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Dare to be wise!
In zehn Schritten zu
aktiverer Beteiligung von Älteren
auf sozialen Plattformen.
Leitlinien für BetreiberInnen von 50plus-Plattformen und Seniorenuniversitäten.
Vorwort
Einleitung
Anne-Sophie Parent, Generalsekretärin von AGE Platform Europe
Von Anfang an hat AGE das EU-Projekt „PEER – Dare to be wise!“, das 50plus-Plattformen
für nicht-formell und informell Lernende attraktiver gestalten möchte, mit aller Entschiedenheit
Ältere Menschen begeistern sich zunehmend für das Lernen im Internet. Web2.0 Tools können
unterstützt. AGE begrüßt die neuen Leitlinien für Web2.0 Tools, die Menschen der Altersgruppe
mit ihren interaktiven und auf Zusammenarbeit ausgerichteten Funktionen dieser Benutzer-
50plus das Lernen in sozialen Netzwerken erleichtern.
gruppe eine Möglichkeit geben, Wissen zu erwerben und/oder weiterzugeben, ihre kognitiven
Fähigkeiten zu erhalten und in den unterschiedlichsten Bereichen neue Interessen zu entwi-
Dabei befassen sich diese Leitlinien mit technischen wie auch didaktischen Fragen; durchge-
ckeln. Es ist eine Herausforderung, die Mitglieder Ihrer Plattform in ihrem Bedürfnis nach Wis-
hendes Ziel ist es, den Informationsaustausch und die Weitergabe von Wissen und Erfahrun-
senserwerb und -austausch zu unterstützen.
gen unter den NutzerInnen zu vereinfachen. Durch diese praxisbezogene Orientierung sind sie
für TrainerInnen wie ältere Internet-NutzerInnen von großer Bedeutung. Ebenso berücksich-
Daher möchten wir Ihnen mit diesen Leitlinien eine Orientierungshilfe im Einsatz von Web2.0
tigen die Leitlinien die große Bandbreite innerhalb der Altersgruppe 50plus, was Fähigkeiten
Tools bieten, die das Lernen der Altersgruppe 50plus in sozialen Online-Netzwerken fördern.
im Umgang mit neuen Technologien und die Anwendung von Online-Tools, wie den in diesem
Die Leitlinien wenden sich an BetreiberInnen von Online-Plattformen für Personen der Alters-
Projekt entwickelten, betrifft.
gruppe 50plus („50plus-Plattformen“), wie auch an Senioren-Universitäten, deren Angebot über
das Internet wahrgenommen werden kann, sowie andere interessierte Institutionen.
AGE bewertet es als ganz besonders positiv, dass das Lernen in einer Web2.0-Umgebung so
begriffen wird, dass die Lernenden im Mittelpunkt des Lernprozesses stehen. Dies bedeutet
Die erste Hälfte dieser Leitlinien (Empfehlungen 1-5) bezieht sich auf technische Fragen, die
einen begrüßenswerten Schritt weg von der traditionellen Lehre hin zu neuen Lernkonzepten,
zweite Hälfte (Empfehlungen 6-10) enthält Anregungen in Bezug auf den Lernprozess. Insge-
welche die Lernenden ins Zentrum rücken. Zudem möchten wir die große Wichtigkeit einer Ge-
samt möchten sie Ihnen nahebringen, wie Sie das Aktivitätsniveau auf Ihrer Plattform heben
staltung dieser Tools im Sinne eines umfassenden „Design für alle“-Konzepts und eines inklu-
können, indem Sie Austausch und Lernen unter älteren Erwachsenen fördern, und Ihnen ge-
siven Ansatzes betonen, die ihre Zugänglichkeit auch für Menschen mit Behinderungen sichert.
eignete Tools vorstellen.
Wir sind überzeugt, dass diese Tools positive Möglichkeiten eröffnen, um Dialog, Debatten und
Diskussionen in den Interessensgebieten der NutzerInnen anzuregen.
