Rules the Waves: Scorpion „Sting“

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Rules the Waves: Scorpion „Sting“
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Seit zehn Jahren wird im britischen Lymington am Solent das Modell Scorpion
Sting auf Bestellung gebaut. Die Zahl der Rekorde und Rennerfolge in internationalen Offshore Rennen reihen sich aneinander und für die im nächsten Jahr
anstehende Cowes-Monte Carlo Rallye, für die auch das Testschiff gebaut wurde, ist der
Markt an gebrauchten Stings bereits restlos leer gefegt. Doch nicht nur als Rennboot, insbesondere als sportlicher Offshore Cruiser macht die Sting eine gute Figur und es ist erstaunlich, dass bisher kein Boot den Weg
nach Deutschland gefunden hat. Das sollte sich ändern, fand WasserSport Redakteur Christian Schneider
Text und Fotos Christian Schneider
nach einer ausgiebigen Testfahrt.
An Bord
Rules the Waves:
Scorpion „Sting“
쏅 Design, Konzept,
Verarbeitung
K
ein langes Gefasel um die Optik: Die ist
flach, gestreckt, messerscharf und versucht gar nicht erst auch noch irgendetwas anderes zu sein als sportlich. Dass es sich in Wahrheit um ein RIB handelt sieht der Betrachter
erst auf den zweiten Blick, zumal die Schläuche
vorne in eine laminierte GFK Bugsektion übergehen. Die Sting macht auch am Steg eine gute
Figur, hat Rasse, aber verzichtet dankenswerteweise auf aggressiv-machohaft anmutende
Designelemente, sondern punktet mit Stil und
sportlicher Eleganz.
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as Layout ist schnell geschildert, denn es
folgt bewährten, funktionalen Konzepten. Von vorne: großer Stauraum mit Ankerwinsch und Platz für Leinen, Fender u.a. daran
anschließend die Kabine mit V-Sofa und absenkbarem Tisch für den Umbau zur Doppelkoje, achtern davon eine Galley mit Kühlbox
und Waschbecken an Backbord, Steuerbord
eine Nasszelle. Mittschiffs das Cockpit mit
Fahrstand vorne und einladendem, bequemen Leder-U-Sofa achtern, dahinter der Motorenraum. Ganz achtern die Badeplattform
mit darunter montierter, ausziehbarer Badeleiter. Stauraum gibt’s an Deck im Vorschiff
und unter dem Sofa in der Plicht, ansonsten
unter Deck unter den Sitzbänken ausreichend.
n Punkto Verarbeitung ist eigentlich mit
dem Satz „ It´s a Scorpion“ alles gesagt. Egal
ob das Stabdeck aus Flexiteak, die Verarbeitung der Polster im Salon, die GFK – und Stahlarbeiten, die Verarbeitung der ledernen Sitzbezüge, die mit Alcantara bezogenen Deckenund Wandverkleidungen, die Beschläge: Alles
auf höchstem Niveau – die Bauqualität der
schlanken Britin kann sich mit der Qualität
skandinavischer, holländischer oder deutscher Premium Werften locker messen.
Ergonomie und Komfort wären noch
wichtige Stichwörter. Und damit ist nicht die
I
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B
An
ord
Arbeitsplatz: Chic, funktional, ergonomisch und die Crew steht sicher.
Edel und perfekt verarbeitet: Scorpion RIBs überzeugen durch hohe Bauqualität.
Stehhöhe unter Deck gemeint. Die gibt’s bei
der gestreckten Sportlerin mit 1,5 Metern
(Dusche 1,75 Meter)nämlich nicht, gehört
aber auch nicht zu den „ Must have`s“ eines
solchen Bootes. Hier ist in diesem Zusammenhang die Anordnung und Platzierung aller Bedienelemente gemeint, die sich alle genau dort
befinden, wo sie hingehören und immer in
perfekter Reichweite sind, sei es die mittlere
Springklamp e, der vorbildlich vorhandene
Nonstop der Motoren, die Haltegriffe für den
Beifahrer, die Gestaltung des Instrumentenlayouts im edlen Carbon-Dashboard am Fahrstand, die Haltestange unter Deck, die bequemen Sitzmöbel an und unter Deck – Hier hat
jemand nachgedacht und weiß worum es geht.
Chapeau!
lever auch die Steuerung der elektrischen
Funktionen an Bord. Maschinenraumluke öffnen/schließen, Pumpen, Lichter, Ankerspil – alles wird über ein dezentes Paneel eines
Bus-Systems vom Fahrstand aus gesteuert.
