produktion
von Kräutern, aber den Eigenanbau haben sie
vor zwei Jahren eingestellt. «Mit einer Hektare Anbaufläche waren wir einfach zu klein,
ausserdem hatten wir grosse Mühe, Personal
für diese landwirtschaftliche Tätigkeit zu finden, obwohl wir überdurchschnittliche Löhne zahlten», sagt Peter Lendi. Deshalb importieren Lendis inzwischen all ihre Düfte und
Aromen aus der weiten Welt. Dabei beziehen
sie ihre Produkte von biologisch wirtschaftenden Kleinbauern in südlichen Ländern
und bezahlen ihnen dafür faire Preise. Für
diese Leistung sind sie 2005 mit dem Prix Bio
von Bioterra, der Schweizer Bio-Organisation
für Garten, Konsum und Landwirtschaft –
ausgezeichnet worden.
Die Zusammenarbeit mit südlichen Ländern hat schon eine längere Geschichte. «Angefangen hat es damit, dass uns Kundinnen
und Kunden vor über 15 Jahren fragten, ob
wir neben Pfefferminze und Bohnenkraut
nicht auch Paprika und Pfeffer in biologischer Qualität anbieten könnten – konnten
wir damals nicht, können wir heute», erzählt
Lendi. 1995 begann der Aufbau eines Projekts in Nicaragua. Inzwischen werden von
dort Gewürze und aromatische Kräuter bezogen – ein Schiffscontainer pro Jahr. Von
Kleinbauerngruppen aus dem Hochland Perus werden biologische Kräuter wie Pfefferminze, Thymian und Majoran bezogen. Aus
Südafrika wird Rooibos eingeführt, aus Griechenland Safran, aus Sri Lanka Gewürze und
aus Indien ebenfalls Gewürze sowie Tee.
Kaufen, wenn geerntet ist
Der Import dieser Waren aus kleinbäuerlichen Gemeinschaften hat zur Folge, dass
Lendis in Curio ein grosses Warenlager verwalten müssen. «Wenn es eine Ernte gibt,
müssen wir sofort alles kaufen», sagt der
Kräuterspezialist. Sonst riskiere man, dass
andere sich die Ware sicherten – Verträge hin
oder her. So kommt es, dass im Depot am Fir-
Silvia und Peter Lendi:
Als Bio-Kräuterbauern hat alles begonnen.
Trotz Maschinen:
Handarbeit ist immer noch wichtig.
mensitz in Curio Waren für einen Wert von
einer Million Franken gelagert sind – bei
einem Geschäftsumsatz von drei Millionen
Franken jährlich. Das ist ein Verhältnis, das
eine herkömmliche Geschäftsbank nicht akzeptiert», sagt der 55-jährige Lendi, der an
der Höheren Handelsschule von Neuenburg
einen Lehrabschluss als kaufmännischer Angestellter gemacht hat. «Nur die Alternative
Bank ABS hat unsere besondere Situation
verstanden und uns sehr gute Bedingungen
für einen lebensnotwendigen Betriebskredit
gewährt», so Lendi. Insgesamt hat die Bank
dem Unternehmen 397 500 Franken (Stand
Ende 2005) gewährt. Die Summe ist teils ein
Betriebskredit, teils ein Investitionskredit,
um Maschinen anschaffen zu können, die für
die Verarbeitung der Kräuter und Gewürze
wichtig sind, ausserdem für ein neues Computersystem, mit der die Bewirtschaftung des
Warenlagers, die Verarbeitung sowie die Verwaltung der Bestellungen und Lieferungen
professionalisiert werden konnten. «Früher
war das Wissen über jedes einzelne Produkt
im Kopf bei mir und meiner Frau gespeichert,
jetzt ist es via Computer für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zugänglich», so Lendi.
Das Unternehmen ist nicht auf Profitmaximierung ausgerichtet. Dies zeigt sich
auch daran, dass alles unternommen wird,
um Ware, die kleine Mängel aufweist, zu retten. «Wir können ja nicht mal eben einen
Container nach Indien zurückschicken», sagt
der Firmenbesitzer. Findet man etwa kleine
Metallstückchen in einem angelieferten Gewürz, werden diese durch Magneten herausgesiebt. «Wir sind also auch eine Art Reparaturwerkstätte für Gewürze und Kräuter»,
lacht Lendi. Hauptsache sei, dass am Ende
eine Top-Qualität garantiert werden könne.
Heute bieten Erboristi Lendi 300 Rohprodukte an, vom Birnbrotgewürz über Bockshornklee, Anis und Gewürzsalze bis zu Öl,
Essig und Tee. Mit einer eigenen LendiProdukte-Linie werden Fairtrade-Läden und
Drogerien beliefert. Sehr wichtig ist aber
auch die Lieferung grösserer Mengen an Gewürzen und Kräutern für die Bio-Lebensmittelindustrie geworden. Ein Sortiment von
40 Gewürzen wird zudem für eine deutsche
Bio-Firma abgefüllt. Und schliesslich werden
auch noch Grossisten beliefert. Alle Produkte stammen aus biologischem Anbau – eine
Ausnahme bilden nur die Tessiner Kastanien
und der Tessiner Honig. Sie lassen sich noch
nicht zertifizieren.__//
www.erboristi.ch
Text und Fotos: Gerhard Lob | [email protected]
17
abs-seite
Kontaktadressen
Febea – ein internationales Netzwerk
Hauptsitz Olten
Alternative Bank ABS
Leberngasse 17
4601 Olten
Tel. 062 206 16 16
[email protected]
www.abs.ch
Die Alternative Bank ABS ist seit kurzem Mitglied der Fédération Européenne des Banques Ethiques et Alternatives (Febea). Die 2001 gegründete
Dachorganisation mit Sitz in Brüssel vernetzt die
alternativen und solidarischen Banken und Finanzorganisationen und stellt ihnen gemeinsame finanztechnische Werkzeuge zur Verfügung.