Die Leitlinien beruhen auf Forschungsaktivitäten im Rahmen des EU-Projekts „PEER – Dare
to be wise!“ (2011-2013). PEER möchte 50plus-Plattformen attraktiver für nicht-formelles und
Wir von AGE werden diese Web2.0 Tools mit großem Engagement unter unseren Mitgliedern
informelles Lernen machen und dabei den Schwerpunkt auf den virtuellen Austausch unter
und in unserem Netzwerk bekannt machen und regelmäßige Rückmeldungen anregen, da un-
Personen der Altersgruppe 50plus („Peer-to-peer learning“, Lernen unter Gleichaltrigen) legen.
serer Erfahrung nach die BetreiberInnen so die Möglichkeit erhalten, ihre Plattformen entlang
der Bedürfnisse der NutzerInnen und ihrer tatsächlichen Benutzererfahrung zu gestalten.
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Folgen Sie PEER auf der Projekt-Seite unter http://www.peer-learning-50plus.eu
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Empfehlung 1
Unterstützen Sie die Altersgruppe 50plus mit Web2.0 Tools, die ihren Bedürfnissen
gerecht werden.
Mit nur kleinen Änderungen durch Web2.0 Tools kann Ihre Online-Plattform zu einer interaktiven Lernumgebung werden. Sie eröffnen den einzelnen NutzerInnen die Möglichkeit, sich
zu artikulieren, Erfahrungen und Wissen weiterzugeben und ein Gefühl von Würde, Wertschätzung und Anerkennung zu erleben. Gut konzipierte und benutzerorientierte Web2.0
Tools unterstützen den Informationsfluss und sind strukturgebend. Sie verbinden Ihre TeilnehmerInnen mit der Welt außerhalb des geschlossenen Systems Ihrer Plattform.
Wir empfehlen die folgenden Typen von Web2.0 Tools, um Ihren Mitgliedern das Lernen unter
Gleichaltrigen zu erleichtern:
•Ein sicheres Datei-Respository, in dem man unterschiedliche Dateiformate
und Medientypen speichern kann;
•File-Sharing-Tools für den Upload und Download;
•Kommentar-Tool für den Austausch und die Diskussion von Wissen, Erfahrungen
und Meinungen;
•Audio- und Videokonferenz-Tool für Lernen in der Gruppe;
•Planungstools für Termine und Ereignisse;
•Lesezeichen-Tools zur Strukturierung relevanter Informationen;
•Kollaborationstools zur gemeinsamen Bearbeitung eines bestimmten Themas.
Denken Sie daran, Ihren Mitgliedern die Vorteile dieser Web2.0 Tools zu erklären!
Link:
• Auswahl von Web2.0 Tools zu Ihrer Anregung: http://www.peer-learning-50plus.eu/en/attach/WP3_D6.pdf
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Empfehlung 2
Bedenken Sie, was Ältere vom Gebrauch von Web2.0 Tools abhalten könnte.
Vertrauen, Sicherheit und Zuverlässigkeit sind von entscheidender Bedeutung, um ältere
Lernende zur Weitergabe von Informationen zu motivieren, besonders wenn es sich um
persönliche Daten handelt. Auch wenn jedes Web2.0 Tool vertrauenswürdig sein sollte, benötigen gerade die über 50-Jährigen ein Gefühl der Sicherheit bei der Anwendung. Wenn Sie
Ihre NutzerInnen ausreichend über die technischen Aspekte und den Umgang mit Inhalten
informieren, steigert dies ihr Sicherheitsgefühl.
Zuverlässigkeit der Infrastruktur
•Stabile, rund um die Uhr verfügbare Web2.0 Tools sind ein wesentlicher Faktor für die Auf rechterhaltung einer Umgebung, die zum Lernen motiviert.
•Benennen Sie klar den Hauptzweck eines Web2.0 Tool. Sie vermeiden so Missverständnisse.
•Anleitungs-Videos, Informationstexte, aktuelle Mitteilungen zu Software-Änderungen und
Erläuterungen neuer Funktionen sowie ein Beratungsangebot können sinnvoll sein und zu
einem besseren Verständnis und damit einer besseren Nutzung der Tools beitragen.
•Verzichten Sie auf juristische oder technische Fachausdrücke. Dies erleichtert das Verständ nis und steigert so die Zuverlässigkeit.
Vertrauenswürdigkeit und Sicherheit von Daten
•Links oder Informationen zur Verwendung von Beiträgen sollten nur nach einer Prüfung
bereitgestellt werden.
•Es muss gewährleistet sein, dass persönliche Daten nicht an Dritte weitergegeben werden
und die Mitglieder auf Wunsch auch anonym bleiben können.
•Die NutzerInnen sollten darauf hingewiesen werden, dass sie Beiträge wieder löschen
können und die vollständige Kontrolle über (und Verantwortung für) die Informationen haben,
die sie im Internet veröffentlichen.
