Er sucht sie – Sie sucht ihn Bekanntschaft, Freundschaft oder Liebe

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Er sucht sie – Sie sucht ihn Bekanntschaft, Freundschaft oder Liebe
Meyer, Kontaktgesuche älterer Menschen
np
2/2011
Christine Meyer
Er sucht sie – Sie sucht ihn
Bekanntschaft, Freundschaft oder Liebe –
Kontaktgesuche älterer Menschen und ihre
Sehnsucht nach sozialen Beziehungen
»Intellektueller, antikonservativoid, 170 cm, 69 kg, 79 Jahre, verwitwet, sehr einsam, promov., veritabl. Journalist, witzig und sanft (Krebs), mit dieser letzten Offerte im Schlussverkauf (Sale) günstig
abzugeben an Sie, schlau, herzenswarm, gutmütig, mit Sinn für Satire und andere Weisheit, die zu
mir ziehen in schö. Haus Raum N. erwägen könnte (nicht Bed.)« (Die Zeit, 2007).
Diese Kontaktanzeige aus dem Jahr 2007 fällt auf, weil dort ein Mann an der
Schwelle zur Hochaltrigkeit in der Wochenzeitung »Die Zeit« nach einer letzten
Liebe sucht bzw. sich als »letzte Offerte im Schlussverkauf« anpreist und auf einen
gemeinsamen Lebensabend oder vielleicht nur auf Versorgung durch eine Frau im
Falle eintretender Hilfe- und Pflegebedürftigkeit hofft. Ein Mann, der für seine
letzten Lebensjahre nach einer Gefährtin sucht, die mit ihm das Leben in der Hochaltrigkeit (80+) gemeinsam bewältigt und gestaltet. Die Phase der Hochaltrigkeit
gilt als besonders gefährdet, diese als zunehmend hilfe- und pflegebedürftig oder
multimorbide zu verbringen.
Ende Februar 2010 war eine etwas über 80-jährige Frau in einer FreitagabendTalkshow und berichtete über ihr erst kürzlich neu begonnenes Sexleben. Sie
stellte ihr zu diesen Erfahrungen veröffentlichtes Buch »Nacktbadestrand« vor. »NacktbadeAm darauf folgenden Samstag schlenderte ich durch eine Buchhandlung und be- strand« und
kam ein Gespräch zwischen zwei Buchhändlerinnen mit, die sich über eben jenen »Wolke 9«
Fernsehauftritt der alten Frau unterhielten. Sie trauten der alten Frau und ihren
Erzählungen nicht wirklich, dennoch gingen sie davon aus, dass demnächst viele
Interessierte die Buchhandlung stürmen und das Buch Elfriede Vavriks bestellen
würden. Frau Vavrik hatte sich, ihrer Erzählung zufolge, aufgrund ihrer Schlafstörungen an einen Arzt gewendet, der ihr riet, sich lieber auf die Suche nach einem
Mann und damit erschöpfende Abwechslung zu machen. Diesem Vorgehen sei eher
zuzuraten, als unnötig Tabletten zu konsumieren. Sie folgte dem Rat und gab eine
Kontaktanzeige auf. Dies war der Beginn, sich in das Liebesleben zurückzutasten,
das bald turbulenter und intensiver wurde, als es für sie je war, so aus der Beschreibung des Buchs. Das Buch »Nacktbadestrand« gewährt sehr intensive und offensive
Einblicke in das Liebesleben einer 1929 geborenen Frau, die dieses im Austausch
gegen Schlaflosigkeit wieder aufgenommen hat und ausprobiert.
Diese beiden Beispiele, Elfriede Vavrik, über 80 Jahre alt und der 79-jährige Mann,
zeigen die Sehnsucht nach sozialer Bindung oder nach Verbindungen älterer Menschen mit anderen Menschen, selbstverständlich auch in sexueller Hinsicht. Der
Kinofilm »Wolke 9« von Andreas Dresen aus dem Jahr 2008, in dem sich eine ältere
Frau nicht zwischen zwei Männern entscheiden kann, mit sehr offen dargestellten
Sexszenen, zeigt vor allem, dass sich Menschen unabhängig ihres Lebensalters als
sexuelle Wesen verstehen und ihre Sexualität auch leben wollen.
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Seit Entdecken des demografischen Wandels zu Beginn der 1990er Jahre hat auch
Soziale Arbeit begonnen, sich mit der Lebensphase Alter zu befassen und deutlich
wird nun, dass sich zunehmend mehr Möglichkeiten offenbaren, diese zu gestalten:
Der Alternsprozess verändert sich, wird vielfältiger und auffälliger, bringt Wünsche
und Sehnsüchte älter werdender Menschen hervor, die vorher nicht bekannt waren
oder sie wurden nicht laut genug oder oft genug gesagt oder niemand traute sich zu,
diese zu formulieren. Schweppe fasst zusammen, dass Alter inmitten sozialer Räume
und Möglichkeiten geschieht, die im Hinblick auf die Tätigkeiten, Beziehungen,
Wohnformen, Lebensstile, Lebenssinn, Freizeitgestaltung und Familienbeziehungen
nicht durch verbindliche und kollektiv gültige Muster festgelegt und standardisiert
sind. Altern ist mit einem Entstandardisierungsschub und erheblicher innerer Differenzierung, Pluralisierung und Entstrukturierung verbunden und damit über die
Gestaltbarkeitsmöglichkeit gestaltungsnotwendig geworden (vgl. Schweppe, 2005:
35). Alternsprozesse rücken damit in den Fokus Sozialer Arbeit, aus deren disziplinärer Mitte heraus Ideen und Wissen für die Gestaltung und Bewältigung des
Lebens im Alter erarbeitet werden sollten, denn theoretische Erkenntnisse Sozialer
Arbeit sind nicht an ein bestimmtes Lebensalter (vgl. Meyer, 2011) gebunden und
angesichts sozialer sowie biografischer Problemlagen erfordert die Lebensphase
Alter ohnehin dringend sozialpädagogische Einmischung (vgl. Hanses/Homfeldt,
2009). Die Ideen, das erarbeitete Wissen und die Einmischung sollte gleichermaßen
seine gerontologische Wirkung entfalten, ohne sich jedoch ausschließlich auf diese
disziplinäre Ausrichtung beschränken zu lassen.
Soziale
In Bezug auf soziale Beziehungen war bisher bekannt, dass sie sich im Alter
Beziehungen verändern: Sie nehmen ab und es werden kaum neue hinzugewonnen. Mit den
im Alter sich verändernden Lebensbedingungen und dem demografischen Wandel differenzieren sich jedoch Lebenslagen aus. Singlehaushalte aufgrund von Trennungen,
Scheidungen oder Verwitwungen werden zunehmen und damit die Möglichkeit auf
Hilfe und Pflege von Seiten des Partners abnehmen. Der überwiegende Anteil älter
werdender Menschen wünscht sich Hilfe und Pflege innerhalb familiärer Kontexte
und somit wird die Suche nach einem Partner für Freundschaft, Liebe und Versorgung nicht aufhören und immer wieder beginnen. Daneben lässt sich aus den
Erkenntnissen zur Sexualität im Alter schließen, dass Menschen Sehnsucht nach
einer Verbindung zu einem anderen haben und so müssen also neue PartnerInnen
gesucht und gefunden werden, damit Liebe, Freundschaft und Sexualität im Alter
auch gelebt werden kann. Kontaktanzeigen in Zeitungen, zunehmend auch die
Möglichkeiten im Internet, bieten diesen Finde- und Suchservice an. Und wer da
so wen in welchem Alter für welche Gelegenheiten sucht, bildet die Ausgangsfrage vorliegender Untersuchung. Die Erkenntnisse basieren auf einer Analyse von
Kontaktanzeigen, die in nahezu jeder Zeitung, regional, überregional, täglich oder
wöchentlich erscheinen. Kontaktanzeigen stellen eine Möglichkeit dar, sich zu finden und sich neu zu verbinden. Dieser Untersuchung lag die Annahme zugrunde,
dass die Älteren, trotz zunehmender Nutzung des Internets für die Suche nach
neuen Verbindungen, Lieben und Partnerschaften über entsprechende Portale, wie
z.B. »Parship«, »Elite«, traditionelle Medien, ebenfalls nach wie vor Tages- oder
Wochenzeitungen als Kontaktbörse nutzen.
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1 Soziale Beziehungen, Sexualität und Partnerschaft im
Alter
Es gibt bisher kaum Betrachtungen zu den Sehnsüchten älterer Menschen im Hinblick auf Freundschaft, Liebe, Partnerschaft und Sexualität im Alter. Gewiss war
bisher, dass ältere Menschen mit zunehmendem Lebensalter Kontakte und Beziehungen verlieren, die für sie seit vielen Jahren und Jahrzehnten selbstverständlich
waren. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass die Netzwerke älter werdender
Menschen kleiner werden: 35- bis 49-Jährige unterhalten etwa 20-35 Sozialbeziehungen, 65- bis 84-Jährige etwa neun bis 18 Beziehungen und über 85-Jährige etwa
fünf bis acht Beziehungen (Lang/Neyer/Asendorpf, 2005 zit.n. BMFSFJ, 2005). Lang
et al. gehen davon aus, dass sich der Freundeskreis reduziert und weniger die lebenslange Kontinuität in Bezug auf einen kleineren Freundes- und Bekanntenkreis
die Ursache darstellt. »Die Anzahl der Kontakte zu Freunden und Bekannten
nimmt, als Durchschnittswert gesehen, im hohen Alter ab. Dafür gibt es mehr
oder weniger banale Gründe: Tod Gleichaltriger, Pensionierung, Einschränkung
des Aktionsradius (Gesundheit, Finanzen etc.)« (Lang, 2000: 143). Dazu kommen
Faktoren, die sowohl theoretisch wie sozialpolitisch als solche gelten, die objektive soziale Isolation und subjektive Vereinsamung befördern, z.B. Verwitwung,
Kinderlosigkeit und Heimaufenthalt (vgl. Mayer/Baltes, 1996). In einer Schweizer
Studie, die an zwei unterschiedlichen Standorten durchgeführt wurde, zeigt sich
jedoch eine signifikante Ausweitung des Freundschaftsnetzes zwischen 1979 und
1994; während 1979 38 Prozent der 65-Jährigen und älteren Menschen keine engen Freunde im
Freunde nannten, waren es 1994 nur noch 23 Prozent im Zentralwallis; in Genf Alter
ließ sich Ähnliches beobachten: Der Anteil älterer Menschen ohne enge Freunde
fiel dort von 37 Prozent auf 19 Prozent im gleichen Zeitraum. Der Trend im Alter
geht also zu einer Aufwertung von Freundschaftsbeziehungen, denn der Anteil an
75- bis 79-Jährigen ohne enge Freunde sank von 1999 bis 2007 von 26 Prozent auf
16 Prozent (vgl. Höpflinger, 2009: 13). Höpflinger erwartet, dass Freundschaftsbeziehungen im höheren Lebensalter weiter an Bedeutung gewinnen werden (vgl.
ebd., 2009: 14). Die Erkenntnisse der Berliner Altersstudie brachten 1996 hervor,
dass 64 Prozent der alten Menschen mindestens einen Freund haben, 49 Prozent
haben Bekannte und 29 Prozent rechnen mindestens einen Nachbarn zu ihrem
Netzwerk. Auffällig ist, dass lediglich der Anteil alter Menschen, die mindestens
einen Freund haben, mit dem Alter und den Lebensbedingungen deutlich variiert.