Vertretung in Lausanne
Banque alternative BAS
Représentation romande
Rue du Petit-Chêne 38
1001 Lausanne
Tél. 021 319 91 00
[email protected]
Die in der Febea zusammengeschlossenen Institutionen, mittlerweile 23 aus 12 Ländern, bevorzugen Sparmethoden, die von Solidarität gegenüber Ärmsten geprägt sind. Sie finanzieren unter
anderem Wohnraum, den Aufbau biologischer
Landwirtschaft oder die Ansiedlung von Unternehmen in Entwicklungsländern. Febea will
den Erfahrungsaustausch fördern und den Mitgliedern (Finanz-)Instrumente für den speziellen
Alternative Bank ABS
Kontaktstelle Zürich
Hardturmstrasse 269
8005 Zürich
Susanne Aebi
Tel. 043 344 87 00
[email protected]
Persönliche Beratung
nach Vereinbarung
Caixa Pollença, Balearische Inseln, Spanien
Eine der ältesten Sparkassen auf Mallorca,
Menorca, Ibiza und Formentera, gegründet 1880.
Sie betreibt heute 15 Bankbüros und fokussiert
soziale, kulturelle und ökonomische Entwicklungen.
Banque alternative BAS
Bureau genevois d’information
2, bd Carl-Vogt
1205 Genéve
Nathalie Ruegger
Tél. 022 800 17 15
[email protected]
Interne Weiterbildung
Am Nachmittag des 21. Juli, 17. August
und 21. Sept. 2006 bleibt die ABS
wegen interner Weiterbildung geschlossen. Danke für Ihr Verständnis.
Öffnungszeiten
Schalteröffnungszeiten ABS Olten
Montag bis Freitag
9.00 – 12.00, 14.00 – 16.30 Uhr
Bürozeiten ABS Olten
Montag bis Mittwoch und Freitag
8.30 – 12.00, 13.30 – 17.00 Uhr
Donnerstag
8.30 – 12.00, 14.00 – 17.00 Uhr
18
Cassa Centrale Casse Rurali Trentine, Italien
(siehe separaten Artikel auf Seite 10)
Dieses Netzwerk umfasst 54 Banken. Es wurde
1974 als ländliche Kasse in Trentino gegründet
und ist von christlichen Werten inspiriert. Ziel ist
heute, einen ökonomisch-sozialen Beitrag zur
Entwicklung der Gesellschaft zu leisten, insbesondere bei Aktivitäten von Kooperativen.
Bank für Sozialwirtschaft, Deutschland
Charity Bank, England
Sie wurde 1923 gegründet und engagiert sich
im Sozial- und Gesundheitswesen. Neben einem
breiten Spektrum an Bankgeschäften bietet sie
über die Tochterunternehmen auch Kurse und
Beratungen im Sozialmanagement an.
2002 etablierte sich die Bank, welche sich mehr
und mehr auch ausserhalb von England engagiert. Sie will die Ersparnisse der Kundschaft zugunsten der Gesamtgesellschaft sinnvoll anlegen.
Foto: zvg
Banca alternativa BAS
Ufficio ticinese d’informazione
Viale Stazione 2
6500 Bellinzona
Fabiano Cavadini
Tel. 091 968 24 71
[email protected]
www.bancaalternativa.ch
Markt der Alternativbanken zur Verfügung stellen. Bisher werden den Mitgliedern folgende Instrumente zur Verfügung gestellt: die Fonds «Garantie Solidaire» und «Choix Solidaire» von Crédit
Coopératif (Frankreich) sowie die Investitionsgesellschaft Sefea. Die Dachorganisation hat auch
zahlreiche Fach- und Arbeitsgruppen eingesetzt,
die sich mit Finanzierungsfragen in Entwicklungsländern und mit Mikrokrediten befassen.
Die nachfolgende Übersicht über die Mitglieder der Febea zeigt, wie gross die Vielfalt der
Organisation ist. Status, Struktur und Geschichte der Banken und Finanzorganisationen variieren stark. (Generell gilt, dass sie alle finanzielle
Anliegen unterstützen, welche von konventionellen Banken kaum finanziert würden.) Neben
der ABS sind folgende Institutionen Mitglied der
Febea:
Banca popolare Etica, Italien
Consortium Etimos, Italien
BBK Solidarioa Fundazioa, Baskenland, Spanien
Der Solidaritätsfonds der baskischen Sparkasse
Bilbao Bizkaia Kutxa (BBK) ist schon seit hundert
Jahren aktiv.
Die Organisation wurde 1989 zur Finanzierung
von Projekten in den Ländern des Südens, aber
auch in Asien und Europa gegründet und gehört
zum Kreis der Banca Etica.
