Netzausbau mit einer Unbekannten - Bundesnetzagentur auf Reisen!!

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Netzausbau mit einer Unbekannten - Bundesnetzagentur auf Reisen!!
20.5.2015
inSüdthüringen.de | Netzausbau mit einer Unbekannten
19.05.2015 00:00 Uhr, Wirtschaft
NETZAUSBAU MIT EINER UNBEKANNTEN
Die Bundesnetzagentur reist in diesen Wochen durch Deutschland, um die Pläne der großen
Konzerne für den Ausbau des Stromnetzes vorzustellen. Doch die Forderungen Bayerns werfen
alle Planung über den Haufen.
Die Welt des Netzausbaus in Deutschland wird immer
unübersichtlicher. Bis vor wenigen Monaten war die
Gemengelage einfach. Auf der einen Seite war ­ zumindest in
Thüringen ­ der Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz
Transmission GmbH. Das ist das Unternehmen aus Berlin,
das das ostdeutsche Höchstspannungsnetz betreibt und
unter anderem gerade den dritten Bauabschnitt der
sogenannten Thüringer Strombrücke von Altenfeld in
Richtung Bayern durch den Thüringer Wald treibt.
Auf der anderen Seite waren die Gegner der Neubautrassen. Von bundesweiten Medien gerne
auch mal als Hinterwäldler dargestellt, die den Fortschritt verhindern, weil sie sich dem Ausbau
der Stromnetze vor ihrer Haustür widersetzen. Petra Enders, früher Bürgermeisterin von
Großbreitenbach im Ilm­Kreis und jetzt Landrätin eben jenes Kreises, gehört zu diesen
Gegnern. Neubauten lehnt sie ab. Das war so und das ist so. Erst am Montag teilte sie wieder
mit, dass der Landkreis bei der Bundesnetzagentur sein Nein zum aktuellen Entwurf des
Netzentwicklungsplans eingereicht habe. Von Trassenbündelung könne angesichts der
vorliegenden Pläne keine Rede sein, so Enders. Die Belastungen für den Ilm­Kreis könnten
eher potenziert werden.
Bedenken aus Bayern
Tatsächlich führt die Linie, die die geplante Gleichstrompassage von Sachsen­Anhalt nach
Bayern markiert, auch durch Thüringen. Und zwar deckungsgleich zur
Höchstspannungsleitung, die gerade erst gebaut wird. Bei 50 Hertz versichern die
Verantwortlichen immer wieder, dass die Linien in diesem Stadium der Planung noch keine
Festlegung auf einen Trassenverlauf seien. Doch bei den Gegnern finden die Versicherungen
von jeher wenig Gehör.
Seit dem Wochenende allerdings stellt sich die Frage, welchen Wert die derzeit diskutierten
Planungen überhaupt haben. Denn zu den beiden Parteien im Konflikt ist eine dritte
hinzugekommen: Der Freistaat Bayern. Denn erst auf Druck der bayerischen Staatsregierung
musste zum Beispiel der Netzbetreiber 50 Hertz seine Pläne für die Gleichstrompassage Süd­
Ost ändern. Für dieses Megaprojekt war der Vorzugskorridor entlang der Autobahn 9 durch
Thüringen eigentlich schon gefunden. Dann kam Horst Seehofer und sagte stopp. 50 Hertz
änderte seine Pläne und verlängerte die Trasse. Die Begeisterung in Bayern für das Projekt
nahm dadurch nicht zu. Doch sie steht nun so im Plan.
Ausbau statt Neubau
Das wiederum stößt den Thüringern sauer auf. Sie sehen nicht ein, warum sie noch eine
Stromtrasse in ihrer Landschaft hinnehmen sollen. Wo sie den Strom doch gar nicht brauchen.
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow wird daher auch nicht müde, zu betonen, die
Geschäftsführung von 50 Hertz habe ihm versichert, dass das Unternehmen ohne einen
Neubau auskommen wolle. Die Superleitung soll durch den Ausbau bestehender Trassen
realisiert werden. Offiziell bestätigt das bei 50 Hertz so aber niemand. Der Ausbau bestehender
Trassen sei lediglich eine Option von vielen.