So haben 69 Prozent der 70- bis 84-Jährigen mindestens einen Freund, aber nur
43 Prozent der 85-Jährigen und Älteren. Heimbewohner haben deutlich seltener
Freunde als alte Menschen, die in Privathaushalten leben (34 % versus 66 %).
In Bezug zum Familienstand zeigt sich, dass Ledige am häufigsten einen Freund
in ihrem Netzwerk angaben (76 %), gefolgt von den Verheirateten (67 %) sowie
den Verwitweten (61 %) und Geschiedenen (61 %). Die Kontakthäufigkeiten
zeigen die große Bedeutung von Freunden im Alter, denn die Freunde werden im
Durchschnitt alle neun Tage getroffen (vgl. Mayer/Baltes 1996). Hochaltrigkeit,
Heimaufenthalt und unfreiwilliges Alleinleben durch Verwitwung oder Scheidung
können als Risikofaktoren für soziale Isolation und subjektive Vereinsamung im
Alter eingeschätzt werden. Beachtenswert erscheint die Erkenntnis, dass ältere
Menschen häufig Kontakte zu emotional nahestehenden Familienangehörigen oder
Freunden im Alter bevorzugen, während andere Kontakte und Beziehungen mit
weniger nahestehenden Personen freiwillig aufgegeben werden (vgl. Lang, 2000:
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Pluralisierung
oder Lebensformen
Einpersonenhaushalte
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142). Otto macht deutlich, dass die sozialen Netzwerke auf der Ressourcenseite
des älteren Menschen stehen und deren Veränderung quantitativ-strukturell als
Ausdünnung und zugleich als veränderte Komposition beschrieben werden können,
die jedoch in Verbindung mit qualitativen Veränderungen des älteren Menschen in
Bezug auf veränderte persönliche Bedürfnisse oder einen Wandel bei den kulturellsozial präformierten Verpflichtungen einzuschätzen sind (vgl. Otto, 2008: 111).
Bamler hingegen verweist darauf, dass sich soziale Beziehungen über den gesamten
Lebenslauf verändern sowohl mit den äußeren Lebensbedingungen wie auch mit
dem Wechsel von einer Rolle in die nächste (vgl. Bamler, 2009).
Zukünftig wird es jedoch zu Veränderungen im Bereich sozialer Beziehungen
älterer Menschen kommen aufgrund der sich perspektivisch ausdifferenzierenden
und pluralisierenden Lebens- und Wohnformen Älterer: Selbst gewählte Lebensgemeinschaften, gemeinsam alt und sehr alt werdende Ehepaare, Ehepaare ohne Kinder
sowie allein lebende Männer und Frauen wird es als Möglichkeiten des Lebens geben.
Gegenwärtig ist die Mehrzahl der Männer verheiratet bis in die höchsten Altersgruppen der über 80-Jährigen, etwa zwei Drittel aller Männer in diesem Alter sind verheiratet. Der Anteil lediger und geschiedener Männer ist relativ klein. Die Situation für
Frauen stellt sich grundlegend anders dar: Der Anteil verwitweter Frauen steigt mit
dem Alter erheblich an, so sind bei den über 80-jährigen Frauen fast drei Viertel aller
Frauen verwitwet. Der Anteil der ledigen und geschiedenen Frauen ist im Vergleich
zu den Männern etwas höher. Ab einem bestimmten Alter wird es dabei für Frauen
nahezu unmöglich, so Bamler, eine neue heterosexuelle Beziehung einzugehen, denn
von den über 65-jährigen verwitweten Menschen sind 82,7 Prozent Frauen und ihre
Chance verringert sich rapide, eine neue Zweierbeziehung einzugehen (vgl. ebd.,
2009: 531). Mit Blick auf die Prognosen wird davon ausgegangen, dass sich in den
nächsten 25 Jahren die Familienstandsstrukturen der Geschlechter etwas annähern.
Das Verwitwungsrisiko für Frauen wird weiter ansteigen und die Wahrscheinlichkeit,
verheiratet zu sein, weiter abnehmen. Nicht-eheliche Lebensgemeinschaften werden
in der Bedeutung in den nächsten Jahrzehnten kaum eine größere Rolle spielen als
gegenwärtig, so die Vorhersagen. Die Familienstandsstrukturen der Männer werden
eine erhebliche Veränderung erleben, denn der Anteil verheirateter Männer wird
je nach Altersgruppe um bis zu ein Viertel absinken und der Anteil lediger Männer
wird stärker zunehmen als die Zahl lediger Frauen. Die Anteile geschiedener Männer und Frauen wird sich in allen Altersgruppen verdoppeln, dabei werden Männer
anteilig mehr in festen, vor allem in ehelichen Partnerschaften leben als Frauen. Im
Jahr 2030 werden voraussichtlich 72,2 Prozent der 65- bis 69-jährigen Männer und
95,4 Prozent der Frauen dieses Alters in Partnerschaften leben. Die über 80-jährigen
Männer werden zu 58,4 Prozent und die Frauen zu 12,3 Prozent in festen Partnerschaften leben (vgl. BMFSFJ, 2005: 173 f.).
Der Anteil der in Einpersonenhaushalten lebenden älteren Menschen wird sich
erhöhen: Von derzeitig 5,2 Millionen auf ca. 9,2 Millionen. Dies trifft bis 2030 insbesondere Westdeutschland mit einem Anstieg der Einpersonenhaushalte Älterer
um 81 Prozent, während diese Entwicklung in Ostdeutschland mit einer Steigerung
um 56 Prozent nicht ganz so stark ausfallen wird. Männer wie auch Frauen werden
in Zukunft vermehrt allein einen Haushalt führen, wobei die Zahl alleinlebender
Männer gegenüber heute im letzten Prognosejahr auf fast das Dreifache anwachsen
wird und die der Frauen um 55 Prozent (vgl. BMFSFJ, 2005: 176).
Mit einem kleiner werdenden Netzwerk und sich weiter ausdifferenzierenden
Lebens- und Wohnformen hin zu einer Zunahme von Alleinlebenden und Ein-
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personenhaushalten, führt diese Entwicklung dazu, dass sich Ältere entscheiden,
entweder zu vereinsamen oder aber in neu zu knüpfenden Verbindungen Nähe und
Austausch zu anderen Menschen herzustellen und zu leben. Mit einer Ausrichtung
an der Gleichaltrigengruppe entsteht ein gemeinsames Erproben unterschiedlicher lebbarer sozialer Muster im Alter und ein Austesten der Grenzen sowie die
Entwicklung verschiedener Altenkulturen, die bis in das hohe Alter tragen, auch
wenn evtl. Hilfe- und Pflegebedürftigkeit zunehmen. Das Leben im Alter ist nicht
mehr, wie bisher üblich, überwiegend privat-familiar geregelt. Und dennoch bleibt
die Sehnsucht der Älteren danach, beim Auftreten zunehmender Hilfe- und Pflegebedürftigkeit, eher von jemandem aus dem engen familiären Umfeld betreut
zu werden. Freunde im Netzwerk älterer Menschen tragen jedoch stärker zur
sozialen Zufriedenheit bei als Familienbeziehungen und Lang vermutet sogar, dass
in Familienbeziehungen häufiger konflikthafte oder belastende Interaktionen und
Situationen vorkommen, während Freunde meist im Kontext geselliger Aktivitäten
oder auch als enge Vertraute benannt sind (vgl. Lang, 2000: 143). Dies zeigt sich auch
in den Ergebnissen der Befragung 70- bis 85-Jähriger nach Personen, an die sie sich
bei Bedarf nach Unterstützung wenden würden: Zu 83 Prozent werden der Partner/
die Partnerin genannt, zu 59 Prozent die Kinder und nur zu zehn Prozent Freunde.
Danach folgen in der Nennung die Geschwister zu etwa neun Prozent, Nachbarn
zu acht Prozent, Enkel zu sieben Prozent, andere Verwandte zu vier Prozent (vgl.
BMFSFJ, 2001: 226; eigene Berechnungen). Bei der Frage 70- bis 85-Jähriger,
die kinderlos sind, nach Personen, an die sie sich bei Bedarf nach Unterstützung
wendeten, werden zu 79 Prozent der Partner/die Partnerin genannt, zu 21 Prozent
Geschwister und zu 15 Prozent Freunde benannt. Danach folgen in der Nennung
andere Verwandte zu 17 Prozent und Nachbarn zu zehn Prozent (vgl. BMFSFJ,
2001: 230; eigene Berechnungen). Nachbarn, Freunde und Bekannte sind wichtige
soziale Netzwerkpartner und dennoch würde nahezu jede und jeder Ältere eher
Hilfe und Unterstützung von Verwandten im engeren und dann weiteren Umfeld
annehmen und weniger die Freunde in Anspruch nehmen wollen. Dies könnte
ein Hinweis darauf sein, dass eine Lebenspartnerin oder ein Lebenspartner mehr
Verantwortung, Verbindlichkeit, Vertrautheit und Selbstverständlichkeit verspricht
und sich deshalb niemand scheut, von demjenigen Hilfe zu erwarten.
Wenn Kontakte nicht als emotional gehaltvoll oder sinnstiftend erlebt werden,
dann wird der Kontakt mit anderen als belastend empfunden. Ältere Menschen
orientieren sich, so Langs Vermutung, an unmittelbaren Erfahrungen und Gewinnen
des Umgangs mit anderen und stellen andere soziale Kontakte zurück. Dieser Rückzug könnte in der Umgebung als sozialer Rückzug gedeutet werden. »Eine gute
soziale Einbindung und soziale Wirksamkeit älterer Menschen kann insbesondere
dort erreicht werden, wo die bestehenden sozialen Beziehungen durch emotionale
Nähe, Intimität, Vertrauen und Gegenseitigkeit gekennzeichnet sind. Entscheidend
ist hierbei, dass die geleistete soziale Unterstützung dazu geeignet ist, die Selbstständigkeit und Wirksamkeit der älteren Menschen zu fördern« (Lang, 2000: 146).