Verzichten Sie nach Möglichkeit auf kommerzielle Beiträge und Anzeigen, da diese von der
Altersgruppe 50plus allgemein als unerwünscht wahrgenommen werden.
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Empfehlung 3
Bieten Sie der Altersgruppe 50plus leicht zugängliche und nutzbare Web2.0 Tools
Auch wenn die Gruppe der über 50-Jährigen sehr unterschiedlich in ihren Fertigkeiten und
Bedürfnissen ist, fördern Sie mit intuitiv bedienbaren Web2.0 Tools, die individuell angepasst werden können und attraktiv gestaltet sind, allgemein die Beteiligung und Lernmotivation. Eine klar strukturierte Navigation und eine gut aufgeteilte Benutzeroberfläche sind
weitere wichtige Merkmale, durch die sich leicht zugängliche Web2.0 Tools für Ihre Mitglieder auszeichnen. Machen Sie das Konzept „Design für alle“ zu Ihrem Prinzip.
Zu den Hauptkriterien für die Benutzerfreundlichkeit von Web2.0 Tools gehören:
•Keine Registrierung für das Web2.0 Tool;
•Verfügbarkeit von einfachen Anleitungen und Leitlinien zur Verwendung der Tools, vorzugs weise erläutert in kurzen Videos oder mit Bildern;
•Optionen zur bequemen Auswahl von eingegangenen Informationen und Meldungen nach
persönlichen Interessen, Funktionen zur Abbildung der Interaktionsstruktur;
•Fehlertoleranz: die Tools sollten „fehlertolerant“ sein, d.h. fehlerhafte Eingaben führen nicht
zu einem Absturz von Programm oder Computer;
•Spaß bei der Anwendung;
•Überwindung von Sprachbarrieren: Die NutzerInnen können in ihrer eigenen Sprache
veröffentlichen und lesen.
Wichtige Bedienbarkeitskriterien für Web2.0 Tools sind:
•Klare und logische Struktur;
•Verzicht auf technische Fachsprache in der Anleitung;
•Verzicht auf Download-Optionen für zusätzliche Funktionen und Informationen, wo möglich;
•Klar identifizierbare Links;
•Standardmäßige Schriftgröße mind. 12 Punkt mit einfach zugänglichen Vergrößerungsoptionen;
•Hoher Kontrast im Text;
Links:
•Alle Informationen sind auf einen Blick verfügbar.
• Web Content Accessibility Guidelines 2.0: http://www.w3.org/TR/2008/REC-WCAG20-20081211 (Englisch)
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• Understanding WCAG: http://www.w3.org/TR/2012/NOTE-UNDERSTANDING-WCAG20-20120103 (Englisch)
Je größer Benutzerfreundlichkeit und Bedienbarkeit Ihrer Tools sind, desto wohler werden
• Techniques for WCAG: http://www.w3.org/TR/2012/NOTE-WCAG20-TECHS-20120103 (Englisch)
sich die NutzerInnen fühlen und sie umso begeisterter anwenden!
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Empfehlung 4
Integrieren Sie verfügbare bereits angepasste Web2.0 Tools in Ihre Plattform
Zentrale Zielsetzung des PEER-Projekts ist es, ein Set ausgewählter Web2.0 Tools bereitzustellen, die an die Bedürfnisse älterer Lernender angepasst sind. Sie werden kostenlos
angeboten und decken zahlreiche Anforderungen der Altersgruppe 50plus ab.
Auf der PEER-Website werden angepasste Tools als „PEER-Lernpaket“ zum Download angeboten und können in bestehende Plattformen integriert werden:
•Sharedocs ist ein kostenloser Datei-Hosting-Dienst, der eine Speicherung in der Cloud,
Dateisynchronisierung und Client-Software anbietet. Der Zugang erfolgt über das Inter net; nach einer Registrierung auf der Plattform können Ihre Mitglieder große Datenmengen
speichern, etwa Fotos oder Videos, und für FreundInnen oder KollegInnen freigeben.
Dieses Tool ist vollkommen sicher, und nur Mitglieder Ihrer Plattform können auf Dokumente
und Dateien zugreifen.
