Sein Weg führte ihn von Bramfeld über „Das Boot“ bis in die

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Sein Weg führte ihn von Bramfeld über „Das Boot“ bis in die
SONNABEND / SONNTAG, 29. / 30. MAI 2010
22
2010
Unterwegs: Ostsee-Idyll Rügen › Stadtgespräch: Filmproduzentin Katharina Trebitsch › Titel-Thema: Hamburg als Kulisse für großes Kino
Lokal-Termin: Harburgs Gourmet-„Leuchtturm“ › Gestern & Heute: 100. Geburtstag von Inge Meysel › Handgemacht: Patchwork-Möbel
Tatort
Hollywood
Sein Weg führte ihn von
Bramfeld über „Das Boot“
bis in die Traumfabrik. Wie der
Regisseur das geschafft hat?
Weil er immer ein „Hamburger
Jung“ geblieben ist, schreibt
WOLFGANG PETERSEN.
E
s gibt Tage, da denke ich bei mir, wie gut ich es
hier doch habe in Kalfiornien – viel besser als
in Hamburg. Das Gefühl erwischte mich zuletzt mit verlässlicher Regelmäßigkeit, wenn
ich auf Kanal 619 ein Spiel des HSV anguckte
und sehen musste, wie Schneestürme durchs
Stadion fegen. Aber das sind auch schon die
raren Momente, in denen ich tatsächlich froh
bin, weit weg zu sein. Denn in gewisser Weise
hat die Hamburger Schule, in deren Genuss ich gekommen bin, mir den
Weg nach Hollywood geebnet. Keine Stadt hat mich so geprägt wie meine
Heimatstadt, in der ich als Junge beschloss, Regisseur zu werden.
Streng genommen bin ich nicht einmal echter Hamburger, sondern
erst im Alter von neun Jahren von Emden an die Elbe gezogen. Bramfeld,
mein schönes altes Bramfeld, da bin ich aufgewachsen – oder besser gesagt, in den drei örtlichen Kinos. Mein Lieblingskino, das Radiant, nach
dem ich viele Jahre später meine Firma „Radiant Productions“ benennen sollte, gibt es schon lange nicht mehr, und auch die beiden anderen,
das Seeburg und das Bram Theater, sind Geschichte. Für mich waren
Kinobesuche eine Flucht aus der bedrückenden Gegenwart im Deutschland der frühen 50er-Jahre. Der amerikanische Western mit seinen endlosen Landschaften und heroischen Figuren, die immer um irgendetwas
Großartiges kämpften, hinterließen in mir einen tiefen Eindruck. Mit elf
eröffnete ich meinen Eltern, mich jetzt auf meinen Beruf als Filmregisseur vorbereiten zu müssen. Ich bat sie, kein Geld mehr für Spielzeug zu
verplempern, sondern mir lieber für unglaubliche 119 Mark eine Dralowid Reporter 8 Kamera zu kaufen. So fing alles an.
Mit meinem Freund, dem Sohn des Pfarrers Seeler, richtete ich im
Konfirmandensaal der alten Osterkirche die Kulisse einer Westernkneipe ein. Sozusagen mit Gottes Segen und meiner ersten 8-mm-Kamera
drehten wir dort Cowboyfilme – als Scheinwerfer benutzten wir die Höhensonnen unserer Eltern, und je länger die Dreharbeiten dauerten,
desto sonnenverbrannter leuchteten unsere Gesichter. Daran denke ich
gerne zurück, wenn ich heute bei Hamburg-Besuchen an der Osterkirche
vorbeispaziere. Sie steht noch, Gott sei Dank.
Mein Western-Faible kann man selbst in meinen „Tatort“-Filmen
entdecken – besonders in „Jagdrevier“ mit Jürgen Prochnow. Beim „Tatort“ war ich der Mann für Schleswig-Holstein, Kommissar Finke war in
Kiel stationiert und bearbeitete von dort die Peripherie. Ich mochte das
sehr: Die weite Plattheit der Landschaft, dieser herrliche, schwerfällige
Charakter der Menschen, in ihrer Wortkargheit den Westernhelden
nicht unähnlich – und natürlich das Meer. Ich liebe jedes Meer, aber die
Nordsee mehr noch als alle anderen. Sie hat so viel Drama, die ganze
Skala menschlicher Gefühle zwischen sanft und mörderisch.
Da drüben in Hamburg fing alles an!
Regisseur Wolfgang Petersen, 69, mit
Brad Pitt am Set von „Troja“ (2004).
FOTO: PICTURE-ALLIANCE
Ich wohne nicht weit vom Pazifik und genieße es, mit dem Fahrrad am
Meer entlangzujuckeln. Keine andere Landschaft inspiriert mich so
sehr, und bevor ich ein Bergdrama drehe, würde ich eher … Na, ich brauche nur auf die Liste meiner nächsten vier Filme zu schauen: ein ScienceFiction-Film, eine außerirdische Liebesgeschichte, ein japanisches Anime und dann vielleicht noch einen … aber ich will es nicht verschreien:
Für einen bodenständigen Menschen wie den Hamburger ist das Gewese
hier in Hollywood sowieso nur in homöopathischen Dosen zu ertragen.
Gleichzeitig glaube ich, dass ich gerade für meine Direktheit und Nüchternheit geschätzt werde. Wer mir 200 Millionen Dollar anvertraut, der
weiß, dass er sich auf mich verlassen kann. Vielleicht ist es genau diese
Unaufgeregtheit, wegen der ich selbst mit den größten Stars sehr gut zurecht komme. Mit Schauspielern hatte ich nie Berührungsängste – auch,
weil ich in Hamburg selbst auf der Bühne stand.
Es lief damals, wie es auch in Hollywood heute noch läuft: über Beziehungen. Wie sonst sollte ich als 19-jähriger Hamburger Jung zum Theater kommen? Der Freund eines Freundes hatte mich als Zuschauer in die
Proben am Jungen Theater geschmuggelt. Nachdem ich ein paar Wochen im Dunkeln gesessen und kein Wort, nicht mal einen Laut von mir
gegeben hatte, goanix, nur zugehört, wurde eine der größeren Rollen
krank. Der Regisseur, Vacha Hochmann, ein Tscheche und toller Typ,
raufte sich sein langes Haar und jammerte, was denn jetzt nur werden
soll, in drei Tagen sei schon Premiere – da machte ich mich zum ersten
Mal bemerkbar und sagte, ich könne die Rolle spielen, den Text wüsste
ich auswendig. Hochmann holte mich auf die Bühne, und ich spielte mir
die Seele aus dem Leib. So landete ich beim Theater. Ich fing als Regieassistent an, spielte auch selber sehr viel und inszenierte mit Anfang 20
untermeinemFreundundMentorFriedrichSchütteramErnst-DeutschTheater. Erst später besuchte ich die Filmakademie in Berlin.
In Hamburg lernte ich, mit Schauspielern zu kommunizieren – auf
Augenhöhe. Das sollte mir beim „Tatort“ sehr zugutekommen und auch
bei Megastars vom Kaliber eines Clint Eastwood. Der hatte überhaupt
kein Problem, sich von einem jüngeren Regisseur aus Deutschland Anweisungen geben zu lassen – ich interessiere mich nun mal für meine
Schauspieler, setze mich mit ihnen zusammen, diskutiere und höre zu,
ganz gleich, ob sie Günter Lamprecht heißen oder Brad Pitt.
Manches ändert sich eben nie: Ich lese nach wie vor die „linke Hamburger Kampfpresse“, den „Stern“ und den „Spiegel“. Und ich versuche,
mindestens einmal im Jahr meine Heimat zu besuchen. Dann versammle ich meine Verwandtschaft, mit den Kindern und Enkeln meiner
Schwester sind wir fast 30 Leute, am liebsten im Fischereihafenrestaurant um mich. Dort kann ich mich einmal durch alle Spezialitäten arbeiten: Labskaus, Maischolle Finkenwerder Art mit Kartoffelsalat, Rote
Grütze muss selbstverständlich auch sein. Und von meinem Haus in Los
Angeles habe ich einen herrlichen Blick über die Stadt, mittendrin und
doch mit ein wenig Abstand – so wie uns Norddeutschen das angenehm
ist. Ich bin noch immer Wolfgang Petersen, Filmregisseur aus Hamburg,
seit 32 Jahren verheiratet mit meiner geliebten Maria.
S. 4/5 – Von der Alster bis zum Zoo:
die besten Hamburg-Filme mit den
schönsten Drehorten der Stadt.
II
› WOCHENENDE
Sonnabend / Sonntag, 29. / 30. Mai 2010
FOTO: MANO SCHRÖER
Eva
Hubert
KARTE: GRAFIKANSTALT
Ab nach Rügen
9
Wiek
5
Glowe
INSEL HIDDENSEE
Eva Hubert, 59, Journalistin und
Politikerin, ist Geschäftsführerin
der Filmförderung Hamburg.
Trent
Mein perfekter
Sonntag
Gingst
9.30 Uhr Mein Mann hat
Obstsalat geschnippelt und
Brötchen geholt. Dazu gibt es
Ziegenkäse mit Feigensenf
und grünen Tee. Die Lektüre
der Sonntagszeitung fällt kurz
aus, denn ich muss noch ein
Drehbuch lesen. Mein Lieblingsplatz ist der Deckchair
auf dem Balkon. Das Vogelgezwitscher ist wie Musik.
12 Uhr Radeln oder spazieren gehen? Der Alsterwanderweg bis zur Mellingburger
Schleuse ist mein FahrradFavorit. Heute gehen wir um
die Alster und machen einen
Abstecher zur Langen Reihe,
wo ich lange gewohnt habe.
St. Georg ist wie ein Dorf.
Hier treffe ich Bekannte und
Freunde ohne Verabredung.
Eine gute Freundin kommt
aus dem Haus der Photografie
in den Deichtorhallen, wo die
Werke junger Fotografen ausgestellt sind. Wir suchen ein
Café, um zu plaudern. Das
„Gnosa“ ist besetzt, aber in
der „Turnhalle“ haben wir
Glück und ich verspeise ein
riesiges Stück Schokokuchen.
16.30 Uhr Wieder zu
Hause skype ich mit meinem
ältesten Freund, der seit zwei
Jahren als Berufsschullehrer
im Emirat Abu Dhabi arbeitet.
„Wie warm ist es bei euch?“,
wollen wir jedes Mal voneinander wissen und bedauern,
dass von den 40 Grad plus in
Abu Dhabi nicht 10 oder mehr
nach Hamburg transferiert
werden können.
17.30 Uhr Mein Mann und
ich gehen ins „Thang Long“ in
die Grindelallee, wo wir bei
einer großen Schüssel Nudelsuppe nach Hue-Art Erinnerungen an unsere VietnamReise im März auffrischen.
19 Uhr Ich radle ins A.mora
(Bootssteg vor dem Atlantic),
wo ich mein Patenkind Jonathan treffe, mit dem ich fürs
Kino verabredet bin. Für mich
der schönste Ort, um in andere Welten einzutauchen: z.B.
in die französische Provinz zu
„Vertraute Fremde“ oder in
das jüdisch-orthodoxe Jerusalem in dem intensiven Drama „Du darfst nicht lieben“.
Wir sind neugierig auf das neu
eröffnete Passage, Hamburgs
jüngstes und ältestes Kino
zugleich, und gehen deshalb
in „vincent will meer“, eine
feinsinnige Komödie.
23.30 Uhr Mit „Visible
World“ des Tenor-Saxophonisten Jan Garbarek klingt
ein perfekter Sonntag aus.
35,86 Mio.
Euro wurden 2009
an Hamburgs Kinokassen umgesetzt.
Macht bei 4,75 Mio.
Besuchern im Schnitt
7,54 Euro pro Karte.
Im Cinemaxx kamen
noch 2,99 Euro
für Popcorn & Co.
pro Person hinzu.
Großer
Jasmunder
Bodden
Sassnitz
e
Elb
8
F
96
7
2
Bergen auf Rügen
Kubitzer
Bodden
196
3
Samtens
8.30 Uhr Raus aus dem
Bett, Sporthose und Kapuzenjacke übergezogen und auf
den Balkon zum Qi Gong.
Sonntags kommen nach den
„Acht chinesischen Alltagsübungen“, mit denen ich
jeden Tag starte, noch die
„Harmonie in 18 Figuren“.
Übungen, die mich zufrieden
und heiter stimmen.
Ostsee
Putbus
4
Ostseebad Binz
Ostseebad Sellin
Ostseebad Göhren
1
Vorsprung durch Technik:
Navigatoren lotsen die Teams
in die Tiefen des Stadtparks.
6
Poseritz
96
FOTO: PR
2 km
STADTLEBEN
DEUTSCHLANDS GRÖSSTE INSEL
Ostsee-Idyll für Sonnenanbeter
Schnitzeljagd 2.0
Schon Caspar David Friedrich ließ sich hier zu seinen romantischsten Bildern
inspirieren: Heute locken aber nicht nur Badebuchten und unberührte Natur,
sondern auch Spitzen-Restaurants, Wellness-Tempel und Bäder-Architektur.
Steile Kreidefelsen, sanft ansteigende Hügelzüge, üppige Buchenwälder, idyllische
Boddenbuchten und die strahlend weiße Bäderarchitektur: Seit mehr als 200 Jahren
laufen Großstädter die 926 Quadratkilometer große Ostseeinsel an, um die „Sommerfrische“ zu genießen. Zudem rangiert Deutschlands größte Insel unter den Top-Ten
der sonnenreichsten Orte der Republik – das garantiert zwar keine Schietwetter freie
Zone, aber bei 2000 Sonnenstunden im Jahr stehen die Chancen auf Urlaubswetter mehr als gut. Zu den spektakulärsten Landschaften Rügens gehört zweifelsohne die Halbinsel Jasmund mit der türkisblauen Ostsee, weißen Kreidefelsen und
einem urwüchsigen Forst. Aber nicht nur 15 410 Hektar Wald bedecken die Insel, sie
besitzt auch diverse Naturschutzgebiete, den Nationalpark Jasmund im Nordosten,
den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft im Westen und das Biosphärenreservat Südostrügen. Den schönsten Ausblick genießt man
vom 118 Meter hohen Königsstuhl und der „Victoriasicht“.
Caspar David Friedrich verewigte diesen Küstenstreifen
bereits 1818 in seinem Gemälde „Kreidefelsen auf Rügen“.
Funkgeräte statt Kreidezeichen, GPS statt Kompass: Am Sonntag findet exklusiv
für alle magazin-Leser die erste postmoderne Hamburg-Rallye statt. Aber nicht alles
ist dabei digital: Der Spaß beim „Schatz im Stadtparksee“ bleibt nach wie vor real.
A
TEXT: VANESSA SEIFERT
benteurer und Helden werden gesucht: Dabei sollte man gut zu Fuß sein, aber es schadet auch nicht, wenn man technisch bewandert ist. Denn im Stadtpark weisen am 30. Mai ab 15
Uhr nicht etwa Papierzettel den Weg – schließich ist
der „Schatz im Stadtparksee“, organisiert von Geo°
Bound Hamburg, eine „Schnitzeljagd 2.0“ für Jugendliche und Erwachsene. Was das genau bedeutet,
erklärt Geschäftsführer Thilo Smuszkiewicz: „Bei
dieser Herausforderung sind die Teilnehmer technisch gut ausgerüstet, mit Funkgeräten und kleinen
Kameras. Und GPS-Geräte lotsen die Mitspieler in
die hoffentlich richtige Richtung.“
Etwa 15 Stationen, die teils in den Tiefen des Stadtparks verborgen liegen, gilt es anzusteuern. Sobald
ein Team, das aus sechs bis acht Personen besteht, ein
Versteck gefunden hat, stempelt es sich in das vorliegende Logbuch ein. Abgerechnet wird am Ende, wenn
die Ergebnisse aller Teams addiert werden. „Doch
auch für die Platzierung gibt es Punkte“, sagt Macher
Smuszkiewicz. „Die Mannschaft, die ein Versteck als
erste entdeckt und sich an oberster Stelle ins Buch
eingestempelt hat, erhält jeweils einen Bonus.“
Bei der Stadtpark-Rallye, die die Teilnehmer rund
vier Stunden in Atem hält und womöglich außer Atem
bringt, warten zudem spannende Sonderaufgaben.
Verraten wird noch nichts, aber die postmodernen
Schnitzeljäger könnten beispielweise einen Fotowettkampf austragen, bei dem das beste Bild Extrapunkte einbringt. „Auf jeden Fall werden die Mitspieler an der ein oder anderen Stelle kreativ werden
müssen.“ Und auch ein kleines bisschen hinterhältig.
Der sogenannte „Chaos-Faktor“ bringt Aufregung ins
Spiel: Die Teams, die verschiedenfarbige Leibchen
tragen, sollen sich gegenseitig heimlich ablichten.
„Wer einen Gegner unbemerkt mit der Kamera festhält, bekommt ebenfalls ein Plus.“
Seit 2007 bietet Geo° Bound Hamburg rund um
die Hansestadt solche „Challenges“ an, etwa vier Veranstaltungen sind es pro Jahr. Die morgige Stadtpark-Rallye hat die Eventagentur exklusiv für
magazin-Leser organisiert. Bis zu 150 Abenteuerlustige können dabei mitmachen. „Damit das Spiel
wirklich aufregend wird, müssen allerdings mindestens zwölf Teilnehmer an den Start gehen“, erklärt
Thilo Smuszkiewicz. Auf jeden Fall werden genügend
Trainer vor Ort sein, um alle Spieler mit den technischen Geräten vertraut zu machen. Das GewinnerTeam hebt übrigens keinen Schatz – sondern erhält
einen Gutschein über die kostenlose Teilnahme an
der nächsten exotischen Schnitzeljagd. Denn schließlich will der Titel verteidigt werden.
TIPPS & TERMINE
1 WASSERPARADIES Ruhig wie eine Kinderwiege schaukeln die schwimmenden Ferienhäuser „Im Jaich“ auf den
Wellen – Schlafprobleme gibt es hier nicht. Der Gast genießt den Morgenkaffee auf
der Terrasse, von der er ins Nass springen kann. Rügens schönste Ferienwasserwelt.
» Im Jaich, Am Yachthafen 1, 18581 Lauterbach, Tel. 038301/8090,
frühzeitig buchen, www.im-jaich.de
Service
» „Der Schatz im Stadtparksee“,
Sonntag, 30. Mai, ab 15 Uhr.
Treffpunkt: Stadtparksee. Erwachsene zahlen jeweils 39 Euro und
können Kinder bis 16 Jahre gratis
mit auf die Strecke nehmen.
Anmeldung: Tel. 20 93 44 09,
weitere Informationen im Netz
unter www.geobound.de
DER GRÜNE PUNKT Beim Kuckuckstag am 29. Mai (11.30–17.30 Uhr) im Elbe-Tideauenzentrum
Bunthaus, Moorwerder Hauptdeich 33, werden ab 14 Uhr Kuckuckslieder gesungen,
von 14.30 bis ca. 16.30 Uhr geht es auf Familienexkursion ins Naturschutzgebiet Heuckenlock.
KULTUR ERLEBEN
S
4 SPA-PAKET Chantaka Puranananda, Enkel des thailändischen Königs Rama IX.,
gestaltete das Thai-Bali-Spa mit einem Kilo Blattgold, Wasserläufen und Ornamentwänden. Das ideale Ambiente für Massagen und den Shirodara Stirnölguss.