Im fünften Altenbericht wurde 2005 die Bedeutung flüchtigerer Beziehungen wie
Bekanntschaften für die zweite Lebenshälfte hervorgehoben. Bekanntschaften,
die im frühen oder mittleren Erwachsenenalter als mögliche Freundschaften
erlebt werden, stellen für älter werdende Menschen über Alltagskontakte hinaus
Möglichkeiten dar, sich als kontinuierlich zu erleben, in dem über Erinnerung
an die eigene Vergangenheit das Erleben persönlicher Kontinuität eröffnet wird
(vgl. BMFSFJ, 2005). Greift man die drei Beispiele vom Anfang noch einmal auf,
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Soziale
Zufriedenheit
und Freunde
Rückzug
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verdeutlicht sich jedoch noch etwas anderes: Ältere Menschen, unabhängig ihres
Alters, haben Bedürfnisse nach sozialen Beziehungen und Bindungen mit Gleichaltrigen, die sie suchen und leben wollen. Darüber hinaus könnten diese sich auch
zu wechselseitigen Hilfe- und Unterstützungspotenzialen entwickeln, doch diese
stehen nicht bewusst im Vordergrund. Die Bedeutung, die Sexualität im Alter dabei
für Männer und Frauen einnimmt, wurde jedoch bisher eher unterschätzt und diese
Einschätzung beginnt erst langsam, sich zu verändern.
Der sexuellen Aktivität älterer Menschen wird zunehmend mehr öffentliche
Aufmerksamkeit gewidmet, wenn man an den Kinofilm »Wolke 9« erinnert oder an
das Buch »Nacktbadestrand« von Elfriede Vavrik, das seit ihrem Talkshowbesuch
eine steigende Popularität erfährt und deren Buch in Buchhandlungen daraufhin
nur noch mit Vorbestellung zu erwerben war. Diese Veröffentlichungen können ein
Hinweis darauf sein, dass ältere Menschen, entgegen herkömmlichen Stereotypen,
auch im höheren Lebensalter sexuell aktiv sind und sein möchten. Klaiberg u.a.
(2001) zeigten in ihrer Untersuchung, dass die Mehrzahl der Männer und Frauen
auch mit höherem Lebensalter sexuell aktiv sind. Ab 26 Jahren steigt sexuelle
Aktivität an und bleibt auf einem relativ konstanten Niveau und beginnt ab 55
Sexuelle Jahren kontinuierlich abzusinken. Die 56- bis 65-Jährigen sind dabei noch sexuell
Aktivität im aktiver als die 18- bis 25-Jährigen (vgl. Klaiberg u.a., 2001 nach Merbach/Brähler/
Alter Klaiberg, 2005). Sexuelle Aktivität hängt jedoch, insbesondere bei den Frauen,
von ihrer Eingebundenheit in eine Partnerschaft ab. Bei den 50- bis 60-Jährigen
Frauen liegt der Prozentsatz der sexuellen Aktivität der in Partnerschaft lebenden
dreimal so hoch wie der in der Gruppe der ohne Partner lebenden Frauen. Bei
den 60- bis 70-jährigen Frauen steigt der Unterschied auf das Achtfache an. »Die
Unterschiede in der sexuellen Aktivität zwischen den in und ohne Partnerschaft
lebenden Männern sind nicht so groß, aber auch bei den über 70-jährigen Männern
liegt der Prozentsatz der sexuell Aktiven, die in Partnerschaft leben, viermal höher
als jener der Männer, die ohne Partner leben« (Merbach/Brähler/Klaiberg, 2005).
Sexuelle Aktivität im Alter hängt also maßgeblich von dem Vorhandensein eines
Partners bzw. einer Partnerin ab.
Weitere Einflüsse bestimmen die sexuelle Aktivität im Alter, z.B. das sexuelle
Verhalten in jüngeren Jahren, die subjektive und objektive Gesundheit, aber es
werden auch psychische Faktoren, Partnerschaftsfaktoren, soziodemografische,
historisch-kulturelle und religiöse Bedingungen und schließlich den ökologischen
Kontext für eine sexuell geringere Aktivität im Alter als Bedingungsfaktoren eingeschätzt (vgl. Sydow, 2001 nach Merbach/Brähler/Klaiberg, 2005). Klaiberg u.a.
(2001) heben hervor, dass die sexuell zufriedeneren unter den über 50-jährigen
Frauen und Männern diejenigen sind, die mehr sexuelle Kontakte angaben für
das vergangene Jahr, eher in einer Partnerschaft lebten und über einen besseren
Gesundheitszustand verfügten. Diese Älteren beschrieben sich eher als fähig,
in der Liebe Wünsche zu äußern, Liebe schenken zu können und viel von sich
preiszugeben, aufgeschlossen und vertrauensselig zu sein (Klaiberg u.a., 2001 nach
Merbach/Brähler/Klaiberg, 2005).
Der Wunsch nach Geschlechtsverkehr bleibt bei den Männern bis zu den 75-Jährigen erhalten; erst bei den über 75-jährigen Männern kommt es zu einem Abfall.
Bei den Frauen hingegen liegt die Abnahme des Wunsches nach Geschlechtsverkehr
etwas früher und ist deutlicher als bei den Männern. Ähnliche Ergebnisse zeigten
auch die Fragen nach dem sexuellen Verlangen, dem Wunsch nach Petting, nach
Zärtlichkeit und sexuellen Fantasien (vgl. ebd., 2005).
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Schultz-Zehden hat Frauen zwischen 50 und 70 Jahren zu ihrer Sexualität, aktuellem Sexualleben, sexuellem Verhalten und Erleben sowie nach den Veränderungen
gelebter Sexualität befragt. Als wesentliche Erkenntnis erscheint, dass im Durchschnitt sexuelle Interessen und Bedürfnisse im Alter erhalten und Frauen bis ins
hohe Alter sexuell genuss- und orgasmusfähig bleiben. Ein Rückgang der Libido
und der sexuellen Aktivität mit zunehmendem Alter scheinen jedoch unstrittig
und bisher wurde dies auf Veränderungen während der hormonellen Umstellungsprozesse zurückgeführt. Weitere Ursachen können ebenfalls verantwortlich sein, Zwischen
die über körperliche Gründe hinaus, vor allem psychologische und soziologische Wunsch und
Wirklichkeit
Gründe sowie die Partnerschaft allgemein betreffen (vgl. ebd., 2004):
– »Internalisierte Vorurteile gegenüber der Sexualität der älteren Frau.
– Befangenheit, Hemmung der Lust durch das Erleben des körperlichen Alterungsprozesses, Scham und sexueller Rückzug als mögliche Reaktion auf eine
Kränkung durch das gesellschaftliche Schönheitsideal der jungen und sexuell
attraktiven Frau.
– Gründe seitens des Partners (z.B. sexuelle Funktionsstörungen, gesundheitliche
Probleme, Libidoverlust, Kränkungen), wobei Frauen häufig dazu neigen, die
Gründe für sexuelle Probleme zunächst bei sich selbst und nicht beim Partner
zu suchen.
– Die Abnahme der Verfügbarkeit eines Sexualpartners, bedingt durch die demografische Entwicklung.
– Libidoverlust im Zusammenhang mit Depressionen sowie depressiver Verstimmtheit.
– Hormonelle Veränderungen in der Postmenopause, die z.B. zu einer Atrophie
der Genitale und somit zu Lubrikationsmangel und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr führen können.
– Andere gesundheitliche Probleme bei der Frau oder beim Partner, die mit dem
Alter zunehmen« (Schultz-Zehden, 2004).
Darüber hinaus weist Schultz-Zehden darauf hin, dass sexuelle Bedürfnisse von
älteren Menschen mitunter als schamhaft oder unpassend erlebt werden, vor
allem wenn der Partner altersbedingte Schwierigkeiten hat. Fehlende Gespräche
der Partner führen oft zur Aufgabe sexueller Begegnungen, obwohl befriedigende
Kontakte für beide Partner möglich wären. Diese Ergebnisse zeigen entgegen weit
verbreiteter Ansicht, dass das sexuelle Verlangen nicht mit Beginn der hormonellen
Umstellung deutlich abnimmt. Vielmehr reicht das Spektrum der sexuellen Bedürfnisse vom täglichen Wunsch bis hin zur völligen Ablehnung sexueller Kontakte.
»Zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr wünschen sich die befragten Frauen durchschnittlich mehrmals im Monat Sex, zwischen 65 und 70 Jahren hingegen möchte die
Hälfte aller Frauen gar keine sexuelle Beziehung mehr« (Schultz-Zehden, 2004).
Der Wunsch nach sexuellen Kontakten ist bei älteren Frauen größer als die tatsächlich gelebte Sexualität, so dass vorhandene sexuelle Bedürfnisse bei einigen Frauen
nicht befriedigt werden. »Mit zunehmendem Alter nimmt nicht nur die Häufigkeit,
sondern auch die Anzahl der Frauen mit sexuellem Verkehr ab. So erlebt ein Viertel
der 50 bis 55-Jährigen nach eigenen Angaben keine aktive Sexualität, bei den 65 bis
70-Jährigen waren es bereits 66 Prozent. In diesem Alter gibt nur noch jede dritte
Frau an, sexuell aktiv zu sein« (Schultz-Zehden, 2004). Gründe sind Partnerlosigkeit
und die Schwierigkeit, einen Partner zu finden aufgrund der kürzeren Lebenserwartung der Männer und der Bereitschaft der Frauen, sich erneut zu binden (nur
ein Drittel möchte sich wieder binden). Erkrankungen, der Verlust des Partners
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Sexualbiografie
Sexuelle
Selbstbestimmung
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sowie generelle Beziehungsprobleme reduzieren die Libido der Frauen, eben mit
der Folge, dass einige Frauen in ihrer sexuellen Beziehung unbefriedigt bleiben.
Sexuelle Aktivitäten in langjährigen Partnerschaften können sich abgenutzt haben,
werden nicht mehr als lustvoll empfunden und so bietet sich das Älterwerden für
einige Frauen an, sich von der Verpflichtung zu sexuellen Aktivitäten zu befreien.
Sexuelle Lust und ein befriedigendes Sexualleben stehen in Abhängigkeit zu der
Qualität der Partnerschaft und der Qualität des Sexuallebens in früheren Jahren.
Befriedigung für die Frauen in der Sexualität hängt vor allem von der Qualität der
sexuellen Begegnung ab und nicht von der Häufigkeit der Aktivitäten.
In der Sexualität älterer Frauen wird sich zunehmend etwas ändern, gegenwärtig rückt die Generation von Frauen in das mittlere und höhere Lebensalter
vor, die sich von traditionellen Verhaltensmustern stark distanzieren konnten.
Diese Frauen haben die Einführung der »Pille« in den 1960er Jahren miterlebt
und mitgemacht und ihre reproduktive Biografie selbstbestimmter gestaltet, ihre
vermehrte Beteiligung am Berufsleben, die sie unabhängiger leben ließ sowie die
sexuelle Befreiung. Und diese gilt auch für den Alternsprozess, Frauen zwischen 50
und 65 berichteten von ihrem äußerst erfüllten und befriedigenden Sexualleben.
