Adam, Eva und die Evolution Kreationismus auf dem Vormarsch

Transcription

Adam, Eva und die Evolution Kreationismus auf dem Vormarsch
Schulfernsehen
Schulfernsehen
Adam, Eva und die Evolution
Kreationismus auf dem Vormarsch
Ein Film von Dirk Neumann und Hans-Jürgen von der Burchard
Beitrag: Simon Demmelhuber & Volker Eklkofer
Von welcher Schöpfung berichtet die Bibel?
Die Schöpfung dauerte sechs Tage. Am ersten
Tag schuf Gott das Licht und trennte es von der
Dunkelheit. Am zweiten Tag teilte er die Wasser
und wölbte den Himmel. Am dritten Tag schied er
die Wasser vom Land und rief die Pflanzen ins
Leben. Am vierten Tag setzte er die Gestirne an
den Himmel. Am fünften Tag schuf er die Tiere
des Wassers und der Luft und schließlich am
sechsten Tag zuerst die Tiere des Landes und
zuletzt den Menschen. Er schuf ihn zu seinem
Bilde, ihm gleich, bestimmt, die Erde zu füllen
und zu herrschen „über die Fische im Meer und
über die Vögel unter dem Himmel und über das
Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.
So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem
ganzen Heer. Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte
am siebenten Tage von allen seinen Werken, die
er gemacht hatte.“
wesen, auch der Mensch, von früheren, andersartigen Lebewesen ab: „Die Arten sind nicht
durch wunderbare Schöpfungsakte entstanden,
sondern infolge langsam wirkender und noch fortdauernder Ursachen!“
Tatsache oder Mythos?
Von dieser breit akzeptierten wissenschaftlichen
Leittheorie sind jedoch längst nicht alle Zeitgenossen überzeugt. Die Erkenntnis, dass Mensch
und Affe gemeinsame Vorfahren haben, und die
biblische Schöpfungsgeschichte keinesfalls ein
handfester Tatsachenbericht ist, überfordert noch
heute viele Menschen. Vor allem in den USA verteidigen evangelikale Christen beharrlich die naturkundliche Autorität der biblischen Urgeschichte. Überzeugt von der einmaligen Schöpfungstat
Gottes, bezeichnen sie sich selbst als Kreationisten, als Schöpfungsgläubige.
Biblische Fundamentalisten
Darwin und die Vielfalt der Arten
So steht es in der Bibel. Die moderne Wissenschaft präsentiert eine andere Version. Für sie
haben sich die Lebewesen auf natürliche Weise
in einem Jahrmillionen dauernden Evolutionsprozess durch funktionale Anpassungen und Auslese, durch Mutation und Selektion, entwickelt.
Nach Charles Darwin (1809-1882), dem Entdecker dieser Theorie, stammen alle heutigen Lebe© Bayerischer Rundfunk
Schätzungen zufolge lehnen etwa 40 Prozent aller Amerikaner die Evolutionstheorie zugunsten
eines allgewaltigen göttlichen Weltenerschaffers
ab. Und es sind beileibe nicht nur die Ungebildeten, die Rückständigen, die diese Sicht favorisieren. Zum Kreationismus bekennen sich auch
Akademiker, Naturwissenschaftler und Politiker
aller Parteien. Den stärksten Rückhalt haben die
Schöpfungsgläubigen dabei in konservativen
1
Schulfernsehen
Kreisen: Immerhin 68 Prozent aller Anhänger der
Republikaner halten am Schöpfungsglauben fest,
doch selbst unter Demokraten und unabhängigen
Wählern bezeichnen sich noch 40 Prozent als
Evolutionsskeptiker.
Welt und Mensch: Der große Wurf Gottes?
Obwohl der Kreationismus in zahlreiche Strömung auffächert, stimmen seine Anhänger in wesentlichen Grundzügen überein: Sie lehnen die
Evolutionsbiologie, die Ergebnisse der Geologie
sowie der Kosmologie ab und reduzieren die
Dauer der Erdgeschichte auf eine Spanne von
6.000 bis 10.000 Jahren. Am Beginn dieses Zeitraums hat Gott die Welt aus dem Nichts in einem
Zug so geschaffen, wie wir sie heute vorfinden.
Geologische Sedimente und Fossilien belegen
dabei nicht die lange Dauer der Erd- und Naturentwicklung, sondern das Wirken der großen
Sintflut, die alle heute ausgestorbene Arten sowie
die zeitgleich mit den Menschen lebenden Saurier auslöschte.
In homöopatischen Dosen: Mikroevolution
Modernere Strömungen, wie sie in Deutschland
die kreationistische Studiengemeinschaft Wort
und Wissen vertritt, stellen die Evolution nicht generell in Abrede. Sie bestreiten zwar die als "Makroevolution" bezeichnete evolutionäre Entstehung neuer Arten und Stämme von Lebewesen,
akzeptieren aber den Gedanken einer "Mikroevolution" innerhalb bestimmter Grundtypen von Lebewesen. Ungeachtet dieser Zugeständnisse
postulieren sie den biblischen, allmächtig und
souverän handelnden Schöpfergott als Ursprung
allen Seins.
Wie intelligent ist Intelligent Design?
Obwohl die Vertreter des Intelligent Design diesen biblischen Gott verabschiedet haben, kommen auch sie nicht ohne eine höhere Schöpfungsinstanz aus. Diese übernatürliche, gestaltlose Intelligenz ist der Autor eines umfassenden
Masterplans, nach dem alle Dinge und alle Lebewesen entstanden sind. Für die Anhänger dieser
Lehre sind die komplexen funktionalen Merkmale
des Lebens ohne intelligentes Design, ohne eine
intelligente Planung oder eine steuernde Vernunft
nicht erklärbar. Die Evolution mit ihrem Mechanismus von Mutation und Selektion reicht, so die
Argumentation, keinesfalls aus, um die gegenwärtige Vielfalt des Lebens zu begründen.
Creation Museum: Das Paradies vor Augen
Um die Wahrheit der kreationistischen Sicht sinnfällig vor Augen zu stellen, eröffnete der der fun© Bayerischer Rundfunk
Schulfernsehen
damental-christliche Verein "Answers in Genesis"
2007 das Creation Museum im ländlichen Kentucky. Auf 6.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche zementiert ein pseudowissenschaftliches
Spektakel das Weltbild der Schöpfungsgläubigen.
Hier, im Herzen des us-amerikanischen Bible
Belts, hat die Bibel doch Recht und die ist in Ordnung: Adam und Eva leben im Paradies friedlich
mit den Dinosauriern zusammen. Zumindest solange, bis der Sündenfall die Vertreibung aus
dem Garten Eden besiegelte und Satan das Regiment übernahm. Wer nach dem multimedialen
Crashkurs in Sachen Gott und Welt noch zusätzliche Stärkungsmittel zur Glaubensertüchtigung
braucht oder die Daheimgebliebenen missionieren möchte, findet reichliche Unterstützung durch
Vorträge, Bücher, CDs, DVDs und Computerspiele. Auch für die Kleinsten oder Analphabeten ist
gesorgt: Sie werden per Comic in die wahre Lehre eingewiesen.
Die Sintflut schwappt über
Trotz seiner ursprünglichen Herkunft aus dem bibeltreuen amerikanischen Evangelikalismus ist
der Kreationismus mittlerweile auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Etwa 1,3 Millionen Bundesbürger verwerfen die Evolutionstheorie und
rund 32 Prozent der Bevölkerung können sich einer TNS Infratest-Umfrage vom November 2005
zufolge nicht mit dem Gedanken anfreunden,
dass Affen und Menschen gemeinsame Vorfahren haben.
Unterwandern Kreationisten die Schulen?
Tatsächlich aufschrecken dürfte indes, was eine
Umfrage unter 1200 Lehramtsstudenten in Dortmund ergab: Rund 15 Prozent der Lehramtsstudenten aus allen Fachrichtungen lehnten die Evolutionstheorie ab. Sogar bei künftigen Bio-Lehrern
lag der Anteil immerhin noch bei sieben Prozent.
Fakten
1. Ken Ham - Die Bibel ist ein auf Tatsachen
beruhendes Geschichtsbuch!
Ken Ham ist Präsident von Answers in Genesis
USA. Er hat einen Bachelorabschluss in angewandten Wissenschaften mit dem Schwerpunkt
Umweltbiologie vom Queensland Institute of
Technology und ein Diplom in Pädagogik von der
Universität von Queensland. Als Junge-ErdeKreationist glaubt er an eine wörtliche Auslegung
der Schöpfungsgeschichte. Seiner Überzeugung
nach wurde der Mensch ohne tierische Vorfahren
von Gott vor 6000 Jahren zeitgleich mit den Dinosauriern geschaffen.
2
Schulfernsehen
Ken Hams Positionen im Wortlaut
Bibel und Evolution lassen sich überhaupt nicht in
Einklang bringen. Es ist nicht so, dass Gott nicht
auch die Evolution hätte verwenden können, aber
wir müssen auf das hören, was Gott uns sagt und
Schulfernsehen
die Amerikaner dazu auf Homosexuellen-Heirat
zu unterstützen!
In dieser Gasse im Museum zeigen wir, warum
diese Dinge geschehen - auf Grund von Sünde!
Wir leben in der Welt nach dem Sündenfall. Unsere Kinder begegnen überall Gewalt und
schrecklichen Dingen. Die Bibel verbirgt den
Schrecken nicht vor uns, sondern erklärt uns,
warum diese schrecklichen Dinge geschehen.
Unsere Ziele sind nicht politisch. Uns geht es nur
darum zu informieren. Es sind die Menschen, die
die Kultur formen. Wie sie denken, was sie glauben, das beeinflusst natürlich wen sie wählen, wie
sie sich als Schulbeiräte, Politiker oder Richter
oder was auch immer verhalten.
er sagt, er hat Adam aus Lehm erschaffen und
Eva aus seiner Rippe. Er hat keine Affenmenschen verwendet!
Evolution lehrt die Menschen, dass es keinen
Schöpfer gibt und wir das Ergebnis natürlicher
Abläufe sind. Wer bestimmt dann richtig und
falsch? Dann ist alles subjektiv, hängt allein von
der eigenen Einstellung ab und davon, wer gerade die Gesellschaft kontrolliert und die Regeln
macht.
Darwin hatte Recht, was Auslese und Artenbildung angeht. Dass kleine Änderungen mit der
Zeit aber zu neuen Arten führen, das hat er nicht
beobachtet, sondern geglaubt - fälschlicherweise!
Stichwort Answers in Genesis
Zentrale Aussagen
• Die Bibel ist das geschriebene Wort von Gott.
Sie ist göttlich inspiriert und vollständig wahr.
Sie ist die oberste Autorität in allen Angelegenheiten des Glaubens und der Führung. Ihre
Behauptungen sind tatsächlich wahr in allen
Originalhandschriften.
• Die ausführliche Darstellung der Ursprünge in
der Genesis ist eine einfache, aber wahre Beschreibung der tatsächlichen Ereignisse und
stellt deshalb einen verlässlichen Rahmen dar
Die Sintflut ist für die meisten Versteinerungen
verantwortlich. Nicht alle, aber die meisten Saurierfossilien, die wir heute finden, stammen aus
der Zeit der Sintflut.
Wir finden es unfassbar, dass Schülern die Argumente gegen Evolution und für Schöpfung vorenthalten werden. Diejenigen, die das Bildungssystem kontrollieren, lehren eine Religion und zwar
die des Atheismus. In den Biologiebüchern der
öffentlichen Schulen wird gelehrt, dass alles Leben - inklusive Menschen - das Ergebnis natürlicher Abläufe sei. Das ist Religion! Die Religion
des Atheismus!
Was schreibt Präsident Obama in seiner Autobiographie? „Wir sind keine christliche Nation mehr
sondern auch eine jüdische, muslimische, buddhistische, hinduistische, und eine der NichtGläubigen!“ Und da geht es nicht um Religionsfreiheit! Er sagt, dass christliche Werte nicht
mehr das Denken dieser Nation bestimmen.
Zum Beispiel erklärte er Juni 2009 zum Schwulen-Lesben-und-Transsexuellen-Monat und rief
© Bayerischer Rundfunk
für wissenschaftliche Forschungen über Ursprungsfragen und die Geschichte des Lebens, über die Menschheit, die Erde und das
Universum.
• Die verschiedenen ursprünglichen Lebensformen („Arten“), einschließlich der Menschen,
wurden durch direkte Schöpfungsakte von Gott
geschaffen. Die lebenden Abkömmlinge von
jeder der ursprünglichen Arten (außer den
Menschen) können heute mehr als eine Spezies aufweisen, die Rückschlüsse auf den Gen–
Pool der ursprünglichen Art zulassen. Biologische Veränderungen (einschließlich der Verschlechterungen durch Mutationen) haben sich
in jeder Art auf natürliche Weise nur in sehr
begrenztem Umfang seit der Schöpfung ereignet.
3
Schulfernsehen
• Die Sintflut war ein historisches Ereignis und
weltweit in Ausdehnung und Wirkung.
• Die besondere Schöpfung von Adam (als ein
Mann) und von Eva (als eine Frau) und ihr späterer Sündenfall sind die Ursache für die Notwendigkeit der Erlösung der Menschheit.
• Die Schrift lehrt einen noch nicht lange zurückliegenden Ursprung der Menschheit und der
ganzen Schöpfung.
• Die Tage im Buch Genesis stimmen nicht mit
den üblichen geologischen Altern überein: es
sind sechs aufeinanderfolgende Schöpfungstage zu je 24 Stunden.
• Die Sintflut war ein wichtiges geologisches Ereignis und viele (aber nicht alle) fossilen Ablagerungen stammen aus dieser Zeit.
• Die Lückentheorie kann nicht aus der Schrift
herausgelesen werden.
• Die Ansicht, die üblicherweise benutzt wird, um
die Einbeziehung der biblischen Wahrheit zu
vermeiden, nämlich, dass das Wissen und /
oder die Wahrheit geteilt werden kann in „weltlich“ und „religiös“ wird zurückgewiesen.
• Definitionsgemäß kann kein noch so einleuchtendes, erkanntes oder behauptetes Beweismaterial auf irgendeinem Gebiet, eingeschlossen Geschichte und Chronologie, wahr sein,
wenn es im Widerspruch zu den biblischen Berichten steht. Von elementarer Wichtigkeit ist
die Tatsache, dass das Beweismaterial immer
von fehlbaren Menschen interpretiert wird, die
nicht alles Wissen haben.