» Grand Hotel Binz, Strandpromenade 7, 18609 Ostseebad Binz,
Tel. 038393/150, www.grandhotelbinz.com
5 AUSNAHME-ARCHITEKTUR Überall auf der Insel lassen sich Bauten des Rügener Ingenieurs Ulrich Müther, dem „Meister der Hyperschalen“, entdecken. Wie die
Rettungswache in Binz, die man auch als Hochzeitszimmer buchen kann (Strandaufgang 6, www.ostseebad-binz.de) oder das Restaurant „Ostseeperle“ in Glowe.
» Ostseeperle, Hauptstraße 65, 18551 Glowe auf Rügen, Tel. 038302/563 80,
www.sandstrand-ostseeperle.de
7 EDELDESTILLERIE Seit 1998 brennen Rainer und Maren Hessenius von der
„Ersten Edeldestillerie“ aus Äpfeln, Birnen, Quitten und Johannisbeeren feinste
Tropfen. Auch beim G8-Gipfel in Heiligendamm wurden die Edelbrände gereicht.
» Erste Edeldestillerie, Lieschow 17, 18569 Ummanz, Tel. 038305/553 00,
im Sommer Mo–Fr 10–16 Uhr, www.1ste-edeldestillerie.de
Das Thalia in der Gaußstraße
beweist wieder seine Brillanz:
mit der Radikalkomödie „Die
Präsidentinnen“ und einem
furiosen Schauspiel-Trio.
chätze liegen im Verborgenen – wie auch
das sogenannte Kulturgut in Bahrenfeld:
ein Hort der Theaterkunst, gelegen am Ende
der Gaußstraße zwischen dem schicken Altonaer
West-End und der rumpelnden S-Bahn-Trasse. Schon
vor 30 Jahren hat das Thalia-Theater auf dem ehemaligen Industriegelände seine Probebühnen installiert
und sukzessive ausgebaut. Dort entstanden Flimms
große Tschechow-Inszenierungen, Robert Wilsons
„The Black Rider“ oder Tomaz Pandurs Trilogie nach
Dantes „Göttlicher Komödie“.
Der Grundeigentümer, Mäzen und Theaterfan Hans
Schmidt-Möbius hat das Areal inmitten der Backsteinbauten des Arbeiterbezirks in eine „Kunstinsel“
verwandelt. Auf dem Werkhof verfügt nun das Deutsche Schauspielhaus über eine Probebühne, betreiben unter restauriertem Dachgestühl Grafiker und
Marketing-Firmen ihre Ateliers. 2000 startete Thalia-Intendant Ulrich Khuon im neuen Studio-Bühnen-Komplex einen Spielort für Experimente und
zeitgenössische Dramatik – was auch die beiden unübersehbaren Beton-Kuben signalisieren.
Hat der Besucher die Toreinfahrt passiert, gelangt
er auf das Hofgelände. Zur rechten Hand fällt es ab
und führt ihn geradewegs auf das Foyer-Gebäude zu.
3 ABENTEUERLUST Ob Dinner im Feld, Mähdrescherfahrt, Trabi-Tour oder Segeltörn
– Andrea Rensen-Krapf von der Erlebnisagentur Meereslust weiß immer Rat.
» meereslust holitainment, Binzer Str. 3, 18581 Putbus/Rügen,
Tel. 038301/610 45, www.meereslust.de
6 URLAUBS-RANGER Ob Pflanzenexpeditionen, Vogel- oder Robbenzählung:
Biologe Florian Hoffmann gewährt „Urlaubsrangern“ unvergessliche Einblicke in
das UNESCO Biosphärenreservat Südost-Rügen.
» Discover Rügen, Strandstraße 12, 18586 Göhren, Tel. 038308/66 66 24,
www.urlaubsranger.de
Juwel im
Hinterhof
TEXT: KLAUS WITZELING
2 STERNEKÜCHE „Nordic Nature Cuisine“ servieren Ralf Haug und sein Team im
stylischen Trend-Restaurant „NiXe“, das im Winter 2009 als erstes Restaurant
Rügens vom Guide Michelin mit einem Stern ausgezeichnet wurde.
» NiXe, Strandpromenade 10, 18609 Binz, Tel. 038393/149 00,
Reservierungen empfohlen, www.nixe.de
Scheinheilige: Erna und Grete
führen die naive Klofrau Mariedl
vor (v. l.: Olivia Grigolli, Karin
Neuhäuser, Yvon Jansen).
FOTO: PR
Einladend empfängt es mit gemustertem Boden, der
Bar auf der einen, dem Bühnchen auf der anderen Seite. Was Khuon mit viel Mut zum Risiko beim Publikum durchgesetzt hat, führt sein Nachfolger Joachim
Lux weiter. Er bespielt ebenfalls die Garage: Im intimen Ambiente zeigt Thalia-Star Philipp Hochmair
nah am Zuschauer seinen „Werther“-Monolog oder
Kafkas „Amerika“, fesselt das junge Darstellerteam
mit „Invasion!“ das Publikum.
Jetzt beherrscht ein brillantes SchauspielerinnenTrio bei Jan Bosses Inszenierung von Werner Schwabs
„Die Präsidentinnen“ die Szenerie. Für die drei Szenen des Fäkaliendramas hat Bühnenbildner Stephane Laimé eine Schrankwand mit altarartigen Seitenflügeln errichtet. Vor diesem „Reliquienschrein“ aus
Devotionalien, Nippes und Puppen hängen die bigotten, papsthörigen Pensionistinnen Erna (Olivia Grigolli) und Grete (Karin Neuhäuser) ihren Glücksträumen nach. Gehässig erniedrigen sie die naive Klofrau
Mariedl (Yvon Jansen). Wenn sie in die Tiefe der Aborte greift, werden immer auch menschliche Abgründe ausgelotet – unerschrocken, traurig und witzig.
Gerade abseits von City und Kulturtempeln können die Künste florieren. Für viele Hamburger ist das
Kulturgut kein Geheimtipp mehr. Neugierig pilgern
sie herbei, denn im Abgelegenen und Ungewohnten
findet sich oft ein wahrer Schatz.
8 STÖRTEBEKER-FESTSPIELE Über 150 Schauspieler, vier Schiffe, 30 Pferde und
viele Spezialeffekte sorgen für Action am Großen Jasmunder Bodden: 2010 startet
die 18. Spielsaison mit dem Stück: Störtebekers Gold „Der Fluch des Mauren“.
» Naturbühne Rahlswiek, Am Bodden 100, 18528 Ralswiek, 19.6.–4.9. 2010,
Mo–Sa 20 Uhr, Tel. 03838/311 00, stoertebeker.de
9 MEER-THEATER Auf der Freilichtbühne am Kap Arkona spielt Horst Janson die
Hauptrolle in Ernest Hemingways Klassiker „Der alte Mann und das Meer“ – direkt
vor der malerischen Kulisse der berühmten Leuchttürme.
» Termine: 30. Juli bis 10. August 2010, täglich 20.30 Uhr,
Tickets unter:www.deraltemannunddasmeer.de
Reiseliteratur: Informativ und umfangreich ist das neu erschienene DUMONT ReiseTaschenbuch Rügen & Hiddensee von Dagny Eggert und Karola Kostede. 14,95 Euro.
Tourismuszentrale Rügen, Bahnhofstraße 15, 18528 Bergen auf Rügen,
Urlaubs-Hotline: 03838/80 77 80, www.ruegen.de
Schwerelos auf Rügen: die Rettungswache in Binz.
FOTOS: KAROLA KOSTEDE, PR
Service
» Die Präsidentinnen,
29.5., 20 Uhr, Thalia in der
Gaußstraße (S Altona),
Gaußstr. 190, Karten zu 18,
erm. 8 Euro, Tel. 32 81 44 44,
www.thalia-theater.de
III
Sonnabend / Sonntag, 29. / 30. Mai 2010
› STADTGESPRÄCH
Karolin Jacquemain trifft Katharina Trebitsch
Katharina die Große
Heinz Rühmann ging bei ihren Eltern ein und aus, heute
dreht sie Hits wie „Bella Block“: Produzentin Katharina
Trebitsch über kleine Tricks im Umgang mit Stars.
E
FOTO: THOMAS LEIDIG
s ist beinahe unmöglich,
einen einigermaßen würdevollen Auftritt hinzulegen,
während man sich auf zwei
Krücken stützt. Katharina
Trebitsch gelingt es. Die
Hamburger Produzentin ist bei einer
Motivbesichtigung gestürzt, jetzt hält
ein 39 Zentimeter langer Titannagel ihr
Bein zusammen. „Und einen Prothesenpass habe ich auch“, sagt sie. Zum Glück
nur vorübergehend. In ihrem Büro in
bester Innenstadtlage lässt sie Tee und
Schokoladenkekse servieren, lehnt
sich zurück und schaut den Besucher
fragend an: „Wie viel Zeit brauchen Sie?“
Trebitsch redet schnell und denkt noch
schneller. Sie kann über Griechenland
und die EU ebenso flüssig parlieren wie
über Filmpreis-Verleihungen. Ähnlich
groß ist die Bandbreite ihrer Filmografie:
Sie hat Donna Leons Venedig-Krimis um
Commissario Brunetti produziert, Marcel
Reich-Ranickis Autobiografie „Mein
Leben“ sowie die vor wenigen Wochen
im NDR ausgestrahlte Dokumentation
„Aghet“ über den Völkermord an den
Armeniern. „Toller Stift“, sagt der Fotograf, als er nach getaner Arbeit seine
Kontaktdaten mit dem schmalen schwarzen Kugelschreiber notiert. „Nimm ihn
mit“, sagt Trebitsch. „Ich hab noch einen.“
Man sagt jetzt lieber nicht, dass man die
schwarz-weiße Bruce-Springsteen-Fotografie an der gegenüberliegenden Wand
mag – irgendwie traut man Katharina
Trebitsch alles zu. „Sie fragen ja gar nichts
zu meinem neuen Film“, sagt sie nach
einer halben Stunde Gesprächszeit. Es
klingt ein bisschen wie: Wollen Sie die
Fotos meiner Kinder gar nicht sehen? Sie
guckt streng, dann verziehen sich ihre
Mundwinkel zu einem breiten Lachen.
ABENDBLATT: Frau Trebitsch, Ihr Vater war der berühmte
Filmproduzent Gyula Trebitsch, Ihre Mutter eine bekannte Kostümbildnerin. Haben Sie sich manchmal
gewünscht, einfach nur Lehrerkind zu sein?
KATHARINA TREBITSCH: Die Eltern weggewünscht habe ich
nie. Aber wenn ich bei anderen Kindern zu Besuch
war, hat mich das schon beeindruckt: Kaffeetrinken
pünktlich nachmittags um vier, alle saßen ordentlich
um den Tisch. Diese Übersichtlichkeit, diesen absolut
vorhersehbaren Ablauf – das fand ich damals nicht
blöd. Aber das gab es bei uns nicht. Bei uns war immer
alles vom Augenblick bestimmt.
ABENDBLATT: Kreatives Chaos?
TREBITSCH: Chaos würde ich nicht dazu sagen. Aber es
war bunt und lebendig. Insgesamt: eine glückliche
Kindheit.
ABENDBLATT: Eine ungewöhnliche auch. Stars wie Hans
Albers, Heinz Rühmann und Lieselotte Pulver sind bei
Ihnen zu Hause ein und aus gegangen.
TREBITSCH: Ja, das war Normalität. Ich habe das auch
oft mitbekommen, weil ich bei meiner Mutter, die ja
für viele Kinofilme meines Vaters die Kostüme ge-
Fast immer die Herrin der Lage:
Auf Suche nach Filmmotiven brach sich
Katharina Trebitsch, 60, das Bein.
macht hat, buchstäblich am Rockzipfel hing. So habe
ich sie immer bei der Arbeit mit den Schauspielern
erlebt – und früh gelernt, dass nicht sitzende Kostüme immer der Fehler meiner Mutter waren, aber
niemals ein zu üppiger Speisezettel der Darsteller.
ABENDBLATT: Hatten Sie Rühmann-Poster im Kinderzimmer hängen?
TREBITSCH: Nein. Aber für Alain Delon habe ich geschwärmt. Der kam anlässlich eines großen Filmballs
einmal mit Romy Schneider zu uns nach Hause. Wir
Kinder mussten immer „Guten Tag“ sagen, davor hat
uns gegraust, aber der Vorteil war, dass wir so alles
mitbekommen haben.
ABENDBLATT: Und am nächsten Tag haben Sie in der Schule erzählt: Alain Delon war gestern zu Besuch.
TREBITSCH: Wie ich mich kenne, habe ich das ganz bestimmt nicht getan.
ABENDBLATT: Sie sind nicht gleich ins Filmgeschäft eingestiegen, sondern haben erst mal Jura studiert. Weil sie
sich abgrenzen wollten?
TREBITSCH: Klar, ich wollte Abstand gewinnen. Ich bin
einen Tag nach dem Abitur aus Hamburg weggefahren, erst mit der Golfnationalmannschaft nach Paris,
dann nach München zum Studium. Ich war zu der
Zeit sehr wenig in Hamburg. Die Studienzeit habe ich
nur als privilegiert, aber nicht als positiv empfunden.
Vom Status her hing man zwischen allen Stühlen.
Deshalb war ich sehr froh, als es vorbei war und die
Arbeit begann.
ABENDBLATT: Wie hat Ihr Vater reagiert, als Sie sich doch
entschlossen haben, Produzentin zu werden?
TREBITSCH: Er hat gesagt: „Mach’s! Ich unterstütze dich.
Aber es ist keine Spielwiese!“ Das hat unter anderem
dazu geführt, dass ich 30 Jahre keinen Urlaub hatte,
aber dafür fand ich die zwölf Monate Arbeit pro Jahr
immer sehr gut.
ABENDBLATT: Aber gereist sind Sie immer viel. Vor allem
nach New York. Was gibt Ihnen die Stadt?
TREBITSCH: Vitalität. Und ich glaube nach wie vor, New
York ist der Ort, wo auf kleinstem Raum die unterschiedlichsten Menschen versammelt sind. Es ist
zwar auch hart und immer wieder Zielscheibe von
Angriffen, aber wenn ich dort ankomme, habe ich
gute Laune.
ABENDBLATT: Wenn Sie eines Tages mal nicht mehr als
Produzentin arbeiten sollten ...
TREBITSCH: Unendlich lang sollte man den Beruf nicht
machen. Das Problem ist: Wir werden nicht pensioniert, das müssen wir selber machen. Und das sollten
wir rechtzeitig tun. Nicht, wenn alle Filme durchgefallen sind und die Leute sagen: „Das ist mir zu ranzig,
was die macht.“ Ich würde versuchen, etwas ganz
anderes zu machen, was nichts mit Film zu tun hat.
Etwas, wo man noch mal lernen und sich anstrengen
müsste, damit ich das alte Leben vergesse. Sonst
schafft man keinen Abstand.
ABENDBLATT: Wie schafft man Abstand in Ihrem Beruf,
der ja immer stark mit dem Privatleben verquickt ist?
TREBITSCH: Meine engen Freunde, von denen ich, wie
die meisten, nicht so viele habe, haben mit meinem
Beruf nichts zu tun. Denen bin ich irgendwann im Le-
ben über den Weg gelaufen oder die mir. In Vietnam,
wohin ich zuletzt verreist bin, war ich mit Freunden,
die ich noch aus meiner Studienzeit in München kenne. Abstand gewinne ich auch über private Hobbys.
Ich habe angefangen, Italienisch zu lernen – gut, darauf bin ich nun auch über den Beruf gekommen, über
die Donna-Leon-Verfilmungen. Ich habe einen ziemlich strengen Lehrer, der neulich gesagt hat, wenn ich
meine Hausaufgaben nicht mache, unterrichtet er
mich nicht mehr.
ABENDBLATT: Die Rechte an den Venedig-Krimis wollten
viele haben. Wie haben Sie Donna Leon überzeugt?
TREBITSCH: Wir mussten alle antanzen in Zürich. Donna Leon und ich haben uns am Hauptbahnhof getroffen. Wir haben kaum über die Bücher gesprochen,
sondern sie hat erzählt, dass sie Opern liebt und zu
einer Opernaufführung unterwegs sei. Und ich habe
gesagt: Opern finde ich ja ganz entsetzlich – zu laut, zu
lang, und ich verstehe nichts. Da war sie schockiert,
aber hat schallend gelacht.
ABENDBLATT: Nach einem anstrengenden Arbeitstag: Legen Sie sich aufs Sofa und zappen einfach nur sinnlos
durchs Programm?
TREBITSCH: Manchmal. Ich wundere mich dann immer,
auf welche Filme man dabei stößt. Ich finde das ja
spannend: Wie trifft das Publikum auf die Filme? Ich
stelle mir das vor wie ein riesiges dunkles Universum.
Da kreisen irgendwo die Filme rum, und ich auch –
und manchmal findet man den richtigen. Wie das
funktioniert, darüber staune ich. Ich gebe auch zu,
dass bei mir im Schlafzimmer ein Fernseher steht.
Das halten viele für kulturlos, aber ich finde es nur
bequem.
ABENDBLATT: Was bereitet Ihnen schlaflose Nächte?
TREBITSCH: Ich kann – Gott sei Dank – unglaublich gut
schlafen. Aber was mich umtreibt, wenn ich wach bin,
ist die Frage, ob mein Film gut laufen wird.
ABENDBLATT: Sie haben mal gesagt: Das Wichtigste im
Leben ist, den Umgang mit Misserfolg zu lernen. Wie
lernt man das?
TREBITSCH: Das lernt man, wenn man produziert. Vieles, was man vorschlägt, wird von den Redakteuren
abgelehnt. Man muss mit einem Nein leben können
und verstehen, dass das nicht persönlich gemeint ist.
Aber wenn Filme miserable Quoten haben, dann ist
das ein totaler Misserfolg. Ich habe mal einen Zweiteiler fürs ZDF gemacht, da wusste ich nach der Ausstrahlung: So muss es sich anfühlen, wenn man richtig Prügel bekommt. Den Titel habe ich verdrängt,
den Regisseur kenne ich noch, aber den verrate ich
nicht. Es war auch nicht sein Fehler.
ABENDBLATT: Sie sind bei Ausstrahlungen noch genauso
aufgeregt wie vor 20 Jahren?
TREBITSCH: Das ist so. Ich sehe meine Filme, wenn sie
ausgestrahlt werden, auch immer sehr ungern mit anderen Leuten zusammen. Denn man sieht dann alles,
was man hätte besser machen können. Das ist die
Stunde der Wahrheit.
ABENDBLATT: Ich hätte Sie als total gelassen eingeschätzt.
TREBITSCH: Nein. Das würde ich mir fürs Alter wünschen: gelassen und elegant zu reagieren, aber so weit
bin ich noch nicht. Da gibt’s noch eine Menge zu tun.
Einmal kam Alain Delon mit Romy Schneider
zu uns nach Hause. Wir Kinder mussten immer
‚Guten Tag‘ sagen, davor hat uns gegraust.
Man verliert aber mit der Zeit Angst vor Problemen,
die Angst vor Unvorhergesehenem wird kleiner.
Denn unvorhergesehen ist das meiste, was beim
Film passiert. In der Regel findet man eine Lösung.
Die Angst wurde also mit der Zeit geringer, aber
die Unruhe ist geblieben.