In der Studie erscheinen sie als sexuell besonders aktiv, initiativ und sie ergreifen
anstelle des passiven Parts zunehmend eine aktive Rolle. »Bei dieser Gruppe von
Frauen fiel auf, dass sie mit ihrem Partner über ihre Sexualität, eigene Bedürfnisse,
Wünsche oder Probleme besser sprechen konnten als die übrigen Frauen in der
Untersuchungsgruppe. Laut eigener Angaben hatte sich im Sexualleben dieses
insgesamt sehr offenen und kommunikativen Frauentyps im Vergleich zu jüngeren
Jahren nichts verändert« (Schultz-Zehden, 2004). Der demografische und gesellschaftliche Wandel ermöglicht eine neue Perspektive auf Sexualität im Alter bzw.
insbesondere auf die von Frauen und Männern, ihren Wünschen und Sehnsüchten.
Diese neuen Perspektiven bedeuten jedoch auch, über sexuelle Entfaltungsmöglichkeiten älterer Frauen und Männer nachzudenken und neue Wertmaßstäbe zu
entwickeln. Jeder Mensch hat eine individuelle Sexualbiografie, Erfahrungen, die
über viele Jahre angesammelt wurden und über die sexuelle Aktivität im Alter
mitentscheidend sind. Ob neue Entwicklungen und Erfahrungen im Alter im
sexuellen Bereich gesammelt werden können, hängt davon ab, wie Älteren ihre
sexuelle Selbstbestimmung auch zugestanden wird. Einfühlsame Aufklärung zur
Entwicklung von mehr sexueller Selbstbestimmung macht für Frauen bis ins hohe
Alter Sinn und ist unabdingbar, um auch im Alter Sexualität lustvoll und befriedigend zu erleben (vgl. ebd., 2004).
Die Zunahme der Anteile Alleinlebender und von Partnerschaften auf Zeit führt
zugleich dazu, dass sich Ältere wieder neu verbinden können und anders als dem
Stereotyp vom Alter »dem zurückgezogenen und zunehmend bindungsloseren
Älteren« folgend, die sich ihnen bietenden Chancen und Möglichkeiten nutzen
werden. Denn Frauen und Männer wollen sich bis in das hohe Alter hinein begegnen und die Erkenntnisse aus der vorliegenden Untersuchung zum EinanderNäher-Kommen über Kontaktanzeigen in den Printmedien konkretisieren diesen
Wunsch. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie im Bereich Kontaktanzeigen,
Bekanntschafts- und Heiratsgesuche bringen Sehnsüchte Älterer nach Liebe und
Freundschaft in unterschiedlichsten Weisen hervor und sie bieten Chancen auf
neue Verbindlichkeiten in Richtung Liebe, Sex und Partnerschaft.
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2 Ältere auf der Suche nach sozialen Bindungen:
Partner, Liebe und Freundschaft aus der Zeitung
Kontaktanzeigen in regionalen Tageszeitungen, Wochenblättern oder überregionalen Wochenmagazinen bieten Möglichkeiten, sich auf die Suche nach sozialen
Verbindungen zu machen und dieses Medium scheint trotz vielfältiger Optionen,
die zunehmend auch das Internet anbietet, nach wie vor durch alle Lebensalter
hinweg populär zu sein, angesichts der Kontaktanzeigenanzahl, die sich Woche für
Woche in den Zeitungen finden lässt.
In verschiedenen Zeitungen, Tages- und Wochenzeitungen mit unterschiedlichen
Niveaus wurden die Bekanntschafts-, Heirats- und Kontaktanzeigen analysiert, um
etwas darüber herauszufinden,
Wer sucht
– wer wen sucht,
wen?
– welche Art von Verbindung, welche Sehnsüchte damit verbunden sind,
– wer sich in welchem Alter jenseits der 50 Jahre um neue Bindungen bemüht.
Zeitungen, Tages- und Wochenzeitungen, regional oder überregional, bieten die
Rubrik: Heiraten/Bekanntschaft, Kontaktanzeigen etc, in denen Frauen Männer,
Männer Frauen, Männer Männer, Frauen Frauen für eine ewige Bindung, für
Freundschaft oder gemeinsame Freizeit über eine Anzeige finden können. Mit
dem Wissen über die Besonderheiten sozialer Beziehungen im Alter, wuchs das
Interesse, dieser Art der Suche nach sozialen Beziehungen einmal genauer nachzugehen, zu fragen, wer ein Kontaktgesuch aufgibt, was dabei jemand von sich Preis
gibt und nach wem er oder sie mit welchen Vorzügen oder Eigenschaften sucht.
Die Erhebung und Auswertung der vorliegenden Studie erfolgte in je einer Stadt
in West- und Ostdeutschland und im Magazin der überregionalen Wochenzeitung
»Die Zeit« und sollte weiter räumlich, zeitlich und auf digitale Medien ausgedehnt
werden.
Rund 30 Jahre kann die Lebensphase Alter ab dem Renteneintritt von durchschnittlich 60 Jahren ausmachen, ein langer Zeitraum für die Ausgestaltung von
Lebensqualität ohne Erwerbsarbeit, die das Leben bis dahin überwiegend strukturiert hat und zudem Chancen auf neue persönliche Entwicklungen. Die Suche
nach sozialen Bindungen findet in unterschiedlichen Medien statt. Und so wird es
Zeit, diese Suche genauer zu betrachten.
2.1 Die Suche konkret: Partnerschafts-, Kontakt- und gemeinsame
Freizeitgesuche über Zeitungen regional und überregional
Die Untersuchung umfasst die Auswertung der Kontakt-/Partnerschafts-/Heirats- und Freizeitanzeigen, die in drei Zeit-Magazinen erschienen sind, in je sechs
Ausgaben regionaler Zeitungen in einer Stadt in Thüringen und in Niedersachsen.
Dabei wurden jeweils die Anzeigen erhoben, betrachtet und ausgewertet, die von
über 50-Jährigen aufgegeben wurden, im Erhebungszeitraum von September 2009
bis März 2010. Die Grounded Theory führte dabei das methodische Vorgehen zur
Datenerhebung und -auswertung an. Die Grounded Theory als Methode gegenstandsbezogener Theorienbildung und als Grundstrategie qualitativer Sozialforschung bietet dem besonderen Gegenstand »Kontaktgesuche älterer Menschen«
die Möglichkeit, Theorien darüber zu bilden, ob und welche soziale Beziehungen
älter werdende Menschen suchen, welche Ansprüche und Wünsche sie an einen
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np
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Kreatives
Konstruieren
Finde- und
Suchschema
112
Meyer, Kontaktgesuche älterer Menschen
möglichen Partner bzw. an eine mögliche Partnerin formulieren, um ihren bisherigen Beziehungsstatus zu verändern und damit einen Menschen in die Nähe zu
bekommen, der evtl. auch ein Partner auf dem Weg in das Alter sein kann mit all
den Unwägbarkeiten und Unsicherheiten, die der Alternsprozess mit sich bringt.
Dabei handelt es sich um einen Ansatz, der Forschung als kreatives Konstruieren von Theorien betreibt und zwar entweder als handlungsleitende Logik bzw.
mit einem Angebot nützlicher Verfahren, die als Leitlinien und Vorschläge für
Auswertungstechniken, jedoch nicht als starre Anweisungen verstanden werden
wollen (vgl. Legewie, 1996: X). In qualitativen Vorgehen steht die Entwicklung von
Begriffen, Konzepten und Kategorien aus dem vorliegenden Datenmaterial im
Zentrum, so dass von eher deskriptiven Beschreibungen bis hin zu der Konstruktion
von ›empirisch begründeten Theorien‹ (Glaser/Strauss, 1967 nach Legewie, 1996)
unterschiedliche Ebenen der Erkenntnis möglich sind. Theoretische Aussagen mit
hohem Allgemeinheitsgrad oder erst einmal eine Ordnung und Strukturierung
des Untersuchungsbereichs, die den komplexen Gegenstand reduziert, können als
Ergebnisse gelten (vgl. Kelle/Kluge, 1999: 16). Vor dem Hintergrund des Wissens
der Veränderung sozialer Netzwerke im Alter und der prognostizierten Ausdifferenzierung der Lebenslagen in der Zukunft, stellte sich die Frage nach dem Wunsch
älterer Menschen, neue enge soziale Beziehungen zu suchen, vor allem mit dem
Hintergrund, ob nicht auch Soziale Altenarbeit die Suche und das Finden enger
Bindungen bzw. einem neuen Partner oder einer neuen Partnerin unterstützen
und fördern könnte.
Die Kontaktanzeigen wurden, je nach Altersangaben, in vier unterschiedliche
Alterskohorten unterteilt: 50- bis 60-Jährige, 61- bis 70-Jährige, 71- bis 80-Jährige
und über 81-Jährige. Die Anzeigen haben alle gemeinsam, dass sich Frauen wie
Männer vorstellen und etwas ausführlicher beschreiben, um dann die Erwartungen
an den jeweiligen Wunschpartner, unabhängig ob er Freund oder Lebenspartner
werden soll, zu formulieren. Dabei fällt auf, dass es bestimmte Wörter und Begriffe gibt, die in den Anzeigen wiederkehrend auftauchen. Insbesondere fallen die
Wort- und Begriffs-Bausteine in manchen Anzeigen von Instituten dadurch auf,
dass sie fast bis zur Unkenntlichkeit identisch sind, kaum jemandem gelingt es,
darin etwas Individuelles zu erkennen zu geben. Selbstformulierte Kontaktanzeigen sind individueller gestaltet, dennoch sind auch diese mit bestimmten Begriffen
und Inhalten versehen, so dass sich nach einem Vergleich aller Kontaktanzeigen
über 50-Jähriger ein bestimmtes Finde- und Suchschema, je nach West-Ost und
regional-überregional unterscheiden lässt.
Insgesamt wurden 976 Kontaktanzeigen betrachtet, von denen 361 (36,9 %) von
über 50-jährigen Frauen und Männern aufgegeben wurden. Davon waren 205 (21 %)
Frauen und 156 (15,9 %) Männer über 50, die auf der Suche nach einem Partner
oder einer Partnerin waren. 38,6 Prozent beträgt der Anteil über 50-jähriger Frauen
an der Gesamtzahl der Frauen aller Altersstufen, 35,0 Prozent über 50-jähriger
Männer gibt eine Anzeige auf. Der Anteil der Frauen und der Männer über 50 an
der jeweiligen Gesamtanzahl der Geschlechter und insgesamt von fast 37 Prozent
aller Kontaktgesuche zeigt das hohe Interesse der Frauen und Männer, einen neuen
Partner für oder in der Lebensphase Alter zu finden.