2. Hansjörg Hemminger – der Kreationismus
ist wissenschaftsfeindlich.
Dr. Hansjörg Hemminger ist Beauftragter für
Weltanschauungsfragen der Evangelischen Landeskirche Baden-Württemberg. Für ihn sind biblischer Schöpfungsbericht und Wissenschaft keineswegs unvereinbar, sondern zwei unterschiedlich motivierte Blicke auf Welt und Dasein.
Hansjörg Hemmingers Positionen im Wortlaut
Die evangelische Kirche in Deutschland und ihre
Landeskirchen lehnen den Kreationismus ab. Sie
meinen er schadet dem Schöpfungsglauben
mehr als er nützt.
Es kommt im Kreationismus eine Wissenschaftsfeindlichkeit zum Ausdruck, die man vielleicht als
Angst vor der Erkenntnis, vor der Freiheit der
Forschung - kennzeichnen könnte. Man hat
Angst, der eigene Glaube würde in Frage gestellt.
Was Herr Junker meint, ist, dass Naturprozesse
nicht designfähig sind, also nicht auf ein solch
© Bayerischer Rundfunk
Schulfernsehen
kompliziertes Design hinauslaufen können, weil
sie eben nicht gerichtet und geplant ablaufen.
Dazu ist schlicht zu sagen, dass er sich täuscht.
Naturprozesse sind designfähig und es gibt zahlreiche sehr gut belegte Beispiele, dass das so ist.
Es geht um die Geltung der Bibel. Und das Bedürfnis, das dahinter steht, ist den eigenen Glauben sicher zu haben als absolut wahren Text.
Also ein Text, der alle Fragen absolut zuverlässig
beantwortet und der jeder anderen menschlichen
Erkenntnis vorgeordnet ist. Das gibt ein, wie ich
meine, falsches Gefühl der Sicherheit.
Der Kreationismus ist in Deutschland und in Mitteleuropa auf dem Vormarsch, allerdings im Vergleich zu den USA auf einem relativ niedrigen Niveau von 5, 10, 15 Prozent. Man muss sich klar
machen, dass das weitgehend an der Veränderung der kirchlichen Landschaft hängt. Wir haben
viel mehr unabhängige Gemeinden, Freikirchen
als früher und die sind zum großen Teil kreationistisch gesinnt.
Interessanterweise sind die Kreationisten [in einem Punkt] mit den neuen Atheisten vollkommen
einig: Beide Seiten glauben, dass Evolutionstheorie und Schöpfungsglauben nicht zusammen gehen. Nur die einen opfern dann die Evolutionstheorie und die anderen den Schöpfungsglauben.
In der Mitte stehen die vernünftigen Leute, die
sich darüber im Klaren sind, dass menschliche
Erkenntnis nie alles abdeckt, was ist.
3. Dr. Reinhard Junkers: Die Schöpfung passt
nicht zur Evolutionstheorie
Reinhard Junker war Gymnasiallehrer für Biologie und Mathematik und arbeitet seit 1985 als
wissenschaftlicher Mitarbeiter seit 1985 bei Wort
und Wissen. Er promovierte im Bereich "Interdisziplinäre Theologie" über eine kritische Beurteilung theistischer Evolutionsvorstellungen an der
Evangelisch-Theologischen Fakultät Leuven/Belgien abschließen. R. Junker arbeitet hauptsächlich im Bereich der Grundtypenbiologie, der Pa4
Schulfernsehen
läobotanik (fossile Pflanzen) und der theoretischen Biologie (kritische Beurteilung der sog.
"Evolutionsbeweise" im Bereich der Vergleichenden Biologie). Über die fachliche Arbeit hinaus ist
er an der Erarbeitung von Unterrichtmaterial beteiligt und hält Vorträge in Schulen, Hochschulen
und Kirchengemeinden.
Reinhard Junkers Positionen im Wortlaut
Worin zeigt sich überhaupt noch das souveräne
Schöpfungshandeln Gottes, wenn man Evolution
akzeptiert?
Für mich ist die Bibel in Fragen der Schöpfung
maßgeblich. Gott erschafft durch sein machtvolles Wort die Welt und alle Lebewesen und greift
auch in den Lauf der Geschichte direkt ein. Wir
sehen es auch am Wirken Jesu, der durch sein
Wort Tote auferweckt hat, Kranke augenblicklich
geheilt hat. Und dieses Schöpfungsverständnis,
der Schöpfung durch das Wort, passt nicht zu einer Evolutionsanschauung, nach der die Dinge,
die Lebewesen durch natürliche Prozesse ins Dasein gekommen sind, ohne willentliche Einflüsse
eines Schöpfers. Und deswegen bin ich motiviert,
die Evolutionstheorie kritisch zu hinterfragen und
Alternativen zu entwickeln, die von der Schöpfungsperspektive und vom Schöpfungsglauben
ausgehen.
Ein Zeichen für göttliches Design findet Reinhold
Junkers beispielsweise im Zeugungsmechanismus der Lupine: „Die ganze Konstruktion ist also
ziemlich genau durchdacht und konstruiert und
funktioniert nur als Ganzes und auf dem Wege
von zufälligen Veränderungen und Auslese von
jeweils passenden Zwischenstufen ist das eigentlich nicht verständlich, wie das entstehen sollte.
Ich halte Mikroevolution für eine Grundeigenschaft der Lebewesen. Das heißt Variationsmöglichkeiten, Spezialisierungsmöglichkeiten auf der
Basis bereits vorhandener funktionierender Fähigkeiten und Konstruktionen. Das nutzt man
auch in der Zucht aus, um bestimmte Formen
herauszuzüchten. Während Makroevolution be© Bayerischer Rundfunk
Schulfernsehen
deutet, dass neuartige Baupläne, neuartige Konstruktionselemente erstmals entstehen. Und das
halte ich nicht für belegt durch naturwissenschaftliche Ergebnisse, durch Beobachtungen, durch
Experimente.
Da die Evolutionstheorie die Standardtheorie in
der Biologie ist, gehört sie schon mal aus diesem
Grund in den Biologieunterricht. Man sollte diese
Theorie kennen lernen. Ich halte es aber dann für
wichtig, die ungelösten Fragen der Evolutionstheorie auch zu thematisieren. Dinge zu thematisieren, die die Evolutionstheorie auch in Frage
stellen. Und auch zu thematisieren, dass in der
Ursprungsfrage, in der Evolutionsfrage nicht nur
naturwissenschaftliche Argumente eine Rolle
spielen, sondern auch weltanschauliche Vorentscheidungen mit hineinspielen.
4. Reinhold Leinfelder: Kreationismus ist weder Naturwissenschaft noch Religion!
Prof. Dr. Reinhold Leinfelder ist Geologe, Geobiologe und Paläontologe. Er ist Generaldirektor
des Museums für Naturkunde – Leibniz-Institut
für Evolutions- und Biodiversitätsforschung an
der Humboldt-Universität zu Berlin. Er ist von der
Stichhaltigkeit der Evolutionstheorie überzeugt,
und lehnt den Kreationismus als alternative Erklärungsmöglichkeit zum Ablauf der Natur ab.
Reinhold Leinfelders Positionen im Wortlaut
Dass wir alle und dass die Tiere innerhalb der Arten immer etwas anders sind, liegt an der Vielfalt
und zwar an der genetischen Vielfalt, die in der
DNA angelegt ist. Und je nach Umweltbedingungen sind mal bestimmte Formen innerhalb dieser
Arten besser angepasst als andere. Wandern
dann diese Arten auch noch selbständig oder ändern sich die Umweltbedingungen, können unterschiedliche besonders gut angepasst sein. Diese
werden dann wie wir sagen selektiert. Sie haben
eine höhere Überlebenschance. Sie vermischen
sich vielleicht nicht mehr miteinander, so dass
dann im Laufe der Zeit dann neue Arten entstehen dadurch.
5
Schulfernsehen
Dieses Haus, ein Naturkundemuseum, hat über
30 Millionen Objekte, die belegen, dass die Evolutionstheorie korrekt ist, und die uns zeigen,
dass wir viele Übergänge haben zwischen den
Arten. Die besten Beispiele sind die Bindeglieder,
etwa wie der Urvogel Archeopteryx, der nun ganz
Schulfernsehen
Und damit haben wir eine immense kulturelle
Evolution hinter uns gebracht. Der Mensch ist
also gleichermaßen Tier- wie auch Geisteswesen- und damit kann man doch gut leben.
Ich sehe durchaus eine Gefahr für die Akzeptanz
der Naturwissenschaften. Und die brauchen wir
mehr denn je. Denn die großen Herausforderungen unserer Gesellschaft, die Klima-, die Umweltkrise benötigen eine Wissensgesellschaft, benötigen viel naturwissenschaftliches Verständnis, und
das versucht natürlich auch der Kreationismus zu
beschädigen.
5. Simon Conway Morris: Evolution ist einfach eine Tatsache!
genau zwischen den Dinosauriern und den Vögeln steht. Er zeigt etwa noch den knöchernen
Schwanz von Dinosauriern, kein Vogel hat das
heute mehr. Er hat noch Zähne wie ein Dinosaurier, er hat noch Vorderkrallen wie ein Dinosaurier.
Er hat aber eben auch noch verlängerte Vorderarme, nämlich Flügel, er hat Flugfedern, er hat
eine spezielle Aufhängung für die Flugmuskulatur, wie wir sie eben auch von Vögeln kennen:
Also genau ein Bindeglied.
Wenn man Kreationismus als alternative Erklärungsmöglichkeit zum Ablauf der Natur lehrt,
dann ist das sehr abzulehnen. Der Kreationismus
ist eben keine Wissenschaft. Aber man kann
Kreationismus genau dazu verwenden im Biologieunterricht oder am besten in einem gemischten Unterricht mit der Religion zusammen um zu
erläutern, wie Wissenschaft eben nicht funktioniert. Kreationismus ist weder Naturwissenschaft
noch Religion. Man kann ihn auch dazu verwenden, um aufzuzeigen, dass die Bibel kein naturwissenschaftliches Protokoll darstellt.
Ich kann gut damit Leben ein Tier zu sein. Biologisch betrachtet bin ich ein Tier, chemisch be-
Simon Conway Morris ist Professor of Evolutionary Palaeobiology am Department of Earth
Sciences der University of Cambridge und Fellow
of the Royal Society. Der bekennende Christ wurde international bekannt als Erforscher der über
500 Millionen Jahre alten Fossilien des BurgessSchiefers in den kanadischen Rocky Mountains.
Simon Conway Morris´ Positionen
Evolution ist Tatsache! Warum regen sich die
Leute so darüber auf
Wir fanden eine Reihe von Tieren, die völlig bizarr und einzigartig schienen, aber es stellte sich
heraus, dass mit diesen Formen die Grundsteine
für spätere Arten gelegt wurden. Wir hatten der
Evolution zu wenig zugetraut! Der Burgess-Schiefer erlaubt uns Einblicke in die ersten Stadien der
Evolution.
Es gibt jede Menge fossile Schätze, die uns zeigen, wie aus Dinosauriern Vögel wurden, oder
wie wir - einst Fische - an Land gingen.
trachtet bin ich ein Molekülcocktail. Das stört
mich aber überhaupt nicht Denn die biologische
Evolution hat uns auch unser Gehirn gegeben.
© Bayerischer Rundfunk
Zu denken, dass dies alles das Ergebnis einer
Sintflut sein könnte ist - mit Verlaub - völliger Unsinn! Als die ersten Forscher daran gingen, Gesteine zu untersuchen, interpretierten sie manche
6
Schulfernsehen
Formationen als Ergebnis der Sintflut, aber heute
wissen wir, wie die Steine geschichtet wurden.
Über Stratigraphie und radioaktiven Zerfall kön-
Schulfernsehen
Gianfranco Ravasis Positionen im Wortlaut
Die Bibel sagt uns nicht wie etwas entstanden ist,
sondern welchen Sinn es hat. Sie ist ein religiöses Buch.
Wenn wir uns im Bereich der Naturwissenschaft
bewegen, dann muss man den Wert der Darwinschen Evolutionstheorie und ihrer Argumente anerkennen.
nen wir Steine exakt datieren und so sind wir sicher, dass der Burgess-Schiefer 515 Mio. Jahre
alt ist - plusminus 2 Millionen.
Ich persönlich habe gar kein Problem damit die
Tatsache der Evolution und meinen christlichen
Glauben unter einen Hut zu bringen. Ich würde
die Debatte darüber gerne aufbrechen, denn ich
denke sie versinkt momentan in beiderseitigem
Fundamentalismus.
Ich fürchte, dass die Menschen Angst haben,
Evolution würde sie irgendwie minderwertig machen. Aber dass wir unserer eigenen Existenz bewusst sind, dass wir die Welt um uns herum verstehen - ist das nicht das, was uns eigentlich zu
Menschen macht? Und dass wir in den Fossilien
diese erstaunlichen Übergänge erkennen können, ist das nicht einfach wunderbar?
Es gibt vor allem in der amerikanischen protestantischen Welt starke Strömungen, die die Evolutionstheorie für unvereinbar mit der Schöpfungslehre halten
Die fundamentalistische Lesart der Bibel - auch
wenn ich alle Menschen respektiere, die sie vertreten - ist tatsächlich die falsche Auslegungsmethode. Sie liefert keine verbindlichen Ergebnisse.
Für ein vollständiges Bild vom Menschen braucht
man Wissenschaft und Philosophie und vielleicht
auch die Theologie.
7. Andrew Snelling – Der Teufel hat die Hand
im Spiel
Andrew Snelling ist ein australischer Geologe
und seit 2007 wissenschaftlicher Direktor von
6. Monsignore Gianfranco Ravasi: Die Bibel
ist ein religiöses Buch.
Kardinal Ravasi ist Präsident des Päpstlichen
Rates für die Kultur, Präsident der Päpstlichen
Answers in Genesis. Er ist ein vehementer Verfechter der Sintfluttheorie und betrachtet Fossilien als Beleg für die biblische Überschwemmungskatastrophe.
Andrew Snellings Positionen im Wortlaut
Kommission für die Kulturgüter der Kirche sowie
Präsident der Päpstlichen Kommission für Christliche Archäologie. Er erkennt den Darwinismus
als wissenschaftliche Erklärung der Welt an und
hält die fundamentalistische Lesart der Bibell für
einen Irrweg.