ABENDBLATT: Was ist genau der Unterschied?
TREBITSCH: Angst gehört nicht in den Beruf. Nervosität
ist erlaubt, aber Angst muss man vor ganz anderen
Sachen haben.
ABENDBLATT: Wovor?
TREBITSCH: Vor Grundsätzlichem. Wenn man es einmal
schlecht macht, hat man doch in der Regel immer
noch eine zweite Chance. Angst muss man vor Sachen
haben, die nicht revidierbar sind. Ich bin, bei allem
Ehrgeiz, den ich habe, lieber eine erfolglose Produzentin als eine angstvolle Produzentin. Mit Angst
wird man nie was wagen. Denn in unserem Beruf gibt
es einfach zu viele Dinge, die wir vorher nicht wissen
können. Wir handeln immer mit Visionen.
ABENDBLATT: Sie haben mal erzählt, dass Sie die Rechte an
der Autobiografie von Marcel Reich-Ranicki auch deshalb bekommen haben, weil Sie keine Angst vor ihm
hatten.
TREBITSCH: Was soll mir schon passieren, habe ich gedacht. Er ist ja bekannt für seine Attacken, und die
haben mich auch erwischt. Er hat mich zum Beispiel
in einer Zeitung als die faulste Produzentin Deutschlands bezeichnet. Aber ich glaube, dass sich Angstfreiheit bei ihm sehr bewährt hat. So viel Selbstbewusstsein hätte ich früher allerdings nicht gehabt, es wuchs
mit der Zeit.
ABENDBLATT: Sie waren lange in der Nationalmannschaft,
spielen Sie heute eigentlich noch Golf ?
TREBITSCH: Im Moment betrachte ich mich als pensioniert. Mein letztes Spiel war die Weltmeisterschaft
mit der Nationalmannschaft in Madrid Anfang der
70er. Danach war die Karriere vorbei, Golf hat nicht
mehr in mein Leben gepasst. Eine Freundin von mir
hat mir gesagt: „Ich weiß, warum du nicht mehr
spielst. Weil du zu ehrgeizig bist und es nicht erträgst,
dass du nicht mehr gut bist.“ Vielleicht hat sie recht.
ABENDBLATT: Was ist so toll an Golf ?
TREBITSCH: Es ist ein Sport, der mir viel beigebracht hat.
Ich war früher immer viel zu schnell und hibbelig, bin
gegen Sachen gelaufen – obwohl, das tue ich heute
immer noch, wie mein Bein zeigt. Beim Golf muss
man sich konzentrieren, sonst geht’s nicht. Man kann
die Schuld auch nicht auf andere schieben – eine sehr
gute Erfahrung. Und, ganz wichtig: Beim Golf muss
man draufhauen. Das gilt ja für vieles im Leben. Viele
stoppen instinktiv, bevor sie den Ball schlagen. Ich
nicht, ich habe immer draufgehauen.
Kurz-Biografie
» Katharina Trebitsch wurde am
25.10.1949 in Hamburg geboren, wo
sie bis heute lebt. Ihr Vater war der
2005 verstorbene Film- und Fernsehproduzent und Studio-HamburgGründer Gyula Trebitsch, ihre Mutter
die Kostümbildnerin Erna Sander. Ihr
Bruder Markus Trebitsch ist ebenfalls in
Hamburg als Produzent tätig. Katharina
Trebitsch, die 2004 ihre Filmproduktionsfirma „Trebitsch Entertainment
GmbH“ gründete, verantwortete unter
anderem Serien wie „Girl Friends“ und
„Die Bertinis“ nach Ralph Giordanos
gleichnamigem Roman sowie die Krimireihen „Bella Block“ und „Commissario
Brunetti“. Am 10. Juni zeigt die ARD ihr
jüngstes Werk: „Mensch ohne Hund“,
die Verfilmung von Håkan Nessers
Roman um den schwedischen Inspektor
Gunnar Barbarotti. „Ein Film mit Humor,
ein bisschen Lebensphilosophie und
Selbstironie“, sagt Trebitsch.
IV
› THEMA DER WOCHE
Sonnabend/Sonntag, 29./30. Mai 2010
HHauptrolle
SCHTONK!, 1992
Elbe, Alster und Affenfelsen
„Hitlers Tagebücher entdeckt!“, behauptete der „Stern“ am 25. April 1983.
Die Sensation war eine dicke Ente. Helmut Dietl nahm den bisher größten Medienskandal Deutschlands als Vorlage
für seine brillante, bitterböse Satire
„Schtonk!“. Götz George spielt den
schmierigen Reporter, der seine Vorgesetzten überredet, die vom Fälscher
(Uwe Ochsenknecht) gefertigten Tagebücher zu kaufen. Die Szene der Mammutpressekonferenz, bei der die Tagebücher der Konkurrenz vorgestellt werden, wurde im CCH gedreht. Zweimal,
denn die Zeitschrift hieß zunächst „Express“ und musste nach einer Klage in
„HHpress“ umbenannt werden. Da der
Film bereits abgedreht war, wurde der
Hamburg steht oft vor der Kamera – und erweist
sich als wandelbare Schauspielerin: mal mysteriös,
dann wieder glamourös, aber immer mit Charakter.
Die besten Filme von „Bond“ bis „Schtonk!“ mit den
schönsten Drehorten von der Alster bis zum Zoo.
Schriftzug mit neuen digitalen Nachbearbeitungsverfahren geändert. Aber bei
bei der teuersten Szene, eben der Pressekonferenz, funktionierte das nicht:
der Nachdreh kostete 500 000 Mark.
Per Trick wurde die Fassade des „Affenfelsen“ (bis 1989 Standort von Gruner &
Jahr, Warburgstraße) bearbeitet: Sie bekam digital die halbrunde Glaskuppel
des HH-Messe-Eingangs aufmontiert.
REGIE: Helmut Dietl, Darsteller: Götz
George, Christiane Hörbiger, Veronica
Ferres, Uwe Ochsenknecht u.v.a.
DREHORTE: CCH, Außenalster, Elbe,
ehem. Restaurant Paolino (Alsterponton)
DVD: EuroVideo, 110 Min., um 9 Euro
007 – DER MORGEN STIRBT NIE, 1997
REDAKTION: KIRSTEN RICK, OLIVER VOM HOFE
Alles nur Fassade
DIE AKTE ODESSA, 1974
IN JENEN TAGEN, 1947
Stilmittel der Straße
Mitten im ausgebombten Hamburg,
dort, wo später die Grindelhochhäuser
gebaut wurden, entstand 1946/47 der
Trümmerfilm „In jenen Tagen“. Der von
der Kritik gelobte Episodenfilm, in dem
ein Auto von seinen bisherigen Besitzern und deren Schicksalen erzählt, ist
der erste Film, der nach dem Zweiten
Weltkrieg in Hamburg gedreht wurde.
„Ein hochpolitischer Film, ohne dass ein
Wort von Politik gesprochen wird“,
schrieb die „Welt“, „ermutigend“ nannte
ihn „Die Zeit“. Kulisse für die Rahmenhandlung war der zerstörte Teil von
Harvestehude, der Grindelberg. Die
Filmausrüstung und Ausstattung musste auf dem Schwarzmarkt zusammengekauft oder geliehen werden. Gedreht
wurde mangels Studio unter freiem
DIE SPINNEN, 1919
Regie-Legende
im Tierpark
Ein früher „Indiana Jones“ oder
„James Bond“ ist „Kay Hoog“, der Held,
den Fritz Lang für seine AbenteuerfilmReihe „Die Spinnen“ (1919) erdacht hat.
„Kay Hoog“ ist auf der Suche nach einem
verborgenen Inka-Schatz, jagt eine Geheimorganisation und rettet seine Angebetete vor Giftschlangen – und das
alles in und um Hagenbecks Tierpark.
„Eine eingehende Fülle märchenhafter
Wunder und Großartigkeiten, die ungemein glücklich in eine spannende und
aufregende Handlung gebaut und verwoben sind“, lobte ein Filmkritiker. Ein
Jahr nach dem Ersten Weltkrieg boomte
die Filmindustrie, 200 bis 500 Filme
entstanden pro Jahr in Deutschland, das
wurde nur von Hollywood übertroffen.
Fritz Lang war noch keine Regie-Legende, das wurde er erst mit „Metropolis“
(1926) und „M – Eine Stadt sucht einen
Mörder“ (1931). In Stellingen, dem kleinen preußischen Vorort von Hamburg,
sollte eine Filmstadt mit Ateliers und
kompletter Infrastruktur entstehen.
Daraus wurde nichts, doch Stellingen
blieb ein beliebter Drehort, denn der
Tierpark Hagenbeck bot wilde Tiere und
exotische Kulissen. Für den Zoo waren
die Dreharbeiten eine überlebenswichtige Einnahmequelle. Der Tierbestand
hatte sich während des Ersten Weltkriegs stark verringert, viele Tiere waren verhungert. Der Erfolg des ersten
Teils der „Spinnen“-Reihe zwang Fritz
Lang, schnell einen zweiten Teil zu drehen, wodurch ihm die Regie für den in
der Zeit entstandenen Klassiker „Das
Cabinet des Dr. Caligari“ entging. REGIE: Fritz Lang
DREHORT: Tierpark Hagenbeck
Himmel, in einem Winter, in dem die
Temperaturen bis auf minus 26 Grad fielen. „Die Not führte zu Stilmitteln, die
man sonst nicht gefunden hätte“, bemerkte Regisseur Helmut Käutner. Für
Aufnahmen während der Autofahrt
wurde der Kameramann Igor Oberberg
auf die Kühlerhaube des Wagens geschnallt, so entdeckte Käutner, „dass
sich in den schräg stehenden Scheiben
eines Autos eine ganze Welt spiegelt, die
im Atelier nicht vorhanden ist“.
REGIE: Helmut Käutner, Darsteller: Ida
Ehre, Winnie Markus, Carl Raddatz u.v.a.
DREHORTE: Grindelberg, Alsterufer,
Hafen, Roosens Weg (Othmarschen)
DVD: Arthaus, 98 Min., um 13 Euro
Im Untergrund
Ein düsteres Bild von Hamburg Anfang der 60er-Jahre zeichnet dieser Polit-Thriller. Sogar die Polizei ist von Nazis
durchsetzt. Die Rollen der Bösen wurden durchweg von Deutschen gespielt:
Maximilian Schell als KZ-Kommandant
Eduard Roschmann („Der Schlächter
von Riga“), Klaus Löwitsch als Killer,
Günther Strack als korrupter Polizist.
Auf der Seite der Guten: Jon Voight als
Journalist, der zufällig einer Fluchthilfe-Organisation ehemaliger SS-Größen
mit dem Tarnnamen „Odessa“ auf die
Spur kommt. Damit bringt er sich und
seine Freundin in Gefahr – jemand versucht, ihn im U-Bahnhof Merkenstraße
vor den einfahrenden Zug zu stoßen, seine Freundin wird im alten Elbtunnel
belästigt. „Dieser Film basiert auf einer
sorgfältig dokumentierten Nachforschung“, heißt es im Vorspann.Reales
wird spannungsreich mit Fiktion vermischt: Der Holocaust-Überlebende
Simon Wiesenthal half als Berater. So
entspricht die Beschreibung Roschmanns weitgehend historischen Fakten,
nur die Existenz der Nazi-Organisation
„Odessa“ ist nicht sicher belegt.
REGIE: Ronald Neame, Darsteller: Jon
Voight, Maria u. Maximilian Schell u.v.a.
DREHORTE: St. Pauli Elbtunnel,
Elbstrand, Davidwache, Reeperbahn,
U-Bahn-Station „Merkenstraße“
DVD: Sony Pict., 124 Min., um 20 Euro
Carl Zuckmayers Geschichte, die auf
einem wahren Narrenstreich des Schusters Wilhelm Voigt im Jahr 1906 basiert,
reizte viele Film- und Theaterschaffende. Die dritte Verfilmung von Helmut
Käutner mit Heinz Rühmann in der
Hauptrolle wurde 1956 der Kassenmagnet und überholte „Die Trapp-Familie“
und sogar „Sissi, die junge Kaiserin“.
Zehn Millionen Menschen sahen ihn auf
der Leinwand, er wurde in 53 Länder exportiert, mit Preisen überhäuft und sogar als erster deutscher Film für einen
Oscar nominiert. Heinz Rühmann attestierte man für sein sensibles Spiel die
Klasse eines Charlie Chaplin.
Die bissige Satire auf die Allmacht der
Uniform konnte nicht an den Originalschauplätzen gedreht werden, da Köpenick 1956 zur DDR gehörte. Deshalb
wich man nach Hamburg aus, wo in
Tonndorf in den Ateliers der Real-Studi-
os (aus denen später Studio Hamburg
hervorging) auch die Studioaufnahmen
entstanden. Auf der Suche nach passenden wilhelminisch aussehenden Gebäuden wurde man fündig: Das Rathaus Altona wurde zum Bahnhof und das damalige Finanzamt Schlump zum Rathaus
von Köpenick, indem über dem Eingang
an der Backsteinfassade ein entsprechendes Schild anbrachte.
REGIE: Helmut Käutner, Darsteller:
Heinz Rühmann, Wolfgang Neuss u.v.a.
DREHORTE: Ehem. Finanzamt Schlump
(Beim Schlump 83), Bezirksamt Altona
DVD: Kinowelt, 89 Min., um 10 Euro
die Innenaufnahmen wurden in England gedreht. Dafür stattete Hauptdarsteller Pierce Brosnan Hamburg einen
Besuch ab. Zur Angangssequenz in den
Pyrenäen kam nur das Double.
REGIE: Roger Spottiswoode, Darsteller:
Pierce Brosnan, Teri Hatcher, Götz Otto
DREHORTE: Hotel Atlantic, Innenstadt
DVD: MGM, 114 Min., um 13 Euro
Uni-Sex
Inselleben
Falsches Rathaus
Lesezirkel: Götz George, Ulrich
Ignimper
exceperit,
Mühe
undorectotatem
Christiane Hörbiger
in
temposam que
„Schtonk!“,
derseque
Satiredolupit
über dieaut
angeblichen Hitler-Tagebücher.
DER CAMPUS, 1998
NORDSEE IST MORDSEE, 1976
DER HAUPTMANN VON KÖPENICK, 1956
„Hamburg hatte die beste ParkhausFassade in der Innenstadt“, begründete
der Drehort-Scout Leonard Gmür die
Auswahl der Hansestadt als Schauplatz
der Verfolgungsjagd des 20. Bond-Films.
007 rast im Wagen durch Straßen, die
keinen örtlichen Zusammenhang miteinander haben, durch ein Parkhaus, das
in Wirklichkeit in London steht, über das
Horten-Parkhausdach (heute: Saturn),
auf dem extra der Schriftzug „Hotel Atlantic“ angebracht wurde, und fliegt von
dort in eine angeblich gegenüberliegende Autovermietung. Dafür wurde der
BMW (einer von 17) in der Mönckebergstraße auf ein Gerüst gestellt und in den
Laden katapultiert. Vom Hotel Atlantic
kam ebenfalls nur die Fassade auf Film,
In den 1970er-Jahren, die Hochhaussiedlungen in Wilhelmsburg waren noch
nicht ganz fertig, gab es einen abfälligen
Namen: „Niggertown“ hieß die Elbinsel
damals im Teenie-Milieu. Vernachlässigte Wilhelmsburger Jugendliche stehen im Mittelpunkt von Hark Bohms
Sozialdrama. Zur Vorbereitung zog der
Regisseur für drei Monate in den Stadtteil. Zu den Hauptdarstellern hat Bohm
eine familiäre Beziehung: Dschingis ist
der 17 Jahre jüngere Bruder seiner Frau,
Uwe hatte er für einen Kinderfilm entdeckt, später adoptierte ihn Bohm. Im
Film leidet Uwe unter seinem prügelnden Vater und Dschingis unter den Übergriffen von Uwes Bande – doch beide eint
ein Fluchtplan. Gemeinsam schippern
sie auf dem alten Veringkanal im Schatten des Wasserturms davon, klauen im
Reiherstieghafen ein Segelboot und hau-
en ab Richtung Elbmündung. „Die Welt,
die er beschrieb, war schon meine“, erinnert sich Uwe Bohm, der damals mit
schwierigsten Familienverhältnissen zu
kämpfen hatte: „Mein seelischer Zustand war nah an dem der Filmfigur.“
REGIE: Hark Bohm, Darsteller: Uwe
Bohm, Dschingis Bowakow u.v.a.
DREHORTE: Wilhelmsburg, Elbe, Hafen,
Stichkanal am Wasserturm Wilhelmsburg
DVD: Arthaus, 83 Min., um 10 Euro
Bei der bitterbösen Komödie über die
verhängnisvolle Affäre eines Soziologieprofessors (Heiner Lauterbach) und die
Verhältnisse im „Elfenbeinturm“ sollte
die Stadt optisch was hermachen. „Es
gibt Realität und es gibt Filmrealität“,
sagt Regisseur Sönke Wortmann. „Klar,
Hamburger fragen sich: Warum steigt
der an den Landungsbrücken aus, wenn
er ins Rathaus will? Ganz einfach: Es
sieht nach nix aus, wenn einer am Rathausmarkt aus der U-Bahn kommt.“ Für
die Bestseller-Verfilmung von AnglistikProfessor Dietrich Schwanitz suchte
man repräsentative Drehorte: Das Büro
des Uni-Präsidenten wurde in der Stern-
warte Bergedorf eingerichtet, weitere
Szenen wurden ins Völkerkundemuseum und Rathaus verlegt, weil es dort eindrucksvoller aussah als in den Hörsälen.
REGIE: Sönke Wortmann, Darsteller:
Heiner Lauterbach, Axel Milberg u.v.a.
DREHORTE: Uni HH, Sternwarte Bergedorf, Laeiszhalle, Völkerkundemuseum
DVD: Constantin, 122 Min., um 11 Euro
ABSOLUTE GIGANTEN, 1999
Brückentag
Die Nacht der Nächte soll es werden,
denn am nächsten Morgen will Floyd
seine Heimatstadt verlassen. Er steigt
mit zwei Kumpels in den aufgemotzten
Ford Granada. Am Roßkai rammen sie
eine Elvis-Figur, im Club Tempelhof am
Hamburger Berg lassen die drei sich auf
ein Kicker-Turnier ein. Im Morgengrauen fahren sie über die Köhlbrandbrücke
und am Ende betrachtet das Trio die
Stadt vom „Strand“ aus, einer kleinen
Brachfläche gegenüber den Landungsbrücken in der Nähe des MusicalTheaters „König der Löwen“. Regisseur
Sebastian Schipper war vom Hafen als
Drehort fasziniert: „Da ist ein riesiges
Territorium nah der Stadt, das nur gebaut wurde, um Güter rein und raus zu
bringen – ohne dass jemand auf Ästhetik
geachtet hat oder darauf, dass es besonders romantisch wird. Und trotzdem ist
etwas entstanden, das eine ganz große
Ausstrahlung hat.“ Die hat er in seinem
Regiedebüt grandios eingefangen.
TV-Serien:
GEGEN DIE WAND, 2004
Undercover in
der Fabrik
Einen verstörenden und äußerst erfolgreichen Film hat Fatih Akin mit
„Gegen die Wand“ gedreht: Aus der
Zweckehe von Cahit (Birol Ünel) und
Sibel (Sibel Kekilli), die sich in einer psychiatrischen Klinik kennenlernen, wird
Liebe, eine heftige, zerstörerische Liebe.