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Meyer, Kontaktgesuche älterer Menschen
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Tabelle 1: Erhebung der Kontaktanzeigen nach Zeitung, Region und Anzahl
GesamtZeitungen anzahl
Anzeigen
Anzahl Sie sucht ihn, Er sucht sie, Sie1 sucht sie, Er sucht
50+
ihn, 50+
50+
50+
50+
Freizeit
Wochenzeitung überregional
Gesamt
132
72
44 (87)
22 (37)
1 (1)
Stadt in Thüringen (ca. 100.000 EinwohnerInnen)
0
5 (7)
Gesamt
397
142
69 (203)
72 (190)
0
Stadt in Niedersachsen (ca. 70.000 EinwohnerInnen)
0
1 (4)
Gesamt
Gesamt
447
976
3 (10)
3 (10)
6 (11)
147
361
84 (225)
197 (515)
59 (208)
153 (435)
1 (4)
2 (5)
Zahl in Klammern: Gesamtanzahl der Kontaktanzeigen
Die Auswertung der Kontaktanzeigen erfolgte unter Berücksichtigung unterschiedlicher Altersstufen und in inhaltlicher Perspektive, in der die vorliegenden Kontaktgesuche als Datenbasis paraphrasierend reduziert, kategorisiert
und interpretiert wurden. Die Zuordnung zu Altersjahrgängen erfolgte nach
Einteilung in »das junge Alter« bzw. der Weg in die Altersphase von 50-60 Jahre
alt, der Beginn der Altersphase im Verrentungsjahrzehnt von 61-70 Jahre alt,
zwischen 71-80 Jahren alt und 81+ als Beginn der Hochaltrigkeitsphase. 61-70
und 71-80 Jahre gelten als die chancenreichen Lebensjahre in der Lebensphase
Alter, vom durchschnittlichen Rentenbeginn an bis in die Hochphase des Alters
hinein, bevor das vierte Lebensalter »Hochaltrigkeit« beginnt. Folgende Übersicht zeigt die unterschiedlichen Altersstufen und ihre Verteilung danach, wer
in welchem Lebensalter ein Kontaktgesuch aufgegeben hat. In den regionalen
Zeitungen und der überregionalen Wochenzeitung haben jeweils die Frauen
insgesamt mehr Kontaktgesuche aufgegeben als die Männer.
Tabelle 2: Lebensalter der Kontaktsuchenden
Alter
50-60
61-70
71-80
Stadt in Thüringen
81+
Gesamt
Männer
25
18
6
0
49
Frauen
40
25
5
Überregional
0
70
9
0
22
1
49
Männer
11
Frauen
28
Männer
49
12
1
0
62
Frauen
55
208
(61,7%)
26
110
(32,6%)
4
18
(5,3%)
0
1
(0,4%)
85
Gesamt
2
20
0
Stadt in Niedersachsen
337
1 Die Sparten »Sie sucht sie« und »Er sucht ihn« sind aufgrund der geringen Datenbasis nicht auszuwerten bzw. aussagekräftig in den Erkenntnissen. Diese benötigen eine eigene Untersuchung
mit höheren Fallzahlen, die vor allem in Medien mit homosexuellen und lesbischen Schwerpunkt
zu finden sein werden. Hervorhebenswert ist jedoch, dass die Sparten »Sie sucht sie« und »Er
sucht ihn« in regionalen Zeitungen überhaupt nicht vorkommen oder genutzt werden.
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Meyer, Kontaktgesuche älterer Menschen
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Die Differenz bei der Gesamtanzahl von 337 zu 361 liegt an den Männern und
Frauen, die ihr eigenes Lebensalter nicht genau angegebenen haben, aber ein Wunschalter des Gesuchten. Es ist davon auszugehen, dass das eigene Alter in etwa dort liegt.
Weiterhin wird deutlich, dass beide Geschlechter vor allem im Alter zwischen 50 und
60 (61,7 %) bzw. 61 und 70 (32,6 %) einen Partner suchen. Nur 5,7 Prozent geben
jenseits der 71 Jahre eine Anzeige auf und suchen damit zumindest über dieses Medium einen neuen Partner, während die Gesamtbeteiligung von Frauen und Männern
über 50 bei 36,9 Prozent liegt. Mit diesem Anteil wird deutlich, dass der Weg, eine
Kontaktanzeige aufzugeben, vielfach von Älteren genutzt wird und nicht regional
Alters- beschränkt ist. 94,3Prozent2 suchen im Alter zwischen 50 und 70 und dies zeigt erstens
differenzen das hohe Interesse, nicht allein zu sein bzw. nicht mehr allein sein zu wollen und sich
im Rahmen einer Partnerschaft im Alter betrachten zu wollen. Das dritte Lebensalter (60+) wird als chancenreich mit vielen persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten
eingeordnet und dies wird vor dem Hintergrund der Beteiligung genau dieser Altersgruppe auch deutlich. Die über 71-Jährigen tauchen als Kontaktsuchende (nur 5,3 %)
kaum mehr auf, eine Altersgruppe, in der Bindungen bzw. die Suche nach neuen
Verbindungen sehr deutlich abnimmt und die Erkenntnis verstärken, dass soziale
Beziehungen mit zunehmendem Alter weniger werden. Je älter ein Mensch wird,
desto weniger verfügt er über eine Vielzahl und Vielfalt an sozialen Beziehungen.
Mit der Altersverteilung der Kontaktgesuche lässt sich zeigen, dass ältere Menschen
nicht mehr gezielt aktiv auf die Suche gehen, obwohl ihnen von 70 bis 80 Jahren als
drittes Lebensalter mehr Chancen auf Entwicklung und Entfaltung ihres Lebens im
Alter eingeräumt werden als jenseits der 80 Jahre. Das vierte Lebensalter jenseits
der 80 wird vor allem als gefährdet eingeschätzt, bezüglich zunehmender Hilfe- und
Pflegebedürftigkeit sowie der Verkleinerung des sozialen Netzwerks aufgrund von
Verwitwung, Scheidung oder Heimaufenthalten, die in soziale Isolation und Vereinsamung führen können.
Tabelle 3: Frauen und Männer nach Alter
Alter
50-60
61-70
71-80
Über 81
Frauen
40
25
5
0
70
Frauen
28
20
0
1
49
204
Frauen
55
26
4
Gesamt
123 (60,2%)
71 (34,8%)
9 (4,4%)
1 (0,6%)
Gesamt
85
Männer
11
9
2
0
22
Männer
25
18
6
0
49
Männer
49
12
1
Gesamt
85 (63,9%)
39 (29,3%)
9 (6,7%)
0
133
Gesamt
208 (61,7%)
110 (32,6%)
18 (5,3%)
1 (0,4%)
337
62
2 Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Anteil über 71-Jähriger sehr viel höher liegt, denn
es kommt vor, dass sich Ältere in Kontaktanzeigen bewusst verjüngen, weil sie davon ausgehen,
dadurch bessere Chancen zu haben, u.a. mit der Begründung, sie fühlten sich jünger (vgl. Vavrik,
2010: 25). Wie hoch die Dunkelziffer ist, lässt sich nur schwer einschätzen.
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Meyer, Kontaktgesuche älterer Menschen
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Männer und Frauen geben zwischen 50 und 60 mit je über 60 Prozent die meisten
Kontaktgesuche auf und werden mit rund 30 Prozent von der nächsten Altersstufe
von 61 bis 70 dicht verfolgt. Von Bedeutung ist weiterhin, dass der Frauenanteil
an Suchenden zwar insgesamt größer ist, die Verteilung der Altersgruppen jedoch
über beide Geschlechter gleich.
Mit Beginn der Auswertung war nicht beabsichtigt, die Einteilung in Ost, West
und überregionale Wochenzeitung beizubehalten, die Ergebnisse zeigen jedoch
erhebliche Unterschiede, welche Wünsche und Erwartungen an den Partner/die
Partnerin formuliert werden, so dass die Differenzierung beibehalten wurde. Es
entstanden Idealtypen, gebildet nach den Häufigkeiten, in denen sie im Datenmaterial vorkommen und die den Variantenreichtum der Kontaktgesuche der Männer
und Frauen in den jeweiligen Regionen bzw. Tages- oder überregionalen Zeitungen
abbilden, wie sie sich präsentieren und von jemandem wahrgenommen werden, der
sich für sie zu interessieren beginnt, wenn er die Kontaktanzeige liest.
Idealtypen
Mann in Thüringen
Getrennt lebender Mann oder Witwer, der handwerklich begabt ist, gerne
reist und Auto fährt, tanzt und Musik hört, ein sehr guter Zuhörer ist,
Natur und Garten liebt, sucht eine Frau zum Leben, Lachen, Lieben und
Füreinander-da-Sein.
Frau in Thüringen
Witwe mit attraktiver Figur, gut aussehend, interessiert an Garten, Natur,
die perfekte Hausfrau und Köchin mit Auto und nicht ortsgebunden, sucht
zärtlichen, liebevollen Mann.
Mann
überregional
Akademiker, gut situiert, kultur-, reisen-, sport-, wissenschafts-, wirtschafts-,
literatur- und kinointeressiert, der gerne kocht, den Haushalt erledigt,
sucht gestandene Frau mit aufgearbeiteter Vergangenheit, gebildet und
vielseitig interessiert.
Frau überregional
Attraktive Akademikerin, finanziell unabhängig, interessiert an Natur,
Literatur, Reisen, Kino, Konzerte, Theater, Kultur, Oper, Musik, Tanz, Kunst
usw. sucht klugen, jung gebliebenen, herzensgebildeten und humorvollen
Lebenspartner.
Mann in
Niedersachsen
Vorzeigbarer Mann, sympathischer Er, interessant, humorvoll sucht für
Freundschaft, dauerhafte Partnerschaft oder noch-einmal-Durchstarten
eine treue, liebevolle, ehrliche Frau oder ein üppiges Weib oder den Typ
von nebenan.
Frau in
Niedersachsen
Jung gebliebene, attraktive und gut aussehende Sie (61+ = Witwe), mit Interesse für Musik, Reisen, Tanzen, Lesen, Wandern und Radfahren, einsam
sucht ihn mit Herz, Humor, ehrlich und liebevoll.
Im weiteren Verlauf wird diese Verdichtung aufgehoben und ausdifferenziert, um
die Besonderheiten der unterschiedlichen Kontaktgesuche herauszustellen und
um die Vielfalt und die sich gleichzeitig herausbildenden Differenzen zwischen
Männern und Frauen, Regionen und zu der überregionalen Wochenzeitung darstellen zu können. Der Aufbau einer Kontaktanzeige lässt sich in folgende Anteile Aufbau
unterscheiden: eigener Status, Selbstbeschreibung, Hobbys/Freizeittätigkeiten, einer Kontaktpersönliche Vorlieben, persönliche Eigenschaften, »was man besonders gut kann«, anzeige
Erwartungen und Wünsche an den zukünftigen Partner. Diese Bausteine kommen
in Kontaktanzeigen in unterschiedlicher Tiefe und Perspektive vor.
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Meyer, Kontaktgesuche älterer Menschen
2.2 Die Suche nach Bekanntschaft, Freundschaft oder Liebe in Thüringen
Wünsche der
Männer
Wünsche der
Frauen
116
Die Männer, die in Thüringen ein Kontaktgesuch aufgegeben haben, haben dies
im Alter von 50 bis 80 getan, mit Ausnahme der über 81-Jährigen. Von 50 bis 80
suchen in jeder Alterssparte die Männer in etwa gleicher Anzahl nach jemandem;
der überwiegende Anteil gibt an, verwitwet zu sein, getrennt zu leben oder geschieden zu sein.