BISE, Polen
Crédal, Belgien
Die 1990 gegründete Bank setzt sich für ökologische Investitionen, für die soziale Ökonomie
in Polen sowie für benachteiligte Interessengruppen wie zum Beispiel behinderte Menschen
ein. BISE führt mit TISE einen eigenen Risikofonds, der kleine und mittlere Unternehmen
unterstützt.
Die 1985 gegründete Kooperative bietet Darlehen für Non-Profit-Organisationen an. Sie zählt
heute 700 Mitglieder.
Caisse Solidaire du Nord Pas-de-Calais, Frankreich
Die zehn Jahre alte Kasse finanziert Kleinstunternehmen im industriellen Sektor mit limitierten
finanziellen Möglichkeiten.
Crédit Coopératif, Frankreich
Die Genossenschaft wird durch Kapital der
Klientel finanziert. Sie unterstützt unter anderem Organisationen, die sozial wirtschaften,
mittlere und kleine Unternehmen und Wohngenossenschaften. Der Solidaritätsfonds «Garantie
Solidaire» wurde mit der Crédit Coopératif und
einer Gruppe französischer Finanzinstitute gemoneta #2 // 26. Juni 2006
abs-seite
Erstes Bio-Hotel
in der Schweiz
gründet und ist (siehe Seite 18) den Febea-Mitgliedern zugänglich. Der «Fonds Commun de
Placement, Choix Solidaire», richtet sich an die
breite Öffentlichkeit.
La Nef, Frankreich
Cultura Sparebank, Norwegen
Merkur Cooperative Bank, Dänemark
Die Bank engagiert sich im Sparbereich und unterstützt Darlehensvereinigungen.
Die 1989 gegründete Bank engagiert sich im
Bereich Krankenkassen und für künstlerische
Projekte.
Die Bank wurde 1982 in Kopenhagen gegründet.
Sie will Einzelpersonen möglichst gute Bedingungen zur Entwicklung ihrer Fertigkeiten verschaffen. Ausserdem strebt sie gleiche Rechte
und faire Lebens- und Arbeitsbedingungen für
alle an sowie die Unterstützung nachhaltiger
Produktion.
Femu Qui, Frankreich
Sidi, Frankreich
Der korsische Name bedeutet «Lets do it here».
Das Unternehmen setzt sich seit der Gründung
1992 insbesondere für die Entwicklung in Korsika ein.
Eine Aktiengesellschaft, 1983 vom katholischen
Komitee für Entwicklung und gegen Hunger gegründet.
Ekobanken, Schweden
Ein bankähnliches Finanzinstitut mit 15 000 GenossenschafterInnen, das auf ähnlicher Basis wie
die ABS Kredite vergibt.
Fiare Fundazioa, Baskenland, Spanien
Société Européenne Finance Ethique
et Alternative, Sefea, Italien
Die Stiftung fördert das ethische Bankwesen in
der nordspanischen Region. 2005 wurde das erste Büro in Bilbao eröffnet. Fiare arbeitet mit der
italienischen Banca Etica zusammen.
Dieses erste europäische alternative Finanzinstitut wurde 2002 von den Mitgliedern der Febea
gegründet. Die Sefea fördert eine solidarische
Ökonomie und soziale Finanzierungen in Europa.
Fundació Un Sol Món, Spanien
TISE (Polen)
Der Ableger der Caixa Catalunya mit Sitz in Barcelona wurde 2000 gegründet und unterstützt
Projekte zugunsten von Randgruppen in der
Ersten Welt, aber auch die Entwicklung in Drittweltländern.
Hat seinen Sitz in Warschau, mit dem Ziel, die
polnische Ökonomie zu restrukturieren.
Hefboom, Belgien
Vernus, Slowakei
Die unabhängige Kooperative berät Mikrounternehmen. Ein Grossteil der Kundschaft sind Frauen, die am Rande der Gesellschaft leben.
Ist eine unabhängige Finanzorganisation, die die
Gründung und Entwicklung von solidarischen
Unternehmen unterstützt.
Dominique Zimmermann | [email protected]
Adressänderungstalon
Bitte teilen Sie uns Ihre Adressänderungen frühzeitig mit. Sie helfen uns, Kosten zu sparen. Vielen Dank.
BISHER:
NEU:
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Vorname
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PLZ, Ort
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Konto Nr.
GÜLTIG AB:
Talon senden an: Alternative Bank ABS, Leberngasse 17, Postfach, 4601 Olten
Das Hotel «Balance» in Granges bei
Salvan im Kanton Wallis ist in den
österreichischen Bio-Hotel-Führer
aufgenommen worden. Dieser europäische Führer umfasst Hotels
und Restaurants, die ausschliesslich
biologische Produkte verwenden.