Die Grundidee zum Film kommt aus
Akins Privatleben, eine Freundin fragte
ihn mal, ob er sie nicht heiraten könne,
um ihr den Auszug aus dem strengen
türkischen Elternhaus zu ermöglichen.
Akin, Sohn türkischer Eltern, der in Altona aufgewachsen ist, verwandelte den
„Komödienstoff“ in ein handfestes Drama, das u.a. den Goldenen Bären erhielt.
Gedreht wurde viel in Ottensen, die
Szene im Kulturzentrum „Fabrik“ sogar
GROSSSTADTREVIER, SEIT 1986
Die Davidwache ist ein Filmstar: Ihre
Karriere, die 1950 mit dem Kinofilm
„Nur eine Nacht“ begann, setzt sich inzwischen im Vorabendprogramm der
ARD fort. Für das „Großstadtrevier“
dient die berühmte Wache als Vorbild,
wird aber gedoubelt: Gedreht werden
die Aufnahmen der Wache und Innenaufnahmen der Szenen im „14. Revier“
in einem alten Fabrikgebäude an der
Mendelssohnstraße in Bahrenfeld. Ansonsten ist das Team der seit 1986 gesendeten Serie in der ganzen Stadt präsent.
Man trifft Polizeikommissar Dirk
Matthies (Jan Fedder) nicht nur in seiner Filmwohnung in einem gelben
Backsteinhaus an der Großen Elbstraße,
sondern vor kurzem auch beim Dreh
für eine neue Folge in einer Spielhalle, Wilstorfer Str. 108. Ansonsten sind
während eines Konzerts. „Wir haben uns
mit der Fabrik geeinigt, dort unauffällig
zu drehen, dokumentarisch, guerillamäßig“, sagt Akin. Die Musiker waren
eingeweiht – das Publikum jedoch nicht
und war verwirrt, als Cahit mit blutüberströmten Armen durch die Menge wankt
und auf der Bühne tanzt.
REGIE: Fatih Akin, Darsteller: Birol Ünel,
Sibel Kekilli, Catrin Striebeck u.v.a.
DREHORTE: Fabrik in Ottensen, Klinikum Ochsenzoll, Monsun-Café, Zoe-Bar
DVD: Universal, 117 Min., um 8 Euro
Die Hafencity im Zweiten Weltkrieg
BARFUSS, 2005
Blendender
Hauptbahnhof
Das Licht war bei „Barfuss“ äußerst
wichtig: „Der Film ist ein Märchen und
sollte so schön wie möglich aussehen“,
sagt Til Schweiger, der nicht nur Regie
führte und die Hauptrolle spielte, sondern auch an Produktion und Drehbuch
beteiligt war. Der Film handelt vom Verlierer Nick, der die Patientin Leila (Johanna Wokalek) aus einer psychiatrischen Klinik befreit und sie fortan nicht
mehr loswird. Der Hamburger Hauptbahnhof, Endstation des Roadmovies
durch die Republik, wurde von drei Seiten beleuchtet. „Eine besonders helle
Lampe leuchtete von einem benachbarten Haus auf den Bahnhof. Doch die
mussten wir neu ausrichten, weil ein
Anruf von der Bahn kam. Einige Lokführer hatten sich beschwert, weil sie geblendet wurden“, erinnert sich Produktionsleiter Mark Popp. Service zu Film & Fernsehen
REGIE: Til Schweiger, Darsteller: Til
Schweiger, Johanna Wokalek u.v.a.
DREHORTE: Hauptbahnhof, Lombardsbrücke, Alter Elbtunnel
DVD: Touchstone, 115 Min., um 8 Euro
REGIE: Sebastian Schipper, Darsteller:
Frank Giering, Florian Lukas, Julia Hummer
DREHORTE: Köhlbrandbrücke, Roßkai,
Afrika Terminal, Osdorfer Born, Roßhöft,
Hafenkrankenhaus, Bunker Feldstraße
DVD: Universum Film, 76. Min., z.B. ebay
REGIE: Helmut Käutner, Darsteller: Hans
Albers, Ilse Werner, Gustav Knuth u.v.a.
DREHORTE: Sagebiels Fährhaus in
Blankenese, Hafen, Pinnasberg
DVD: Aus der Ufa Klassiker Edition,
109 Min., Features: Kurzbiografie
Hans Albers, Filmografie Hans Albers,
Liederanwahl. Um 11 Euro
DIE TOTEN AUGEN VON LONDON, 1961
Die Speicherstadt spielt London
Hamburg und London haben vieles
gemeinsam – Nebel und Nieselregen
gibt es hier wie dort. Wasser ebenso. In
der Verfilmung des Edgar-Wallace-Krimis ist die Hansestadt das Double für die
britische Metropole, und das funktioniert, dank wenig Licht, viel Kunstnebel
und englischen Straßenschildern, wie
bei der Szene am Sandberg in Altona.
Die Studioaufnahmen entstanden in
den Ateliers der Hamburger Real-Film,
die Außenaufnahmen drehte man gleich
um die Ecke und kombinierte sie mit Archivmaterial aus London. Nach einer
Großaufnahme vom Londoner Parla-
ment kommt man nicht sofort auf die
Idee, dass die Wasserleiche in einem
Fleet der Speicherstadt schwimmt. Ein
Fehler passierte doch: Als ein „Bobby“
die Wasserleiche entdeckt, erkennt man
im Hintergrund auf einer Wand deutlich
das Wort „Schiffsausrüstungen“.
REGIE: Alfred Vohrer, Darsteller: Klaus
Kinski, Joachim Fuchsberger, Karin Baal,
Dieter Borsche, Eddi Arent u.v.a.
DREHORTE: Speicherstadt, Sandberg
in Altona, Schloss Ahrensburg
DVD: Tobis, 95 Min., um 13 Euro
smith: Im Roman lebt Zimmermann in
Paris und tötet an der U-Bahn-Station
Steinstraße, im Film wohnt er direkt am
Fischmarkt und erledigt den tödlichen
Auftrag in Paris. Der Fischmarkt sah zur
Zeit des Drehs noch ganz anders aus: die
Gegend war, bis auf alte Hallen, Speicher
und ein paar freistehende Häuser, eine
Brache; das Elbufer war LKW-Parkplatz.
Die Sanierung begann erst 1980, das
Haus, in dem Zimmermann wohnt, blieb
dabei erhalten. Ripley dagegen residiert
vornehmer, in einer denkmalgeschützten Villa an der Elbchaussee.
REGIE: Wim Wenders, Darsteller:
Dennis Hopper, Bruno Ganz u.v.a.
DREHORTE: St. Pauli Elbtunnel, Fischmarkt, Elbchaussee 186, Pinnasberg
DVD: Arthaus, 121 Min., um 20 Euro
Küsse im Bunker
Mit 750 000 Mark hat die Filmförderung die Produktion von „Kick it like
Beckham“ unterstützt, deshalb wurde
das Auswärtsspiel des farbenprächtigen
Culture-Clash-Frauenfußballfilms 2001
in Hamburg gedreht. Darsteller wie Jonathan Rhys Meyers und Keira Knightley waren noch weitgehend unbekannt,
Fans lockte nur All-Saints-Sängerin
Shaznay Lewis in einer Nebenrolle an.
Produktionsleiterin Claudia Blümel hat
dafür gesorgt, dass die Stadt sich von ihrer besten Seite zeigt: „Die Regisseurin
Gurinder Chadha war sehr aufgeschlossen und hat sich gerne etwas anbieten
lassen.“ In den drei Drehtagen verschießt Jess (Parminder Nagra) den entscheidenden Elfmeter gegen das Team
von „Grün-Weiß Hamburg“ auf einem
Platz in Eimsbüttel, tanzt mit ihrer
SCHAUSPIELSCHULEN
Michael Damm Castingbüro Hamburg
Gesucht werden Kleindarsteller und Doubles für Werbespots, Musikvideos und Filme.
» Frankenstr. 29, Tel. 22 62 87 52,
www.damm-casting.de
Schauspielstudio Frese
Hamburgs altgedienteste Schauspielschule
bildet in 6 Semestern zum Schauspieler
mit Diplom „Bühnenreife“ aus. Schüler zeigen gemeinsam mit der Theaterakademie
in den Zeisehallen ihr Können: Sa, 12. Juni,
ab 19 Uhr, Friedensallee 9.
» Harkortstr. 123, Tel. 46 46 26,
www.schauspielstudio.de
zav Hamburg
Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit bringt
bundesweit Komparsen, Schauspieler,
Requisiteure u.m. zum Einsatz.
» Gotenstr. 11, Tel. 284 01 50,
www.zav.arbeitsagentur.de
KICK IT LIKE BECKHAM, 2002
Der Hamburger Bilderrahmenmacher Jonathan Zimmermann (Bruno
Ganz in seiner ersten großen Rolle) hat
nichts zu verlieren. Als er erfährt, dass er
todkrank ist, lässt er sich von einem
französischen Gangsterboss dazu überreden, einen Auftragsmord zu begehen.
Dahinter steckt der mysteriöse Amerikaner Tom Ripley (Dennis Hopper).
Hamburg, Paris, New York: Mit geschickten Schnitten sorgt Wim Wenders
dafür, dass die Metropolen zu einer einzigen Stadtlandschaft verschmelzen.
Der Film war für Wenders eine Entdeckungsreise: „Hamburg war für mich
unbekanntes Terrain mit viel cineastischer Qualität.“ Vor allem der alte Elbtunnel hatte es dem Regisseur angetan,
er lässt Bruno Ganz mehrfach hindurchlaufen. Wenders vertauschte die Orte
der Romanvorlage von Patricia High-
KOMPARSEN-AGENTUREN
Extra Faces Hamburg
Die Agentur vemittelt Komparsen z.B. für
TV-Serien und -Filme wie „Notruf Hafenkante“ oder den Hamburger „Tatort“.
Ferner arbeitete sie an Video-Clips z.B. für
Sasha und Silbermond mit.
» Barmbeker Str. 152, Tel. 22 69 75 30,
www.extra-faces.de
DER AMERIKANISCHE FREUND, 1977
Tunnel-Blicke
SOUL KITCHEN, 2009
Hamburger Sightseeing-Tour
Mannschaft auf dem Hochbunker in der
Feldstraße ab und unternimmt eine
Schiffstour. Die beginnt auf dem Alsterfleet am Steigenberger Hotel. Dort wurden die Szenen im Mannschaftshotel
gedreht, in dem auch das Filmteam gewohnt und angeblich wild gefeiert hat.
REGIE: Gurinder Chadha, Darsteller: Jonathan Rhys Meyers, Keira Knightley u.a.
DREHORTE: Alsterfleet, Rathausmarkt,
Bunker Feldstraße, Steigenberger Hotel
DVD: Highlight, 107 Min., um 9 Euro
ERFINDER: Jürgen Roland, Darsteller:
Jan Fedder, Maria Ketikidou u.v.a.
DREHORTE: Mendelssohnstraße in
Bahrenfeld, ganz Hamburg
TV: ARD, montags, 18.50 Uhr
DVD: 18 Boxen (à 4 DVDs), ab 25 Euro
WEITERE SERIEN-HITS
„Ich hatte das Gefühl, ich schulde der
Stadt noch einen Film“, erklärt Fatih
Akin – und so wurde „Soul Kitchen“, die
Geschichte der Betreiber einer heruntergekommenen Gaststätte, zum cineastischen Denkmal seiner Heimat. Seine
liebenswert-skurrilen Typen schickt
Akin dabei auf eine Stadttour der etwas
anderen Art: Hinter dem Restaurant „Le
Papillon“ verbirgt sich der GourmetTempel „Le Canard“, wie schon vorher
in Akins „Kurz und schmerzlos“ spielt
der Bahnhof Altona auch hier wieder eine Nebenrolle. In der Astra-Stube (Max-
Brauer-Allee 200) wird manches Bier
geköpft, und das „Mandalay Casino“, in
dem Lucia kellnert, ist in Wirklichkeit
der Mojo Club. Im Grunde ist „Soul Kitchen“ ein moderner Heimatfilm.
REGIE: Fatih Akin, Darsteller: Moritz
Bleibtreu, Pheline Roggan, Birol Ünel u.v.a.
DREHORTE: Wilhelmsburg, Bahnhof
Altona, Gängeviertel, Flughafen Fuhlsbüttel, Mojo Club, Schlittschuhbahn
Wallanlagen, Astra-Stube, Frappant
DVD: Pandora, 99 Min., um 20 Euro
FOTOS: CINETEXT (7), DDPIMAGES (5), PICTURE-ALLIANCE, INTERFOTO, DAS ERSTE, HH.DE, PR
nach Prag aus. Einige Szenen aber mussten einfach in Hamburg gedreht werden.
Besonders heikel waren die Aufnahmen
im Hafen, denn es sollte keine der an den
Schiffen damals allgegenwärtigen Hakenkreuzflaggen zu sehen sein. Käutner
trickste geschickt: „In den Bildtotalen
und Großaufnahmen mit Hafenhintergrund ließ ich künstlichen Nebel legen,
so dass kein Hakenkreuz mehr sichtbar
war.“ Einfacher war es in Sagebiels Fährhaus: Das Ausflugslokal mit Biergarten
und Tanzfläche war der einzige Drehort,
dem man den Krieg nicht ansah. St. Pauli und der Hafen beliebte Schauplätze für die 2005 mit der Goldenen
Kamera als „Kultserie“ ausgezeichnete
Produktion. Sie wird auch von Profis geschätzt: Unter den Statisten sind echte
Hamburger Polizeibeamte.
• Adelheid und ihre Mörder (1993 bis 2007) mit Evelyn Hamann
• Doppelter Einsatz (1994 bis 2007) mit Sabrina Nikolaidou, Eva Lorenz
• Die Pfefferkörner (1999 bis 2005, neue Staffeln seit 2008)
• Einsatz in Hamburg (seit 2000) mit Aglaia Szyszkowitz, Hannes Hellmann
• Nachtschicht (seit 2003) mit Barbara Auer, Armin Rohde, Minh-Khai Phan-Thi
• Dittsche – Das wirklich wahre Leben (seit 2004) mit Olli Dittrich
• Die Gerichtsmedizinerin (2005 bis 2008) mit Lisa Fitz, Heikko Deutschmann
• Der Dicke (seit 2005) mit Dieter Pfaff, Sabine Postel, Sophie Dal
• Notruf Hafenkante (seit 2007) mit Rhea Harder, Fabian Harloff
GROSSE FREIHEIT NR. 7, 1944
Einen Durchhaltefilm, in dem die
deutsche Marine glorifiziert werden
sollte, bestellten die NSDAP-Oberen,
doch Regisseur Helmut Käutner bestand darauf, inhaltlich freie Hand zu
haben. So entstand 1944, mitten in den
Wirren des Zweiten Weltriegs, „Große
Freiheit Nr. 7“. Die Hafenromanze mit
trinkenden Seemännern im Rotlichtmilieu war so gar nicht im Sinne der erbosten Auftraggeber, die das Werk sofort
verboten. So konnte der Film seinen Kinoerfolg erst nach Kriegsende feiern.
Der Drehalltag war schwierig: Viele der
Originalschauplätze auf St. Pauli waren
vom Krieg zerstört, Hauptdarsteller
Hans Albers soll sich, auch aus Kummer
über die Verwüstungen in seiner Heimatstadt, häufig betrunken haben. In
Potsdam-Babelsberg wurde die Reeperbahn mit ihren Seitenstraßen als Außenkulisse nachgebaut, doch auch diese
fiel kurz vor Beendigung der Dreharbeiten einer Bombe zum Opfer. Man wich
V
CASTING-AGENTUREN
Gitta Uhlig Casting
Für Regisseure wie Oliver Hirschbiegel
(„Das Urteil“) und Sönke Wortmann
(„Campus“) castete Gitta Uhlig die Besetzung. Auch TV-Produktionen wie die Sat.1Telenovela „Anna und die Liebe“ oder „Notruf Hafenkante“ (ZDF) besetzt sie mit.
» www.uhlig-casting.de
Solá Ferrer Casting
Casting Director Pedro Solá Ferrer vermittelt Models und Schauspieler vor allem für
Werbeclips und Industriefilme.
» www.sfcasting.de
Wüste Film
U.a. mit Werken von Fatih Akin haben Wüste
Film und Casting Direktorin Deborah Congia
sich einen exzellenten Ruf erworben.
» www.wuestefilm.de
Schule für Schauspiel Hamburg
Die mit dem Friedrich-Schütter-Preis ausgezeichnete Schule lehrt neben Bühnenschauspiel auch spezielles Kamera-Acting.
» Oelkersallee 29a, Tel. 430 20 50,
www.schauspielschule-hamburg.com
Stage School Hamburg
Deutschlands größte Privatschule für Bühnenkünstler mit ca. 60 Dozenten bildet
Nachwuchs in den Sparten Theater, Film,
TV und Musik aus, veranstaltet aber auch
Workshops für Talente und Amateure.
» Poolstr. 21, Tel. 355 40 70,
www.stageschool.de
Theaterakademie Hamburg
Die Akademie bietet diverse Bachelorstudiengänge über 8 Semester, darunter auch
Regie und Schauspiel. Theatermacher aus
ganz Europa unterrichten, Kooperationen
z.B. mit dem Thalia Theater und internationalen Festivals erweitern den Horizont.
» Hochschule für Musik und Theater
Harvestehuder Weg 12 + Friedensallee 9,
Tel. 428 38 41 40,
www.theaterakademie.hfmt-hamburg.de
BUCHTIPP
Drehort Hamburg
Von den Journalisten Markus Münch und
Simone Utler verfasster Band über 30 Filme
aus 90 Jahren vor der Kulisse Hamburgs.
» be.bra Verlag, 2009, 234 S., 19,90 Euro
IV
› THEMA DER WOCHE
Sonnabend/Sonntag, 29./30. Mai 2010
HHauptrolle
SCHTONK!, 1992
Elbe, Alster und Affenfelsen
„Hitlers Tagebücher entdeckt!“, behauptete der „Stern“ am 25. April 1983.
Die Sensation war eine dicke Ente. Helmut Dietl nahm den bisher größten Medienskandal Deutschlands als Vorlage
für seine brillante, bitterböse Satire
„Schtonk!“. Götz George spielt den
schmierigen Reporter, der seine Vorgesetzten überredet, die vom Fälscher
(Uwe Ochsenknecht) gefertigten Tagebücher zu kaufen. Die Szene der Mammutpressekonferenz, bei der die Tagebücher der Konkurrenz vorgestellt werden, wurde im CCH gedreht. Zweimal,
denn die Zeitschrift hieß zunächst „Express“ und musste nach einer Klage in
„HHpress“ umbenannt werden. Da der
Film bereits abgedreht war, wurde der
Hamburg steht oft vor der Kamera – und erweist
sich als wandelbare Schauspielerin: mal mysteriös,
dann wieder glamourös, aber immer mit Charakter.
Die besten Filme von „Bond“ bis „Schtonk!“ mit den
schönsten Drehorten von der Alster bis zum Zoo.
Schriftzug mit neuen digitalen Nachbearbeitungsverfahren geändert. Aber bei
bei der teuersten Szene, eben der Pressekonferenz, funktionierte das nicht:
der Nachdreh kostete 500 000 Mark.