In der Selbstbeschreibung lassen sich sechs Kategorien finden, in denen die
Männer im Osten sich insbesondere als stark empfinden: Sie sind »handwerklich
begabt«, sie lieben »die Natur, den Garten und Spaziergänge«, sie »verreisen und
fahren gerne Auto«. Eine weitere Kategorie der Vorstellung umfasst vor allem
folgende Charaktereigenschaften: Sie können »gut zuhören«, »mögen Unterhaltungen«, »möchten gemeinsame Unternehmungen« durchführen, sind »gesellig und
gepflegt«. Eine weitere Kategorie bezieht sich auf ein weiteres Hobby: »Tanzen
und Musik«. Diese genannten Kategorien sind häufig genannte Vorstellungen und
Wünsche, die die Männer in der Thüringer Stadt formulieren und von denen sie
denken, dass sie für die gesuchte Frau von Bedeutung sind. Besonders auffallend
erscheinen die Betonung der handwerklichen Begabung und die Liebe zu Natur,
Garten und Spaziergängen. Die Männer wirken bodenständig und auf ihre traditionelle Rolle als Mann bezogen, nämlich praktisch und zuständig für alle außer
Haus anfallenden Aufgaben. »Gut zuhören«, »gesellig«, »Tanzen und Musik« sind
ebenfalls Eigenschaften und Hobbys, die Frauen an Männern insbesondere mögen
könnten und bevorzugen.
Darüber hinaus werden »Wünsche und Erwartungen an die Partnerin« und das
gemeinsame Miteinander formuliert: »ehrlich«, »treu«, »zuverlässig«, »Vertrauen«,
»gegenseitige Achtung«, »leben«, »lachen«, »lieben«, »fröhlich«, »nett«, »einfach«,
»ehrlich« und dass »man füreinander da ist«, wünschen sich die Männer im Osten
von der Frau, die sie in Regionalzeitungen über Kontaktanzeigen suchen.
Die Frauen, die im Osten eine Kontaktanzeige aufgegeben haben und ihren Stand
benennen, sind vor allem Witwen, die sich mit einem Zusatz, wie z.B. »einsam«, »jung
geblieben«, »sympathisch«, »attraktiv«, »schlank«, »warmherzig«, »einfach«, »bescheiden« oder »herzensgut« näher beschreiben. In der Altersstufe von 50 bis 60 und 61 bis
70 suchen die Frauen in der Mehrheit, jenseits der 71 werden wenige Kontaktgesuche
aufgegeben und bei den über 81-Jährigen hat keine Frau inseriert.
Sechs Kategorien lassen sich bei näherer Auswertung bestimmen: »Selbstbeschreibung« der Frauen, »Hobbys«, die »Bedeutung des Autos«, das »eigene Haus«, »die
perfekte Hausfrau« und »ich gebe alles auf für die Liebe.« In der Selbstbeschreibung
heben die Frauen darauf ab, dass sie »jung geblieben« sind, »jünger aussehen«, eine
»attraktive Figur« besitzen, »hübsch« sind, »etwas zu vollbusig« sind, eine »weibliche« oder »ansprechende« oder »gute« Figur besitzen, über »schöne Rundungen
verfügen«, »seidige« oder »lange, braune Haare« haben, »schöne Augen« haben
und »fraulich« sind. Die »Hobbys« sind »Tanzen«, »Musik«, »Wandern«, »Reisen«,
»Radfahren«, »Garten-« und »Naturverbundenheit« sowie ein »vielseitiges Interesse«. Die Bedeutung des Autos und die Leidenschaft zum Autofahren werden
von den Frauen über alle Altersstufen von 50 bis 80 durchgängig hervorgehoben.
Es folgt im weiteren Verlauf eine Kategorie, die sich mit »perfekter Hausfrau« umschreiben lässt. Die Frauen werben für sich mit Umschreibungen, wie z.B. »häuslich
und natürlich«, »würde kochen für einen lieben Mann«, »perfekte Hausfrau und
Köchin«, »Leidenschaften sind Kochen und Backen«, »kann prima kochen« und
Meyer, Kontaktgesuche älterer Menschen
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dieses vor allem im Alter von 61 bis 70. Das verwundert nicht, wenn bedacht wird,
dass Frauen dieses Alters selbstverständlich in ihre Rollen als Hausfrauen und
Mutter hineingewachsen sind. Es erstaunt umso mehr, wenn berücksichtigt wird, das
sich die Frauen zu DDR-Zeiten (die Frauen in diesem Alter haben einen Großteil
ihres Erwerbstätigenlebens in der DDR verbracht) über ihre selbstverständliche Erwerbsarbeitsbeteiligung nicht unbedingt in erster Linie als Hausfrauen und Mutter
verstehen mussten. Sie sind entweder nach 20 Jahren Wiedervereinigung, vielleicht
Verlust des Arbeitsplatzes und langjährige Nichtbeteiligung am Arbeitsmarkt und
sich daran anschließende Rentenphase in ihre typische Rolle als »Hausfrau und
Mutter« zurückgegangen oder sie gehen davon aus, dass die von ihnen gesuchten
Männer damit ein schönes, harmonisches und gemütliches Zuhause verbinden.
Diesem Ergebnis muss weiter nachgegangen werden. Ein kleinerer Teil der Frauen
gibt an, über ein eigenes Haus zu verfügen und deswegen »ortsgebunden« zu sein,
der weitaus größere Teil der Frauen über die Altersstufen von 50 bis 70 gibt an,
nicht ortsgebunden und umzugsbereit zu sein. Frauen würden ihr Haus verkaufen
bzw. ihr Zuhause aufgeben, um der Liebe folgen zu können. Der Mann, für den
sie ihr bisheriges Leben aufgeben würden, sollte vor allem »lieb und liebenswert«,
»zuverlässig«, »ehrlich«, »treu«, »nett«, »aufrichtig«, »klug« und »naturverbunden«
sein. Es geht dabei um die »gemeinsame Gestaltung des Lebensabends«, um den
»Aufbau einer harmonischen Beziehung« oder darum, einen »Mann zu verwöhnen«
oder um sich »gegenseitig im Alltag zu unterstützen«.
Die Männer und Frauen in Thüringen passen zusammen von ihren Bedürfnissen
und Vorlieben her, die sie jeweils formulieren. Das gilt nicht nur für die Erwartung
an ihre Beziehung und wie sich der jeweils andere Part verhalten sollte in Bezug
auf Liebe, Zuverlässigkeit, Treue, Aufrichtigkeit usw. Sie können auch gemeinsam
etwas miteinander tun, z.B. verreisen oder mit dem Auto fahren; Garten- und
Naturverbundenheit werden die gewünschte »harmonische Beziehung« unterstützen. Die Betonung der Frauen auf ihr gutes Aussehen, ihre gute Küche und ihre
Umzugsbereitschaft sowie der Männer auf ihre handwerkliche Begabung, ihre
Tanz- und Musikleidenschaft und ihre Vorliebe für Gespräche zeigt vor allem,
dass Männer und Frauen davon ausgehen, dass der jeweilige potenzielle Partner
genau das an ihm zu schätzen weiß und dies erwartet. Die thüringischen Männer
und Frauen wollen sich finden und nehmen dafür in Kauf, typische Erwartungen
von Männern an Frauen und umgekehrt, zumindest erst einmal im Kontaktgesuch,
in Aussicht zu stellen.
2.3 Die Suche nach Bekanntschaft, Freundschaft oder Liebe in
Niedersachsen
Die Männer in der niedersächsischen Stadt suchen vor allem in den Altersstufen
von 50 bis 70 bzw. dominieren die Angebote in der Altersstufe von 50 bis 60 Jahren.
Die Kategorien, die sich in den Männer-Kontaktgesuchen erkennen lassen, bestehen
aus einer »Selbstvorstellung«, »Hobbys«, die »Art der gesuchten Bindung« und
»Erwartungen an die Frau«. Auffallend ist der Ausgangspunkt der Anzeige: Die
Beschreibung der Männer, wie sie sich selber sehen, z.B. als »Geschäftsmann und Individuelle
Witwer«, »Bonsai-Harley Fahrer«, »jung gebliebener Herzbube«, »Deutsch-Pole/ Vorstellung
Handwerker/Ex-Seemann«, »Hamburger mit glatter Haut und zehn Jahre jünger
wirkend«, »Mediterraner und häuslicher Er«, »sehr attraktiver und charmanter
Betriebswirt, wohlhabend«, »Einsamer mit Haus und Seeblick« sind einige Bei-
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Meyer, Kontaktgesuche älterer Menschen
spiele für die Selbstvorstellung der Männer, die auf die Frauen wirken sollen und
die sich nicht zu einem bestimmten Thema zusammenfassen lassen, abgesehen
davon, dass die Männer bereits mit dem ersten Eindruck sehr individuell wirken
wollen. Diese Selbstvorstellung wird erweitert durch Eigenschaften, wie z.B.
»spontan«, »humorvoll«, »nicht unvermögend«, die häufiger genannt werden.
Unter »Hobbys« und »Freizeitaktivitäten« werden »Unternehmungen«, »Reisen«,
»Natur«, »Gespräche«, »Wandern«, »Radfahren« genannt. Darüber hinaus ist für
die Kontaktanzeigen der Männer in der niedersächsischen Stadt kennzeichnend,
dass die Art der gewünschten Partnerschaft näher beschrieben wird: »Gemeinsame Freizeit mit Frohsinn und Tiefgang«, »Freundschaft und gemütliche Stunden«,
»dauerhafte Partnerschaft«, »zärtliche romantische Treffen«, »neue Dynamik und
Geborgenheit in einer gut gewürzten Partnerschaft«, »noch einmal durchstarten«,
Vielfalt der »ernsthafte und dauerhafte Beziehung.« Von gemeinsamer Freizeitgestaltung über
Beziehungen eine Freundschaft bis hin zu einer ernsthaften Beziehung werden unterschiedliche
Arten von Beziehung gewünscht, wobei offen bleibt, ob nicht eine Freundschaft
oder gemeinsame Freizeitgestaltung zu einer Partnerschaft führen könnte oder
sogar mitgedacht ist. Insgesamt lässt sich in den Männer-Kontaktgesuchen eine
größere Betonung der Individualität erkennen. Sie stellen sich sehr individualisiert
und beinahe verschlüsselt vor, sie geben dadurch wenig von sich preis, weil es der
eigenen Vorstellung und nicht einer bestimmten Rollenvorstellung unterliegt, wer
oder was sie sind. Darüber hinaus formulieren sie noch Freizeitaktivitäten und
Anforderungen an die Art der Bindung. Insgesamt lässt sich weniger als z.B. bei
den Männern in der thüringischen Stadt erkennen und so ist jede Interessierte auf
ihre Interpretation der Selbstbeschreibung angewiesen. Die Herausforderung dieser
Kontaktgesuche besteht darin, sich unter z.B. einem »Bonsai-Harley Fahrer« oder
einem »mediterranen häuslichen Er« oder einem »Hamburger mit glatter Haut
und zehn Jahre jünger« etwas vorstellen zu können und sich davon angesprochen
oder angezogen zu fühlen.