© Bayerischer Rundfunk
Wann
wurde
dieses
Sedimentgestein
abgelagert? In der Sintflut! Also müssen 100 Mio.
Jahre radioaktiven Zerfalls in dem einen Jahr der
Sintflut abgelaufen sein. Das ist doch nicht so
schwer zu verstehen, oder
Erkennen Sie wie raffiniert Satan ist? Er stellt die
Dinge auf den Kopf! Nicht die Gegenwart ist der
Schlüssel zur Vergangenheit sondern umgekehrt.
7
Schulfernsehen
Die vergangene Sintflut erklärt die heutigen Fossilien! Satan hat alles um 180 Grad verdreht!
Was werden die christlichen Akademiker am Tag
des Jüngsten Gerichts dazu sagen, dass sie ihre
Studenten mit Millionen Jahren von Gottes Wort
abbrachten?
Der Tag des Herrn wird kommen! Gott wird über
uns richten! Gott hat das letzte Wort! Die Zweifler
werden vernichtet, wir sind auf der Seite der Gewinner
Die Aussagen einer Grundschullehrerin
Diese Bücher und Materialien sind die Waffen mit
denen wir losziehen! Sie helfen uns bessere
Christen zu sein.
Ich bin Grundschullehrerin und unterrichte Schöpfung und Evolution, damit schon die 9- und 10-
jährigen merken, was es mit der Evolution wirklich auf sich hat, und dass der Glaube an Schöpfung eben nicht nur Glaubenssache ist
8. Wort und Wissen: Die biblischen Schilderungen sind historisch zuverlässig.
Die Studiengemeinschaft Wort und Wissen
spricht sich gegen den Absolutheitsanspruch der
naturalistisch-atheistischen Evolutionslehre aus
und postuliert ein schöpferisches Wirken Gottes
und die Wahrheit der Bibel. Die folgende Selbstdarstellung fasst die Zielsetzungen der Arbeit zusammen.
Die Studiengemeinschaft Wort und Wissen e.V.
ist ein Zusammenschluss von Christen aus vorwiegend wissenschaftlichen Berufen. Unsere Mitarbeiter vertreten die biblische Schöpfungslehre.
Wir vertrauen Jesus Christus als Sohn Gottes
und der Bibel als Wort Gottes an den Menschen.
Das Verständnis des Menschen als Geschöpfe
Gottes und des ganzen Kosmos als Schöpfung
betrifft nach unserer Überzeugung auch alle Wissenschaften, die sich mit dem Menschen und der
© Bayerischer Rundfunk
Schulfernsehen
ganzen Schöpfung und ihrer Geschichte befassen, in Auswahl:
• In der Biologie setzen wir uns kritisch mit naturalistischen Hypothesen auseinander und arbeiten an Alternativen, die Bezug auf das schöpferische Wirken Gottes nehmen.
• In den Geowissenschaften befassen wir uns mit
Fragen der geologischen Zeiträume und zeigen, dass zahlreiche Befunde auf eine kurze
Erdgeschichte hinweisen.
• In der Physik interessieren uns Fragen der
Strukturbildung und Selbstorganisation, und
speziell auf dem Gebiet der Astrophysik Theorien zur Entstehung und Geschichte des Kosmos.
• Ein weiterer Schwerpunkt ist die Biblische Archäologie. Wir gehen archäologischen Zeugnissen nach, die vor allem mit Berichten im Alten
Testament korrespondieren.
• Auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften
geht es um Fragen des Menschenbilds und der
Ethik im Wirtschaftsleben.
Einwände aus dem Bereich der Wissenschaft gegen die Existenz Gottes und die Wahrheit der Bibel werden aufgegriffen und nach fundierten Antworten gesucht. Dadurch soll Hilfestellung geleistet werden, um Glaubenshindernisse – wo immer
möglich – aus dem Wege zu räumen. Dabei ist
ein großer denkerischer Einsatz notwendig, um
die Gesprächspartner an ihrem Standort abzuholen. Das Grundanliegen der Studiengemeinschaft
Wort und Wissen kann in diesem Sinne mit
„Denkdiakonie“ beschrieben werden.
Kurzcharakterisierung wichtiger Ursprungslehren. Die Position der Studiengemeinschaft
Wort und Wissen
I. Charakterisierung von Ursprungslehren
Erklärungsansätze zur Entstehung der Welt, des
Lebens und des Menschen werden als Ursprungslehren bezeichnet. Folgende Ursprungslehren werden heute vor allem vertreten:
1. Naturalistisch-atheistische Evolutionslehre. Nach dieser Position soll der Ursprung der
Welt, des Lebens und des Menschen gänzlich
ohne Rückgriff auf übernatürliche Faktoren erklärt werden. Sie wird von der überwältigenden Mehrheit der Biologen (nicht unbedingt
der Naturwissenschaftler insgesamt) i.d.R. mit
Absolutheitsanspruch (s. II.) als einzige wissenschaftlich vertretbare Ansicht gelehrt und
dominiert alle Medien.
2. Kreationismus im Sinne von „Creation
Science“. Hier wird der Schöpfungsbericht
der Bibel als quasi-naturwissenschaftlicher
Text aufgefasst. Es wird explizit ein astrono8
Schulfernsehen
misch-geologisch-biologisches
Verständnis
dieser Texte vertreten. Ein sehr niedriges Alter
der Erde und des Lebens sowie die Tatsache
der Schöpfung wird häufig für wissenschaftlich
bewiesen angesehen. In der Regel wird ein
Absolutheitsanspruch (s. II.) vertreten und jedes andere Verständnis der biblischen Texte
und der naturwissenschaftlichen Daten grundsätzlich abgelehnt.
3. Theistische Evolutionslehre. Evolution wird
zwar akzeptiert, aber nicht als naturalistisch-ungesteuerter Vorgang betrachtet, sondern: Gott erschuf die Welt und das Leben
durch den Evolutionsprozess. Diese Position
wird besonders, aber nicht ausschließlich, in
den großen Kirchen in Deutschland vertreten.
4. Intelligent Design (ID). Nach dem Ansatz
des ID soll durch wissenschaftliche Analyse
nachgewiesen werden, daß aus der Struktur
des Kosmos und des Lebens auf einen „Designer“ (Planer, Schöpfer) geschlossen werden
kann. Obwohl in der westlichen Welt v.a. von
Christen vertreten, macht die ID-Bewegung
keine Aussage über Identität oder Attribute
des Designers und legt keine spezielle religiöse Offenbarung zugrunde. Deshalb ist sie
grundsätzlich auch mit anderen Religionen
kompatibel und damit religiös relativ neutral.
5. Biblische Schöpfungslehre. Die biblischen
Schilderungen der Urgeschichte im Buch Ge-
Schulfernsehen
Schöpfungstexte entspricht für Vertreter der
biblischen Schöpfungslehre am ehesten der
Aussageabsicht der Urgeschichtstexte. Sie
sind aber bereit, ihr theologisches, historisches und naturkundliches Verständnis der
Urgeschichte auf den jeweiligen wissenschaftlichen Fachebenen zu diskutieren. Sie erheben keinen wissenschaftlichen Absolutheitsanspruch für ihre Hypothesen und Theorien.
II. Woran kann ein „Absolutheitsanspruch“ erkannt werden?
Ein Absolutheitsanspruch kann beispielsweise an
folgenden Merkmalen erkannt werden:
• Alle konkurrierenden Denkmodelle werden kategorisch abgelehnt.
• Es wird behauptet, dass keinerlei ernstzunehmende Argumente gegen die eigene Position
existieren.
• Die Berichterstattung ist deutlich tendenziös.
• Die Darstellung von Gegenargumenten wird unterdrückt, notfalls durch Zensur.
• Vertreter konkurrierender Ansichten werden
persönlich in beleidigender Weise angegriffen
(Polemik).
III. Die Position der Studiengemeinschaft Wort
und Wissen
Die Studiengemeinschaft Wort und Wissen
(W+W) vertritt eine biblische Schöpfungslehre
und ist somit der 5. Position zuzuordnen. Zur Verdeutlichung soll die Position von W+W mit den
anderen Ursprungslehren verglichen werden.
nesis werden als historisch zuverlässig betrachtet. Das heißt, sie werden nicht nur theologisch verstanden, sondern auch als zwar
nicht detaillierte, aber allgemeinverständliche,
wirkliche Beschreibungen grundlegender Ereignisse der Schöpfung und Urzeit. Es handelt
sich also um Texte, die auch bezüglich ihrer
Aussagen über die Natur zutreffend sind, aber
es sind keine naturwissenschaftlichen Texte
(z.B. mit einer spezifisch-exakten Fachsprache) im neuzeitlichen Sinn. Auf der Grundlage
eines theologisch-heilsgeschichtlichen Verständnisses der gesamten Bibel wird versucht,
naturwissenschaftliche Daten, welche die Herkunft der Welt und des Lebens betreffen, im
Kurzzeitrahmen der biblischen Urgeschichte
zu deuten. Dieses Verständnis der biblischen
© Bayerischer Rundfunk
1. Mit der naturalistisch-atheistischen Evolutionslehre teilen wir die Methodik der wissenschaftlichen Forschung. Im Unterschied zu dieser Position betrachten wir diese Methodik jedoch als nicht
als ausreichend, um die Ursprungsfrage letztlich
zu beantworten. Den Absolutheitsanspruch einer
naturalistischen Position weisen wir aufgrund erkenntnistheoretischer,
wissenschaftstheoretischer und naturwissenschaftlicher Argumente
entschieden zurück. Die Erkenntnismöglichkeiten
mit Hilfe der wissenschaftlichen Methodik sollen
jedoch nach allen Regeln der Wissenschaftskunst ausgelotet werden.
2. Mit dem Kreationismus gemeinsam ist der
Glaube an die historische Zuverlässigkeit der biblischen Schilderungen und die Hinterfragung der
Evolutionslehre als umfassendes Allerklärungsmodell. Im Unterschied zum Kreationismus verzichten wir auf einen Absolutheitsanspruch im
Problemkreis der Wissenschaft. In Fragen der
Auslegung biblischer Texte meinen wir, eine dem
9
Schulfernsehen
Selbstanspruch der Urgeschichtstexte im Wesentlichen gemäße Position zu vertreten. Darin
und in Fragen des Verhältnisses von Aussagen
der Heiligen Schrift zu wissenschaftlichen Erkenntnissen sind wir aber diskussions- und lernbereit. Mit dem Verzicht auf einen Absolutheitsanspruch ist im einzelnen gemeint:
• Wir wollen konkurrierende Denkmodelle respektieren und nicht „bekämpfen“, sondern uns
sachlich-kritisch mit ihnen auseinandersetzen.
• Wir räumen ein, dass ernstzunehmende Argumente gegen unsere eigenen fachlichen Positionen existieren.
• Uns bekannte Gegenargumente sollen in unseren eigenen Publikationen angemessen zur
Sprache kommen.
• Wir bemühen uns in Berichterstattungen um
faire und ausgewogene Darstellung.
• Wir achten Vertreter konkurrierender Ansichten,
greifen sie nicht persönlich an und wollen Polemik in jeder Form vermeiden.
Die Formulierungen „wollen“ und „bemühen“ sollen zum Ausdruck bringen, dass wir uns bewusst
sind, nicht fehlerlos zu sein. Doch dürfen Kritiker
uns an den genannten Punkten messen.
Wir weisen allerdings auf den Absolutheitsanspruch hin, den Jesus Christus nach dem Zeugnis des Neuen Testaments für seine Person und
sein Wirken beansprucht hat. Dazu gehört auch,
dass Jesus mit der historischen Wirklichkeit und
theologischen Wahrheit von Ereignissen der biblischen Urgeschichte argumentiert hat. Dies geschieht aber zeugnishaft und nicht unter Einsatz
wissenschaftlicher Argumentation.
Wir stellen an uns selbst den Anspruch, mit der
wissenschaftlichen Argumentation übliche Qualitätsstandards zu erfüllen, und wollen uns daran
messen lassen.
3. Mit theistischen Evolutionslehren gemeinsam
ist die Ablehnung der Lehre von der Evolution als
naturalistisch-ungesteuertem Vorgang. Darüber
hinaus lehnen wir allerdings auch die Lehre von
einer wie auch immer gesteuerten Evolution ab,
weil dem nach unserer Überzeugung eine Reihe
gewichtiger theologischer Argumente entgegenstehen.
4. Mit dem Ansatz des Intelligent Design (ID) teilen wir die Überzeugung, dass die Struktur des
Kosmos und des Lebens durch wissenschaftliche
Analyse auf testbare und widerlegbare „DesignSignale“ untersucht werden kann. Der Nachweis
solcher Design-Signale liefert aber keinen Beweis
für Schöpfung. ID-Argumente eignen sich in der
Regel problemlos als „Module“ für die biblische
Schöpfungslehre. Der ID-Ansatz hilft auch, ver© Bayerischer Rundfunk
Schulfernsehen
schiedene Argumentations- und Begründungsebenen auseinanderzuhalten. Über ID hinaus bekennen wir uns aber ausdrücklich zum Gott der
ganzen Bibel und speziell zur Historizität der biblischen Urgeschichte.
IV. Stellenwert wissenschaftlicher Argumente
Genauso wie wir der Auffassung sind, dass mit
wissenschaftlichen Argumenten der Naturalismus
nicht bewiesen werden kann, halten wir wissenschaftliche Argumente nicht für geeignet, um die
Wahrheit der Bibel zu beweisen. Dies wurde in
unserer Arbeit nie angestrebt. Wissenschaftliche
Argumente haben ihren Platz im Rahmen einer
vorgegebenen Ursprungslehre und sie haben Bedeutung in der Abwehr von unberechtigten Absolutheitsansprüchen und überzogenen Behauptungen.
V. Trennung von Argumentationsebenen
Ausgesprochen wichtig ist es uns, in den Kontroversen um die Ursprungsfrage verschiedene Argumentationsebenen auseinanderzuhalten. Das
gilt zum einen für die Unterscheidung theologischer und naturwissenschaftlicher Argumente
und Begründungen, zum anderen auch für die
Trennung von Evolutionskritik und Ansätzen im
Rahmen der Schöpfungslehre oder von ID. Konkret bedeutet das z. B.:
• Naturwissenschaftliche Evolutionskritik ist unabhängig vom weltanschaulichen Hintergrund des
Kritikers zulässig und notwendig. Eine Theorie,
die sich der Kritik nicht stellt, ist nicht wissenschaftlich.