Das Hotel «Balance» ist seit vielen
Jahren Kreditkundin der Alternativen
Bank ABS. – Mehr Infos unter:
www.vegetarisches-hotel.ch
Prix Egalité
weitergegeben
Die Alternative Bank ABS hat im letzten Jahr vom KV Schweiz den «Prix
Egalité» erhalten. Die Geschäftsleitung der ABS hat beschlossen, das
Preisgeld von 3000 Franken einer
Institution zu spenden, die die Chancengleichheit zwischen Frauen und
Männern fördert. Dazu ist der Verein
«Via2» auserwählt worden. «Via2»
bedeutet «leben zu zweit» und erörtert die Frage der Versöhnung zwischen Familien- und Berufsleben,
sowohl in Unternehmen wie bei Privatpersonen. Mehr zu «Via2» im
Internet unter: www.via2.ch
Preise für
Fotovoltaikanlage
Elsbeth und Beat Aeberhard aus
Barberêche/FR erhalten den Prix
à l’innovation agricole für ihre Fotovoltaikanlage – mit einer Fläche von
960 mC die grösste dieser Art im
Kanton Freiburg. Diese Anlage wurde
von der Alternativen Bank ABS mit
einem Kredit von 660 000 Franken
finanziert und im Januar 2006 in
Betrieb genommen.
Der Preis im Wert von 5000 Franken wurde von Staatsrat Pascal
Corminbœuf Anfang Mai übergeben.
Er betonte, die Familie Aeberhard
habe den lebendigen Beweis erbracht, dass die Freiburger Landwirtschaft innovativ sei und sich an
die Herausforderungen von morgen
wage – so könnten alle gewinnen.
Die ABS freut sich mit Elsbeth
und Beat Aeberhard über die Verleihung des Preises.
19
abs-seite
Ein Rückblick, aber keine Nostalgie
Hier trifft man sich wieder . . .
Rund 400 Kundinnen und Aktionäre waren zur
Generalversammlung und zur anschliessenden Jubiläumsfeier der Alternativen Bank ABS nach Biel
gekommen. Nach 15 Jahren Erfolg durften Rückblicke natürlich nicht fehlen, doch Nostalgie kam
keine auf.
. . . Marc Seinet, Christina von Passavant,
Claudia Nielsen . . .
Claudia Nielsen leitet die GV zweisprachig, Thomas Bieri erklärt Kreditrichtlinien, Ulrich Thielemann die Ethikkontrolle,
und Claudia Nielsen verabschiedet Günther Ketterer.
. . . Pierre Fornallaz, H. U. Schudel,
Esther Fornallaz.
Hans Stöckli, Bieler Stadtpräsident, hätte die ABS gern in Biel; die Gruppe SketCH sucht über Sprachgrenzen hinweg einen
Namen; Mario König und Dominique Roten lesen aus alten Protokollen; musikalische Zwischenspiele der Gruppe Simili.
. . . Hans Peter Vieli, Etienne Bonvin . . .
. . . Thomas Heilmann, Irène Meier . . .
. . . Christa Joss, H. U. Schudel (rechts) . . .
20
Fotos: Rudolf Steiner
. . . Richard Bhend, Walter Thierstein . . .
RHG/ACI__Der statutarische Teil der Generalversammlung vom 20. Mai verlief nicht zuletzt
angesichts der erfreulichen Zahlen problemlos.
Die Aktionärinnen und Aktionäre genehmigten Rechnung, Gewinnverteilung und Berichte
oppositionslos, und Verwaltungsratspräsidentin
Claudia Nielsen konnte sich schon zu Beginn der
Veranstaltung freuen, dass das konsequent eingehaltene Profil der Bank offensichtlich auf gute
Resonanz stösst, sowohl bei den Anlegerinnen
als auch bei den Kreditnehmern. Dazu habe
nicht zuletzt das Schwerpunktthema Ethik beigetragen. Sie dankte allen, die seit 15 Jahren bewusst auf eine Gewinnmaximierung verzichten
und ihr Geld bei der «Bank für die andere
Schweiz» anlegen.
Die breite Zustimmung zu den Anträgen des
Verwaltungsrates hiess aber nicht, dass sich Kundinnen und Aktionäre nicht um das Geschick
«ihrer» Bank kümmern würden. Dies zeigte sich
an den zahlreichen Fragen aus dem Publikum,
die Claudia Nielsen, Kreditleiter Thomas Bieri
und Geschäftsleitungsmitglied Etienne Bonvin
kompetent beantworteten: Vor der Geldwäscherei fürchte sich die ABS nicht, denn wer hier
Geld anlege, sei mit höchster Wahrscheinlichkeit auch mit den Zielen der Bank einverstanden.
Die Bank verlange ausserdem in jedem Fall eine
Unterschrift unter eine Deklaration, dass das
Geld ordentlich erworben und versteuert wurde,
und sie überprüfe diese Angaben. Eine andere
Frage betraf die Liquidität. Diese werde angesichts der Wirtschafts- und Zinsentwicklung
wohl bald wieder zurückgehen, lautete die Antwort. Auch die Hypotheken für den Wohnungs-
bau kamen zur Sprache: Sie kommen Genossenschaften zugute, die nachhaltig bauen und deren
Mietzinse rund ein Viertel unter dem Durchschnitt von Neubauwohnungen liegen. – Ob man
eine Erbschaft von Marcel Ospel übernehmen
würde? Die Frage stelle sich wohl gar nicht, aber
wenn doch: So alles Geld legal erworben und
sauber versteuert worden sei, würde man ein solches Portefeuille umschichten. Allerdings: Man
könne für grosse Vermögen zurzeit noch keine
nachhaltigen breit diversifizierten Anlagemöglichkeiten anbieten. Daran arbeite die ABS aber,
ebenso wie an der Einführung des E-Banking.