•Polly ist ein Online-Terminplaner, mit dem die AdressatInnen zu einer „Umfrage“ eingeladen
werden und ihre Verfügbarkeit für eine Besprechung oder ein Ereignis angeben können. Die
NutzerInnen erstellen eine Umfrage mit Optionen für unterschiedliche Tage und Uhrzeiten, aus
denen die TeilnehmerInnen wählen können. Es besteht auch die Möglichkeit einer Abstimmung.
•Mit Meet&Share können die NutzerInnen auf Software für Audio-/Videokonferenzen zu greifen und sofort eine Online-Konferenz einberufen. Dabei können die NutzerInnen Mikrofon
und/oder Webcam einsetzen, Dokumente mittels Whiteboard weitergeben, ihren Bildschirm
freigeben und Besprechungen aufzeichnen.
•Talkmaster ist eine Chat-Funktion, über welche die NutzerInnen direkt in Kontakt treten
und miteinander kommunizieren können. Auf diesem Weg kann ein Austausch über Lernin halte, direkte Fragen oder andere Themen stattfinden, die direkt besprochen werden müssen.
Link:
• PEER-Lernpaket: http://www.peer-learning-50plus.eu/results/peer_learning_package
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Auf der PEER-Website finden Sie zu jedem Tool eine Installationsanleitung für Ihre Plattform!
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Empfehlung 5
Regen Sie Rückmeldungen zur Weiterentwicklung Ihrer Web2.0 Tools an
Die Einbeziehung Ihrer Mitglieder in die Weiterentwicklung der auf Ihrer Plattform implementierten Web2.0 Tools steigert die Beteiligung und das Zugehörigkeitsgefühl. Eine Mitgliederbeteiligung bietet Plattform-BetreiberInnen zudem den Vorteil, die Plattform entsprechend
ihrer Bedürfnisse gestalten zu können.
Berücksichtigen Sie die Einstellungen und Erfahrungen Ihrer NutzerInnen und beziehen Sie
sie ein!
•Bitten Sie Ihre Mitglieder um eine Rückmeldung zu Ihrem aktuellen Service.
•Bitten Sie sie um Vorschläge für die Überarbeitung und Erweiterung von Inhalten, Strukturen,
Anwendungen, Design und Support.
•Alternativ dazu können Sie auch Tools für ein Online-Feedback, Umfragen und Formulare zur
direkten Kommunikation anbieten, um mehr über Ihren Service zu erfahren.
Das PEER-Projekt legte Wert darauf, die EndnutzerInnen einzubeziehen. In partizipativen
Workshops wurden mit großem Enthusiasmus und Engagement nützliche Anwendungen vorZum Thema Qualitätssicherung bietet das PEER-Projekt einen Einblick über Instrumente und weitere Leitlinien (auf Englisch):
geschlagen, Ideen vorgestellt und die vorgeschlagene Lösung kommentiert.
•Web 2.0 Tools and Older People – An Overview of Quality Assurance Instruments
(„Web2.0 Tools und Ältere – Ein Überblick über Instrumente der Qualitätssicherung“):
http://www.peer-learning-50plus.eu/en/attach/D14_quality_instruments.pdf
Die Anregungen Ihrer NutzerInnen sind wertvoll!
•Quality assurance framework for the introduction and implementation of Web2.0 tools in social networks for older adults
(Qualitätsrahmen für die Einführung von Web2.0 Tools auf 50plus Plattformen)
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http://www.peer-learning-50plus.eu/en/attach/Peer_D15_final.pdf
Links:
•Quality assurance framework in practice: a handbook for operators of 50plus platforms.
Methoden zur Einbeziehung von Persone der Altersgruppe 50plus in Feedback-Runden finden Sie (auf Englisch) unter:
(Qualitätsrahmen in der Praxis: ein Handbuch für Operators von 50plus Plattformen)
•http://www.peer-learning-50plus.eu/en/attach/WP2_workshop_methodology.pdf
http://www.peer-learning-50plus.eu/en/attach/PEER_D16_final.pdf
•http://www.peer-learning-50plus.eu/en/attach/PEER_D7_Assessment_Workshop_Methodology.pdf
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Empfehlung 6
Legen Sie Wert auf einen Verhaltenskodex
Für die Gruppe der über 50-Jährigen ist es im echten wie auch im virtuellen Leben besonders wichtig, höflich und respektvoll aufzutreten und behandelt zu werden. Daher schlagen
wir die Einführung von Netiquette-Regeln zu höflicher Sprachwahl und einem respektvollem
Kommunikationsstil vor.