• Die wissenschaftliche Qualität einer Evolutionskritik hängt nicht davon ab, wie gut alternative
Ursprungslehren begründet sind.
• Die Berechtigung für theologische Evolutionskritik hängt nicht davon ab, wie gut Evolutionslehren naturwissenschaftlich begründet sind.
• Der ID-Ansatz, der ohne spezielle Theologie
und ohne konkrete Gottesvorstellung auskommt, kann als solcher nicht mit speziellen
theologischen Argumenten kritisiert werden
(zum Beispiel mit dem Hinweis auf einen pfuschenden Designer und dergleichen). Solche
Kritik trifft im übrigen alle theistischen Ursprungslehren; die Kritik muss zum einen im IDRahmen, d.h. unspezifisch-theologisch und darüber hinaus im Rahmen spezieller Offenbarung
(für uns biblisches Christentum) spezifisch beantwortet werden.
Selbstverständlich können und sollen die verschiedenen Ebenen auch zusammengeführt werden. Das ist sogar ein Kernanliegen der Studiengemeinschaft Wort und Wissen im Sinne der 5.
Position. Doch beinhaltet diese Zusammenführung immer eine weltanschauliche Grenzüber10
Schulfernsehen
schreitung, die als solche unbedingt kenntlich zu
machen ist.
9. Evolutionstheorie und christlicher Glaube:
Die Position der Katholischen Kirche
Für die Katholische Kirche sind Evolutionstheorie
und biblischer Schöpfungsbericht durchaus vereinbar. In einem Artikel zu Charles Darwin fasst
die Deutsche Bischofskonferenz ihre Sichtweise
zusammen.
Zwei Sichtweisen auf ein Geschehen
Die Evolutionstheorie ist grundsätzlich mit der Bibel und der kirchlichen Lehre vereinbar, da es
sich dabei um zwei Sichtweisen auf ein Geschehen handelt: einerseits um die naturwissenschaftliche Erklärung, andererseits um die theologische
Deutung der Weltentstehung. Zwar wurde immer
wieder versucht, theologische Schöpfungsaussagen unmittelbar an die Weltbeschreibungen der
Evolutionstheorie anzuschließen und ihnen so zu
einer größeren, dem naturwissenschaftlichen
Denken entliehenen Wirklichkeitsnähe zu verhelfen. Derartige Versuche übersehen jedoch etwas
ganz Grundlegendes: Der biblische Schöpfungsglaube beansprucht Wahrheit und objektive Geltung auf eine andere Art, eben in der Form des
religiösen Bekenntnisses und der theologischen
Reflexion, ohne dass er damit den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen einbüßen würde.
Schulfernsehen
Wie, sondern um ein grundlegendes Verständnis
für das Dass des Seins.
Wichtig ist die für das Verstehen wichtige Unterscheidung von bleibendem Glaubensinhalt und
kontingenter, also einer durch die zeitlichen Umstände bedingten Darstellungsform des biblischen Schöpfungsglaubens. Eine historisch-kritische Anwendung von Auslegungsregeln auf biblische Texte relativiert nicht deren Glaubensbotschaft, sondern schafft überhaupt erst die Voraussetzung dafür, dass die Botschaft der biblischen Texte nicht mit einem vormodernen, durch
die naturwissenschaftliche Erkenntnis überholten
Weltbild verwechselt wird.
Es geht also um die die wichtige Unterscheidung
von bleibendem Glaubensinhalt und der jeweils
der Zeit entspringenden Darstellungsform. Jede
Erkenntnisform – die naturwissenschaftliche sowie die theologische und kirchliche – bleibt innerhalb ihres Kompetenzbereichs: Eine gegenseitige
Erhellung ist aber deswegen nicht ausgeschlossen.
Evolutionstheorie und Kreationismus
Der Kreationismus ist die Auffassung, dass die
wörtliche Interpretation der Heiligen Schrift die
Evolutionstheorie und persönlicher Glaube
Der persönliche Glaube muss durch die Erkenntnisse der Evolutionstheorie nicht in Frage gestellt
werden, da es sich um zwei unterschiedliche Erkenntniswege handelt. Sie bereichern sich gegenseitig. Wichtig und ausschlaggebend ist ein
vorurteilsfreier und ideologiefreier Dialog zwischen Naturwissenschaft und Theologie, da es
sich bei der Evolutionstheorie und dem Glauben
um zwei Sichtweisen auf dieselbe Wirklichkeit
handelt.
Die unterschiedlichen Kompetenzbereiche von
Naturwissenschaften auf der einen Seite und von
Theologie und Kirche auf der anderen Seite. Es
fällt in die Kompetenz der Naturwissenschaften
zu erklären, wie die Welt entstanden ist; auf dieser Ebene lassen sich aus dem biblischen
Schöpfungsglauben und dem theologischen
Schöpfungsbegriff keine Aussagen ableiten, die
in Konkurrenz zu ihnen treten könnten. Die theologische Schöpfungslehre fragt dagegen, warum
überhaupt etwas ist; den Schöpfungsaussagen
der Bibel geht es nicht um eine Beschreibung des
© Bayerischer Rundfunk
tatsächliche Entstehung von Leben und Universum beschreibt. Beides wird hier durch den unmittelbaren Eingriff eines Schöpfergottes in natürliche Vorgänge erklärt. Dass daraus die Ansicht
hervorgeht, dass naturwissenschaftliche Erkenntnisse im Widerspruch stehen zu einer wörtlichen
Interpretation der Bibel und somit mit dem Glauben unvereinbar sind, ergibt sich daraus beinahe
von selbst. Aber es geht doch vielmehr darum zu
verstehen, dass biblische Schöpfungsaussagen
keine protokollartigen Berichte über den Entstehungsvorgang der Welt sind, sondern ursächliche
Sinndeutungen.
Katholischer Kirche und Naturwissenschaften
Glaube und Lehramt begeben sich gegenüber
den Naturwissenschaften nicht in eine Verteidigungshaltung. Es zeigt sich vielmehr Bescheiden11
Schulfernsehen
heit und vielleicht auch Demut im Blick auf die eigenen Grenzen. Naturwissenschaftler wiederum
sehen den Glauben nicht als eine „intellektuelle
Altsteinzeit“ an.
Statt Konfrontation ist in der Beziehung zwischen
Naturwissenschaft und akademisch geprägter
Theologie, bzw. kirchlichem Lehramt zunehmend
die Suche nach einem gedanklichen Ausgleich
getreten, gerade auch zwischen Schöpfungsglauben und Evolutionslehre. Ein solch offen gestalteter Dialog und die (natur-)wissenschaftliche Neugier scheinen immer wieder auf – so hat beispielsweise die Päpstliche Akademie der Wissenschaften im Jahr 2003 ihr 400-jähriges Bestehen
gefeiert.
Eine ausführlichere Darstellung der Thematik findet sich in Arbeitshilfe Nr. 223, 2004 mit dem Titel „Die menschliche Person - geschaffen nach
dem Bilde Gottes“ in den Nummern 67-69.
68. Im Hinblick auf die Evolution von günstigen
Bedingungen für die Entstehung von Leben heißt
es in der katholischen Tradition, dass Gott als
universale transzendente Ursache nicht nur die
Ursache der Existenz, sondern auch die Ursache
der Ursachen ist. Gottes Handeln verdrängt oder
ersetzt die Tätigkeit geschöpflicher Ursachen
nicht, sondern ermöglicht ihnen gemäß ihrer Natur zu handeln und nichtsdestoweniger die Ziele
herbeizuführen, die er anstrebt. Indem Gott freien
Willens das Universum erschafft und erhält, setzt
er freien Willens alle diejenigen Zweitursachen in
Gang und erhält sie im Vollzug, deren Wirksamkeit zur Entfaltung der natürlichen Ordnung beiträgt, die er hervorzubringen gedenkt. Durch die
Wirksamkeit natürlicher Ursachen bewirkt Gott
das Aufkommen der Bedingungen, die für das
Entstehen und den Erhalt lebendiger Organismen
sowie weiterhin für ihre Reproduktion und Ausdifferenzierung erforderlich sind.
Obgleich es eine wissenschaftliche Debatte über
den Grad der Zweckgerichtetheit oder des planvollen Entwurfs gibt, die in diesen Entwicklungen
wirksam und empirisch beobachtbar sind, haben
diese de facto die Entstehung und das Gedeihen
von Leben begünstigt. Katholische Theologen sehen in dieser Argumentation eine Stütze für die
Aussage, die der Glaube an die göttliche Schöpfung und die göttliche Vorsehung mit sich bringt.
Im planvollen Entwurf der Schöpfung in der Vorsehung wollte der dreieine Gott nicht nur Platz
schaffen für Menschen im Universum, sondern
auch und letztendlich einen Raum für sie bereiten
in seinem eigenen trinitarischen Leben. Außerdem handeln Menschen als wirkliche Ursachen,
wenn auch Zweitursachen, und tragen so zur
© Bayerischer Rundfunk
Schulfernsehen
Umgestaltung und Verwandlung des Universums
bei.
69. Die gegenwärtige wissenschaftliche Debatte
über die Mechanismen, die in der Evolution am
Werk sind, erfordert einen theologischen Kommentar, insofern sie manchmal ein Missverständnis über die Natur der göttlichen Ursächlichkeit
einschließt. Viele neo-darwinistische Wissenschaftler ebenso wie einige ihrer Kritiker haben
geschlossen: Wenn die Evolution ein radikal kontingenter materialistischer Prozess ist, der durch
natürliche Selektion und wahllose genetische Variation gesteuert wird, dann kann darin kein Platz
für die Ursächlichkeit der göttlichen Vorsehung
sein. Ein wachsender Kreis von wissenschaftlichen Kritikern des Neo-Darwinismus verweisen
auf die Anhaltspunkte für einen planvollen Entwurf (z. B. biologische Strukturen, die eine bestimmte Komplexität aufweisen), die in ihrer Sicht
nicht in Kategorien eines rein kontingenten Prozesses erklärt werden können und die Neo-Darwinisten ignoriert oder fehlinterpretiert haben.
Den Kernpunkt dieser gegenwärtig lebhaften
Kontroverse betrifft die wissenschaftliche Beobachtung und Verallgemeinerung hinsichtlich der
Frage, ob die verfügbaren Daten einen planvollen
Entwurf oder den Zufall stützen, und kann von
der Theologie nicht entschieden werden. Es ist
jedoch wichtig festzustellen, dass im katholischen
Verständnis der göttlichen Ursächlichkeit wahre
Kontingenz in der geschöpflichen Ordnung nicht
unvereinbar ist mit der zielgerichteten göttlichen
Vorsehung. Göttliche Ursächlichkeit und geschöpfliche Ursächlichkeit unterscheiden sich radikal der Art und nicht nur dem Grade nach. Folglich kann sogar das Ergebnis eines wahrhaft kontingenten natürlichen Prozesses dennoch in Gottes Vorsehungsplan für die Schöpfung fallen.
Bei Thomas von Aquin heißt es: „Die Wirkung der
göttlichen Vorsehung besteht nicht allein darin,
dass etwas auf irgendeine Art und Weise erfolgt,
sondern darin, dass etwas entweder zu-fällig oder
notwendig erfolgt. Darum folgt das unfehlbar und
notwendig, was die göttliche Vorsehung so fügt,
dass es unfehlbar und notwendig sich ereignet;
und das erfolgt zufällig, was der Plan der göttlichen Vorsehung so enthält, dass es zufällig sich
ereignet“ (Summa theologiae I, 22,4 ad 1). In katholischer Perspektive bewegen sich Neo-Darwinisten, die wahllose genetische Variation und natürliche Selektion als Beweis für einen absolut ungesteuerten Evolutionsprozess anführen, jenseits
dessen, was Wissenschaft nachweisen kann.
Göttliche Kausalität kann in einem Prozess am
Werke sein, der sowohl kontingent als auch gesteuert ist. Jeglicher evolutionäre Mechanismus,
der kontingent ist, kann allein deshalb kontingent
12
Schulfernsehen
sein, weil er von Gott so hervorgebracht wurde.
Einen ungesteuerten Evolutionsprozess – der außerhalb der Grenzen der göttlichen Vorsehung
fiele – kann es einfach nicht geben, denn „die Ursächlichkeit Gottes, der der Erstwirkende ist, erstreckt sich auf alles Seiende, nicht bloß auf das
Unvergängliche, sondern auch auf das Vergängliche und nicht nur in Bezug auf die Prinzipien der
Art, sondern auch in Bezug auf die Prinzipien der
Individuen ... Also muss notwendig alles, soweit
es am Sein teilhat, der göttlichen Vorsehung unterstehen“ (Summa theologiae I, 22,2).
10. Die Position der Evangelischen Kirche:
Begriffsbestimmungen
Dr. Hansjörg Hemminger ist Beauftragter der Arbeitsstelle für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Er setzt
sich seit Jahren intensiv in Artikeln und Büchern
mit Kreationismus sowie der Intelligent DesignBewegung auseinander. Die folgenden Begriffsbestimmungen wurden mit freundlicher Genehmigung des Autors teilweise leicht eingekürzt und
ohne Anmerkungen bzw. Literaturhinweise übernommen.
Kreationismus
Der Kreationismus hat zum Ziel, die Autorität der
Bibel zu verteidigen. Sein Ausgangspunkt ist die
Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift auch in Fragen der Natur- und Weltgeschichte, vor allem die
naturkundliche Richtigkeit der biblischen Urgeschichte. Daher bestreitet er die Richtigkeit der
wissenschaftlichen Evolutionsbiologie, Geologie
und Kosmologie. Er bestreitet die lange Dauer
der Erd- und Weltgeschichte und geht stattdessen von einem Weltalter von 6000 – 8000 Jahren
aus. Die geologischen Schichten samt den darin
enthaltenen Fossilien wurden nach Ansicht des
Kreationismus vor und während der Sintflut (oder
kurz darauf) abgelagert. Die heute existierenden
Lebewesen hätten sich nicht in einer langen
Stammesgeschichte aus einfacheren Vorfahren
entwickelt (Evolutionstheorie). Vielmehr seien alle
lebenden und ausgestorbenen Arten einzeln oder
als Grundtypen von Gott geschaffen worden.
Dies gelte auch und vor allem für den Menschen.