Per Trick wurde die Fassade des „Affenfelsen“ (bis 1989 Standort von Gruner &
Jahr, Warburgstraße) bearbeitet: Sie bekam digital die halbrunde Glaskuppel
des HH-Messe-Eingangs aufmontiert.
REGIE: Helmut Dietl, Darsteller: Götz
George, Christiane Hörbiger, Veronica
Ferres, Uwe Ochsenknecht u.v.a.
DREHORTE: CCH, Außenalster, Elbe,
ehem. Restaurant Paolino (Alsterponton)
DVD: EuroVideo, 110 Min., um 9 Euro
007 – DER MORGEN STIRBT NIE, 1997
REDAKTION: KIRSTEN RICK, OLIVER VOM HOFE
Alles nur Fassade
DIE AKTE ODESSA, 1974
IN JENEN TAGEN, 1947
Stilmittel der Straße
Mitten im ausgebombten Hamburg,
dort, wo später die Grindelhochhäuser
gebaut wurden, entstand 1946/47 der
Trümmerfilm „In jenen Tagen“. Der von
der Kritik gelobte Episodenfilm, in dem
ein Auto von seinen bisherigen Besitzern und deren Schicksalen erzählt, ist
der erste Film, der nach dem Zweiten
Weltkrieg in Hamburg gedreht wurde.
„Ein hochpolitischer Film, ohne dass ein
Wort von Politik gesprochen wird“,
schrieb die „Welt“, „ermutigend“ nannte
ihn „Die Zeit“. Kulisse für die Rahmenhandlung war der zerstörte Teil von
Harvestehude, der Grindelberg. Die
Filmausrüstung und Ausstattung musste auf dem Schwarzmarkt zusammengekauft oder geliehen werden. Gedreht
wurde mangels Studio unter freiem
DIE SPINNEN, 1919
Regie-Legende
im Tierpark
Ein früher „Indiana Jones“ oder
„James Bond“ ist „Kay Hoog“, der Held,
den Fritz Lang für seine AbenteuerfilmReihe „Die Spinnen“ (1919) erdacht hat.
„Kay Hoog“ ist auf der Suche nach einem
verborgenen Inka-Schatz, jagt eine Geheimorganisation und rettet seine Angebetete vor Giftschlangen – und das
alles in und um Hagenbecks Tierpark.
„Eine eingehende Fülle märchenhafter
Wunder und Großartigkeiten, die ungemein glücklich in eine spannende und
aufregende Handlung gebaut und verwoben sind“, lobte ein Filmkritiker. Ein
Jahr nach dem Ersten Weltkrieg boomte
die Filmindustrie, 200 bis 500 Filme
entstanden pro Jahr in Deutschland, das
wurde nur von Hollywood übertroffen.
Fritz Lang war noch keine Regie-Legende, das wurde er erst mit „Metropolis“
(1926) und „M – Eine Stadt sucht einen
Mörder“ (1931). In Stellingen, dem kleinen preußischen Vorort von Hamburg,
sollte eine Filmstadt mit Ateliers und
kompletter Infrastruktur entstehen.
Daraus wurde nichts, doch Stellingen
blieb ein beliebter Drehort, denn der
Tierpark Hagenbeck bot wilde Tiere und
exotische Kulissen. Für den Zoo waren
die Dreharbeiten eine überlebenswichtige Einnahmequelle. Der Tierbestand
hatte sich während des Ersten Weltkriegs stark verringert, viele Tiere waren verhungert. Der Erfolg des ersten
Teils der „Spinnen“-Reihe zwang Fritz
Lang, schnell einen zweiten Teil zu drehen, wodurch ihm die Regie für den in
der Zeit entstandenen Klassiker „Das
Cabinet des Dr. Caligari“ entging. REGIE: Fritz Lang
DREHORT: Tierpark Hagenbeck
Himmel, in einem Winter, in dem die
Temperaturen bis auf minus 26 Grad fielen. „Die Not führte zu Stilmitteln, die
man sonst nicht gefunden hätte“, bemerkte Regisseur Helmut Käutner. Für
Aufnahmen während der Autofahrt
wurde der Kameramann Igor Oberberg
auf die Kühlerhaube des Wagens geschnallt, so entdeckte Käutner, „dass
sich in den schräg stehenden Scheiben
eines Autos eine ganze Welt spiegelt, die
im Atelier nicht vorhanden ist“.
REGIE: Helmut Käutner, Darsteller: Ida
Ehre, Winnie Markus, Carl Raddatz u.v.a.
DREHORTE: Grindelberg, Alsterufer,
Hafen, Roosens Weg (Othmarschen)
DVD: Arthaus, 98 Min., um 13 Euro
Im Untergrund
Ein düsteres Bild von Hamburg Anfang der 60er-Jahre zeichnet dieser Polit-Thriller. Sogar die Polizei ist von Nazis
durchsetzt. Die Rollen der Bösen wurden durchweg von Deutschen gespielt:
Maximilian Schell als KZ-Kommandant
Eduard Roschmann („Der Schlächter
von Riga“), Klaus Löwitsch als Killer,
Günther Strack als korrupter Polizist.
Auf der Seite der Guten: Jon Voight als
Journalist, der zufällig einer Fluchthilfe-Organisation ehemaliger SS-Größen
mit dem Tarnnamen „Odessa“ auf die
Spur kommt. Damit bringt er sich und
seine Freundin in Gefahr – jemand versucht, ihn im U-Bahnhof Merkenstraße
vor den einfahrenden Zug zu stoßen, seine Freundin wird im alten Elbtunnel
belästigt. „Dieser Film basiert auf einer
sorgfältig dokumentierten Nachforschung“, heißt es im Vorspann.Reales
wird spannungsreich mit Fiktion vermischt: Der Holocaust-Überlebende
Simon Wiesenthal half als Berater. So
entspricht die Beschreibung Roschmanns weitgehend historischen Fakten,
nur die Existenz der Nazi-Organisation
„Odessa“ ist nicht sicher belegt.
REGIE: Ronald Neame, Darsteller: Jon
Voight, Maria u. Maximilian Schell u.v.a.
DREHORTE: St. Pauli Elbtunnel,
Elbstrand, Davidwache, Reeperbahn,
U-Bahn-Station „Merkenstraße“
DVD: Sony Pict., 124 Min., um 20 Euro
Carl Zuckmayers Geschichte, die auf
einem wahren Narrenstreich des Schusters Wilhelm Voigt im Jahr 1906 basiert,
reizte viele Film- und Theaterschaffende. Die dritte Verfilmung von Helmut
Käutner mit Heinz Rühmann in der
Hauptrolle wurde 1956 der Kassenmagnet und überholte „Die Trapp-Familie“
und sogar „Sissi, die junge Kaiserin“.
Zehn Millionen Menschen sahen ihn auf
der Leinwand, er wurde in 53 Länder exportiert, mit Preisen überhäuft und sogar als erster deutscher Film für einen
Oscar nominiert. Heinz Rühmann attestierte man für sein sensibles Spiel die
Klasse eines Charlie Chaplin.
Die bissige Satire auf die Allmacht der
Uniform konnte nicht an den Originalschauplätzen gedreht werden, da Köpenick 1956 zur DDR gehörte. Deshalb
wich man nach Hamburg aus, wo in
Tonndorf in den Ateliers der Real-Studi-
os (aus denen später Studio Hamburg
hervorging) auch die Studioaufnahmen
entstanden. Auf der Suche nach passenden wilhelminisch aussehenden Gebäuden wurde man fündig: Das Rathaus Altona wurde zum Bahnhof und das damalige Finanzamt Schlump zum Rathaus
von Köpenick, indem über dem Eingang
an der Backsteinfassade ein entsprechendes Schild anbrachte.
REGIE: Helmut Käutner, Darsteller:
Heinz Rühmann, Wolfgang Neuss u.v.a.
DREHORTE: Ehem. Finanzamt Schlump
(Beim Schlump 83), Bezirksamt Altona
DVD: Kinowelt, 89 Min., um 10 Euro
die Innenaufnahmen wurden in England gedreht. Dafür stattete Hauptdarsteller Pierce Brosnan Hamburg einen
Besuch ab. Zur Angangssequenz in den
Pyrenäen kam nur das Double.
REGIE: Roger Spottiswoode, Darsteller:
Pierce Brosnan, Teri Hatcher, Götz Otto
DREHORTE: Hotel Atlantic, Innenstadt
DVD: MGM, 114 Min., um 13 Euro
Uni-Sex
Inselleben
Falsches Rathaus
Lesezirkel: Götz George, Ulrich
Ignimper
exceperit,
Mühe
undorectotatem
Christiane Hörbiger
in
temposam que
„Schtonk!“,
derseque
Satiredolupit
über dieaut
angeblichen Hitler-Tagebücher.
DER CAMPUS, 1998
NORDSEE IST MORDSEE, 1976
DER HAUPTMANN VON KÖPENICK, 1956
„Hamburg hatte die beste ParkhausFassade in der Innenstadt“, begründete
der Drehort-Scout Leonard Gmür die
Auswahl der Hansestadt als Schauplatz
der Verfolgungsjagd des 20. Bond-Films.
007 rast im Wagen durch Straßen, die
keinen örtlichen Zusammenhang miteinander haben, durch ein Parkhaus, das
in Wirklichkeit in London steht, über das
Horten-Parkhausdach (heute: Saturn),
auf dem extra der Schriftzug „Hotel Atlantic“ angebracht wurde, und fliegt von
dort in eine angeblich gegenüberliegende Autovermietung. Dafür wurde der
BMW (einer von 17) in der Mönckebergstraße auf ein Gerüst gestellt und in den
Laden katapultiert. Vom Hotel Atlantic
kam ebenfalls nur die Fassade auf Film,
In den 1970er-Jahren, die Hochhaussiedlungen in Wilhelmsburg waren noch
nicht ganz fertig, gab es einen abfälligen
Namen: „Niggertown“ hieß die Elbinsel
damals im Teenie-Milieu. Vernachlässigte Wilhelmsburger Jugendliche stehen im Mittelpunkt von Hark Bohms
Sozialdrama. Zur Vorbereitung zog der
Regisseur für drei Monate in den Stadtteil. Zu den Hauptdarstellern hat Bohm
eine familiäre Beziehung: Dschingis ist
der 17 Jahre jüngere Bruder seiner Frau,
Uwe hatte er für einen Kinderfilm entdeckt, später adoptierte ihn Bohm. Im
Film leidet Uwe unter seinem prügelnden Vater und Dschingis unter den Übergriffen von Uwes Bande – doch beide eint
ein Fluchtplan. Gemeinsam schippern
sie auf dem alten Veringkanal im Schatten des Wasserturms davon, klauen im
Reiherstieghafen ein Segelboot und hau-
en ab Richtung Elbmündung. „Die Welt,
die er beschrieb, war schon meine“, erinnert sich Uwe Bohm, der damals mit
schwierigsten Familienverhältnissen zu
kämpfen hatte: „Mein seelischer Zustand war nah an dem der Filmfigur.“
REGIE: Hark Bohm, Darsteller: Uwe
Bohm, Dschingis Bowakow u.v.a.
DREHORTE: Wilhelmsburg, Elbe, Hafen,
Stichkanal am Wasserturm Wilhelmsburg
DVD: Arthaus, 83 Min., um 10 Euro
Bei der bitterbösen Komödie über die
verhängnisvolle Affäre eines Soziologieprofessors (Heiner Lauterbach) und die
Verhältnisse im „Elfenbeinturm“ sollte
die Stadt optisch was hermachen. „Es
gibt Realität und es gibt Filmrealität“,
sagt Regisseur Sönke Wortmann. „Klar,
Hamburger fragen sich: Warum steigt
der an den Landungsbrücken aus, wenn
er ins Rathaus will? Ganz einfach: Es
sieht nach nix aus, wenn einer am Rathausmarkt aus der U-Bahn kommt.“ Für
die Bestseller-Verfilmung von AnglistikProfessor Dietrich Schwanitz suchte
man repräsentative Drehorte: Das Büro
des Uni-Präsidenten wurde in der Stern-
warte Bergedorf eingerichtet, weitere
Szenen wurden ins Völkerkundemuseum und Rathaus verlegt, weil es dort eindrucksvoller aussah als in den Hörsälen.
REGIE: Sönke Wortmann, Darsteller:
Heiner Lauterbach, Axel Milberg u.v.a.
DREHORTE: Uni HH, Sternwarte Bergedorf, Laeiszhalle, Völkerkundemuseum
DVD: Constantin, 122 Min., um 11 Euro
ABSOLUTE GIGANTEN, 1999
Brückentag
Die Nacht der Nächte soll es werden,
denn am nächsten Morgen will Floyd
seine Heimatstadt verlassen. Er steigt
mit zwei Kumpels in den aufgemotzten
Ford Granada. Am Roßkai rammen sie
eine Elvis-Figur, im Club Tempelhof am
Hamburger Berg lassen die drei sich auf
ein Kicker-Turnier ein. Im Morgengrauen fahren sie über die Köhlbrandbrücke
und am Ende betrachtet das Trio die
Stadt vom „Strand“ aus, einer kleinen
Brachfläche gegenüber den Landungsbrücken in der Nähe des MusicalTheaters „König der Löwen“. Regisseur
Sebastian Schipper war vom Hafen als
Drehort fasziniert: „Da ist ein riesiges
Territorium nah der Stadt, das nur gebaut wurde, um Güter rein und raus zu
bringen – ohne dass jemand auf Ästhetik
geachtet hat oder darauf, dass es besonders romantisch wird. Und trotzdem ist
etwas entstanden, das eine ganz große
Ausstrahlung hat.“ Die hat er in seinem
Regiedebüt grandios eingefangen.
TV-Serien:
GEGEN DIE WAND, 2004
Undercover in
der Fabrik
Einen verstörenden und äußerst erfolgreichen Film hat Fatih Akin mit
„Gegen die Wand“ gedreht: Aus der
Zweckehe von Cahit (Birol Ünel) und
Sibel (Sibel Kekilli), die sich in einer psychiatrischen Klinik kennenlernen, wird
Liebe, eine heftige, zerstörerische Liebe.
Die Grundidee zum Film kommt aus
Akins Privatleben, eine Freundin fragte
ihn mal, ob er sie nicht heiraten könne,
um ihr den Auszug aus dem strengen
türkischen Elternhaus zu ermöglichen.
Akin, Sohn türkischer Eltern, der in Altona aufgewachsen ist, verwandelte den
„Komödienstoff“ in ein handfestes Drama, das u.a. den Goldenen Bären erhielt.
Gedreht wurde viel in Ottensen, die
Szene im Kulturzentrum „Fabrik“ sogar
GROSSSTADTREVIER, SEIT 1986
Die Davidwache ist ein Filmstar: Ihre
Karriere, die 1950 mit dem Kinofilm
„Nur eine Nacht“ begann, setzt sich inzwischen im Vorabendprogramm der
ARD fort. Für das „Großstadtrevier“
dient die berühmte Wache als Vorbild,
wird aber gedoubelt: Gedreht werden
die Aufnahmen der Wache und Innenaufnahmen der Szenen im „14. Revier“
in einem alten Fabrikgebäude an der
Mendelssohnstraße in Bahrenfeld. Ansonsten ist das Team der seit 1986 gesendeten Serie in der ganzen Stadt präsent.
Man trifft Polizeikommissar Dirk
Matthies (Jan Fedder) nicht nur in seiner Filmwohnung in einem gelben
Backsteinhaus an der Großen Elbstraße,
sondern vor kurzem auch beim Dreh
für eine neue Folge in einer Spielhalle, Wilstorfer Str. 108. Ansonsten sind
während eines Konzerts. „Wir haben uns
mit der Fabrik geeinigt, dort unauffällig
zu drehen, dokumentarisch, guerillamäßig“, sagt Akin. Die Musiker waren
eingeweiht – das Publikum jedoch nicht
und war verwirrt, als Cahit mit blutüberströmten Armen durch die Menge wankt
und auf der Bühne tanzt.
REGIE: Fatih Akin, Darsteller: Birol Ünel,
Sibel Kekilli, Catrin Striebeck u.v.a.
DREHORTE: Fabrik in Ottensen, Klinikum Ochsenzoll, Monsun-Café, Zoe-Bar
DVD: Universal, 117 Min., um 8 Euro
Die Hafencity im Zweiten Weltkrieg
BARFUSS, 2005
Blendender
Hauptbahnhof
Das Licht war bei „Barfuss“ äußerst
wichtig: „Der Film ist ein Märchen und
sollte so schön wie möglich aussehen“,
sagt Til Schweiger, der nicht nur Regie
führte und die Hauptrolle spielte, sondern auch an Produktion und Drehbuch
beteiligt war. Der Film handelt vom Verlierer Nick, der die Patientin Leila (Johanna Wokalek) aus einer psychiatrischen Klinik befreit und sie fortan nicht
mehr loswird. Der Hamburger Hauptbahnhof, Endstation des Roadmovies
durch die Republik, wurde von drei Seiten beleuchtet. „Eine besonders helle
Lampe leuchtete von einem benachbarten Haus auf den Bahnhof. Doch die
mussten wir neu ausrichten, weil ein
Anruf von der Bahn kam. Einige Lokführer hatten sich beschwert, weil sie geblendet wurden“, erinnert sich Produktionsleiter Mark Popp. Service zu Film & Fernsehen
REGIE: Til Schweiger, Darsteller: Til
Schweiger, Johanna Wokalek u.v.a.
DREHORTE: Hauptbahnhof, Lombardsbrücke, Alter Elbtunnel
DVD: Touchstone, 115 Min., um 8 Euro
REGIE: Sebastian Schipper, Darsteller:
Frank Giering, Florian Lukas, Julia Hummer
DREHORTE: Köhlbrandbrücke, Roßkai,
Afrika Terminal, Osdorfer Born, Roßhöft,
Hafenkrankenhaus, Bunker Feldstraße
DVD: Universum Film, 76. Min., z.B. ebay
REGIE: Helmut Käutner, Darsteller: Hans
Albers, Ilse Werner, Gustav Knuth u.v.a.
DREHORTE: Sagebiels Fährhaus in
Blankenese, Hafen, Pinnasberg
DVD: Aus der Ufa Klassiker Edition,
109 Min., Features: Kurzbiografie
Hans Albers, Filmografie Hans Albers,
Liederanwahl. Um 11 Euro
DIE TOTEN AUGEN VON LONDON, 1961
Die Speicherstadt spielt London
Hamburg und London haben vieles
gemeinsam – Nebel und Nieselregen
gibt es hier wie dort. Wasser ebenso. In
der Verfilmung des Edgar-Wallace-Krimis ist die Hansestadt das Double für die
britische Metropole, und das funktioniert, dank wenig Licht, viel Kunstnebel
und englischen Straßenschildern, wie
bei der Szene am Sandberg in Altona.
Die Studioaufnahmen entstanden in
den Ateliers der Hamburger Real-Film,
die Außenaufnahmen drehte man gleich
um die Ecke und kombinierte sie mit Archivmaterial aus London. Nach einer
Großaufnahme vom Londoner Parla-
ment kommt man nicht sofort auf die
Idee, dass die Wasserleiche in einem
Fleet der Speicherstadt schwimmt. Ein
Fehler passierte doch: Als ein „Bobby“
die Wasserleiche entdeckt, erkennt man
im Hintergrund auf einer Wand deutlich
das Wort „Schiffsausrüstungen“.