Mit der Frage nach der Vertretbarkeit, grosse
Vermögen anzunehmen, landete die Generalversammlung mitten im Themenkomplex Ethik.
Christina aus der Au und Ulrich Thielemann
vom Institut für Wirtschaftsethik der Universität
St. Gallen berichteten über diesen Schwerpunkt.
Nach einem Probejahr hat nun das St. Galler UniInstitut von der GV ein dreijähriges Mandat
als externe Ethikkontrollstelle erhalten. Thielemann wird sich dabei immer wieder neuer Teilthemen annehmen. So soll die Beurteilungskultur der ABS gestärkt und systematisiert werden.
Eine praktische Anwendung der Ethik-Richtlinien schildert Kreditleiter Thomas Bieri auf eine
Nachfrage aus dem Publikum: «Als ein Autogaragen-Betrieb die ABS um eine Finanzierung an-
moneta #2 // 26. Juni 2006
abs-seite
fragte, diskutierte der Kreditausschuss grundsätzlich, nach welchen Kriterien dieser vergeben
werden könnte.» Entschieden wurde, dass ein
Kredit gewährt würde, wenn der Garagenbetrieb
im Vergleich zu anderen Unternehmen der Branche einen ökologischen und sozialen Mehrwert
ausweisen könnte. Im konkreten Fall war dies
allerdings nicht der Fall, sodass der Kredit nicht
gesprochen wurde. Dem Gesuchsteller war allerdings von vornherein bekannt, dass es sich für
die ABS hier um einen Grenzfall handelte, und er
hatte als gut gehender Betrieb andere Möglichkeiten, zu Geld zu kommen.
Beitrag zum «Denkwechsel»
Der Nachmittag der Jubiläumsveranstaltung
im Kongresshaus Biel-Bienne wurde von Stadtpräsident Hans Stöckli eröffnet, der die ABS dafür lobte, dass sie einen grossen Beitrag zu einem
«Wechsel im Denken der Schweiz» beigetragen
habe. Auch die Expo.02, von der Biel sehr viel
profitiert habe, sei ein solcher Baustein des
Denkwechsels. Die ABS helfe, Gegensätze zu
überwinden, da sei die Generalversammlung in
der grössten Stadt auf der Sprachgrenze genau
am richtigen Ort. «Schade nur, dass die Alternative Bank ABS ihren Sitz nicht in Biel hat», so
der Stadtpräsident augenzwinkernd. Verwaltungsratspräsidentin Claudia Nielsen erinnerte im
Festteil an die teils konfliktreiche Geschichte der
ABS – Konflikte, die allerdings die Existenz der
Bank nie bedroht hatten.
Neben kabarettistischen Einlagen amüsierte
auch der Rückblick des Basler Historikers Mario
König, der aus alten Berichten und Protokollen
zitierte und zusammen mit Dominique Roten,
der die französischen Teile präsentierte, Eckpunkte der ABS-Geschichte nachzeichnete. Die
parallel laufende Bilderserie erinnerte viele der
anwesenden ehemaligen Mitarbeitenden, aber
auch langjährige Aktionäre und Kundinnen, an
vergangene Zeiten – und doch kam keine Nos-
talgie auf, denn was aus den bescheidenen Anfängen geworden ist, darf sich sehen lassen.
Im Podiumsgespräch, geleitet von RadioDRS-Redaktor Martin Heule, diskutierten die
ehemaligen und aktiven ABS-Gremien-Mitglieder Irène Meier, Claudia Nielsen, Marc Seinet
und Hans Peter Vieli sowie Wirtschaftsjournalist
Gian Trepp. Befürchtet wurde, dass die ABS zu
einer «Wohlfühlbank» werden könnte oder gar
schon geworden sei, dass die reibungslose Abwicklung der Bankgeschäfte wichtiger geworden
sein könnte als die Vision, ein «Stachel im
Fleisch der Normalwirtschaft» zu sein. Wo denn
die ABS heute in der Wirtschaft stehe, wurde gefragt und darauf hingewiesen, dass sich die konventionellen Banken inzwischen ein ethisches
und soziales «Mäntelchen» umgehängt hätten,
um ihr Image zu verbessern. Die Ideologie des
«Geldmachens» habe die Gesellschaft durchwachsen.
Auf dem Podium wurde bemängelt, dass es
nach wie vor kein Label für den ethischen Finanzbereich gebe. Weil die Materie so abstrakt
ist, sei ein Label umso notwendiger. Dieses sei
allerdings viel schwieriger zu schaffen als beispielsweise bei Bio-Produkten. Dagegen kam der
Einwand, ein Label sei gar nicht notwendig,
denn die ABS selber sei das Label. Zu erfahren
war auch, dass die ABS im Moment ihre internationale Zusammenarbeit mit den Alternativbanken in Europa verstärke, auch in der Hoffnung,
dass sich daraus ein «Label» entwickeln lässt,
wohl aber nur in kleinen Schritten.
Schliesslich lobte das Podium den Mut der
Gründer, eine Quotenregelung einzuführen. Das
sei nach wie vor eine erstaunliche Massnahme,
welche noch heute Aufmerksamkeit errege –
auch bei den andern Alternativbanken in Europa. Nun brauche es neue Visionen, und die Diskussionen darüber sollten durch die Tagesgeschäfte nicht in den Hintergrund gerückt oder
gar vergessen werden.