Die Frauen in der niedersächsischen Kleinstadt suchen in den Altersstufen von
50 bis 80, der weitaus größere Anteil inseriert zwischen 50 und 60 und es fällt auf,
dass in den Altersstufen jenseits der 61 der Anteil der Witwen zunimmt. Mehrere
Kategorien lassen sich bei den Frauen herausstellen, die in »Selbstbeschreibung«,
»Hobbys«, »Aussehen«, »Einsamkeit« sowie die »Anforderungen, wie der gewünschte Partner sein sollte«, zu unterscheiden sind.
Die Frauen beschreiben sich beinahe durchgängig mit ihrem Aussehen und
mit dem Zusatz »jung geblieben« oder »jünger aussehend«: »jünger aussehende
Sie«, »zierliche Sie«, »jung gebliebene Witwe«, »blonde Frau ohne Altlasten«,
»fürsorgliche Krankenschwester, gut aussehend, natürlich, sehr schöne Figur«,
»Witwe mit etwas dran« oder »vorzeigbar und häuslich« sind der Beginn und
somit Ausgangspunkt über 50-jähriger Frauen sich vorzustellen. Sie heben ihre
Einsamkeit als weiteres bedeutsames Element hervor und zählen zu ihren Hobbys:
»Reisen«, »Natur«, »Garten«, »Wandern«, »Sport«, »Kino« und »Theater« und
wünschen sich einen Mann mit »Herz« und »Humor«, »Lebenslust«, einer »ehrlichen« und »liebevollen Art«. Der Hinweis auf sich selber als »gute Hausfrauen«
kommt vor allem in den Altersstufen jenseits der 61 vor, jedoch eher sporadisch
und nebenbei. Die über 71-jährigen Frauen, vor allem Witwen betonen ihre »gute
Küche« und ihre »Einsamkeit«, aus der sie hinaus möchten und sich deswegen
einen »einfachen Mann mit Herz« wünschen. Die Frauen in der niedersächsischen Kleinstadt unterscheiden sich vor allem in den Altersstufen. Von der »jung
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Meyer, Kontaktgesuche älterer Menschen
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gebliebenen Frau« in den 50ern bis zur 70erin, die Witwe, einsam und eine gute
Köchin, wird die Bandbreite der Lebenssituationen bzw. die eigene Einschätzung
der Lebenssituation und die Unterschiede deutlich. Die Lebenslage einer Frau
um die Mitte 50 kann eine deutlich andere sein als die einer 70-jährigen Frau und
dieser Umstand verdeutlicht sich in den Anzeigen der Frauen über ihre Beschreibungen. Die Hobbys ähneln denen der Frauen in Thüringen und die Erwartungen
an die Männer lassen sich auch wieder finden, wenn auch in Niedersachsen »Herz,
Humor, Lebenslust« besonders hervorgehoben werden als Wunscheigenschaften,
die die Männer mitbringen sollten.
Die Männer erscheinen in diesen Kontaktanzeigen individueller, stellen sich
nicht entlang bestimmter Rollenerwartungen dar, die für die Frauen überdeutlich
sind, vielmehr erhoffen sie sich, über Beschreibungen etwas Besonderes von sich
zu zeigen und damit entsprechend die besondere Frau anzusprechen. Darüber
hinaus wollen sie unterschiedliche Arten von Beziehungen zu einer Frau, von
der lockeren Bekanntschaft bis hin zur festen Partnerschaft, wobei ungeklärt
bleibt, ob nicht hinter einem Freundschaftsgesuch ebenso Entwicklungs- und
Verfestigungsperspektiven verborgen sind. Die Männer bleiben im Vergleich zu
den Kontaktgesuchen in der thüringischen Stadt zurückhaltender bezüglich ihrer
stereotypen Rolle als Mann. Sie formulieren differenzierter und vielfältiger, wen
mit welchen Eigenschaften und Vorlieben sie sich wünschen.
Die Frauen sind offensichtlich in ihrem Angebot, sie bestehen auf ihre Rolle, die
ihnen als Frau zugewiesen ist im Hinblick auf ihr Äußeres und ihre »jung gebliebene« Persönlichkeit. Nahezu jedes Kontaktgesuch weist auf die eigene Attraktivität
hin und beschreibt sie mit irgendeiner Besonderheit. Darüber hinaus bieten sie
vielfältige Freizeitaktivitäten. Mit zunehmendem Alter steigt ihr Witwenanteil
und damit parallel ihre hausfraulichen Qualitäten. Damit stellt sich gleichzeitig
auch die Frage, was denn Frauen und Männer voneinander wollen könnten, wenn
es jenseits von Menopause eben nicht mehr um Familiengründung, Hausbau und
Karriere geht. Die Eigenschaften, die sich die Frauen in Niedersachsen bei einem
Mann wünschen, weisen genau darauf hin, er muss nicht unbedingt zuverlässig sein
oder Ernährerqualitäten haben, es geht vor allem um das Genießen des Lebens,
zu dem er mit Herz, Humor und Lebenslust fähig sein sollte.
Die Kontaktgesuche der Männer und Frauen sind auffällig unbestimmt und
offen in der Art der Intensität und den wechselseitigen Erwartungen aneinander.
So als wäre die Tiefe der Verbindlichkeit grundsätzlich offen, veränderbar und
ausbaufähig.
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Rollenerwartungen
und
Individualität
2.4 Überregionales Suchen im Magazin der Wochenzeitung »Die Zeit«
Im Zeit-Magazin suchen Männer, die sich manchmal als Witwer beschreiben, vor
allem aber auf ihre gute Ausbildung hinweisen, die sie genossen haben sowie ihren
beruflichen Status: »Akademiker«, »Naturwissenschaftler«, »TV-Autor«, »Rechtsanwalt«, »Unternehmer«, »Kaufmann«, »praktisch veranlagter Denker«, »Ingenieur«, »Architekt« etc. Nahezu die gesamte Bandbreite akademischer Ausbildung
sucht eine Frau, an die sie Ansprüche formulieren. Es folgt die »Beschreibung der
Beziehung«, die gewünscht wird, »Freizeitinteressen« sowie die »Erwartungen an
die Frau«, die sich auf die Anzeige hin melden soll. Die 61- bis 80-Jährigen geben
vor allem Einsamkeit als Motivation an, sich eine Partnerin zu wünschen, während
die 50- bis 60-Jährigen auf einen »unbeschwerten Neuanfang«, »Freundschaft« oder
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2/2011
Meyer, Kontaktgesuche älterer Menschen
»Beziehung« setzen, »vielseitig und belebend«, einen »seriösen Neuanfang« möchten oder den »sanften Wunsch nach Berührung und einem Gegenüber« verspüren.
Gemeinsames Kennen lernen über Gespräche oder gemeinsame Treffen werden
betont und es folgt die Hobby-Kategorie: »Reisen«, »Natur«, »Sport«, »Musik«,
»Tanzen«, »Wandern«, »Radfahren« sind meistgenannte Freizeitinteressen und
es folgt »Wissenschaft«, »Wirtschaft«, »Literatur«, »Kino« und »Kochen«. Die
Erwartung an die Frau, wird mit »Niveau und Charakter«, »unabhängig und klug«,
»selbstbewusst oder als gestandene Frau mit aufgearbeiteter Vergangenheit«, »mit
Bildung und vielseitigen Interessen« beschrieben.
Im Zeit-Magazin suchen vor allem Frauen im Alter von 50 bis 70 einen Mann, an
den sie Erwartungen formulieren, während sie selber sich ausführlich in ihrem »Aussehen«, ihrem »Berufsstand« und ihren »Hobbys« beschreiben: »attraktive Ärztin«,
»blonde aparte Pharmazeutin«, »attraktive Frau mit Tiefgang«, »schlanke Ärztin«,
»bildhübsche bezaubernde Gefängnisärztin«, aber auch: »unternehmungslustige
Frau in den besten Jahren«, »Schwimmerin und Hörerin an der Uni«, »blond, groß,
schlank und studiert«, »kultivierte schlanke Schöne«, »mit 50 noch viele Träume«
etc. Einige wenige weisen auf ihren Witwenstand hin. In einer weiteren Kategorie
beschreiben sie ihre »Freizeitinteressen« und »Hobbys«, denen sie nachgehen. Dazu
gehören »Bücher«, »Literatur«, »Musik«, »Reisen«, »Spazierengehen«, »Wandern«,
»Natur«, »Radfahren«, »Tanzen«, »Oper«, »Theater«, »Kino«, »Konzerte«, »Kunst«
und »Kultur«, »gutes Essen«, aber auch »anregende Gespräche«, »entspannte
Stunden«, »Erleben und Genießen«, »Lachen und Neugierde«, »Freude am Denken, Fühlen und Erleben«. Über die Interessen hinaus werden damit wesentliche
Elemente des Gemeinsamen festgelegt und eingefordert. Die Erwartungen an
den Mann, die von den Frauen im Zeit-Magazin formuliert werden, meinen einen
»klugen«, »einfühlsamen«, »humorvollen«, »herzensgebildeten«, »gut situierten«,
»aufmerksamen«, »zärtlichen« Freund, Lebensbegleiter oder Partner.
Die Kontaktanzeigen sowohl der Männer wie auch der Frauen im Magazin der
Wochenzeitung »Die Zeit« sind ausführlicher angelegt, die Personen versuchen
ihre Individualität zu präsentieren und gleichzeitig etwas mehr ihrer Persönlichkeit durchscheinen zu lassen sowie darüber hinaus interessant und zugleich
Stellung im unabhängig herüberzukommen. Den Beruf und die Stellung im Beruf zu nennen,
Beruf erscheint beiden Geschlechtern selbstverständlich, während die Frauen jedoch
zusätzlich auf ihr gutes Aussehen hinweisen. Einsamkeit und Witwenstand sind
für die älteren Männer Motivation und Anlass nach einer Partnerin zu suchen,
während die 50- bis 60-Jährigen Unterschiedliches im Kopf haben, was die Frau
ihnen sein soll: Partnerin, Freundin, Weggefährtin etc. Darüber hinaus fällt auf,
dass die Männer betonen, eine Frau zu wollen, die gebildet, klug und unabhängig
ist und ihre Vergangenheit aufgearbeitet hat. Es klingt als würden sie eher nach
einem Freund suchen und nicht nach einer Frau. Die Interessenvielfalt beider
Geschlechter, Männer wie Frauen ist typisch für den gehobenen Anspruch, den
diese Männer und Frauen in ihren Kontaktgesuchen repräsentieren wollen. Neben
den bereits aus den anderen Kontaktanzeigen bekannten Freizeitaktivitäten, wie
z.B. Reisen, Wandern, Natur, Spazierengehen, Tanzen, Musik und Kino kommen
nun Oper, Theater, Literatur, Kunst und Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft etc.
noch dazu. Es wird unübersichtlich in der Vielfalt, für die man sich interessiert.