Ausstattungsmäßig gibt’s schon im Standard
nichts zu meckern, vom Feuerlöscher über die
Beleuchtung und Pumpen, lederbezogenes
C
Steuerrad usw. – alles da was soll und muss.
Nur einen Kocher konnten wir nicht entdekken. Der sollte aber machbar sein, ansonsten
fällt die Tea-Time aus. Das Testschiff w ar mit
einem großen Targabügel als Geräteträger als
Extra ausgerüstet. Hier sollte eine Persenning
über dem Cockpit den Lebensraum vergrößern und beim Ausflug die Eignerfamilie vor
schlechtem Wetter schützen. Ein Zugeständnis an die zukünftige schottische Heimat des
Bootes und sein Wetter. Wie gesagt, die Werft
arbeitet nach Kundenwunsch. Nicht nach
Kundenwunsch, sondern selbstverständlich
sind die groß en und ideal unter der achteren
Sitzbank platzierten Speigatten in der Plicht für
einen Offshore Boliden dieser Art. Aufgeräumt, gut zugänglich, und prall gefüllt gibt
sich der Motorraum mit seinen beiden Yanmar
Dieseln.
쏅 Fahreigenschaften
T
ief und sicher steht die Crew am Fahrstand
der Sting. Da kann es auf See schon mal
ordentlich rappeln. Die beiden Stehsitze um-
armen Fahrer und Beifahrer freundlich von
achtern und geben Halt, die Füße stehen sicher
auf der abgeschrägten Fußplatte, die Sitzfläche
lässt sich elektrisch in der Höhe verstellen. Instrumente, Fahrhebel – alles im Blick und in
Reichweite. Na dann los! Leise brummeln die
Yanmars im Heck. Zwei mal 315 PS aus je sechs
Zylindern 4,1 Litern Hubraum mit Z-Antrieb –
Leistungsmäßig steht die Scorpion satt im Futter. Akustisch hält sie sich übe r das gesamte
Drehzahlband gut isoliert und kultiviert laufend angenehm zurück. Das rückwärtige Ausparken aus der engen Box mit anschließend zu
nehmender Schikane um drei weitere Boote
gestaltet sich dank geschicktem, z.T. gegenläufigen Einsatz beider Motoren einfach. Vier
Hebel bietet einem das Motorenpaneel an.
Zweimal Getriebe, zweimal Gas. Macht Sinn,
ist die stabile Variante und sieht gut aus. Wer
braucht hier einen Bugstrahler? Manövrieren
geht im Standgas nur mit den beiden Getriebehebeln einfach von der Hand, das Boot
dreht willig auf dem Teller. Die anderen beiden
Hebel kommen hinter der Hafeneinfahrt zum
Einsatz.
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Da lässt es sich aushalten: In der Plicht lädt edles Ledermobiliar zum Verweilen ein.
Gut gefüllt: Der Motorenraum
Schippe Kohlen drauf gelegt werden, oder
aber für das eher kurzweilige Vergnügen die
Sting auch mit zwei Außenbordern aus der bissigen 300 PS Riege geliefert werden.
indrucksvoll ist es, wenn die Sting mit lockeren 35-45 Knoten Marschfahrt durch
die steile Heckwelle eines Frachschiffes fegt,
sich steil aber immer gut kontrollierbar in die
Kurve legt, in keiner Situation auch nur den
Anschein erweckt auszubrechen oder einzuhaken. Wie ein heißes Messer durch die Butter
schneidet das scharfe Vorschiff durch die See
und vermittelte der Crew mehr das Gefühl des
Schwebens, denn des Fahrens auf einer Motoryacht. Kein Schlagen, kein hartes Einsetzen,
einfach nur Spaß, Sport, Speed, Dynamik und
unglaubliche Power und wundervoll exaktes,
si cheres, perfekt kontrollierbares Handling –
kein Wunder das dieses Boot für Offshorerennen so beliebt ist.
urzum: Das Fahrgefühl begeistert, und
zwar richtig! Ist die Sitzhöhe richtig eingestellt kann die Crew wählen, ob sie sich den
Wind um die Nase wehen lässt, oder sich hinter der kleinen Frontscheibe verschanzt. Egal
E
H
ebel auf den Tisch! Angesichts der Leistungswerte wäre nun eine stramme Beschleunigung zu erwarten – Konjunktiv – realistisch gesehen passiert nämlich erst mal nicht
viel. Zwar geben die Yanmars im Heck verhalten
laut und hebt sich allmählich der Bug, doch wer
erwartet jetzt brachial in die Sitze gedrückt zu
werden wird eines Besseren belehrt. Ganze 18
Sekunden genehmigen sich die beiden Diesel
im Heck, um den 4,8 Tonner bei 2000U/min
in die Region des Überganges zur Gleitfahrt zu
bringen, die bei ca. 12 Knoten anzusiedeln ist.