REGIE: Alfred Vohrer, Darsteller: Klaus
Kinski, Joachim Fuchsberger, Karin Baal,
Dieter Borsche, Eddi Arent u.v.a.
DREHORTE: Speicherstadt, Sandberg
in Altona, Schloss Ahrensburg
DVD: Tobis, 95 Min., um 13 Euro
smith: Im Roman lebt Zimmermann in
Paris und tötet an der U-Bahn-Station
Steinstraße, im Film wohnt er direkt am
Fischmarkt und erledigt den tödlichen
Auftrag in Paris. Der Fischmarkt sah zur
Zeit des Drehs noch ganz anders aus: die
Gegend war, bis auf alte Hallen, Speicher
und ein paar freistehende Häuser, eine
Brache; das Elbufer war LKW-Parkplatz.
Die Sanierung begann erst 1980, das
Haus, in dem Zimmermann wohnt, blieb
dabei erhalten. Ripley dagegen residiert
vornehmer, in einer denkmalgeschützten Villa an der Elbchaussee.
REGIE: Wim Wenders, Darsteller:
Dennis Hopper, Bruno Ganz u.v.a.
DREHORTE: St. Pauli Elbtunnel, Fischmarkt, Elbchaussee 186, Pinnasberg
DVD: Arthaus, 121 Min., um 20 Euro
Küsse im Bunker
Mit 750 000 Mark hat die Filmförderung die Produktion von „Kick it like
Beckham“ unterstützt, deshalb wurde
das Auswärtsspiel des farbenprächtigen
Culture-Clash-Frauenfußballfilms 2001
in Hamburg gedreht. Darsteller wie Jonathan Rhys Meyers und Keira Knightley waren noch weitgehend unbekannt,
Fans lockte nur All-Saints-Sängerin
Shaznay Lewis in einer Nebenrolle an.
Produktionsleiterin Claudia Blümel hat
dafür gesorgt, dass die Stadt sich von ihrer besten Seite zeigt: „Die Regisseurin
Gurinder Chadha war sehr aufgeschlossen und hat sich gerne etwas anbieten
lassen.“ In den drei Drehtagen verschießt Jess (Parminder Nagra) den entscheidenden Elfmeter gegen das Team
von „Grün-Weiß Hamburg“ auf einem
Platz in Eimsbüttel, tanzt mit ihrer
SCHAUSPIELSCHULEN
Michael Damm Castingbüro Hamburg
Gesucht werden Kleindarsteller und Doubles für Werbespots, Musikvideos und Filme.
» Frankenstr. 29, Tel. 22 62 87 52,
www.damm-casting.de
Schauspielstudio Frese
Hamburgs altgedienteste Schauspielschule
bildet in 6 Semestern zum Schauspieler
mit Diplom „Bühnenreife“ aus. Schüler zeigen gemeinsam mit der Theaterakademie
in den Zeisehallen ihr Können: Sa, 12. Juni,
ab 19 Uhr, Friedensallee 9.
» Harkortstr. 123, Tel. 46 46 26,
www.schauspielstudio.de
zav Hamburg
Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit bringt
bundesweit Komparsen, Schauspieler,
Requisiteure u.m. zum Einsatz.
» Gotenstr. 11, Tel. 284 01 50,
www.zav.arbeitsagentur.de
KICK IT LIKE BECKHAM, 2002
Der Hamburger Bilderrahmenmacher Jonathan Zimmermann (Bruno
Ganz in seiner ersten großen Rolle) hat
nichts zu verlieren. Als er erfährt, dass er
todkrank ist, lässt er sich von einem
französischen Gangsterboss dazu überreden, einen Auftragsmord zu begehen.
Dahinter steckt der mysteriöse Amerikaner Tom Ripley (Dennis Hopper).
Hamburg, Paris, New York: Mit geschickten Schnitten sorgt Wim Wenders
dafür, dass die Metropolen zu einer einzigen Stadtlandschaft verschmelzen.
Der Film war für Wenders eine Entdeckungsreise: „Hamburg war für mich
unbekanntes Terrain mit viel cineastischer Qualität.“ Vor allem der alte Elbtunnel hatte es dem Regisseur angetan,
er lässt Bruno Ganz mehrfach hindurchlaufen. Wenders vertauschte die Orte
der Romanvorlage von Patricia High-
KOMPARSEN-AGENTUREN
Extra Faces Hamburg
Die Agentur vemittelt Komparsen z.B. für
TV-Serien und -Filme wie „Notruf Hafenkante“ oder den Hamburger „Tatort“.
Ferner arbeitete sie an Video-Clips z.B. für
Sasha und Silbermond mit.
» Barmbeker Str. 152, Tel. 22 69 75 30,
www.extra-faces.de
DER AMERIKANISCHE FREUND, 1977
Tunnel-Blicke
SOUL KITCHEN, 2009
Hamburger Sightseeing-Tour
Mannschaft auf dem Hochbunker in der
Feldstraße ab und unternimmt eine
Schiffstour. Die beginnt auf dem Alsterfleet am Steigenberger Hotel. Dort wurden die Szenen im Mannschaftshotel
gedreht, in dem auch das Filmteam gewohnt und angeblich wild gefeiert hat.
REGIE: Gurinder Chadha, Darsteller: Jonathan Rhys Meyers, Keira Knightley u.a.
DREHORTE: Alsterfleet, Rathausmarkt,
Bunker Feldstraße, Steigenberger Hotel
DVD: Highlight, 107 Min., um 9 Euro
ERFINDER: Jürgen Roland, Darsteller:
Jan Fedder, Maria Ketikidou u.v.a.
DREHORTE: Mendelssohnstraße in
Bahrenfeld, ganz Hamburg
TV: ARD, montags, 18.50 Uhr
DVD: 18 Boxen (à 4 DVDs), ab 25 Euro
WEITERE SERIEN-HITS
„Ich hatte das Gefühl, ich schulde der
Stadt noch einen Film“, erklärt Fatih
Akin – und so wurde „Soul Kitchen“, die
Geschichte der Betreiber einer heruntergekommenen Gaststätte, zum cineastischen Denkmal seiner Heimat. Seine
liebenswert-skurrilen Typen schickt
Akin dabei auf eine Stadttour der etwas
anderen Art: Hinter dem Restaurant „Le
Papillon“ verbirgt sich der GourmetTempel „Le Canard“, wie schon vorher
in Akins „Kurz und schmerzlos“ spielt
der Bahnhof Altona auch hier wieder eine Nebenrolle. In der Astra-Stube (Max-
Brauer-Allee 200) wird manches Bier
geköpft, und das „Mandalay Casino“, in
dem Lucia kellnert, ist in Wirklichkeit
der Mojo Club. Im Grunde ist „Soul Kitchen“ ein moderner Heimatfilm.
REGIE: Fatih Akin, Darsteller: Moritz
Bleibtreu, Pheline Roggan, Birol Ünel u.v.a.
DREHORTE: Wilhelmsburg, Bahnhof
Altona, Gängeviertel, Flughafen Fuhlsbüttel, Mojo Club, Schlittschuhbahn
Wallanlagen, Astra-Stube, Frappant
DVD: Pandora, 99 Min., um 20 Euro
FOTOS: CINETEXT (7), DDPIMAGES (5), PICTURE-ALLIANCE, INTERFOTO, DAS ERSTE, HH.DE, PR
nach Prag aus. Einige Szenen aber mussten einfach in Hamburg gedreht werden.
Besonders heikel waren die Aufnahmen
im Hafen, denn es sollte keine der an den
Schiffen damals allgegenwärtigen Hakenkreuzflaggen zu sehen sein. Käutner
trickste geschickt: „In den Bildtotalen
und Großaufnahmen mit Hafenhintergrund ließ ich künstlichen Nebel legen,
so dass kein Hakenkreuz mehr sichtbar
war.“ Einfacher war es in Sagebiels Fährhaus: Das Ausflugslokal mit Biergarten
und Tanzfläche war der einzige Drehort,
dem man den Krieg nicht ansah. St. Pauli und der Hafen beliebte Schauplätze für die 2005 mit der Goldenen
Kamera als „Kultserie“ ausgezeichnete
Produktion. Sie wird auch von Profis geschätzt: Unter den Statisten sind echte
Hamburger Polizeibeamte.
• Adelheid und ihre Mörder (1993 bis 2007) mit Evelyn Hamann
• Doppelter Einsatz (1994 bis 2007) mit Sabrina Nikolaidou, Eva Lorenz
• Die Pfefferkörner (1999 bis 2005, neue Staffeln seit 2008)
• Einsatz in Hamburg (seit 2000) mit Aglaia Szyszkowitz, Hannes Hellmann
• Nachtschicht (seit 2003) mit Barbara Auer, Armin Rohde, Minh-Khai Phan-Thi
• Dittsche – Das wirklich wahre Leben (seit 2004) mit Olli Dittrich
• Die Gerichtsmedizinerin (2005 bis 2008) mit Lisa Fitz, Heikko Deutschmann
• Der Dicke (seit 2005) mit Dieter Pfaff, Sabine Postel, Sophie Dal
• Notruf Hafenkante (seit 2007) mit Rhea Harder, Fabian Harloff
GROSSE FREIHEIT NR. 7, 1944
Einen Durchhaltefilm, in dem die
deutsche Marine glorifiziert werden
sollte, bestellten die NSDAP-Oberen,
doch Regisseur Helmut Käutner bestand darauf, inhaltlich freie Hand zu
haben. So entstand 1944, mitten in den
Wirren des Zweiten Weltriegs, „Große
Freiheit Nr. 7“. Die Hafenromanze mit
trinkenden Seemännern im Rotlichtmilieu war so gar nicht im Sinne der erbosten Auftraggeber, die das Werk sofort
verboten. So konnte der Film seinen Kinoerfolg erst nach Kriegsende feiern.
Der Drehalltag war schwierig: Viele der
Originalschauplätze auf St. Pauli waren
vom Krieg zerstört, Hauptdarsteller
Hans Albers soll sich, auch aus Kummer
über die Verwüstungen in seiner Heimatstadt, häufig betrunken haben. In
Potsdam-Babelsberg wurde die Reeperbahn mit ihren Seitenstraßen als Außenkulisse nachgebaut, doch auch diese
fiel kurz vor Beendigung der Dreharbeiten einer Bombe zum Opfer. Man wich
V
CASTING-AGENTUREN
Gitta Uhlig Casting
Für Regisseure wie Oliver Hirschbiegel
(„Das Urteil“) und Sönke Wortmann
(„Campus“) castete Gitta Uhlig die Besetzung. Auch TV-Produktionen wie die Sat.1Telenovela „Anna und die Liebe“ oder „Notruf Hafenkante“ (ZDF) besetzt sie mit.
» www.uhlig-casting.de
Solá Ferrer Casting
Casting Director Pedro Solá Ferrer vermittelt Models und Schauspieler vor allem für
Werbeclips und Industriefilme.
» www.sfcasting.de
Wüste Film
U.a. mit Werken von Fatih Akin haben Wüste
Film und Casting Direktorin Deborah Congia
sich einen exzellenten Ruf erworben.
» www.wuestefilm.de
Schule für Schauspiel Hamburg
Die mit dem Friedrich-Schütter-Preis ausgezeichnete Schule lehrt neben Bühnenschauspiel auch spezielles Kamera-Acting.
» Oelkersallee 29a, Tel. 430 20 50,
www.schauspielschule-hamburg.com
Stage School Hamburg
Deutschlands größte Privatschule für Bühnenkünstler mit ca. 60 Dozenten bildet
Nachwuchs in den Sparten Theater, Film,
TV und Musik aus, veranstaltet aber auch
Workshops für Talente und Amateure.
» Poolstr. 21, Tel. 355 40 70,
www.stageschool.de
Theaterakademie Hamburg
Die Akademie bietet diverse Bachelorstudiengänge über 8 Semester, darunter auch
Regie und Schauspiel. Theatermacher aus
ganz Europa unterrichten, Kooperationen
z.B. mit dem Thalia Theater und internationalen Festivals erweitern den Horizont.
» Hochschule für Musik und Theater
Harvestehuder Weg 12 + Friedensallee 9,
Tel. 428 38 41 40,
www.theaterakademie.hfmt-hamburg.de
BUCHTIPP
Drehort Hamburg
Von den Journalisten Markus Münch und
Simone Utler verfasster Band über 30 Filme
aus 90 Jahren vor der Kulisse Hamburgs.
» be.bra Verlag, 2009, 234 S., 19,90 Euro
VI
› BROT & SPIELE
Sonnabend/Sonntag, 29./30. Mai 2010
Samurai-Sudoku
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LOKAL-TERMIN
Licht am Horizont
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Verführerische
Signale: Sitzplätze direkt am
Wasser und
Hummer auf dem
Serviettenring.
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Lösungsweg:
Beim Samurai-Sudoku sind vier
Eck-Sudokus so um ein ZentralSudoku angeordnet, dass jedes
der vier Eck-Sudokus sich je
Kurz-Biografie
Frank Wiechern, 42,
Küchenchef des „Leuchtturm“, lernte sein Handwerk
im Gasthof „Meinsbur“
in Bendestorf und in der
Hotelfachschule am
Tegernsee. Er arbeitete in
München, Frankfurt und St.
Moritz, ehe er im Park Hotel
Ahrensburg als Küchenchef
anheuerte. Seit 2008 leitet
er den „Leuchtturm“, das
unlängst zu Hamburgs
drittbestem Fischrestaurant
gekürt wurde.
» Leuchtturm, Außenmühlendamm 2, 21077 Hamburg,
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einen Block mit dem ZentralSudoku teilt! Dabei gelten für
jedes der 5 Sudoku-Diagramme
die klassischen Spielregeln: Alle
Diagramme sind mit den Zahlen
1 bis 9 aufzufüllen. Dabei darf
jede Zahl in jeder Zeile und jeder
Spalte sowie in jedem 3 x 3 Feld nur einmal vorkommen.
Lösung: siehe unten …
FOTO: GRAFIKANSTALT
Irgendwo in Hamburg. Nur wo?
Diese Häuser wurden als „Hamburg project“ von
den britischen Besatzungstruppen geplant und
von der Stadt auf einem im Zweiten Weltkrieg
zerbombten Gelände bis 1956 fertiggestellt.
Die Architektur des Ensembles nimmt auf die
Visionen der 20er-Jahre Bezug, die Fassaden
wurden hell verkleidet, wegen unterschiedlicher
Fensterrhythmen und -formen gleicht keine der
anderen. Die 2122 seinerzeit geradezu luxuriös
ausgestatteten Wohnungen waren so beliebt,
dass drei davon in einer Lotterie verlost wurden.
Für scharfe Denker
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Irgendwo in
Hamburg:
die Grindelhochhäuser
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22, z.B. 5.6., 12–18 Uhr, www.jacobus.de
» ST.-JACOBI-KIRCHE, Jakobikirchhof
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Tel. 44 24 84 (Reservierung!), bis 12.6.,
tgl. ab 18 Uhr, www.shalimar-hamburg.de
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» SHALIMAR, ABC-Str. 46–47,
JAHRESZEITEN, Neuer Jungfernstieg
9–14, tgl. von 11–ca. 22 Uhr, www.hvj.de
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» TERRASSE DES HOTEL VIER
Eines der ungewöhnlichsten Cafés
Hamburgs: Ab sofort ist der Kirchturm
der St.-Jacobi-Kirche an jedem ersten
Samstag wieder für Kaffeedurstige und
Kuchenhungrige geöffnet. Die Einnahmen werden wohltätigen Einrichtungen
gespendet. Ein guter Grund also, 93
Stufen und eine kurze Aufzugfahrt hinter
sich zu bringen. Die beeindruckende
Aussicht 84 Meter über der Stadt ist
den Weg allerdings auch so schon wert.
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Alsterfreude nennt Bartender Andreas
Ruks von der Bar Indochine seine Kreation
aus Wodka, Pfirsich-, Ananas- und
Cranberrysaft. Die gibt’s jetzt auch
draußen auf der Terrasse des Hotel
Vier Jahreszeiten. Genauso wie die
Spezialitäten des Jahreszeiten Grills;
morgens das Terrassenfrühstück, nachmittags Patisserie vom Café Condi.
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Turmcafé St. Jacobi
Europäischen Zusamenhalt scheint
Mike Washington seinen Gästen hier
schmackhaft machen zu wollen. Denn
bis Mitte Juni serviert er seine indischen
Spezialitäten mit einem Hauch Großbritannien, etwas Spargel – und Wein
aus Europas Kellern von Deutschland
über Frankreich, Italien und Spanien
bis Portugal. Sechs Gänge inklusive
Wein und Wasser kosten 39,80 Euro.
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Shalimar
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Hotel Vier Jahreszeiten
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CAFÉ
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RESTAURANT
IMPRESSUM
Chefredaktion: Claus Strunz (V.i.S.d.P.)
Redaktion: Anika Riegert (verantwortlich)
Art Direction: Julia Wagner
Mitarbeiter dieser Ausgabe: Albrecht Barke,
Oliver vom Hofe, Sandra Hugo, Karolin Jacquemain,
Hanna Kastendieck, Karola Kostede, Thomas Leidig,
Jan-Eric Lindner, Karin Lübbe, Peter Maus,
Julia Marten, Wolfgang Petersen, Norman Raap,
Kirsten Rick, Maike Schiller, Vanessa Seifert,
Brigitte Steinmetz, Josephine Warfelmann,
Klaus Witzeling, Susanne Zingel
Konzeption & Realisation:
mar10 media GmbH
Geschäftsführer: Nikolas Marten
Anzeigen (verantwortlich): Dirk Seidel,
Tel. 040/34 72 25 56
Verlag & Druck: Axel Springer AG,
Axel-Springer-Platz 1, 20350 Hamburg
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BAR
Auflösungen:
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1 Wildlachs und Thunafilet in dünne Scheibchen
schneiden, abwechselnd auf den Tellern in Streifen
legen und mit einer Marinade aus Limonensaft und
-schale, Ingwer, Soja, Honig, weißem Balsamico,
Koriander und Olivenöl (4 EL) beträufeln.
2 Steinbeißerfilet ( je 150 g) mit Fleur de Sel und
wenig gestoßenem schwarzen Pfeffer würzen, in
Limonenöl anbraten und mit einem Rosmarinzweig
im Ofen bei 120 ° ca. 5 Min. ziehen lassen.
3 Kartoffeln durchpressen, mit Butter, Olivenöl und
Parmesanraspeln würzen, in ein Frühlingsrollenblatt aufspritzen, einfalten und ausbacken.
4 Grünen Spargel am Strunk schälen, kurz blanchieren und mit Butter, Zucker und Salz würzen und
grillen. Wie im Bild gezeigt anrichten.