Weiterhin auffällig sind Erwartungen, die von den Frauen aus dem Zeit-Magazin
an die gesuchten Männer formuliert werden, sie sollen klug und gut situiert, vor
allem aber herzensgebildet, humorvoll, aufmerksam und zärtlich sein. Die Frauen
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bestehen also nicht unbedingt darauf, in ihrer Freizeit bzw. dem gewünschten Gehobener
Partner gegenüber durchweg auf ihrem angepriesenen hohen Niveau zu verblei- Anspruch
ben, vielmehr geht es ihnen auch um eine Begegnung zwischen Mann und Frau,
unabhängig von beruflicher Stellung und gebildetem Freizeitvergnügen.
Insgesamt fällt auf, wie individuell und offen die Kontaktgesuche im überregionalen Bereich formuliert sind und bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass
die gesuchten Männer und Frauen viele Bedingungen zu erfüllen haben, wie z.B.
Bildung und eine bedeutende Stellung im Beruf, Vermögen, vielfältige Freizeitinteressen und gutes Aussehen, eine aufgearbeitete Vergangenheit, Offenheit der
Begegnung gegenüber sowie Herz und Humor. Ein gebildeter und kluger, aber
armer Abenteurer mit viel Herz und Verstand muss woanders suchen.
2.5 Vom Suchen und Finden der Liebe in der Zeitung
Ältere Menschen wünschen sich Verbindungen zu anderen Menschen, sie wünschen
sich wie in jedem anderen Lebensalter auch, Liebe, Sex und Freundschaft, die sie
mit jemandem teilen können und dieser Mensch soll eventuell auch im höheren
Lebensalter für den anderen da sein, ihn versorgen, wechselseitige Hilfeleistungen
ermöglichen. Vor allem Menschen zwischen 50 bis 60 und Menschen zwischen 61
bis 70 Lebensjahren suchen Partnerinnen und Partner für unterschiedliche Varianten des Zusammenseins, von der Freundschaft bis zur dauerhaften Liebe und
Partnerschaft. In den Kontaktanzeigen konnte viel über das Suchen herausgefunden
werden, über das Finden jedoch weniger. Zum Suchen gehört es, sich zu präsentieren und über Sprache zu versuchen, aus einer größeren Masse heraus zu stechen,
so dass jemand, am besten aber »der Richtige«, auf die Anzeige aufmerksam wird
und sich meldet. Frauen und Männer preisen sich auf sehr unterschiedliche Weise
an, im Osten wird es direkter und offener in Richtung typischer Stereotype getan Stereotype
als im Westen oder überregional. Dennoch ist es in allen Kontaktgesuchen auffällig: Die Frauen wollen als Frauen gefunden werden und dazu zählt das Aussehen,
jung geblieben und dennoch gut in hausfraulichen Belangen zu sein, überregional
kommen die Bildung, die Stellung im Beruf und die Unabhängigkeit hinzu, um
attraktiv auf die Männerwelt über 50 zu erscheinen.
In Bezug auf die Lebensphase »Alter« stellt sich vor allem die Frage, warum in
den Kontaktgesuchen »jung geblieben« nach wie vor als Begriff gilt, mit dem der
Rest der Welt etwas anzufangen weiß; was verbirgt sich hinter »jung geblieben«,
was soll jemand anderes darunter verstehen? Für den Alternsprozess bedeutet es
wohl eine Umkehrung, denn jeder wird jeden Tag älter und bleibt nicht jünger,
vielmehr gewinnt er jeden Tag an Erfahrungen hinzu, die sein Leben und seine
Einstellung zum Leben verändern können (vgl. Meyer, 2008). »Jung bleiben« heißt
dann jedoch auch, sich diesen neu zu stellenden Erfahrungen zu widersetzen und
lieber »jung, unschuldig und unwissend« zu bleiben. Die unsichtbare und dennoch
stets zu bemerkende Defizitperspektive des Alters blitzt auch in den Kontaktanzeigen hervor.
Weiterhin fällt auf, dass die Kontaktanzeigen in der thüringischen Stadt sehr viel
eindeutiger und enger auf den Wunsch nach einer neuen festen und tiefen Partnerschaft zielen und genau die traditionellen Rollenerwartungen von Männern und Vielfältige
Frauen wechselseitig in den Kontaktgesuchen vorzufinden sind, während in der Erwartungen
niedersächsischen Stadt und in der überregionalen Zeitung die Anzeigen sehr viel
offener und mit Betonung der Individualität formuliert werden. Zumindest für das
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Zeit-Magazin lässt sich dann doch wieder feststellen, dass die ausführlichen individuellen Kontaktgesuche auch nur bestimmte Frauen und Männer aus gehobenen
Schichten im Blick haben, dennoch bleibt offen, ob ein Lebenspartner, Freund
oder Freizeitgefährte gesucht wird. Die Männer und Frauen in der thüringischen
Stadt wollen eine verbindlichere und engere familiäre Bindung zu jemand anderem aufbauen. Im Bereich der Hobbys und Freizeitaktivitäten kommt in nahezu
allen Kontaktgesuchen die Liebe zum Garten, Radfahren, Wandern, Sport, Tanzen
und zur Musik vor. Die Älteren sind sich über ihre Leidenschaften entweder einig
oder sie meinen, dass das den Interessen am nächsten kommt, die auch andere
mit ihnen teilen und sich daraufhin auf ihr Kontaktgesuch melden würden. Die
Frauen und Männer der thüringischen Stadt bilden eine Ausnahme in Bezug auf
ihre durchgängig formulierte Vorliebe zum Reisen, Auto und Autofahren. Das
Auto kann als Ausdruck von Unabhängigkeit und Freiheit eingeschätzt werden,
dem in dieser Generation eine große Bedeutung zukommt, da sie zu DDR-Zeiten
lange auf Mobilität verzichten mussten oder diese nur eingeschränkt wahrnehmen
konnten.
Aus den Kontaktanzeigen lässt sich einiges interpretieren, was für ältere MenTabu
Sexualität? schen von Bedeutung ist, welche Wünsche und Vorstellungen sie haben, auch
wenn die Anzeigensprache Bedürfnisse verschlüsselt. Mit dem Wissen über die
Wünsche nach aktiv zu lebender Sexualität bis in das hohe Alter hinein und der
Nicht-Thematisierung in den Kontaktanzeigen wird deutlich, dass sich bisher in
Kontaktanzeigen (noch) nicht getraut wird, auch diesen Wunsch nach gemeinsamer
Sexualität zu formulieren. Es könnte jedoch auch sein, dass er implizit enthalten
und als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Weiterhin erscheint bedeutsam, dass
diese Art der Suche ab einem bestimmten Alter eingestellt wird.
3 Suchmöglichkeiten und vor allem Finde-Chancen für das
Alter erhöhen
Davon ausgehend, dass die Lebensphase Alter vielfältiger und auffälliger geworden
ist, gestaltungsnotwendig und gestaltungsoffen, eröffnet dies sozialpädagogischem
Nachdenken über Alternsprozesse die Möglichkeit, alte Menschen darin zu bestärken, ihr individuelles Lebensprojekt weiterverfolgen zu können. Es werden
Unterstützungsarrangements benötigt, die an den jeweiligen Selbstdeutungen und
individuellen Handlungsmustern und den je spezifischen sozialen, materiellen,
milieuspezifischen und kulturellen Bezügen und Kontexten ansetzen und mögLebens- liche Begrenzungen verändern. Auf diese Weise können individuell entworfene
entwürfe Lebensentwürfe mit sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Strukturen und
Gelegenheiten der Lebensumwelt in Verbindung gesetzt und abgesichert werden.
Ältere Menschen sollen selbst bestimmte, subjektiv befriedigende, als kontinuierliche und sinnvoll erlebte Lebensentwürfe gestalten können (vgl. Schweppe,
2005). So geht es in der Sozialen Altenarbeit um die Unterstützung zur Herstellung
biografischer Anschlussfähigkeit an sich verändernde Umwelten durch die Bewältigung der ambivalenten und paradoxen Anforderungen moderner Lebensführung
im Alter. Damit wird eine Positionierung in neuen Bezügen sowie eine Aneignung
der Umwelt unter sich verändernden Bedingungen möglich. Böhnisch verlangt ein
Konzept von Lebenszufriedenheit, das die Balance von selbst gewähltem Rückzug
und selbstbestimmter Aktivität zum Hintergrund nimmt, denn aus der Balance von
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Aktivität und selbstbestimmten Rückzug definiere sich die Handlungsfähigkeit im
Alter (Böhnisch, 2005: 79). Eine der Herausforderungen des Alters könnte jedoch
sein, sich neuen sozialen Beziehungen stellen zu müssen und aus ihnen heraus
sozialbiografische Perspektiven für das Alter zu entwickeln (vgl. ebd., 2005) und
genau dieser Herausforderung gehen die Kontaktsuchenden in ihren Anzeigen
nach. In die Lebensphase Alter hineinwachsende Menschen zwischen 50 und 70
Jahren suchen sogar sehr rege nach einer neuen Partnerschaft. Vor allem in diesen
Altersgruppen werden Kontaktgesuche aufgegeben, während die jenseits der 70
Jahre alten Männer und Frauen kaum mehr in ihrem Bedürfnis nach einer Partnerschaft auftauchen (dabei muss die Möglichkeit bedacht werden, dass sich die
Kontaktsuchenden vorsätzlich verjüngen und sich davon Vorteile versprechen).
Doch auch im höheren Lebensalter wünschen sich Ältere jemandem, mit dem sie
noch einige Jahre verbringen können, dem sie nahe kommen können und der sie
unterstützt, mit dem sie ihre Wünsche nach Nähe und Sexualität ausleben können.
Der Film »Wolke 9« und Elfriede Vavriks »Nacktbadestrand« zeigen beispielhaft,
dass Wünsche und Sehnsucht nach Sexualität im Lebensverlauf bis in das hohe
Alter mitkommen und mit dem demografischen Wandel und steigenden Anteilen
Älterer an der Gesellschaft zukünftig expliziter thematisiert werden. Damit steigt
auch der Bedarf nach Such- und Findemöglichkeiten für potenzielle Partner, die
sowohl Freundschaft, Liebe und Sexualität wie auch Unterstützungs- und Hilfemöglichkeiten bieten. Dazu gehört dann auch, den Älteren Möglichkeiten und
Unterstützungen zu eröffnen, Bindung, Nähe, Liebe und Sexualität befriedigend
leben zu können, auch wenn Hilfe- und Unterstützungsbedarfe im Alternsprozess
kontinuierlich zunehmen.
Wünsche
nach Nähe
und
Sexualität
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Verf.: PD Dr. Christine Meyer, Vertretungsprofessorin für »Sozialmanagement in
pädagogischen Handlungsfeldern«, Friedrich-Schiller-Universität Jena,
Institut für Erziehungswissenschaft, Am Planetarium 4, 07737 Jena
E-Mail: [email protected]
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