100 Umdrehungen später erwacht das Sportlerherz und ein Heulen kündigt den Einsatz der
Turbos an. Für die restlichen 40 Knoten der
Geschwindigkeitsspanne des Bootes benötigt
die Sting nämlich in etwa genauso lange – oder
besser kurz – und so surft die C rew spätestens
jetzt auf einer Drehmomentwoge in Richtung
der knapp 52 Knoten Topspeed.
angstrecke ist das Stichwort, denn die Sting
mit dieser Motorenkonfiguration ist genau
dafür gebaut. Wer die Drehzahl oberhalb der
2100 Touren lässt, wird mit spontanem Ansprechverhalten, satter Beschleunigung und
exzellentem Handling belohnt . Unterhalb
dessen lassen es die Yanmars gelassen angehen. Wem das so nicht passt, dem kann alternativ mit zwei Bi-Turbo Motoren noch eine
L
K
Schöner wohnen: Die Sting bietet Komfort für zwei Personen mit einem zur Koje umzubauenden Sofa, einer
Nasszelle und der Pantry mit Kühlbox.
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An
Stauraum satt: In der Plicht, im Vorschiff und unter
den Sitzbänken in der Kabine.
(!!) ungefähr 450 Meilen. Das sind bei einem
Tankinhalt von zwei mal 900 Litern gerade einmal zwei Liter pro Seemeile fast übe r das gesamte Drehzahlband. Das kann sich sehen lassen!
ord
Sauberes Finish: Auch in der Bilge findet sich gute
Bauqualität.
쏅 Fazit
N
wie – der Aufenthalt in dem Cockpit der Sting
ist ein Hochgenuss. Kompliment – What a
boat!
war war im Testboot keine Brennstoffverbrauchsanzeige vorhanden, die Werft verfügt aber durch die zahlreichen Langstreckeneinsätze des Bootes mit genau dieser Motorenkonfiguration über reichlich Erfahrung
damit. „Der Brennstoffverbrauch der Yanamars steigt fast linear mit der Zunahme der Geschwindigkeit an.“ Erklärt uns Stewart Thornley, Sales Manager von Scorpion. „ Das haben
wir über all die Jahre während der Langstrekkenrenneinsätze beobachtet und errechnet.“
Die Reichweite des Bootes beträgt laut Thornley bei einer Marschfahrt von ca. 45 Knoten
Z
ur wenige Boote liefern eine solche Performance gepaart mit so sicheren Fahreigenschaften bei so hohen Geschwindigkeiten und dann noch in der Welle. Dazu kommt
eine komfortable Ausstattung nach Kundenwunsch, hochwertige Materialien, perfekte
Verarbeitung und ein stylishes, sportliches Design. Die Sting ist Sport, Dynamik und Lifestyle
in Perfektion und auch am Steg in jeder Marina
ein absoluter Hingucker. Wer das Besondere
sucht, ist hier richtig, wer wirklich fahren will
sowieso, wer hohe Ansprüche hat ebenfalls.
175.000 britische Pfund also gut 217.000 Euro
(Stand Mai 2012) für das Schiff in der Standardausstattung und ca. 230.000 britischen
Pfund (ca. 285.000 Euro/ Stand Mai 2012) für
das Testschiff mit Zusatzequipment sind si cher
kein Taschengeld. Doch der Gegenwert
stimmt, denn der Kunde erhält ein Boot der
Extraklasse, das jeden Penny wert ist.
Große Speigatten in der Plicht sind bei einem Offshore-Boot Pflicht.