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40 ml weißer Balsamico
1 Bund Koriander
7 EL Olivenöl
Fleur de Sel
schwarze Pfefferkörner
4 weichgekochte Kartoffeln
100 g Butter
50 g Parmesan
4 Frühlingsrollenteigblätter
16 Stangen grüner Spargel
Senkrecht
1 Clark erwies sich 1960 als „Nicht gesellschaftsfähig“. 2 Ein Überzug ist‘s, blank und glatt. 3 Das
ist die Regel. 4 Hinterlassenschaft-Investment. 5
An ihm hört das Feld auf. 6 Ein Nimmermüder ist
stets so. 7 Eines von vielen Opfern europäischer
Gleichmacherei. 8 Am Golf von Aden liegt dieser
Staat. 9 Anderes Wort für „in dem, an dem“. 10
Ist als „ländlich“ eher verständlich. 11 Auch dieser
Balte beteiligt sich am Festessen. 12 Er erfand
eine Bremse. 13 Die Hauptstadt dieser Insel
heißt Hobart. 14 Schnödes Denglisch für etwas
öffentlich machen. 15 Diesen Tanz tanzt man in
Schottland. 25 „Ekelhaft“ kürzer. 26 Der König
war Bathseba zugetan. 28 Er stellte Jesu Leben
als Weg zum Anarchismus dar. 29 ... Karlstadt
war ab 1915 die Partnerin von Karl Valentin. 30
Was dem Wepper recht, war dem Gunsch billig.
32 In Gestalt eines Goldregens wohnte Zeus
ihr bei. 33 Wohin sich die katholische Kurie im
Streitfall wendet. 34 Biblischer Bruder vom vielbesungenen Schläfst-du-noch?-Bruder. 35 Das
Millionenfache der Griechen. 37 Zu verzwickt
wird sie verzweifelt. 38 Sie gibt der Seine das
ihre. 40 Bargeldlose Schuldbegleichung.
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Für 4 Personen:
240 g Wildlachsfilet (Mittelstücke)
240 g Thunafilet (Mittelstücke)
600 g Steinbeißerfilet aus
der Nordsee
1 Limone
50 g Ingwer
40 ml Sojasauce
3 EL Honig
Waagerecht
1 Etwas angestaubter Leitertitel. 16 Was für ihn
verzichtbar wäre?: Die Sittenlehre! 17 Wer sich
auf Genaues konzentriert, wird früher oder später
einen Kahn erkennen. 18 Bestimmtes Nachtlokalgetränk. 19 Das amerikanische Synonym
für supermarket trolley. 20 Elbwasser zu werden
ist ihr nur für kurze Zeit vergönnt. 21 „Lagune“
am Schwarzen Meer. 22 Wer kann mir ohne viel
zu fragen, ein anderes Wort für Sahne sagen?
23 Bei T-Shirts ist er nicht der Rede wert. 24
Herrscht in Slums. 27 Hat so manche Pfeife im
Gefolge. 31 Das „und“ aus Britenmund. 33 Sie
ist die Kunst, auf den Kopf zu zielen und die
Brieftasche zu treffen (V. Packard). 36 Hier ein
Muss: dieser Elbe-Fluss. 39 Was einem, der es
kurz und bündig mag, nach dem Abgang einfällt.
41 Oberspielleiter; entwicklungsfähig. 42 Prächtig, diese Straße. 43 Teil vom Amulett. 44 Er
wurde vornämlich als Bond-Erfinder bekannt.
45 Westlicher Teil von Taiwan. 46 Nennen Sie
nun in aller Einfachheit das Milliardenfache einer
Einheit. 47 Kleine Turn- und Sportgemeinde im
Staatsgebiet. 48 In Spanien ist sie eine öffentliche Schlachtstätte für Stiere. 49 Organ; zum
Kontaktlinsen geradezu prädestiniert. 50 Auftakt
einer Dankesrede. 51 Für dieses Urlaubsziel
benötigen Franzosen schon eine gewisse Reife.
52 Schwimmt in Voralpenseen; kein Urlauber.
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Steinbeißer auf Sashimi mit grünem
Spargel und Kartoffel-Frühlingsrolle
FOTO: PR
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tgl. 12–22 Uhr, Tel. 70 29 97 77, www.leuchtturm-harburg.de
REZEPT VON FRANK WIECHERN
Essen und
ausgehen
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rank Wiechern hat einen Stammgast, der alle
zwei Wochen vier Stunden mit dem Auto von
Düsseldorf nach Harburg fährt, um hier Tomatensuppe zu essen – eine dreifache Portion, dann
fährt er wieder nach Hause. Was nur zweierlei heißen
kann: Entweder er ist absolut übergeschnappt – oder
die Tomatensuppe ist absolut einmalig. Um es vorwegzunehmen: Nach einem Besuch im idyllisch an
der Außenmühle im Hamburger Süden gelegenen
„Leuchtturm“ dürfen wir den Mann aus dem Rheinischen von jeglichem Wahnsinn freisprechen.
Zugegeben, das Ambiente ist nicht jedermanns
Ding. Hier ein Deko-Element, dort ein wenig Kitsch
– und der Geräuschpegel ist beträchtlich. Es empfiehlt sich also, den Blick zügig von der Einrichtung
auf das stille Wasser vor der Tür und dann auf die Karte zu lenken. Die ist mit mehr als fairen Vorspeisen,
einer überschaubaren Fleischauswahl und einem
einzigartigen Fischangebot der erste Genuss. Manches liest sich wie ein Gedicht: Kalbsfilet-Sashimi auf
Linsen-Apfel-Salat süßsauer mit Jakobsmuschel und
Teriyaki-Ingwer-Jus. Oder Edelfisch-ZitronengrasSpieß aus dem Ofen auf gebratenem Blattspinat mit
Senfkörner-Sauce und Schlosskartoffeln.
Die Entscheidung ist nicht einfach – wenn man
nicht bereits den Lobgesang auf jene weiße Tomatensuppe vernommen hat. Die charmante Begleiterin
genießt nach dem Jahrhundertgericht ein BioweideKalbskotelett auf Porree la Crema, Jus naturelle und
getrüffeltem Kartoffelpüree. Die Opposition am an-
deren Tischende wählt karamellisierte Jakobsmuscheln vom Grill und Tatar vom Glückstädter Matjes
(ein Häufchen Glück) mit Rote-Bete-Schaum und das
mit 27 Euro teuerste Einzelgericht der Karte: Seeteufel und Hummer auf Pfifferlingen und Spinat mit
Krustentier-Ravioli und Hummerschaum.
Die Folge: Schweigen. Gelegentliches Lust-Stöhnen. Das Gefühl, gerade etwas sehr Besonderes in
eigentlich gewöhnlichem Ambiente zu erleben. Einigkeit im Genuss. Überschwang bei zwei nicht zum
Überschwang neigenden Genießern.
Nachdem wir eines der drei Desserts vertilgt
haben – Grieß-Flammerie mit Waldmeister-RahmEis und Erdbeersalat mit Mascarpone – setzt sich
Küchenchef Frank Wiechern mit einer seiner Obstbrand-Spezialitäten zu uns. Den „Leuchtturm“ hat er
selbst konzipiert. Es gibt vier Küchen und noch zwei
Säle, in denen an diesem Abend – unbemerkt von den
Restaurantbesuchern – Hochzeiten gefeiert wurden.
Direkt am See werden De-Luxe-Currywürste aus
einem Rundpavillon-Fenster gereicht. Wer will, kann
den „Leuchtturm“ auch als Caterer ordern.
Übrigens: Frank Wiechern hat uns das Geheimnis
der Suppe verraten: Ganz besondere Tomaten reifen
lassen, bis sie fast verderben, per Hand ausdrücken,
immer wieder durch ein Tuch geben, mehrfach reduzieren. Es dauert drei Tage, bis Frank Wiechern
Tomaten zu weißer Suppe transformiert hat. Kochen
Sie das nicht selbst. Gehen Sie hin.
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Der „Leuchtturm“ in Harburg: Manche fahren meilenweit für seine Fischspezialitäten – und die Tomatensuppe.
TEXT: JAN-ERIC LINDNER • FOTOS: THOMAS LEIDIG
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VII
Sonnabend / Sonntag, 29. / 30. Mai 2010
› GESTERN & HEUTE
Die Widerborstige: Inge Meysel
um 1948 – mit einer Rose
am Kleid, aber Skepsis im Blick.
Die Warmherzige: 1965 wird sie
in „Die Unverbesserlichen“ als
Käthe Scholz „Mutter der Nation“.
Unvergessliche Monumente: Inge
Meysel 1984 in New York vor den
Türmen des World Trade Center.
FOTOS: AGENTUR FOCUS
INGE MEYSEL 1910 – 2004
Mutter
Courage
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ch habe Inge Meysel nur ein einziges Mal
live erlebt. Nicht auf der Bühne, nicht im
Fernsehstudio, auch nicht auf irgendeiner
Gala-Veranstaltung oder Preisverleihung.
Ich habe sie zu Hause getroffen, ganz privat. In Sommerbluse und Rock. Unfrisiert,
ungeschminkt, unverfälscht. Es ist ein
Sonntagnachmittag im Sommer 1997. Einer dieser Tage, an dem die Hitze auf der Straße flirrt
und sich die Elbe im gleißenden Licht des Himmels
zu verlieren scheint. Wie Perlen reihen sich die weißgetünchten Villen am Südstrand auf. Die kleine Sackgasse am Elbdeich gehört zu den besseren Adressen
in Seevetal, südlich von Hamburg. Auf dem Klingelschild neben der Gartenpforte steht ihr Name: Inge
Meysel. Sie versteckt sich nicht. Hat sich nie versteckt. Ich drücke den Klingelknopf. Kurze Zeit später kommt die damals 87-Jährige die lange Auffahrt
heruntergelaufen. Barfuß. Sie lacht. Sie redet laut. So,
als stände sie auf der Bühne. Berührungsängste kennt
sie nicht. Ich bin in Begleitung eines Freundes. Er ist
Schauspieler und will zur Bühne. Frau Meysel gibt
uns Namen, Telefonnummern. „Rufen Sie mich an,
wenn Sie mich brauchen“, sagt sie zum Abschied.
„Vielleicht können Sie ja mal mit mir drehen.“ – Das
war vor 13 Jahren. Aus der gemeinsamen Arbeit ist
nie etwas geworden. Aber prägend war diese Begegnung dennoch. Sie hat uns gelehrt, dass es lohnt, mutig zu sein, den Mund aufzumachen.
Am 10. Juli 2004 starb Inge Meysel im Alter von 94
Jahren. An diesem Sonntag wäre sie 100 Jahre alt geworden. Die „Mutter der Nation“ hätte sicherlich
auch diesen Anlass genutzt, um anzuecken. So wie an
ihrem 75. Geburtstag. Eine Kollegin, die mitfeiern
durfte, erinnert sich. „Ich habe Inge Meysel an ihrem
75. Geburtstag besucht. Es gab vier Sorten Sekt. Für
die ‚Promi-Gruppe A‘, zu der die Familie Trebitsch
gehörte, gab es Champagner – und zwar den besten:
‚Veuve Clicquot‘. Für Journalisten wurde ‚Fürstenberg-Sekt‘ gereicht, für die Nachbarn ‚Deinhardt Lila‘
und für das Personal ‚Rüttgers Club‘.“
Inge Meysel, die Kauzige, Burschikose, die eigentlich ganz und gar Unmütterliche, war im Privaten
durchaus mütterlich, herzenswarm und hilfsbereit.
Auch wenn sie selbst dem Titel „Mutter der Nation“
nichts abgewinnen konnte. Die adrette alte Dame mit
dem erhobenen Zeigefinger, die ihre Rollen prägte,
war sie abseits der Bühne nicht. Sie war mehr. Nahbar, authentisch, direkt – streng, streitlustig und
selbstsicher. Eine Frau, die für ihren Jahrgang ungewöhnlich deutlich sagte, was sie dachte. Eine Frau,
die die Vorzüge der Bisexualität rühmte, mit Alice
Schwarzer gegen die sexistischen Titelbilder des
„Stern“ klagte und das Bundesverdienstkreuz – „einen Orden dafür, dass man sein Leben anständig gelebt hat“ – ablehnte. Sie wollte nicht für etwas geehrt
werden, was ihr selbstverständlich war: ein gutes,
anständiges Leben geführt zu haben.
A
m 30. Mai 1910 kommt Ingeborg Charlotte
Meysel in Berlin-Rixdorf auf die Welt. In einem Berlin, in dem noch Kaiser Wilhelm II.
regiert. Es ist ihr Vater, der Kaufmann Julius Meysel,
der seine Tochter schon früh lehrt, zu rebellieren, den
Mund aufzumachen. Für die junge Frau werden diese
Eigenschaften überlebenswichtig. Ihre ersten Rollen
am Berliner Renaissance-Theater spielt sie Anfang
der 30er-Jahre. Doch die große Bühnenkarriere bleibt
ihr vorerst verwehrt. Die Nationalsozialisten belegen
die 23-Jährige mit einem Berufsverbot, weil ihr Vater
arum Deutschland diese Schauspielerin geJude ist. Zwölf Jahre, drei Monate und acht Tage verliebt hat? Weil sie authentisch war. Und
bringt sie im Untergrund. In ständiger Angst und ohstur. „Natürlich bin ich eine Kratzbürste“,
ne jeden Kontakt zu ihren Eltern. Später bezeichnet
frotzelte sie, „sonst hätte ich nicht überlebt.“ Sonst
sie ihr loses, ruppiges Mundwerk als „Schutzmechahätte sie nicht diese Spuren hinterlassen. Spuren mit
nismus“. Sie will sich, nach den „gestohlenen Jahren“
einem Beigeschmack von Respektlosigkeit, die heute
der Nazizeit, nie wieder etwas bieten lassen.
noch zum Kopfschütteln bewegen. Und zum SchmunWie tief diese Überzeugung sitzt, zeigt sie fortan
zeln anregen. So wie ihr Auftritt bei „Wetten, dass …?“
der ganzen Nation. Klein, energisch, streitbar und
im Jahr 2001. „Bei Ihnen ist bis auf die Zähne noch
kämpferisch – so kennt man Inge Meysel. Eine Art
alles echt?“, stichelte Thomas Gottschalk, als die
Napoleon auf der Bühne und im deutschen TV. Es war
91-Jährige 2001 in seiner Sendung zu Gast war. Darder Regisseur Helmut Käutner, der sie 1945 in Hamauf Meysel schlagfertig: „Soll ich sie rausnehmen?“
burg wieder ans Theater brachte. Inge Meysel war
Und in einem Seitenhieb auf die getunten Körperfordamals 35 und aus dem Fach der jungen Liebhaberin
men der ebenfalls geladenen Society-Fräuleins Ariaherausgewachsen. Also spielte sie die Salondamen im
ne Sommer und Nadja Abd El Farrag setzte sie nach:
Boulevard und die robusten Ger„Mein Busen ist echt, wie Gott ihn
hart-Hauptmann-Frauen im Kleischuf!“ Wobei sie sich forsch an
ne-Leute-Milieu. Der Durchbruch
ihre Brüste fasste.
erfolgte mit der Rolle der PortiersAuch ihr Fitness-Programm,
frau Anni Wiesner in Curth Fladas die quirlige Seniorin zu ihrem
tows Stück „Das Fenster zum
90. Geburtstag bekannt gab, sorgte
Flur“. Da war Inge Meysel bereits
für Schmunzler. Sie bade auf ih50. Es folgen unzählige Auftritte
rem 7000 Quadratmeter großen
auf deutschen Bühnen, zahlreiche
Grundstück in Bullenhausen reFilm- und Fernsehrollen. Inge
gelmäßig nackt in der Elbe. „Ich
Meysel spielt Frauengestalten des
lasse mich von der Strömung treiAlltags. Sie hält der Nation den
ben. Dann steige ich nach ein paar
Spiegel vor. Von all ihren Mutterhundert Metern aus dem Wasser
„Inge Meysel war eine
rollen ist es vor allem eine geweund laufe nackt am Strand zugroße Künstlerin und
sen, die sie nie wieder loswurde.
rück.“ Sie mache das allerdings
politische Persönlichkeit.“ nur nachts, wenn da einer durch
Inge Meysel war Käthe Scholz in
der Fernsehserie „Die Unverbesdie Gegend laufe und sie sehe, sei
Klaus Wowereit, 56,
serlichen“, ausgestrahlt von 1965
er selber schuld.
Berlins Regierender Bürgermeister
bis 1971. Als Käthe Scholz ist sie
Das war vier Jahre vor ihrem
die Parademutti, der Chef in der
Tod. Inge Meysel hat eben immer
Familie, der mit zusammengebissenen Zähnen gegen
nur das getan, was sie wollte. Und so, wie sie es wollte.
die Ungerechtigkeiten des Lebens kämpft. Voller
Sie hat sich in aller Öffentlichkeit voll ausgelebt. Mit
Kraft, Energie und Herrscherwillen. Ihre Käthe
allen liebenswürdigen Macken, allen menschlichen
Scholz entsprach zwar dem traditionellen Bild der
Ecken und Kanten. „Zum Leben gehört Mut! Feigheit
Hausfrau ohne Beruf, doch war sie alles andere als das
ist für mich gleichbedeutend mit Charakterlosigkeit“,
Heimchen am Herd: eine Löwin, die die Familie zusagte sie einmal. „Widersprecht, geht raus, lebt.“ Dass
sammenhielt. Das Wort von den „starken Frauen“,
sie das auch so gemeint hat, zeigt ihre eigene Gedas damals aufkam, war in Inge Meysel höchst lebhaft
schichte genauso, wie unsere Begegnung an ihrem
Fleisch geworden.
Gartenzaun in Bullenhausen.
W
FOTO: PICTURE-ALLIANCE
Mutter der Nation? Wollte sie nie sein. Die große
Schauspielerin? Schon eher. Sie war alles: Mutter,
Oma, ungezogenes Mädchen. Zart, tyrannisch,
unverbesserlich. HANNA KASTENDIECK über Inge
Meysel, die am 30. Mai 100 Jahre alt geworden wäre.
Theaterauftritte wechseln mit Filmaufnahmen.
Die Meysel dreht und dreht. Ein ganzes Rudel Rehe
– insgesamt fünf Bambis – sammelt sie zwischen 1968
und 1973. Es folgen neun Ottos, die Goldene Kamera,
der Deutsche Fernsehpreis für ihr Lebenswerk. Inge
Meysel ist ein Star, der polarisiert. Jeder kennt sie
und ihre schnoddrige Art. Jeder kennt ihren rauen
Ton, ihr großes Mundwerk. Die einen sind hingerissen, die anderen empfinden sie als nervtötend. Nur
die wenigsten wissen, dass auch diese Frau schwache
Momente hat. Momente der Angst und Trauer. Kaum
einer weiß um ihre großen Verluste, die schmerzhaften Erfahrungen. Kaum einer weiß, dass Inge Meysel
an einem Kriegsabend 1942 ein rothaariges Mädchen
zur Welt bringt. Ein Kind, das sie nur wenige Minuten
in den Armen wiegen darf – dann wird das Frühchen
in den Brutkasten gelegt. Es stirbt noch in der gleichen Nacht. Diesen Verlust hat sie nie verwinden
können. Schmerzhaft ist auch der frühe Tod ihres
Ehemanns John Olden. 1965 erleidet der Regisseur
und Drehbuchautor am Steuer seines Wagens seinen
zweiten Herzinfarkt. Olden war ihre „große Liebe“, er
war ihr Motor, Förderer und bester Kritiker.
Die Freche: Bei „Wetten, dass ...?“
fährt sie 2001 Thomas Gottschalk
schlagfertig über den Mund.
Die Verehrte: Ein Fan trägt sich
am 16.7.2004 im Hamburger Rathaus in das Kondolenzbuch ein.