Legen Sie einen Verhaltenskodex fest und sorgen Sie dafür, dass er eingehalten wird.
•Mitteilungen von Plattform-Mitgliedern sollten diesem Kodex entsprechen, sie sollten höflich
und verständlich formuliert und ihr Inhalt richtig und klar sein.
•Es sollte eineN AnsprechpartnerIn geben, der oder die für Fragen des vertraulichen Aus tauschs oder bei Missverständnissen, persönlichen Konflikten oder in anderen kritischen
Situationen zuständig ist. Daneben sorgt diese Person im Falle von unangemessenen Inhalten
für die Einhaltung des Kodex oder überwacht die Plattform auf missbräuchliche Verwendung.
•Der Kodex könnte durch eine Netiquette ergänzt werden, die von Ihren Mitgliedern selbst
erarbeitet wird.
Geben Sie Ihren Mitgliedern ein sicheres Gefühl im Austausch untereinander – sie sollen
sich wohlfühlen als Mitglieder Ihrer Plattform!
Link:
PEER learning package: http://www.peer-learning-50plus.eu/results/peer_learning_package
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Empfehlung 7
Geben Sie den über 50-Jährigen das Gefühl, dass Ihre Web2.0 Tools auf sie
zugeschnitten sind
Die Altersgruppe 50plus ist sehr heterogen zusammengesetzt, mehr als jede andere
Alterskohorte! Daher wissen sie Optionen zur individuellen Einstellung von Web2.0 Tools
zu schätzen.
Die Altersgruppe 50plus ist sehr heterogen zusammengesetzt, mehr als jede andere Alterskohorte! Daher wissen sie Optionen zur individuellen Einstellung von Web2.0 Tools zu schätzen.
Bieten Sie flexible Web2.0 Tools auf Ihrer Plattform an, um beispielsweise:
•Gleichgesinnte in Lerngruppen zu treffen;
•andere Formen individuellen und selbstbestimmten Lernens zu schaffen.
Die Altersgruppe 50plus möchte ihre Daten und hochgeladenen Dateien unter Kontrolle haben.
•Es ist daher empfehlenswert, den Prozess der Datenverwaltung klar zu strukturieren
und Schritt für Schritt zu erläutern, wie Dateien gespeichert, geändert oder gelöscht werden
können.
•Ebenso wichtig ist es, den Mitgliedern gegenüber transparent zu machen, wer Zugriff auf
die Daten hat.
Geben Sie den NutzerInnen die Möglichkeit, ihren Lernprozess persönlich zu gestalten und
so eine selbstbestimmte, individuelle und erfolgreiche Lernerfahrung zu schaffen!
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Empfehlung 8
Reflektieren Sie die Motivationsaspekte in Lernumgebungen für die Altersgruppe 50plus
Die Hauptmotivation der über 50-Jährigen liegt darin, mit anderen Erfahrungen und Informationen so auszutauschen, dass sie sich zugehörig und von den anderen NutzerInnen und
den AdministratorInnen wahrgenommen fühlen.
Ihre Mitglieder sind nicht einfach nur an Fragen und Antworten interessiert, sondern bevorzugen vielmehr Dialog, Debatten und Diskussionen rund um ihre Interessen. Motivationsfaktoren
können sein: die Suche nach Informationen auf der Community-Website, die Suche nach oder
das Einbringen von Tipps, Ratschlägen und Meinungen, die Teilnahme an inhaltlichen Diskussionen und das Knüpfen neuer Beziehungen – reagieren Sie darauf!
So ermitteln Sie die Motivation Ihrer Mitglieder:
•Versuchen Sie, ihre Interessen, Bedürfnisse und Erwartungen kennenzulernen, indem Sie
beispielsweise Umfragen einrichten, Nachfragen starten oder in den Diskussionen nach
Beiträgen suchen, die für Ihren Dienst relevant sind.
•Berücksichtigen Sie das Selbstbild, die Fähigkeiten und Kompetenzen Ihrer Mitglieder
genauso wie Fertigkeiten und soziale Beziehungen.
Bieten Sie Ihren Mitgliedern eine Umgebung, in der wichtige Themen diskutiert werden und
Kontaktmöglichkeiten zu anderen interessierten NutzerInnen bestehen!