KreditnehmerInnen der ABS werden von Martin Heule interviewt: Aarbergerhus Ligerz (Hedy Martin, Hanny Meister),
CODHA Genf (Nathalie Ruegger), claro fair trade (Gertrud Meyer).
Auf dem Podium werden ein paar wichtige Themen gestreift, v. l.: Marc Seinet, Claudia Nielsen, Irène Meier,
Hans Peter Vieli, Gian Trepp. Im Foyer konnte die visuelle Entwicklung der ABS studiert werden.
Foto: Rudolf Steiner
Der letzte erste
«Mohikaner» geht
In der ABS«Geschichte einer
aussergewöhnlichen Bank» ist
nachzulesen, dass
Günther Ketterer
1983 «die NetzGünther Ketterer
werkler zur Gründung einer ‹Arbeitsgruppe Alternativbank›» aufrief,
denn «wir wollen nicht auf eine
etablierte und anonyme Bank angewiesen sein, sondern selber bestimmen, wofür unser Geld verwendet
wird». Dieses Zitat ist typisch für
Günther: Seine Stärke liegt im Zeichnen der grossen Linien, Geben von
Impulsen, Zusammenbringen der
richtigen Leute. Gleichzeitig ist er so
bescheiden, dass man die ABSGeschichte lesen muss, um das volle
Ausmass zu erkennen – und wo
er auch noch dabei war. Zu sehen,
wie bei den anderen der Fünfer
fällt, entlockt ihm jeweils ein Lächeln
auf den Stockzähnen.
Seit der Gründung der ABS war
Günther im Verwaltungsrat, lange
Zeit im Verwaltungsratsausschuss
und seit dessen Schaffung im Kreditausschuss. Mit seiner profunden
Kenntnis der Schweizer Immobilienszene wie der alternativen Wirtschaft, mit seinem Blick über die
engen Grenzen des scheinbar Möglichen hinaus und mit seiner weiten
Vernetzung war er ein tragendes
Mitglied, auf dessen Einschätzungen
gehört wurde. Mit Kleinigkeiten
und Kleinkrämerei mochte er sich
dennoch nicht aufhalten.
Es ist eine lange Zeit, in der
Günther Ketterer Geschicke und Erfolg der ABS mitgeprägt und beeinflusst hat. Es tönt ein wenig pathetisch und ist doch ein wenig
wahr: Mit ihm geht eine ABS-Epoche
zu Ende. Keiner war so lange so
nah. Die drei amtierenden VR-Mitglieder, die ihm an Amtsdauer
am nächsten kommen, bringen es
gerade mal auf sieben Jahre.
Im Namen des Verwaltungsrats
und sicher auch im Namen des
Aktionariats bedanke ich mich bei
Günther für alles und wünsche ihm
etwas Zeit für Kultur, Geselligkeit,
Gastronomie und Technikspielzeuge.
Und natürlich neue Projekte.
Claudia Nielsen | [email protected]
21
abs-seite
Neue Ethikkontrolle der ABS
Die Ethikkontrolle in der ABS wird seit Januar 2005
vom Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann wahrgenommen. Die Zusammenarbeit mit ihm setzt die
Arbeit des Ethischen Rates fort und entwickelt sie
weiter. Eine kurze Bilanz.
Die Geschichte
in Buchform
«Die Geschichte einer aussergewöhnlichen Bank: Die Alternative».
Dies der Titel der 70-seitigen Geschichte der Alternativen Bank ABS,
die Mario König und Aglaia Wespe
recherchiert haben. Als Quellen standen das Bankarchiv in Olten und
Lausanne zur Verfügung. Dieses Material wurde mit Interviews ergänzt.
Mario König und Aglaia Wespe
werteten auch die gesammelten Ausgaben von «moneta» aus. «Dabei
haben wir festgestellt, wie sich die
Schwerpunkte in ‹moneta› immer
mal wieder verlagert haben.» Anfänglich habe das Magazin viel über
die inneren Befindlichkeiten in der
Bank berichtet, später wurde immer
auch der Finanzplatz Schweiz kritisch
betrachtet.
Zu beziehen über [email protected]
oder Tel. 062 206 16 16
22
«Der Ethik-Wettbewerb wird weiter zunehmen.
Wahrhaftige Integrität wird möglicherweise ein
massgebliches Unterscheidungsmerkmal zwischen Unternehmen.» Das sagt Ulrich Thielemann in einem Interview im ABS-Geschäftsbericht 2005. Thielemann ist Vizedirektor am
Institut für Wirtschaftsethik der Universität
St. Gallen. Seit 2005 ist er als externe Stelle verantwortlich für die Ethikkontrolle in der ABS.
Die Ethikrevision hat sich 2005 auf die betriebliche Seite konzentriert, im Speziellen ging es um
das Kreditgeschäft. Thielemann fand die Gespräche mit allen Kundenbetreuerinnen und -betreuern der Abteilung «interessant und sehr anregend». Thomas Bieri, Leiter der Kreditproduktion,
offenbar auch: «Dass ein Externer kommt und
Fragen stellt, war neu und für uns eine deutliche
Verbesserung. Es wurden klare Aufgaben gestellt,
das ging ganz an die Basis bis in die einzelnen
Dossiers. Ein Gegenüber zu haben, war sehr positiv. Seine Fragen und unsere Ansichten – das
war oft auch überraschend, für beide.»