Intelligentes Design
Die Bewegung für ein intelligentes Design (englisch: intelligent design movement) vertritt in den
USA seit etwa 1990 die Auffassung, dass sich die
Entstehung der komplizierten Merkmale der Lebewesen nur durch intelligente Planung erklären
lasse. Ihre Organe, Verhaltensweisen usw. seien
„unreduzierbar komplex“ und könnten deshalb
© Bayerischer Rundfunk
Schulfernsehen
nicht durch ein Wechselspiel von beliebigen Veränderungen des Erbguts (Mutation) und verschiedenen Fortpflanzungsraten (Selektion) entstanden sein. Damit wendet sich die Vorstellung eines
intelligenten Designs gegen die Erklärung der
Biologie für die Stammesgeschichte der Lebewesen, nämlich gegen die Selektionstheorie nach
Darwin und Wallace und deren heutige Weiterentwicklung. Die Abstammungstheorie wird dagegen nicht grundsätzlich bestritten, sondern lediglich die Möglichkeit, den Evolutionsprozess ohne
intelligente Planung zu erklären.
Der Kreationismus und die Bibel
Hinter dem Kreationismus steht das protestantisch-fundamentalistische Verständnis der Heiligen Schrift, nach dem „die biblischen Texte über
die Entstehung der Welt und des Lebens auf der
Erde als naturwissenschaftliche Aussagen und
gleichzeitig als unwiderlegbare göttliche Offenba-
rung“ zu gelten haben.“ Der Kreationismus bestreitet deshalb, dass der Glaube an Gott, den
Schöpfer, von der Bibel an verschiedenen Stellen
mit Hilfe verschiedener Naturbilder ausgedrückt
wird. Dieser Sachverhalt ist aber bereits in der
biblischen Urgeschichte unübersehbar und stellt
keineswegs ein Problem dar, sondern macht den
Reichtum des biblischen Zeugnisses für die
Christen aller Zeiten aus. Im Kreationismus tritt
jedoch „an die Stelle einer Schriftauslegung, die
unter dem Aspekt von Gesetz und Evangelium
Christus und sein Heil verkündigt und die Schrift
als Zeugnis vom Handeln Gottes versteht, das
dem Glauben zugänglich ist, … eine Hermeneutik, die … Informationen über die Herkunft der
Welt, über historische, biologische und geologische Sachverhalte vermitteln will.“ Damit wird die
Bibel als Zeugnis des Glaubens entwertet, weil
sie mit menschlichem Sachwissen auf eine Stufe
gestellt wird. Die Menschlichkeit des biblischen
Zeugnisses, seine Einbettung in die jeweiligen
geschichtlichen Umstände, gerät aus dem Blick.
In Wirklichkeit widerspricht die Evolutionsbiologie
dem Schöpfungszeugnis der Bibel nicht, auch
nicht dem Wirken und dem Willen Gottes im
Weltgeschehen. Der Wille Gottes geschieht in
13
Schulfernsehen
der Welt durch die natürlichen Zusammenhänge
von Ursache und Wirkung, nicht gegen sie.
Zur naturwissenschaftlichen Beurteilung
des Kreationismus
Die vom Kreationismus gegen Kosmologie, Geologie und Evolutionsbiologie vorgebrachten wissenschaftlichen Argumente sind nach den Maßstäben wissenschaftlichen Forschens nicht stichhaltig. Obwohl Kreationisten dies ständig behaup-
Schulfernsehen
gemeine Erklärung an. Bei der Selektionstheorie
handelt es sich um ein naturwissenschaftliches
Modell (anders gesagt, eine allgemeine Rahmentheorie), um das kausale „wie“ der Evolution zu
beschreiben. Das Modell ist offen für Erklärungen
des „warum“ und „wozu“. Solche Erklärungen
kann die christliche Theologie ebenso und mit
gleichem Recht bieten wie andere Religionen und
wie der Materialismus. Diese Offenheit ist keine
Besonderheit der Evolutionstheorie, sondern gilt
für jede naturwissenschaftliche Theorie.
Was ist Kreationismus eigentlich?
(Autor: Hansjörg Hemminger)
ten, gibt es in der Naturwissenschaft keine ernsthaften Zweifel an den Grundlagen der Evolutionstheorie. Der Eindruck einer tragfähigen naturwissenschaftlichen Argumentation für den Kreationismus wird erweckt, indem angebliche oder tatsächliche Erklärungsprobleme der Naturwissenschaften ausführlich abgehandelt werden. Die
kreationistischen Alternativen dazu werden entweder gar nicht oder unkritisch behandelt. Dem
gegenüber ist festzuhalten, dass das kreationistische Denken nicht dazu geeignet ist, das heutige
Wissen über die Natur zu erklären. Es führt in unlösbare Widersprüche, die zum Verzicht auf den
fruchtbaren Dialog zwischen Naturwissenschaft
und Theologie zwingen.
Menschen suchen Antworten auf die Frage nach
dem Woher und Wohin des Lebens. Dass der
Kreationismus Antworten gibt und versucht, die
Rolle eines Anwalts für den christlichen Glauben
zu besetzen, ist verständlich. Dass religionskritische Naturwissenschaftler ihm diese Rolle gerne
überlassen, ist ebenso verständlich. Einen zum
Abschuss geeigneteren religiösen Pappkameraden kann es für sie nicht geben. Wenn es wirklich
so wäre, dass man an ein Weltalter von 10000
oder 6000 Jahren glauben müsste, wäre der
christliche Glaube für die meisten Menschen keine Option mehr. Es macht viel mehr Mühe, die
Theologie Helmut Thielickes oder Karl Heims
oder Kardinal Schönborns der Unvernunft zu bezichtigen. Warum sich diese Mühe machen, wenn
der Kreationismus der Religionskritik eine Steilvorlage liefert?
Umgekehrt muss sich auch die Theologie die
Mühe machen, in dieser Debatte sprachfähig zu
werden. An dieser Mühe hat es in den letzten
Jahrzehnten im deutschen Sprachraum (nicht im
angelsächsischen) gefehlt. Ein Dialog zwischen
Glauben und Naturwissenschaft, der sich am
Zur naturwissenschaftlichen Beurteilung
eines intelligenten Designs
Die Idee eines intelligenten Designs beruht im
Unterschied zum Kreationismus auf einem einzigen inhaltlichen Argument: Die Merkmale der Lebewesen seien „unreduzierbar komplex“ und deshalb ohne intelligente Planung nicht zu erklären.
Würde dieses Argument zutreffen, wäre damit
nicht der biblische Schöpfungsglaube bewiesen,
sondern lediglich die Unvollständigkeit der modernen Evolutionsbiologie. Ein Argument für den
Schöpfergott aus Nichtwissen ist weder logisch
möglich noch theologisch sinnvoll. Allerdings
stellt sich diese Frage für das christliche Denken
derzeit nicht, weil es das von der Bewegung behauptete, naturwissenschaftliche Nichtwissen in
dieser Form nicht gibt. Die Evolutionsbiologie bietet für die Entstehung der Lebewesen eine nach
derzeitigem Forschungsstand hinreichende, all© Bayerischer Rundfunk
„Stand der Forschung“ orientiert, ist allerdings
mühsam und immer wieder neu zu führen. Die
biologischen Theorien unterliegen einer rasanten
Entwicklung, der die theologischen Integrationsund Abgrenzungsentwürfe folgen müssen. Im
Kreationismus sind dagegen nur kosmetische Änderungen nötig. Was Whitcomb und Morris 1960
über die Sintflut schrieben, wird heute noch unverändert vertreten. Deshalb ist am Schluss die14
Schulfernsehen
ses Artikels festzustellen: Der Kreationismus ist
kein Ergebnis eines Dialogs zwischen christlichem Glauben und Naturwissenschaft, er ist kein
Weg zu einem solchen Dialog. Es handelt sich
nicht einmal um einen Streit zwischen christlichem Glauben und einer naturalistischen Ideologie. Solche Auseinandersetzungen sind mit anderen Mitteln zu führen. Der Kreationismus ist eine
extreme Position in einem innerchristlichen Streit
darüber, wie mit dem naturwissenschaftlichen
Weltwissen zu verfahren sei. Es geht im Kern um
die Frage, die schon Augustinus im 4. Jahrhundert beschäftigte, wie Heilige Schrift und Naturwissen zusammenzudenken sind. Gesprächspartner der Theologie sind, falls sie sich überhaupt mit dem Kreationismus befasst, deshalb
nicht in erster Linie Naturwissenschaftler, sondern Mitchristen, die von naturwissenschaftlichen
Erkenntnissen angefochten werden. Der Zugang
zur Gewissheit des Glaubens im modernen Weltbild wird ihnen vom fundamentalistischen Schriftverständnis versperrt. Ihnen sollte eine tiefere
Gewissheit nahe gebracht werden, die von der
Wahrheit lebt, die Mensch wurde, und nicht von
der Wahrheit, die Papier wurde. Denn solange
die Wahrheit Papier bleibt, bleibt sie für den Menschen verfügbar. Dann liegt der Schritt nahe, diese Wahrheit gegen Andersdenkende durchsetzen
zu wollen. Wo dabei die Nächstenliebe auf der
Strecke bleibt, kann die christliche Antwort nur in
Widerstand bestehen. Wo sich der Kreationismus
dagegen als Alternativwissenschaft darstellt, um
die Autorität der Bibel zu retten, kann man ihm
seine besondere Sicht der Dinge zwar nicht bestätigen, man kann sie aber als Mitchrist hinnehmen. Schließlich ist die Echtheit und Tiefe des
persönlichen Glaubens nicht unmittelbar mit dem
wissenschaftlichen Erkenntnisstand eines Christen verbunden – wohl aber mit seiner Liebe zu
Gott und den Menschen.
11. Grundzüge einer Kritik am kreationistischen Schöpfungs- und Evolutionsbegriff
Die naturwissenschaftliche Evolutionstheorie besteht heute aus einem System theoretischer Aussagen von Astrophysik, Geologie, Biochemie und
Biologie, die zum Teil in logischem Zusammenhang miteinander stehen, zum Teil aber auch unabhängig voneinander sind. Der seit 1960 in den
USA, und seit 1980 in Europa, vorherrschende
Kurzzeit-Kreationismus richtet sich deshalb nicht
nur gegen die Biologie. Große Teile der Naturwissenschaft werden abgelehnt und durch alternative Thesen ersetzt, die man wie folgt zusammenfassen könnte:
1. Die Erde ist weniger als 10 000 Jahre alt. Sie
wurde einschließlich aller Lebewesen und des
© Bayerischer Rundfunk
Schulfernsehen
Menschen in sechs Tagen erschaffen, wie die
Bibel es sagt.
2. Die Lebewesen wurden von Gott so geschaffen, wie sie heute sind, oder als Grundtypen,
aus denen die heutigen Arten in wenigen Tausend Jahren hervorgingen.
3. Die Sintflut fand so statt, wie in der Sintfluterzählung beschrieben. Die geologischen Ablagerungen einschließlich der Fossilien entstanden durch die Sintflut oder kurz danach.
4. In der ursprünglichen Schöpfung gab es keine
Sünde und keinen Tod. Der Tod kam erst
durch den Fall des Menschen in die Welt. Vorher starb kein Lebewesen.
Diese Thesen werden durch eine wechselnde
Zahl von Annahmen gestützt, die zum Teil im
Kreationismus selbst strittig sind. Viele dieser Annahmen sind falsch oder sogar unsinnig, wobei
naturwissenschaftliche Laien dies aber oft nicht
erkennen können. Die häufigsten Annahmen lauten:
1. Die Zerfallsrate radioaktiver Elemente war in
der Vergangenheit höher.Radiometrische Altersmessungen kommen daher auf viele Millionen Jahre, während diese Elemente nur wenige Tausend Jahre alt sind. (Einwand: Eine
Zerfallsrate, die das Alter z.B. von Uranen auf
wenige Tausend Jahre verkürzt, hätte eine
Hitze erzeugt, die das gesamte Material verflüssigt und verdampft hätte.)
2. Die Datierung von Gesteinen und Fossilien
durch radioaktive Zerfallsraten beruht auf willkürlichen Voraussetzungen, In Wirklichkeit
weiß niemand, welche Menge eines Elements
und seiner Zerfallsprodukte vor wenigen tausend Jahren bereits vorhanden waren. (Einwand: Kein denkbarer Fehler ist groß genug,
um das radiometrisch gemessene Alter eines
Minerals von einer Milliarde Jahre auf 10 000
Jahre zu senken.)
3. Die Lichtgeschwindigkeit war früher viel höher.
Daher ist die astrophysikalische Berechnung
der Laufzeit des Lichts zwischen der Erde und
weit entfernten Sternen falsch. Sie beträgt
nicht Milliarden Jahre, sondern nur wenige
tausend Jahre. (Einwand: Dann brauchen wir
eine komplett neue theoretische Physik, denn
die Lichtgeschwindigkeit ist in ihr eine elementare Konstante.)
4. Alternativ zu den ersten Thesen: Das Universum ist von Gott so geschaffen worden, einschließlich radioaktiver Zerfallsprodukte, des
Lichts zwischen den Sternen, der Fossilien
usw., dass es den Eindruck großen Alters vermittelt. In Wirklichkeit ist es wenige tausend
Jahre alt. (Einwand: Das Argument schafft die
Möglichkeit ab, überhaupt Naturwissenschaft
zu betreiben.)
15
Schulfernsehen
5. Die Sintflutgeschichte wird dadurch belegt,
dass archäologische Expeditionen Reste der
Arche fanden. (Aber: Die angeblichen Reste
sind nicht vorhanden oder nicht untersuchbar.)
6. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich nützliche
Merkmale von Lebewesen durch das zufällige
Zusammentreffen von Mutationen bilden, ist
viel zu gering, als dass die Evolutionstheorie
funktionieren könnte. (Einwand: Diese Wahrscheinlichkeit ist meist nicht berechenbar,
aber mit Sicherheit ausreichend hoch.)
7. Natürliche Prozesse, die nach einfachen Regeln ablaufen, können keine Information erzeugen. Die Evolution der Lebewesen erzeugt
aber Information. Also wäre sie nur mit Hilfe
einer planenden Intelligenz möglich. (Einwand:
Natürliche Prozesse, die nach einfachen Regeln ablaufen, können unter Energieverbrauch
sehr viel Information erzeugen.)
Eine Reihe von häufig zu lesenden Annahmen
wurden in dieser Liste weggelassen, wie die Geschichte von den menschlichen Fußabdrücken,
die neben Saurierspuren entdeckt wurden, oder
die These, dass die Evolutionstheorie gegen den
zweiten Hauptsatz der Thermodynamik verstoße.