Das Problem was alle Beteiligten derzeit haben: Die Bayern rücken so recht nicht damit heraus,
wieviel Strom sie künftig eigentlich brauchen, wenn die Kernkraftwerke in Süddeutschland vom
Netz geben. Stattdessen zündet das Kabinett Seehofer weitere Nebelkerzen: Denn zwischen
Bayern, Baden­Württemberg und Hessen tobt ein neuer, heftiger Streit über eine geplante
Stromtrasse von Nord­ nach Süddeutschland. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU)
wies am Montag heftige Kritik aus den Nachbarländern an einem neuen Trassenvorschlag aus
München zurück. Dieser sieht vor, den sogenannten SuedLink nach Westen zu verschieben,
womit beide Nachbarn deutlich stärker belastet würden. Hessens Regierungschef Volker
Bouffier (CDU) sagte dazu: "Egal, was in Bayern gedacht, geredet oder geschrieben wird, es
wird keine Verlagerung der Trassenführung gegen die hessischen Interessen geben." Und
auch aus Stuttgart kam Kritik.
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Das Geld­Prinzip
Seehofer sagte vor einer CSU­Vorstandssitzung in München zu der bayerischen Idee: "Das hat
nichts mit Sankt­Florians­Prinzip zu tun, sondern mit einer vernünftigen Energiepolitik." Baden­
Württemberg brauche den SuedLink ohnehin und habe diesen auch begrüßt. Nun gehe es nur
darum, wo man einen Zweig nach Bayern führe. Und wenn man den SuedLink von der Nordsee
nach Baden­Württemberg führen wolle, dann müsse dieser eben durch Hessen führen. "Der
kann nur durch Hessen gehen", betonte Seehofer. "Wo soll er denn sonst durchgehen?"
Zudem rechtfertigte Seehofer das hartnäckige bayerische Vorgehen mit den
Milliardenzahlungen Bayerns etwa in den Länderfinanzausgleich. "Dann darf man schon mal
bayerische Interessen in anderen Bereichen ­ unter Einbettung in die Gesamtpolitik ­ vertreten",
sagte er.
Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) rechnete vor, dass nach den bisherigen Plänen
400 Kilometer neue Stromleitungen in Bayern gebaut werden müssten und nur 100 in Baden­
Württemberg. Durch die neuen bayerischen Vorschläge würde dies deutlich ausgewogener.
In einer am Wochenende bekanntgewordenen Stellungnahme zu den Netzausbauplänen der
Bundesnetzagentur plädiert das bayerische Wirtschaftsministerium für die Verschiebung der
Trasse nach Westen. Die Trasse soll demnach nicht ins unterfränkische Grafenrheinfeld führen
und von dort weiterverteilt werden, sondern direkt nach Baden­Württemberg ­ mit einem Zweig
ins bayerisch­schwäbische Gundremmingen. Seehofer sagte hierzu, am Anfang sei auch gar
nicht vorgesehen gewesen, dass der SuedLink durch Bayern führen solle. Und Aigner fügte
hinzu, es sei auch aus Sicherheitsgründen nicht sinnvoll, zu viele Trassen in Grafenrheinfeld zu
bündeln. Dort soll auch die Thüringer Strombrücke in Bayern ankommen.
Auf Thüringer Linie
Seehofer deutete unterdessen erstmals an, dass es vermutlich doch zwei neue
Höchstspannungstrassen geben könnte ­ neben der Thüringer Strombrücke. Er betonte zwar:
"Wir sagen: Zwei minus X. Gilt nach wie vor." Wenn aber andere Wege nicht einigungsfähig
seien, dann wolle man den SuedLink mit Abzweig nach Gundremmingen und die sogenannte
Süd­Ost­Trasse "unter Nutzung bestehender Trassen" nach Landshut oder Ingolstadt. "Das ist
unser Verhandlungs­, unser Gesprächsangebot." Damit wäre Seehofer zumindest in diesem
Punkt auf einer Linie mit Thüringen.
Bleibt am Ende die Frage, welchen Wert die Veranstaltungen der Bundesnetzagentur haben,
bei denen sie derzeit mit den Bürgern über die Ausbaupläne diskutiert. Denn eines wird
deutlich in diesen Tagen: Spruchreif beim Netzausbau ist in diesen Tagen nur, dass zwischen
Altenfeld und der bayerischen Landesgrenze der dritte Bauabschnitt der Thüringer Strombrücke
gebaut wird. Fest steht auch, dass die Netzbetreiber ungeachtet der politischen Ränkespiele
ihre Planungen vorantreiben. So vermeldete 50 Hertz in der vergangenen Woche, sich einen
größeren finanziellen Spielraum verschafft zu haben. Der Konzern plant bis 2024 Investitionen
von insgesamt rund 5,4 Milliarden Euro. Dafür hatte sich 50 Hertz einen Konsortialkredit über
750 Millionen Euro verschafft.
Quelle: www.insuedthueringen.de
Autor: Von Jolf Schneider
Artikel: http://www.insuedthueringen.de/regional/wirtschaft/Netzausbau­mit­einer­
Unbekannten;art83483,4093613
Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung
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