Tatsächlich zeigt sich auch Wirtschaftsethiker Thielemann überrascht: «Ich habe nicht erwartet, dass die innere Einstellung der Kreditnehmenden bei der Prüfung der ethischen Seite
der Kreditgesuche einen überragenden Stellenwert einnimmt.» Echt überrascht habe ihn, dass
ethisch fragwürdige oder unklare Fälle kaum
auftauchten. Warum das so ist, wird aber schnell
klar: Die ABS steht ja gerade für eine ethisch fundierte Form des Bankgeschäfts. Und so kommen
von vornherein die richtigen Leute zur ABS.
«Allerdings muss einem intern dennoch klar
werden, wie man genau beurteilt», so Thielemann. Auch Christa Joss, ABS-Geschäftsleiterin,
begrüsst die externe Ethikkontrolle: «Wir wollen
Sicherheit in der Beurteilung gewinnen und
Ethik im Alltag leben. Unsere Kompetenz liegt
darin, dass wir uns diesen Fragen stellen, und
nicht darin, dass wir sagen, was richtig ist oder
falsch.»
Ulrich Thielemann sieht hier eine Chance für
die ABS: «Man könnte versuchen, den Horizont
über die ABS-Szene hinaus zu erweitern, nicht
um ethisch mehr zu tun zu haben, sondern um
den Wirkkreis der ABS als ethische Bank zu erweitern. Vermutlich identifizieren sich viel mehr
Leute mit den ideellen Zielen der ABS, als die
Bank derzeit Kunden hat. Viel mehr.»
Christine Loriol | [email protected]
Ein ausführliches Gespräch mit Prof. Ulrich Thielemann zur Ethikkontrolle in der ABS finden Sie im ABS-Geschäftsbericht 2005
und auf www.abs.ch/pdfs/geschaeftsberichte/2005_Inhaltd.pdf
(Interview ab Seite 4 des Geschäftsberichtes).
Neue Rückzugsmöglichkeiten und Kündigungsfristen
der Passivkonti
Neue Rückzugsmöglichkeiten und Kündigungsfristen auf den Passivkonti bei der Alternativen Bank
ABS seit 1. Mai 2006
Die Rückzugsmöglichkeiten und Kündigungsfristen der Passivkonti wurden an die veränderten Bedürfnisse unserer KundInnen und an die
branchenüblichen Gegebenheiten angepasst.
Konto
Rückzüge
Kündigungsfrist
für höhere Beträge
Änderung zu den
bisherigen Bedingungen
Kontokorrent
jederzeit ganzes Guthaben
keine
keine
Einlagekonto
CHF 30 000.– pro Monat
1 Monat
bisher: CHF 10 000.– pro Monat
Lohn-Sparkonto
CHF 30 000.– pro Monat
1 Monat
bisher: CHF 10 000.– pro Monat
Sparkonto
CHF 20 000.– pro Monat
3 Monate
bisher: CHF 30 000.– innerhalb 6 Monaten /
6 Monate Kündigungsfrist
Anlagekonto
CHF 20 000.– pro Monat
6 Monate
bisher: CHF 10 000.– innerhalb 6 Monaten
moneta #2 // 26. Juni 2006
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HerausgeberInnen-Verein moneta,
c/o Alternative Bank ABS, Postfach,
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persönlich
Gewandelt – wie die Kundschaft
15 JAHRE ALTERNATIVE BANK ABS__ «Die
ABS hat sich in den 15 Jahren ihrer Ge-
schichte gewandelt – wie eben ihre Kundinnen und Kunden auch.»
So das Fazit des Basler Historikers Mario König, der die Geschichte der
Bank in einem 70-seitigen Büchlein aufgearbeitet hat.
Mario König, du hast in den Akten gestöbert und Mitarbeitende interviewt. Hat sich
die Alternative Bank ABS in ihrer 15-jährigen Geschichte gewandelt?
bescheiden geblieben ist. Diesen Schritten
gingen immer epische Diskussionen voraus.
MARIO KÖNIG: Sie
Sie war es mindestens lange, und es wurden
immer wichtige Argumente aufgefahren.
Man stürzte sich nie blindlings in neue
Geschäftsfelder – das war auch gut so. Doch
die Diskussionen führten auch zu enormen
Spannungen. Die ersten Jahre waren kein
Spaziergang. Zeitweise kam es zu einem
Clinch zwischen Geschäftsleitung und Teilen
des Verwaltungsrates. Diese Diskussionen
und Missstimmungen kosteten viel Energie.
In den Protokollen wird das kurz und sachlich abgehandelt. Wenn man die Leute aber
befragt, erfährt man, dass mitunter die Fetzen
flogen. Immer aber wollten alle den Fortbestand der Bank sichern – auch in den härtesten Auseinandersetzungen. Dass dies gelungen ist, ist ein Zeichen der erfolgreichen
Konfliktbewältigung.
hat sich tatsächlich verändert,
jedoch ohne ihre ursprünglichen Ziele aufzugeben. Die ökologisch und ethisch fundierte Banktätigkeit, eingebettet in die kritische
Gesellschaftspolitik, blieb immer zentral.