Diese Behauptungen bedürfen keiner Widerlegung. Die derzeit gültige Evolutionstheorie geht
im Gegensatz zum Kreationismus davon aus,
dass alle heute lebenden Wesen von früheren,
andersartigen Lebewesen abstammen.
Die Veränderung verlief dabei insgesamt (nicht in
jedem Einzelfall) hin zu einer höheren Komplexität von Strukturen und Verhaltensweisen. Weiterhin besagt sie, dass die Veränderungen auch
(nicht immer) funktionale Anpassungen der Lebewesen an ihre Umwelt waren. Diese Theorie bildete sich bereits im 18. Jahrhundert heraus. Die
kausale Erklärung für die Triebkräfte der Veränderung wechselte einige Male, bis die Selektionstheorie nach Darwin und Wallace 1859 einen entscheidenden Fortschritt brachte. Die heutige
Theorie weicht zwar in vieler Hinsicht von Darwins Ideen ab, beruht aber immer noch auf einigen seiner zentralen Entdeckungen. Insbesondere brachte die Verbindung der Evolutionsbiologie
mit der modernen Genetik entscheidende Veränderungen und Fortschritte mit sich. Der Kreationismus ist nicht imstande, diesen Ergebnissen
eine wissenschaftliche Alternative entgegen zu
setzen. Autor: Hansjörg Hemminger
12. Positionen der Evangelischen Kirche:
Kreationismus - die bessere Wissenschaft?
Der
Kreationismus
(creationism,
creation
science) ist Teil des protestantischen Fundamen© Bayerischer Rundfunk
Schulfernsehen
talismus, wie er sich am Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA herausbildete. Dass die Bibel,
vor allem in der Urgeschichte, die Grundlage jeder Wissenschaft liefert, ist aus seiner Sicht
ebenso klar wie die Überzeugung, dass die Bibel
die Grundlage jeder Moral darstellt. Dabei versuchte sich der Kreationismus mit den Mitteln
wissenschaftlicher Argumentation zu behaupten.
Er beanspruchte, nicht nur eine alternative, sondern die bessere Wissenschaft zu sein. Der
Langzeit-Kreationismus (day-age-creationism) deutete die Schöpfungsgeschichte so, dass jeder
der sieben Schöpfungstage für einen Äon der
Erdgeschichte steht. Auf diese Weise lassen sich
der naturwissenschaftliche und der biblische Zeitrahmen harmonisieren. Der Vorzeit-Kreationismus (gap creationism) ging davon aus, dass zwischen die ersten beiden Sätze der Schöpfungsgeschichte eine lange Epoche einzuschieben sei;
am Ende dieser Zeit war die Erde „wüst und leer“.
Die zweite Schöpfung folgte in sieben Tagen.
Beide Entwürfe spielen allerdings heute nur noch
eine geringe Rolle. Es dominiert der KurzzeitKreationismus (young earth creationism ), der die
sieben Schöpfungstage als Kalendertage auffasst. Je nachdem, ob man die Genealogien der
biblischen Urgeschichte (vor allem 1. Mose 5 und
10) als lückenlose Folgen betrachtet oder nicht,
kommt man auf ein Weltalter von 6000 bis maximal 12000 Jahren. Deshalb sind seine Aussagen
mit nahezu allen Feldern der Naturwissenschaft
unvereinbar. Kosmologie, Geologie und Biologie
stützen ihre Zeitmessungen auf physikalische
Methoden, so dass der Kurzzeit-Kreationismus
gezwungen ist, Physik und Geologie neu zu konstruieren. Trotzdem setzte sich in der fundamentalistischen Weltsicht und im politischen Konservativismus der USA diese radikalste Form der
Evolutionskritik durch. In letzter Zeit bestimmt
noch ein anderes Thema die Diskussion um Bibel
und Evolution, nämlich das „intelligent design“.
Kreationismus und Politik
Einen Höhepunkt erlebte der Kreationismus in
den USA in den zwanziger Jahren. Im Jahr 1921
16
Schulfernsehen
wurde in Kentucky zum ersten Mal eine Gesetzesvorlage eingebracht, nach der es verboten
sein sollte, die Abstammung des Menschen von
Tieren an staatlichen Schulen zu lehren. Zwischen 1921 und 1929 gab es ähnliche Vorlagen
in 31 Staaten. In Tennessee wurde sie 1925 zum
Gesetz (Butler Act), in Mississippi 1926 und in Arkansas 1928. Zum Showdown der Befürworter
und Gegner kam es bereits 1925 beim so genannten Affenprozess von Dayton in Tennessee.
Ein Lehrer namens John T. Scopes wurde von
der „American Civil Liberties Union“ (ACLU) aufgefordert, gegen das Gesetz zu verstoßen, und
folglich angeklagt, die Abstammung des Menschen vom Affen gelehrt zu haben. Er wurde zu
100 Dollar Geldstrafe verurteilt, später jedoch
vom obersten Gericht Tennessees freigesprochen. Verteidigt wurde er von dem landesweit bekannten Juristen Clarence Darrow, die ACLU
übernahm die Prozesskosten. Die Anklage wurde
von einem der prominentesten Politiker des Landes als Assistenten der Staatsanwaltschaft unterstützt, nämlich dem mehrfachen demokratischen
Präsidentschaftskandidaten und späteren Außenminister William J. Bryan (1860-1925). Im Streit
um die Evolution vertrat Bryan einen LangzeitKreationismus. Als Pazifist und Sozialreformer
entsprach er nicht dem Bild, das die heutigen
Konservativen in den USA abgeben. Wegen der
Kriegsgefahr kurz vor dem Eintritt der USA in den
Ersten Weltkrieg war er von seinem Amt als Außenminister unter dem Präsidenten Woodrow
Wilson zurückgetreten.
Für den Kreationismus stellte die öffentliche Debatte trotz des Urteils eine Niederlage dar, denn
sein Anliegen war weltweit der Lächerlichkeit
preisgegeben. Aber er verschwand keineswegs,
sondern wirkte sich auf die Zulassung von Schulbüchern, den Biologieunterricht usw. kontinuierlich aus. Er gehört seither mit seinen inhaltlichen
Wandlungen und seinen unterschiedlichen politischen Zwecken zum Bestand konservativen Den-
kens in den USA. Nach neuen Umfragen liegt
seine Anhängerschaft heute bei 32%, gemessen
an der „entschiedenen Ablehnung“ der Evolutionstheorie. Das ist viel mehr als in jedem ande© Bayerischer Rundfunk
Schulfernsehen
ren westlichen Industriestaat. In den Gemeinden
und Denominationen, in den zahllosen christlichen Privatschulen und -universitäten, im erwecklichen Schrifttum, heute auch im Internet, ist
er fest etabliert. Nur aus europäischer Sicht kam
es deshalb überraschend, dass Präsident George
W. Bush sich 2005 dafür aussprach, in staatlichen Schulen „intelligent design“ zu unterrichten.
Ab 1960 verschwand die Vielfalt kreationistischer
Ideen immer mehr, und der Kurzzeit-Kreationismus trat in den USA seinen Siegeszug an. Ausgangspunkt war das Buch von J. C. Whitcomb
und H. M. Morris „The Genesis Flood“, das versuchte, die Sintflut als historisches Ereignis zu
beweisen. Nach Ansicht der Autoren wurden die
geologischen Schichten und die Fossilien in ihnen fast alle von einer weltweiten Flut vor rund
6000 Jahren abgelagert. Mit dieser Sichtweise
setzten sie sich in den USA durch. Die Suche
nach der Arche Noah in der Türkei, in Armenien,
im Iran und anderswo blieb zwar vergeblich, trotzdem wurde das Institute for Creation Research
(ICR) in Santee bei San Diego (mit dem Präsidenten und späteren Alterspräsidenten Morris,
verstorben am 25. Februar 2006) zum Zentrum
des Kreationismus in den USA.
Ein wesentlicher politischer Grund für den Erfolg
war ein Wechsel der Strategie: Es wurde nicht
mehr wie zu Scopes Zeiten versucht, die Evolutionstheorie als unamerikanisch verbieten zu lassen. Vielmehr wurden schulmäßige und kreationistische Naturwissenschaft als gleichberechtigte
Möglichkeiten dargestellt, die in den Schulen
gleichrangig behandelt werden müssten. Die Debatte verschob sich von rechtlichen und politischen Fragen auf Spezialfragen der Naturwissenschaft, die sich der Beurteilung der breiten Öffentlichkeit nur schwer erschließen. Es genügte,
plausibel wirkendes und didaktisch gut gemachtes Unterrichtsmaterial vorzulegen, um dem
Kreationismus im privaten Schulsystem der USA
zu einer großen Verbreitung zu verhelfen. Die
zahllosen Publikationen, Internet-Seiten und
christlichen Bildungsangebote zu diesem Thema
werden außerhalb der USA kaum beachtet. Das
staatliche Schulsystem erwies sich jedoch als
schwieriges Feld, denn dort verhindert der von
der Verfassung vorgegebene Laizismus religiöse
Unterweisungen. 1968 entschied das oberste Gericht der USA (Supreme Court), dass der Kreationismus als religiöse Lehre zu betrachten und deshalb in staatlichen Schulen unzulässig sei. Anders lautende Regelungen von Einzelstaaten wurden aufgehoben. Als Kansas 1999 noch einmal
versuchte, die Evolutionstheorie in den Schulbüchern durch „intelligent design“ zu ersetzen,
musste die Regelung aufgrund einer Intervention
17
Schulfernsehen
des Obersten Gerichtshofs schließlich zurückgenommen werden.
Wortführer des Kreationismus ist heute noch das
Institute for Creation Research, inzwischen mit
dem Direktor John Morris, dem Sohn des Gründers. Zu erwähnen ist außerdem die Creation
Science Fellowship in Pittsburg, Pennsylvania,
die alle vier Jahre eine internationale Konferenz
veranstaltet. Die sechste wird 2008 in San Diego
zum Thema „Entwicklung und Systematisierung
von Schöpfungsmodellen“ stattfinden.
Einen Gegenpol dazu bildet die Organisation
„Answers in Genesis“ (AiG) des Australiers Ken
Ham mit Hauptsitz in Kentucky, die in allen englischsprachigen Ländern und in Japan präsent ist.
Eine unduldsame Polemik gegen Andersdenkende nimmt bei ihr viel Raum ein. Die Polemik richtet sich sogar gegen Mit-Kreationisten, die ein höheres Erdalter als 6000 Jahre vermuten. Zum
Beispiel wird der britischen Organisation „The Biblical Creation Society“ Kompromisslertum vorgeworfen, weil es in ihr Leute gibt, die eine „Rekolonisation“ der von der Flut verwüsteten Erde in
mehreren Wellen über 12.000 Jahre annehmen
Schulfernsehen
ähnlichen Organisationen in den USA) mit politischem Fanatismus. Von daher entsprechen diese
– in Europa nahezu unbekannten – Gruppen eher
als das ICR (und viel eher als die deutsche Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“) dem
Feindbild Fundamentalismus, wie es kirchlich-liberale und säkulare Kreise pflegen.
Deutscher Kreationismus
Ein Blick in die Geschichte
Der Kreationismus in Deutschland verdankt sich
dem Einfluss des protestantischen Fundamentalismus der USA auf die evangelikale Bewegung.
Dieser Einfluss nahm in den letzten Jahrzehnten
stetig zu. Dabei ging die ältere Tradition pietistischer Auseinandersetzung mit der Naturwissenschaft verloren. In einem Teil der evangelikalen
Bewegung und in den meisten Freikirchen gehört
der Kreationismus inzwischen zur Weltdeutung.
Ohne die in den USA herrschende Aufgeregtheit,
aber auch ohne Interesse für wissenschaftliche
Fragen, hält man es für selbstverständlich, dass
die Bibel recht und die Naturwissenschaft unrecht
hat. Insofern ist der Kreationismus ein Indikator
dafür, wie weit die Amerikanisierung des Evangelikalismus in Europa reicht. Im erwecklichen Protestantismus der Vor- und Nachkriegszeit spielte
das Thema „Evolution“ nämlich eine viel geringere Rolle als heute. Autor: Hansjörg Hemminger
13. Positionen der Evangelischen Kirche:
Wort und Wissen
und die Fossilschichten diesen Wellen zuordnen.
„Answers in Genesis“ beschäftigte 2006 über 160
hauptamtliche Mitarbeiter und plante die Eröffnung eines Naturkundemuseums für mehrere
Millionen Dollar.
Ähnlich agiert „The Creation Science Association
for Mid-America“ (CSA) in Kansas, die ebenso
wie „Answers in Genesis“ an dem erwähnten
Streit um den naturwissenschaftlichen Unterricht
in Kansas beteiligt war. In der Selbstdarstellung
von CSA im Internet heißt es: „Die verbreitete Akzeptanz dieser falschen Ursprungsidee hat körperlichen Schaden für Millionen Menschen allein
in diesem Jahrhundert und Gesetzlosigkeit in unserer Gesellschaft verursacht, und unzähligen
Menschen eine gute Beziehung zu ihrem Schöpfer genommen.“
Der Anspruch, ein „reborn Christian“ zu sein, verbindet sich bei AiG und CSA (und vielen anderen
© Bayerischer Rundfunk
Die wichtigste kreationistische Organisation im
deutschen Sprachraum ist die 1979 – unter dem
Einfluss des US-Kreationismus – von Theodor Ellinger und Horst W. Beck gegründete Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“ mit Sitz in Baiersbronn (Nordschwarzwald). Beck gehört dem
Werk aufgrund theologischer Differenzen allerdings seit Jahren nicht mehr an. Der Professor
für Betriebswirtschaft Ellinger war von 1980 bis
1997 dessen Vorsitzender, auf ihn folgte der Mikrobiologie Siegfried Scherer (Universität München). Neuer Vorsitzender wurde als Nachfolger
Scherers Anfang 2006 der Arzt Henrik Ullrich aus
Riesa (Sachsen), zweiter Vorsitzender der Universitätsprofessor für pharmazeutische Chemie
Peter Imming aus Halle.
Das Werk lehnt den Begriff Kreationismus als
Selbstbezeichnung ab. Bevorzugt wird der Begriff
Schöpfungslehre. Polemische Exzesse, wie sie in
den USA die Regel sind, findet man eher selten.