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Empfehlung 9
Laden Sie die Altersgruppe 50plus zu spannenden Lernaktivitäten ein
Wenn Lernaktivitäten eine sinnvolle Beziehung zu ihrem täglichen Leben haben, ist die Altersgruppe 50plus gerne bereit, sich mit neuen Themen zu beschäftigen oder sich sogar
darauf einlassen, über Web2.0 Tools Neues zu lernen.
Eine Lernumgebung nach den Prinzipien des Web2.0 stellt die Lernenden in den Mittelpunkt
des Lernprozesses; entscheidend ist also nicht mehr das Lehren, sondern das Lernen. Sie
sollten wissen, dass die über 50-Jährigen:
•den Wissensaustausch in einer interaktiven Gruppe schätzen;
•die anderen NutzerInnen kennen möchten – sie möchten also Einblick nehmen in die Profile
anderer Plattform-Mitglieder;
•den Wissensaustausch mit Menschen bevorzugen, die sich aktiv beteiligen und nicht nur
passiv die Beiträge anderer konsumieren;
•gemeinschaftliche, kreative Problemlösung unter Anleitung eines bzw. einer ModeratorIn
favorisieren.
Fördern Sie daher den aktiven und wechselseitigen Austausch unter den NutzerInnen,
indem Sie:
•Ein allgemeines Interesse für Lernen im Web2.0 anregen;
•Fesselnde, abwechslungsreiche und attraktive Lernaktivitäten ausarbeiten;
•Inhaltlich interessante, relevante und spannende Lernthemen vorschlagen und
unterschiedlichste Aktivitäten anbieten;
•die NutzerInnen Lernaktivitäten selbst gestalten und ausarbeiten lassen;
•die NutzerInnen zu gemeinsamen Leseprojekten und einem Austausch über Bücher
oder Literatur einladen.
Let users feel they are the most important part of your learning offer!
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Empfehlung 10
Bieten Sie Support mit einer persönlichen Note und fördern Sie Peer-to-Peer-Ansätze
Unterstützung im technischen wie auch sozialen Bereich ist unabdingbar für die Bildung von
Vertrauen und Sicherheitsgefühl, sowie ein Beitrag zum Aufbau eines Gemeinschaftsgefühls.
Es ist wichtig, den Plattform-Mitgliedern direkte technische Unterstützung zu bieten, vorzugsweise im E-Mail-Kontakt mit dem Support Ihrer Plattform. Ebenso wäre es möglich, eine
telefonische Beratung anzubieten, die weite Strecken des Tages abdeckt. Eine technische Anfrage sollte innerhalb von 24 Stunden beantwortet werden. Auch FAQs haben sich in vielen
Fällen bewährt. Eine konkrete Ansprechperson steigert zudem das Vertrauen älterer Menschen
in technische Werkzeuge und in die Zuverlässigkeit der Infrastruktur.
Unterstützung sollte jedoch nicht nur von der Plattform selbst kommen. Die Altersgruppe 50plus
schätzt auch eine Unterstützung in technischen Fragen durch die Online-Community selbst,
z.B. über Foren.
In Bezug auf die Moderation des Wissensaustauschs wird ein Peer-to-Peer-Ansatz
empfohlen.
• Ältere Menschen, die sich an der Betreuung der Plattform beteiligen möchten, müssen daher
didaktisch und methodologisch wie auch technisch geschult werden, damit sie die Lerner fahrung anderer qualifiziert unterstützen können.
• Ehrenamtliche Peer-to-Peer-TrainerInnen können diese Aufgabe übernehmen, für die sie
aber Anerkennung und Wertschätzung sowohl durch den Betreiber als auch durch andere
NutzerInnen erwarten dürfen. Sorgen Sie für Möglichkeiten, Anerkennung sicherzustellen.
• Ebenso ist es hilfreich, regelmäßige Treffen und Aktivitäten für den persönlichen Erfahrungs und Wissensaustausch unter den Mitgliedern zu organisieren.
• Die Einrichtung moderierter Gruppen, in denen die Mitglieder einander Unterstützung geben
können, wird sehr empfohlen.
Sehen Sie Ihre Mitglieder nicht nur als passive KonsumentInnen, sondern als aktive TeilnehmerInnen, die zum Erfolg Ihrer 50plus-Plattform beitragen können!
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Weitere Informationen
Europäische Karte aller 50plus-Plattformen
Über das Projekt PEER – Dare to be wise!