Technische Daten
Herstellerland: England
Werft: Scorpion RIBS Ltd. – Haven Quay, Mill
Lane, Lymington, Hampshire. SO41 9AZ,
Tel.: 0044-1590-677080, [email protected], www.scorpionribs.com
Maße:
Länge ü. A.: 10,20 Meter
Breite ü. A. : 2,95 Meter
Tiefgang max: 1,25 Meter
Gewicht voll betankt: ca. 4,8 to
Zuladung: ca. 1,7 to
Tankkapazität: 2x 450 Liter
CE Kat.: B
Kabine: Länge: 3,5 Meter, Breite: 1,8 Meter,
Höhe: 1,5 Meter / Dusche 1,75 Meter
Konstruktion:
Rumpf mit Deep-V Spant, 24 Grad am Spiegel, 60 Grad am Bug, zwei Gleitstringer pro
Seite, handlaminierte Rumpfschale, Isopthalsäureharze und Gelcoat mit multiaxialen
Glasfasermatten, Bugsektion als GFK Formteil.
Schläuche:
Acht Kammern (vier pro Seite), Material Hypalon mit umlaufender Gummischeuerleiste
Brennstoffsystem:
2 xGFK Integraltank ca. 450 Liter, Brennstofffilter mit Wasserabscheider, 8 inch In-
spektionsluken, Tanksensoren, Schnellschlussventile
Antrieb:
Yanmar Turbo-Diesel 6- Zyl. Reihenmotor 24
Ventile 232kw (315mhp) mit Mercruiser
Bravo 1 Z-Antrieb, elektrohydraulischem
Steuerungsassistenten, Lenco Trim Tabs.
Standard-Ausstattung (Auszug):
Selbstlenzender Ankerkasten mit Edelstahl
Ankerwinde, mit Lederummanteltes Steuerrad, Getränkehalter, Geräteträgermast, 6
Edelstahl-Festmacherklampen, rutschfest
beschichtetes Deck und Cockpit, LED
Deckslichter, elektro-hydraulisch zu öffnenScorpion Sting
Minimalfahrt eingekuppelt
1 Motor
2 Motoren
Verdrängerfahrt Revier
Gleitfahrtgrenze
Marschfahrt
Maximalfahrt
Drehkreis
Manöver
Drehkreis
Marschfahrt
Beschleunigung
0-Gleitfahrt
0-Vmax
de Motorraumluke, zwei Hochleistungsbatterien, Dorade Lüfter, zwei elektrische Lenzpumpen, automatisches Feuerlöschsystem,
manuelle Lenzpumpe, Feuerlöscher, Lewmar Dachluke, dimmbares LED-Kabinenlicht, Antirutschbeschichtung auf dem Kabinenboden, Kirschholztisch mit feststellbarem Fuß, Kühlbox, Corian Arbeitsplatte in der
Galley, Toilette mit Handpumpe, Kombi-Duscharmatur, Spiegel, Wasserskizugaugen
am Spiegel, Badeplattform mit Dusche und
Badeleiter, drei Liftaugen zum Kranen in der
Kabine (1) und dem Motorraum(2) , EmpirBus digital integriertes dezentrales power
supply System mit flexiblen Einstellmöglichkeiten 12 Volt DC, Hauptschalter, Navigati-
Geschwindigkeit in kn // km/h
3,5 // 6,5
5,0 // 9,3
7,5 // 13,9
12 // 22,2
35 // 64,8
51 + // 95
Bootslängen: ca.2
→ 0 bei gegenläufig drehenden Maschinen
Bootslängen:
Ca. 2,5-3
18 Sek.
40 Sek.
onsbeleuchtung, ICOM UKW M411 UKW
Gerät, Plastimo Kompass, Schlauch-Reparatur Kit, frisch Wassertank 60 Liter u.v.m.
Außerdem alle weiteren Kundenwünsche,
sofern technisch machbar und nicht sicherheitsgefährdend.
Preis: 175.000 Pfund Sterling inkl. VAT in
der Standardausstattung,
Preis Testschiff: Ca. 235.000 Pfund Sterling mit Sonderausstattung ( Flexiteak an
Deck, im Cockpit unter Deck, Targabügel mit
Vollpersennning, Garmin GPS/ AIS Plotter,
elektrische Toilette, Fusion Sound System,
Radar, u.v.m)
Drehzahl U/min
800
1200
2000
3200
3900
Brennstoff / Ltr.
Ca. 2 Liter total/ nM
→ nach Werftangabe
Ca. 3 Ltr.total/nM
nach Werftangabe
Revier: Solent/ GB, Wind: 4-5 Bft., Wellenhöhe: 0,3-0,5
Meter, Strom: 2-3 Knoten, Personen: 2, Wasser: 100 Liter,
Brennstoff: vollgetankt (2x 450 Liter), Sonstiges: V-max &
Beschleunigungs-Messungen entspricht dem Durchschnitt
aus zwei Messungen jeweils mit und gegen die Tide.
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