FOTOS: PICTURE-ALLIANCE (4)
TV-TERMINE & TIPPS
» Sondersendungen zum
100. Todestag feiern die
Volksschauspielerin mit Filmen,
Dokus und einem Themenabend:
Sa, 29.5., 12.45 Uhr, NDR: „Inge
Meysel: Die Unverbesserliche“.
14 Uhr, ZDF: „Guppies zum Tee“.
23.50 Uhr, NDR: „Die Inge Meysel
Nacht“ mit „Ein Kleid von Dior“,
So, 30.5., 1.35 Uhr: „Ein Abend für
Inge Meysel – Mutter der Nation“,
3.05 Uhr: „Heimatgeschichten“,
3.50 Uhr: „Mein Leben war auch
kein Spaß“ (alle NDR).
9 Uhr, rbb: „Immer die Radfahrer“.
13.55 Uhr, Bayerisches Fernsehen:
„Die Unverbesserlichen“.
Mo, 31.5., 15.45 Uhr, ZDFtheaterkanal (digital): „Wassa Schelesnowa“.
» Der Online-Shop „Das Meysel“
bietet wirklich alles, was der Fan
begehrt – und noch viel mehr. So
finden sich im Programm u.a. die
Biografie „Die Meysel“ von Ursula
Machtemes-Titgemeyer (34 Euro),
DVDs mit Serienklassikern wie
„St. Pauli Landungbrücken“ (4 DVDs)
und „Die Unverbesserlichen“
(7 DVDs, Sets à 69 Euro), aber auch
Skurriles wie Kaffeetassen, Küchenschürzen und sogar Althäuser Sekt
mit dem Etikett „Inge sagt Prost“.
Übrigens: Das auf der Internetseite
vorgestellte Inge-Meysel-Lokal ist
seit einiger Zeit geschlossen.
Mehr Infos: Tel. 414 98 89 20,
www.inge-meysel.com
VIII
› STIL & LEBEN
Sonnabend / Sonntag, 29. / 30. Mai 2010
HANDGEMACHT
Möbelmacher mit Mütze: Per Schumann, 42,
entwirft in Ottensen alles direkt …
FOTOS: GRAFIKANSTALT, PRIVAT
Traumhafter
Nachschub
Per Schumann ist Vater der Patchwork-Kommode:
In seiner Manufaktur „Entwurf-Direkt“ werden
aus alten Schubladen neue Möbel-Unikate.
M
SUSANNE ZINGEL, Pastorin, zog
2005 von Hamburg nach Sylt. Sie
lebt mit ihrem Mann Stefan Hartmann sowie den Söhnen Luc Olsen,
7, und Carl Jonte, 3, in Keitum.
„Bevor einer hier nicht drei Winter überstanden hat, merk ich mir
nicht seinen Namen“, das war eine
herzlich schroffe, friesische Ansage, als wir auf Sylt ankamen. Wir
haben drei Winter überstanden,
kennen mittlerweile viele neue
Namen und wissen, hier muss
man sich aufeinander verlassen
können. Wer hier allein ist, ist
wirklich verraten und verkauft.
Als wir von Ottensen, von der
Altonaer Christianskirche, ins
Pastorat von St. Severin auf Sylt
zogen, da dachten wir, das Leben
auf einer Insel wäre beschaulicher
und ruhiger als in Hamburg.
Wir dachten, von Hamburg nach Sylt – das ist
doch keine Entfernung.
Aber wer länger auf dieser Insel lebt, entfernt
sich immer weiter von
der Großstadt und taucht
in ein neues Leben ein.
TEXT: VANESSA SEIFERT • FOTOS: THOMAS LEIDIG
anchmal, wenn Per Schumann morgens seine
Haustür in Ottensen öffnet, liegen sie einfach
vor der Tür. Sie sind in der Dunkelheit der
Nacht ausgesetzt worden. Weil sie alt und verkratzt sind.
Weil niemand sie mehr haben will. Weil niemand sie noch
gebrauchen kann. Außer Per Schumann, der diese „Findelkinder“ aus Holz, diese alten Schubladen, ganz neu einsetzt.
Denn Schubladen, die sich in Form und Farbe teils völlig
unterscheiden, baut Per Schumann, der in seiner Geburtsstadt Hamburg Kunst studiert hat, zu Kommoden zusammen, die es in keinem Möbelhaus zu kaufen gibt. „MehrGenerationen-Möbel“ nennt er selbst die Unikate, die bei
„Entwurf-Direkt“ an der Eulenstraße entstehen. „Designobjekte können eben auch praktisch und funktional sei. Mir
geht es um erfinderische Ansätze bei der Gestaltung von alltäglichem Design“, sagt Per Schumann, der „Entwurf-Direkt“ 2001 gegründet hat. „Kunst muss doch nicht abgehoben und abstrakt sein.“
Und auch nicht unbezahlbar. „Für mich ist das eine Herzenssache und nicht in erster Linie eine Geschäftsidee.“ Für
jeden, der sich eine seiner ungewöhnlichen Kommoden gönnen wolle, solle sie auch irgendwie erschwinglich bleiben.
„Manchmal sage ich beispielsweise einfach: Passt auf, wir
tischlern alles fertig, aber ihr pinselt euch das Möbelstück
selbst an.“ Je nach Größe kostet eine Kommode aus weiß lackiertem Fichtenholz zwischen 1200 und 2800 Euro. Sollen
die Schubladen in einem Möbel aus Eiche ihr neues Zuhause
finden, geht es erst bei 3000 Euro los. Doch beim Projekt
„1000 Schubladen“, für das Per Schumann sich vorgenommen hat, tausend verwaisten Schubladen ein neues Zuhause
zu vermitteln, gibt es zu einem deutlich günstigeren Preis
eine Patenschaft – und damit eine Mini-Kommode. Denn für
die Paten-Schublade wird individuell ein Vollholz-Korpus
angefertigt, der leicht und stabil an der Wand befestigt werden kann. „So eine Patenschaft kostet ab 140 Euro.“
Mit drei Tischlern arbeitet Schumann, der quasi von Berufs wegen in Schubladen denkt, zusammen. Knapp sechs
Mehr-Generationen-Möbel: Jede Farbe
und Form einer gebrauchten Schublade
wertet eine neue Kommode auf.
Wochen dauert es, bis eine Kommode von Hand gefertigt ist.
Im Schnitt stellen Per Schumann, der seit April 2009 an der
Eulenstraße seinen Laden hat, und seine Mitarbeiter rund
sechs Möbelstücke pro Monat her, die Anfragen kommen
aus ganz Europa. „Es wäre viel zu aufwendig, diese Möbel in
Serie zu produzieren.“ Schließlich ist dazu auch viel NachSchub(laden) nötig. Von Reisen bringe er sich regelmäßig
Schubladen mit. Aus Thailand habe er einige im Koffer zurück nach Hamburg transportiert, und in New York habe er
zwei Exemplare, die ausgefallen sind, aber die noch nicht
auseinandergefallen waren, vor dem Schrottplatz gerettet.
„Außerdem habe ich Kontakt zu Trödlern, die mich mit Material versorgen.“ Und dann gibt es da ja noch die Nachbarn
in Ottensen, die Schubladen spenden. Wenn sie auf dem
Dachboden, wie neulich geschehen, einen alten Schulschrank entdecken oder im Keller einen verstaubten jahrhundertealten Apothekerschrank finden.
Doch warum hat Per Schumann sein Herz ausgerechnet
an Schubladen verloren? Weil man in ihnen eigentlich
nichts verlieren kann, weil sie Ordnung ins Chaos des Lebens bringen? „Es hat einen etwas poetischen Grund“, sagt
der Künstler, der an diesem Tag eine Baskenmütze trägt,
und lächelt. „Für mich haben Schubladen etwas Geheimnisvolles, sie sind ein verborgener Aufbewahrungsort.“ Ein Ort
zum Wohlfühlen soll „Entwurf-Direkt“ sein. In Räumen, in
denen einst ein Krämerlädchen war, stellt Per Schumann
seine Möbel aus. „Kunst-Krämerei“ nennt er seinen Laden
deshalb, eine Galerie soll er sein. In den Regalen stehen Porzellantassen, die ein Künstler aus Island jeweils auf dem
gläsernen Stiel eines Weinkelchs drapiert hat. Und im
Schaufenster stehen Taschen, die eine befreundete Künstlerin aus Hongkong aus Recycling-Material gefertigt hat.
„Einmal im Monat läuft bei uns eine so genannte ‚Flurschau‘, bei der zu einem bestimmten Thema Werke ausgestellt werden. Denn es ist für mich wichtig, dass wir auch ein
Kultur-Treffpunkt im Viertel sind“, sagt Per Schumann. Ein
echter Schubladen-Laden für „Anti-Schubladen-Denker“
ist „Entwurf-Direkt“ ohnehin.
Kontakt
» „Entwurf-Direkt“,
Eulenstraße 81, Di – Fr 11 – 18,
Sa 11 – 14 Uhr, Tel. 39 80 57 89,
www.entwurf-direkt.de
MEIN STYLE-TRIO
SCHILLERS
STADTGEFLÜSTER
Hauptrolle Mutter
Klappe halten!
Rhea Harder, 34, („Notruf Hafenkante“, ZDF,
Do 19.25 Uhr) mag es nach Drehschluss
gerne bunt, manchmal rund und immer gesund.
FOTO: PICTURE-ALLIANCE
Sie erwarten gerade
Ihr zweites Kind: Haben Sie Tipps in Sachen Umstandsmode?
Bei Paulina gibt es
schöne Mode für
runde Bäuche, und
das Beste daran: Man
findet dort coole
Gürtel, die man selbst
verstellen kann und
nach der Schwangerschaft noch benutzen
wird – garantiert!
Baumwollstoff „Ripple
Stripe Orange“, Charlotta’s
Stoffladen, Eppendorfer Weg
229, je Meter um 16 Euro.
Accessoire „Bellyguard“,
Paulina Umstandsmode,
Eppendorfer Baum 42,
um 20 Euro.
Die Wochenvorschau
MONTAG
GESPRÄCH: Katharina Thalbach,
Ausnahmeerscheinung auf und
hinter deutschen Bühnen, unterhält
sich mit Autor Hellmuth Karasek.
Ein Eloquenz-Leckerbissen! Freie
Akademie der Künste, 19.30 Uhr.
PERFORMANCE: Popmusik als
Kunstform präsentiert der New
Yorker Musik-Artist Rufus Wainwright. Kampnagel, 20 Uhr.
DIENSTAG
nachlesen kann, durch „die verstärkte
Nutzung von extensiver Kulturlandschaft“ gefährdet. Selbiges gilt offenbar
auch für die Gemeine Brandschutzklappe. Weshalb, sobald sie einmal
entdeckt ist, die Nutzung der sie unmittelbar umgebenden Kulturlandschaft
ebenfalls unverzüglich eingestellt wird.
Zum Beispiel durch Abdichtung einer
ganzen Kunsthallenabteilung.
Nach ihren sprichwörtlichen 15 Minuten Ruhm wird die kleine Brandschutzklappe jedoch in der Regel schon
bald von fleißigen Behördenmitarbeiterinnen eingefangen, zum Schweigen
gebracht und in eines der vielen offenen Haushaltslöcher gestopft.
Lesen Sie in unserer nächsten Folge:
Wie auch der Dresdner Flussbiber erst
am Bau der Waldschlösschenbrücke
nagte und dann nur ein paar hundert
Kilometer elbabwärts eine noch viel
lohnendere Großbaustelle vorfand.
ILLUSTRATION: JOSEPHINE WARFELMANN
Nüchtern oder farbenfroh? Wie richten Sie sich zu Hause ein?
Am liebsten bunt! Ob ich eine fröhliche Wachstuchdecke
für die Open-Air-Saison suche, den passenden Kissenbezug
für das Sommersofa oder fröhliche Vorhangstoffe für Kinderzimmer und Co. – bei Charlotta’s, einem kleinen, gut
sortierten Stoffladen,
findet man, fast ohne
zu suchen!
ie Gemeine Brandschutzklappe
ist ja praktisch die Kleine Hufeisennase unter den Museumsbewohnern. Ein nur vermeintlich schläfriges Kerlchen aus der Gattung der
Verhinderer und Zupasskommer, lange
Jahre sträflich ignoriert, vergessen von
der Welt und ganz sich selbst überlassen, entwickelt sie in unbeobachteten
Momenten ein verblüffendes Talent für
geschmeidiges Timing. Wie die Kleine
Hufeisennase hält auch die renitente
Brandschutzklappe (Klappus vorgeschobensis) in den Monaten von Oktober bis Mai einen erholsamen Winterschlaf, und wie die Kleine Hufeisennase wird auch die Gemeine Brandschutzklappe angelockt von der Aussicht auf
kurze, aber heftige Prominenz.
Die Kleine Hufeisennase, eine nachtaktive Fledermausart übrigens, hat sich
dafür – manche werden sich erinnern
– den Bau der Dresdner Waldschlösschenbrücke ausgesucht. Und wenigstens kurzfristig aufgehalten. Die Gemeine Brandschutzklappe indes krabbelt bevorzugt just dann aus ihrem Bau,
wenn sich in ihrem Lebensraum ein
schwer zu ignorierendes Klima des Intensivsparens entwickelt hat. Tritt sie
in größeren Populationen auf, was gerade in öffentlichen Gebäuden mal der
Fall sein kann, kann sie so ganze Museumsbetriebe lahmlegen. Denn nicht nur
der Bestand der Kleinen Hufeisennase
ist, wie jeder Wikipedia-Nutzer sofort
Von ferne sagen viele: „Ihr lebt
auf der Insel der Reichen und der
Schönen.“ Nur Reichtum macht
eher einsam als schön. Reichtum
macht Sylt zu „der Insel“, exklusiv, teuer und etwas Besonderem.
Wer hier lebt, der bekommt zu
spüren, wie sehr die Insel darunter leidet. Der Ausverkauf alter
Friesenhäuser, die Vertreibung
alteingesessener Sylter aufs
Festland – Sylt verkauft sich
selbst und wird dabei ganz
bestimmt nicht schöner. Aber
umso deutlicher wird der wahre
Reichtum dieser Insel, nämlich
ihre einmalige Natur und ihre
freie Friesengeschichte. Unsere
Kinder wachsen vielsprachig
auf. Im Kindergarten lernen sie
Dänisch, in der Grundschule
kommt Friesisch dazu, Söl’ring,
das Sylter Friesisch ist eine von
vielen friesischen Sprachen.
Von fern ahnt niemand, welch
kulturelle Vielfalt und Eigenheiten sich damit verbinden. Friesisch und Dänisch sind keine führenden Sprachen in der globalisierten Welt. Aber die Fähigkeit,
den anderen zu verstehen, voneinander zu lernen, das ist gefragt
in Zeiten des Umbruchs. Stürme,
Fluten und Naturgewalten, damit
kennen sich die Insulaner aus. Da
wird Glauben und Vertrauen ganz
elementar. Fasziniert davon kommen viele Menschen in der alten
Seefahrerkirche St. Severin zusammen und gehen mit Gewinn
davon, denn Reichtum ist relativ.
D
Topinambur (auch als „Erdapfel“ bekannt): gesehen bei
Grüner Laden, Isestraße 20,
1 kg um 6 Euro.
FOTOS: PR
TV-Kommissare sind für Fast-Food-Konsum bekannt: Wie
ernährt sich eine Fernsehpolizistin privat am liebsten?
Es ist ja nun kein Geheimnis, dass Obst und Gemüse einen
jung, fit und schön hält. Doch noch immer ist es ein schwieriges Unterfangen, die richtige Adresse für 1a-Qualität zu
finden. Im „Grünen Laden“ bin ich fündig geworden! Da
gibt es Regionales und Exotisches, das danach schmeckt,
wofür es verkauft wird! Wie das Gemüse „Topinambur“,
das kaum den Zuckerhaushalt belastet. Obendrein hat die
Knolle einen feinen nussigen Geschmack.
Sylt
MADE IN HAMBURG
Kolumne
» An dieser Stelle schreiben
Schönstes Recycling
mit Heimat-Gefühl.
Die „Hamburg-Vasen“
(25 cm hoch) der Designerin Sybille Homann
werden aus alten Weinflaschen gefertigt. Jede
ein bisschen anders und
ein stilvolles Unikat.
im wöchentlichen Wechsel die
Abendblatt-Redakteure Maike
Schiller und Joachim Mischke.
Hamburg-Vase
von Sybille
Homann, gesehen bei Interiör,
Osterstr. 164,
um 42 Euro.
31. MAI–6. JUNI
MITTWOCH
KONZERT: Michael Bublé schlägt
auf seiner „Crazy Love Tour“ mit
viel Gefühl mühelos den Bogen vom
Evergreen bis zur Rock-Hymne.
O2 World, 20 Uhr.
LITERATUR: Regisseur Jürgen
Flimm liest aus seinem Buch
„Die gestürzte Pyramide“, Ulrich
Wickert moderiert den Abend. Zentrale im Thalia Theater, 20.30 Uhr.
HÖRSPIEL: Eine akustische Reise
unter virtuellem Sternenhimmel
kann man mit der melancholischwitzigen Liebesgeschichte „Der
Mann schläft“ von Sybille Berg
erleben. Planetarium, 19.30 Uhr.
COUNTRY: Texas Lightning
mischen mit Western-Versionen
von Rosenstolz- und ReinhardMey-Songs sowie neuen eigenen
Werken das Knust auf. 21 Uhr.
DONNERSTAG
FEST: Die Altonale 12 startet mit
einem Kulturspektakel. Zusammen mit Partnerland Österreich wird
ein Programm aus Kunst, Events,
Lesungen und Musikalischem geboten. Altonale bis 20.6., Kulturnacht
im Altonaer Museum, 19 – 23 Uhr.
KINDER: Manege frei fürs 7. Hamburger Kinderzirkusfestival. Zelt
am Haus der Jugend Wilhelmsburg,
bis 5.6., Info-Tel. 75 20 17 - 0.
FREITAG
MESSE: Bei der Kaffee-Olympiade auf der „Coteca – Europas
erste Fachmesse für Kaffee, Tee und
Kakao“ sind 30 Baristi im Wettstreit.
HH Messe bis So, 10 – 18 Uhr.
OPEN-AIR: „Moby Dick – auf zu
neuen Ufern!“ ist ein musikalisches
Theaterevent, bei dem 100 Akteure
Melvilles Klassiker an den Bramfelder See verlegen. Ort: Spielplatz am
See bei den Schrebergärten, 19 Uhr.
SONNABEND
KULTUR: Die 2. Kulturnacht in
Wedel lädt zu einer Entdeckungsreise zu rund 10 Veranstaltungsorten
mit Livemusik, Straßenkünstlern,
Lesungen, Ausstellungen und Tanz.
Eröffnung: Mühlenteich, 17.30 Uhr.
FEIERN: Das 29. Eppendorfer
Landstraßenfest mit Kinderaktionen, Flohmarkt, Showbühnen
und viel Gastronomie! 10–23 Uhr.
SONNTAG
GOSPEL: „Trotz allem: Hallelujah“
heißt das Konzert des Gospelchores Blankenese, das Mut machen soll,
die Hoffnung nicht zu verlieren. Blankeneser Kirche am Markt, 18 Uhr.
SAMMELN: Beim Internationalen Sammlermarkt werden Briefmarken, Münzen, alte Postkarten
und Telefonkarten gehandelt und
geschätzt. CCH, 10–16 Uhr. 4 Euro.