Dauer: Oktober 2010 bis Dezember 2013
Wenn Sie sich für andere 50plus Plattformen interessieren, können Sie die die im Rahmen von
PEER entwickelten Landkarte von 50plus-Plattformen in EU27 nutzen. Sie deckt alle EU-Staaten
Konsortium:
ab. Durch Klicken auf ein bestimmtes Land zeigen Sie dessen Liste der 50plus-Plattformen an.
Zentrum für Soziale Innovation / ZSI (Koordination, Wien)
Link: http://www.peer-learning-50plus.eu/fiftyplusplatform/map
Technische Universität, E-Learning-Zentrum / AGH (Krakau)
Universität Strathclyde, Zentrum für lebenslanges Lernen / UoS (Glasgow)
Motivationsfaktoren in der Nutzung von 50plus-Plattformen
Niederländisches Institut für Gesundheitsförderung / CBO (Utrecht)
Diese Kurzinformationen wurden auf Grundlage des Berichts „Motivating older people to use
Universität Ulm, Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung /
50plus platforms for common learning“ erstellt. Verfügbar auf Englisch.
ZAWiW (Ulm), AidLearn (Lissabon)
Link: http://www.peer-learning-50plus.eu/en/attach/PEER_D3_Summary.pdf
Unterstützende Partner:
Age Platform Europe / AGE
„Third Age Online“-Handbuch
Ja Kobieta – Stiftung für Frauenfragen „Ich bin eine Frau“ / Forum 50+ (Polen)
Im Rahmen des Projekts „Third Age Online“ (TAO) wurde ein Handbuch auf Wikiversity ver-
Rede de Universidades de Terceira Idade (Netzwerk der Seniorenuniversitä-
öffentlicht, das sich damit befasst, wie ältere Menschen in die Aktivitäten einer Community
ten) / RUTIS (Portugal)
einbezogen werden können. Verfügbar auf Englisch. Link: http://en.wikiversity.org/wiki/TAO/Handbook
Virtuelles und reales Lern- und Kompetenz-Netzwerk älterer Erwachsener /
ViLE e.V. (Deutschland)
Empfehlungen von W@ve 2.0
Sehr interessant sind die Leitlinien „Web 2.0 Best Practice for Senior Citizens“ („Bewährte
Danksagung
Verfahren im Web 2.0 für SeniorInnen“), die im Rahmen des Projekts „W@ve 2.0“ erarbeitet
Das PEER-Konsortium dankt den folgenden ExpertInnen für ihren Beitrag
wurden. TeilnehmerInnen aus der Altersgruppe 50plus zu ihren Bedürfnissen im Web 2.0 be-
zu diesen Leitlinien:
fragt und die Ergebnisse in einem Bericht zusammengefasst. Drittens wurden Leitlinien für Pro-
Jonathan Bennett, Berner Fachhochschule, Schweiz
jekte der Erwachsenenbildung entwickelt: ein sozialer Computer-Fahrplan für SeniorInnen. Alle
Ilenia Gheno, AGE Platform Europe, Belgien
drei Dokumente können von der W@ve 2.0-Website auf Englisch heruntergeladen werden:
Andreas Hollinek, www.50plus.at, Österreich
Link: http://www.wave2project.eu/wave2project/index.jsp?idPagina=17
Giselle Janeiro, RUTIS (Netzwerk der Seniorenuniversitäten), Portugal
Hanna Nowakowska, www.forum50.org, Polen
Kriterien bewährter Praktiken in e-learning Projekten mit SeniorInnen
Ein Kriterienkatalog für bewährte Verfahren in Bildungsprojekten und -aktivitäten für SeniorInnen unter Verwendung von IKT. Ein Ergebnis des Projekts „e-Learning in Later Life“ (eLiLL).
Verfügbar auf Englisch und Deutsch. Link: http://www.elill.net/pdf/kriterien_fuer_gute_Praktiken_EN_DE.pdf
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Das Projekt „PEER – Dare to be wise!“ wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission
finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die
Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.
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Impressum
Herausgeber: Konsortium des Projekts PEER
AutorInnen: Agnieszka Chrzaszcz, Linda Grieser, Ralph Schneider
Übersetzung: Birgitt Wagner
Layout: Manuela Meyer, www.meyermitey.at
Fotos: „Internet goes Ländle”, sowie Seite 3 „i-Stock“
Wien 2013
www.peer-learning-50plus.eu