Anfänglich ging es aber auch um Selbstverwaltung und die Stärkung der Alternativwirtschaft. Man erhoffte sich eine breite Ausstrahlung.
Haben sich diese Erwartungen erfüllt?
Tatsächlich haben sich manche Ideen der
ABS-Gründergeneration überall ein bisschen
festgesetzt – aber eben nur ein bisschen und
nicht im damals erhofften Mass.
Nach 15 Jahren hat sich ja aber auch die Bankklientel verändert.
Das ist wohl die Stärke der ABS, dass sie den
Kundinnen und Kunden immer neu die Gewissheit geben kann, dass sie die Bank ist, die
man braucht. Manche Ziele der Gründungsphase wirken heute geradezu rührend. Wenn
man die alten Papiere liest, ist man verwundert, zollt diesen Zielsetzungen aber noch
heute Respekt.
Und wie hat sich denn die Geschäftstätigkeit
verlagert?
Die ABS vergibt heute markant mehr Baukredite als in der Gründungszeit, nicht nur in
absoluten Zahlen, sondern auch im Vergleich
zur gesamten Kreditvergabe. Bio-Landwirtschaft hat an Bedeutung verloren, auch die
Kulturprojekte, Seminarhäuser und selbstverwalteten Beizen sind etwas in den Hintergrund getreten. Aber Alternativenergien bleiben ein Dauerthema, ebenso die Kredite an
zahlreiche gewerbliche und Dienstleistungsbetriebe. Die Bank ist insgesamt sehr viel
breiter geworden.
Ist die ABS die Bank der Grundsatzdiskussionen?
Gibts einen Punkt, den man als «Neustart» festmachen kann?
Seit Ende der Neunzigerjahre, als Geschäftsleitung und Verwaltungsrat schrittweise erneuert wurden, fährt die Bank in ruhigeren
Gewässern. Diese personellen Veränderungen bedeuteten für den Bankbetrieb auch
eine innere Befreiung.
Reden wir vom Klima im Haus. Wie unterscheidet sich hier die ABS von konventionellen Geldinstituten?
Ich kenne die Interna der konventionellen
Banken zu wenig, um hier einen Vergleich
anstellen zu können. Aber die bescheidene
Lohnspanne und das interne Betriebsklima
der ABS setzen doch ein Zeichen. Der Umgang untereinander wirkt auf mich ziemlich
egalitär. Man löst Probleme anders. Und die
praktizierte Gleichstellungspolitik zwischen
den Geschlechtern findet sich mit Sicherheit
bei keiner andern Bank.
Foto: ABS
MONETA:
Der Basler Historiker Mario König hat – zusammen
mit Aglaia Wespe – die Geschichte der Alternativen
Bank ABS erforscht.
Die Zeit der Improvisation ist definitiv zu
Ende. Klar, man musste sich finden, wie in allen schnell wachsenden Unternehmen. Aber
heute arbeitet hier ein eingespieltes Team,
mit viel Bankwissen. Teils erreichte man die
Professionalisierung durch Selbstqualifizierung. Inzwischen arbeiten in Olten schon
viele «Langjährige».
Die ABS mit Sitz in Olten hat heute Büros in Bellinzona, Genf, Lausanne und Zürich – was hat
sich bei der geografischen Präsenz in den 15 Jahren verändert?
Zur Gründungszeit kamen rund die Hälfte
der Mitglieder des Trägerschaftsvereins aus
dem Raum Zürich. Heute ist die ABS landesweit präsent. Meilensteine waren die Eröffnung der Vertretung in Lausanne und
kürzlich im Tessin. Vergleichsweise schwach
vertreten ist die Bank in der Ost- und in
der Zentralschweiz. Die Sympathisantinnen
und Sympathisanten der ABS leben nun einmal mehrheitlich in den Städten. Aber auch
mit gut 20 000 Kundinnen und Kunden hat
die ABS noch ein erhebliches Wachstumspotenzial.
Welches Zukunftsszenario sieht der Historiker?
Konkret: Welche Geschäftsfelder gibts heute, die
in der Gründungsphase undenkbar waren?
Auch nach aussen tritt die ABS ja deutlich anders
auf als eine herkömmliche Bank . . .
Zum Beispiel die Finanzierung von Einfamilienhäusern. Das war vor 15 Jahren absolut
«pfui». Heute machts die ABS – allerdings nur
für ökologische Bauten. Oder die Einführung
der Bancomat-Karte – die Karte war damals
noch des Teufels – und der Fonds, deren Bedeutung im ABS-Geschäft bis heute übrigens
. . . und das kommt offensichtlich gut an. Die
Kundinnen und Kunden erwarten geradezu,
dass es anders tönt als von einer Grossbank.
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Gestartet ist die ABS mit einem Mini-Team von
acht Leuten – heute sind es 56 Mitarbeitende.
Wie hat man dieses Wachstum bewältigt?
Im Moment kämpft die Alternative Bank ABS
nirgends mit grundsätzlichen Problemen.
Eines aber ist klar: Bei jedem neuen Projekt
werden Pro und Kontra gründlich abgewogen. Die ABS bleibt «die diskutierende Bank».
Interview: René Hornung | [email protected]
Weitere Infos zum Buch siehe Seite 22.
moneta #2 // 26. Juni 2006