Siegfried Scherer ist gemeinsam mit dem langjährigen Geschäftsführer Reinhard Junker Autor
des Schulbuchs „Evolution – ein kritisches Lehr18
Schulfernsehen
buch“ (s.u.). Nicht direkt von „Wort und Wissen“
stammt die empfohlene Lehrbuchversion für jüngere Kinder: Creatio. Biblische Schöpfungslehre.
Neben diesen Lehrbüchern gibt „Wort und Wissen“ eine Fachzeitschrift und Fachbroschüren
heraus und vertreibt Literatur für alle Zielgruppen,
bis hin zu Kinderbüchern. Weiterhin wird der Film
von Fritz Poppenberg unterstützt: „Hat die Bibel
doch recht? Der Evolutionstheorie fehlen die Beweise“.
Seit ihrer Gründung verzeichnet die Studiengemeinschaft ein moderates Wachstum und hat
sich im freikirchlichen und teilweise im konservativen landeskirchlichen Raum als Autorität für die
Ablehnung der Evolutionstheorie etabliert. Sie
verfügt über einen Unterstützerkreis von mehreren tausend Personen, der fünf haupamtliche
Stellen finanziert (Stand 2006). Auch wenn das
im Vergleich zu „Answers in Genesis“ wenig sein
mag: „Wort und Wissen“ ist vermutlich die personell und wissenschaftlich am besten ausgestattete kreationistische Organisation in Europa. Sogar
„The Biblical Creation Society“ in Großbritannien
kann nur eine hauptamtliche Kraft bezahlen
(Stand 2006).
Worum geht es? Für „Wort und Wissen“ ist das
christliche Zeugnis der Bibel auf die historische,
faktische Richtigkeit der Urgeschichte angewiesen. Begründet wird dies damit, dass das Christuszeugnis des Neuen Testaments mit der Urgeschichte verknüpft sei. Zum Beispiel schreibt
Paulus in Römer 5,12: „Durch einen einzigen
Menschen kam die Sünde in die Welt und durch
die Sünde der Tod, und auf diese Weise gelangte
der Tod zu allen Menschen...“ In Vers 14 heißt es
weiter: „Adam aber ist die Gestalt, die auf den
Kommenden hinweist.“ Wenn es die historische
Gestalt des Adam als ersten Menschen nicht gegeben habe, stünde auch die historische Gestalt
des Christus in Zweifel. Weiterhin wird auf die
Aussage des Paulus verwiesen, es sei „durch die
Übertretung des Einen der Tod zur Herrschaft gekommen“ (Römer 5,17). Hätte die biologische
Evolutionstheorie recht, so das Argument, wäre
jedoch der Tod nicht Folge des Sündenfalls, sondern von Anfang an Instrument des Schöpfungswillens Gottes gewesen. Denn die Entstehung
der heutigen Arten – und des Menschen – über
zahllose Generationen sich verändernder Lebewesen setzt deren Sterben voraus. Nach biblischer Auffassung sei der Tod jedoch kein Teil der
ursprünglichen Schöpfung. Daher erzwinge es
die Autorität der Schrift und das Bekenntnis zur
Liebe Gottes, nicht nur die Evolutionsmechanik
Darwins zu verwerfen, sondern auch die Abstammungslehre. Das Werk geht davon aus, dass die
Geschichte der Lebewesen und des Menschen
© Bayerischer Rundfunk
Schulfernsehen
seit dem Sündenfall rund 10000 Jahre lang war,
dass also Leben und Werk des Christus etwa
8000 Jahre nach dem Sündenfall anzusetzen
sind. Das Sintflut-Ereignis ist in die Epoche zwischen Sündenfall und Inkarnation einzuschieben,
wobei sich „Wort und Wissen“ anders als das
ICR in San Diego nicht auf eine Datierung festlegt. Dessen Idee, dass fast alle geologischen
Schichten Ablagerungsprodukte der Sintflut sein
sollen, steht man ebenso wie „The Biblical Creation Society“ und andere europäische Kreationisten skeptisch gegenüber.
Das theologische Argument lautet demnach: Die
Rechtfertigungsbotschaft des Neuen Testaments,
der Kern christlichen Lebens und Denkens, ist mit
der Evolutionstheorie nicht vereinbar. Diesem Argument ist theologische Ernsthaftigkeit zuzugestehen. Allerdings verbirgt sich hinter der systematischen Argumentation ein Schriftverständnis,
das den Glauben doch wieder durch die Faktizität
von Bibeltexten sichern will. Denn warum sollte
es ein Problem sein, dass Paulus seine Botschaft
vom alten Menschen, für den Adam steht, und
vom neuen Menschsein in Christus mit Hilfe der
Vorstellungen seiner Zeit formuliert? Wenn uns
Gottes Wort in der Bibel durch Menschen und
durch das Menschenwort hindurch erreicht, dann
ist weder die Sprache des Paulus noch das
Schöpfungszeugnis der Urgeschichte ein Problem für ein modernes Natur- und Geschichtsverständnis. Wenn Bibeltexte überzeitlich und gottesunmittelbar zu verstehen sind, dann entstehen
solche Probleme überall, nicht nur in der Urgeschichte, sondern in der Ethik, der Weltgeschichte und so weiter und so fort. Der Widerspruch
zwischen Rechtfertigungslehre und Evolutionstheorie hängt an einer biblizistischen Deutung der
Paulusworte; ohne diese Deutung löst er sich auf.
Allerdings löst sich die Frage der Theodizee, der
Rechtfertigung Gottes, nicht mit auf. Denn in der
Tat folgt aus unserem heutigen Naturwissen,
dass der Tod von Anfang an Teil des Schöpfungshandelns Gottes war. Die Urgeschichte der
Bibel spricht auch nicht von einer goldenen Urzeit
ohne Leid und Tod, sondern von einem Garten,
den Gott dem ersten Menschen anvertraute. Die
Symbolik dieser Geschichte zielt auf einen Verlust ab, auf eine ungebrochene Gottesbeziehung,
die es nicht mehr gibt. Die Frage der Theodizee
setzt bereits hier ein und wird durch die moderne
Evolutionstheorie höchstens zusätzlich betont.
Auch die Mikroevolution, die nach Ansicht von
„Wort und Wissen“ nach der Sintflut ablief, setzt
den Tod unschuldigen Lebens voraus. Warum für
die Sünde der Menschen seit 8000 Jahren andere Lebewesen sterben, ist nicht einsichtiger als
die Tatsache, dass der Tod überhaupt zur Schöp19
Schulfernsehen
fung gehört. Man entkommt als Christ der
dunklen, verborgenen Seite der Schöpfung Gottes nicht, weder als Kreationist noch als Naturwissenschaftler, was von „Wort und Wissen“ übrigens auch eingeräumt wird. Autor: Hansjörg
Hemminger
14. Positionen der Evangelischen Kirche: Ein
kreationistisches Schulbuch
Das wichtigste Produkt von „Wort und Wissen“ ist
das Schulbuch „Entstehung und Geschichte der
Lebewesen“ von Reinhard Junker und Siegfried
Scherer (erste Auflage Gießen 1986), das fünf
Auflagen erreichte. Es wurde durch „Evolution –
ein kritisches Lehrbuch“ ersetzt, das inzwischen
ebenfalls sechs Auflagen erzielte. Eine Anerkennung durch die Kultusministerien der Länder hat
das Buch nicht, es wird aber in den inzwischen
über 70 Evangelischen Bekenntnisschulen in
Deutschland (die nicht identisch sind mit Privatschulen in der Trägerschaft der Landeskirchen)
verwendet. Sein wichtigstes Theorieelement ist
die Unterscheidung von Mikro- und Makroevoluti-
on sowie die Beschränkung der speziellen
Schöpfung auf die „Grundtypen“ der Lebewesen.
Es wird argumentiert, dass sich die Vielfalt der
Lebewesen in Grundtypen aufgliedern lasse, die
jeweils mehrere bis viele heutige Arten umfassen.
Zum Beispiel stammten fast alle heutigen Entenvögel (Enten, Gänse, Schwäne und einige andere
Arten) von einem Grundtyp ab, und die Vielzahl
der Arten habe sich durch Mikroevolution herausgebildet. Dabei sei der Mechanismus von Mutation und Selektion durchaus wirksam gewesen,
aber nur im Rahmen der Flexibilität, die der
Grundtyp „Entenvogel“ von Anfang an mitgebracht habe. Mit anderen Worten: Es gibt laut
„Wort und Wissen“ eine Mikroevolution, aber keine Makroevolution.
Theologisch wird diese Theorie so gedeutet, dass
Gott in den sieben Tagen der Schöpfung nur die
Grundtypen geschaffen habe und dass auch nur
Grundtypen von Landtieren in der Arche gewesen
seien, um sie vor der Sintflut zu retten. Dadurch
© Bayerischer Rundfunk
Schulfernsehen
wird die Sintflutgeschichte als historisches Ereignis zwar auch nicht möglich, aber die Unmöglichkeit ist weniger auffällig. Die höchstens 8000 Jahre seit der Sintflut hätten nach „Wort und Wissen“
ausgereicht, um aus den Grundtypen die heutigen Arten hervorgehen zu lassen. Dass es so gewesen sein könnte, würde den Autoren allerdings
kein Evolutionsbiologe zugestehen. Die Idee,
dass so unterschiedliche Vögel wie Höckerschwan und Gänsesäger in einer Stammesgeschichte von weniger als 8000 Jahren aus einem
gemeinsamen Vorfahren entstanden sein könnten, stimmt mit dem, was die Biologie über Veränderungsgeschwindigkeiten der Arten weiß,
ganz und gar nicht überein. Aber diese und andere Schwierigkeiten oder Unmöglichkeiten der
Schöpfungslehre von „Wort und Wissen“ seien
hier beiseite gelassen.
Positiv anzumerken ist, dass das Buch sich im
Umgang mit Andersdenkenden um Fairness bemüht. An keiner Stelle wird auch nur angedeutet,
dass Christen, die nicht kreationistisch denken,
deshalb nicht als Christen anzusehen seien. Die
Person Charles Darwin wird historisch richtig beschrieben. Verschwörungstheorien, nach denen
Darwin einen gezielten Angriff auf den Glauben
inszeniert habe, finden sich bei „Wort und Wissen“ nicht. Von dieser Fairness sollten wissenschaftliche Gegner des Kreationismus lernen. Bevor man „Wort und Wissen“ mit Häme überzieht,
sollte man sich überlegen, ob man sich im deutschen Sprachraum Fanatiker vom Schlag „Answers in Genesis“ wünscht. Weiterhin ist positiv
anzumerken, dass sich das Buch um die Trennung von wissenschaftlichen und religiösen Argumenten bemüht. Unter dem Stichwort „Grenzüberschreitung“ wird jeweils markiert, wenn Argumente nicht mehr innerhalb der biologischen Wissenschaft angesiedelt sind. Diese Tugend wird
von Naturwissenschaftlern bei öffentlichen Äußerungen selten geübt. Nur zu oft ist kaum ersichtlich, ob Kritik am Kreationismus dessen naturwissenschaftlichen Aussagen gilt oder ob ein agnostischer Wissenschaftler seine Weltsicht verteidigt.
Dogmatismus im Sinn eines geschlossenen
Denksystems kann man dem Lehrbuch nicht vorwerfen.
Allerdings gibt es nicht nur inhaltliche Grenzüberschreitungen bei der Deutung wissenschaftlicher
Befunde. Es gibt auch methodische Grenzüberschreitungen, im Fall des Kreationismus dadurch,
dass der Naturwissenschaft biblizistische Vorgaben gemacht werden. Dem Kreationismus wird
vorgehalten, dass er insgesamt auf einer solchen
Grenzüberschreitung beruhe. Forschung, so
heißt es, werde überhaupt nur im Rahmen dessen für legitim gehalten, was die Bibel (angeblich)
20
Schulfernsehen
über Natur und Welt festlegt. Für viele Kreationisten trifft dieser Vorwurf unstreitig zu. Die Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“ bestreitet aber,
die Forschung von vornherein begrenzen zu wollen. Aus ihrer Sicht ist die Schöpfungslehre hinreichend naturwissenschaftlich begründet, um sie
ohne Rückgriff auf theologische Argumente zu
vertreten. Unzulänglichkeiten und Unerklärtes
werden eingeräumt. Aber diesbezüglich stehe es
– so das Argument – in der Wissenschaft nicht
anders. Daher behandelt das Lehrbuch die so genannte Evolutionslehre und die Schöpfungslehre
von „Wort und Wissen“ als wissenschaftliche Alternativen. Ob sie dies tatsächlich sind, ist die
entscheidende Frage. Denn das Unternehmen
Schulfernsehen
„Wort und Wissen“ – nicht nur sein Lehrbuch –
lebt von der Behauptung, dass seine Theorien
eine eigene wissenschaftliche Plausibilität hätten
und die Theologie erst danach als Deutungsrahmen in den Blick käme.
Hätte das Werk damit recht, wäre sein Vorgehen
methodisch nicht zu beanstanden. Dem steht allerdings das einhellige wissenschaftliche Urteil
entgegen, dass die Position von „Wort und Wissen“ keine wissenschaftliche Plausibilität hat. Sie
bezieht ihre Plausibilität aus theologischen Vorgaben.
Dieses Urteil trifft auch aus Sicht des Autors zu,
ohne dass es in diesem Rahmen im Einzelnen
begründet werden kann. Hansjörg Hemminger
Didaktische Hinweise
Die Sendung kann in den Fächern Ethik, Religionslehre, Natur und Technik sowie Biologie ab der 6.
Jahrgangsstufe eingesetzt werden. Aufgrund der komplexen Thematik empfiehlt sich der Einsatz ab
der 8. Jahrgangsstufe.
Lehrplanbezüge (Bayern)
Mittelschule
9. Jgst.
PCB
9.4 Entwicklung des Menschen
Ausgehend von der Frage: „Woher kommt der Mensch?“ erhalten die Schüler einen Einblick in heutige
Vorstellungen vom Ablauf und der Dauer der Evolution des Menschen.
9.4.2 Evolution des Menschen
- Stammesgeschichte des Menschen (im Überblick)
- biologische und kulturelle Evolution beim Menschen
Realschule
6. Jgst.
Biologie
6.2 Stammesgeschichtliche Entwicklung
Die Schüler vergleichen lebende und fossile Wirbeltiere und gewinnen dabei eine Vorstellung von verwandtschaftlichen Beziehungen. Sie stoßen auf Erscheinungen, die als Belege für die Entwicklungsgeschichte gelten. Die Schüler begreifen, dass Lebewesen und Umwelt sich in dauerhafter Veränderung
befinden und dass das Hervorbringen mannigfaltiger Lebewesen nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten
erfolgt. Indizien für eine stammesgeschichtliche Entwicklung (Fossilien; Mosaikformen; Entwicklungslinie eines Wirbeltiere). Erklärungen für die Artenvielfalt (Beispiele für das Zusammenwirken von Veränderung und Auslese; die Veränderungen eines Individuums von denen einer Art unterscheiden; Artenvielfalt)
8. Jgst.
Katholische Religionslehre
8.6 Unserer Sorge anvertraut: die Welt als Schöpfung Gottes
Die Schüler erleben die Welt als faszinierend und besorgniserregend zugleich. Dies kann ihr Interesse
wecken, sich mit Fragen nach Ursprung, Sinn und Zukunft unserer Welt auseinander zu setzen. Die
Welt, in der wir leben: sie lädt zum Staunen ein und macht betroffen; Menschen fragen nach Ursprung
und Sinn (auch eigene Deutungen versuchen) - Gen 1, 1 – 2,4a: die Botschaft der Schöpfungserzählung im Kontext ihrer Entstehungsgeschichte; ggf. auch Gen 2, 4b – 25; biblische Schöpfungserzählung und Evolutionstheorie als einander ergänzende Erklärungen; die Welt als „Schöpfung Gottes“
oder „Zufall“ – gegensätzliche Sichtweisen mit unterschiedlichen Folgerungen und Auswirkungen
© Bayerischer Rundfunk
21
Schulfernsehen
Schulfernsehen
10. Jgst.
Biologie
10.4 Biologische und kulturelle Evolution des Menschen
Die Schüler erschließen sich wichtige Abschnitte der stammesgeschichtlichen Entwicklung des Menschen. Sie erkennen, dass seine geistige Entwicklung mit der kulturellen eng verzahnt ist. Mit dem
Nachvollziehen der Entwicklungsgeschichte des Menschen wird auch die Frage nach der Zukunft des
Menschen und seines Lebensraumes gestellt.
Stammesgeschichte des Menschen (Geschichte der Evolutionstheorien; Stellung des Menschen im
System der Primaten; Stammbaum des Menschen: fossile, paläoanthropologische und genetische Belege; Herkunft des Menschen (Out-of-Africa-Theorie)
Evangelische Religionslehre
10.1 Die Frage nach Gott
Die Jugendlichen erfahren, dass man sich Gott auf unterschiedlichen Wegen nähern kann. Beispiele
verdeutlichen, dass Gottesvorstellungen auch einem Wandel unterworfen sind. Anhand dieser Beispiele und der Herausforderungen, die sich durch die Aufklärung ergeben, erkennen die Heranwachsenden, wie schwierig es ist, Antworten auf die Frage nach Gott zu finden. Sie erfahren, wie Menschen
heute verantwortlich von Gott sprechen, und finden Unterstützung bei der Suche nach einer eigenen
Position. Streit um den Gottesglauben (die Aufklärung und die Folgen, Glaube und Naturwissenschaft,
z. B. anhand der biblischen Schöpfungsgeschichten)
Gymnasium
5. Jgst.
Natur und Technik
5.2 Schwerpunkt Biologie
5.2.1 Der Biologie – die Lehre von den Lebewesen (Auftreten wichtiger Gruppen im Verlauf der Erdgeschichte: Einzeller, Pflanzen, Tiere, Mensch)
6. Jgst.
Natur und Technik
6.1 Schwerpunkt Biologie
6.1.1 Wirbeltiere in verschiedenen Lebensräumen (Verwandtschaft der Wirbeltiere: vereinfachter
Stammbaum; zeitliche Abfolge des Auftretens wichtiger Gruppen)
8. Jgst.
Biologie
Mit dem Evolutionsgedanken als Leitfaden begreifen die Schüler die Artenvielfalt als Ergebnis eines
fortwährenden Prozesses. Anhand wesentlicher Aussagen der Evolutionstheorie gewinnen sie auf verschiedenen Organisationsebenen einen Einblick in die dynamische Wechselwirkung von Bau und Angepasstheit der Organismen bei sich verändernden Umweltbedingungen. Die Auseinandersetzung mit
Hypothesen zur stammesgeschichtlichen Entwicklung des Menschen und seiner Einbindung in das natürliche System trägt zu einem naturwissenschaftlich begründeten Selbstverständnis bei.
8.3 Evolutionstheorie: eine naturwissenschaftliche Erklärung zur Entstehung der Arten
Den Schülern wird deutlich, dass die Vorstellung eines fortlaufenden Evolutionsgeschehens durch
zahlreiche Indizien gestützt wird, anhand derer sich auch der Verlauf der Stammesgeschichte grundsätzlich rekonstruieren lässt. Mit der auf Darwin zurückgehenden Evolutionstheorie lernen sie ein tragfähiges Erklärungsmodell kennen, das auch auf die Evolution des Menschen anwendbar ist
Evolutionsforschung
- Belege des evolutionären Wandels: Fossilien, Brückentiere
- Methoden zur Beurteilung von Ähnlichkeiten und zur Rekonstruktion der Stammesgeschichte: Homologie und Analogie
- Evolutionstheorie: Variabilität durch Bildung genetisch verschiedener Nachkommen; Selektion: Vorteile durch Tarnen, Warnen und Schrecken
Evolution des Menschen
- Hypothesen zur stammesgeschichtlichen Entwicklung des Menschen; wichtige Etappen
- Einordnung des Menschen in das natürliche System
© Bayerischer Rundfunk
22
Schulfernsehen
Schulfernsehen
Evangelische Religionslehre
8.1 Leben in Gottes Schöpfung und Geschichte
Die Schüler sollen sich ihrer eigenen Vorstellungen von Welt und Zeit bewusstwerden und sie mit anderen Sichtweisen und deren Auswirkungen auf das Lebensgefühl vergleichen. Sie sollen lernen, mit
der Spannung zwischen Aussagen der Naturwissenschaften und Aussagen des Glaubens an Gott, den
Schöpfer, sachgemäß umzugehen.
Den biblisch.christlichen Schöpfungsglauben im Kontext anderer Sichtweisen von Welt kennenlernen
- Weltsichten der Schüler; ein Schöpfungsmythos; naturwissenschaftliche Theorien, z. B. Urknall, Evolution
- Begegnung mit biblischen Aussagen zur Schöpfung: Zugangsmöglichkeiten und Zugangsschwierigkeiten
- Grundzüge christlichen Schöpfungsglaubens
- Wechselwirkung von Weltbild und Lebensgefühl, Lebensstil, Lebensführung
Katholische Religionslehre
8.1 Gottes Schöpfung – Gabe und Aufgabe für den Menschen
Jugendliche betrachten die biblischen Schöpfungsgeschichten oft als naturalistische Berichte, die einer
überholten Weltauffassung entstammen. Deshalb soll ihnen einsichtig werden, dass es unterschiedliche Sichtweisen gibt, die Wirklichkeit zu befragen: Während es den Naturwissenschaften um Erklärungsmodelle geht, versuchen Ursprungserzählungen Lebensorientierung zu stiften. In biblischen
Schöpfungstexten entdecken die Schüler grundlegende Aussagen über die Stellung des Menschen in
der Welt. In der Auseinandersetzung damit werden sie sich der Verantwortung für die Schöpfung angesichts heutiger Gefährdungen bewusst.
- komplementäre Sicht der Wirklichkeit: Staunen über die Schöpfung, z. B. Sonnengesang (Franz v.
Assisi); naturwissenschaftliches Wissen über die Entwicklung von Welt und Leben, z. B. Urknall, Evolution; symbolische Weltdeutung in einer Ursprungserzählung, z. B. babylonischer, indianischer Schöpfungsmythos
- biblische Schöpfungserzählungen (Gen 1,1-2,4a; 2,4b-25) – keine Berichte, sondern Grundaussagen
zur Lebensorientierung vor dem Hintergrund ihrer Entstehungszeiten: Mensch als Geschöpf und Ebenbild Gottes
12. Jgst.
Biologie
12.1 Evolution
Durch vergleichende Betrachtung erkennen die Schüler die Ähnlichkeit rezenter und fossiler Arten und
begreifen diese als Dokumente der Evolution. Formenvielfalt und Angepasstheit der Lebewesen verstehen sie als Ergebnis eines langen stammesgeschichtlichen Entwicklungsprozesses.
Der bereits aus der Mittelstufe bekannten Theorie Darwins werden andere Erklärungsansätze gegenübergestellt und die verschiedenen Modelle in Hinblick auf ihre wissenschaftliche Aussagekraft diskutiert. Die Schüler erweitern das Konzept Darwins und lernen mit der synthetischen Evolutionstheorie
eine alle biologischen Teildisziplinen verbindende Theorie kennen, die unser Weltbild beeinflusst und
die Grenzen naturwissenschaftlicher Erkenntnis berührt.
Bei der Rekonstruktion stammesgeschichtlicher Vorgänge und der Entwicklung des Lebens setzen sie
sich mit Voraussetzungen und Mechanismen von Evolutionsprozessen auseinander. Im Zusammenhang mit Fragestellungen der Hominisation beschäftigen sich die Schüler mit anatomischen Veränderungen, der Ausbildung kognitiver Fähigkeiten und der Entstehung eines moralischen Bewusstseins.
Evolutionsforschung
- Gemeinsamkeiten und Vielfalt fossiler und rezenter Organismen als Dokumente der Evolution
- Entwicklung des Evolutionsgedankens: vergleichende Betrachtung der Erklärungsansätze von Cuvier, Lamarck und Darwin; Auswirkungen auf Ordnungssysteme; morphologischer und biologischer
Artbegriff
- Beurteilung von Ähnlichkeiten zur Rekonstruktion der Stammesgeschichte:
Mechanismen der Evolution
- Zusammenspiel von Evolutionsfaktoren aus der Sicht der erweiterten Evolutionstheorie
- Allelfrequenzänderung durch Mutation und Rekombination (Bedeutung für die Evolutionsgeschwindigkeit), Selektion (Formen), Gendrift
- Rassen- und Artbildung infolge reproduktiver und geographischer Isolation; adaptive Radiation an einem Beispiel
© Bayerischer Rundfunk
23
Schulfernsehen
Schulfernsehen
Evolutionsprozesse
- Hypothesen zu den Anfängen des Lebens: chemische Evolution, erste hypothetische Zellen, Ernährungsformen, Vielzelligkeit
- Evolutionsschübe nach Massenaussterben
Evolution des Menschen
- Einordnung des Homo sapiens im System anhand anatomischer, chromosomaler und molekularer
Merkmale
- Zusammenwirken verschiedener Faktoren bei der Hominiden-Entwicklung: Umweltveränderungen,
anatomisch-morphologische Veränderungen, soziale und kulturelle Evolution
Lernziele
Die Schülerinnen und Schüler sollen:
• Über die unterschiedlichen kreationistischen Strömungen und ihre zentralen Aussagen Bescheid
wissen;
• die politischen, religiösen und weltanschaulichen Hintergründe des Kreationismus verstehen;
• die zentralen Thesen der Evolutionstheorie (Mutation und Selektion) begreifen;
• für die Mechanismen und Angriffspunkte kreationistischer Propaganda sensibilisiert werden;
• kreationistische Ansätze kritisch hinterfragen und auf ihre wissenschaftliche Haltbarkeit überprüfen;
• die wichtigsten Antworten der evangelischen und katholischen Kirche auf den Kreationismus kennen;
• sich ein eigenes Urteil über die Kreationismusdebatte bilden.
Anregungen
Die Sendung ist für den Einsatz im Biologieunterricht ab der 7. Jahrgangsstufe geeignet. Sie eignet
sich jedoch vor allem für das fächerverbindende Arbeiten, an dem sich zusätzlich Religion (Kreationismus und Evolution) bzw. Ethik sowie das Fach Englisch (Darwin: On the Origin of Species ) beteiligen
können.
Die Faktenkapitel 1-7 geben die Thesen der interviewten Experten und Kreationismusbefürworter im
Wortlaut wieder und eignen sich daher besonders als Diskussionsgrundlage sowie zur Nachbearbeitung des Films.
Die weiteren Faktenkapitel ermöglichen ein tieferes Einsteigen in die Thematik und eignen sich als
Grundlage für Gruppenarbeiten sowie zur Vorbereitung für Referate.
Literaturhinweise
Hansjörg Hemminger: Und Gott schuf Darwins Welt: Schöpfung und Evolution, Kreationismus und intelligentes Design. Gießen [Brunnen Verlag] 2009.
Ulrich Kutschera (Hrsg.) Kreationismus in Deutschland. Fakten und Analysen. Münster [LIT Verlag]
2007.
Links
http://www.thomas-junker-evolution.de/Evolutionstheorie/1,000000220578,8,1
http://www.thomas-junker-evolution.de/Kreationismus-/-ID/1,000000216860,8,1
http://www.thomas-junker-evolution.de/
Positionen des Evolutionsbiologien Dr. Thomas Junker zu Kreationismus und Intelligent Design
http://www.wort-und-wissen.de/
Homepage der Studiengemeinschaft Wort und Wissen
© Bayerischer Rundfunk
24
Schulfernsehen
Schulfernsehen
http://giordanobrunostiftung.wordpress.com/2009/07/24/kreationismus-in-deutschland/
Drei Videobeiträge zum Kreationismus
http://fowid.de/
Portal der "Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland" (fowid) mit umfassenden empirischen Informationen zu allen Aspekten von Weltanschauungen.
http://www.weltanschauungsbeauftragte.elk-wue.de/
Homepage Weltanschauungsbeauftragte der Evangelischen Landeskirche in Württemberg
http://www.weltanschauungsbeauftragte.elk-wue.de/fileadmin/mediapool/einrichtungen/E_weltanschauungsbeauftragte/DoksH-N/Kreationismus_PDF.pdf
Information zum Kreationismus des Weltschauungsbeauftragten der Evangelischen Kirche
Intelligentes Design und Fundamentalismus
http://www.stjosef.at/dokumente/evolutio.htm
Christliches Menschenbildund moderne Evolutionstheorien. Botschaft von Papst Johannes Paul II.
http://www.answersingenesis.org/home/area/bios/a_snelling.asp
Informationen zu Dr. Andrew Snelling
© Bayerischer Rundfunk
25